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Wie geht es weiter nach dem Herzinfarkt? Informationen und Tipps fĂźr AngehĂśrige

Initiative Herzbewusst

Eine Initiative von

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 Einführung

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Herzinfarkt: Das geht auch an Partner und Familie nicht spurlos vorüber Ein Herzinfarkt oder auch ein operativer Eingriff nach Diagnose einer instabilen Angina pectoris (z. B. das Einsetzen eines Stents) ist immer eine Krise. Für den betroffenen Patienten selbst, aber auch für seine Umgebung. Gerade für Menschen, die bisher wenig oder gar nicht über ihre Gesundheit nachgedacht haben, weil Beruf, Familie oder Haus immer wichtiger waren, kommt ein Herzinfarkt wie ein Schock. Plötzlich mit einer lebensbedrohlichen Situation konfrontiert zu sein, sich der eigenen Verletzlichkeit bewusst zu werden, löst Verunsicherung und Ängste aus – beim Patienten und bei seinen Angehörigen.

Um einem weiteren Infarkt vorzubeugen, ist es deshalb sehr wichtig, die vom Arzt verordnete Behandlung konsequent einzuhalten und für einen gesunden, aktiven Lebensstil zu sorgen. Was die Umstellung der Lebens­ gewohnheiten anbelangt, können Sie Ihren herzkranken Partner oder Angehörigen sehr gut unterstützen, denn bewusste Ernährung und regelmäßige Bewegung machen viel mehr Spaß, wenn man gemeinsam dafür sorgt. Nicht zuletzt tun Sie damit auch für Ihre eigene Gesundheit etwas sehr Gutes!

Sie halten diese Broschüre in der Hand, weil Ihr Partner, Ihr Vater, Ihre Mutter oder ein anderer, Ihnen sehr nahe­ stehender Mensch einen Herzinfarkt erlitten hat, oder bei ihm eine instabile Angina pectoris diagnostiziert wurde und gegebenfalls ein operativer Eingriff nötig war. Wenn er nach diesem einschneidenden Ereignis ängstlich, nieder­ geschlagen oder sogar depressiv ist, hat das ganz klar auch Auswirkungen auf Sie. Wahrscheinlich fragen Sie sich jetzt, wie Sie ihn in dieser schwierigen Situation unterstützen und Zuversicht ausstrahlen können, und welche praktischen Hilfen willkommen sind. Fast immer liegt einem akuten Herzinfarkt eine so ge­ nannte koronare Herzkrankheit zugrunde, also eine Verengung der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Es ist wichtig zu wissen, dass die koronare Herzkrankheit als Grunder­ krankung bestehen bleibt, auch wenn der akute Infarkt längst überstanden und der Patient in seinen Alltag zurückgekehrt ist.

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 Leben nach dem Infarkt

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Wieder zu Hause – das Leben nach dem Infarkt Nach einem Infarkt oder auch nach dem Einsetzen eines Stents bei instabiler Angina pectoris ist eine langfristige medikamentöse Behandlung erforderlich, um einer Blutgerinnselbildung und einem weiteren Verschluss eines Herzkranzgefäßes vorzubeugen. Zusätzlich verordnet der Arzt meist weitere Medikamente, die beispielsweise einen zu hohen Blutdruck oder erhöhte Blutfettwerte senken, das Herz vor Stressreaktionen und Rhythmusstörungen schützen oder einer Herzschwäche entgegen wirken. Unterstützen Sie Ihren Partner oder Angehörigen dabei, an die regelmäßige Tabletteneinnahme zu denken – auch dann, wenn Sie unterwegs oder auf Reisen sind. Falls unerwünschte Wirkungen auftreten, sollte der behandeln­ de Arzt kontaktiert werden. Ein Medikament eigenmächtig abzusetzen, wäre äußerst riskant! Nach der Akutbehandlung in der Klinik verbringen viele Herzinfarkt-Patienten einige Zeit in einer Rehabilitations­ einrichtung. Diese Phase ist sehr wichtig. Nicht nur für die Nachsorge, sondern auch, damit der Patient klarer sieht, welche „Kursänderungen“ notwendig sind, um in Zukunft gesünder und glücklicher zu leben. Ein Großteil der Patienten erreicht nach einem Infarkt sein früheres Leistungsniveau wieder. Sie müssen Ihren Lebenspartner also nicht „in Watte packen“, wenn er nach Hause zurückkehrt. Stellen Sie sich dennoch darauf ein, dass er zeitweise unsicher, ängstlich oder niedergeschla­ gen sein wird und dass es manchmal schwierig sein kann, gut mit ihm auszukommen. Gerade die ersten Wochen sind oft nicht einfach, und es können immer wieder neue Fragen und auch Spannungen auftauchen, beispielsweise wenn die Rückkehr an den Arbeitsplatz ansteht, eine Umschulung durchgeführt werden soll oder doch eine Berentung überlegt wird.

Nach einem Ereignis sind regelmäßige Kontrolluntersu­ chungen beim Kardiologen notwendig. Der Arzt überprüft unter anderem, in welchem Zustand sich der Herzmuskel befindet und ob alle Risikofaktoren wie hohe Blutdruckund Blutfettwerte optimal behandelt werden. Es ist wichtig, dass Ihr Partner oder Angehöriger diese Termine regelmäßig wahrnimmt, und es wird Sie beide beruhigen, wenn der Arzt feststellt, dass alle Werte in Ordnung sind.

Ganz wichtig: Medikamente zuverlässig einnehmen, Kontrolltermine einhalten Auch wenn Ihr Lebenspartner oder Angehöriger einen Infarkt gut überstanden hat, besteht bei ihm weiterhin eine koronare Herzkrankheit, bei der es zu Engstellen in den Herzkranzgefäßen kommt. Um einem weiteren Infarkt vorzubeugen, ist es deshalb unerlässlich, dass Ihr Partner die Anweisungen seines Arztes einhält und seine Medika­ mente regelmäßig einnimmt.

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 Damit uns ein weiterer Infarkt erspart bleibt

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Damit uns ein weiterer Infarkt erspart bleibt Ein so einschneidendes Ereignis wie ein Herzinfarkt sollte für jeden Betroffenen Anlass sein, seinen bisherigen Lebensstil zu überdenken und die „Weichen neu zu stellen“. Vieles muss Ihr herzkranker Partner oder Angehöriger selbst in die Hand nehmen, beispielsweise ein Übermaß an beruflichem Stress abbauen. Aber Sie können ihn dabei unterstützen, in Zukunft einen aktiven, gesundheitsbewussten Lebensstil zu pflegen und damit einem weiteren Infarkt vorzubeugen.

Keine Zigaretten mehr Nikotin gehört zu den Hauptrisikofaktoren für eine korona­ re Herzkrankheit und erhöht das Risiko für einen weiteren Infarkt erheblich. Deshalb ist Rauchen absolut tabu – für den Infarkt-Patienten, aber auch für den Rest der Familie. Den meisten Rauchern fällt es sehr schwer, auf Zigaretten zu verzichten. Aber es gibt Medikamente, Motivationspro­ gramme und Antiraucherkurse, die bei der Entwöhnung unterstützen. Fragen Sie Ihren Arzt danach.

Unterstützen Sie Ihren Partner bei seinen Bemühungen um einen aktiven Lebensstil. Noch besser ist es, wenn Sie selbst aktiv werden, denn gemeinsam macht Bewegung mehr Spaß. Begleiten Sie Ihren Partner auf flotten Spazier­gängen, machen Sie gemeinsam einen NordicWalking-Kurs unter fachkundiger Anleitung oder lernen Sie Golf spielen. Denken Sie daran, bei Ihren sportlichen Unternehmungen immer ein funktionierendes Handy mitzunehmen, um bei Bedarf Hilfe zu holen oder auch erreichbar zu sein. Fangen Sie mit kurzen Trainingseinhei­ ten an und steigern Sie Dauer und Intensität Ihrer Aktivitä­ ten nach und nach. Eine Pulsuhr leistet Ihrem herzkranken Partner gute Dienste, denn er oder sie sollte die mit dem Arzt besprochenen Pulsgrenzen unbedingt einhalten. Falls Sie Ihrem Partner eine Freude machen möchten, wenn er aus der Rehabilitation zurückkommt: Eine Pulsuhr wäre ein passendes Geschenk!

Gesund ernähren und auf das Gewicht achten Steigen Sie auf eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Salat um. Das nützt nicht nur „Ihrem“ Herzinfarkt-Patienten, sondern auch Ihnen. Gesunde Kost kann äußerst lecker schmecken, eine Menge Spaß machen und dabei auch noch gut für die schlanke Linie sein. Auf S. 6 geben wir Ihnen prakti­ sche Tipps für Ihre Küche.

Sorgen Sie für Bewegung Sport und Bewegung gehören zu den wirkungsvollsten Methoden, etwas für die Gesundheit zu tun – gerade nach einem Herzinfarkt oder nach einer Diagnose einer instabi­ len Angina pectoris. Eine Untersuchung beim Kardiologen zeigt, wie belastbar Ihr Partner oder Angehöriger jetzt ist, und der Arzt wird ihn auch beraten, welche Sportarten für ihn günstig sind. Im Allgemeinen werden Ausdauersport­ arten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Wandern empfohlen. Sportarten mit deutlichem Wettkampfcharak­ ter (z. B. Tennis, Fußball, Handball) gelten dagegen als ungünstig.

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Bewegung ist wichtig: Täglich 30 – 60 Minuten mäßige Anstrengung (Sie sollten sich dabei noch unterhalten können) ist empfehlenswert. Sprechen Sie aber vorher mit einem Arzt darüber.

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 Damit uns ein weiterer Infarkt erspart bleibt

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Den Stress in Schranken weisen Ein durchgemachter Herzinfarkt sollte für Ihren Partner oder Angehörigen Anlass sein, seinen bisherigen Lebens­ stil zu überdenken. Gab es besondere berufliche Belas­ tungen wie Termindruck, zahllose Überstunden, Schicht­ arbeit, Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten? Darüber hinaus sollten Sie gemeinsam überlegen, wie Sie bisher Ihre Freizeit gestaltet haben: Sind Sie auch noch nach Feierabend von Termin zu Termin gehetzt und waren alle Wochenenden verplant? Blieb Ihnen genug Zeit für Hobbys und Freunde? Oder möchten Sie sich hier in Zukunft mehr Freiräume schaffen? Wenn Sie beide bisher immer auf Hochtouren liefen, kaum Zeit füreinander hatten oder mit beruflichem oder priva­ tem Stress fertig werden mussten, sollten Ihr Partner und Sie einen Gang zurückschalten. Hilfreich könnte es für Sie beide sein, eine Entspannungsmethode wie Yoga, autoge­ nes Training oder z. B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson zu erlernen. Entspannungsmethoden dienen der Angst- und Stressbewältigung, beruhigen das

vegetative Nervensystem und helfen bei Einstellungs- und Verhaltensänderungen. Wichtig ist, dass Ihr Partner und Sie die für Sie passende Methode finden und unter fachkundiger Anleitung üben. Fragen Sie den Anbieter des Kurses, ob Sie zunächst eine „Schnupperstunde“ nehmen dürfen.

Risikofaktoren ausschalten Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Gefahr für einen (weiteren) Herzinfarkt. Rauchen und Bewegungsmangel haben wir schon erwähnt, aber es gibt weitere ungünstige Faktoren: Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Diabetes mellitus zählen beispielsweise dazu. Weist Ihr Partner oder Angehöriger einen oder mehrere dieser Risikofaktoren auf, sollte er sich unbedingt entsprechend behandeln lassen.

Dinge, die nach einem Infarkt oder einer instabilen Angina pectoris wichtig sind:

Anweisungen des Arztes einhalten und Medikamente regelmäßig einnehmen

Verringerung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes Vermeidung von Stress

Gesund ernähren und auf das Gewicht achten

Mehr Bewegung Rauchen aufgeben

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 Ernährung

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Ernährung: Herzbewusst genießen

Nehmen Sie den Herzinfarkt Ihres Angehörigen zum Anlass, die Essgewohnheiten Ihrer Familie zu überdenken. Kochen Sie regelmäßig selbst oder greifen Sie häufig zu Fertiggerichten? Ernähren Sie sich abwechslungsreich und wissen Sie, wie viel Fett, Salz und Zucker Sie zu sich nehmen?

Als besonders herzfreundlich gilt die Mittelmeerkost. Denn typisch für die mediterrane Ernährung ist die Verwendung von viel frischem Salat, Gemüse, Obst und Fisch und von Olivenöl, das gesunde ungesättigte Fettsäuren enthält.

Fette Fett ist nicht gleich Fett: Gesättigte Fettsäuren können den ungünstigen Cholesterinwert (LDLCholesterin) im Blut erhöhen. Diese Fettsäuren kommen vor allem in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor, also z. B. in Wurst, durchwachsenem oder fettem Fleisch, Käse und Butter, aber auch in gehärteten Pflanzenfetten, wie beispielsweise Frittierfett aus Kokos- oder Palmöl. Kaufen Sie nur mageres Fleisch, schneiden Sie sichtbare Fettanteile ab und entfernen Sie die Haut bei Geflügelfleisch. Vorteilhaft sind dagegen ungesättigte Fettsäuren, die sich auf die Cholesterinwerte im Blut und damit auf Herz und Kreislauf günstig auswirken. Ungesättigte Fettsäuren kommen in Pflanzenölen (z. B. Oliven-, Raps- oder Walnussöl), Nüssen oder Avocados vor.

Eiweiß Entscheiden Sie sich bei Milch und Milchprodukten wie Joghurt, Quark oder Käse immer für die fettarme Sorte. Weitere wertvolle Eiweißlieferanten sind Fisch wie Seelachs, Rotbarsch, Lachs und mageres Fleisch.

Obst und Gemüse Essen Sie fünf oder mehr Portionen Obst, Gemüse oder Salat am Tag. Eine Portion entspricht z. B. einer Orange, einer Tomate oder einer Handvoll Beeren.

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 Ernährung

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Kohlenhydrate und Zucker Greifen Sie mehrmals täglich zu Vollkornprodukten wie Haferflocken, Naturreis und Vollkornbrot. Sie enthalten wertvolle Vitamine und Ballaststoffe. Schränken Sie Ihren Konsum an Süßigkeiten ein. Zu viel Süßes schadet den Zähnen und dem Stoffwechsel und schlägt mit vielen Kalorien zu Buche.

Salz Setzen Sie Salz sparsam ein – vor allem, wenn Sie oder Ihr Partner erhöhte Blutdruckwerte haben. Verwenden Sie stattdessen vermehrt frische Kräuter (Basilikum, Thymian, Rosmarin etc.), die ebenfalls Geschmack geben.

Zubereitung: Dünsten und Garen Bevorzugen Sie fettarme Zubereitungsarten wie Dünsten, Garen in der Alufolie oder im Bratschlauch, Grillen oder Kochen im Tontopf oder in der Mikrowelle. Verwenden Sie zum Braten beschichtete Pfannen oder grillen Sie Fisch oder Fleisch. Frittierte und panierte Speisen meiden, denn sie sind sehr fettreich. Wenn Sie Fertiggerichte kaufen möchten: Ein Blick auf die Zutatenliste auf der Verpackung lohnt sich. Meiden Sie Produkte mit hohem Fettanteil und suchen Sie stattdessen nach einer fettarmen Alternative.

Behalten Sie Ihren Kalorienkonsum im Blick und vermeiden Sie Übergewicht.

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 Psyche und Partnerschaft

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Der Infarkt hat unser Leben verändert

Auch für die Angehörigen ist ein Herzinfarkt oder ein operativer Eingriff nach Diagnose einer instabilen Angina pectoris oft ein Schock. Möglicherweise haben Sie das akute Ereignis bei Ihrem Partner unmittelbar miterlebt und den Notarzt gerufen. Auf jeden Fall war und ist es für Sie sehr beunruhigend, wenn Sie Ihren Partner oder Angehö­ rigen, den Sie bisher vielleicht immer als stark empfunden haben, in einer lebensbedrohlichen Situation erlebt haben. Angst und Unsicherheit sind da ganz natürliche Folgen. Sprechen Sie mit Freunden oder auch mit Ihrem Arzt über Ihre Gefühle und sehen Sie die Zukunft nicht zu düster. Es ist gut, wenn Sie Ihren bisherigen Lebensstil überden­ ken und gemeinsam überlegen, wie Sie für eine gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Entspannung und Lebens­ freude sorgen können. Aber das bedeutet nicht, dass Sie in Zukunft jede noch so kleine Belastung von Ihrem Partner oder Angehörigen fernhalten und ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen müssen. Die meisten Patienten können nach einem Herzinfarkt ihr früheres Leistungsniveau wieder erreichen. Für manche Patienten ist es sehr schwierig, einen Herzinfarkt seelisch zu verar­ beiten, und sie entwickeln eine Depression. Wenn Ihr Partner anhaltend niedergeschlagen, missgestimmt und antriebslos ist, sollte er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ermutigen Sie ihn, seinen Arzt aufzusuchen und über seine Niedergeschlagenheit zu sprechen. Denn eine Depression erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko und ist nicht nur für den Patienten, sondern für die gesamte Familie sehr belastend.

Ein Wort noch zu Potenzmitteln: Diese Medikamente können die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten so verstärken, dass die Durchblutung des Gehirns nicht mehr ausreicht und eine lebensgefährliche Bewusstlosigkeit droht. Falls Ihr Partner regelmäßig oder bei Bedarf Nitrate wie z.B. Nitrosprays nimmt, sollten gleichzeitig keine potenzsteigernden Mittel eingenommen werden. Im Zweifelsfall sollte Ihr Partner mit seinem Arzt besprechen, ob eine Gefahr von Wechselwirkungen besteht.

Partnerschaft und Sexualität Und was ist mit der Liebe? Die meisten Patienten können nach einem Infarkt ihre gewohnte sexuelle Aktivität wieder aufnehmen, die Belastung dabei wird häufig überschätzt. Vielleicht sind Sie beide sich nach längerem Klinik- oder Rehaaufenthalt ein bisschen fremd geworden – lassen Sie sich ausreichend Zeit, sich wieder aneinander zu gewöh­ nen. Wichtig ist, dass Sie beide offen über Ihre Wünsche und eventuelle Befürchtungen sprechen. Falls Ihr herz­ kranker Partner bei sexuellen Aktivitäten Angina-pectorisBeschwerden wie z.B. Schmerzen hinter dem Brustbein bekommt, sollte er sofort sein Nitrospray nehmen und bei anhaltenden Beschwerden ärztliche Hilfe rufen.

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 Reisen

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Herzfreundlich verreisen

Natürlich können Sie mit Ihrem Partner oder Angehörigen nach überstandenem Herzinfarkt wieder verreisen, wenn er in seiner körperlichen Leistungsfähigkeit normalen Alltagsbelastungen wieder gewachsen ist. Ein paar entspannende Urlaubstage in schöner, anregender Umgebung werden Ihnen sicher gut tun. Entscheidend ist, dass Sie Ihr Reiseziel sorgfältig auswählen, die Reise möglichst stressfrei gestalten und alle wichtigen Unterlagen mitnehmen.

Wohin soll’s denn gehen? Warmes, trockenes Klima vertragen die meisten HerzPatienten gut, während ein Urlaub in feucht-heißen Gebieten den Kreislauf erheblich belasten und die Leis­ tungsfähigkeit einschränken kann. Klirrende Kälte wird ebenfalls nicht gut vertragen und sollte von herzkranken Menschen vermieden werden. Ob sich Ihr Partner oder Angehöriger nach einem Herzinfarkt in Höhenlagen (2500 m und mehr) aufhalten darf, sollte er zuvor mit seinem Kardiologen oder Hausarzt abklären.

Ausreichend Medikamente einpacken Herzmedikamente, die Ihr Partner oder Angehöriger regelmäßig nehmen muss, sollten Sie großzügig einpa­ cken – wer weiß, ob sich die Rückreise vielleicht etwas verzögern wird? Falls Sie eine Flugreise vor sich haben, sollten Medikamente sicherheitshalber im Handgepäck verstaut werden – Koffer können verloren gehen oder mit deutlicher Verspätung eintreffen. Nehmen Sie immer auch den Beipackzettel oder die Verpackung der Medikamente mit, damit der Arzt im Ausland feststellen kann, welchen Wirkstoff das jeweilige Medikament enthält. Ganz wichtig sind rasch wirkende Nitrate gegen plötzlich auftretende Herzbeschwerden – die sollten auch im Urlaub immer dabei sein. Sinnvoll ist es auch, seinen Notfallausweis und die Ergeb­ nisse der letzten Herzuntersuchungen (Echokardiogra­ phiebericht, Herzkatheterbefund) und den aktuellen Krankenhausentlassungsbericht mitzunehmen.

Wenn Sie eine Fernreise planen, denken Sie bitte daran, dass die Zeitverschiebung ein Stressfaktor ist, den man nicht unterschätzen darf. Um sich an eine Zeitverschie­ bung von mehreren Stunden zu gewöhnen, benötigt man einige Tage.

Auto, Bahn oder Flugzeug? Sind die ersten Wochen nach dem Infarkt überstanden, können die meisten Menschen wieder problemlos Auto fahren. Am besten, Sie wechseln sich beim Fahren ab und gönnen sich regelmäßige Pausen. Wenn möglich, sollten Sie Haupturlaubszeiten meiden, um Staus auf den Autobahnen zu entgehen. Falls Ihr Partner oder Angehöri­ ger unsicher ist, ob und in welchem Umfang er wieder Auto fahren darf, sollte er dies mit seinem Arzt besprechen. Bahnreisen können sehr angenehm sein, wenn man sich nicht mit zu viel Gepäck belastet und fürs Umsteigen genügend Zeit einkalkuliert. Denken Sie daran, rechtzeitig Sitzplätze zu reservieren. Nach einem Herzinfarkt sollte man keine schweren Koffer ins Gepäcknetz heben, bitten Sie lieber Mitreisende um Hilfe.

Reisen mit ärztlicher Begleitung Falls Sie Bedenken haben und mit Ihrem herzkranken Partner nicht „auf eigene Faust“ verreisen möchten: Es gibt organisierte Reisen mit ärztlicher Begleitung speziell für Herz-Patienten. Ihr Angehöriger sollte seinen Kardiolo­ gen oder in der Herzsportgruppe danach fragen.

Wenn Sie größere Entfernungen zurücklegen möchten, planen Sie wahrscheinlich eine Flugreise. Falls der Infarkt Ihres Angehörigen erst wenige Monate zurückliegt, sollte er mit seinem Arzt besprechen, ob ein Flug wieder möglich ist.

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 Hitze und Kälte

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Gut durch das ganze Jahr

Brütende Hitze und frostige Temperaturen belasten Herz und Kreislauf. Für Herz-Patienten sind extreme Temperaturen besonders unangenehm – aber mit

einigen Verhaltenstipps kommen Sie gut durch die heiße und die kalte Jahreszeit.

Im Sommer: Leben wie am Mittelmeer

Im Winter: Bewegung in Maßen tut gut

– Wie herzfreundlich die Mittelmeerküche ist, haben wir schon beschrieben. Verwöhnen Sie Ihren Partner und sich im Sommer mit frischen, knackigen Salaten und Früchten. Grillen ist erlaubt, aber wählen Sie lieber Fisch und Geflügel statt Schweinebauch, Haxen oder Würste. Auch Gemüse vom Grill schmeckt wunderbar – probie­ ren Sie Zucchini, Paprika, Tomaten und Auberginen, fein gewürzt.

– Die Tage sind kurz, das Wetter oft schlecht – also verkriecht man sich gerne zu Hause. Und dann die vielen Feiertage und Einladungen… Bleiben Sie beide auch im Winter aktiv und schlagen Sie kalorienmäßig nicht über die Stränge.

– Auch in puncto Lebensstil können wir uns von unseren südeuropäischen Nachbarn einiges abschauen: Sie sind in den Vormittagsstunden und abends aktiv und gönnen sich in der größten Mittagshitze eine ausgiebige Ruhe­ zeit. Bewegung ist für herzkranke Menschen wichtig, auch im Sommer. Aber wählen Sie die kühlen Morgen­ stunden für eine kleine Radtour oder gehen Sie ab dem späten Nachmittag im Park oder Wald spazieren. – In der Sommerhitze schwitzt man leicht, und der Körper verliert viel Flüssigkeit, Salz und Elektrolyte. Deshalb sollte Ihr Partner oder Angehöriger ausreichend trinken, gerade bei körperlicher Aktivität. Geeignet sind Mineral­ wässer, Kräutertees und Fruchtsäfte, mit Mineralwasser gemischt. Bei Hitze lieber auf Alkohol verzichten!

– Flotte Spaziergänge sind auch in der kalten Jahreszeit möglich und wichtig. Der Puls sollte ansteigen, aber nicht so stark, dass Sie sich nicht mehr unterhalten können. – Starke Kälte – etwa ab minus fünf Grad – kann Herz­ schmerzen (Angina pectoris) begünstigen, weil sich bei Kälte die Blutgefäße verengen. Wenn Ihr Partner zu Angina pectoris neigt, kann es günstig sein, wenn er vor einem Winterspaziergang sein Nitrospray nimmt. Er sollte mit seinem Arzt darüber sprechen. – Schneeschippen ist für Herzkranke tabu. Die Kälte ist allein schon anstrengend, und beim Schneeräumen kommen erhebliche Belastungsspitzen dazu.

– Nimmt Ihr Partner Medikamente gegen zu hohen Blutdruck? Dann könnte es sein, dass die Dosierung im Sommer etwas reduziert werden muss, denn sommerli­ che Temperaturen senken den Blutdruck. Schwindelge­ fühle können ein Anzeichen dafür sein – Ihr Partner sollte aber eine eventuelle Anpassung der Medikamente unbedingt mit seinem Arzt besprechen. – Ein guter Sonnenschutz, eventuell sogar ein Sunblocker, sollte im Sommer selbstverständlich sein. Denken Sie auch an Sonnenbrille und Schirmmütze. Einige Herzme­ dikamente können die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen erhöhen, entsprechende Angaben finden Sie auf dem Beipackzettel.

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 Notfall

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Herz-Notfall: Was tun?

Angehörige herzkranker Patienten finden es meist beruhigend, gut informiert und auf eventuelle Notfälle vorbereitet zu sein. Deshalb möchten wir hier kurz zusammenfassen, wie sich ein (erneuter) Infarkt bemerkbar machen kann: –S  tarke, länger als 5 Minuten anhaltende Schmerzen meist im Brustkorb, oft in den linken Arm ausstrahlend (oder auch in die Schulterblätter, den Nacken, Kiefer oder Oberbauch) –S  tarkes Engegefühl im Brustbereich, heftiger Druck oder Brennen hinter dem Brustbein –B  lass-graue Gesichtsfarbe, kalter Schweiß –A  temnot, Übelkeit, Unruhe und Angst –S  chwindelgefühl, Schwäche, in manchen Fällen Bewusstlosigkeit – Wichtig: Insbesondere bei Frauen können Atemnot, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch alleinige Alarmzeichen sein!

Wenn der Patient noch bei Bewusstsein ist: – Er sollte sich mit leicht erhöhtem Oberkörper hinlegen (bei Atemnot besser aufrecht sitzen) – Falls Sie ein Nitropräparat im Haus haben: Geben Sie Ihrem Angehörigen 1 bis 2 Kapseln bzw. 1–3 Hübe – Lockern Sie fest sitzende Kleidungsstücke (Krawatte, Hemdkragen, Gürtel) – Achten Sie darauf, dass der Notarzt Sie schnell findet!

Bei Bewusstlosigkeit: – Bringen Sie den Patienten in die stabile Seitenlage und achten Sie darauf, dass er ungehindert atmen kann – Zahnprothese, falls vorhanden, entfernen

Bei Herzstillstand: – Falls der Patient bewusstlos ist, auf lautes Zurufen und Kneifen nicht reagiert und er nicht mehr normal atmet, versuchen Sie Wiederbelebungsmaßnahmen! Dabei ist die Herzdruckmassage zumindest in den ersten Minuten wichtiger als die Mund-zu-Mund-Beatmung, denn bei einem Herzstillstand kommt es in erster Linie darauf an, das Blut durch den Körper des Patienten zu pumpen. Es kann Ihnen Sicherheit geben, wenn Sie Ihre Kenntnisse in der Herz-Lungen-Wiederbelebung auffrischen. Entspre­ chende Kurse gibt es bei vielen Organisationen, z.B. beim Deutschen Roten Kreuz, bei der Johanniter-Unfallhilfe oder beim Malteser Hilfsdienst.

Rufen Sie bei diesen Anzeichen sofort den Rettungsdienst mit Notarzt Tel. 112 oder örtliche Notrufnummer. Verlieren Sie keine Zeit, handeln Sie rasch.

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 Notfallausweis und Gesundheitspass

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Wichtige und praktische Unterlagen für unterwegs Wer einen Herzinfarkt durchgemacht hat, sollte immer einen Notfallausweis für Herz-Patienten bei sich tragen. In dieses kleine Büchlein trägt der Arzt alle wichtigen Daten ein: Diagnosen, therapeutische Eingriffe, verordnete Medikamente, Laborwerte, Ergebnisse der Herzkatheter­ untersuchung usw. Wenn ein solcher Notfallausweis deutsch- und englischsprachig verfasst ist, kann er auch im Ausland sehr hilfreich sein. Im Notfall kann dieser Ausweis unter Umständen sogar Leben retten. Ein weiteres nützliches Dokument ist der Gesundheits­ pass – auch für Menschen, die nicht herzkrank sind. In diesem Heft dokumentiert der Arzt die jeweils aktuellen Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte. So kann man seine persönlichen Risikofaktoren im Auge behalten. Die Deutsche Herzstiftung bietet außerdem zwei Sprach­ führer für den Urlaub an, mit Tipps und Hinweisen, auf was man vor einer Urlaubsreise achten sollte. Zusätzlich werden darin wichtige Sätze wie „Holen Sie bitte sofort den Rettungsdienst!“ oder Angaben zum Zustand des Betroffenen (z. B. Anzeichen eines Herzinfarktes, bereits bypass-operiert etc.) in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Es gibt 2 Ausgaben: – West: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Türkisch – Ost: Griechisch, Portugiesisch, Russisch, Polnisch und Tschechisch

Der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen hat einen BNK HERZPASS® für Patienten mit Akutem Koronarsyndrom entwickelt. Es können darin vom Arzt die Laborwerte, die Medikation und Termine für Kontroll­ untersu­chungen eingetragen und beobachtet werden. Der Pass bietet aber auch die Möglichkeit, z.B. Cholesterinund Blut druckwerte grafisch darzustellen. Er ist über alle BNK-Kardiologen erhältlich. Weitere Informationen rund um den BNK erhalten Sie auf www.bnk.de Notfallausweis, Gesundheitspass und Sprachführer finden Sie hier: www.herzstiftung.de

Gesundheitspass

Initiative Herzbewusst

Notfallausweis

Sprachführer West

Sprachführer Ost

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite

BNK HERZPASS®

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 Service

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Wenn Sie mehr wissen möchten...

Initiatoren und Kooperationspartner der „Initiative Herzbewusst“ AstraZeneca

www.astrazeneca.de

Bundesverband Niedergelassener Kardiologen, Informationen für Patienten

www.bnk-service.de/patienten

Deutsche Angestellten Krankenkasse

www.dak.de

Deutsche BKK www.deutschebkk.de www.axa.de

AXA Krankenversicherung

Interessante Seiten im Internet Herzgesundheit Deutsche Herzstiftung www.herzstiftung.de Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ www.stiftung-dhd.de Deutsche Hochdruckliga www.hochdruckliga.de Deutsche Lipid-Liga www.lipid-liga.de Sport und Bewegung Herzgruppen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V. Tipps und lokale Sportangebote

www.dgpr.de/herzgruppen.html/ www.richtigfitab50.de

Ernährung Deutsche Gesellschaft für Ernährung www.dge.de Nährwerttabelle mit über 1000 Lebensmitteln www.naehrwerttabelle.de

Buchtipp Peter Mathes: Ratgeber Herzinfarkt. Vorbeugung und Früherkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation. Für Betroffene und Angehörige. 6. Aufl., Steinkopff-Verlag 2010 www.herzstiftung.de

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Herzbewusst für Angehörige  

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