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20 Partnerland SüdKorea selbst: Während wir in Europa im September 2016 noch über den flächenweiten, freien W-Lan-Zugang diskutieren, ist der Datenflow in Korea seit Beginn der 1990er Jahre längst Realität – 2012 überschritt die Zahl der Smart­ phone-Nutzer die 30-Millionen-Marke.

Die 1992 von Lee Kun-hee, dem Sohn des F­irmengründers von Samsung verlesene, 200-seitige »Frankfurter Deklaration« stellte erstmals entsprechende Forderungen für die koreanische Industrie auf. Sein Fazit lautete damals angesichts der Erfolge von Porsche und BMW und der Verluste von AEG und ­Telefunken: »Klasse statt Masse« und »mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein an die Weltspitze«. Dies scheint mit der Verbindung der beiden lebendigen Parallelwelten Kunst­ handwerk und Design gelungen. Die Suche nach der einfachen Schönheit in einem alltäg­ lichen Produkt zeichnet heute das koreani­ sches Design aus – eine Qualität, die andere

Designinnovationen wie die Curved-OLEDTVs von Samsung und LG werden unter dem Herstellernamen oder – wie bei dem Modell Serif-TV – unter dem Namen der Entwerfer promoted, der Brüder Ronan und Erwan ­Bouroullec. »Made in Korea« liest man nicht. Koreanische Produkte erkennt man erst auf den zweiten Blick, oft aber auch gar nicht.

samsung Drei Sterne

8.

Noch fehlt auch das marketingträchtige K_DESIGN in der Auflistung der vom korea­ nischen Tourismusverband prolongierten trendigen Schlüsselwörter für junge Mode, modernes Essen oder die für die pan-asiati­ sche Jugend zur Leitkultur gewordene Musik: K_POP, K_FOOD, K_STYLE. Dabei hat mit dem 2014 nach fünfjähriger Bauzeit fertig ­gestellten Dongdaemun Design Plaza & Park (DDP) von Zaha Hadid Architects das K_Design längst Einzug in die koreanische Hauptstadt gehalten. DDP ist es mit zu ver­ danken, dass 2010 die Ernennung Seouls zum World Capital of Design gelang.

9.

Hyundai Modernes Zeitalter

10.

Die »Preußen Asiens«, wie die Koreaner we­ gen ihres Fleißes und ihres Perfektionismus auch genannt werden, haben für sich längst den hohen Nutzen ihrer eigenen Handwerks­ traditionen entdeckt und übertragen diese auf das Industrial Design. Wir sind fasziniert von den sublimen Porzellanobjekten eines Kap Sun Hwang, Leiter der Keramikklasse am College of Fine Arts der National Universität in Seoul und berühmt für seine porzellan-­ technologischen Untersuchungen. Oder von den weich geformten Metallgefäßen eines Kim Sang-woo und Kim Dong-hyun, die auf den ersten Blick verschweigen, dass sie hand­ geschmiedet sind. Bereits in den 1980er-Jah­ ren fertigten designorientierte Firmen wie

Swid Powell ihre Metallwaren in Korea. Glei­ ches gilt für die Tischleuchte »Amuleto« ­Alessandro Mendinis, die er 2010 entwarf. Die von ihm gegründete Firma Ramun mit Sitz in Korea lässt die Leuchte bei Daeyoung One aus Gongdan-Dong pro­duzieren, die im Automobilbereich für ihren p ­ räzisen Formen­ bau bekannt ist. Zarte, aus ungewöhnlichen Materialien und mit hoher handwerklicher Perfektion gearbeitete Schmuckobjekte von Inkyoung Hwang, Lee Dong Chun, Junwon Jung und einer Eun M ­ i Chun führen uns in eine andere Dimension, die aufgrund ihrer ­Innovation ihresgleichen sucht.

Designnationen verloren haben und die mit dazu beigetragen hat, dass Korea heute zu einer Leitkultur Asiens geworden ist. ◆

8. Sol Yoon Schale »Variation 2009_17«, 2009 9. Eun Mi Chun Halsschmuck, 2006 10. Lee Dong Chun Halsschmuck, 1997

MAG 2017  

DAS MAGAZIN ZUR MUNICH CREATIVE BUSINESS WEEK - Design connects. The Smart Revolution Smart steht stellvertretend für alles, was die Digital...

MAG 2017  

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