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54 Robotik

»Baxter« nennt sich dieser kollaborative Roboter von Rethink Robotics – mit seinen beiden Armen und dem zentralen Display zeigt er humanoide Züge.

den  nächsten Jahren geradezu explodieren. Gemeint sind damit nicht nur die Fabrikrobo­ ter, von denen 2018 weltweit 2,3 Millionen Exemplare schrauben, schweißen, fügen, ­lackieren oder transportieren sollen. Es geht dabei vor allem um Serviceroboter wie den »Care-O-bot 4« oder um die kollaborativen Roboter, die gemeinsam mit dem mensch­ lichen Kollegen arbeiten sollen. Die Interna­ tional Federation of Robotics (IFR) schätzt das Heer der Serviceroboter im Jahre 2018 auf weltweit 50 Millionen. Dazu gehören eher simple autonome Staubsauger, aber auch komplexe Pflegeroboter. Denn fast alle tech­ nologisch orientierten Gesellschaften haben ein demo­grafisches Problem, besonders Japan altert rasant. Japanische Forscher postulieren daher schon heute, dass künftig die physi­ sche und mentale Roboterhilfe unverzichtbar sei. Hierzulande sind spezielle Pflegeroboter noch kein offizielles Thema, wohl aber zahl­ reiche andere Anwendungen.

Parken, saugen, operieren So verstaut am Düsseldorfer Flughafen der Parkroboter »Ray« selbstständig Autos platz­ sparend und ökonomisch. Entwickelt hat ihn das Grabenstätter Unternehmen S­ erva, ge­ staltet wurde er von der Design­ agentur ­Lumod aus Baiern. Auch in der Landwirt­ schaft, im Bauwesen, selbst in der Küche, der Logistik, in der Medizin und im Verkehrswe­ sen stehen Roboter in den Startlöchern – vom fragwürdigen militärischen Einsatz ganz ab­ gesehen. Selbst autonome Autos sind im Grunde Roboter mit extrem starken kogniti­ ven Fähigkeiten. Je leistungsfähiger die Hard­

ligent, weil sie lediglich antrainierte Abläufe repetieren, diese aber nicht selbst entwickeln können. Das soll die Künstliche Intelligenz bald ändern, mit denen die Maschinen zu mehr Eigenständigkeit gelangen. Auch der »Care-O-bot 4« wird davon profitieren, weil er dann schnell auf neue Situationen reagieren kann, Gewohnheiten seiner menschlichen Partner erlernt, Stimmungen erkennt und sich entsprechend verhält.

150 Kilogramm schwer, mannshoch und hydraulisch angetrieben, versprüht der Roboter »Atlas« von Boston Dynamics den

Charme einer Kampfmaschine.

ware wird, je genauer, kleiner sowie preis­ werter die Sensoren und etablierter die neuronalen Netze mit selbstlernenden Algo­ rithmen werden, umso mehr Aufgaben kön­ nen Roboter zuverlässig übernehmen. Auch solche, die nicht auf Standard-Situationen basieren, sondern individuelle Entscheidun­ gen verlangen. Darin unterscheiden sich denn auch die Roboter der nächsten Generation von ihren Kollegen, den wirbelnden Industrie­ robotern. Letztere sind im Grunde wenig intel­

Der Mensch als MaSSstab? Dabei ist eine Frage nach wie vor offen: Wie menschlich muss oder darf ein Roboter sein? Muss ein Serviceroboter wie ein Butler auf zwei Beinen daherkommen und die mensch­ liche Physiognomie nachahmen? Phoenix ­Design hat die Frage mit einem klaren »Nein« beantwortet; der »Care-O-bot 4« ist definitiv nicht humanoid, auch wenn er mit den ange­ deuteten Augen und den Armen, auch End­ aktuatoren genannt, durchaus Anleihen beim Menschen nimmt. Er bleibt aber eigenstän­ dig, als Maschine erkennbar, wenn auch als sympathische und hilfreiche Maschine. Der Gegenansatz zeigt »Asimo«, der l­egendäre, 1,3 Meter große Humanoide, den Honda be­ reits im Jahr 2000 präsentierte. ­Solche Robo­ ter-Konzepte sorgten für mehr Akzeptanz, leichtere Interaktion und vielseitigere Ver­ wendung – sagen die Befürworter dieses An­ satzes. Und weil das aufrechte Gehen die komplexeste Fortbewegungsart schlechthin ist, bleibt es oft beim teilhumanoiden Ausse­ hen: »Pepper« von Softbank ­Robotics hat ein­ deutig menschliche Züge, doch es fehlen die Beine. Stattdessen rollt er auf einem absurd

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