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TITELGESCHICHTE

Aller Anfang ist schwer. Ging auch mal was daneben? Ich hatte mal einen Auftritt bei einer Versicherungsgesellschaft. Die Leute lachten nicht einmal beim „Bodysuit“ – ansonsten eine ganz sichere Nummer. Ich war wirklich verzweifelt, weil überhaupt keiner lachte. Am Ende kam ein älterer Herr auf mich zu und meinte: „So ein toller Abend. Ich habe mich noch nie so gut amüsiert“. So erlebte ich das erste Mal den Typ Zuschauer, der „innerlich lacht“. Aber so richtig daneben gegangen ist noch nie etwas. Freilich gab es einen Veranstalter, der nicht, wie vereinbart, das gesamte Equipment bereitstellte und nicht mal eine Bühne und Strahler hatte. Aber das war Gott sei Dank in der Nähe und wir konnten noch unser Equipment holen. Firmenveranstaltungen, auf denen die Mitarbeiter ihre Kinder mitbringen dürfen, sind immer eine Herausforderung. Vor allem, wenn die Kinder zu dir auf die Bühne wollen. Ein lustiger Auftritt war auch bei der Polizei-Gewerkschaft der Frauen in Ingolstadt. Hier erzählte ich nach meinem Auftritt den Polizistinnen mein Erlebnis bei einer Alkoholkontrolle mit einem Polizisten. Die Zuschauerinnen meinten dann später: „Die ist ja wirklich so – die spielt nicht auf der Bühne.“ Welche Nummer zieht immer? Es ist unterschiedlich. Bei manchen kommt der „Bodysuit“ gut an. Das ist die Szene, in der ich ein schlankmachendes Dessous anziehe. Bei den anderen kommt eher die resolute Großbäuerin Gerlinde an, die sich bei der Yogaübung „der sterbende Hund“ unsterblich blamiert. Besondere Erlebnisse bei Veranstaltungen? Umkleiden: Von der ungeheizten Abstellkammer als Umkleide über ein 1 x 1 m großes Büro zum Umziehen bis zur „Luxus-Umkleide“ mit Sekt, Kaffee und frischem Obst habe ich alles erlebt. Es ist schon ein Erlebnis, wenn man im „Schlachthof“ oder in der „Neuen Welt“ in der gleichen Garderobe ist wie Stars wie Martina Schwarzmann und Monika Gruber. Der Auftritt im „Schlachthof“: Hierzu fuhr sogar ein „Fanbus“ von meiner Heimat nach München, um „unsere Michaela“ zu unterstützen. Bei meinem Auftritt als die Aishee, Bauchtänzerin aus 1001 Nacht, habe ich am Anfang immer die Männer angetanzt und ihnen durchs Haar „gewuschelt“. Seit ich bei einem Auftritt ein Toupet in der Hand hatte, halte ich mich da zurück.

Oder bei einem Auftritt in der Nähe von Deggendorf meinte in der Pause ein älterer Herr zum Musiker „Wo bleibt denn jetzt die Hafner Michaela. Wann tritt denn die endlich auf?“ Im ersten Teil meines Kabaretts „Ois Guade Opa“ trete ich als Bauchtänzerin mit einer dunklen Perücke auf und sehe nicht so aus, wie auf den Plakaten. Kennen Sie Lampenfieber? In den letzten 5 Jahren habe ich an mir selber eine große Veränderung erlebt. Ich kann jetzt vor dem Auftritt mit den Leuten sprechen. Am Anfang konnte ich mit keinem vorher reden – so aufgeregt war ich, ein Häufchen Elend. Jetzt ist es schon so, dass ich sogar beim Aufbau helfen kann und nicht mehr wie gelähmt rumstehe und mich auch mit den Leuten unterhalte. Lesen Sie Kritiken? Natürlich lese ich die Kritiken und bin auch dankbar dafür, denn nur durch die Reflektion der Zuschauer und auch der Kritiker kann man sich weiterentwickeln. Ein Kabarettprogramm lebt. Bei einem Auftritt wurde mir nach der Aufführung gesagt, dass man mir den „Respekt“ vor dieser Bühne anmerkte und meine Abmoderation schöner und lustiger gewesen sei als das Programm selber. So etwas nehme ich mir schon zu Herzen und versuche, das dann in Zukunft umzusetzen. Mein schlimmster Kritiker bin ich jedoch selber: Michaela Hafner – ein „Tüpferlscheißer“ hoch 10. Das neue Programm? Meine neues Programm liegt bereits fertig geschrieben in der Schublade. Es geht wieder um ein Lebensereignis: „Der Junggesellinenabschied der besten Freundin“. Ich bin im neuen Stück die Vroni, die beste Freundin der Braut. Ich präsentiere den alltäglichen Wahnsinn im Leben. Mehr will ich dazu jedoch nicht verraten. Termin steht noch kein genauer fest, da ich neben meiner Berufung als Kabarettistin auch noch einer „seriösen Tätigkeit“ nachgehe. Aber auf alle Fälle wird die Premiere im Sudhaus in Schwarzach bei KIS-Kultur stattfinden – in der Heimat meines Regisseurs. Denn ohne Wolfgang Folger wäre ich nicht die Kabarettistin aus Niederbayern, die ich heute bin. (hk)

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