Page 18

[Baiersbronner Bierwanderung]

Genussvoll...

[Baiersbronner Bierwanderung] Das Zwickel wird vom Brauhauskeller aus direkt in Flaschen gefüllt und findet auf dem Brückchen oberhalb des liebevoll gepflegten Kurparks Klosterreichenbachs seinen Weg in die Gläser der Wanderer. Fröhlich klirren die Krüge zum Prost zusammen, während unten das Bächlein plätschert. Am Biotop Märtesweiher, ein grünes Idyll, erklärt Anja anhand einer Malztafel, die aussieht wie ein Rechenschieber, den Unterschied zwischen Gersten- und Weizenmalz und demonstriert deren verschiedene Röststufen. Danach teilt sie Hopfendolden aus. „Bitter“, lautet das Fazit und es scheint schwer vorstellbar, dass daraus jemals etwas so mildes werden kann wie das feinperlige Weizenbier, das zeitgleich verkostet wird. Das Geheimnis lautet: Zeit. Zeit, in der das Bier in der Flasche reifen und sein volles, fruchtiges Aroma ausbilden kann.

Los geht’s in Klosterreichenbach: Bevor der Weg in den Wald führt, lohnt ein Blick auf die alte Münsterkirche.

Die verschiedenen Röststufen des Malzes erklärt Anja Schneider anhand einer Malztafel. Auch ausgewiesene Bierkenner lernen hier noch was dazu.

Auf der Bierwanderung gibt es viel zu entdecken – rund um die Braukunst und um die Feriengemeinde Baiersbronn.

34

Der Weg führt tief hinein in den Wald zur Stoffelshütte, wo Anja und Hartmut das kastanienfarbige Kloster Dunkel ausschenken. Zaghafte erste Schlucke, erstaunte Mienen – statt dominant-süßer Malzigkeit und hohem Alkoholgehalt schmeckt das Dunkle unerwartet leicht und angenehm rund. „Früher war jedes Bier, von Dünnbier bis Doppelbock, Dunkelbier, weil man Malz über dem offenen Feuer röstete und erst im 18. Jahrhundert die Herstellung von hellem Malz bekannt wurde. Die Farbe hat also nichts mit dem Alkoholgehalt zu tun, sondern ist abhängig von der Malzart“, erklärt Hartmut, während er Körbchen mit dicken Scheiben Bauernbrot und gerauchten Schwarzwürsten verteilt. Dazu gibt es feinen Bier-Senf aus der Klosterküche. Als genussvolle Stille eintritt, zückt Anja ein kleines Büchlein und beginnt zu lesen: „Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen“, hebt sie an – der Anfang des Baiersbronner Hauff-Märchens „Das kalte Herz“.

An der Klosterquelle heißt's "Ein Hoch auf das gute Schwarzwaldwasser" – und darauf, was für ein feines Stöffchen sich daraus brauen lässt ...

Baiersbronn genießen

Obergärig: Gebraut mit Hefe, die oben schwimmt. Gärt bei Umgebungstemperatur von 15 bis 20° C. Beispiel: Weizen Untergärig: Gebraut mit Hefe, die sich unten absetzt. Benötigt für die Gärung kühle Temperaturen zwischen 4 bis 9 ° C. Beispiel: Pils

Schritt für Schritt führt der Weg nun wieder zurück. Einige nutzen die Gelegenheit zum Bierfachsimpeln mit Anja und Hartmut, andere genießen den Pfad durch den Wald zur lauschigen Klosterquelle. Dort kommen die beiden Bierguides auf das deutsche Reinheitsgebot von 1516 zu sprechen, nach dem nur mit Hopfen, Malz, reinem Wasser und Hefe Bier gebraut werden darf. Das hat sich bewährt – wenige, aber hervorragende Zutaten ergeben einen feinen Klosterstoff, so das Resümee. Das Wort „Stoff“ war früher Synonym für hochwertigen Alkohol. Na dann – mit zufriedenem Ploppen springen die Bügelflaschen auf und die Wanderer überzeugen sich selbst von Qualität und Vollmundigkeit des würzigen Märzenbieres. Nach gut vier Stunden und rund sechs Kilometern endet die Bierwanderung am Ausgangspunkt. Im Schatten der Münsterkirche zaubern Anja und Hartmut zum Abschied noch den Kleinen Mönch hervor. Das weiche Mildbier mit feiner Malz-Karamell-Note gibt es pur oder gemischt mit Zitronen- oder Heidelbeerlimonade, so dass jeder ganz nach seinem Geschmack die Bierwanderung abrunden kann.

[Kleine Bierkunde]

Mitten im tiefen Wald, an der Stoffelshütte, wird es dunkel im Glas und im Anschluss geht manchem ein Licht auf.

Stammwürze: Anteil der nicht flüchtigen Stoffe (Eiweiß, Malzzucker, Vitamine, Aromastoffe), die aus Malz und Hopfen vor dem Gären gelöst wurden. Dünnbier: Stammwürze 6 Prozent Schankbier: Stammwürze 7-11 Prozent Vollbier: Stammwürze 11-14 Prozent Starkbier: Stammwürze ab 16 Prozent Zwickel: Kleiner Auslaufhahn an Gär- und Lagertanks zum Zapfen von Proben

Hübsch, aber bitter – Hopfendolden pur sind noch kein geschmacklicher Höhenflug. Aber es kann etwas Prickelndes daraus werden, zum Beispiel ein fruchtiges Weizenbier.

Urlaubsmagazin 2014

Reinheitsgebot: Erlass von 1516, dass Bier in Deutschland rein aus Malz, Wasser und Hopfen gebraut werden darf, später kam die Hefe noch dazu.

35

Baiersbronn genießen 2014  
Baiersbronn genießen 2014  

Urlaubsmagazin 2014 der Feriengemeinde Baiersbronn mit Informationen rund um die Themen Wandern, Familienurlaub, Essen & Trinken, Pauschalan...

Advertisement