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architektur tirol 2012


Architekt n Arch DI Thomas Barbist

Stimmungsvolle Neuinterpretationen Vier aktuelle Arbeiten von Barbist Architektur, Lechaschau - Innsbruck Das im Jahre 2000 von dem Architekten Thomas Barbist in Lechaschau gegründete Planungsbüro gehört heute zu jenen etablierten Einrichtungen im Tiroler Architekturbetrieb, deren erklärtes Ziel darin besteht, neue Wege zu beschreiten, ohne sich der baulichen Traditionen der Alpinen Region zu verschließen. Generell wird eine klare, geradlinige Formensprache verwendet, die bodenständige Elemente und Materialien in einer zeitgemäßen Form neu interpretiert. Das stattliche Werkverzeichnis umfasst Neu- und Umbauten aus den Bereichen der 4 und 5 Sterne Hotellerie- und Tourismuseinrichtungen, öffentliche Bauten, Funktions- und Gewerbebauten sowie Wohnbau und Raumplanung.

Um- und Zubau Schloss Hopferau Schloss Hopferau ist der älteste Herrensitz im Ostallgäu. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Anwesen 1468. Ursprünglich war die Anlage als ein großer Baukörper in Erscheinung getreten. Zwischen 1830 und 1840 erhielt dieser einen zusätzlichen Ostflügel mit einer neugotischen Fassade. Bis 1999 befand sich das Schloss in Privatbesitz. Anschließend wurde es von der Kulturstiftung Füssen übernommen, die in den folgenden Jahren für den Erhalt der Anlage und deren Substanzsicherung zuständig war. 2001 wurde sie saniert. Seit 2005 nimmt sie einen Hotelund Gaststättenbetrieb auf und wird für Veranstaltungen genutzt. 2011 schließlich ging Schloss Hopferau in den Besitz der in Schwäbisch Hall (D) ansässigen Bera Personaldienstleistungen GmbH über, die das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk zu einem modernen, zeitgemäßen Seminarhotel- und GastronomieStandort ausbauen wollte. Mit der Planung dieses 2011/12 in zwei Bauabschnitten erfolgten Um- und Zubau wurde Barbist Architektur beauftragt. Im ersten Bauabschnitt stand die Innensanierung des Hotel- und Kulturbereichs auf der Agenda. Hierzu wurden zwei große Räume im zweiten Obergeschoss zeitgemäß adaptiert um den modernsten Seminaransprüchen inklusive I-Pad 2

Steuerung zu entsprechen die ihresgleichen deutschlandweit suchen. Um die hierfür erforderliche Medientechnik möglichst unauffällig in den Bestand zu integrieren und um nicht zu stark in die historische Substanz einzugreifen, platzierten die Planer unter der vorhandenen, verputzten Holzdecke eine neue abgehängte Decke. Der so entstandene Zwischenraum nimmt jetzt die Installationen der Beleuchtung sowie der Projektions- und Audiotechnik auf. Hierdurch war es auf elegante Art möglich, die Wände, die nicht verändert werden durften, in ihrem vorgefundenen Zustand zu belassen. Einer der beiden Räume ist dem Erfinder des erste elektromechanischen Rechners, Konrad Zuse, gewidmet. In Würdigung dieser technischen Großleistung versahen die Planer die im Zuse-Raum abgehängte Decke mit einer metallischen – an Technik erinnernde – Oberflächenbeschichtung. Der Boden erhielt einen neuen Teppich, Ferner präsentiert sich eine der Wandflächen mit einem Detailfoto eines Zuse-Computers. Darüber hinaus wurde die Schmalseite des Raumes mit einer rechteckigen, 46 m² großen Projektionsfläche ausgestattet. Die Gestaltung der Räume regiert auf die jeweiligen Themen der Vorträge zum einen die metallische Oberfläche für klare, strukturierte, harte Themen und zum anderen die messingfarbene Oberfläche für introvertiert, sensible Themen. Den zweiten, schräg gegenüber liegenden, 45 m² großen Atelierraum gestalteten die Planer im Zuge des Umbaus in ähnlicher Weise neu. Dabei integrierten sie die Technik ebenfalls in die weiße Trockenbaudecke einer umlaufenden Lichtvoute und in die Deckenfäche intergrierten runden Lichtvouten die die angenehme, warme Stimmung des Raumes stärken. Im zweiten Bauabschnitt erfolgte die Umgestaltung der Zimmer, der Rezeption, der Hotelbar und des Restaurants. Dabei entstand im Erdgeschoss neben der Rezeption und Foyer eine neue Lounge mit Bar sowie ein auf 30 Sitzplätze ausgelegtes, exklusives Restaurant im Osttrakt. Die hierfür verwendete Möblierung zeigt sich modern, edel und zeitgemäß.


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Zahlen – Daten – Fakten Um- und Zubau Schloss Hopferau Bauherrschaft: Bera Personaldienstleitungen GmbH, Schwäbisch Hall Generalplanung und Bauleitung: Barbist Architektur, Lechaschau Arch. DI Thomas Barbist Projektleitung: Ing. Christoph Feineler Arch. DI Jakob Lax Baubeginn: 2011 Fertigstellung: 2012

Ebenfalls neu gestaltet wurde der elliptische in Messing gehaltene Hintergrund der Rezeption im Zugangsbereich des Schlosses, die als freistehende, elliptisch geformter Empfangstisch in Erscheinung tritt. Dieser Bereich verschmilzt fließend mit dem Foyer, in dem moderne Möbel kontrapunktisch mit dem Flair des historischen Bauwerks in Beziehung treten. An dieses Raumkontinuum schließt sich eine kleine Bar an, deren gegenläufige elliptische Formensprache das Spannungsfeld des Eingangsbereichs intelligent fortsetzt. Ganz im Stil der Vergangenheit wurde schließlich die Lounge in der historischen Turmstube inszeniert, wo Eckbänke, Stühle und Wandgemälde den Stil früherer Jahrhunderte atmen. Die drei oberen Stockwerke des Schlosses nehmen 12 Gästezimmer und zwei Suiten auf. Hier wurden die vorhandenen Möbel durch eine neue Materialwahl die die Exklusivität verbunden mit einem neuen Lichtkonzept dem Gast vermittelt. Neu sind auch die hinterleuchteten Türpaneele mit metallischer Oberfläche die die Flure dem Konzept entsprechend aufwerten sowie die Wandpaneele mit integrierter IT-Technik (I-Pad) in den Zimmern. 3


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Zahlen – Daten – Fakten Neugestaltung Tourismusbüro Lermoos Bauherrschaft: Tiroler Zugspitz Arena, Ehrwald Generalplanung und Bauleitung: Barbist Architektur, Lechaschau Arch. DI Thomas Barbist Projektleitung: DI (FH) Britta Nast Baubeginn: 2011 Fertigstellung: 2011

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Neugestaltung Tourismusbüro Lermoos Um dem im Verbund der Tiroler Zugspitz Arena zusammengeschlossenen Gemeinden in der Öffentlichkeit einen einheitlichen, modernen Auftritt zu ermöglichen, wurden 2011 die Tourismusbüros in Lermoos, Biberwier und Ehrwald saniert und architektonisch nach einem übergeordneten Konzept neu gestaltet. Mit den Planungen war und ist Barbist Architektur beauftragt. Das alte wie neue Tourismusbüro in Lermoos ist unmittelbar im Ortszentrum im Gemeindehaus situiert. Um dieser für den Fremdenverkehr wichtigen Institution optisch mehr Gewicht zu verleihen, erweiterten die Planer den bisherigen Bestand um die Räume der früher angrenzenden Postfiliale, sodass das neu gestaltete Informationszentrum nun mit 130 m² doppelt so groß ist wie das frühere. Nach außen hin zeigen sich die neuen Räumlichkeiten mit

einer großen Glasfläche als Präsenationsintsrument nach Außen, an die das in Grün gehaltene, gläserne Werbeband anschließt. Grundlegend verändert präsentiert sich das neue Innenraumkonzept, durch dessen Umsetzung am Eingang eine Selbstbedienungszone, in der Mitte eine Infosäule, dahinter ein Auskunftsbereich sowie nachgeordnet ein Besprechungszimmer samt Nebenräumen entstanden. Dabei zeigt sich der Free Flow Bereich mit Prospektflächen aus aufgeschnittenem Fichtenaltholz, hinter denen Stauräume für Prospektmaterial angeordnet sind (als durchgängiges Gestaltungselement). Für die Infosäule in der Mitte des Raumes verwendeten Barbist Architektur einen geschälten Baumstamm, der dreiseitig mit TV-Geräten bestückt ist. Die vierte Seite nimmt eine Ausstellungsvitrine mit Verkaufsartikeln auf. Zwei Holzbänke bieten sich vor der Schaufensterfront als Sitzgelegenheiten an. Die Platte des dazu gehörigen Tisches wurde als hinterleuchtete Wanderkarte realisiert. Das Pult im Auskunftsbereich sowie zwei Internet-Terminals komplettieren die neu geschaffenen Info-Sektoren. Für die gelungene Materialisierung des neuen Tourismusbüros kamen ausschließlich heimische Materialien in neuer Interpretation zum Einsatz. So wurde für die Bodengestaltung Rauriser Marmor, für die Wände Altholz und Fichte gewählt. In die weiße Decke integrierte deckenbündige Einbauspots beleuchten die Prospektwände. Ein umlaufendes LEDGlaslichtband zeigt die Bergsilhouette von Lermoos. Ferner wurde sowohl für die Gestaltung des Pultes im Auskunftsbereich als auch für die Ausstellungsvitrine Schwarzblech verwendet.


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Zahlen – Daten – Fakten Neugestaltung Tourismusbüro Biberwier Bauherrschaft: Tiroler Zugspitz Arena, Ehrwald Generalplanung und Bauleitung: Barbist Architektur, Lechaschau Arch. DI Thomas Barbist Projektleitung: DI (FH) Britta Nast Baubeginn: 2011 Fertigstellung: 2011

Neugestaltung Tourismusbüro Biberwier Das rund 40 m² große Tourismusbüro in Biberwier befindet sich im Gemeindehaus des Ortes, das auch die Grundschule beherbergt. Aufgabe der Architekten war es wie in Lermoos, den nicht mehr zeitgemäßen, wenig attraktiven Auftritt des örtlichen Informationszentrums durch eine zeitgemäße Performance zu ersetzen. Nach erfolgtem Umbau präsentiert sich die Einrichtung heute nach außen hin mit einer neuen Eternitfassade, durch die ein weit geschnittenes Glasfenster Einblick in das Innere gewährt. Der hinterleuchtete, weithin sichtbare Schriftzug „Info“ weist auf die Funktion des neu gestalteten Büros hin. Zugänglich ist dieses

über wenige Stufen sowie eine barrierefreie Rampe. Der große, übersichtlich gestaltete Raum ist links und rechts mit Free-Flow Prospektwänden ausgestattet, die – wie in Lermoos – aus Fichtenaltholz bestehen. Auch hier gibt es eine Ausstellungsvitrine sowie einen Natursteinblock mit hinterleuchteter Wanderkarte. Der Rückraum wird von einem Schrank eingenommen, der als Stauraum für Prospekte fungiert und zugleich mit einem großflächigen Bild der Biberwierer Kirche in Erscheinung tritt. Davor ist auf einem liegenden Holzbalken der individuelle Auskunftsbereich angeordnet. Bei der Ausstattung des Büros griffen die Planer auf die gleichen Materialien wie in Lermoos zurück.

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Zahlen – Daten – Fakten Neugestaltung Tourismusbüro Ehrwald Bauherrschaft: Tiroler Zugspitz Arena, Ehrwald Generalplanung und Bauleitung: Barbist Architektur, Lechaschau Arch. DI Thomas Barbist Projektleitung: DI (FH) Britta Nast Baubeginn: 2011 Fertigstellung: 2011

Neugestaltung Tourismusbüro Ehrwald Auch in Ehrwald, der den ersten Entwurf des neuen Konzeptes darstellt nimmt das örtliche Gemeindehaus das Tourismusbüro auf. Dieses ist barrierefrei über einen Windfang zugänglich und umfasst – samt Nebenräume – eine Fläche von etwa 120 m². Hat der Besucher den obligatorischen Selbstbedienungsbereich und das Internet-Terminal mit blau lackierter Hochglanzfläche passiert, stößt er im Zentrum auf die auch in Lermoos und Biberwier vorhandene Info-Säule mit ihren drei TV-Geräten und der 6

integrierten Ausstellungsvitrine. In diesem Fall besteht die Säule aus Glas. Rechts und links besetzen Naturstein überzogene Nischen den Raum, in denen blaue Ledersitzbänke aufgestellt sind. Darüber breiten sich hinterleuchtete Folienspanndecken aus. Die beiden Bedienungspulte bestehen aus Altholz und sind durch Sichtschutzelemente aus blauem Leder abgetrennt. Wie in den beiden anderen neugestalteten Tourismusbüros werden auch hier in Ehrwald die Räumlichkeiten von einem hellen und offenen Ambiente dominiert. ufo



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