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Die Grundlage des qualitativ hochwertigen baukulturellen Schaffens in Biberach ist die beständige Auseinandersetzung mit dem Stadtraum. Über drei Jahrzehnte lang wurde ein intensiver Diskurs geführt, der sich vor allem der zukunftsfähigen Entwicklung und Umsetzung von qualitätsvollen Projekten in der Altstadt widmete. Das Ziel war dabei, die öffentlichen und die privaten Bauherren zu hochwertigen Lösungen hinzuführen, die das historische Erbe und das zeitgenössische Gestalten in überzeugender Weise zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen. Die wesentlichsten neun Werkzeuge und Methoden, mit denen die Bauverwaltung das Bauen zu Höchstleistungen führt, sind:

1. Klare Regeln in der historischen Stadt Ende der 1970er-Jahre begann, unterstützt durch Bundesförderungsmittel, eine behutsame Stadtkernerneuerung, die bis heute andauert.2 Das Ziel ist die Stärkung der Vitalität des historischen Stadtkerns. In diesem kontinuierlichen Erneuerungsprozess spielte die systematische und frühzeitige Einbindung der Bürgerinnen und Bürger – insbesondere bei den Gestaltungsmaßnahmen im öffentlichen Raum – eine wichtige Rolle. Für die Altstadt wurde 1978 eine Sanierungssatzung beschlossen. Klare Ziele, Planungssicherheit und Ordnungsmaßnahmen wirkten als Anreiz für Handel, Gewerbe und Private, zu investieren. Rahmensetzende Gebietstypenpläne und ein Wohn- und Einzelhandelskonzept wurden erfolgreich umgesetzt und sind vom Zentrum bis zum Stadtrand spürbar. Handel soll vorwiegend im Zentrum bleiben. Den Ring säumend und an den zum zentralen Marktplatz hin orientierten Verbindungsstraßen wie auch an kleineren Plätzen befinden sich zumeist im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss Einzelhandel, Gastronomie und Kleingewerbe. Größere Handelsflächen, die zuweilen auch zwei oder drei Immobilien umfassen, Kleinhotellerie, öffentliche und privatwirtschaftliche Verwaltungsgebäude sowie Kulturbauten beanspruchen in der Regel alle Gebäudeebenen. Bildungs- und Infrastrukturbauten wie Bahnhof und Parkhäuser befinden sich größtenteils am oder direkt außerhalb des Rings. Wohnnutzung findet man in der zweiten Reihe und in den oberen Geschossen der Altstadt.

„Durch die subtile Einpassung in das Umfeld und sehr attraktive Wohnungen mit ebensolchen Freiräumen ist dieses Wohngebäude auch heute noch eine wichtige Referenz für qualitätsvolles, zeitgenössisches Wohnen in der Altstadt von Biberach“, beschreibt Baubürgermeister Christian Kuhlmann den 2001 fertiggestellten Bau in der Justinus-Heinrich-Knecht-Straße. (Planung: Gurland+Seher Architekten)

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Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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