Issuu on Google+

saisonküche 98 |

|

Bastien girod

|

Nr. 48, 26. November 2012 | Migros-Magazin |

Grün, scharf und knackig Als grüner Politiker setzt Bastien Girod auf nachhaltiges Essen. Vor allem aber soll es schmecken, genau wie der knusprige Tofu mit scharfem Gemüse.

E

ine kleine Altbauwohnung unweit des Manesseplatzes in Zürich ist das Zuhause von Nationalrat Bastien Girod. Der promovierte Umweltwissenschafter und grüne Politiker lebt hier mit seiner Frau, Ex-Miss-Zürich Ellen Girod. Die Wohnung ist zu klein für das junge Ehepaar. Girod entschuldigt sich kurzfristig, weil er rasch zu einer Wohnungsbesichtigung muss. Mit dem Velo braust er davon. So hat «Saionküche»-Köchin Lina Projer genügend Zeit, sich mit der kleinen Küche vertraut zu machen. Kurze Zeit später ist Girod wieder da. «Wieder nichts», sagt er enttäuscht. Hat man auf der Suche nach einer neuen Bleibe Vorteile als Nationalrat? «Nein, eher nicht. Die meisten Hausbesitzer sind ja nicht unbedingt Wähler der Grünen», sagt er verschmitzt.

das vegane kochbuch hat seine Frau angeschafft Vegetarier oder gar Veganer ist der Umweltwissenschafter nicht. «Aber ich esse sehr wenig Fleisch. Es ist für mich keine Frage des Prinzips, sondern der Menge.» Im Küchenregal steht ein populäres Kochbuch mit veganen Rezepten. «Das hat meine Frau angeschafft. Da sind spektakuläre Rezepte drin.» Bevor es in seiner sehr kleinen Küche spektakulär wird, muss der 31-Jährige aber noch Gemüse rüsten. Shiitakepilze landen in der Pfanne, Peperoncini und Ingwer für die Schärfe. Zwischendurch wandert ein Stück Rüebli in den Mund. Ein heikler Esser ist er nicht: «Ich esse eigentlich alles gern. Nur bei Fisch bin ich zurückhaltend, wenn er nicht das MSC-Label trägt.» Ansonsten holt er sich fürs Kochen von überall Inspirationen her, und Tofu ist ihm ebenso lieb wie Gemüse. Und wenn er einen Kakaodrink auf Sojamilchbasis besonders mag, dann gibt er dem den Vorzug vor herkömmlichen Kakaogetränken auf Kuhmilchbasis. So

Der Grüne Bastien Girod ist kein dogmatischer Chörnlipicker. Dennoch verzichtet er zeitweise


|

MIGROS-MAGAZIN | NR. 48, 26. NOVEMBER 2012 |

SAISONKÜCHE

BASTIEN GIROD | 99

In der kleinen Küche muss das Teamwork stimmen: «Saisonküche»Köchin Lina Projer und Bastien Girod.

Aufgetischt ■ Was haben Sie auf Vorrat? Quark, Joghurt, Milch und Zutaten für Pizza. ■ Wie oft kochen Sie pro Woche? Ein bis zwei Mal – meist Pasta oder Pizza. ■ Kochen ist für Sie … … Mittel zum Zweck. ■ Was würden Sie nie essen? Oktopus. ■ Mit wem würden Sie gerne mal essen gehen? Mit Al Gore – oder auch Arnold Schwarzenegger oder Joschka Fischer.

auf tierische Produkte, dem Klima zuliebe.

pragmatisch wie beim Essen denkt er zumeist auch in seiner politischen Tätigkeit. Seine Arbeit als Umweltwissenschafter hilft ihm dabei: «Es geht mir nicht darum, mich nach links oder rechts zu orientieren — letztlich möchte ich bei Problemen eine Lösung finden und vorwärtskommen.» Vorwärtskommen möchte auch die Köchin und erklärt, dass der Tofu jetzt

 Tofu, Sesampaste (Tahini), Peperoncini, Ingwer, Pilze und vieles mehr: Bei dieser Aromenvielfalt werden selbst Fleischtiger schwach.  Das Gemüse wird in feine Scheiben geschnitten.  Die Marinade ist eine Mischung aus Sesampaste, Ahornsirup und Sambal Oelek.  Der Tofu wird im Ofen geröstet.

wieder im Ofen röstet, nachdem er dazwischen mariniert wurde. Jetzt verströmt der feste, in Würfel geschnittene Sojaquark ein feines Aroma. In einer Pfanne kocht bereits Reis, sodass Bastien Girod sich um das Gemüse kümmern kann. Da klingelt es an der Tür, und eine Bestellung von Leshop.ch wird angeliefert. «Das ist praktisch, weil wir unter der Woche wenig Zeit für Einkäufe


|

saisonküche

Migros-Magazin | Nr. 48, 26. November 2012 |

haben», sagt Girod. Der Umweltwissenschafter muss seinen Job an der ETH Zürich und sein Mandat als Nationalrat unter einen Hut bringen. Ganz so bewegt wie als studentischer Aktivist bei Greenpeace hört sich das nicht mehr an. Vermisst er die Zeit? «Ich habe schon Aktionen in meine politische Arbeit integriert. Aber die Zeit als Aktivist vermisse ich nicht, weil ich für mich herausgefunden habe, dass der politische Diskurs viel mehr bewegen kann als einzelne Aktionen. Für mich ist das der bessere Weg.»

|

bastien girod | 101

Knuspriger Tofu auf scharfem Gemüse

alles eine Frage der Menge – beim essen wie beim reisen Seinen Überzeugungen bleibt Bastien Girod treu. Zwar schliesst er nicht aus, dass er irgendwann einmal ein eigenes Auto haben wird, findet aber: «In Zürich braucht man kein Auto. Und für die wenigen Anlässe, wo man das Auto braucht, kann man auch eines mieten.» Er selbst ist meist mit dem Velo unterwegs. In die letzten Ferien gings zwar ins sonnige Sardinien — aber nicht mit dem Flieger, sondern mit Zug und Fähre. «Als ich für meine Doktorarbeit in den Niederlanden war, bin ich in den anderthalb Jahren 30 Mal gependelt — aber nur zweimal mit dem Flugzeug.» Für ihn ist es wie beim Essen: «Alles eineFragederMenge.»«Saisonküche»Köchin Lina Projer nickt zustimmend: «Das war auch unser Anliegen bei der Erarbeitung des Kochbuchs ‹Green Gourmet›. Wenn die Leute häufiger saisonales Gemüse essen und auch mal das Fleisch weglassen, dann ist das schon ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.» Bastien Girod nickt. Da dreht sich ein Schlüssel in der Tür, und Girods Frau Ellen ist da. Perfektes Timing, denn jetzt ist genug politisiert, der Feierabend kann beginnen. Mit pikanten Tofuwürfeln, Gemüse und Reis. Text: Claudia Schmidt Bilder: Miriam Graf

www.bastiengirod.ch www.saison.ch/de/green-gourmet.ch

ZuTaTen

500 g Tofu 5 eL Holl-Rapsöl Salz, 1 eL Tahinipaste (Sesampaste), 1½ eL ahornsirup, 1 eL Sambal Oelek, 1 eL Sesamöl 1½ TL schwarze Sesamsamen (Delikatessgeschäft) 6 eL Sojasauce 40 g Ingwer 400 g Wirz 2 Karotten 250 g Lauch 2 Peperoncini 2 Knoblauchzehen 100 g Shiitakepilze

ZubeReITunG 1. backofen auf 220 °C vorheizen. Tofu in circa 1 cm grosse Würfel schneiden. mit 2 eL rapsöl mischen und auf ein mit backpapier belegtes blech einlagig verteilen. mit Salz würzen. Tofu circa 25 minuten im ofen backen, dabei ein- bis zweimal wenden. Tahinipaste, Ahornsirup, Sambal oelek, Sesamöl, -samen und 2/3 der Sojasauce mischen. Die Hälfte des Ingwers fein dazureiben. Heisse Tofuwürfel mit der marinade mischen. ofentemperatur auf 180 °C reduzieren. Tofu weitere 10 bis 15 minuten backen. 2. restlichen Ingwer hacken. Wirz, Karotten und Lauch in mundgerechte Stücke schneiden. Peperoncini in ringe, Knoblauch in Scheiben und Pilze in Streifen schneiden. restliches Öl erhitzen, Ingwer, Peperoncini und Knoblauch darin anbraten. Wirz, Karotten und Lauch dazugeben und circa 3 minuten unter ständigem rühren braten. Pilze dazugeben, circa 1 minute mitbraten. Gemüse mit restlicher Sojasauce würzen. mit Salz abschmecken. Tofuwürfel mit dem Gemüse anrichten. Dazu passt reis.

Hauptgericht für 4 Personen Zubereitung ca. 30 minuten + 35–40 minuten backen Pro Person circa 22 g eiweiss, 29 g Fett, 22 g Kohlenhydrate, 1800 kJ/430 kcal

Ein echter Bestseller: Über 250 000 Mal wurde das Kochbuch «Green Gourmet» verkauft! Alle Fans der nachhaltigen Küche, die noch kein Exemplar daheim haben, können es unter www.leshop.ch bestellen.


Grün, scharf und knackig