Nacht der Oboen

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Nacht der Oboen EinfĂźhrungstext von / Program Note by Annette Zerpner Zeichnungen von / Drawings by Tamina Amadyar

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Nacht der Oboen Donnerstag

1. Februar 2018 19.00 Uhr

Gregor Witt Musikalische Leitung Cornelia de Reese Moderation Estelle Akta Mariano Barco Cristina Gómez Godoy Omer Idan Sarah-Julia Klinnert Shuijing Lin Mathilde Salzmann Fabian Schäfer Mikhail Shimorin Tatjana Winkler Gregor Witt Oboe, Englischhorn, Heckelphon Thomas Beyer Flöte Heiner Schindler Klarinette Axel Grüner Horn Mathias Baier Fagott Jakob Then Berg Fagott Petra Schwieger Violine Martha Cohen Violine Holger Espig Viola Margarethe Niebuhr Violoncello Otto Tolonen Kontrabass Naaman Wagner Cembalo Frank Raschke Akkordeon Guido Raschke Klavier Johannes Weber Bass Philip Theurer Drums


Vorprogramm im Foyer ab 18.15 Uhr

augustin Lehfuss (*1963) Four Jazzy Pieces for Double Reeds I. II. III. IV.

Ballade for Double Reeds Double Reed Blues Rostock’s Funfare Jazzy Ideas for Double Reeds

berlin double reed band

Kinan azmeh (*1976) Prelude für Oboe solo (2017) Uraufführung Auftragswerk des Pierre Boulez Saals Gregor Witt Oboe

Giovanni Gabrieli (1557–1612) „O Magnum Mysterium“ Motette für acht Stimmen (1587) Bearbeitung für Doppelrohrensemble von Matthias Pflaum ensemble Oboissimo

Gregorianischer choral Missa IX (Cum jubilo) Gloria Gregor Witt Oboe


Giovanni Gabrieli Canzona Bearbeitung für Doppelrohrensemble von Matthias Pflaum Ensemble Oboissimo

Johann Sebastian Bach (1685–1750) aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046 (1721) I. Allegro II. Adagio III. Allegro Ensemble Oboissimo Naaman Wagner Cembalo Otto Tolonen Kontrabass

Georg Philipp Telemann (1681–1767) aus der Suite C-Dur für drei Oboen, Streicher und Basso continuo TWV 55:C6 I. Ouverture II. Harlequinade III. Espagnol IV. Bourrée en trompette V. Sommeil VIII. Gigue Gregor Witt, Fabian Schäfer, Cristina Gómez Godoy Oboe La Capella Piccola

Pause


Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) Konzert für Oboe, Streicher und Basso continuo B-Dur H.466 (1765) I. Allegretto II. Largo e mesto III. Allegro moderato Gregor Witt Oboe La Capella Piccola

Luciano Berio (1925–2003) Sequenza VII für Oboe solo (1969) Fabian Schäfer Oboe

Paul Engel

(*1949)

Les Airs pour le Carrousel für Oboe, Streichquintett und Cembalo (2017) Uraufführung Gregor Witt Oboe La Capella Piccola

Pause


Wolfgang amadeus Mozart

(1756–1791)

Serenade c-moll KV 388 (1782) für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte Bearbeitung für Bläserquintett von Rainer Schottstädt I. II. III. IV.

Allegro Andante Minuetto in canone Allegro

bläserquintett der Staatskapelle berlin

Frank raschke (*1964) Final Opera Boogie Suite française I. II. III. IV. V.

Cri Turquie Too Humair Parisian Disco Night Fever Musette au rythme Boléro VerLin(c)kte Musette

A Special Kind of Boogie Bavarian Mood bläserquintett der Staatskapelle berlin Querbeat Jazz Quartett



Die fabelhafte Welt der Oboe A nne t te Zerpner

2017 war das „Jahr der Oboe“. „Wenn so ein Jahr ausgerufen wird, passiert das normalerweise für irgendeinen seltenen Vogel, der vom Aussterben bedroht ist,“ sagt Gregor Witt, Solo-Oboist der Staatskapelle Berlin. „Von unserem Instrument kann man das aber wirklich nicht behaupten. Die Oboe ist in den letzten Jahren stark aus ihrem Nischen­ dasein herausgetreten und ihre Zukunft ist erfreulich ­abwechlungsreich.“ Witt, der auch als Professor an der ­Musikhochschule in Rostock lehrt, hat auf Einladung von Daniel Barenboim – und inspiriert von der überaus erfolgreichen Klarinettennacht in der Eröffnungsspielzeit – für den Pierre Boulez Saal eine „Nacht der Oboen“ kuratiert. Elf Oboisten und weitere Musiker präsentieren ein überaus farbiges ­Programm, das vom Mittelalter über Barock und Klassik bis hin zu zwei Uraufführungen und zum Jazz reicht. Blasinstrumente, die mit einem Doppelrohrblatt gespielt werden, existieren seit dem Altertum in den unterschiedlichsten Kulturkreisen. In der griechischen Mythologie ­bekommt dem Satyr Marsyas seine Virtuosität auf der Aulos allerdings schlecht: Er fordert den Gott Apoll zum musikalischen Wettbewerb heraus, der ihm am Ende für diesen Fauxpas die Haut abzieht. „Das Leben als Oboist bleibt ­gefährlich“, weiß auch Gregor Witt – wobei er damit allerdings keine Bedrohung für Leib und Leben meint: „Vor allem ist es für uns sehr wichtig, gute Rohrblätter zu bauen und immer ein Exemplar in der Schachtel zu haben. Man ist dabei stark von Naturgegebenheiten abhängig – dem Wetter, dem Luftdruck, dem Holz. Aber die Werkzeuge haben sich enorm verbessert, deshalb ist das Bauen viel angenehmer als noch vor 20 Jahren.“ Dieser technische Fortschritt kommt allen Instrumenten der Oboenfamilie – einschließlich Englischhorn und 9


­ eckelphon – zu Gute, die sich unter Witts Leitung vereiniH gen, um im ersten Konzertteil einen solistisch vorgetragenen Gregorianischen Choral mit zwei Werken des venezianischen Domorganisten Giovanni Gabrieli zu umrahmen: die berühmte dreichörige Motette „O Magnum Mysterium“ und eine Canzona, deren originale Besetzung nicht überliefert ist. Man kann sich gut vorstellen, dass die damaligen Krummhörner hier in unterschiedlichsten Größen zum Einsatz kamen und von verschiedenen Standorten aus geblasen wurden, ganz wie dies beim aufkommenden Chorgesang der Renaissance der Fall war. Zur Eröffnung des Abends erklingt zuvor die Uraufführung eines Prelude für Solo-Oboe aus der Feder des syrischen Komponisten und Klarinettisten Kinan Azmeh, der dem Pierre Boulez Saal eng verbunden ist (und im Mai vergangenen Jahres für die Klarinettennacht mit­verantwortlich zeichnete). Wie die Blechblasinstrumente wurden auch die Oboen­ instrumente im Barock chorisch verwendet – ein bekanntes Beispiel dafür ist Händels Wassermusik. „In England gab es riesige Oboenchöre“, erklärt Witt. „Die Tradition des Spielens im Freien erforderte zig Oboen und Hörner, weil man den Klang nicht verstärken konnte und alles weithin hörbar sein sollte. Wir haben als nächstes Stück das Brandenburgische Konzert Nr. 1 von Johann Sebastian Bach gewählt: weil sich die beiden ‚Chöre‘ darin gegenüberstehen.“ Die Anpassung der Besetzung an die Gegebenheiten des heutigen Abends fiel nicht schwer: „Im Original spielen bereits drei Oboen und Fagott. Die beiden Hörner lassen sich hervorragend mit Englischhörnern besetzen, die Violinen übernimmt die restliche Oboenfamilie und das zweite Fagott spielt die ­Cellostimme. Um den Klang etwas luftiger und schwingender zu bekommen, haben wir noch das Cembalo als Schlaginstrument und einen Kontrabass dabei.“ Das Heckelphon – dieser oft etwas belächelte, technisch nicht ganz ausgereifte Doppelrohrblatt-Exot, den Richard Strauss zur Ergänzung seines ohnehin schon ­umfangreichen Orchesterapparats bei der Firma Heckel in Auftrag gab – ergänzt die Oboen in der Tenorlage und spielt hier die Bratschenstimme.

Als Gegenpol zu Johann Sebastian Bach, dessen Werke vor allem mit den kirchlichen und höfischen Sphären ­verbundenen sind, steht eine Suite von Georg Philipp 10


Zart singende, fast opernhafte Linien

Telemann auf dem Programm, der, so Witt, „in seinen zahlreichen, zum Glück inzwischen wiederentdeckten ­Orchestersuiten das bürgerliche Element im besten Sinne ­verkörpert.“ Diese kleinen Charakterstudien, in der drei Oboen drei Streichern gegenüberstehen, stecken voller witziger Ideen. Dank Telemanns Vorliebe für programmatische Titel weiß man sofort, was einen erwartet: ein spanischer Tanz, ein musikalischer Auftritt der Harlekin-Figur aus der Commedia dell’arte, eine Trompeten-Imitiation oder ein Schlummerlied. Mit Telemanns Patensohn Carl Philipp Emanuel Bach betreten wir im zweiten Teil des Abends ­bereits die Brücke von der barocken Blütezeit der Oboe in die Klassik – „wenn nicht sogar fast in die Romantik“, wie Gregor Witt ergänzt. Die Oboenkonzerte des zweitältesten Bach-Sohns, von denen hier das frühere erklingt, zählen zum Kernrepertoire, das er hoch schätzt: „Beide haben ihr musikalisches Zentrum im zweiten Satz, in dem die Streicher mit Dämpfer spielen und die Oboe sich zart singend darüber erhebt, fast opernhaft ihre langen Linien zelebriert. Dazu kommen immer wieder überraschende Ausbrüche.Von Verzweiflung bis Erlösung ist alles in so einem kleinen Satz enthalten. Gleichzeitig sind die Ecksätze voller Eleganz, und in den Ritornellen im dritten Satz stehen sich Oboe und Geige direkt gegenüber – das sind relativ ausgedehnte Zwischenspiele, kein reines Virtuosentum, sondern gemeinsames Konzertieren.“ Dass auf Carl Philipp Emanuel Bach im Programm ein Sprung über 200 Jahre Musikgeschichte folgt, hat durchaus dramaturgische Gründe. „Natürlich hätten wir noch mehr virtuose Oboenstücke aus den letzten zwei Jahrhunderten spielen können“, erklärt Witt. „Aber weil wir für dieses Konzert nicht nur räumlich, sondern auch was die Besetzungs­ kombinationen angeht sehr luxuriöse Möglichkeiten haben, gehen wir an bekannten Werken wie Mozarts Oboenquartett bewusst vorbei. Und wo wir Bekanntes wie das Brandenburgische Konzert ausgewählt haben, präsentieren wir es auf ungewohnte Weise.“ Der barocke Faden wird aber nicht gekappt, sondern später aus zeitgenössischer Perspektive wieder aufgegriffen. Zuvor erklingt mit Luciano ­Berios Sequenza VII für Solo-Oboe aus dem Jahr 1969 ein ­bedeutendes Werk des 20. Jahrhunderts. „Über dieses kurze Stück ist viel geschrieben worden. Berio arbeitet hier stark mit Multiphonics, die alle ganz genau definiert und zeitlich stark eingegrenzt sind. Es ist sehr interessant, sehr intellek11


Inspiriert von Lully und Ludwig XIV.

tuell – ein Oboist liebt oder hasst es.  An einem Abend wie diesem gehört es auf jeden Fall mit aufs Programm.“ Für Oboe existiert insgesamt weit weniger Literatur als Musiker sich wünschen.Vor allem, präzisiert Gregor Witt, „fehlen auch neue Stücke, die besetzungspraktisch gut mit den Werken aus der Barockzeit kombinierbar sind, die musikalisch anspruchsvoll sind und dazu von dem aufs Barock ­zurückgehenden Grundgedanken der Unterhaltsamkeit ­beseelt sind.“ Mit Les Airs pour le Carrousel des österreichischen Komponisten Paul Engel erlebt am heutigen Abend ein Werk seine Uraufführung, das diesen Wünschen in jeder Hinsicht entgegenkommt. Das Stück für Solo-Oboe, Streichquintett und Cembalo setzt Jean-Baptiste Lully ein Denkmal, der als Lieblingskomponist des musikversessenen Sonnenkönigs Ludwig XIV. bei Hof eine einflussreiche Persönlichkeit war. In den Jahren 1685/86 schrieb er mit Les Airs de Trompettes, Timbales et Hautbois pour le Carrousel de Monseigneur die Musik zum „Carrousel“ genannten prachtvollen Reiterballett anlässlich der Volljährigkeit des Kronprinzen. Dass das Wort Karussell heute eine sich drehende Kirmesbelustigung bezeichnet und zudem der Hof von Versailles als Hochburg der Intriganten gilt, macht es leicht, sich mit Paul Engels als Hintergrund seiner Komposition einen „fliegenden Wechsel der Politiker“ vorzustellen. Derartige Existenzen, die sich im Glanz der Herrschergunst sonnen, unvermutet im Schatten verschwinden und plötzlich wieder auftauchen, sind ja durchaus kein auf ein bestimmtes Jahrhundert beschränktes Phänomen. „Les Airs pour le ­Carrousel ist ein Werk mit Humor, was bei Neuer Musik eher selten ist“, bemerkt Gregor Witt. „Es pflegt einen wunderbar ironischen Umgang mit jener Pedanterie, die zu Lullys Zeit dem Dirigieren eigen war, denn der Takt wurde auf eine Weise geschlagen, die für uns heute unvorstellbar ist. Dabei ist die Partitur rhythmisch teilweise sehr anspruchsvoll und spielt viel mit Farben, was ich sehr mag. Herr Lully selbst“, fügt er hinzu, „wird übrigens auch dabei sein, aber mehr möchte ich dazu nicht verraten.“

Mit „einem der schönsten Bläserstücke überhaupt“, der dramatischen Serenade c-moll KV 388 von Wolfgang ­Amadeus Mozart, beginnt der dritte Teil des Abends, der sich der Oboe in der Kammermusik widmet. Der Komponist 12


Jazzy Pieces für Oboen­ ensemble

selbst hat diese „Nachtmusique“ für Streichquintett bearbeitet und damit „durchaus fünfstimmig gefühlt“, erklärt Gregor Witt – Legitimation genug, sich diesem Werk, das ursprünglich für Bläseroktett gesetzt ist, in einer Bearbeitung für fünf Musiker des Fagottisten Rainer Schottstädt zu widmen. „Merkwürdigerweise fühlt man sich dadurch, dass drei Musiker weniger mitspielen, gar nicht in seinen Möglichkeiten beschnitten“, sagt Witt. „Als Mitglieder der Staats­ kapelle Berlin haben wir vor 25 Jahren begonnen, als Bläser­quintett aufzutreten, wir sind also alte Freunde, und dieses Stück war immer sehr zentral für uns. Nachdem wir uns das klassische Repertoire von Danzi bis Françaix ­­erarbeitet hatten, haben wir uns viel mit Bearbeitungen beschäftigt. Wenn eine Bearbeitung gut ist, gewinnt das Stück dadurch ein gewisses Eigenleben und es öffnen sich ganz neue Türen des Hörens.“ Einen wichtigen Teil ihrer Geschichte als Bläserquintett haben die fünf Musiker der Staatskapelle auf fruchtbaren Abwegen und in interessanten Randzonen zugebracht – etwa beim Jazz. Der umrahmt die Oboennacht, denn Gregor Witt ist bekennender Jazz-Aficionado. In der Praxis fehle es klassischen Musikern zwar meist an Zeit und Muße, sich so in die Kunst des Improvisierens einzufuchsen wie Vollzeit-Jazzer, bekennt er, „doch solange etwas notiert ist, ist es für uns als klassische Musiker sehr gut geeignet – auch in größerer Besetzung.“ Das funktioniere dann wie die ­Instrumentengruppen einer Big Band, ein Trompeten- oder Saxophonsatz. Die Four Jazzy Pieces for Double Reeds, mit der die Musiker den Abend im Foyer einläuten, entstanden für Witts Rostocker Oboenklasse. Der vielseitige Wiener Komponist Augustin Lehfuss war über eine Aufnahme von Henry Mancinis Pink Panther-Thema durch das Bläserquintett der Staats­kapelle gestolpert und bot den Musikern spontan eine ­Zusammenarbeit an. Der Leipziger Akkordeonist und ­Professor für Theatermusik Frank Raschke ist ihnen ­dagegen schon seit Ost-Berliner Studienzeiten verbunden: „Frank Raschke hat eine ganz eigene Kompositionshandschrift und schnappt vieles auf, zum Beispiel wenn er ­Straßenmusik hört“, erklärt Gregor Witt. „Was er schreibt, hat eine französische Leichtigkeit, ist immer überraschend und witzig. Weil wir mit unserem klassischen Bläserquintett nicht im engeren Sinne improvisieren können, sind seine Stücke für uns auskomponiert“, fügt er hinzu. „Sie folgen keiner üblichen Jazzform, sondern sind immer irgendwo 13


aufgebrochen und stecken voller überraschender Taktwechsel.“ Ungewohnt ist die Kombination von Bläserquintett und Jazzquartett a­ llemal. „Ob im Jazz oder in der Weltmusik, es passiert ­soviel Interessantes, Bezüge finden sich überall. Sowohl Frank Raschke als auch Telemann haben eine Suite komponiert, beide verwenden Tanzsätze. Ich glaube, Telemann hätte das Stück von Raschke gefallen. Und der Pierre Boulez Saal ist ohnehin ein Ort, an dem viele unterschiedliche Musikrichtungen Platz haben.“ Diese Vielseitigkeit des Raumes und die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten der Oboe hatte Gregor Witt bei der Programm­planung immer im Blick. „Die Oboe ist ein sehr gesangliches Instrument, das der menschlichen Stimme vielleicht am nächsten kommt. An diesem Abend können wir auf der einen Seite Gabrieli mit dem Klang eines ­gotischen Chors spielen und uns auf der anderen bei den Jazz-­Stücken im Ton dem Saxophon nähern. Das ist eine enorme Bandbreite.“

Annette Zerpner hat eine besondere Vorliebe für Holzblasinstrumente und im Laufe ihrer journalistischen Tätigkeit unter anderem für die FAZ, Die Zeit, Geo Saison, das Magazin der Berliner Philharmoniker und die Zeitschrift mare geschrieben. Sie ist Textredakteurin am Konzerthaus Berlin.

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The Wonderful World of the Oboe A nne t te Ze rp ner

2017 was the “Year of the Oboe”. “When such a year is proclaimed, it usually concerns some rare bird that is threatened by extinction,” says Gregor Witt, principal oboist of the Staatskapelle Berlin. “Which is something you ­definitely can’t say about our instrument. In recent years, the oboe has really come out of its niche, and its future is pleasantly varied.” Witt, who is also a professor at the Rostock Musikhochschule, was invited by Daniel Barenboim to­­ ­curate a Night of the Oboes for the Pierre Boulez Saal—­ inspired by the opening season’s hugely successful Night of the Clarinets. Eleven oboists and other musicians present a colorful program ranging from the Middle Ages to the ­Baroque and Classical eras, to two world premieres and jazz. Double-reed wind instruments have existed since antiquity in many different cultural spheres. In Greek mythology, however, the satyr Marsyas is ill-served by his virtuosity on the aulos: he challenges the god Apollo to a musical competition, and the god punishes him by skinning him alive. “Life as an oboist is still dangerous,” Gregor Witt confirms­ —without referring to risking life and limb, of course: “Most of all, it’s very important for us to make good reeds, and to always have a stash of them ready. We depend very much on natural elements for this—weather, barometric pressure, wood quality. But our tools have improved ­enormously, and so reed-making has become much more pleasant than it was even 20 years ago.” This technical progress benefits all the instruments of the oboe family—including English horn and heckelphone— that come together under Witt’s direction in the first part of the concert to bookend a soloistic Gregorian Chant with two works by the Venetian Cathedral organist Giovanni

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Choirs of oboes for outdoor performance

­ abrieli: the famous eight-part motet “O Magnum MysteG rium” for triple choir and a canzona for which the original instrumentation is not known. It’s easy to imagine many different sizes of crumhorns being used at the time, played from different positions within the church, as was common for the choral music that was just beginning to emerge during the Renaissance. Before that and to open the evening, we hear the world premiere of a Prelude for Solo Oboe by the Syrian composer and clarinetist Kinan Azmeh, who is closely associated with the Pierre Boulez Saal (and was one of the artists responsible for the Night of the Clarinets last May). Similar to brass instruments, different types of oboes were used in a choral manner during the Baroque era—one wellknown example is Handel’s Water Music. “In England, there were huge oboe choirs,” Witt explains. “The tradition of playing outdoors required enormous numbers of oboes and horns, as sound could not be amplified and everything was supposed to be heard even from a distance. We’ve decided to include the Brandenburg Concerto No. 1 by Johann Sebastian Bach, as it juxtaposes those two ‘choirs’.” Adapting the instrumentation to tonight’s circumstances wasn’t difficult: “In the original, there are a­ lready three oboes and a bassoon. The two horns can be played very well by English horns, the violin parts can be performed by the other members of the oboe family, and the second bassoon takes over the cello part. In order to make the sound a bit more airy and swinging, we added a harpsichord as a percussion instrument and a double bass.” The heckelphone—that exotic, often-belittled, technically not quite perfect member of the double-reed family that Richard Strauss commissioned from the company Heckel to add to his already large orchestral forces—complements the oboes in the tenor range, performing the viola part here.

A suite by Georg Philipp Telemann forms a counterpart to Johann Sebastian Bach, whose works are associated mainly with the spheres of church and courts. Telemann, Witt says, “embodies the bourgeois element in the best

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sense in his many orchestral suites that fortunately have now been rediscovered.” Brief character studies, in which three oboes are combined with three strings, they are full of witty ideas. Thanks to Telemann’s penchant for programmatic titles, we immediately know what awaits: a Spanish dance, a musical appearance of the Harlequin character from the commedia dell’arte, a trumpet imitation, or a lullaby. With Telemann’s godson, Carl Philipp Emanuel Bach, we enter the second part of the concert and build a bridge from the Baroque heyday of the oboe to the Classical era—“one could almost say to the Romantic period,” Gregor Witt adds. The oboe concerti of the second-oldest Bach son, of which the earlier one will be played tonight, are part of the core repertoire he holds in high esteem: “Both have their musical center in the second movement, in which the strings play with mutes and the oboe soars above them in a gentle, songful way, spinning out long lines in an almost o ­ peratic manner. But there are also sudden outbursts. A short movement like this contains everything, from desperation to redemption. The outer movements are very elegant, and in the ritornellos in the third movement, oboe and violin become direct counterparts— these are relatively lengthy ­interludes, not pure virtuosity, but joint music-making.” There is a specific dramaturgical reason that Carl Philipp Emanuel Bach is followed in the program by a leap across 200 years of music history. “Of course we could have played more virtuoso oboe pieces from the past two centuries,” Witt says. “But because we have all the luxuries for this concert, not only in terms of the hall, but also the cast, we decided to skip famous works such as Mozart’s Oboe Quartet. And where we have chosen familiar works, such as the Brandenburg Concerto, we’re presenting them in unfamiliar ways.” The Baroque thread, however, is not cut, but continued later, from a contemporary perspective. Before that, we hear a major work of the 20th century: Luciano Berio’s Sequenza VII for solo oboe, composed in 1969. “Much has been ­written about this short piece. Berio works a lot with multi­ phonics here, which are all very precisely defined and specific in length. It’s very interesting, very intellectual—oboists ­either love it or hate it. On an evening like this, it simply belongs on the program.” On the whole, there is less oboe literature than musicians would wish for. In particular, Gregor Witt explains, “this also

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Inspired by the court of Versailles

includes a lack of new pieces that can be combined with Baroque works in terms of instrumentation, that are musically demanding and at the same time inspired by the Baroque notion of being entertaining.” Les Airs pour le Carrousel by Austrian composer Paul Engel, tonight’s second world ­premiere, conforms to this wish-list in every way. The piece, scored for solo oboe, string quintet, and harpsichord, pays homage to Jean-Baptiste Lully, the favorite composer of the music-­loving “Sun King” Louis XIV and therefore an influential figure at his court. In 1685–86, he wrote Les Airs des Trompettes,Timbales et Hautbois pour le Carrousel de Monseigneur, music for the sumptuous horse ballet known as “Le Carrousel,” celebrating the crown prince’s coming of age. The fact that the term “carousel” today describes a rotating fairground ­attraction, and that the court of V   ersailles was considered a bastion of intrigue, makes it easy to imagine a “flying change of politicians” as the composition’s background, as Paul Engel implies. Such men (or women), basking in the glow of the ruler’s benevolence, suddenly disappearing into the shadows, and equally suddenly reappearing, are by no means confined to one particular century. “Les Airs pour le Carrousel is a work of humor, which is quite rare in New Music,” Gregor Witt remarks. “It offers a wonderfully ironic treatment of the pedantry of conducting in Lully’s time, when time was beaten in a manner we can’t even imagine today. The score at times is very rhythmically demanding and plays with colors a lot, which I like. Mr. Lully himself will also make an appearance,” he adds, “but I’m not going to reveal any more.”

The third part of the evening, which is dedicated to the oboe in chamber music, begins with “one of the most beautiful pieces in the entire wind repertoire,” the dramatic Serenade in C minor K. 388 by Wolfgang Amadeus ­Mozart. The composer himself a­ rranged this nocturne for string quintet, displaying a “feeling for five voices”, as ­Gregor Witt explains—reason enough to perform the piece, originally set for wind octet, in an arrangement for five musicians by the bassoonist Rainer Schottstädt. “It’s strange that

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Oboes with a jazz flavor

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with three musicians less you don’t feel limited in your possibilities at all,” says Witt. “Twenty-five years ago, we began performing together as a wind quintet within the Staatskapelle Berlin, so we’re old friends, and this piece has always played a central role. After exploring the standard repertoire from Danzi to Françaix, we started focusing on arrangements. If an arrangement is good, the piece acquires a kind of life of its own, and new avenues of perception open up.” The five musicians of the Staatskapelle spent important parts of their history as a wind quintet pursuing fertile ­detours and exploring other interesting musical areas—­in­ cluding jazz. And so jazz bookends the Night of the Oboes, for Gregor Witt is a self-confessed jazz aficionado. Classical musicians, he says, often lack the time and leisure to become masters of improvisation, as full-time jazz musicians are, “but as long as something is notated, it’s very well suited to be performed by classical musicians—even in a larger ensemble.” He ­describes the effect as similar to the sections of a big band, a trumpet or saxophone set. Four Jazzy Pieces for Double Reeds, with which the musicians open the Night of the Oboes in the lobby, was written for Witt’s oboe class in Rostock. The versatile Viennese composer Augustin Lehfuss had stumbled across a recording of Henry Mancini’s Pink Panther theme made by the Staatskapelle’s wind quintet and spontaneously offered to work with the musicians. Frank Raschke, on the other hand, an accordionist from Leipzig and professor of theater music, has been a friend of theirs since their ­student days in East Berlin: “Frank Raschke has his very own signature as a composer and picks things up easily, for example when he hears street musicians,” says Gregor Witt. “His writing has a French quality of lightness, always surprising and witty. Since we can’t improvise in the strict sense with our classical wind quintet, his pieces for us are fully notated,” he adds. “They don’t adhere to any typical jazz structure, but always have a certain kind of break within them, and they’re full of surprising time changes.” The ­combination of wind quintet and jazz quartet certainly is unusual. “Whether in jazz or world music, there are so many fascinating things ­happening, with cross-references everywhere. Frank Raschke and Telemann both wrote suites, and they both used dances. I think Telemann would have enjoyed Raschke’s piece. Not to mention that the Pierre Boulez Saal is a place where many different styles of music are at home.”


When planning the program, Gregor Witt always kept this versatility of the space and the many uses of the oboe in mind. “The oboe is a very songful instrument; perhaps it’s the one that’s closest to the human voice. In this concert, we can play Gabrieli with the sound of a Gothic choir, but we also approach the sound of a saxophone when playing jazz pieces. That’s an enormous spectrum.”

Translation: Alexa Nieschlag

Annette Zerpner is particularly fond of wind instruments, and over the course of her career as a journalist has written for the Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, Geo Saison, the magazine of the Berliner Philharmoniker, and mare magazine. She is a text editor for Konzerthaus Berlin.

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