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BAYERN 3 Seit über einem halben Jahrhundert wird der Passion Christi in Berching in der Oberpfalz auf besondere Weise gedacht. Im Jahr 1516 wurde durch Leonhard Griessel die „Angst“, eine „Andacht zur Agonie, zur Todesangst Jesu Christi am Ölberg“ gestiftet. Aus der Andacht wurde im Lauf der Zeit ein Ölbergspiel, bei dem Spielszenen das Geschehen im Garten Getsemani anschaulich darstellten und es auch heute wieder tun. Zwischendurch gab es Verbote, Änderungen und Ortswechsel. Aber die Berchinger, sie blieben ihrer Ölbergandacht treu. So schrieb Ende des 19. Jahrhunderts der Berchinger Chronist August Haberlander: „Wer dieses Hinsinken des blutschwitzenden Heilandes zum ersten Mal sah, konnte sich der Tränen nicht erwehren.“ Die Ölbergandachten in der St. Lorenz Kirche beginnen traditionell mit dem Rosenkranzgebet und der Möglichkeit zur Beichte, danach folgt die Ölbergpredigt (früher „Pfinsta“-Predigt). Nach der Predigt beginnt das ergreifende Ölbergspiel, im Chorraum ist eigens dafür eine große Bühne aufgebaut. Der Chor singt das Einleitungslied, es erscheint der Engel dreimal dem knieenden Heiland, beim dritten Mal übergibt der Engel ihm den Kelch des Heiles. Weiterhin senkt sich ein leuchtendes Kreuz und drückt den Heiland symbolisch zu Boden. Das dreimalige Erscheinen des Engels wird mit alten Wechselgesängen von den Darstellern und dem Chor untermalt. Eine kurze eucharistische Andacht mit Segen beschließt jede Ölbergandacht, die immer am Donnerstag während der Fastenzeit stattfindet. (ma)

Die Ölbergandacht in Berching

Foto: Stadt Berching

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