Issuu on Google+

2/2011

2/2011

Nordrhein-Westfalen/Hessen/Bauernverband

Jahrgang 57

H 1318 F

BdV-Landesversammlung in Nordrhein-Westfalen

BdV-Landesverbandstag in Hessen

Hessen:

Nordrhein-Westfalen:

Bauernverband:

Wechsel und Kontinuität

Mut zur Zukunft

Auszeichnung für Christian Walter

Herausgegeben von den BdV-Landesverbänden Hessen und Nordrhein-Westfalen www.bdv-nrw.de • www.bdv-hessen.de


Leitartikel

Inhalt

Eine notwendige Stimme

Mut zur Zukunft

3

Wahrheit und Dialog

4

Wechsel und Kontinuität zugleich 

5

„So einfach hätte man es haben können“

7

Endlich Gedenktag für Vertriebene? 7 Kolumbien: Traurige Hochburg der Vertriebenen

8

Sollen Vertriebene endgültig Migranten werden?

9

Ostdeutsche Gedenktage 2009 und 2010

10

„Ich will wirken in dieser Zeit ...“

10

Versunkene Geschichte

11

Deutsch-polnische Begegnung

12

Ehrenmedaille für Christian Walter 13 Schlesische Landfrauen ändern die Satzung ihres Verbandes

14

Vertrieben – versprochen! – vergessen?

15

Deutsche Volksgruppe unterstützen

16

Reaktionen auf die Veränderungen 17 der Deutschen Umschau Das Selbstbestimmungsrecht der Völker

18

Japan steht im Unglück zusammen 20 Frauenquote?

22

Ein nachdenkliches Jubiläum

22

Was koche ich morgen?

23

Zu guter Letzt

26

Titelbild Das Titelbild oben zeigt den kulturpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag von NRW, Andreas Bialas MdL (l.), den BdV-Landesvorsitzenden HansGünther Parplies und den vertriebenenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion Bodo Löttgen (r.) im Vorfeld der BdVLandesversammlung. Das untere Bild zeigt (v.li.) den ehemaligen Landtagsabgeordneten Siegbert Ortmann, den Hessischen Sozialminister Stefan Grüttner und BdV-Landesvorsitzenden Alfred Herold beim Landesverbandstag.

2

V

iel Lob, wenig Kritik, einige Verbesserungsvorschläge, die wir gerne aufgegriffen haben: Das ist Ihre Reaktion auf die neue Form der Deutschen Umschau. Einige Meinungen dazu können Sie auf der Seite 17 nachlesen. Deutlich nachgebessert haben wir nochmals bei den Schriften, das hat eine noch bessere Lesbarkeit zur Folge. Aber auch einige andere Änderungen werden Sie finden. Wir danken allen Lesern, die unsere Zeitschrift kritisch begleiten und vor allem denen, die sich zu Wort gemeldet haben. Bitte schreiben Sie uns auch weiterhin. Eine regelmäßige Leserbriefseite, auch und vor allem zu politischen Themen, wäre wünschenswert. iese Ausgabe der Deutschen Umschau zeigt einmal mehr, dass die Stimme der Ost- und Sudetendeutschen noch lange nicht verstummen darf. Was sich derzeit mit dem „Zensus 2011“ abspielt, ist die Fortsetzung eines Skandals, der sich bereits vor einigen Jahren angekündigt hat. Spätaussiedler, die nach 1955 in das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland eingereist sind, werden zu Migranten aus dem Ausland. Das verfälscht zum einen die Statistik, weil es sich eben nicht um Ausländer handelt, zum anderen ist es für die betroffenen Menschen verletzend. Es bleibt darüberhinaus die Frage, weshalb Schlesien 1955 Polen gewesen sein soll, war es doch bis weit in die 80er Jahre hinein in den Schulatlanten als „z. Zt. unter polnischer Verwaltung“ dargestellt. Das entsprach der höchstrichterlichen Rechtsprechung. och etwas kommt auf die Vertriebenen zu. Als Ausfluss der Diskussion um die Charta der deutschen Heimatvertriebenen wird den Ost- und Sudetendeutschen der Opferstatus insgesamt abgesprochen. In der renommierten „Frankfurter Rundschau“ war zu der Fernsehreihe „Fremde Heimat“ zu lesen: „Die ‘größte ethnische Säuberung in der europäischen Geschichte‘ sei die Vertreibung der Deutschen nach 1945 gewesen, heißt es auf der Website der ARD. ... Es soll um das Schicksal der Menschen gehen, die nach 1945 die deutschen Siedlungsgebiete in den osteuropäischen Ländern (sic) hinter sich lassen und fliehen mussten. „Die Aussage in der Ankündigung der Website ist skandalös angesichts des Holocausts und der anderen von den Deutschen Ermordeten“, sagt Paul Nolte, Professor für Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin. Gemessen an Monstrosität und Tödlichkeit ständen die Vertreibungen in keinem Verhältnis zu den Verbrechen der Nazis.“ Die „Frankfurter Rundschau“ schließt mit der Mahnung: „Vergeblich wartet man auf die Enthüllungen, die das Geschichtsbild gerade rücken sollen.“ Unabhängig von den inhaltlichen Fehlern: Zynischer und menschenverachtender geht es kaum. Hier werden Opfer gegen Opfer gestellt und noch schlimmer: Es werden Opfer 1. und 2. Klasse geschaffen. Markus Patzke

D

N

BdV-Landesverband Hessen e.V., Friedrichstr. 35, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611/ 36019-0, Fax: 0611/36019-22, E-Mail: buero@bdv-hessen.de ISSN 0723-4295 Organ des Bundes der Vertriebenen (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bauernverband der Vertriebenen). Herausgeber und Verlag: Bund der Vertriebenen – Landesverbände Hessen e.V. und Nordrhein-Westfalen e.V. Die Ausgabe Nordrhein-Westfalen wird durch die Ministerpräsidentin des Landes NordrheinWestfalen gefördert. Die Ausgabe Hessen wird durch das Hessische Sozialministerium gefördert. Anschriften: BdV-Landesverband NRW e.V. Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 02 11/35 03 61, Fax 02 11/36 96 76, E-Mail: info@ bdv-nrw.de

Bankverbindungen: LV NRW: Commerzbank Düsseldorf, Kto.-Nr. 322 018 700, BLZ 300 800 00; LV Hessen: Volksbank Wiesbaden, Kto.-Nr. 34 59 03, BLZ 510 900 00 Redaktion:  Chefredakteur Markus Patzke, Ständige Mitarbeiter: Markus Leuschner (Bonn), Roswitha Möller, Markus Häßelbarth (Münster), Norbert Quaiser (Wiesbaden), Dr. Arwed Blomeyer (Berlin), Alexander Kühl (Neuss) Druck und Vertrieb: Rautenberg Druck GmbH, Blinke 8, Postfach 1909, 26789 Leer Erscheinungshinweise: Zum 15. eines jeden zweiten Monats. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 27. Mai 2011. Mit Signum oder Namen gezeichnete Bei­träge geben die Meinung des Verfassers wieder.

Deutsche Umschau 2-2011


Politik

Mut zur Zukunft Landesversammlung in NRW diskutiert Struktur und Politik Die 63. Landesversammlung des Bundes der Vertriebenen in Nordrhein-Westfalen war keine Routineversammlung. Angesichts der politischen Lage im bevölkerungsreichsten Bundesland, aber auch im Hinblick auf die zukünftige innere Struktur und damit einhergehende Außendarstellung des Verbandes wurde kontrovers und sachlich diskutiert wie schon lange nicht mehr. Erkennbar von dem Willen beseelt, den Verband für die Zukunft fit zu machen und sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen, ohne dabei auf grundlegende Ziele zu verzichten, diskutierten über 100 Delegierte aus ganz Nordrhein-Westfalen mögliche strukturelle Veränderungen. Als besonders erfreulich werteten die Delegierten zunächst aber die Tatsache, dass der Landesvorsitzende Hans-Günther Parplies in Andreas Bialas MdL und Bodo Löttgen MdL Vertreter der beiden großen Volksparteien im Landtag von Nordrhein-Westfalen begrüßen konnte. Bialas, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und neuer stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus wies in seinem Grußwort auf den Wert der Erinnerungskultur hin, während Bodo Löttgen, vertriebenenpolitischer Sprecher der CDUFraktion deutlich machte, welchen Anteil die Ost- und Sudetendeutschen am Aufbau Nordrhein-Westfalens gehabt hätten. In seinem politischen Lagebericht sprach der Landesvorsitzende Hans-Günther Parplies dann von „zwiespältigen Gefühlen“ der Ost- und Sudetendeutschen hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung. Einerseits sei die Vertreibungsthematik weiterhin „auf der Tagesordnung der Politik und im Blick der Öffentlichkeit“ geblieben, andererseits sei die Debatte „mehr auf parteipolitisches Gezänk und nicht auf parteiübergreifenden Konsens angelegt geführt worden.“ Gerade dies aber, so der Vertriebenenpolitiker, sei zwingend notwenig, um nachhaltig die Bewußtseinsbildung für die ostdeutsche Kultur- und Vertreibungsthematik voranzubringen. Er schlug eine Debatte zur Erinnerungskultur im Landtag von Nordrhein-Westfalen oder nach dem hessischen Vorbild einen „Nordrhein-Westfälischen Preis Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ vor, um die Bewußtseinsbildung zu befördern. Deutsche Umschau 2-2011

auszuloten, bis zu welchem Grad mögliche Veränderungen von den Mitgliedsverbänden mitgetragen werden. Zugleich sollten aber auch Initiativen aus den Verbänden angeregt werden. Zu den Vorschlägen des Landesvorstandes gehörte eine Überarbeitung und Weiterentwicklung der Satzung insgesamt ebenso wie die Veränderung von Einzelparagraphen. So soll dem Landesverband auch das Recht eingeräumt werden, Einzelmitglieder aufzunehmen. Darüberhinaus erscheint es aber auch erforderlich, kleinere Einheiten zur Betreuung der Mitgliedsverbände zu schaffen, als es die bis-

In einer engagierten und sachlichen Diskussion bestätigten die Delegierten die Forderungen des Landesvorstandes, die in Form von Entschließungsanträgen vorlagen. In den einstimmig verabschiedeten Resolutionen mahnten die Delegierten zum Beispiel alle politischen Kräfte im Land an, die universitäre Forschung und Lehre im Land im wichtigen Bereich der Vertriebenen- und Vertreibungsforschung, sowie der Geschichte und Kultur der Deutschen im östlichen Europa, endlich wieder aufzunehmen. In einem weiteren Antrag forderten die Delegierten die Bundesregierung auf, in den Fragebögen für den „Zensus 2011“ Spätaussiedlern die Möglichkeit einzuräumen, ihren Status deutlich zu machen. Entweder in dem sie von der Auskunftspflicht im Hinblick auf das Land aus dem sie kommen befreit werden, oder aber, in dem sie in einem zu schaffenden Feld den Status „Spätaussiedler“ eintragen können. Sie wer- Klaus Witte (l.) Beauftragter des Landesvorstandes für den sonst bürokratisch zu die Gedenkstätte auf Schloß Burg wurde durch den Landesvorsitzenden Hans-Günther Parplies (r.) mit der Migranten. Ernst-Moritz-Arndt-Plakette augezeichnet Die Deutschen aus Rußland, herigen Bezirksarbeitsgemeinschaften sind. und mit ihnen der Gesamtverband, gedenDabei sollten diese Einheiten mit eigenen ken in diesem Jahr des 70. Jahrestages der Vorständen und eigener Finanzstruktur ausDeportation. In einer großen Veranstalgestattet werden, um effektiv Hilfe leisten tungsreihe und mit vielen weiteren Maßzu können. Sie stellen die Vor-Ort-Betreunahmen wollen die Deutschen aus Russung der Kreisverbände sicher. land indiesem Jahr daher auf das Schicksal der Volksgruppe hinweisen. Dafür fordern Auf wenig Gegenliebe stieß der Vorschlag, die Deutschen aus Russland die Solidarität die Mitgliedsverbände von der Mitgliederaller gesellschaftlich relevanten Gruppen, verwaltung zu entlasten, und diese auf den der Parteien und Institutionen des Landes Landesverband übergehen zu lassen. Der in einem weiteren Antrag ein. Vorstand wird nun einen konkretisierten Vorschlag erarbeiten, in den die MeinungsBreiten Raum nahm die Debatte über zuäußerungen der Landesversammlung mit künftige mögliche Strukturveränderuneinfließen. gen des Landesverbandes ein. Der Landesvorstand hatte dazu einige Vorschläge Einer der Höhepunkte der Landesversammerarbeitet, die den Delegierten unter der lung war die Ehrung von Klaus Witte mit Überschrift „Herausforderungen anneh- der Ernst-Moritz-Plakette. Witte hat sich in men – Mit Mut in die Zukunft“ zur Diskus- den vergangenen Jahren um die Gedenksion vorgelegt worden waren. Es handelte stätte des deutschen Ostens und der Vertreisich dabei um eine Diskussionsgrundlage, bung auf Schloß Burg verdient gemacht. Mit die nun in die Verbände hinein weiterge- bewegten Worten dankte er für die hohe tragen werden soll. Zunächst aber galt es Ehrung. Markus Patzke

3


Politik

Wahrheit und Dialog 63. Ordentlicher Landesverbandstag in Hessen Der Wappensaal des Hauses der Heimat reichte gerade aus, um die große Zahl der Delegierten und Gäste zu fassen, die sich am 12. März anlässlich des 63. Ordentlichen BdV-Landesverbandstags in Wiesbaden eingefunden hatten. Zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung des Landesvorsitzenden und Vizepräsidenten des BdV, Alfred Herold, gefolgt, unter ihnen der Hessische Staatsminister Stefan Grüttner, Wiesbadens Oberbürgermeister Dr. Helmut Georg Müller, Leiter des Bürgerreferats, Carl-Michael Baum,

gern die Grüße unseres Ministerpräsidenten Volker Bouffier.“ Als die Diskussion um die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ einen Höhepunkt erreichte, habe sich die Landesregierung sogleich an die Seite der Vertriebenen gestellt. Ein Entschließungsantrag der Fraktionen der CDU und FDP, in dem beide Ereignisse als wichtige Dokumente bezeichnet werden, führte zu einer hitzigen Debatte im Landtag. Dass der Entschließungsantrag angenommen wurde, zeigte, dass es die Fraktionen der CDU und FDP seien, die das Schicksal der Vertriebenen und die Arbeit ihrer Verbände würdigen.

Auch im Deutschen Bundestag wurde nach einer emotional geführten Debatte, der Antrag „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen-Versöhnung vollenden“ mit den Stimmen von Union und FDP verabschiedet. Grüttner unterstützt auch die Bestrebungen für einen Nationalen Gedenktag. Die Charta muss auch im Unterricht behan(v.li.) Georg Unkelbach, Wilhelm Reuscher MdL delt werden. Jedoch kein Schul(FDP), Stadtverordneter Christoph Manjura (SPD) , buch biete das, was Zeitzeugen Carl-Michael Baum, Oberbürgermeister Dr. Müller, im Unterricht leisten können. In Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel diesem Zusammenhang verweist Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Ni- er auf den Hessischen Preis „Flucht, Verckel, Frank Sürmann MdL (FDP), Wilhelm treibung, Eingliederung“. Die PreisverleiReuscher MdL (FDP), Ulrich Caspar MdL hung wird er anlässlich des Hessentages am (CDU), Stadtverordneter Christoph Man- 18. Juni 2011 vornehmen. jura (SPD), Stadtrat Manfred Laubmeyer Die Diskussion um die Besetzung des Stif(CDU), Stadtrat Wolfgang Herber (SPD) tungsrates „Flucht-Vertreibung-Versöhund viele andere. nung“, war beim letzten LandesverbandsEinstimmig wurde das Verbandstagspräsi- tag am 20. März 2010 das Hauptthema. „Es dium in die bewährten Hände von Siegbert gab damals ein unwürdiges Gerangel in desOrtmann, Dr. Herbert Küttner und Rudolf sen Mittelpunkt die Anfeindungen gegen Riedel gelegt. Die Totenehrung sprach Hel- unseren Verband und vor allem gegen unmut Seidel. Er erinnerte an die Toten des sere Präsidentin Erika Steinbach standen“ Krieges und der Vertreibung, aber auch an so Herold. Durch die zähe und kluge Verdie Opfer der momentanen Freiheitskriege handlungsführung von Steinbach sei eine in den nordafrikanischen Staaten und der akzeptable Lösung herbeigeführt worden. Naturkatastrophe in Japan. „Im Interesse der Vertriebenen hat Erika Steinbach durch ihren Verzicht mehr er„Wenn ich heute als Hessischer Sozialmireicht, als sie je als Stiftungsratsmitglied nister, als ihr ‚Schirmherr‘, zu Ihnen sprehätte erreichen können“, las man in einem che, ist das eine Premiere, vor zwei Jahren Pressekommentar. war ich als Leiter der Hessischen Staatskanzlei bei Ihnen zu Gast. Der Amtswechsel Bei der zweiten konstituierenden Sitzung hat jedoch an der Verbundenheit zu Ihnen des Stiftungsrates am 25. Oktober 2010, nichts geändert“ begrüßte Stefan Grüttner sei von den sechs Stiftungsratsmitgliedern die Versammelten. „Ich überbringe Ihnen des BdV deutlich herausgestellt worden,

4

dass die vorgelegte Konzeption, als „Eckpunkte“ bezeichnet, eine gute Grundlage für die anstehenden Beratungen ist. Bis zur Verabschiedung einer endgültigen Fassung besteht jedoch noch erheblicher Änderungsund Korrekturbedarf. Herold sieht nach wie vor großes politisches Ablehnungspotential. Seine Warnung: Nicht in Fallen tappen, darauf warten nur unsere Gegner. Die Diskussion um die Stiftung darf nicht zum Spielball von Extremisten und Einzelgängern werden. Um dieses zukunftsweisende Projekt auch erfolgreich zu beenden, bedarf es eines starken Verbandes, der nur mit einer Stimme spricht. Herold kam danach nochmals auf die Gedenktagsdebatte „Charta der deutschen Heimatvertriebenen-Aussöhnung vollenden“ am 15.Dezember 2010 im Deutschen Bundestag zu sprechen. Die Fronten seien klar gewesen: Regierungskoalition stimmt zu, Opposition ist dagegen. Dabei stelle die Charta ein zeitloses Dokument moralischer Vorleistung dar, ein von ethischen Grundsätzen getragenes Dokument. „Wer zu einer Zeit, als der gewaltsame Verlust von Haus, Hof und Heimat noch tiefe und unvernarbte Wunden hinterlassen hatte, zu solchen Aussagen fähig war, der hätte in der Tat den Friedensnobelpreis verdient. Für mich ist es unfassbar, dass ein solches Friedensdokument, wie die Charta der deutschen Heimatvertriebenen, derart in den Schmutz gezogen wird“ fügte Herold hinzu. „Ich habe Vielen Dank zu sagen“ so Herold. „Den Hessischen Landesregierungen unter Ministerpräsident Roland Koch und Volker Bouffier, den Staatsministern Jürgen Banzer und Stefan Grüttner und nicht zuletzt Margarete Ziegler-Raschdorf, für ihr Wirken als Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Vertriebene und Spätaussiedler. Mein Dank gilt auch den Mitgliedern des BdV-Landesvorstandes, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den BdV-Orts- und Kreisverbänden, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Landesgeschäftsstelle“, schloss Herold. Der Erstattung des Geschäftsberichtes 2010, der Vorlage der Jahresrechnung 2010 und des Berichts der Kassenprüfer, folgte einstimmige Entlastung des Vorstandes. Der Haushaltsplan für 2011 wurde von allen einstimmig verabschiedet. Landesschatzmeister Otto R. Klösel wurde wegen seiner umsichtigen Haushaltsplanung ganz besonders gedankt. Norbert Quaiser Deutsche Umschau 2-2011


Politik

Wechsel und Kontinuität zugleich Ministerpräsident setzt Tradition seines Vorgängers fort In Hessen haben Neujahrsgespräche der Landesregierung mit den Vertriebenenverbänden Tradition. Eine gute Tradition, die nicht einfach zur Routine geworden ist. Sie begann im Jahr 2000, als der damalige Ministerpräsident Roland Koch die Vertreter des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaften zum Neujahrsempfang in die Staatskanzlei einlud. Seitdem ist das jährliche Treffen zu Beginn jeden neuen Jahres ein Ereignis, das die guten Kontakte zwischen den Verbänden und der Landesregierung öffentlich sichtbar macht. Man kann schon von einem „großen Bahnhof “ sprechen, den die Hessische Landesregierung den Spitzen von BdV und Landsmannschaften im Büchnersaal der Hessischen Staatskanzlei bereitet hatte. Für die BdV-Vertreter, an der Spitze ihr Landesvorsitzender Alfred Herold, war der Tag ein Zeichen der Wertschätzung durch die Landesregierung. Das Händeschütteln mit den Gastgebern wollte kein Ende nehmen: Ministerpräsident Volker Bouffier, Sozialminister Stefan Grüttner, Staatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann, Staatssekretär Michael Bußer, die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, die Vorsitzende

des Unterausschusses für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Wiedergutmachung, Gudrun Osterburg MdL, Georg Unkelbach, Hessisches Sozialministerium und Büroleiter von Frau Ziegler-Raschdorf, alle waren zum Neujahrsgespräch gekommen. Für den neuen Ministerpräsidenten ist klar: Die von Roland Koch begründete Tradition wird fortgesetzt. „Denn wie wir mit den Vertriebenen und Spätaussiedlern umgehen, ist nicht weniger wichtig als früher. Das ist uns ein inhaltliches, aber auch ein persönliches Anliegen“ erklärte Bouffier. Sozialminister Grüttner brachte klar zum Ausdruck, dass er sich persönlich dagegen verwahre, dass Leistungen von Vertriebenen oder Vertriebenenverbänden in Zweifel gezogen würden. Sehr deutlich sei kürzlich die Stellung der Koalitionsfraktion und der Landesregierung bei einer Diskussion im Hessischen Landtag geworden, als es um das Jubiläum „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ gegangen sei. Laut Grüttner ist es auch wichtig, die Grundsätze und die Pfeiler des Zusammenwirkens mit den Vertriebenenverbänden nach außen hin zu verdeutlichen. So zum Beispiel bei der Frage der schulischen Bildung, der Frage des Lehrmaterials, aber

Otmar Schmitz (l.) und Hartmut Saenger auch der Nachqualifizierung von Spätaussiedlern (die anschließend eine Lehrtätigkeit ausüben können). Ein gutes Zeichen sei es, dass gemeinsam mit dem Kultusministerium, der Otto Benecke Stiftung, der Landesregierung und dem Integrationsministerium, die Nachqualifizierung dieses Personenkreises in Angriff genommen werde. Die historische Bedeutung der Arbeit von Vertriebenenverbänden müsste viel besser bekannt gemacht und in das Bewusstsein von Schülerinnen und Schülern gebracht werden. Dazu gehöre, dass die Landesregierung beschlossen habe, einen Preis „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ auszuloben, der alle 2 Jahre vergeben wird. Es wird zu einer öffentlichkeitswirksamen Preisverleihung im Rahmen des diesjährigen Hessentages kommen. Der BdV-Landesvorsitzende Alfred Herold erinnerte daran, dass es sich beim Empfang in der Staatskanzlei um ein Jubiläumstreffen handelt. Heute vor zehn Jahren, so Herold, fand auf Anregung des damaligen Landesbeauftragten Rudolf Friedrich, das erste Neujahrsgespräch statt. Dankbar sei er, dass die Regierung Bouffier diese Tradition fortführen wolle. Als vorbildlich bezeichnete Herold das Wirken des „Deutsch-Europäischen Bildungswerkes“ unter Leitung von Hartmut Saenger. Lob gebühre auch der Kulturarbeit, die bei Otmar Schmitz in besten Händen läge.

Empfang zum „Neujahrsgespräch 2011“ in der Staatskanzlei der Hessischen Landesregierung Wiesbaden Foto: Erhard Blatt Deutsche Umschau 2-2011

Die Integration der Deutschen aus Russland und die Arbeit ihrer Landsmannschaft ist Herold ein besonderes Anliegen. Dankbar ist er der Landesbeauftragten Ziegler-Raschdorf, die sich mit Erfolg um die Heimatstuben und die damit verbundenen Patenschaften kümmert. Einmalig in Deutschland dürfte auch sein, dass der Landesverband ein „moralisches Gewissen“, in Gestalt von Dr. Herfried Stingl besitzt. Dr. Stingl ließe es nicht zu, dass die Vertriebenen auch noch Fortsetzung auf Seite 6

5


Politik Fortsetzung von Seite 5 aus den Schulbüchern vertrieben würden. Dabei seien die Vertriebenen zu glaubwürdigen Brückenbauern zu den Menschen im Osten geworden, so Herold. Er fahre seit 1968 in seine sudetendeutsche Heimat. „Ich bin innerlich bei Ihren Worten dabei“ bekräftigte der Ministerpräsident. „Meine Mutter ist Donauschwäbin, sie flüchtete 1944. Der ganze familiäre Kreis stammt von dort. Beim ersten Besuch in der Heimat, fand ich unser Haus unversehrt vor. Es trug noch, in schmiedeeisernen Lettern, den Namen meines Großvaters.“ „Ein Mann, den ich sehr verehre,“ so der Ministerpräsident, „der Philosoph Otto Marquardt, hat einen Spruch, philosophisch brillant formuliert und dann in einem Satz zusammen gefasst: „Zukunft braucht Herkunft“. „Es ist die Chance, Zukunft zu gewinnen, wenn man die Herkunft kennt. Deshalb haben wir eine Verpflichtung, auch denjenigen Schülerinnen und Schülern gegenüber dieses Thema nahe zu bringen, die weder verwandtschaftliche Bindungen haben, noch persönliche Erfahrungen besitzen. Die Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf verkündete gute Nachrichten: Man sei auf bestem Wege, mit Unterstützung des Kultus- und des Sozialministeriums, das Nachqualifizierungsprojekt von Lehrerinnen und Lehrern unter den Spätaussiedlern kurzfristig zu realisieren. Als Vorbild diene ein ähnliches Projekt in Nordrhein-Westfalen. Die Qualifizierung ist notwendig, falls nur ein Fach studiert wurde. Mit Unterstützung der Otto Benecke Stiftung wird es einen rund einjährigen Nachqualifizierungslehrgang geben, dann wären die Betroffenen fähig, den Quereinsteigerkurs – eine weitere Maßnahme – zu erreichen, der sie dann für den Schuldienst qualifiziert. Wegen der Darstellung der Vertreibung in Schulbüchern, so Staatssekretär Brockmann, seien drei Verlage angesprochen worden. Mit einem Verlag gibt es bereits Übereinstimmung. Mit den anderen Verlagen werde noch verhandelt. Das scheine ein längerfristiger Prozess zu werden. Das Problem sei, dass nur wenige Schulbuchautoren zur Verfügung stehen. Deren Wissen zu „beeinflussen“ müsse jetzt gemeinsame Aufgabe sein. Dabei gehe es darum, die Schulbuchautoren zu überzeugen und nicht zu überreden. Diese klare Stellungnahme griff Dr. Stingl auf. In Hessen verwendete

6

Ministerpräsident Volker Bouffier (l.) und Landesvorsitzender Alfred Herold Schulbücher sind von ihm einer Analyse unterzogen wurden. Das Ergebnis ist den Verlagen zugegangen. Diese haben auch geantwortet. Zum Teil ist man auf seine Anregungen eingegangen, aber er ist auch auf Unverständnis gestoßen. Als Beispiel führt er ein Geschichtsbuch für Hessen an, in dem nur ein einziger Satz über die Vertreibung steht, begleitet von einer kleinen Karte. Die Schüler werden angewiesen, sich das weitere selbst zu erarbeiten. Auch andere historische Geschehnisse litten unter dem gleichen Mangel. Um in Zukunft zu verhindern, dass solche „fehlerhaften“ Bücher zugelassen werden, gibt es einen Vorschlag von Hans-Jürgen Irmer MdL. Dieser habe die Bildung einer Arbeitsgruppe vorgeschlagen, welche unter Einbindung des BdV die Schulbücher prüfen soll, bevor sie endgültig zugelassen werden. Die Schulen sind eingeladen, sie müssen nicht, aber sie können sich ihr eigenes Schulcurriculum machen. Alle Lehrkräfte einer Fachkonferenz könnten sich auf einen bestimmten Zusammenhang verständigen. Aus Erfahrung weiß man: Wenn von außen Vorschriften gemacht werden, gelingt diese Außensteuerung nur zu einem Anteil von weniger als fünfzig Prozent. Karl Bauer, stellvertretender Landesvorsitzender, empfand diese Diskussion als spannend und konstruktiv. Die Schullandschaft verändere sich und wir müssten uns auch in den Verbänden darauf einstellen. Der Ministerpräsident äußerte großes Verständnis. Dahinter stecke die Sorge, „wenn

wir in den Schulbüchern nicht mehr vorkommen, sind wir völlig vergessen“. Die nachfolgende Generation denke aber anders, als es hier vorgetragen werde. Das Wichtigste sei, dass klar Kurs gehalten werde. „Wir brauchen eine Begründung, wie das Schicksal der Deutschen zwingend im Unterricht zu behandeln ist.“ Wissenschaftliche Argumente gingen da fehl. Wenn über Flucht und Vertreibung geredet werde, dann „werden wir die Situation haben, dass ein großer Teil der Jugendlichen von der Vertreibung aus den eigenen Heimatländern berichten werden. Dann reden wir nämlich über die Vertreibung der Christen aus dem Irak, wir reden über all die, die aus Ostanatolien gekommen sind, wir reden über Somalia und wir reden über den Balkan.“ Der größte Anteil der Schüler werde in den nächsten Jahren aus dem Bereich der Migranten kommen. Auch sie hätten einen Anspruch. Dafür seien besonders ausgebildete Lehrer nötig. Wir dürften die Bildungspolitik nicht den Bildungspolitikern überlassen. Wir müssten den Mut haben, klar das zu sagen, was wir meinen. „Ich möchte auch in 20 Jahren noch wissen, wer die Wolgadeutschen waren.“ Otmar Schmitz, Landeskulturreferent kann sich über mangelnde Unterstützung durch die Landesregierung nicht beklagen. Überall finde er Ansprechpartner, die ihm bereitwillig helfen. Schmitz begrüßte die Entscheidung der Hessischen Landesregierung, in Würdigung der Charta der Heimatvertriebenen, einen hessischen Preis „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ zu stiften. Norbert Quaiser Deutsche Umschau 2-2011


Politik

„So einfach hätte man es haben können“ OMV-Bundesvorsitzender Helmut Sauer: Beispielgebender Komorowski

Mit einem Rundumschlag gegen die deutsche Politik der letzten Jahrzehnte gegenüber den deutschen Volksgruppen vor allem in Polen hat der Bundesvorsitzende der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU (OMV) und Vizepräsident des BdV, Helmut Sauer, auf den jüngsten Staatsbesuch des polnischen Präsidenten Komorowski in Litauen reagiert. Komorowski hatte am 16. Februar 2011 das Nachbarland Litauen besucht, in dem eine große polnische Volksgruppe beheimatet ist. Seine Äußerungen im Hinblick auf seine Landsleute in Litauen gaben die Tageszeitungen Fakt, Gazeta Wyborcza und Rzeczpospolita vom 17. Februar wie folgt wieder: „Kümmert Euch um die Polen!“, bat er. Wegen eigener familiärer Wurzeln in Litauen „sind ihm die Probleme der polnischen Gemeinschaft in Litauen besonders nahe“, sagte er beim Treffen mit Vertretern der polnischen Minderheit. Mit Blick auf Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der polnischen Schreibweise in litauischen Dokumenten und auf Straßenschildern erklärte er: „Es ist für Polen unverständlich, dass man den polnisch-litauischen Vertrag von 1994, der das Fundament für das Zusammenleben von Polen und Litauern sein sollte, so lange Zeit nicht umsetzen konnte. (...) Die Minderheiten muss man achten – nicht nur tolerieren.“ In einem Interview mit der Zeitung Rzeczpospolita am 21. Februar 2011 plädierte er erneut für ein enges Bündnis mit Litauen und wiederholte sein Programm: „(...) aber nicht auf Kosten der polnischen Minderheit.“ Dazu erklärte Sauer, dass man in den Zitaten nur „polnische Minderheit“ durch „deutsche Minderheit“ und „Litauen“ durch „Polen“ ersetzen müsse. „So einfach hätten es in den vergangenen 20 Jahren einige Bundespräsidenten, einige Bundestagspräsidenten, einige Bundeskanzler, viele Delegationen der Parlamente, der Kirchen, der Hochschulen, der Partnerstädte, der deutschpolnischen Gesellschaften, einige Parteien usw. gehabt, um sich gegenüber Warschau für die deutsche Volksgruppe einzusetzen.“ Aber diese staatspolitische Aufgabe aller Deutschen, sich für die Rechte und Interessen unserer Landsleute in Polen zu engagieren, überließ man allzu gern dem Bund der Vertriebenen und den Landsmannschaften. Deutsche Umschau 2-2011

Scheinheilig – so Sauer – konnte man so ‚Political Correctness‘ und ‚Friede-Freude-Eierkuchen-Begegnungen‘ – zumeist auf Kosten der Steuerzahler – vorschieben, um sich von den Heimatvertriebenen zu distanzieren – den angeblich „Ewiggestrigen und Friedensstörern mit der Deutsch-Tümelei, den Einmischungen in polnische Angelegenheiten und den Heim-ins-Reich-Parolen.“ Schnell sei dann noch die von Oldenburg organisierte Polen-Lobby von linken Intellektuellen sowie selbsternannten Friedensaposteln mit ihrem ebenfalls zum Großteil vom Steuerzahler finanzierten „Netzwerk“ zur Stelle, die im Geiste der ersten deutschpolnischen Schulbuchkommission der

Kommunistenära gegen die Heimatvertriebenen polemisierten und somit – bewusst oder unbewusst – für die nationalpolnische Opposition arbeitet. Deutliche und mutige Worte eine Mitglieds des Bundesvorstandes der CDU. Das gilt umso mehr, da sich seine Worte auch gegen Teile der eigenen Partei richten. Hoffentlich verhallen sie nicht ungehört. Es gibt immer noch genug Themen, die für die deutsche Volksgruppe in Polen von existentieller Bedeutung sind, und bei der die Unterstützung aus der Bundesrepublik wichtig und hilfreich wäre. Martin Preiss

Endlich Gedenktag für Vertriebene? Bundestagsbeschluß muß noch umgesetzt werden Der Bundestag hat sich für einen bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Vertreibung am 5. August ausgesprochen. Mit den Stimmen von Union und FDP plädierte das Parlament zudem für eine Gedenkmöglichkeit von Besuchern in der geplanten Berliner Dokumentationsstätte für Flucht und Vertreibung, deren Angehörige ‚an einem namenlosen Ort‘ starben. SPD, Linke und Grüne votierten gegen den Antrag der Koalition. Umstritten war vor allem die Einführung eines Gedenktages am 5. August. An diesem Tag wurde 1950 die ‚Charta der deutschen Heimatvertriebenen‘ verkündet. Vertreter der Koalition verteidigten sie als herausragendes historisches Dokument. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte dazu, der Verzicht der Charta auf Rache und Vergeltung sei eine ‚fatale moralische Anmaßung‘ angesichts der NSVerbrechen, vor allem des Holocaust. Diese Kritik ist umso befremdlicher, als auch führende Oppositionspolitiker die historische Leistung der Charta als ein ‚Dokument der Versöhnung‘ wiederholt bestätigt und gewürdigt haben. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel hob etwa zum 50. Jahrestag der Charta den darin enthaltenen Verzicht auf Rache und Vergeltung explizit hervor: „Vor dem Hintergrund der persönlichen Schicksale war dies nicht für alle selbstverständlich und leicht durchsetzbar. Trotzdem können wir

heute feststellen, dass die übergroße Zahl der Menschen in Deutschland diese Prinzipien für sich verinnerlicht hat, nach ihnen lebt und handelt.“ Die geschichtliche Bedeutung der Charta liegt, wie der Bundestagspräsident Norbert Lammert am 60. Jahrestag in Stuttgart darlegte, gerade in der Absage an radikale Kräfte und in der Eigenverpflichtung der Vertriebenen zur Eingliederung in der Bundesrepublik.“ In unzähligen Sonntagsreden von Politikern aller Coleur bei den unterschiedlichsten Anlässen wurde die Charta immer wieder als vorbildliches Beispiel der Verständigungsbereitschaft herangezogen. Und in der Tat: Für die friedliche Integration und den Versöhnungsprozess der Vertriebenen spielte die Stuttgarter Charta eine wichtige, ja entscheidende Rolle. Die Empfehlung des Deutschen Bundestages den 5. August zum Gedenktag für die Vertriebenen zu erheben harrt jetzt der Umsetzung. Die Vertreibung hat viele Millionen Deutsche zu Opfern gemacht. Dieser Menschen ist zu gedenken. Arnulf Baring hat wiederholt betont: Wir Deutsche kommen mit uns und unserer Geschichte erst dann ins Reine, wenn wir der Opfer in den Reihen des eigenen Volkes genau so gedenken wie der Opfer in anderen Nationen. Er hat in diesem Zusammenhang von der „Unfähigkeit zu trauern“ gesprochen. Es ist jetzt an der Zeit! MaPa

7


Politik

Kolumbien: Traurige Hochburg der Vertriebenen 5,2 Millionen Vertriebene in 25 Jahren

In Kolumbien sind in den letzten 25 Jahren einem neuen Bericht zufolge 5,2 Millionen Menschen aus ihren Dörfern vertrieben worden. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr Binnenflüchtlinge. Die Hälfte aller Vertreibungen fallen in die Amtszeit von Ex-Präsident Álvaro Uribe (2002-2010), der mit einem Programm zur Bekämpfung der Guerilla einem Landraub im großen Stil Vorschub leistete.

Vorwand gestartet, die demokratische Sicherheit durch eine effektive Sozial- und Investitionspolitik wiederherzustellen. In 21 dieser Bezirke wurden exportorientierte Bergbauprojekte, in weiteren 14 der Anbau von Ölpalmen für die Biotreibstoffindustrie vorangetrieben. Alle diese Investitionen stehen Codhes zufolge in einem direkten Zusammenhang mit den Vertreibungen.

Wie die 140-seitige Untersuchung der Beratungsstelle für Menschenrechte und Vertreibung (Codhes) herausfand, wurden in den Jahren 1985 bis 2010 im Zuge des bereits mehr als 5 Jahre währenden Bürgerkriegs 11,4 Prozent der Bevölkerung entwurzelt. 32,7 Prozent aller Vertreibungen fanden in Bezirken statt, die für die Umsetzung des sogenannten Nationalplans für territoriale Konsolidierung ausgewählt worden waren.

Eine 2004 auf Anordnung des Verfassungsgerichts gegründete Kommission lastet den illegalen bewaffneten Gruppen an, von 1980 bis Juli 2010 mehr als 6,6 Millionen Hektar Land seinen Eigentümern gewaltsam entrissen zu haben. Die Enteignungen fanden in den Regionen statt, in denen Uribes Territorialplan umgesetzt wurde. Allein in den westlichen Departements Antioquia und Chocó wurden 1,9 Millionen Hektar Land zwangskonfisziert.

Das Projekt wurde 2007 in 86 der insgesamt 1.141 Gemeindebezirken unter dem

Laut Codhes erlebten 44 der 86 Gemeinden, die in den Plan aufgenommen wurden, im

Wahrheit und Dialog – Schlüssel zur Verständigung

Anzeige

letzten Jahr die meisten Vertreibungen und 19 Massakern an insgesamt 92 Menschen. Bei den sechs Vorfällen verloren mehr als 2.684 Menschen ihr Hab und Gut. In der Region kam es zudem zu gezielt durchgeführten Morden an Ureinwohnern, Staatsbediensteten, Gemeindeführern, einem Menschenrechtsaktivisten und einem Journalisten. Bemühungen, die geraubten Ländereien den eigentlichen Eigentümern zurückzugeben, kosteten zwischen März 2002 und Januar 2011 44 Dorfvorstehern das Leben. Der Codhes-Bericht wurde in der Zeit des politischen Übergangs von der Regierung Uribe und dessen Amtsnachfolger Juan Manuel Santos verfasst. Den Autoren zufolge unterscheidet sich der derzeitige Amtsinhaber von seinem Vorgänger darin, „dass er den sozialen und politischen Dialog fördert, den Frieden in seine Agenda aufgenommen hat und die Opfer entschädigt“. Helda Martínez

Das Leitwort des Bundes der Vertriebenen für 2011 lautet: „Wahrheit und Dialog – Schlüssel zur Verständigung“. Der Dialog mit unseren östlichen Nachbarstaaten liegt den Mitgliedern unseres Verbandes am Herzen. Sie tragen damit zur Verständigung von Mensch zu Mensch bei. Echte und aufrichtige Verständigung kann auf der Grundlage von Wahrheit gelingen. Ein Dialog, der auf dieser Grundlage geführt wird, trägt am ehesten zur Überwindung von Gegensätzen bei. Flucht und Vertreibung sind fester Bestandteil unserer jüngsten deutschen und europäischen Geschichte. Kultur und Geschichte der Heimatgebiete der deutschen Vertriebenen müssen ebenso wie die jüngste politische Geschichte insgesamt im Gedächtnis der jüngeren Generationen auch in unseren Nachbarländern bewusst bleiben. Dazu brauchen wir den wahrhaftigen Dialog auch mit den Regierungen der Nachbarstaaten. Nur im gegenseitigen Gespräch wird man Informationen aus erster Hand erfahren und können Missverständnisse ausgeräumt werden.

8

Deutsche Umschau 2-2011


Politik

So wird er aussehen, der Fragebogen, der die Zuwanderungsgeschichte verfälscht

Sollen Vertriebene endgültig Migranten werden? Der Fragebogen zum Zensus 2011 wiederholt bekannte Fehler Was sich bereits vor zwei Jahren im Melderecht ankündigte, setzt sich zu Beginn diesen Jahres fort. In diesem Jahr wird in Deutschland der Zensus 2011 durchgeführt. Ziel ist die Feststellung der amtlichen Einwohnerzahlen Deutschlands. Von dieser Einwohnerzahl hängt vieles ab: Zum Beispiel der Länderfinanzausgleich, die Einteilung der Bundestagswahlkreise, die Stimmenverteilung der Bundesländer im Bundesrat und die Sitze Deutschlands im Europaparlament. Es sollen aber auch Informationen zum Wohnraum, zur Bildung und zum Erwerbsleben gewonnen werden. Dafür werden auf der einen Seite die Verwaltungsdaten herangezogen, die bereits bekannt sind. Das sind einerseits die Melderegister, über die alle Kommunen verfügen. Darüber hinaus besitzt die Bundesagentur für Arbeit Informationen zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie zu allen arbeitslos oder arbeitsuchend gemeldeten Menschen. Informationen zur Bildung oder zum Migrationshintergrund lassen sich aus diesen Verwaltungsdaten aber nicht ablesen, ebenso wenig wie sich Angaben zur Erwerbstätigkeit für bestimmte Gruppen in Registern finden lassen. Und für Gebäude und Wohnungen gibt es in Deutschland flächendeckend gar keine Verwaltungsregister. Aus diesem Grund werden beim Zensus 2011 ergänzend die Gebäude- und Deutsche Umschau 2-2011

Wohnungszählung, die Haushaltebefragung und die Befragung in Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften durchgeführt. Etwa jeder zehnte Einwohner Deutschlands wird im Rahmen der Haushaltebefragung interviewt werden. Das Statistische Bundesamt wählt dafür nach einem mathematischen Zufallsverfahren Anschriften aus. Alle an diesen Anschriften lebenden Personen werden in diese Befragung einbezogen, mit der am 9. Mai begonnen wird. Für alle, die zur Auskunft aufgefordert werden, besteht Auskunftspflicht. Daher hat der Gesetzgeber im § 18 des Zensusgesetzes 2011 für alle Datenerhebungen beim Zensus 2011 die Auskunftsverpflichtung festgelegt. Viele Spätaussiedler, die nach 1955 in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland gekommen sind, werden bei der Erfüllung dieser Auskunftspflicht Gewissensbisse bekommen. So wird im Bereich Zuwanderung gefragt, ob Vater oder Mutter nach 1955 in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind. Wird diese Frage bejaht, muss das Land angegeben werden, aus dem die Eltern gekommen sind. Für viele Spätaussiedler heißt das, sie müssen angeben, das ihre Eltern aus Polen gekommen sind. Noch problematischer ist es, wenn der Spätaussiedler angeben muss, das er selbst aus Polen gekommen ist. Dann ist er automatisch Zuwanderer, er hat einen

„Migrationshintergrund“. Die Fragen lassen keinen Rückschluss darauf zu, ob es sich um einen politischen Flüchtling oder einen Spätaussiedler handelt, der ja als deutscher Staatsbürger zugezogen ist. Er ist Migrant. Diese undifferenzierte Frageweise wird viele Menschen verletzen. Hier werden Verriebene, Aussiedler und Spätaussiedler mit einem Etikett versehen, das ihre wahre Lebensgeschichte nicht widerspiegelt. Dass es ganz so einfach nicht ist, hätten auch die bundesdeutsche Bürokratie – gerade nach den Diskussionen der letzten Jahre – wissen können. Das mag boshaft, ignorant oder einfach dumm sein: Falsch bleibt es auf jeden Fall auch. Der Gebietsübergang erfolgte erst im Zuge des Zwei-plus-vier-Vertrages, der die friedensvertragliche Regelung darstellte, mit der die territoriale Souveränität über die Ostgebiete auf Polen bzw. die Sowjetunion überging. Der genaue Zeitpunkt ist im Hinblick auf Polen und die Sowjetunion sogar unterschiedlich. Im Regierungsprogramm 2009 – 2013 der Union hieß es: „Wir werden bei der personenstands- und melderechtlichen Erfassung der Geburtsorte von Vertriebenen die völkerrechtliche Position Deutschlands wahren.“ Es ist jetzt an der Zeit hier aktiv zu werden und betroffenen Spätaussiedlern die Möglichkeit einzuräumen, ihren Status deutlich zu machen. Markus Patzke

9


Kultur

Ostdeutsche Gedenktage 2009 und 2010 Neuerscheinungen der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen Zwei Neuerscheinungen der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen sind ab sofort zu beziehen: Ostdeutsche Gedenktage 2009 und 2010 – Persönlichkeiten und historische Ereignisse.

Bogen der behandelten historischen Ereignisse spannt sich vom Beginn des deutschen Jagdwesens in Siebenbürgen im Jahre 1209 bis hin zur Einrichtung des Hauses Brandenburg in Fürstenwalde im Jahre 1999.

Ostdeutsche Gedenktage 2009 – Persönlichkeiten und historische Ereignisse, Bonn 2010, 384 S., broschiert, ISBN 978-3-88557-228-2, € 10,80

Band 2010 enthält 54 Kurzbiographien. Unter den Gewürdigten finden sich als Herrscherin und Politiker Königin Luise von Preußen und Wilhelm Pieck, als Musiker Gustav Mahler und Johann Sigismund Kusser, als Schauspieler Ernst Deutsch und Wolfgang Völz, als Denker und Theologe Arthur Schopenhauer und Johann Anton Theiner, als Dichterin und Schriftsteller Charlotte Dörter-Rehmet und Hans-Alois Lambing, als Bildende Künstler Philipp Otto Runge und Sigmar Polke. Erinnert wird unter den historischen Ereignissen an die Schlacht von Tannenberg 1410 und an die Wiederherstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 1990.

Ostdeutsche Gedenktage 2010 – Persönlichkeiten und historische Ereignisse, Bonn 2010, 344 S., broschiert, ISBN 978-3-88557-229-9, € 10,80 Die Bände bieten Lebensbilder von Persönlichkeiten des gesamten historischen deutschen Ostens – Persönlichkeiten aus sieben Jahrhunderten, die mit ihrem Wirken in den Bereichen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Kirche etc. wesentliche Beiträge zur Geschichte und Kultur Europas geleistet haben oder noch leisten. Die 64 biographischen Abrisse des Bandes 2009 betreffen u.a. Herrscher und Politiker – wie Herzog Erich I. von PommernStolp und Paul von Hindenburg, Dichter und Schriftsteller – wie Paul Fleming und Franz Fühmann, Unternehmer – wie Bethel Henry Strousberg und Leopold Glatschke, Bildende Künstler – wie Bernt Notke und Raphael Schall, Theologen – wie Johannes Calvin und Immanuel Jakobovits etc. Der

Die neuen Bände sind im Buchhandel, direkt bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, oder auch in unserem Online-shop unter www.bdv-buchdienst.de zu beziehen. Schriftlich, per Fax oder telefonisch können sie bestellt werden bei BdVBuchdienst, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/350 361 Fax 0211/ 36 96 76. EG

„Ich will wirken in dieser Zeit ...“ Bedeutende Frauen aus acht Jahrhunderten Sie feierten Triumphe und wurden gedemütigt. Sie sprengten das enge Korsett von Standes- und Etikettevorschriften und gingen ihre eigenen Wege.

Eva Wodarz-Eichner „Ich will wirken in dieser Zeit ...“ Bedeutende Frauen aus acht Jahrhunderten – 52 Kurzbiographien 357 S., zahlreiche Abb., gebunden, Bonn 2008, € 16,80

10

Glücklich sind sie dabei nicht immer geworden, aber jede der in diesem Buch vorgestellten 52 Frauen aus acht Jahrhunderten, alle aus den historischen deut-schen Ost- und Siedlungsgebieten, hat sich über das erhoben, was man von Frauen in ihrer Zeit erwartete, und jede von ihnen hat ihre ganz eigenen Akzente in ihrer Welt hinterlassen. Ob als Fürstin, Schauspielerin, Wissenschaftlerin, Sozialreformerin oder als skandal-umwitterte Mätresse eines berühmten Mannes: Jede von ihnen hat auf ganz persönliche Weise das Motto der Bildhauerin Käthe Kollwitz umgesetzt:

„Ich will wirken in dieser Zeit ...“. Der Band erscheint in 2., ergänzter Auflage. Historische Biographien sind das Spezialgebiet von Dr. Eva Wodarz-Eichner. Die promovierte Germanistin und Historikerin hat sich in zahlreichen Publikationen mit berühmten Persönlichkeiten beschäftigt, die sie als Journalistin auch einem breiten Leserkreis nahebringt. Zuletzt erschienen ist ihr Buch über den „Pfaffen von Kalenberg“, einen mittelalterlichen Schelmenpfarrer, der als „österreichischer Till Eulenspiegel“ gilt. Eva Wodarz-Eichner ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Wiesbaden. Der Band ist zu beziehen über den Buchhandel oder den BdV-Buchdienst, Bismarckstr. 90, 402010 Düsseldorf, Tel. 0211/350 361, www.bdv-buchdienst.de. Deutsche Umschau 2-2011


Kultur

Versunkene Geschichte „Spiegel“ entdeckt die Ostdeutschen Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ war seit seiner Gründung 1948 den rund zehn Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, die seit 1945/47 in den Westzonen lebten und später in der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland, nicht sonderlich wohl gesonnen. Obwohl die Ostdeutschen entscheidend am wirtschaftlichen Wiederaufbau Nachkriegsdeutschlands beteiligt waren, werden sie beschimpft, verhöhnt, als „Ewiggestrige“ beargwöhnt, wo sie doch nur ihre Liebe zur verlorenen Heimat bekunden wollten. Dass mit dieser journalistischen Aversion gegen alles Ostdeutsche auch die konfliktreiche Geschichte und die reichhaltige Kultur jener Regionen in Vergessen zu geraten drohte, wurde im Kampfeseifer übersehen. Jetzt aber, wo es fast zu spät ist, erschien in der Rehe „Spiegel Geschichte“ ein Heft von 148 Seiten, das an jedem Zeitungskiosk zwischen Freiburg und Greifswald, Flensburg und Berchtesgaden für 7,50 Euro zu kaufen ist: „Die Deutschen im Osten. Auf den Spuren einer verlorenen Zeit!. Allein das Inhaltsverzeichnis kann den Leser, zumal den aus Ostdeutschland stammenden, begeistern. Der in die vier Abteilungen „Siedler vom Osten“, „Fremde, Freunde, Nachbarn“, „Krieg, Flucht, Vertreibung“ und „ Schatten der Vergangenheit“ gegliederte Stoff bringt in den einzelnen Kapiteln eine Fülle von Beispielen dafür, wie wichtig Geschichte und Kultur Ostdeutschlands für das Selbstverständnis der heutigen Deutschland sind. Da liest man einen Aufsatz „Neue Schlüssel zur Geschichte“, wo im Untertitel auf die „Enkelgeneration der Vertriebenen“ verwiesen wird, die die „Vergangenheit unverkrampfter“ sieht, weitere Artikel berichten über die „wechselvolle Geschichte der 1348 gegründeten Universität Prag“ und den wirtschaftlichen „Erfolg der mittelalterlichen Hanse“. Der Stuttgarter Emeritus Norbert Conrads, 1938 in Breslau geboren, der 1994 in der Reihe „Deutsche Geschichte im Osten Europas“ des Berliner Siedler-Verlages den umfangreichen Band „Schlesien“ veröffentlichte und als Historiker an der Universität Stuttgart den Projektbereich „Schlesische Geschichte“ vertrat, würdigt auf vier Seiten „Schlesien zwischen Polen, Habsburgerreich und Preußen als „Hort der Toleranz“, während der 1962 geborene Germanist Johannes Salzwedel die unvergleichliche Deutsche Umschau 2-2011

Barockdichtung aus Schlesien vorstellt, deren bedeutendster Vertreter Andreas Gryphius (1616 – 1664) aus Glogau war. Der in Berlin lebende Historiker Andreas Kossert (1970), dessen Großeltern aus Ostpreußen stammen, der 2001/09 am „Deutschen Historischen Institut in Warschau arbeitete und dessen letztes Buch „Kalte Heimat. Die Geschichte der ostdeutschen Vertriebenen nach 1945“ (2008) hohes Aufsehen erregte, ist mit einem Interview über die politische und kulturelle Sonderstellung Ostpreußens vertreten, während Christian Neff darüber schreibt, wie im nördlichen Ostpreußen, der russischen Provinz Oblast Kaliningrad, die Regionalregierung versucht, die Geschichte 1231 / 1945 vergessen zu machen, wogegen die heutigen, aus allen Himmelsrichtungen der Sowjetunion eingewanderten Bewohner des Landstrichs und ihre Nachkommen emsig nach Spuren deutscher Vergangenheit suchen. Erfreulich ist, dass neben den „reichsdeutschen“ Vertriebenen auch die aus Russland, Ungarn, Serbien, Kroatien und Rumänien ausführlich benannt werden, während die aus der Tschechoslowakei, Polen und dem Baltikum leider unerwähnt bleiben, immerhin ist „Danzig zwischen Deutschen und Polen“ ein eigenes Kapitel gewidmet. Wie es den jenseits von Oder und Lausitzer Neiße lebenden Deutschen nach 1945 ging, kommt in Artikel über das Wüten der „Roten Armee“, über die „Breslauer Apokalypse“ und „Die Zeit der Abrechnung“ zur Sprache. Hie wird auch endlich das Thema „Vergewaltigungen“ von zwei Millionen ostdeutschen Mädchen und Frauen angeschnitten, worüber die Aachener Physikerin Gabriele Köpp (1929 – 2010), die in Schneidemühl/Pommern geboren wurde, als erste Betroffenen mit vollem Namen das autobiografische Buch „Warum war ich bloß ein Mädchen? Das Trauma einer Flucht 1945“ (2010) veröffentlicht hat. Dass die vorrückenden „Rotarmisten“ auch Tausende von Polinnen, Slowakinnen, Rumäninnen,

Ungarinnen vergewaltigt haben, lässt das Argument brüchig werden, die Verbrechen der „Roten Armee“ wären die gerechte Antwort auf die Verbrechen der „Wehrmacht“ 1941/1945 gewesen. Wo man sich festliest in diesem Heft, bekommt man aufschlussreiche Informationen geliefert, so über die Westverschiebung Polens unter dem Titel „Churchills Streichhölzer“ (Michael Sontheimer) oder über „Die Vertriebenen nach 1945“ unter dem Titel „Hitlers letzte Opfer“ (Norbert F. Pötzl), selbstverständlich durfte da ein kritische Beitrag, wenn auch anonym, über Erika Steinbachs Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ nicht fehlen. Leider wird die rigorose Eingliederungspolitik, die im SED-Staat gegen die „Umsiedler“ betrieben wurde, nirgendwo analysiert, der einzige Beitrag zu diesem Thema erschöpft sich in Uwe K lussmanns Artikel über das „Görlitzer Abkommen“ von 1950, worin die „Oder – Neiße – Friedensgrenze“ einseitig anerkannt wurde. Erfrischend zu lesen sind die vier Seiten von Journalistin Petra Reski, die als 1958 geborenes Kind einer Schlesierin und eines Ostpreußen im Ruhrgebiet aufgewachsen ist und die im Jahre 2000 das buch „Ein Land so weit. Ostpreußische Erinnerungen“ (Ullstein – Taschenbuch 2002) veröffentlichte, weil sie das Land an der Ostsee als Heimat ihrer Vorfahren entdeckte. Dass deutsche und polnische Historiker an einem gemeinsamen Geschichtsbuch arbeiten, erfährt man von Jan Friedmann unter dem Titel „Heikle Kapitel“. Und unter dem Titel „Aktenzeichen ungelöst“ wird dem Leser durch Thomas Darnstädt mitgeteilt, dass die an Deutschen begangenen Vertreibungsverbrechen noch immer ungesühnt sing. Die Liste der weiterführenden Literatur ist leider ziemlich willkürlich zusammengestellt worden und bedarf dringend der Ergänzung. Auf dem Titelbild sieht man einmal ein fröhliches Fest 1928 im niederschlesischen Schreiberhau und dann die Flucht der Ostpreußen im Winter 1945 übers Kurische Haff auf die Nehrung. Damit waren 800 Jahre Geschichte Ostdeutschlands ausgelöst! Jörg Bernhard Bilke

11


Kultur

„Habermann“ in Bonn und Wiesbaden Juraj Herz erzählt preisgekrönt vom Schicksal der Sudetendeutschen während des Zweiten Weltkriegs, bereitet Geschichte differenziert und packend auf. Der Film ist nichts für sensible Gemüter. Manchmal ist die Spannung für den Betrachter unerträglich. Erschrecken zu Beginn. Verängstigte Menschen werden geprügelt, beschimpft über Scherben getrieben. Auf ein Hitlerbild wird uriniert. Dazu dröhnt dramatische Musik. Plötzlich tiefster Frieden, böhmische Blasmusik, Heirat des reichen deutschen Sägemühlenbesitzers mit einer tschechischen Halbjüdin. Die tschechische Belegschaft feiert mit, alle kennen sich. Die Idylle trügt, Herrenmenschen in schwarzen Uniformen diktieren fortan das Geschehen. Aus der Idylle werden Mord und Totschlag. Zwei Züge mit Güterwaggons. Wimmern von Kindern hört man aus dem einen. Schreie kommen aus dem anderen. Vertreibung der Sudetendeutschen wie die Judenverfolgung? Erinnerungen kehren wieder. Tränen fließen. Die SL-Landesgruppe Hessen hatte den Film nach Wiesbaden, die örtliche SL-Kreisgruppe den Film nach Bonn geholt. Im

In Wiesbaden: (v.li.) Georg Walter, Irene und Alfred Herold, Otto R. Klösel, Erika und Norbert Quaiser Apollo-Kinocenter in Wiesbaden gab es am 16. März gleich drei Vorführungen. In Hessen wird der Film auch noch in weiteren Orten zu sehen sein. Die Diskussion über die Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Geschichte hat durch „Habermann“ neuen Auftrieb erhalten. In Bonn nahm auch das Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags, Bernhard von Grünberg MdL (SPD), an der Vorführung teil. NQ/MP

12

Deutsch-polnische Begegnung Danziger Naturforschenden Gesellschaft (NFG) legt neuen Band vor Pünktlich zur „Zehnten deutsch-polnischen Begegnung zu Wissenschaft und Kultur im zusammenwachsenden Europa“ im September 2010 in Danzig erschien der Band 10 der Schriftenreihe dieser Gesellschaft, in dem die Vorträge der 9. deutsch-polnischen Begegnung im Druck veröffentlicht wurden. Diese 9. Tagung fand im September 2008 in Lübeck-Travemünde statt. Die kulturellen, historischen und wissenschaftlichen Inhalte dieser Vorträge sind unabhängig von der Teilnahme an dieser Veranstaltung für einen großen Kreis von Lesern interessant und lehrreich.

dargeboten wurde. Hans-Jürgen Kämpfert, Lübeck, sprach über „Daniel Gralath, Physiker, Mitbegründer der Naturforschenden Gesellschaft und Bürgermeister von Danzig, zum 300. Geburtstag“ und Prof. Dr. Andrzej Januszajtis, Danzig, ergänzte dieses Thema durch Ausführungen über „Die Gralaths auf der Danziger Höhe“, die auch die Güter der Gralaths behandelten. Izabele Chlost, Stolp, stellte „Hydrographische Änderungen der Leba-Nehrung in der Zeit vom 19. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhand der Analyse kartographischer Materialien“ dar.

Die Tagung begann mit den Begrüßungen, zunächst durch den Präsidenten der Danziger Naturforschenden Gesellschaft Hans-Jürgen Kämpfert und durch den Präsidenten der Partnergesellschaft, der Danziger Wissenschaftlichen Gesellschaft (Gdanskie Towarzystwo Naukowe), Prof. Dr. Jan Drwal und dann durch die Stadtpräsidentin der Hansestadt Lübeck, Frau Gebriele Schopenhauer, die auch im Namen des verhinderten Lübecker Bürgermeisters Bernd Saxe sprach.

Es folgten einige Ausführungen zu literarischen Themen: Dr. Malgorzata Schulz, Danzig, „Der Tod in Venedig und der Tod in Danzig – Winkel Europas, in denen der Tod lauert“, Dr. Maciej Dajnowski, Danzig, „Reales Danzig und phantasmagorisches Danzig in ausgewählten Werken der zeitgenössischen polnischen Literatur“ und Mgr. Katarzyna Szalewska „Danziger rites de passage. Von der Hanse zur Post-polis.“

Die Tagung moderierte in bekannter Weise das Mitglied des Vorstands der NFG, Prof. Dr. Dr. h.c. Gilbert Gornig, Marburg; sie läßt sich in zwei große Themenbereiche einteilen. Gemäß einem der Satzungsziele der NFG, wissenschaftliche Vorgänge für den Laien verständlich darzustellen, sind drei Vorträge zu nennen: Prof. Dr. Hans Ackermann, Marburg, sprach über „Erneuerbare Energien – Chance ohne Alternative?“, Frau Anika Borchert, Hamburg, über „Offshore-Windenergieanlagen in der Ostsee“ und Prof. Dr. Büning-Pfaue über „Düfte, Aromen, Riechgenüsse“. Im zweiten Bereich ging es um Themen, die mit der Geschichte und Kultur Danzigs und seines Umlandes zusammenhängen. Es begann mit „Meteorologische Forschungen in Danzig“, ein Forschungsgebiet, das schon sehr früh in Danzig betrieben und von Dr. Hans-Georg Peukert aus Hamburg

Sehr wichtig für die Gesamtgeschichte der NFG war der Beitrag von Dr. Wolfgang Kessler, Direktor der Stiftung MartinOpitz-Bibliothek in Herne, “Die Veröffentlichungen der Danziger Naturforschenden Gesellschaft: Überlieferung, Erschließung und Digitalisierungsmöglichkeit“. Die Schlussbemerkungen des Tagungsleiters Prof. Dr. Dr. h.c. Gilbert Gornig standen unter der Überschrift „Der Friede von Oliva vor 350 Jahren“. Die Fülle des Gebotenen kann hier nicht ausführlicher dargestellt werden, obgleich es wichtig und lohnenswert wäre. Daß die Vorträge in dieser Veröffentlichung nachlesbar sind, ist der Förderung durch das Bundesministerium der Kultur und Medien zu verdanken. Der Band 10 kann erworben werden über: Dr. iur. Aldona Szczeponek LL.M. Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Öff. Recht, Abt. Völkerrecht, Universitätsstr. 6, 35037 Marburg, Tel. 06421 28 23 809, Fax. 06421 28 23 853 HJK Deutsche Umschau 2-2011


2/2011

Ehrenmedaille für Christian Walter Schlesier in Sachsen-Anhalt vergeben höchste Auszeichnung

Am 11. Dezember 2010 hat die schlesische Landsmannschaft im Bund der Vertriebenen Christian Walter die Ehrenmedaille der LM Schlesien in Gold verliehen. In der Urkunde heißt es wörtlich: „Sprechen wir Dank und Anerkennung für besondere Verdienste in der Verbandsarbeit der LM Schlesien aus. Der Landesvorstand der Schlesier“ Christian Walter am 27. Juli 1938 als Bauernsohn in Goldberg geboren verlebte seine Jugendzeit auf dem 120 ha großen elterlichen Hof am Rande der Stadt Goldberg. Am 11. Februar musste er mit seinen Eltern und dem ganzen Betrieb die Flucht vor den Russen antreten. Sie flüchteten mit 10 Gespannen und einem Bulldog- Schlepper, der den Futterwagen zog in Richtung Westen über das Riesengebirge. In Aussig an der Elbe stoppten die Tschechen den Treck und nahmen ihnen Pferde, Wagen und Fahrzeuge weg. Sie wurden mit Redaktion: BdV-Landesverband NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/ 350 361, Fax 36 96 76, Mail: info@bdvnrw.de. Die Redaktion freut sich über alle Berichte, Artikel, Terminankündigungen und Leserbriefe aus dem Bereich des Bauernverbandes der Vertriebenen. Zu Berichten aus der Arbeit Ihrer Verbände vergessen Sie bitte aussagekräftige Fotos nicht.

dem Handgepäck nach Schlesien zurücktransportiert. In ärmlichsten Verhältnissen musste die Familie Walter in der Wohnung der Großmutter wohnen bevor die Polen sie endgültig Pfingsten 1947 vertrieben und sie in Löbau in Sachsen Unterschlupf fanden. Nach dem Schulbesuch ergriff Christian Walter den Beruf seiner Vorfahren und durchlief eine Ausbildung als Landwirt, die er mit einem Fernstudium an der Martin-Luther-Universität und dem akademischen Titel des Diplom-Landwirtes krönte. Schon früh – 1960 – ist er in die landwirtschaftliche Praxis eingestiegen und wurde bereits 1966 in der LPG-Heinrichsberg bei Magdeburg zum Leiter der Tierproduktion berufen. Diese leitende Stelle hatte er bis zur politischen Wende 1990 inne. Von 1990 bis zu seinen Eintritt in das Rentenalter 2002 war leitend am Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung in Magdeburg tätig. 1962 heiratete Christian Walter, kaufte 1967 in Rogätz in der Bahnhofstraße ein stattliches Grundstück und baute sich mit seiner Frau in Eigenleistung ein Haus, das er heute – nach dem zwei Kinder groß gezogen worden waren – bewohnt. Der große Garten und die Hühnerhaltung sind seine Verbindung zu seinem ehemaligen Beruf als Landwirt. Eingedenk des Flüchtlings- und Vertriebenenschicksal seiner Familie und Geschwister hat er sich unmittelbar nach der Wende in den neu in Mitteldeutschland entstandenen Organisationen der Flüchtlinge und Vertriebenen engagiert. Seit 1990 ist er Mitglied im BdV und wurde schon bald im Landesvorstand Sachsen-Anhalt stellvertretender Landesvorsitzender. Er übernahm das „Referat Bauernverband der Vertriebenen“ im Landesverband des BdV als

Vorsitzender. Somit gelangte er als Vertreter Sachsen-Anhalts in den Bun-esvorstand des Bauernverbandes der Vertriebenen (BVdV) wo er bereits 1995 zum Vizepräsident gewählt wurde. Auf der Mitgliederversammlung im Mai 2002 in Haus Schlesien wurde Christian Walter einstimmig als Nachfolger von Horst Hoferichter zum Präsidenten des Bauernverbandes der Vertriebenen e. V. (BVdV) gewählt, ein Amt das er bis heute innehat. Damit ist er geborenes Mitglied im Bundesvorstand des BdV und kann dort sich für die so wichtige Frage des Eigentums der geflüchteten und vertriebenen Bauern einsetzen. Seine engagierte Mitarbeit im Landesvorstand des BdV-Landesverband Sachsen Anhalt seit 1993 und seine Verantwortung für die vertriebenen Landwirte und Bauern in Mitteldeutschland waren Anlass ihm am Tag der Heimat 2010 die hohe Auszeichnung zu überreichen. Träger der goldenen Ehrennadel des BdV-Landesverbandes Sachsen-Anhalt ist er schon seit 1996. Arwed Blomeyer


Bauernverband

Umschau für den Landwirt Pferdebrand ist tierschutzgerecht Brandzeichen als Kennzeichnung für Pferde, die in einem rasseeigenen Zuchtbuchregister eingetragen wurden, sind auch unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes eine geeignete Kennzeichnungsform. Dies erklärten die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und der Deutsche Bauernverband (DBV) anlässlich einer Demonstrationsveranstaltung zum Pferdebrand in Berlin. Für die Pferdezüchter und Reiter ist das sichtbare, nicht fälschbare Brandzeichen ein unverzichtbares Zeichen für das züchterische Leistungsniveau der heimischen Pferdezucht im weltweiten Vergleich. Ob für den Turniersport oder für den Freizeitbereich, die Pferdezuchtverbände nutzen die Kennzeichnung der Pferde traditionell über das Brandeisen. Die Fohlen verhalten sich nach einem kurzen Augenblick des Schrecks unmittelbar danach wieder normal.

Schlesische Landfrauen ändern die Satzung ihres Verbandes „Sie sollten schreiben, dass für uns längst nicht mehr die drei K‘s gelten. Zu Kirche, Küche und Kinder ist nun auch Komputer dazugekommen“, flüsterte mir während der Jahresversammlung lächelnd eine nette Dame aus Walzen zu. Und wer die Schlesischen Landfrauen und deren Tätigkeit kennt, der weiß auch, dass ihr Einfluss weit über die eignen vier Wände hinausgeht.

sind geborene Aktivistinnen mit Führungsqualitäten. In ihren Dörfern sind sie Dorfbürgermeister, DFK-Vorsitzende, Gemeinderäte, gehören der Dorferneuerung an“, erklärt Maria Żmija-Glombik. Es wundert also nicht, dass die Ortgsruppenzahl des Verbandes jährlich wächst: 2010 sind zwei neue Ortsgruppen in Zywodschütz und Sedschütz dazugekommen.

„Die schlesische Frau muss überall präsent sein. Das hat sie so an sich und das ist auch gut so“, meint die derzeitige Vorsitzende des Verbandes, Maria Żmija-Glombik. Sie weiß wovon sie spricht, denn im letzten Jahr war kaum eine Organisation der deutschen Minderheit so wirkungsvoll und aktiv wie die Landfrauen. In Bad Kissingen haben die

Zu der diesjährigen Jahresversammlung trafen sich die Landfrauen früher als sonst um Änderungen in der Satzung vorzunehmen. „Unsere Satzung wurde vor Jahren geschrieben, als es zum Beispiel noch keine Möglichkeit gab, an EU-Projekte teilzunehmen. Sie muss an die neuen Zeiten angepasst werden und auch an die aktuellen

Größere Traktoren auf den Höfen Auf deutschen Bauernhöfen werden nach Mitteilung des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) in Bonn längst nicht mehr alle alten Traktoren nach ihrer Verschrottung durch neue ersetzt. Der Höhepunkt der Motorisierungswelle wurde 1985 mit 1,48 Mio. Traktoren erreicht. Seither geht jedoch die Zahl dieser landwirtscha f tlichen Zugmaschinen wieder zurück. So betrug der gesamte Traktorenbe st a nd nach Angaben des KraftfahrtBu nde s a mte s in der Landwirtschaft 2009 rund 681 200 Stück.Durchschnittlich werden zwei Traktoren pro Betrieb eingesetzt. Und im Gegensatz zur Entwicklung der Stückzahl werden die Traktoren immer größer, da die wachsenden Betriebe auch höhere Ansprüche an die Leistungsfähigkeit und Schlagkraft der Maschine stellen. Betrug die Motorleistung je Schlepper 1985 noch 31,3 kW erhöhte sie sich bis 2009 auf 45,4 kW.

14

Frauen an zwei Seminaren teilgenommen, organisierten dort auch eine Kinderfreizeit im Sommer, die auf dem Sankt Annaberg fortgesetzt wurde. Sie veranstalteten den Mutter- und Frauentag und den Frauencomber in ihren Ortschaften. Die von den Landfrauen organisierte Ostertischausstellung in Kolonnowska war ein voller Erfolg. Die Damen haben zusammen mit Frauen aus dem deutschen Altenkirchen ein Buch herausgegeben, das Geschichte, Kochrezepte, Bräuche und Bildmaterial beinhaltet. Vertreter des Verbandes waren bei Konferenzen und Ausstellungen dabei, wo sie für schlesische Regionalprodukte geworben haben. Und da sie seit Jahren richtige Weltmeister im Reisen sind, waren sie auch 2010 viel unterwegs, unter anderem in Kroatien. An dem traditionellen Frauentreffen in Kotschanowitz nahmen 300 Frauen teil! Wo etwas los war, dort waren die Schlesischen Landfrauen beteiligt. Woran das liegt? „Unsere Mitglieder

Ziele und Aufgaben des Verbandes“, meinte Adela Pawelczyk, Vorstandsmitglied. Beschlossen wurde unter anderem die Verlegung des Sitzes nach Walzen, wo die derzeitige Vorsitzende wohnt, die Beteiligung an dem Programm der Dorferneuerung, Knüpfen von Partnerschaften im In- und Ausland, Veröffentlichung und Verkauf von Büchern, Durchführung von Workshops und Kursen, Finanzierung auch durch Stiftungen, Verwirklichung von EU-Projekten. Die neue Satzung sieht auch vor, dass ein neuer Vorstand alle vier Jahre, und nicht wie bisher drei, gewählt wird. Das Jahr 2011 hat also für die Schlesischen Landfrauen schon einmal ereignisreich begonnen. Und die Damen halten das Tempo. Die nächste Großveranstaltung ist schon am 10. April: Die Ostertischausstellung in Pawlowitz. Anna Durecka

Deutsche Umschau 2-2011


Bauernverband

Vertrieben – versprochen! – vergessen? Heimatvertriebenes Landvolk tagt in Heppenheim Gleich zwei Ministerinnen, Lucia Puttrich aus Wiesbaden und Ilse Aigner aus Berlin, waren zur Eröffnungsveranstaltung der „Landwirtschaftlichen Woche Südhessen 2011“ geeilt. Puttrich stellte den „Landwirtschaftlichen Fachplan Südhessen“ vor und Aigners Ansprache war mit „Politik für die Zukunft machen – Landwirtschaft nach 2013“ betitelt. Rosl Koberg, BdV-Kreisverbandsvorsitzende Bergstraße und Otto R. Klösel, Referent für das heimatvertriebene Landvolk im BdV-Landesverband Hessen, nutzten die Gelegenheit: Sie machten Aigner auf den traditionellen „Tag der Vertriebenen“ im Veranstaltungsprogramm aufmerksam. Drei deutliche Worte, „Vertrieben – versprochen! – vergessen?“, so lautete das Tagungsthema, spiegeln die ganze Enttäuschung des heimatvertriebenen Bauernstandes über eine noch immer ausstehende Vermögensregelung wider. „Ein vertriebener Schreiner konnte wieder einen Hobel nehmen und der vertriebene Lehrer fand einen Platz im Schuldienst. Der vertriebene Landwirt jedoch, seiner Scholle beraubt, stand vor dem Nichts“, führte Dr. Arwed Blomeyer, Bundesgeschäftsführer des Bauernverbandes der Vertriebenen aus. Klösel hatte ihn als Referenten gewonnen, eine gute Wahl, wie sich bald herausstellte. Dr. Blomeyer weiß wovon er spricht: Als Sohn eines Landwirtes in Schlesien geboren, war er in verschiedensten Positionen an leitender Stelle im In- und Ausland im

Bereich Landwirtschaft tätig. Zudem ist er ein Mann des offenen politischen Wortes, unbequeme Wahrheiten einfach „unter den Teppich zu kehren“ ist nicht seine Sache. Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ist gerade wieder in aller Munde. Der Referent zitiert aus deren Absatz 3: „Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen, dass das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird.“ „Wenn wir diesen Teil der Charta nach 60 Jahren auf Umsetzung überprüfen“ so Dr. Blomeyer, „stellen wir fest, dass die an Grundrechte gebundenen Forderungen, nämlich Recht auf Heimat und Recht auf Eigentum, nicht erfüllt wurden. Bereits 2005 habe man daher die Aufgaben und Ziele des Verbandes der heutigen Zeit angepasst und in einem 10-Punkte-Programm neu formuliert. Die zentrale Aussage darin laute: Das Recht auf die Heimat und Rückgabe, hilfsweise Entschädigung unseres Eigentums, bleiben vorrangige Ziele. Die Vertreibung und die unrechtmäßige Enteignung sind völkerrechtswidrig.“ Der Verband sähe sich drei großen Aufgaben gegenüber, so Dr. Blomeyer. An erster Stelle stände die Betreuung der Mitglieder in Deutschland. Als zweite große Säule gelte die Betreuung der deutschen Bauernund Landfrauenverbände in Oberschlesien und im polnischen Teil Ostpreußens, sowie die Unterstützung deutschstämmiger Bauern im russischen Teil. Schließlich fiele als

Dr. Arwed Blomeyer dritte Aufgabe, den Aktivitäten des Verbandes im Bereich Vertriebenen- und Agrarpolitik, eine wichtige Rolle zu. Blomeyer bedauerte, dass die Politik ungeliebte Probleme nur auf Druck der Gerichte anfasst. Seit die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder offenkundig erklärt habe, die Eigentumsbelange der Vertriebenen nicht mehr vertreten zu wollen und auch ihre Nachfolger an Restitutionsfragen der Vertriebenen und Flüchtlinge völliges Desinteresse zeigen, habe die Preußische Treuhand beim Berliner Kammergericht eine Unterlassungsklage eingereicht. In dieser Klage beruft sich die Preußische Treuhand auf die Obhutspflicht und das Handlungsgebot für die Bundesrepublik, die im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1972 bestätigt wurde. Es wurde jedoch der Bundesrepublik der Zeitraum des Handelns ins Ermessen gestellt. Nach 40 Jahren und damit mehr als einer Generation sei es daher an der Zeit, den Gerichtsweg erneut zu beschreiten. Es müsse in Erfahrung gebracht werden, ob das BVG den Ermessenszeitraum bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ausdehnen, oder aber einen konkreten Termin benennen wird, bis zu dem Ergebnisse vorzuweisen sind.

(v.li.) Norbert Quaiser, Rosl Koberg, Otto R. Klösel, Bundesministerin Ilse Aigner

Deutsche Umschau 2-2011

Es sei deshalb wichtig, so der Referent, die Lastenausgleichsakten aufzuheben, die Kinder mit den entsprechenden Instruktionen in die Problematik einzuführen und ihnen die Akten zu übergeben. Im Testament sollten die Kinder auch als Erben der väterlichen Betriebe eingesetzt werden, auch wenn diese derzeit durch Polen bewirtschaftet würden. NQ

15


Minderheit

Deutsche Volksgruppe unterstützen Einsatz für deutschsprachige Schulen und Kindergärten Im nachfolgenden Interview, dass Tobias Körfer der „Oberschlesischen Stimme“ gab, erläutert er Aufgaben und Ziele der AGMO e.V. und stellt aktuelle Aufgaben für die deutsche Volksgruppe in Schlesien vor. Das Gespräch führte Monika Masarczyk. Seit wann existiert die Gesellschaft und was waren ihre Anfänge? Die AGMO e.V. wurde Anfang der 1980er Jahre unter der Federführung von Dipl.Ing. Peter Oprzondek in Zusammenarbeit mit Hartmut Koschyk, heute Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär, als Arbeitsgemeinschaft in der Schlesischen Jugend gegründet. Infolge der repressiven antideutschen Politik der Volksrepublik Polen stand der Menschenrechtsaspekt – unter anderem freie Entfaltung der deutschen Kultur und der Persönlichkeit, Schutz vor staatlicher Willkür – in den 1980er Jahren im Mittelpunkt der Arbeit. Es war damals nicht ungefährlich, Kontakte mit den Deutschen in den Oder-Neiße-Gebieten herzustellen und zu unterhalten. Dass dies möglich war und infolgedessen Informationen über die ostdeutschen Landsleute in der Heimat in die Bundesrepublik Deutschland gelangten, ist das entscheidende Verdienst der AGMO e.V. 1990 erfolgten dann die organisatorische Trennung von der Schlesischen Jugend und die Eintragung als „e.V.“ in das Vereinsregister. Was macht die AGMO e.V.? Die AGMO e.V. fördert die Entwicklung der deutschen Muttersprache seit drei Jahrzehnten. Im Rahmen verschiedener Projekte wurden unter anderem mehrere Kindergärten mit Kinder-Spielund Lernecken ausgestattet sowie didaktische Materialien

16

für den Deutschunterricht geliefert. So wurde die erste bilinguale Grundschulklasse im Bezirk Schlesien in Tworkau gefördert. In einer anderen DFK-Ortsgruppe wurde ein Klassenzimmer für Deutschunterricht renoviert, mit Unterrichtsmobiliar ausgestattet und der Grundschule feierlich übergeben. Die regelmäßig in Kindergärten und Grundschulen durchgeführten Deutschwettbewerbe werden ebenso mit Sachpreisen und finanziellen Mitteln durch die AGMO e.V. gefördert wie musikalische Aktivitäten. Zudem ist ein weiterer Pfeiler unserer Arbeit die Interessenvertretung und Aufklärung unserer Landsleute östliche von Oder und Neiße über ihre Rechte als anerkannte Volksgruppe. Dazu ist auch die im August 2007 von der AGMO e.V. veröffentlichte Studie zum muttersprachlichen Deutschunterricht an Kindergärten und Grundschulen in der Republik Polen zu zählen. Diese Studie, deren Ergebnisse immer noch aktuell sind, daß es in der gesamten Republik Polen keinen deutschen Kindergarten und keine deutsche Grundschule für die Kinder der deutschen Volksgruppe gibt, wurde an zahlreiche Abgeordnete des Europaparlaments und Entscheidungsträger der bundesdeutschen Politik, Presseorgane sowie Vorstände der deutschen Vereinigungen in der Republik Polen und Einzelpersonen versandt. Welche Ziele hat die AGMO e.V.?

Unmittelbares Ziel der Arbeit der AGMO e.V. ist es Hilfe zur Selbsthilfe für die Organisationen der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen zu leisten. Dazu zählt für uns besonders die Förderung einzelner Projekte in den kleinsten Zellen deutscher Kultur, den DFK-Ortsgruppen vor allem in Oberschlesien. Die Zusammenarbeit mit Tobias Körfer ist stellv. Vorsitzender der als gemeinnützig anerkannten „AGMO e.V. diesen Ortsgruppen, die vielfachen Proble- Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen men aus Richtungen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen“ mit Sitz in Bonn ausgesetzt sind, wo man es zunächst nicht schreiben wir vor allem der vermuten würde, ist die Basis mangelhaften Bindung an die unserer Arbeit. Wir wollen zu deutsche Muttersprache zu, einer wirklichen „Konsolidieda hierdurch auch – so unsere rung der DFK-BegegnungsErkenntnis – die Arbeitsweise stätten“ beitragen. Wir vervon Menschen entscheidend folgen keine hochtrabenden geprägt wird. Daneben haben Ziele. Aber wir sehen genauso wir auch zuletzt Medien gedie flächendeckende Einrichfördert, die vor Ort in deuttung deutscher Kindergärten scher Sprache arbeiten und und Grundschulen als unbepublizieren. Zudem wurden dingte Notwendigkeit für das in der Region mit unserer fiFortbestehen der deutschen nanziellen Unterstützung bisVolksgruppe in der Republik her etliche Friedensdenkmäler Polen an. Unter „deutschen“ für Gefallene und KriegsKindergärten und Grundtote renoviert bzw. errichtet. schulen verstehen wir solche, die sich in Trägerschaft Welche Bedingungen muss der Volksgruppe befinden. ein Antrag erfüllen, um von der AGMO e.V. unWelche Projekte werterstützt zu werden? den jetzt realisiert? Grundsätzlich unterstützen wir Projekte von DFK-Ortsgruppen zur Förderung der deutschen Muttersprache bei Kindern im Vor- und Grundschulalter. Bedauerlicherweise müssen wir aber feststellen, dass die Anzahl der Anträge aus den DFK-Ortsgruppen seit einiger Zeit kontinuierlich zurückgeht und die Qualität der Anträge insgesamt stark nachgelassen hat. Dies

Grundsätzlich sollten von einer Projektförderung Kinder der deutschen Volksgruppe im Alter von drei bis zehn Jahren profitieren. Das geförderte Projekt muss die Förderung der deutschen Muttersprache in den Mittelpunkt stellen. Desweiteren ist ein zweiseitiges Antragsformular korrekt auszufüllen. Anleitungen dazu legen wir jedem Antragsformular bei.

Deutsche Umschau 2-2011


Ihre Meinung

Reaktionen auf die Veränderungen der Deutschen Umschau Große Anerkennung für die Startnummer! Nach den deprimierenden Diskussionen der letzten Jahre ein wirklich überraschendes Ergebnis – in Format, Aufmachung, Redaktionslinie, Farbe, Bildqualität, alles ein gelungener Schritt in die Gegenwart der Printmedien! Hartmut Sänger, Sprecher der Pommerschen Landsmannschaf Vielen Dank für die freundliche Info über die Neugestaltung der Deutschen Umschau. Das ist sehr zu begrüßen und wird neue Leser finden und gewinnen. Wir freuen uns darauf. Rosemarie Kretschmer BdV-Landesfrauenreferentin Hessen Ich habe heute die Deutsche Umschau erhalten und war freudig überrascht über die verhältnismäßige Pünktlichkeit mit ansprechendem Aussehen. Denn die Zeitung bringt gegenüber der vorhergehenden Ausgaben ein sehr ansprechendes Erscheinungsbild, mit dem wir uns sehen lassen können. Gratulation, dass es endlich geklappt hat neue Wege zu gehen! Als Anregung sollte im Impressum der Redaktionsschluss angezeigt sein, um aktuelle Beiträge rechtzeitig der Redaktion zukommen zu lassen. Wichtig wäre, dass auch die Kreisverbände Veranstaltungen im Vorfeld der DU mitteilen, ebenso die Berichte der Veranstaltungen. Rudolf Mohr, Groß-Gerau Vielen Dank für die erste Ausgabe in diesem Jahr. Mein erster Eindruck: Die Umstellung ist gelungen, wie ich meine. Weiter so! Wolfgang Hintz, Münster Gratulation zum neuen Erscheinungsbild der Deutsche Umschau. Ich wünsche der neuen Publikation viele neue und auch jugendliche Leser, damit die friedensstiftende Arbeit der deutschen Heimatvertriebenen objektiv vermittelt werden kann. Schön wäre es, wenn man in der DU aktuelle Berichte lesen könnte. Nichts ist langweiliger, als Berichte über Tagungen, die schon Monate zurückliegen. Der Redaktion wünsche ich eine glückliche Hand. Nur ein Hinweis zur Objektivität: Wenn ich im Impressum lese, dass die NRW-Ausgabe Deutsche Umschau 2-2011

von der Ministerpräsidentin gefördert wird, erwarte ich eine Ergänzung für die Hessenausgabe. Denn mit der Gesamtförderung der Hessischen Landesregierung kann die jetzige Förderung in NRW wohl kaum verglichen werden, oder? Rudolf Friedrich Regierungsbeauftragter der Hessischen Landesregierung a.D. Anmerkung der Redaktion: Herr Friedrich hat Recht. Wir haben die Förderung durch das Hessische Sozialministerium ebenfalls in das Impressum aufgenommen. Das neue Gesicht der Deutschen Umschau ist eine enorme Bereicherung für die Presselandschaft der Vertriebenen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Sehr innovativ und ansprechend. Macht weiter so! Kerstin Jusczyk, Düsseldorf Der wichtigste Anspruch war und ist für mich eine pünktliche zweimonatige Erscheinungsweise. Ich kann noch nicht beurteilen, ob dies mit der neuen Ausgabe erfüllt werden kann. Wenn das jetzige Layout (Art und Weise) dazu beitragen kann, würde dies vielen Mitgliedern entgegenkommen. Das neue Erscheinungsbild und die Aufmachung entsprechen modernen Publikationen und Methoden. Auf Anhieb finde ich die Druckqualität für eine wiederkehrende Vereinszeitschrift ein wenig „zu edel“. Meines Erachtens würde auch eine einfachere Lösung (DIN A4 geheftet ohne verstärkten Schutzeinband und in Schwarz-WeißDruck) genügen. Die „Rätselecke für jung und alt“ oder „Frau und Familie“ halte ich für eine solche Vereinszuschrift als überflüssig. Hierfür gibt es Zeitschriften zur genüge. Diesen Platz könnte man für wichtigere heimat- oder kulturpolitische Informationen nutzen. Helmut Brandl, Stockstad Ich habe die neue Deutsche Umschau bei der letzten Vorstandssitzung vorgestellt. Einhellig wurde die neue Version gelobt, sie lässt sich besser lesen, ist in einem handlichen Format gestaltet, wirkt nicht nur, sondern ist seriöser, vermittelt die Themen besser wahrnehmbar, eignet sich als Nachschlagewerk, wenn ein Stichwortverzeichnis eines Jahrganges zur Verfügung gestellt

werden kann, hat die Qualität des DOD; ist übersichtlicher gegliedert. Werner Blietz Kreisvorsitzender Kleve Mit der Neugestaltung ist den Herausgebern ein Volltreffer gelungen. Das Journal ist jetzt handlicher geworden, ohne seine inhaltliche Qualität einzubüßen. In der Zeitung für gesamtdeutsche und europäische Politik, Wirtschaft und Kultur lese ich immer wieder Beiträge, die in anderen Publikationen nicht, oberflächlich oder gar verfälscht behandelt werden. Ich freue mich, wenn der eingeschlagene Weg fortgesetzt wird. Gustav Spiller Die neue Deutsche Umschau in Händen, möchten wir Ihnen sagen, daß Ihnen ein großer Wurf gelungen ist. Die Deutsche Umschau im neuen Gewande gefällt uns sehr gut und wir danken Ihnen für die eindrucksvolle Arbeit, die sie geleistet haben. Die alte Deutsche Umschau in der Form von „Fliegenden Blättern“ war in der Tat erneuerungsbedürftig. Die Aufmachung und äußere Form ist aber letztlich nicht das Entscheidende bei einer Zeitung, sofern ihr Geist und ihr Inhalt. Auch da schlagen Sie einen Ton an, der nicht nur voll und ganz die Empfindung von und Vertriebenen und Geflüchteten trifft, sondern auch den Entscheidungsträgern unserer Nation immer wieder klar macht, wie wenig sie sich um die Belange dieser Volksgruppe kümmern. Eckbert und Edith Hoernecke, Heiligenhaus Ich gratuliere zum neuem Format der Deutschen Umschau – soeben erhielt ich Nr. 1/2011– sieht prima aus! Prof. Dr. Dr. Alfred de Zayas Die neue Deutsche Umschau ist spitze! Adalbert Teuber Kreisvorsitzender Gelsenkirchen Die Redaktion der Deutschen Umschau dankt allen Lesern, die sich zu Wort gemeldet haben. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns auch in Zukunft schreiben würden. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir in dieser Ausgabe nicht alle Leserbriefe in voller Länge abdrucken konnten.

17


Völkerrecht

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker Eine Problemschau – Eine Tagung der Kulturstiftung „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung“ – so heißt es gleichlautend in den beiden Menschenrechtspakten der Vereinten Nationen des Jahres 1966. Geboren aus dem Geist der Aufklärung, wurde die Idee des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ am Ausgang des Ersten Weltkriegs von USPräsident Woodrow Wilson im Rahmen seiner Friedensbemühungen propagiert. Gleichwohl blieb dieses Recht sowohl in der völkerrechtlichen Theorie als auch in der politischen Praxis umstritten. Eine internationale Expertentagung fragte nach den Möglichkeiten einer für das konkrete friedliche Zusammenleben der Völker bzw. Nationen förderlichen Bestimmung und Weiterentwicklung des Begriffs. Veranstaltet wurde die Tagung von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Zusammenarbeit mit der Studiengruppe für Politik und Völkerrecht sowie der HannsSeidel-Stiftung am 7./8. Dezember 2010 im Bildungszentrum Kloster Banz. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gilbert H. Gornig und Prof. Dr. Hans-Detlef Horn, beide Marburg. Als Moderator fungierte Bernd Dieter Rill von der Hanns-Seidel-Stiftung. Der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung, Hans Günther Parplies, wies einleitend darauf hin, dass die Veranstaltung genau an dem Tag beginne, an dem vor 40 Jahren der Warschauer Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen über die Grundlagen der Normalisierung ihrer gegenseitigen Beziehungen unterzeichnet worden sei – ein Jahrestag, wahrlich geeignet, aktuelle Fragen der Selbstbestimmung anzugehen. Einen Rückblick auf die ersten Versuche einer Anwendung des Selbstbestimmungsrechts der Völker vor 90 Jahren bot der Historiker Dr. Gregor Ploch vom oberschlesischen Landesmuseum, Ratingen. Die nach dem Ersten Weltkrieg angestrebte Friedensordnung suchte man durch Volksabstimmungen über die staatliche Zugehörigkeit abzusichern. In einer Vielzahl von Regionen – von Vorarlberg und Südkärnten über Eupen-Malmedy bis nach Schleswig, Ost- und

18

Westpreußen sowie Oberschlesien – wurden solche Abstimmungen durchgeführt, wobei jeder Fall seine eigenen unterschiedlichen Aspekte aufwies. Am konkreten Beispiel Oberschlesiens führte Dr. Ploch aus, dass es ungeachtet der Abstimmungsergebnisse zu bisweilen kuriosen Grenzziehungen kam, die weniger der Problematik ethnisch gemischter Gebiete geschuldet waren als vielmehr vor dem Hintergrund der Interessen der Alliierten zu sehen sind: Wirtschaftliche und machtpolitische Gesichtspunkte bestimmten letztlich das Ergebnis, die Abstimmung diente weitgehend als demokratisches Mäntelchen. Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried von Bredow, Marburg, betrachtete dieses Spannungsfeld des Selbstbestimmungsrechts zwischen Politik und Recht näher aus der Sicht des Politologen. Nach einem Abriss der Entwicklung des Selbstbestimmungsrechts stellte er

dass staatlich organisierten Völkern ein defensives Selbstbestimmungsrecht in dem Sinne zukomme, dass sie ihre Staatlichkeit vor Angriffen zu verteidigen berechtigt sind. Doch es stehe auch allen anderen Völkern zu, da die UN-Menschenrechtspakte von „all peoples“ sprechen. Wenngleich es vor allem bei der Entkolonisierung zur Wirkung gekommen sei, könne es nicht auf die diesbezüglich betroffenen Völker beschränkt werden. Unter einem Volk, das Selbstbestimmung beansprucht, müsse grundsätzlich eine Menge von Menschen verstanden werden, die territorial abgegrenzt lebt, sich durch eine Sprache auszeichnet, auch historische Dauer aufweist und insofern eine Schicksalsgemeinschaft bildet. Dabei müsse ein solches Volk bei der Durchsetzung des Rechts zumindest rudimentär durch Vertreter organisiert sein. Im Hinblick darauf, dass die Anerkennung als Volk und auch die Wege der Durchsetzung weitgehend von den Staaten bzw. der Staatengemeinschaft abhingen, kam der Referent zum Ergebnis, dass die Völker mehr

Die Tagungsleitung: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Hans-Detlef Horn, Prof. Dr. h.c. mult. Gilbert H. Gornig, Hans-Günther Parplies fest, dass von einem Siegeszug dieses Rechts noch nicht gesprochen werden könne: Vielfach unterliege es der politischen Instrumentalisierung, und seine Durchsetzung sei durch eine Reihe von Konfliktlinien gekennzeichnet. Bis zum heutigen Tage reibe sich das Selbstbestimmungsrecht der Völker an der territorialen Integrität der Staaten, beides Grundsätze, die in den UNMenschenrechtspakten verbürgt sind. Im Hinblick auf die internationale Stabilität stelle sich die Frage, ob statt Abspaltung von einem Staat nur eine innere Autonomie des betreffenden Volkes zu rechtfertigen sei. Im Falle der Unterdrückung eines Volkes, das Selbstbestimmung anstrebt, könne der Grundsatz der Gewaltfreiheit angefochten werden. Anerkannt sei, so Prof. Christian Hillgruber,

nur Begünstigte des Rechts als vollberechtigte Träger sind. Dass sich aus dem Rechtspostulat auf UNEbene schließlich tragfähige Rechtssätze entwickelten, zeigte Prof. Dr. René Kuppe, Wien, am Beispiel des Selbstbestimmungsrechts indigener Völker auf. Förderlich für die Selbstbestimmung von indigenen Völkern sei in der Folge das Wirken international aktiver Nichtregierungsorganisationen gewesen, denen es gelang, zu den einschlägigen Beratungen der UN entscheidend beizutragen. Es kam zur Deklaration der Rechte indigener Völker, die 2006 zunächst im Menschenrechtsrat und 2007 schließlich von der UN-Generalversammlung angenommen wurde. Die Deklaration garantiert eine Gleichbehandlung der indigenen Völker gegenüber den anderen Deutsche Umschau 2-2011


Völkerrecht Völkern im Staat. Den indigenen Völkern wird das Recht auf Selbstbestimmung in ihren eigenen kulturellen, gesellschaftlichen, organisatorischen und territorialen Angelegenheiten zuerkannt, das heißt, ihnen wird eine autonome Selbstverwaltung in Fragen ihrer eigenen Angelegenheiten zugestanden. Die grundlegende Unterscheidung zwischen „offensivem“ und „defensivem Selbstbestimmungsrecht“ wurde bereits in den 1980er Jahren von Prof. Dr. Dietrich Murswiek, Freiburg, entwickelt. Prof. Murswiek verdeutlichte, dass das Selbstbestimmungsrecht von unterschiedlichen Rechtsträgern ausgeht, denen es Rechte unterschiedlichen Inhalts einräumt. Subjekt des „defensiven“ Selbstbestimmungsrechts ist demnach das Staatsvolk, ein Volk also, das sich in Ausübung des Selbstbestimmungsrechts bereits in einem Staat zusammengeschlossen hat. Das Selbstbestimmungsrecht ist damit nicht verbraucht, sondern beinhaltet nunmehr das Recht des Staatsvolks auf Abwehr von Interventionen durch dritte Staaten. Subjekt des „offensiven“ Selbstbestimmungsrechts hingegen ist das Volk im ethnischen Sinn, das sich durch gemeinsame ethnische und kulturelle Merkmale, ein Identitätsbewusstsein und den Bezug zu einem bestimmten Gebiet auszeichnet. Konfliktpotential ist gegeben, wenn in einem Staat das Staatsvolk und das Volk im ethnischen Sinn nicht übereinstimmen bzw. das Volk im ethnischen Sinn grenzüberschreitend angesiedelt ist. Ein Dilemma des Selbstbestimmungsrechts ist u.a., dass es mit dem Recht der Staaten auf Souveränität und territoriale Integrität konkurriert. Die Staatenpraxis zeige, dass die aufgeführten Rechte häufig nicht verwirklicht werden – so z.B. das Recht der Bretonen auf Autonomie in Frankreich im Sinne des „offensiven Selbstbestimmungsrechts“. Beispiel für die Durchsetzung des defensiven Selbstbestimmungsrechts sei dagegen die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990, bei der das deutsche Volk als Staatsvolk des Gesamtstaates Subjekt des Selbstbestimmungsrechts war. Dieses hätte, wie Prof. Murswiek darlegte, grundsätzlich auch das Recht umfasst, über den Status des gesamten Territoriums, also einschließlich der Oder-Neiße-Gebiete, zu entscheiden. Hier sei jedoch das Bestehen und die Durchsetzbarkeit eines Rechts zu unterscheiden: Da die Oder-Neiße-Gebiete lange nicht geltend gemacht worden seien, wäre das Erheben von diesbezüglichen Forderungen im Jahr 1990 illusorisch gewesen. Die ungebrochene Brisanz der sog. Deutsche Umschau 2-2011

„Nahostproblematik“ kann als Beispiel dafür gelten, wie sehr die Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht durch unterschiedliche Völker zu einem den Weltfrieden bedrohenden Konflikt führen kann. Mit Spannung wurde daher von den Teilnehmern der Tagung die Gegenüberstellung des Selbstbestimmungsrechts der Juden einerseits und desjenigen der Palästinenser andererseits erwartet. Für die jüdische Seite sprach Godel Rosenberg, in Lodz geboren, die meiste Zeit seines Lebens in München wirkend, heute in Tel Aviv lebend. Rosenberg räumte einleitend ein, dass es im Hinblick auf die Probleme des Nahen Ostens keine wirkliche Objektivität gebe. Er führte die Geschichte der heutigen 7,6

Der wisenschaftliche Leiter der Tagung: Prof. Dr. h.c. mult. Gilbert H. Gornig Millionen Israelis auf 4000 Jahre des Volkes Israel, bis zum Stammvater Abraham, zurück. Die Juden hätten sich stets als Volk definiert und ihre Identität bewahrt. Auch in den Zeiten der Diaspora in der ganzen Welt seit fast 2000 Jahren hätten sie sich nicht assimiliert. Das Selbstbestimmungsrecht der Juden sei nach dem Holocaust endlich verwirklicht worden und habe zu der Gründung Israels geführt. Rosenberg ging hier auf den Prozess der Entkolonialisierung gegenüber Großbritannien und die folgenden historischen Schritte ein, insbesondere den UN-Teilungsbeschluss der San-RemoKonferenz und auf die nachfolgenden internationalen Anerkennungen des Staates Israel. Er sprach sich nachdrücklich für ein friedliches Zusammenleben von Juden und Palästinensern im Staat Israel aus, ebenso für einen souveränen Palästinenserstaat. Israel gewähre den Juden aus aller Welt ein

Rückkehrrecht. Ein Rückkehrrecht der aus israelischem Gebiet vertriebenen Palästinenser schloss Rosenberg nach der Etablierung eines eigenen Palästinenserstaats indes aus. Abdullah Hijazi von der Generaldirektion Palästinas, Berlin, berichtete mit Blick auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker über die Lage der Palästinenser. Das Selbstbestimmungsrecht sei für die Palästinenser von zentraler Bedeutung, da mit ihm ein unabhängiger und souveräner Staat des autochthonen palästinensischen Volkes errungen werden solle. Die Palästinenser sehen im Selbstbestimmungsrecht ein anerkanntes Menschenrecht und ein bedeutendes Element des heutigen politischen Lebens. Auch Hijazi ging auf die völkerrechtliche und politische Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Man erkenne auf palästinensischer Seite, auch wenn dies schmerzlich sei, die 1967 geschaffenen Grenzen des Staates Israel an. Erst 1969 wurde mit einer UN-Resolution erstmals das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser bestätigt. Als Hauptbedrängnis erlebten die Palästinenser seither die rigide israelische Besatzung der ihnen verbliebenen Westbank und des Gaza-Streifens, im Zuge derer insgesamt 79 % des verbliebenen Territoriums konfisziert wurden. Hijazi dokumentierte anhand detaillierter Karten die damit verbundene massive jüdische Besiedlung der Westbank und beklagte die Errichtung der weit in das verbliebene Palästinensergebiet eingreifenden, eine wirtschaftliche Entwicklung verhindernden Mauer seit 2002. Das unterdrückte palästinensische Volk beharre indes auf seinen unveräußerlichen Rechten, auf dem Rückkehrrecht der Vertriebenen und auf staatlicher Selbstbestimmung. Auch wenn die Tagung die Grundbegriffe des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu präzisieren, die Entwicklung von einem am Ende des Ersten Weltkrieges aufkommenden politischen Prinzip zu einer Rechtnorm des Völkerrechts anschaulich zu dokumentieren und konkrete – erfolgreiche und problematische – Anwendungsfälle zu benennen wusste, so erscheint die Diskussion über die schwierige Materie doch alles andere als abgeschlossen. Wie Prof. Gornig und Hans-Günther Parplies deutlich machten, bleibt dies für die Studiengruppe für Politik und Völkerrecht und die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, die sich bereits in den 1990er Jahren mit dem Selbstbestimmungsrechts der Völker beschäftigten, eine andauernde Aufgabe. Ehrenfried Matthiak

19


Ausland

Japan steht im Unglück zusammen In der Japanischen Gesellschaft wird in anderen Zeiträumen gedacht Japan leidet – noch immer können wir es täglich auf allen Nachrichtensendern sehen – unter einer dreifachen Katastrophe: Zunächst kam das Erdbeben, dann der Tsunami und schließlich noch der atomare GAU. Ruhe, Würde, Pflichterfüllung, Disziplin, alles das hat die japanische Gesellschaft in den letzten Wochen einer erstaunten Weltöffentlichkeit vorgelebt. Japanische gesellschaftliche Comments oder der shintoistische Ahnenkult sind dem westlichen Denken fremd und unheimlich. Allenfalls Klischees über den japanischen Gruppenzwang und Fleiß werden stereotyp wiederholt. Dabei war das Verhalten für japanische Verhältnisse wenig ungewöhnlich, vielmehr war es erwartbar. Japan verhält sich anders. Häufig werden Deutschland und Japan in einem Atemzug genannt. Zu den großen Unterschieden zwischen beiden Ländern gehört jedoch, neben bemerkenswerten Gemeinsamkeiten, zweifellos der Umgang mit der eigenen Geschichte und die Reaktionen auf die totale Niederlage im Zweiten Weltkrieg und ihre Folgen. Nicht weniger schwer als Deutschland wurde Japan dabei getroffen. 45 Prozent seines Territoriums, das allerdings zum großen Teil nicht länger als 50 Jahre zu Japan gehört hatte, büßte der Inselstaat ein. Das Territorialproblem mit Rußland um die sogenannten Kurileninseln ist ebenso ein Fall, in dem Japan anders reagiert als man im Westen erwartet. 1855 wurde ein Vertrag zwischen Japan und Rußland abgeschlossen, der sämtliche Kurileninseln nördlich von Etorofu Rußland zugestand, während Sachalin beiden Parteien zur Nutzung freigegeben wurde. 1875 wurde ein Tauschvertrag geschlossen, der Rußland ganz Sachalin zuschlug, während die gesamte Kurilenkette von Rußland an Japan abgetreten wurde. Nach dem russisch-japanischen Krieg trat Rußland im Frieden von Portsmouth (1905) Südsachalin bis zum 50. Breitengrad an Japan ab. Kurz vor Kriegsende trat die Sowjetunion trotz eines bestehenden Neutralitätsvertrages gegen das Versprechen Roosevelts

20

und Churchills, nach dem Sieg, Südsachalin zurückzubekommen, in den Krieg gegen Japan ein. Stalin dehnte dies auch auf die Kurilen aus, die einheimische japanische Bevölkerung, etwa 17.500 Personen, wurde vertrieben. Erst bei den Friedensverhandlungen, die 1951 in San Francisco begannen, erklärten die Amerikaner, daß der geographische Begriff „Kurilen“ die vier nördlich der japanischen Inseln Hokkaido gelegenen Inseln Etorofu, Kunashiri, Shikotan und die Habomai-Eilande nicht einschließe. Daraufhin weigerte sich die Sowjetunion den Friedensvertrag zu unterzeichnen, was zu der anhaltenden Situation führte, daß Japan mit der UdSSR, bzw. Rußland bis jetzt keinen Friedensvertrag hat. Heute geht es genau um diese vier nördlich von Hokkaido gelegenen Inseln, die Japan ganz offiziell seine „nördlichen Territorien“ nennt. Seit 1951 nimmt die sowjetische Seite den Standpunkt ein, daß die Kurilen ihr durch die internationalen Abkommen von Kairo, Jalta und Potsdam und die bedingungslose Kapitulation Japans zugefallen seien. Japan selbst betont immer wieder, daß die Inseln urjapanisches Territorium seien. In der Tat haben die kleinen Habomai-Inseln und Shikotan administrativ immer zu Hokkaido gehört, sie sind Ausläufer der Ostspitze Hokkaidos. Auch Kunashiri und Etorofu haben stets zu Japan gehört. Für die japanische Seite ist ein bilateraler Neubeginn ohne eine Lösung dieser Frage nicht denkbar. 1982 verlangte das japanische Kultusministerium von Schulbüchern für höhere Schulen, daß die besetzten Kurileninseln stets zu erwähnen seien. Bedeutsam war das Treffen von Ministerpräsident Hashimoto und Präsident Jelzin in Krasnojarsk 1997. Die beiden Staatschefs einigten sich im „Jelzin-Hashimoto-Plan“ auf die Unterstützung der russischen Wirtschaftsreformen durch Japan. Ein Friedensvertrag sollte bis zum Jahr 2000 unterzeichnet werden. Es war aber kein Zufall, daß wenige Tage nach diesem Treffen der russische Premierminister Junichiro Koizumi und der russische Präsident Vladimir Putin kamen 2005 überein, ihre Bemühungen um Lösungen zu verstärken

Außenminister Primakow Japan besuchte. Er machte das, was sein Präsident aus innenpolitischer Rücksichtnahme nicht tun konnte: Konkrete Vorschläge zur Lösung der „Kurilenfrage“. Er schlug dabei eine gemeinsame Entwicklung der Inseln vor. Dazu kam es jedoch nicht. Am 11. Juni 2009 verabschiedete das Unterhaus des japanischen Parlaments eine Gesetzesänderung, wonach maximale Anstrengungen unternommen werden sollen, um eine möglichst zügige Rückgabe der Inseln zu ermöglichen. Auch müssen zukünftig alle offiziellen Verlautbarungen Japans die vier Inseln betreffend diese als „Nördliche Territorien“ (北方領土) bezeichnen. Das russische Außenministerium bezeichnete das als versuchten Schritt hin zu einer Eskalation. Am 1. November 2010 besuchte Dimitrij Medwedjew als erster russischen Präsident überhaupt die Insel Kunashiri und fachte damit den Streit neu an. Das Außenministerium in Tokyo protestierte dagegen und bestellte den russischen Botschafter ein. Der japanische Premierminister Naoto Kan nannte den Besuch Medwedjews vor einem Parlamentsausschuss „äußerst bedauerlich“. Er bekräftigte, die Inseln gehörten zu Japan. Außenminister Seiji Maehara sagte, der Besuch habe die Gefühle der japanischen Öffentlichkeit verletzt. Am 2. November 2010 zog Japan seinen Botschafter aus Moskau ab. Die Auseinandersetzung hält an. Alles das geschieht 60 Jahre nach dem Ende des Krieges. Innenpolitische Diskussionen über den Umgang mit der Vergangenheit gibt es auch in Japan. Aber in der Frage der nördlichen Territorien gibt es eine geschlossene, solidarische Haltung. Japan verhält sich anders. Markus Patzke Deutsche Umschau 2-2011


Aussiedler

Unterstützung des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte In diesem Jahr wird das Museum 15 Jahre jung und das bereits beschriebene neue Domizil wird bezogen. BITTE schon jetzt vormerken: OFFIZIELLE ERÖFFNUNG ist am 23. Juli in Detmold! Die Leiterin des Museums, Frau Dr. Katharina Neufeld, spricht in einem AUFRUF alle Deutschen aus Russland an.

MUSEUM AKTIV – die Sammelaktion! Die VIRA e. V. greift sehr gern den Appell von Frau Dr. Neufeld auf und unterstützt alle Maßnahmen, sowie das zentrale Motto: Die Leitung und die Unterstützer der Aktion wollen alle Deutschen aus Russland ermuntern und anregen, zur Erhaltung der russlanddeutschen Kulturgeschichte beizutragen.

Hintergrund der Sammelaktion Die Sammelaktion ist eine langfristige Initiative zur Sicherung und Bewahrung von Kulturgut unterschiedlichster Prägung. Familienreliquien, alte Fotos und Bücher, Erinnerungsstücke, Briefe und Nachlässe russlanddeutscher Autor/innen oder alltägliche Gegenstände, auch Kleidung – das alles dokumentiert die bewegte Geschichte und einzigartige Kultur der Deutschen aus Russland. Der Kulturgeschichte, dem Erbe der Vorfahren und damit der Identität nach langen Jahrzehnten der Verfolgung, Vertreibung, des Totschweigens und der Diskriminierung wird zum ersten Mal eine Heimat gegeben. Hier und Heute. In der Sowjetunion durften die Deutschen aus Russland nichts über ihre Geschichte erfahren. Viele haben erst hier in Deutschland begonnen, sich mit der eigenen Familiengeschichte und der Volksgruppe auseinander zusetzen. Der nach und nach wieder erworbene Erinnerungsschatz darf nicht nur vor dem Vergessen bewahrt werden, sondern er muss sich auch in das kollektive Bewusstsein der jüngeren Generation sowohl der Deutschen aus Russland als auch der einheimischen Nachbarn einprägen, um so ein Teil der heutigen Gesamtkultur zu werden. Deutsche Umschau 2-2011

In diesem Jahr wird das Museum in ein neues Gebäude umziehen. Museumseröffnung ist am 23. Juli in Detmold

Dazu sollten alle Deutschen aus Rußland aktiv beitragen. Bewahren bedeutet keinesfalls Stillstand. Die Museumsleitung und Frau Dr. Neufeld im Besonderen sieht es mit großem Bedauern, wenn das durch die Ereignisse ohnehin schon rare und begrenzte Kulturgut weiterhin verloren gehen sollte.

Deshalb noch einmal die herzliche Bitte: Niemand sollte historisches Kulturgut vernichten. Vielmehr sollte auch das gesammelt werden, was eventuell belanglos erscheint:

• Alte Zeitungen • Bücher • Dokumente • Bibliotheken

und Originale Schenkungsverträge oder Empfangsbestätigungen ausgestellt.

Jeder, der einen Beitrag leisten kann, wendet sich bitte direkt an das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Dr. Katharina Neufeld Georgstraße 24, 32756 Detmold Tel.: 05231 – 921 626, 05231 – 921 622 Fax: 05231 – 921 618 E-Mail: info@russlanddeutsche.de

• Kunstwerke • Fotos • Gegenstände aus dem täglichen Leben in Russland • Videodokumentationen und vieles mehr, ist Kulturgeschichte, die erhalten werden muss.

Wenn gewünscht, werden über die Exponate

Vorab-Informationen unter www.russlanddeutsche.de Ein wichtiger Hinweis:

Im Museum ist die „russlanddeutsche Familienforschung“ zuhause. Viele Deutsche aus Russland nutzen gern die Gelegenheit, nachzuforschen und vieles zu entdecken, was als verloren galt. Diese Quelle sollte jeder nutzen! Öffnungszeiten: Mo-Fr 14 – 17 Uhr Sa 11 – 17 Uhr und nach Vereinbarung. Führung vorher bitte anmelden.

21


Frau und Familie

Frauenquote?

Ein nachdenkliches Jubiläum

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März konnte man in vielen Städten Veranstaltungen, Ausstellungen oder Vorträge besuchen. „Frauen, die Geschichte machten“ so der Titel eines Stadtrundganges z. B. in Münster. Lustiges und Trauriges, Erstaunliches und Nachdenkliches, so hieß es in der Vorankündigung. Der Bogen spannte sich vom Frauen-Leben im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert.

Schlesiergruppe in Münster wird 60 Jahre alt

Silvana Koch-Mehrin Vielen Frauen ist gar nicht bekannt, dass in diesem Jahr das 100. Jubiläum des Weltfrauentages begangen wird. Haben die Frauen das nötig? Steckt da auch noch etwas von „Gleichberechtigung“ drin? Die Franzosen machen es vor und die Norweger auch. In den beiden Ländern sollen mehr Frauen Chefinnen von großen Unternehmen werden. Dafür haben die Regierungen Gesetze erlassen. Am 8. März sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass Frauen und Mädchen mitunter noch benachteiligt werden. Denn vielfach verdienen Männer teilweise mehr Geld für die gleiche Arbeit als Frauen. Vor hundert Jahren forderten die Frauen: Wir wollen das Recht, wählen zu gehen! Das haben sie mittlerweile erreicht. Und wie sieht es sonst in der Politik aus? Die FDP-Europaabgeordnete Dr. Silvana KochMehrin fordert eine Frauenquote für ihre Partei. Niedersachsens FDP-Chef und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler lehnt eine verbindliche Frauenquote für die FDP ab. Eine Quote für Parteigremien und Wahllisten sei ein völlig untaugliches Instrument, sagte Rösler. Dem Mitte Mai stattfindenden FDP-Bundesparteitag liegt ein Satzungsänderungsantrag der Bundesvereinigung Liberale Frauen vor, dass mindestens 40 Prozent der Parteiämter und Plätze auf Wahllisten Frauen vorbehalten sein sollen. Ob die FDP dann eine bessere Politik macht? RM

22

Die Kreisgruppe der Landsmannschaft Schlesien beging am Sonntag, 20. März ihr 60jähriges Bestehen in Münster. Nun ist das nicht gerade Anlass für uneingeschränkte Freude und Jubelfeier. Das bedeutet nämlich: Mindestens 60 Jahre Vertreibung, 60 Jahre fern der Heimat und 60 Jahre Verlust des Partners, der Kinder oder Angehöriger, 60 Jahre Trauer und 60 Jahre Trauma. Und trotzdem: Die Schlesier in Münster ließen sich nicht unterkriegen. Die Schlesier ließen sich nicht entmutigen, sie schlossen sich nach Beendigung des Koalitionsverbotes für Vertriebene durch die Alliierten 1951 zu einer Landsmannschaft zusammen und packten mit an, damit aus der zerstörten Stadt Münster ein neues Zuhause werden konnte, obwohl im Herzen noch immer die Hoffnung auf eine Heimkehr nach Schlesien schlummerte. Das sprach auch ganz deutlich der Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe, aus, der übrigens eine Schlesierin zur Frau hat: „Für Münster heißt das, dass die vielen guten Ideen, der Einsatz, die Bereitschaft, der Wunsch, schlesische Kultur hier sichtbar werden zu lassen, in der neuen Heimat, Münster unheimlich bereichert hat. Dann ist es doch wohl auch so, dass uns in diesen Tagen Berichte über Massenfluchten in Nordafrika verfolgen. Wir erleben auch und besonders die Älteren unter uns, doch immer wieder aufs Neue die Erinnerung

an das unglaubliche Leid, was durch Vertreibung zugefügt wurde. Vertreibung ist Unrecht. Das ist unbestritten und völkerrechtlich eindeutig, auch wenn im Falle der deutschen Vertreibung dieses Unrecht auch durch uns Deutsche begangen, bzw. ausgelöst wurde. Aber sie macht die deutsche Vertreibung weder rechtmäßig noch entschuldbar. “ Der Landes- und Bundesvorsitzende der Schlesier, Rudi Pawelka, erinnerte in seiner Rede an die Aussage des ehemaligen Bundespräsidenten Herzog, der 1994 deutlich sagte: „... dass man sich der Geschichte in aller Offenheit stellen muss, im Mut zur vollen Wahrheit, nichts hinzufügen aber auch nichts nichts weglassen, nichts verschweigen und nichts aufrechnen. Wenn wir eine weltweite Ächtung von Vertreibung wollen, dann müssen wir auch das Vertreibungsunrecht aufarbeiten und müssen uns dieser Wahrheit stellen.Und ich sage Ihnen auch: Ohne Wahrheit gibt es keine Versöhnung.“ Die Orts- und Kreisvorsitzende der Landsmannschaft Kornelia Bettin konnte im Festsaal des Rathauses zu Münster neben dem Münsterschen Oberbürgermeister Markus Lewe mit seiner Gattin, Vertreter der Ortsund Landespolitik Richard Halberstadt und Josef Rickfelder, den neuen Visitator für Priester und Gläubige aus der ehem. Erzdiözese Breslau und dem ehem. Generalvikariat Branitz, Dr. Joachim Giela begrüßen. Extra angereist aus Schlesien war Steffi Wrobel. Roswitha Möller

Von Frauen geprägt und getragen: 60 Jahre Landsmannschaft Schlesien Deutsche Umschau 2-2011


Frau und Familie

Was koche ich morgen?

Umschau für die Frau

Kleine Rezeptecke

Hebammen gehen weltweit auf die Straße

An dieser Stelle wollen wir Ihnen demnächst bekannte und weniger bekannte Gerichte vorstellen. Wenn Sie ein ganz spezielles Rezept haben, können Sie es an die Redaktion senden, wir veröffentlichen es gerne. Die einzige Bedingung ist, dass es einen Bezug zu einer ostdeutschen Landschaft hat. So bleibt die ostdeutsche Küche für die Nachwelt erhalten. Frau Waltraud Keltner aus Greifenberg in Hinterpommern sandte uns das folgende Waffelrezept ein: 500 g Butter, 500 g Zucker, 500 g Mehl, 12 ganze Eier (das Weiße zu Sahne), 1 Zitrone, 7 Eßl. Rum, 200 g gemahlene süße Mandeln, einige Tropfen bittern Mandelöl Die Herzchen werden kalt gegessen. Sauerampfersuppe (Ostpreußen) 500 g Sauerampfer, 1 ½ l Wasser, 2 Bouillonwürfel, Salz, 3/8 l saure Sahne, Mehl, 3 gehäufte Eßl. Butter, 2 Eigelb, Zucker, 8 hartgekochte Eier, 750 g Kartoffeln Der Sauerampfer wird verlesen, gründlich gewaschen und – bis auf ein paar rohe Blätter, die zum Schluß feingehackt der fertigen Suppe beigefügt werden – kurz in Wasser gekocht. Nun durch ein Sieb reiben, daß keine Reste übrigbleiben, Bouillonwürfel, Salz zufügen und noch einmal aufkochen, mit saurer Sahne und Mehl anbinden, vom Feuer nehmen, Butter in der Suppe zerlassen, 2 Eigelb anrühren. Mit einer Prise Zucker abschmecken. Man ißt dazu hartgekochte Eier und Salzkartoffeln, die separat gekocht werden und die man – ebenso wie die ganzen, geschälten Eier – in die Suppe tut. Auf ostpreußischen Gütern pflegte man statt der Salzkartoffeln Speckkartoffeln zu reichen. Krautrouladen (Schlesien) 1 Kopf Weiß- oder Welschkraut, 1 Pfd. gewiegtes Fleisch, 1-2 Semmel, feingewiegte Zwiebel, 1 Ei, Salz und Pfeffer nach Geschmack. Die Blätter werden einzeln vorsichtig gelöst, die dicke Rippe herausgeschnitten und gebrüht oder wenn der Kopf zu fest ist, so legt man ihn ganz ins kochende Wasser und Deutsche Umschau 2-2011

läßt ihn 2 Min. darin. Das Fleisch wird mit den Zutaten gut verrührt, in jedes Blatt 1 Eßlöffel Fleisch fest eingerollt und in einer Kümmelsoße gekocht oder in heißer Butter geschmort. Böhmische Fingernudeln 1 kg Kartoffel(n), mehlig kochende, 200 g Mehl, 2 Ei(er), 2 EL Butter, etwas Salz und Pfeffer, Muskat Die Kartoffeln schälen und im Salzwasser kochen. Danach durch die Kartoffelpresse in eine Schüssel drücken. Butter, Mehl und Eier dazugeben und alles gut verkneten. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Inzwischen einen Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen. Den Teig in fingerdicke und fingerlange Röllchen formen. Die Fingernudeln im Topf ca. 15 Minuten bei nicht zu starker Hitze kochen lassen. Dann herausnehmen und gut abtropfen lassen.

Die falsche Form Herzlichen Glückwunsch zur neuen Formder „Deutschen Umschau“! Sie ist Ihnen wirklich sehr gut gelungen! Das Exemplar ist handlich, vom Text her übersichtlich, durch Bilder aufgelockert, durch Farbe anschaulich, die Informationen aktuell und heimatpolitisch von Bedeutung. Mögen Sie nicht nachlassen an Informationen und Berichten, die wir sonst in den Medien nicht finden! Alles ist interessant zu lesen! Auch wir Männer lesen Kochrezepte! Nur war ich erstaunt, beim Rezept der „Thorner Katharinchen“ eine Abbildung zu finden, die in keiner Weise die Form der „Katharinchen“ wiedergibt. Also deshalb – mit Verlaub – hier eine Abbildung der historischen Katharinchen. Es gibt übrigens eine Legende dazu. Wenn Interesse besteht, sende ich sie Ihnen einmal zu. Weiter so! Wilhelm Gilhaus, Münster

Um auf die unzureichende Versorgung mit Hebammenhilfe hinzuweisen, gehen die Hebammen am 5. Mai wiederholt auf die Straße. Auf Spruchbändern und Transparenten sind die die 5 wichtigsten Forderungen zu lesen, die in Anlehnung an die weltweiten gesundheitspolitischen Entwicklungsziele als die „deutschen Big Five“ bezeichnet werden. Damit appellieren die Hebammen an die Politik und die Krankenkassen und fordern: 1. Einen würdevollen Start ins Leben 2. Ein bedingungsloses JA zur normalen Geburt 3. Die freie Wahl des Geburtsortes 4. Bessere Arbeitsbedingungen 5. Hebammenhilfe für alle Frauen Der 5. Mai ist der Aktionstag der Hebammen. Seit 1991 nutzen Hebammen weltweit dieses Datum, um auf bestehende Versorgungsdefizite aufmerksam zu machen.

Kaffee senkt das SchlaganfallRisiko bei Frauen Wie eine schwedische Studie nun zeigt, senkt der tägliche Konsum von mindestens einer Tasse Kaffee das SchlaganfallRisiko bei Frauen erheblich. Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache bei Frauen. Ein Forscherteam vom KarolinskaInstitut in Stockholm hatte seit 1997 Daten von 35.000 Frauen gesammelt, darunter auch die über ihren Kaffeekonsum. Bis 2008 hatten rund 1700 der Frauen einen Schlaganfall erlitten. Die Forscher stellten bei der Untersuchung ihrer Daten fest, dass das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, um 25 Prozent sank, wenn die Frauen mindestens eine Tasse Kaffee am Tag getrunken hatten. Gute Nachrichten für die vielen Kaffeetrinker in Deutschland. Jeder Deutsche trinkt im Schnitt 150 Liter Kaffee pro Jahr.

23


Landesverband Nordrhein-Westfalen

Mit Optimismus in die Zukunft sehen Westpreußische Jugend veranstaltet erstes eigenständiges Seminar

Westpreußische Landesmuseum, die durch D.ssa (it.) Ilda Mutti M.A. geleitet wurde und auch von einigen der weiteren Vortragsbesuchern wahrgenommen wurde.

Für den 20. Februar dieses Jahres hatte die Westpreußische Jugend zu ihrer ersten eigenständigen Veranstaltung ins Westpreußische Landesmuseum nach Münster geladen. Ziel war es, grundlegendes historisches und kulturhistorisches Wissen über das untere Weichselland zu vermitteln und eine Debatte über Ziele und Aufgaben eines westpreußischen Nachwuchsnetzwerkes anzustoßen. Dieses Angebot wurde von jungen Interessierten wahrgenommen, die zur Freude der Veranstalter großteils Schüler eines Münsteraner Gymnasiums waren, die bereits seit längerem sich durch rege Mitwirkung in die Arbeit der Kulturreferentin für Westpreußen, Magdalena Oxfort M.A., einbringen.

der Erörterungen in persönlichen Gesprächen genutzt wurde, sprach Tilman Fischer über „Deutsche und Polen im viergeteilten Westpreußen in den Jahren 1919 bis 1939“. Im Zentrum stand die Frage nach den Bedingungen und Formen nationaler Selbstbehauptung und Identität unter den Folgen des Friedens von Versailles. Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe des Kulturreferats für Westpreußen, so dass weitere Zuhörer hinzustießen. Anschließend bestand die Möglichkeit einer Führung durch das

Nach einer Begrüßung durch Martin Stender, Bundesvorstandsmitglied der Landsmannschaft Westpreußen, führte Magdalena Oxfort, Kulturreferentin für Westpreußen, die ebenfalls in dieser Funktion das Zustandekommen des Seminars ermöglicht hatte, mit einer Dia-Reportage die Anwesenden in die Geschichte Westpreußens und seinen kulturellen Reichtum ein, in Bewusstsein dessen die anschließende Diskussion über die zukünftige Arbeit der Westpreußischen Jugend geführt wurde.

Die Bonner Kreisgruppen der Ostdeutschen Landsmannschaften Ostpreußen, Schlesien, Sudeten- und Bessarabiendeutschen, sowie die der Siebenbürger Sachsen begingen ihren traditionellen Ostdeutschen Winterball. Um dem positiven Resümee und den steigenden Besucherzahlen der letzten Jahre gerecht zu werden, wechselte man erstmals in den großen Saal der Stadthalle, sicher keine falsche Entscheidung. Ältere Teilnehmer fühlten sich genauso wohl wie die breite Masse der Besucher mittleren Alters.

Für diese hatten sich dankenswerter Weise als erfahrene Gesprächspartner sowohl Barbara Kämpfert M.A., Chefredakteurin des „WESTPREUSSEN“ und Vorsitzende des Akademischen Freundeskreises DanzigWestpreußen, als auch wiederum Magdalena Oxfort zur Verfügung gestellt. Von Martin Stender moderiert wurden zunächst der Entwurf für ein Grundsatzprogramm der Westpreußischen Jugend präsentiert und anschließend seitens der Teilnehmer eingebrachte Anregungen diskutiert: Neben dem Wunsch nach der Vermittlung allgemeiner landeskundlicher Kenntnisse wurde vor allem ein verstärktes Interesse an Themen der Alltagsgeschichte und –kultur im historischen Westpreußen deutlich. Dieses geht einher mit dem vielfach bestärkten Wunsch, enge Kontakte mit den heute dort lebenden Menschen zu pflegen. Die Westpreußische Jugend wird nach allen Kräften bemüht sein, diesen Schwerpunkten in der Arbeit für die Bewahrung des westpreußischen Kulturerbes Rechnung zu tragen.

Gleich zu Beginn bot die Trachtengruppe „Der Fröhliche Kreis“ unter der Leitung von Bernadette Glattki ein farbenfrohes Bild mit dem Einzug der Fahnen der Landsmannschaften und ihren schlesischen Trachten. Das Rahmenprogramm war eine bunte

Nach einer kurzen Pause, die zur Vertiefung

Gefüllter Ballsaal im großen Saal der Stadthalle Bonn

24

Im nahegelegenen Gasthaus Sültemeyer kehrten diejenigen Tagungsteilnehmer, die nicht bereits den Heimweg antreten mussten, ein, um gemeinsam auf Einladung der Landsmannschaft Westpreußen diesen Tag zu beschließen, der auf Grund der regen Teilnahme und der vielfältigen erlangten Anregungen einen positiven Blick auf die vor der Westpreußischen Jugend liegende Arbeit vermittelt. Tilman Fischer/Martin Stender

„Alles Walzer!“ hieß es in Bonn Farbenfroher Ostdeutscher Winterball in der Stadthalle Mischung gelungener Auftritte, so der der Trachtengruppe „Der Fröhliche Kreis“. Eine Gruppe junger Kunstradfahrerinnen der „Radsportfreunde Duisdorf“ sorgte für ungläubiges Staunen. Das Turniertanzpaar Oliver Baudin und Raphaela Edeler erntete viel Beifall, ebenso wie die Theatergruppe „Die Feder“ mit ihren Sketcheinlagen. Bei einer Tombola gab es als Hauptpreise Reisen in Hauptstadt Berlin und in die europäische Metropole Brüssel zu gewinnen. Für das leibliche Wohl war bestens durch den Stadthallenpächter Weiermann gesorgt. Die Veranstaltung war insgesamt eine „Gute Mischung“ und wird vielen lange in Erinnerung bleiben. Freuen wir uns alle auf den nächsten Ostdeutschen Winterball am 11. Februar 2012! Michael Ferber

Deutsche Umschau 2-2011


Landesverband Nordrhein-Westfalen

Bodo Löttgen MdL stellt sich vor Neuer Beauftragter der CDU im Landtag für Vertriebene und Spätaussiedler Wer sich einmal in Nümbrecht niederge- Abgeordneten im nordrhein-westfälischen lassen hat, „geht ungern von seinem Kot- Landtag zum Beauftragen für Heimatverten weg“. Wie zum Beispiel der 51 Jahre alte triebene und Spätaussiedler der Fraktion. Bodo Löttgen. Sein beruflicher Lebensweg Er tritt damit die Nachfolge des Solinger hat den CDU-Landtagsabgeordneten Bodo Abgeordneten Horst Westkämper an, der Löttgen schon so ziemlich an jeden Ort der von 2005 bis 2010 diese Aufgabe wahrgeWelt geführt, doch immer wieder kehrt er nommen hat. gerne in sein Zuhause im Oberbergischen Seine politischen Akzente setzt Löttgen zurück. „Hier ist mein Rückzugsraum“, sagt in dieser Legislaturperiode vor allem in Löttgen. „Wir haben hier eine gut funkti- der Kommunalpolitik, als Sprecher der onierende Gemeinschaft. CDU-Fraktion im gleichDadurch kann ich einnamigen Ausschuss. Dabei fach gut abschalten.“ Als profitiert er von seinem lo„Vertriebene und Spättypisch „oberbergisch“ kalen und regionalen Enaussiedler haben unser bezeichnet er seine Kongagement. „Es ist wichtig, Land nach vorne getaktfreude, seine Bedass jemand, der kommubracht!“ harrlichkeit und seine nalpolitische EntscheidunPrinzipientreue. „Die gen trifft, auch in der PoliMenschen hier wollen tik vor Ort tätig ist“, findet überzeugt werden, das verlangt Standfes- er. Der Abgeordnete ist seit 1999 Mitglied tigkeit, Beharrlichkeit und Geduld.“ Diese des Rates seiner Heimatgemeinde NümEigenschaften bestimmen Löttgens Politik- brecht und seit 2009 auch Kreistagsmitglied und Kommunikationsstil im politischen All- im Oberbergischen Kreis. Seine Affinität für tagsgeschäft in der nordrhein-westfälischen die Vertriebenen- und SpätaussiedlerpoliLandeshauptstadt. tik kam nicht zuletzt durch die engen Kontakte, die er zu Drabenderhöhe, der größAls Politiker fing der Landtagsabgeordten siebenbürgisch-sächsischen Siedlung in nete jedoch nicht an. Sein Lebenslauf doDeutschland, von Kindesbeinen auf pflegt. kumentiert zunächst einmal, dass er eine „Ob in der Schule, im Sportverein oder auf Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten den vielen Festen im Oberbergischen: Viele absolvierte. Danach nahm er an der Fachmeiner Wegbegleiter sind Aussiedler und hochschule des Bundes für öffentliche VerSpätaussiedler, an deren Lebensläufen ich waltung in Köln das Studium auf, das er mit den oft schwierigen Weg dieser Menschen dem Abschluss als Diplom-Verwaltungshier in Deutschland verwirt abschloss. Wie er in folgen konnte“, so Löttgen die Politik kam? „Ich bin zu seinen guten Verbin„Gelungene Integrapolitisch stark vorbelasdungen zu Spätaussiedtion ist dann der Rede tet“, so der Nümbrechlern und Vertriebenen. wert, wenn man nicht ter. Schon sein Großvamehr darüber sprechen ter und sein Vater waren Im Zuge der aktuellen Inmuss.“ für die CDU im Gemeintegrationsdebatte weist derat. Politik sei immer Bodo Löttgen gerne darGesprächsthema gewesen. auf hin, dass die Spätaus1999 kam dann der Eintritt in die CDU. siedler, einschließlich der vielen HundertAm 8. Juni 2005 wählten ihn die Oberber- tausend, die in den Jahren nach 1990 zu ger zum ersten Mal direkt in den Landtag. uns gekommen sind, die mit Abstand am Damit endete auch seine Arbeit beim Bun- besten integrierten Mitmenschen sind. Seideskriminalamt. „Ich habe als Kriminalpo- ner Ansicht nach sollte verstärkt über diese lizist vor allem das strukturierte Arbeiten Beispiele gelungener Integration gesprochen gelernt“, erinnert er sich an seine frühere werden: „Die während des Krieges und unberufliche Tätigkeit. Und auch die beruf- mittelbar danach Vertriebenen haben unliche Erfahrung, aus vielen einzelnen In- ser Land nicht nur mit aufgebaut, sondern formationen ein stimmiges Gesamtbild zu mit ihrem Fleiß auch nach vorne gebracht! entwickeln, helfe ihm in Düsseldorf. Nach Die im Laufe der letzten 60 Jahren zu uns seiner Wiederwahl im Mai dieses Jahres gekommenen Vertriebenen und Spätauswählten ihn die 67 christdemokratischen siedler haben unsere Gesellschaft um einen

Deutsche Umschau 2-2011

Bodo Löttgen MdL beinahe in Vergessenheit geratenen Zweig deutscher Kultur und Geschichte bereichert. Sie haben unsere Gesellschaft verjüngt und neue Impulse von außen hereingebracht.“ Integration ist eben nicht nur da erwähnenswert, wo sie offensichtlich nicht funktioniert, sondern auch und vor allem dort, wo sie funktioniert hat. „Gelungene Integration ist dann der Rede wert, wenn man nicht mehr darüber sprechen muss“, so Bodo Löttgen. Neben seinem Einsatz für die Sache der Vertriebenen und Spätaussiedler liegen dem oberbergischen Abgeordneten zwei weitere Grundsätze besonders am Herzen: Es sind einerseits die Vermittlung von christlichen Wertvorstellungen und andererseits die Subsidiarität. Der Oberberger will wieder Kommunalpolitik, die sich mit den Kommunen beschäftigt und die Gemeinden wieder handlungsfähig macht. Da müsse eine Oppositionspartei die Finger in die Wunde legen, gleichzeitig aber auch die politischen Alternativen deutlich machen. Das hat sich Bodo Löttgen sowohl als kommunalpolitischer Sprecher als auch als Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler der CDU-Landtagsfraktion zur Aufgabe gemacht: fleißig, geduldig, beharrlich. Mit zwei festen Zielen vor Augen: die CDU bei der nächsten Landtagswahl wieder als die stärkste kommunale Kraft aufzubauen und in der Öffentlichkeit in aller Deutlichkeit klarzustellen, dass die CDU die einzige Partei ist, die sich hier in NRW für die Belange der Vertriebenen und Spätaussiedler einsetzt.

25


Rätselecke für jung und alt Tragen Sie in die Felder die jeweils richtige Ziffer von 1 bis 9 ein. Dabei ist zu beachten, dass • jede Ziffer genau einmal pro Zeile auftaucht. • jede Ziffer genau einmal pro Spalte auftaucht. • jede Ziffer genau einmal im Teilquadrat vorhanden ist.

Zu guter Letzt Ein Besucher einer geschlossenen Anstalt fragt den Direktor,nach welchen Kriterien entschieden wird, wann ein Patient aufgenommen wird oder nicht. Der Direktor antwortet: „Wir füllen eine Badewanne, geben dem Kandidaten einen Teelöffel, eine Tasse und einen Eimer und bitten ihn, die Badewanne zu leeren. Der Besucher: „Ich verstehe. Ein normaler Mensch würde den Eimer nehmen, richtig?“ Der Direktor: „Nein, ein normaler Mensch würde den Stöpsel ziehen. Möchten Sie ein Zimmer mit oder ohne Balkon!?“ Der Lehrer zu Fritzchen: „Du Fritzchen, wer von Euch hat gestern vom meinem Apfelbaum Äpfel geklaut?“ Fritzchen: „Herr Lehrer, ich kann hier in der letzten Bank nichts verstehen.“ „Das wollen wir doch einmal sehen“, sagt der Lehrer. „Komm sofort nach vorn und setz dich auf meinen Platz. Und dann stellst Du mir eine Frage.“ Sie tauschen die Plätze. Da fragt Fritzchen: „Herr Lehrer, wer hat gestern mit meiner Schwester ...?“ Antwortet der Lehrer: „Fritzchen, du hast recht. Hier hinten versteht man wirklich nichts.“

Welches Streichholz muss umgelegt werden, damit die Gleichung stimmt?

Wenn Sie auch dieses Mal das Rätsel richtig lösen, senden Sie uns die Antwort an BdV NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, E-Mail raetsel@bdv-nrw.de. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen tollen Buchpreis.

Fritz hat endlich die ihm verhasste Schule hinter sich gebracht und ist nun Lehrling in der großen Graudenzer Gärtnerei von French. „Nun“, fragt Herr French, „du bist wohl froh, dass du deinen Lehrer nicht mehr siehst?“ „Ach, wenn ich bloß an den denk‘! Den bis am Schlund rin ins Jauchefaß, und jedesmal, wenn er raus will, noch‘n Eimerchen voll über die blanke Schusterkugel gekippt ... das wär‘ was!“

Auflösungen der letzen Ausgabe

Gewinner der letzten Ausgabe Beim letzten Rätsel hat das richtige Lösungswort „Bad Cannstatt“ Walter Kuche eingesandt und bei der Verlosung gewonnen.

26

Deutsche Umschau 2-2011


Anschriften und Termine

Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Bismarckstr. 90 40210 Düsseldorf Deutschland Telefon:0211 – 350361 Telefax: 0211 – 369676 eMail: info@bdv-nrw.de eMail: buchdienst@bdv-nrw.de www.bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de www. facebook.com/bdv.nrw

28./29. Mai 2011 25.-26. Juni 2011 August 2011 17. September 2011 08. September 2011 8. Oktober 2011 19. November 2011

Termine Deutschlandtreffen der Ospreußen, Erfurt Schlesiertreffen, Hannover Fahrt nach Königsberg Kundgebung in Düsseldorf „70 Jahre Deportation“ Tagung der Frauenarbeitsgemeinschaft, Leverkusen, Haus Ratibor Landeskulturtagung, Düsseldorf Landesarbeitsgemeinschaft, Düsseldorf

Landesverband Hessen e.V. Termine

Bund der Vertriebenen Landesverband Hessen e.V. Friedrichstraße 35 65185 Wiesbaden Tel.: 0611 – 36019-0 Fax: 0611 – 36019-22 eMail: buero@bdv-hessen.de www.bdv-hessen.de www.bund-der-vertriebenen-hessen.de

18. Juni 2011 11.-13. Juni 2011 18. Juni 2011 August 2011 15.-18. August 2011 04. September 2011 29. Oktober 2011

Tag der Vertriebenen/Hessentag, Oberursel Sudetendeutscher Tag, Augsburg Tag der Vertriebenen/Hessentag. Oberursel JMG Wanderwoche Kulturelle Sommertage Weilburg/Lahn Zentraler Tag der Heimat Wiesbaden, Biebricher Schloß SL-Landeskulturtagung, Wiesbaden,

Bauernverband der Vertriebenen e.V. Termine

Bauernverband der Vertriebenen e.V. – Bundesverband – Seestr. 44 12589 Berlin Tel.: 030 – 64 39 92 64 Fax: 030 – 64 39 92 64

31. Mai 2011

Vorstandssitzung in Hannover

07./08. Oktober 2011 Jahrestagung in Haus Düsse 20./21. März 2012

Mitgliederversammlung

E-Mail: blomeyer.bvdv@gmx.de Geschäftsführer Dr. Arwed Blomeyer Deutsche Umschau 2-2011

27


Absender: Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. 40210 Düsseldorf Postvertriebsstück Entgelt bezahlt H 13 18 F

Erika Steinbach innerung Die Macht der Er it ikerin steht derze Kaum eine Polit entlichkeit und im Fokus der Öff n Kritik wie Ver te ek rr ko ch is lit po h. n Erika Steinbac triebenen-Chefi selbst das Wort, Sie ergreift darin nderem ihren Ko an r te n u t är kl er esterwelle und flikt mit Guido W tin Zeit als Präsiden behandelt ihre sowie ihre eider Vertriebenen a geschichte. Erik genen Familien 43 in Rahmel in Steinbach kam 19 r Welt. Seit Mai Westpreußen zu s DU-Politikerin al 1998 steht die C ie Bund der Vertr em d n ti en id äs Pr September 2000 benen vor, seit de der Stiftung ist sie Vorsitzen Vertreibungen“. „Zentrum gegen von denen ich „Es gibt Dinge, sie sagen muss“, glaube, dass man „Wenn man das sagt Steinbach. , auch vor anderen tut, im Respekt Ordnung sein.“ dann muss das in 22,00 Euro

Zu beziehen über BdV-Buchdienst, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf Tel. 0211/350 361 Fax 369676, E-Mail: buchdienst@bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de


Deutsche Umschau 2_2011