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N O 1 | 2019

WAS DAS URBANE ZENTRUM DER ZENTRALSCHWEIZ BEWEGT WAS DIE REGION LUZERN UND FÜNF KANTONE BEWEGT

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BAUEN WIR LUZERN NEU DIE RÜCKKEHR DER PIONIERJAHRE

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OPERATION AM OFFENEN HERZEN DER DURCHGANGSBAHNHOF KOMMT

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DIE LÖSUNG SPANGE MITTE

aufgedTSeICcHkTt? STAD startet Debattierclub Seite 26


CITY LIG HT SYMPHONY ORCHESTRA FILMMUSIK-STERNSTUNDEN IM KKL LUZERN

SAMSTAG/SONNTAG . 4./5. MAI 2019

SAMSTAG . 1. JUNI 2019

SONNTAG . 2. JUNI 2019

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der ersten bemannten Mondlandung präsentiert City Light Concerts galaktische Filmmusik zu Weltraum-Abenteuern. Reisen Sie mit dem City Light Symphony Orchestra auf die dunkle Seite des Mondes und in die unendlichen Weiten des Weltalls. Während die packenden Filme «Apollo 13» und «Star Trek» auf Grossleinwand erstrahlen, spielt das 80-köpfige Sinfonieorchester die dramatischen Soundtracks live. Mit dem Themenkonzert «Hollywood in Concert – From the Earth to the Moon and Beyond» lädt das City Light Symphony Orchestra mit weltberühmten Melodien u.a. aus «Star Wars», «Avatar», «E.T.», «Interstellar» und «Moonraker» zu einem filmmusikalischen Feuerwerk.

Nehmen Sie Platz im Konzertsaal des KKL Luzern und begeben Sie sich mit unvergesslichen Filmmusik-Highlights auf atemberaubende Reisen zu den Sternen.

INFOS & KARTENVERKAUF: www.citylightconcerts.ch KKL Kartenverkauf: 041 226 77 77


Die

g e h a lt e n .

ZAHLENSPIEL

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22 Euro (480 Pesos)

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angehoben. Salzburg, Österreich:

24 Euro

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für Carparkierung in der Innenstadt.

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bisher, neu auf

ne Venedig, Italien:

3 Euro

beträgt die Eintrittsgebühr in die Stadt pro Tag und Gast im Moment. Ab 2020 werden es

6 Euro,

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11.10 Euro

ich bei hohen Frequenzen sogar

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ad Maya-Ruinenstadt Chichén Itzá, Mexiko:

10 Euro

sein. Venedig hat 50 000 Einwohner und ca. 30 Millionen Touristen jährlich. Amsterdam, Niederlande: Erhebt eine Gästetaxe von

6 Prozent

des Übernachtungspreises. Wird erhöht auf voraussichtlich

12 Prozent und mehr als 1,7 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Andere Destinationen in der Welt verlangen für die Belastungen (Mobilität, Infrastrukturen) Eintrittsgebühren. Luzern überlegt sich dies derzeit auch. Nur: Wie

Taj Mahal, Indien:

16.8 Euro Eintritt Bali, Indonesien: Die Ökosteuer kommt.

8.8 Euro Palau, Südsee:

81 Euro

Umweltgebühr in Flugtickets und Schiffssteuer versteckt. Tansania: Auch für Kilimandscharo oder Sansibar ist neu ein E-Visum nötig. Kostet einmalig zwischen

44 und 240 Euro. Komodo, Indonesien:

440 Euro

teuer ist der Eintrittspreis neu für die Beobachtung der seltenen Komodo-Warane.

Seit Januar nimmt die Stadt

Ruanda:

8 Euro

Ein Besuch bei den Berggorillas dauert 60 Minuten und kostet eine Gebühr von

pro Tag von Kreuzfahrtschiffsund Tagesgästen. 860 000 Einwohner, 18 Millionen Gäste pro Jahr. Edinburgh, Schottland:

2.28 Euro

pro Nacht und Gast. Spitzbergen, Norwegen:

15 Euro

1326 Euro. Galapagos-Inseln, Ecuador: 20 Dollar für eine Eintrittskarte plus

88.4 Euro

Eintrittsgebühr. Öresund-Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö: Eine Überfahrt von Dänemark nach Schweden oder umgekehrt kostet

viel ist richtig? Wir haben Beispiele zusam-

pro Tag für Tagesgast, bezahlbar an einer Mautstation.

mengetragen.

Polignano a Mare, Apulien, Italien:

Dubrovnik, Kroatien:

5 Euro

Der Eintritt auf die Stadtmauer kostet

für einen Stadtbummel. Civita di Bagnoregio, Rom, Italien:

5 Euro Eintritt

10 Einwohner, 800 000 Touristen.

59 Euro. 20 Euro.


ADVERTORIAL

Jubiläumsausgabe – 10 Jahre Luzerner Cinédîner – das Original

APÉRO – FILM – DINNER Restaurant 1871, Luzern

10. LUZERNER CINÉDÎNER 15.03. – 20.04.2019 W4 MI 03.04.2019 WOLKENBRUCH AUS GEB UCH T DO 04.04.2019 MADAME FR 05.04.2019 DIRTY DANCING SA 06.04.2019 DIE SCH’TIS IN PARIS AUS GEB UCH T W5 MI 10.04.2019 GRÜNER WIRD’S NICHT DO 11.04.2019 HOTDOG FR 12.04.2019 THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING MISSOURI SA 13.04.2019 DIE LETZTE POINTE

Vom 25. April bis 11. Mai 2019 gastiert das Cinédîner-Programm (siehe rechte Spalte) auch im Wasserschloss Wyher in Ettiswil. Dies bereits zum siebten Mal. Weitere Infos, Programm und Reservation: cinediner.ch

7. ETTISWILER CINÉDÎNER 25.04. – 11.05.2019 W1 DO 25.04.2019 C’EST LA VIE! DAS LEBEN IST EIN FEST FR 26.04.2019 DIE SCH’TIS IN PARIS SA 27.04.2019 WOLKENBRUCH AUS GEB UCH T

Wasserschloss Wyher, Ettiswil

D

as Cinédîner hat sich zu einem echten Kultevent gemausert, den in den letzten Jahren über 20 000 Personen besucht haben. Die Jubiläumsausgabe, 10 Jahre Luzerner Cinédîner, wird zugleich leider auch die letzte in Luzern sein. Das Gastgeberteam unter der Leitung von Roger Widmer und Jürg Bischof wird sich voll und ganz auf das Wasserschloss Wyher konzentrieren und weitere Ausbaupläne per Frühling 2019 umsetzen, darunter eine moderne, neue Küche, eine neue Naturterrasse beim Karpfenteich, ein Boutique-Restaurant (nur Donnerstagabend geöffnet) und Teamkochen-Events.

W6 MI 17.04.2019 BOOK CLUB DO 18.04.2019 FIRST MAN FR 19.04.2019 LIEBE BRINGT ALLES INS ROLLEN SA 20.04.2019 C’EST LA VIE! DAS LEBEN IST EIN FEST

W2 DO 02.05.2019 LIEBE BRINGT ALLES INS ROLLEN FR 03.05.2019 BOOK CLUB SA 04.05.2019 GRÜNER WIRD’S NICHT W3 DO 09.05.2019 MADAME FR 10.05.2019 FIRST MAN SA 11.05.2019 DIE LETZTE POINTE

TAG DER OFFENEN TÜR 1304 wurde das Wasserschloss Wyher erbaut. In den vergangenen 25 Jahren wurde umfassend renoviert – vor Kurzem der Dachstock ausgebaut, ein dritter Apéro­b ereich geschaffen und eine topmoderne Küche eingebaut. Schauen Sie es sich selber an am Tag der offenen Tür! Sonntag, 30. Juni, 11 bis 17 Uhr. Alle sind herzlich willkommen!


EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN UND LESER

Die globale EY-Organisation ist Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft.

Bruno Affentranger Chefredaktor STADTSICHT BA Media Luzern

Willkommen in der ersten STADTSICHT dieses Jahres. Diesmal haben wir uns eines grossen Themas angenommen. Wahrscheinlich ist es sogar das grösste, wichtigste und prägendste im Zentrum unseres Lebensraumes für die kommenden Jahrzehnte.

Wir denken über den Durchgangsbahnhof in Luzern nach. Das Vorhaben ist ein riesiges, das uns über Generationen beschäftigen wird. Erstmals haben Planer und Fachleute bereits in den frühen Siebzigerjahren darüber nachgedacht. Frühestens 2038 werden die ersten Züge unter dem Luzerner Seebecken fahren –

wann genau, weiss noch niemand. Dass sie aber unterqueren werden, ist klar. Zu weit fortgeschritten sind alle Projektierungen. Zu viel Geld ist bereits budgetiert und freigegeben: zuletzt 85 Millionen Franken nur für Planungen durch das Bundesamt für Verkehr. Höchste Zeit also, sich mit dem auch von uns lange Zeit argwöhnisch betrachteten Werk auseinanderzusetzen und es in den historischen Kontext zu stellen. Wir haben es in jeder Beziehung mit Aussergewöhnlichem zu tun, denn wir sprechen nicht alleine von einem Bauwerk. Neue Flächen, neue Möglichkeiten, neue Sichtweisen, neue Verkehrswege, neue Beziehungen – auch darum geht es.

Partner der Stadtsicht

nur uns heraus, sondern weckt bei allen, die sich in den kommenden Wochen und Monaten erstmals detaillierter mit ihm beschäftigen, Ideen, Wünsche, Begehrlichkeiten. Der Bau und seine Wirkungen eröffnen einen Wettbewerb der Gedanken. Das passt. Wir wollen mit STADTSICHT von Anfang an Dinge neu denken, anders skizzieren und so Blockaden lösen. Aus einer politisch neu­ tralen Warte beleuchten wir als unabhängige Verleger Ideen und stellen Fragen, die manchmal ein wenig wehtun, aber nie verletzen wollen. Bei uns kommen Menschen zu Wort, welche die Fähigkeit zur Aussensicht besitzen. Sie blicken von aussen auf uns und sie schauen gleichzeitig nach draussen. Detailschärfe und Horizonterweiterung – und alles dazwischen. Frische Sichtweisen – dafür steht STADTSICHT. Und vor allem für die Debatte. Nur im Austausch gelangen wir gemeinsam zu optimalen Lösungen. Hier wagen wir einen weiteren Schritt und lancieren «AUFGEDECKT!», eine wiederkehrende Diskussionsplattform, in der geladene Gäste streiten und Ideen schärfen. Denn darum geh’s: Der bessere Gedanke schlägt am Ende den guten. Viel Vergnügen.

Der Durchgangsbahnhof Luzern ist das ideale

Objekt für die STADTSICHT. Er fordert nicht

Die EY-Organisation ist in der Zentralschweiz mit zwei Sitzen in Luzern und Zug vertreten. Zusammen sind 90 Mitarbeiter an den beiden Sitzen tätig und bieten vollumfänglich alle oben erwähnten Dienstleistungen an. ey.com/ch/de/home

STADTSICHT wird ausserdem unterstützt durch folgende Partner

Der Wirtschaftsverband Stadt Luzern (WVL) ist mit fast 500 Mitgliedern das Sprachrohr für das Luzerner Gewerbe. Als Wirtschaftsverband leistet er verschiedene Beiträge: – Er vertritt die Interessen des Gewerbes. – Er stärkt Luzerns Wirtschaft. – Er bezieht in wirtschaftspolitischen Fragen Stellung. – Er pflegt Kontakte mit seinen Mitgliedern. Luzern als starkes Wirtschaftszentrum der Zentralschweiz: Dafür setzt sich der Verband ein. Er fordert wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und macht sich für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort und damit auch für langfristig gesicherte Arbeitsplätze stark. wvl.ch

Die City Vereinigung Luzern (CVL) fördert mit ihren mehr als 240 Mitgliedern die Attraktivität von Luzern als Einkaufsstadt sowie als Handels-, Wirtschafts-, Tourismus- und Begegnungszentrum der Zentralschweiz. Die CVL will mit einem ganzheitlichen Marketingmix für eine Belebung der Innenstadt sorgen. Dazu gehören Interessensvertretung, politische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, klassische Werbung sowie Events oder Verkaufsförderungsaktionen. Bestseller der CVL ist die CityCard – die gemeinsame Geschenkkarte für das Shopping-Center Stadt Luzern. Einheimische und Gäste sollen Luzern freundlicher, zuvorkommender und sympathischer erleben als alle anderen Städte, die sie kennen. city-luzern.ch

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INHALT

No 01/2019 Coverbild: BA Media

03 Start in Zahlen 05 Editorial / Partner 
 06 Inhalt

STARTER 


07 07 07 09 09 09

Der schnellste Schlitten steht in Adligenswil 
 Tun Sie etwas für Ihre «chinakulturelle Kompetenz» Loredana und Mozzik sind Phänomene So teuer ist der FC Luzern Bikeable.ch macht die Stadt radfreundlich Über ein elektrisch geladenes Freilichtspiel


COVERSTORY 


10 12 14 16 21 22 25

Pionierzeiten: Eines Sommerabends vor dem Bahnhof
 Stossverkehr auf der Seebrücke – kommt noch Wir erleben gerade eine historische Zäsur Den Durchgangsbahnhof bauen: Wie soll das gehen? Das Jahrhundertbauwerk in Zahlen Die Stadtplanerin will gross denken Und wie machen wir jetzt weiter?

THINK FURTHER 


26 Willkommen im Debattierclub der STADTSICHT – wir diskutieren jetzt auch von Angesicht zu Angesicht

LOOK OUT


28 Spange Nord? Vergessen! Die Spange Mitte ist die Lösung

HISTORY RELOADED

IMPRESSUM STADTSICHT ist ein Produkt der BA Media GmbH mit Sitz in der Stadt Luzern. Das Magazin ist ein redaktionelles Erzeugnis, erscheint 2019 viermal und wird in alle Briefkästen der Stadt Luzern und den umliegenden Gemeinden sowie Städten Emmen, Ebikon, Horw, Meggen und Kriens verteilt sowie an weiteren 600 Punkten in der Zentralschweiz aufgelegt. STADTSICHT wird von verschiedenen Organisationen unterstützt, ist jedoch politisch unabhängig und inhaltlich keinem Verband und keiner Ideologie verpflichtet. Herausgeber und Redaktion behalten sich alle journa­ listischen Freiheiten vor.

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Layout/Produktion aformat Luzern, aformat.ch

34 Berichten von der vergangenen Zeit: Raymond Bachmann – Confiseur der Extraklasse 37 Martha Weber– Verkaufstalent bleibt in Bewegung

46 Ein letztes Mal Fasnacht 2019: mit Longines
 47 Am Automobil-Salon in Genf getroffen


Verlag BA Media GmbH Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern affentranger@bamedia.ch gonzalo@bamedia.ch

THINK TANK

STADT- UND LANDLEBEN

GENUSS 


34

49 Herbert Huber schaut in den Kochtopf

AUSSICHTEN 50 Harte Fragen für unsere Zukunft

Redaktion Angel Gonzalo, Lukas Hadorn («LucerneMagazine») Kaisa Ruoranen

Korrektorat No limits Schmid

KREATIV

42 Mobil zu sein, ist nicht easy: Damit wirds leichter 43 Wie ein Luzerner Unternehmen New York erobert

Chefredaktion Bruno Affentranger, BA Media GmbH

Fotografie Angel Gonzalo

31 Die City Vereinigung Luzern wird 50 – was sie heute will

Herausgeber Bruno Affentranger, Angel Gonzalo, BA Media GmbH, Luzern

42 6|

Inserateverkauf BA Media GmbH Manuela Willimann willimann@bamedia.ch 079 455 89 11 Druck Swissprinters AG Brühlstrasse 5, 4800 Zofingen Anschrift STADTSICHT, BA Media GmbH, Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern stadtsicht@bamedia.ch bamedia.ch Facebook: stadtsicht.ch Unterstützungspartner EY (Ernst & Young) Wirtschaftsverband der Stadt Luzern, City Vereinigung Luzern, weitere Auflage 78 000 Exemplare Erscheinungsdaten 2019 12. Juni / 23. September / 5. Dezember 2019 Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe am 27. Mai 2019


STARTER

GEHEIMTIPPS GEHEIMNISSE PER SMS

Wanqiu Hu Frey aus Udligenswil berät Schweizer Unternehmen in «chinakultureller Kompetenz». cqswiss.com

W ELTREKORD

Wie heisst Luzern eigentlich auf chinesisch?

KOENIGSEGG GIBT SICH DIE EHRE

Und was bedeutet das?

Seit Kurzem ist in Adligenswil eine Aussenstelle der legendären schwedischen Automarke Koenigsegg zu finden. Die «Carage» ist in diesen Tagen eröffnet worden und zeigt unter anderem den neuesten Wurf, den Hypercar Koenigsegg Jesko. Er wird dereinst das schnellste Serienauto auf Erden werden: 480 km/h sind angestrebt. Zurzeit hält ein Koenigsegg Agera RS diesen Rekord: 457,2 km/h. Der unvernünftige Spass hat seinen Preis. 2,5 Millionen Euro soll das Schmuckstück kosten. Doch keine Bange, es ist bereits ausverkauft. Die letzten der 125 Autos, die ab 2020 aus der schwedischen Fabrikation rollen werden, sind schon an der Premiere am Automobilsalon Genf alle weggegangen. Die Edelgaragisten in Adligenswil haben dafür noch anderes Schönes auf

Malerisch, schön ... und klein ;-)

Was kaufen Chinesen ausser Uhren und Schokolade gerne?

Babynahrung und Kosmetik.

Was haben die Chinesen in Luzern noch nicht entdeckt?

LOK A LHELDEN

LOREDANA & MOZZIK

Welches Missverständnis haben wir über die Chinesen?

Manch einer tut sich mit dem Begriff «Influencer» noch etwas schwer. Damit sind junge Menschen gemeint, die via Social-Media-Plattformen andere Menschen erreichen und – daher der Name – beeinflussen. Ein gutes Beispiel für dieses Label sind die in der Agglomeration Luzern wohnhafte R­ apperin Loredana und ihr Freund Mozzik. Ihren kometen­ haften Aufstieg in der Musikszene (die Single «Bonnie & C ­ lyde» erreichte Platz 3 in den deutschen Charts) verdanken sie auch einer gigantischen Online-Community: Alleine auf Instagram zählen die beiden rund zwei Millionen (!) Abonnenten. Auch Luzern profitiert: In den Musikvideos wird die Stadt auf altbekannte und doch ungewohnte Weise präsentiert. Anspieltipp: «Milliondollar$mile» auf Youtube.

Lu-Sai-En ist eine rein phonetische Übersetzung. Liu-Sen bedeutet farbiges Glas und Wald.

Mit welchen drei Adjektiven beschreiben chinesische Besucher Luzern?

Lager, es darf auch mal ein Aston Martin sein. carage.net/de/koenigsegg/

Es gibt zwei Übersetzungen: Liu-Sen (琉森) und Lu-Sai-En (塞恩).

Dinge, die Zeit brauchen, um sie zu erleben, etwa Wanderungen. Dass alle Chinesen Kung-Fu, Taiji oder Qigong können. Das kommt wohl von den vielen Kampfsportfilmen. In Wirklichkeit beschäftigt sich nur eine kleine Minderheit mit Kung-Fu.

WASSERSCHLOSS W Y HER

TAG DER OFFENEN SCHLOSSTÜR Nun heisst es eintreten in das malerische Wasserschloss, das sich zwischen Sursee und Willisau befindet. Am Sonntag, 30. Juni, laden Schlossherr Roger Widmer und Co. von 11 bis 17 Uhr zum Rundgang. Aus dem Jahr 1304 stammt das Juwel, das heute für stilvolle Events und eine gute Küche genutzt wird.

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wasserschloss-wyher.ch


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Kulinarische Frühlingsfahrten HIGHLIGHTS AUF DEM VIE RWALDSTÄT TE R SE E

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Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees(SGV) AG +41 41 367 67 67 | www.lakelucerne.ch | info@lakelucerne.ch

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12.03.2019 16:57:12


Der Mond scheint nah und ist doch so weit weg. Vor exakt fünfzig Jahren setzten die ersten Menschen den Fuss auf den Trabanten. Zum Jubiläum der erfolgreichen US-Weltraummission, die damals Hunderte von Millionen Menschen weltweit vor Schwarzweiss-Fernsehern verfolgten, feiert nicht nur das Verkehrshaus mit Spezialevents. Auch die Luzerner City Light Concerts zeigt passende, überwältigende Film- und Musikwerke im KKL Luzern.

Der FC Luzern trägt seine Heimspiele in der Regel am Samstagabend oder Sonntagnachmittag in der swissporarena auf der Allmend aus. Vom Bahnhof fahren S-Bahn und Bus direkt zum Stadion. fcl.ch

Wer mal einen richtig guten Kaffee trinken möchte, sollte einen Abstecher ins Café Tacuba in Betracht ziehen. Das Café ist gleichzeitig ein Ladenlokal und eine Mikrorösterei, wo nach­ haltig produzierter Spezialitätenkaffee aus El Salvador nicht nur verkauft, sondern auch frisch zubereitet wird. Den Kaffee kann man sich übrigens auch per Post nach Hause schicken lassen, aber dann verpasst man den Besuch bei Manolo, was äusserst schade wäre.

LOCA L BUSINESS

«Apollo 13» am 4. und 5. Mai / «From the Earth to the Moon» am 1. Juni / «Star Trek (2009)» am 2. Juni, immer mit dem City Light Symphony Orchestra. Mehr unter citylightconcerts.ch

CAFÉ TACUBA

Diesen stolzen Betrag hat die UEFA als Durchschnittspreis eines Tickets für ein Heimspiel des FC Luzern errechnet. Damit gehört der FCL aus Sicht des Fan-Portemonnaies zu den 20 (!) teuersten Fussballvereinen Europas. Sogar ­A tlético Madrid und Inter Mailand können da nicht mit­ halten. Dass da manch ein Fussballfreund erstaunt die Augenbraue hochzieht, verwundert nicht. Zur Verteidigung unseres FCL ist zu sagen, dass Schweizer Fussballvereine im europäischen Vergleich viel stärker auf Z­ uschauereinnahmen angewiesen sind, weil keine Milliarden aus TV-Rechten fliessen. ­Trotzdem: Ein schaler Geschmack bleibt. Schnell mit Wurst und Bier übertünchen!

GU TE IDEE

FEIERN MIT FILM UND MUSIK

GEHEIMTIPPS ZA HLENSPIEL

50 JA HRE MONDL A NDUNG

STARTER

Achtung, Radfalle! Im Vergleich mit anderen europäischen Touristen-Hotspots hat Luzern als ­Velostadt noch Luft nach oben. Die in Zürich per Crowdfunding lancierte Plattform bikeable.ch will daran etwas ändern. Nutzer informieren sich damit gegenseitig über die schnellsten Routen und sichersten Wege durch den Abendverkehr, aber auch über neuralgische Stellen und besonders gefährliche Orte für Radfahrer. Etwa den doppelspurigen BundesplatzKreisel in Luzern. Wer weiss, vielleicht schauen ja auch die Politiker ab und zu bei Bikeable rein? Es wäre zu wünschen! bikeable.ch

Zum Café Tacuba an der Eichwaldstrasse 10 gelangt man zu Fuss in wenigen Minuten ab der Bushaltestelle «Eichhof» der Linie 1. cafetacuba.ch

FREILICHTSPIEL BEI DER EWL Es bleibt noch etwas Zeit, aber dennoch, der 11. Juni ist schon bald. An jenem Abend werden die Freilichtspiele Luzern ihre Adaption des Shakespeare-Stücks «Was ihr wollt» erstmals auf die Bühne bringen. Der Schweizer Autor Thomas Hürlimann hat die Über­ setzung des Stoffs in die Gegenwart übernommen. Kulisse wird das Rote Haus auf dem grossen ewl-Areal in Luzern sein. Das macht Sinn. Hürlimann und das Ensemble laden den Stoff des englischen Klassikers gehörig auf. Wer Hürlimann kennt, weiss, dass das Stück modern und ziemlich elektrisierend sein wird. Dass eine eigens eingerichtete, ökologische Kunsteisbahn zum Paarlauf auf dem Glatteis verführen wird, ist mehr als nur ein Gerücht. freilichtspiele-luzern.ch

9


COVERSTORY

DER LUZERNER BAHNHOF VON 1896, AUFGENOMMEN EINES SOMMERABENDS ANFANGS

10 |


DES 20. JAHRHUNDERTS. MIT IHM BEGINNT UND ENDET DIESE GESCHICHTE.

SCHÖNE PIONIERZEIT

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COVERSTORY

TÄGLICHE IDYLLE ENDE DER VIERZIGERJAHRE AM SCHWANENPLATZ

RUSHHOUR AUF DER SEEBRÜCKE

HEUTE BRAUCHEN WIR NEUE LÖSUNGEN – DER DURCHGANGSBAHNHOF IST EINE

12 |


13


COVERSTORY

BAUEN WIR LUZERN NEU Seine Pionierjahre hat Luzern zwischen 1850 und 1914 erlebt. Jetzt beginnt erneut eine Periode der Neuerfindung: dank dem Durchgangsbahnhof. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

D

ie Stadt Luzern, so wie wir sie heute kennen, ist im 19. Jahrhundert entstanden. Denn so sieht es aus: Luzern ist eine Erfindung. Sie ist ein geniales Konstrukt, das nach den europäischen Friedensschlüssen, nach der Gründung der modernen Schweiz und mit dem steigenden Reisefieber wie selbstverständlich wuchs und seine Übertreibungen erlebte. Hätte nicht damals der Erste Weltkrieg der Hausse ein Ende gemacht, wäre sie übrigens an der bereits fühl- und statistisch ablesbaren Überhitzung zugrunde gegangen. Zu viele wollten in zu kurzer Zeit das grosse Geld machen – sie spekulierten auf weiterhin rapides Wachstum, doch dieses verlangsamte sich bereits 1913 merklich. Die Pionierjahre zuvor dürfen als die Erfolgsgeschichte dieser Stadt gelesen werden. Aus einem durch Söldnertum zu Reichtum aufgestiegenen Fischerort am Ausfluss der Reuss aus dem Vierwaldstättersee wurde innerhalb von sechzig spektakulären Jahren eine internationale Fremdenverkehrsdestination und Anbieterin vieler tourismusnaher Tätigkeiten und Industrien. In ihrem Zentrum erfand sich diese Stadt neu – so wie sie es erstmals wieder in den kom­

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menden Jahren tun wird.Wir befinden uns auf der Schwelle zu einem neuen Schub, der von historischer Dimension ist. Die Analogien zwischen den Pionierjahren und der Gegenwart sind frappant: Gestern wie heute waren folgende Faktoren als treibende Kräfte auszumachen:

➜  Technologischer Entwicklungsschub: Im 19. Jahrhundert bestimmten neue Antriebstechnologien (Dampf, Benzin), Elektrizität, Wasserversorgung und Kommunikationstechniken (Telegraf, Telefon) die Pace. Heute stecken wir in der digitalen Transformation, die nicht nur Altes neu abbildet, sondern frische Geschäftsmodelle und Abläufe entwickelt. Der stationäre Handel in Luzern ist besonders herausgefordert, muss er doch für den Verkauf seines Sortiments eine passende Mischung zwischen Offline- und Onlinehandel finden und vermutlich die Quadratmeterzahl der einzelnen Verkaufslokale vor allem in den Erdgeschossen senken.


COVERSTORY

➜ Mentaler Wandel:

LUZERNER PIONIERJAHRE

Was in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der unbedingte, ungetrübte Glaube an die technologischen Machbarkeiten und die Unterwerfung der Welt durch den aufgeklärten Menschen war, findet heute in westli-

1837

chen Industriestaaten sein Pendant in einem wachsenden Bewusstsein der ökologischen und gesellschaftlichen

Die «Stadt Luzern», das erste Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee, nimmt seinen Dienst auf.

Verantwortung. Dieses Bewusstsein wird aktuell aggres-

1845

siv auf die Strasse getragen und fordert vorab die (männlichen) Eliten. Dies mit dem Ziel, einen Umschwung des

Das erste Luxushotel Luzerns – der «Schweizerhof» – eröffnet und zieht viele weitere Investitionen nach sich.

Denkens zu bewirken. Es ist gewissermassen der gedank-

1856

liche Humus für jede Entwicklung, die sich in Bauwerken

Der erste Bahnhof in Luzern wird eingeweiht und verbindet Luzern neu via Olten und Basel mit Frankreich und Deutschland.

und infrastrukturellen Abläufen verfestigen wird.

➜  Mobilitätsanforderungen definieren:

1864

Einer wachsenden Bevölkerung (Vervierfachung in Luzern zwischen 1850 und 1913!) im 19. Jahrhundert steht heute

Die Eisenbahnlinie Zürich–Zug–Luzern nimmt den Betrieb auf.

ein steigender Mobilitätsdruck in der gesamten Region

1871

gegenüber, der das Zentrum überfordert. Damals wurden

Die erste Zahnradbahn Europas fährt erstmals von Vitznau auf die Rigi.

überflüssig gewordene und zu Hindernissen des Fortschritts mutierte Wehrtürme und Mauern geschliffen und

1885

es entstand Platz für Strassen. Heute ist der Verteilkampf

indes nicht kleiner. Bis 2030 wird der Verkehr auf den

Zum ersten Mal elektrisches Licht in Luzern: Der Bringolf-Saal im «Schweizerhof» wird dank der Energie aus dem neuen Wechselstromkraftwerk der Gebrüder Troller aus Littauerboden hell erleuchtet und sorgt für eine europäische Sensation.

Luzerner Strassen im Vergleich zu heute um vierzig Pro-

1889

zent zunehmen. Lösungen müssen bereitgestellt werden

In der Stadt wird wacker am Dienstleistungsprogramm für Touristen gebaut: Die Panorama-Rotunde mit dem Bourbaki-Rundbild entsteht. Die steilste Zahnradbahn der Welt führt neu von Alpnachstad auf Pilatus-Kulm.

um die freien Flächen verbissener, weil weniger Spielraum vorhanden ist. Die Anforderungen der Gesellschaft sind

– und dies nicht erst im Jahr 2040, sondern nach und nach und ab sofort. Der Rückstand auf die Entwicklung ist jedoch beträchtlich, und die Planer werden ihn nicht mehr aufholen. Zu entnervend langsam sind die kleinteiligen und auf Gemeindeebenen heruntergebrochenen demo-

1893

kratischen Prozesse angelegt. Ähnlich sieht es beim Tou-

Die Standseilbahn aufs Stanserhorn wird eröffnet.

rismus aus, von dem zu erwarten ist, dass die Ansprüche

1895

der bis 2030 meist aus Asien stammenden Individualdie grossen Cars, sondern Kleinbusse oder andere

Graf Cognard aus Frankreich fährt als erster Automobilist über den Gotthardpass und legt mit seinem Peugeot einen Halt in Luzern ein.

Gefährte werden die Innenstadt belasten, nicht der Tou-

1897

rismus, sondern der hausgemachte Langsamverkehr wird

Anschluss Luzerns an die Gotthardbahnstrecke, die bereits 1882 eröffnet wurde.

und Kleingruppen-Reisenden exponentiell zulegen. Nicht

sie fluten.

1910

➜  Entwicklungsflächen entstehen:

Die weltweit erste Luftschiff-Linie lädt auf dem Tribschenmoos in Luzern (beim heutigen Eisfeld) zum Einsteigen.

Hier kommt der Durchgangsbahnhof ins Spiel, dessen städtebaulichen Auswirkungen für das Zentrum der Zen­

1913

tralschweiz noch gar nie abschliessend diskutiert worden

Die Drahtseilbahn Engelberg–Gerschnialp wird eröffnet.

sind. Bis 2040 soll er fertiggebaut sein. Er wird viele

1914

zusammenhängende Quadratmeter freispielen, die heute

Am Vorabend des 1. Weltkriegs öffnet der letzte Hotelneubau Luzerns vor einer Pause von mehr als vier Jahrzehnten seine Türen: Mit dem Hotel Anker geht die Pionierzeit Luzern zu Ende. Luzern zählt damit 9400 Hotelbetten, was bis heute Rekord bedeutet (heutiger Stand: 6019 Hotelbetten).

durch Eisenbahn oder verkehrsnahe Betriebe besetzt sind. Erstmals seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert besteht damit die Option, mitten in der Stadt Neues zu planen und Abläufe zu arrangieren für Nachfragen, die wir heute zum Teil noch gar nicht kennen. Hinzu kommen die vielen frei werdenden Flächen aus dem stationären Handel in Erdgeschossen und in besten Lagen. Freie Sicht nicht aufs Mittelmeer, aber auf den Vierwaldstättersee gewissermassen.

15


COVERSTORY

LIEBE am Operation AUF DEN ZEHNTEN offenen Herzen KLICK

Der Tessiner Massimo Guglielmetti ist Chefplaner für den Durchgangsbahnhof Luzern: Er tut dies die nächsten zehn Jahre und mit 85 Millionen Franken Aufwand. Das Gespräch über Planung, Geld und all das, was auf Luzern zukommen wird. INTERVIEW VON VON BRUNO AFFENTRANGER UND ANGEL GONZALO

STADTSICHT: Zunächst müssen wir eine kleine Begriffsverwirrung klären. Der Durchgangsbahnhof hiess früher einmal Tief bahnhof. So nennen ihn viele in Luzern noch immer. Warum der Namenswechsel? Massimo Guglielmetti: Sie sprechen von zwei verschiedenen Vorhaben. Der Begriff Tief bahnhof ist mit einem unterirdischen Kopf bahnhof verbunden. Das ist das ursprüngliche Projekt, das auch ein Vorprojekt kannte: einen Tunnel zwischen Ebikon und dem Bahnhof Luzern. Heute gibt es in der Schweiz fast keine Kopf bahnhöfe mehr – ausser vielleicht in Grenzbahnhöfen. Man hat umgedacht.

Warum ist die Zeit der Kopf bahnhöfe vorbei? Der Mehrwert der Bahn sind die Durchbindungen. Damit meint man die Ver- und Durchbindung der grossen Zentren. Das ist das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz. Dieses Netz baut man im Idealfall mit möglichst wenig Umsteigezwängen. Was ist der grosse Vorteil eines Durchgangsbahnhofs in Luzern? Der grosse Vorteil eines Durchgangsbahnhofs ist, dass er nicht mehr der grosse Bahnhof nur für Luzern ist, sondern nationale Bedeutung erhält. Er profitiert vom Netzwerk. Jemand, der heute in Bern startet und ins Tessin will, der muss über

Zürich reisen und dort auch umsteigen. Mit einem Durchgangsbahnhof wäre eine Direktverbindung Bern–Luzern–Lugano möglich, und das ohne Umsteigen.

Das alles findet aber noch auf der bestehenden Linie über Rotkreuz statt, und nicht über eine neue Strecke auf dem linken Seeufer? Vor ziemlich genau einem Jahr ist ein Korridorrahmenplan Zentralschweiz erarbeitet worden. Dieser zeigt, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Anschluss Küssnacht auf der rechten Seeseite sinnvoll ist. Also muss man – zum Beispiel von Emmenbrücke herkommend – immer die Schlaufe in die Innenstadt Luzerns fahren, um danach Richtung ArthGoldau ins Tessin zu kommen? Das ist richtig. Ist das ein Sachzwang, weil die historische Linienführung das vorgibt? Warum meinen Sie? Wenn wir in Luzern von Null an planen könnten, würden wir doch nicht immer ins Zentrum wollen, sondern vielleicht schon von Emmenbrücke her über die Reuss ins Rotseetal gelangen. Das ist eine interessante Idee. Aber gewisse Dinge sind historisch gewachsen und damit Rahmenbedingungen. Der Bahnhof

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Luzern ist und bleibt der grösste Bahnhof der Zentralschweiz und soll entsprechend für das zukünftige, steigende Mobilitäts­ angebot ausgebaut werden. Zudem will man die Kosten im Griff behalten. Es gab schon Ideen eines Paralleltunnels durch den Seelisberg Richtung Süden. Aber stellen Sie sich die Kosten für eine vollständig neue Linienführung auf der linken Seeseite vor! Wir müssten nicht von 2,4 Milliarden Franken sprechen, sondern vom Dreioder Vierfachen.

Könnten wir uns das in der Schweiz nicht leisten? In der Schweiz geht es uns im Moment gut. Wir haben Geldreserven für den Ausbau der Bahninfrastruktur. Aber wir müssen ein wenig aufpassen, dass die Kosten nicht explodieren. Damit meine ich nicht nur die Baukosten, sondern auch die Unterhaltskosten. Wir müssen schauen, dass unsere Projekte nachhaltig bleiben. In welchem Verhältnis stehen Investi­ tionen und Unterhaltskosten pro Bahnmeter in der Regel? Die Rechnung ist immer dieselbe: Man sagt, dass der Unterhalt bei rund vier Prozent im Verhältnis zu den Projektierungsund Baukosten steht – pro Jahr. Das ist ein grober Vergleich. Doch zurück zum Vorteil des Durchgangsbahnhofs: Weil er eben gerade eine Bedeutung über Luzern hinaus


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Das Kernstück des Luzerner Durchgangsbahnhofs ist die Seeunterquerung durch das Luzerner Becken (oben). Tiefergelegt sollen künftig die internationalen Verbindungen abgewickelt werden können.

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«Wir können es beim jetzigen Zustand belassen und damit riskieren, dass alles weitere Wachstum auf der Strasse stattfindet. Oder aber wir investieren in die Bahninfrastruktur.» Massimo Guglielmetti

hat, ist es überhaupt erst möglich, Mittel vom Bund zu beantragen.

Der Vorteil des Durchgangsbahnhofs ist also im Wesentlichen eine Finanzierungsfrage? Nicht nur. Im Operativen verbessern sich die Rahmenbedingungen sehr stark. Die Reisezeiten verkürzen sich und das ÖVAngebot kann erweitert werden. Zum Beispiel? Nehmen wir diesen Fall: Sie wohnen in Wolhusen und arbeiten in Ebikon. Sie können künftig ohne Umsteigen direkt durchfahren. Das Umsteigen erübrigt sich, die Reisezeit sinkt. Sie sehen also: Es entstehen neue Durchbindungen und eine massive Zeitreduktion. Zu guter Letzt: Der Durchgangsbahnhof ist in Luzern die einzige Möglichkeit, um das bestehende Angebot zu verbessern. Wer die Bahnstrecken in den Bereichen Rotsee und Gütschtunnel kennt, weiss das. Alles ist betrieblich aus-

gereizt, das bestehende Angebot kann mit der heutigen Bahninfrastruktur nicht mehr erweitert werden.

Muss man wirklich immer noch schneller von A nach B gelangen? Darum geht es gar nicht in erster Linie. Die Statistik zeigt, dass die Nachfrage nach Angeboten im öffentlichen Verkehr wachsen wird. Wir haben zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Wir können es beim jetzigen Zustand belassen, sagen, dass wir das Maximum erreicht haben und damit riskieren, dass alles weitere Wachstum auf der Strasse stattfindet. Oder aber wir investieren in die Bahnin­ frastruktur und versuchen, einen Beitrag zu leisten für eine Befriedigung der steigenden Nachfrage. Wie gross ist das prognostizierte Wachstum auf der Schiene? Bis 2040 rechnen wir mit einem Nachfrageanstieg um vierzig Prozent zu heute.

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Mobilitätsfragen scheinen wie Fragen zu Fussballtaktiken und Spielstrategien zu sein. Warum meinen Sie? Es scheint, dass sehr viele Menschen glauben, als Spezialisten mitreden zu können. Das stimmt. Auch im Fall des Durchgangsbahnhofs ist das zu spüren gewesen. Werden Sie noch immer mit unaufgefordert zugesandten Plänen und Einfällen von Ingenieuren und Architekten eingedeckt? Diese Phase gab es tatsächlich, aber sie scheint heute vorbei zu sein. Der Durchgangsbahnhof ist ein Prestigeobjekt. Es liegt auf der Hand, dass viele ehemalige oder noch aktive Büros oder Einzelpersonen einen Beitrag leisten wollen. In der Vergangenheit wurden mehrere Varianten untersucht und verglichen. Der Kanton Luzern hat dreissig verschiedene Varianten geprüft. Die SBB haben das auch getan. Das Gute ist, dass alle – SBB wie Kanton – unabhängig voneinander zum Schluss kamen, dass die Variante Durchgangsbahnhof die richtige, nachhaltige Lösung ist. Damit schaffte man einst den Befreiungsschlag. Damit konnte man das Bundesamt für Verkehr (BAV) überzeugen, dass es sich hier um die richtige Lösung handelt, dass aber das Geld fehlt. Das BAV wagte 2018 den Schritt und entschied, die Projektierung zu finanzieren. Seither sind SBB, BAV, Kanton und Stadt Luzern auf einer Linie und überzeugt, dass dieser Weg der richtige ist. Haben Sie keine Angst vor noch besseren Ideen? Es wird immer jemanden geben, der sagt, er habe eine bessere Idee. Aber dieses Ri­siko ist viel kleiner als in der Vergangenheit. Wir waren kürzlich an einem Treffen, an dem ehemalige Verkehrsplaner Ideen einbrachten, die zwar einander zuwiderliefen, die aber für sich genommen durchaus Sinn machten. Wie reagieren Sie darauf? Fünf, sechs ehemalige Verkehrsplaner in der Schweiz melden sich immer wieder zu Wort und geben ihre Expertise ab. Wir kennen sie. Wir kennen auch die Ideen, die


COVERSTORY Pläne. Viele davon haben der Kanton und die SBB geprüft und verworfen. Wir nehmen diese Vorstösse ernst. Aber wir sind heute einige Schritte weiter und wissen, welche die beste Variante ist.

Besteht die Möglichkeit noch, dass eine bessere Variante oder Teilvariante das aktuelle Vorhaben verhindern oder in andere Bahnen lenken kann? Der Bund hat 85 Millionen Franken für die Projektierung gesprochen und die SBB beauftragt. Das ist sehr viel Geld. 85 Millionen Franken, und noch kein einziger Bagger ist auf die Baustelle gefahren! Meiner Meinung nach ist es so, dass der Bund nicht so viel Geld in die Hand nimmt, wenn er nicht überzeugt ist, dass es erstens das richtige Projekt ist und dass es zweitens keine Realisierungschancen hat.

garantiert. Das Parlament muss die Ausbauschritte genehmigen.

Im Ausbauschrittprogramm 2035 des Bundes ist der Durchgangsbahnhof nicht enthalten. Ist das ein negativer Fingerzeig? Nein. Über die Realisierung wird das Parlament in einem künftigen Ausbauschritt entscheiden. Sind zehn Jahre Bauzeit – wovon Sie offenbar ausgehen – nicht zu kurz? Die Zahl stimmt, wenn die finanziellen Mittel von Anfang an zur Verfügung stehen. Fakt ist, dass ein Projekt länger dauert, wenn es in Etappen finanziert wird.

Was macht man mit 85 Millionen Franken? Weitere geologische Abklärungen? Das ist sicher ein wichtiger Punkt. Aber am ehesten geht es darum, das Projekt bewilligungsfähig zu machen. Der Bund wird die Plangenehmigungsverfügung erteilen. Ein schönes Wort. Sie können es auch mit Baubewilligung umschreiben. Neben der von Ihnen erwähnten Geologie ist in der Planung die Sicherheit ein wichtiges Thema. Das Projekt hat sehr viele Aspekte. In Olten, wo ich mein Büro habe, sind mehr als ein Dutzend von Fachdiensten zu Hause. Der eine kümmert sich um Sicherheit, der andere um die Fahrbahn, um die Kabelführung, um technische Anlagen, Telekommunikation, was auch immer. Dieses Projekt ist komplex. Ist das Problem Seeunterquerung gelöst? Im Jahr 2013 schlossen die SBB bereits ein Vorprojekt ab, das die Strecke von Luzern nach Ebikon prüfte und die technische Machbarkeit nachwies. Was sind Gefahrenmomente für das Projekt? Es sind die üblichen Verdächtigen. Das Projekt unterliegt dem Plangenehmigungsverfahren. Einsprachen sind möglich. Das ist gut und richtig so in der Schweiz, aber sie können zu Verzögerungen führen. Eine Gefahr ist die Finanzierung. Sie ist noch nicht

Das weiss man noch nicht? Ja. Das BAV hat die Prozessführung, der Kanton macht den Antrag, welche Projekte finanziert werden müssen. Der Kanton Luzern und die umliegenden Kantone werden für das Ausbauprogramm 2040 den Antrag stellen, alles aufs Mal zu finanzieren. Der Ausgang im Schweizer Parlament dazu ist jedoch völlig offen. Wie projektieren Sie? Wir projektieren das ganze Projekt. Sprechen wir über den See, oder besser über «unter dem See»: Wie wird gebaut? Durch Trockenlegung oder unter Tage? Ich habe erst am 1. Januar meine neue Stelle angetreten und bin noch am Einlesen. Eine Möglichkeit ist, dass wir partiell trockenlegen. Es handelt sich um eine Kombination von Bergbau und Tagbau. Auch in die andere Richtung, Richtung Heimbach, ist eine Kombination vorgesehen. Bis zum Gütschportal ist Tagbau gefragt, danach geht es in den Berg. Heute befindet sich hier das Nadelöhr. Maximal 22 Züge pro Stunde können das Gütschportal in eine Richtung durchfahren. Eine Ausweitung ist nicht möglich. Genau. Deshalb muss hier auch eine Tieferlegung vorgenommen werden.

DER CHEFPLANER Massimo Guglielmetti, der Planer des neuen Durchgangsbahnhofs Luzern, beeinflusst in den kommenden Jahren mit einem bewilligten Planungsbudget von 85 Millionen Franken die Zukunft der Stadt Luzern wesentlich. Er ist der SBB-Gesamtprogrammleiter und hat an der ETH Zürich am Institut für terrestrische Ökosysteme im Bereich Bodenphysik promoviert. Seit Anfang 2017 leitet er die Infrastrukturplanung der SBB in der Region Mitte. Zuvor war er Leiter Anlage­ objekte bei SBB Immobilien derselben Region und kennt Luzern deshalb sehr gut.

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Kann man den Durchgangsbahnhof auf diese Formel verkürzen: Alles Lokale und die S-Bahn oberirdisch, alles Internationale unterirdisch? Tendenziell ja, aber man könnte S-Bahnen auch unterirdisch führen. Ist das noch nicht entschieden? Nein. Der neue Durchgangsbahnhof wird nicht schon morgen in Betrieb genommen. Es bleibt noch ein wenig Zeit für Planung. Trotzdem, Sie wissen das heute noch nicht? Wir wissen noch einiges nicht. Zum Zeitpunkt, in dem der Durchgangsbahnhof in Betrieb genommen wird, ist vielleicht neues Rollmaterial im Einsatz, das wir heute noch nicht kennen. Man muss die Weiterentwicklungen beobachten. Die SBB und der Verkehrsverbund VVL sind hier gefragt. Ihre Vorstellungen werden zu einem Zeitpunkt eingebracht und kombiniert. Lassen Sie es mich so sagen: Der Regional-


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«Die heutige Stossrichtung gibt längere, doppelstöckige Züge vor. Damit arrangieren wir uns.» Massimo Guglielmetti

verkehr wird ober- und unterirdisch möglich sein.

Woher wissen Sie, welche Technologien 2040 bestimmend sein werden? Wird es noch immer die Technologie sein, die auf der Grundidee des 19. Jahrhunderts basiert? Wir können nicht die Zukunft lesen. Aber wir planen stets auf Prognosen mit einem Langfristhorizont. 2040 und 2045 sind unsere Zieljahre. Dementsprechend dimensionieren wir. Bei der SBB werden zudem neue Technologien entwickelt und im Projekt berücksichtigt. Ob in hundert oder mehr Jahren kein Zug mehr fahren wird, weiss niemand. Aber vielleicht zirkulieren schon 2040 intelligentere Züge, die kürzer sind und weniger lange Perrons benötigen. Vielleicht. Ich weiss es nicht. Die heutige Stossrichtung gibt längere, doppelstöckige Züge vor. Damit arrangieren wir uns. Was ich weiss: Den Bahnhof braucht es auch 2040. Leiten Sie ein Organisationsgremium, in dem Stadt, Kanton, VVL, SBB, BAV und andere vertreten sind? Ich leite dieses Gremium nicht, aber es existiert. Es ist eine sogenannte Knotenorganisation, die wir erst noch formell gründen werden. Trotzdem haben wir schon drei Sitzungen gehabt. Dieses Gremium kennt eine politische und strategische Führung und einen Koordinationsausschuss. Die politische Spitze leitet Anna Barbara Remund, Vizedirektorin im BAV. Sie nahm kürzlich an einer Mobilitätstagung in Luzern teil und wurde nicht eben freundlich begrüsst. Wie erklären Sie sich die eher wenig dankbare, reservierte Stimmung der Luzerner

Entscheider ihr gegenüber – immerhin stellt das BAV 85 Millionen Franken für die Planung bereit? Das ist Teil des Spiels. Die Rolle der Politik besteht darin, immer etwas mehr zu fordern als das, was man am Ende bekommt. Das BAV hat die Planung freigegeben, aber noch keine Realisierung. Die Politik möchte die ersten Vorbereitungsarbeiten jedoch schon anfinanziert haben. Das BAV hingegen stellt sich auf den Standpunkt, dass Luzern mit den 85 Millionen Franken erst einmal zufrieden sein könnte. Sind Sie nur bis 2030 an Bord, aber wenn es ums Bauen geht, nicht mehr? Das ist zu weit vorausgeschaut. Das Bauund Auflageprojekt dauert sicherlich bis 2026/2027. So lange bin ich dabei. Was danach kommt, weiss niemand. Es ist schwierig, sich vorzustellen, wie man innerhalb von acht Jahren 85 Millionen Franken verplanen kann. Wie geht das? Es ist viel Geld. Das stimmt. Aber es existieren unzählige Gesetze, Normen, Weisungen, die eingehalten und kalkuliert werden müssen. Der Bau anschliessend ist eine Operation am offenen Herzen und extrem kompliziert. Die Stadt soll ja weiterhin funktionieren. Das Ganze muss am bestehenden Netz erschlossen werden. Es ist ein Jahrhundertprojekt ... ... und für eine Stadt wie Luzern alleine eine Überforderung? Das sage ich nicht so. Das Projekt beinhaltet Chancen und Aufgaben. Die Stadt hat erkannt, was auf sie zukommt. Das ist schön. Sie fragt nicht mehr, ob der Durchgangsbahnhof kommt, sondern wann er kommt. Dieser Schritt geht in die richtige Richtung. Die Stadt organisiert sich derzeit und plant, unter Einbezug der Partner, ein Zukunftsbild zu erarbeiten.

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Hat der Stadtrat von Luzern im letzten Sommer nicht ein wenig spät gemerkt, was auf ihn zukommt? Es kam für fast alle überraschend, dass es nun mit der Projektierung weitergeht. Da sollte man niemandem einen Vorwurf machen. Eigentlich hatte man eher den Eindruck, dass es mit dem Durchgangsbahnhof nicht gut kommen würde. Weshalb kam es doch gut? Kanton, Stadt und SBB waren einstimmig der Meinung, dass dies das richtige Projekt sei. Das war ausschlaggebend. Wie viel Fläche im Zentrum Luzerns wird durch den Durchgangsbahnhof freigespielt? Wenn man die sowieso frei werdenden und die mit dem Durchgangsbahnhof gewonnenen Flächen zusammenrechnet, kommt man auf ungefähr 70 000 bis 90 000 Qua­ dratmeter. Betriebliche Flächen der SBB können neu für städtebauliche Entwicklungen genutzt werden. Sie bleiben also SBB-Eigentum? Das ist eine Möglichkeit. Die Ausgangslage ist fantastisch, Luzern kann sich neu erfinden. Hätten Sie dafür einen Wunsch? Ich wünsche mir eine weitere Attraktivitätssteigerung des Standorts Luzern. Das ist in erster Linie Aufgabe der Grundeigentümerin SBB Immobilien und der Stadt. Sie müssen sich die Fragen der Entwicklungen stellen. Welches ist aktuell das grösste Problem, das bei Ihnen auf dem Tisch liegt? Ich muss die richtigen Leute für die richtige Geschäftseinheit finden und mich fragen, welche Disziplinen wir noch benötigen. Am Schluss sind es die Menschen, die ein Projekt erfolgreich machen. Wie gross wird Ihr Team 2026 sein? Zwischen 15 und 20 Personen, die in Olten und Luzern tätig sind. Ist es wichtig, mit ein wenig Abstand zu Luzern für Luzern zu arbeiten? Gute Frage. Das ist nicht ausschlaggebend. Wichtig ist, wo die Fachdienste sind, auf die ich zurückgreifen kann. Der Standortentscheid hat gar nichts mit Abstand zu tun. Es ist für mich ein Privileg, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen.


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DAS IST DER DURCHGANGSBAHNHOF Damit Sie mit Fakten über das Jahrhundertprojekt in Luzern auftrumpfen können: Wir bringen die Zahlen.

Der Bahnhof Luzern ist nach Frequenzen aktuell die

NUMMER unter den Bahnhöfen im Land.

3

1 4 1 1

unterirdische Durchmesserlinie, die unter dem Seebecken durchführt tiefergelegte Gleise neue Nord-Süd-Verbindung durch Luzern

Knoten für die Achsen Basel/Bern–Luzern und Luzern–Zürich bzw. die Hauptentwicklungsachsen des Kantons Luzern

2 400 000 000 1 800 000 000

Franken: So viel kostet das Kernvorhaben gemäss Planungsbericht des Kantons Luzern.

Franken:

Das wären die darin enthaltenen Kosten für eine vom Kanton gewünschte erste Etappe, die das Angebot ausbaut und die Anschlüsse bereit macht.

600 000 000

Franken wären für die Durchmesserlinie Die restlichen reserviert, welche die Achsen Basel/Bern–Luzern und Luzern–Zürich miteinander verbindet.

2033

2038

2049

Derzeit realistischer Zeitpunkt Frühester Eröffnungszeitpunkt Derzeit geschätzter, spätester Eröffnungszeitpunkt für den Baubeginn (frühestens des Durchgangs­bahnhofs. 2028). des Durchgangsbahnhofs.

15 Minuten: Jede Viertelstunde würde ein Zug von Luzern nach Zürich im neuen Durchgangsbahnhof abgehen oder ankommen. 60 Minuten: Der Stundentakt ins Tessin wäre Realität. 4 Minuten: Das ist der Zeitgewinn für eine Fahrt von Luzern nach Zürich. 32 Millionen Franken: So hoch schätzt eine Studie den jährlichen volkswirtschaftlichen Nutzen eines Durchgangsbahnhofs im Kanton Luzern ein. In Auftrag gegeben hatte die Studie der Kanton Luzern selber. Nicht inbegriffen in den Vorteilen sind höhere Löhne, die dank besserer Anbindung an den Grossraum Zürich vorab zu erwarten sind.

Laufend mehr online unter: vvl.ch/planung/durchgangsbahnhof/ durchgangsbahnhof.lu.ch

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LIEBE gross Wir müssen AUFdenken DEN ZEHNTEN KLICK Wie baut man während zehn Jahren mitten in einer Stadt, die täglich brummt? Und wie viel Fläche wird frei für Neues? Stadtplanerin Deborah Arnold weiss Antworten. INTERVIEW BRUNO AFFENTRANGER

STADTSICHT: Deborah Arnold, werden wir in den kommenden Jahrzehnten mit dem Durchgangsbahnhof Zeuge eines historischen Ereignisses? Deborah Arnold: Ja, das werden wir. Wir stehen vor einem Eingriff in eine gebaute Stadt, wie wir ihn in Luzern noch nie gesehen haben. Die Dimensionen der Planungs- und Bauzeit und die Auswirkungen des Durchgangsbahnhofs sind immens.

Wie gross ist die Gleisfläche, die wegen des Durchgangsbahnhofs frei wird? Wir gehen von rund acht Hektaren aus. Dies entspricht 16 Fussballfeldern.

sammenhängende freie Fläche entstehen. Kleinere Flächen befinden sich entlang der Neustadtstrasse und entlang der Brünigstrasse.

Von welchen Bereichen sprechen wir? Der Güterbahnhof und die Rangierflächen sollen an einen anderen Standort ausserhalb der Stadt verlegt werden. Das heisst, bei der Rösslimatt wird eine grosse, zu-

Sie sind Stadtplanerin von Luzern. Welche Aufgabe sehen Sie für sich im Zusammenhang mit der Planung und dem Bau dieses Jahrhundertwerks? Unsere Aufgabe ist es, die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu erkennen, die sich in diesem gigantischen Projekt ergeben und daraus ein Zukunftsbild zu erarbeiten. Zentral ist dabei der Einbezug der Partnerinnen und Partner und der Öffentlichkeit.

Was verändert sich konkret? Die Verkehrsströme werden sich total verändern. Dies hat Auswirkungen darauf, wie wir die Stadt erleben und weitergestalten. Zudem werden Gleisflächen frei, die anders genutzt werden können. Mit dem Projekt Durchgangsbahnhof eröffnen sich grosse Chancen mitten in der Stadt. Meinen Sie mit sich verändernden Verkehrsströmen die Linienführung der Eisenbahn? Nicht direkt. Der Durchgangsbahnhof mit der neuen Linienführung ist ein Schlüsselprojekt, um die Mobilität der Zukunft bewältigen zu können. Für die Stadtplanung ist dabei entscheidend, dass mit dem Durchgangsbahnhof die Zahl der Passagiere gegenüber heute um siebzig Prozent zunehmen wird. Künftig werden mehr als 200 000 Menschen täglich den Durchgangsbahnhof frequentieren. Sie alle müssen zum Bahnhof gelangen oder von dort wieder durch die Stadt weggeführt werden.

DIE STADTPLANERIN Seit 2015 ist die Luzernerin Deborah Arnold Stadtplanerin der Stadt Luzern. Die 35-jährige Geografin war zuvor Projektleiterin in der Stadtentwicklung. Die Stadtplanung befasst sich mit der Raumstrategie und Wohnraumpolitik, Gebietsentwicklungen, dem öffentlichen Raum und ist auch für die Nutzungsplanung zuständig.

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Ist diese Projektgrösse ein Geschenk oder eine Bürde? Ein solches Jahrhundertprojekt ist eine riesige Chance für die Stadtplanung. Im Moment sind wir daran, das Vorgehen zu definieren, wie wir zum erwähnten Zukunftsbild gelangen. Dies ist für mich und mein Team eine spannende Herausforderung, die wir mit viel Elan angehen. Wir freuen uns, die Zukunft von Luzern mitzugestalten. Was ist die grösste Gefahr zum heutigen Zeitpunkt? Momentan ist das Wichtigste, dass wir uns gut organisieren und absprechen. Es wäre fatal, wenn die beteiligten Partnerinnen und Partner – Bund, Kantone, Gemeinde, SBB, um nur die wichtigsten zu nennen – je


ein Sonderzüglein fahren würden. Dank einer guten Koordination wird es uns gelingen, die möglichen Gefahren zu erkennen und die zahlreichen Herausforderungen zu meistern. Zwei Beispiele aus Sicht der Stadtplanung: Welche Funktionen soll der Bahnhofplatz künftig erfüllen? Und wie gelingt es uns, die trennende Wirkung des Bahnhofareals aufzuheben?

Sie suchen den Ausweg aus der historischen, eisernen Durchtrennung des Stadtzentrums? Genau. Dadurch, dass Gleisflächen frei werden und das Bahnhofareals oberirdisch kleiner wird, haben wir die Chance, neue Übergänge, Zugänge und neue Verbindungen zum Beispiel vom Hirschmattzum Tribschenquartier zu realisieren.

DIE BEVÖLKERUNG SOLL MITREDEN Mehr als 200 000 Menschen werden täglich den Durchgangsbahnhof frequentieren. Das ist eine Schätzung, die aufgrund der bisher bekannten Daten realistisch ist. Werden diese Benutzerinnen und Benutzer auch in der Planung mitreden können? Deborah Arnold, Stadtplanerin von Luzern, hat eine klare Meinung. Deborah Arnold: Die Bevölkerung dürfen und wollen wir keinesfalls aussen vor lassen. Sie benutzt den Bahnhof, sie wird mitreden müssen.

Wir haben zurzeit noch keinen detaillierten Plan. Diesen können wir erst entwickeln, wenn die Bauphasen oder die beanspruchten Flächen definiert sind. So ist zum Beispiel noch offen, ob der Bahnhofplatz ständig oder in einzelnen Perioden eine offene Baustelle sein wird. Unser Ziel ist, den Bau des Durchgangsbahnhofs möglichst stadtverträglich zu gestalten und langjährige, unschöne Provisorien zu vermeiden.

Wie werden Sie das machen? Unser Ziel ist, Zukunftsszenarien für das Gebiet rund um den Bahnhof zu entwickeln, sie mit den Partnerinnen und Partnern und der Bevölkerung zu diskutieren und sie mit ihnen weiterzuentwickeln. Wann beginnt dieser Prozess? Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Zuerst müssen wir das Vorgehen definieren.

Wie verfahren Sie mit der dritten Herausforderung, wie man nämlich als funktionierende Stadt den Betrieb während einer Operation am offenen Herzen aufrechterhält?

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Erhältlich so lange vorhanden Video aus der Osterbäckerei www.confiserie.ch/ostervideo Osterkatalog www.confiserie.ch/ostern


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UND JETZT?

SO KÖNNTE ES WEITERGEHEN Der Durchgangsbahnhof kommt. Was nun? TEXT BRUNO AFFENTRANGER

➜ Zunächst gilt es, zwangslos Ideen darüber zusammenzutragen,

Im Jahr 2038 – allerspätestens 2049 – wird das Jahrhundertwerk Durchgangsbahnhof Luzern fertiggestellt sein. Dann wird zu sehen

was im Zentrum künftig stattfinden soll. Sie sind in dieser frühen

sein, ob all die Pläne, die bis 2027 entstehen müssen, funktionieren.

Phase inspirierend, aber unverbindlich. Wir denken, müssen aber

Am 1. Januar dieses Jahres hat der Gesamtplaner der SBB seine

noch nichts.

➜ Müssen müssen die Planer. Sie bilden und präsentieren

Arbeit angetreten. Massimo Guglielmetti hat eine Herkulesarbeit vor sich, aber auch die Mittel dazu. Die Stadtplanerin von Luzern,

Zukunftsszenarien, auf deren Grundlagen diskutiert werden

Deborah Arnold, verfügt zwar über ein kleines Team und viel weniger

kann. Extreme sollten vorkommen, denn sind sie einmal disku-

Ressourcen, dennoch wird ihr Beitrag als Vorlage für Politik und

tiert und ausgeschlossen, bleibt der freie Blick für das Machbare.

➜ Ebenfalls von Planerseite stammen Simulationen, welche die

Bevölkerung nicht weniger wichtig sein. Immerhin werden in zentraler Lage acht Hektaren Land frei, was 16 Fussballfeldern

Szenarien und Massnahmen quantitativ abbilden werden und

entspricht. Die Stadt kann sich nach den Pionierjahren von 1850 bis

die Auswirkungen für die Zentralschweiz und eventuell darüber

1914 in ihrer Mitte nochmals neu erfinden.

hinaus nachvollziehbar machen. Gute Datengrundlagen sind für Analysen notwendig. Derzeit existieren diese in vielen

Was wir uns ab sofort und in den kommenden Jahren vornehmen,

Fällen nicht.

➜ Der Stadtrat von Luzern muss die Führung übernehmen. Dies

wird lange nachhallen. Im Kopf beginnt jetzt der Bau der Stadt der Kinder und Enkel. Dabei muss klar sein: Zwar projektieren wir das

schnell und klar erkennbar. Er muss über eine Lands- oder besser

Zentrum und die Stadt, aber wir denken dabei an eine ganze Region

Stadtgemeinde Einigkeit über die Zukunft der Stadt, ihrer

mit ihrem Einzugsgebiet, das bis in den Kanton Uri reicht. Wenn auf

Aufgaben, ihrer Funktionen und ihrer Rolle in und mit der Region

dem Bahnhofplatz in Luzerns ein Hindernis auftaucht, wirkt dieses

erzielen. Externe Prozessbegleitung ersetzt dabei eigene Arbeit

über die filigranen Zusammenhänge von Mobilität und Kommunika-

nicht. Die Ideen – der Gestaltungswille – sollten aus dem Innern

tion schnell zum Beispiel bis nach Malters, Küssnacht oder Stans

heraus wachsen. Ohne eine Vision von dieser Stadtregion

störend. Dieses Netz wird bis 2040 noch feiner und sensibler.

geht es nicht.

➜ Ein entstandener Masterplan wird partikuläre Interessen Doch wie soll man das Vorgehen richtig anpacken?

einbinden. Dem Gesamtvorhaben zuwiderlaufende, meist aus

Was gibt es zu bedenken? Es existieren verschiedene Wege,

Marketinggründen lancierte politische Vorstösse können immer

doch auch einige Punkte, die nicht vergessen werden dürfen:

am Masterplan Luzerns gemessen und beurteilt werden. Mit anderen Worten: Ein Vertrag über das Zentrum steht am Ende der Planung. Und was tun wir bis dahin? Wie mit dem Nadelöhr an der heutigen Einfahrt in den Bahnhof umgehen, wenn die Zugfrequenzen wachsen? Was, wenn wir uns darauf einigen, das Zentrum von motorisiertem Individualverkehr freizuhalten? Wie soll das zum Beispiel ohne Spange Nord gehen, die politisch und gesellschaftlich, wahrscheinlich auch planerisch in der derzeitigen Form keine Chancen hat? Es gibt Denkarbeit.

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THINK FURTHER

AUFGEDECKT!

ZUM ERSTEN MAL STADTSICHT lädt zur Diskussionund führt die Debatte aus dem Magazin weiter – der Zutritt ist nur auf Einladung möglich, die Platzzahl beschränkt.

DIE NEUERFINDUNG DER STADT – DENKEN WIR DEN DURCHGANGSBAHNHOF LUZERN 2040 SCHON HEUTE

S

eit bald drei Jahren publiziert das Luzerner Medien- und Kommunikations-Beratungsunternehmen BA Media das urbane Magazin STADTSICHT. Viermal jährlich widmen sich die Geschäftspartner Angel Gonzalo und Bruno Affentranger ausgesuchten Themen, die das Zentrum dieser Region beschäftigen. Sie blicken dabei auf die Stadt, aber auch aus der Stadt hinaus und lassen internationale Stimmen zu Wort kommen, die Ideenanstösse für die Zentralschweiz liefern. Am 18. April starten sie neu ihre exklusive Diskussionsplattform. Auf Einladung wird STADTSICHT Ideen, konkrete Fragestellungen und vermeintlich feststehende Antworten zur Debatte bringen. Durch den Abend führen Peter Bucher, bis Ende vergangenen Jahres der Wirtschaftsbeauftragte der Stadt Luzern, und Bruno Affentranger, Partner der BA Media und Chefredaktor von STADTSICHT. Dass es beim ersten Abend «AUFGEDECKT! STADTSICHT lädt zu Tafel und Thesen» um den Durchgangsbahnhof und seine Auswirkungen gehen wird, ist kein Geheimnis. Über das Thema ist bereits ausführlich in dieser Ausgabe des Magazins nachzulesen. Die STADTSICHT als Magazin wird in den Haushaltungen der Stadt Luzern und den umliegenden Gemeinden sowie Städten Emmen, Ebikon, Horw, Kriens und Meggen verteilt und liegt an weiteren 600 Verteilpunkten in der ganzen Zentralschweiz auf. STADTSICHT wächst und wächst: Mit einer Auflage von

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78 000 Exemplaren erreicht das Magazin, das Debatten anschieben will, bereits eine respektable Anzahl Leserinnen und Leser in den Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden und Schwyz. Am ersten Abend von «AUFGEDECKT! STADTSICHT lädt zu Tafel und Thesen», der in einer Reihe zu verschiedenen Themen fortgesetzt und regelmässig stattfinden wird, diskutieren nicht nur Einheimische, Expertinnen und Experten, sondern auch Menschen mit dem unverstellten Blick von aussen. STADTSICHT richtet den Blick nach aussen und innen. Die externen, manchmal fremden Sichtweisen sind hochwillkommen. Dass bereits beim ersten Anlass am 18. April zwei Schwergewichte zu Tafel und Thesen in Luzern debattieren werden, ist kein Zufall, sondern Programm.

Mehr Informationen unter stadtsicht.ch oder BA Media, Obergrundstrasse 26, 6003 Luzern. Bei Fragen: affentranger@bamedia.ch oder 041 248 51 51 stadtsicht.ch bamedia.ch

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LOOK OUT

SPANGE MITTE HEISST DAS ZAUBERWORT Das ist der Befreiungsschlag für die bisher unergiebige Spange-Nord-Diskussion: Die Spange Mitte löst alle Probleme. Das bekannte Luzerner Architektenpaar Karin und Martin Simmen hat das Vorhaben von sich aus skizziert. TEXT BRUNO AFFENTRANGER

I

In Luzern tobt der Kampf um einen passenden Nordzubringer der Autobahn. Stadtrat und Parteien sind sich nicht ganz einig, aber in einem schon: Die Varianten des Kantons sind siedlungstechnisch und politisch inakzeptabel. Die Gemeinden um Luzern und der Kanton stellen sich jedoch gegen die Stadt: Sie soll sich nicht so anstellen und besser froh über den neuen Zubringer im Gebiet Schlossberg sein – ausserdem sei die Spange Nord integraler Bestandteil eines funktionierenden Autobahnsystems mit dem ebenfalls neuen Bypass. Die Konfusion über Gewünschtes und Mögliches ist gross, die Wut allerorten beachtlich. Man kann jedoch getrost festhalten, dass das vorliegende Projekt und seine Varianten nicht überzeugen und neue Probleme schaffen. Was also tun? Eine andere Lösung muss her, damit der Norden und der Nordosten des städtischen Siedlungsgebiets eine Anbindung finden. ­Eine einfache Frage lautet: Wie soll man künftige von Kriens her kommend mit dem Auto nach Meggen und darüber hinaus gelangen? Die folgerichtige heisst: Wie können wir die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten und damit die Voraussetzung für das Erreichen von Energie- und Ökologiezielen schaffen und – wichtiger noch – den Verkehrskollaps in der Innenstadt abwenden? Eine verblüffende Antwort

Die Spange Mitte ist die verblüffende Antwort. Karin und Martin Simmen, Architekten in Luzern, haben sie in Eigenregie erar-

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beitet. Sie verfolgen die Verkehrsplanungen für Schiene und Strasse seit Jahrzehnten mit Interesse und passioniert. Hier stellen sie die Spange Mitte erstmals vor. Ihr wesentlicher Bestandteil ist: ➜  Ein mit dem Reussporttunnel und dem Anschluss Lochhof verbundener Tunnel. Er führt bis zur Hausermatte im Bereich Talstation der ehemaligen Dietschibergbahn. Der Tunnel ist der Ersatz für die heute schon stark belastete Hauptverkehrsachse Pilatusstrasse – Bahnhof-Seebrücke – Schweizerhofquai – Luzernerhof, die durchs Zentrum führt. ➜  Der neue Tunnel zweigt von der Stadtautobahn ab, die dank dem Bypass dereinst an Kapazitäten zugewinnen wird. Die Folgen der Spange Mitte sind durchwegs positiv: entstehen neu unterirdische Verbindungen zwischen Sonnenbergtunnel und dem Raum Luzernerhof und Haldenstras­ se, die auch den Durchgangsverkehr zwischen rechtem Stadtufer und dem Raum Emmen siedlungstechnisch verträglich lösen.   ➜ Die Seebrücke, das Zentrum Luzerns, kann für den öffentlichen und den Langsamverkehr (Fussgänger, Velo, andere) freigespielt werden. Der motorisierte Individualverkehr hat keinen Platz mehr. ➜  Der Bahnhof wird trotz prognostizierter Frequenzzunahmen (siehe die Diskussion Durchgangsbahnhof auf den vorangegangenen Seiten) weiterhin zugänglich sein. ➜  Der Vorschlag ermöglicht eine umfassende Verkehrsberuhigung in der touristischen Kernzone zwischen Bahnhof und Luzernerhof.

➜  Dadurch


Die Spange Mitte ist ein Vorschlag, der auf dem heute bestehenden Autobahn- und Strassennetz in der Region Luzern aufbaut und der die Erschliessung der Stadtquartiere garantiert: Das birgt enormes kommerzielles Potenzial, vor allem aber wird dieser Bereich damit zu einer echten Fussgängerzone. Endlich ungestört shoppen oder einfach nur lässig flanieren! ➜  Luzern entschleunigt im Zentrum. Die Stadt wird wahrhaft fussgängerfreundlich und erkennbar verschönert. ➜  Alle derzeit bekannten Parkhausprojekte sowie der Durchgangsbahnhof sind mit dem Projekt verträglich. Es sind sogar direkte bauliche Verbindungen und Kombinationen möglich, die kosteneffizient wirken. ➜  Die Spange Mitte wäre in jedem Fall kostengünstiger als die Spange Nord. ➜  Das Projekt belastet das Siedlungsgebiet nicht in dramatischem Ausmass, wie das die Spange Nord tut, die ein belebtes Quartier durchschneidet und mit Zu- und Wegbringer überlastet.   ➜ Die Stadt wird gesünder und sicherer.

Das ist die heute existierende, ebenerdige oder offene Autobahnführung. Die dünnen schwarzen Linien zeigen die Obergrundstrasse sowie einige der möglichen kleinen Erschliessungen in die Quartiere und aus den Quartieren. Die neue Spange Mitte mit einer vereinfachten Linienführung beim Anschluss Lochhof. Reussport- und Sonnenbergtunnel, die dank dem geplanten Bypass zu reinen Stadttunneln werden. Die Spange Mitte zwischen Reussport und Hausermatte wird durchgehend unterirdisch geführt. Existierende geologische Gutachten bescheinigen die Machbarkeit. Konkurrenz zu bestehenden Projekten wie Durchgangsbahnhof, Metro, Musegg-Parkhaus oder Seeparking unter dem Schweizerhofquai besteht nicht – im Gegenteil: Anschlüsse wären möglich.

Kann man diese Idee wirklich beiseitelassen und nicht in die aktuell laufenden Planungen und Abwägungen einbeziehen? Das ist die Frage. Die Antwort heisst natürlich: nein. Kanton und Stadt müssen sie so schnell wie möglich prüfen. Mehr über die Idee Spange Mitte online auf: spangemitte.ch

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CITY VEREINIGUNG FEIERT 50. GEBURTSTAG Ein Jubiläum für die Zukunft

len miteinander in die Zukunft gehen, weil sie als ein Netzwerk stärker sind als alleine.

Wer einen runden Geburtstag hat, blickt meist zurück. Die City Vereinigung Luzern macht es zum Fünfzigsten anders und geht Neues an. Wer durch die Aufzeichnungen und Zeitungen der letzten fünfzig Jahre stöbert, findet Erstaunliches über die Interessenorganisation der Handelsunternehmen in der Stadt Luzern. Bei der Gründung hiessen die wichtigsten Ziele: Anpassung der Ladenöffnungszeiten an die Lebensrealitäten und an die kundenspezifische Nachfrage, Schaffung von passenden Rahmenbedingungen für den stationären Detailhandel und artverwandte Geschäftsmodelle. Die aktuell brennenden Themen haben sich nicht verändert. Doch Josef Williner, Präsident der City Vereinigung, sieht das entspannt: «Wir haben uns sicherlich weiterentwickelt und sind vor allem profes­si­o neller geworden. Die Gesellschaft hat sich zwar verändert in den letzten fünfzig Jahren, aber ihre Bedürfnisse sind dieselben.» Das Umfeld habe sich durch den stark wachsenden Onlinehandel verändert. «Hier sind wir gefordert, rasch Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den stationären Handel stärken und Arbeitsplätze sichern.»

Der aktuelle Vorstand der City Vereinigung Luzern (v.l.n.r.): Peter Imhof, Susanna Hospenthal, Josef Williner, Bettina Meyer, André Bachmann.

STADTSICHT: Wie feiert die City Vereinigung ihre fünfzig Jahre? Unser Fokus im Jubiläumsjahr ist es, zusammen mit unseren über 250 Mitgliedern aus Detailhandel, Gastronomie und Dienstleistungsunternehmen Kräfte zu bündeln, Kooperationen zu vertiefen und unser Standortmarketing für eine attraktive City Luzern zu verstärken.

Feiern Sie dennoch eine Party? Wir laden unsere Mitglieder ins Kleintheater und feiern einen Jubiläumsanlass.

Wie tun Sie das? Im Zentrum des Programms stehen tolle CityCard-Jubiläums-Angebote unserer Mitglieder für die Kunden und Kundinnen der City Luzern. Neu haben wir auch zwei attraktive Erlebnisangebote unserer Jubi-

läumspartner – der Schifffahrtgesellschaft SGV und des Verkehrshauses. Diese Aktionen mit unser Erlebnis- und Geschenkkarte, der CityCard Luzern, laufen ab Mai – und natürlich verlosen wir zahlreiche CityCards. Ausserdem initiieren wir zusammen mit unseren Mitgliedern ein attraktives Sitzangebot in der Innenstadt. 150 trendigbunte Sitzgelegenheiten sollen die Besucher und Besucherinnen der City Luzern zum Verweilen und Ausruhen in der Shoppingmeile einladen. Wir wollen damit die Attraktivität der City Luzern als ShoppingDestination und Begegnungsort fördern und unterstützen.

Sie feiern mitten in einer schwierigen Zeit des Umbruchs, vieles geht online. Gerade deshalb ist die City Vereinigung Luzern so wichtig wie nie zuvor. Unsere Mitglieder brauchen Informationen, damit sie sich ausrichten können, deshalb organisieren wir auch immer wieder Veranstaltungen, zum Beispiel den City Talk zu aktuellen Themen. Wichtig ist, dass das Einkaufen für unsere Kundinnen und Kunden zum Erlebnis wird, dabei spielt auch die Gastronomie eine wichtige Rolle. Unsere Mitglieder wol-

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Hat der stationäre Handel angesichts der wachsenden Onlinekonkurrenz Zukunft? Natürlich hat er das! Wer die richtige Mischung zwischen Offline und Online findet, wer richtig fokussiert und den Dienstleistungsgedanken pflegt, der wird gewinnen. Ausserdem braucht eine attraktive Stadt den Handel. Er ist der Herzschrittmacher für eine lebendige Stadt. Dies sollte man bei allen Überlegungen nicht vergessen, gute Rahmenbedingungen sind für die Entwicklung notwendig. Fördern, statt verhindern, heisst das Motto. Luzern hat alleine mit den Frequenzen aus dem Tourismus hervorragende Voraussetzungen für die Zukunft. Entscheidend dabei sind auch kundenfreundliche Öffnungszeiten. Stimmen auch noch Preis, Sortiment, professio­ nelle und kompetente Beratung, muss man sich um den stationären Handel nicht sorgen.

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KREATIV

LEBEN, UM DAVON ZU ERZÄHLEN «Nicht was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen.» Mit diesen Worten leitet der kolumbianische Nobelpreisträger Gabriel García Márquez seine Memoiren ein. Für ihn sind wir die Summe unserer Erinnerungen. Gelebt und davon erzählt haben Raymond Bachmann (83) und Martha Weber (92). Sie blicken zurück auf ein erfülltes Leben und lassen uns daran teilhaben. TEXT UND BILD ANGEL GONZALO

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KREATIV

Raymond Bachmann erblickte 1936 das Licht der Welt, drei Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg, in einer Zeit, da es an vielem mangelte. Als Sprössling einer Bäckerfamilie mit Ursprung in Sursee trat er in die Fussstapfen seines Vaters Hans und übernahm in den Sechzigerjahren den Familienbetrieb. Damals mit einer Produktionsfläche von 300 Quadratmetern und 15 Angestellten. Heute führen seine beiden Söhne Matthias und Raphael das Familienunternehmen Bachmann AG. Die Firma produziert auf einer Fläche von über 10 000 Quadratmetern und beschäftigt über 540 Mitarbeitende in 19 Fachgeschäften.

D

er Blick nach hinten war im Grunde nie sein Ding. Raymond Bachmann ist und bleibt ein Mann, der lieber nach vorne schaut. Das hat er schon immer getan. Für unser Magazin blickt er dennoch gerne zurück. Als er 1965 im Wesemlinquartier die Bäckerei-Konditorei Bachmann von seinem Vater Hans übernahm, stiess er schnell an Kapazitätsengpässe in der Produktion von Backwaren und Confiserie-Leckereien. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte entwickelte er mit seinem ausgeprägten Gespür für Trends den Familienbetrieb zu einem florierenden Unternehmen, dessen Führung er 1997 seinen beiden Söhnen übergab. Doch der Reihe nach.

Ursprung in Sursee

Die Unternehmenschronik der Bachmann-Dynastie beginnt 1897. Damals betrieb der Grossvater des Maître Confiseurs Raymond Bachmann, Anton, die Bäckerei an der Suhr in Sursee und setzte damit den Grundstein für die Zukunft. Sein Sohn Hans setzte die Familientradition mit der Übernahme der Wesemlinbäckerei im Jahre 1934 fort. Unter seiner Führung entwickelte sich das Unternehmen weiter. 1962 übernahm Raymond die Confiserie von Wendelin Baumann im Hotel Monopol beim Luzerner Bahnhof, und 1965 kam die Übernahme der Wesemlinbäckerei von seinen Eltern dazu. In seinen jungen Jahren war Raymond noch unschlüssig bezüglich seiner beruflichen Zukunft und so musste er – wohl oder übel – in die Kantonsschule, erinnert er sich an seine Teenagerzeit. «Es vergingen drei Jahre, aber dann wusste ich es genau. Ich wollte in die Fussstapfen meines Vaters treten und den Bäckerberuf erlernen.» Kurz entschlossen schickte ihn sein Vater in die Bäckerlehre nach Schaffhausen und zahlte das damals übliche «Lehrgeld» von jährlich 300 Franken für die Ausbildung seines Sohnes. Diese Investition hat sich gelohnt, wie sich später erweisen sollte. Der junge Raymond musste in aller Herrgottsfrühe ans Werk, ging jeweils am Montag um 9 Uhr zur Schule und arbeitete sechs Tage die Woche.

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Manchmal gar sonntags, wenn es darum ging, die in Dampf gebackenen Pumpernickel-Brote nachmittags punkt vier Uhr aus dem Ofen zu ziehen. Als ehemaliger Kantischüler war er in der Gewerbeschule oft unterfordert und so glänzte er nicht selten durch Abwesenheit, was ihm ein paar Rüffel eintrug, wie er sich heute gerne erinnert. Nach der erfolgreich absolvierten Lehre zog es ihn nach Genf in die renommierte Confiserie Hans Rohr. Das schärfte seinen Sinn für die süsse Seite des Bäckerberufs. Fortan entwickelte er sich zu einem fast schon «fanatischen» Confiseur, was sich für die weitere Entwicklung des Familienbetriebs als förderlich erwies. «Mir uf em Wäsmeli»

Die ersten Erfahrungen als junger Confiseur machte Raymond Bachmann in Basel bei seinem Onkel in der Confiserie Bachmann und in der Confiserie Honold in Zürich auf dem Tortenposten. Dazwischen kamen die Pflichten in der Schweizer Armee. Bevor er in den Betrieb seines Vaters einstieg, machte der aufstrebende Confiseur seine ersten Gehversuche als eigenständiger Unternehmer in der Backstube an der Hirschmattstrasse, mit bereits fünf Angestellten. Im Geschäft neben dem Bahnhof gab es viele Kundenwünsche für den Schokoladenversand in die USA. In der damaligen Zeit ein erträgliches Geschäft und wohl der Auslöser für spätere internationale Engagements in der Confiseriewelt. 1965 übernahm Raymond den Familienbetrieb, der damals 15 Angestellte be­schäftigte und auf einer Fläche von 300 Quadratmetern produzierte. Raymond Bachmann gründete mit weiteren Geschäftsinhabern aus dem Quartier die Vereinigung «Mir uf em Wäsmeli», so etwas wie eine Mini-City-Organisation, die mit Informationsbroschüren und Events Werbung in eigener Sache betrieb – eine Art von Marketing, die zu dieser Zeit selten war. Das zeigte Wirkung. Bald sah sich der umtriebige Unternehmer mit Kapazitätsengpässen konfrontiert. Als Überbrückung stellte er kurz entschlossen eine Tiefkühlzelle im Garten auf. Ebenso erwei­


RAYMOND BACHMANN

DER MEISTERCONFISEUR

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terte er die Produktionsfläche mit einem kleinen Anbau. Dieses Provisorium hielt ein paar Jahre, bis er es abreissen musste. Der frischgebackene Unternehmer eröffnete in der Rössligasse die erste Bachmann-Filiale. Als am 5. Februar 1971 ein Grossbrand den Luzerner Bahnhof zerstörte, wurde der Betrieb mit einem ausgebauten Provisorium aufrechterhalten. Hier witterte Raymond Bachmann seine Chance und errichtete in seiner typischen Entschlossenheit ein Bäckerei-Provisorium mitten im Pendlerstrom. Seither hat Bachmann den Bahnhof nicht mehr verlassen und damit eine weitere wichtige Basis für den kommenden unternehmerischen Erfolg geschaffen. Nebenbei strich er die Fassade seines Betriebsgebäudes im Wesemlin-Quartier in grellem Pink, ohne komplizierte Bewilligung. Auslöser für diese farbliche Extravaganz, wie es Raymond Bachmann nennt, war der Luzerner Grafik-Künstler Hans Blättler, der damals die Werbung für Bachmann kreierte. Zu der Zeit war die Farbe rosa eher in der Kosmetikbranche üblich. Bäckereien waren im Auftritt vorwiegend zurückhaltend. Nicht so Raymond Bachmann, der kurzerhand die Corporate Color Pink in sein Unternehmen einführte und an seinem vierzigsten Geburtstag alle Gäste in dieser Farbe zum Fest auffahren liess. Das war 1976. Drei Jahre später beschäftigte er bereits 110 Mitarbeitende. Der Platz wurde definitiv zu knapp. Im Tribschenquartier, dem heutigen Produktionsstandort des Unternehmens, wurden rund 3000 Quadratmeter frei, die für die geplante Universität Luzern reserviert waren. Das Luzerner Volk aber entschied sich 1978 nach einem emotional geführten Abstimmungskampf mit einem Nein-Anteil von über 60 Prozent gegen die Errichtung einer Universität. Damit war der Weg frei für die Expansion der aufstrebenden Firma. Raymond Bachmann erinnert sich, dass ihm damals viele davon abrieten, diesen Sprung zu wagen. Zu gross schien das Risiko, zu unsicher die Zukunft, zumal der Druck auf traditionelle Bäckereibetriebe mit der Konkurrenz der grossen Detail-


KREATIV

händler rasant stieg. Er blieb aber seiner Linie treu, schaute vorwärts und packte die Chance beim Schopf: «Wir arbeiteten am Samstag, 30. August, bis 10 Uhr in der alten Backstube. Übers Wochenende verschoben wir alle Maschinen und am Montag, morgens um 2 Uhr, produzierten wir bereits im neuen Betrieb.» Sein Vater Hans erlebte diesen wegweisenden Umzug leider nicht mehr. Er verstarb im Januar 1980. Die richtige Nase

Die Erfüllung hat Raymond Bachmann stets in der Arbeit gefunden. Die Confiserie ist und bleibt seine Leidenschaft. Dennoch fand er Zeit, sich als Zunftmeister der Zunft zu Pfistern und Vorstandsmitglied des Konditor- und Bäckermeisterverbandes zu engagieren. Nach seiner Lehre habe er «seine Seele im Beruf ent-

falten können», er habe – abgesehen von vereinzelten Weiterbildungskursen in Management – sein Wissen vor allem bei der Arbeit erworben. Sein ausgeprägtes Flair für Trends und sein Mut für unkonventionelle Aktionen haben den Weg zum unternehmerischen Erfolg geebnet. 1985 schloss er einen Vertrag mit der US-amerikanischen Nobelwarenhauskette Neiman Marcus für die Lieferung von jährlich acht Tonnen Pralinés. Zum 10-Jahr-Jubiläum des Shopping-Centers Emmen liess er 1986 die grösste Geburtstagstorte der Welt backen. Die gigantische Torte mit 18 Etagen über alle drei Stockwerke des Gebäudes schaffte den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde und wurde von 12 000 Kunden verspiesen. 1997, nach 32 Jahren an vorderster Front als unternehmerische Treibkraft, übergab er ein solides Unternehmen mit über 250 Mitarbeitenden an seine beiden Söhne

«Es vergingen drei Jahre, aber dann wusste ich es genau. Ich wollte in die Fussstapfen meines Vaters treten und den Bäckerberuf erlernen.» Raymond Bachmann

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Matthias und Raphael. Noch heute, mit 83 Jahren, ist er oft im Geschäft, ist mit Rat und Tat zur Stelle, wenn er danach gefragt wird. Rückblickend sagt Raymond Bachmann: «Es war eigentlich nie unsere Zielsetzung, ein so grosser Betrieb zu werden. Die erkannten Chancen und die Nachfragen aus unserem Netzwerk haben unsere Entwicklung geprägt. Auch unsere tüchtigen Mitarbeitenden waren mitbestimmend.» Mit seiner Frau Margrith hat er im Laufe seiner Karriere zahlreiche Kontakte quer durch die Welt gepflegt – von Belgien bis nach Spanien, von Japan bis nach Amerika. Jetzt haben seine Frau und er Zeit zum Reisen und die fünf Grosskinder zu verwöhnen. Stolz ist Raymond Bachmann vor allem auf seine beiden Söhne, die heute das Unternehmen zusammen erfolgreich leiten. Aber das ist eine andere Geschichte.


MARTHA WEBER DAS VERKAUFSTALENT Seit über 55 Jahren arbeitet Martha Weber in Weber’s World, das heute von ihrer Tochter geführt wird. Es ist ein kleines, schmuckes Lokal am Luzerner Weinmarkt und das erste und älteste Messergeschäft der Zentralschweiz. Heute, mit 92 Jahren, ist sie immer noch aktiv an der Front und ein Ausbund an Energie und Tatendrang.

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artha Weber hat einiges gesehen und erlebt im Laufe ihres langen Lebens. Sie ist eine Frau, wie sie sagt, die resolut ihren Schwächen trotzte und immer wieder das Positive sah. Eine 92-jährige Frau, die keine Pension kennt, weil die Arbeit zu ihrer Lebenshaltung gehört und die noch heute bereit ist, neue Technologien zu erlernen wie zum Beispiel eine Computerkasse zu verstehen.

Die Jugend in Zeiten des Krieges

Martha wuchs im Weinbergli auf. Ihr Vater, Georges Stalder, war ursprünglich aus La Chaux-de-Fonds. Von ihm hat sie das Flair fürs Französische, ja überhaupt für Sprachen, geerbt. Ihr Vater war Bähnler, wodurch sie gratis Zug fahren konnte, wie sie sich mit Freude erinnert. Sie blickt auf eine durchaus unbeschwerte, einfache und glückliche Jugend zurück. Dennoch:

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Es waren schwere Zeiten während des Zweiten Weltkriegs. Sie erinnert sich an Brot mit «Fäden», praktisch ungeniessbar, doch man musste halt essen, was man kriegte. Sie erinnert sich an ihre regelmässigen Ferienaufenthalte bei einer Tante in Kleinbasel, nahe der Grenze zu Deutschland. Damals beobachtete sie mit ihr, wie Flugzeuge vom Himmel geschossen wurden und beide fragten sich, wen es nun erwischt hätte: einen Deutschen, einen Alliierten? Mit 15 musste sie in die Lehre als Damenschneiderin. Eigentlich wollte sie lieber in den Verkauf – ihr extrovertiertes Wesen schrie förmlich danach, wie sie sich heute, bald 80 Jahre später, daran erinnert. Das hatte aber durchaus seine guten Seiten. Als sie später ihre zwei Buben gebar, konnte sie ihnen bald Hosen schneidern, nicht die üblichen Strümpfe, die Kleinkin-


der damals trugen. Und als Zwanzigjährige habe sie sich lange Hosen genäht und sei erhobenen Hauptes durch die Strassen von Luzern stolziert. Damals eine Sensation: Sie wähnte sich als «Marlene Dietrich der Schweiz». Die erste Liebe

Ihre erste grosse Liebe war ein Basler, den sie mit 18 kennenlernte. Doch dieser musste eine andere heiraten. Sie trauerte ein Jahr lang, ging kaum noch tanzen, was ihr doch immer Spass gemacht hatte. Aber dann war die Trauerzeit vorbei. Es kam die Fasnacht und mit ihr die schnelle Liebe. Sie wurde mit zarten 20 Jahren schwanger und heiratete Hans Tschupp: «Zu jener Zeit heiratete man eben», meint sie dazu. Es gehörte zum guten Ton. Die Ehe stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Ihre beiden Söhne, Hanspeter und Beat, liebte Martha. Sie tat alles, um ihnen unter den schwierigen Umständen eine normale Kindheit zu ermöglichen. Dafür arbeitete sie hart. «Doch unterzukriegen war ich nie!», sagt sie und man glaubt es ihr sofort. Martha blieb ein «Tanzfüdli», immer wieder genoss sie die wunderbar prächtigen Fasnachtsbälle im Kunsthaus Luzern. Ihre Freundinnen und sie schneiderten sich Kleider aus dem gleichen Muster und trumpften am Ball so richtig auf. Die glückliche Wende

Das Glück meinte es später gut mit ihr, als sie ihren Hermann im Casino traf. Er, der im Grunde sehr gut tanzte, und doch so gerne auf dem Balkon dem bunten Treiben auf der Tanzfläche von oben zuschaute, sich aber selten nach unten ins Getümmel wagte. Ein schüchterner Mann. Jahrelang sind sie wohl zur selben Zeit im gleichen Raum gewesen, doch erst 1957 war es so weit. Der Funke sprang schnell über. Beide waren unglücklich verheiratet, beide fanden ein neues Glück. Sie lernte Ski fahren und hielt nicht inne, bis sie auf verschiedene Dreitausender stieg, Skitouren machte und dann mit Herz und Seele Skilehrerin wurde und kleinen Kindern das Skifahren

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KREATIV

«Mit zwanzig hat sie sich lange Hosen genäht und ist erhobenen Hauptes durch die Strassen von Luzern stolziert. Sie wähnte sich als «Marlene Dietrich der Schweiz».» Martha Weber

beibrachte. Zu dieser Zeit fand sie auch eine befriedigende Arbeitsstelle im Minigolf Hermitage. Sie führte dieses schön gelegene Spielparadies am See mit Hingabe und blieb für die kommenden 27 Jahre die treue Seele der Hermitage, welche so manchen Schiffskapitän mit einem «Kafi Schnaps» beglückte und dabei Geschichten zuhörte, die das Leben schrieb. «Das waren herrliche Zeiten», erinnert sich Martha. Im Alter von vierzig Jahren, 1967, brachte Martha ihre Tochter Manuela zur Welt: «Mit meinem Hermann eine gemeinsame Tochter, das war mein sehnlichster Wunsch.» Heute führt die Tochter das Geschäft weiter. Und, endlich, erinnert sich Martha Weber, erhielt sie die Gelegenheit, ihr Verkaufstalent auszuleben. Sie denkt gerne an jene Zeiten zurück, als sie im Sommer jeweils bis Mitternacht geöffnet hatten, zwischendurch ins Lido baden und essen gingen. Lange Tage zu zweit. Praktisch rund um die Uhr sei sie mit ihrem Mann zusammen gewesen. Sie hätten sich auf Anhieb verstanden, auf stille Weise einander ergänzt. Er der zurückhaltende, seriöse, erfahrene Geschäftsmann. Sie die temperamentvolle Verkäuferin und das neue Herzstück im Geschäft.

Das Wirtschafts- und andere Wunder

Das Geschäft gedieh prächtig in den 1960er Jahren, vor allem im Zuge der wachsenden Tourismusströme. Messer Weber, wie das Geschäft damals hiess, spezialisierte sich zunehmend auf Schweizer Sackmesser und ergänzte das Sortiment mit Souvenirprodukten. Von Beginn weg schätzte Martha Weber den Kontakt zur Kundschaft, die schon damals vorwiegend aus Touristen bestand. Zu der Zeit waren es vor allem die Amerikaner und Japaner, erinnert sie sich, lange bevor die Chinesen Luzern eroberten. «Domo aregato koseimas», sagt sie jeweils mit entsprechender höflicher Gebärde, wenn ein Japaner ihr Geschäft verlässt. Das bedeute «ich danke vielmals» und komme sehr gut an, meint sie. Oder «oya sumina sai», was so viel heisst wie «haben Sie eine gute Nacht». Heute wird sie oft von Chinesen fotografiert, nachdem sie ihnen «ni hau» (grüezi) zugerufen hat. Martha Weber ist sechsmal Grossmutter und viermal Urgrossmutter. Jahrelang genoss sie ihre Enkel. Heute sind diese gross, haben selber Familie und wohnen auf der ganzen Welt verteilt. Die einen leben in Florida, ein anderer macht in London eine Ausbildung als Musical-Darstel-

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ler. In der Freizeit ist die 92-Jährige oft und gerne in Engelberg, wo sie zwischenzeitlich acht Jahre lang gelebt hat. Dorthin fährt sie mit dem Saab einer Kollegin, die in Hergiswil wohnt. Sie fährt dann mit dem Zug ins Nidwaldnische und von dort mit dem Auto den Berg hinauf bis nach Engelberg, wo sie ihren Sohn Beat gerne besucht. Er bekoche sie fürstlich, schwärmt sie. Fahren, das tue sie immer noch sehr gerne. Sie erinnert sich an einen Unfall an der Pilatusstrasse, in den 1960er-Jahren, bevor die Kreuzung mit Signalampeln gesichert war. Eine deutsche Fahrerin habe mit ihrem Mercedes ihr kleines, leichtes Auto gerammt, worauf dieses sich überschlagen habe und wieder auf den Pneus gelandet sei. Sie habe nach hinten zur Mutter geschaut und gefragt, wie es ihr gehe. Danach dasselbe ihren Mann Hermann nebenan auf dem Beifahrersitz. Beide versicherten ihr, ihnen fehle nichts, ausser ihre Brillen seien gebrochen. Sogar ihr geliebter Schäferhund blieb bei diesem «Abenteuer» unverletzt. Ein Wunder. Ein ganzes Jahr habe es gedauert, bis die deutsche Versicherung den Schaden beglichen habe. Auch ein Wunder. Immer in Bewegung

Martha Weber war schon immer eine unerschrockene Frau. Sie ist mit ihrem Mann, der in jungen Jahren passionierter Autorennfahrer war, viel geklettert. Gut und gerne in Österreich, etwa auf die «Mittlere Zinne». Kolossale Bergtouren gehörten nebst dem Skifahren zu den beliebtesten Beschäftigungen des unzertrennlichen Paars. Heute sagt ihr Arzt zu ihr, sie müsse viel laufen, immer wieder. Das macht sie. Täglich. Und sie steht den ganzen Tag, ist immer in Bewegung. Das sei wohl das Geheimnis, jung in Körper und Geist zu bleiben. Martha Weber hat mit 92 Jahren immer noch ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen: «Ich vergesse nichts!», sagt sie mit Nachdruck und könnte noch lange aus ihrem prallen Leben erzählen.


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DA BLEIBT DER MUND OFFEN Joseph Mallord William Turner in Luzern

Ab Juli zeigt das Kunstmuseum Luzern im KKL Luzern in einer spektakulären Ausstellung Bilder des britischen Ausnahmemalers William Turner. Zusammen mit den Werken des Künstlers geht das weltweit tätige Mundhygieneunternehmen Curaden auf eine Reise zum Vierwaldstättersee: Eine Sonderedition der erfolgreichen Zahnbürsten im Turner-Stil wird Sie staunen lassen.

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m 6. Juli wird das Kunstmuseum in Luzern die Ausstellung über William Turner eröffnen, pünktlich zum Geburtstag der Kunstgesellschaft Luzern, die 200 Jahre alt wird. Turner und die Zentralschweiz – das ist eine Liaison, die es in sich hat. Gleich sechsmal hatte der britische Ausnahmekünstler zwischen 1802 und 1844 die Schweiz bereist und dabei immer wieder Luzern als Ausgangspunkt seiner Entdeckungsfahrten genutzt. Auch 168 Jahre nach seinem Tod sind die Fans zahlreich und weltweit zu finden. Zu Recht, denn Turners Bilder wirken auch heute noch faszinierend modern.

Luzern arrangiert mit vielen Leihgaben der Londoner Tate Britain Gallery «Turner – das Meer und die Alpen», einen Ausflug in die nahe Realität. Sie sprechen beredt von Bergexkursionen und Schifffahrten, die der Künstler in seinen Skizzenbüchern festgehalten hat. Was man sieht, ist betörend und lässt sich in der Realität selber überprüfen. Die «blaue Rigi», die William Turner auf einem seiner berühmten Bilder festgehalten hat, ist keine Erfindung. Sie ist in ihrer ganzen farblichen und atmosphärischen Energie auf einer frühmorgendlichen Schifffahrt auch heute noch nachzuerleben.

Man sollte es selber testen

Genauso verhält es sich mit der TurnerSpezialkollektion, die Curaden pünktlich zum Start der Ausstellung auf den Markt bringen wird. Die farblich abgestimmten Kult-Zahnbürsten des weltweit tätigen Mundhygieneunternehmens aus Kriens werden ab Juli im Handel erhältlich sein (Doppelpack für CHF 19.90). Sie nehmen mit ihrer klassisch-eleganten Verpackung direkten Bezug auf William Turners Besuche in der Zentralschweiz. Das ist der Turner fürs Badezimmer zu Hause. «Turner – das Meer und die Alpen», 6. Juli bis 13. Oktober 2019 im Kunstmuseum Luzern, KKL Luzern. Online-Tickets sind erhältlich unter: kunstmuseumluzern.ch/besuch/ online-tickets Öffentliche Führungen: Di – Sa täglich um 17 Uhr, So um 11 Uhr Öffnungszeiten: Di – So 10 – 19 Uhr curaden.ch


KULTURTIPPS

THEATERTIPPS Das Luzerner Theater geht mit Vollgas in den Frühling. STADTSICHT gibt Tipps und schaut voraus:

TIPP 1

TIPP 2

TIPP 3

OPERETTE: Die Grossherzogin tritt auf Was machen Menschen, wenn sie nichts mit sich und der Welt anzufangen wissen? Sie spielen ein wenig Krieg, auf dem Feld, im Business, sie wollen gewinnen, Ruhm und Ehre erlangen, Einfluss haben. Mann oder Frau mehr? Einerlei. Die leichtfüssige Operette von Jacques Offenbach nimmt dieses allzu menschliche Gebaren auf die Schippe. Die Grossherzogin und ihr tumultöses Liebesleben trifft auf blinden Militarismus, die Jagd im Feld auf jene nach Liebe und Anerkennung. In Lennart Hantkes Inszenierung verwandelt sich das Luzerner Theater in den Hof der Gerolstein mit Marina Viotti als Grossherzogin und Robert Maszl als Soldat Fritz.

SCHAUSPIEL: Die Unscheinbaren Was scheint, und was ist? Was glauben wir zu wissen und was wissen wir wirklich? Franz von Strolchen nimmt uns mit in ein Stück, in dem Unscheinbares plötzlich ganz gewiss wird, wo Freunde Gauner und Kriminelle sonntagsschulbrav sind. Der Regisseur unterläuft in allen Fällen unsere Erwartungen und liefert zuverlässig das Überraschende. Wie im richtigen Leben. Denn wer weiss zum Beispiel schon, wie viele Vans täglich über die Seebrücke fahren (selbst die Verkehrszähler Luzerns wissen es nicht!) und was sie genau transportieren? Päckchen von grossen Handelsketten, bereit, zurückgesandt zu werden, oder unverkäufliches Hehlergut? Die Fantasie galoppiert. Mit ihr das Stück.

Spieldaten: 13./20./27.4./2./4./6./11./22.5./4./10./12.6.

Spieldaten: 17./18.4./3./10./12./15./16./18./21./23./

TANZABEND Im Crescendo zur Feier Crescendo, eine fortwährend zunehmende Lautstärke, ohne dabei das Malerische zu verlieren. Welches Wort würde besser zu den zehn Jahren Schaffen von Kathleen McNurney passen, die seit einer Dekade das Tanzensemble am Luzerner Theater verantwortet. Kathleen lädt mit ihrer Truppe – und mit vielen anderen – zu einer überraschenden Gala ein. Kurt Aeschbacher wird durch den Abend leiten, Kathleen zusammen mit Tanzdramaturgin Selina Beghetto moderieren und kommentieren. Tanz und Körper in Entwicklung zu sehen, Rückblicke auf zehn Jahre, das wird spannend. Neben Höhepunkten zeigen die Akteurinnen und Akteure Unangekündigtes. Ein Geburtstagsgeschenk soll auch nicht zu früh ausgepackt werden. Logisch.

25./26.5.

Spieldaten: 5./12.5./9.6.

Ab 13 Apr

Die Grossherzogin von Gérolstein 041 228 14 44 luzernertheater.ch

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Operette von Jacques Offenbach Inszenierung: Lennart Hantke

Mit dem Luzerner Sinfonieorchester Bühne ←

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THINK TANK SERIE

GOOD VIBE-RATIONS Das Luzerner Unternehmen Axon Vibe hilft mit, den öffentlichen Verkehr in New York zu optimieren. Die Metropolitan Transportation Authority (MTA) von New York City testet derzeit diese Schweizer Lösung. CEO Roman Oberli erhält mit seinem Unternehmen die Möglichkeit, die in der Schweiz entwickelten Konzepte in einem der weltweit grössten ÖV-Netze zu testen. TEXT ANGEL GONZALO

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ber der Stadt Luzern thront das Schlössli Schönegg. Das Gebäude entspricht dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts. Hinter der pittoresken Fassade jedoch entfaltet sich eine in die Zukunft gerichtete Geschäftigkeit. Hier werden digitale Konzepte und Prozesse erdacht, die das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Die Axon-Gruppe ist an diesem ausgewählt schönen Ort domiziliert, ebenso die Firma Axon Vibe. 2014 gegründet, beschäftigt das Start-up-Unternehmen bereits über hundert Mitarbeitende – darunter hoch qualifizierte und passionierte Softwareingenieure, Datenanalysten, Psychologen und Kommunikati-

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THINK TANK SERIE

onsspezialisten. Das von Roman Oberli geführte Unternehmen arbeitet an der nächsten Generation von Mobilitäts-Lösungen. Verschiedene Preise und Aufträge von grossen Transportunternehmen weltweit sind der Beleg für den bislang erzielten Fortschritt von Axon Vibe. Gegenwärtig startet das Unternehmen durch – auch in New York. Aus über 100 Bewerbern erkoren

In einem globalen Wettbewerb, an dem mehr als hundert Unternehmen teilnahmen, wählten MTA- und Tech-Sektor-Experten fünf Finalisten, darunter Axon Vibe mit ihrer Smart Mobility Platform für das achtwöchige Transit-Tech-Programm der New Yorker Verkehrsbetriebe aus. Die Absicht: Das Programm soll den Einfluss innovativer Technologien auf den öffentlichen Verkehr in New York einfach und effizient testen. Was dabei herauskommen soll, ist eindeutig formuliert. Am Ende des Innovationsprogramms gehen die besten Lösungen in eine enge Zusammenarbeit mit den New Yorker Betrieben. Axon Vibe hat die Jury mit ihrer Smart Mobility Platform überzeugt. Das Unternehmen zeigt auf, wie Verspätungen im U-Bahnnetz von New York besser vorhergesehen und wie die Auswirkungen einer Störung durch eine gezielte Information an die betroffenen Reisenden minimiert werden können. Analog zu einem Navigationssystem zeichnet das System die Positionen der Fahrgäste über deren Smartphones auf und erkennt dadurch Störungen – und das alles in Echtzeit, im Hier, sofort und jetzt. Durch eine frühzeitige Umlenkung von Passagierströmen können so risikoreiche Personenansammlungen minimiert und der Verkehrsfluss optimiert werden. Dies alles unter strenger Wahrung der Privatsphäre des Endbenutzers – eine wichtige Voraussetzung für die Juroren. Auch hier ist Axon Vibe spezialisiert und im weltweiten Wettbewerb vorne mit dabei. Ein multinationales Team

Luzern ist die Heimat, die Welt ist das Spielfeld. Deshalb arbeiten globale Teams aus verschiedenen Bereichen wie Software-Entwicklung und Datenverarbeitung in mehreren Ländern für Axon

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Vibe. Aktiv ist das Unternehmen auf diese Weise in der Schweiz, in Grossbritannien, den USA, Australien, Hongkong und in Vietnam mit eigenen Niederlassungen. Das Start-up Axon Vibe hat spannende Wachstumspläne und wirkt heute an konkreten Projekten im Bereich der digitalen Transformation. Das Unternehmen ist gut aufgestellt, weil es den Mut zur Innovation und das Credo der Muttergesellschaft verinnerlicht: Datenmengen aus verschiedenen Quellen intelligent miteinander zu vernetzen und zu verknüpfen. Ein echter «Transportintermediär»

Es ist nicht leicht zu beschreiben, was dieses Unternehmen tut. Versuchen wir es: Axon Vibe hat eine Anwendung entwickelt, die Nutzern Anweisungen und Optionen gibt, um den besten Weg zu finden, mit verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln von einem Ort zum anderen zu gelangen. Dadurch wird es für Transportunternehmen immer effizienter, die optimalen Transportmöglichkeiten zu bieten. Das Endergebnis heisst im Idealfall: weniger Überlastung, eine bessere Verwendung von Ressourcen und eine komfortablere Transporterfahrung. Axon Vibe gehört so zu einer neuen Klasse von Mobilitätsunternehmen, die auf Möglichkeiten auf bauen, welche durch die Vernetzung von Smartphones mit GPS entstehen. Das sind im Grunde «Transportintermediäre», weil sie mehrere Netzwerke miteinander verbinden und das Potenzial haben, die Transportlandschaft massgeblich zu verändern. Diese neue Klasse von Transportverbindern sind «Netzwerke bestehender Netzwerke». Einige haben bereits Zahltransaktionen für alle Verkehrsträger integriert. Die meisten bieten ihre Fähigkeiten auch hinter den Kulissen als Business-to-Business- oder Business-to-Government-Anwendung an. Dadurch geben sie den Verbrauchern eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sich nach Preis, Zeit und Erfahrung zu bewegen.


AXON UNTERNEHMEN – DIGITALE DEUTUNG UND VERMESSUNG DER WELT Kartografie. Die im Jahre 1991 von den Luzerner Brüdern Bruno und Stefan Muff gegründete Endoxon AG entwickelte in den Anfängen des Internethypes in den späten Neunzigerjahren eine wegweisende Mapping-Technologie. Aufgrund von Luftbildern und kartografischen Elementen erschuf sich das Unternehmen einen Ruf in der Welt der digitalen Umsetzung von geografischen Informationen. Google attestierte der agilen Endoxon einen technischen Vorsprung im Bereich der Veredelung digitaler Karten. Das Interesse des Internet-Riesen freute das aufstrebende Luzerner Unternehmen und ihre 75 Mitarbeitenden. Im Dezember 2006 wurde der Deal perfekt, die renommierte «Neue Zürcher Zeitung» titelte ungewohnt euphorisch: «Google setzt auf Schweizer Know-how».

Die Axon Active Gruppe hat seit Ihrer Gründung im Jahre 2008 diverse Firmen mit dem strategischen Fokus «digitale Transformation» aufgebaut. Heute sind über 750 Mitarbeitende weltweit tätig. Eigene Entwicklungs­ labore existieren in der Schweiz, den USA, England und in Vietnam. Axon Vibe ist Teil der Axon Active Gruppe mit Sitz in Luzern. Das Unternehmen schafft mit seinen technologischen Entwicklungen die Voraussetzungen für künftige Ökosysteme, die unter anderem zentral für Smart Cities von morgen bestimmt sind. Axon Vibes Geschäfte werden durch private und institutionelle Schweizer Investoren getragen, unter ihnen die führende Telekom-Unternehmung des Landes. Ihre Kompetenz im Bereich der Geo-Analyse stellten die Gründer des Unternehmens bereits früher unter Beweis. Die Ursprünge der Axon liegen in der digitalen

SBB ARBEITEN DAMIT existierenden Verkehrsprobleme von New York leisten können.» Er legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Technologie des Unternehmens nicht um blosse Absichten handelt. Sie sei bereits bei verschiedenen Unternehmen des öffentlichen Verkehrs im Einsatz. Erste Elemente davon sind auch in der Schweiz in der SBB Mobile Preview App verfügbar. (BA)

Roman Oberli, der CEO der Axon Vibe, ist in diesen Wochen unter Spannung und pendelt zwischen Luzern und New York hin und her. Sein Unternehmen ist mit dem Versuch in New York stark gefordert. Er selber sagt dazu: «Wir freuen uns auf die anspruchsvolle Herausforderung in einem der grössten Verkehrssysteme der Welt und sind überzeugt, dass wir mit unserer Technologie einen Beitrag zur Verbesserung der

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LEBENSLUST

STADT- UND LANDLEBEN

Wir blicken in jeder Ausgabe auf ausgewählte Veranstaltungen, zeigen Menschen aus der Zentral­ schweiz und feiern gerne mit. Wer möchte, kann seinen Event bei uns präsentieren.

Yves Segura (Präsident Monster-Guugger), Istvan Szmerits (zukünftiger Longines Boutique Manager), Daniele Cederna (aktueller Boutique Manager), Manuel Hunkeler und Dario Egger (Monster-Guugger).

LONGINES MACHT FASNACHT Uhren- und Schmuckverkäufer am Grendel sind nicht nur für auswärtige Touristen interessant. Das beweist der abtretende Direktor des Longines Boutique, Daniele Cederna, jedes Jahr: Wie stets am Samstag vor dem Fasnachtsstart hatten er, sein Team und die MonsterGuugger Bueri zum Stelldichein geladen. Cederna und Co. schenkten kostenlos Getränke für alle aus, die Guugger guuggten. Es war eine Freude. Fotos: BA Media Luzern

Selena Kammermann (Product Managerin Longines) hilft tatkräftig mit beim Ausschank.

Interessante Anlässe bitte melden bei Manuela Willimann: willimann@bamedia.ch

Der Einmarsch der Monster-Gugger aus Bueri.

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STELLDICHEIN DER MOBILEN

Gehören zur Subaru-Familie: dreifacher Schwingerkönig Jörg Abderhalden und die erfolgreiche Luzerner Sängerin Eliane Müller. Freunde fürs Leben: Ehemaliger Rennfahrer Jo Vonlanthen und Unternehmer Hans «Hausi» Leutenegger.

Ab 1. Mai neuer GF Subaru Schweiz Pascal Meyer mit Markenbotschafter Bernhard Russi.

Formel-1-Legende Alain Prost war sehr gefragt für Interviews.

Der Genfer Auto-Salon hat ab 7. März seine 89. Auflage erlebt. Bereits 1905 gegründet, ist die Messe heute eine der wichtigsten Fahrzeug- und Anbieterausstellerinnen der Welt, an der die Produzenten immer wieder Premieren wagen – und vor allem den Austausch mit der Kundschaft suchen, der in Zeiten des technologischen Umbruchs so wichtig ist wie selten zuvor. Auch dieses Jahr wieder präsentierten sich die Marken auf mehr als 100 000 Quadratmetern gedeckter Ausstellungsfläche und punkteten mit neuen Ideen. Wir waren unterwegs, haben uns die Konzepte und Brands zu Gemüte geführt und dabei so manche Namen und Gesichter angetroffen. Fotos: Manuela Willimann

Mundartsänger, Unternehmer und VW-Markenbotschafter Marc Trauffer – «dä mit de Chüeh».

Die SEAT-Ambassadoren: Luzerner Sänger Damian Lynn, Rennfahrer Fredy Barth, Sängerin und Rennfahrerin Marina Ortega, Model und Moderatorin Christa Rigozzi, Schauspieler Anatole Taubman und Snowboard-Olympiasieger Gian Simmen

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«SPORTMODUS. DAS WÄR’S.»

DIESEN WUNSCH ERFÜLLT IHNEN DIE STEINER GROUP AG IN LUZERN, KRIENS ODER BUOCHS.


ESSEN IN UND UM LUZERN

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11. April 2019 ab 18.30 Uhr

«Schön, dass wir uns wieder einmal begegnen», begrüsst mich der sympathische Daniele Apruzzese in seinem kleinen, aber feinen italienischen Ristorante, das sich notabene am 14. Dezember 2018 in «Mini Beiz, dini Beiz» den ersten Platz erkochte und mit der sprichwörtlichen Gastfreundschaft punktete. Die Reaktionen waren überwältigend! Ich lernte Daniele beim Philosophieren während des Genusses seiner Safranteig-Ravioli mit Kalbshaxenfüllung auf «Frühlings-Heubett» kennen. Diese hausgemachten Ravioli werden im Heusud (was einen besonderen Geschmack hinterlässt) sanft gekocht und al dente serviert. Himmlisch. Bei Produkten und ihrer Herkunft nimmt es Daniele sehr genau. Diese Ansicht allerdings geriet durch die Globalisierung leider etwas aus der Mode. Für Daniele ist Schinken nicht einfach Schinken. Sondern, wie der Prosciutto di Parma, der luftgetrocknete aus der

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Provinz Parma nordwestlich von Bologna die «Marke» der Region. Mit mildwürzigem Geschmack und rosaroter Farbe, feiner Fettmaserung und mürber Konsistenz. Und: Die geschützte Ursprungsbezeichnung ist durch das DOP-Siegel verbürgt. Also gehört das den Gästen erklärt, ohne dabei als Oberlehrer zu wirken. Und wenn Köche heute den traditionellen Risotto mit Passionsfrüchten verunstalten, ist das für Daniele ein absolutes No-go. Weiter schwärmt er vom «Bianchetto», dem weissen Trüffel aus dem Appennin, und vom originalen Parmigiano, welcher à la minute über die Pasta gerieben wird. Das, weil dieser Parmigiano nicht bloss geriebener Käse ist, sondern Qualität in Reinkultur. So garantiert das Angebot im «Daniele» Frische und Qualität für bewusste Geniesser.

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AUSSICHTEN

NASTY QUESTIONS Wer sich für die Zukunft vorbereiten will, stellt sich jenen heiklen Fragen, denen man in der Regel lieber ausweichen möchte, als sie zu beantworten. Unsere nicht abgeschlossene Liste der Nasty Questions:

Bleibt die Zeit bis 2040 stehen und ruckelt dann auf einen Schlag gewaltig weiter?

Wird das eigene Papier besser, wenn man als Stadt auf das Scheitern des Kantons hinweist?

Oder wie gedenkt man in der Stadt und Region auf die anhaltende Mobilitätsnachfrage von Pendlerinnen und Pendlern, Durchquerenden, Einwohnerinnen und Einwohnern, Touristen, Ausgehfreudigen, Shoppern usw. zu reagieren?

Wieso blickt diese Stadt bis zum Gemeinderand und auf die eigenen Interessen? Natürlich in der Digitalisierungsplanung, übrigens. Vielleicht, weil die Meinungen und Bedürfnisse zwischen den Nachbarn zu verschieden und zu mühsam zu bewältigen sind, und wenn, man von seinen Idealen abrücken müsste?

Was also ist bis 2040, bis zur Eröffnung der neuen Luzerner Mitte, konkret geplant?

Wie kann man auf die Idee kommen, dass alles OnlineVerhalten vor Gemeindegrenzen Halt macht?

Besteht Digitalisierung in der Tat nur darin, aus papiernen Dokumenten PDFs zu machen? Warum denkt die Stadtverwaltung nur bis zur eigenen Gebäudemauer und nicht darüber hinaus – wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht? Warum ist genau das auf jeder Seite der sogenannten Digitalstrategie des Stadtrats herauszulesen? Warum verpasst man mit dem angedachten Digitalisierungsplan die Chance, von den besten, interessantesten oder vielversprechendsten internationalen Vorbildern zu lernen? Warum richtet man sich lieber an dem auf diesem Gebiet ebenfalls fantasielosen Zürich aus und hält in erster Linie fest, was dort nicht gut geht? Warum sagen einige Parteien ja zu einer Digitalstrategie, die sie eigentlich aus Überzeugung nicht gut finden? Vielleicht, weil sie vor kantonalen Wahlen ihre eigenen Stadträte nicht desavouieren und keine Verluste an den Urnen riskieren?

Weshalb präsentiert die Stadt Luzern mit ihrem Selbst­ verständnis, eine eigene Welt zu sein, nicht wirklich eine für andere ebenfalls attraktive Digitalstrategie, der sich auch andere Gemeinden anschliessen können? Wäre dann der Antrag für Aufstockung von Personal gerechtfertigt? Gibt es keinen besseren Namen als Durchgangsbahnhof? Wer erfindet den ersten emotionalen Begriff – und ab wann ist das Projekt weniger technisch getrieben? Mit anderen Worten: Wann kommt der neue Plan für das Zentrum Luzerns in den Herzen an?

Lassen Sie uns über diese Sätze streiten! STADTSICHT geht den Fragen nach und sucht nach Antworten. In den kommenden Ausgaben beleuchten wir unter anderem die, in den oben stehenden Fragen angesprochenen Themen. Diskutieren können Sie ab sofort. Auf Facebook (stadtsicht.ch) oder per E-Mail direkt an uns: gonzalo@bamedia.ch oder affentranger@bamedia.ch

Interessiert es, warum der Kanton in der Digitalisierung bislang gescheitert ist – ist er das überhaupt?

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STADTSICHT 1/2019  

Was das urbane Zentrum der Zentralschweiz bewegt – was die Zentralschweiz bewegt. Das Magazin aus und über Luzern und die Zentralschweiz. Di...

STADTSICHT 1/2019  

Was das urbane Zentrum der Zentralschweiz bewegt – was die Zentralschweiz bewegt. Das Magazin aus und über Luzern und die Zentralschweiz. Di...

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