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Sie hätte es gerne gesehen, wenn Ludwig Thoma öfter ein Bad genommen und dass er mit seinen Hetzartikeln aufgehört hätte: Maidi von Liebermann, seine Geliebte, die sich allerdings für Thoma nicht scheiden lassen wollte. Foto: Allitera-Verlag/Münchner Stadtbibliothek

Alles andere als herzlich geht es dafür in Thoma‘s Artikel in den kommenden Jahren zu. Ihn hatte die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg verbittert, seine Ansichten wurden zunehmend reaktionärer und auch radikaler. Die Wandlung vom linksliberalen Spötter, wie man ihn aus „Simplicissimus“-Zeiten kennt hin zum Autor bösartiger antisemitischer oder frauenfeindlicher Texte sei aber nicht plötzlich geschehen, wie Autor Michael Skasa schon Anfang der 1990er erklärte. Tatsächlich gab es bei Ludwig Thoma schon einige „Ausrutscher“ vor dem Krieg, die er auch zu Papier gebracht hatte. 1920 und 1921 schrieb Thoma dann im Miesbacher Anzeiger aber regelrechte Hetzartikel– gegen Politiker, Frauenrechtlerinnen und auch gegen Juden. Letzteres mag besonders verwundern, denn 1918 hatte Thoma sich ausgerechnet in eine Frau mit jüdischen Wurzeln verliebt: Marie „Maidi“ von Liebermann. Er bettelte sie mehrmals, ihren Ehemann zu verlassen und zu ihm zu ziehen. Doch im Gegensatz zu Marion wollte Maidi sich nicht scheiden lassen und schon gar nicht mit Thoma auf seinem Landgut dauerhaft wohnen. Außerdem kritisierte sie ihn für seine mangelnde Hygiene und seine schlampige Haushaltsführung. Und sie drängte ihn, mit den Hetzartikeln, in denen er sogar zur Gewalt aufrief, endlich aufzuhören. „Zu diesen Sachen bist du doch zu gut. Schreibe für eine anständige Zeitung. Zu den hinterfotzigen Geschichten würde ich mich nicht hergeben “, bat sie ihn in einem Brief. Trotz allem war Maidi ihm weiterhin sehr verbunden, denn sie erwartet das Zusammentreffen immer sehnsüchtig und drohte ihm scherzhaft in einem Schreiben mit „Watschen und Kussis“ an. Er wiederum soll ihr versprochen haben, mit den Artikeln aufzuhören, wenn sie nur zu ihm in sein Haus am Tegernsee ziehen würde. Ob er tatsächlich Wort gehalten hätte ? Zu einem Zusammenzug der beiden kam es jedenfalls nie, Thoma starb mit nur 54 Jahren im August 1921 an Magenkrebs.

Bayerns Bestes - Ausgabe 11 - Vorschau  

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