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24 Selbstoptimierung

Immer alles im Blick

Und, als aufgeklärter Mensch sei man schließ­ lich für seine eigene Gesundheit, seine kör­ perliche und geistige Fitness sowie für sein eigenes Glück selbst verantwortlich. In den Medien hätte er davon gehört, dass Krankenkassen darüber nachdächten, ein ­Bonussystem für besonders aktive Mitglieder (die ihre selbst generierten Daten uneinge­ schränkt zur Verfügung stellen!) einzuführen. Nachfragen ob der Datensicherheit wischte er mit einer flapsigen Geste beiseite. Denn, so argumentierte er, für die, die sich ausreichend bewegen, bestünde ja sowieso keine Gefahr. All diejenigen, die sich dennoch kritisch äu­ ßerten, stempelte er als tradiert und wenig zukunftsbezogen ab. Vielmehr fing er an aufzuzählen, welche schier unbegrenzten Möglichkeiten der Selbst­ optimierung uns heute schon zur Verfügung stünden. So gäbe es neben gewöhnlichen Wearables wie Smart Watches, Fitnessarm­

bändern etc. auch progressivere Wearables, die durch sensible Stromstöße über die ­Schläfe das Gehirn stimulieren und zur Ent­ spannung verhelfen würden. Er könne sich gar vorstellen, die Vorteile des Biohackings für sich zu nutzen. Hierbei würde der eigene Körper durch externe Eingriffe wie bspw. Implantate erweitert und optimiert. Sein ­ nicht enden wollender Monolog fand seinen ­Höhepunkt in der Beschreibung eines im­ plantierten Chips, der seinem Nutzer Stoff­ wechseldaten übermittelt und gleichzeitig Ernährungstipps gibt. Just in diesem Moment kam der Kellner an unseren Tisch und unter­ brach jäh seine ­ Vision vom smarten Ich. »Darf´s noch was sein?« Unmittelbar, nachdem wir alle ein Helles bestellt hatten, vermerkte unser Freund sein Bier in einer App. Eine computergenerierte Stimme auf seinem Smartphone teilte ihm prompt emotionslos mit, dieses Bier sei eines

zu viel und würde seinem Tagesziel zuwider­ laufen. Angesäuert schaltete er sein Smart­ phone aus, legte es beiseite. Mit einem schel­ mischen Grinsen konstatierte er: »Meine Apps müssen ja nicht alles wissen.« Nach kurzem Gelächter fragten wir uns letztlich, wie ein solcher Abend auch weiter­ hin »unter uns« bleiben könne, wenn einer von uns tatsächlich einen solchen, wie von unserem Freund beschriebenen, Chip im­ plantiert hätte. Schnell fanden wir Konsens, indem wir uns damit beruhigten, dass wir dies klären würden, wenn es denn so weit ­gekommen sein würde … ◆

MAG 2017  

DAS MAGAZIN ZUR MUNICH CREATIVE BUSINESS WEEK - Design connects. The Smart Revolution Smart steht stellvertretend für alles, was die Digital...

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