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Der Teeladen ist mittlerweile in ein etwas größeres Haus an der gegenüberliegenden Straßenseite gezogen; in der Nachbarschaft konnten sich auch ein Biolebensmittelgeschäft und zwei Floristinnen etablieren. Für die meisten Mieterinnen ist die Selbstständigkeit allerdings nur ein Nebenverdienst.

Aus der Halle wurde ein großzügiger, zum Hof hin raumhoch verglaster Salon.

Was waren die ersten Reaktionen im Umfeld auf das Projekt? Und wie wird es heute wahrgenommen? Sabine Wyrwoll: In der Gemeinde wurden wir anfangs als „spinnerte Weiber“ eher belächelt. Mittlerweile findet das Projekt aber immer mehr Anklang in der Bevölkerung und auch in der Verwaltung. Eine besonders positive Erfahrung war der Tag des offenen Denkmals im Jahr 2007. Da konnten sowohl die Kirche in Leiferde als auch unser Hof besichtigt werden und der Auftritt des Männerchors bracht auch bei den Männern im Ort Anerkennung. Durch den Kontakt zur Kirche wurden wir mit der Sanierung der alten Schule und deren Umbau zum Jugend- und Gemeindezentrum beauftragt und hatten somit eine interessante, kleine Bauaufgabe direkt im Ort. Claudia Klement: Seit 2010 veranstalten wir einmal im Monat einen Markt mit regionalen Produkten, was viel zur Bekanntheit des Projekts in der Region beigetragen hat. Da wird dann auch von den Frauen aus unserem Projekt ein Kaffeetreff mit selbst gebackenen Kuchen angeboten. Kaffeetrinken ist ja ein besonderes Problem auf dem Land: Bei den Älteren wird ein Kaffeehausbesuch als teures Vergnügen angesehen. So wurden wir mit den relativ niederschwelligen Angeboten ein beliebter Treffpunkt für Seniorinnen und Senioren, woran wir am Anfang eigentlich gar nicht gedacht hatten. Das klingt nach viel ehrenamtlichem Engagement. Wird das Projekt auch von öffentlichen Stellen finanziell gefördert? Sabine Wyrwoll: Offizielle Fördermittel hat der Verein bisher leider kaum erhalten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der UNSAhof nicht klar in eine Förderschiene einordenbar ist und sich deshalb manche Institutionen schwertun, uns zu unterstützen. Es gibt zwar zum Beispiel Programme, die auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt ausgerichtet sind, aber die haben eher die Eingliederung von Frauen in Betriebe im Auge als

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Architektin Claudia Klement

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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