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Und es ist sehr wichtig, dass die Stadt und der Bürgermeister hinter dem I-KU und den Projekten stehen, sich mit Beiträgen und Vorworten in Dokumentationen beteiligen und auch handfest mithelfen, wie zum Beispiel auf dem Weinberg bei Rebschnitt und Lese. Das heißt, der Bürgermeister steht hinter den Aktivitäten des I-KU? Karsten Wittke: Wir machen Stadtmarketing, ohne dass es die Stadt viele Euros kostet. Die Stadt Baruth ist nicht nur der Ort der Aktionen, auch der Name der Stadt ist im Titel der Projekte immer dabei. Das ist für beide Seiten ein wunderbarer Mehrwert und ohne diese Zusammenarbeit wären wir bestimmt nicht so gerne in Baruth tätig. Von 1997 bis 2004 waren Sie im Kunst- und Kulturverein Alte Schule Baruth aktiv. Ich möchte hier nur einige Projekte aufzählen: Die Entdeckung der Freizeit (1998), Stadt Land im Fluss (2000), Vor Ort (2002), Schöner Ort Nirgendwo (2004) etc. Seit 2004 arbeiten Sie für das I-KU ebenfalls an Projekten zum ländlichen Raum und sind Mitorganisator der „Baruther Gespräche“, die 2012 zum dritten Mal abgehalten wurden. Welche Schlüsselmomente gab es für Sie im Lauf der vergangenen Jahre? Karsten Wittke: Das ist ein gute Frage. Es gab zwei Schlüsselerlebnisse, die unsere Arbeit ganz wesentlich bereichert und geprägt haben. Das erste war im Jahr 2004, als im Zuge des Projekts „Schöner Ort Nirgendwo“ einige Projekte im Lenné-Park und in der angrenzenden Ruine des alten Schlosses, im sogenannten Frauenhaus, gemacht wurden. Das Frauenhaus war ein riesiger Leerstand und völlig baufällig. Seit Jahrzehnten passierte dort nichts mehr und manche wollten es eigentlich abreißen lassen. Wir hatten die Idee, eine Ausstellung zu organisieren und die Stadt hat gesagt: „Macht das einfach!“ Mit einfachen und provisorischen Mitteln entstand ein wirklich cooler Raum, der ein Jahr lang bespielt wurde. Viele Besucher kamen und alle waren von der Stimmung begeistert. Diese Ausstellung hat meine Einstellung verändert und sagte mir, in welche Richtung die künftige Arbeit gehen kann. Nicht mehr jedes Jahr eine Kunstausstellung, nicht kommen und etwas machen und dann wieder verschwinden, sondern zuerst genau hinschauen und beobachten, was da ist und wie es funktioniert. Und dann Dinge umsetzen. Was zählt, sind Taten, nicht Papie-

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Roggenkörner von einem lokalen Saatgutbetrieb, die streifenförmige Struktur von Saatguttestfeldern und die Gebäude des Ortsteils als Hintergrund waren die Motive für die Gestaltung der neuen Bushaltestellen im Ortsteil Petkus. Bei der Gestaltung der Glasplatten wurden Bilder von Roggenkörnern auf Folien gedruckt und gemeinsam mit Farbfolien zwischen den Glasscheiben einlaminiert. Als Materialien wurden Lärchenholz, Verbundsicherheitsglas und einbrennlackierte Stahlkonstruktionen verwendet. (Gestaltung: Arge atelier 8 und Karsten Wittke)

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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