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WAS DAS URBANE ZENTRUM DER ZENTRALSCHWEIZ BEWEGT WAS DIE ZENTRALSCHWEIZ BEWEGT

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WELCHEN TOURISMUS WOLLEN WIR – IN DER STADT UND AUF DEM LAND?

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«NEW URBAN TOURISM» ALS SPANNENDE ALTERNATIVE – AUCH AUF DEM LAND

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WIE EIN UNTERNEHMEN IN SAN FRANCISCO UND IN LUZERN SEIN KANN

N O 1 | 2018

Ma c h mit!

Der private n Kultur-Verei sucht Spender Seite 36


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YMPHONY

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2 6 . & 27. MA I 2018 K K L LU Z E R N 路 KO N Z E RTSA A L

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ZAHLENSPIEL ab? Sind Penauf welches Vehikel Wer fährt eigentlich le Kilometer vie ge Menschen? Wie sionäre mobiler als jun Fuss? Mozu r ode – im Auto, Bus, Zug machen wir pro Tag g mit ihr gan Um a unserer Zeit. Unser bilität ist das Megathem Zeit für en. aft sch ten, Freund- und Feind baut Städte, Landschaf . ern n Luz Ist-Zustands im Kanto eine kurze Analyse des

MOBILITÄT

en Aut r zugelassen die Zahl de gt ei st rn Luze n Im Kanton später scho zehn Jahre es

os. 2005 w

aren

209 062.

168 848,

9 10

von Luzernerinnen und Luz ernern sind mobil. Auf welche Verkehrsmitte sie dabei zurückgreifen l , hat mit dem Alter, der Wohn- und Arbeitssitu dem Einkommen oder ation, mit Werthaltungen zu tun.

wichtigste

Verkehrsm

ittel.

80 %

t klar das Das Auto is

aller Haushalte haben mindestens ein Auto. In der Stadt Luzern liegt der Anteil bei 60 %. In ihrer Agglomeration bei 80 %. Auf dem Land sind 90 % aller Haushalte mit mindestens einem Auto versorgt.

70 %

aller Haush alte im Kan ton Luzern besitzten m indestens ein Velo.

Pro

t man im Ka Haushalt zähl

nton Luzern

1,2 Autos,

60 % alle

aber auch

1,8 Velos (inklus

mindestens ein Abo r Haushalte geben an,

Wir sind mobil: täglich

94

ive E-Bikes).

nnement für den öffentli

chen Verkehr (ÖV) gel

Minuten im Durchschnitt. Das sind

öst zu haben.

6,4 Minuten weniger als noch 2005

.

r Stadt Luzern ist es einfacher, eine ÖV-Haltestelle zu finden: durchsch nittlich 236 Meter von der Haustüre ine.In der Stadt geht man 236 Meter bis zur entfernt befindet nächsten ÖV-Haltestelle. Auf dem Land muss man weiter:

602 Meter.

Dafür kommen wir weiter:

38,4

Kilometer pro Tag,

oder 4,3 Kilometer mehr als noch 2005. Luzern liegt über dem Schweizer Durchschnitt.

tlichen Verestens ein Abonnement für den öffen % aller Haushalte geben an, mind schäftigungen n. zu habe gelöstlege r (ÖV)Davo Kilometer pro Tag nur für Freizeitbe n wir n km). (4,6 auf Eink und zurück. Gefolgt von Arbeit (9,1 km)

17,8

nement für den öffentlic an, mindestens ein Abonmehr zurück 60% aller Haushalte gebengewic pro Tag 10 km htet legen er Männ ens: Übrig st zu haben. legen Sie pro Tag Verkehr (ÖV) gelö Dann 30? und 18 hen zwisc Sie Sind als Frauen. die ken zurück (und brauchen dafür mit 50 km die weitesten Strec ger weni % 16 fast die n, hrige 64-Jä meiste Zeit), klar vor den 46 bis weit kommen.

Der Freizeitverkehr schlägt zeitlich alles: Zwischen 10 und 21 Uhr sind prozentual deutlich mehr Luzernerinnen und Luzerner für Freizeitbeschäftigungen unterwegs als in den Arbeitsverkehrs-

Spitzenzeiten. Diese sind von 5 bis 9 Uhr und von 16 bis 19 Uhr mit einem weiteren Peak mittags.

e. uren? Denkst mobil. d Transporte zum Plausch rogummis un al Bü m n ch ge fa we ein au on St nt r? Ka eh im rk e ve st Sech Arbeits jede und jeder und 19 Uhr ist Zwischen 12

Quellen: Lustat, statistik luzern


ADVERTORIAL

SCHLEMMEN WIE ECHTE FILMSTARS WASSERSCHLOSS WYHER, ETTISWIL

Vorhang auf für das «6. Ettiswiler Cinédîner». Im Wasserschloss Wyher geht der beliebte und stimmungsvolle Event vom 6. bis zum 28. April über die Bühne. Erleben Sie einen Empfang, wie es sonst nur ein Filmstar erlebt. Der cineastisch-kulinarische Kult-Event mit Filmklassikern aus allen Sparten erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Über 15 000 Besucher haben das «Cinédîner» in den letzten Jahren besucht. Die Auslastung ist rekordverdächtig. So wird es auch dieses Jahr weitergehen. Die Abende beginnen mit dem Gang über den roten Teppich, gefolgt von einem Apéro mit Häppchen. Vor dem Film wird die Vorspeise serviert, in der Pause gehört die Hauptrolle dem Hauptgang und der Abspann ist das Zeichen für den Auftritt des Desserts. Die Menüs von Gastgeber Roger Widmer und Küchenchef Jürg Bischof passen zum jeweiligen Film, so, dass der kulinarische und der cineasti-

6. Ettiswiler

Cinédîner Weitere Event-Highlights auf Schloss Wyher:

6. – 28. April 2018

Champagner Wine & Dine FR 04.05.2018 Muttertags-Brunch SO 13.05.2018 Spring Bluegrass Festival SA 19.05.2018 Stimmen Festival Ettiswil SO 27.05.2018 Comedy & Dine Stephanie Berger FR 08.06.2018 Les Grands Chefs mit Dieter Meier 1. Kitchen- & Schloss-Genuss-Abend FR 26.10.2018 Krimi-Dîner mit «Philipp Maloney» MI 31.10.2018 und MI 14.11.2018

6. ETTISWILER CINÉDÎNER 06.04. – 28.04.2018

1871-Cinedinner_Stadtsicht-Inserat_Ettiswil-Cover.indd 1

Roger Widmer (links) und Jürg Bischof, die Gastgeber von «1871» und dem Wasserschloss Wyher.

sche Teil zu einer Einheit verschmelzen. Im Preis von CHF 89.– pro Person inbegriffen sind Apérogetränke und Häppchen, ein Dreigang-Genuss-Menü und Film (exkl. Getränke zum Essen). Das Ciné­d îner ist buchbar als Individualgast, in der Gruppe oder exklusiv als geschlossene Gesellschaft bis maximal 80 Personen. Frühzeitige Reserva­ tionen sind angesichts der Beliebtheit der Abende empfehlenswert.

WOCHE 1 FR 06.04.2018 HEREINSPAZIERT (PREMIERE) SA 07.04.2018 LA LA LAND W2 MI 11.04.2018 FLITZER CH-FILM DO 12.04.2018 RUE DE BLAMAGE CH-FILM FR 13.04.2018 ABGANG MIT STIL SA 14.04.2018 MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN AUSGEBUCHT W3 MI 18.04.2018 MONSIEUR PIERRE GEHT ONLINE DO 19.04.2018 SNATCHED FR 20.04.2018 RADIN! Nichts zu verschenken SA 21.04.2018 HEREINSPAZIERT W4 MI 25.04.2018 ABGANG MIT STIL DO 26.04.2018 LION – Der lange Weg nach Hause FR 27.04.2018 PLÖTZLICH PAPA SA 28.04.2018 FLITZER (DERNIERE) CH-FILM

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Das Schloss Wyher als Special-Eventlocation:

13.03.18 09:02

Das mittelalterliche Wasserschloss von 1304 bietet diverse Räumlichkeiten für Anlässe ab 20 bis 300 Gäste von Apéro & Gala, Tagungen & Produktpräsentationen, Events & Jubiläum bis zu Geburtstagsfeiern und Erlebnis-Dînner mit «König von Pfyffer». Daneben ist es DAS Traumschloss der Zentralschweiz für alle Hochzeits-Zeremonien, -feste und -apéros.

Weitere Infos, Programm und Reservation: www.cinediner.ch www.wasserschloss-wyher.ch Wasserschloss Wyher 6218 Ettiswil T 041 422 18 74


EDITORIAL

Bruno Affentranger Chefredaktor STADTSICHT BA Media Luzern

LIEBE LESERINNEN UND LESER Wir sind im Sommer 2016 mit der STADTSICHT gestartet.

Die STADTSICHT trifft auf die LANDSICHT. Damit wollen wir

Damals, vor bald zwei Jahren, haben wir unser Programm so zusammengefasst: Dieses politisch neutrale, konfessionslose Magazin denkt über die Weiterentwicklung des urbanen Zentrums der Zentralschweiz nach und liefert Ihnen neue konstruktive Gedankenanstösse und Ideen. Genauso sollten Vorschläge und Bemerkungen Platz finden, die nicht ausgegoren und bereits zu einem Konsens geschliffen sind, und die Sie vielleicht für deplatziert halten und deswegen verwerfen werden. Nicht alles macht letztlich Sinn, nicht jede Idee übersteht den Realitätscheck. Auch dies gehört zu einer ernsthaften Diskussion, die wir gerne angestossen haben.

eine Brücke schlagen, denn wir finden: Kreative Aussen- und Innensichten brauchen alle, ob auf dem Land oder in der Stadt. Uns ist am gegenseitigen Verständnis gelegen. Die Stadt ist mehr als nur ein Mobilitätsmoloch mit Festhüttencharakter, das Land mehr als ein lieblicher Naturpark für urbane Aussteiger oder eine metastasierende Schlafstätte für Pendlermassen. Wir wagen den Versuch des Erklärens. Für Einwände, Ideen, Gedankenanstösse, fruchtbare und furchtbare, sind wir offen. Satire und Humor sollen selbstverständlich ihren Platz haben. Wenden Sie sich an uns und melden Sie sich unter info@bamedia.ch Wie stets konzentrieren wir uns in unserem Magazin auf ein

Die Reaktionen auf die ersten sechs Ausgaben von STADT-

Hauptthema: diesmal auf den Tourismus. Gewissermassen als

SICHT haben uns selber überrascht, das geben wir gerne zu. Sie sind durchwegs positiv. Uns erreichen beständig Kommentare über alle möglichen Themen, Kritiken, die wir ernst nehmen. Doch der urbane Raum ist nicht das einzig wahre Tummelfeld, schon gar nicht bei uns in der Zentralschweiz. Hier ist die Zweiteilung Stadt und Land mit Händen greifbar. Dazwischen liegt die unbekannte Agglomeration. Weil die Stadt weit aussen auf dem Land beginnt und das Land schon seit Langem in die Stadt hineinragt, weil sich diese Pole trotz der Verschränkungen politisch kaum verstehen und das Dazwischenland gegenwärtig noch gedanklich unvermessen ist (siehe Seite 33), aus all diesen Gründen haben wir uns entschlossen, einen Versuch zu wagen. Wir lancieren die LANDSICHT und integrieren sie in die bisherige STADTSICHT. Das Magazin, das wir alleine mit Inserate-Einnahmen finanzieren, verteilen wir diesmal nicht nur in der Stadt Luzern, sondern auch in der Agglomeration, in allen grösseren Luzerner Gemeinden sowie in Zentralschweizer Orten wie Altdorf, Stans, Sarnen und anderen mehr.

publizistische Antwort auf die Beilage des Tourismus Forums Luzern, die in der Mitte des Magazins zu finden ist, machen wir die Analyse der Gegenwart. Wir diskutieren Lösungsansätze im urbanen Raum, aber auch auf dem Land, in Zentren wie zum Beispiel Sempach oder Engelberg. Wir zeigen Wege auf, ohne dass wir Ihnen die Richtungsentscheide an den etlichen Verzweigungen abnehmen. Im besten Fall liefern wir Ihnen Ansichten und Gedankenanstösse, die Sie weiterbringen. Lassen Sie sich inspirieren. Wir wünschen viel Vergnügen und ebenso viel Denkgenuss.

PS: In einer Sache kennen wir keine Alternativen. Unseren neu geschaffenen Verein zur Förderung der freien Kulturszene Luzern braucht es. Er hilft, die entstandene Sparlücke zumindest vorübergehend zu schliessen. Machen Sie mit und spenden Sie. Die Kunst wird es Ihnen danken. Mehr auf den Seiten 36 und 37.

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No 01/2018 Coverbild: Marco Sieber

INHALT 03 05 06 07

Start in Zahlen Editorial Inhalt & Impressum Autoren & Partner

STARTER 09 09 09 11 11 11

Unser Kulturtipp im Kloster Einsiedeln Die Karibik ist ganz nah Kriminell gute Seerundfahrten Massiv Umami. Schon gehört? Fairtiq ist die digitale Busfahrt Prost auf den heimischen Wein

COVERSTORY 12 15 16 18 19 21 22 24 26

Welchen Tourismus wollen wir? Zeit, über «New Urban Tourism» nachzudenken Wenn 12 Millionen kommen Wir sind doch alle Touristen – die Rolle der Einheimischen Nachgerechnet – das kommt noch Acht Fragen zum «New Urban Tourism» Engelberg macht es so ... ... und Sempach ein wenig anders Wohin des Weges? Der Ausblick

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IMPRESSUM STADTSICHT ist ein Produkt der BA Media GmbH mit Sitz in der Stadt Luzern. Die Zeitschrift erscheint 2018 viermal und wird in alle Briefkästen der Stadt Luzern verteilt. STADTSICHT wird von verschiedenen Organisationen unterstützt, ist jedoch politisch unabhängig und inhaltlich keinem Verband und keiner Ideologie verpflichtet. Herausgeber und Redaktion behalten sich alle journa­ listischen Freiheiten vor.

GENUSS

Herausgeber Bruno Affentranger, Angel Gonzalo, BA Media GmbH, Luzern

27 Herbert Huber – unsere Gastro-Spürnase 28 Essen in und um Luzern

Chefredaktion Bruno Affentranger, BA Media GmbH

ESSENZ 33 Erkundungen entlang dem Stadt-Land-Graben

Redaktion Angel Gonzalo, Lukas Hadorn («LucerneMagazine»)

Fotografie Marco Sieber

FULL CONTACT

36 Der Verein für die Kultur macht weiter 37 Wir suchen Sie! Spenden!

KREATIV 39 Zu Besuch beim Uhren-Autodidakten 42 Ich bin dann mal weg – auf dem Friedhof

THINK TANK

46 Die Serie geht weiter – Ideen zum Abschauen 47 Daten verknüpfen, zwischen Kontinenten hüpfen 50 Zusammen geht fast alles besser

FUTURE TALK

52 Herr Muri sucht die Zeit: Warum dieser Mann oft alleine steht und vielleicht doch recht hat

STADT- UND LANDLEBEN

Korrektorat No limits Schmid

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Layout/Produktion aformat Luzern, aformat.ch Verlag BA Media GmbH Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern affentranger@bamedia.ch gonzalo@bamedia.ch Inserateverkauf BA Media GmbH Manuela Willimann willimann@bamedia.ch Druck Swissprinters AG Brühlstrasse 5, 4800 Zofingen Anschrift STADTSICHT, BA Media GmbH, Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern stadtsicht@bamedia.ch bamedia.ch Facebook: stadtsicht.ch

56 Das Tourismus Forum zu Besuch in Sursee 57 Luzern trifft auf Longines – feiern mit der Musig

Unterstützungspartner Wirtschaftsverband der Stadt Luzern, City Vereinigung Luzern, weitere

AUSSICHTEN

Auflage 64 000 Exemplare Erscheinungsdaten 2018 März / Mai-Juni / September / Dezember 2018 Redaktionsschluss am 7. Mai 2018

58 Harte Fragen für unsere Zukunft

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BA MEDIA Die Kinder STADTSICHT und LANDSICHT stammen aus der Küche der BA Media in Luzern. Dieses Medienunternehmen ist mehr als nur eine Schreibwerkstatt oder eine Planungsoase für Kommunika­tions­ strategien und -massnahmen. Das Unternehmen lenken mit Angel Gonzalo und Bruno Affentranger zwei schreibstarke Macher, die selber verlegen wollen. STADT- und LANDSICHT sind nicht die einzigen Familienmitglieder, aber sie sind einzigartig und bilden genau das ab, was die beiden Unternehmer um- und antreibt: die Ideensuche und der Versuch, das Gelingen und das Scheitern, das Abwägen und das Umsetzen. Mit dem Magazin mischen sie sich in die politische Debatte in ihrer Heimat, in der Zentralschweiz, ein.

Werden Sie Partner STADTSICHT ist ein im Sommer 2016 gestartetes, privates Unternehmen. Es will über ideologische und parteipolitische Grenzen hinweg die Entwicklungsmöglichkeiten im urbanen Raum der Stadt Luzern ausloten. STADTSICHT liefert Ideen, Anstoss und Diskussionen. Das Magazin wird alleine durch Bruno Affentranger und Angel Gonzalo von BA Media Luzern getragen und verantwortet. Mit der LANDSICHT wagen sie sich 2018 aus der Stadt hinaus – weil praktisch alle Antworten nicht in einer Gemeinde allein zu finden sind. STADT- und LANDSICHT sollen helfen, gegenseitiges Verständnis zu wecken. Wenn Sie als Verein, Institution oder als Einzelperson das Magazin gerne ideell oder finanziell unterstützen möchten, so sind Sie bei uns richtig. Kooperationen sind willkommen. Bitte melden Sie sich, am besten per E-Mail bei affentranger@bamedia.ch

AFORMAT

STADTSICHT wird unterstützt durch folgende Partner

Ein Magazin nur mit Text ist kein Magazin. Man spricht gelegentlich von «Bleiwüsten», weil früher die Buchstaben noch in Bleischriften gesetzt beziehungsweise gedruckt werden mussten. Damit die Leserinnen und Leser dieses Magazins nicht in der Ästhetikwüste verhungern und vor lauter fehlenden Augenreizen verdursten, braucht es eine Meisterschaft: Das Magazinmachen, Editorial Design, wie es so schön heisst. Aformat aus Luzern, das Unternehmen des Grafikerduos Pascal Zgraggen aus dem Luzernischen und Jos Ettlin aus dem Kanton Obwalden, entwickelt und realisiert die STADTSICHT inklusive LANDSICHT. Mit den Herausgebern teilt es die Passion für das Gedruckte.

Der Wirtschaftsverband Stadt Luzern (WVL) ist mit fast 500 Mitgliedern das Sprachrohr für das Luzerner Gewerbe. Als Wirtschaftsverband leistet er verschiedene Beiträge: – Er vertritt die Interessen des Gewerbes. – Er stärkt Luzerns Wirtschaft. – Er bezieht in wirtschaftspolitischen Fragen Stellung. – Er pflegt Kontakte mit seinen Mitgliedern. Luzern als starkes Wirtschaftszentrum der Zentralschweiz: Dafür setzt sich der Verband ein. Er fordert wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und macht sich für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort und damit auch für langfristig gesicherte Arbeitsplätze stark. wvl.ch

MARCO SIEBER Die Fotografie und damit der Fotograf mit seinem Auge und seiner unverwechselbaren Handschrift beleben nicht nur ein Magazin, sie prägen es von der ersten Seite an. STADTSICHT und LANDSICHT dürfen sich glücklich schätzen, den erfahrenen Fotografen und Kulturmacher Marco Sieber an Bord zu wissen. Er kennt nicht nur die Stadt als seinen Arbeitsort, sondern auch das Land als Ort seines Lebens und Wirkens. In Sempach zu Hause und in Willisau aktiv, ist er der Grenzüberschreiter schlechthin, der zwischen Kreativwirtschaft und arrivierter Wirtschaft pendelt. Der Spezialist für Porträtaufnahmen und Corporate Communications ist ein Glücksfall für diesen Brückenschlag.

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Die City Vereinigung Luzern (CVL) fördert mit ihren mehr als 240 Mitgliedern die Attraktivität von Luzern als Einkaufsstadt sowie als Handels-, Wirtschafts-, Tourismus- und Begegnungszentrum der Zentralschweiz. Die CVL will mit einem ganzheitlichen Marketingmix für eine Belebung der Innenstadt sorgen. Dazu gehören Interessensvertretung, politische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, klassische Werbung sowie Events oder Verkaufsförderungsaktionen. Bestseller der CVL ist die CityCard – die gemeinsame Geschenkkarte für das Shopping-Center Stadt Luzern. Einheimische und Gäste sollen Luzern freundlicher, zuvorkommender und sympathischer erleben als alle anderen Städte, die sie kennen. city-luzern.ch


GENUSS PUR AM UFER DES VIERWALDSTÄTTERSEES Erleben Sie mediterrane Leichtigkeit direkt am Ufer des Vierwaldstättersees: Im Restaurant Olivo geniessen Sie mittags und abends exquisite Gaumenfreuden auf 15-GaultMillau-Punkte-Niveau. Ihre Reservation nehmen wir gerne online oder telefonisch unter 041 418 56 61 entgegen.

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12.03.2018 09:32:52


STARTER

GEHEIMTIPPS KULT URTIPP

GEHEIMNISSE PER SMS

Eindrückliche Sammlung Als bedeutende Station auf dem Jakobsweg ist das Kloster Einsiedeln mit seiner doppeltürmigen Stiftskirche der bedeutendste Wallfahrtsort der Schweiz. Noch heute das Zuhause von 50 Benediktinermönchen, ist das Kloster ein Ort der Bildung und Begegnung. Besonders eindrücklich ist neben den barocken Bauwerken die im Jahr 934 (!) gegründete Bibliothek mit mehr als 200 000 Büchern, Frühdrucken und Handschriften.

Der Luzerner Amadeus Waltenspühl (33) ist als Grafiker international gefragt, unter anderem zeichnet er regelmässig für die ­«Süddeutsche Zeitung».

Einsiedeln Tourismus bietet von Montag bis Samstag (ausser an Feiertagen) Führungen durch Klosterkirche und Stiftsbibliothek ohne Voranmeldung an. Treffpunkt ist um 14 Uhr im Tourismusbüro an der Hauptstrasse 85.

Es ist Freitagabend, 19 Uhr. Wo soll ich hin?

HINIChT, Dornacherstrasse 3.

Und warum?

Weils klein, gemütlich, sympathisch und mitten in der Stadt ist.

Klingt gut. Was trinkt man da?

Einen hausgemachten Eistee oder ein Einsiedler Bier.

Und wenn der Hunger kommt?

Dann gibts einen wunderbaren Pulled Pork Burger.

O.K., aber jetzt nehmen wir noch eins. Wo?

Ein paar Meter weiter weg in der Haifish Bar.

Himmel, schon 4 Uhr morgens? Was jetzt?

Ab in die Kegelbahn, bis die Sonne wieder scheint!

YA H M A N!

KARIBIK GANZ NAH Wenn es etwas gibt, das wir in der Zentralschweiz vermissen, dann ist es das Meer. Zum Glück gibt es an den Seen in der Region diverse Strandbäder, an denen in der warmen Jahreszeit Ferienstimmung aufkommt. Am Sempachersee sind es gar karibische Vibes, dort gibt es nämlich ein «Caribbean V ­ illage», eine kleine Oase mit Beachbar und Surfshop. Am Tag ein Mekka für Wassersportler, dominieren am Abend Steel Drums und Sonnenschirmchen-Drinks. Paradiesisch! Das «Caribbean Village» liegt direkt beim Bahnhof Nottwil, der ab Luzern in 20 Minuten mit dem Zug (S1 Richtung Sursee) zu erreichen ist. Es ist ab dem 23. März täglich geöffnet. Weitere Infos: caribbean-village.ch

SEERUNDFA HRT

KRIMINELL GUT Langweilig ist ein romantisches Dinner im Sonnenuntergang auf dem Vierwaldstättersee garantiert nicht – dafür sorgt alleine die grandiose Kulisse. Wer trotzdem noch etwas Nervenkitzel braucht, dem sei das Krimi-Dinner «Tatort Vierwaldstättersee» empfohlen. Dort wird man während des 3-Gänge-Menüs Teil eines witzigen Kriminal­f alls. Ein Tipp: Auf hoher See ist der Gärtner nur selten der Täter.

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Die Fahrt «Tatort Vierwaldstättersee» findet vom 6. April bis 25. Mai und vom 14. September bis 19. Oktober 2018 immer am Freitagabend statt, los gehts jeweils um 18.30 Uhr. Infos und Reservation unter www.lakelucerne.ch/angebote


TRY YOUR LUCK Gaming and enjoyment

THE BEST IN STYLISH ENTERTAINMENT – ALL UNDER ONE ROOF! Grand Jeu Casino – Jackpot Casino – Casineum/The Club – Cocktail Bar Restaurant Olivo – Seecafe – Banquets/Congresses – Parking Open daily until 04 a.m., Table games: Monday to Friday from 04 p.m., Saturday and Sunday from 02 p.m. Minimum age 18, ID check (passport, European ID or driving licence)

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SOMMERGEFÜHLE AM SEE Lassen Sie sich kulinarisch verwöhnen im Seecafe

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STARTER

SIMPLY CLEV ER

GEHEIMTIPPS

FRISCHWA RE

MASSIV UMAMI Als Köchin hat Sandra Jovanovic schon auf den niederländischen ­Antillen, in den Bündner Alpen, in Hotels, Kinderheimen und Kultur­ zentren gearbeitet. In Luzern kennt man sie vor allem für ihr Enga­ gement am Musikfestival B-Sides auf dem Krienser Sonnenberg (14.–16. Juni 2018). Was viele nicht wissen: Seit einigen Jahren erfreut sich auch das Catering-Unternehmen von Sandra Jovanovic wach­sender Beliebtheit, unter dem Label «Massiv Umami» kocht sie frisch, ­regional und saisonal, frei von Konservierungs- und Zusatzstoffen. So gefällt uns das!

FAIRTIQ Bei aller Liebe fürs Luzerner Busnetz: Ein Ticket zu lösen, kann ganz schön Nerven kosten. Sei es am Automaten, der das ­P apier einfach nicht ausspucken will, ­während der Bus mit offenen Türen wartet, oder als Fahrgast in einem stehenden Bus, dessen Chauffeur auch gleich als Billett­ verkäufer (und Stadtplanerklärer und ­Tourguide und Problemlöser) fungiert. ­D eshalb loben wir uns die 2017 eingeführte App «Fairtiq», die mit einem kurzen Wisch beim Ein- und Aussteigen aktiviert werden kann. Der Ticketpreis für die gefahrene ­S trecke wir mittels Ortungsdienst auto­ matisch ermittelt, optimiert und von der Kreditkarte abgebucht. So geht das. Die «Fairtiq»-App funktioniert in verschiedenen Schweizer ÖV-Netzen. Alle Infos: fairtiq.ch

massivumami.ch

SPA RTIPP

TAGESKARTE DER GEMEINDE Wer in der Schweiz mit Bus und Bahn unterwegs ist, muss tief in die Tasche greifen: Qualität hat schliesslich ihren Preis. Als Geheimtipp sei allen ÖV-Benutzern die «Tageskarte der Gemeinde» ans Herz gelegt: Viele Gemeinden in der Schweiz bieten Tageskarten zu einem stark vergünstigten Preis an, die sowohl von Einheimischen, als auch von Auswärtigen genutzt werden können. ­Gerade für längere Rundreisen durch die Schweiz eine lohnende Sache.

PROST!

Guter Tropfen Luzerner Wein? Doch, den gibt es tatsächlich. Seit 2005 gilt gar die kontrollierte Ursprungs­ bezeichnung (AOC) für Weine aus dem Kanton. 2017 war für die lokalen Winzer ein schwieriges Jahr – die Ernte fiel wegen des Frosts im Frühling so gering aus wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Weinliebhaber hingegen freuts: Die gemes­ sene Qualität ist nämlich überdurchschnittlich. Eine Liste mit Weinproduzenten, die oft direkt ab Weingut verkaufen, findet sich auf luzerner-weine.ch. Neben 2017 gilt vor allem 2015 als Topjahrgang für Luzerner Weine.

14 000 000

Der Preis für die Tageskarte wird von der Gemeinde festgelegt, meist liegt er bei 40 bis 45 Franken. Auf tageskarte-gemeinde.ch sind alle Abgabestellen aufgelistet.

Die Zahl schreckte viele Luzernerinnen und Luzerner auf: 14 Millionen Tagestouristen, so schätzte man im Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern, könnten bis 2030 jährlich die Strassen unserer Stadt bevölkern. Aktuell sollen es etwas mehr als 8 Millionen Tagestouristen sein – für eine Stadt mit weniger als 100 000 Einwohner eine stolze Zahl. Entsprechend intensiv werden derzeit verschiedene Debatten rund um den Verkehr, die Hotellerie und das Stadtbild geführt, um den Tourismus auch in ­Zukunft nachhaltig gestalten zu können.

© Engelberg-Titlis

In Luzern zu Besuch? Auf luzern.com finden Sie alle wichtigen Infos und Adressen.

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COVERSTORY

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Mit dem Tourismus macht Luzern 6 Prozent seines Gewinns – ausserdem ist er historisch ein wichtiger, gewachsener Bestandteil der ganzen Zentralschweiz.

WELCHEN TOURISMUS WOLLEN WIR? DIESEN?

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COVERSTORY

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ODER WOLLEN WIR DIESEN TOURISMUS? Die gute Botschaft: Es gibt einen Mittelweg. Was zu tun ist, damit Luzern auch in zehn Jahren noch eine für Einheimische lebenswerte und finanzier­bare Touristenstadt ist. Und warum «New Urban Tourism» eine Chance ist.

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COVERSTORY

HILFE, 12 MILLIONEN Luzern zieht. Die Erlebnisregion Luzern-Vierwaldstättersee wächst rasant. Innerhalb von zehn Jahren hat die Zahl der Gäste um ein Drittel zugenommen. Was tun wir, wenn wir weiterhin solchen Erfolg haben? Was tun andere Städte und Orte? TEXT BRUNO AFFENTRANGER BILDER MARCO SIEBER

V

or zehn Jahren stand der Zeiger bei 6,6 Millionen. So viele Tagesgäste besuchten in einem Jahr die Stadt Luzern mit ihrer kleinen, überschaubaren Touristenmeile zwischen Löwen- und Schwanenplatz. Heute sind es bereits ein Drittel mehr, und der Hunger der Kundschaft aus Asien nach Löwendenkmal, Wasserturm und Museggmauer nimmt unvermindert zu. Luzern ist eine Erfolgsgeschichte, die in den Onlineerzählungen dieser Welt nachzulesen ist. Gäste posten, und vorher kaufen sie sicherlich auch noch ein. Venedig oder Barcelona sind ebenfalls boomende Destinationen. Doch in den beiden Städten hat die Stimmung längst gedreht. In der katalanischen Metro­ pole demonstriert eine Menschenkette am Strand und signalisiert: stopp! In Venedig fordern nicht nur Graffiti an alten Gemäuern, dass Besucher gefälligst bleiben sollen, wo sie herkommen sind. Man spricht in Amsterdam, Dubrovnik, Brügge, auf Mallorca und anderswo von einem Zuviel. Es hat zu viel Tourismus auf zu engem Raum – und zu wenig Platz für Einheimische. Der Tourismus frisst seine Destination auf und damit sich selber. Doch halt, man sollte nicht übertreiben. In Luzern ist die Situation mit aller Nüchternheit betrachtet eine andere.

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Die Stadt meldet für 2017 rund 1,343 Millionen Übernachtungen und 8,8 Millionen Tagesgäste. Nimmt man die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Übernachtenden von 1,74 Tagen zur Hand und rechnet hoch, summiert das Ganze, kommt man auf rund 9,7 Millionen Gäste. Venedig weist pro Jahr 25 Millionen Touristen nach. Die Tourismusintensität ausgerechnet

Jürg Stettler, Professor am Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern – Wirtschaft, hat unlängst in einer Diskussionsrunde vorgerechnet, wie hoch die sogenannte Tourismusintensität, das Verhältnis zwischen der Einwohnerzahl und der Zahl der Gäste, ist. Je grösser diese Kennzahl, desto grösser ist die Dichte: Venedig hat 500, Luzern 116 (siehe Seite 19). In der Innenstadt Venedig stehen sich die Touristen auf den Füssen. Schlimmer noch ist das Gedränge in Dubrovnik. In der kroatischen Küstenstadt leben 40 000 Menschen. Auf sie kommen pro Jahr über 11 Millionen Gäste. Das ergibt eine Tourismusintensität von 275, aber fokussiert auf den engsten Raum der kleinen Altstadt, viel knapper noch als in Luzern. Im Sommer ist an ein Durchkommen nicht zu denken. Heerscharen von Kreuz-


bergen sie einen kleinen Teil der grossen Lösung für die Zen­ tralschweiz. Vermutlich ist ihre Strahlkraft weitaus grösser als ihre finanzielle Bedeutung, weswegen sie gerne unbedacht zur Seite geschoben werden. Es wird für Politik und Stimmbürger Zeit, nicht allein über ein Carparkregime auf der Luzerner Allmend zu sprechen, sondern die funktionierenden Geschäftsmodelle zu respektieren und in grösseren Räumen zu denken. Es ist der Moment zu begreifen, dass Tourismus als hiesiges, historisch gewachsenes Wohlstandsvehikel nicht alleine eine Angelegenheit der Stadt Luzern und ihrer Behörden sein kann, sondern alle in dieser Region betrifft. Eine Tourismusdebatte im Grossen braucht es, und dennoch eine in ihren alltäglichen Details, die nicht Parteiinteressen oder ökonomisch Uninteressierten überlassen werden darf. Denn eines ist klar: Es ist die falsche Zeit für ideologische Fabrikstürme. Wer zwei, drei Zahnräder dieser geölten (Tourismus-)Maschine unüberlegt schleift, legt sie still. Es wäre ein unbedachter Angriff auf einen wesentlichen Pfeiler des regionalen Wohlstands. Wirklich im Sinn hat das wohl niemand.

schifffahrtgästen landen an und schieben sich hernach träge durch die Gassen. Einheimische verkommen zu begutachteten Eingeborenen, die gerne Reissaus nehmen, nicht ohne vorher selber von der Tourismusmaschine profitiert und ihre Häuser für teures Geld verkauft oder vermietet zu haben. Luzern ist anders

116 also für Luzern. Die Region (die Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Uri und Schwyz) wird insgesamt klar unter 100 liegen. Wo also liegt in Luzern das Problem? Der Perimeter ist klein. Alles spielt sich zwischen Löwen- und Schwanenplatz sowie Bahnhof ab. Das subjektive Empfinden eines Dichtestresses ist – zu Spitzenzeiten im Sommer und vor allem abends zwischen 17 und 19 Uhr – hoch. Höher als der objektiv messbare Zustand. Nur 2,7 Prozent aller Fahrzeuge, die in den wenigen Spitzenzeiten an Spitzensommertagen über die Seebrücke fahren, sind Reisecars. Üblich ist ein Anteil von deutlich unter 1 Prozent. Es werden wohl weitaus mehr «Zalando»-Transporte über die Reuss gefahren – nur weiss es niemand genau, die Daten fehlen. Die Zahl der Busse der öffentlichen Verkehrsbetriebe ist viel höher: über 1400 passieren täglich die neuralgische Stelle. Dennoch, vorhergesagt sind schon in zehn Jahren zwischen 12 und 14 Millionen Gäste, welche die Luzerner Innenstadt besuchen. Das macht Vorausplanung notwendig. Zumal die Mobilität der Einheimischen gemäss den Modellen des Kantons Luzern um 40 Prozent steigen wird. Wobei hier eine Unschärfe besteht. Der Tagestourismus enthält nach Definition alle, die von weiter als 15 bis 20 Kilometer anreisen, also auch Gäste aus Stans, Sarnen oder Sursee. Sie könnte man unter Freizeittourismus führen. Ihre Mobilitätszuwächse sind natürlich bereits eingerechnet. Wie auch immer man kalkuliert, es wird eng. Neue Ansätze sind gefragt. Deshalb diskutiert die Stadt bis Mai und sicherlich weit darüber hinaus hitzig über Carpark- und Carhalteplätze der längerfristigen Zukunft. Man sollte ob dieser schwierigen, volkswirtschaftlich aber bedeutsamen Debatte mit ihren vielen eingebauten taktischen Unterzügen und unausgegorenen Absichten mindestens vier weitere Aktionsfelder nicht vergessen: ➔ d ie Erleichterungen und Chancen, die neue digitale Mittel anbieten. ➔ den Ausbau und die Attraktivierung von bislang unterversorgten, ein Mauerblümchendasein fristenden urbanen Räumen, wie zum Beispiel dem Reusstal vom St. Karliquai bis zum Seetalplatz. ➔ d ie Stärkung von Tourismusorten in der gesamten Erlebnis­ region Luzern-Vierwaldstättersee und damit vorauseilend Ressourcenausbau und mehr finanzielle Mittel für neue Ideen in Sursee, Sempach, Hochdorf, Entlebuch, Stans, Sarnen, Altdorf, Schwyz und anderen mehr – was einer Ausweitung der touristischen Kampfzone gleichkommt. ➔ d ie Möglichkeiten, die der sogenannte «New Urban Tourism» schafft – auch weil er den Freizeittourismus, den wir gar nicht als solchen zur Kenntnis nehmen, in die Überlegungen und Kapazitätsanpassungen mit einschliesst.

«DIE STADT MELDET FÜR 2017 ÜBER 1,3 MILLIONEN ÜBERNACHTUNGEN UND 8,8 MILLIONEN TAGESGÄSTE. INSGESAMT TUMMELN SICH ÜBER 9,7 MILLIONEN TOURISTEN PRO JAHR IN LUZERN.»

Die Maschine ist in Gefahr

Die letzten beiden Punkte gilt es genauer zu betrachten, gerade weil sie in der Diskussion bisher zu kurz kommen. Vielleicht

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COVERSTORY

«Wir sind alle Touristen» Wer von Tourismus in Luzern spricht, sollte mit dem Tourismusdirektor reden. Marcel Perren kann internationale Vergleiche heranziehen und denkt entsprechend seinem Wesen unaufgeregt über Phänomene wie «New Urban Tourism» nach. Ein Gespräch. DAS GESPRÄCH FÜHRTE BRUNO AFFENTRANGER

STADTSICHT: «New Urban Tourism» ist ein Modewort. Wir verstehen es so: Der Gast wird für eine bestimmte, begrenzte Zeitdauer ein Einheimischer. Stimmt unsere Definition? Marcel Perren: Für mich ist diese Erklärung stimmig. Der Trend ist klar feststellbar. Es gibt einige Auslöser, die den sogenannten «New Urban Tourism» angetrieben haben. Airbnb ist ein Phänomen, das viele kennen, und das sich häufig in den Städten abspielt. Es verhilft dem «New Urban Tourism» zum Aufschwung. Natürlich besuchen die Gäste nach wie vor die touristischen Brennpunkte und Sehenswürdigkeiten einer Stadt oder einer Gegend. Aber sie wollen eben auch mitbekommen, wie Einheimische leben. Sie möchten Tipps von Einheimischen erhalten und deren Spuren folgen. Die Digitalisierung und das Internet befeuern diese Entwicklung. Ist Luzern vom «New Urban Tourism» erfasst? Luzern ist sicherlich nicht die Nummer eins in dieser Hinsicht in der Schweiz. Zürich ist vorneweg. Zürich ist eine trendige Stadt und hat rein quantitativ viel mehr Airbnb-Angebote. Das ist ein deutlicher Hinweis. Wo steht Luzern? In Luzern verfolgen wir erste Entwicklungen in diese Richtung. Obwohl wir doch eher eine klassische Destination sind, sehen wir vermehrt Insidertipps aufkommen. Wir selber reagieren darauf und neh-

men für die Stadt und die Gesamtregion vermehrt Ratschläge, konkrete Tipps auf. Wir arbeiten mit Testimonials und werden diese künftig vermehrt auf diversen Kommunikationskanälen vertreiben. Ein Beispiel? Mit der Musikerin Heidi Happy aus Luzern haben wir eine Produktion gewagt. Sie zeigt uns vier, fünf Insidertipps in der Region. Diese sind für Auswärtige bisher nicht so bekannt, zum Beispiel: Seebad, Bruch-

MARCEL PERREN Der Luzerner Tourismusdirektor wurde 1967 in Zermatt geboren. Er wuchs in einem Hotelbetrieb auf und war nach dem Studium der Betriebs­ wirtschaft mit Fachrichtung Marke­ ting zunächst Tourismusdirektor im Lötschental, dann Marketing- und Verkaufskoordinator bei Provins Valais. Nach neun Jahren als Vizedi­ rektor und Marketingleiter bei Wallis Tourismus startete er 2007 als Tourismusdirektor in Luzern. Marcel Perren lebt mit seiner Frau Susanne in Luzern.

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quartier, Themenführungen im Alltag. Momentan sind wir daran, weitere solcher Geschichten zu erarbeiten. Ist Luzern eher vom Gruppen­tourismus geprägt und weniger eine Trenddestination? Luzern ist seit jeher geprägt durch die wenigen Hotspots, die seit mehr als 200 Jahren Gäste anziehen. Ich spreche von der Altstadt mit ihren international sehr bekannten Sehenswürdigkeiten. Auf der Neustadtseite locken nun aber auch trendige, neue Geschäftslokale, die mehr und mehr durch unsere Gäste entdeckt werden. Gruppentourismus auf dem rechten Ufer, «New Urban Tourism» auf dem linken Ufer: Ist das die klare Einteilung in der Stadt? Eine leichte Entflechtung der Besucherströme wäre gut. Ich finde es sehr gut, wenn zum Beispiel der Bereich Neustadt vermehrt entdeckt wird. Das wird – so habe ich es bisher erfahren – auch von den Geschäftsleuten, Restaurants und anderen begrüsst. Hat «New Urban Tourism» auch Risiken und Nachteile? Gerade die Erfahrung mit den Airbnb-Anbietern zeigt, dass die Akzeptanz nicht überall vorhanden ist. Gäste, die abends um 21 Uhr mit Rollkoffern durch die Strasse ziehen und unbekannterweise Zutritt zu privaten Wohnhäusern haben, sind nicht immer nur willkommen. Wir können


das nur bedingt beeinflussen. Es wird aber mit der Zeit zu einer Normalität werden. Kann die Gemeinde oder eine kantonale Raumplanung Einfluss nehmen? Wir kennen Beispiele aus grossen Städten, in denen die neue Art des Reisens in den Alltag der Einheimischen zu gesellschaftlichen und politischen Spannungen geführt hat. Schnell einmal sind Tourismus- und Wohnangebote in einer Konkurrenzsituation. Verbote sind das Eine, zeitliche Beschränkungen das Andere. Doch das Phänomen ist kaum aufzuhalten und geht mit der Digitalisierung einher. Wir halten die Augen offen und verfolgen die internationalen Entwicklungen genau, damit wir in unserer Region die richtigen Vorbereitungen treffen können. Es halten alle die Augen offen. Die Schreckensmeldungen aus Barcelona, Paris oder Mallorca von einer touristischen Übernutzung der Stadt widerhallen manchmal auch in Luzern. Ist Luzern mit diesen übernutzten Destinationen zu vergleichen? Nein, die Zahlen sind völlig anders. Barcelona oder Paris sind für uns in keiner Art und Weise als Vergleichsgrössen brauchbar. Nicht im Guten, nicht im Schlechten. Oder nehmen Sie die kroatische Kleinstadt Dubrovnik: Dort schwemmen riesige Kreuzfahrtschiffe in kurzer Zeit Tausende Touristen an Land und in eine wirklich sehr kleine Innenstadt. Wir weisen kein vergleichbares Phänomen auf. Luzern hat die Cars, die Gruppenreisende heranfahren. Das findet in einer völlig anderen Grössenordnung statt. Wer hier Parallelen zieht, tut dies bewusst mit der Idee, unsere Situation negativ zu überzeichnen. In Luzern stimmt die Balance zwischen Gästen und Einheimischen. Es ist uns aber bewusst, dass wir den qualitativen Tourismus und damit den Einzeltourismus fördern müssen – wir tun dies auch. Also keine Dramatik? Dazu besteht überhaupt kein Grund. Aufgrund der Prognosen für die nächsten 10, 15 Jahre müssen wir uns sicher weiterentwickeln. Die Frage wird sein: Wie kanalisieren wir einerseits die Touristenströme besser, wie entflechten wir andererseits

Nachgerechnet WELTWEITE BEDEUTUNG DES TOURISMUS: 1950: 2016: 2030:

25 Millionen Touristen 1 235 Millionen Touristen 1 800 Millionen Touristen

2016 hat der Tourismus 1220 Milliarden USD Einnahmen generiert. Das entspricht 7 Prozent aller Exporte weltweit oder 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts BIP. Jeder zehnte Job weltweit ist im Tourismus angesiedelt. (Quelle: Institut für Tourismuswirtschaft, Hochschule Luzern – Wirtschaft)

REGIONALE BEDEUTUNG DES TOURISMUS: Veränderung der Logiernächte in der Stadt Luzern nach Herkunft zwischen 2009 und 2016: Gäste Schweiz: Europa: Amerika: Asien:

+17 Prozent -18 Prozent +80 Prozent +62 Prozent

(Quelle: Bundesamt für Statistik)

TAGESGÄSTE IN DER STADT LUZERN: 2017 verzeichnete die Stadtregion Luzern über 8,8 Millionen Tagesgäste. Die zuletzt berechnete Verteilung (2014) ist folgendermassen: Schweiz: 83 Prozent Geschäftsreisende: 8 Prozent Asien: 6 Prozent Übriges Ausland: 3 Prozent (Quellen: Bundesamt für Statistik, Touristische Wertschöpfung im Kanton Luzern)

WELCHER TOURIST GIBT IN LUZERN WIE VIEL UND WOFÜR AUS? Tagesgast Freizeit Schweiz: Total 60 Franken (Unterkunft 0; Verpflegung 15; Transport 15; Aktivitäten 25; Shopping 5) Tagesgast Gruppe Asien: Total 350 Franken (Unterkunft 0; Verpflegung 25; Transport 15; Aktivitäten 40; Shopping 270) Übernachtungsgast (alle): Total 260 Franken (Unterkunft 150; Verpflegung 30; Transport 20; Aktivitäten 50; Shopping 10) Übernachtungsgast China: Total 450 Franken (Unterkunft 110; Verpflegung 40; Transport 50; Aktivitäten 100; Shopping 150) (Quellen: Touristische Wertschöpfung im Kanton Luzern, Institut für Tourismuswirtschaft Hochschule Luzern – Wirtschaft)

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COVERSTORY

dort, wo es besser zu einer Verteilung kommen sollte? Daran arbeiten wir. Ist der herkömmliche, gute alte Erlebnistourismus eigentlich nichts anderes, als es «New Urban Tourism» oder eben sogar «New Regional Tourism» sind? Wir sind aus internationaler Warte betrachtet nicht eine Stadt, sondern ein Resort. Die Erlebnisvielfalt oder Erlebnisdichte können Städte in der Regel besser bieten – Luzern als Resort aber kann noch mehr leisten. Die Erlebnisregion Luzern-Vierwaldstättersee ist multioptional. Hier kann man klassische Städteferien verbringen, aber auch Naturerlebnisse geniessen. Wir hören oft von Kontakten in den Fernmärkten, dass Luzern keinesfalls als Grossstadt oder nur als «Naturpark» angeschaut und erlebt wird. Wir sind ein Mittelding, das es selten so gibt. Auch deshalb sind Vergleiche mit Barcelona, Paris oder anderen Städten nicht wahnsinnig sinnvoll. Wer aus Mumbai oder São Paulo anreist, wird wahrscheinlich ein Naturparadies mit einem kleinen städtischen Zentrum registrieren. Das ist so. Und im Herzen liegt ein historisches Städtchen. Welche Rollen übernehmen Orte wie Engelberg, Sursee oder Sempach? Sie sind Teil der Erlebnisregion LuzernVierwaldstättersee. Wir versuchen sie so zu integrieren, dass sie angegliedert sind und von den Vorteilen der Bekanntmachung profitieren, dass sie aber auch ihre eigenen, unverwechselbaren Erlebnisse anbieten. Der Ansatz der Gesamtvermarktung mit unserem neuen Online-Gästeportal geht diesen Weg. Auf der Einstiegsseite wollen wir alles bündeln. Engelberg hat mehr Schnee und Berge, Sursee und Sempach zielen auf Aktivzeit, Biken, See und anderes mehr. Also ist «New Urban Tourism» auch in Sempach möglich? Warum nicht? Wer in Sempach Ferien macht und dort neue Dinge entdecken will, der sucht doch den Kontakt mit Einheimischen. Wir haben es hier mit Gästen zu tun, die sich in der Regel mehr Zeit nehmen als andere. Das bietet viele Chancen.

Besteht die Gefahr, dass Einheimische zu folkloristischen Figuren in einer Disneyland-Kulisse verkommen? Der Tourismuskern in der Region wird bleiben: Beim Löwendenkmal, beim Wasserturm werden die Fotos geschossen. Aber ich sehe Ihren Punkt. Es könnte sein, dass Quartiere, die bisher noch nicht besucht wurden, dereinst mit Touristen konfrontiert werden, die bisher noch nicht besucht werden. Interkulturell ist das spannend, aber sicher findet man auch Ablehnung. Was ist eigentlich besser: Konzentrierter Tourismus auf einem engen Perimeter oder die Ausweitung der Besuchszone in neue Quartiere? Ich persönlich finde das Zweite besser. Aber politisch ist man sich nicht einig. Kann man diese Entwicklung überhaupt steuern? Es muss immer einen Grund geben, damit Gäste neue Orte ansteuern: ein cooles Restaurant, ein spannendes Handwerk, faszinierende Architektur. Einfach so besucht niemand ein Wohnquartier, in dem nichts stattfindet. Sie sind Tourismusdirektor. Sehen Sie sich auch als Direktor des Ausgeh-, Nachtund Freizeittourismus, den vor allem die Einheimischen repräsentieren? Das findet auch statt, wenn ich nicht Tourismusdirektor bin. Aber Sie sprechen ein Thema an, das selten aufgegriffen wird: Menschen, die zum Beispiel aus Stans nach Luzern reisen und hier ins Kino, Restaurant, Museum oder an Konzerte gehen, sind Tagesgäste und kommen als solche auch in unseren Statistiken vor. Sie sind aber nicht im Fokus von Luzern Tourismus. Wir fördern Übernachtungstourismus. «New Urban Tourism» betrifft in hohem Mass einheimische Tagestouristen. Das ist so. Eigentlich sind wir alle Touristen.

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8 FRAGEN AN TIM VAN PUYENBROECK

DURCHMISCHUNG IST BESSER STADTSICHT: Was ist «New Urban Tourism» für Sie als Stadtplaner genau? Tim Van Puyenbroeck: «New Urban Tourists» sind eine neue Art von Touristen, die man als solche nicht gleich erkennt. Sie unternehmen Dinge, die auch Einheimische tun. Sie wandeln nicht auf der Museggmauer, schauen sich nicht den Wasserturm an und besuchen nicht das Löwendenkmal; sie sitzen dafür im Helvetia-Gärtli und trinken Kaffee oder gehen abends ins Neubad.

Die Fachleute streiten sich, ob kausale Zusammenhänge bestehen. Ein Risiko ist sicherlich auch die Übernutzung von Aussenräumen. Luzern leidet noch nicht unter diesem Problem – andere Städte kennen es: Nachtlärm, Verkehr, Partyvolk und viel anderes mehr. Das dritte Risiko ist das Phänomen, dass Einheimische zur betrachteten Spezies verkommen. All das kann aber auch durch Einheimische geschehen, dafür braucht es nicht zwingend den Tourismus.

Theoretisch könnten diese Touristen auch Einheimische sein? Sie benehmen sich so, sind es aber nicht. In einer Stadt mit drei Millionen Einwohnern ist eine Abgrenzung auf den ersten Blick einfacher als in Luzern, wo die Agglomeration grösser ist als die Stadt. Hier kann man Einheimische leicht mit Touristen verwechseln.

Das klingt komplex. «New Urban Tourism» scheint die Unterscheidungen und die Planung von neuen Häusern und Quartieren nicht einfacher zu machen? Das stimmt. Man muss allgemein heute viel differenzierter denken als nur in den Kategorien Wohnen, Arbeiten, Freizeit. Ich persönlich schaue mir Räume an, erkunde, wer sie nutzt und wer da ist, und beginne erst dann mit Planungen.

Ist jemand, der aus Sursee nach Luzern kommt und in Ausgang geht, ein «New Urban Tourist»? Das ist sicher kein typischer «New Urban Tourist». Aber man kann es nicht definitiv und klar sagen. Luzern stellt für die Agglomera­ tion und die Region eine Art Grundversorgung dar, weshalb eine Person aus diesem Gebiet kein Tourist ist. Aber die Definition ist schwierig. Hier verschwimmen die Grenzen. Versuchen wir es trotzdem? Man könnte sagen: Wer weniger als vielleicht fünfmal pro Jahr nach Luzern kommt, ist ein Tourist.

Würden Sie als Stadtplaner die homogene Nutzung zwischen Löwen- und Schwanenplatz in Luzern aufdröseln und den Gruppentourismus verzetteln – oder ist eine Massierung gut, weil man dann als Einheimischer weiss, wohin man ausweichen muss? Ich tendiere klar zum Aufdröseln. Damit wirkt man Ausschlüssen entgegen, man verhindert eine – sagen wir einmal – «Disneyfizierung», und man bekämpft die Gefahr, dass Orte ihr Leben verlieren. Durchmischung ist fast immer der bessere Weg.

Welchen Vorteil hat der «New Urban Tourism»? Gerade junge Menschen entfliehen dem normalen Touristenbild und finden damit auch neue Wege. Sie sind das Gegenprogramm zum klassischen Gruppentouristen, der eine geführte Tour braucht. Das gibt Raum für Neues. Welchen Nachteil machen Sie aus? Das Thema Wohnraum wird oft genannt. Wenn dieser eh schon knapp ist, wirken Phänomene wie Airbnb nicht positiv. Luzern hat 400 freie Wohnungen. Ob der «New Urban Tourism» die Mietpreise für normalen Wohnraum beeinflusst, ist nicht sicher.

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TIM VAN PUYENBROECK ist Urbanist (Stadtplaner und Stadtforscher), der bei Dost Stadt­ entwicklung in Luzern tätig ist. Er hat Urbanistik an der BauhausUniversität in Weimar studiert und wohnt in Rotkreuz.


COVERSTORY

ERFOLG DANK NISCHE – UND INVESTITIONEN Wie kann ein Tourismusort wie Engelberg überleben? Wir haben uns schlau gemacht. Seit den Neunzigerjahren hat das Klosterdorf strategische Weichen richtig gestellt und Geld eingesetzt. Das zahlt sich heute aus. TEXT ANGEL GONZALO

BILD ZVG

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017 war für die Engelberger Hotellerie ein erfolgreiches Jahr. Die Logiernächte wuchsen im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent. Nahezu 400 000 Hotelübernachtungen zählt das Klosterdorf. Der Tourismusmotor brummt. Die Touristen kommen aus zahlreichen Ländern, in letzter Zeit viele aus dem asiatischen Raum, vorwiegend aus China und Indien. «Im Unterschied zu urbanen Zentren verteilt sich hier der Touristenstrom weitflächiger, hier kommen sich Einheimische und Gäste weniger in die Quere», sagt Frédéric Füssenich, Direktor der Engelberg Titlis Tourismus AG. Die Akzeptanz steigender Frequenzen sei hier in den Bergen eine andere. Richtige Weichen gestellt

Engelberg blickt auf eine über 150-jährige Tourismusgeschichte zurück. Das prägt. Zuerst waren es die Engländer, angelockt von der Romantik der Berggipfel, dann kamen die wanderfreudigen Deutschen und heute sind es die Asiaten, die es oft und gerne ins Klosterdorf und auf den Gletscher zieht. Die Entwicklung der Feriendestination ist vor allem in den letzten 25 Jahren eng mit den Titlisbahnen verbunden – und mit vielen Investitionen. Mehr als dreis­ sig Millionen Franken haben sie in den letzten Jahren am Berg und im Tal in die Zukunft einbezahlt. 1992 feierte Engelberg eine Weltpremiere, die wegweisend sein sollte: Die Inbetriebnahme der ersten drehbaren Luftseilbahn der Welt sorgte für Furore und ebnete den Weg für die Bearbeitung von Fernmärkten. Bis anhin war es unüblich, dass eine Bahngesellschaft aus eigenem Antrieb und mit eigenen Mitteln fremde Märkte marketingtechnisch bearbeitete. Frédéric Füssenich sagt: «Der ehemalige Direktor Albert Wyler leistete in dieser Hinsicht Pionierarbeit – zu Gunsten seiner Bahn wie auch der Tourismusdestination Engelberg.» Der Erfolg blieb nicht aus. Die in der Branche als erfolgreich geltenden Titlisbahnen und ihre eigenen Beherbergungsangebote wie

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das Hotel Terrace, das Titlis-Resort und das Berghotel Trübsee zogen die Gäste förmlich an. In Engelberg kam nach etwas mageren Jahren Aufbruchstimmung auf, auch weil ab 1996 die attraktive Steuerpolitik im Kanton Obwalden zusätzliche Leute ins Klosterdorf zog. Der Titlis gilt heute als eine der beliebtesten Berge für Europareisende und ist somit die Ikone Engelbergs. Pragmatische Strategie

Für Frédéric Füssenich ist klar: «Der Tourismus steht in Engelberg auf solidem Fundament. Wir haben in den letzten zwanzig Jahren auf Familien, ein jüngeres Outdoor-Publikum und auf Fern-


Es gibt auch weniger Wagemutiges als das Bungee-jumping aus der Gondelbahn: Engelberg lädt zu Aktivferien ein.

märkte fokussiert. Wir besetzen gleich mehrere Nivestiert. Für Füssenich sind solche Projekte entschen erfolgreich und sind gewollt breit aufgestellt scheidend für die Entwicklung «seines» Ferienor– das zahlt sich heute aus.» Letztes Jahr verabschietes. Wichtig sei dabei, dass die Vorhaben breit dete Engelberg ein Strategiekonzept, in welchem getragen würden, vor allem auch emotional konkrete Handlungsfelder und Massnahmen verdurch die Bevölkerung. Um dies sicherzustellen, bindlich beschrieben sind. Das Papier wird von alorganisiert Engelberg-Titlis in Zusammenarbeit len relevanten Akteuren im Ferienort getragen. mit der Gemeinde jährlich ein Tourismusforum, Frédéric Füssenich Dazu gehören auch Investitionen in die Infrastrukan dem über die Aktivitäten informiert wird und tur, die im Strategiepapier in einen Gesamtkontext sich die Engelberger Bevölkerung sowie die Toueingebettet sind. So zum Beispiel für den Ausbau rismusanbieter mit Ideen und Stellungnahmen des etwas in die Jahre gekommenen Sportcenters. Dies ist auch im an der Entwicklung des Klosterdorfes beteiligen können. Kritik Hinblick auf die Winteruniversiade 2021 von Bedeutung. Dieser bleibt im engen Raum und verselbstständigt sich damit nicht als Event, der unter anderem auch in Engelberg stattfindet, wird zahlein Donnerwetter im Hochtal. reiche Studentinnen und Studenten anziehen. Wendig sein Das Bike-Netz rund um Engelberg soll stetig ausgebaut werden. Der Tourismus bewegt sich weg von den Gruppenreisen immer Mit dem neuen Flowtrail auf dem Trübsee wurde ein erster Meilenmehr in Richtung Individualtourismus. Diese Tatsache gelte es zu stein erreicht. Zusammen mit Tourismus Wolfenschiessen hat Enberücksichtigen, meint Füssenich. Dazu beobachte er «eine Art Degelberg ausserdem die Erschliessung mit der zahlreichen Bauernmokratisierung der Angebote durch die sozialen Medien und Bubahnen ein neues Wandererlebnis kreiert. chungsplattformen wie booking.com». Darauf passend zu reagieMut zu Investitionen haben in den letzten Jahren vor allem die ren sei zwar anstrengend und anspruchsvoll, fördere aber die Titlisbahnen bewiesen und dadurch den Reiz der FeriendestinaQualität der Angebote und generiere im Endeffekt ein besseres tion Engelberg erhöht. Das Hotelprojekt Titlis Palace des chinesiPreis-Leistungs-Verhältnis. Für den Tourismusdirektor ist klar: schen Investors Yunfeng Gao hat indessen eine zusätzliche Dyna«Die Kunst wird in Zukunft sein, die Angebote präzis anzupassen. mik entfacht. Bis zur geplanten Eröffnung Ende 2019 werden Wir müssen wendig sein und bereit, neue Trends aufzufangen.» rund hundert Millionen Franken in das neue Fünfsternehaus in-

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COVERSTORY

DIE VORZÜGE ZURÜCKHALTENDER VERMARKTUNG Welcher Tourismus verkauft sich in Orten wie zum Beispiel Sempach? Zu Besuch in einer Gegend der Trouvaillen, in der viel Kreativität und vor allem die regionale Zusammenarbeit gefragt sind. TEXT ANGEL GONZALO

D

ie Region um den Sempachersee kommt mit beachtlichen 193 000 Übernachtungen pro Jahr auf etwa die Hälfte der Logiernächte von Engelberg. Sie verfügt über keine ausgeprägte Tradition als Feriendestination. Die Region hat sich aber mit guten Angeboten im Seminarbereich geschickt positioniert und kann sich damit rühmen, in Sempach eine der grössten Camping-Anlagen des Landes zu haben. Diese wurde kürzlich mit einem europäischen Camping-Award prämiert und gehört gemäss Gästebewertung zu den hundert beliebtesten Plätzen in Europa. Allein auf dem Campingplatz übernachten pro Jahr über 45 000 Gäste, die vorwiegend aus Deutschland und Holland stammen. Seit der Neupositionierung des Promotionsbüros Sempachersee Tourismus im Jahr 2016 weht an den Gestaden des Sempachersees ein frischer Wind. Das Jahresbudget von weniger als 600 000 Franken lässt zwar keine teuren Marketingkampagnen zu, fördert dafür den Sinn für Kreativität. Und auch für Zusammenarbeit. Geschäftsführer Peter Regli – in einem 60-Prozent-Pensum für die operative Führung bei Sempachersee Tourismus verantwortlich – geht hier neue, manchmal unkonventionelle Wege.

Sport und Genuss im Vordergrund

Peter Regli und der Sport – das ist eine Liebesbeziehung. Der ehemalige Leichtathlet und Trainer im Spitzensport wirkt heute gleich auf mehreren Gebieten. Er ist Dozent, Referent und Autor, spezialisiert auf die Themen Gesundheit und Gesundheitsmanagement. Als Geschäftsleiter von Sempachersee Tourismus kommt ihm seine Affinität zum Sport gelegen. Oder anders gesagt: Der Sport ist ein wesentliches Vermarktungsargument für die Region rund um den Sempachersee. «Der Sport und der Genuss», präzisiert Regli. Nur knapp scheiterte aufgrund finanzieller Erwägungen sein Vorhaben, einen Tour-de-Suisse-Hub in der Region Sempachersee

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BILD ZVG

Die Wakkerpreisträgerin Sempach besticht nicht nur durch gutes Aussehen und einen intakten Kern: Hier finden Kleinst­ angebote zu einem grossen Ganzen zusammen.

zu etablieren. Das wäre der Förderung des Tourismus sehr zuträglich gewesen.. Dafür lanciert er vom 1. bis 3. Juni 2018 die «TORTOUR Cyclocross» rund um den Sempachersee. Gegen 300 «Verrückte» aus zahlreichen Ländern werden erwartet. Traditionell findet alle zwei Jahre der «Slow-up» rund um den See statt, ein nationaler Fahrradevent, der rund 35 000 Velobegeisterte in die Region zieht. Ebenfalls in Planung sind mehrere Genussrouten mit dem E-Bike mit vier Ladestationen in Sempach, Sursee, Triengen und Nottwil, die ab September online buchbar sein werden. Für Regli sind das genau jene Angebote, die von der Grösse her noch stemmbar sind und eine grosse Ausstrahlung haben.


«Charakterköpfe» sind gefragt

Mit dem innovativen Landwirt Fritz Neuenschwander («Bauer Fritz») und dem Winzer Beat Felder vom Weinbau Mariazell hat er das Konzept der Genussrouten in einem Brainstorming inhaltlich konzipiert. Zusammen mit diesen regional stark verbundenen «Charakterköpfen» ist eine bemerkenswerte Fülle von nicht alltäglichen Angeboten in Zusammenarbeit mit Bauern, Käsereien, Museen, Eierfarmen und Handwerksbetrieben entstanden. Peter Regli sagt: «Wir sind nun daran, eine sinnvolle Vernetzung im Rahmen zusammenhängender Touren mit dem E-Bike zu entwickeln, die ihre touristische Wirkung bestimmt entfachen werden.» Die Möglichkeiten seien reichlich vorhanden, man müsse diese nur identifizieren und zu einem Erlebnis machen, weiss Regli aus Erfahrung. Dazu helfe auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Luzern Tourismus und der Anschluss an deren neu konzipierte Website sowie die Errichtung einer mobilen Gästeinformation.

Das Tourismusbüro hat mit 15 Gemeinden rund um den Sempachersee Leistungsvereinbarungen getroffen und wird hauptsächlich von der öffentlichen Hand und durch die Kurtaxen finanziert. Extrageld – zum Beispiel aus dem NRP-Topf (Neue Regionalpolitik) des Kantons – gibt es nur für überzeugende Projekte, wissen Peter Regli und sein Team aus dem Tourismusbüro. Sie versuchen immer wieder, mit neuen Ideen zusätzliche Mittel zu erschliessen: «Wir müssen kreativ sein und schnell reagieren», beschreibt er sein Credo.

Peter Regli, Geschäftsführer von Sempachersee Tourismus, steht für Sport und Genuss ein.

Preisgekrönte Architektur

Mit dem erhaltenen Wakkerpreis im letzten Jahr hat das Städtchen Sempach schon mal landesweit auf sich aufmerksam gemacht. Prämiert wurde die jahrelang verfolgte Praxis, moderne Bauten im Kontext der historischen Altstadt zu errichten. Dies blieb nicht ohne touristischen Nachhall für die ganze Region – die Anzahl Führungen hat seither merklich zugenommen, der positive Trend hält weiterhin an. Eine derart glückliche Fügung gibt es nicht alle Jahre. Das weiss Peter Regli nur zu gut, daher bleibt ihm und seinem Team nichts anderes übrig, als die Augen für neue, originelle Angebote erhaltenen Wakkerpreis.

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COVERSTORY KONKLUSION

JETZT NOCHMAL KURZ NACHGEDACHT Auf der Suche nach dem Tourismus für die Zukunft in unse- touristen in Luzern stammen aus der Schweiz. rer Region hat einer unserer Gesprächspartner

Viele kommen aus der Zentralschweiz selber, sind Pendler,

diesen bemerkenswerten Satz gesagt: In erster Linie

Ausgehfreudige, Wochenendbesucher. Sie bilden den

ist die Stadt für die Einheimischen da.

«New Urban Tourism» der «Beinahe-Einheimischen».

Er hat recht. Wer davon ausgeht, dass eine Tourismusdestination ihre ganze Kraft aus ihrer Authentizität schöpft, der kennt hier keine Zweifel. Wer ausserdem weiss, dass

Hier implodieren klassische Denkschemata wie Tourist versus Einheimischer. Plötzlich sind wir in Mobilitäts-, Ressourcen-, Wirtschafts- und Kulturthemen gefordert.

diese Authentizität genau jenes Element ausmacht, das

Noch komplizierter wird es, wenn wir uns den zunächst

einem Unverwechselbarkeit schenkt, stimmt gleich dop-

einfach zu beschreibenden Gruppenreisenden widmen,

pelt zu. Das Original-Luzern ist durch die

die vorab am Luzerner Schwanenplatz für rund eine Milli-

Einheimischen gemacht und im

arde Franken Geld ausgeben. Sie

Verlaufe einer langen Zeit gewach-

bewegen sich in einem kleinen

sen. Mentalität, Kultur, Sprache,

Perimeter und fallen als homogene

Bewegungsrhythmen im öffentli-

Masse auf, deren Wirkung im

chen Raum, Farben, Gerüche, die

öffentlichen Raum viel grösser

Luft, der See und die Berge, all das

scheint, als sie wirklich ist. Wie ver-

vermengt zu einem Ganzen, das

hält es sich hier mit den Bedürfnissen

einmalig ist.

der Einheimischen? Sehen sie die wirtschaftliche Bedeutung der Grup-

Selbstverständlich gelten diese Ein-

penreisenden und würdigen sie die

maligkeit und der eingangs zitierte

Steuer- und Gestaltungskraft der

Satz nicht nur für die Stadt. In erster

lokalen Tourismusindustrie? Oder

Linie ist die Zentralschweiz für die

stellen sie Rückzug vor dem Fremden

Einheimischen da.

und Einschränkung in den Vordergrund?

Kann man es auch anders sagen? Schauen wir zuerst auf die Bedürf-

Schauen wir zuerst auf die Bedürf-

nisse der Einheimischen, denn wenn sie zufrieden sind, werden es die Touristen ebenfalls sein. Stimmt das?

nisse der Einheimischen. Dieser Satz birgt Sprengkraft. Er ist vor allem zu schnell gesagt. Die Bedürfnisse gilt es erst sorgsam zu klären, Antworten

Im Falle des so genannten «New Urban Tourism» trifft

in Mobilitäts- und Infrastrukturfragen zu finden. Dabei

es bestimmt zu. Dieser Art des Kleingruppen- oder

müssen Einheimische selber ans Werk, nicht obrigkeitsge-

des Einzelreisens schwebt exakt die Formel des

steuert in einem partizipativen Prozess und die Resultate

«Einheimischen auf Zeit» vor. Touristen kommen,

vorwegnehmend. Die Zivilgesellschaft dieser Region ist

um wie Einheimische zu leben. Diesen «Phantom-

gefordert, die Auslegeordnung vorzunehmen. So

Touristen» hat es schon immer gegeben. Die (Reise-)

manches liesse sich zu Ende denken und organisieren.

Literatur ist voll davon. Die digitalen Techniken

Es ist Zeit für ein unabhängiges Diskussionsforum,

ermöglichen ihn heute stärker als je zuvor.

das akribisch einheimische Bedürfnisse und Lösungen definiert.

Schwieriger wird es, wenn die klassische Touristen­ definition versagt. Über achtzig Prozent aller Tages­

Bruno Affentranger

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ESSEN IN UND UM LUZERN HERBERT HUBER

DER WIRT FÜR ALLE FÄLLE PROBIERT FÜR UNS Herbert Huber bringt es meist auf den Punkt. Der 76-jährige Meisterkoch, der sich im «Unruhestand» befindet, ist einer, der in fremde Töpfe schaut und dabei weiss, wie es richtig schmecken soll. Herbert Huber ist seit neuestem unser Gastro-Kritiker, der in der Zentralschweiz die Restaurants prüft und beschreibt. Warum der Huber? Wer Privatkoch von Liz Taylor war, den Gesamtbundesrat, den Fürsten von Monaco oder den US-Präsidenten Richard Nixon selber bekocht hat und dabei erfolgreich war, der soll auch für uns nachwürzen und degustieren. Herbert Huber hat vor sechzig Jahren eine Kochlehre begonnen, führte später den «Giessenhof» in Dallenwil und mit viel kulinarischem Aufsehen die «Linde» in Stans. Wir freuen uns beinahe fürstlich, wenn nicht königlich, dass Herbert Huber mit uns an Bord der STADTSICHT und der LANDSICHT in die gastronomische See sticht. Herzlich willkommen!

nd Währe ival e Fest Lucern bend A jeden Uhr 0 ab 17.3 et geöffn

BA M BOU BY THOM AS

RAFFINIERTE KREATIONEN Im Luzerner «Bam Bou by Thomas» wird eine klassische, mit viel Sorgfalt und französischem Flair zelebrierte Küche präsentiert. In einem Lokal, das sehr speziell ist und mit beeindruckender Jean-Nouvel-Architektur gestaltet wurde. Es bietet bequeme Bestuhlung und spannende Ambiance. Die «offene» Küche erlaubt es, dem Chef Ralfs Thomas und seinem Team in die Pfannen zu gucken. Oder allenfalls einen Sonderwunsch anzubringen. Oder ein Lob auszusprechen. Ralf’s Küche ist saisonal – eine Liebesbeziehung zu den Produkten und deren Zubereitung. Auch mal mit einer gebratenen Entenleber (oder deren zartschmelzender Terrine). Die Süppchen verdienen die Verkleinerungsform, weil diese so ungemein fein sind und kurz vor dem

KARFREITAG, 30. MÄRZ 2018 Feines Fischangebot mittags und abends MUTTERTAG, 13.MAI 2018 Mittags geöffnet, Muttertagsmenü In den Sommermonaten bedienen wir Sie auch auf unserer Terrasse Das Restaurant im «The Hotel» Luzern Sempacherstrasse 14, 6002 Luzern, Tel. 041 226 86 10 www.bamboubythomas.ch

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Servieren aufgeschäumt werden. Es war die mit Riesling, die es uns besonders angetan hat. Auch mit raffinierten Kreationen rund um Frischfische erobert der begnadete Koch die Herzen der Gäste. Bei den Fleischgerichten kommt vieles direkt aus dem Muotathal. Die Präsentation konzentriert sich auf den Gaumen und nicht auf überflüssigen Dekorationen. Der Service ist Corinna Thomas’ Revier – sie ist kompetent, zuvorkommend, ungekünstelt und sehr herzlich! bamboubythomas.ch


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Restaurant für feine Schmecker

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Der echte Chinese in Luzern!


ESSEN IN UND UM LUZERN DA NIELE W EINBA R

ES BITZELI ANDERS … «Wie schön, dass wir uns wieder einmal begegnen», begrüsst mich der sympathische Daniele Apruzzese in seinem kleinen, feinen italienischen Ristorante Daniele am Kauffmannweg 16. Berichten solle ich doch bitte über seinen Koch Roberto Colzani. Denn er, Daniele, brauche nicht immer im Rampenlicht zu stehen! Zielstrebig sei der Roberto, die Philosophie des Ristorante Daniele mit Leidenschaft und Herzblut pflegend, zusammen mit seinem «Assistenten» Rocco Dalla Chiesa. So werden die Gerichte ohne Firlefanz gekocht und aufgetischt. Wie bei Danieles Mamma. Die Saucen gehören unter das Fleisch oder den Fisch und nicht darüber. Ich frohlocke. Wie hiess es doch zu meiner Zeit? «Der Koch deckt seine Sünden mit der Sauce zu!» Also: Sauce nur darüber, wenn es das Rezept

ausdrücklich verlangt. So mache ich mich auf die kulinarische Reise. Geniesse eine «Burrata Pugliese» (Frischkäse aus Apulien mit DatteriniTomaten-Confit und Sardellenfilets). Die RiesenBlack-Tiger-Krevetten aus Biozucht und auf Kartoffelcreme angerichtet sind ein echter Höhenflug. Oder die Pappardelle mit von der Messerspitze geschabter Wurst, auf zartem Federkohl – ein «Muss Genuss». Im Daniele ist alles «es bitzeli» anders als überall. Wohltuend spürbar. Arrivederci ...! danielebar.ch

AIOL A

DAS AIOLA IN DER HARISSENBUCHT Gerne berichte ich über ein erfolgreiches Konzept, das «Aiola» heisst: In Sarnen seit Jahren erfolgreich zelebriert, seit dem 1. Juni 2011 auch in Stansstad. Neulich besuchte ich das Lokal in der Harissenbucht. Draussen vor dem gastlichen Haus begegnete ich einem Freund, der mich fragte, was ich denn hier zu suchen hätte. Schreiben will ich – und mein Freund sagte spontan: «Da kannst du nur Bestes berichten, ich kehre hier mindestens zweimal wöchentlich ein.» Stimmt: Gepflegte Umgebung mit den «Highlights» der Insel Apérobar und ansprechendem Interieur. Und mit äusserst freundlichen Mitarbeitern, welche die mediterrane Küche den Gästen mit Herzblut anbieten. Ein kulinarisches Spiel, das Spass macht. Der Besitzer Ramiz Panxha lebt die Philosophie vor. Metin Özer über-

JIA LU IN HOCHDORF

EINE NICHT ALLTÄGLICHE LIEBESGESCHICHTE 2006 wurde in der Zeitung in Shenyang sinngemäss Folgendes berichtet: Eine fünfstündige Wanderung auf der Chinesischen Mauer. Die Hauptdarstellerin: die überaus charmante Jiayin Liu. Lukas, der quirlige Urschweizer, umging mit Chinesischer Höflichkeit, Verhandlungsgeschick und chinesischen Wortbrocken die Schliessungszeit der berühmten Mauer um 17 Uhr. Als Überraschungseffekt buchte er mit «Lizenz zum Verloben» einen zerfallenen Turm. Auf den Ausflug nahm Lukas auch einen alten Mann mit, getarnt als Bekannter des Chauffeurs – in Wirklichkeit war er ein Musikant. Auf einem riesigen Tisch wurden chinesische Spezialitäten aufgetischt. Lukas stürzte sich in ein weisses Hemd und, wie es

sich gehört, bat er seine Jiayin auf Knien um ihre Hand. Sie sagte gerührt und zutiefst überzeugt: «Ja, ich will ...!» Der Musikant fidelte dazu ein … trauriges Lied! Oops, er hatte das fa, ein Jahr darauf wurde in Bejing geheiratet, 2010 offiziell in der Schweiz. Wer das Traumpaar besuchen will – die Jialu-Lokale in Luzern im «National» und in Hochdorf mit authentischer chinesischer Küche sind offen. Nordchina in Luzern, Südchina in Hochdorf. Einfach herrlich! jialu.ch

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wacht ein flottes Serviceteam. In der Küche kocht Marco Oliveira mit viel Leidenschaft. Es sind nicht nur die hervorragenden Pizze, wofür es sich lohnt im «Aiola» einzukehren. Die Karte animiert auch mit einem göttlichen Saltimbocca und dem Hauswein Filoco, der direkt aus Portugal importiert wird. Begeben Sie sich dorthin, wo sich erfrischendes Wasser, das heisse Feuer der Begeisterung und eine gepflegte Küche ein Stelldichein geben – so nah liegt das Glück. aiola.ch


«EIN CABRIO. DAS WÄRS.»

ERFÜLLEN SIE IHREN WUNSCH BEI DER KURT STEINER AG IN LUZERN UND KRIENS. 30 |


ADVERTORIAL

MOBILITÄT

DAS AUTO FÄHRT WEITER Es ist nicht der Automobilsalon in Genf, der zur Erkenntnis führt: Das Auto mit seinem Verbrennungsmotor wird noch viele Jahre rollen. Finanzen und Gefühle spielen eine Rolle.

utofahren ist schon immer etwas irrational, aber

A

«Nichts nützt das Auto so schnell ab wie das Auto des

schön und nützlich gewesen. Es bleibt es. Auch

Nachbarn.» Dieser Satz aus dem Autoland USA folgt der

wenn inzwischen im Autoland par excellence, in

Logik des Prestigedenkens und hat lange Zeit durchwegs

den USA, mehr als dreissig Prozent der jungen Menschen

gegolten. Inzwischen haben jüngere Generationen die

ohne Fahrausweis durchs Leben gehen. Das wäre noch

Aussage pulverisiert. Sie teilen und sie verhalten sich effi-

vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Irrational ist es,

zient. Die Mittel für den privaten Fahrzeugpark werden

weil die Lust den Menschen viel mehr steuert, als er

sparsam eingesetzt und die eigene Mobilität wird multi-

denkt. Die Wertschätzung von Ingenieurarbeiten, die

optional offengehalten. Prestige ist plötzlich anderswo zu

Freude an Geräuschen, das Autonomiebestreben, Macht-

Hause. Der Zugang zu einem Auto aber bleibt wichtig. Sei-

und Kontrollfantasien, die Wünsche nach Selbstdarstel-

ne Zeit ist nicht abgelaufen.

lung und vielleicht auch der Trieb, sich von der Umwelt

Auch aus finanziellen Gründen nicht. Morten Hannesbo,

abkapseln zu wollen, führen immer wieder zu Fahrzeu-

der CEO des grössten Schweizer Autoimporteurs, Amag,

gen des motorisierten Individualverkehrs. Dies ist der

hat es kürzlich so gesagt. So lange Elektrofahrzeuge einen

mächtige Gegentrend zum viel beschriebenen und si-

schnelleren Wertverlust erleiden als diesogenannten

cherlich sinnvollen Wechsel vom Benzinverbrennungs-

Benziner, so lange werde der Verbrennungsmotor in der

motor auf Batterieantrieb oder hin zur Brennstoffzelle.

Mehrheit bleiben. Das Auto rollt weiter.


ADVERTORIAL

«5KLANG» EIN KLANGSPEKTAKEL IM MAIHOF Am Wochenende vom 4. bis 6. Mai 2018 ist im MaiHof in Luzern ein aussergewöhnliches Konzert zu hören: Beim Projekt «5Klang» werden die fünf Glocken der Maihofkirche als Teil eines einmaligen Klangspektakels mit Chor und Instrumental-Ensemble in Szene gesetzt.

TURMGLOCKEN IM KONZERT Ein Klangprojekt in 5 Teilen im MaiHof schlagfertig | klangcombi | 5Klang-Projektchor Beat Jaggy, Gesamtleitung | Benjamin Rapp, Chorleitung

K

irchenglocken sind so manches: Zeitanzeiger, Ruf- und Warnsignal, Kommunikationsmittel und Zeichen geistlicher Macht. Für viele Menschen ist Glockengeläut Musik in den Ohren. Glocken wecken Gefühle von Heimat und Feierlichkeit. Ihre kraftvolle und zugleich feine Stimme ruft die Zeit in Erinnerung und damit die Vergänglichkeit ins Bewusstsein. Sie sind klanggewordene öffentliche Kultur. Der Glockenturm der Maihofkirche ist ein weitherum sichtbares Wahrzeichen des Quartiers. In einem einzigartigen Konzertprojekt sind die fünf Glocken nun erstmals als «Musikinstrumente» zu hören. Beim Projekt «5Klang» werden die Glocken der Maihofkirche mit Instrumentalmusik und Chorgesang kombiniert. Neben dem Walliser SchlagwerkEnsemble «schlagfertig», das die Glocken im Kirchturm bespielt, wirken das bekannte Luzerner Instrumental-Ensemble «klangcombi» sowie ein vierzig-köpfiger Projektchor mit. Der Pfarreileiter des MaiHofs, Franz Zemp, zeigt sich begeistert über das bevorstehende Konzert-Highlight: «Der Kirchturm mit seinen fünf Glocken ist ein visuelles und akustisches Markenzeichen des Maihofquartiers. Im Projekt 5Klang sind die Glocken nicht nur als klassisches Kirchengeläut hörbar, sondern als differenzierter Bestandteil eines Konzerts.»

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Freitag, 4. Mai 2018 Samstag, 5. Mai 2018 Sonntag, 6. Mai 2018 MaiHof Kirchensaal, Luzern Infos und Tickets:

www.maihofkultur.ch


STADT- UND LANDSICHT

Gibt es einen Graben? Wer schliesst ihn?

Stadt und Land driften auseinander. Zwischen ihnen verläuft der neue Graben der Schweiz. Was teilt sie, wie bringt man sie zusammen und welche Rolle kommt der Agglomeration zu? Über die Zukunft der Zentralschweiz. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

Die Stiftung InnovationsTransfer Zentral­

anderes drehen als um das alles dominieren-

hier Abhilfe schaffen werden, ist offen. Das

schweiz ITZ hat neulich aus einer ersten Aus-

de Frau-Mann-Thema, es soll nicht um die

Risiko des Unverständnisses zwischen dem

wertung einer Umfrage berichtet. Auf

sogenannten Genderfragen gehen.

ländlich geprägten Umfeld und dem städti-

ihrer Website meinverbrauch.ch

Wir möchten an dieser Stelle auch nicht über

schen Wohlstandsmotor wächst beständig

können alle Interessierten den eigenen ökolo-

die Generationenunterschiede nachdenken.

und lässt sich in der Realität meist in Entscheiden ablesen, die Mobilität, Kultur oder

gischen Fussabdruck ausrechnen. Es ist

Finanzen betreffen.

spannend herauszufinden, wie die eigenen

Hier geht es alleine um den Unterschied

Erwartungen über die Verhaltensauswirkun-

zwischen Stadt und Land, einem von der

gen mit den echten, gemessenen Folgen

Wissenschaft in der Zentralschweiz bislang

Das lässt sich auch im nationalen Gesamtbild

des eigenen Tuns übereinstimmen – oder

erstaunlich vernachlässigten Thema.

belegen. Eine Studie der ETH Lausanne hat

wie sie eben ganz und gar nicht deckungs-

Dazu muss man wissen: Drei Viertel der

2016 aufgezeigt, dass der sogenannte «Rösti-

gleich sind. Wir können Sie trösten. Praktisch

Bevölkerung in der Schweiz lebt aktuell in

Graben» zwischen West- und Deutsch-

alle der bisher ausgewerteten über 650

Städte und ihren Agglomerationsgürteln.

schweiz mittlerweile durch einen Stadt-Land-

Datensätze zeigen, dass nie jemand richtig-

In diesen Lebensräumen werden 84 Prozent

Graben abgelöst worden ist. Gestützt auf

liegt. Die Schätzungen sind meist höher

der Wirtschaftsleistung erbracht. Politisch

die Ergebnisse von nationalen Abstimmun-

als die tatsächlichen Auswirkungen von Woh-

sind sie meist von einer Politik links der Mitte

gen zwischen 1981 und 2014 haben die Lau-

nen, Stromverbrauch, Mobilität, Ernährung

dominiert: In neun der zehn grössten Schwei-

sanner Forscher klare Differenzen zwischen

und Konsum. Auffallend ist, dass sich Frauen

zer Städten regieren rot-grüne Mehrheiten.

Grossstädten und den ländlich geprägten

als die grösseren Ressourcen-Vernichter

In den ländlich geprägten, eher agrarisch

Agrargemeinden ausgemacht. Der neue

einschätzen als Männer. Eher alarmierend

dominierten Landgemeinden hingegen sind

Graben zieht sich durch das ganze Land.

ist zudem, dass die 20-Jährigen und

national-konservative, bürgerliche Kräfte

Jüngeren der Thematik des möglichst

zu Hause. Mehr noch: In den Kantonsregie-

Seit dem Untersuchungsende haben sich

energie- und kostensparenden Umgangs

rungen (und selbst im Bundesrat) dominieren

diese Unterschiede noch akzentuiert

mit natürlichen Ressourcen am wenigsten

Parteien wie FDP, CVP und SVP, was so gar

und sind nach dem knappen Abstimmungs-

abgewinnen können. Dies trotz der staatlich

nicht zu den Kantonshauptstädten passen

Ja 2014 für die Eidgenössische Volksinitiative

angeregten Diskussionen in Schulen und

will. So versteht man sich gegenseitig selten.

«Gegen Masseneinwanderung» nicht nur wissenschaftlich ein dominantes Thema.

an Ausbildungsstätten. Doch logisch erscheint dies trotzdem – welcher 20-Jährige

Kanton Luzern als Bad Model

Man spricht in der Regel von «progressiven

setzt sich schon gerne mit ausgesprochenen

Stadt und Land bewegen sich politisch aus­

Städten», die «konservativem Land» gegen-

Langzeit- und Lebensherbst-Projekten wie

einander. Im Kanton Luzern ist dies augen-

überstehen würden.

Hypotheken-, Renten- oder Ressourcenpla-

scheinlich: In der kantonalen Regierung sitzt

nung auseinander?

keine Frau, es existiert keine Positionseinnah-

In der «Neuen Zürcher Zeitung» hat der

me von Mitte-Links oder Grün-Rot und –

Luzerner Autor Paul Schneeberger unlängst

Doch darauf wollen wir an dieser Stelle gar

vor allem – keine stadtluzernische Vertre-

diese Unterscheidung als Abbild verschiede-

nicht hinaus. Hier soll es sich für einmal um

tung. Ob die kommenden Wahlen von 2019

nen Berufsgruppen zu skizzieren versucht.

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STADT- UND LANDSICHT

Er schreibt, dass in den Städten Angestellte

fürs Land. Sie können spalten, doch sie könn-

im Gesundheits- und Sozialwesen dominier-

ten auch Vermittlerinnen sein. Es ist kein

ten, während auf dem Land Kleingewerbler

Zufall, dass sie für die politischen Strategen

den Ton angäben.

in der Schweiz die Flächen mit Wachstums­ potential darstellen, die sie alle besetzen wollen.

Unsere eigenen Beobachtungen stützen dieses Bild, mit der Ergänzung, dass in grösseren Städten wie vor allem Luzern, aber

Mobilitätsunterschiede

auch in kleineren wie in Stans, Sarnen,

Die ungeklärte Frage lautet, wie denn die

Schwyz und Altdorf mit den kantonal ange-

Agglomerationsgemeinden ticken? Man

stellten Arbeitskräften noch eine weitere,

weiss es nicht. Noch nicht. Online-Umfragen,

wichtige Klientel hinzuzählen ist. Während

wie die eingangs erwähnte Fussabdruck-Aus-

auf dem Land demnach Kleingewerbler und

wertung der ITZ haben den angenehmen

Pendler beheimatet sind, finden sich in der Stadt vor allem Angestellte der öffentlichen Hand. Überspritzt ausgedrückt: Die Privatwirtschaft ist in den Kernstädten numerisch in der Minderheit, jedoch auf dem Land eine bestimmende Kraft. Politisch wie wirtschaftlich müssen demnach die Differenzen, vor allem aber die definierten Ziele und die Gewichtung des Staatseinflusses, immens sein. Die Schweiz und damit wohl auch in unterschiedlicher Intensität die Zentralschweizer Kantone, driften wie

«DIE PRIVATWIRTSCHAFT IST IN DEN STÄDTEN NUMERISCH IN DER MINDERHEIT, JEDOCH AUF DEM LAND EINE BESTIMMENDE KRAFT.»

Nebeneffekt, dass sie Auskünfte über die Mentalitätsunterschiede erbringen. Aus der jüngsten Auswertung geht zum Beispiel hervor, dass die Mobilität in den Agglomerationsgemeinden rund dreissig Prozent höher liegt als in Stadt- oder Landgemeinden. Das rührt von einem kombinierten Spitzenplatz im motorisierten Individualverkehr (Autogebrauch und Kilometer) und im Reiseverkehr (Fliegen) her. Vereinfacht ausgedrückt: Städter verbrauchen mehr Ressourcen mit Flügen ins Ausland, Landbewohner mit Autofahren. Jene, die aus der Agglomeration stammen, sind in beidem führend.

tektonische Platten langsam und lange Zeit unerkannt auseinander.

Weil die Mobilitätsaktivitäten 27 Prozent am Agglo im Zwischenraum

CO 2 -Gesamtverbrauch ausmachen, ist dies

In einem Zwischenraum – zwischen Stadt

eine relevante Grösse, weit vor Wohnen oder

und Land – stecken die Agglomerationsge-

Stromverbrauch. Nur Konsum bringt es noch

meinden. Diese sind ein politisches Spielfeld,

auf eine höhere Quote (29 Prozent). Für das

auf dem die Gewichtungen wechseln und

Bundesamt für Energie muss dies ein Finger-

nicht entschieden sind. Sie sind keineswegs

zeig sein, die Aufklärungskampagnen,

homogen und leicht zu beschreiben. Wer bei-

Anstrengungen zu Verhaltensänderungen

spielsweise in Emmenbrücke, in einer der

und Sparaufrufe künftig weg vom Stromver-

grössten Agglomerationsgemeinden der

brauch und hin zu den Städten auf die

Schweiz, sonntags beim Bahnhof einen Kaf-

Themen Mobilität und Konsum und in die

fee trinkt und den Diskussionen der multikul-

Agglomerationsgemeinden zu lenken.

turellen Kundschaft lauscht, hört ganz andere Töne, als sie im Seebad der Gemeinde

Doch wir stehen erst am Anfang der Erfor-

Meggen oder in Hergiswil am See zu verneh-

schung des unbekannten Wesens Agglome-

men sind. Schneeberger unterscheidet etwas

ration, das auch bei uns das Zeug hat, die

salopp drei Archetypen: «Gartenstadt» (hier

Brücke über den Stadt-Land-Graben zu sein.

würden wohl Kriens, Adligenswil, Rothen-

Wie diese Verbindung und Verständigung auf

burg, Malters und andere dazu zählen),

kantonaler und damit gesetzgeberischer

«Goldküste» (steuerliche Oasen wie Meggen,

Ebene politisch vonstattengehen soll, ist

Merlischachen, Hergiswil, Stansstad, Ennet-

völlig offen. Klar ist: Es braucht die Sicht auf

bürgen, Brunnen) und «Ghetto» (Gemeinden

die Stadt und aus der Stadt, genauso wie die

mit hohen Ausländeranteilen und vor allem

Betrachtung auf das und vom Land.

mit in sich abgeschlossenen Gesellschaften). Diese Agglomerationsgemeinden mögen noch so heterogen und schwer fassbar sein, hier werden in letzter Zeit die wichtigen Abstimmungen entschieden. Sie schaffen jeweils das Übergewicht für die Stadt oder

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STADT- UND LANDSICHT

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FULL CONTACT

Der Verein macht weiter.

Wir suchen Sie! Der Verein zur Förderung der freien Kulturszene Luzern sammelt weiter Geld. Er kommt den Kulturschaffenden zugute, die unter dem Spardruck leiden. Spenden Sie! TEXT BA MEDIA BILD MARCO SIEBER

F

reischaffende Künstler, freie Theatergruppen, Verleger, Malerinnen und andere mehr leben

nicht auf grossem Fuss. Im Gegenteil. Seit der Kanton Luzern den Geldhahn zugedreht und seine jährlichen Unterstützungszahlungen an die freie Kulturszene gekürzt hat, muss diese richtig

. e mit die i S n e ie Machtützen S Luzern s e r Unte ulturszen reie K

de rn n e p S Jede en Steuer n d setzba00 1 o v t is 18 ab 206 6854 92 20 : CH14 0077 8 f

unten durch. Eigenfinanzierungen oder

IBA N

Der auditierte Verein zur Förderung der freien

das Finanzieren über Eintritte ist in der Regel

Kulturszene wird durch Angel

für diese kulturellen Angebote nicht möglich.

Gonzalo und Bruno Affentranger

Künstlerinnen und Künstler agieren im Bereich der

(BA Media Luzern, Herausgeberin von

Selbstauszehrung. Dem möchten wir mit unserem Verein

STADTSICHT und LANDSICHT) geleitet. Im legimitie-

entgegenwirken. Denn ohne Geld geht die freie Kultur-

renden und breit abgestützten Beirat sind folgende

szene kaputt.

Institutionen vertreten: die IG Kultur Luzern, die Ge-

Das Konto ist eröffnet und wartet auf Sie. Wir suchen Spenderinnen und Spender, die einen grösseren Batzen

werkschaften Visarte und Act sowie die kantonale Kulturförderung.

bereitstellen, und die eventuell von der Tiefsteuerstrategie des Kantons Luzern profitieren. Unser nicht gewinn-

Uns fehlen für dieses Jahr noch rund 40 000 Franken,

orientierter Verein reicht die Gelder direkt weiter an die

damit die entstandene Sparlücke gedeckt ist. Machen Sie

kantonale Kulturförderungskommission und schafft

mit und spenden Sie! Damit die Künstlerinnen und

damit keine Mehrspurigkeiten. Der Verein ist als ge-

Künstler weiterhin produzieren, kritisieren und uns

meinnützig anerkannt – jede Donation kann direkt von

schärfen können. Jede Unterstützung ist willkommen.

den Steuern abgesetzt werden!

Herzlichen Dank. Verein zur Förderung der freien Kulturszene Luzern

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IHRE SP BITTEEANDEN N: Lu z e

rner K Verein z antonalbank ur der freie n Kultur Fรถrderung szene Lu z er n F F K CH14 00 IBA N: 77 8206 6854 92 00 1 AB

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KREATIV

DER UHRENAUTODIDAKT

Er wollte gerade durchstarten, doch dann kam die Krise. Das war in den späten Siebzigerjahren, als der junge Walter Hess ins Auge fasste, Uhrmacher zu werden. Die Uhrenkrise machte ihm einen Strich durch die Rechnung, der Traum­ beruf des Uhrmachers schien zu der Zeit eine denkbar schlechte Zukunft zu haben. Doch der Glaube blieb, sein Enthusiasmus für mechanische Zeitzähler und deren Beschaffenheit erlitt keinen Abbruch. Aber es brauchte viel Zeit und einige Umwege, bis Walter Hess seinen Traum erfüllen und mit seiner Frau Judith eine Uhrmachermanufaktur in Luzern eröffnen konnte. TEXT UND BILD ANGEL GONZALO

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KREATIV

A

ls Kind verbrachte Walter Hess viel Zeit bei einem Grossonkel, der eine Passion für Uhren hatte und Preziosen in seiner Wohnung zur Schau stellte. Das beeindruckte den Jungen, der schon früh eine Affinität fürs Handwerkliche und Mechanische entwickelte. Auf Anraten seines Vaters, der selbst Kunstschlosser war, entschied sich Walter Hess gegen eine Uhrmacherlehre in einer zu der Zeit darniederliegenden Branche und heuerte stattdessen als Mechanikerlehrling bei der Bell AG in Kriens an. Nach dieser grundsoliden Lehre zog es ihn in die Ferne nach England, wo er im schmucken Städtchen Bath in der Nähe von Bristol ein Semester lang die lokale Kunstgewerbeschule besuchte und dort ein Gefühl für Formen, Farben und Materialien entwickelte. Noch heute denkt er oft gerne an diese spannende Zeit zurück. Sie habe in ihm den Keim der künstlerischen Inspiration eingepflanzt.

Im Jahr 2008, nach minutiöser Planung und mehreren Prototypen, war es so weit. Der damals 47-jährige Hess entwarf seine erste Uhr. Er und seine Frau Judith gründeten eine Firma und wagten so den mutigen Quereinstieg in eine faszinierende Branche. Keine Kompromisse

Eine Hess aus Luzern – mittlerweile ist das Label unter Liebhaberinnen und Liebhabern von Uhren ein Begriff. Walter Hess hat bislang drei Modelle in verschiedenen Varianten und Ausführungen erschaffen. Seine Uhren haben ein Zifferblatt, welches das Licht absorbiert und so die Umgebungsfarbe annimmt. Der Tüftler, der sich selber als anspruchsvoll in Bezug auf Mate-

Beruflicher Aufstieg

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz verlief sein beruflicher Werdegang auf jener zuverlässigen und konsequenten Linie, die dem damaligen Zeitgeist entsprach: regelmässige Kursbesuche, Wei­ terbildung zum Betriebsleiter, beruflicher Aufstieg. Einige Jahre er als Servicetechniker für Verpackungsmaschinen praktisch um die ganze Welt. Dann zog es ihn zum Schweizer Familienunternehmen und Hersteller von Schlagzeug-Becken Paiste nach Nottwil. Dort arbeitete er einige Jahre als Betriebsleiter und Klangentwickler in einem inspirierenden, künstlerischen Umfeld. Und dann, mit vierzig, kamen die Wende und sein lange in ihm gärender Entschluss, es doch noch mit der Uhrmacherei zu versuchen. Nicht einfach so, aus einer Laune heraus. Es war eine echte Sehnsucht danach. Er schrieb sich kurzentschlossen bei der Uhrwerkherstellerin ETA S.A. in Grenchen für einen Fortbildungskurs für Uhrmacher ein. Obschon eine Zulassung aufgrund seiner Ausbildung schwierig war, schummelte er sich irgendwie in den Kurs hinein und merkte sofort, dass die Uhrmacherei genau das Richtige für ihn war. Von diesem Moment an drehten sich die Windungen seines Gehirns wie die Zahnräder eines Uhrwerks. Der Weg bis zur ersten in Luzern von ihm handgefertigten Uhr war geebnet.

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rialien und Fertigungswünsche bezeichnet, geht keine Kompromisse ein, wenn er sich einmal ein Uhrenkonzept in den Kopf gesetzt hat. Daher braucht er Lieferanten, die auch bereit sind, selbst bei Kleinstserien auf die Ansprüche der Luzerner Uhrmanufaktur einzugehen. Der filigrane Sekundenzeiger einer Hess Uhr ist der schmalste, den eine Schweizer Herstellerfirma je produziert hat. Das braucht ebenso viel Zähigkeit wie Überzeugungsvermögen und Leidenschaft beim Verhandeln. Diese Konsequenz ist weniger ein Ausdruck von Sturheit als vielmehr seiner Suche nach der perfekten Komposition. Sie ist auch Ausdruck seines Handwerks: Walter Hess fräst, feilt, dreht und


DER UHRMACHER

WALTER HESS

schleift an einem Stück Metall, bis es passt. Es geht um Präzision, und diese duldet ebenfalls keine Kompromisse. Selbst bei einem derart präzisen und methodischen Menschen wie Walter Hess kann bisweilen auch der Zufall ungeahnte Folgen zeitigen. Die neueste Kreation aus dem Hause Hess, die «Diamond Dust», verdankt ihren visuellen Ursprung der Schleifmaschine in der Werkstatt. Walter Hess beobachtete beim Schleifen oft, wie sich winzige Diamantpartikel von der Schleifscheibe und glänzend in der Luft herumschwirrten. Die Eingebung kam unverhofft: Diamantstaub auf einem Hess-Zifferblatt. Wie diese winzigen Partikel in das Zifferblatt eingearbeitet werden, bleibt vorderhand ein Firmengeheimnis. Fakt ist: Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit ist die Uhrenmanufaktur um ein Modell reicher, das einen einzigartigen visuellen Effekt hinterlässt – je nach Lichteinfall verändert sich die Uhr, wie wenn Sonnenstrahlen auf Schnee treffen.

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Schlichte Eleganz

Hess’ Uhren sind nicht verspielt oder gar manieristisch. Sie verkörpern eher schlichte Eleganz, suggerieren Understatement, selbst auch dann, wenn der Staub von Diamanten auf dem Zifferblatt funkelt. Hess verzichtet bewusst auf die Unterscheidung von Damen- oder Herrenmodellen, trotzdem befinden sich beiderlei Geschlechter unter der Kundschaft, die vorwiegend aus der Schweiz stammt. Jedoch finden auch immer mehr Uhren-Aficionados aus den USA, aus Australien und Indien den Weg in die Stiftstrasse in unmittelbarer Nähe der Hofkirche. Es sind allesamt Menschen, die eine individuell gefertigte Uhr suchen, fernab der Massenware. In seiner Uhrwerkstatt findet Walter Hess eine Oase der meditativen Ruhe, wenn er seine Modelle fertig erstellt oder an neuen Ideen tüftelt. Hier hat jemand seine wahre Berufung gefunden. Stiftstrasse 4, Luzern hessuhren.ch


KREATIV

BILDHAUER MIT HANG ZUR EMPATHIE Der Maurerberuf – das war sein Ding. Doch nach kaum drei Wochen Lehre in Sursee traf er in der Kapelle Gormund auf einen Steinmetz. Die Restaurierungsarbeiten an der bekannten Wallfahrtskapelle zwischen Neudorf und Hildisrieden beeindruckten ihn. Der Wunsch, es mit der Bildhauerei zu versuchen, war geboren und liess ihn nicht mehr los. Heute fertigt Alex Wicki in seinem kleinen, lichtdurchfluteten Atelier in Sursee Grabmale und Kunstwerke. Er arbeitet mit Sandstein, Marmor oder Granit – er liebt das Dauerhafte, das Erdverbundene. TEXT UND BILD ANGEL GONZALO

Die Werktage beginnen für Alex Wicki um fünf Uhr morgens. Dann steht er auf, spaziert von seiner Wohnung in der Surseer Altstadt bis zu seinem Atelier an der Dägersteinstrasse in der Nähe des Friedhofs und geht dort in seiner Tätigkeit als Bildhauer auf. Tag für Tag. Oft auch am Wochenende, wenn die Aufträge sich stapeln. Inspiration im Tessin

Bis dahin war es ein weiter Weg. Der junge Alex Wicki beendete seine Maurerlehre bei Roli Balmer in Sursee pflichtbewusst, doch gleich im Anschluss daran bildete er sich bei Altmeister Franz Zurkirchen zum Steinmetz aus. Einige Zeit wirkte er als freier Mitarbeiter bei den Bildhauern Pedro Pedrazzini und Eric Kappeler im Tessin, atmete dort so etwas wie den freien Geist der Künstler. In dieser Zeit reifte sein Gefühl für Ästhetik. Das Technische, Handwerkliche war ihm naturgemäss gegeben, es bedurfte lediglich der Praxis. In einem Granitbetrieb mietete er sich einen einfachen Unterstand und kämpfte sich bei Wind und Wetter durch die Steinschichten. Bei Eric Kappeler

arbeitete er eine Zeit lang in einem etwas waghalsig improvisierten Atelier im Örtchen Berzona im Verzsascatal. Dort, mit direkter Sicht auf die Staumauer des Vogorno-Stausees, bearbeiteten die beiden Skulpteure die harten Granitblöcke zu den latinorockigen Klängen von Santana. Es war eine in mancherlei Hinsicht inspirierende und lehrreiche Zeit, die seinen Künstlerinstinkt weckte und seinen Entschluss festigte, sich fortan ausschliesslich der Bildhauerei zu widmen. Sein Lehrmeister Franz Zurkirchen holte ihn wieder zurück in sein gut laufendes Atelier. Das war 1993. Neun Jahre später übernahm Alex Wicki im Alter von 32 Jahren den Betrieb. Zwischenzeitlich bildete er sich weiter zum Bildhauermeister und belegte Kurse in Aktzeichnen. Künstlerische Ambitionen

Alex Wicki denkt mit Wehmut an diese Zeit zurück, als er, wie er sagt, durchaus «künstlerische Ambitionen» hegte und zu beachtlichem Erfolg kam. Er durfte einige seiner Exponate ausstellen und verschaffte sich in der Künstlerszene einen Namen. Es

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war eine intensive, körperlich wie geistig anstrengende Zeit. Wie so manche Künstlerseele sah er sich getrieben von einem Hang zur Perfektion. Das zehrte und nagte an seiner Substanz. Der Absturz in ein Burnout war unvermeidlich. Gerade noch rechtzeitig kriegte er die Kurve. Heute blickt er gelassen zurück – er hatte seine Ausstellungen, kostete den künstlerischen Ruhm. Für ihn sind das aber definitiv «tempi passati». Der erdverbundene, energiegeladene Alex Wicki steht heute mehr denn je solide auf beiden Beinen, mit Hammer und Meissel in der Hand und sagt: «Im Kern geht es mir gut.» Grabmale als Unikate

Empathie und Achtsamkeit – grosse Begriffe. Für Alex Wicki aber mittlerweile alltägliches Brot. Er hat die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, in deren Empfindungen, Gedanken und Gefühle. Er bezeichnet sich als hochsensibel, spürt die Energie der Menschen. Oder auch den Mangel. Er war schon achtsam, als die Bedeutung dieser Qualität den meisten Menschen noch verborgen war. Das kommt


KREATIV er mit Bleistiftskizzen fort bis die Idee konkrete Konturen annimmt. Dann folgt die Umsetzung: die Modellierung in Gips, die Bearbeitung des Steinblocks mit Hammer und Meissel, die Vollendung in Form und Stil. Meistens kommt es gut. Sein Büro ist archaisch organisiert. Eine Terminagenda führt er nicht mehr. Die Aufträge sind in Kundenmappen geordnet,

meist bestehend aus minutiös gefertigten Skizzen und Notizen. Das reicht. Morgens, nach seinem obligaten Espresso, öffnet er die Schublade einer alten Kommode, wählt instinktiv das richtige Kundendossier aus und beginnt mit der Arbeit – «nodisno», eins ums andere, das ist seine Devise. Damit fährt er gut. Den Heiligen Georg wiederaufleben lassen

Die Arbeitstage sind gefüllt. Dennoch findet Alex Wicki die nötige Musse für eigene Projekte. Frauenfiguren, die in ihrer langgliedrigen Form etwas an Giacomettis Werk erinnern, säumen die Gestelle seines Ateliers. Gestalterische Entwürfe ragen hier und dort auf. Gleich beim Eingang erhebt sich fast schon majestätisch der Heilige Georg, der Stadtpatron von Sursee. Die über 400-jährige Statue aus Sandstein bedarf dringend einer Überholung. Alex Wicki liebt diese Arbeit an einem Objekt, das einen langen Weg mit vielen Standortwechseln hinter sich hat und nun endlich zu neuem Leben erweckt werden soll. Diese Restaurierung hat einen musealen Charakter, verlangt – auch hier – nach einem beträchtlichen Ausmass an Achtsamkeit. Im Sommer 2018 soll die Arbeit vollendet sein. Die Statue, ergänzt durch einen farbigen Drachen aus Holz, wird dereinst zentral in der Eingangshalle der Stadtverwaltung die Surseer Bevölkerung erfreuen. Alex Wicki hat die ungewöhnliche Platzierung gegen Widerstände durchgesetzt. So ist er. Derweil, in einer verstaubten Ecke des Ateliers, ruht die Asche seiner Tante Frieda in einer Urne aus Ton – Zeit ihres Lebens eine eigenwillige Person, menschenscheu und unnahbar. Als die Familie Wicki die Asche ins Gemeinschaftsgrab zur allerletzten Ruhe verlegen wollte, wehrte sich Alex Wicki vehement: «Meine Tante Frieda hat sich ein Leben lang von der Gesellschaft ferngehalten und nun soll ausgerechnet sie in ein Gemeinschaftsgrab?» Die Urne mit Tante Friedas Asche bleibt bei ihm im Atelier, als ständige Begleiterin. Das ist nicht mehr als konsequent. Auch so ist Alex Wicki.

BILDHAUER

ALEX WICKI

ihm und seinen Kunden zugute, wenn es um die Kreation von Grabmälern geht, die er als Unikate, als unverwechselbare Objekte in seiner Werkstatt kreiert. Für die Angehörigen von Verstorbenen nimmt er sich Zeit, hört aufmerksam zu, spürt deren Wünsche und Bedürfnisse, auch wenn diese bisweilen diffus formuliert werden. Seinen kreativen Prozess setzt

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Die Ausstellung am See

13. - 15. April 2018 Freitag, 13. April 12 - 18 Uhr Samstag, 14. April 10 - 18 Uhr Sonntag, 15. April 10 - 18 Uhr Wir freuen uns auf Sie!

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KULTURTIPPS

Zeit zum Feiern mit Theaterleuten Das Luzerner Theater steht in seiner zweiten Saison unter der Intendanz von Benedikt von Peter. STADTSICHT hat das Programm unter die Lupe genommen. Drei Tipps aus der Redaktion.

TIPP 1

TIPP 2

TIPP 3

TANZ 27: Musik-Leckerbissen Das wird ein besonderer Leckerbissen, vor allem für jene, die sich an Tanz erfreuen, klar, aber auch für jene, die Musik aus den Sechzigerjahren lieben. Liebhaber von The Doors kommen im ersten Teil mit «Flying High» von Fernando Hernando Magadan voll auf die Rechnung. Der spanische Choreograf steht für vollen Körpereinsatz und berauschende Bilder. Jim Morrisons Stimme peitscht durch die erste halbe Stunde. Starchoreograf Marco Goecke bringt danach den zweiten Titanen des Abends, Johnny Cash. Zu seinen Liedern hat er 2005 für das Stuttgarter Ballett das Solo «Äffi» geschrieben. In Luzern kommt es zur Schweizer Erstaufführung. Eine solche beschert uns auch der dritte Choreograf: Der Schwede Johan Inger hat sein «I New Then» zur Musik von Van Morrison der Luzerner Compagnie anvertraut. Zu Recht, wie unser Proben­ besuch unlängst gezeigt hat.

SCHATTEN: Jetzt etwas ganz anderes Hätte man ein Gegenprogramm zum Väterabend finden müssen, hier wäre es: Elfriede Jelineks Stück ist das Richtige für eine impulsive Kombination von Theater und Fumetto. Comic, Schauspiel und Musik treffen in einer Art aufeinander, die Spannung garantiert. Aus Eurydikes Sicht blicken wir an diesem Abend auf Orpheus, diese Sängerlegende, diesen männlichen Mythos, der für Eurydike bislang nur die stumme Muse vorgesehen hat. Während Künstlerin Lika Nüssli in der Aufführung selber die Bühne gestaltet, entsteht vor unseren Augen Eurydike neu und rechnet mit jeglichem Fankult ab. Man darf gespannt sein, wie es mit ihrem eigenen aussieht – und was davon am Ende des Abends noch übrig bleiben wird.

Spieldaten: Premiere am 13. April, danach weitere

VÄTER: Lasst uns endlich reden Gut, Vaterkomplexe sind überall, und irgendwo lauert stets das komplizierte Sohn-Vater-Geflecht. Wie in Teufels Namen findet man hinaus in eine emanzipierte Rolle in dieser so unübersichtlichen Welt? Wo beginnt die Selbstwerdung, diese schwierige, eigene Identifikation, die manchmal bis weit über die Lebensmitte reicht, und wo die Abgrenzung und Ablehnung des Bisherigen und Bekannten? Welche Rollen sind für die jungen Männer von heute schon morgen vorgesehen? Der Stay-at-Home-Dad? Der Introvertierte, der sich eine «Papi-Zeit» nimmt? Der zwischen Macho und Feingeist Changierende? Nach den Müttern gehört die Luzerner Bühne den Vätern. Sie zeigen uns ihre sehr persönlichen Geschichten und befragen damit die Vaterrollen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Machen Sie sich auf einige Fragen von Vätern und Söhnen gefasst – und darauf, dass sich Ihr Denkapparat in ungewohnte Richtungen in Bewegung setzt.

Vorstellungen im April und Mai.

Spieldaten: Premiere am 27. April, danach weitere

Spieldaten: Premiere am 19. April, danach weitere Vorstellungen im April und Mai.

Vorstellungen im Mai und Juni.

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Faust -Szenen

041 228 14 44 luzernertheater.ch

24 Mär — 17 Mai

Von Robert Schumann

Inszenierung: Benedikt von Peter

Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche

Bühne & Jesuitenkirche <-

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DENKEN WIR ÜBER DIE ZUKUNFT NACH

STADTSICHT (und neuerdings auch die LANDSICHT) laden an dieser Stelle im Magazin zu einem kurzen Stopp ein. Zu verschnaufen, neue Ideen kennenzulernen, eventuell für sich etwas zu lernen – darum geht es hier. Wir zeigen Geschäftsmodelle oder Ideen, die sich vielleicht auch für Sie eignen. Dies ist die Sektion für die Zufuhr von frischem Sauerstoff.

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THINK TANK SERIE

INTELLIGENT DATEN VERKNÜPFEN Ein Tochterunternehmen der ewl operiert erfolgreich auf dem Feld der Informations- und Kommunikationstechnologie. Arcade ist die Betreiberin hinter dem Glasfasernetz in der Stadt Luzern. Das Unternehmen führt sein eigenes Laboratorium und experimentiert an Modellen für «Smart Cities» sowie im Bereich IoT (Internet of Things). TEXT ANGEL GONZALO BILDER ANGEL GONZALO / ZVG

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liver Stahel, 39, ist ein Selfmademan wie er im Buche steht. Im Alter von 18 Jahren, während seiner Ausbildung, gründete er sein eigenes Start-up-Unternehmen Arcade. Dies in einer Zeit, als der Begriff Start-up noch nicht so geläufig war und das Internet mit Bandbreiten operierte, worüber man heute milde lächelt. Der junge Stahel startete 1996 mit ersten Datacenter-Services im Bereich Webhosting. Er und sein Team waren damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Nachfrage nach Hosting-Lösungen für Firmenwebseiten und E-Mail-Adress-Services war zu der Zeit riesig. Der Grundstein für und der Fokus auf B2B war nun gelegt, zumal die Nachfrage nach höheren Bandbreiten für den Internetzugang für Firmenkunden stetig wuchs. Das junge Unternehmen liess sich beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) als Fernmeldedienstleister (Provider) registrieren, und nutzte dessen 5-Giga-Herz-Frequenzband. Stahel und sein Team bauten mit Partnern einen «Breitband-Funkring» um die Stadt Luzern und steigerten so die Performance stark. Das war der Beginn der unternehmerischen Karriere von Oliver Stahel. Fortan widmete er sich seiner Firma, die er im Zeitalter des Internetbooms stetig ausbaute. 2013 beteiligte sich die ewl mit vierzig Prozent am Unternehmen. Drei Jahre später erhöhte der Luzerner Energiedienstleister seinen Anteil auf 75 Prozent. Heute führt Oliver Stahel als CEO ein Unternehmen mit knapp fünfzig Mitarbeitenden und verkörpert gleichzeitig die Rolle des Innovation-Scouts. 21 Jahre im Highspeed-Verfahren erzählt. So schnell kanns gehen.

bauten Netzinfrastruktur. Kleinere bis mittlere Unternehmen sowie einige Grosskunden und Energieversorger gehören zum Kundenportfolio. Das Geld verdient Arcade mit Cloud-Lösungen und Leistungen als Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnologie. Das neue strategische Geschäftsfeld IoT («Internet of Things») wird indessen immer wichtiger. In diesem Bereich erbringt Arcade Digitalisierungsservices für Smart Cities und für die Industrie 4.0. Dieser Zweig, so Stahel, wachse rasant und werde für sein Unternehmen auch finanziell bedeutungsvoller. Doch die Reise geht gemäss Oliver Stahel weiter, viel weiter. Weit über die Region hinaus. Das Unternehmen hat seit 2015 einen Ableger in San Francisco, direkt am Pier 17 – auch Swisspier genannt. Dort residiert ebenfalls das Schweizer Konsulat. Die Intention dahinter: Experimentieren, sich mit interessanten Firmen austauschen, technologische Trends an der Front aufspüren. Der wichtigste Partner von Arcade für dieses spannende Abenteuer über den grossen Teich ist Swissnex, das weltweit operierende Schweizer Netzwerk für Bildung, Forschung und Innovation. Stahel reist mehrmals pro Jahr nach Kalifornien und ist nach wie vor begeistert: «Das internationale Netzwerk, welches man in dieser inspirierenden Gegend vorfindet, ist grossartig.» Eine solche Erfahrung gebe einem Mut, neue Wege zu beschreiten, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich seien. Der Begriff «radikale Innovation» sei in dieser Gegend nicht bloss eine weitere Floskel in der oft etwas abgehobenen Managementsprache, sondern werde in der Tat gelebt. Stahel ist fasziniert von diesem direkten Ansatz und von der Konsequenz, mit welcher danach gehandelt wird. In San Francisco findet er interessante Menschen und Firmen, die seine Firma weiterbringen. In Kalifornien

Mut zum Experiment

Arcade verfügt über zwei lokale Datacenter in Luzern und bietet im Verbund mit ewl energie wasser luzern Zugang zu einer ausge-

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THINK TANK SERIE

war es auch, wo er sich mit dem Schweizer Unternehmer Herman Gyr traf, dem Gründer der Enterprise Development Group (EDG). Seit dreissig Jahren ist EDG auf die Ausarbeitung von Innovationsstrategien und Organisationsentwicklung spezialisiert. Eine inspirierende Begegnung, blickt Stahel zurück: «Die Schweiz ist in Bezug auf technologische Entwicklung stark reguliert. In Kalifornien ist man pragmatischer, man versucht es einfach mal.» Wir Schweizer seien in dieser Hinsicht vielleicht zu brav, zu konsensorientiert, bisweilen gar zu konservativ: «Wir müssen agiler, mutiger und schneller werden, aber auch bereit sein, Kompetenzen weiterzugeben, uns mehr zu vernetzen», sagt Stahel. San Francisco gab den Ausschlag für die Gründung des firmeneigenen Laboratoriums, das Stahel als «experimentelles Spielfeld für konkrete Anwendungen» bezeichnet. Die Daten sind oft schon da

Während viele von Zukunftsideen wie «Smart Cities» reden, hat Arcade bereits erste Schritte in diese Richtung gewagt. Mittels eingebauter Sensoren und eines Funknetzes, das mit niedriger Energie arbeitet, hat das Unternehmen eine intelligente Parkplatzbewirtschaftung realisiert. Sie hat das Potenzial, die Effizienz im privaten und öffentlichen Verkehr zu steigern. Das bietet auch für das zweckmässige Lotsen von Reisecars oder Lastwagen interessante Möglichkeiten. Diese Technologie setzt Arcade bereits in der Abfallbewirtschaftung und bei Strom-, Wasser- und Gaszählern ein. Anwendungen für Grünflächenbewirtschaftung, Lärmemission, Wasserpegel-Monitoring oder E-Mobil-Ladestationen sowie eine Vielzahl von Anwendungen für intelligentes Facility-Management oder für das intelligente Büro wurden bereits realisiert. Die Verknüpfung mit Mobile-Applikationen bietet praktisch unerschöpfliche Skalierungsmöglichkeiten. Anwendungen mit einem sogenannten «Androiden-Sensor» im Smartphone sind heute schon möglich. Theoretisch könnten wir dann alle zu mobilen

«DAS STRATEGISCHE GESCHÄFTSFELD IOT WÄCHST RASANT UND WIRD FÜR UNSER UNTERNEHMEN IMMER WICHTIGER.» OLIVER STAHEL

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Arcade-CEO Oliver Stahel spürt technologische Trends an der Front.

Datensammlern und Datenübermittlern werden. Darüber lohne es sich nachzudenken, meint Stahel – auch über zu berücksichtigende Datenschutzrichtlinien. Eingebaute Sensoren sind das eine, bereits vorhandene Daten das andere. Stahel sagt, wie sein Unternehmen vorgeht: «Oft kommen Unternehmen zu uns mit konkreten Anliegen, wie sie vorhandene Daten nutzen könnten. Unsere Software ist darauf spezialisiert, diese Daten interpretierbar und dadurch brauchbar zu machen.» Arcade geht dabei experimentell mit den Spezialisten an das Problem heran und entwickelt dann Applikationen. Intern organisiert Arcade mehrmals pro Jahr Innovationswochen, sogenannte «Hackatons», mit zwei Teams: eines in Luzern, ein anderes in San Francisco. Beide Teams arbeiten aufgrund der Zeitverschiebung während 24 Stunden an einer bestimmten Aufgabe und können so innert nur einer Woche eine Software in ihren Grundzügen entwickeln. Der Highspeed-Schluss liegt nahe: Das Outpost-Office in San Francisco hat sich bislang für Arcade ausbezahlt.


Photo: Bruce Damonte

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THINK TANK SERIE

KENNEN SIE DIESEN SCHATZ? Bisher hat man sie in der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen. Fotos gab es keine. Für uns macht eines der spannendsten Teams, das mit Restaurants und Hotels zu tun hat, zum ersten Mal eine Ausnahme. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

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BILD MARCO SIEBER


A

m Anfang stand wie so oft eine ungeplante Entwicklung, gereift mit der Zeit: Warum nicht die Stärken aller nutzen, um gemeinsam mehr erreichen zu können, als dies einer alleine könnte? Dies weniger aus einem strategischen Gedanken heraus, sondern vielmehr, weil es Spass macht und weil dies in einer umkämpften Branche erlaubt, kreative Ideen umzusetzen. Heute wickelt das kleine Team der Schatz AG,, das sich intern gut organisiert hat, einen ganzen Strauss von Dienstleistungen wie Buchhaltung, Personaladministration, Marketing, Einkauf und IT, ähnlich einer internen Agentur ab. Samuel Vörös, Dominik Grossenbacher, Nadia Amrein-Estermann und Simone MüllerStaubli zeichnen verantwortlich für die Erbringung dieser Dienstleistungen mit dem Ziel, den Gastgebern in den Betrieben den Rücken freizuhalten und ihnen so Zeit zu geben, sich den Gästen und Mitarbeitenden zu widmen. Oder anders formuliert: Wenn der Gast in einem der Partnerbetriebe ein rundum gelungenes Erlebnis hatte, dann haben sie ihren Job gut gemacht.

tig, gleich mit dem Missverständnis aufzuräumen, hier spreche man von einer Gastronomie- oder Hotelgruppe. Hinter der Schatz AG steht ein Team von jungen, passionierten Gastronomen und Hoteliers. Sie legen Wert darauf, dass jeder Betrieb konzeptionell und juristisch unabhängig ist, verbunden einzig über den kleinsten gemeinsamen Nenner, die unterschiedlichen Beteiligungen. Teil des Teams sind die folgenden Restaurants:

Brasserie Bodu Restaurant Mill’feuille Restaurant Libelle Restaurant Zur Werkstatt Restaurant & Bar Seehaus, alle Luzern Vor der Bühne, Gastronomie des Theaters Luzern Restaurant Lagerhaus, St. Gallen Gasthof Krone, Blatten bei Malters Restaurant Träumli, Seelisberg (ab Mai 2018) Restaurant Rössli, Root (ab Dezember 2018)

Das Portfolio wächst weiter

Und diese Hotels:

Inzwischen sind es einige Restaurants und Hotels geworden, die hier zusammenarbeiten. Wenn man die Liste durchgeht, dann tut man dies mit einem leichten Erstaunen. Breit ist das Angebot, kein Konzept gleicht dem andern. Den Schatz-Initianten ist wich-

Hotel Stans Süd, Stans Hotel Idea, Spreitenbach Hotel Polo Inn, Ascona Seehotel Kastanienbaum, Kastanienbaum King Fisher Village, Kapverden «Uns verbindet die gemeinsame Leidenschaft für kreative Konzepte, welche entsprechend professionell umgesetzt werden. Wir arbeiten zusammen, weil wir der Meinung sind, dass es mehr Spass macht, gemeinsam etwas zu bewegen.» So lässt sich das Team zitieren, das keine Einzelpersonen in den Vordergrund stellen, sondern als Ganzes wahrgenommen werden möchte. Diese Form der Zusammenarbeit ist neu. Man sollte nie vergleichen, wer es dennoch tun will: Alleine unter dem Gesichtspunkt der Kostenoptimierung agieren in der Zentralschweiz die Luzerner Sinnvoll Gastro von Heinrich Michel, Philippe Giesser und Simon Feigenwinter im weitesten Sinne vielleicht ähnlich. Auch sie nutzen die gemeinsamen Ressourcen, um ihren Einkauf effi­ zient zu gestalten, in ihrem Kern unterschieden sie sich aber alle zum Teil massiv. Keiner tut es in einem Konstrukt wie die Betriebe rund um die Schatz AG. «Wir arbeiten zusammen, weil wir überzeugt sind, dass der Gast spürt, wenn wir wissen, was wir tun», sagen die Initianten. «Deshalb nennen wir uns auch Schatz, jeder unserer Betriebe ist wie ein Schatz, den man entdeckt.» Voilà, wäre auch dieses Geheimnis – jenes um den neuen Namen – gelüftet. Logisch nur, dass die «Schätze» als nächstes eine «Beizentour» veranstalten. Gemeinsam öffnen sie die Türen zu ihren Betrieben und laden geballt ein. Hier die wichtigsten Informationen zum Anlass: Datum: 4. Mai ab 17 Uhr und 5. Mai ab 15 bis 0.30 Uhr Ort: Sinnlicht, Industriestrasse 15, 6005 Luzern Was: Spezialitäten und die passenden Getränke aus allen Schatz-Betrieben Eintritt: geht aufs Haus der Schatz AG Weitere Informationen: schatz-ag.ch

Einige der Betriebsleiterinnen, Küchenchefs und Antreiber, die mit der neuen Schatz AG zusammenbarbeiten

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FUTURE TALK

HERR MURI SUCHT DIE ZEIT Der Surseer Unternehmer Ivo Muri ist eine schillernde Figur. Soeben hat er seine Firma verkauft. Er treibt seine Forschungen an der Zeit voran. Warum macht er das und was treibt ihn an? Und warum ist er oft alleine mit seinen Ideen? TEXT BRUNO AFFENTRANGER BILD ZVG

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err Muri aus Sursee ist ein mühsamer Mensch. Könnte man meinen. Zunächst ist er verhindert. Der Schnee hat ihn aufgehalten. Stau auf der Autobahn. Chaos vor Neuenkirch. Und das am ersten Tag nach dem Auszug aus der verkauften, eigenen Firma. Ausgerechnet vor dem Termin in Luzern. Es muss für einen Forscher an der Zeit ein Gräuel sein. Herr Muri aus Sursee kommt eine Stunde zu spät. Die Situation bereitet ihm Unwohlsein. Seine Bewegungen sind unsicher, als er nach absolvierter Staufahrt den Raum betritt und den Wartenden sucht. Die Entschuldigung kommt schnell. Die Augen tasten sein Gegenüber nach einer Reaktion ab. Am Telefon hat er zuvor die missliche Lage geschildert, nachgefragt, spüren wollen, ob sich im temporären Zwischenraum Ärger zwischen ihm und dem Wartenden breitmache. Drei Mal hat er angerufen, um sicherzugehen, dass sein Gegenüber sich trotz seinem Ausbleiben angenehm fühle und die Zeit für anderes nutzen könne. Er ist ein Zeitexperte, der weiss, dass man lange Warteperioden zerstückeln muss, damit das Ganze kürzer erscheint. Die Antworten des Gegenübers hätten ihn beruhigt, sagt er später. Ivo Muri setzt sich schnell. Er trägt ein friedliches Gesicht, das von Wohlergehen erzählt und dessen wenige Furchen von Zweifeln und Ängsten nur flüstern. Er sagt: «Wenn sich mein Kunde wohlfühlt, dann geht es mir gut. Ich habe eine tiefe Kundenorientierung.» Das klingt positiv und einnehmend. Der Nachsatz verrät Freude am Umgang mit Pathos. Ist es Ergriffenheit ob des eigenen Tuns? Oder vorauseilende Abbitte für den gedanklichen Widerstand, den er meist leistet? Alleine aufstehen und fragen

Herr Muri aus Sursee ist ein unbequemer Mensch. An einer Versammlung der Politik und Wirtschaft auf Pilatus-Kulm stellt er die berühmte erste Frage zum Ende eines Podiumsgesprächs.

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Zuvor haben sich vier Redner über das richtige Tun in der Wirtschaft ausgetauscht. Jetzt schweigen sie und alle im Saal. Ivo Muri, der Unternehmer, steht auf, ergreift das Mikrofon und hebt zur Darstellung seiner Sicht der Dinge an. Diejenigen im Publikum, die ihn nicht das erste Mal erleben, atmen tief ein oder ziehen die Augenbrauen hoch. Er skizziert schnell das Bild des Kapitalismus als missverstandene Geschichte von Markt, Macht und Kapitalanhäufung, die dem Sozialapparat leider unentwegt neue Kunden zuführt. Nach drei Sätzen hüsteln die ersten im Saal. Man will ihn nicht hören. Nach sechs Sätzen unterbricht der Moderator und bittet den Redner, zur Frage zu kommen, die Gesprächszeit neige sich dem Ende zu, aber bitte beim Thema bleiben. Ivo Muri lächelt höflich und sagt, dass Zeit nicht in erster Linie Geld sei – die wirkliche Bedeutung von Zeit würde kaum mehr verstanden. Das sei das Grundproblem. Deshalb forsche er an ihr, an der Zeit. Im Saal wird getuschelt. Zeitforscher Ivo Muri biegt Richtung Abschluss seiner improvisierten Kurzrede ein. Inzwischen Gemurmel. Die Frage, die Frage, bitte die Frage, bettelt der Moderator. Verärgerte Stimmen im Saal. Dann endlich die Fragen an die Manager und Unternehmer auf dem Podium. Sie lauten sinngemäss: Warum begeben Sie sich freiwillig in die Unfreiheit und denken über das richtige Wirtschaften nur so, wie alle anderen denken? Wäre es nicht an der Zeit auszuscheren – jetzt, da sich unmenschliche Übertreibungen und monströse Fehlentwicklungen klar zeigen? Da die Zeit abgelaufen ist und niemand wirklich nochmals eine Diskussionsrunde zu diesem fundamentalen Angriff auf die geltenden Meinungen eröffnen möchte, bleiben die Wortfetzen im Raum hängen. Ivo Muri sinkt zurück auf seinen Stuhl – als ein Kauz, als ein Sonderling. Dieses Etikett hängt ihm an. Die Session endet ohne Antworten. Der Moderator dankt höflich für die Einlassung. Die Etikette bleibt gewahrt und man entfernt sich mehrheitsberuhigt Richtung Apéro.


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FUTURE TALK

Diese Szene vor Augen, sagt Ivo Muri: «Das passiert mir ständig. Ich bin mir bewusst, dass ich ein Aussenstehender bin. Und ich weiss, dass ich mir das Leben damit nicht leicht mache.»

zweier Leben: Da der Freund, der arbeitslos und mit viel Zeitüberschuss gelebt hat, hier er selber, der sieben Tage die Woche in Arbeit für sein Start-up ertrinkt und für den Freund kaum Zeit gefunden hat. 2001 trifft ihn an einem Wirtschaftsanlass im KKL in Was will er denn? Luzern der zweite Schlag: Ein dänischer Wirtschaftsberater beEs ist höchste Zeit, sich mit Herrn Muri ernsthaft inhaltlich zu hauptet auf der Bühne unwidersprochen, dass die Zukunft der beschäftigen. Wirtschaft dem «Fucking und Shopping» gehöre. Ivo Muri empört Die Selbstbezeichnung Aussenstehender trifft nur bedingt sich ob des Gewiehers im Publikum. Selber lacht er oft und gerne, zu. Ivo Muri steht gleichzeitig mittendrin. Er ist der Unternehman sieht es ihm an. Doch die Augen, die einen anblicken, wenn er mer, der 1994 seine Zeit AG gegründet hat, und der Bilderstürspricht, verkünden Ernsthaftigkeit. Sie kaschieren den Grübler mer, der radikal hinterfragt. Er hebt gerne gedanklich ab und mehr schlecht als recht. schwebt über den handfesten Dingen – und hat es in 24 Jahren So werden Zeit, Raum und Geld die Themen dieses ernsthafUnternehmertum dennoch geschafft, die im Schweizer Markt ten Mannes. Sie führen direkt zur härtesten Gesellschaftskritik, führende Firma für Zeiterfassungssysteme zu formen. Er doziert die man sich aus einem Unternehmermund vorstellen kann. Seiund schweift ab, und er fokussiert und verdient gutes Geld. Die ne Gleichungen stellen bei bürgerlichen Denkern die Haare auf. Zeit AG bietet Hard- und Software an, um den Zutritt in ein GeIvo Muri sagt mit Furor: Privatisierung sei Feudalisierung, Gloschäftsgebäude oder die Arbeitszeit von Mitbalisierung sei Kolonialisierung, und die arbeitenden zu registrieren. New Economy der Neunzigerjahre sei die Ende Februar hat der 59-Jährige sein UnOld Economy der Epochen von 1850 und ternehmen verkauft an den ebenfalls in Sur1920. In einem Leserbrief hat er kürzlich gesee ansässigen IT-Unternehmer Stefan Hergen eine staatlich nicht kontrollierte Blockmann und seine Base-Net-Gruppe. Er ist chain-Technologie mit einem Wuchern von ausgestiegen. Gemeinsam mit seiner Frau und Bitcoin-Währungen vom Leder gezogen: Er den beiden Töchtern will Ivo Muri sich vollhat Professoren, Politiker und Unternehmer kommen auf Zeitforschung und -beratung gleichermassen für deren «blinden Zukonzentrieren. Dafür gründet er derzeit ein kunftsglauben» angegriffen. Für ihn ist klar: Institut «Nomos der Zeit» in Sursee. Zunächst Blockchain mag gut sein, aber privatisiertes lässt er es langsam angehen. Batterien sollen Geld – so bezeichnet er Bitcoins – sei das aufladen. Alles zu seiner Zeit. Übelste und der Anfang vom Ende einer geIvo Muri, Unternehmer aus Sursee Auf sie gekommen ist er früh. Der Vater, ein rechten Welt. Kirchenuhrmacher, hat ihn als Bub mit zur Seine Augen leuchten, wenn man ihn auf Arbeit genommen und gezeigt, was er tut. «Ich diesen Leserbrief anspricht. Er fragt nach und bin mit ihm auf den Kirchtürmen herumgewill die Meinung seines Gegenübers erfahren. hangen und habe viel Zeit gehabt, über die Zeit nachzudenken», Derweil häufen sich die negativen Briefe, E-mails und Anwürfe, erinnert sich Ivo Muri. Während der Vater die Glockenspiele jusdie an seine Adresse eingehen. Doch Aussagen anderer betrachtet tierte, half er mit. «Glocken-Muri» ist er genannt worden. Mancher als Herausforderungen. Es geht ihm um ein grosses Ziel: Gerechmal hat die Arbeit ein paar Tage länger gedauert, darauf angekomtigkeit. Warum soll der eine Mensch besser sein als der andere? men ist es damals nicht. Heute, nachdem Ivo Muri die Firma Freier Zugang zu Kapital, Rechtssicherheit und Grundversorgung kurzzeitig selber geführt hat, ist das Familienunternehmen in Büsind noch immer seine altmodisch klingenden Pfeiler des Kapitaron im Surental zu Hause. Ivos Bruder Stefan leitet die Geschicke lismus. der Jakob Muri AG, die sich der Kirchentechnik verschrieben und Er sagt: «In diesem Sinn bin ich bin erzliberal.» Aber es existieunlängst fusioniert hat. Die Turmglocken schlagen und gehorchen ren auch für ihn Grenzen. Er überlege sich schon, ob ein Engageden Uhrwerken immer noch. Ferngesteuert. Doch irgendjemand ment ihm oder seiner Familie schade. Die wirtschaftliche Existenz muss die Steuerung steuern. Arbeit gibt es genug. gelte es zu sichern. Ivo Muri denkt nach der Frage, ob er denn nie «Damals mit dem Vater habe ich begriffen, dass viele Menschen von Selbstzweifel geplagt sei, sehr lange nach und weicht mehrdie Zeit mit der Uhr verwechseln. Die Zeit aber ist etwas anderes. Wir mals aus. Zwei Antworten später sagt er: «Ich halte mich an den verwechseln ja auch nicht einen Raum mit dem Metermass», sagt Ivo Ratschlag meiner Mutter, die gehofft hat, dass ich zwischen den Muri. Einige Gedankengänge später formuliert er einen typischen Dingen unterscheiden kann, die ich verändern und die ich nicht Muri-Satz: «Eine Gesellschaft, die keine Zeit hat, lebt nicht.» verändern kann.» Heute sei es so: «Wenn ich denke, dass ich Menschen positiv beeinflussen oder verändern kann, dann bleibe ich Die härteste vorstellbare Kritik dran.» Dann fragt er nach. Auch wenn die Session ohne Antworten Die Zeiterfahrungen mit dem Vater sind das Eine. Zwei weitere endet, der Moderator höflich für die Einlassung dankt, die Etikette Momente haben sein Denken radikalisiert. 1998, gerade als Ivo gewahrt bleibt und man sich mehrheitsberuhigt Richtung Apéro Muri mit seiner noch jungen Zeit AG den Jungunternehmerpreis entfernt. der Zentralschweiz gewonnen hat, stirbt ein Freund und SportkaHerr Muri aus Sursee ist ein mutiger Mensch, der neuerdings merad. An dessen Grab sinniert Muri über das Auseinanderdriften mehr Zeit und Freiheit für seine Mission hat.

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STADT- UND LANDLEBEN

Wir blicken in jeder Ausgabe auf ausgewählte Veranstaltungen, zeigen Menschen aus der Zentralschweiz und feiern gerne mit. Wer möchte, kann seinen Event bei uns präsentieren. Interessante Anlässe melden bei willimann@bamedia.ch

Das Tourismus Forum Luzern (TFL) ist ein Verein, der die Förderung des Tourismus in der Stadt Luzern und in der Zentralschweiz zum Ziel hat. Wer will, kann mitmachen – inzwischen ist die ganze Zentralschweiz vertreten. Kürzlich trafen sich einige der Mitglieder im Campus Sursee in Oberkirch zu einem Feierabend-Apéro. Mathias Hecht, der Leiter der Sportarena, und Thomas Hegnauer, der Geschäftsführer des Seminarzentrums, führten durch einen informativen Abend und zeigten eindrücklich, weshalb man hier vom «Magglingen der Zentralschweiz» spricht.

TFL TRIFFT SICH IN SURSEE

Fotos: Tourismus Forum Luzern

LEBENSLUST

Rund siebzig Gäste folgten der TFL-Einladung.

TFL-Vorstandsmitglied Peter Imhof begrüsst die Touristikergruppe in Oberkirch, Sursee.

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STADT- UND LANDLEBEN

Thomas Hegnauer, Geschäftsführer des Seminarzentrums Campus Sursee, referiert. Daniele Cederna (rechts), Geschäftsführer der Longines-Boutique mit seinem Stellvertreter Istvan Szenerits und Mitarbeiterin Nikko Luo.

Der ehemalige Spitzentriathlet Mathias Hecht ist Leiter der künftigen Sportarena.

Luzerns städtische Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (Mitte) im Buffetrestaurant Mercato.

LONGINES MACHT FASNACHT Eine Traditionsfirma – Longines – trifft auf die Luzerner Tradition an sich: die Fasnacht. Grendel-Boutique-Chef Daniele Cederna ist es hoch anzurechnen, dass er dem heimischen Strassenkulturschaffen huldigt. Dies als Frühstarter gewissermassen. Am Samstag vor dem Urknall luden er und seine Mitarbeitenden die Monster-Guugger Bueri an den Grendel und schenkten Kaffee Luz mit viel Zwetschgenwasser aus. Der Ansturm war überwältigend, der Grendel voll – Touristen trafen Einheimische und schunkelten gemeinsam. Fotos: Manuela Willimann

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Die Monster-Guuger Bueri aus Buchrain marschieren in den Grendel ein.


AUSSICHTEN

NASTY QUESTIONS Wer sich für die Zukunft vorbereiten will, stellt sich jenen heiklen Fragen, denen man in der Regel lieber ausweichen möchte, als sie zu beantworten. Unsere nicht abgeschlossene Liste der Nasty Questions:

Wäre es jetzt nicht ein historisch einmaliger Moment, über ein Zusammengehen von Emmen und Luzern nachzudenken? Würden die Dinge wirklich einfacher – und wer würde dafür bezahlen müssen?

Warum schaffen es Stadt, Kanton und SBB noch immer nicht, mitten in Luzern über den Gleisen des Güterbahnhofs eine sinnvolle Nutzung zu definieren und die Planung in Angriff zu nehmen?

Würde der Kanton Luzern diesemal dafür die Zusammenlegungsprämie entrichten – oder wieder nicht, wie beim Zusammengehen von Littau und Luzern geschehen?

Warum forciert die Stadt nicht eine Planung, obwohl sie das Gebiet als wichtiges Entwicklungsfeld in ihrem Mehrjahresplan aufgeführt hat?

Was hält eigentlich die Zentralschweizerinnen und Zentralschweizer zusammen – die Idee vom Tiefbahnhof? Wenn ja, wann müsste man hier endlich aus den Politikerund Planerköpfen heraus und vors Volk treten?

Wie viele solcher freien Flächen gibt es noch im Stadtzentrum? Warum ist dieses Gebiet nicht eine ernsthafte Variante in der Frage, wo künftig Carparkplätze stehen sollen?

Wann gibt es das Volksfest zum Tiefbahnhof in der Zentralschweiz – und wo würde man feiern, wenn alle Profitierenden feiern würden?

Warum ist ein Quadratmeter Grün auf dem Luzerner Inseli mehr wert als einer auf der Allmend?

Ab wann gibt es Stadt und Land nicht mehr und nur noch Agglomeration? Wer hat hier den grossen Plan und wer lenkt? Hat das Pendel auch bei uns in den Kantonen und Gemeinden bereits Richtung Abschottung und Rückzug ausgeschlagen, wie dies bei Nationalstaaten seit zwei, drei Jahren zu beobachten ist? Oder warum wird die Gemeindehoheit seit Jüngstem wieder derart hochgehalten, wenn es um Fragen der gemeinsamen Regionalplanung geht? Ist unser Föderalismus die Brutstätte für die gute Form des Protektionismus – oder ist sie nur eine verdeckte, die den Wettbewerb verhindern und neue Anbieter von Dienstleistungen aussperren will? Wie geht man in Luzern mit dem einmaligen Wert um, in einer Industrie auf wenigen tausend Quadratmetern mitten in der Innenstadt mehr als eine Milliarde Franken zu verdienen? Was wäre die wirtschaftliche Alternative zum Tourismus am Schwanenplatz – und was würde die fehlenden Steuereinnahmen ersetzen? Welche Industrie würde nur annähernde Zahlen liefern? Wie wird künftig Volkseinkommen generiert? Welche Industrien sind es, auf die der Stadtrat von Luzern in Zukunft setzen will? Und wie macht er das?

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Wie soll es für Luzern möglich sein, wie angedacht einen Terminal für nationale und internationale Schnellbusse an der städtischen Peripherie (auf der Allmend) zu bauen, wenn doch der Bundesrat und das nationale Parlament genau dies untersagen und die Fernbusse in die Innenstädte führen wollen? Wo fahren die Flixbusse dann hin? Als Ersatz für die auf die Allmend verlagerten Reisecars direkt an den Löwenplatz? Lassen Sie uns über diese Themen streiten! STADTSICHT geht den Fragen nach und sucht nach Antworten. In den kommenden Ausgaben beleuchten wir unter anderem diese Themen. Diskutieren können Sie ab sofort: Auf Facebook (stadtsicht.ch) oder per E-Mail direkt an uns: stadtsicht@bamedia.ch.


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