Page 32

sitzer Georg David Schulz verheiratet war. Thoma war ganz verzaubert von der hübschen „Marion“, wie er sie nannte, und wollte sie möglichst schnell heiraten und reagierte furchtbar eifersüchtig, wenn andere mit ihr flirteten. 1905 holte er seine Geliebte aus Berlin, denn sie hatte ihren Mann verlassen. Dem Ex-Ehemann Schulz, der zu dieser Zeit in argen finanziellen Schwierigkeiten steckte, zahlt er mehrmals eine Art Schmerzensgeld für dessen „Verlust“ – insgesamt 15 000 Mark. Zwei Jahre später gaben sich Ludwig und „Marion“ das Ja-Wort.

Das Naturwesen mit Kinderlächeln Als Junggeselle hatte Thoma immer wieder wechselnde Affären und Beziehungen, schrieb etwa seiner Bekannten Sarah eine recht vulgäre Postkarte oder war bei einer Ägyptenreise so fasziniert von einer orientalischen Tänzerin, dass seine Freunde ihn kaum überreden konnten, sich von ihr loszureißen. Das änderte sich aber, als es ihn nach München verschlug und er dort seine erste große Lieb traf: Marietta de Rigardo. Thoma betrieb nämlich zunächst eine Rechtsanwaltskanzlei in Dachau und führte einen Doktortitel, der ihm eigentlich nicht zustand, weil er seine Dissertation nicht abgegeben hatte. In Dachau lernte er als Mandanten auch jene Landbevölkerung kennen, die er in seinen Werken so hervorragend beschrieb. Den Dachauer Bauern setzte er mit „Agricola. Bauerngeschichten“ im Jahre 1897 ein literarisches Denkmal. Schreiben galt für Thoma zunächst als Nebenerwerb, doch dann zog er nach München. Unter dem Pseudonym Peter Schlemihl schrieb er dort für den legendären „Simplicissimus“, wurde später sogar Chefredakteur. Er verkehrte in den Kreisen der Schwabinger Bohème und begegnet dort der schönen Tänzerin Marietta di Rigardo, die philippinische Wurzeln hatte und zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Kabarettbe-

Doch das „Naturwesen mit dem Kinderlächeln“ war bald enttäuscht von einem Leben mit Ludwig Thoma. Während der frisch gebackene Ehemann zufrieden in seinem luxuriösem Landhaus (450 Quadratmeter Wohnfläche und eigener Tennisplatz) am Tegernsee war und wochenlange Jagdausflüge genoss, langweilte sich die Lebefrau Marietta tödlich in der ländlichen Umgebung . Sie reiste viel und betrog ihren Gatten schließlich – die Ehe wurde 1911 geschieden. Thoma gesteht sich in einem Brief an Freunde ein: „Ich war in meiner Ehe ein Oberlehrer und Grantlhuber und habe ihre Zärtlichkeit abgewehrt, bis sie erstickte“, schrieb er. „Jetzt bin ich als freier Mensch ihr herzlicher Freund“.

Bayerns Bestes - Ausgabe 11 - Vorschau  

Die heimlichen Herrscher Bayerns - stammen sie aus Niederbayern? Außerdem Thema: München und seine Maximilianstraße, Ludwig Thoma und die Fr...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you