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3-2012

Nordrhein-Westfalen/Hessen/Bauernverband

Jahrgang 58

H 1318 F

Hessen:

Nordrhein-Westfalen:

Bauernverband:

Die Heimat bleibt unvergessen

Kulturportal West-Ost

Versammlung des Bauernverbandes

Herausgegeben von den BdV-Landesverbänden Hessen und Nordrhein-Westfalen www.bdv-nrw.de • www.bdv-hessen.de


Leitartikel

Inhalt

Für Deutschland sein?

Herkunft pflegen – Zukunft sichern 3 Erbe erhalten – Zukunft gestalten

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Kriegsende – und dann?

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BdV im Hessischen Landtag

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Die Heimat bleibt unvergessen

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„Kulturportal West-Ost“

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Auf Rübezahls Spuren im Riesengebirge

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Der Mythos der „Breslau-Elf“

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Suum cuique – Jedem das Seine!

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Nahrungsmittelproduktion weltweit drastisch steigern

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Bauernverband der Vertriebenen in Siegen

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Feldmaus-Invasion bedroht Ernten 

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Umschau für den Landwirt

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Eintreten für das Eigentum

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Innenpolitische Umschau

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Leserbriefe

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Steinbach übernimmt Patenschaft  für Timoschenko 18 Viermaster mit bewegter Geschichte

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Tanzfestival der VIRA e.V. 

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Katholische Kirche: „Das ist eine harte Zumutung“

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Was koche ich morgen?

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Umschau für die Frau

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Herkunft pflegen – Zukunft sichern 24 Zu guter Letzt

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Titelbild Das Titelbild entstand beim Sudetendeutschen Tag in Nürnberg und zeigt (v.l.n.r.) Ministerpräsident Horst Seehofer, den Sprecher der Sudetendeutschen landsmannschaft Bernd Posselt und BdV-Präsidentin Erika Steinbach MdB.

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in Fahnenmeer schmückte Deutschland zur FußballEuropameisterschaft. An Häusern und Autos wehte die schwarz-rot-goldene Flagge, manchmal in etwas merkwürdig anmutender Aufmachung. Fast konnte man sich an die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land im Jahr 2006 erinnert fühlen. Groß war die Begeisterung und die nationalen Farben der Deutschen waren ebenso präsent, wie die Nationalhymne inbrünstig – oft mit der amerikanischen Geste der Hand auf dem Herzen – mitgesungen wurde. Ein Ausdruck von Patriotismus? Wohl leider weniger. Kaum ist die deutsche Mannschaft ausgeschieden, verschwinden Fahnen und Fähnchen, ist die Hymne vergessen, Deutschland wird wieder die Deutschland AG .

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atriotismus ist nach der lexikalischen Begriffsbestimmung „eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation. Im Deutschen wird anstelle des Lehnwortes auch der Begriff „Vaterlandsliebe“ synonym verwendet. Diese Bindung wird auch als Nationalgefühl oder Nationalstolz benannt und kann sich auf ganz verschiedene als Merkmale der eigenen Nation angesehene Aspekte beziehen, etwa ethnische, kulturelle, politische oder historische.“ Braucht es einen sportlichen Wettkampf, um diese Gefühle hervorzurufen? In Deutschland benötigt es offensichtlich diesen Anlasses, um die eigene Nation zu vertreten, in anderen Ländern wird die Nationalhymne jeden Morgen in der Schule gesungen.

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ntifa und Grüne hinderte diese insgesamt traurige Analyse nicht, gegen den vermeintlichen Patriotismus zu Felde zu ziehen. Die Grüne Jugend mit einem Aufkleber „Patriotismus? Nein Danke!“, die Antifa mit dem Aufruf, Autofähnchen abzubrechen. Das Argument: „Diese Fahne steht nicht für Fußball, sondern für nationale Identität.“ Na hoffentlich möchte man sagen, aber die Worte bleiben einem im Halse stecken, wenn man sieht, wie schnell es mit der nationalen Identität wieder vorbei ist, wenn das sportliche Ereignis dem Alltag wieder Platz macht.

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erade das, was Antifa und Grüne kritisieren ist unserem Land zu wünschen. Die Besinnung auf die nationale Identität, ohne Nationalismus, ohne Chauvinismus, ohne mit dem Stolz auf das eigene Land andere abwerten zu wollen: Ein gesunder und selbstverständlicher Patriotismus. Man muss andere nicht kopieren und die Hymne in der Schule singen lassen, aber lernen sollte man sie in der Schule schon. Und nicht nur auswendig, sondern auch ihre Geschichte. Und nichts spricht dagegen, die Nationalfahne als Symbol der Zugehörigkeit zu unserer Nation auch nach der Europameisterschaft wehen zu lassen. Aber reine Symbolik genügt nicht. Wir dürfen stolz sein auf unser Land, auf seine Kultur, auf seine herausragenden Leistungen. Das sollte Grund für unseren auch nach außen gezeigten Patriotismus sein. Markus Patzke 35, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611/ 36019-0, Fax: 0611/36019-22, E-Mail: buero@bdv-hessen.de

ISSN 0723-4295 Organ des Bundes der Vertriebenen (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bauernverband der Vertriebenen). Herausgeber und Verlag: Bund der Vertriebenen – Landesverbände Hessen e.V. und Nordrhein-Westfalen e.V. Die Ausgabe Hessen wird durch das Hessische Sozialministerium gefördert. Anschriften: BdV-Landesverband NRW e.V. Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 02 11/35 03 61, Fax 02 11/36 96 76, E-Mail: info@ bdv-nrw.de BdV-Landesverband Hessen e.V., Friedrichstr.

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Politik

Herkunft pflegen – Zukunft sichern Horst Seehofer fordert Vertriebenengedenktag und Entschädigung Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat bei seiner Ansprache beim Sudetendeutschen Tag in Nürnberg ein klares Votum für einen VertriebenenGedenktag von der schwarz-gelben Bundesregierung verlangt. „Der Bundestag hat an die Bundesregierung einen klaren Prüfauftrag erteilt für die Einführung eines solchen Gedenktages. Den Worten müssen endlich Taten folgen“, so der CSU-Politiker. Auch die Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter sei nicht irgendwann nötig, sondern jetzt. „Wir zahlen überall in Europa für alles, dann können wir auch für die deutschen Zwangsarbeiter bezahlen.“, sagte Seehofer bei der Hauptkundgebung des Sudetendeutschen Tages. Beide Themen sollen beim nächsten Koalitionsgipfel am 4. Juni zur Sprache gebracht werden. „Ich werde beide Themen mit bayerischem Nachdruck in das Koalitionsgespräch einbringen. Mir liegt viel daran, dass Ankündigungen endlich Taten folgen“, sagte Seehofer. „Einen solchen Gedenktag brauchen wir nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer hatte bereits am Vortag angekündigt, im Kampf um eine Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter nicht locker lassen zu wollen. „Diese Entschädigung für die Zwangsarbeit ist kein Haushaltsthema, es ist ein Wertethema. Und ich möchte, dass es auch so behandelt wird in der Politik“, sagte die CSU-Politikerin während der Auftaktveranstaltung. Darüberhinaus erneuerte sie ihre Forderung nach einem bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. „Sie haben lang genug gewartet, jetzt ist die Zeit reif (...)“, rief sie den Sudetendeutschen auf dem Nürnberger Messegelände zu. Ein solcher nationaler

Gedenktag sei angesichts von Millionen Vertriebenen nicht nur gerechtfertigt, sondern eine „moralische Bringschuld unserer Gesellschaft“.

Holocaust-Überlebenden als „ganz große Persönlichkeit“. Als Opfer der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen besitze Mannheimer bis heute Mut und Kraft, als Zeitzeuge durch Vorträge, vor allem vor Jugendlichen, gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass zu kämpfen. Der

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, zeigte sich zuversichtlich, dass es nun zu einer Lösung kommt: „Ich bin entschlossen, in der Frage nicht nachzugeben. Das ist eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit“, sagte sie am Rande des Nürnberger Treffens. Nach Einschätzung von Erika Steinbach würden sich die Kosten für die Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer und Entschädigung deutscher der ehemalige bayrische Monisterpräsident Günther Beckstein Zwangsarbeiter auf 200 Millionen Euro belaufen. Gedacht sei an 92 Jahre alte Schriftsteller nahm den Preis einen Einmalbetrag von 5000 Euro für jeam Samstag bei einem Festakt in Nürnden Betroffenen. „Ein solcher Betrag muss berg entgegen. Der Bundesvorsitzende der adäquat zu dem sein, was allen anderen Sudetendeutschen Landsmannschaft, Franz Zwangsarbeitern gezahlt wird“, sagte sie. Pany, sagte, Mannheimers Lebensweg spieNach ihrer Schätzung leben in Deutschland gele die Geschichte des 20. Jahrhunderts. noch rund 40.000 Deutsche, die nach dem „Mannheimer wurde als Deutscher in der Ende des Zweiten Weltkriegs in Straflagern Tschechoslowakei geboren, von den Nazis in Polen, Russland, der Tschechoslowakei verfolgt und als Deutscher musste er seine und Rumänien zu Strafarbeit verpflichtet mährische Heimat verlassen.“ Mannheimer waren. Union und FDP hatten als Oppokönne in Deutschland wie in Tschechien sitionsparteien für eine solche Entschädials Fürsprecher der Verständigung und Vergung gestimmt. söhnung gehört werden. Der Holoc au st-Ü b erleb ende M a x Der Preisträger erinnerte in seiner DanMannheimer hatte zum Auftakt des kesrede an die „Katastrophe des NatioSudetendeutschen Tags den Europäischen nalsozialismus“, aber auch an das Leid der Karlspreis entgegengenommen. Der SpreVertriebenen: „Es ist ein fundamentales cher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Menschenrecht, Heimat zu haben und desBernd Posselt, bezeichnete den 92-jährigen halb fundamentales Unrecht, daraus vertrieben zu werden. Humanität ist nicht teilbar!“ Die Sudetendeutschen beklagten die unverändert „starre Haltung“ der tschechischen Regierung gegenüber den Vertriebenenverbänden. Der Vorsitzende der Landsmannschaft, Franz Pany, sagte, kurzfristig rechne er nicht mit großen Erfolgen bei den Bemühungen um einen Dialog mit der Regierung in Prag. „Dennoch glaube ich fest daran, dass die jetzt getanen Schritte umumkehrbar eine positive Entwicklung eingeleitet haben“, betonte er.

Zehntausende verfolgten die Hauptkundgebung beim Sudetendeutschen Tag Deutsche Umschau 3-2012

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Politik

Erbe erhalten – Zukunft gestalten Heimattag der Siebenbürger Sachsen Einen sensationellen Auftakt des Pfingsttreffens bot der Kronstädter Rockmusiker Peter Maffay mit seiner Band am Freitag mit einem Open-Air-Benefizkonzert zugunsten des Projektes der Peter Maffay Stiftung „Kirchenburg Radeln – Schutzraum für Kinder“. Zehntausend Siebenbürger Sachsen, Dinkelsbühler und Fans aus der Region feierten in bester friedlicher Stimmung und setzten gemeinsam ein Zei­chen für hilflose Kinder in Rumänien. Der 62. Heimattag der Siebenbürger Sachsen vom 25. bis 28. Mai 2012 mit rund 25000 Besuchern, davon 2600 Trachtenträger, war ein

Kultur einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Die Siebenbürger Sachsen hätten sich beispielhaft integriert und mit ganzer Kraft in die Gemeinschaft eingebracht. Jenseits der Wirtschaft, die nur eine Seite der Medaille darstelle, machten vor allem die Menschen den „Schatz“ eines Staates aus. Der CSU-Vorsitzende sagte, Bayern und Deutschland seien zukunftsstark, weil sie traditionstark seien. Brauchtum, Traditionen und Werte schafften erst die Identität. Gerade in diesem Bereich seien die Siebenbürger Sachsen beispielhaft, auch in ihrer Jugendarbeit. Seehoher kündigte an, sich in den Koalitionsgesprächen für die Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter und für die Einführung eines nationalen Gedenktages für die deutschen Heimatvertriebenen einzusetzen. Dies erklärte er am Samstag beim Heimattag in Dinkelsbühl und tags darauf beim Sudetendeutschen Tag in Nürnberg (Siehe Seite 3 dieser Zeitung). Rumäniens Staatspräsident Traian Băsescu sicherte in einer schriftlichen Botschaft zu, dass Rumänien das willkürlich im Kommunismus enteignete Eigentum gemäß dem Prinzip restitutio in inBayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erhielt das Große tegrum zurückgeben werde. Ehrenwappen, die höchste Auszeichnung des Verbandes der Seine Botschaft wurde bei Siebenbürger Sachsen in Deutschland, überreicht vom Bunder Eröffnung des Heimatdesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius (r.). Foto: Gunter Roth tages von Cristian Diaconegroßer Heimattag und doch leicht und un- scu, Chef des Präsidialamtes und früherer beschwert, weil sich die Siebenbürger in na- Außenminister Rumäniens, übermittelt. türlicher Weise zu ihrer Heimat bekennen Băsescu bedauerte den Weggang der Deutund ihre Kultur mit großer Begeisterung schen aus Rumänien als großen Verlust für pflegen. Das diesjährige Motto „Erbe erhal- sein Land und sprach sich für eine Wiederten – Zukunft gestalten“ sehen sie nicht nur gutmachung des von ihnen erlittenen Leids als Auftrag und Herausforderung, sondern aus. Er würdigte sie als „wahre Europäer in es ist zugleich gelebte Wirklichkeit, die von einem geeinten Europa“, die in ihren Herden Festrednern gewürdigt wird. zen Siebenbürger Sachsen geblieben seien. „Ihr Siebenbürger Sachsen seid einer der fünf Sterne Bayerns“, betonte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zur Eröffnung des Heimattages am 26. Mai. Der Freistaat Bayern habe sich seit der Wiedervereinigung zu einem Fünf-Sterne-Land entwickelt und nehme dank seiner Finanzkraft, seines Bildungssystems und seiner

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Mit Blick auf diese Botschaft des rumänischen Staatschefs erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Interview, das in der ARD-Tagesschau vom 26. Mai wiedergegeben wurde: „Wir haben heute in Dinkelsbühl ein Stück Geschichte erlebt“. Seehofer wurde für seine Verbundenheit zu den Siebenbürger Sachsen mit

Peter Maffay gibt Autogramme beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen dem Großen Ehrenwappen, der höchsten Auszeichnung des Verbandes, gewürdigt. Die Zusage des rumänischen Staatspräsidenten Traian Băsescu bezüglich der Entschädigungsrechts und der Wiedergutmachung bezeichnete Dr. Bernd Fabritius ebenfalls als „geschichtlich bedeutsames Ereignis“. Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. und Präsident der Föderation der Siebenbürger Sachsen wies in seiner Begrüßungsansprache am Sonnntag darauf hin, dass die Zukunftssicherung der zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim eine Gesamtaufgabe von Bund und Ländern sei.“ Goethe ließ einst Faust sprechen: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Das haben die Siebenbürger Sachsen verinnerlicht, wenn sie sich mit so viel Hingabe und Begeisterung ihrer Geschichte und Kulturerbe widmen, ihre Werte pflegen, wenn sie so viel Freude ausstrahlen wie die Landler bei der Brauchtumsveranstaltung, die jungen Künstler beim Nachwuchsprogramm, die Trachtenträger beim Festumzug, die Jugend bei den Tanzdarbietungen am Sonntagnachmittag. Der Funke ist demnach auf die junge Generation übergesprungen, und es besteht Hoffnung für eine gemeinsame Zukunft. So kann man Horst Göbbel zustimmen, der in einem Vortrag „Die Gestaltungskraft der Siebenbürger Sachsen heute“ anhand zahlreicher Beispiele verdeutlichte, so hat Inge Alzner, Vorsitzende des Kreisverbandes Nürnberg, Recht, wenn sie an der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen sagte: „Wir sind zukunftsfähig, weil die althergebrachten Werte, die Tugenden, das Völkerverbindende, der Glaube, das Friedensstiftende aus Siebenbürgen – trotz Krise und mancher Verzweiflung – zukunftsfähig sind und bleiben.“ Siegbert Bruss Deutsche Umschau 3-2012


Politik

Kriegsende – und dann? 7. / 8. Mai 1945 /2012 Einen viel beachteten Vortrag hielt Rektor a.D. Bruno Ulbrich im Mai 2012 beim BdV Bad Nauheim. Wir dokumentieren diesen Vortrag in stark gekürzter Fassung: Wer denkt nicht zurück an den Tag, als es keinen Kanondonner mehr gab und jeder sich freute, dass dieser unselige Krieg endlich zu Ende war. Ich selbst war in Breslau, auf einem Friedhof in einem Grab hatte ich meinen Gefechtsstand, aus dem ich hervorsteigen konnte, und in einer breiten Marschkolonne zogen wir unter der sicheren Begleitung von russischen Soldaten in die Gefangenschaft. Es war der 7. Mai, ein strahlender Sonnentag, der General von Breslau hatte diese Festung den Russen übergeben. Der Krieg war zu Ende und wir Soldaten ahnten nicht, was sich für uns alles ändern würde. Der Krieg war verloren und wir waren machtlos dem Feinde ausgeliefert. Von den anderen Kriegsschauplätzen und von der Welt wussten wir gar nichts. Erst in der Gefangenschaft erfuhr ich von den KZ und der schrecklichen Vergasung der Juden. Wir Soldaten an der direkten Kampffront hatten keine Nachrichten von zu Haus und von der Welt, und in der Kriegsgefangenschaft gab es für uns auch keine Zeitungen oder sonstige Nachrichten. Erst sehr viel später erfuhr ich, was alles Verbrecherisches geschehen war. Mit dem Kriegsende bin ich auf einmal zum Verbrecher geworden, denn alle Deutschen waren die Bösen, die Täter, und wir mussten kollektiv dafür büßen, was hinter der Front geschehen war. Und was hatten wir nicht alles verbrochen: die Juden und andere wurden in den KZ’s zu Tode gequält, ganze Volksteile waren in den Kriegsjahren aus den Ostgebieten vertrieben und umgesiedelt worden, die Menschen waren zur Zwangsarbeit unter mehr oder weniger guten Bedingungen gezwungen worden und noch so vieles mehr. Wir Männer waren bis 1945 im Krieg, und die Frauen mussten das Leid zu Hause ertragen. Die Russen besetzten das Land und wer konnte, floh rechtzeitig, so gut wie jeder konnte, in der Hoffnung, nach den Feindseligkeiten wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Doch was damals für uns noch unbekannt war, die Deutsche Umschau 3-2012

einstigen Feindmächte hatten bereits über unser Schicksal entschieden. Heute wissen wir es: Das von den Russen besetzte Land ging Deutschland verloren; Polen musste einen Teil seiner Ostgebiete an Russland abtreten und wurde dafür im Westen entschädigt. Die Polen hatten es sehr eilig, die verbliebenen Deutschen zu vertreiben und das „wiedererlangte Land“ schnellsten zu besiedeln. In zähen Verhandlungen wurde nach Kriegsende über die Umsiedlung von Millionen Menschen gerungen. Dabei ging es aber nicht um das Leid der Enteigneten und den Transfer der Heimatlosen, sondern ihre große Sorge war, wohin mit den Millionen von Menschen, die halb verhungert und völlig besitzlos waren. Wie und wo sollten sie in dem zerstörten Restdeutschland untergebracht werden und wie sollten sie in dem total verarmten Land ernährt werden. Was an den Deutschen geschah, das bleibt bis heute straffrei. Trotz aller internationalen Konventionen und Vereinbarungen, trotz mehrfacher Verurteilung von allgemeiner Kollektivschuld und Ächtung von Vertreibung als Völkermord bleiben die polnischen und tschechischen Dekret bis heute gültig, und trotz dieser Gesetze sind Polen und die Tschechische Republik Mitglieder der Europäischen Union. Dies bleibt für mich die gravierende Erinnerung an das Jahr 1945. Der Krieg war zu Ende und es begann für uns eine mörderische Ruhe. Wir Überlebenden haben alle Nöte und Leiden überstanden und in fast 70 Jahren Frieden zu unserer inneren Ruhe und Zufriedenheit gefunden. Doch der Rechtsbruch von 1945 ist noch immer nicht geheilt und noch immer gilt es: Was VON den Deutschen getan wurde war verbrecherisch, was AN den Deutschen verübt wurde war gerecht, und noch heute werden die Vertriebenen im Allgemeinen beschuldigt, obwohl es doch eine Kollektivschuld nicht geben soll. Was kann doch so ein Wörtchen VON oder AN doch alles für weitreichende und gravierende Bedeutung haben. R.M. Douglas ist Professor für Geschichte in Hamilton und New York und schrieb das Buch: Ordnungsgemäße Überführung – Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, erschienen 2012. Zu meinem Gedanken über die differenzierte Beurteilung

von Verbrechen schreibt er auf Seite 456 f.; ich zitiere: „Dies muss zu einer zweigleisigen Justiz führen, in der Verbrechen gegen Menschen, mit denen wir uns identifizieren, streng bestraft werden und ähnliche Verbrechen gegen andere entschuldigt, verkleinert oder ignoriert.“ Juristen, Staatswissenschaftler und Professoren mögen sich weiter mit den Paragraphen und internationalen Konventionen abmühen und die Archive durchblättern. Mögen uns die Herren bestätigen, dass die Vertreibung Völkermord war und ist und bleibt und dass wir vielleicht doch noch einmal ein Recht auf Wiedergutmachung oder gar Rückgabe unseres einstigen Besitzes erstreiten könnten. Für mich hat die Realität Bedeutung. Und ich sehe die Realität in etwa so: Wir Überlebenden haben uns in den fast 70 Jahren ohne direkte Kriegshandlungen in Europa in dem Restdeutschland ein neues Zuhause geschaffen, beim Wiederaufbau dieses zerbombten Deutschlands kräftig mitgewirkt, und für unsere Kinder ist dieses Land schon zur Heimat geworden. Eine Rückkehr in die verlorene Heimat würde bedeuten, unsere Familien und insbesondere unsere Kinder wieder zu entwurzeln und zu einem Neuanfang in einer fremden Welt zu zwingen, in der unsere Sprache nicht erwünscht ist. Es würde auch bedeuten, die jetzigen Bewohner und Besitzer unseres einstigen Eigentums zu verjagen. Es sind dies die Kinder der einstigen Täter, die für die Missetaten ihrer Vorfahren nicht die Schuld tragen können. Außerdem haben wir uns in der Charta der Vertriebenen von 1950 in Stuttgart dazu verpflichtet, auf Rache und Vergeltung zu verzichten. Ich bin also dafür, den Besitzstand unserer Generation nicht mehr zu verrändern, so schmerzlich dies auch für uns ist. Doch dass die Vertreiberstaaten Polen und die Tschechische Republik sich zu den Geschehnissen von 1945 und danach bekennen und den einseitigen und kollektiven Täter-Opfer-Standpunkt endlich aufgeben, das muss auch weiterhin eine ständige politische Forderung sein und eine Aufgabe für Juristen und Staatsrechtler und Politiker bleiben. In der Rechtsprechung muss endlich eine Gleichstellung für Verbrechen an Menschen erreicht werden, es darf nicht weiterhin in den Medien unterschieden werden, ob die schlimmen Ereignisse VON den Deutschen oder AN den Deutschen erfolgten.

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Politik

BdV Hessen legt Arbeitsschwerpunkte fest Auf dem BdV-Kreisverbandstag am vergangenen Samstag im hessischen Lauterbach, stellte der neue hessische BdV-Landesvorsitzende Siegbert Ortmann seine Vorstellungen über einige zukünftige politische Verbandsziele des Bundes der Vertriebenen (BdV) vor. Neben dem Beharren auf immerwährender Forderung nach dem globalen Selbstbe st immungsrecht der Völker und der unmissverständlichen Verurtei- Siegbert Ortmann lung der völkerrechtswidrigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei den Vertreibungen von Millionen Menschen nach dem zweiten Weltkrieg durch unsere östlichen Nachbarländer, müssten auch die derzeitigen weltweiten Menschenrechtsverletzungen ständig in das Bewusstsein unserer Gesellschaft gebracht werden.

BdV im Hessischen Landtag Interessanter Gedankenaustausch mit der CDU-Landtagsfraktion Einen Antrittsbesuch stattete der neu gewählte Landesvorsitzende des hessischen Bundes der Vertriebenen (BdV) Siegbert Ortmann mit seinen Vorstandskollegen der hessischen CDU-Landtagsfraktion ab. Der neue BdV-Vorstand, eine Mischung aus erfahrenen und neuen Mitgliedern sei „das richtige Rezept für gute und erfolgreiche Arbeit in den nächsten drei Jahren,“ so Ortmann. In einem offenen Gedankenaustausch wurden mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, dem Sprecher der CDU-Fraktion für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Spät-

hessischen Schulen auf dem Gebiet der geschichtlichen Aufarbeitung von Flucht, Vertreibung und Zuwanderung zu verzeichnen sind. Weitere Schritte dazu sollten jedoch folgen, z.B. regelmäßige Wanderausstellungen zu diesen Themen an den hessischen Schulen. „Ich bitte Sie auch“ so Ortmann „ um Befürwortung von offiziellen Reisen des Hessischen Ministerpräsidenten mit Begleitung aus den Vertriebenenverbänden, nach Polen und Tschechien, um Unterstützung der Vorhaben in der Frage eines nationalen Gedenktages für Flucht und Vertreibung und der Forderung nach Entschädigung von

Als unmittelbar Betroffene, hätten die deutschen Heimatvertriebenen das Recht und sogar die Pflicht, die begangenen Völkermorde u.a. in Armenien, beim Holocaust im eigenen Land, in Burundi, Ruanda, Bosnien und Darfur, bei jeder Gelegenheit zu verurteilen. Stellung genommen werden müsste auch zu den aktuellen unmenschlichen Vorgängen in Teilen der arabischen Welt und im Sudan.

V.l.n.r.: Dr. Christean Wagner, Siegbert Ortmann, Margarete Ziegler-Raschdorf, Ulrich Caspar

Ein deutscher Vertriebenenverband, der ursprünglich selbst aus unmenschlichen geschichtlichen Ereignissen der Vergangenheit entstanden sei, dürfe nicht schweigen, wenn weiterhin Menschenrechtsverletzungen in vielen Teilen der Welt begangen werden.

aussiedler Ulrich Caspar (CDU ) und der Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf, anstehende Projekte erörtert und Ideen für die Zukunft besprochen.

Ansprechpartner müssen dabei alle verantwortungsvollen Politiker in unserem Land sein, die Möglichkeiten der Einflussnahme auf das aktuelle Weltgeschehen haben. In diesem Zusammenhang kündigte der BdVLandesvorsitzende Siegbert Ortmann alsbaldige Gespräche mit allen Parteien des hessischen Landtags an - mit dem Ziel die eigenen Vorschläge zu einer friedlicheren Weltordnung und eine mögliche politische Umsetzung vorzutragen. Norbert Quaiser

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Der BdV-Landesvorsitzende bedankte sich für die bisherige gute Zusammenarbeit. So sei es ihm durchaus bewusst, dass „die alljährliche Zurverfügungstellung des landeseigenen Biebricher Schlosses für den Zentralen Tag der Heimat, eine großzügige Geste der Hessischen Landesregierung bedeute.“ Ortmann trug dann einen umfangreichen Themenkatalog vor, der von den Landespolitikern mit großem Interesse entgegengenommen wurde. So sehe man beim BdV durchaus die Fortschritte, die an den

deutschen Zwangsarbeitern.“ Besondere Anliegen seien dem BdV, „dass an den hessischen Landesmuseen wissenschaftlich begleitete Abteilungen zum Gebiet „Flucht und Vertreibung“ eingerichtet werden und dass auf dem Gelände des Hessischen Landtages in Wiesbaden, ein geeignetes, möglichst künstlerisch gestaltetes Erinnerungsmonument über „Flucht und Vertreibung“, errichtet wird.“ Nach angeregter Diskussion trennte man sich schließlich mit dem Angebot von Ulrich Caspar, eine der nächsten BdV-Vorstandssitzungen zu besuchen. Der BdVVorstand überreichte ihm das aktuelle Buch „Ordnungsgemäße Überführung“ von R.M. Douglas als Gastgeschenk. NQU Deutsche Umschau 3-2012


Politik

Die Heimat bleibt unvergessen Landesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft Mitte April trafen sich rund 80 Delegierten zur Landesversammlung im Haus der Heimat in Wiesbaden. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Sitzungspräsidenten Reinfried Vogler mit der Begrüßung der Gäste aus der Landsmannschaft und der Stadt-und Landespolitik: Dr. Christean Wagner, CDU-Fraktionsvorsitzender im Hesssischen Landtag, Dieter Schlempp als Vertreter von Dr. Helmut Georg Müller, Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden, Hans-Peter Schickel, stellvertr. Stadtverordnetenvorsteher, Gudrun Osterburg, Landesvorsitzende der Union der Vertriebenen und Georg Stolle, stellvertr. hessischer BdV-Landesvorsitzender.

Museumsdirektor. Aus meiner Sicht geht es nicht um die Vertreibung, sondern um den Prozess der deutschen Selbstzerstörung. Insofern auch nicht um die Deutschen als Opfer“. Wie kann man so kaltherzig, so unsensibel, so undifferenziert formulieren und Teile der Opposition im Hessischen Landtag sind derselben Auffassung. Das hat geschmerzt. Das schmerzt nicht nur Sie, das hat auch uns geschmerzt, die wir nach wie vor davon überzeugt sind, dass unsere Heimatvertriebenen nicht nur erhebliche Opfer bringen mussten, erhebliches Leid erlitten haben, sondern dass sie eine wichtige völkerverständigende Aufgabe für die Gegenwart und Zukunft unseres Volkes besitzen.

„Die hessische La ndesgruppe der Sudetendeutschen ist eine der drei größten im Bund“, meinte Vogler. „Wenn wir heute hier zusammenkommen, tun wir dies in einer Zeit, in der unsere Organisation in Bewegung kommt. Die Erlebnisgeneration tritt zurück und die Jüngeren rücken nach. Unser Ziel ist jedoch, unsere Standards zu halten, um damit zu dokumentieren, dass wir uns durch die Vertreibung nicht als Volksgruppe zerschlagen lassen. Wir möchten unsere Identität sowie unsere Rechtspositionen wahren“, so Vogler.

Es ist auch immer wieder zur Heimat selbst etwas zu sagen. In der Stuttgarter Charta heißt es: wir haben unsere Heimat verloren. Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Die Menschen mit Zwang von ihrer Heimat zu trennen, bedeutet im Geiste zu töten. Wir haben dieses Schicksal überlebt, deshalb fühlen wir uns berufen zu verlangen, dass das Recht auf die Heimat als ein von Gott geschenktes Grundrecht der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird. Dese Worte gelten heute genau so wie im Jahre 1950. Und sie gelten nicht nur für unsere deutschen Heimatvertriebenen, sie gelten für alle Heimatvertriebenen aller Nationen in der Welt.

Ehrengast und Hauptredner der Versammlung, Dr. Christean Wagner (CDU) kommt „als Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion und als Mitglied des Bundes der Vertriebenen, aber auch als ein Mensch, der in eine Familie hineingeboren ist, die am Ende des Krieges aus Königsberg in Ostpreußen vertriebenen wurde. Deshalb sind mir Ihre Schicksale und Fragestellungen von Kindheit auf bekannt und deshalb fühle ich mich als einer der Ihren und das ist für mich ein durchaus emotionaler Grund, um heute bei ihnen zu sein“, erklärte Wagner unter Beifall der Delegierten. Ein Teil der Opposition hat gerade ausgeführt, die Charta der deutschen Heimatvertriebenen sei „von gestern“. Diese Charta sei reaktionär, weil sie nicht die deutsche Kriegsschuld ausreichend deutlich mache. Das ist die Fortsetzung eines Denkens, das schon ein früherer deutscher Außenminister artikulierte, nämlich Joseph Fischer. Er hat im Jahr 2003 folgendes wortwörtlich formuliert: „Der Bund der Vertriebenen taugt nicht als Deutsche Umschau 3-2012

Und das ist die große moralische Tat der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, die man gar nicht hoch genug würdigen kann in ihrem Mut in ihrem Stehvermögen, als sie zum Schluss in der Koalition in Berlin durchgesetzt hat, dass es eine Stiftung gibt zur Erinnerung an Heimatvertreibung und Versöhnung und durchgesetzt hat, dass es hierfür auch ein Denkmal gibt. Ich habe kein Verständnis dafür, dass benachbarte Staaten daran Anstoß nahmen. Es geht nicht nur um uns, sondern um alle Heimatvertriebenen der Welt. Wir haben nur mit unseren 15 Millionen Heimatvertriebenen eine besondere Erfahrung, eine besondere Kompetenz dafür zu sprechen. Aber die Größe von Frau Steinbach und der Vertriebenen besteht darin zu sagen: wir sind nicht so rückwärtsgewandt, sondern wir wollen für alle Zukunft einen Beitrag dazu leisten, dass es

keine Vertreibungen mehr gibt. Wegen des deutsch-tschechischen Verhältnisses ist darauf hinzuweisen, dass es auch Jahrhunderte guten Zusammenlebens gegeben hat. Es ist ja nicht so, dass die Deutschen in Böhmen und Mähren sich nur bekämpften. Jahrhundertelang haben sie im böhmisch-mährischen Raum harmonisch zusammengelebt. Zu diesem Fragenkomplex gehört aber auch und das muss klar und deutlich angesprochen werden, die Frage der Benes-Dekrete. Nach diesen Dekreten galten als staatlich unzuverlässige Personen Deutsche und Ungarn, die sich in tschechischem Hoheitsgebiet aufhielten. Eine Diskriminierung sondergleichen. Es wurden außerordentliche Volksgerichte geschaffen, um Deutsche und Ungarn vor Gericht zu ziehen und ungerechtfertigten Gerichtsverfahren zu unterwerfen. Es wurden 475 Todesurteile ausgesprochen und vollstreckt. In den Benes-Dekreten spricht man schönfärberisch von der Ausbürgerung der Deutschen und der Ungarn. In Wirklichkeit war es eine wilde Vertreibung, Zwangsarbeit, Auflösung des deutschen Lebens in Prag und Brünn und die mit der Vertreibung begangenen Verbrechen wurden für nicht rechtswidrig erklärt, um nur einige wenige Teile der Benes-Dekrete zur Sprache zu bringen. Mit großer Befriedigung kann festgestellt werden, dass es innerhalb der tschechischen Gesellschaft Diskussionen gibt, ein Ringen um geschichtliche Wahrheit, ein Ringen um Aussöhnung mit den deutschen Nachbarn: das ist ein verheißungsvolles Zeichen, dass sich eines Tages die führenden Politiker in der tschechischen Republik dem unwiderstehlichen Strom der Zeit auch anschließen. Es ist unsere Christenpflicht, es ist unsere Pflicht als Teil des deutschen Volkes, es ist unsere Pflicht vor der Vergangenheit und vor der Zukunft unseres Volkes, unsere eigene Identität immer wieder aufs neue einzubringen und auf diese Art und Weise völkerverständigend und friedensbringend aktiv zu sein. Das ist und bleibt die große Aufgabe der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Als Dank für seinen Besuch überreichte Landesobmann Alfred Herold Dr. Wagner Erika Steinbach`s Buch „Die Macht der Erinnerung“. Alfred Herold erinnert in seinem Jahresrückblick daran, dass er beim letzten BdVLandesverbandstag vor 3 Wochen das Amt Fortsetzung auf Seite 8

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Politik Fortsetzung von Seite 7 des Landesvorsitzenden in jüngere Hände gelegt hat. 80 % der Vertriebenen in Hessen seien Sudetendeutsche, wodurch die Arbeit der SL ein besonderes Gewicht erhält. In den letzten 2 Jahren fanden 3 große Veranstaltungen, Gemeinschaftsleistungen von BdV und SL, im Lande Hessen statt: der Tag der Vertriebenen beim Hessentag, der

„Heimat“ oft nur negativ gesprochen wird. Dabei gibt es 2 Dinge in der Welt, die man nicht kaufen kann: Glück und Heimat. Herold forderte die Delegierten auf, unsere klare Linie weiter zu verfolgen. „Die Zukunft gehört den Handelnden und nicht den Klagenden“, schloss Herold seine Ansprache. „Wenn wir eines Tages abgerufen werden, dann können wir sagen: wir haben

V.l.n.r. Alfred Herold, Dr. Christean Wagner, Reinfried Vogler zentrale Tag der Heimat im Biebricher Schloss und das Neujahrsgespräch beim hessischen Ministerpräsidenten. Große Verdienste hat sich bei der Gründung dieser Veranstaltungen Rudolf Friedrich erworben. In seiner Arbeit habe Herold den BdV immer als Kopf und die SL als Herz gesehen. Als eine weitere Aufgabe, die uns zugewachsen ist, bezeichnete Herold die Fahrten in die Heimat. Herold erinnert daran, dass er, nachdem er 1968 seine 1. Fahrt in seinen Heimatort Bärn unternommen hatte, in der Zwischenzeit 73 Mal dort war. „Grenzen sind die Narben der Geschichte“ so Herold. „Brückenbauer zu sein, in dem man hinüberfährt, um mit den Menschen zu sprechen und aufzuklären und Geschichte sichtbar zu vermitteln. Unsere Vorfahren haben mit dem Fleiß ihrer Hände und der Kraft ihrer Herzen aus jeder Wurzel fruchtbare Heimat geschaffen“, fügte er hinzu. Ein Gespräch mit Schülern in der OttoHahn-Schule in Hanau ist Herold in besonderer Erinnerung. Als Zeitzeuge habe er den Schülern die politische Lage im Sudetenland bis Kriegsende und die Vertreibung der Deutschen nach 1945 erklärt und ein außerordentliches Interesse festgestellt. Für Herold ist es unbegreiflich, dass über

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einer guten Sache gedient“ fügte er hinzu. Landesfrauenreferentin Rosemarie Kretschmer bezeichnete „Kultur bewahren – sozial tätig – politisch aktiv sein“ – als die drei „Säulen ihrer Arbeit. Sie erinnerte an das Osterfest vor wenigen Tagen, ein Fest der Familie mit vielen besonderen Bräuchen, die an unsere Heimat erinnern. Bereits hier beginnen die Aufgaben unserer Frauen, mit verschiedenen Ritualen, wie das Osterwasser holen, besondere Speisen vorbereiten, oder die Walpurgisnacht, die die Erinnerung an unsere Heimat aufrecht erhalten. Hier leisten unsere Frauen eine ganz besondere wichtige Arbeit, nicht nur in der Familie, sondern auch nach draußen in den Bekanntenkreis. Auch die Klöppel- und Werkwoche, die schon seit über 20 Jahren von Frauen im DJO-Landesheim Rodholz in der Rhön stattfindet, hat an Interesse und Bedeutung nicht nachgelassen. In diesem Jahr findet die Werkwoche vom 11. – 18. August statt. Anmeldungen werden noch entgegengenommen. Ein weiteres Beispiel sind die heimatlichen Werkstätten beim Sudetendeutschen Tag und das Frauenforum, das jedes Jahr großen Zuspruch findet und immer die Unterstützung der hessischen Frauen hat.

„Das Referat Öffentlichkeitsarbeit hat das e-mail-Netz für interne Informationen innerhalb des Verbandes weiter ausgebaut“, so Norbert Quaiser. Jeder Amtsträger der über eine e-mail-Adresse zu erreichen ist, sollte diese bekannt geben. Die e-mail Adressen der Zeitungsredaktionen werden ständig aktualisiert und ergänzt. Der Generationswechsel innerhalb unseres Verbandes, wird zu Neuorientierung an vielen Stellen unserer politischen Arbeit führen. Den Jüngeren wird Platz zur selbstgewählten Zukunftsgestaltung eingeräumt werden müssen. Dabei offene oder unterschwellige negative Unterstellungen zu vermeiden, wird vielen schwer fallen. Bernhard Goldhammer z.B. schrieb im Weihnachtsbrief Dezember 2011 „wer in der jungen Generation käme auf die Idee, sich mit „liebe Landsleute“ anzusprechen. Eine „harmlose“ Äußerung, für die Betroffenengeneration ein Stich ins Herz? In der Aussprache zu den Referaten und zu den Berichten stellt Dr. Herfried Stingl fest, dass Dr. Wagner die Bedeutung der Charta gewürdigt hat. Leider ist in kaum einem hessischen Schulbuch diese Charta überhaupt erwähnt. Wie soll die jüngere Generation von dieser Charta erfahren, wenn sie im Schulunterricht nicht behandelt wird? Helmut Brandl möchte zur Öffentlichkeitsarbeit Anstöße geben. Die bisherige Aktivität nach außen sollte durch neue Kommunikationsmittel ergänzt werden. Die gut geführte homepage des Kreisverbandes Groß-Gerau sei dafür ein Beispiel. Darin können aktuelle Informationen über Bundes-, Landes- und Kreisthemen publiziert und aus heimatpolitischer Sicht auf breiter Basis behandelt werden. Am Ende der Veranstaltung stellte Vogler fest, dass diese wieder einmal gezeigt hat, dass wir selber in der Lage sind, für die Belange unserer Volksgruppe tatkräftig einzustehen. Dass wir eine Gemeinschaft sind, die zusammenhält und die sich auch durch Gegenwind nicht beirren lässt. Sie hat gezeigt, dass wir Freunde haben auch außerhalb unseres Verbandes, in der Politik, in den Kommunen. Und insofern bittet Vogler, dass wir uns in bewährter Weise mit neuem Elan und mit verstärktem Einsatz dafür einsetzen, dass unsere Organisation tatkräftig am Leben bleibt und nicht als Sekte sondern als eine tatkräftige politische Gemeinschaft zur Kenntnis genommen wird. Norbert Quaiser Deutsche Umschau 3-2012


Kultur

„Kulturportal West-Ost“ Eine neue Internetpräsentation Versteht man die Pflege der Kultur der Deutschen im östlichen Europa als wichtige Zukunftsaufgabe, die dazu beitragen kann, das gegenseitige Verstehen der Nachbarn zu fördern, so gilt es, zeitgemäße Formen der Vermittlung zu finden. Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, und die Stiftung deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR, Königswinter haben zu diesem Zweck gemeinsam die neue InternetPlattform „Kulturportal West-Ost“ erstellt. Das „Kulturportal West-Ost“ soll einen Zugang zu dem in der Öffentlichkeit

eine Datenbank zu den Trägern ostdeutscher Kulturarbeit. Sie bietet die aktuellen Adressen von zurzeit ca. 2.500 Institutionen und Ansprechpartnern, die in einer späteren Ausbaustufe durch detailliertere Angaben ergänzt werden sollen. Die betreffenden Institutionen sind sowohl über Volltext- bzw. Stichwortsuche als auch über interaktive Karten der Standorte auffindbar. Als weitere Datenbank wurde die von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen seit einigen Jahren betreute „Ostdeutsche Biographie“ integriert, die Tausende von

Kulturarbeit gemäß § 96 BVFG, dort ihre anstehenden Veranstaltungen anzuzeigen, gegebenenfalls auch auf aktuelle Presseberichte, TV- und Radiosendungen und Beiträge zu Einzelthemen zu verweisen. Damit das „Kulturportal West-Ost“ erfolgreich arbeiten kann, sind die Betreiber auf die freundliche Mithilfe der betreffenden Institutionen selbst angewiesen. Sie laden daher herzlich dazu ein, ihnen regelmäßige Informationen über anstehende Veranstaltungen und über Neuerscheinungen zukommen zu lassen, die dann gerne anzeigt werden. Besonders wertvoll sind ferner Mitteilungen über Änderungen von Adressen, Vorständen etc. der Institutionen. Ebenso sind Hinweise fehlerhafte bzw. zu korrigierende Angaben ausdrücklich erwünscht. Die bestehenden Internetauftritte der beiden Stiftungen, zu denen man von der Seite des „Kulturportals West-Ost“ aus gelangt, wurden neugestaltet bzw. mit gleichartigem, dem Kulturportal angepassten Design versehen. Beide Institutionen weisen dort auf ihre jeweiligen auf Aktivitäten und Projekte hin, bieten Publikationen in einem OnlineShop an und stellen eigene aktuelle Beiträge in Form von Downloads zur Verfügung.

weitgehend unbekannten oder gar verkannten Reichtum der deutscher Kultur des östlichen Europa bieten – einen Zugang, der sich angesichts der unübersichtlichen Vielfalt der zuständigen Einrichtungen oft nur schwerlich finden lässt. Es wendet sich an einen breiten Kreis von Nutzern – von im Bereich der ostdeutschen Kulturarbeit engagierten Personen, über Lehrende und Lernende, Journalisten und Publizisten, politische Entscheidungsträger bis hin zu in der Wissenschaft Tätigen und bietet eine wichtige und effiziente, weil leicht zugängliche Orientierungshilfe. Zentraler Bestandteil des Kulturportals ist Deutsche Umschau 3-2012

Lebensbildern bedeutender im historischen deutschen Osten beheimateter oder dort wirkender Persönlichkeiten bietet. Auch hier erleichtern umfangreiche Suchfunktionen die Benutzung. Eine besondere Rolle ist der von der Stiftung deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR herausgegebenen „Kulturpolitische Korrespondenz“ als eines überregionalen Presseorgans zuzuweisen, das im Kulturportal sowohl mit seinen aktuellen als auch mit den älteren Ausgaben abrufbar bzw. nach Themen und Personen durchsuchbar gemacht wird. Wesentlicher Inhalt des Kulturportals ist zudem das Angebot an alle Träger der

Das neue „Kulturportal West-Ost“ versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Angeboten der anderen Einrichtungen mit eigenen Internetauftritten. Angestrebt wird, es um weitere „Bausteine“ in Form von Datenbanken, Downloadmöglichkeiten etc. zu ergänzen. Auch hierfür sind Anregungen herzlich willkommen. Es soll den Nutzern Freude machen, mit dem neuen attraktiv gestalteten, professionell erstellten und betreuten, „Kulturportal West-Ost“ den – für viele noch fremden – Reichtum, den die Kultur der Deutschen im östlichen Europa bietet, zu entdecken. Die Freischaltung des neuen Portals wird im Rahmen des Sommerfestes des Gerhart-Hauptmann-Hauses am 5. Juli 2012 erfolgen. Ernst Gierlich

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Kultur

Auf Rübezahls Spuren im Riesengebirge BdV-Lauterbach unternahm eindrucksvolle Reise nach Ostböhmen Schon früh am Morgen starteten am vergangenen Donnerstag 48 Teilnehmer aus Lauterbach und Umgebung zu einer Reise ins tschechische Riesengebirge. Zum gegenseitigen Kennenlernen der Teilnehmer sorgte das mitgeführte und im Freien dargebotene rustikale „oberhessische Frühstück“ an einer Autobahnraststätte im „Altenburger Land“. Nach der Weiterfahrt durch sorbisches Siedlungsgebiet an der Lausitz im östlichen Sachsen und dem tschechischen Grenzstädtchen Grottau, das im 12. Jahrhundert von deutschen Webern aus dem hessischen Vogelsberg gegründet worden sein soll, erreichte die Gruppe am frühen Nachmittag nach 520 km Reichenberg, die Stadt im Schoße der Berge, und nahm Quartier im zentral gelegenen Hotel „Goldener Löwe“. Nach kurzer Erholungsphase ging es mit der Kabinenseilbahn auf den Hausberg von Reichenberg, dem 1012 m hohen Jeschken und in das dort in dem markanten Aussichtsturm eingebauten Restaurant zum gemütlichen Abendessen. Tiefhängende Wolken versperrten zunächst jedwede Aussicht, doch lichteten sich diese später und es bot sich ein grandioser Rundblick über das Iser- und Riesengebirge. Der nächste Tag begann morgens mit einer Führung durch die größte Stadt des ehemaligen Sudetenlandes. Zu Fuß ging es durch den historischen Stadtkern, zu dessen schönsten Bauwerken das Rathaus mit Gedenktafel der Opfer aus der Zeit des Prager Frühlings vom 21. August 1968, das Frantisek-Salda-Theater, das Museum und die Handelskammer gehören. Auch die alten Waldsteinhäuser von 1678, deren historisches Aussehen leider nur noch aus Fassaden besteht und auch ganz moderne Bauwerke, wie das neue Einkaufszentrum wurden besichtigt. Am frühen Nachmittag reiste die Gruppe in die seit 1712 betriebene Glashütte Novosad & Syn Harrachov mit Museum nach Harrachsdorf. Die schwere Arbeit der Glasbläser und die bestehenden Arbeitsverhältnisse in dieser Fabrik hinterließ bei den Besuchern einen recht nachhaltigen Eindruck. Im Verkaufsladen der Fabrik wurden noch Glaseinkäufe getätigt und die Fahrt führte weiter nach Hohenelbe, dem sog. „Tor zum Riesengebirge“ mit dem historischen Renaissanceschloss von 1546 zu einer Besichtigungs- und Kaffeepause. Über die „Panoramastrasse“ mit herrlichen

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Begegnungen zwischen den Heimatvertriebenen und den heutigen tschechischen Bürgern im ehemaligen Sudetenland und überreichte den Gästen eine Flasche „Schlitzer Doppelkorn“ und in Pralinenform die „Schrittsteine“ aus Lauterbach. Der letzte Reisetag führte zunächst in eine Gedenkstätte aus finsterer deutscher Geschichte, dem ehemaligen Stasi-Gefängnisses in Bautzen. Von der dort zu sehenden Darstellung des Zeitraumes der Ereignisse von 1956 bis 1989 waren die Reiseteilnehmer tief beeindruckt. Historische Einrichtungen dieser Art über die Diktatur in der ehemaligen DDR müssen unbedingt erhalten und allen Bürgern zugänglich gemacht werden, um die Unmenschlichkeit diktatorischer Systeme in der Vergangenheit nicht verges-

Landschaftsblicken aus dem fahrenden Bus auf das Riesen-, Iser- und Lausitzergebirge wurde wieder Reichenberg erreicht und das vorgegebene Programm dieses Tages damit beschlossen. Allerdings stand nach dem Abendessen im Hotel noch die Übertragung des Fußballspiels Deutschland gegen Griechenland an, das auf einer Großbildleinwand mit dem tollen Ergebnis für unsere Nationalmannschaft allgemein begeisterte. Die ostböhmische Metropole „Königgrätz“ war am dritten Reisetag zunächst das Ziel. Die Fahrt ging durch das böhmische Paradies mit der Burg Trosky und ihrer unverwechselbaren Silhouette mit den beiden Kegel „ Baba“(altes Weib) und „Panna“(Jungfrau). Dann wurde das kleine, aber sehr anschaulich gestaltete Kriegsmuseum über die Schlacht von 1866 bei Chlum aufgesucht und von einem hohen Aussichtsturm die ehemaligen Schlachtfelder rundum besichtigt. In Königgrätz überzeugte vor allem die historische Innenstadt mit dem großen Marktplatz und die Kathedrale des Heiligen Geistes. Nachmittags ging die Fahrt über Hermanitz an der Elbe , dem Geburtsort von General A.Wallenstein, vorbei am Spital Kukus in die wunderschöne Glashütte Novosad & Syn Harrachov Stadt Trautenau mit dem einzigartigem Rübezahlbrunnen von 1892. Bei herrli- sen zu lassen, so die einhellige Meinung der chem Kaiserwetter konnte von dort der alles Reisegruppe. Den Abschluss des Reiseproüberragende Gipfel der Schneekoppe, dem gramm bildete der eingeplante nachmittägmit 1602 m höchsten Berg des Riesengebir- liche Besuch in der wunderschönen Euroges gesehen werden. Leider ging auch dieser pastadt Görlitz an der polnischen Grenze. Tagesausflug viel zu schnell zu Ende und Unter sehr sachkundiger Führung einer rees schloss sich als Abendprogramm im Ho- gionalen Reiseleiteren wurden die markantel ein „böhmischer Abend“ mit regionalen ten Punkte der Altstadt zu Fuß besichtigt Spezialitätenessen, Musik und Freibier bis in und sehr verständlich erläutert. Diese Stadt die späten Abendstunden an. Als Gast war im äußersten Osten gelegen, ist ein Ausauch der Bürgermeister von Reichenberg, hängeschild unseres Vaterlandes und einHerr Jiri Solc mit Dolmetscherin Jana Sy- fach sehenswert. Reiseteilnehmer Nobert korova erschienen, der ein Statement über Lange lobte auf der Busrückfahrt nach Lauseine Kommune gab und der besonders her- terbach die hervorragende Organisation die vorhob, dass es ihm eine Herzensangelegen- vom Bund der Vertriebenen (BdV) in Lauheit gewesen sei, der Einladung einer deut- terbach geplante und durchgeführte Inforschen Reisegruppe, unter denen sich auch mationsreise und dankte den mitreisenden zahlreiche Bewohner des ehemaligen Su- Vorstandsmitglieder, Siegbert Ortmann, detenlandes befanden, zu folgen. Reiselei- Anton Lerch und Karl-Heinz Knopp für ter Siegbert Ortmann, auch BdV-Landes- ihren engagierten Einsatz zum Gelingen vorsitzender von Hessen, verwies in seiner dieser eindrucksvollen, tollen Reise in das kurzen Rede besonders auf die immer bes- Land des Berggeistes Rübezahl. ser und intensiver werdende Kontakte und Siegbert Ortmann Deutsche Umschau 3-2012


Kultur

Der Mythos der „Breslau-Elf“ Vor 75 Jahren spielte die deutsche Nationalmannschaft in Breslau Der Pfingstsonntag 1937 war die Geburtsstunde der deutschen Fußballnationalmannschaft mit der besten Jahresbilanz, die es je gab. Die deutsche Auswahl gewann sensationell mit 8:0 gegen Dänemark. Die „Breslau-Elf“, eine der stärksten deutschen Mannschaften aller Zeiten, war geboren. Heute ist sie fast in Vergessenheit geraten, weil sie nie etwas gewonnen hat. Drei Weltmeister- und Europameistertitel mit den Mannschaften, die sie errungen haben, sind in Erinnerung geblieben, der Erfolg der „Breslau-Elf“ droht in Vergessenheit zu geraten. In diesen Wochen, in denen der Fußball das beherrschende Thema ist, erinnern wir 75 Jahre nach den legendären Erfolgen an diese Mannschaft. Die Mannschaft blieb 1937 in elf Spielen ungeschlagen und gewann davon zehn. Vor und nach dem Krieg hat Deutschland keine Nationalmannschaft Auswahl gehabt. Der Nationalmannschaftskader des „Trainerduos“ Sepp Herberger und Otto Nerz setzte sich im Kern noch aus Spielern zusammen, die bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien, drei Jahre zuvor, überraschend den dritten Platz erreicht hatte. Sie wurde ergänzt um junge Nachwuchsspieler wie das Schweinfurter Läuferpaar Kitzinger/Kupfer, den Schalkern Gellesch und Urban sowie Elbern von Beuel 06.

Der 16. Mai 1937 ist in der deutschen Länderspiel-Chronik ein besonderes Datum. Es war der Geburtstag der Breslau-Elf: 40.000 Besucher erlebten im Stadion der schlesischen Metropole ein 8:0 gegen Dänemark. Die deutsche Elf zelebrierte nahezu Fußball in Vollendung. Einer hatte seinen ganz großen Auftritt: Otto Siffling, Mittelstürmer vom SV Waldhof, dem Stammverein Sepp Herbergers. Mannheims wohl größter Fußballer, ein technisch sehr beschlagener, oft rochierender, „spielender“ Stürmer, erzielte fünf der acht Tore. Für alle unfassbar war, dass der hoch Begabte zweieinhalb Jahre später im Alter von nur 27 Jahren an den Folgen einer Rippenfell-Entzündung verstarb. In der in zehn Spielen unbesiegten Breslau-Elf hatte Siffling im Angriff einen festen Platz neben Ernst Lehner sowie den Schalkern Rudi Gellesch, Fritz Szepan und Adolf Urban. Torhüter war Hans Jakob, Paul Janes und Reinhold Münzenberg verteidigten, die Läuferreihe bildeten Andreas Kupfer, Ludwig Goldbrunner und Albin Kitzinger. Von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erwartet man vor dem Testspiel gegen die Dänen in Breslau einen glatten Sieg, zumal es 1937 bis dahin bereits deren vier bei einem Remis gegeben hat. Die längste Siegesserie der DFB-Historie läuft also bereits,

Der fünffache Torschütze Otto Siffling (Waldhof Mannheim) doch das ahnt noch niemand. Ein 1:0 gegen Luxemburg und ein 1:0 in Zürich gegen die Schweiz verleitet niemanden zu Größenwahn. An jenem 2. Mai 1937 wird auf dem traditionellen Bankett in Zürich die Breslau-Elf, wenn man so will, gezeugt. Wer ihr Vater ist, darüber streiten die Gelehrten. Die Führung der Nationalelf ist aus heutiger Sicht verwirrend bis chaotisch. Der alte Reichstrainer Dr. Otto Nerz ist nach dem Olympia-Debakel 1936 nicht mehr wohl gelitten und wird vorübergehend beurlaubt, Sepp Herberger hat ihn 1936 bereits zweimal vertreten. Doch Dr. Nerz kämpft um seinen Posten, er bleibt in der Verantwortung. Über allem schwebt ohnehin der Präsident des DFB, damals umbenannt in „Fachamt Fußball im Reichsbund für Leibesübungen“, Felix Linnemann. Er hat formal das letzte Wort bei der Aufstellung, Nerz bestimmt die Trainingsabläufe und Herberger, quasi als Übungsleiter, führt sie aus. Dennoch darf er sich Reichstrainer nennen. Herberger hat sich bereits am 12. Dezember 1936 bei Linnemann beschwert: „Ich frage mich, was ich als Reichstrainer eigentlich zu tun habe, wenn Dr. Nerz für die Schulung, Betreuung und Aufstellung der allein verantwortliche Mann ist. Ich werde mit einer solchen Lösung nie einverstanden sein.“ Wobei wie erwähnt sich auch Linnemann in die Aufstellung einmischen darf, was er bei der WM 1938 tun wird.

Die Breslau-Elf (von links): Fritz Szepan (Schalke 04), Hans Jakob (Jahn Regensburg), Rudi Gellesch (Schalke 04), Ernst Lehner (Schwaben Augsburg), Reinhold Münzenberg (Alemannia Aachen), Ludwig Goldbrunner (Bayern München), Paul Janes (Fortuna Düsseldorf), Otto Siffling (Waldhof Mannheim), Alfred Urban (Schalke 04), Andreas Kupfer und Albin Kitzinger (beide Schweinfurt 05) Deutsche Umschau 3-2012

Im Mai 1937 muss Herberger sich die Aufstellung nur von Otto Nerz abnicken lassen. In seinem Nachlass schildert der Reichstrainer das so: „Als wir zum Bankett Fortsetzung auf Seite 12

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Kultur Fortsetzung von Seite 11 aufbrachen, hatte ich meine Mannschaft für unser nächstes Spiel. Sie wurde auch am gleichen Abend perfekt. Die Tischordnung war so getroffen; x (d.h. Nerz) am Tisch der Prominenz sitzend, doch auf Reichweite von mir platziert war. Von dort reichte er mir einen Zettel zu, auf dem sein Vorschlag für das nächste Treffen zu lesen war. Er hatte diese Aufstellung: Jakob – Billmann, Münzenberg – Kupfer, Goldbrunner, Kitzinger – Lehner, Siffling (Hohmann/Lenz), Szepan, Urban.“ Dr. Nerz ist in der Mittelstürmer-Frage unentschlossen, schwankt zwischen Karl Hohmann aus Benrath und Dortmunds August Lenz. Herberger will keinen von beiden, „nominiert“ den Mannheimer Otto Siffling und tauscht auch den rechten Verteidiger aus: für Nürnbergs Willi Billmann sieht er Düsseldorfs Paul Janes vor. Doch wird Nerz das akzeptieren? Herberger: „Ich reichte meinen Zettel mit meinen Korrekturen wieder über den Tisch

Sepp Herberger zurück, er überflog ihn, nickte mir zu und sagte – kopfnickend – „in Ordnung!“ Die Breslau-Elf, über die wahre Hymnen gedichtet werden sollten, ist also das Resultat einer Zettelwirtschaft. In dem von Eitelkeiten geprägten Verhältnis zwischen Nerz und Herberger, der erst ab 1938 nach dem gänzlichen Rückzug des Konkurrenten in die Wissenschaft (Professur an der Berliner Reichsakademie für Sport) alleinverant-wortlich, aber keineswegs souverän in seinen Handlungen war, ist die Frage nach dem Urheber nicht ohne Brisanz. Es spielt also die Elf, die Herberger will, aber Nerz hat sie genehmigt. In seinen Notizen nennt Herberger Nerz leicht spöttisch

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deshalb den „Großvater“ der Breslau-Elf. Seine Rolle beschreibt er so: „Die Breslau-Elf spielte nach meinem Konzept! (ich glaube, dass ich schon Einfluß auf das Geschehen auf dem Feld genommen hatte. Allein schon durch die formelle Besetzung d. Formation.)“ Das Fachamt Fußball plant das Länderspiel generalstabsmäßig. Am 10. Mai geht den 14 geladenen Spielern ein Schreiben des Stellvertretenden Geschäftsführers Hörbrand zu, das ihre Anreise detailliert regelt. Auszug: „Sie wollen sich so einrichten, dass Sie am Freitag, den 14.5., abends in Breslau eintreffen. Sammelpunkt: ‚Hotel Vier Jahreszeiten‘… Von Ihnen sind mitzubringen: Strümpfe, Turnschuhe, Trainingsanzug und 2 Paar in gutem Zustand befindliche Fußballstiefel...“ Mann des Tages wird der Stürmer, der sich selbst aufgestellt hat: Mannheims Otto Siffling schießt nach Ernst Lehners frühem Führungstreffer (7.) fünf Treffer binnen 32 Minuten – eine Sensation, die es nie zuvor und auch nie mehr in einem DFB-Länderspiel gegeben hat. Zur Halbzeit steht es 4:0, nach 65 Minuten enden die Siffling-Festspiele beim Stand von 6:0. Nun wird die Elf, die an diesem Tag im ganzen Reich bekannt werden wird, etwas nachlässig. Prompt eilt Herberger an die Seitenlinie und fordert wieder Engagement ein. Die Schalker Alfred Urban (70.), der Linksaußen, und Kapitän Fritz Szepan (78.) schrauben das Resultat prompt in unerwartete Höhen. Die Schalker genießen in jenen Tagen eine hohe Popularität, ihr Kreisel ist nicht nur unter Fachleuten ein Begriff. Als nun Szepan sein Tor schießt, „da bricht große Freude im Stadion aus. Ein Tor des Regisseurs hat sich die Menge schon lange gewünscht“, schreibt die „FußballWoche.“ Das Besondere an diesem Festival: Fast alle Tore entspringen Kombinationen, fallen aus dem Spiel heraus. „Unsere Mannschaft spielte wie aus einem Guss, der Ball lief, dass es eine wahre Freude war“, jubelt der Kicker. Zwölf Minuten sind noch Zeit und „es wäre der deutschen Mannschaft…ein leichtes gewesen, das Ergebnis zweistellig ohne Gegentreffer zu gestalten“, findet das Fachblatt „Fußball“, aber das will sie den Gästen dann doch nicht antun. Denen konzediert der „Fußball“ „als einen Grund für ihres in diesem Maße von niemandem erwarteten Versagens ihre weite Anreise und die damit verbundenen Strapazen.“ Das „Extrabladet“

Prof. Dr. Otto Nerz setzt seinen Bericht unter eine sechsspaltige Zeile, die da lautet: „Wie Deutschland niedersäbelte“. Deutschland schwelgt derweil. „Die Besucher werden das Spiel in der Schlesierkampfbahn als einer der glanzvollsten Tage des deutschen Fußballsports in Erinnerung behalten“, prophezeit der „Fußball“. So wie die Namen der Breslau-Elf allen Schulkindern jener Tage so mühelos über die Lippen kommen wie das Alphabet: Jakob – Janes, Münzenberg – Kupfer, Goldbrunner, Kitzinger – Lehner, Gellesch, Siffling, Urban, Szepan. Keiner von ihnen lebt mehr, allmählich wird es Zeit, sich um ihre Unsterblichkeit zu kümmern. Wären sie Weltmeister geworden, wäre das wohl überflüssig. Diese Elf hatte gewiss das Zeug dazu. Sie gewann auch trotz gelegentlicher Änderungen – beispielsweise stieß Helmut Schön hinzu – die folgenden fünf Spiele des Jahres 1937, das rein statistisch mit zehn Siegen und einem Remis aus elf Spielen das Beste der DFB-Historie war. Doch als es 1938 bei der WM in Frankreich ernst wurde, schaffte die hohe Politik, was keine Gegner vermochte. Sie zu stoppen. Durch den Anschluss Österreichs im März an das Deutsche Reich wurde Herberger gezwungen, die Nationalelf im Verhältnis 6:5 (sechs Deutsche, fünf Österreicher) aufzustellen. Zwei Spielsysteme, zwei Mentalitäten, zwei Fraktionen – ein Chaos. Herberger kommentierte die Anweisung des Reichssportführers so: „Aus zwei guten mache eine bessere. Oh heilige Einfalt!“ Ergebnis war ein unerwartet frühes Scheitern der deutschen Mannschaft und das Ende der reihenweisen Erfolge Deutschlands. Wußten wir nicht immer schon, das Österreicher keinen Fußball spielen können? dfb/MP Deutsche Umschau 3-2012


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Suum cuique – Jedem das Seine! Mitgliederversammlung 2012 des Bauernverbandes der Vertriebenen in Haus Schlesien Die Mitgliederversammlung des Bauernverbandes der Vertriebenen wurde bewusst von Präsident Walter unter diesen Wahlspruch gestellt, zur Erinnerung an König Friedrich II., den seine Zeitgenossen schon „den Großen“ nannten und dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 300. Mal am 23. Januar jährte. Der größte Teil der Vertriebenen stammt aus den ehemaligen preußischen Gebieten, deren Bevölkerungsaufbau und Wirtschaftskraft in seiner Regierungszeit einen großen Schritt nach vorn getan haben. Unter seiner Regierung stieg Preußen zu einer der Großmächte in Europa auf. Nach dieser kurzen geschichtlichen Reminiszenz kehrte Präsident Walter mit seinem Bericht zur Lage in die Niederungen der heutigen Politik zurück. Er äußerte seine Besorgnis darüber, dass die Finanzprobleme nicht geringer werden, weil die Regierenden der EU-Länder anfangs nach politischen Wünschen den Euro eingeführt, aber nicht eine strikte Finanzkontrolle etabliert hatten. Die jetzt drohende Staatspleite in Redaktion: BdV-Landesverband NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/ 350 361, Fax 36 96 76, Mail: info@bdvnrw.de. Die Redaktion freut sich über alle Berichte, Artikel, Terminankündigungen und Leserbriefe aus dem Bereich des Bauernverbandes der Vertriebenen. Zu Berichten aus der Arbeit Ihrer Verbände vergessen Sie bitte aussagekräftige Fotos nicht.

Griechenland und Finanzkrisen in Portugal, Spanien und Italien sind der EU und ihrer fehlenden Länderkontrolle anzulasten Kritisch beurteilte auch Präsident Walter den Umgang der Medien .mit Bundespräsident Wulff. Das Vorgehen – vor allem bestimmter Zeitungen – habe bereits den Anstrich einer Mediendiktatur getragen und erinnere an manche Vorkommnisse in der ehemaligen DDR, die er persönlich hautnah erlebt habe. Es gehe dabei nicht um die Person Wulff, sondern um den Versuch, dem Staat zu schaden bzw. die Bürger zu verunsichern, ein bewährtes Mittel der sogenannten 68. Bezeichnend sei, dass derartige Kampagnen stets gegen Personen des bürgerlichen Lagers betrieben werden, obwohl sicherlich bei anderen mehr zu finden wäre. „Wir Vertriebenen brauchen Herrn Wulff nicht nachzutrauern, denn er war kein Freund der Vertriebenen. Er hat den BdV in Niedersachsen nach seiner Wahl als Ministerpräsident nicht spontan, sondern erst nach langem Tauziehen unterstützt, die Patenschaft erneut anerkannt und dem Schlesiertreffen in Hannover zugestimmt. Seine Reden auf den Schlesiertreffen waren geprägt von politischem Kalkül ohne Herzlichkeit. Der zugesagte Besuch in Oberschlesien fand nicht statt. Seine Rede zum 200- jährigen Jubiläum der Universität Breslau enthielt geschichtsfälschende Aussagen, die die Leistung der deutschen Gründer und Wissenschaftler dieser geachteten Universität beleidigte. Es ist bezeichnend, dass sein Nachfolger im Amt Ministerpräsident McAllister bereits in Oberschlesien gewesen ist. Aber dessen Großmutter stammt aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, aus Pommern“,

führte Walter aus. Nahezu resignierend fragte Walter wem unsere Politiker dienen, wenn sie sich nur nach den Wünschen anderer richten und das Leid des eigenen Volkes verdrängen und unterdrücken. Diese unwürdige Haltung zeige sich besonders bei der fehlenden Beachtung der deutschen Opfer des Krieges und der Nachkriegszeit. Die Opferzahlen der Zwangslager würden nicht genannt und um die Massengräber, die überall gefunden werden, kümmert sich kein Politiker. Das die Verharmloser des Völkermordes an den Vertriebenen am Werke sind, zeigte die Veranstaltung der FU Berlin und der Deutsch-Polnischen Akademischen Gesellschaft unter Mithilfe der VVN (Antifa) am 17./18.02 2012 , die unter dem Titel “War Vertreibung Unrecht“ stand. Ziel der Veranstaltung war die Relativierung dieses Verbrechens. Mit den üblichen Phrasen wurde versucht, die Dimension der Vertreibung und die Verbrechen an den Deutschen kleinzureden, um die Kollektivschuld auf die Deutschen zu verlagern. Der Völkerrechtler Thilo Marauhn verwies als einziger darauf, dass der Menschentransfer völkerrechtswidrig sei. Er verwies auf die römischen Statuten, das Genfer Abkommen von 1949, die Nürnberger Prozesse und die Haager Landkriegsordnung von 1907. Mit dieser Darstellung waren die Akteure dieser Veranstaltung gar nicht einverstanden. Auch Prof. Alfred de Zayas hat sich zu dieser Tagung schriftlich geäußert und auf völkerrechtlichte Aussagen hingewiesen. Die Tagung habe uns gezeigt, dass sich in Deutschland die Kräfte formieren, die das Verbrechen der Vertreibung und des Fortsetzung Seite 14


Bauernverband Fortsetzung von Seite 13 Eigentumsentzuges relativieren und verdrängen wollen. Es soll verhindert werden, dass in der Stiftung “Flucht, Vertreibung Versöhnung“ eventuell doch wahrheitsgetreu die Verbrechen und das Unrecht dargestellt werden. Erfreulich sei, dass etliche junge Staaten wie Serbien, Rumänien und auch Kroatien eine Regelung der Eigentumsfragen für vertriebene Volksgruppen herbeiführen. So werden für die Banater Schwaben von Rumänien Kriterien der Rückgabe und Entschädigung ebenso erarbeitet wie von Kroatien. Umfragen auf den Fluren in Brüssel ergeben, dass Deutschland als größter Hemmklotz bei der Lösung des Vertreibungsunrechtes bezeichnet wird. Die Vertriebenen werden in die rechte Ecke gestellt, wenn sie das Thema Eigentum ansprechen, von dem Helmut Kohl gesagt hat, dass es in Brüssel gelöst werden müsse, weil die damalige Bundesregierung nicht den Schneid besaß, 1990 klare Verhältnisse zu schaffen. Leider haben heute viele CDULeute lieber das Unrechtsverhalten der linken Ideologen übernommen, als dass sie sich um eine – von Helmut Kohl versprochene – Lösung auf europäischer Ebene bemühen. Es sei bezeichnend, dass der Europarat Polen wegen ungenügender Durchsetzung der Menschenrechte rügte, weil nicht ausreichend zweisprachige Kindergärten und Schulen für die 300.000 Deutsche in Oberschlesien geschaffen wurden. Es wäre eine Aufgabe der Bundesregierung dieses zu kritisieren, da auch der

Nahrungsmittelproduktion muss weltweit drastisch gesteigert werden Die weltweite Nahrungsmittelproduktion muss in den nächsten Jahrzehnten drastisch gesteigert werden, um mit wachsender Nachfrage nicht zuletzt auch nach BioTreibstoff mithalten zu können. Gleichzeitig sind die Landwirte jedoch auch aufgerufen, nachhaltiger und ökologischer zu arbeiten. Das geht aus dem Landwirtschaftlichen Ausblick 2012 hervor, den die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Rom vorstellten. Um 60 Prozent müsse die landwirtschaftliche Produktion in den kommenden deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag solche Einrichtungen vorschreibt. Es ist unverkennbar, dass innerhalb der Verbände der Deutschen in Polen wegen fehlender Unterstützung aus Deutschland eine Verunsicherung zu verzeichnen ist, ob man weiterhin sich zu seinen deutschen Wurzeln bekennen soll, oder ob es opportun wäre, sich mehr zum “Pole-sein“ zu bekennen. Deshalb ist es wichtig, dass auch wir unseren Landsleuten und Freunden helfen. Das kann durch Gespräche mit Verantwortlichen im Bundestag und in der Bundesregierung geschehen, aber auch durch Einladungen der Verbandsfunktionäre zu unseren Veranstaltungen und durch Fahrten nach Oberschlesien und Ostpreußen. Zum Schluss dankte Präsident Walter für

Mitgliederversammlung 2012 (v.l.n.r.) Lammers, Olschewski(verd.), Fleige, Klösel, Dr. Herrmann, Böhme, Dr. Blomeyer, Walter, Glagau, Liepold(verd.), Roesler, Nahry

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40 Jahren zunehmen, also um eine Milliarde Tonnen Getreide und 200 Millionen Tonnen Fleisch. Der Bericht von OECD und FAO hält fest, dass die weltweite Landwirtschaft damit unter Druck gerät, weil zusätzliches Land für Ackerbau und Viehzucht begrenzt ist. In diesem Jahrzehnt werde das Produktionswachstum mit etwa 1,7 Prozent jährlich unter dem der vergangenen Jahrzehnte liegen. Etwa ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche weltweit ist herabgewirtschaftet oder ausgelaugt, hält der Bericht fest. Es sei aber immer wichtiger, Land, Wasser, Meeres-Ökosysteme, Fischbestände sowie Wälder weitaus nachhaltiger zu nutzen. I die rege Tätigkeit für unsere gemeinsame Sache und die gute Zusammenarbeit im Bestreben unsere Anliegen auch in den kommenden Jahren den gesellschaftlich und politisch Verantwortlichen darzulegen, als da sind : •

Das Recht auf die Heimat und unser Eigentum

Eine gerechte Regelung für die Opfer von Vertreibung und Enteignung

Die Unterstützung der Opfer der stalinistischen Bodenreform in Mitteldeutschland

Die Kontaktpflege und Unterstützung unserer Landsleute in Oberschlesien und Ostpreußen

In d iesen Sinne k a nn auch der Bauernverband der Vertriebenen sich zum Leitwort des Bundes der Vertriebenen bekennen, das da lautet: „Erbe erhalten – Zukunft gestalten. Es schlossen sich die Regularien der Mitgliederversammlung an. Weiterhin wurde über zahlreiche Themen diskutiert, zu denen die Ergebnisse des Gespräches mit dem Vorstand des Verbandes „Stiftung Vertriebenen Landvolk“ ebenso gehörten wie die Partnerschaft mit dem schlesischen Bauernverband und beabsichtigte Gespräche im April mit den Sprechern der Arbeitsgruppe „Vertriebene, Spätaussiedler und Deutsche Minderheiten“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie den agrarpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen von SPD und CDU Dr. Arwed Blomeyer)

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Bauernverband

Bauernverband der Vertriebenen in Siegen Jahreshauptversammlung 2012 Kreisvertrauenslandwirt (KVL) Gerhard Blach konnte wieder zwölf treue Mitglieder im Gasthof Reuter in Siegen-Dillnhütten begrüßen. Die Vorsitzende der Landesfrauenarbeitsgemeinschaft Waltraud Hentschel ließ sich entschuldigen. Als Gäste konnte Blach die BdV-Kreisvorsitzenden Heinrich Gorki aus Olpe und H. Heinrich Thomas aus Siegen begrüßen.

des Vorstands: Er und Bernhard Hübner hatten im Herbst wieder an der Arbeitstagung des Verbandes in Haus Düsse teilgenommen. Des weiteren nahm der KVL zur augenblicklichen politischen Situation Stellung soweit sie den BVdV berührt. Die Erwähnung des unlängst entdeckten Massengrabes mit ermordeten Deutschen an der Marienburg erregte dabei Aufsehen.

Nach einem Grußwort der Gäste erhoben sich die Anwesenden alsdann zum stillen Gedenken an die Mitglieder, die im vergangenen Jahr wieder von und gegangen sind und fern ihrer Heimat die letzte Ruhe fanden.

Der Gastreferent Dr. Matthias Heider MdB (CDU) sprach Themen der aktuellen Tagespolitik an und löste damit eine rege Diskussion aus, z.B. die Besorgnis, das dem Mahnmal gegen Vertreibungen der ursprüngliche Sinn z. T. genommen werden solle. Die mangelhafte Entschädigung der Landwirte, die ihre Fortsetzung in der Verstaatlichung bei der Gründung der DDR fand bei der Wiedervereinigung nicht wieder gut gemacht wurde. Nach lebhafter Diskussion wurde die Versammlung gegen 17:30 Uhr beendet.

Bernhard Hübner erstattete den Kassenbericht, was schnell erledigt war, da kaum Bewegungen zu verzeichnen waren, der Bestand sich mit 524,00 Euro nicht wesentlich gegenüber 2011 verändert hat. KVL Blach berichtet über die Aktivitäten

Feldmaus-Invasion bedroht Ernten In Thüringens und Sachsen-Anhalt werden Feldmäuse zur Plage Starke Mäusejahre gebe es immer wieder Population ab, und es wurden Gegenmaßeinmal, sagen Experten, aber dies sei das nahmen getroffen. „Die Landwirte stellmäusereichste seit mindestens 30 Jahren. ten Hunderte Sitzstangen auf, um GreifDie maximal zwölf Zentimeter großen Na- vögel anzulocken“, berichtet Kopp. Milane ger machen sich nun über die Feldfrüchte und Mäusebussarde kamen auch, fraßen her. „Getreide, Mais sich dick und fett und die fressen einfach alzeigten doch kaum les an. Noch nicht einWirkung. Jetzt formal die Zuckerrüben dern die Landwirte sind vor ihnen sicher“, radikalere Maßnahsagt Matthias Krieg, men: den großflächiGeschäftsführer eigen Einsatz des Ratnes Agrarbetriebs bei tengifts Ratron. Zeitz im BurgenlandDas Bundesamt für kreis. Besonders beVerbraucherschutz und troffen seien WinterLebensmittelsicherheit weizen und Gerste. Im hatte dessen breite VerDie Felmaus Microtus arval Schnitt zehn, auf extwendung aber im Jahr rem befallenen Flächen 2008 untersagt, weil sogar 50 Prozent der Ernte müssten abge- einzelne Bauern das Gift unsachgemäß verschrieben werden. Ähnlich im benachbarten wendet hatten. Die Ironie der Geschichte: Thüringen. Im Thüringer Becken drohten Ausgerechnet Landwirte aus Sachsen-Anim Schnitt Verluste von rund zehn Pro- halt waren es, die den Giftköder über Jahre zent, sagt Reinhard Kopp vom Thüringer hinweg wahllos verstreuten und neben den Bauernverband. Mäusen auch Hasen, Wildgänse und beBereits 2011 zeichnete sich ein Anstieg der

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drohte Feldhamster damit vergifteten.

Umschau für den Landwirt Getreideernte hat begonnen Seit Mitte Juli rollen in Nordrhein-Westfalen die Mähdrescher. Damit startet die Getreideernte in diesem Jahr etwa eine Woche später als im langjährigen Durchschnitt, teilt die Landwirts c h a f t s k a mmer NordrheinWestfalen mit. Zunächst steht die Ernte der Wintergerste an. Mit etwa 160 550 Hektar ist sie die zweitwichtigste Getreideart auf Nordrhein-Westfalens Äckern. Die Ernte des Winterweizens, mit rund 284 000 Hektar die wichtigste Getreideart in Nordrhein-Westfalen, beginnt voraussichtlich in zwei bis drei Wochen. Insgesamt werden in Nordrhein-Westfalen 531 700 Hektar Getreide - ohne Mais - und 69 000 Hektar Raps angebaut. Die Aussichten für die Getreideernte in Nordrhein-Westfalen sind überwiegend gut. Dazu beigetragen hat vor allem der Regen, der nach einem recht trockenen Frühjahr gerade noch rechtzeitig eingesetzt hat. Die alte Bauernregel, nach der ein kühler und nasser Mai den Bauern Scheune und Fass füllt, hat damit erneut ihre Gültigkeit bewiesen.

Jeder zehnte ha ökologisch genutzt In Hessen wird mehr landwirtschaftliche Fläche ökologisch bewirtschaftet als im Bundesschnitt. Während in Hessen 10,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet werden, sind es bundesweit nur 6,1 Prozent. Bei der Zahl der Betriebe dagegen sind sowohl in Hessen wie in ganz Deutschland 7,5 Prozent Bio-Betriebe. Ökologisch bewirtschaftete Betriebe machen nach Angaben des Ministeriums tendenziell weniger Gewinn als konventionelle. Trotzdem ist die Zahl der Bio-Betriebe zwischen 2010 und 2011 um 29 gewachsen. Ende vergangenen Jahres waren es in Hessen 1741 Erzeuger, die 78 775 Hektar ökologisch bewirtschafteten.

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Bauernverband

Eintreten für das Eigentum Präsident Christian Walter 75 Jahre Der Präsident des Bauernverbandes der Vertriebenen (BVdV) begeht am 27. Juli seinen 75. Geburtstag. Als Landwirt und LPG-Vorsitzender in der ehemaligen DDR ist Christian Walter für alle diejenigen ein Vorbild, die auch während des kommunistischen Regimes in der DDR an ihrer Heimat, aus der sie vertrieben wurden oder aus der sie geflüchtet sind, fest gehalten und die Traditionen derselben gepflegt haben. Es ist die Konsequenz seines Denkens und Handels, dass er nach der Wende in den Bund der Vertriebenen (BdV) eintrat und

großelterlichen Haus vertrieben und kamen bei Bauer Friebe unter. Schulunterricht oder ähnliches war für Deutsche verboten, so dass über nahezu 2 Jahre es keinen Schulunterricht gab. Nach dem Schulbesuch der Volksschule in Schönbach und der Oberschule in Löbau ergriff Christian Walter den Beruf seiner Vorfahren und durchlief eine Ausbildung als Landwirt. Von 1955 – 1958 besuchte er die Fachschule für Landwirtschaft in Thurn/ Kreis Zwickau mit dem Abschluss als staatl. geprüfter Landwirt.

Christian Walter mit BdV-Präsidentin Erika Steinbach MdB 2010 sich seitdem für die Interessen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Spätaussiedler, insbesondere aber für die Belange der vertriebenen und geflüchteten Bauern und Landwirte, zuerst in Sachsen-Anhalt und später – als Nachfolger von Horst Hoferichter – deutschlandweit eingesetzt hat. Christian Walter ist am 27. Juli 1937 als zweiter Sohn des Landwirtes Friedrich Walter und seiner Ehefrau Gertrud geb. Hinke in Goldberg/Schlesien geboren. Er verlebte seine Jugendzeit auf dem 118 ha großen elterlichen Hof am Rande der Stadt Goldberg. 1943 erfolgte die Einschulung, aber im Herbst 1944 – mit der näher rückenden Front – endete die Schulzeit. Im Spätherbst wurden sie von den Polen innerhalb von 20 Minuten aus dem

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1965 lehnte Christian Walter es ab, Mitglied der SED zu werden und geriet dadurch unter erheblichen Druck seitens der machthabenden Genossen. Bereits in seiner Rogätzer Zeit hatte die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Heinrichsberg um seine Mitarbeit gebeten. Im Januar 1966 kam erneut ein Wunsch zur Übernahme einer Leitungsfunktion. Am 1. März 1966 hat Christian Walter die Leitung der Tierproduktion in Heinrichsberg übernommen und wurde LPG-Mitglied. Ab August 1991 bis zu seinen Eintritt in das Rentenalter 2002 war er am Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung in Magdeburg tätig. 1962 heiratete Christian Walter seine Frau Christel geb. Lehmann. Im Jahr 1966 wurde

Sohn Thomas geboren. 1967 kaufte er in Rogätz in der Bahnhofstraße ein stattliches Grundstück und baute sich mit seiner Frau in Eigenleistung von 1979 – 1981 ein Haus. So konnte er bis heute Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben. Eingedenk des Flüchtlings- und Vertriebenenschicksal seiner Familie und Geschwister hat er sich unmittelbar nach der Wende in den neu in Mitteldeutschland entstandenen Organisationen der Flüchtlinge und Vertriebenen engagiert. Seit 1990 ist er Mitglied im Bund der Vertriebenen (BdV) und wurde schon 1994 in den Landesvorstand Sachsen-Anhalt gewählt, in dem er zeitweise auch stellvertretender Landesvorsitzender war. Somit gelangte er als Vertreter Sachsen-Anhalts in den Bundesvorstand des Bauernverbandes der Vertriebenen (BVdV) wo er bereits 1995 zum Vizepräsident gewählt wurde. Auf der Mitgliederversammlung im Mai 2002 in Haus Schlesien wurde Christian Walter einstimmig als Nachfolger von Horst Hoferichter zum Präsidenten des Bauernverbandes der Vertriebenen e. V. gewählt, ein Amt das er bis heute innehat. Für seine engagierte Mitarbeit im Landesvorstand des BdV-Landesverband Sachsen-Anhalt seit 1993 und seine Verantwortung für die vertriebenen Landwirte und Bauern in Mitteldeutschland wurde ihm am Tag der Heimat 2010 die Ehrenmedaille in Gold, die höchste Auszeichnung der Landsmannschaft Schlesien, überreicht. Träger der goldenen Ehrennadel des BdVLandesverbandes Sachsen-Anhalt ist Christian Walter schon seit 1996. Das Credo von Christian Walter lautet: „Das Unrecht von Vertreibung und Raub des Eigentums habe ich nie akzeptiert. Als Vertriebener war man ständig benachteiligt und diese Benachteiligung wurde nach 1990 noch offenbarer. Es gab viele Gesetze die der Klärung des Unrechts bei Eigentumsfragen dienen sollten, doch meistens hat man die Vertriebenen dabei hintergangen. So ist es mir wichtig, immer wieder auf das Unrecht der Vergangenheit zu verweisen und eine Klärung der Eigentumsfragen zu verlangen“. In diesem Sinne wünschen Vorstand und Mitglieder des Bauernverbandes der Vertriebenen ihrem Präsidenten noch viele Jahre des mutigen Einstehens für das bäuerliche Eigentum der geflüchteten und Vertriebenen Bauern nach der Genesung von der jetzigen Krankheit. Arwed Blomeyer

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Leserbriefe

Innenpolitische Umschau Auch 2011 erschreckende Bilanz zu Flucht und Vertreibung Der Weltflüchtlingstag am 20 Juni steht für jedes einzelne Schicksal der weltweit derzeit 42,5 Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge. Dazu erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Erika Steinbach: “In Deutschland leben 571.700 Flüchtlinge. Damit ist Deutschland unter allen Industrienationen bei der Aufnahme von Flüchtlingen führend und weiterhin vorbildlich. Insgesamt sind die von Flucht und Vertreibung Betroffenen nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR mit 42,5 Millionen zu beziffern. So hoch wie 2011 war die Zahl der sich neu auf der Flucht befindenden Menschen seit über zehn Jahren nicht mehr. Für jedes einzelne Schicksal steht der morgige Weltflüchtlingstag. Eine Verringerung der Gesamtflüchtlingszahl um 1,2 Millionen im Vergleich zum Vorjahr ist auf die Rückkehr der Binnenflüchtlinge in ihre Heimat zurückzuführen. Die Verwirklichung des Rechts auf Heimat und Rückkehr der Flüchtlinge muss erstes Ziel bleiben. Umso bedauerlicher ist, dass die Zahl der Langzeitflüchtlinge steigt.

Konservativer Kreis soll „Attacke“ auf Merkel planen Der konservative Berliner Kreis, bisher ein informeller Zusammenschluss innerhalb der Union, will sich offizieller organisieren. Dazu solle im August ein Gründungsmanifest vorgestellt werden. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Führende Mitglieder der Runde hätten das am vergangenen Freitag verabredet und wollten die Sommerpause für eine „Attacke“ auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nutzen. In dem mehrseitigen Text grenzten sich die Unionspolitiker vom Modernisierungskurs Merkels ab, etwa in der Familienpolitik und bei der Energiewende. Zudem wollten sich die konservativen Parlamentarier für das mehrgliedrige Bildungswesen und den Erhalt von Gymnasien aussprechen. Zu dem konservativen Kreis gehören der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach und Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach.

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Leserbriefe „„Nachdenken über Gestern und Morgen““ Ausgabe 2/12

Deutschen nicht genannt ist, sondern nur die „Neuordnung der Welt nach 1945 und 1989 (national und international).“

In dem Bericht über das Neujahrsgespräch mit Ministerpräsident Volker Bouffier wird hervorgehoben, dass nun in den hessischen Schulen „Flucht und Vertreibung“ ein verbindliches Thema sei. Aber tatsächlich sind die neuen Kerncurricula nicht ein Fortschritt, sondern ein Rückschritt gegenüber den bisherigen Lehrplänen. Unter dem Stichwort „Herrschaft“ heißt es: „Absicherung und Ausdehnung von Macht und Herrschaft werden hinsichtlich der Ursachen, Bedingungen und Interessen für Kriege und andere Formen gewaltsamer Konflikte, wie Flucht und Vertreibung, untersucht.“

In den Lehrplänen von 2003 wurden dagegen eindeutig „ Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Integration und die Charta der Heimatvertriebenen“ als verbindliche Lerninhalte angegeben. Trotzdem: Die meisten Schulbuchautoren haben sich nicht an diese klaren Richtlinien gehalten. So wird z.B. die Charta in den meisten Schulbüchern überhaupt nicht erwähnt und die Vertreibung ist oft unzureichend und verzerrt dargestellt.

Dem Lehrer ist es also freigestellt, ob er das Thema Vertreibung am Beispiel der Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich im 17. Jahrhundert oder am Beispiel irgendeiner Vertreibung im 20. Jahrhundert behandelt. Die Vertreibung der Deutschen kann, aber muss nicht unter-richtet werden. Denn bei den neuen Bildungsstandards stehen nicht Lerninhalte, sondern „Kompetenzen“ ( z. B. Lernkompetenz, Sprachkompetenz) im Mittelpunkt. „ Kompetenzen werden an geeigneten Inhalten in lebensweltlich bedeutsamen Zusammenhängen erworben.“ Es ist nur folgerichtig, wenn im „Epochenbezug Neueste Zeit“ die Vertreibung der

Der Landesvertriebenenbeirat hat seit 2001 das Kultusministerium wiederholt gebeten, keine Schulbücher zu genehmigen, die erhebliche Mängel enthalten. Leider hatten wir mit unseren Initiativen keinen Erfolg. Dr. Herfried Stingl

Die Redaktion der Deutschen Umschau dankt allen Lesern, die sich zu Wort gemeldet haben. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns auch in Zukunft schreiben würden. Unter Umständen müssen wir Briefe kürzen um eine Veröffentlichung zu ermöglichen. Leserbriefe sind keine redaktionellen Meinungsäußerungen, sondern geben ausschließlich die Meinung des Leserbriefschreibers wieder.

Steinbach übernimmt Patenschaft für Timoschenko Der Bundestag in Berlin unterhält ein Programm mit dem Namen „Parlamentarier schützen Parlamentarier“. Im Rahmen dessen übernahm die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach eine Patenschaft für die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julija Timoschenko. Damit stelle sie sich solidarisch an die Seite Timoschenkos, erklärte Steinbach auf ihrer Webseite. Als Ministerpräsidentin habe die ukrainische Politikerin die Demokratisierung ihres Landes, den Kampf gegen die Korruption und die Annäherung an die Europäische Union mit aller Kraft verfolgt. „Das strafrechtliche Vorgehen gegen sie und andere Oppositionspolitiker des Landes erfolgte ohne Einhaltung internationaler

Standards für ein faires, transparentes und unabhängiges Gerichtsverfahren“, erklärte Steinbach weiter. Ungeachtet ihres schweren Rückenleidens setze Timoschenko ihr Engagement für demokratische Reformen fort. „Grobe Menschenrechtsverletzungen wie das rücksichtslose Vorgehen gegen Julija Timoschenko in der Ukraine dürfen nicht ignoriert werden“, erklärte Steinbach. Auch der frühere ukrainischen Umweltminister Georgi Filiptschuk erhält Unterstützung aus dem Bundestag. Die GrünenAbgeordnete Viola von Cramon-Taubadel übernahm für ihn eine Patenschaft. Er war Anfang April wegen Amtsmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Deutsche Umschau 3-2012


Kultur

Viermaster mit bewegter Geschichte Ungebrochene Faszination des russischen Segelschulschiffs „Krusenstern“ Der 823. Hamburger Hafengeburtstag im Mai hat es wieder einmal gezeigt: Die Faszination für die großen Segelschiffe ist ungebrochen. Lange Besucherschlangen bildeten sich vor den Windjammern, wie der „Mir“, der „Alexander von Humboldt“, der „Dar Mlodziezy“ und vor allem vor der „Krusenstern“ (Барк Крузенште́р, auch „Kruzenshtern ). Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen nimmt der Großsegler „Krusenstern“ ganz offensichtlich einen besonderen Platz ein, zurückzuführen ist das zweifellos auf seine besonders bewegte Geschichte. Als letzte frachtfahrende Viermastbark überhaupt wurde 1926 bei Tecklenborg in Bremerhaven die „Padua“ für die Hamburger Reederei F. Laeisz gebaut. Die letzten

die Padua lieferte. Alle acht Schiffsnamen begannen mit einem „P“. Wie die meisten Laeisz-Segler fuhr auch die „Padua“ als einer der berühmten „Flying P-Liner“ in der Salpeter-Fahrt nach Südamerika und später mit Weizen von Australien. Für ihre Jungfernreise brauchte die „Padua“ damals für die Strecke Hamburg Talcahuano (Chile) 87 Tage. Auf der Rekordreise 1933/34 von Hamburg nach Port Lincoln (Süd-Australien) waren es sogar nur 67 Tage. Neben ihren 16 Reisen nach Chile und Australien, wo sie Salpeter oder Weizen transportierte, wurde sie auch zu einer Filmreise von Hamburg über Brest, Lissabon, Madeira, Casablanca und zurück benutzt. Auf ihr entstand 1935 der französische Film „Die Meu-

Die Schiffsglocke, fotografiert beim 823. hafengeburtstag in Hamburg 2012 starb ihr Kapitän Jürgen Jürs. Er umrundete Kap Horn 66 mal, davon 50 mal als Kapitän und 4 mal mit der Padua. Das Schiff war nun Reparationsgut an die UdSSR. Nach der Übergabe an Russland wurde das Schiff nach Kronstadt geschleppt und in den nachfolgenden Jahren rekonstruiert und für das Hydrographische Institut als Hydrographieschiff verwendet. Die jetzige Krusenstern bekam 1964 eine neue Maschine eingebaut und im Jahre 1969 wurde sie zum Ausbildungsschiff für Kadetten umgebaut. Seit dieser Zeit werden an Bord dieses Schiffes der nautische Nachwuchs zu Offizieren herangebildet.

„Krusenstern“ unter Vollzeug acht Grosssegler, die für die Reederei Ferdinand Laeisz in Hamburg gebaut wurden, nannte man auch die acht Schwesterschiffe. Sie waren alle als Viermastbarken für die Salpeterfahrt nach Südamerika entworfen worden. Diese über 100 Meter langen Segler waren stark gebaut und zuverlässig. Sie konnten über 3000 Tonnen Ladung unter Segel transportieren. Blohm & Voss in Hamburg baute sechs dieser Viermastbarken, während Tecklenborg in Geestemünde (heutiges Bremerhaven) die Pangani und Deutsche Umschau 3-2012

terei auf der Elsinore“ nach Jack London. Ebenso wurder der deutsche Film „Große Freiheit Nr. 7“ mit der „Padua“ gedreht. Am 31. Dezember 1945 verließ die „Padua“ Hamburg und wurde von den Schleppern Brunshausen und Fair Play VII nach Kiel geschleppt. Von Kiel ging die Fahrt weiter nach Lübeck und am 11. Januar 1946 macht die Padua in Swinemünde fest. Am 12. Januar 1946 wurde das Schiff mit Proviant und Inventar an die russischen Behörden übergeben. Am Tage der Übergabe

Das Ministerium der Fischwirtschaft nutzt das Schiff, das nach dem berühmten russischen Seemann und Forscher Adam Johann Ritter von Krusenstern (19.11.1770 bis 24.08.1846) benannt wurde, als Ausbildungssegler für den Nachwuchs der sowjetischen Fischereiflotte und setzt es auch regelmäßig wie andere Nationen für den diplomatischen Einsatz in ausländischen Häfen ein. Als Schulschiff unter Segeln nimmt die „Krusenstern“ nicht nur Ausbildungsaufgaben wahr, sondern ist seit vielen Jahren in der größten Regatta-Klasse der STA auch Teilnehmer an den internationalen Regatten. In Bremerhaven und Hamburg ist die „Krusenstern“ fast regelmäßig zu Besuch und wurde im Mai/Juni 1990 beim Motorenwerk Bremerhaven (MWB) gründlich überholt und modernisiert. Immer noch ist das Schiff ein Anziehungspunkt bei den Besuchen in deutschen Häfen. Die „Krusenstern/Padua“ strahlt eine ungebrochene Faszination aus. MP

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Aussiedler

Aussiedlerkonferenz begrüßt Härtefallregelung Die Aussiedlerbeauftragtenkonferenz der CDU Deutschlands hat sich bei ihrer jüngsten Sitzung mit aktuellen Fragen der Aussiedlerpolitik beschäftigt. Ein Schwerpunkt Mit der Härtefallregelung werde ein wichtiges Versprechen der CDU zur Bundestagswahl 2009 eingelöst war dabei die Umsetzung der Härtefallregelung, mit deren Hilfe unvertretbare Familientrennungen bei Spätaussiedlern vermieden werden sollen. „Die Gesetzesergänzung ist bedeutsam für die Wahrnehmung der besonderen historisch-moralischen Verpflichtungen gegenüber den Deutschen der ehemaligen Sowjetunion, deren Familien ein schweres Kriegsfolgenschicksal zu tragen hatten“, betonte der Aussiedlerbeauftragte der CDU Deutschlands, Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Christoph Bergner. Mit der Härtefallregelung werde ein wichtiges Versprechen der CDU zur Bundestagswahl 2009 eingelöst, so Bergner. „Wichtig ist es jetzt darauf zu achten, dass bei der Umsetzung der Härtefallregelung in den Arbeitsanweisungen des Bundesverwaltungsamtes der neue gesetzliche Rahmen voll ausgeschöpft wird“, erklärte der Aussiedlerbeauftragte der CDU Deutschlands. Weiteres Thema der Konferenz war die Jugendarbeit unter Aussiedlern. Einhellig unterstützt wurde das Wirken des Jugend- und Studentenrings der Deutschen aus Russland (JSDR). Dr. Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellte die Weiterführung einer finanziellen Förderung dieser überparteilichen und überkonfessionellen Jugendorganisation in Aussicht. Die Sitzung der Aussiedlerbeauftragtenkonferenz der CDU Deutschlands hatte rund 75 Teilnehmer. Dem Gremium gehören unter anderem Aussiedlerbeauftragte der Landesund Kreisverbände, der CDU-Landtagsfraktionen und CDU-geführten Landesregierungen sowie Verantwortliche aus der Landsmannschaft und Jugendorganisation der Deutschen aus Russland sowie weitere Multiplikatoren der ehrenamtlichen Aussiedlerarbeit an.

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Tanzfestival der VIRA e.V. Durch Tanzwettbewerb entstehen Kontakte Durch Tanzwettbewerb Die Feier wurde mit dem Grußwort von Frau Zülfiye Kaykin, Staatssekretärin für Integration (beim Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) eröffnet die die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte. Am Wettbewerb nahmen 34 Tanzschulen und Vereine teil. Fast 800 Teilnehmer kamen aus vielen Städten NRW, dabei waren Tänzer aus Augsburg, München, Mainz, Hamburg, Trier und sogar aus dem Aus-

Die Tanzschule „Grazia“ aus Hamburg, „Alisa“ aus Augsburg, „Let´s Dance“ aus Altenkirchen, die „Tanzwekstatt Mamrenko“ aus Hamm, TD Rot-Weiß Düsseldorf e.V., Balletstudio „Schene“ aus Moskau und die Tanzgruppe aus Portugal sind in der Liste der meisten Preisträger. Zum ersten Mal wurde ein Preis eingeführt für die pädagogische Arbeit des Tanzlehrers. So wurde der Tanzlehrer Evgeny Mamrenko aus Hamm mit einer Urkunde und dem Siegerhpreis „Für die beste Pädagogische Arbeit“ ausgezeichnet. Der Tanzfestival-Wettbewerb

Tanzfestival in Duisburg land – aus Moskau, Kiev und Portugal haben den langen Weg nicht gescheut, um dabei zu sein. Der Wettbewerb wurde in 29 Kategorien nach Alter, Art und Klasse eingeteilt. Am ersten Tag präsentierten die Jüngsten ihr Können. Ob die kleinen Ballerinas oder ganze Tanzgruppen – alle wetteiferten um den ersten Preis und gaben ihr Bestes. Am Sonntag wetteiferten Jugendlichen und junge Erwachsenen um die Ehre ihrer Schulen. Es war nicht leicht in die Gewinnerkategorie rein zukommen – den pro Kategorie waren manchmal bis 12 -14 Gruppen / Teilnehmer dabei. Zwei Tage harte Arbeit auf der Bühne, der lange Weg, Aufregung und Müdigkeit wurden vergessen, als die Prämierung und Auszeichnung der Teilnehmer begann. Den Grand –Prix Pokal gewann die Ballettschule International aus Bonn so wie viele weitere Preise.

2012 übertraf alle Erwartungen und hatte viel mehr Teilnehmer als letztes Jahr und erreichte somit auch den tieferen Sinn, das Netzwerk Kultur der Vereinigung VIRA e.V. weiter zu stärken. Der Tanzfestival wurde dem internationalen Kindertag gewidmet. Teilnehmer und Gäste kamen nicht nur aus verschiedenen Städten sondern auch Ländern an. So begegneten sich Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen bei einem gemeinsamen Kulturfestival. Daraus sind Kontakte entstanden, die nun nach dem Wettbewerb ihren eigentlichen Sinn bekommen. Noch ein lobendes Wort zur Organisation. Der Tanzfestival-Wettbewerb bedurfte eines hohen Einsatzes, um die Vorbereitungen, den Ablauf reibungslos zu gestalten. An dieser Stelle dankt die VIRA e.V. den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz und den unglaublich hohen Zeitaufwand. Ihr Lohn – eine Gross-Veranstaltung, die rundum gelungen war. Ella Kühl Deutsche Umschau 3-2012


Veröffentlichungen

Die drei Ausstellungen des Zentrums gegen Vertreibungen Die Stiftung des Bundes der Vertriebenen „Zentrum gegen Vertreibungen“ hat die drei Ausstellungskataloge zu „Die Gerufenen“, „Erzwungene Wege“ und „Angekommen“ jetzt repräsentativ im Schuber zusammengefasst. „Die Gerufenen.Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa“ umfasstWanderung, Niederlassung und Heimischwerden in der europäischen Geschichte. Die Besiedlung ost- und südosteuropäischer Gegenden seit dem Mittelalter durch deutsche Auswanderer ist Teil dieses Geschehens. Angehörige anderer Völker ließen sich ebenfalls hier nieder. Seit 1683 wanderten Deutsche auch nach Nordamerika aus. Die größten Siedlungsschübe nach Südosteuropa und Russland setzten erst danach ein. Im 19. Jahrhundert kam diese Migration wiederum zugunsten einer millionenfachen Auswanderung nach Übersee zum Erliegen. Die ausgewählten Fallbeispiele von Flucht und Vertreibung der Ausstellung „Erzwungene Wege“ durchmessen zeitlich und räumlich das Europa

des 20. Jahrhunderts. Sie geben einen Überblick über unterschiedliche Erscheinungsformen von erzwungener Migration. Es werden auch historische Vorgänge dargestellt, die in Deutschland oder im übrigen Europa wenig bekannt sind. Sie verdeutlichen, dass Vertreibungen im 20. Jahrhundert ein gesamteuropäisches Phänomen darstellten. Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen war rückblickend ein Erfolg, der zu den größten Leistungen Deutschlands nach 1945 zählt und wird in der Ausstellung „Angekommen“ thematisiert. Der Weg dahin war jedoch von einer Vielzahl menschlicher Härten, Leid der Betroffenen und Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen geprägt. Die Einheimischen ignorierten weitgehend, dass sie selbst nur auf Grund der Geografie ihres Wohnortes von Vertreibung verschont waren. Bestelladresse: BdV-Buchdienst, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf Tel. 0211/350361., buchdienst@bdv-nrw.de

„1941-1956: Schicksalsjahre der Deutschen in der Sowjetunion“ Vertreibung, Heimatverlust, Entwurzelung: All diese Begriffe stehen sinnbildlich für die Deportation der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion. Die schicksalhaften Erfahrungen der Deportation von der Wolga in die Verbannungsgebiete Sibirien, Kasachstan und den Ural machten damals fast zwei Millionen Deutsche in Russland und brachten diese Erinnerungen nach der Aussiedlung auch nach Deutschland mit. Als ethnische Deutsche wurden Sie der Kollaboration mit Nazi-Deutschland bezichtigt und in Verbannungsgebiete zwangsumgesiedelt, wo sie in der sogenannten „Trudarmee“ (Arbeitslager) Zwangsarbeit leisten mussten. Die Erinnerungen von Zeitzeugen an diese traurigen Ereignisse der Geschichte wurden im Rahmen des Projektes „Zeitzeugen/Trudarmisten melden sich zu Wort“ der VIRA e.V. in der Videodokumentation für die Nachwelt festgehalten. Sie können die DVD mit den Interviews der Zeitzeugen und einem Begleitheft bei der VIRA e.V. für fünf Euro (5 €) erhalten. Deutsche Umschau 3-2012

Heimatkreis Heiligenbeil mit neuem Jahrbuch Die Heimatkreisgemeinschaft Heiligenbeil legt die Folge 57 ihres Jahrbuches vor präsentiert wiederum ein gelungenes Werk. Kreisvertreterin Elke Ruhnke bemerkt in Ihrem Vorwort: „Was während des Berichtsjahres passiert ist, entnehmen Sie bitte den Seiten „Aus dem Leben der Kreisgemeinschaft“. Wir haben unsere Kontakte zur Administration von Heiligenbeil/Mamonowo festigen und vertiefen können, zu dem u.a. auch das 4. deutsch-russiche Forum, das im letzten Jahr in Ellingen und Nürnberg stattfand, beigetragen hat. Wir möchten die Kontakte auch weiterhin pflegen sowohl zur russischen als auch zur polnischen Bevölkerung im ehemaligen Kreis Heiligenbeil. Wir werden auch weiterhindeutschstämmigen ostpreußischen Personen, die Hilfe inverschiedenen Situationen benötigen,diese in unterschiedlichster Weise und auf den Einzelnen zugeschnitten zukommen lassen.“ Alles das und noch sehr viel mehr findet sich ausführlich in dem lesenwerten Buch zusammen gefaßt. Dabei geht es um mehr, als um den Heimatkreis Heiligenbeil im engeren Sinne. Veranschaulicht werden ostpreußisches Leben und ostdeutsche Kultur im weitesten Sinne. Dabei hat das Buch auch eine weibliche Note: Einen Bericht über Kinder in Heiligenbeil liest man sicherlich selten. Bestelladresse: Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e. V. – Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling Tel.: 04821 – 84224 · E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de

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Frau und Familie

Katholische Kirche: „Das ist eine harte Zumutung“ Eine evangelische Kirche wird an eine muslimische Glaubensgemeinschaft verkauft Der erstmalige Verkauf einer evangelischen Kirche an eine muslimische Glaubensgemeinschaft stößt auch in der katholischen Kirche auf Kritik. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog zuständig ist, warnte davor, die Religionen zu vermischen.

Weihbischof Hans-Jochen Jaschke

Das hat eine heftige Debatte ausgelöst. Eine alevitische Gemeinde hatte die ehemalige evangelisch-methodistische Kirche in Mönchengladbach-Rheydt erworben und in ein sogenanntes Cem-Haus umgewandelt, das einer Moschee vergleichbar ist. Der Vorgang stieß in der katholischen Kirche auf Kritik. „Das ist schon eine harte Zumutung“, sagte der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke dem Kölner „domradio“. Jetzt werde nach Christus in einer Kirche der Prophet Mohammed angebetet: „Das können wir als katholische Christen mit Sicherheit nicht akzeptieren.“ Der Weihbischof, der in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog zuständig ist, warnte davor, die Religionen zu vermischen: „Christen haben nun mal den hohen Anspruch, dass sie sagen: Jesus Christus ist der Mittler zu Gott hin und das für alle Menschen.“ Man könne Christus nicht einfach in eine Reihe stellen mit religiösen Führern wie Buddha oder Mohammed.

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Jaschke: „Wir als Christen müssen sagen: Bei aller Liebenswürdigkeit, bei aller Einigkeit in der Sorge um Frieden und den Kern des Religiösen haben Christen und Muslime grundlegende Unterschiede. Und das können wir nicht verwischen, indem wir sagen: Wir lösen uns in einem Gotteshaus nacheinander ab.“ Jaschke wandte sich auch dagegen, Kirchen in weltliche Veranstaltungsräume umzuwandeln: „Auch das entspricht nicht einem katholischen Verständnis. Ich bin dann schon für einen Abriss eines Gottesdienstraumes. Dann kann Neues entstehen. Eine Disko oder moralisch Zweideutiges – das ist in einer ehemaligen Kirche unerträglich.“

Tabubruch begangen zu haben, kann Superintendent Barth nicht nur aus den genannten Gründen nicht nachvollziehen. Er weist auch darauf hin, dass seine Kirche nicht an den internen Beschluss der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) gebunden sei, keine Kirchen an muslimische Gemeinden zu verkaufen. Es gebe auch keine Vereinbarung zwischen der EKD und der EmK. Die Alevitische Gemeinde Deutschland (Köln), die rund 130 Ortsgemeinden vertritt, wies die Kritik von Jaschke zurück. Der Umwandlung der Kirche sei Ergebnis eines jahrelangen Dialogs mit der Evangelisch-methodistischen Kirche. Das verdiene nicht Ablehnung, sondern Würdigung. Die alevitische Gemeinde in Mönchengladbach nutzt die ehemalige Kirche seit dem 2. Juni. „Wir haben nicht viel verändert, nur die Bänke und das Kreuz rausgenommen“, sagte der „Dede“ (religiöses Oberhaupt) der Gemeinde, Solmaz Feramuz, der Bild-Zeitung. Zwei- bis dreimal im Monat werde mit dem Dede künftig in der ehemaligen Kirche gebetet. Die Zahl der Aleviten in Deutschland wird auf rund 600.000 geschätzt. Ihr Name bezieht sich auf Ali, den Schwieger-

Nach dem letzten Gottesdienst, den die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde dort im Juni 2009 feierte, wurde der Saal geräumt und die Immobilie zum Verkauf gestellt. Eine Entscheidung, die nach den Worten von Superintendent Rainer Barth zwangsläufig aus dem Schwund an Gemeindemitgliedern resultierte. “Lange Zeit haben wir nach geeigneten Käufern gesucht”, berichtet er. Andere Kirchengemeinden hätten aber kein Interesse an der Immobilie gehabt. Durch Vermittlung des Laienpredigers Klaus Thimm wurde das baufällige Gebäude schließlich für rund 70.000 Euro an die örtliche Alevitische Gemeinde verkauft. “Nach eingehender Prüfung”, berichtet Barth. “Es ist eine Einzelfallentscheidung, und den Ausschlag hat schließlich gegeben, Feramuz Solmaz, geistliches Oberhaupt der Alevitischen dass wir in der alevitischen Gemeinde in Mönchengladbach. Gemeinschaft einen Partner im interreligiösen Dialog sehen, der sohn des Propheten Mohammed, den die sich von typischen muslimischen Gemein- Aleviten gemeinsam mit den Schiiten als schaften deutlich unterscheidet.” Besonders ersten legitimen Kalifen anerkennen. die Betonung des Liebesgebots, die Tole- Die Deutsche Bischofskonferenz hat in eiranz gegenüber Andersgläubigen und die ner Richtlinie die Umwidmung von KirGleichstellung von Mann und Frau seien chengebäuden in Moscheen ausgeschlossen. wichtige Kennzeichen, mit der sich Alevi- Auch die evangelischen Landeskirchen lehten von vielen anderen Gruppierungen im nen eine solche Umwandlung ab. GegenIslam deutlich abhebten. über der Evangelischen Nachrichtenagentur idea bestätigten die Evangelische Kirche Die immer wieder an der evangelisch-me- von Westfalen und die Evangelische Kirthodistschen Kirche (EmK) geäußerte che im Rheinland, dass es klare Beschlüsse Kritik, mit dem Verkauf des Gotteshauses gebe, Kirchengebäude nicht an muslimische an eine muslimische Gemeinschaft einen Gemeinden zu verkaufen. Deutsche Umschau 3-2012


Frau und Familie

Was koche ich morgen?

Umschau für die Frau

Kleine Rezeptecke

Ab 48 Jahren sind Männer glücklicher als Frauen

An dieser Stelle wollen wir Ihnen demnächst bekannte und weniger bekannte Gerichte vorstellen. Wenn Sie ein ganz spezielles Rezept haben, können Sie es an die Redaktion senden, wir veröffentlichen es gerne. Die einzige Bedingung ist, dass es einen Bezug zu einer ostdeutschen Landschaft hat. So bleibt die ostdeutsche Küche für die Nachwelt erhalten.

Donauschwäbischer Dampfstrudel 150 g Butter, 150 g Mehl, 500 ml Milch, 8 Ei(er), getrennt, 3 EL Zucker, Marmelade nach Geschmack Mehl in der Butter anschwitzen. Mit der Milch aufkochen. Erkalten lassen. 8 Dotter und 6 Eiweiß als Schnee darunter mischen. Blech fetten und bemehlen. Backen auf mittleren Schiene, 200 Grad, etwas 20 - 25 Minuten. Auf ein Tuch stürzen, noch heiß mit Marmelade bestreichen und rollen. 2 Eiweißsteif schlagen, 3 El Zucker untermischen. Auf den Kuchen streichen und nochmal backen bis der Schnee leicht braun ist. Heiß servieren.Mit Pfeffer und ggfs. Salz abschmecken. Bei Bedarf (je nachdem wie kalt die Buttermilch war) noch einmal vorsichtig erhitzen.

Krebli – ein russlanddeutsches Rezept 550 g Mehl, 2 Ei(er), 1 Becher Natur-Joghurt (kleiner Becher), 1 Becher Schmand, 3 ½ EL Zucker, ½ EL Salz, 1 Pck. Backpulver, Öl zum Frittieren, n. B. Puderzucker zum Bestreuen, n. B. Mehl zum Bestäuben, Die ersten sieben Zutaten in eine große Schüssel geben und zu einem glatten Teig verrühren. Der Teig soll nicht zu fest werden und etwas an den Händen kleben bleiben. Den Teig zu einem Kloß zusammendrücken, abdecken (z. B. mit einer weiteren Schüssel) und 30 Min. bei Zimmertemperatur ruhen lassen. Anschließend aus dem Teig zwei Kugeln formen. Zunächst eine Kugel so weit bemehlen, so dass sie nicht mehr klebt. Auch die Arbeitsfläche gut mit Mehl bestäuben. Den Teig zu einem höchstens 5 - 6 mm dicken Kreis oder Rechteck ausrollen. Deutsche Umschau 3-2012

Zwischendurch einmal umdrehen und bei Bedarf noch mehr mit Mehl bestäuben, damit der Teig beim Ausrollen nicht an der Arbeitsfläche kleben bleibt. Den Kreis in etwa 6 cm breite Steifen zuschneiden. Die Streifen in kleine Vierecke zuschneiden (ca. 6 cm x 8 cm) und in die Mitte einen kleinen Schlitz hinein schneiden. Die zweite Kugel gleichermaßen zubereiten. Pflanzenöl in einem Topf erhitzen (die Ölmenge sollte ca. 1/3 des Topfinhaltes betragen). Die Krebli darin portionsweise schwimmend goldgelb ausbacken.

Königsberger Klopse auf schlesische Art 500 g Hackfleisch, halb und halb, 100 ml Milch, 1 Zwiebel(n), 2 Brötchen, altbackene (alternativ: Paniermehl), 1 Ei(er), Salz und Pfeffer, Paprikapulver (edelsüß), Für die Sauce:, 3 Lorbeerblätter, ½ Zwiebel(n), einige Nelke(n), ganze, etwas Mehl, 75 g Butter, Salz, Piment, ganz, Das Hackfleisch gut miteinander vermischen. Die Milch erwärmen (lauwarm, nicht kochen) und die Brötchen darin einweichen. Die nassen, weichen Brötchen zu dem Fleisch dazugeben. Die Zwiebel schälen und klein gewürfelt zusammen mit dem Ei unter das Hackfleisch rühren. Die Masse mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen (sparsam mit dem Salz, großzügig mit dem Paprikapulver). In einem großen Topf die Butter zum Schmelzen bringen und unter ständigem Rühren solange Mehl nachstreuen, bis sich eine Art Teig formt. Diesen Teig ca. 2 Minuten braten lassen, dann mit soviel kochendem Wasser ablöschen, bis die Sauce die gewünschte sämige Konsistenz hat. Jetzt die Lorbeerblätter und eine Handvoll Pimentkörner hinzufügen. Eine halbe Zwiebel mit Nelken spicken, bis sie wie ein Igel aussieht, und auch in den Topf geben. Gut salzen (etwas mehr als Spaghettiwasser). Jetzt die Klopsmasse zu kinderfaustgroßen Klopsen formen und in den Topf geben. Die Klopse müssen 30 - 35 Minuten im offenem Topf köcheln. Dabei verdickt sich die Sauce - wird sie zu dick, kann man mit etwas kochendem Wasser nachhelfen.

In jungen Jahren fühlen sich Frauen zufriedener als Männer. Mit steigendem Alter wendet sich jedoch das Blatt, wie Forscher herausgefunden haben: In ihren besten Jahren sind Männer glücklicher - in allen Belangen. Der Wendepunkt liegt bei 48 Jahren. Ab diesem A lter fühlen sich Männer rundum zufriedener als Frauen, berichten Wissenschaftler der University of Cambridge und der University of Southern California. Anke Plagnol und Richard Easterlin hatten Jahrzehnte umfassende Daten über Frauen und Männer aus den USA ausgewertet. Frauen sind demnach nur in jungen Jahren glücklicher als Männer. Je weiter die Zeit voranschreite und je mehr Enttäuschungen es in der Liebe und bei Geldangelegenheiten gebe, desto wahrscheinlicher sei es, dass das weibliche Geschlecht das traurigere werde, schreiben die Forscher im Fachblatt „Journal of Happiness Studies“.

Ausstellung „Versöhnender Schmerz“ Die Erfahrung von Flucht, Vertreibung und politischem Terror sind im 20. Jahrhundert fast weltweit vorhanden gewesen. Für Deutschland und Russland gehören sie untrennbar mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und den Jahren davor wie teils auch noch danach zusammen. Die Erfahrungen jener leidvollen Jahre sollen den nachgeborenen Generationen als Mahnung dienen. Diesen Gedanken gestalten eine russische Künstlerin, Jahrgang 1964, und ein deutscher Künstler, 1952 geboren, die selbst nicht mehr von solchen Ereignissen betroffen sind, aber von den Folgen. Veranstalter ist das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg. Die Ausstellung ist vom 24.3.2012 bis zum 23.9.2012 in Lüneburg zu sehen.

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Rätselecke für jung und alt

Zu guter Letzt

Suchbild Finden Sie fünf Unterschiede in den Bildern:

Ein evangelischer Pfarrer beklagt sich bei einem älteren Kollegen über die Fledermaus-Plage in seiner Kirche - er habe alles versucht, um sie zu vertreiben, nun bliebe nur noch Teufelsaustreibung. Darauf der Kollege: „Ich habe meine getauft und konfirmiert - danach kommt niemand mehr wieder...“ Kommt eine Frau nach ihrem Tod in den Himmel und fragt Petrus ob sie ihren verstorbenen Mann treffen könne. Dieser verspricht nachzusehen in welcher Abteilung der Verblichene zu finden sei. Doch im Computer findet er keinen Eintrag. Vielleicht ist er bei den Seligen? Kein Eintrag. Auch bei den Heiligen ist er nicht zu finden. „Sagen Sie, gute Frau, wie lange waren sie eigentlich verheiratet?“ „Über 50 Jahre“, antwortet diese stolz. „Das ist natürlich etwas anderes, dann finden wir ihn bei den Märtyrern.“

Logik-Rätsel Setzen Sie die Buchstabenreihe logisch fort. (2 Buchstaben) M...D...M...D...F…

Auflösungen der letzten Ausgabe Auflösung: Kryptographie-Rätsel (noch von der vorletzten Ausgabe) Unser Denken hängt ab vom Empfinden. Auflösung: Logik-Rätsel Es haben zwei Mütter und zwei Töchter Kuchen gebacken. Jede hat einen gebacken. Es sind aber nur drei Kuchen. Wie kann das sein? Es handelt sich um eine Großmutter, Mutter und Enkelin. Die Mutter ist gleichzeitig Tochter der Großmutter. Auflösung Zahlenbild Gab es ein Missverständnis: Die drei Bilder mit der Erdbeere waren nur das Beispiel, wie das Rätsel funktioniert.

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Am Anfang der Klausur sagt der Professor: „Sie haben genau zwei Stunden Zeit. Danach werde ich keine weiteren Arbeiten mehr annehmen. „Nach 2 Stunden ruft der Professor: „Schluss, meine Damen und Herren!“ Trotzdem kritzelt ein Student wie wild weiter... Eine halbe Stunde später, der Professor hat die eingesammelten Arbeiten vor sich liegen, will auch der letzte sein Heft noch abgeben, aber der Professor lehnt ab. Bläst sich der Student auf: „Herr Professor... Wissen sie eigentlich wen sie vor sich haben?“ „Nein...“ meint der Prof. „Großartig“ sagt der Student, und schiebt seine Arbeit mitten in den Stapel... „Herr Ober, was macht das Bier?“ „Es löscht den Durst, Herr Huber!“

Wenn Sie auch dieses Mal das Rätsel richtig lösen, senden Sie uns die Antwort an BdV NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, E-Mail umschau@bdv-nrw.de. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen tollen Buchpreis. Deutsche Umschau 3-2012


Anschriften und Termine

Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Bismarckstr. 90 40210 Düsseldorf Deutschland

Termine 09.09.2012 27.10.2012 16.11.2012 28.11.2012

Tag der Heimat, bundesweit Landeskulturtagung, Düsseldorf Landesarbeitsgemeinschaft, Düsseldorf Parlamentarischer Abend im Landtag

Telefon:0211 – 350361 Telefax: 0211 – 369676 eMail: info@bdv-nrw.de eMail: buchdienst@bdv-nrw.de www.bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de www. facebook.com/bdv.nrw

Landesverband Hessen e.V. Termine

Bund der Vertriebenen Landesverband Hessen e.V. Friedrichstraße 35 65185 Wiesbaden Tel.: 0611 – 36019-0 Fax: 0611 – 36019-22 eMail: buero@bdv-hessen.de

14. 04.2012

SL-Landesversammlung, Wiesbaden

26. 08.2012 27. 08. - 30. 08.2012

Zentraler Tag der Heimat, Biebricher Schloss, Wiesbaden Kulturelle Sommertage in Bad Orb

www.bdv-hessen.de www.bund-der-vertriebenen-hessen.de

Bauernverband der Vertriebenen e.V. Termine

Bauernverband der Vertriebenen e.V. – Bundesverband – Seestr. 44 12589 Berlin

20.-21. März 2012

Mitgliederversammlung

Tel.: 030 – 64 39 92 64 Fax: 030 – 64 39 92 64 E-Mail: blomeyer.bvdv@gmx.de Geschäftsführer Dr. Arwed Blomeyer Deutsche Umschau 3-2012

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Landesverband Nordrhein-Westfalen

Jahresempfang des BdV KV Bonn Erfolgreiche neue Veranstaltung eins Kreisverbandes Bereits am 22. April fand der Jahresempfang der im Bund der Vertriebenen (BdV) vereinigten Bonner Landmannschaften in der Stadthalle Bad Godesberg statt. Es war eine Premiere, denn eine solche Veranstaltung hatte der Bonner Kreisverband des BdV bislang noch nicht im Programm. Warum aber kam es dazu? Mit den Stichworten „zusammenrücken, zusammenarbeiten und Synergien nutzen und vor allem

Wort. Er verwies auf seine ostpreußischen Vorfahren, zu denen u.a. sein Vater, der letzte Rektor der Königsberger Universität gehörte. Aufgrund seines familiären Hintergrundes setze er sich sehr für die Vertriebenen und die Erinnerung an ihre Geschichte ein. Entsprechendes Engagement bringe er auch im Landtag ein und arbeite im Gerhard-Hauptmann-Haus für die Interessen der Vertriebenen.

Berlinfahrt des BdVStadtverbandes Witten 26 Mitglieder des Bundes der Vertriebenen (BdV) Stadtverband Witten, mit den angeschlossenen Landsmannschaften Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien, unter Leitung unseres langjährigen Vorsitzenden Aloys Manthey beteiligten sich an einer hochinteressanten Bildungsreise. Eingeladen hatte uns Dr. Ralf Brauksiepe, Kreisvorsitzender der CDU Ennepe Ruhr, MdB, Vorsitzender des Bundesfachausschusses Arbeit und Soziales der CDU und parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Auf einer ausführlichen Stadtrundfahrt durch die gesamte Bundeshauptstadt Berlin, nach politischen und historischen Gesichtspunkten orientiert, erhielten wir Einblicke in das alte und neue Berlin. Für viele Teilnehmer waren Überbleibsel der „Schandmauer“ im geteilten Berlin von besonderem Interesse. Auf unseren besonderen Wunsch eingehend dirigierte der Berliner Reiseleiter den Bus nach Berlin-Kreuzberg zum Deutschlandhaus. Bereits 2008 wurde die Bundesvertriebenenstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ gegründet.

Der Kreisvorsitzende des BdV-Kreisverbandes Bonn Stephan Rauhut beim Jahresempfang hier im Westen zeigen, daß wir Ost- und Sudetendeutschen noch da sind“ begründete der Vorsitzende Stephan Rauhut dieses Ereignis. Und die Resonanz war mit rund 100 Besuchern außerordentlich gut und schien sogar die Erwartungen der Veranstalter übertroffen zu haben, denn es waren mehr Gäste als Sitzplätze vorhanden – ein frühes Erscheinen wurde also belohnt, gleichzeitig ist dies aber auch ein Fingerzeig für die Veranstalter, zukünftig mehr Sitzplätze bereitzustellen. Nach einem kurzem Totengedenken für den verstorbenen Gründungsvorsitzenden der Landsmannschaft Schlesien in Bonn, Dr. Robert Schäfer, sowie für Gottfried Kraus folgte die Eröffnung der Veranstaltung durch den Bonner BdV-Kreisvorsitzenden Stephan Rauhut. Nach einem kurzen musikalischen Intermezzo ergriff der Landtagsabgeordnete von Grünberg (SPD) das

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Hiernach sprach der Vorsitzende des Landesverbandes des BdV, Hans-Günther Parplies. Er verwies auf den großen Bevölkerungsanteil der Vertriebenen, die rund ein Fünftel der Bundesdeutschen ausmachten. Aufgrund ihrer großen Zahl halte er die Einrichtung eines nationalen Gedenktages für angemessen, um auf die Geschichte und die Vertreibung aus ihrer Heimat aufmerksam zu machen und zu erinnern. Auch wäre eine finanzielle Unterstützung für den BdV seitens des Landes NRW wünschenswert, zumindest für den Bonner Ostdeutschen Markttag, der seit seiner Einführung am dritten Sonntag im September stattfinde, und als Veranstaltung einzig sei. Ausdrücklich lobte Herr Parplies das persönliche Engagement von Bernhard von Grünberg, doch würde er als Einzelkämpfer innerhalb seiner Fraktion nur wenig bewirken können, da ihm hier eine Mehrheit fehle. Helge Steinig

Es ist eine Kompromisslösung der deutschen Bundesregierung als Alternative zum Projekt „Zentrum gegen Vertreibungen“ der BdV- Präsidentin Erika Steinbach. Mit ihrer Stiftung ZgV sollte und wird an Flucht und Vertreibung von 15 Millionen Deutschen erinnert. Im Paul-Löbe-Haus und anschließend im Bundesministerium für Arbeit und Soziales empfing uns sehr herzlich Dr. Ralf Brauksiepe MdB zu Informationsgesprächen und berichtete über seine umfangreiche Tätigkeit im Ministerium. Was wäre eine Berlin-Reise ohne Potsdam. Der Landtag von Brandenburg wurde besichtigt und die Parlaments – Arbeitsweise erläutert. Aber auch das Sommerhaus des Physikers Albert Einstein in Caputh nahe Potsdam war mit Vortrag und Besichtigung im Programm. Höhepunkt in Potsdam ist immer die Besichtigung der Neuen Kammern im Gästeschloss Friedrich des Großen, im Park Sanssouci. Wir haben in den 4 Tagen viel gesehen, gehört, gelernt, und begaben uns am Abend teils heiter aber auch nachdenklich wieder auf die Heimreise. Norbert Buchmann

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Ergebnisse der Landesversammlung Landesvorstand Landesvorsitzender Hans-Günther PARPLIES Gotenstr. 140, 53175 Bonn Tel. 0228/374474 parplies@bdv-nrw.de Stellv. Landesvorsitzende Michael WEIGAND Adenauerplatz 14 41061 Mönchengladbach Mobil: 0173/28 09 273 weigand@bdv-nrw.de

Schatzmeister Markus PATZKE Trockelsweg 34 59556 Lippstadt Mobil: 0177/715 10 68 patzke@bdv-nrw.de Vorstandsmitglieder Till GENSLER Alfredstr. 110 45131 Essen 0201/3 16 52 76 till.gensler@googlemail.com

Alexander KÜHL Lortzingstr. 14 41470 Neuss Tel.: 02137/933533 info@akd-werbung.de

Stefan HEIN Flöz Sonnenschein 37, 45886 Gelsenkirchen Tel.: 0209 40 55 197 Mobil: 0151/19 43 64 47 hein@bdv-nrw.de

Dr. Bärbel BEUTNER Käthe-Kollwitz-Ring 24 59423 Unna Tel.: 02303/140 17

Waltraud HENTSCHEL Schießbergstr. 89, 57078 Siegen Tel.: 0271/87374 hentschel@bdv-nrw.de

Neugliederung der Bezirksverbände

Peter KOKOTT (Bezirk Süd) Fährstr. 9, 53757 St. Augustin Tel.: 02241/2 84 24 peterkokott@t-online.de Alfred KOTTISCH (Bezirk Mitte) Dreigarbenfeld 50 45359 Essen Mobil: 0177/79 79 3604 alfred-kottisch@web.de Roswitha MÖLLER (Bezirk Nord) Kiesekampweg 25 48157 Münster Tel/Fax: 0251/24151 moeller@bdv-nrw.de Bei den Letztgenannten handelt es sich um die Vorsitzenden der Bezirke. Die neu beschlossene Satzung kann bei der Landesgeschäftsstelle (s. S. 27) von Mitgliedern angefordert werden.

Schlesienreise mit Profil Für fünf Tage reiste der Trachtentanzkreis DJONATHAN in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe Neuss der Landsmannschaft Schlesien über Liegnitz in die Grafschaft Glatz mit Stützpunkt Bad Altheide (poln. Polanica-Zdroj). Im Mittelpunkt dieser besonderen Busreise stand das erste Frühlingsfest, ausgerichtet vom Deutschen Freundschaftskreis (DFK) in Glatz, unter Mitwirkung von Chören aus Habelschwerdt und Waldenburg, sowie verschiedene Trachtengruppen aus Nieder- und Oberschlesien der deutschen Minderheit. Diese Begegnung mit Landsleuten in der Heimat hatte einen besonderen Glanz und fand breiteste Zustimmung sicher auch bei der polnischen Mehrheit Da wurden Kontakte geknüpft, die bestimmt zukunftsweisend sind! Natürlich blieb auch Zeit, die herrliche Grafschaft Glatz zu erkunden; z.B. die schon zu deutscher Zeit weltberühmten Kurorte wie Bad Kudowa oder Bad Landeck,sowie den bekannten Marienwallfahrtsort Albendorf. Aber auch die prächtige Landschaft zeigte sich bei herrlichem Sonnenschein von ihrer schönsten Seite, eingerahmt vom Reichensteiner Gebirge, dem Glatzer Schneegebirge, dem Adlerdem Habelschwerdter- dem Heuscheuerund schließlich dem Eulengebirge. Also eine Perle im südlichen Schlesien die es verdient, viel mehr Beachtung und Wertschätzung zu erfahren.

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Absender: Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. 40210 Düsseldorf Postvertriebsstück Entgelt bezahlt H 13 18 F

Die Katalog-Trilogie zu den Ausstellungen des Zentrums gegen Vertreibungen: „Die Gerufenen“ • „Erzwungene Wege“ • „Angekommen“ Drei Bände im praktischen Schuber für nur

35,- €

Zu beziehen über BdV-Buchdienst, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf Tel. 0211/350 361 Fax 369676, E-Mail: buchdienst@bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de

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