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davon, wie die Experimente von den Beteiligten subjektiv erlebt werden, so kann auf dieser Maßstabsebene doch nie ein Ausbruch aus der „konkreten Totalität“ der herrschenden Verhältnisse gelingen.19 Doch gerade der Reiz des „anderen“ oder der Reiz von Orten, an denen nichts oder nicht viel passiert, ist es vielleicht, der den utopischen „Möglichkeitssinn“ erzeugt, einen ersten Funken, ein Feuer, einen Flug, einen Bauwillen und bewußten Utopismus, der die Wirklichkeit nicht scheut, wohl aber als Aufgabe und Erfindung behandelt.20 Wer ihn [den Möglichkeitssinn] besitzt, sagt beispielsweise nicht: hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muß geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte, müßte geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.21

http://bkult.de/de_DE/527.sollen_wir_den_laendlichen_raum_aufgeben/ (letzter Zugriff am 6.2.2013) 2 Nichts bleibt, wie es ist. Faktum ist vielmehr, dass sich […] die Voraussetzungen und Bedingungen für das Leben auf dem Land ändern, nur werden sie nicht in demselben Maße wahrgenommen und kommentiert wie in der Stadt. Kein Wunder, seit jeher war nicht das Land, sondern die Stadt Anlass für ein Weiterdenken, für waghalsige Entwürfe, weitschweifige Theorien und kühne Fiktionen. Sabine Pollak: Die Freuden des Landlebens. Mögliche Handlungsanweisungen. in: Sabine Pollak (Hg.): Die Freuden des Landlebens. Zur Zukunft des ruralen Wohnens. Wien 2011, S. 10 3 Erich Raith: Das Land gibt es nicht mehr. in: LandLuft (Hg.): Baukulturgemeinde-Preis 2009. Wien 2009, S. 13 4 Der klaren Botschaft „Schrumpfung“ hinkt die Entwicklung einer angemessenen Raumentwicklungspolitik noch hinterher. […] Krisen sind nicht identifikationsfähig, und so ist es für viele politisch Verantwortliche naheliegend, erst einmal abzuwarten. Immerhin geht es um Handlungsfelder, für die man in der jeweils laufenden Legislaturperiode eher Ärger als Lob erhalten kann. Als Landrat verweist man doch lieber auf die Akquise von einigen Millionen Euro Fördergeldern aus EU-Mitteln, als sich zum Befürworter von Infrastrukturabbau oder räumlichen Konzentrationsprozessen zulasten kleiner Dörfer zu machen. Entsprechend schwierig ist es auch für Mitarbeiter der planenden Verwaltung, Rückhalt für Projekte und Konzepte zum demografischen Wandel zu gewinnen, die über laufende Förderprogramme hinausgehen. Jürgen Aring: Gleichwertige Lebensverhältnisse – Inverse frontiers – Selbstverantwortungsräume. in: Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr Sachsen Anhalt (Hg.): Ausstellungskatalog: Bauausstellung Stadtumbau Sachsen Anhalt 2010, Weniger ist Zukunft. 19 Städte – 19 Themen. Berlin 2010, S. 765 http://bfag-aring.de/pdf-dokumente/Aring_2010_IBA Selbstverantwortungsraeume.pdf (letzter Zugriff am 20.2.2013) 5 Alfons Dworsky: Raummodelle im Wandel. Regionale Baukultur, Bonn 2010, S. 52 6 http://www.bbsr.bund.de/cln_032/nn_1067638/BBSR/DE/Raumbeobachtung/Raumabgrenzungen/Kreistypen4/kreistypen.html 1

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Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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