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Schritt weitergegangen ist und selbst innerhalb seiner Gemeinde ein eigenes Förderprogramm unter dem Titel „Bauen im Ortskern“ für innovative Projekte im Ortszentrum ausgeschrieben hat. Das Programm wird vor allem als Impulsgeber, Beratungs- und Bewusstseinsbildungsprogramm gesehen. Hier geht es nur um wenig Geld, aber jeder einzelne private Bauherr war über eine professionelle Beratung und eine geringe finanzielle Unterstützung froh, und dadurch konnten Investitionen im Faktor 1:40 erreicht werden – das heißt: ein Euro Förderung zog 40 Euro an Investitionen nach sich. Insgesamt wäre es für die Zukunftsentwicklung des ländlichen Raums wünschenswert, qualitätsvolle Baukultur über öffentliche Förderungen zu forcieren und damit Investitionsanreize zu schaffen.

Helmut Rosskopf von der Jesus-Bruderschaft Volkenroda ist im Brotberuf Unternehmer und sorgt mit seiner Firma für mehr als 100 Arbeitsplätze innerhalb der Region.

Nach der Schaffensphase sollte ausgiebig darüber geredet werden Gelungene Baukulturprojekte haben Vorbildwirkung und motivieren andere, auch diesen Weg zu beschreiten. Insbesondere wenn die Projekte überregional durch Vorträge präsentiert oder wenn sie mit Preisen ausgezeichnet werden, wie dies in nahezu allen neun betrachteten Gemeinden bzw. Initiativen der Fall war, ist die Vorbildwirkung durch die mediale Präsenz zusätzlich gesteigert. Gleichzeitig bedeutet dies eine wichtige Wertschätzung der Arbeit, die ja oft über Jahre kontinuierlich stattfindet und im Ort nicht gleich auf Zustimmung stößt. Der Einsatz für Baukultur benötigt Ausdauer; Anerkennung ist eine große Motivation. Wenn Bürgermeister Michael Pelzer aus der Gemeinde Weyarn bei seinen nationalen und internationalen Vorträgen über die engagierte Bodenpolitik, das alternative Bürgerbeteiligungsmodell und die daraus entstandenen, qualitätsvollen Projekte erzählt, dann ist er durch das positive Feedback der Zuhörer natürlich stolz auf das Erreichte und auch motiviert, neue Projekte zu starten. Gleichzeitig bringt diese zusätzliche mediale Aufmerksamkeit auch eine kostenlosen Marketingarbeit für die Gemeinde.

Baukultur schafft Lebensqualität Baukultur schafft und sichert Lebensqualität sowie zukunftsfähige, hochwertige und gemeindebezogene Arbeitsplätze und stellt einen wichtigen Motor für die Ankurbelung der regionalen Wirtschaft dar. Wie das Beispiel Volkenroda zeigt, ist es durch Bruder Helmut, einem wesentlichen Protagonisten der in Volkenroda tätigen Bruderschaft, auch zur Gründung einer

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Bürgermeister Michael Pelzer im Gemeindeamt der „Bürgerkommune“ Weyarn. Ausgehend von Projekten in der Dorferneuerung wird in der bayerischen Gemeinde seit über 20 Jahren Bürgerbeteiligung praktiziert und seither immer wieder weiterentwickelt. Mehrere Hundert Menschen, also ca. jeder sechste Einwohner, sind in Arbeitskreisen oder Vereinen aktiv in die Gemeindeentwicklung involviert.

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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