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und hat es zu einer Herzensangelegenheit gemacht. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der noch stärkeres Gewicht auf die ästhetische und freiraumplanerische Gestaltung legte, rückten bei ihr die gesamte Zukunft eines Dorfs, die demografische Entwicklung und eine neue Prozessgestaltung in der Bürgereinbeziehung stärker in den Fokus. Wir sprechen mittlerweile besonders die Kinder, die Jugend, die Frauen, die Migranten an und laden sie viel intensiver zum Mitarbeiten ein. Durch Frau Schröteler-von Brandt ist die Auseinandersetzung mit der Zukunft der Dörfer differenzierter und ganzheitlicher geworden. Sie ist mit uns gewachsen und wir mit ihr. In vielen Vorträgen von ihr wird Burbach als herausragendes Beispiel für die frühzeitige, ganzheitliche und nachhaltige Behandlung des Themas „Stärkung der Ortskerne“ vor dem Hintergrund des demografischen Wandels besonders erwähnt. Wenn es in den Studienplan passt, entstehen auch immer wieder neue Studentenprojekte. Christoph Ewers: Vor allem die Arbeiten rund um die Thematik „Bauen im Bestand“ hat das eine oder andere Potenzial für die Bauherren aufgezeigt, was im Zentrum doch alles an Weiterbauen und räumlicher Steigerung der Wohnqualität möglich ist. Hier gab es viele Modelle zum Begutachten, da wird alles viel leichter greifbar. Wir sitzen für dieses Interview hier im Gemeindeamt, das in einer Villa am Ortsrand angesiedelt ist. Warum ist es nicht im Zentrum des Ortes? Christoph Ewers: Das Rathaus ist keine Villa, sondern war immer das Rathaus und wurde 1903 gebaut. Es ist das Nachfolgegebäude des ehemaligen „Amtshauses“, welches ebenfalls hier in der Nachbarschaft am Dorfrand stand und zu klein geworden war. Nachdem früher die „Alte Vogtei“ mitten im Ort sowohl Sitz der Rechtsprechung als auch der Exekutive war, ist mit der Ansiedlung des Amtshauses und damit der Verwaltung an einem Ortsrand und der Ansiedlung des Gerichtsgebäudes an dem gegenüberliegenden Dorfrand die preußische Gewaltenteilung auch räumlich dargestellt worden – eigentlich ein schönes Symbol unseres modernen demokratischen Staatsverständnisses. Der Mittelpunkt des Dorfes gehört jetzt mit Bürgerhaus, Dorfplatz, Geschäften und Museum dem Gemeinschaftsleben der

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Die viel beachtete Holzbrücke im Ortsteil Niederdresselndorf (Planung: Ingenieurbüro Bauart, Lauterbach, 2005)

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

Baukultur in ländlichen Räumen  

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholun...

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