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bauhausstadt zeitung zur ausstellung im bauhaus dessau 6. dezember 2009 bis 7. märz 2010

Collage: Tobias Steinert, 2009

Dessau-Roßlau erbt modern Die Ausstellung im Bauhaus zeigt, wie die Stadt zwischen Vergangenheit und Zukunft nach einer neuen Identität sucht Ist Dessau-Roßlau eine Bauhausstadt? Für den internationalen Besucher mutet die Frage seltsam an, denn es ist vor allem das weltweit bekannte Bauhaus, für das sich architekturbegeisterte Touristen hierher begeben. Dabei war die Stadt nur kurze Zeit ein progressiver Nährboden für die Etablierung der international renommierten Avantgardeschule. Während die Bauhausmeister und -Schüler diesen Ort mit in die Welt nahmen, nach Cambridge, Chicago, Moskau oder Mexiko City, erfuhr das Bauhaus in Dessau unterschiedlichste Nutzungen; als Hausfrauenschule, Krankenhaus, Berufsschule, Museum und Kulturort. Mit der turbulenten Nutzungsgeschichte hat sich auch die Bedeutung des Gebäudes verändert: Viele Dessauer kennen das Bauhaus als Schule, hier haben sie einen Beruf als technischer Zeichner oder Krankenschwester erlernt. Heute steht die Ikone der Moderne auf der Unesco-Welterbeliste und ist eine Pilgerstätte für Architekturfans. Meist beschränkt sich deren Besuch allerdings auf die Westseite des Bahnhofs, nur wenige verirren sich auf die andere Seite und suchen dann vergebens das

Stadtzentrum. Dessau-Roßlau, vielfach zerstört und wiederaufgebaut, hat heute mit den Folgen des Zusammenbruchs der Industrie und den damit verbundenen Abwanderungsprozessen zu kämpfen. Offensichtlich existiert inzwischen eine Kluft zwischen der schrumpfenden Stadt und dem weltberühmten Bauhaus. Zugleich ist man sich aber in DessauRoßlau einig, dass eine Pro�lierung der Stadt nach innen wie nach außen nur mit dem Bauhaus gelingen kann. Die Bauten der klassischen Moderne allein machen jedoch noch keine Bauhausstadt. Ist das Bauhaus als Marke vielleicht n eine Nummer zu groß für Dessau? Die Ausstellung „Bauhausstadt“ hat die Suche Dessau-Roßlaus nach einem plausiblen Leitbild zum Anlass genommen, das Verhältnis zwischen Bauhaus und Stadt in drei Zeitabschnitten genauer auszuleuchten. Drei Perioden wurden gewählt, die Umbrüche markieren und in denen dem Bauhaus als Motor, als Katalysator und als Referenz für den städtischen Wandel eine besondere Rolle zukam. Richtet man die Perspektive auf das Bauhaus in der anhaltischen Residenzstadt, dann entdeckt man, wie viel das Bauhaus zur Trans-

Von Regina Bittner

formation Dessau-Roßlaus hin zu einer modernen Industriestadt beigetragen hat. Die Neugründung des Bauhauses als Zentrum für Gestaltung in den 1980er Jahren fand in einem Klima der kulturellen Öffnung der späten DDR statt: Im Spagat zwischen staatlicher Indienstnahme und kritischer Kulturszene wurde das Bauhaus eine Referenz für Offenheit und Experimentiergeist. Und schließlich diskutiert Dessau-Roßlau heute über die „Bauhausstadt“ als Leitbild. Zwischen Bauhaus und Stadt existierte immer auch ein Spannungsverhältnis. Kritische Praxis und die Lust am Experiment konnten die Stadt beflügeln, führten aber auch zu Abstoßungen und Blockaden. So versteht sich die Ausstellung als Beitrag zur städtischen Selbstverständigung; es gibt vielfältige lokale Bauhausbezüge in Dessau-Roßlau, die mit dem ikonischen Welterbe zu vermitteln sind, will die Bauhausstadt auch Legitimität vor Ort �nden. Aber dessen Ankunft in Dessau-Roßlau ist nur gegeben, wenn die kleine Großstadt aus der eigenen Geschichte lernt: Schließlich lagen Weltgeltung und Provinzialität in Dessau immer im Zwist miteinander.

Editorial 4. Dezember 1926. Eröffnung des Bauhausgebäudes. Markiert dieses Datum den hoffnungsvollen Beginn einer außergewöhnlichen Liaison zwischen der aufstrebenden Industriestadt und der wichtigsten Gestaltungshochschule des 20. Jahrhunderts? Selbst in Dessau empfand manch einer das Bauhaus als einen elitären Fremdkörper. Gleichwohl gehörte es für viele bereits nach wenigen Jahren zum Kernbestand städtischer Identität. Und das ist auch nicht überraschend: Als ein Bündnis aus Politik (Fritz Hesse), Kultur (Ludwig Grote) und Wirtschaft (Hugo ­Junkers) das Bauhaus nach Dessau holte, wollte man mit ihm eine progressive Modernisierung der boomenden Industriestadt initiieren und gestalten. Auch wenn manche Ziele nicht in Erfüllung gingen, entfaltete sich das Bauhaus hier zur vollen Blüte und wirkte auf vielfältige Weise in die Stadt hinein. Aber bereits nach sieben Jahren war Schluss mit dieser engen Allianz. Die NSDAP gewann 1932 auch mit ihren Angriffen auf das Bauhaus die Wahlen in Anhalt und die Schule der Moderne wurde aus der Stadt verdrängt. Erst mit der Wiedereröffnung des Gebäudes im Jahr 1976 stellte sich eine Frage aufs Neue, die gerade in letzter Zeit wieder akut geworden ist: Welche Rolle spielt das Bauhaus für die Stadt und die Stadt für das Bauhaus? Dem wollen wir mit dieser Zeitung, der Ausstellung und einem breiten Veranstaltungsprogramm nachgehen. Dies alles entstand innerhalb weniger Wochen, ist skizzenhaft und soll ein städtisches Gespräch entfachen. Über jede Form der Teilnahme – ob zustimmend oder kritisch – würden wir uns freuen. Philipp Oswalt Fritz Hesse im Interview Dessaus ­legendärer Oberbürgermeister erzählt, wie er den Grundstein für die Bauhausstadt gelegt hat. Seite 4 Eine Frage der Kultur Die Doppelstadt debattiert über dörfliche Brunnen, Parkplätze und angestrahlte Häuserfassaden. Walter Prigge vermisst eine Kultur der Stadt. Seite 5 Paradies Dessau Livia Meyer-Klee verbrachte ihre ersten Lebensjahre in der Meisterhaussiedlung. Seite 6


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Inhalt 1 Editorial 1 Zur Leitbilddebatte in Dessau 2 Dessau ohne das Bauhaus

Dessau ohne das Bauhaus Als Gropius und die Seinen nach Anhalt ziehen, existiert hier bereits ein m ­ odernes Gemeinwesen, in dem Arbeit und Leben funktionieren Von Günter Ziegler

4 Interview mit Fritz Hesse 5 Kultur der Stadt – Ein Kommentar 6 Kindheit im Meisterhaus 7 Palucca kehrt zurück 8 Das deutsch-deutsche Bauhaus 9 „New York Times“ nach der Wende 10 Bernd Junkers über seinen Großvater 11 Nachrichten aus der Zukunft 12 ­Die letzte Werkstatt des Bauhauses 13 Kinderseite 14 Service und Programm 15 Comic Wir danken für die freundliche Unterstützung von: Miele & Cie. KG, debolon dessauer bodenbeläge GmbH & Co. KG, AHLSA GmbH, ABC Recycling GbR, AEM Anhaltische Elektromotoren Dessau GmbH, Kreis der Freunde des Bauhauses e. V., Stadtarchiv Dessau-Roßlau, ­Veltins, Vetter Möbelbau

Nach der Revolution von 1918 wurden die Untertanen zwar republikanisch, bekannten sich aber zur herzoglichen Blütezeit und benannten das Theater nach Friedrich. Anders als in Weimar ging die Gründung der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Dessau auf eine ­private Initiative zurück. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, der Baumeister des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, schlug schon 1796 die Errichtung einer Kunstschule vor. Doch nach seinem Tod mangelte es an einem fähigen und einsatzwilligen Kopf, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. Erst hundert Jahre später sollte das Vorhaben gelingen, die Handwerkerund Gewerbeschule wurde in der Mauerstraße eröffnet.

Kunst und Kultur profitierten von der Industriealisierung Von den Erfolgen der Dessauer Wirtschaft seit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeugen bis heute beeindruckende Industriebauten. Trotz der Zerstörungen von 1945 trifft man noch immer auf die „Kathedralen der Industrie“, aber auch auf Wohnhäuser aus der Gründerzeit und Jugendstilvillen. Mit dem wiederhergestellten Wohnquartier Dessau-Nord verfügt die Stadt über ein zusammenhängendes Gründerzeitviertel. An den Fassaden lässt sich ablesen, wie Kunst und Kultur von der Industriealisierung pro�tierten. Theater, Musik und nun auch die bildende Kunst nahmen einen beachtlichen Aufschwung. Vor allem nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem modernen, zeitgemä-

ßen Gemeinwesen: Leben und Arbeiten in Dessau funktionierten. Indus­trielle wie Wilhelm Oechelhaeuser, Generaldirektor der Conti, und ­Richard Roesicke, Chef der Schultheiß-Brauerei, vertraten Anhalt als liberale Abgeordnete im Deutschen Reichstag. Sie schufen mit einem eigenen sozialpolitischen Programm die Basis für ein erfolgreiches Zusammengehen von Liberalen und Sozialdemokraten – ein Bündnis, das in Anhalt und Dessau bis 1932 funktionierte. Genau diese politische Konstellation sorgte 1925 auch für die Ansiedlung des Bauhauses in Dessau. Nach der letzten Kommunalwahl hatten SPD und Linksliberale (DDP) mit zusammen 20 von 36 Abgeordneten eine klare Mehrheit. Wäre das „Projekt Bauhaus“ bei der entscheidenden Abstimmung am 23. März 1925 im Gemeinderat gescheitert, hätte der Freistaat einspringen können, denn auch im Landtag gab es eine Mehrheit für Gropius‘ Schule. So jedenfalls ist jener Ausspruch des Landtagspräsidenten und Mitglieds des Reichstags Heinrich Peus (SPD), zu deuten, der Bürgermeister Fritz Hesse (DDP) in einer denkwürdigen Episode zurief: „Wenn Ihr es nicht macht, dann machen Wir es!“ Der Gemeinderat entschied sich daraufhin mit deutlicher Mehrheit für das Bauhaus, nur die Rechte stimmte geschlossen dagegen. Damit konnte der „Übergang vom alten zum neuen Dessau“ (Hesse) beginnen. Die Stadt wie auch das Bauhaus setzten große Hoffnungen in die gemeinsame Zukunft. Mit einem Trick begann ab 1. April 1925 die Arbeit des Bauhauses. Man vereinigte die kunstgewerbliche Abteilung sowie die Werkstätten der Heydeckschen ­Anstalt mit

Suchbild 1: Was fehlt am August-Bebel-Platz? Foto: Juergen.Hohmuth@zeitort.de, Bearbeitung: Y. Tenschert, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau

Impressum Stiftung Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau, Tel. + 49 (0) 3 40-65 08-250, Fax + 49 (0) 3 40-65 08-226, www.bauhaus-dessau.de Ausstellung Kuratoren: Regina Bittner, Philipp Oswalt, Andreas Butter, Günter ­Ziegler, Walter Prigge Ausstellungsgrafik/Aus­stellungs­ar­chi­tek­tur: Stefan Müller, Tobias Steinert Projektmanagement: Kerstin Gust, Katja Klaus Recherche: Martin Brück, René Weizbarth, Jill ­Leciejewski, Dorothea Bethke, mit Unterstützung von Wolfgang Thöner und Monika ­Markgraf Modellbau: Henning ­Seilkopf, ­Holger ­Ziolkowski Ausstellungsaufbau: ­Sebastian ­Czerny, Torsten Pauer, Ilona Riske Interviews: Regina ­Bittner, ­Thomas Steinberg, Ingolf Kern, Andreas Kühnlein Filmproduktion: Marcus Nebe, Stephan Murer Hörproduktion/Sprecher: Silke Wallstein, Teo Vadersen Beiprogramm: Walter Prigge Anzeigen: ­Katja Klaus, ­Silvia Gildner, Henning Brüning, Jutta Stein Spon­soring: Katja Klaus, Ingolf Kern | Wir danken dem Mitteldeutschen Rundfunk für die freundliche Unterstützung. Zeitung Herausgeber: Stiftung Bauhaus Dessau Redaktion: Ingolf Kern, Andreas Kühnlein, Jutta Stein Gestaltung: Yvonne Tenschert Schlussredaktion: ­Dorothea Bethke, Benita Weise Zeichnungen: Tim Dinter, Christophe Badoux Bildrecherche: Margot Rumler Druck: Mitteldeutsches Druck- und Verlagshaus GmbH & Co. KG Halle.

Dessau ist die Stadt des Bauhauses. Tatsächlich aber kann diese „Bauhausstadt“ bei genauer Betrachtung nur auf einen kurzen Zeitraum zurückblicken, in dem sich die Schule in der Stadt befand und in dem sie einen aktiven Part in den gesellschaftlichen Beziehungen spielte. Mit Beginn des Sommersemesters am 1. April 1925 nahm das Bauhaus Dessau seine Arbeit auf, zunächst provisorisch an drei verschiedenen Standorten, nämlich in der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, dem ehemaligen Seiler’schen Versandhaus und der ehemaligen Anhaltischen Kunsthalle, dem heutigen Museum für Naturkunde und Vorgeschichte. Man traf auf eine wirtschaftlich erfolgreiche und industriell hoch entwickelte Stadt, in der seit 1888 der Techniker und Er�nder Hugo Junkers wirkte, seit 1895 auch als Unternehmer. Bereits vierzig Jahre vorher, als die Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft gegründet wurde, hatte in der Stadt die Industrialisierung Fuß gefasst. Viele Industrieunternehmen sollten daraus entstehen: Die „Conti“ eröffnete eine eigene „Centralwerkstatt“ und Produktionsstätte für Gasgeräte, beteiligte sich an der Finanzierung der Berlin-Anhaltischen Maschinen AG (BAMAG) errichtete ein Elektrizitätsanstalt und gründete schließlich die Deutsche Gasbahn-Gesellschaft. Von Dessau gingen von nun an bedeutende Innovationen aus. Auf die Ansiedlung der Gasindustrie folgten der Maschinenbau und mit der Zuckerraf�nerie auch die chemische Industrie. Sogar als Ort des industriellen Bierbrauens machte man sich einen Namen. Zu diesem Zeitpunkt war Dessau eine deutsche Mittelstadt mit etwa 50.000 Einwohnern, von denen sich 12.000 als Lohnarbeiter in den Betrieben verdingten. Hinzu kamen viele Pendler. So wandelte sich Dessau von einer Residenz- in eine Industriestadt, in der vor allem Junkers den Ton angab. Aus einem Versuchslabor hatte er längst ein großes Unternehmen entwickelt. Auf wissenschaftlichem oder akademischem Gebiet dagegen erreichte die Stadt eine solch führende Rolle nicht. Die eher operettenhaft daherkommenden Duodezfürsten der kleineren und kleinsten Territorien des deutschen Kaiserreiches, die im Spiel der Großen – vor allem mit Preußen – keine Rolle zu erfüllen hatten, suchten ihre eigenen „Spielwiesen“, auf denen sie ihre Selbstständigkeit behielten. In Dessau profitierte vor allem das Hoftheater von der Zuneigung der anhaltischen Herzöge.


dem Bauhaus und unterstellte sie der Leitung von Walter Gropius. Der vormalige Direktor Walter Kieser wurde in den Ruhestand versetzt. Die anderen Abteilungen der Schule wie Maschinenbau-, Bau- und Handwerker­abteilung wurden weitergeführt. Doch die Zusammenarbeit zwischen Bauhaus und Kunstgewerbeschule funktionierte nicht lang, und ab November 1926 ging man wieder getrennte Wege. Die Handwerkerschule wurde unter der Bezeichnung „Technische Lehranstalten der Stadt Dessau“ weitergeführt, zum Direktor berief die Stadt Prof. Wilhelm Danz. Bis zu seiner Vertreibung aus Dessau prägte das Bauhaus die Stadt und hinterließ zahlreiche Spuren: vom Bau­ hausgebäude über die Meisterhäuser und das Arbeitsamt bis hin zur Siedlung Törten, von der Ausstattung der 1927 eröffneten Anhaltischen Gemäldegalerie und des Naturkundemuseums bis zur Zweiggalerie im Schloss Oranienbaum. Bei den folgenden Gemeinderatswahlen verkleinerte sich die Mehrheit der Bauhausbefürworter zusehends: Verfügten SPD und DDP 1927 zusammen über 19 Mandate, so waren es 1931 nur noch 13 für die SPD. Die Lage für das Bauhaus wurde immer bedrohlicher. Hatten

40 Jahre ohne Bauhaus die Nationalsozialisten schon im Wahlkampf davon gesprochen, die Schule zu schließen und das Gebäude abzureißen, wurden die Parolen nun Programm. Einen ersten Antrag brachten die Nazis am 21. Januar 1932 in den Gemeinderat ein, erhielten jedoch eine Abfuhr. Manipulationen bei der Zusammensetzung des Gemeinderates und die verschärft geführte Propaganda ließen die NSFunktionäre den Antrag am 22. August erneut zur Abstimmung stellen. Bürgermeister Hesse und Bauhausdirektor Mies van der Rohe versuchten durch verschiedene Aktionen, die Schließung zu verhindern; sie veranstalteten eine

Foto: Doreen Ritzau, 2009, Bearbeitung: Yvonne Tenschert, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau.

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Suchbild 2: Was vermissen Sie in der Gropiusallee?

Ausstellung, führten durch die Werkstätten und boten Gespräche mit den Abgeordneten an. Es half nichts. Auch von der Landesebene war keine Unterstützung mehr zu erwarten: Hier regierte seit dem 24. Mai ein nationalsozialistischer Ministerpräsident. Trotz großem persönlichen Einsatz gelang es nicht, das Unheil abzuwenden. Mit klarer Mehrheit – nur fünf Abgeordnete, OB Hesse und die vier Kommunisten, stimmten für das Bauhaus, die 13 SPD-Stadtverordneten ent­hielten sich der Stimme – wurde das Bauhaus zum Ende des Sommersemesters 1932 geschlossen. Immerhin: Abgerissen wurde das Gebäude nicht, dafür bald mit der Landesfrauenarbeitsschule, später mit der Gauamtswalterschule und dem Gauschulungsamt der SA belegt.

Erneut begann eine Zeit ohne ­Bauhaus – sie sollte über vierzig Jahre dauern. Erst dann besann sich die DDR wieder auf das Dessauer Erbe. Nach dem Krieg hatte es noch einen kurzen Versuch gegeben, das Bauhaus neu zu beleben: 1946 begann der von den Amerikanern wieder eingesetzte und von den Russen akzeptierte Oberbürgermeister Fritz Hesse damit, das Bauhaus im Schloss Großkühnau neu einzurichten. Doch der hoffnungsvolle Neuanfang scheiterte ebenso wie die Aussicht auf demokratische Verhältnisse. Hesse trat von seinem Amt zurück, die SED übernahm das Ruder und sollte es bis 1989 nicht wieder aus der Hand geben. Erst als die Demonstranten auch in Dessau „Wir sind das Volk“ riefen, schien es auch für den Bauhaus-Gedanken eine wirklich neue Perspektive zu geben.

Durch Arkadien in die Moderne An unbekannte Orte und zu oft übersehenen Kleinoden der Bauhausstadt führt Wolfgang Thöner am 12. Dezember 2009 (mehr zum Beiprogramm der Ausstellung auf Seite 14). Professionell geführte Rundgänge in die spannende Geschichte der Stadt zwischen Fürstenresidenz und Moderne bietet auch das Reisewerk an (www.reisewerk.de).

„Es geht jeden Deutschen verdammt an, daß in ­Dessau ­Gutes entsteht.” Lyonel Feininger, 1926

Pressestimmen So berichten Zeitungen aus acht Jahrzehnten Bauhausgeschichte 1926 Am 4. Dezember wird das Bauhaus mit Feier und Festlichkeiten eröffnet. Aus ganz Deutschland kommen geladene Gäste zusammen. Sie wollen auch ein Bekenntnis ablegen und für den Geist eintreten, der sich hier eine Wohnung geschaffen hat. (…) Sicherlich ist das manchen Bürgern nicht recht. Künstlerische Verpflichtungen sind unbequem. Und wer weiß, ob nicht in gestörter Ruhe die Hauptkeime zur Unzufriedenheit lagen, die das Bauhaus schließlich aus Weimar vertrieben hat? Möge Dessau sich hüten, in solche unrühmliche Fußstapfen zu treten! Anhalter Anzeiger, 4. Dezember 1926

1976 Das Bauhaus ist die bekannteste Kunstschule unseres Jahrhunderts. Seine bahnbrechenden, von revolutionären Hoffnungen geprägten Leistungen und Ideen waren wie ein utopischer Vorgriff auf sozialistische Verhältnisse. (…) Im Zuge der Industrialisierung des Bauwesens in der DDR und unseres gigantischen Wohnungsbauprogramms werden die Erinnerungen an die Bauhäusler stärker wach. Wir sind die Erben ihrer progressiven Arbeiten, die an den Schranken des Kapitalismus nicht vorbeikamen, im Sozialismus aber ihre Fruchtbarkeit erweisen. Junge Welt, 2. Dezember 1976

2009 „Es hat sich ausgeweimart, meine Herren“, sagte Lyonel Feininger im Jahr 1925, „wir gehen jetzt dessauern.“ Mit diesem Satz werben seit einiger Zeit drei Zugereiste für einen Aufbruch in Dessau, einen Neubeginn mit den Mitteln der Kultur. Die drei haben etwa zur gleichen Zeit ihre Ämter in Dessau übernommen: Philipp Oswalt das Bauhaus, Michael Kaufmann das Kurt-Weill-Fest und André Bücker das Anhaltische Theater. Neu ist vor allem, dass man in Dessau wieder einen Aufbruch wagt. (…) Philipp Oswalt, will vieles anders machen als sein Vorgänger: Streitlust statt akademischer Ab-

geklärtheit, Verankerung in der Stadt und in der Region sowie lustvolles Bewirtschaften touristischer Interessen. „Dessau ist die Stadt der Moderne“, sagt Philipp Oswalt. „Hier liegt ihr Potential. Sie braucht einen Ort, an dem dieser Reichtum sichtbar wird.“ (…) Was Deutschland groß und liebenswürdig gemacht hat, sei es die Reformation, die Klassik, der Idealismus, entstammt kleinstädtischer Kultur. (…) In Dessau kann man nun ein kulturpolitisches Modell erproben, wie mit dieser Kleinteiligkeit wieder Großes zu erreichen wäre. Süddeutsche Zeitung, 17. November 2009


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Herr Hesse, wie haben Sie das gemacht? Als Dessauer Oberbürgermeister eine Legende, als Förderer des Bauhauses der Moderne zugewandt: Fritz Hesse – ein Gespräch über Kandinskys Liebe zur Elbe, Gropius‘ Feuer und örtliche Kohlenhändler

Herr Hesse, Sie gelten als Erfinder der Bauhausstadt. Wie konnten Sie ­Gropius damals überzeugen, von Weimar nach Dessau zu ziehen? Ging es nur um Geld? Nein, überhaupt nicht. Die Mitteilung, dass das Bauhaus seine Arbeit in Weimar aufgeben werde, musste in allen interessierten Kreisen Überraschung auslösen. Ich hatte im Stillen damals Weimar ein wenig um die Gunst des Schicksals beneidet, die es in die Lage versetzt hatte, die alte kulturelle Tradition in neuer Form fortzuführen. Beim Lesen des Artikels im „Berliner Tageblatt“ war mir eines klar: Der durch die rechtsorientierte Thüringische Landesregierung provozierte Bruch mit dem Bauhaus war irreparabel. Aber nicht weniger klar war mir: Für die Entwicklung der Stadt Dessau könnten sich aus dieser Situation Möglichkeiten ergeben, wie sie sich ihr kaum je wieder bieten würden. Neben dem traditionsverpflichteten Theater das Bauhaus mit seinem Elan und seinen Entwicklungsmöglichkeiten, die schon durch die Namen der Unterzeichner des Manifestes gewährleistet schienen! Waren Sie mit Ihrer Idee allein? Keineswegs. Ich rief sofort den Landeskonservator Dr. Grote an, um seine Meinung zu hören. Der Sturm und Drang der Wandervogelbewegung hatte sich bei Grote in einen Elan umgesetzt, der in allem spürbar war, was er unternahm und der sein Wirken in Dessau so erfolgreich machte. Der kaum mittelgroße Mann, der noch jugendlicher wirkte, als es seinen Jahren entsprach, war sozusagen immer auf

Draht. ‚Das ist ein großartiger Gedanke‘, sagte er. Es war ersichtlich, dass ihn die ­Aussicht, das Bauhaus mit Gropius an der Spitze und mit Künstler-Persönlichkeiten wie Kandinsky, Klee und Feininger nach Dessau zu verpflanzen, geradezu faszinierte. Im Winter 1925 erhielten Sie folgenreichen Besuch. Richtig, am 19. Februar erschienen Kandinskys in Dessau. Am Nachmittag folgten sie einer Einladung von ­meiner Frau und mir zu einer Tasse Tee in meiner Dienstwohnung im Messelhaus. Wir kamen bald in ein angeregtes Gespräch. Besonders von der Landschaft um Dessau zeigten sich beide sehr angetan. Der Ausblick auf die Elbe, wie sie sich, unweit vom Stadtrand, im Lichte des ausnehmend schönen Februartages als breites Band durch das Auengelände schlängelte, hatte Kandinsky geradezu elektrisiert. Unser Gespräch kam auf Gropius, mit dem sich Kandinsky aufs engste verbunden fühlte. Als wir uns trennten, hatte ich den Eindruck, dass der innere Kontakt mit dem Bauhaus hergestellt war. Wann sind sie zum ersten Mal Gropius begegnet? Nach einer ersten Diskussion im Gemeinderat fuhr ich zu einer vorherigen Fühlungnahme mit Gropius nach Weimar. Ich ließ mich im Bauhaus bei Gropius melden. Von der italienischen Sonne gebräunt, kam er in seinem Direktionszimmer mit elastischen Schritten auf mich zu und begrüßte mich. Gropius war – das war mein, durch alle künftigen Unterredungen mit ihm bestätigter Eindruck – auch im Gespräch kein Freund von Arabesken. Das ­Feuer,

das in seinem Innern brannte, hütete er sorglich. Auch bei großer innerer Erregung war in dem von seiner hohen Stirn beherrschten Gesicht davon kaum eine Spur zu entdecken. Was hatte nach Ihrer Meinung das Gropiussche Feuer entfacht? Und wofür brannte es in ihm? Gropius hatte zwei Ziele: Eines lag in der geistigen, handwerklichen und technischen Durchbildung schöpferisch begabter Menschen zu bildnerischer Gestaltungsarbeit. Das andere in der Durchführung praktischer Versuchsarbeit sowie in der Entwicklung von Modellen für die industrielle und handwerkliche Produktion. Das Bauhaus gab sowohl dem künftigen Handwerker wie dem künftigen Künstler die Möglichkeit zur Ausbildung ihrer Fähigkeiten. Was versprachen Sie sich vom Bauhaus für die Entwicklung Dessaus? Die kulturelle Blüteperiode der Residenzstadt Dessau war vor mehr als 100 Jahren mit dem Tode des Fürsten Franz zu Ende gegangen. Nur auf dem Gebiet des Theaters wurde unter den Nachfolgern des Fürsten durch die besondere Pflege der Oper die Tradition als Verpflichtung empfunden. Wenn man dem Bauhaus in den Mauern von Dessau Asyl und Arbeitsmöglichkeit bot, konnte man dann nicht auch die Stimmen anderer Künstler wieder zum Klingen bringen? Was Sie erzählen, klingt, als wäre alles glatt gelaufen. Gab es gar keine Widerstände zu überwinden? Durchaus. Bauhausgegnerische Kreise der Dessauer Intelligenz hatten sich mit

einem geistig armen und nur auf seinen Pro�t bedachten Spießbürgertum zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die in der Befehdung des Bauhauses ihre Hauptaufgabe erblickte. Die zugkräftigen Kampfparolen eines ungleichen, schon äußerlich ein wenig an Sancho Pansa und Don Quichote erinnernden Paares aus einem Dessauer Kohlenhändler und dem rustikalen Generalsekretär der Anhaltischen Landwirtschaftskammer waren starker Gegenwind. Letztlich konnten Sie all Ihre Gegner aus dem Feld schlagen. Ist denn ­heute, 80 Jahre später, eingetreten, was Sie sich damals für die Stadt erhofften? Im Prinzip schon. Letztlich ist es so, wie die „Dessauer Zeitung“ schon 1926 über den Neubau schrieb: „Man wird sich mit der Tatsache ab�nden.“ Ein Stück weit haben sich die Dessauer schlicht mit der Tatsache abgefunden. Dennoch war der kulturelle und ökonomische Gewinn für die Stadt unübersehbar – auch wenn das Verhältnis zwischen Dessau und dem Bauhaus nie ganz einfach war. Es ist meine Überzeugung, dass sich die Bürger und ihr Bauhaus gegenseitig schätzen lernen müssen – heute wie damals. Es kommt darauf an, das Werk der Vorgänger zu ehren, in dem man es als notwendigen Anfang betrachtet, der einer lebendigen Entwicklung bedarf.

Die Fragen stellten Ingolf Kern und ­Andreas Kühnlein. Hesses Antworten sind dem Buch „Von der Residenz zur Bauhausstadt“ entnommen. Zeichnung: Tim Dinter.


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Kultur der Stadt Dessau-Roßlaus Zukunft liegt in Kreativität, ­ Talent und Toleranz Ein Kommentar von Walter Prigge

Foto: Martin Brück, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau

Die Diskussionen um die „Bau­ hausstadt Dessau“ führen zur Diagnose: Die Kultur in der Stadt ist gut bestellt, Dessau-Roßlau mangelt es jedoch an einer Kultur der Stadt. Die ­Roßlauer fürchten zu unrecht Verluste, stellen sie doch die halbe Regierung. Diese jedoch entfaltet noch zu wenig Dynamik, vor allem in den Bereichen Kultur und Planung, die zu Nebensachen der Sozialund Wirtschaftspolitik erklärt wurden. Sichtbare Erfolge sind noch rar. Daher wünschen sich einige die alte „Kombinatsleitung“ zurück, die nach der Wende die Nachkriegsmodernisierung mit den Schwerpunkten Industrie und Technik, Verkehr und Sport fortsetzte. Die Stadt ist jedoch kein Betrieb, der – wie in der DDR die Kombinate – nebenbei auch für Soziales und Kulturelles zuständig ist. Daher ver�elen die Städte in der DDR als Raum von Gemeinschaft und Kultur. Städte gehorchen jedoch anderen Rationalitäten als denen der ökonomischen Ef�zienz. Zwar müssen Stadtverwaltungen von marktwirtschaftlichen Prinzipien ­lernen (Projektorientierung, strategisches Handeln in Kooperationen); man kann Städte jedoch nicht mit betrieblichen Managementmethoden regieren: Stadtpolitik muss heute auf soziale Kultur und Urbanität setzen, will sie die zunehmende Städtekonkurrenz bestehen. Von solcher Kultur hat Dessau-Roßlau zu wenig. Die zivile Gesellschaft wurde nicht gestärkt und daher nicht von jedem mitgetragen; der Austausch mit der Welt funktionierte nicht, weil lokale Interessen nicht mit globalen Ansprüchen vermittelt wurden; Fremden gegenüber ist Dessau-Roßlau überaus misstrauisch und die talentierte Jugend wird von Großstädten wie Leipzig durch attraktive Urbanität abgeworben. Mit einem Wort: DessauRoßlau hat zu wenig von dieser Kultur der Stadt, die wir an anderen Städten schätzen. Dabei gibt es heute Dynamik in der Stadt: Die neuen Leiter von Theater, Bauhaus und Kurt-Weill-Fest kooperieren und wirken in die Stadt hinein. Sie müssen zudem helfen, eine neue und vor allem parteiunabhängige

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Kulturamtsleitung im Sozialdezernat zu �nden. Denn das Kulturamt hat die wichtige Aufgabe, die urbanen Impulse dieser Kulturinstitutionen aufzunehmen und in die Kultur der Stadt zu übersetzen. Auf ähnliche Weise muss das Wirtschaftsdezernat seine Arbeit an der Stadtplanung in einer neuen Stabsstelle für Stadtentwicklung reorganisieren: Mit diesen neuen strategischen Ausrichtungen können beide Dezernate bei der Steuerung des Schrumpfungsprozesses zusammenarbeiten. Denn absehbar ist, dass Dessau und Roßlau, nach dem bisherigen Verlust von 30.000 Einwohnern, bis 2050 noch einmal 40.000 verlieren werden. Das Zentrum der Stadt wird sich weiter nach Westen jenseits des Bahnhofs verschieben, wo heute schon die wichtigsten Bildungsinstitutionen angesiedelt sind. Denn die Zukunft wird in der „Wissenschaftsstadt“ liegen: In der etablierten Dienstleistungsgesellschaft werden Kultur, Bildung und Wissenschaft die Leitbranchen von Dessau-Roßlau sein. Zu dieser Zukunft gehört eine andere Kultur der Stadt, die auf Kreativität, ­Talent und Toleranz zielt. Alberne militaristische Unkulturen auf Leopold-Festen, pseudotraditionelle Retroarchitekturen im Stile der 1930er Jahre oder dörfliche Debatten über die „gute Stube“ Zerbster Straße sind kontraproduktiv und lenken

Der Austausch mit der Welt funktioniert nicht von den großen Problemen der Stadt ab. Wo liegt dann die Zukunft der Innenstadt? Das Rathauscenter wird 2050 leerstehen, bei etwa 40.000 Einwohnern lohnen sich weder Karstadt noch Peek & Cloppenburg. Die Frage wird also sein: Was kommt nach der gegenwärtigen Phase der enormen Konzentration des Einzelhandels auf innerstädtische Shopping Malls und Versandhandel im Internet? Beides verdrängt den kleinen Einzelhandel vom Markt. Zudem breiten sich heute die Ein-Euro-Läden aus, die soziale Polarisierung verstärkt sich durch Schrumpfungsprozesse: Die Viertel der oberen Mittelschichten in den sozial abgeschlossenen und kulturell standardisierten Einfamilienhaussiedlungen und die Quartiere der sozial Schwachen in den unsanierten Plattenbauten trennen sich heute schärfer im Raum als bisher. Für diese sozialräumlichen Probleme braucht die Stadt eine andere Politik von Kultur und Planung als in der zu Ende gehenden Industrie­ gesellschaft. Mit dörflichen Brunnen und unsinnigen Debatten über Parkplätze auf der Zerbster Straße, mit rekonstruierten oder angestrahlten Häuserfassaden aus früheren Jahrhunderten, mit weiteren Konsumcentern und Umgehungsstraßen an leerstehenden Gewerbegebieten vorbei kommt die Stadt jedenfalls nicht weiter. Beachten Sie auch unser Beiprogramm zur Ausstellung auf Seite 14-


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„Ich habe eine so schöne Erinnerung an Dessau, für mich war das ein Paradies.“ Livia kommt 1922 als zweites Kind von Hannes Meyer und Louise Bianca Natalie Herkert zur Welt. Sie wächst zunächst in Basel auf und zieht 1927, als Hannes Meyer ans Bauhaus berufen wird, mit Vater, Mutter, Schwester (Claudia Meyer-Herkert) nach Dessau. Hier lebt sie in engem Kontakt mit den Kindern der anderen Meister und den Bauhäuslern selbst in Gropius‘ Meisterhaussiedlung. Sie lernt die „ein bisschen extravagante„ Ise Gropius kennen, sieht Tut Schlemmer dabei zu, wie sie „vom Velo �el“, und isst Birchermüesli mit einem „verhungerten Burschen“ namens Max Bill. Als ihr Vater 1928 zum Direktor der Schule ernannt wird, ist sie sechs Jahre alt. Schon zwei Jahre später muss Meyer das Bauhaus verlassen, 1930 geht er mit einigen Schülern, der „Brigade Meyer“, nach Russland. In der Rezeption des Bauhauses wird Hannes Meyer ewig das Schicksal des „Zweitgeborenen“ anhaften. Selbst alles andere als mittelmäßig, ist er doch die Mitte, eingerahmt und nicht selten verdeckt von Gropius und Mies van der Rohe. Immerhin zwei der sieben ­Dessauer Jahre des Bauhauses aber ist Hannes Meyer sein Direktor–. Und es ist keine bedeutungslose Zeit, in der er die Leitung der Hochschule übernimmt, sondern deren Blüte, in der vieles zur Entfaltung kommt, was das Bauhaus und sein Erbe nachhaltig prägen soll. Das Diktum „Volksbedarf statt Luxus-

Foto: Wolfgang Thöner, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau

Am Anfang steht eine große, glänzende Kugel. Verschwommen wird in ihr die Zukunft sichtbar: ein seltsames Haus, kein einziger rechter Winkel, die Wände gebogen und krumm. Die Zukunft des Bauens manifestiert sich in diesem Haus, der Inbegriff moderner Geradlinigkeit. Es ist eines von Walter Gropius’ Meisterhäusern, dessen klare Formen sich eigentümlich verzerrt auf der Kugeloberfläche widerspiegeln. Jene Kugel ist ein Spielzeug, ihr Lieblingsspielzeug, erinnert sich Livia Meyer-Klee, die heute 87 Jahre alt ist und damals zusammen mit Familie und Nachbarn unter hohen Kiefern im Gras saß. Livia Meyer-Klee trägt ihren Doppelnamen mit Stolz, und in der Tat, es sind große Namen, die er vereint. Meyer, das steht für ihren Vater Hannes Meyer, den zweiten Direktor des Bauhauses, der zwischen 1927 und 1930 in Dessau war und die Schule ab 1928 leitete. Klee ist der Name ihres Mannes, Felix Klee, Sohn und Erbe des Malers und Bauhausmeisters Paul. Livia Meyer-Klee legt Wert auf ihre beiden Namen, doch jene Überheblichkeit, die man manchmal sieht bei den Nachfahren bedeutender Persönlichkeiten, ist ihr fremd. Kaum mag sie glauben, dass jemand ihretwegen aus dem fernen Dessau angereist ist, um sie in der Schweiz zu besuchen.

Livia Meyer-Klee (2. v. l.) mit Familie, Nachbarn und ihrem Lieblingsspielzeug im Meisterhausgarten.

Im Vorgarten der Moderne Livia Meyer-Klee ist die Tochter Hannes Meyers und war mit dem Sohn Paul Klees verheiratet – die heute 87jährige hat sich die g­ edankliche ­Frische des Bauhauses für ihr Leben bewahrt Von Andreas Kühnlein bedarf“ zum Beispiel, das bereits im Grundgedanken des Bauhauses angelegt gewesen sein mag, aber erst von Meyer als höchstes Ziel formuliert wird. Die wissenschaftliche Baulehre, der soziologische Blick auf die Architektur, der die erste echte Bauabteilung bestimmt – all dies sind Verdienste des gebürtigen Schweizers und überzeugten Sozialdemokraten. Für Livia Meyer-Klee aber ist er in erster Linie ein besorgter und umsichtiger Vater, stets auf ihre Förderung und ihre Zukunft bedacht – auch über die Scheidung der Eltern 1930 hinaus, auch aus der Ferne des Exils in Russland und Mexiko. Seine Tochter vergisst Hannes Meyer nie. Von ihrer Zeit in Dessau spricht Livia Meyer-Klee mit Freude: „Ich habe eine so schöne Erinnerung an Dessau, für mich war das ein Paradies.“ Immer wieder gerät sie ins Schwärmen von den „weißen Häusern“, und ihre Erinnerungen daran sind erstaunlich lebendig. Immerhin acht Jahrzehnte trennen sie von einem Loch im Gartenzaun, durch das die Kinder zum nahen Laden schlüpften, acht Jahrzehnte von der geheimnisvoll verzerrten Welt in jener Kugel. Aus ihrem Mund klingt es, als wäre es gerade ein paar Wochen her. „Wir wurden immer angewiesen, möglichst viel Zirkussachen selber zu machen“, erzählt sie aus dieser Kindheit,

„zu balancieren, verrückte Sprünge zu wagen – Mutproben eben.“ Überhaupt scheint den Bauhäuslern jenseits ihrer Schule auch an Kindern viel gelegen zu haben, an ihrer Entwicklung und Förderung, ihrer freien Entfaltung. Livia erinnert sich an ein selbstgemachtes Daumenkino, das ihr Kurt Schwitters bei einem Besuch am Bauhaus schenkt, an die „Kasperle“ des damaligen Bühnenstudenten Felix Klee und an ernste Gespräche über ihre Zukunft. All die Bauhäusler, die sie erlebt hat, seien kinderlieb gewesen, „alle waren sie daran interessiert, uns zu helfen, uns weiterzubringen in irgendetwas.“ Ihre eigene Zukunft führt Livia nach der Scheidung der Eltern zunächst zurück in die Schweiz, wo sie Schneiderin wird. Doch es hält sie nur kurz in der Heimat, nach dem Krieg geht sie nach Amsterdam, arbeitet in einer jüdischen Schneiderei und fertigt sogar der Königin eine Robe an, die diese – es sind karge Jahre, auch für Monarchen – ein ganzes Jahr lang zu öffentlichen Anlässen trägt. Hier wird Livia so etwas wie die Impresaria eines Musikertrios, mit dem sie 1950 nach Südafrika geht. „Sie wollten, dass ich auch dort wäre“, sagt sie lakonisch. In Kapstadt bekommt sie eine Anstellung, schneidert und organisiert die Auftritte des Trios. Viereinhalb Jahre lebt sie dort, nebenbei �ndet

e­ iner der drei, „der Geiger vom Trio“, Gefallen an ihr. Als sie ihn heiraten soll und nicht will, ist ihre Zeit in Afrika vorbei. Sie lässt Kapstadt, Trio und Geiger hinter sich und kehrt kurzerhand zurück in die Schweiz, diesmal wohl für immer. „Dann kam langsam, aber sicher der Felix“, fasst sie die folgenden 30 Jahre unprätentiös zusammen. Die beiden, die sich seit den Jahren in Dessau kennen, heiraten 1982. Da ist Livia Meyer 60.

Ihr Kleid ist geometrisch bunt wie ein Entwurf von Gunta Stölzl. Eine nachhaltige Prägung, so scheint es, hat Livia aus ihrer Verbindung mit dem Bauhaus behalten. Ihr Lachen ist verschmitzt, ihr Geist wach, ihr Haar ist kurz wie das der Bauhäuslerinnen, ihr Kleid geometrisch bunt wie ein Entwurf von Gunta Stölzl. Zeit ihres Lebens, das merkt man ihr an, hat Livia Meyer-Klee sich für Kunst und Architektur begeistert. Ihre Erinnerungen an Max Bills letzte Ausstellung sind noch frisch, und da ist sie wieder, die glänzende Kugel. In eine solche habe „der Bill„ damals reinfotogra�ert, erzählt sie, ein improvisiertes Fischauge, das allein die ganze Ausstellung auf einmal zu erfassen imstande war. Und auch für zeit-


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Foto: Andreas Kühnlein, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau

genössische Architektur kann sie sich begeistern, Daniel Libeskinds Einkaufszentrum „Westside“, 2008 in Bern eröffnet, würde sie zu gerne einmal sehen. Heute lebt Livia Meyer-Klee im Burgerspital, einem schönen Wohnheim im Herzen Berns. Hier hat sie ein kleines, schlichtes Zimmer mit vielen Büchern. Die meisten tragen den Namen eines Künstlers auf dem Rücken, nicht wenige verweisen aufs Bauhaus. Sie alle beschreiben Seitenlinien aus ihrer eigenen Biographie, einer Lebensgeschichte, die sich liest wie eine Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts. Unzählige Namen tauchen darin auf, denen Livia Meyer-Klee nicht nur Werke zuordnen kann, sondern auch Gesichter, Stimmen, Begegnungen. Zwei davon sind ihre eigenen, sind fast 80 Jahre nach ihrer Zeit in Dessau noch immer lebendig. Zum Abschied sagt sie: „Und Grüße, ich kann nicht sagen, für wen, sondern einfach – an Dessau!“

„Das isch’ es!“ – Viele der Bauhäusler hat Livia Meyer-Klee persönlich kennengelernt.

eng befreundet mit den Bauhäuslern, hingerissen von deren Ideen – Livia Meyer-Klee spricht noch heute mit Begeisterung von ihren Begegnungen. Heute versammeln sich Interessierte und Förderer, die die Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau unterstützen wollen, im Kreis der Freunde des Bauhauses (weitere Informationen unter www.bauhaus-freunde.de).

Palucca zwischen Dederon Wie ein ARD-Korrespondent mit der Tanzlegende nach Dessau kommt und den sozialistischen Baufortschritt kennenlernt eIN VeRSPÄTeTeR DReHBeRICHT VON HANS-JüRGeN BÖRNeR November 1987. Der Architekt und Stadtplaner Jos Weber sollte seine Antrittsvorlesung im Bauhaus Dessau halten. Der Bauhausdirektor Rolf Kuhn hatte „mit sozialistischem Gruß“ auch Gret Palucca eingeladen, über die ich damals einen Film drehte. In einer Ausstellung sollte „Fortschritt, für jeden zum Anfassen“ präsentiert werden. Die Leiterin der berühmten Dresdner Tanzschule, ein Idol der DDR, verspürte keine Lust, der Einladung nach Dessau zu folgen. Sozialistischer Baufortschritt interessiere sie nicht, beschied sie knapp. Das sei alles so langweilig. Die schönen Zeiten des Bauhauses seien vorbei. Die Bauhausfeste, die freien Diskussionen, der Aufbruch in Kunst, Kultur und Architektur, nichts davon habe die DDR bewahren können. Dennoch konnte ich Gret Palucca überreden, mit mir nach Dessau zu fahren. Unser Filmporträt sollte diese Tänzerin mit Courage in allen Lebenslagen zeigen, und ihre Verbindungen zum Bauhaus gehörten für mich dazu. Herzlich war die Begrüßung der Menschen in Dessau, als sie „ihre Palucca“ leibhaftig wiedersahen. Verklemmt und steif geriet die Hausbegleitung und Betreuung von „of�zieller Seite“. Dazu gehörten Herren in grau-blauen Dederon-Blousons. Was, so fragte sich die Stasi, wollte der ARD-Korrespondent in Dessau? Die Verspannungen lösten sich erst, als ich deutlich machen konnte, dass es mir wirklich um Palucca ging. Der Renovierungsstau des Bauhau-

ses war ein ganz anderes Kapitel. Ich durfte auf der Bauhausbühne mit Palucca drehen. Dort kam ich mit ihr ins Gespräch.

Börner: „Machen wir mal etwas, was wir überhaupt noch nicht gemacht haben in unserem Film. Wir beide stehen auf einer Bühne. Ich will von Ihnen wissen, wie oft sie hier getanzt haben?“ „Am Schluss ist Kandinsky dann aufgestanden und hat gesagt, so nun erklär uns mal, wie ist denn dieser Rosenkavalier-Walzer entstanden.“ Palucca: „Wie oft? Ich hab´ vielleicht zwei-, dreimal getanzt, eigentlich die Bühne eröffnet. Ich kann mich noch genau entsinnen, ich hab gedacht, das ist ziemlich klein für einen Tanzabend. Dann hatten sie mir hier so eine kleine Garderobe aufgebaut, weil ich erst nicht soweit laufen konnte. Die Studenten hatten mir sehr schöne Kostüme gemacht. Es kam auf die Farben an und da haben sie entsprechend die Vorhänge hinten immer wieder anders gestellt, neu gefärbt. Das war natürlich ein sehr schöner Abend. Ich hatte tüchtiges Lampen�eber. Am Schluss ist Kandinsky dann aufgestanden und hat gesagt, ‘so nun erklär uns mal, wie ist denn dieser Rosenkavalier-Walzer entstanden?’ Davor hatte ich furchtbare Angst, weil das sehr schwer in Worten zu erklären ist,

wie ein Tanz entsteht. Eigentlich kann man das gar nicht.“ Die Vergangenheit war wieder lebendig geworden. Nun wollte sie auch noch die Dessauer Meisterhäuser sehen, die sie seit Jahrzehnten gemieden hatte. Denn die „lustigen Stunden“, die sie mit Klee, Kandinsky, deren Frauen, ihrem Pianisten Trantow und anderen dort verlebt hatte, sollten ungestört in Erinnerung bleiben. Erschrecken und Verzweiflung standen Palucca ins Gesicht geschrieben, als sie die verfallenen Häuser ansehen musste. Sie hatte sich immer wieder nach ihrem Zustand erkundigt. Irgendwann, so wurde ihr beschieden, sollten sie renoviert und als Museum genutzt werden. „Das erlebe ich nicht mehr“, sagte mir Palucca nach dem Dreh bei einem Glas Meißner Wein. „Schrecklich, die lassen alles verkommen.“ Starke Worte einer DDR-Nationalpreisträgerin, zu mir im Vertrauen gesprochen und von mir damals nicht veröffentlicht. Der Autor war von 1986 bis 1989 ARDKorrespondent in der DDR.

Buchtipp Der Lebensgeschichte dieser Jahrhundertfrau nähert sich auch Susanne Beyer in ihrem Buch „Palucca – Die Biographie“ (AvivA-Verlag, 24,80 €). Dafür hat sie die bislang gesperrte Privatkorrespondenz gesichtet.

Moholy-Nagy fotografiert Palucca in Dessau vor einem der Meisterhäuser, 1927 (Fotograf unbekannt)

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Stiftung Bauhaus Dessau / Dresden, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr.: D 1981-358


seite 8 • bauhausstadt • 12 I 2009 Es war ein Jahr vor dem Fall der Mauer, als das Bauhaus zu einem Symbol der Annäherung zwischen Ost und West werden sollte. Vom 7. August bis 25. September 1988 fand in Dessau die Ausstellung „Experiment Bauhaus“ statt. Das West-Berliner Bauhaus-Archiv gastierte im historischen Bauhausgebäude. Die westdeutschen Bestände kehrten damit an ihren ostdeutschen Entstehungsort zurück. Bereits zwei Jahre vorher war das Kulturabkommen zwischen der DDR und der Bundesrepublik unterzeichnet worden. Darin wurde die Ausstellung bereits als Leuchtturmprojekt aufgeführt. „Experiment Bauhaus“ war, ihrem politischen Auftrag gemäß, durchaus angemessen dimensioniert. Rund 350 Exponate traten den Weg von West-Berlin nach Dessau an. Dennoch stand nicht die inhaltliche Konzeption im Fokus: Im Kern ging es um die Frage, welche politischen Signale von der Ausstellung in Ost und West ausgehen würden. Zunächst einmal war „Experiment Bauhaus“ ein deutliches Bekenntnis beider deutscher Staaten zu einer gemeinsamen Kulturnation: So schrieb das „Neue Deutschland“: „In Dessau wird gemeinsame Geschichte wieder erlebbar“, die Ausstellung habe zur „weiteren Normalisierung des Verhältnisses zwischen der DDR und West-Berlin“ beigetragen. Die politische Vorgeschichte der Ausstellung erfuhr man hingegen vor allem

Faden des Bauhauses nach dem Krieg zügig wieder aufnahm – prominentestes Beispiel ist sicherlich die Hochschule für Gestaltung in Ulm, die sich selbst als Bauhaus-Nachfolger auf deutschem Boden verstand – wurde im Osten das kulturelle Erbe der bedeutenden deutschen „Kunstschule“ vorerst ausgeschlagen. Mehr noch: Im Rahmen der so genannten Formalismus-Debatte musste es als Sinnbild für die Verfallserscheinungen kultureller Dekadenz

Allerdings hatte die ostdeutsche Bevölkerung 1988 gegenüber dem Westen noch erheblichen Nachholbedarf, was das historische Wissen über das Bauhaus anbelangt. Zu lange waren die Ideen und Methoden tabuisiert worden. Dieser Eindruck wurde durch die ostdeutsche Presse erhärtet: Zumeist wurden – weil politisch unverfänglich – die gezeigten Exponate sorgfältig aufgezählt. Abschließend lässt sich festhalten, dass die Ausstellung aus heutiger Sicht

der Prolog für eine Entwicklung sein, die sich nicht allein im kulturellen Austausch erschöpfen wollte. Aber dass es eine friedliche Wiedervereinigung geben konnte, dafür war die Ausstellung retrospektiv ein hoffnungsvolles Signal: Das Bauhaus als deutsch-deutsche Begegnungsstätte wurde zum Markstein erfolgreicher stiller Diplomatie. Heute stehen die Vorzeichen freilich anders: Die Zukunft des Bauhauses liegt nicht in seiner Musealisierung und

Der Mauerfall von Dessau Triumph der stillen Diplomatie beim deutsch-deutschen Klassentreffen: Die Ausstellung „Experiment Bauhaus“ aus West-Berlin wird 1988 zum Symbol für die Unteilbarkeit der Kulturnation VON MARTIN BOBeR

Diplomatisches Tauziehen bis zur eröffnung

Foto: Peter Kühn

aus westdeutschen Presseberichten. Die West-Feuilletonisten stellten mehrheitlich die kulturelle Annäherung heraus und berichteten über das diplomatische Tauziehen: Hier ist besonders die Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Eberhard Diepgen, als Eröffnungsredner für die westdeutsche Seite zu nennen, außerdem die Teilnahme von Bonns Ständigem Vertreter in Ost-Berlin, Staatssekretär Hans-Otto Bräutigam. Die gleichzeitige Teilnahme beider Politiker führte im Vorfeld zu massiven Protesten auf ostdeutscher Seite. Gelöst wurde die Irritation dadurch, dass sie getrennt anreisten und bei den Eröffnungsfeierlichkeiten voneinander entfernt Platz nahmen. Dass gerade das Bauhaus als Integrationsmoment für die deutsche Kultur herhalten musste, ist umso bemerkenswerter, als die Bauhaus-Rezeption über Jahre hinweg in den kulturellen Debatten zwischen Ost und West zerrieben wurde und seine Bewertung maßgeblich zur Schärfung des jeweiligen kulturellen Pro�ls beigetragen hat: Während der Westen den verlorenen

1988 treffen sich ehemalige Bauhäusler zum „experiment Bauhaus“ in Dessau. Hintere Reihe: Anneliese Itten, Carl Marx, Max Bill, ernst Kanow, Waldemar Adler, Rudolf Ortner, Walter Funkat, Kurt Kranz, Hermann exner (v. l.). Vordere Reihe: Konrad Püschel, Gertrud Arndt, Hubert Hoffmann, Ute Jaina Schlemmer (v. l.).

im Kapitalismus herhalten. Diese Position änderte sich nur sehr allmählich und mündete schließlich in einer genuin ostdeutschen Rezeptionshaltung, die im Vergleich zur Bundesrepublik wesentlich stärker in der Idee und der Theorie des Bauhauses seine Orientierung �ndet, rein formal-ästhetische Aspekte jedoch weitgehend ausklammert. In der langsamen, aber steten ostdeutschen Annäherung an das Bauhaus lag eine wesentliche Bedingung, ohne die eine deutsch-deutsche Kooperation nicht möglich gewesen wäre.

als Vorspiel für das Zusammenwachsen zu einer deutschen Kulturnation verstanden werden muss. Das „Experiment Bauhaus“ besteht hier in der deutschdeutschen Arbeit am gemeinsamen Projekt, wobei der Osten den Rahmen und der Westen die Inhalte lieferte. Und dieses Experiment ist geglückt, weil es mit dem Rückgriff auf unverdorbene deutsche Zwischenkriegsgeschichte eine kulturpolitische Annäherung erwirkte. Wie wir heute wissen, sollte die Ausstellung in Dessau erst

Archivierung, sondern in der Analyse der zentralen Wesenmerkmale der Hochschule. Es ist die kreative Experimentierfreude des historischen Bauhauses, in der wohl der Schlüssel für die kün�ige Rezeption liegt. Der Autor hat 2006 seine Dissertation „Von der Idee zum Mythos. Die Rezeption des Bauhauses in beiden Teilen Deutschlands in Zeiten des Neuanfangs (1945 und 1989)“ vorgelegt.

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Fotos: Herlinde Koelbl für New York Times, 1992

Überbaut, abgewirtschaftet, verschandelt: die Ruinen der Meisterhäuser in Dessau, 1992.

Zwei Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung besucht Stephen Kinzer von der „New York Times“ gemeinsam mit der deutschen Fotogra�n Herlinde Koelbl die Bauhausorte und kommt auch nach Dessau. Hier stößt er auf eine Stadt, die dabei ist, ihr Erbe zu begreifen. Wir veröffentlichen Auszüge aus Kinzers Reportage, die im Juni 1992 erschien.

Der kulturelle Einfluss der nur kurze Zeit bestehenden Designhochschule Bauhaus ist so tiefgreifend, dass viele von uns sich dessen gar nicht mehr bewusst sind. In fast jeder europäischen und amerikanischen Stadt gibt es Gebäude, die in jenem kühlen, glatten Stil entworfen sind, dem die Bauhausarchitekten den Weg bereiteten. Bis heute war es Besuchern aber so gut wie unmöglich, die Orte selbst zu sehen, an denen das Bauhaus seine Erfolgsgeschichte begann. Weimar als die Stadt, in der die Schule ins Leben gerufen wurde, und Dessau als jene, in der sie zur Reife gelangte, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Teile der Sowjetischen Besatzungszone und anschließend der DDR, die den Tourismus strengen Vorschriften unterwarf. Obwohl viele führende Bauhausmitarbeiter politisch links standen, war die kommunistische Regierung, die sich in Ostdeutschland entwickelte, der Bauhaustradition nicht wohlgesinnt. Die Ideale des Bauhauses wurden als zu frei betrachtet, sein Stil als zu sehr vom Westen beeinflusst, um den Bedürfnissen der orthodoxen stalinistischen Ideologie zu entsprechen. Man ließ die Tradition im Land ihrer Entstehung verblassen, und die Gebäude, die ihre Architekten hinterlassen hatten, ver�elen. Zwei Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung gibt es immer noch keine öffentliche Initiative, die sich des physischen Erbes des Bauhauses wieder annehmen will. Kein Reiseführer enthält

eine vollständige Liste der Standorte und eine Reise durch das Land auf der Suche nach ihnen ist immer noch vom Zufall bestimmt. Aber für den Reisenden, der an der Geschichte des Designs und an der Rolle interessiert ist, die das Bauhaus bei der Formung so vieler Bereiche unserer modernen Welt spielte, hält die Reise viele lohnende Überraschungen bereit.

Arbeit an Gruppenprojekten. Zum Kummer der Besucher sind nun auch die wenigen Bauhausobjekte, die früher in der Hochschule ausgestellt waren, verschwunden. Die Dessauer Sammlung wird nach Jahren der Vernachlässigung katalogisiert, und die Mitarbeiter hoffen, im Dezember eine neue und erweiterte Ausstellung eröffnen zu können.

Moderne per Zufall Wie sich ein Amerikaner nach dem Fall der M ­ auer auf die Suche nach den Klassikern der Moderne begibt und gemeinsam mit den Denkmal­schützern auf bessere Zeiten hofft Von S tephen Kinzer In Dessau erreichte die Schule ihren kreativen Höhepunkt. Das fabelhafte Gebäude, in dem sie untergebracht war, wurde von alliierten Bomben im Zweiten Weltkrieg beschädigt, und seine nüchterne moderne Fassade war jahrelang hinter einer Verkleidung verschwunden, die die kommunistischen Behörden anbringen ließen. Aber es wurde in späteren Jahren der DDR restauriert und steht heute triumphierend an der Ecke Gropiusallee/Bauhausstraße. Wie es dort die tristen Reihen von Wohnblocks überragt, wirkt das modernistische Bauhaus wie ein riesiges Raumschiff, das gerade von einem entfernten Planeten gekommen ist. Das Gebäude wurde in den vergangenen 40 Jahren unterschiedlich genutzt, aber seit kurzem steht es wieder in der Tradition des Bauhauserbes. Jetzt ist hier eine innovative Hochschule für Architekten und Stadtplaner untergebracht. Dabei vergibt diese Institution keine Abschlüsse. Stattdessen verbringen hier Studenten in fortgeschrittenen Semestern sechs Monate mit der intensiven

Der Besuch der Bauhausstätten in Dessau kann einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Abenteuerlustige oder deutsch sprechende Reisende können sich mithilfe eines Stadtplans zurechtfinden, aber bequemer ist es, die Tour mit dem Taxi zu unternehmen. Das der Öffentlichkeit zugängliche Bauhausgebäude bietet sich als logischer Anfangspunkt an. Der nächste Halt könnte die Gruppe von Wohnhäusern an der nahe gelegenen Ebertallee sein, die 1925/26 für die Professoren der Hochschule gebaut wurden. Von den vier in den 1920er Jahren gebauten Häusern sind zweieinhalb erhalten. Die Bauhausklassiker, die nach Plänen von Gropius gebaut wurden, be�nden sich heute in einem erschreckend maroden Zustand. Viele Details sind verbaut, Graf�ti verschandeln mehrere Wände. Der wahrscheinlich imposanteste Bauhausbau in Dessau nach der Schule selbst ist das ehemalige Arbeitsamt am August-Bebel-Platz, ein rundes Bürogebäude mit Glasdach, das Gropius 1928 entwarf. Heute ist es Sitz einer privaten

Krankenversicherung. Das Erdgeschoss steht Besuchern offen. Sie können den runden Korridor entlanggehen, um sich eine Meinung darüber zu bilden, ob es dem Architekten gelungen ist, einen angenehmen und einladenden Ort zum Arbeiten zu schaffen. Ein Ortsteil von Dessau, Törten, war der Standort eines gewagten Bauhausexperiments. Architekten der Hochschule wollten hier ein ganzes Viertel bauen und zeigen, wie Wohnhäuser und Arbeitsplätze in einer eigenständigen Siedlung zusammengebracht werden konnten. Zwischen 1926 und 1928 wurden mehr als 300 Gebäude errichtet. Viele von ihnen stehen noch, obwohl Törten nun seinen besonderen Charakter verloren hat und aus einer Mischung von Stilen besteht. Die meisten der Bauhausbauten in Törten sind in einem schlechten Zustand. Die Verwaltung des Bauhauses versucht, das dortige Konsumgebäude mit einem Laden und drei Wohnungen darüber, zu kaufen und als Zentrum zu benutzen, von dem aus die Siedlung erfasst und ein Renovierungsplan entworfen werden kann. Die größten Kopfschmerzen wird in Dessau den Denkmalschützern wahrscheinlich die Südstraße bereiten, nicht weit von Törten, wo die einstmals bezaubernden Bauhausbauten standen. Eines von ihnen, das Gropius’ Partner Carl Fieger 1926 als Wohnhaus für sich selbst baute, ist nun Sitz einer Bau�rma, deren Außenwerbung die ganze Fassade bedeckt. Das andere als „Stahlhaus“ bekannte Gebäude ist unbewohnt, verrostet und steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die deutsche Wiedervereinigung bedeutet nicht nur, dass Touristen nun endlich den ganzen „Bauhausweg“ bereisen können, sondern auch, dass das reiche Erbe vielleicht in ein paar Jahren all jenen frei zugänglich sein wird, die seinen Einfluss auf das Leben im 20. Jahrhundert verstehen möchten.


seite 10 • bauhausstadt • 12 I 2009 Sozial verantwortliche Unternehmer gab es in dieser Zeit einige, wo aber lag das Geheimnis dieses Mannes? Junkers fühlte sich allein durch seine Begabung dazu berufen, diese Firma zu führen. Was ihn besonders machte, war weder sein Geld, noch seine gesellschaftliche Position, sondern allein seine außergewöhnliche Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Er war mit ganzem Herzen eigentlich ein Forscher. Alles andere hat ihn nicht interessiert, er lebte äußerst spartanisch. Inwiefern? Eigentlich lebte er mehr oder weniger in seinem Büro am heutigen Theaterplatz. Dort stand ein Feldbett und nach dem Aufstehen kochte er sich seinen Apfeltee. Im Flur machte er täglich Klimmzüge und Turnübungen. Man fragt sich natürlich, wie er bei diesem Lebenswandel zwölf Kinder haben konnte. (Lacht) Der Drang, Neues zu schaffen, verband ihn mit dem Bauhaus-Direktor Walter Gropius. Waren zwei solche Geister nicht zuviel für diese Stadt?

modernes Denken und seine Bereitschaft, das Althergebrachte hinter sich zu lassen. Darin waren sich die beiden tief verbunden. In Konkurrenz zu Junkers stand wohl eher Georg Muche mit seinen Stahlhäusern, aber auch er war der Familie Junkers verbunden. Beide schätzten sich nicht nur auf fachlichem Gebiet, sondern auch persönlich. Gab es nicht doch eine Kontroverse zwischen dem Bauhaus und Junkers um das Material für den industriellen Hausbau, sprich: Beton gegen Metall? Es stimmt, Gropius hielt Beton für ein zukunftsweisendes Baumaterial. Junkers hingegen setzte auf Metall, auf pro�lierte Wände, deren Stabilität den gleichen Kriterien unterliegt wie der Flugzeugbau. Seine Versuche mit dem Metallbau führten zu interessanten Prototypen, doch zur industriellen Serienreife gelangten sie nicht mehr. Hugo Junkers starb zu früh. Gropius hat nach einem Spaziergang mit Junkers über dessen „ethische Ansprüche und Bestrebungen“ räsoniert. Im Ganzen

Hugo blieb lieber am Boden Der Enkel spricht über seinen berühmten Großvater, dessen t­echnische Visionen, über modernes Unternehmertum, die S ­ paziergänge mit Gropius und über Hugo Junkers‘ Liebe zum Apfeltee Wenn es Junkers gut ging, ging es auch Dessau gut, sagt man noch heute. Woher kommt dieser Stolz auf ihn? Hugo Junkers war ein technisches Genie, ein Visionär. Er ist verantwortlich für unzählige technische Neuerungen, die seine Firmen und die Stadt berühmt gemacht haben. 1928 wurden vierzig Prozent des Weltluftverkehrs mit Junkers-Flugzeugen betrieben! Und seine Innovationen waren damit nicht erschöpft, sondern erfassten auch ganz andere Bereiche. Denken Sie zum Beispiel an den Metallhausbau. Zugleich hat Junkers Arbeitsbedingungen geschaffen, die in dieser Zeit absolut unüblich waren. Fast väterlich sorgte er für seine Mitarbeiter. Das haben die DessauRoßlauer bis heute nicht vergessen.

Man muss sich vorstellen, der damalige Oberbürgermeister Hesse war ein moderner, ziemlich liberaler Mensch. Aber die breite Bevölkerung in Dessau galt wie überall als dem Modernen gegenüber weniger aufgeschlossen. Da fanden sich die, die sich der Avantgarde verschrieben hatten, zu einer Geistesgemeinschaft zusammen. Junkers hat seine Firma als Forschungs- und Versuchsanstalt für Neuerungen bezeichnet – ganz ähnlich wie Gropius das Bauhaus. Existierte keine Konkurrenz zwischen den beiden? Das glaube ich eigentlich nicht. Gropius erkannte in Junkers den visionären Forscher und innovativen Techniker. Junkers dagegen schätzte Gropius für sein

hielt er ihn für einen unmodern denkenden Menschen, „aber mit Persönlichkeit“. Wie passt das zusammen? Ich glaube, Junkers war sehr reflektiert und hat sehr über den Sinn des Lebens und die Aufgabe des Menschen nachgedacht. Immerzu suchte er nach einer Rechtfertigung für den Einsatz, den er von seinen Mitarbeitern forderte. Diese sagten fast unisono, es sei wunderbar gewesen, für Hugo Junkers zu arbeiten, aber zugleich unvorstellbar anstrengend. Wenn man soviel von seinen Mitarbeitern verlangt, braucht man dafür eine Begründung. Man muss selbst Vorbild sein – das war Junkers in jedem Fall. Es ist notwendig, seinen Leuten einen Grund für ihr Tun zu vermitteln. Im-

Hugo Junkers wurde als Pionier der Luftfahrt bekannt. Doch er interessierte sich auch für das moderne Wohnen: Prototypen für Metallhäuser.

Foto: Andreas Kühnlein, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau

Herr Junkers, Ihr Großvater wird in Dessau-Roßlau immer noch kultisch verehrt. Was reizt Sie an dieser Stadt, die nur zu zwanzig Prozent so aussieht, wie Hugo Junkers sie gekannt hat? Ich hatte in West-Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert und fuhr auf dem Heimweg nach München immer an Dessau vorbei. Einmal habe ich es gewagt, hier abzubiegen, und wurde von Vopos aufgehalten. Ich wusste natürlich, dass in Dessau die JunkersWerke gewesen waren, aber was nach der Enteignung meines Großvaters 1933 damit passiert war, davon hatte ich keine Ahnung. Ich fühle mich ­heute Dessau-Roßlau sehr verbunden. Vor allem, weil Junkers eben den Grundstein für den Aufschwung dieser Stadt gelegt hat. Andererseits bedrückt es mich natürlich sehr, dass auch die Zerstörung Dessaus während des Zweiten Weltkrieges indirekt mit Junkers zu tun hatte. Seine Werke, um die er von den Nazis gebracht wurde, wurden schließlich zum Grund für die Bombardierung der Stadt.

Bernd Junkers ist der Enkel des berühmten Dessauer Luftfahrtpioniers. Der studierte Wirtschaftsingenieur hat sich die Verwaltung des Nachlasses zur Lebensaufgabe gemacht.

Fotos: Archiv Bernd Junkers

mer ging es ihm um die Verantwortung für das Ganze. Für Hugo Junkers’ Kinder war das nicht ganz einfach. Als Vater war Junkers meistens abwesend. Unsere Ausstellung heißt „Bauhausstadt“ und vermittelt auch die beinharte Debatte, die Dessau im vergangenen Jahrzehnt um sein Leitbild geführt hat. Hätte es eine „Junkersstadt“ leichter? Ich glaube nicht, das ist eine sehr heikle Sache. Der Name Junkers ist national wie international belastet, weil er noch immer mit dem Luftkrieg verbunden ist. Es wäre eine Aufgabe, hier zur Aufklärung beizutragen und vor aller Welt klarzustellen, dass Hugo Junkers ein Opfer der Nationalsozialisten war und kein Mittäter. Seine Vision war eine ganz andere. Er wünschte sich ein vereintes Europa, das nicht aus Nationalstaaten besteht, und glaubte daran, dass der Flugverkehr das einigende Band sein könnte. Das müsste auch in dem Denkmal zum Ausdruck kommen, das die Stadt Dessau-Roßlau gerade für ihn plant. Komischerweise sind von Gropius und Junkers nur gemeinsame Spaziergänge überliefert, aber keine gemeinsamen ­Flüge. Wie kommt das? Bei aller Begeisterung für die Luftfahrt und den Flugzeugbau versuchte Junkers, Flugreisen so weit als möglich zu vermeiden. Ihm wurde in der Luft ganz einfach meistens schlecht.

Die Fragen stellten Ingolf Kern und Andreas Kühnlein.


Bauhausstadt 2020

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Ein satirischer Blick in die Zukunft Kretschmann wird Tatort-Kommissar. Der 58 Jahre alte Schauspieler Thomas Kretschmann hat seine Hollywood-Karriere unterbrochen und wird in seine Heimatstadt Dessau zurückkehren, um dort künftig als Tatort-Kommissar Hannes Breuer zu ermitteln. Wie der MDR mitteilte, soll der neue Kommissar für seine Verbrecherjagd keinen Dienstwagen, sondern eine JU 52 benutzen. Pool am Prellerhaus. Die Rasenfläche unterhalb der Balkone des Atelier­ gebäudes am Bauhaus wird zu einer Poollandschaft umgestaltet. Wie die Stadtverwaltung bekanntgab, stehen aufgrund der jährlich ansteigenden und inzwischen als mediterran geltenden Temperaturen in Dessau nicht genügend Badestellen zur Verfügung. Die Kosten für den Umbau trägt ein nicht genannter Sponsor aus dem Wüstenstaat Katar. Fünfmillionster Besucher. Das vor einem Jahrzehnt eröffnete „Walter Gropius Center“ der Stiftung Bauhaus Dessau erwartet den fünfmillionsten Gast. Das Besucher- und Sammlungszentrum hat sich zu einer Attraktion im Land der Moderne entwickelt, sagte der neugewählte Ministerpräsident Paul Biedermann.

Neue Dessauer Schule. Der Maler Neo Rauch trägt sich mit der Absicht, eine neue Schule für Malerei im Dessauer Bauhausgebäude zu gründen. Wie Rauch sagte, sei er sich mit der Bau­hausstiftung weitgehend einig. Mit dem Sommersemester solle der Lehrbetrieb in Dessau beginnen. Erstes Prestigeprojekt ist das Farbfest 2021. Streit ums Junkers-Denkmal. Um das geplante Denkmal für den Luftfahrtpionier Hugo Junkers gibt es weiter Streit. Die Erben und weite Teile der Stadtöffentlichkeit lehnten den Entwurf eines angesehenen Architekturbüros ab, im Stadtpark einen unterirdisch begehbaren Badeofen zu schaffen. Die Unesco wird sich mit dem Fall befassen. Junkers-Werke werden wiedereröffnet. Wie die Airbus GmbH mitteilte, soll der Hauptsitz des Unternehmens im kommenden Jahr von Toulouse, Frankreich, nach Dessau verlegt werden. Pressesprecher John Leahy gab außerdem die Umbenennung des größten europäischen Flugzeugbauers in „Hugo Junkers Worldwide“ bekannt. Neuer Chef des Unternehmens wird der frühere Airbus-Chef Hartmut Mehdorn.

Zeichnung: Tim Dinter

Uschi Heß wieder an der Bar. Die ­agile 92jährige mixt ab August 2020 ­wieder Klassiker wie „Blondes Gift“ und „Schlurfke Drink“ im renovierten Tanzcafé am Bauhaus. Mit ihrer Rückkehr beugt sich die Lokalgröße dem Drängen der Bibliotheksleitung im Stockwerk darunter.

Hallervorden eröffnet Showküche. In einer aufsehenerregenden Aktion kaufte der Entertainer das neu errichtete Meisterhaus Gropius (bauhausstadt berichtete). Hier will der 85jährige im Herbst eine Showküche eröffnen, seine Show soll bundesweit live übertragen werden.

Vier-Millionen-Marke geknackt. Dank konsequenter Eingemeindungspolitik ist die Bauhausstadt Dessau-Roßlau-Wittenberg-Bitterfeld-Köthen die größte Metropole Deutschlands. Der Bundestag berät derzeit über eine Verlegung des Regierungssitzes in den sachsen-anhaltischen Stadtstaat.

Luftbrücke nach Dessau. Nach häufigen Beschwerden über Verspätungen im ICE-Verkehr zwischen Dessau und Berlin sieht sich Deutsche-Bahn-Chef Grube zu einem unerwarteten Schritt gezwungen: Zusammen mit den Junkers-Werken soll eine ständige Flugverbindung in die Bundeshauptstadt eingerichtet werden.

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Aus welchem Holz ist das Bauhaus? Holger Ziolkowsi und Henning Seilkopf sind moderne Bauhausmeister. Ihr Arbeitsplatz ist die Modellwerkstatt am Bauhaus in Dessau-Roßlau. Freilich meint der Zusatz „Modell“ heute Anderes als zu Gropius’ Zeiten. Was einst die Werkstatt selbst als modellhafte Versuchsanstalt beschrieb, ist heute deren Haupterzeugnis. Für die Projekte der Stiftung Bauhaus Dessau entstehen hier Modelle im Wortsinn, maßstabsgetreue Miniaturbauhäuser zum Beispiel. Daneben fertigen die Tischler Ausstellungssysteme und Vitrinen, gestalten Bühnenbilder und reparieren ab und an eine quietschende Tür im Bauhausgebäude selbst.

„Bauhaus? Man ist da eben reingewachsen.“ Ihren Weg ans Bauhaus beschreiben die beiden Handwerker ziemlich lapidar. „1986 hing so ein Zettel an einer Säule vor dem Bauhaus“, erzählt Seilkopf. ‘Modelltischler gesucht’, stand da. Da wird Kunst und Kultur gemacht, hab ich mir gesagt, da bewerb’ ich mich.“ Am Bauhaus zu arbeiten, sei schon etwas Besonderes, auch wenn der historische Hintergrund wohl erstmal nicht ausschlaggebend war. „Man ist da so reingewachsen“, meint Ziolkowski nur, aber als er über die Arbeit der Bauhäusler spricht, beginnen seine Augen doch zu leuchten. Ihre Werkstatt ist eine Fundgrube für sich, eine Mischung aus Arbeits-

raum und Kuriositätenkabinett. Schwere Maschinen stehen zwischen halben Vitrinen und unde�nierbaren Holzteilen, zwischen Kisten, Podesten und �ligranen Modellen – Überbleibseln aus den Ausstellungen, die die beiden auf- und wieder abgebaut haben. Aus den Resten haben sie sich ihre eigene „Bauhaussammlung“ gezimmert; in jeder Ecke stehen, hängen, liegen Dinge, die „einfach zu schade waren zum Wegwerfen.“ Auch wenn nicht so ganz klar wird, welche Ausstellung eigentlich das hölzerne Damenbein in der Ecke hinterlassen hat, in die Sammlung Seilkopf / Ziolkowski passt es – zusammen mit dem Hirschkopf an der Wand und einem echten Kriegertotem aus Neuguinea, das sich Seilkopf gerade bei eBay ersteigert hat. Nicht alles also sind Zufallsfunde; die Prunkstücke verraten vielmehr ein sehr feines Gespür für Kurioses – und eine gehörige Portion Selbstironie. Die fällt schon am Eingang ins Auge, wo der Bauhausgründer höchstselbst von einem etwas verblassten Schild grüßt. „Du bist Walter Gropius“, heißt es da. Stimmt das?

„Billig, leicht und schön.“ Zweifellos hat diese Tischlerei den vielleicht handfestesten Zugang zum Bauhaus, den es heute gibt. Keine Ausstellung am Haus, kaum eine Veranstaltung ist denkbar ohne die Arbeit der beiden Holzexperten, die wenig Aufhebens um

nicht von professionellen Konstrukteuren entworfen, sondern stammen sichtbar aus der Feder von Künstlern. Der Lattenstuhl zum Beispiel, den Marcel Breuer 1922 entwarf und dessen schwächste Stelle ausgerechnet am Ort der stärksten Belastung sitzt. Eine ungewollte Sollbruchstelle beinah, „aber das macht nichts“, verteidigt Seilkopf den Meister, „dafür war das eben eine Versuchswerkstatt, ein Laboratorium, das Prototypen herstellte.“ In dieses würde er gerne einmal eine Zeitreise unternehmen: Neues zu entwickeln und auszuprobieren, wie die Bauhäusler, das würde auch ihn reizen. Seine tatsächliche Arbeit entspricht vielleicht nicht ganz der Entwurfspraxis, die die Werkstätten der zwanziger Jahre ausmachte. Aber er ist doch immerhin sehr nahe dran.

Fotos: Yvonne Tenschert, 2009, Stiftung Bauhaus Dessau

Von den Werkstätten in Dessau ist eine einzige noch heute in Betrieb – ein Besuch in der Tischlerei der Stiftung Bauhaus Dessau Von Andreas Kühnlein

die eigene Person machen. Ein Berufsalltag mit von Jahr zu Jahr knapperen Kassen hat sie zu Meistern der Improvisation gemacht. Oft müssen sie retten, was sich die Vordenker der Stiftung theoretisch aus-, aber nicht vollends zu Ende gedacht haben. Dabei sind die Anforderungen, mit denen sich das Duo bei seiner täglichen Arbeit konfrontiert sieht, nach wie vor die gleichen, wie bei ihren historischen Vorgängern: „Es darf nichts kosten, es muss leicht sein – und am besten noch gut aussehen.“ Pragmatischer könnte man das Bauhausprogramm kaum zusammenfassen. Zur Zeit sind die beiden Tischler wieder mit einer großen Ausstellung beschäftigt, zeichnen, sägen und schrauben an der „Bauhausstadt“, der sich die Stiftung Bauhaus Dessau als Abschluss ihres Jubiläumsprogramms widmet. Auf einem kleinen Brettchen macht Seilkopf Skizzen, den Entwurf der Oktogone, die später die „Bauhausstadt“ tragen werden. Von der aufgeregten Hektik, in der die Ausstellung vorbereitet wird, ist hier kaum etwas zu spüren – Seilkopf und Ziolkowsi haben schon zu viele Ausstellungen miterlebt, um noch Herzflattern zu bekommen vom Zeitdruck. Und wenn der Handwer-

„Einmal eine Zeitreise ans Bauhaus machen…“ ker mit geschultem Auge auf die Entwürfe des historischen Bauhauses sieht? Natürlich funktioniere das nicht alles perfekt, und manche Dinge sind eben

Erbauer der „bauhausstadt“: Holger Ziolkowski und Henning Seilkopf.

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Kinderseite „es war einmal ein Bauhaus. es wurde zu Fasching gebaut. Walter Gropius hat es entworfen. Darin arbeiteten Studenten. Weil sie gerne Feste feierten, ist es am Faschingstag fertig geworden. Für das Fest haben sie das ganze Bauhaus verwandelt.“ Malte, 8 Jahre, aus dem „Reisebuch von Kindern für Kinder der Region Dessau-Bitterfeld-Wittenberg“, 1997

Radierung von Hanna, 8 Jahre, entstanden 1997 im Rahmen der Kinderwerkstatt am Bauhaus

Verbindungsding

Rätsel

Was entsteht, wenn man die Zahlen der Reihe nach verbindet?

1. Wo arbeitete Gunta Stölzl? 2. Welches Material liebten die Bauhäusler sehr und bauten es in den verschiedensten Varianten im Bauhausgebäude ein? 3. Wie hieß der erste Bauhaus-Direktor? 4. Wie heißt das Fest, das jedes Jahr in der ersten Septemberwoche am Bauhaus gefeiert wird? 5. Welchen Beruf hatte Walter Gropius? 6. Wie heißt das Hochhaus mit den Balkonen neben der Mensa? 7. Wie hieß der zweite Bauhaus-Direktor?

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Lösung

Schreibt das Lösungswort auf eine Postkarte und schickt diese an die Stiftung Bauhaus Dessau: Stiftung Bauhaus Dessau // Stichwort: Rätsel Bauhauszeitung // Gropiusallee 38 // 06846 Dessau-Roßlau // Einsendeschluß ist der 7. März 2010. Unter den richtigen Einsendungen werden 3 Gedächtnisspiele verlost.

2 Lösung: Stahlrohrsessel B3 von Marcel Breuer

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bauhausstadt Die Ausstellung Samstag, 5. Dezember 2009 bis Sonntag, 7. März 2010 täglich 10 bis 18 Uhr Eröffnung: Samstag, 5. Dezember 2009 um 17 Uhr durch ­Staatssekretär Valentin Gramlich – ab 19 Uhr Bühnenprogramm und Fest Ort: Bauhausgebäude Begleitprogramm Unbekannte Bauhaus-Orte Stadtspaziergang durch Dessau-Roßlau. Samstag, 12. Dezember 2009 um 14 Uhr, Treffpunkt: Altes Arbeitsamt/Verkehrsamt (August-Bebel-Platz) DDR-Bauhaus: Staatstragend oder subversiv? Gespräch. Montag, 14. Dezember 2009 um 19 Uhr, Klub im Bauhaus (Gropiusallee 38) Bauhaus im Kino Dokumentar�lm „bauhaus – modell und mythos“ von Kerstin Stutterheim und Niels Bolbrinker. Sonntag, 10. Januar 2010 um 17 Uhr, UCI-Kinowelt (Wolfgangstraße 14), Eintritt: ab 6,50 € Blick hinter den eisernen Vorhang Vortrag. Donnerstag, 14. ­Januar 2010 um 19 Uhr, Klub im Bauhaus (Gropiusallee 38) Perspektive Bauhausstadt Dessau Podium. Donnerstag, 21. Januar 2010 um 19 Uhr, Ratssaal im Rathaus Dessau-Roßlau (Zerbster Straße 4) Raumpioniere aus dem Bauhaus Vorträge. Freitag, 29. Januar 2010 um 19 Uhr, Depot der Alten Brauerei (Brauereistraße 1–2) Bauhausstadt Dessau? Gespräch. Montag, 1. Februar 2010 um 19 Uhr, Ratssaal im Rathaus Dessau-Roßlau (Zerbster Straße 4)

Bauhausstadt und Junkers Veranstaltungsabend. Mittwoch, 3. Februar 2010 ab 21 Uhr, Bauhausgebäude (Gropius­allee 38) Was denkt die Welt über die Bauhausstadt? Podium. Freitag, 5. Februar 2010 um 19 Uhr, Klub im Bauhaus (Gropiusallee 38) Wie geht es weiter mit den Bauhausbauten? Podium. Donnerstag, 11. Februar 2010 um 19 Uhr, Kornhaus (Kornhausstraße 146) Bauten der Moderne: Erhaltung und Pflege Workshop. Samstag und Sonntag, 13. und 14. Februar 2010, Bauhausgebäude (Gropius­allee 38) Region der Moderne Podium. Donnerstag, 18. Februar 2010 um 19 Uhr, Technikmuseum „Hugo Junkers“ (Kühnauer Straße 161 a) Wende war anders?! Filmischer Rückblick. Samstag, 20. Februar 2010 um 19 Uhr, Aula im Bauhausgebäude (Gropiusallee 38) Bauhausbauten aus der Sicht von Anwohnern Diskussion. MonS07 Bauhaus tag und Dienstag, 22. und 23. Februar 2010 jeweils um 16 Uhr, Siedlung Törten. Mittwoch, 24. Februar 2010 um 16 Uhr, historisches Arbeitsamt. Donnerstag, 25. Februar 2010 um 16 Uhr, Kornhaus (Kornhausstraße 46) Die Entdeckung von Kurt Weill 1992 in Dessau Filme und ­Gespräche. Sams­tag, 6. März 2010 um 17 Uhr, Kurt-Weill-Zentrum, Meisterhaus Feininger (Ebertallee 63) Schulprojekt Radio-Feature [funk]projekt. Januar bis April, Präsentation am Mittwoch, 28. April 2010

„Heimatcontainer – deutsche Fertighäuser in Israel“ Ausstellung im Meisterhaus Schlemmer bis 7. März 2010 Berlin, Ende der zwanziger Jahre. Die Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG sind Deutschlands wichtigster Hersteller von Halbzeugen. Doch die im Ersten Weltkrieg auf Rüstungsproduktion spezialisierte Fabrik ist nicht ausgelastet, neue Geschäftsfelder müssen her. Hirsch entwickelt ein Fertighaus aus Kupfer. Äußerlich wirken die Häuser traditionell, technisch sind sie hoch modern. 1931 wird Walter Gropius mit der Verfeinerung der Entwürfe beauftragt, ein Jahr

später feiert die Bauausstellung „Sonne, Luft und Haus für alle!“ seine Entwürfe. Nach der Machtübernahme Hitlers sind viele jüdische Mitbürger gezwungen, nach Palästina zu emigrieren. Die Kupferhäuser sind nun eine Referenz an die alte Heimat. Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Arbeiten spüren den Geschichten der Kupferhäuser in Deutschland und Israel nach und reflektieren, was heute Heimat ist und sein könnte. Eröffnung am 5. Dezember um 15 Uhr.

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Das Leben des Malers Paul Klee am Bauhaus in Dessau: Der Auszug auf dieser Seite stammt aus der Comic-Biografie „Klee“ von Christophe Badoux, die im Verlag „Edition Moderne“ erschienen ist. Der Nachdruck erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Zentrums Paul Klee, Bern. Das Buch ist unter www.paulkleezentrum.ch für 19,80 Euro erhältlich.


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BauhausstadtAusstellung im Bauhaus Dessau5. Dezember 2009 bis 7. März 2010

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