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JAHRESBERICHT 2017

Artikel 5 GRUNDGESETZ DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND


Artikel 5 GRUNDGESETZ DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.


Wer macht Meinung? Wem können wir Glauben schenken? Wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit? In Zeiten, in denen eine ungehinderte Meinungsäußerung und die Pressefreiheit auch in Europa immer mehr bedroht sind, ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wie es um eines der wichtigsten Güter unserer Demokratie bestellt ist. Die Meinungsfreiheit ist in Artikel 5 unseres Grundgesetzes verankert und Leitmotiv dieses Jahresberichts. Unsere Verfassung regelt neben dem Recht auf freie Meinungsäußerung auch die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre. Unverzichtbare Grundsätze, damit Institutionen wie unsere ihr Wirken entfalten können. Als unabhängige und überparteiliche Stiftung sind wir in besonderem Maße den Menschen in Baden-Württemberg verpflichtet. Gemeinsam mit ihnen gestalten wir unser Zusammenleben und die Zukunft unseres Landes. In der Forschung, in der Bildung, in Gesellschaft und Kultur. Mit einem klaren Auftrag und mit einer klaren Haltung: Wir denken weiter. Wir denken vor. Wir stiften Zukunft.

VORWORT


INHALT

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

004

Christoph Dahl

MEINE MEINUNG

005

SAG DEINE MEINUNG! 31 FRAGEN ZUR MEINUNGSFREIHEIT

070

Christoph Dahl

BERICHT DES GESCHÄFTSFÜHRERS

071

Reiner Moser

BERICHT DES GESCHÄFTSFÜHRERS IM VERMÖGENSBEREICH

072

ENGAGEMENT FÜR ZUKUNFT UND HEIMAT

075

AKTIVITÄTEN 076

FORSCHUNG


INHALT

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

102

BILDUNG

146

MITARBEITER

149

RÜCKBLICK VERANSTALTUNGEN 2017

151

ABSCHLUSS DER TRILOGIE

126

GESELLSCHAFT & KULTUR

153

BILANZ 154

ZAHLENTEIL

160

LAGEBERICHT FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2017

163

ANHANG FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2017

169

BESTÄTIGUNGSVERMERK DES ABSCHLUSSPRÜFERS

170

SCHRIFTENREIHE DER BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG

176

IMPRESSUM


STATEMENT

004

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

Meine Meinung Bild Dir Deine Meinung – der Werbespruch der größten deutschen Boulevardzeitung ist eingängig, der geforderte Vorgang leichter getextet, geschrieben oder gesagt als getan. Unsere Verfassung, das Grundgesetz, gewährleistet das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Dafür ist es zunächst notwendig, sich eine Meinung zu bilden. Denn: Wer keine Meinung hat, wird auch dieses fundamentale demokratische Recht nicht in Anspruch nehmen. Weiter wird in Artikel 5 garantiert, dass sich jeder aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert unterrichten kann. Diese Quellen stehen in unserem demokratischen Rechtsstaat wie selbstverständlich zur Verfügung oder sie sind zumindest gegen eine Gebühr nutzbar. Eine gewisse Anstrengung kann man aber auch dem verwöhnten Staatsbürger nicht ersparen: die Inanspruchnahme der Massenmedien, also die Lektüre von Zeitungen in Papierform oder online, das Hören oder Sehen von Hörfunk und Fernsehen – staatlich oder privat – oder das »Mitwirken« in den sozialen Netzwerken. Im Vorteil sind klar diejenigen, die für diese intellektuelle Leistung ein Rüstzeug in Form von Bildung von zu Hause und aus der Schule mitbringen. Man sollte lesen können, man sollte einordnen und gewichten können, man sollte verstehen, wie ein demokratischer Staat mit Gewaltenteilung funktioniert. Das ist nicht zu viel verlangt. Denn es gibt nicht nur eine Bringschuld des Staates, sondern auch eine Holschuld der Bürger. Staatliche Meinungsfürsorge kann es nicht geben. Seinen Verstand muss der Bürger schon selbst einschalten und nutzen. Seit der Aufklärung weiß man: Wer sich nicht seines eigenen Verstandes bedient, macht sich unmündig und wird Opfer fremder Beeinflussung. Der pluralistische Rechtsstaat bietet nicht nur den Luxus, sich aus unterschiedlichsten Medien informieren zu können. Der Bürger kann dann auch ungestört, moderat oder auch bis zur Schmerzgrenze radikal, seine Meinung vertreten, strittige Debatten führen, für Ideen werben oder sich für eine politische Partei einsetzen – verbal oder als Funktionsträger. Das bedeutet, dass man sich regen, sich interessieren, sich artikulieren muss, um etwas für die eigenen Interessen im demokratischen Streit zu erreichen. Dazu gehört aber auch die Einsicht, dass man Kompromisse schließen muss. »Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.« Diese Binsenweisheit hat ein bedeutender Demokrat, Winston Churchill, formuliert. Er konnte auch eine nüchterne

Einschätzung von Volkes Stimme eher zynisch auf den Punkt bringen und damit eine Lanze für die repräsentative Demokratie brechen: »Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit dem durchschnittlichen Wähler.« Was als Luxus erscheint, also die zumindest scheinbar ungefilterte Informationsfülle im Internet und in den sozialen Medien, hat auch eine Kehrseite. Was in Redaktionen an Informationen von Print- und elektronischen Medien durch im Idealfall gut ausgebildete Redakteure recherchiert, ausgewählt und mit seriösen Quellen belegt wurde und wird, ist einigermaßen verlässlich. Was uns heute in den neuen Medien lawinenartig an richtigen und falschen Fakten überrollt, ist kaum kontrollierbar und immer öfter mit Meinungsfreiheit nicht mehr begründbar. Hier muss der Staat mit großem finanziellen und personellen Aufwand Grenzen ziehen, Demokratiefeinde im Netz abschalten und für die Einhaltung der Gesetze sorgen. Das muss uns die Demokratie wert sein. Wenn ich von scheinbar ungefilterter Informationsfülle schreibe, dann meine ich unter dem Stichwort Algorithmus den Einfluss der Softwarestruktur, die Informationen bewertet und aufbereitet, um bestimmte Inhalte oder Meinungen zu forcieren oder zu unterdrücken. Allerdings ohne dass dieser Prozess für den Anwender transparent wird. Wer über diese Mechanismen nichts weiß, wer sich durch die extensive Nutzung von sozialen Medien wie Facebook oder Twitter im wahrsten Sinne entblößt, der setzt sich Millionen von Nutzern ungeschützt aus, ohne auf die Folgen durch den möglichen Missbrauch dieser Daten zu achten. Die Baden-Württemberg Stiftung hat deshalb besonders mit Blick auf ihre vielen Programme für Jugendliche den Datenskandal von Facebook zum Anlass genommen, ihre Social-Media-Aktivitäten inhaltlich komplett auf das Thema Aufklärung und Information zum Datenschutz auszurichten. Für dieses ungewöhnliche Engagement haben wir viel Anerkennung und Zustimmung erfahren. Zum Teil haben wir aber auch feststellen müssen, dass oftmals Ignoranz und Bequemlichkeit überwiegen und das Handeln bestimmen. Es bleibt dabei: Nur wer sich informiert, wer diskutiert, wer sich eine Meinung bildet, dafür demokratisch wirbt, streitet, auch andere Meinungen gelten lässt und zum Kompromiss bereit ist, nutzt die unvergleichlich großen Chancen unserer freiheitlichen Demokratie, um die uns unzählige andere Völker beneiden.

Christoph Dahl Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung


TOLERANZ

FILTERBLASE

INFLUENCER HASHTAG

LIKE

SAG DEINE MEINUNG!

SUCHMASCHINENOPTIMIERUNG

SUCHEN CHATBOT

RESPEKT

HALTUNG

OFFENHEIT

LÖSCHEN

SOCIAL MEDIA

CROWD

INTERNET

SHITSTORM

BÜRGERTUM

DEMONSTRATION

VIRAL

DU

BELEIDIGUNG

GERÜCHT

TV

WAHL

DEMOKRATIE

JEIN

MEDIEN

NEUTRALITÄT

TABU YELLOW PRESS

ZEITUNGEN

MITMACHEN

KONTROLLE

ZENSUR

INFORMATION

ENTSCHEIDUNG

POLITIK

RECHT

ALTERNATIVE FAKTEN

ORDNUNG

RADIO VERBOT

GEFÜHLTE WAHRHEIT

GESETZE SCHUTZ

QUERDENKEN

PERSÖNLICHKEIT

ÜBERZEUGUNG

PRIVATSPHÄRE 31 Fragen zur Meinungsfreiheit

PFLICHT


STATEMENT

004

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

Meine Meinung Bild Dir Deine Meinung – der Werbespruch der größten deutschen Boulevardzeitung ist eingängig, der geforderte Vorgang leichter getextet, geschrieben oder gesagt als getan. Unsere Verfassung, das Grundgesetz, gewährleistet das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. Dafür ist es zunächst notwendig, sich eine Meinung zu bilden. Denn: Wer keine Meinung hat, wird auch dieses fundamentale demokratische Recht nicht in Anspruch nehmen. Weiter wird in Artikel 5 garantiert, dass sich jeder aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert unterrichten kann. Diese Quellen stehen in unserem demokratischen Rechtsstaat wie selbstverständlich zur Verfügung oder sie sind zumindest gegen eine Gebühr nutzbar. Eine gewisse Anstrengung kann man aber auch dem verwöhnten Staatsbürger nicht ersparen: die Inanspruchnahme der Massenmedien, also die Lektüre von Zeitungen in Papierform oder online, das Hören oder Sehen von Hörfunk und Fernsehen – staatlich oder privat – oder das »Mitwirken« in den sozialen Netzwerken. Im Vorteil sind klar diejenigen, die für diese intellektuelle Leistung ein Rüstzeug in Form von Bildung von zu Hause und aus der Schule mitbringen. Man sollte lesen können, man sollte einordnen und gewichten können, man sollte verstehen, wie ein demokratischer Staat mit Gewaltenteilung funktioniert. Das ist nicht zu viel verlangt. Denn es gibt nicht nur eine Bringschuld des Staates, sondern auch eine Holschuld der Bürger. Staatliche Meinungsfürsorge kann es nicht geben. Seinen Verstand muss der Bürger schon selbst einschalten und nutzen. Seit der Aufklärung weiß man: Wer sich nicht seines eigenen Verstandes bedient, macht sich unmündig und wird Opfer fremder Beeinflussung. Der pluralistische Rechtsstaat bietet nicht nur den Luxus, sich aus unterschiedlichsten Medien informieren zu können. Der Bürger kann dann auch ungestört, moderat oder auch bis zur Schmerzgrenze radikal, seine Meinung vertreten, strittige Debatten führen, für Ideen werben oder sich für eine politische Partei einsetzen – verbal oder als Funktionsträger. Das bedeutet, dass man sich regen, sich interessieren, sich artikulieren muss, um etwas für die eigenen Interessen im demokratischen Streit zu erreichen. Dazu gehört aber auch die Einsicht, dass man Kompromisse schließen muss. »Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.« Diese Binsenweisheit hat ein bedeutender Demokrat, Winston Churchill, formuliert. Er konnte auch eine nüchterne

Einschätzung von Volkes Stimme eher zynisch auf den Punkt bringen und damit eine Lanze für die repräsentative Demokratie brechen: »Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit dem durchschnittlichen Wähler.« Was als Luxus erscheint, also die zumindest scheinbar ungefilterte Informationsfülle im Internet und in den sozialen Medien, hat auch eine Kehrseite. Was in Redaktionen an Informationen von Print- und elektronischen Medien durch im Idealfall gut ausgebildete Redakteure recherchiert, ausgewählt und mit seriösen Quellen belegt wurde und wird, ist einigermaßen verlässlich. Was uns heute in den neuen Medien lawinenartig an richtigen und falschen Fakten überrollt, ist kaum kontrollierbar und immer öfter mit Meinungsfreiheit nicht mehr begründbar. Hier muss der Staat mit großem finanziellen und personellen Aufwand Grenzen ziehen, Demokratiefeinde im Netz abschalten und für die Einhaltung der Gesetze sorgen. Das muss uns die Demokratie wert sein. Wenn ich von scheinbar ungefilterter Informationsfülle schreibe, dann meine ich unter dem Stichwort Algorithmus den Einfluss der Softwarestruktur, die Informationen bewertet und aufbereitet, um bestimmte Inhalte oder Meinungen zu forcieren oder zu unterdrücken. Allerdings ohne dass dieser Prozess für den Anwender transparent wird. Wer über diese Mechanismen nichts weiß, wer sich durch die extensive Nutzung von sozialen Medien wie Facebook oder Twitter im wahrsten Sinne entblößt, der setzt sich Millionen von Nutzern ungeschützt aus, ohne auf die Folgen durch den möglichen Missbrauch dieser Daten zu achten. Die Baden-Württemberg Stiftung hat deshalb besonders mit Blick auf ihre vielen Programme für Jugendliche den Datenskandal von Facebook zum Anlass genommen, ihre Social-Media-Aktivitäten inhaltlich komplett auf das Thema Aufklärung und Information zum Datenschutz auszurichten. Für dieses ungewöhnliche Engagement haben wir viel Anerkennung und Zustimmung erfahren. Zum Teil haben wir aber auch feststellen müssen, dass oftmals Ignoranz und Bequemlichkeit überwiegen und das Handeln bestimmen. Es bleibt dabei: Nur wer sich informiert, wer diskutiert, wer sich eine Meinung bildet, dafür demokratisch wirbt, streitet, auch andere Meinungen gelten lässt und zum Kompromiss bereit ist, nutzt die unvergleichlich großen Chancen unserer freiheitlichen Demokratie, um die uns unzählige andere Völker beneiden.

Christoph Dahl Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung


SUCHMASCHINENOPTIMIERUNG

TOLERANZ

HASHTAG

LIKE

JA

FILTERBLASE

INFLUENCER

RESPEKT

HALTUNG

OFFENHEIT

SUCHEN

Übertrage deine Antworten!

CHATBOT LÖSCHEN

SOCIAL MEDIA

CROWD

BÜRGERTUM

INTERNET

SHITSTORM

DEMONSTRATION

MITMACHEN

DU

BELEIDIGUNG

GERÜCHT

TV

WAHL DEMOKRATIE

JEIN

MEDIEN

NEUTRALITÄT TABU

YELLOW PRESS

ZEITUNGEN

ENTSCHEIDUNG

KONTROLLE

ZENSUR

INFORMATION

POLITIK

RECHT

ALTERNATIVE FAKTEN

ORDNUNG

RADIO VERBOT

GEFÜHLTE WAHRHEIT

GESETZE SCHUTZ

QUERDENKEN

PERSÖNLICHKEIT

ÜBERZEUGUNG

PFLICHT

DEINE AUFLÖSUNG

VIRAL

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B

D

Zähle die Buchstaben! Wenn mehrere Buchstaben zu einer Antwort gehören, zählen alle Buchstaben.

PRIVATSPHÄRE

SUMME A

SUMME B

SUMME C

SUMME D


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

ALTERNATIVE FAKTEN

A – Können Fakten alternativ sein? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Alternative Fakten sind eine Bezeichnung für verschleierte Falschbehauptungen. Dabei wird die Realitätsdarstellung so weit verbogen, dass sie dem eigenen Standpunkt im öffentlichen Diskurs dienlich ist.

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mist

fresse

blod

sack

flach

mann

dreck

nelke

stink

dachs

arsch

kerl

hack

zange

piss

geige

frech

stiefel


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BELEIDIGUNG

B – Sind wir zu nett zueinander? JA NEIN WILLST DU STRESS, ALTE(R)?

Eine Beleidigung bezeichnet das Kundgeben von geringschätzenden und herabwürdigenden Äußerungen einer anderen Person gegenüber mit dem Ziel, diese zu kränken.

SAG DEINE MEINUNG! A — Z


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

CROWD

C1 – Ist die Crowd intelligent? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Unter Crowd versteht man eine große Anzahl von Individuen ohne erkennbare Führung, die vor allem im digitalen Raum miteinander interagiert und als Zuhörerschaft für verschiedene Themen dient.

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ldigt Entschu urz mich k ...


what is the purpose of life? to serve the greater good what is the purpose of living? to live forever what is the purpose of existence? to ďŹ nd out what happens when we get to the planet Earth


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CHATBOT

SAG DEINE MEINUNG! A — Z

C2 – Wissen Chatbots mehr als wir? JA NEIN DAS HABE ICH NICHT VERSTANDEN.

Intelligente Dialogsysteme mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten textueller oder auditiver Art nennt man Chatbots. Diese ermöglichen eine Interaktion mit einer Maschine, die einer natürlichen Kommunikation nachempfunden ist.


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

DEMONSTRATION

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D – Müssen wir erst laut werden? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Mit einer Demonstration ist im politischen Sinne eine öffentliche Versammlung von Menschen mit gleichen Ansichten gemeint, die damit Aufmerksamkeit und Interesse für ein bestimmtes Thema wecken will.


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WIE SOLL ICH MICH ENTSCHEIDEN? Wei t du, wo du im Leben grundsatzlich hinwillst? NA KLAR!

HM, NEE.

Geht es um Leben und Tod?

MACH' EIN SABBATICAL. ES IST ECHT WICHTIG.

NEE, ALLES EASY. WIRF EINE MUNZE.

Hast du genug Informationen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen?

EIGENTLICH NICHT. ICH BIN ZIEMLICH INFORMIERT. FRAGE JEMAND SCHLAUEN. Konntest du mit dem Worst-Case-Szenario leben?

ES WARE DER UNTERGANG!

ICH DENKE, DOCH.

HOR' AUF DEINEN BAUCH!

MACH' EINE PRO-CONTRA-LISTE.


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ENTSCHEIDUNG

SAG DEINE MEINUNG! A — Z

E – Sind Entscheidungen grundsätzlich einfach? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Wenn man aus mindestens zwei Handlungsalternativen, unter Berücksichtigung vorbestimmter Ziele, eine Wahl zu treffen versucht, nennt man das Entscheidung.


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

FILTERBLASE

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F – Spürst du die Filterblase? JA NEIN ICH SEHE, WAS ICH SEHEN WILL.

Die Filterblase beschreibt die durch Nutzerverhalten (beispielsweise Standort des Benutzers, Suchhistorie und Klickverhalten) generierte selektive Auswahl von Informationen auf Webseiten oder in sozialen Medien.


stuttgart ist stuttgart ist viel schÜner als berlin stuttgart ist hässlich stuttgart ist die stressfreieste stadt der welt stuttgart ist ne schÜne stadt da muss man sich benehmen stuttgart ist und bleibt bunt stuttgart ist die hauptstadt von stuttgart ist ganz chor stuttgart ist stuttgart ist bunt stuttgart ist langweilig


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GEFÜHLTE WAHRHEIT

SAG DEINE MEINUNG! A — Z

G1 – Ist die gefühlte Wahrheit wahr? JA NEIN IN VINO VERITAS.

Die gefühlte Wahrheit ist eine subjektive Realitätswahrnehmung. Sie hat keinen belegbaren Hintergrund, sondern beruht auf einer von Gefühlen, Vermutungen und Gerüchten geleiteten Überzeugung zu einer Thematik.


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

GERÜCHT

G2 – Ist was dran an Gerüchten? JA NEIN ALLES LÜGE!

Bei einer Nachricht, die von großem Interesse ist, sich schnell verbreitet und deren Wahrheitsgehalt zweifelhaft ist, spricht man von einem Gerücht.

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TOP 100 Instagram Hashtags

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HASHTAG

H – Sind Hashtags Zeitgeist? JA NEIN #BWSTIFTUNG

Als Hashtag bezeichnet man ein Schlagwort, welches von einem vorangehenden Rautezeichen begleitet wird. Es wird in den sozialen Netzwerken verwendet, um damit Inhalte zu markieren und als Suchbegriff wieder auffindbar zu machen.

SAG DEINE MEINUNG! A — Z


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

INFLUENCER

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

I – Lassen wir uns beeinflussen? JA NEIN KANN MAN GÄNZLICH UNBEEINFLUSST SEIN?

Mit der Bezeichnung Influencer sind Personen gemeint, die durch ihre ausgeprägte Präsenz in den sozialen Netzwerken und ihr hohes Ansehen die Möglichkeit haben, viele Menschen zu erreichen und zu beeinflussen.


INSTAGRAM VS. REAL LIFE


JEIN

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

J – Ist Jein-Sagen ok? JA NEIN JEIN

Das Wort Jein ist eine Kreuzung der Wörter Ja und Nein. Es drückt Unentschlossenheit aus und wird meist gebraucht, wenn eine Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann.

SAG DEINE MEINUNG! A — Z


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

KONTROLLE

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

K – Brauchen wir Kontrolle? JA NEIN MANCHMAL

Die vermeintliche Macht über jemanden oder etwas, die mit Hilfe von strenger Überwachung ermöglicht wird, nennt man Kontrolle.


Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetz - NetzDG)

§ 1 Anwendungsbereich (1) Dieses Gesetz gilt für Telemediendiensteanbieter, die mit Gewinnerzielungsabsicht Plattformen im Internet betreiben, die dazu bestimmt sind, dass Nutzer beliebige Inhalte mit anderen Nutzern teilen oder der Öffentlichkeit zugänglich machen (soziale Netzwerke). 2Plattformen mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, die vom Diensteanbieter selbst verantwortet werden, gelten nicht als soziale Netzwerke im Sinne dieses Gesetzes. Das Gleiche gilt für Plattformen, die zur Individualkommunikation oder zur Verbreitung spezifischer Inhalte bestimmt sind.

4. im Falle der Entfernung den Inhalt zu Beweiszwecken sichert und zu diesem Zweck für die Dauer von zehn Wochen innerhalb des Geltungsbereichs der Richtlinien 2000/31/EG und 2010/13/EU speichert, 5. den Beschwerdeführer und den Nutzer über jede Entscheidung unverzüglich informiert und seine Entscheidung ihnen gegenüber begründet. (3) Das Verfahren muss vorsehen, dass jede Beschwerde und die zu ihrer Abhilfe getroffene Maßnahme innerhalb des Geltungsbereichs der Richtlinien 2000/31/EG und 2010/13/ EU dokumentiert wird.

(3) Rechtswidrige Inhalte sind Inhalte im Sinne des Absatzes 1, die den Tatbestand der §§ 86, 86a, 89a, 91, 100a, 111, 126, 129 bis 129b, 130, 131, 140, 166, 184b in Verbindung mit 184d, 185 bis 187, 201a, 241 oder 269 des Strafgesetzbuchs erfüllen und nicht gerechtfertigt sind.

(4) Der Umgang mit Beschwerden muss von der Leitung des sozialen Netzwerks durch monatliche Kontrollen überwacht werden. Organisatorische Unzulänglichkeiten im Umgang mit eingegangenen Beschwerden müssen unverzüglich beseitigt werden. 3Den mit der Bearbeitung von Beschwerden beauftragten Personen müssen von der Leitung des sozialen Netzwerks regelmäßig, mindestens aber halbjährlich deutschsprachige Schulungs- und Betreuungsangebote gemacht werden.

§ 3 Umgang mit Beschwerden über rechtswidrige Inhalte

(5) Die Verfahren nach Absatz 1 können durch eine von der in § 4 genannten Verwaltungsbehörde beauftragten Stelle überwacht werden.

(2) Der Anbieter eines sozialen Netzwerks ist von den Pflichten nach den §§ 2 und 3 befreit, wenn das soziale Netzwerk im Inland weniger als zwei Millionen registrierte Nutzer hat.

(1) Der Anbieter eines sozialen Netzwerks muss ein wirksames und transparentes Verfahren nach Absatz 2 und 3 für den Umgang mit Beschwerden über rechtswidrige Inhalte vorhalten. 2Der Anbieter muss Nutzern ein leicht erkennbares, unmittelbar erreichbares und ständig verfügbares Verfahren zur Übermittlung von Beschwerden über rechtswidrige Inhalte zur Verfügung stellen. (2) Das Verfahren muss gewährleisten, dass der Anbieter des sozialen Netzwerks 1. unverzüglich von der Beschwerde Kenntnis nimmt und prüft, ob der in der Beschwerde gemeldete Inhalt rechtswidrig und zu entfernen oder der Zugang zu ihm zu sperren ist, 2. einen offensichtlich rechtswidrigen Inhalt innerhalb von 24 Stunden nach Eingang der Beschwerde entfernt oder den Zugang zu ihm sperrt; dies gilt nicht, wenn das soziale Netzwerk mit der zuständigen Strafverfolgungsbehörde einen längeren Zeitraum für die Löschung oder Sperrung des offensichtlich rechtswidrigen Inhalts vereinbart hat, 3. jeden rechtswidrigen Inhalt unverzüglich, in der Regel innerhalb von sieben Tagen nach Eingang der Beschwerde entfernt oder den Zugang zu ihm sperrt; die Frist von sieben Tagen kann überschritten werden, wenn a) die Entscheidung über die Rechtswidrigkeit des Inhalts von der Unwahrheit einer Tatsachenbehauptung oder erkennbar von anderen tatsächlichen Umständen abhängt; das soziale Netzwerk kann in diesen Fällen dem Nutzer vor der Entscheidung Gelegenheit zur Stellungnahme zu der Beschwerde geben, b) das soziale Netzwerk die Entscheidung über die Rechtswidrigkeit innerhalb von sieben Tagen nach Eingang der Beschwerde einer nach den Absätzen 6 bis 8 anerkannten Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung überträgt und sich deren Entscheidung unterwirft,

(6) Eine Einrichtung ist als Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung im Sinne dieses Gesetzes anzuerkennen, wenn 1. die Unabhängigkeit und Sachkunde ihrer Prüfer gewährleistet ist, 2. eine sachgerechte Ausstattung und zügige Prüfung innerhalb von sieben Tagen sichergestellt sind, 3. eine Verfahrensordnung besteht, die den Umfang und Ablauf der Prüfung sowie Vorlagepf lichten der angeschlossenen sozialen Netzwerke regelt und die Möglichkeit der Überprüfung von Entscheidungen vorsieht, 4. eine Beschwerdestelle eingerichtet ist und 5. die Einrichtung von mehreren Anbietern sozialer Netzwerke oder Institutionen getragen wird, die eine sachgerechte Ausstattung sicherstellen. 2Außerdem muss sie für den Beitritt weiterer Anbieter insbesondere sozialer Netzwerke offenstehen. (7) Die Entscheidung über die Anerkennung einer Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung trifft die in § 4 genannte Verwaltungsbehörde. (8) Die Anerkennung kann ganz oder teilweise widerrufen oder mit Nebenbestimmungen versehen werden, wenn Voraussetzungen für die Anerkennung nachträglich entfallen sind. (9) Die Verwaltungsbehörde nach § 4 kann auch bestimmen, dass für einen Anbieter von sozialen Netzwerken die Möglichkeit zur Übertragung von Entscheidungen nach Absatz 2 Nummer 3 Buchstabe b für einen zeitlich befristeten Zeitraum entfällt, wenn zu erwarten ist, dass bei diesem Anbieter die Erfüllung der Pflichten des Absatzes 2 Nummer 3 durch einen Anschluss an die Regulierte Selbstregulierung nicht gewährleistet wird.


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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

LIKE

L – Sind Likes gut? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Nutzer sozialer Netzwerke verwenden den Like, um ihre positive Reaktion auf eine bestimmte Thematik öffentlich zu demonstrieren. Der Like bringt Gefallen zum Ausdruck.

SAG DEINE MEINUNG! A — Z


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

MEDIEN

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

M1 – Sollen Medien populistisch sein? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Medien sind Kommunikationsmittel zur Verbreitung von Inhalten in der Öffentlichkeit. Weitverbreitete Medien sind Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Flugblätter, aber auch elektronische Medien wie Fernsehen und Online-Dienste.


Das wird man ja noch sagen dürfen!

Ich habe nichts zu verbergen.

#Varoufake

Ich hab’ nichts gegen Ausländer, aber ...

SexMob

TEURO

Willkommenskultur

Lügenpresse

MainstreamMedien

... wir gehen ja auch zum Italiener.

Nazikeule

Endlich einer, der die Wahrheit ausspricht.

Wutbürger

DER KLEINE MANN

Asylflut

Höchststeuersatz

GUTMENSCHEN

Trumpoganda

Pleitegeier

Ampelweibchen

Islamisierung des Abendlands

Merkelizer

Dienstleistungsschmarotzer

bildungsfern

Brexodus

Helikoptereltern

Mietnomade

LetzterWillePille

Chantalismus

OfflineEremit


sehr frei

nicht frei

PRESSEFREIHEIT WELTWEIT 2017


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

MEINUNG

M2 – Ist frei gleich frei? JA NEIN FREIHEIT IST EIN GROSSES WORT ...

Eine bestimmte Haltung zu einem Thema, angeeignet durch Glauben oder Wissen, wird als Meinung bezeichnet. Es gibt eine persönliche und eine öffentliche Meinung.

SAG DEINE MEINUNG! A — Z


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

NEUTRALITÄT

N – Ist Neutralität gut? JA NEIN NEUTRAL

Neutral bedeutet wörtlich übersetzt „keines von beiden“. Der Begriff Neutralität wird im Allgemeinen verwendet, um einen vollständig unabhängigen, unparteiischen und ausgewogenen Zustand zu beschreiben.

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neu·t·ral [nɔɪ ̯ˈtʀaːl], VON LATEINISCH NEUTRĀLIS,

Adjektiv, Positiv: neutral, Komparativ: neutraler, Superlativ: am neutralsten, Bedeutungen: 1. unparteiisch, unvoreingenommen 2. Physik: (kein Singular) elektrisch ungeladen 3. Chemie: (kein Singular) weder sauer noch basisch, pH-Wert sieben 4. Mechanik: (kein Singular) mit keiner Größe (Kraft, Moment, …) beaufschlagt 5. Grammatik: (kein Singular) sächlichen Geschlechts, Abkürzungen: neutr., n., Synonyme: 1. unparteiisch, unvoreingenommen 2. entladen, ungeladen 3. ausgeglichen 4. ausgewogen, entspannt 5. sächlich Gegenwörter: 1. parteiisch, 2. positiv, negativ, 3. sauer, basisch oder alkalisch, 4. belastet, 5. maskulin, feminin, Beispiele: 1. Er ist ein neutraler Beobachter., 2. Neutronen sind elektrisch neutrale Teilchen., 3. Destilliertes Wasser ist eine neutrale Lösung., 4. ein neutrales Bauteil, 5. die neutrale Form eines Adjektivs, Redewendungen: sich neutral halten, Charakteristische Wortkombinationen: neutraler Standpunkt, neutrale Mutation, neutraler Schiedsrichter, Wortbildungen: Neutralisation, neutralisieren, Neutralität, Neutron, Neutrinoauf kommensneutral, CO2-neutral, klimaneutral, planstellenneutral


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OFFENHEIT

SAG DEINE MEINUNG! A — Z

O – Sind wir bereit für schonungslose Offenheit? JA NEIN JE NACHDEM

Offenheit ist die Eigenschaft, sich vorbehaltlos und unvoreingenommen mit etwas oder jemandem zu beschäftigen. Offene Menschen zeichnen sich durch eine freimütige Wesensart und Aufgeschlossenheit aus.


SAG DEINE MEINUNG! A — Z

PRIVATSPHÄRE

P – Hast du etwas zu verbergen? JA NEIN DAS IST PRIVAT.

Privatsphäre ist ein Bereich, der jeder Person vollkommen frei von äußeren Einflüssen eine freie Entfaltung ermöglicht. Das Recht auf Privatsphäre ist ein Menschenrecht.

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1 An der Linie entlang ausschneiden. 2 An den gestrichelten Linien falten. 3 Die schraffierten Klappen an die kurze Seite des Balkens kleben. 4 Privatsphäre genieĂ&#x;en!


Q B V E R H U N Z T A R S A W U S D C

Ä M O P S F I D E L Z P C O S S E S H

L V F S C H E L M I S C H J Y H X P A

R E G S H X T P T K B T M B T A F I R

K R L D N T S K L I D V U H Z A N L F

M M W E O K C Ü N Ö E Q D N G R Q L Z

U A A X D M H U O J P Z D I U S A E Ü

N L N C D L V H P C P W E K Y P P R N

D E K W R W E S C W E U L C S A F I G

F D E I I Y R I U I R R I I T L G G L

E E L R G M G A R S T I G S V T M V E

R I M R B V N T M Y V X K L I E O Y R

T T Ü K K N Ü Q S H D R H M Ä R E B I

I H T Ö Ü T G J Ä G O X T W H I L D S

G U I P A Y T R N K E S G D W S K A C

A O G F S A U E R T Ö P F I S C H C H

N F J I Z P U E F G Ü Y F E X H J B D

B X O G Ö W V G I R H O Z T I L H C S

D E P P E R T F L A P S I G G A R S T I G H A A R S PA LT E R I S C H SCHELMISCH SCHLITZOHRIG SCHMUDDELIG

A E P Z Ü X Q K J Y X H I Q B R Ö C S

VERHUNZT MOPSFIDEL MUNDFERTIG QUIETSCHVERGNÜGT SAUERTÖPFISCH SCHARFZÜNGLERISCH SCHNODDRIG SPILLERIG ULKIG VERKORKST VERMALEDEIT WANKELMÜTIG WIRRKÖPFIG


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QUERDENKEN

Q – Ist Querdenken schwer? JA NEIN EHCASSTHCISNA

Querdenken ist eine Denkmethode, die mithilfe verschiedener Kreativtechniken zur Lösung von Problemen oder zur Ideenfindung eingesetzt werden kann.

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RESPEKT

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R – Brauchen wir mehr Toleranz? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Respekt ist ein Wort, das eine Form der besonderen Achtung, Bewunderung und Wertschätzung gegenüber einem anderen Lebewesen beschreibt.


NICHTS BEDECKT AUSSER DEN AUGEN , WAS F ÜR EINE GRAUSAME , MÄNNERDOMINIERTE WELT.

ALLES VERHÜLLT AUSSER DEN AUGEN , WAS F ÜR EINE GRAUSAME , MÄNNERDOMINIERTE WELT.


DIE SEO-ERFOLGSFAKTOREN ALS PERIODENSYSTEM ON-THE-PAGE SEO INHALT

Iq

Qualität

Ip

HTML

ARCHITEKTUR +3

+3

Aw Ht Wahrnehmung

+3

Präzision

OFF-THE-PAGE SEO VERTRAUEN +3

Titel

+2

+2

+2

Beschreibung

+2

+2

Iw Adi Hs

Wortwahl

Ia

Digitalisierung

+2

Aktualität

It

Tiefe

Lq

Engagement

+2

Vg

Gewohnheit

+1

+3

Qualität

+2

Ve

PERSÖNLICHKEIT

Überschriften

Herkunftsland

–2

+2

+3

Herkunftsort

+1

Lh

Häufigkeit

Au Xb

URLs

+1

Befüllung

Xv

Verbot

–1

+1

+1

Popularität

+3

Pv

Verhalten

-3

Bezahlung

–1

Ruf

Lt Phe Wp

+1

Identität

+2

Ph Wr

+2

Text

WIRKUNG

+3

Ag Hue Vi Xbe Ps Geschwindigkeit

+2

Struktur

+2

Va

Autorität

Ad Hb

Dopplung

+3

LINKS

+2

Sozialkompetenz

–3

Xs

Spam

–1

Ian Ah Xa Xw

Antworten

HTTPS

–2

Xo

Oberfläche

Ablenkung

Werbung

–3

Xd

Differenzierung

Iq Ist der Inhalt gut verfasst und qualitativ anspruchsvoll? Ip Wurden die Schlagworte treffend defi niert, um auf die Seite zu gelangen? Iw Werden einprägsame Wörter und Sätze verwendet? Ia Ist die Seite immer auf dem neuesten Stand und behandelt aktuelle Themen? It Bleibt der Inhalt oberfl ächlich oder wird er mit Videos, Bildern, Lokalem unterstützt? Ian Wird die Frage mit dem Suchergebnis direkt beantwortet? Xo Ist der Inhalt nur sehr dünn oder gar fehlerhaft? Aw Kann die Suchmaschine die Seite problemlos anzeigen? Ad Wie reagiert die Seite auf inhaltliche Dopplung? Adi Wie gut funktioniert die Seite auf mobilen Geräten; ist sie appfähig? Ag Wie schnell lädt die Seite? Au Enthalten URLs Wörter, die auch im Text auftauchen? Ah Nutzt du HTTPS, um eine sichere Verbindung für deine Besucher zu bieten? Xd Sieht der Nutzer alle im Algorithmus hinterlegten Inhalte? Ht Enthalten HTML-Titel Schlagwörter aus dem Text? Hb Beschreiben diese die Thematik des Inhalts? Hs Sind die Daten gut strukturiert und überschaubar? Hue Finden sich in Headund Sublines Schlüsselwörter wieder? Xb Werden diese Wörter übermäßig und exzessiv genutzt? Xa Lenken Farbe und Design vom Inhalt ab? Va Machen Links und Popularität die Seite zu einer vertrauenswürdigen und autoritativen Seite? Ve Nehmen sich Besucher Zeit, um sich einzulesen? Vg Arbeitet die Seite schon längere Zeit auf dieselbe Weise? Vi Gibt es etwas, das die Seite und die Autoren verifi ziert? Xv Zeigt sie unerlaubte Inhalte oder ist als verdächtig markiert? Xw Ist sie werbelastig? Lq Haben die Links auf der Seite seriöse Quellen? Lt Tauchen Links zu der Seite im richtigen Kontext auf? Lh Wie oft ist die Seite verlinkt? Xbe Kaufts du Links, um ein besseres Ranking zu erlangen? Xs Hast du Links generiert, indem du Blogs oder Foren zugespamt hast? Ph Woher kommt jemand? Phe Aus welcher Stadt, welchem Dorf genau? Pv Besucht dieser Jemand regelmäßig die Seite oder macht darauf aufmerksam? Ps Favorisieren dieser Jemand oder dessen Freunde die Seite? Wr Teilen sie sie in den sozialen Netzwerken? Wp Wie viele teilen die Inhalte?


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SUCHMASCHINENOPTIMIERUNG

S1 – Ist Suchmaschinenoptimierung gut? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Suchmaschinenoptimierung (SEO) bezeichnet Maßnahmen, die dazu dienen, Websites und deren Inhalte im Suchmaschinenranking präsenter zu platzieren. Dadurch wird die Reichweite von Bildern, Videos oder Websites erhöht.

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SHITSTORM

S2 – Sind Shitstorms schlecht? JA NEIN I DON’T GIVE A SHIT!

Das lawinenartige Auftauchen von negativer Kritik in Form von Kommentaren gegen Unternehmen oder Personen in sozialen Netzwerken, Blogs oder sonstigen Onlinemedien wird als Shitstorm bezeichnet.

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1000

990

101

0 20

98

0

10

Shit Winds

Shitticane

50

0

95

Shit Barometer

10

960

1040

Shit Blizzard

Shit Hawks

940

1030

970

Shit Storm

shitbar

0

106


BURN-OUT

PORNOGRAFIE

SELBSTMORD

Psyche Krankheit Krise ausgebrannt

Sex Film Geschlechtsverkehr Fernsehen

Depression erhängen umbringen Suizid

GEHALT

Kannst du diese Begriffe erklären, ohne die Wörter in der gelben Box zu verwenden?

IMPOTENZ

Lohn Arbeit Bezahlung Beruf

zeugungsunfähig Kinder steril Erektion

TOD

MENSTRUATION

ARMUT

sterben altern tot sein Jenseits

Periode Tampon Binde Blutung

Hartz IV Mindestlohn Bezahlung Beruf


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TABU

T – Brauchen wir noch Tabuzonen? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Ein Tabu ist ein ungeschriebenes Gesetz, welches auf stillschweigend praktizierten gesellschaftlichen Normen beruht und welches bestimmte Verhaltensweisen auf elementare Weise gebietet oder verbietet.

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ÜBERZEUGUNG

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U – Sind wir leicht zu überzeugen? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Überzeugung ist eine feste, unerschütterliche Meinung, die durch Nachprüfen eines Sachverhalts oder durch Erfahrung gewonnen wurde. Ein besonders fester Glaube kann auch eine Überzeugung sein.


WELCHER GLAUBE PASST ZU DIR? .. Wie viele Gotter willst du verehren?

TAUSENDE.

NUR EINEN.

KEINEN.

.. Mochtest du wiedergeboren werden?

.. Was haltst du von Schinken?

Bist du reich oder durchgeknallt?

NEIN.

JA.

NEIN.

MAYAKULT

Hast du eine schwarze Katze?

NICHT SO MEINS.

ATHEIST

ICH LIEBE SCHINKEN.

JA.

Was ist mit Hummus? HEXEREI

SCIENTOLOGY

JA. NEIN.

Bestellst du lieber indisches oder chinesisches Essen?

Bist du eher .. eine nervige Personlichkeit? ICH LIEBE HUMMUS.

JA.

AUCH NICHT SO. ISLAM JUDENTUM

NEIN.

.. Kann Unterwasche magisch sein? NEIN.

CHINESISCH. CHRISTENTUM INDISCH. BUDDHISMUS HINDUISMUS

ZEUGEN JEHOVAS

JA.

MORMONENTUM


DIGITALE VIROLOGIE

Gamification-Virus

Bewegtbild-Virus

will ständig spielen

liebt Katzenvideos

Spaß-Virus

Advert-Virus

mag es albern

ist auf der Suche nach Produktinspiration

Social-Media-Virus

Smartphone-Virus

tut alles für Likes und Follower

geht dir nicht von der Backe


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VIRALE TRENDS

V1 – Sind wir viral infiziert? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Die rasende Verbreitung von verschiedenartigen Inhalten in digitalen Medien wird als viraler Trend bezeichnet. Besonders Bilder, Videos oder Inhalte, die man schnell und einfach teilen kann, können sich zu einem viralen Trend entwickeln.

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VERBOT

V2 – Müssen wir die Einfahrt freihalten? JA NEIN UNENTSCHLOSSEN

Ein Verbot ist eine Anweisung zur Unterlassung einer Handlung. Diese Anweisung kann in Regeln, Richtlinien, Befehlen oder Gesetzen näher definiert sein.

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Stimmzettel für die Wahl zum Deutschen Bundestag im Wahlkreis Unentschlossenhausen

Sie haben 2 Kühe

CDU

Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine Kühe. Sie behalten eine Kuh und schenken Ihrem Nachbarn die andere. Dann bereuen Sie es.

Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine Kühe.

SPD FDP

Sie fühlen sich schuldig, weil Sie so erfolgreich arbeiten. Deshalb wählen Sie Leute in die Regierung, die Ihre Kühe besteuern. Das zwingt Sie, eine Kuh zu verkaufen, um die hohen Steuern bezahlen zu können. Die Leute, die Sie gewählt haben, nehmen Ihr Geld, kaufen damit eine Kuh und geben Sie Ihrem Nachbarn. Sie fühlen sich rechtschaffen. Ein Loblieb auf Ihre Anständigkeit!

Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine Kühe.

SO WHAT?!

Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine Kühe.

GRÜNE

LINKE AFD KAPITALISTEN

Es wird Ihnen vorgeschrieben, die Kühe nur durch Heu und extensiven Weidegang zu ernähren. Als Sie festellen, dass der Auslauf nicht ausreicht, wird Ihrem Nachbarn von der Regierung vorgeschrieben, Ihnen seine Fläche zur Ernährung Ihrer Kühe zur Verfügung zu stellen. Er wird dafür entschädigt. Auf der neuen Weidefläche wächst Jakobskreuzkraut. Eine Ihrer Kühe stirbt, weil sie davon gefressen hat. Nun wird die Fläche zu einem Biotop erklärt. Die Regierung weist in ihrer Erfolgsbilanz aus, dass sie die Viehbesatzdichte halbiert hat.

Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine Kühe.

Die Regierung nimmt Ihnen eine ab und gibt diese Kuh Ihrem Nachbarn. Sie werden gezwungen, eine Genossenschaft zu gründen, um den Nachbarn bei der Viehhaltung zu helfen.

Irgendwas mit Flüchtlingen

Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine Kühe. Sie verkaufen eine und kaufen von dem Geld einen Bullen. Jetzt züchten Sie eine ganze Herde.


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WAHL

W – Haben wir die Qual der Wahl? JA NEIN WELCHE WAHL?

Eine Wahl ist ein Verfahren in Staaten und Organisationen zur Bestimmung einer repräsentativen Person. Diese Person erhält ihre Legitimation dadurch, dass eine Personengruppe in einem vorher festgelegten Verfahren ihren Willen äußert. Die Summe dieser Einzelentscheidungen führt zum Wahlergebnis.

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X

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X – Heißt Löschen auch Vergessen? JA NEIN HÄ?

Als Löschen bezeichnet man das Entfernen von Daten. Abhängig vom Speichermedium, der Speicherungsform der Datei und dem Betriebs- bzw. Dateisystem können unterschiedliche Varianten und Stufen der Löschung angewendet werden.


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YELLOW PRESS

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Y – Treibt es die Yellow Press zu bunt? JA NEIN NICHT BUNT GENUG!

Als Yellow Press bezeichnet man eine Boulevardzeitung, die meist sensationell berichtet, in großen Auflagen erscheint und überwiegend im Straßenverkauf angeboten wird.


ZENSUR

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Z – Brauchen wir Zensur? JA NEIN

Zensur bezeichnet den Versuch der Informationskontrolle. Durch restriktive Verfahren sollen Medien und Informationen kontrolliert werden, um die Verbreitung unerwünschter oder ungesetzlicher Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.


Die geheime Troll-Armee des Recep Tayyip Erdogan Von Deniz Yücel | Veröffentlicht am 13.12.2016 | Lesedauer: 6 Minuten Schon lange gibt es Gerüchte, der türkische Präsident lasse gezielt Twitter und Facebook beeinflussen. Nun gibt es Beweise. Gehackte Dokumente zeigen: Ankara hat eine ausgefeilte Online-Strategie. Für die Online-Journalisten, die das Twitter- und Facebook-Programm deutscher Medien betreuen, gehören sie zum Alltag: die lautstarken Fans des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Leute, die keinen Zweifel an ihrem Idol zulassen und nach dem Pegida-Prinzip jede kritische Berichterstattung als Lüge beschimpfen. Die meisten dieser Mail- und Kommentarschreiber legen sich freiwillig für Erdogan ins Zeug. Aber es gibt auch das: Eine Armee professioneller User, die Erdogan-Fans mit Pseudo-Argumenten versorgen, um die Deutungshoheit in den sozialen Medien zu erringen – vor allem im Kurznachrichtendienst Twitter, der in der Türkei viel verbreiteter ist als in Deutschland. Es gebe ein staatliches „Twitterteam“ von 6000 Mitarbeitern, hieß es schon vor etwa drei Jahren. Vorbild: die Internet-Trolle des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Jetzt belegt ein Dokument, das der „Welt am Sonntag“ vorliegt, auf welcher Grundlage die Troll-Armee aufgebaut wurde und welche Strategie dahintersteckt.

60.000 Mails auf Wikileaks Das 15-seitige Papier stammt aus dem elektronischen Postfach von Berat Albayrak, Energieminister und Schwiegersohn des Staatspräsidenten Erdogan. Im September dieses Jahres verschaffte sich die linksradikale türkische Hackergruppe RedHack Zugang zu Albayraks privaten Mailkonten und spielte den Inhalt – knapp 60.000 Mails – oppositionellen türkischen Medien zu. Vergangene Woche wurde der gesamte Inhalt auf der Onlineplattform Wikileaks veröffentlicht. Mit den Dokumenten haben türkische Journalisten schon etliche brisante Hinweise gewonnen und veröffentlicht: dass die türkische Regierung von Waffentransporten des IS mindestens unterrichtet war etwa oder wie ein Vorstandsmitglied des Medienkonzerns Dogan („Hürriyet“, CNN-Türk) versucht hatte, Medien seines Unternehmens auf Regierungslinie zu bringen. Auch die Hintergründe der Absetzung des Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu spiegeln sich in den Mails oder Ölgeschäfte, bei denen die Türkei unter Umgehung der Regierung in Bagdad direkt mit den irakischen Kurden dealt. Unentdeckt blieb bislang jedoch das Papier zur Kontrolle der sozialen Medien. Wer dieses Dokument mit dem Titel „Fizibilite“ (Machbarkeit) verfasst hat, ist unklar. Nachvollziehen lässt sich nur, welche Wege es ging: Am 21. Juni 2013 um 7.41 Uhr schickte ein islamistischer Ideologe namens Cüneyt Arvasi, über den kaum etwas öffentlich bekannt ist, das Papier an Albayraks engen Mitarbeiter Halil Danismaz.

Die große Schwäche des Regimes Um 10.48 Uhr leitete dieser die Mail an Albayrak weiter, der sie wiederum um 13.33 Uhr an seinen

Bruder Serhat weiterleitete – seinen Nachfolger als Vorstandsvorsitzender der Mediengruppe Turkuvaz, zu der unter anderem die Tageszeitung „Sabah“ und der Sender atv gehören.Das Datum dieses Mailverkehrs ist kein Zufall: drei Wochen nach Beginn der Gezi-Proteste, als im ganzen Land Millionen meist junger Menschen gegen die autoritären und islamistischen Tendenzen des Erdogan-Regimes auf die Straße gingen. Damals offenbarte sich eine Schwäche des Regimes: Mit fragwürdigen, teils mafiösen Methoden hatte man sich große Teile der Medien einverleibt oder diese eingeschüchtert. Aber die sozialen Medien hatte man übersehen. Bei Gezi wurden sie zum Katalysator der Proteste, die ursprünglich vom geplanten Abriss eines Stadtparks am zentralen Taksim-Platz in Istanbul ausgelöst wurden, dann aber zunehmend die Machtverhältnisse in der Türkei infrage stellten. Über Twitter machten Aufrufe und Informationen die Runde, während die konventionellen Medien das Thema zunächst ignorierten. Bei CNN Türk etwa lief noch eine Pinguin-Dokumentation, als CNN International schon live von den Auseinandersetzungen am Taksim-Platz sendete.

Die Idee einer „virtuellen Werkstatt“ Zwar tummelten sich damals schon einige AKPLeute auf Twitter, allen voran Melih Gökçek, der äußerst angriffslustige Oberbürgermeister von Ankara, doch insgesamt waren die sozialen Medien ein Hort der Dissidenz. Über eine „Plage namens Twitter“ schimpfte Erdogan damals. So beginnt das Papier auch mit einer Bestandsaufnahme nach Gezi: Die „konservativen Fernsehsender und Zeitungen“ – gemeint: die von der AKP kontrollierten Medien – hätten gegen die „Desinformationen“ und „Provokationen“ der außerparlamentarischen Opposition nur wenig ausrichten können; insbesondere in den sozialen Medien sei man deren „Dominanz“ unterlegen. Eine nicht näher bezeichnete „Zentrale“ habe Aleviten, Kurden und Wähler der sozialdemokratischen CHP auf die Straße befohlen und so den Eindruck eines Volksaufstands erweckt. Offensichtlich glaubt man auch intern an die eigenen Verschwörungstheorien. Daher müsse die Regierung eine „virtuelle Werkstatt“ ins Leben rufen, um diese Dominanz zu brechen. Das Ziel: „Direkt in die virtuelle Welt der Individuen eindringen, um zu ihrer Stimme, ihrem Übersetzer und Analysten“ zu werden. Weniger blumig gesprochen: um auch die sozialen Medien unter Kontrolle zu bringen.

Rückgriff auf die Populärkultur Das strategische Ziel müsse sein, die „Schwachstellen“ der Gegner zu attackieren, ihre „Identität, Beziehungen und Vergangenheit“ aufdecken und die inneren Widersprüche im gegnerischen Block aufzeigen. Zugleich müsse man die Finanziers kenntlich machen, also beispielsweise aufzeigen, dass der Fußballfan-Club Carsi, der eine tragende Rolle bei den Gezi-Protesten spielte, von einem „armenischen Geschäftsmann“ gelenkt werde. Man müsse dabei auf die Populärkultur zurück-

greifen, auf Musik, Slang, Satire, Computerspiele, Filme, Sport und diese Mittel mit „islamischen und nationalistischen Motiven“ aufladen, sowie mit Grafiken, Bildern und Musik arbeiten. Im konservativen Milieu gelte es, tief liegende Ängste zu schüren. Angriff ist die Strategie, das Ergebnis solle, so heißt es wörtlich, eine Art „Mikro Vakit“ werden – also eine Miniaturausgabe des berüchtigten islamistischen Krawallblatts, das heute „Akit“ heißt und in Deutschland wegen Antisemitismus und Volksverhetzung im Jahr 2005 verboten wurde. Als Personal wird veranschlagt: vier professionelle Social-Media-Experten mit exzellenten Fremdsprachenkenntnissen, dazu als Freiwillige 14 Akademiker, spezialisiert auf Gebiete wie Zeitgeschichte, Politikwissenschaft und Wirtschaft, zwei ehemalige Armeeoffiziere mit dem Fachgebiet psychologische Kriegsführung sowie auf Honorarbasis fünf bis acht Techniker und Grafiker. Dazu brauche es Büroräume und technisches Equipment. Zu erwartende Kosten: 209.000 US-Dollar.

Das Rätsel um den reibungslosen Putsch Diese Zahl dürfte das einzige Element sein, das später modifiziert wurde – nämlich durch eine massive Aufstockung. Mit einer Handvoll hauptamtlicher Helfer und ein paar Ehrenamtlichen wäre das Ziel, rund um die Uhr die sozialen Medien zu bespielen und maßgeblich zu beeinflussen, kaum erreichbar. Drei Monate später wurde denn auch eine ganz andere Zahl genannt: 6000 Trolle beschäftige die AKP, schrieben regierungsnahe wie oppositionelle Medien, ohne dass die AKP dementiert hätte. Doch allein auf diese Troll-Armee verlässt sich das Regime nicht. So wurden seither immer wieder Twitter und YouTube gesperrt oder verlangsamt, im Zuge von Korruptionsermittlungen gegen die Erdogan-Partei AKP etwa und nach jedem schweren Terroranschlag. Auch nach der Verhaftung kurdischer Politiker Anfang November wurde in elf kurdisch geprägten Provinzen tagelang gleich das gesamte Internet abgestellt. Nur in der Nacht des Putschversuchs im Juli 2016 funktionierte alles reibungslos – ein Grund, weshalb etliche Beobachter die offizielle Darstellung des Putsches anzweifeln. Zu diesem Thema findet sich allerdings nichts im Mailordner des Schwiegersohns.


BEREICH THE M A G UAREDISCH

068

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069

Wir sichern und stärken die Zukunftsfähigkeit des Landes Baden-Württemberg mit Ideen und Investitionen in Wirtschaft und Wissenschaft. Wir engagieren uns für eine lebendige Bürger­ gesellschaft und fördern soziale und kulturelle Teilhabe und Nachhaltigkeit. Wir stiften Zukunft.

HALTUNG


BERICHTE

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BERICHT DES GESCHÄFTSFÜHRERS Das Jahr 2017 war geprägt von politischen Ereignissen, die zeigen, dass die Meinungs- und Pressefreiheit nicht nur in autokratisch geführten Ländern wie Russland oder China bedroht ist oder keinen Stellenwert hat. Auch in europäischen Demokratien wie Ungarn oder Polen wurden und werden kritische Medien unterdrückt, Oppositionszeitungen geschlossen oder das öffentliche Fernsehen unter Regierungskontrolle gebracht. Noch weitgehender zerstört wurde der Medienpluralismus in der Türkei. Das führt der Fall Deniz Yücel vor Augen. Klar ist aber: Ohne die Freiheit der Medien und die Freiheit der Meinungsäußerung gibt es keine Demokratie, sondern allenfalls eine Scheindemokratie, in der Medienvertreter zu Volksfeinden erklärt werden. Unser vorliegender Jahresbericht widmet sich Artikel 5 des Grundgesetzes, der Grundrechte wie Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit schützt. Programme zur Stärkung der Demokratie und zur politischen Teilhabe waren auch im Berichtsjahr wichtige Anliegen der Baden-Württemberg Stiftung. Beim Auftakt der Veranstaltungsreihe „Perspektiven“ diskutierten Experten über den Umgang mit Populisten und über Strategien, das Vertrauen in die politischen Institutionen zurückzugewinnen und dem Populismus Fakten und Wissen entgegenzusetzen. Auch bei unserem „FAKE/OFF-Camp“ für Erstwählerinnen und Erstwähler bei der Bundestagswahl ging es um Fakten und Wissen über Fake News, über Mechanismen der sozialen Netzwerke und über Verschwörungstheorien. Es verdeutlichte jungen Menschen, wie wichtig es ist, sich über das Mediensystem zu informieren, um sich eine eigene fundierte Meinung zur Ausübung des Wahlrechts zu bilden. Baden-Württemberg ist ein Land der Vielfalt und der Chancen. Alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung und Alter sollen sich hier zu Hause fühlen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Baden-­ Württemberg Stiftung setzt sich dafür ein, interkulturelle Kompetenzen zu stärken und die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu ermöglichen. So wurden im Bereich Gesellschaft & Kultur Integrationsprogramme wie Vielfalt gefällt! Orte des Miteinanders erfolgreich fortgeführt. Wenn wir aber allen Menschen Partizipation ermöglichen wollen, so bedarf es mehr: Im Programm Inklusionsbegleiter helfen engagierte Bürgerinnen und Bürger Menschen mit Behinderung, ihren Anspruch auf selbstbestimmte Lebensgestaltung und umfassende Teilhabe zu verwirklichen. Mittlerweile tragen schon 17 Modellprojekte erfolgreich dazu bei, Barrieren abzubauen.

Wissen und Bildung sind für unser Bundesland zu entscheidenden Ressourcen geworden. Aus diesem Grund fördert die Stiftung Bildungsgerechtigkeit von der frühkindlichen über die berufliche Bildung und Erwachsenenbildung und initiiert abwechslungsreiche Aktivitäten. So feierte beispielsweise das Programm kicken&lesen, das darauf abzielt, Jungen über den Fußball zum Lesen zu animieren, im vergangenen Jahr zehnjähriges Jubiläum. Wir freuen uns, dass schon mehr als 1.500 Nachwuchskicker an unserem Leseförderprogramm teilgenommen haben. Wenn es um das Thema Bildung und den erfolgreichen Berufseinstieg geht, unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung auch Migrantinnen und Migranten. Das Stipendienprogramm Berufliche Anerkennung in Baden-Württemberg hilft Zugewanderten dabei, die volle Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation zu erlangen, um den Einstieg in einen adäquaten Beruf zu ermöglichen. Dieses Erfolgsprojekt ist in Deutschland einzigartig und konnte schon 625 ausländische Fachkräfte unterstützen. Als Baden-Württemberg Stiftung ist es uns ein besonderes Anliegen, wegweisende Impulse zu setzen. So stellten wir im Jahr 2017 die ­Studie Mobiles Baden-Württemberg vor, die unterschiedliche Wege zu einer nachhaltigen Verkehrsgestaltung aufzeigt. Die Mobilität der Zukunft soll ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig sein. Wie dies aktiv gestaltet werden kann und welche Szenarien möglich sind, darauf gibt die Studie Antworten. Auch Wissenschaft und Forschung sind maßgebliche Faktoren für die Innovationskraft des Landes. In diesem Bereich konnten wir auch im Jahr 2017 wichtige und exzellente Forschungsprogramme starten und Schwerpunkte setzen. Zum Beispiel mit den Programmen Additive Fertigung, Neurorobotik und Wirkstoffforschung. Ein besonderes Highlight des letzten Jahres war auch der Forschungstag, der unter dem Leitthema „Neue Materialien und zukunftsweisende Technologien“ stand. Die Veranstaltung, die mittlerweile zum sechsten Mal stattfand, brachte 400 Top-Wissenschaftler und Experten aus dem ganzen Land zusammen und setzte wichtige Impulse für die Forschungslandschaft in Baden-Württemberg. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung und allen Partnern für ihre Arbeit und ihren Ideenreichtum. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit für ein wettbewerbsfähiges und erfolgreiches Baden-Württemberg.

Christoph Dahl GESCHÄFTSFÜHRER DER BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG


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071

BERICHTE

BERICHT DES GESCHÄFTSFÜHRERS IM VERMÖGENSBEREICH Unser langjähriges Erfolgsrezept „Strategisch Denken – Taktisch Handeln“ hat sich im Jahr 2017 erneut mehr als bewährt. Die Vermögensverwaltung der Baden-Württemberg Stiftung blickt auf ein ereignis- und äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Unsere Ertragserwartungen konnten nicht nur erfüllt, sondern erneut leicht übertroffen werden. Dies verdanken wir den strategischen Entscheidungen in der Vergangenheit sowie unseren taktischen Maßnahmen, vor allem im Bereich der Finanzanlagen. Das Geschäftsjahr 2017 endet im Bereich der Vermögensverwaltung mit einem Ergebnis von 87,2 Mio. Euro. Dies entspricht einer Eigenkapitalrendite von beachtlichen 4,0%. Damit liegt die Eigenkapitalrendite deutlich über den aktuellen Kapitalmarktzinsen. Die BW Stiftung profitierte dabei vor allem von den gezielten Investitionen in das Sach- und Finanzanlagevermögen in den zurückliegenden Jahren. Unsere langfristigen Finanzanlagen trugen mit einem Ergebnis von 70,1 Mio. Euro zum Gesamtergebnis bei. Vereinnahmt wurden die Dividende der Südwestdeutschen Salzwerke AG, die Gewinnausschüttung der Reederei Schwaben GmbH und die Ausschüttungen aus unseren Investmentfonds. Ein Teil dieser Gewinne wurde dabei rein vorsorglich bereits im Vorgriff auf das kommende Geschäftsjahr realisiert. Der Immobilienbereich konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr um eine vermietete Immobilie erfolgreich erweitert werden. Das Segmentergebnis in Höhe von 15,4 Mio. Euro beinhaltet allerdings nicht regelmäßig wiederkehrende Sonderfaktoren, im Wesentlichen Mietnachzahlungen für

Vorjahre. Zusammen mit dem Investmentvermögen und den Beteiligungen gehören die Immobilien zum strategischen Langfristportfolio der BW Stiftung. Zentrum der Unternehmensfinanzierung ist das geschäftsbereichsübergreifende Cash-Management. Hier werden nicht nur kurz- und mittelfristige Geldanlagen getätigt sowie die gesamten Liquiditätsströme aller Geschäftsbereiche koordiniert, sondern auch die strategischen und taktischen Entscheidungen in Bezug auf die langfristigen Kapitalanlagen und Investitionen getroffen. Trotz anhaltend niedrigen Zinsen trug dieser Geschäftsbereich noch mit 1,8 Mio. Euro zum Gesamtergebnis bei. Dies entspricht einer Verzinsung der vorgehaltenen liquiden Mittel von durchschnittlich etwa 0,6%. Während viele Anleger mit dem niedrigen und teilweise sogar negativen Zinsumfeld kämpfen, ist es uns im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut gelungen, auch in diesem Segment ein respektables Ergebnis zu erzielen, ohne dabei die Risiken zu erhöhen. Ergebnisbeitrag nach Kosten (in Mio. EUR)

Anteil am Gesamtergebnis (in %)

Investmentfonds

61,9

70,9

Immobilien

15,4

17,7

Segmente

Beteiligungen

8,2

9,4

Cash-Management

1,8

2,0

87,2

100,0

Vermögensbereich gesamt

Rundungsbedingt kann es zu rechentechnischen Differenzen bei der ersten Nachkommastelle kommen.

Stuttgart, im Mai 2018

Reiner Moser STELLVERTRETENDER GESCHÄFTSFÜHRER


STRATEGIE

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

ENGAGEMENT FÜR ZUKUNFT UND HEIMAT Konzentration auf das Wesentliche

Der Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung ist es, die Zukunftsfähigkeit des Landes zu stärken und zu sichern. Das unterscheidet sie von allen anderen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger. Doch was macht ein Land eigentlich zukunftsfähig? Die Baden-Württemberg Stiftung konzentriert sich auf entscheidende Faktoren: wirtschaftlichen Wohlstand, ökologische Modernisierung, eine lebendige Bürgergesellschaft sowie soziale und kulturelle Teilhabe. Damit jetzige und künftige Generationen im Land all dies vorfinden, engagiert sich die Baden-Württemberg Stiftung auf drei Kerngebieten: Forschung, um Innovationen in Schlüsselbereichen von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben, Bildung, um den Fachkräftebedarf zu sichern und gleiche Bildungschancen zu ermöglichen sowie interkulturelle und internationale Kompetenzen zu vermitteln, sowie Gesellschaft und Kultur, um die Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung zu stärken, soziale Kohäsion und Teilhabe zu schaffen und Innovationen in Kunst und Kultur zu fördern. Für alle Aktivitäten der Stiftung gilt, dass sie die Anforderungen der Nachhaltigkeit erfüllen.

Dreifach positive Wirkung

Das Drei-Säulen-Modell hat sich über die Jahre hinweg bewährt, besitzt es doch eine dreifach positive Wirkung: Erstens wird eine thematische Breite bedient, die von frühkind-

licher Bildung bis zur Stärkung des Ehrenamts reicht. Zweitens wirkt die Baden-Württemberg Stiftung – etwa mit Programmen der Spitzenforschung – in die Tiefe. Drittens wird durch die kluge Vernetzung einzelner Projekte die Wirkungskraft noch gesteigert. Mit dieser Herangehensweise stellt sich die Baden-Württemberg Stiftung zentralen Herausforderungen und bleibt dennoch flexibel genug, um Trends aufzuspüren und auf sie zu reagieren. Als operativ agierende Einrichtung beschränkt sich die Baden-Württemberg Stiftung nicht darauf, bestehende Projekte finanziell zu fördern, sondern initiiert eigene Programme. Die einzelnen Schwerpunkte sind dabei vielfältig und reichen von Klimawandel, Lebenswissenschaften und Gesundheit über die frühkindliche Bildung bis hin zu bürgerschaftlichem und kulturellem Engagement. Der übergreifende Fokus liegt dabei auf praxisorientierter Forschung zur Begleitung des ökologischen, gesellschaftlichen und demografischen Wandels sowie auf gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten, Werten, Einstellungen und Bildung.

Expertise zur Qualitätssicherung

Ein strenger Kriterienkatalog garantiert bei der Entwicklung neuer Konzepte stets Exzellenz: Die Programme der Baden-Württemberg Stiftung sollen unter anderem innovativ, neuartig und qualitativ hochwertig sein, beispielhafte Lösungsansätze hervorbringen, durch Alltagstauglichkeit und Übertragbarkeit überzeugen sowie einen klaren Bezug zu Baden-Württemberg haben.

DIE BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG SETZT SICH DAFÜR EIN, DASS DER SÜDWESTEN AUCH ZUKÜNFTIGEN GENERATIONEN EINE LEBENSWERTE HEIMAT MIT OPTIMALEN ZUKUNFTSCHANCEN BIETET.


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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

STRATEGIE

BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG

SICHERUNG UND STÄRKUNG DER ZUKUNFTSFÄHIGKEIT DES LANDES BADEN-WÜRTTEMBERG 

HEIMAT

Wirtschaftlicher Wohlstand und ökologische Modernisierung, lebendige Bürgergesellschaft, soziale und kulturelle Teilhabe,  Nachhaltigkeit.

FORSCHUNG

BILDUNG

ZUKUNFT

GESELLSCHAFT & KULTUR

FÖRDERKRITERIEN

Innovation und Neuartigkeit / Qualität und Profilierung / Gender-Mainstreaming Beispielhafte Lösungsansätze / Vernetztes Denken / Alltagstauglichkeit und Übertragbarkeit Nachhaltigkeit / Baden-Württemberg-Bezug

QUALITÄTSSICHERUNG

durch externe fachliche Expertise

AUFSICHTSRAT

beraten und begleiten


STRATEGIE

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

KONZEPTENTWICKLUNG Am Anfang jeder neuen Programmlinie und jedes Projekts steht ein von der Baden-Württemberg Stiftung entwickeltes Konzept. Die neuen und auch weiterzuführenden Programme und Projekte werden auf Vorschlag des Geschäftsführers vom Aufsichtsrat beschlossen und gemäß den Verfahrensrichtlinien mit einem finanziellen Budget ausgestattet.

AUSSCHREIBUNG UND ENTSCHEIDUNGSFINDUNG Im Rahmen der Programmlinien werden in der Regel landesweit Ausschreibungen veröffentlicht und einem geeigneten Teilnehmerkreis zugänglich gemacht. Fachlich kompetente und unabhängige Gutachterinnen und Gutachter aus dem In- und Ausland beraten die Baden-Württemberg Stiftung bei der Entscheidungsfindung.

DURCHFÜHRUNG, BEGLEITUNG UND DOKUMENTATION Alle Programme und Projekte werden von Beginn der Durchführungsphase an durch Experten wissenschaftlich begleitet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden nicht nur von den unterstützten Partnern zur Weiterentwicklung ihrer Ziele genutzt, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

TRANSPARENTES VERFAHREN DEFINIERTER PROJEKTABLAUF

KONZEPTE ENTWICKELN

PROJEKTE INITIIEREN

PROJEKTE BEGLEITEN

PROJEKTE EVALUIEREN

PROJEKTE DOKUMENTIEREN


075

AKTIVITÄTEN 078 FORSCHUNG

104 BILDUNG

128 GESELLSCHAFT & KULTUR


FORSCHUNG

076 079

Forschungstag

NEUE WERKSTOFFE IM BLICK

082

Artur Fischer Erfinderpreis

GROSSE BÜHNE FÜR FINDIGE TÜFTLER

084

Coaching4Future

KRIMINALFALL IM KLASSENZIMMER

085

Empowerment-Tag

RÜCKENWIND FÜR WEIBLICHE FORSCHERTALENTE

086

WANTED Science Slam

DAS KREUZ MIT DEM PÄRCHEN

086

Wissenschaftsgespräche

IM DIALOG MIT EXPERTEN

087

Photonik, Mikroelektronik, Informationstechnik

NEUE AUGEN FÜR DIE FABRIK DER ZUKUNFT

088

Industrie 4.0

ERHELLUNG IM LICHTBOGEN

089

IKT-Sicherheit

EIN RIEGEL FÜR DIE HARDWARE

090

Bioinspirierte Materialsynthese

WUNDERSTOFFE AUS TREIBHAUSGAS

091

High Performance Computing

VIRTUELLES MUSKELSPIEL

093

Neurorobotik

NEUE PERSPEKTIVEN NACH DEM SCHLAGANFALL

096

Nicht-kodierende RNAs

KLEIN, ABER OHO! MICRORNAS GEGEN PFLANZENFEINDE

098

Rohstoff- und Materialeffizienz in der Produktion

SCHUTZSCHICHT NACH MASS

099

Nachhaltiges Bauen

AB IN DIE DECKE!

101

Internationale Spitzenforschung III

SCHARFER BLICK AUF DIE ANSTANDSDAMEN

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077

FOR SCH UNG


078

Innovative Forschung ist ein Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen unserer Zeit. Wir investieren in die Entwicklung zukunftsfähiger Ideen, Technologien und Produkte. Im Fokus stehen dabei gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch bedeutsame Themen. Dies sichert auch kommenden Generationen Wohlstand und Arbeitsplätze und bietet Firmen optimale Voraussetzungen im globalen Wettbewerb.


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Forschung FOR SCHUNG STAG

NEUE WERKSTOFFE IM BLICK

Rund 400 Wissenschaftler und Experten aus dem ganzen Land kamen am 29. Juni in Stuttgart zum sechsten Forschungstag der Baden-Württemberg Stiftung zusammen. Im Fokus standen dieses Mal »Neue Materialien und zukunftsweisende Technologien«. Wenn vom technischen Fortschritt die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an revolutionäre Erfindungen wie neue Maschinen oder clevere Verfahren. Doch viele wahre Revolutionen spielen sich im Verborgenen ab – durch die Entwicklung neuartiger Materialien, die innovative Anwendungen der Technik in Alltag oder Industrie erst ermöglichen. Wie breit die Palette an zukunftsträchtigen Werkstoffen ist und wie gut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Baden-Württemberg auf diesem wichtigen Forschungsfeld positioniert sind, zeigte sich eindrucksvoll auf dem Forschungstag 2017 in der Stuttgarter Liederhalle. In den Vorträgen auf dem Plenum ging es unter anderem um mikrometerkleine optische Linsen, chemische Nanomotoren und die bioinspirierte Materialsynthese – die Erschaffung pfiffiger neuer Stoffe nach Vorbildern aus der Natur. Der Nutzen solcher innovativen Werkstoffe liegt etwa im Einsatz in der Neurorobotik, beim nachhaltigen Bauen oder in vernetzten Produktionsanlagen der Industrie 4.0. Vertiefen konnten die Zuhörer die Eindrücke aus den Plenumsbeiträgen in Gesprächen in kleiner Runde sowie in einer umfassenden Posterausstellung. Dort präsentierten mehr als 70 Forschergruppen

aus dem Land ihre von der Stiftung finanzierten Projekte. »Mit dem Forschungstag wollen wir die Innovationskraft unseres Landes stärken, um auch für nachfolgende Generationen eine Zukunft im Wohlstand zu sichern«, betonte Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. Ein Highlight der ganztägigen Veranstaltung war der Vortrag des Nobelpreisträgers Prof. Dr. Wolfgang Ketterle. Der aus Heidelberg stammende Physiker ging 1990 in die USA, wo er seitdem am Massachusetts Institute of Technology (MIT) forscht. Auf dem Forschungstag sprach er über ausgesprochen exotische neue Materialien, die er mit seinem Team in Cambridge bei Boston erschafft. Bevor er in die USA wechselte, war Ketterle unter anderem am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching tätig. 1995 gelang es ihm als einem der Ersten, ein sogenanntes Bose-Einstein-Kondensat zu erzeugen – einen bizarren Materiezustand aus ultrakalten gasförmigen Atomen oder Molekülen. Dafür erhielt er 2001 den Nobelpreis für Physik. Im Interview erklärt er, was sich aus solchen Stoffen lernen lässt.


Forschung FOR SCHUNG STAG

080

ERFINDUNGSREICHTUM AUF DEM FORSCHUNGSTAG Ein besonderes Schmankerl für die Besucher des Forschungstags war, wie schon in den vergangenen Jahren, ein 3D-Druck-Wettbewerb. Daran beteiligten sich 20 Forscherteams, die mit ihren Exponaten die enorme Bandbreite der Möglichkeiten des dreidimensionalen Druckens deutlich machten. Aus den ausgestellten Arbeiten wählte das Publikum seinen Favoriten. Als Sieger gingen Prof. Dr. Simon Thiele und Prof. Dr. Harald Giessen von der Universität Stuttgart aus dem Wettbewerb hervor – mit einem stark miniaturisierten 3D-gedruckten Optikelement, in das schon bei der Herstellung feinste Absorptionsstrukturen integriert wurden.

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Forschung FOR SCHUNG STAG

»IN DEUTSCHLAND HÄTTE ICH ES HEUTE LEICHTER« Prof. Dr. Wolfgang Ketterle Physiker

Sie erschaffen neue Materialien aus ultrakalten Gasen. Was hat es damit auf sich, Herr Prof. Ketterle?

WK Die Gase sind extrem kalt: wenige milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt bei minus 273 Grad Celsius. Und sie sind hochverdünnt: ein millionstel so dicht wie Luft. Unser Ziel ist, anhand dieser exotischen Materialien zu verstehen, was in der Natur möglich ist.

Geben Sie uns bitte ein paar Beispiele.

WK Ein schönes Beispiel ist das Bose-Einstein-Kondensat, bei dem sich viele Atome oder Moleküle gemeinsam wie eine Welle bewegen. Ganz aktuell haben wir in meiner Arbeitsgruppe kürzlich ein Material erzeugt, das zugleich gasförmig, flüssig und fest ist. Wir sprechen von Suprasolidität. Prof. Tilman Pfau und sein Team an der Universität Stuttgart haben eine Quantenferroflüssigkeit realisiert – ein reibungsfrei strömendes Fluid aus atomaren Magneten. Diese Materialien mit überraschenden Eigenschaften zeigen: Die Natur ist raffinierter und reicher als unsere Vorstellungskraft.

Gibt es Ideen für Anwendungen?

WK Direkte Anwendungen sehe ich nicht. Aber wir könnten zum Verständnis der Supraleitung beitragen. Die hat eine enorme technische Bedeutung, denn mit supraleitenden Drähten gäbe es keine Verluste bei der Stromübertragung. Doch das gelingt bisher nur bei tiefen Temperaturen. Um Supraleiter für Raumtemperatur zu entwickeln, müsste man die Mechanismen besser verstehen.

Woran hapert es?

WK Für die Supraleitung sorgen Elektronen in einer Art Super-Zustand, sie bewegen sich reibungsfrei. Das Prinzip gleicht dem der Bose-Einstein-Kondensation und funktioniert nur mit Bosonen. Aber Elektronen sind Fermionen, eine andere Art von Teilchen. Um supraleitend zu sein, müssen sie sich paaren, damit ein Boson entsteht. Die offene Frage ist: Wie geht das, obwohl sich Elektronen abstoßen? Wir erforschen an ultrakalten Gasen die Grundlagen der Fermionen-Paarung, des Schlüssels zur Supraleitung.

Die Perspektiven sind also langfristig? Es geht nicht darum, über drei Hürden auf einmal zu springen. Selten führt ein Weg von der Erkenntnis direkt zur Anwendung. Auch der Laser wurde nicht entwickelt, um Zähne zu behandeln. Er kam aus der Grundlagenforschung und hat dann seine Anwendungen gefunden.

Wird Grundlagenforschung ausreichend gewürdigt?

WK Es kommt zwar immer wieder Druck aus der Politik, doch es gibt viele Entscheidungsträger, die um die langfristige Bedeutung der Grundlagenforschung wissen. Ohne sie könnte es auch keine angewandte Forschung geben. Allerdings: In den USA gehen die Ausgaben dafür zurück. Das macht mir Sorgen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen den USA und Deutschland?

WK Ja. In Deutschland hat man Instrumentarien geschaffen, um exzellenten Forschern die Möglichkeit zu geben, noch einen draufzusetzen. Die breit angelegte Exzellenzinitiative hat Universitäten aufgerüttelt und zu einer neuen Dynamik geführt. Davon können wir in den USA nur träumen. Ich glaube, als Spitzenforscher hätte ich es heute in Deutschland leichter als in den USA.

Gibt es auch Schattenseiten?

WK Es geht immer noch recht bürokratisch zu. Wenn man manchmal etwas flexibler wäre, täte das der Forschung in Deutschland gut.


Forschung ARTUR FISCHER ERFINDER PREIS

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GROSSE BÜHNE FÜR FINDIGE TÜFTLER Bereits zum neunten Mal wurde 2017 der Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg verliehen. Fast 40.000 Euro an Preisgeldern gingen an erfolgreiche Teams von Jugendlichen und erwachsene Erfinder, deren pfiffige Ideen das Publikum staunen ließen.


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Forschung ARTUR FISCHER ERFINDER PREIS

Begeisterter Beifall des Publikums brandete auf an diesem Juliabend im Stuttgarter Haus der Wirtschaft – immer wieder. Es war wieder einmal Zeit für die Verleihung des Artur Fischer Erfinderpreises Baden-Württemberg. Die alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung ging 2017 bereits in die neunte Runde und konnte dennoch mit einem echten Novum aufwarten: dem neu ausgeschriebenen »Sonderpreis Ressourcen-Effizienz der Unternehmensgruppe fischer«.

Erstmals eine Auszeichnung für Effizienz

Diese Ehrung, die Prof. Klaus Fischer – der Inhaber der Unternehmensgruppe aus Waldachtal – erstmals ausgelobt hat, zielt auf herausragende Ideen zur Verbesserung der Effizienz in jeglicher Form: Ein Kern der ausgezeichneten Erfindung soll die Vermeidung von Verschwendung sein – von Zeit, Energie, Rohstoffen oder Informationen. Dotiert ist der Sonderpreis mit 5.000 Euro. Insgesamt f lossen im letzten Jahr 38.000 Euro an Preisgeldern an die Preisträger – in jeweils drei ausgezeichneten Teams aus insgesamt vier Kategorien: erwachsene private Erfinderinnen und Erfinder sowie Schüler­i nnen und Schüler in drei Altersklassen. 10 von 99 qualifizierten Einsendungen im Erwachsenenbereich und 20 von 50 einge­reichten Schülerprojekten hatten die Jurys zuvor in die Endausscheidung gewählt. Die Wahl der Siegerteams fiel den Juroren danach schwer, denn die nominierten Erfindungen und kreativen Ideen hatten es allesamt in sich.

Elektrischer Strom aus lauer Wärme

So überzeugte der Gewinner unter den »großen« Erfindern die Juroren mit der Entwicklung eines Sterlingmotors mit neuartigem Konstruktionsprinzip, der elektrischen Strom aus Abwärme im Niedrigtemperaturbereich erzeugen kann. Für den Schutz von Klima und Ressourcen ist das eine wertvolle Innovation. Der Erfinder Prof. Jochen Benz ist Unternehmensberater in Radolfzell am Bodensee. Sein Konzept passt haargenau zur Ambition des Artur Fischer Erfinderpreises. Er honoriert die Schöpfung neuer Dinge, die nicht nur originell sind, sondern auch einen Nutzen für die Allgemeinheit haben. Diesen Anspruch erfüllten auch die Sieger unter den Kleinsten der Erfinderriege. In der Kategorie der Schülerinnen und Schüler bis Klasse 7 standen am Ende des Abends drei Jungen aus Biberach an der Riß ganz oben auf dem Treppchen: Luca Jonski, Paul Nachtigall und Jan-Patrick Otto vom Biberacher Wieland-Gymnasium haben einen Kühlschrank erfunden, der sich mit Strom aus Sonnenlicht

DER PREIS Der Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre von der gleichnamigen Stiftung vergeben. Sie ist eine gemeinsame, rechtlich unselbständige Stiftung des 2016 verstorbenen Erfinders und Unternehmers Prof. Artur Fischer und der Baden-Württemberg Stiftung. Die Stiftung Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg besteht seit 2001 und verfügt über ein Kapital von 1,5 Millionen Euro. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals werden jeweils drei Preise im Erfinderwettbewerb mit Preisgeldern in Höhe von 10.000, 7.500 und 5.000 Euro sowie die Preise in einem Schülerwettbewerb mit drei Kategorien (Preisgelder: je 2.000, 1.500 und 1.000 Euro) vergeben.

betreiben lässt. Das raffinierte Gerät, das sich besonders für Menschen in sonnenreichen Schwellenländern eignet, richtet seine Versorgung mit Solarstrom automatisch am Sonnenstand aus und verfügt über einen Akku für einen durchgehenden Betrieb auch während der Nacht.

Gute Idee gegen üble Gerüche

Ein ganz anderes Anwendungsfeld hat die siegreiche Erfindung bei den Jugendlichen aus den Klassen 8 bis 10 im Visier – doch auch sie besticht durch einen ausgesprochen praktischen Nutzen: Der Siphon mit Verwirbelungstechnik, den Lessing Elhardt von der Erich-Kästner-Realschule in Steinheim an der Murr ersonnen hat, verhindert auf trickreiche Weise das Entstehen miefiger Ablage­r ungen im gekrümmten Ablauf eines Abwasserrohrs – und beugt so übelriechenden Gasen aus dem Abfluss vor. Der erste Preis in der Kategorie der weiterführenden Schulen wurde an zwei Erfinderteams vergeben. Alexander Bayer und Niklas Gutsmiedel vom Aalener Kopernikus-Gymnasium konnten die Preisrichter mit einem neuartigen Assistenzsystem für blinde Personen ebenso überzeugen wie Maximilian Janik vom Gymnasium in Ochsenhausen mit einem Reinigungssystem für Farbwalzen. Dieses Gerät mit Handkurbel und

ausgefuchstem Innenleben macht verschmutzte Malerwalzen buchstäblich im Handumdrehen wieder sauber.

Eine Waschmaschine für Farbwalzen

Dieses einfallsreiche Konzept beeindruckte auch die Begutachter für den Sonderpreis Ressourcen-Effizienz der Unternehmensgruppe fischer. Denn der Abfall, der sich durch weggeworfene und oft nur ein einziges Mal benutzte Farbwalzen Jahr für Jahr im Baustellenmüll anhäuft, ist immens. Dank der cleveren Walzen-Waschmaschine von Maximilian Janik kann er künftig deutlich schrumpfen – wenn es die Erfindung aus Ochsenhausen denn letztlich bis zu einem marktfähigen Produkt schafft. Janik jedenfalls werkelt bereits an einer Weiterentwicklung seiner technischen Idee. Sicher ist: Dem findigen jungen Tüftler aus Oberschwaben ist an jenem Abend im Haus der Wirtschaft der große Wurf gelungen. Als einziger der zum Wettbewerb angetretenen Erfinder stand er gleich zweimal auf dem Siegerpodest. Und neben insgesamt 7.000 Euro Preisgeld durfte er obendrein auch einen 3D-Drucker von fischertechnik mit nach Hause nehmen.


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Forschung COACHING 4FUTURE

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KRIMINALFALL IM KLASSENZIMMER Das Programm Coaching4Future unterstützt Schülerinnen und Schüler bei der Berufswahl und informiert sie über die Perspektiven in MINT-Berufen. Besonders spannend für Mädchen und Jungen: der Truck »Discover Industry« und Workshops, bei denen es zum Beispiel einen fiktiven Mordfall zu lösen gilt.

Die Zukunftsaussichten in vielen Unternehmen sind blendend – und zugleich bedrohlich. Denn einerseits lässt der wirtschaftliche Boom die Auftragsbücher überquellen, andererseits macht der zunehmende Mangel an Fachkräften und Absolventen den Firmenlenkern Sorgen. Vor allem im MINT-Bereich – in Berufen und Studienfächern rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – und vor allem in der Hightech-Hochburg Baden-Württemberg werden viele offene Stellen unbesetzt bleiben. Mit Coaching4Future setzt die Baden-Württemberg Stiftung dem Defizit an gut ausgebildeten Arbeitskräften seit Jahren eine kraftvolle Initiative entgegen: Im Rahmen des Programms gehen junge Akademiker aus MINT-Berufen in Zweierteams als Coaches an weiterführende Schulen im Land. Dort informieren sie Jugendliche, die vor der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium stehen, über Alltag und Perspektiven in ihrem Job – lebendig und anschaulich.

Motivation für Mathematik & Co

Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern einen Eindruck zu vermitteln, wie spannend und abwechslungsreich Karrierewege im MINT-Bereich sind und welche Entfaltungsmöglichkeiten diese Berufe bieten: Persönliche Erfahrungen der Coaches werden zur Motivation für junge Menschen. Ein besonders eindrucksvoller Teil des Programms ist der Truck »Discover Industry – Chancen, Berufe, Zukunft«. Im Inneren des doppelstöckigen Lastzugs bieten rund 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche Gelegenheit, die moderne industrielle Produktion hautnah zu erkunden. Dazu enthält das imposante Mobil Exponate und Experimentierstationen, an denen Jugendliche in alle wichtigen Abläufe einer modernen Fabrik eintauchen können. In dem Truck, den die Baden-Württemberg Stiftung gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit entwickelt hat, ist zudem Raum für Workshops, in denen sich einzelne Aspekte der Industriewelt von der Produktentwicklung bis zur Serienfertigung in Gruppen vertiefen lassen.

Neue Workshops auf dem Plan

Die Workshops können auch Schulen als Ergänzung zum Besuch der Coaching-Duos von Coaching4Future buchen. Dafür wurden 2017 drei neue Workshops geschaffen. Darin lernen die Jugendlichen etwa, Roboter für unterschiedliche Anwendungen zu entwickeln. Sie müssen sich den Herausforderungen einer drohenden Umweltkatastrophe stellen – die es durch Einsatz cleverer Wissenschaft oder Ingenieurstechnik abzuwenden gilt. Oder sie begeben sich mit ausgefeilter Kriminaltechnik auf die Spuren eines fiktiven Verbrechens: Dazu

wird das Klassenzimmer zum Tatort – und die Schülerinnen und Schüler werden zu Ermittlern. Mit Methoden wie Fingerabdruck-Vergleich und genetischer Haaranalyse versuchen sie, einen Mordfall aufzuklären und den Täter dingfest zu machen. Industrie-Truck und Coaching-Teams machten 2017 an vielen Orten in Baden-Württemberg Halt. So war das Roadshow-Mobil »Discover Industry« im Februar einer der Höhepunkte auf der weltgrößten Bildungsmesse didacta in Stuttgart. Zudem war der Truck zu Gast bei der Langen Nacht der Technik in Heilbronn und Friedrichshafen. Motivatoren von Coaching4Future absolvierten etliche Messeauftritte und traten unter anderem beim Regionalwettbewerb von »Jugend forscht« in Weinheim sowie bei den Science Days im Europapark Rust auf.

Die Ministerin zu Gast

Umgekehrt konnten die Initiatoren des Programms mehrfach prominente Gäste willkommen heißen – zum Beispiel die baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Dr. Susanne Eisenmann, die dem Bildungs-Lkw auf der didacta einen Besuch abstattete.


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

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KOMPAKT

EMPOWERMENT-TAG

RÜCKENWIND FÜR WEIBLICHE FORSCHERTALENTE In Baden-Württemberg ist die Hälfte aller Studierenden weiblich – und dennoch sind Frauen auf Professorenstellen und in Führungspositionen bei Unternehmen rar. Sich im wissenschaftlichen Umfeld oder in der Firmenhierarchie auf dem Weg nach oben durchzusetzen, ist für Wissenschaftlerinnen oft immer noch eine Herausforderung. Motivierte Frauen, die Spitzenpositionen anstreben, brauchen nicht nur Fachkompetenz und eine frühzeitige Förderung, sondern auch Selbstvertrauen, Unterstützung durch Mentoren und weibliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Zudem darf der Wunsch, den beruflichen Aufstieg mit der Gründung einer Familie zu verbinden, für weibliche Talente kein Hindernis auf dem Karriereweg mehr sein. Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt Spitzenforscherinnen auf vielfältige Weise, unter anderem durch einen Empowerment-Tag. Das Konzept der Veranstaltung, die am 23. Februar 2017 erstmals stattfand, soll jungen Wissenschaftlerinnen Rückenwind für ihr berufliches Vorwärtskommen geben. Es umfasst informative und motivierende Vorträge sowie Workshops, in denen »brennende« Fragen aus der beruflichen Praxis diskutiert werden. So gab bei der Debüt-Veranstaltung in den Räumen der Stiftung Business Coach Stephanie Ekrod einen Einblick in »den weiblichen Weg zum Erfolg« und schälte zusammen mit den Teilnehmerinnen die Stärken des weiblichen Geschlechts heraus. Dr. Birgit Buschmann, Ministerialrätin und Leiterin des Referats Wirtschaft und Gleichstellung im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, informierte gemeinsam mit Dr. Gabriele Hardtmann, der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Stuttgart, über das Angebot an Initiativen zur Förderung von Frauen. Workshops befassten sich mit dem Arbeiten in einem männerdominierten Umfeld, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Frage nach dem Auftreten, der Wirkung und Wahrnehmung von Frauen im Berufsleben.


KOMPAKT

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

WANTED SCIENCE SLAM

DAS KREUZ MIT DEN PÄRCHEN Jens Wehner hat einen guten Freund. Doch die Freundschaft mit ihm leidet darunter, dass der Kumpel neuerdings in festen Händen ist – und seine Freundin als Spaßbremse wirkt. Gemeinsame Partys werden nun viel zahmer gefeiert als zu Single-Zeiten und gehen schneller zu Ende als früher. So begann der Physiker und Doktorand am Mainzer Max-PlanckInstitut für Polymerforschung seinen Beitrag zum WANTED Science Slam am 18. Mai 2017. Was sollte er bloß tun? Klar: Er musste auf auf eine Trennung des müden Paares hinwirken. Und schon war Wehner bei seinem eigentlichen Slam-Thema angelangt: der »Dissoziation von Zweiteilchenanregungen – wie man Paare auseinanderbringt«. Denn vor der gleichen Herausforderung wie Junggesellen beim Partyfeiern stehen auch Forscher, die eine möglichst effiziente Solarzelle entwickeln wollen: Soll Spannung entstehen, müssen Pärchen getrennte Wege gehen. Jens Wehner In einer Solarzelle bestehen die Paare Physiker aus Elektronen und sogenannten Löchern – Stellen im Kristallgitter des Halbleiter­ materials, wo das Sonnenlicht ein Elektron herausgelöst hat. Plumpst es wieder dort hinein, kann kein Strom fließen, und es bleibt keine nutzbare elektrische Energie übrig. Der sprachgewandte Jungwissenschaftler brachte die komplizierten physikalischen Zusammenhänge trefflich und mit viel Witz auf den Punkt, wobei er immer wieder den Bogen spannte zur ungeliebten Beziehung seines Freundes. In seinem munteren Beitrag, für den er wie die anderen Slammer des Abends gerade mal zehn Minuten Zeit zur Verfügung hatte, führte er das Publikum schließlich auf die elegante Lösung des Solarzellen-Knackpunkts hin: Fullerene. Diese kugelförmigen Gebilde aus mehreren Dutzend Kohlenstoff-Atomen werden wegen ihrer rundlichen Gestalt auch als Fußball-Moleküle bezeichnet. Sie erfreuen die Solarzellenforscher, denn sie machen ihnen die Trennung der ElektronLoch-Paare leicht. Und sie animierten Jens Wehner am Ende seines Slams zu einem daran abgeschauten Kniff, Paare aus Mann und Frau zu spalten: Verfolgt der Mann eifrig den Rasensport um die Lederkugel, verliert die Frau bald das Interesse an ihm. Wehners Schlussfolgerungen: »Paare sind unbrauchbar. Paare zu trennen, ist möglich. Und Fußball ist die Lösung.« Mit seinem originellen und unterhaltsamen Beitrag brachte der Mainzer Physiker, der sein Talent auch schon bei anderen Science Slams erfolgreich unter Beweis gestellt hat, die Zuhörer spielend auf seine Seite. So ging er bei der Abstimmung im Publikum schließlich als Sieger hervor. Auf den Plätzen zwei und drei landeten der Biologe Lorenz Adlung mit seinem Slam »Are we humans or are we cancer?« und die Neurowissenschaftlerin Wiebke Schick, die auf Medikamente für Epileptiker aufmerksam machte. Sicher ist: Der WANTED Science Slam in den Räumen der Baden-Württemberg Stiftung hat allen im Saal viel Spaß bereitet.

WISSENSCHAFTSGESPR ÄCHE

IM DIALOG MIT EXPERTEN In einer neuen Veranstaltungsreihe werden aktuelle Fragestellungen aus Wissenschaft und Gesellschaft in einem für alle offenen Format aus Vorträgen und Diskussionen angesprochen. Die Abendveranstaltung findet zweimal jährlich in Karlsruhe statt. Web-Portale, Suchmaschinen, soziale Plattformen wie Facebook, Twitter und Co: Digitale Medien haben einen großen Einfluss auf die gesellschaftliche Kommunikation. Traditionelle »Meinungsmacher« wie Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen scheinen daneben ins Hintertreffen zu geraten. Das führt zu wichtigen Fragen: Wie können die Nutzer von Internet-Medien verantwortungsvoll mit den Informationen aus dem Netz umgehen? Auf welche Weise kann man als Bürger im Zeitalter des Internets die demokratischen Prozesse mitgestalten? Diese Fragen standen im Fokus der »Wissenschaftsgespräche« am 10. Juli 2017 in Karlsruhe. Die Veranstaltungsreihe wird gemeinsam von der Baden-Württemberg Stiftung und dem Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchgeführt. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion aktueller Forschungsthemen voranzubringen – im offenen Austausch mit Wissenschaftlern, Politikern sowie Vertretern von Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen. Dazu dienen Vorträge, Diskussionen und persönliche Gespräche. Bei einer weiteren Veranstaltung am 21. November ging es um die Frage: »Bildung digital – was müssen wir für morgen wissen?« Auch 2018 werden die Wissenschaftsgespräche fortgesetzt.

Wiebke Schick, Lorenz Adlung und Jens Wehner (v.l.n.r.) Gewinner des WANTED Science Slam


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Forschung PH OTONIK, MIK ROELEK TRONIK, INFOR M ATIONSTECHNIK

NEUE AUGEN FÜR DIE FABRIK DER ZUKUNFT Ein wesentlicher Vorteil von vernetzter Fertigung ist die Möglichkeit, individualisierte Produkte in kleiner Stückzahl automatisch herzustellen. Doch das stellt hohe Anforderungen an die Qualitätsprüfung. Im Programm Photonik, Mikroelektronik, Informationstechnik schaffen Forscher aus dem Land die Basis, um sie zu erfüllen. In den Produktionsbetrieben ist vieles im Wandel. Der Weg hin zur Industrie 4.0 eröffnet ganz neue Möglichkeiten, doch er macht es auch erforderlich, Prozesse an den Anlagen zu verändern und anzupassen. Ein Ziel für die Fabrik der Zukunft ist die Herstellung möglichst individuell gestaltbarer Produkte – im Extremfall von Einzelstücken, je nach Wunsch des Kunden. Eine Voraussetzung dafür ist eine Pro­ duktionsumgebung, die sich selbst optimieren und flexibel an die sich ständig wandelnden Anforderungen anpassen kann. Hier setzt das Projekt »AdaScope« der Baden-Württemberg Stiftung an. Das Kürzel steht für »Adaptive chromatisch-konfokale Spektralinterferometrie« und macht den Fokus deutlich, auf den die Forscher in dem Projekt ihr Augenmerk richten: Es geht um Anpassungsfähigkeit und um neue Messverfahren, die sie erst ermöglichen.

flexible Fertigung bedingt, dass einzelne Prüfaufgaben mitunter im Takt der Produktion zu lösen sind.« Denn statistische Aussagen zur Qualität anhand von wenigen Stichproben, wie sie bislang üblich sind, reichen bei der Herstellung von Produkten mit hohem Maß an Individualität nicht aus. »Stattdessen sind vielseitig einsetzbare, multifunktionale optische Sensoren erforderlich, die sich vor allem durch ein hohes Messtempo auszeichnen«, sagt Beyerer. Damit eignen sie sich für eine ständige Überwachung im laufenden Produktionsbetrieb. Die Technik dafür entwickeln der Ingenieur und sein Team gemeinsam mit Wissenschaftlern um Prof. Wolfgang Osten am Institut für Technische Optik der Universität Stuttgart in dem Projekt, das Teil des Forschungsprogramms Photonik, Mikroelektronik, Informationstechnik ist.

Sportliche Aufgabe für die Sensorik

Die Herausforderung, der sich die Forscher dabei stellen, ist enorm. Mit der bisher verfügbaren spezialisierten Messtechnik lassen sich die künftig notwendigen Qualitätsmessungen in Hochgeschwindigkeit nicht realisieren. Daher setzen die beiden Arbeitsgruppen in Karlsruhe und Stuttgart auf ein neues Konzept: Sie verfolgen ein multi-

»Eine selbstoptimierende Produktionsumgebung stellt hohe Ansprüche an die Sensorik zur Überwachung der Qualität«, sagt Prof. Jürgen Beyerer, Leiter des FraunhoferInstituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB in Karlsruhe. »Eine

Viele Techniken intelligent vereint

funktionales, chromatisches – also von verschiedenen Spektralfarben abhängiges – Prinzip, das Messungen ganz unterschied­licher Art ermöglicht. Je nach Prüfaufgabe kommen dabei verschiedene Techniken zum Einsatz, die allesamt in einer kompakten Optik integriert sind – technisch eine ausgesprochen knifflige Aufgabe, da sie Mechanik, Optik und digitale Signalverarbeitung miteinander verknüpft. Die zentrale Innovation, die die Forscher schaffen, ist ein Messverfahren, das sich eigenständig bestmöglich auf jede Ferti­ gungsvariante einstellt. Um das zu erreichen, entwickeln die beiden AdaScope-Teams eine adaptive Form der Signalverarbeitung. »Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren, die für einen Qualitätstest den kompletten Messbereich mit hoher Auflösung abtasten, arbeitet sie nach einer Grob-zu-fein-Strategie«, erklärt Projektkoordinator Beyerer: Eine intelligente optische 3D-Sensorik ermittelt jede Messgröße Schritt für Schritt mit immer besserer Präzision. Das führt zielgenau zu exakten Ergebnissen für die Qualität der an der Anlage gefertigten Produkte. Und geht zudem rasend schnell – mit Highspeed hin zur Produktion 4.0.


Forschung IND USTRIE 4.0

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ERHELLUNG IM LICHTBOGEN

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Prinzip der Technik, die das Forscherteam im Projekt »CloudArc« der Baden-Württemberg Stiftung geschaffen haben: Bei möglichst vielen Anlagen und für unterschiedliche Werkstoffe und Lötungen wird während des laufenden Schweißprozesses eine Vielzahl von Daten aufgezeichnet, analysiert und in einer Cloud gespeichert. So entsteht nach und nach ein umfassender Schatz an digitalem Erfahrungswissen, der ständig weiter wächst – und der den Programmierern von Schweißrobotern wertvolle Tipps für die Konfiguration der Maschinen gibt. Zu Beginn des Projekts sprachen die Forscher mit etlichen Schweißern, um zunächst herauszufinden, wo der Schuh drückt. »Danach haben wir ein mittelständisches Unternehmen aus Leinfelden-Echterdingen gewinnen können und mehrere konkrete Anwendungsfälle erarbeitet und optimiert«, berichtet Alexander Schmidt. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie sich die Art des Materials und die Form der Schweißnaht auf Geschwindigkeit und Energiebedarf des Arbeitsprozesses auswirken. Oder wie sich kleine Fehler in der Einstellung der Anlage, die die Qualität des Schweißergebnisses beeinträchtigen, aufspüren und beheben lassen.

Sekundengenaues Bild vom Schweißen

In modernen Produktionsbetrieben übernehmen meist Roboter die Aufgabe, Bauteile zu verschweißen. Sie dafür bestmöglich zu rüsten ist eine kniffelige Aufgabe. Im Programm Industrie 4.0 – Gestaltungspotentiale für den Mittelstand in Baden-Württemberg erforschen und nutzen haben Forscher ein Werkzeug geschaffen, das die Bediener der Anlagen dabei unterstützt. Stattliche Kerle, die im Schutzanzug an einem funkensprühenden Schweißgerät stehen, sind immer seltener zu sehen. Stattdessen verrichten inzwischen in den meisten Schweißbetrieben Roboter die mühevolle Arbeit. Damit sie jedes Material mit jeder gewünschten Schweißnaht so schnell, sauber und energieeffizient wie möglich verlöten, müssen die Maschinen präzise eingestellt werden. »In mittelständischen Betrieben beruht das Schweißen bislang meist auf Expertenwissen und Bauchgefühl«, sagt Alexander Schmidt, Forscher am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart. »Der Bediener variiert die Konfiguration des Schweißprozesses für jedes zu bearbeitende Bauteil immer wieder – so lange, bis eine geeignete Einstellung gefunden ist und der Schweißvorgang stabil vonstattengeht.« Allerdings: Das Optimum ist das meist nicht. »Das Schweißen wäre in der Regel auch zeitsparender und mit einem geringeren Energieverbrauch möglich«, sagt Schmidt.

Wachsender Wissensschatz

Zusammen mit Kollegen am ISW und am Stuttgarter FraunhoferInstitut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA hat der Ingenieur ein smartes System entwickelt, das den Bedienern von Schweißrobotern hilft, die bestmögliche Einstellung zu finden. Das

Dafür entwickelten die Forscher eine intuitiv handhabbare Software-Oberfläche und bauten eine Forschungsanlage auf. »Damit haben wir zahlreiche Testteile geschweißt und ein Modell entwickelt, um die dabei gemessenen Daten zu verarbeiten und zu verbinden«, erklärt Schmidt: etwa den Druckverlauf des Schutzgases und die am Lichtbogen anliegende elektrische Spannung. Die ausgewerteten Daten wandern in eine Cloud, wo sie jederzeit abrufbar sind. Der Bediener kann sich dann einloggen und erhält sekundengenau ein präzises Bild des Schweißvorgangs. Beim Einfahren einer neuen Anlage oder dem Anpassen des Schweißroboters an ein neues Bauteil, liefert ihm das System punktgenau die passenden Informationen. »Das macht die Programmierung deutlich schneller«, sagt Schmidt. Es spart zudem Kosten und reduziert den Ausschuss zu Beginn der Produktion. Dass das Konzept funktioniert und tatsächlich die erhofften Vorteile bringt, haben die Forscher an einer Versuchsanlage bereits belegt. »Im nächsten Schritt wollen wir das System im laufenden Fertigungsprozess testen«, sagt Schmidt. Am Schluss der Entwicklung, hofft der Ingenieur, könnte ein Produkt stehen, das die Arbeit in vielen Schweißereien einfacher und effizienter macht.

Alexander Schmidt Forscher am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart


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Forschung IK T-SICHER HEIT

EIN RIEGEL FÜR DIE HARDWARE Eine Schwachstelle beim Datenschutz liegt bei der Technik im Herzen der Computer. In dem Programm IKT-Sicherheit ebnen Forscher den Weg, um Hackern den Zugriff auf die Hardware zu verwehren.

Datensicherheit ist ein großes und wichtiges Thema. Doch meist geht es dabei vor allem um den Schutz von Software oder um den Schutz des Kunden bei der Nutzung von Online-Diensten. Die Hardware dagegen steht selten im Fokus von Sicherheitsfragen. Dabei bieten gerade Prozessoren, Speicherelemente und elektrische Verbindungen eine breite Angriffsfläche für Hacker und Datendiebe. »Sichere Informations- und Kommunikationstechnologien erfordern integrierte und aufeinander abgestimmte Schutzmaßnahmen auf allen Ebenen«, betont Prof. Dr. Hans-Joachim Wunderlich. Der Inhaber des Lehrstuhls für Rechnerarchitektur am Institut für Technische Informatik der Universität Stuttgart ist Koordinator des Forschungsprojekts »Sichere Hardware in der Infor­m a­t ionsverarbeitung«, kurz SHIVA. Darin haben die Stuttgarter Informatiker gemeinsam mit Fachkollegen im Team von Prof. Dr. Bernd Becker an der Universität Freiburg vor allem den Schutz der (Chip-)Infrastruktur im Blick – dabei handelt es sich um verborgene technische Bausteine auf dem Mikrochip, die für seine Funktion bedeutungslos sind, die aber zum Beispiel für Diagnosen und Fehleranalysen notwendig sind.

Ein weites Feld für Manipulationen

Rechte an intellektuellem Eigentum – etwa durch Ausforschen und unerlaubtes Kopieren von technischen Details.

Zwei Arten von Schutzmechanismen

Im Projekt SHIVA, das die Baden-Württemberg Stiftung drei Jahre lang im Forschungsprogramm IKT-Sicherheit finanziert, wollen die Wissenschaftler aus Freiburg und Stuttgart dem Missbrauch einen Riegel vorschieben. »Dazu haben wir inzwischen zwei Arten von Schutz gegen unberechtigte Zugriffe geschaffen«, berichtet Hans-Joachim Wunderlich. »Wir haben einen Filter entwickelt, über den sich die Nutzer, die auf die Hardware zugreifen wollen, autorisieren müssen und der das Management der Zugriffsrechte übernimmt.« Dahinter steckt eine enorme technische Herausforderung, denn auf die Infrastruktur eines Mikrochips greifen im Lauf der Zeit zahlreiche Nutzer zu. Sie verwenden die versteckte Mikrotechnik etwa während der Fertigung des Chips, beim Einbau in ein Produkt und immer dann, wenn dieses verwendet oder repariert wird: bei einem Fahrzeug zum Beispiel der Fahrer oder die Mitarbeiter einer Werkstatt. »Stets ist dabei ein anderer Schutz mit unterschiedlichen Zugriffsrechten erforderlich«, erklärt Wunderlich.

»In den heute verwendeten hochgradig digitalisierten Systemen ist viel InfraMathematik sorgt struktur vorhanden«, sagt Wunderlich. »Sie für Gewissheit macht oft ein Viertel der gesamten Technik auf einem Chip aus.« Das macht den AufEin weiteres Resultat der Forschungsarbeit Prof. Dr. Hans-Joachim Wunderlich bau moderner Mikrochips sehr komplex. im Rahmen von SHIVA ist eine Methode Und es macht die Systeme verwundbar, Lehrstuhl für Rechnerarchitektur für den Entwurf und die Verifikation der an der Universität Stuttgart denn die Infrastruktur bietet die GelegenHardware-Sicherheit. »Dazu haben wir heit für Manipulationen unterschiedlicher Modelle entwickelt, die einen zuverlässigen Art. So lässt sie sich als Hebel missbrauchen, mathematischen Beweis ermöglichen, dass um über die Mikrochips ein Produkt in bestimmte Angriffe auf das System auseiner unzulässigen – und teils gefährlichen – Weise zu betreiben. geschlossen sind.« Das macht bisher übliche aufwendige und oft »Ein einfaches Beispiel dafür ist das Tuning von Automobilen«, nicht ausreichend aussagekräftige Simulationen überflüssig. sagt Wunderlich. Auch für medizintechnische Geräte und mit»Die Grundkonzepte stehen«, freut sich Hans-Joachim Wunderlich. einander vernetzte sogenannte cyberphysische Systeme in moder- Nun wollen er und seine Kollegen deren Funktionsfähigkeit in vernen Produktions­a nlagen – Stichwort: Industrie 4.0 – bedeutet das schiedenen praktischen Anwendungen testen. Die Perspektiven sind eine Gefahr. gut. Mehrere Industrieunternehmen haben bereits Interesse Weitere Angriffspunkte auf Hardware-Ebene sind der Diebstahl bekundet und stehen im Kontakt mit den Wissenschaftlern. geschützter Daten aus einem Mikrochip oder die Verletzung der


Forschung BIOINSPIRIERTE M ATERIALSYNTHESE

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WUNDERSTOFFE AUS TREIBHAUSGAS Im Programm Bioinspirierte Materialsynthese formen Forscher neuartige Werkstoffe nach Vorbildern der Natur. Aus dem Treibhausgas Kohlendioxid entstehen so durch »grüne« Chemie unkonventionelle Materialien mit programmier- und schaltbaren Eigenschaften, die sich an ihre Umwelt anpassen, selbst heilen und bei Bedarf verstärken können. Polyurethane sind ein Allerweltskunststoff. Wo man auch hinschaut, findet man das Material, das Chemiker bei Bayer in den 1930er-Jahren zum ersten Mal erzeugt haben. Die Stoffklasse, die häufig einfach PUR genannt wird, steckt zum Beispiel in Schaumstoffpolstern, Matratzen, Plastikrohren, Schuhsohlen, Dämmplatten, Bowlingkugeln, Fußbällen, latexfreien Kondomen und Lacken. Rund 20 Millionen Tonnen des bei Herstellern beliebten Materials werden Jahr für Jahr produziert – allerdings nicht unbedingt zum Vorteil der Umwelt. »Um Polyurethane herzustellen, benötigt man sogenannte Isocyanate als Zwischenprodukte«, erklärt der Chemiker Prof. Rolf Mülhaupt, Leiter des Freiburger Material-

Prof. Rolf Mülhaupt Chemiker

forschungszentrums (FMF) an der Universität Freiburg. Um an die Isocyanate zu gelangen, greifen die Chemieunternehmen zu den giftigen Stoffen Phosgen und aromatischen Aminen – Substanzen, von denen einige als krebserregend gelten. Und noch ein weiteres Problem haftet PUR an: Als Ausgangsbasis für die Produktion dient meist Erdöl.

Umweltfreundlicher Weg zu Polyurethanen

Das will Rolf Mülhaupt gemeinsam mit Forscherkollegen biologischer, chemischer, physikalischer und materialwissenschaftlicher Institute in Freiburg und Karlsruhe ändern. In dem Projekt »grünPUR« hatten sich die Wissenschaftler zum Ziel gesetzt, einen umweltfreundlichen »grünen« Zugang zu neuartigen Polyurethan-Werkstoffen zu erschließen. Das Projekt aus dem Programm Bioinspirierte Materialsynthese der BadenWürttemberg Stiftung brachte dafür einen vielversprechenden neuen Ansatz: Er nutzt das Treibhausgas Kohlendioxid als Rohstoff, der biologisch und chemisch gebunden wird und völlig neuartige PUR-Materialien zugänglich macht, ohne giftige Zwischenprodukte zu erfordern. »Zwar lassen sich Polyurethane schon heute teilweise auch aus nachwachsenden Rohstoffen wie Pflanzenölen oder Zucker

gewinnen«, sagt Mülhaupt. »Doch die chemischen Verfahrensschritte sind in der Regel dieselben wie bei der Herstellung aus Rohöl.« Auf die giftigen und feuchtigkeitsempfindlichen Isocyanat-Zwischenprodukte kann man bislang nicht verzichten und muss bei der Produktion und Verarbeitung von PUR entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen.

Neue Materialien nach Maß

Anders bei der neuen Art von Polyurethan, die die Forscher bei grünPUR entwickelt haben: Hier wird das Treibhausgas Kohlendioxid chemisch und biologisch in ungiftigen und gegen Feuchtigkeit unempfindlichen Zwischenprodukten gebunden, aus denen sich neuartige Polyurethan-Materialien ohne den Einsatz giftiger und feuchtigkeitsempfindlicher Zwischenprodukte maßschneidern lassen. Inspiriert durch das Vorbild der Natur können sich diese neuen Polyurethane selbst heilen und anpassen: Sie erkennen Veränderungen ihrer Umwelt und reagieren darauf mit einem Wandel von Form und Eigenschaften.

Ein Baukasten aus grünen Kunststoffen

Ausgehend von Kohlendioxid, Sauerstoff und Bio-Rohstoffen wie dem Naturstoff Limonen (die Betonung liegt auf der letzten Silbe mit


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dem »e«), der aus Orangenschalen gewonnen wird, entstehen über mehrere chemische Verarbeitungsstufen letztlich Biokunststoffe mit steuer- und schaltbaren Eigenschaften. Je nachdem, welche Zugaben beigemengt werden, sind die Produkte hart und kratzfest oder weich und gummielastisch. Mit diesem Baukastensystem lassen sich Eigenschaften und ihre Veränderung leicht programmieren. Die erhaltenen PUR-Kunststoffe sind den konventionellen PUR-Materialien ebenbürtig und können sie sogar übertreffen. Um das zu demonstrieren, haben Rolf Mülhaupt und sein Team zum Beispiel kratzfeste, von Perlmutt inspirierte Lacke aus »grünem« PUR hergestellt.

nur giftfrei hergestellt werden, sondern zudem durch ihre ungewöhnlichen und programmierbaren Eigenschaften sowie durch ihre Anpassungsfähigkeit glänzen. Dabei setzt das Team von Prof. Thomas Speck, Leiter der Biomechanics Group und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Freiburg, auf eine besondere Gattung von Pflanzen als Ideengeber: Die sogenannten Wiederauferstehungspflanzen können auch lange Trockenphasen überdauern. Blätter und Stängel verdorren dann zwar, doch beim ersten Regen oder wenn sie gegossen werden, gewinnen sie rasch neue Lebenskraft.

Das Ideal: pflanzliche Wiederauferstehung

Durch spezielle Nanostrukturen haben die Projektpartner Prof. Günter Reiter vom Freiburger Lehrstuhl für Experimentelle Polymerphysik und Dr. Ruth Schwaiger vom

Doch die Wissenschaftler wollen noch mehr erreichen: alternative Kunststoffe, die nicht

Die Künstler unter den Kunststoffen

Forschung HIG H PERFOR M ANCE CO MPUTING

Institut für Angewandte Materialien am KIT in Karlsruhe gemeinsam mit Rolf Mülhaupt diese Fähigkeit technisch nachgebildet. Das macht die Bio-Polyurethane zu echten Künstlern: Die Nanostrukturen geben ihnen etwa die Fähigkeit zur Selbstversteifung – ein Merkmal, das Gebäude oder Windräder aus dem Material auch starken Stürmen trotzen ließe. Oder sie verleihen dem Kunststoff selbstheilende Kräfte, die etwa Kratzer und Risse in einem Lack aus Bio-PUR wie von Geisterhand verschwinden lässt. Zudem können die Eigenschaften von Bio-PUR, die biokompatibel sind, so programmiert werden, dass sie interaktiv auf Signale ihrer Umwelt mit Eigenschafts- und Formänderungen antworten können. Rolf Mülhaupt ist zuversichtlich, dass der grüne Werkstoff aus Baden-Württemberg damit auch die Industrie überzeugen wird.

VIRTUELLES MUSKELSPIEL Im Programm High Performance Computing werden Computer mit höchster Leistung und neue Rechenmethoden genutzt, um komplexe Forschungsprobleme zu lösen. Stuttgarter Wissenschaftler simulieren damit die Funktion der Muskeln – für ein verbessertes Verständnis unseres Bewegungsapparats. Es ist ein häufiges Problem der Medizin: Dasselbe Arzneimittel wirkt bei manchen Patienten gut, bei anderen dagegen gar nicht. Denn der Körper jedes Menschen hat seine individuellen Eigenheiten, die sich bei Entwicklung und klinischen Tests eines neuen Medikaments nicht berücksichtigen lassen. Dem behandelnden Arzt bleibt daher oft nichts anderes übrig, als nach dem Prinzip Versuch und Irrtum zu experimentieren, bis das geeignete Präparat gefunden ist.

Experimente am digitalen Double

In Zukunft könnte dieses mühselige und für den Patienten frustrierende Vorgehen überflüssig werden. Denn weltweit feilen Wissenschaftler an Computermodellen des Körpers, die das Experimentieren vom Menschen auf einen digitalen Zwilling verlagern würden: In Daten gegossene Abbilder von Knochen, Muskeln, Organen und Nerven werden sich dereinst vielleicht als virtueller Teststand für Tropfen und Tabletten nutzen lassen. Damit,

so die Hoffnung der Forscher, können Mediziner die Wirksamkeit und den Nutzen einer Arznei für jeden einzelnen Patienten an seinem digitalen Double ergründen. Doch bis es so weit ist und Mediziner ein weitgehend vollständiges Menschmodell zur Verfügung haben, haben die Wissenschaftler noch viel Arbeit. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistet ein Forscherteam um Prof. Dr. Oliver Röhrle. Er leitet die Forschungsgruppe für Kontinuumsbiomechanik und Mechanobiologie am Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech) der Universität Stuttgart. Gemeinsam mit Kollegen aus etlichen anderen Fachbereichen – Informatikern, Mathematikern und Experten für die Visualisierung von Daten – entwickelt er einen zentralen Baustein für ein digitales Modell des menschlichen Körpers: Es soll die Funktion des neuromuskulären Systems im Computer nachahmen – des Zusammenspiels von Nerven und Muskeln, das jegliche Art von körperlicher Bewegung steuert.


Forschung HIG H PERFOR M ANCE CO MPUTING

Detaillierte Modelle der Muskulatur

»Unser Ziel ist es, hochaufgelöste Modelle der Skelettmuskulatur mit digitalen Abbildern der Nervensignale wiederzugeben«, erklärt Röhrle. »Dadurch hoffen wir, die Funktion von Muskeln und Nerven und die Bewegungs­ abläufe besser verstehen zu lernen.« Die Baden-Württemberg Stiftung finanziert die Forschung in dem Projekt »Towards a digital human« (DiHu), das im November 2016 gestartet ist.

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leistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) zur Verfügung stehen – nicht weit entfernt von Oliver Röhrles Arbeitsgruppe auf dem Unicampus in Stuttgart-Vaihingen. Sie gehören zu den modernsten und kraftvollsten Rechenmaschinen weltweit. Dennoch können die Forscher für die Simulation des menschlichen Bewegungsapparats nicht einfach mit den Computermonstern loslegen. Stattdessen stehen zunächst unter anderem die Entwicklung geeigneter numerischer Verfahren und die Anpassung der Nerven- und Muskelmodelle an die spezielle Architektur der Rechner auf dem Programm. Erst dann kann sich deren Rechenleistung voll entfalten.

Feintuning mit elektrischen Signalen

Prof. Dr. Oliver Röhrle Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech) an der Universität Stuttgart

Oliver Röhrle und seine Mitstreiter haben sich viel vorgenommen. Insgesamt rund 650 Muskeln sorgen im menschlichen Körper für die Beweglichkeit seiner Bestandteile. Dirigiert werden sie durch sogenannte Aktionspotenziale: elektrische Signale, die das Gehirn über Nervenbahnen an die Fasern in den Muskeln schickt. Daraus ergibt sich ein enorm komplexes Netzwerk aus biologischen Steuerungssträngen: Denn viele Muskeln, etwa die im Oberschenkel, enthalten mehrere hunderttausend bis zu einer Million einzelne Fasern.

Eine Million Fasern im Fokus

»Bislang konnten wir Reize und Kräfte nur für ein paar tausend Fasern berechnen«, sagt Röhrle. Schon das brachte selbst die größten Cluster von Rechenmaschinen an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Doch für eine wirklichkeitsnahe Simulation der biolo­g ischphysikalischen Vorgänge genügt das nicht. Dazu müssen die Wissenschaftler die mächtigen Bündel von Einzelfasern möglichst vollständig nachbilden. In dem interdisziplinären Projekt, das drei Jahre lang laufen wird, wollen die Stuttgarter Forscher dieses ambitionierte Ziel erstmals erreichen. Dazu setzen sie auf die immense Rechenpower von Supercomputern, die am Höchst-

Um die digitalen Funktionsmodelle mit der Realität im menschlichen Körper in Einklang zu bringen, berechnen und messen die Wissenschaftler sogenannte Elektromyogramme (EMG). »Sie sind das Pendant bei den Muskeln zum bekannten EKG, das Einsicht in die elektrische und mechanische Aktivität des Herzens gibt«, erklärt Röhrle: »Das EMG liefert Aufzeichnungen der überlagerten elektrischen Signale von einzelnen Muskelfasern.« Aus dem Vergleich von berechneten und gemessenen EMG-Daten lassen sich die biologischen Prozesse im zentralen Nervensystem bei der Muskelbewegung ablesen und in ein mathematisches Modell übertragen. Ein weiterer Schwerpunkt der DiHuForscher liegt auf einer möglichst klaren und anschaulichen Visualisierung der Simu­ lationsergebnisse.

Crashtests, Knieprothesen und Arbeitsplatzgestaltung

Neue Erkenntnisse über Belastungen des Körpers, die sich aus den Simulationen am digitalen Muskel- und Nervensystem ergeben, könnten künftig etwa bei einer ergonomisch günstigen Gestaltung von Arbeitsplätzen helfen. Oder dazu beitragen, dass virtuelle Crashtests, in denen neue Automobil- oder Flugzeugmodelle im Computer gegen die Wand geschoben werden, zu genaueren Resultaten führen. Implantate wie künstliche Knie- oder Hüftgelenke ließen sich auf Basis der Muskelsimulationen passgenauer auf die Bedürfnisse eines jeden Patienten zuschneiden. Und zusammen mit der Simulation anderer Abläufe im menschlichen Körper – zum Beispiel des Herzschlags, des Blutflusses durch die Adern und der Versorgung von Zellen mit Nährstoffen durch das Blut – kämen die Forscher dem Ziel eines digitalen Zwillings des Menschen ein großes Stück näher.


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Forschung NEUROROBOTIK

NEUE PERSPEKTIVEN NACH DEM SCHLAGANFALL Viele Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, behalten eine Lähmung zurück. Im Programm Neurorobotik haben Forscher in Tübingen eine neue Technik entwickelt, die den Betroffenen hilft, ins Alltagsleben zurückzufinden.


Forschung NEUROROBOTIK

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Rund 270.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall – ein Schicksal, das das Leben der Betroffenen dramatisch verändert. Denn nach der Attacke, die meist von einer Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht wird, bleiben bei den meisten Patienten Lähmungen zurück. Häufig tragen gerade die Gehirnbereiche Schädigungen davon, die für die Steuerung von Bewegungen zuständig sind. »Zwar lassen sich die neuronalen Schäden bei einem großen Teil der Patienten durch intensive Physiotherapie reparieren, indem sich Hirnzellen neu organisieren«, sagt Prof. Dr. Niels Birbaumer. »Doch bei etwa jedem dritten Betroffenen ist das bislang nicht möglich.« Diese Menschen müssen sich damit abfinden, dass sie zeitlebens gelähmt bleiben. Für sie wird das tägliche Leben zu einer ständigen Herausforderung, viele Betroffene werden depressiv und verlieren den Lebensmut.

Verbindung zwischen Geist und Technik

Das Forschungsprojekt »Gehirn-Muskel-Rehabilitation-Roboter-Schnittstelle« (GRUENS) der Baden-Württemberg Stiftung, das 2017 nach drei Jahren abgeschlossen wurde, gibt Schlaganfall-Patienten nun neue Hoffnung. Der Psychologe und Neurowissenschaftler Birbaumer, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensneuro­ biologie an der Universität Tübingen, leitete das Projekt. Zentraler Baustein des darin verfolgten Ansatzes ist ein sogenanntes Brain-Machine-Interface: eine Nahtstelle zwischen Geist und Technik. Sie ermöglicht es, ins Gehirn von Menschen hineinzublicken, Gedanken und Absichten zu erkennen – und bei deren Umsetzung zu helfen. Für Menschen, die etwa Arm und Hand nicht mehr eigenständig bewegen können, werden die gelähmten Körperteile dadurch wieder benutzbar.

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entschlüsselt die Signale und erkennt daran, wohin der Patient seine Gliedmaßen führen will.« Ein bewegliches Korsett, in das der Arm gebettet ist, setzt die Kommandos um und lenkt den Arm oder die Hand in diese Richtung. So schließt die Technik die Lücke in der Kommunikation des Nervensystems, die der Schlaganfall zwischen der »Kommandozentrale« im Gehirn und der ausführenden Muskulatur gerissen hat.

Lesen in den Gehirnströmen

Dazu haben die Wissenschaftler in Tübingen eine Plattform für das Training gelähmter Schlaganfall-Patienten aufgebaut. Um die Steuersignale des menschlichen Geistes lesen zu können, muss sich der Nutzer eine Gummihaube über den Kopf ziehen. Die ist gespickt mit Sensoren zum Messen der elektromagnetischen Ströme unter der Schädeldecke. Darin ist die Absicht zum Bewegen des gelähmten Körperteils verborgen. Ein Rechner wertet die aufge­fan­ genen Signale aus. »Je nachdem, in welchen Bereichen das Hirn aktiv ist, lässt sich darauf schließen, welche Bewegung der Patient ausführen will«, erklärt Ander Ramos. Eine korsettartige Prothese setzt die Bewegung dann mit dem gelähmten Arm um. Die Idee hinter dem Verfahren: Trainiert man das Gehirn auf diese Weise regelmäßig über einige Wochen oder Monate hinweg, wird es fit gemacht für eine nachfolgende Rehabilitation. Die durch den Schlaganfall beschädigten Nervenverbindungen sind nach einiger Zeit bereit, sich wieder aufzubauen. »Wenn alles gutgeht, kann sich der Patient danach wieder eigenständig bewegen – und das durch eine andere Therapie weiter verbessern«, sagt Ramos.

Deutlich verbesserte Empfindlichkeit

Dass das funktioniert, haben die Forscher in einer früheren Studie mit gelähmten PatienHilfe für die Steuerung ten gezeigt. Doch die konnten an der Anlage im Gehirn im Labor nur sehr einfache Bewegungen ausAllerdings: »Um die verlorene Fähigkeit, probieren und etwa ihren Arm strecken. »Beim GRUENS-Projekt haben wir die Arme, Beine oder Hände zu bewegen, nach einem Schlaganfall mithilfe von KrankenEmpfindlichkeit bei der Messung und beim gymnastik wiederzuerlangen, muss etwas Entschlüsseln der Hirnströme deutlich verrestliche Beweglichkeit vorhanden sein«, bessert«, sagt Ramos. Dafür nutzen die sagt Dr. Ander Ramos, der am Institut von Wissenschaftler, um die Neuroprothese zu Dr. Ander Ramos (oben) Niels Birbaumer eine zwölfköpfige Arbeitssteuern, neben Hirnströmen auch schwache und Prof. Dr. Niels Birbaumer Muskelbewegungen. Die sind selbst bei viegruppe leitet. Patienten, die zum Beispiel (unten) ihren Arm gar nicht mehr bewegen können, len gelähmten Menschen nachweisbar. demonstrieren eine Armprothese, die »Außerdem haben wir die Möglichkeit blieb die Möglichkeit der Therapie bislang Patienten nach dem Schlaganfall helfen verschlossen. Im Projekt GRUENS schufen geschaffen, auch komplizierte Bewegungen kann, sich wieder zu bewegen. Ramos und seine Teamkollegen eine Möglichzu machen, wie sie im Alltag notwendig keit, das zu ändern, indem der Arm mit techsind«, ergänzt der Forscher: beispielsweise nischer Hilfe gelenkt wird. So lernen die für das Greifen nach Gegenständen. Gesunden die Steuerung des Körperteils verantwortlichen Hirnregionen, dass Testpersonen gelang das bereits. ihre neuronalen Kommandos erfolgreich sind – und stemmen sich Im Anschluss an das erfolgreich beendete Projekt der Baden-Würtso gegen das Vergessen. temberg Stiftung folgen nun Experimente mit Schlaganfall-Patienten, Dazu setzten die Tübinger Wissenschaftler auf die Verbindung zum denen die Elektroden ins Gehirn eingepflanzt wurden. Es ist ein weiGehirn mit einem Brain-Machine-Interface. »Damit fangen wir die terer wichtiger Schritt hin zu einer besseren Lebensqualität für die Hirnströme auf, die den Muskeln das Signal zum Bewegen von Arm betroffenen Menschen. oder Hand erteilen«, erklärt Ramos. »Ein Computerprogramm


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STATEMENT

Wenn Meinungsfreiheit gegeben ist, können wir gewährleisten, dass diese auch geäußert werden kann? JA, INDEM WIR ALLEN MENSCHEN EINE STIMME GEBEN. »Die Meinungsfreiheit sollte jedem zustehen. Doch die freie Meinung hat nur einen Sinn, wenn man sie auch äußern darf – und kann. Leider haben viele Menschen dazu keine Möglichkeit, weil eine schwere Erkrankung ihnen die Möglichkeit geraubt hat, sich mit anderen auszutauschen, obwohl sie dies ›im Geiste‹ und in der Vorstellung könnten, zum Beispiel Gelähmte. Deshalb halte ich es für eine Pflicht der Forschung und der Gesellschaft, alles dafür zu tun, dass auch diese Menschen wieder eine Stimme bekommen – und ihre Meinung frei artikulieren können. Moderne Technologien der Neurorobotik und Neuroprothetik schaffen dafür die Grundlage.«

Prof. Dr. Niels Birbaumer Psychologe und Neurowissenschaftler

Prof. Dr. Niels Birbaumer ist Psychologe und Neurowissenschaftler. Er forscht in Tübingen und Genf unter anderem an Schnittstellen zwischen Maschinen und dem menschlichen Gehirn. Sie helfen Menschen mit gelähmten Armen oder Beinen, sich wieder zu bewegen. Die Technik gibt außerdem Menschen, die etwa unter Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leiden – und keine Möglichkeit mehr haben, zu sprechen oder auf andere Art zu kommunizieren –, die Chance, ihre Gedanken mitzuteilen.


Forschung NICHT-KODIER ENDE R N AS

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KLEIN, ABER OHO! MICRORNAS GEGEN PFLANZENFEINDE

Krankheitserreger oder Pilze führen in der Landwirtschaft häufig zu Ernteausfällen. Tübinger Wissenschaftler haben im Programm Nicht-kodierende RNAs untersucht, wie man die Abwehrkräfte von Pflanzen stärken kann – und haben dabei vielleicht ein zusätzliches Werkzeug für den integrierten Pflanzenschutz entdeckt. Sie sind winzig klein, haben aber erstaunliche Fähigkeiten: MicroRNAs sind in den Zellen von Menschen, Tieren und Pflanzen über verschiedene Wege aktiv und regulieren fast alle biologischen Prozesse. Der weitreichende Einfluss dieser kleinen Ribonukleinsäure-Moleküle wurde erst in den letzten 20 Jahren erkannt. Studien zufolge sollen MicroRNAs nicht nur das Schlaganfall-Risiko senken oder als körpereigenes Antidepressivum wirken. Sie sollen sogar die Ausbreitung von Krebszellen verhindern können. Doch nicht nur im menschlichen Körper haben diese Moleküle wichtige Funktionen. »Auch bei Pflanzen werden praktisch alle Abschnitte im Lebenszyklus durch MicroRNAs kontrolliert«, erklärt der Biologe Prof. Dr. Sascha Laubinger. »Sie regulieren die Samenkeimung, die Keimlingsund Blattentwicklung, sie bestimmen, wann die Pflanze blüht und wann sie abstirbt.« Laubinger und sein Team an der Universität Tübingen haben im Rahmen des Projekts »Die Funktion von MicroRNAs bei der pflanzlichen Immunität« der Baden-Württemberg Stiftung untersucht, ob MicroRNAs auch bei der Immunabwehr von Pflanzen eine Rolle spielen. Und sie wollten wissen, ob MicroRNAs auch im Pflanzenschutz Wirkung zeigen können.

Winzige Regulatoren auf Gen-Ebene

Dass in der DNA – im Deutschen auch DNS (Desoxyribonukleinsäure) genannt – sämtliche Erbinformationen von Lebewesen gespeichert sind, ist schon lange bekannt. Die RNA (Ribonukleinsäure) ist, vereinfacht gesagt, eine Kopie der DNA, die zahlreiche Funktionen erfüllt. Im Gegensatz zu DNA und RNA wurden MicroRNAs erst relativ spät entdeckt, nämlich 1993. MicroRNAs sind kurze RNA-Schnipsel mit erstaunlichen regulatorischen Fähigkeiten. Sie steuern, wie viel eines bestimmten Genprodukts, also etwa eines Enzyms oder Hormons, gebildet und in der Zelle wirksam wird. Dadurch sind sie nicht nur in der Lage, die genetische Entwicklung eines Lebewesens zu beeinflussen, sondern sind auch an Krankheitsprozessen und der Immunabwehr beteiligt. Das gilt für menschliche, tierische und auch pflanzliche Zellen. Entsprechend fragten sich die Tübinger Wissenschaftler, welche Rolle pflanzliche MicroRNAs bei der Abwehr von Pflanzenkrankheiten spielen können.

Ernteausfälle durch Pilze und andere Krankheitserreger

Pflanzen sind vielen »biotischen« Stressfaktoren ausgesetzt, wie zum Beispiel Fressfeinden oder Pilzen. Zwar haben sie sich mit der Zeit verschiedene Abwehrmechanismen zugelegt, mit denen sie sich vor Feinden und Krankheitserregern – sogenannten Pathogenen – wie

Pilzen, Viren oder Bakterien schützen können. Sie haben also ein ähnlich effektives »Immunsystem« wie Menschen oder Tiere. Trotzdem kommt es – gerade bei Nutzpflanzen – immer wieder zu schweren Ernteausfällen, oft hervorgerufen durch einen einzigen Erreger. »Bei diesen Krankheitserregern unterscheidet man nekrotrophe Pathogene, die die Wirtspflanze abtöten, und biotrophe Pathogene, die lebendes Gewebe besiedeln«, erklärt Prof. Sascha Laubinger, der das Forschungsprojekt am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen an der Universität Tübingen geleitet hat. »Wir wussten bereits, dass MicroRNAs eine entscheidende Rolle bei der pflanzlichen Abwehr von biotrophen Pathogenen spielen. Ihre Rolle bei der Abwehr von nekrotrophen Organismen war bislang aber unbekannt.«

Pflanzeneigenes Schutzschild

Von solchen nekrotrophen Krankheitserregern, die die Pflanze abtöten, sind auch Nutzpflanzen bedroht. Rund 25 Prozent des Ernteausfalls bei Gewächsen wie Bohnen oder Erbsen sind auf den Befall solcher Erreger zurückzuführen. Doch die Arbeiten von Laubinger und seinem Team lassen hoffen. Sie behandelten eine Modellpflanze namens Arabidopsis thaliana mit einem weit verbreiteten Schimmelpilz und untersuchten die Wirkung des Pilzes auf die MicroRNA-Struktur der Pflanze. »Dieser Schimmelpilz führt dazu, dass die Pflanze abstirbt«, sagt Laubinger. »Pflanzen sterben natürlich nicht freiwillig, sondern versuchen sich zu verteidigen. Wir haben untersucht, ob MicroRNAs dabei eine Rolle spielen können.« Und tatsächlich: Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich MicroRNAs verändern, wenn die Pflanzen mit dem Schimmelpilz behandelt werden. Daraus schlossen die Biologen, dass MicroRNAs eine wichtige Rolle für die Abwehr dieses Schimmelpilzes spielen – quasi als pflanzeneigenes Schutzschild. Die Wissenschaftler veränderten daraufhin den Gehalt an MicroRNAs in der Pflanze und behandelten sie erneut mit dem Schimmelpilz. »Von den vielen MicroRNAs, die wir getestet haben, sind am Ende ein bis zwei übrig geblieben«, so Laubinger. »Dort konnten wir sehen, dass sich bei einer Veränderung des MicroRNAGehalts auch die Abwehrkräfte der Pflanze verändern.«

Pflanzen erkennen Krankheitserreger

Dass die MicroRNAs in der Pflanze überhaupt auf Pathogene wie Krankheitserreger oder Pilze reagieren können, ist einem Teil des pflanzlichen Immunsystems zu verdanken. Denn die Pflanze ist in der Lage, den Erreger zu identifizieren. »Pilze zum Beispiel haben auf ihrer Oberfläche Chitin, und Pflanzen können dieses Chitin


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wahrnehmen«, erklärt der Biologe. »Sobald die Pflanze mit Chitin in Berührung kommt, wird unter anderem die spezifische MicroRNA aktiviert. Und diese MicroRNA reguliert dann wiederum andere Gene, die für die Immunantwort verantwortlich sind.«

Alternative zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln

Wenn MicroRNAs in der Lage sind, die Immunabwehr von Pflanzen zu verbessern, stellt sich natürlich die Frage, inwieweit die Moleküle in der Landwirtschaft genutzt werden können, um einem Befall durch Pilze oder andere Erreger vorzubeugen. Sascha Laubinger ist davon überzeugt, dass MicroRNAs im Pflanzenschutz zum Einsatz kommen können. »Es gab in letzter Zeit mehrere Publikationen, die gezeigt haben, dass man Pflanzen mit diesen MicroRNAs behandeln kann

Forschung NICHT-KODIERENDE R N A S

und dass MicroRNAs auch zwischen dem Pilz und der Pflanze ausgetauscht werden«, meint Laubinger. »So können sie sich quasi gegenseitig regulieren und versuchen, sich gegenseitig zu behindern und auszuschalten.« Außerdem haben Studien amerikanischer Wissenschaftler gezeigt, dass beispielsweise mit MicroRNAs gespritzte Früchte wie Erdbeeren nicht mehr schimmeln können. MicroRNAs sind also durchaus in der Landwirtschaft einsetzbar. Vorstellbar, so Laubinger, wäre auch, dass man MicroRNAs in der Pflanze gezielt vermehrt. »Das wären dann transgene, also genveränderte Pflanzen, deren Akzeptanz ja leider sehr gering ist. Aber auf jeden Fall könnten MikroRNAs ein weiteres Werkzeug für einen umfassenden Pflanzenschutz sein.«

»MIT EINEM PRODUKT WIE GLYPHOSAT KANN MAN SCHLECHT KONKURRIEREN« Prof. Dr. Sascha Laubinger Biologe

Prof. Dr. Sascha Laubinger ist Professor für Evolutionäre Genetik der Pflanzen am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg. Zuvor leitete er das Projekt »Die Funktion von MicroRNAs bei der pflanzlichen Immunität« am Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen.

viele mehr. Man kann sich auch noch sehr viel mehr MicroRNAs anschauen und auch weitere Pflanzen. Denn Pflanzen wie zum Beispiel Reis oder Mais haben alle ein sehr unterschiedliches Repertoire an MicroRNAs.

Können pflanzliche MicroRNAs auch im menschlichen Körper Krankheiten abwehren?

SL Menschen haben auch selbst MicroRNAs,

Herr Prof. Laubinger, Sie haben herausgefunden, dass MicroRNAs eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr von Pflanzen spielen. Könnten MicroRNAs eine Alternative zu Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat sein? Über dieses Mittel wird ja sehr kontrovers diskutiert.

SL Ich habe mich schon bei einigen Firmen umgehört und vorgeschlagen, dass man ja auch MicroRNAs zum Pflanzenschutz nehmen könnte. Die Unternehmen waren durchaus interessiert, aber sie sehen auch das Problem, dass die Produktion solcher MicroRNAs in einem industriellen Maßstab nicht ganz einfach ist und hohe Kosten verursacht. MicroRNAs sind auch nicht sehr stabil, womit ihre Wirkung vielleicht nur zeitlich begrenzt ist. Der Vergleich mit Glyphosat hinkt etwas, da

Glyphosat ja ein Herbizid ist und unter anderem dem Abtöten von Unkräutern dient. Generell wird es schwierig sein, chemische Stoffe wie Glyphosat durch Micro­ RNAs zu ersetzen. Mit solch etablierten, günstigen und wirksamen Produkten kann man nur schlecht konkurrieren.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Forschungen aus? Könnte man auch noch einen Schritt weiter gehen?

SL Wir haben bisher nur ein Pathogen, also einen Krankheitserreger untersucht, aber da gibt es natürlich noch

mehr als 1.000 verschiedene. Und die sind auch ganz wichtig für unterschiedlichste Funktionen im menschlichen Körper. Es gibt aber eine Studie, die zeigt, dass auch pflanzliche MicroRNAs in den menschlichen Körper aufgenommen werden und auch dort in der Leber Gene regulieren können. Auch MicroRNAs aus tierischen Lebensmitteln wie etwa Milch sollen in den menschlichen Körper in einer biologisch aktiven Form aufgenommen werden können. All dies ist allerdings bei einigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umstritten. Denn MicroRNAs sind nicht sehr stabil, und daher stellt sich die Frage, ob sie nach der Lebensmittelproduktion und dem Essen wirklich noch in einer funktionellen Form in einem Organ im Körper landen. Aber ich würde es nicht ausschließen.


Forschung RO HSTOFF- UND M ATERIALEFFIZIENZ IN DER PROD UK TION

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SCHUTZSCHICHT NACH MASS Zum Abschluss des Programms Rohstoff- und Materialeffizienz in der Produktion zeigt sich: Die Projekte haben etliche gute Ergebnisse erbracht, die Unternehmen beim Sparen helfen und nützlich sind für den Umwelt- und Klimaschutz. Ein Beispiel ist die Galvanisierung zum Schutz empfindlicher Bauteile.

Die begrenzte Verfügbarkeit vieler Rohstoffe und der durch den Klimawandel angestoßene Trend zum nachhaltigen Wirtschaften waren die Treiber für ein Programm, das die Baden-Württemberg Stiftung 2014 gestartet hat: Unter der Dachzeile Rohstoff- und Materialeffizienz in der Produktion entwickelten Wissenschaf tler in zwölf Forschungsprojekten neue Methoden, Konzepte und technische Verfahren, um Produktionsabläufe effizienter zu machen – ausgestattet mit insgesamt 4,5 Millionen Euro an Stiftungsmitteln.

Recycelbare Leichtbauteile, Kunststoffe aus Biomasse

Im Herbst 2017 endete das Programm, und die Abschlussevaluierung im Oktober belegte: Die Forscher haben in den drei Jahren ganze Arbeit geleistet. Die Projekte brachten enorme Fortschritte auf unterschiedlichen Feldern der industriellen Produktion. So entstanden neue Ansätze für die ressourcen- und energieeffiziente Herstellung von Leichtbauteilen für Automobile – ein wichtiger Hebel, um Fahrzeuge leichter und

damit sparsamer im Bedarf an Kraftstoff zu machen. Zudem wurde ein Verfahren für das Recycling von Carbonfasern entwickelt – als erster Schritt hin zu einer Kreislaufwirtschaft bei diesen innovativen und zukunftsträchtigen Werkstoffen. In einem anderen Projekt gelang es den Wissenschaftlern, Acrylnitril – einen wichtigen chemischen Grundstoff für die Herstellung von Kunststoffen – aus Biomasse wie Holzresten zu gewinnen.

Ein Überzug aus dem Tampon

Ein weiteres Beispiel für ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt aus dem Programm nahm die »Tampon-Galvanisierung« ins Visier. Bei diesem speziellen Galvanisierungsverfahren wird das bearbeitete Bauteil zum Beschichten am Minuspol der Galvanikanlage befestigt, während sich der Pluspol, versehen mit einem tamponähnlichen Vliesstoff, über die zu beschichtende Oberfläche bewegt. Über einen Schlauch gelangt eine Elektrolyt-Lösung auf das Bauteil, gleichzeitig liegt eine elektrische Spannung an. Dadurch bildet sich ein metallischer Überzug.

Die Vorteile des Verfahrens: Es ist einfach, mobil einsetzbar und gut dafür geeignet, gezielt nur einzelne Teile eines Werkstücks zu beschichten. Allerdings: Was zum Beispiel mit Nickel, Zink und Edelmetallen wie Gold gut funktioniert, gelang mit Chrom bislang nicht. Dabei ist eine dünne Schicht aus sogenanntem Hartchrom ein wirksames Mittel, um empfindliche Oberflächen zu schützen. Forscher des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA haben untersucht, wie sich das sehr effiziente Tampon-Verfahren auch für das Hartverchromen von Metallen nutzbar machen lässt. In dem Projekt »Selektivverchromung« testeten sie dazu den Einsatz einer bestehenden und eigens dafür ange­ passten Galvanikanlage unter verschiedenen experimentellen Bedingungen, mit unterschiedlichen Vliesen und Elektrolyt-Mixturen. Zentrales Element der Anlage: eine bürstenartige Platte, die das Vlies trägt und zum Beschichten Stück für Stück über das Bauteil geführt wird.

Weniger Material, Abfall und Energie

Die Experimente lieferten den Forschern wichtige Erkenntnisse darüber, unter welchen Voraussetzungen sich eine Chrombeschichtung realisieren lässt. Ihr Fazit: In vielen Fällen ist das ohne großen Aufwand möglich – und bringt deutliche Vorteile in puncto Effizienz. So erlaubt es die selektive Methode problemlos, nur solche Flächen zu verchromen, bei denen das nötig ist. Das reduziert den Aufwand an Material und Arbeitszeit. Auch für Reparaturen beschä­ digter Verchromungen lässt sich das Verfahren nutzen. So können hochwertige aber oberflächlich beschädigte Bauteile oft noch »gerettet« werden. Und: Da die Bürstentechnik mit einer deutlich niedrigeren elektrischen Spannung zum Galvanisieren auskommt, sinkt der Bedarf an Energie um bis zu 30 Prozent.


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Forschung N ACH H ALTIGES BAUEN

AB IN DIE DECKE!

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Wie sich Strom aus Windkraftwerken und Solaranlagen in Gebäuden speichern lässt, erforschen Wissenschaftler aus Baden-Württemberg im Programm Nachhaltiges Bauen. Ein pfiffiges Konzept aus Offenburg sorgt zugleich für mehr Behaglichkeit in den Räumen. Die Bauwirtschaft boomt – nicht nur in Baden-Württemberg. Das kann jeder sehen, der auf der Autobahn durchs Land fährt: vorbei an neuen Wohnsiedlungen, Gewerbegebieten und großen Tafeln, die über neue Bauprojekte informieren. Der Bedarf an Wohnraum, Büros, Fabrik- und Lagerhallen ist vor allem in den Ballungsräumen groß und wird den Bauboom weiter nähren. Gleichzeitig kommt die Energiewende voran, vor allem bei der Erzeugung von elektrischem Strom. Der stammte 2017 in Deutschland bereits zu einem Drittel aus erneuerbaren Quellen – vor allem aus Wind und Sonnenlicht. Doch was gut ist für den Klimaschutz, beschert den Versorgungsunternehmen ein Problem: Wegen des wechselhaften deutschen Wetters lässt sich die Erzeugung von Wind- und Solarstrom nicht planen. Die Anlagen liefern elektrische Energie nicht immer dann, wenn sie benötigt wird.

Neubauten beruhigen das Netz

Warum also nicht beide Trends miteinander verbinden und neue Gebäude so konzipieren, dass sie in wind- oder sonnenreichen Phasen einen Teil des Strom aufnehmen und vorübergehend speichern können? So könnte die Baubranche einen Beitrag leisten, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Forscher an der Hochschule Offenburg stellten

sich dieser Aufgabe in einem Projekt der Baden-Württemberg Stiftung – und fanden die Lösung in sogenannten thermoaktiven Bauteilsystemen, kurz TABS, die in einer ganzen Reihe von neueren Gebäuden stecken. Dass der Bedarf an Energiespeichern wachsen wird, steht für Prof. Elmar Bollin außer Frage. »Zwar lässt sich das Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -bedarf teilweise durch eine geschickte Verteilung lösen«, sagt der Leiter der Forschungsgruppe Nachhaltige Energietechnik NET an der Hochschule Offenburg: So können leistungsfähige Leitungen etwa Strom aus dem windreichen deutschen Norden in die Industrieregionen im Westen und Süden der Republik transportieren. »Doch bei einer weiterwachsenden Bedeutung der regenerativen Energiequellen wird das nicht genügen«, meint Bollin. Der Forscher ist überzeugt: Um gerade nicht benötigte elektrische Energie für eine spätere Nutzung aufzubewahren, werden auch Speicher erforderlich sein.

Vielversprechende TABS

Prof. Elmar Bollin Leiter der Forschungsgruppe Nachhaltige Energietechnik NET an der Hochschule Offenburg

Technische Ansätze dafür sind zum Beispiel Batterieparks und Anlagen, die mit elektrischem Strom Wasserstoff oder Erdgas erzeugen. Mit der Nutzung der Gebäudemasse als Energiebunker fügen die Forscher


Forschung N ACHH ALTIGES BAUEN

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aus Baden dem nun eine neue Variante hinzu – mit thermoaktiven Bauteilsystemen als Schlüsselelement. In dem Projekt »NetzTABS« hat Energieexperte Bollin mit seinem Team das neuartige Speicherkonzept ausgearbeitet, analysiert und bewertet. Die Resultate des Forschungsprojekts aus dem Programm Nachhaltiges Bauen, das Ende 2017 nach drei Jahren abgeschlossen wurde, sind viel­ versprechend. »TABS beziehen über Wärmepumpen Energie aus der Umwelt, um Gebäude zu heizen oder zu kühlen«, erklärt Elmar Bollin. Dazu dienen – ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung – von Wasser durchströmte Röhren, die tragende Bauteile wie die Decken der Räume durchziehen. Der Beton der Deckenwände wird dadurch im Winter zu einer Art Heizstrahler. Vor allem in Industrie-, Gewerbe- und Bürogebäuden wird die Technik genutzt, die technisch durch einen klaren Vorteil besticht: »Wegen der großen Übertragungsfläche benötigen thermoaktive Bauteilsysteme zum Heizen nur eine niedrige Vorlauftemperatur«, sagt Bollin. Das macht den Einsatz elektrisch betriebener Wärmepumpen zur Klimatisierung des Gebäudes besonders effizient.

Trägheit als Pluspunkt

BILDER SCHAFFEN VERTRAUEN Ob es um Megaprojekte wie den Bahnhofsneubau »Stuttgart 21« geht oder regionale Bauvorhaben wie die Errichtung eines neuen Windparks – immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen den Planern und Teilen der Bevölkerung. Ziel muss es daher in Zukunft sein, Bauprojekte so zu planen und zu kommunizieren, dass die Kommunikation in und mit der Öffentlichkeit gestärkt und diese frühzeitig einbezogen wird. Im Forschungsprojekt »VisB+« untersuchen Wissenschaftler des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim, wie Visualisierungen die Verständlichkeit und Glaubwürdigkeit von Bauvorhaben verbessern kann. Sie setzen dabei auf Erkenntnisse von Kognitionspsychologen, die belegen, dass anschauliche visuelle Darstellungen Fakten und Zusammenhänge eingängiger und einprägsamer vermit teln als tex tliche Beschreibungen. Visualisierungstechniken wie Animationen, die et wa die Auswirkungen eines neuen Bauwerks auf Stadt- und Landschaftsbild, Umwelt oder Verkehrsströme plastisch machen, können daher eine zentrale Rolle bei der Kommunikation von Bauvorhaben spielen. Sie schaffen eine gemeinsame Wissensbasis über das Projekt und damit einen Ausgangs­p unkt für konstruktive Diskussionen. Welche Arten von Visualisierung sich dafür am besten eignen, wie sie gestaltet sein müssen und welche Wirkung sie entfalten, untersuchen die Stuttgarter Forscher erstmals im Detail. Die Baden-Württemberg Stiftung finanziert das Projekt im Programm Nachhaltiges Bauen. Die Ergebnisse sind in dem Leitfaden »Bauprojekte visualisieren« zusammengefasst. Er ist bei der Baden-Wür ttemberg Stif tung kostenfrei zu beziehen. Weitere Informationen zum Projekt unter:

WWW.VISBPLUS.DE

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Trägheit der TABS. Das macht zwar die Regelung dieser Heizsysteme schwierig. Doch andererseits kann die gewaltige Masse des Gebäudes viel Energie aufnehmen, ohne dass die Temperatur dadurch große Sprünge macht. Diese Eigenschaft ist eine ideale Basis, um mit der Technik Wind- oder Sonnenstrom stunden- oder tagelang zu speichern. Wie sich das realisieren lässt – und wie dabei überdies der Komfort im Gebäude verbessert werden kann –, wollten die Forscher um Elmar Bollin im Projekt »NetzTABS« herausfinden. Dazu entwickelten sie vorausschauende Steueralgorithmen. Die sind darauf ausgelegt, die Klimatisierung so zu regeln, dass sie zweierlei Anforderungen zugleich erfüllen kann: die der Heizungstechnik und die des Stromnetzes. »Indem er Wetterprognosen einbezieht und ein TABS-Modell nutzt, kann der neuartige prädiktive Steueralgorithmus den Wärme- und Kältebedarf des Gebäudes 24 Stunden im Voraus berechnen und flexibel bedienen«, erklärt der Hochschulforscher. »Das Ganze geschieht auch noch selbstlernend und reduziert damit erheblich den Bedienungsaufwand im Vergleich zur herkömmlichen Technik.«

Praxistest im Lehrgebäude

Den Algorithmus testete das Team aus Offenburg in Computersimulationen, Laborexperimenten mit einer Klimakammer und bei einem Test in einem echten Gebäude: einem Seminarbau der Hochschule, der 2016 neu eröffnet wurde und der TABS zur Klimatisierung nutzt. Um zu einer realistischen Einschätzung der Auswirkung des Konzepts zu gelangen, zog sich der Praxistest über verschiedene Jahreszeiten. Dabei verglichen die Forscher ihre neuen Ansätze mit einer konventionellen Regelung des TABS-Systems. Das Resultat ist überzeugend: »Durch die neuen Regelungsverfahren sinkt der Energiebedarf für Heizung und Kühlung um bis zu ein Sechstel«, berichtet Elmar Bollin. Auch die Nutzbarkeit der thermoaktiven Bauteilsysteme als Speicher konnten er und sein Team belegen: Die Kopplung ans Stromnetz ermöglicht es mühelos, Strom aus ungleichmäßig sprudelnden Quellen wie Wind und Sonne vorübergehend in den Zimmerdecken aufzubewahren. »Das schafft Raum für Flexibilität im Stromnetz«, freut sich Bollin. Dem Komfort im Gebäude schadet das nicht – im Gegenteil. Eine Befragung von Dozenten und Studierenden ergab: Die neue Technik erhöht sogar die Behaglichkeit in den Seminarräumen.


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SCHARFER BLICK AUF DIE ANSTANDSDAMEN Etliche neurodegenerative Erkrankungen sind gekennzeichnet durch Protein-Klumpen im Gehirn. Spezielle Moleküle, die für Ordnung sorgen, stemmen sich dagegen. Wie ihnen das gelingt, wollen Heidelberger Wissenschaftler herausfinden. Ihre Forschung im Rahmen des Programms Internationale Spitzenforschung III könnte neue Ansätze im Kampf gegen die Parkinson-Krankheit ermöglichen.

Im menschlichen Körper wimmelt es von Proteinen. Jede Zelle enthält Tausende verschiedene Arten der Eiweiß-Moleküle, die sich aus kettenförmig verknüpften Aminosäure-Bausteinen zusammensetzen. Und jedes Protein hat eine spezielle Aufgabe – etwa die Versorgung der Zelle mit Energie oder das Übertragen von Signalen zu anderen Zellen. »Proteine sind die Arbeitstiere des Lebens«, sagt Prof. Dr. Bernd Bukau, Direktor des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) und Leiter einer Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, besitzt jede Protein-Art eine eigene, kompliziert verschlungene dreidimensionale Struktur ihrer Aminosäure-Kette. Sie entsteht nach der zellulären Synthese, wenn das Protein sich »faltet«, wie die Biologen sagen.

Schäden durch Stress oder Hitze

Allerdings können bei der Faltung Fehler auftreten. Und auch später verlieren manche der Eiweiß-Moleküle ihre Struktur. »Proteine sind nicht für die Ewigkeit gemacht«, erklärt Bukau. »Sie sind sehr verwundbar und eine Stresseinwirkung wie zum Beispiel Hitze kann sie beschädigen.« Damit die Defekte nicht überhandnehmen, wachen andere Moleküle über die richtige Struktur der Proteine: Sogenannte Chaperone – vom englischen Wort für Anstandsdame – helfen zellulären Arbeitspferden dabei, ihre Form zu wahren, etwa indem sie Proteine beim Entstehen vor störenden Einflüssen bewahren. Doch Chaperone können noch mehr: Sie können Proteine vor dem Verkleben schützen – und sogar bestehende Klumpen aus verklebten Molekülen wieder auflösen. Das haben die Forscher im Team von Bernd Bukau 2015 erstmals durch Experimente im Reagenzglas nachgewiesen.

Forschung INTER N ATION ALE SPITZENFOR SCHUNG III

Die Ablagerungen von Protein-Knäueln, im Fachjargon AmyloidFibrillen genannt, wachsen allmählich und werden so immer größer. »Sie sind toxisch und können Nervenzellen abtöten«, sagt Bukau. Seine Hoffnung: Chaperone könnten sich als Waffe im Kampf gegen die krankmachenden Klumpen im Gehirn nutzen lassen. Doch dazu müssen die Forscher zunächst verstehen, wo die molekularen Anstandsdamen an den Fibrillen ansetzen und wie sie es schaffen, die Verklumpungen zu beseitigen. Diesen Fragen gehen sie seit Anfang 2017 in einem Projekt der Baden-Württemberg Stiftung nach. Diese finanziert das Projekt im Rahmen des Forschungsprogramms Internationale Spitzenforschung III, dessen Fokus auf der Kooperation mit exzellenten ausländischen Wissenschaftlern liegt.

Knotenknacker unter der Elektronenlupe

»Wir arbeiten eng mit einer kanadisch-britischen Strukturbiologin an der University of London zusammen«, berichtet Bernd Bukau. Prof. Helen R. Saibil vom Department of Crystallography ist Expertin auf dem Gebiet der Elektronenmikroskopie bei sehr tiefen Temperaturen und forscht seit etlichen Jahren über Chaperone. Sie will gemeinsam mit dem Team in Heidelberg herausfinden, wo und wie die Chaperone sich an Protein-Klumpen binden. Dazu nimmt sie die für die Parkinson-Erkrankung charakteristischen Alpha-SynucleinAmyloid-Fibrillen und die daran wirkenden sogenannten Hsp70Chaperone unter die elektronenmikroskopische Lupe, die feinste Details von wenigen Nanometern Größe sichtbar macht. »Ein weiteres Ziel der Arbeit ist herauszufinden, wie genau die Chaperone die Energie einsetzen, um die verklebten Proteine voneinander zu lösen«, sagt Bernd Bukau. Um die offenen Fragen zu klären, analysiert in seiner Arbeitsgruppe die Postdoktorandin Dr. Anne Wentink die dreidimensionale Gestalt der Protein-Ablagerungen – unter anderem mit biochemischen und strukturbiologischen Verfahren. »Die aus den Niederlanden stammende junge Forscherin widmet sich der Aufgabe mit großen Enthusiasmus«, sagt Projektleiter Bukau. »Wenn die prinzipiellen Prozesse verstanden sind, können wir vielleicht einen Schritt weitergehen: zu Experimenten an Zellkulturen oder Mausmodellen.«

Reger Austausch zwischen Baden und Britannien

Angetrieben werden die Wissenschaftler von einem großen Ziel: Wenn sie es schaffen, die molekularen Grundlagen der ParkinsonErkrankung besser zu verstehen – und die Tricks der molekularen Anstandsdamen zu durchschauen –, könnte das die Basis für die Entwicklung neuer Medikamente gegen die bislang unheilbare Krankheit legen. Zu Resultaten will Bernd Bukau noch nicht viel verraten. »Wir stecken mitten in der heißen Phase der Arbeit und in einem regen Austausch von Daten und Ideen zwischen den Forschern in Heidelberg und London«, sagt der Molekularbiologe. »Doch die bisherigen Erkenntnisse sind vielversprechend.«

Protein-Klumpen im Gehirn

»Das Verkleben von Eiweiß-Molekülen tritt mit zunehmendem Alter immer häufiger auf und ist oft mit Erkrankungen verbunden«, sagt der Heidelberger Wissenschaftler. So ist bei etlichen neurodegenerativen Krankheiten jeweils eine charakteristische Art von Ablagerungen verklumpter Proteine im Gehirn der betroffenen Menschen zu finden: bei Alzheimer-Patienten zum Beispiel sogenannte A-Beta- und Tau-Moleküle, bei Menschen mit der Parkinson-Krankheit das Alpha-Synuclein.

Prof. Dr. Bernd Bukau Molekularbiologe


BILDUNG

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Studie Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität

MOBILITÄT NEU DENKEN

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Berufliche Anerkennung in Baden-Württemberg

KICK FÜR DIE KARRIERE

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EASI Science-L / Sag' mal was

VON KLEINEN UND GROSSEN FORSCHERN

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Talent im Land

VON ZWEIEN, DIE VIELE TALENTE HABEN

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Expedition N – Nachhaltigkeit für Baden-Württemberg

TOUR DE NACHHALTIGKEIT

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Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft

ENGAGIERT ENTLANG DER DONAU

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Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft

DEMOKRATIE LEBEN

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Baden-Württemberg-STIPENDIUM

RAUS IN DIE WELT

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Fellowships für Innovationen in der Hochschullehre

DREI IDEEN FÜR MORGEN

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Baden-Württemberg Fonds für verfolgte Wissenschaftler

SICHERHEIT AUF ZEIT

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Eliteprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden

»ES KANN IM KLASSENZIMMER ZU SOZIALER AUSGRENZUNG KOMMEN«

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kicken&lesen

HAPPY KICKDAY


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BIL D UNG


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Gut ausgebildete Menschen tragen zum Wohlstand eines Landes bei. Eines unserer großen Anliegen ist es, allen Zugang zu unserem Bildungssystem zu ermöglichen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder anderen Voraussetzungen. Unsere Programme reichen von der frühkindlichen Bildung über die berufliche und Erwachsenenbildung bis hin zur gezielten Unterstützung herausragender Talente.


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Bildung STUDIE M OBILES BA DEN-W ÜRT TE M BERG

MOBILITÄT NEU DENKEN Die Stiftung hat in Kooperation mit dem BUND Landesverband Baden-Württemberg Wege zu einer nachhaltigen Mobilität wissenschaftlich erarbeiten lassen. Ein zentrales Ergebnis der Studie Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität: Nur mit deutlich weniger Autos lassen sich die internationalen Klimaschutzund Nachhaltigkeitsziele erreichen. Das bedeutet: Die Art und Weise, wie Menschen mobil sind, wird sich verändern. Dieselskandal, Feinstaubalarm, Fahrverbote – die Mobilität in Deutschland ist gegenwärtig krisengeplagt. Das heutige Verkehrssystem, seine Infrastruktur und das Mobilitätsverhalten des Einzelnen verbrauchen wertvolle Ressourcen und verursachen erhebliche Belastungen für Mensch, Umwelt und Klima. Ob CO2-Emissionen, Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid, Verkehrslärm oder Flächenverbrauch – überall werden gesetzliche Grenzwerte überschritten und Umweltqualitätsziele verfehlt. Trotz politischer Bemühungen und Anstrengungen der Fahrzeughersteller bleibt der Verkehrssektor mit einem Anteil von über 30 Prozent der größte CO2-Emittent in Baden-Württemberg. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt haben die Pkw hier­ zulande einen größeren Hubraum. Zudem liegt der Fahrzeugbestand mit 580 Pkw je 1.000 Einwohnern deutlich über der mittleren Motorisierungsrate in Deutschland (532 Pkw). Von 1990 bis 2015 stiegen die verkehrsbedingten Treibhausgasemis­sionen in Baden-Württemberg um neun Prozent an. Ein grundlegender Wandel der Mobilitätskonzepte ist notwendig, will man die international vertraglich vereinbarten Klimaschutzziele erreichen. Maßstab für die Bundesregierung wie auch für die Landes-

regierung sind hierbei die Vereinbarungen der Pariser Klimaschutzkonferenz von 2015, die globale Erderwärmung bei deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten. Darüber hinaus hat sich die Bundesregierung den von der UN verabschiedeten Nachhaltigkeitszielen für 2030 (Sustainable Development Goals) verpflichtet.

Autoland Baden-Württemberg

Die Automobilwirtschaft befindet sich in einem technologischen Umbruch. Immer stärker wird auf die Ablösung des Verbrennungsmotors durch elektrische und alternative Antriebe gesetzt. Digitalisierung, autonomes Fahren oder die Sharingkultur sind weitere Treiber des Wandels innerhalb dieses Wirtschaftszweigs. Als Land des Automobils ist Baden-Württemberg von der Transformation der Mobilität besonders betroffen. Das Bundesland ist eines der globalen Zentren der Automobilindustrie. Der deutsche Branchenumsatz bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen wird zu einem Viertel von Unternehmen in Baden-Württemberg erzielt und die Branche ist für die Wirtschaftskraft und die Beschäftigung von zentraler Bedeutung. Die vom BUND Landesverband BadenWürttemberg angeregte und von der Baden-

Württemberg Stiftung in Auftrag gegebene Studie Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität hatte das übergreifende Ziel, Szenarien für eine Mobilität im Jahr 2050 zu entwickeln und diese auf ihre ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit hin zu untersuchen. Darauf aufbauend wurden wissenschaftlich fundierte Empfehlungen formuliert, wie ökologische Verträglichkeit und ökonomische Interessen in Einklang gebracht werden können.

Weichenstellung für die Zukunft

Die Studie wurde von November 2015 bis Mai 2017 von vier unabhängigen Forschungs­ einrichtungen gemeinsam erarbeitet: Öko-Institut (Freiburg/Berlin), Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (Stuttgart), IMU Institut (Stuttgart) und Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt (ISEO). Unter Mitwirkung von Interessenvertretern und eines wissenschaft­ lichen Beirats entwickelten die Wissenschaft­ lerinnen und Wissenschaftler Zukunftsvisionen und Handlungsoptionen für die Jahre 2030 und 2050. Die umfangreichen, wissenschaftlichen Ergebnisse bilden eine Grundlage für die notwendige gesellschaftliche Debatte, wie der


Bildung M OBILES BA DEN-W ÜRT TE M BERG

Weg zu einer nachhaltigen, wirtschaftlich attraktiven und sozial gerechten Mobilität in Baden-Württemberg gestaltet werden kann. Um den Diskurs zu fördern, wird die BadenWürttemberg Stiftung die Erkenntnisse aus der Studie über verschiedene Wege in die Öffentlichkeit tragen. So beteiligt sie sich unter anderem am von Ministerpräsident Kretschmann initiierten Strategiedialog

106 Automobilwirtschaft Baden-Württemberg, in dessen Rahmen Politik, Automobilwirtschaft, Zulieferer, Arbeitnehmer, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sich gemeinsam über erfolgreiche Wege des Wandels austauschen und Konzepte und Strukturen für eine erfolgreiche Transformation schaffen. Darüber hinaus veranstaltet die Stiftung eine Fachtagung für Wissenschaft, Wirtschaft,

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Verbände, Politik und Verwaltung, finanziert und organisiert Fachvorträge zum Thema und wird Bildungsmaterialien erarbeiten lassen. Das Credo: Gemäß der Tradition der Erfinder des Fahrrades und des Automobils sollen Mobilitätskonzepte des 21. Jahrhunderts aus Baden-Württemberg kommen – nachhaltig und ökonomisch profitabel.

DREI ZUKUNFTSVISIONEN Die drei in der Studie Mobiles Baden-Württemberg erarbeiteten Szenarien zeigen auf der Grundlage verschiedener, bereits heute zu beobachtender Trends drei Möglichkeiten auf, wie sich Mobilität und Verkehr bis zum Jahr 2050 verändern könnten.

Neue Individualmobilität Szenario 1

Privat und komfortabel unterwegs: In diesem Szenario wird das Problem des Klimawandels und der Treibhausgase vor allem technisch angegangen, ohne dass die Verkehrsteilnehmer ihr Alltagsverhalten gravierend verändern. Das Bedürfnis, ein Auto zu besitzen, ist immer noch groß. Der eigene, autonome Pkw beherrscht den städtischen und ländlichen Raum. Carsharing-Anbieter kooperieren mit dem öffentlichen Nahverkehr. Klimaschädliche Emissionen nehmen zwar ab. Nach diesem Szenario können die Klimaschutzziele aber erst 2050 erreicht werden. Etliche über den Klimaschutz hinausgehende Nachhaltigkeitsziele wie beispielsweise Strombedarf oder Flächeninanspruchnahme für und durch Verkehr werden nicht erreicht.

Neue Dienstleistungen Szenario 2

Kreative Geschäftsmodelle, geteilte Fahrzeuge: In diesem Szenario geht man davon aus, dass sich die soziale Innovation der Sharing-Ökonomie im Generellen – also des

Nutzens statt des Besitzens – und des Fahrzeug-Sharings im Speziellen stark ausbreitet und die Alltagsmobilität bestimmt. Auch die intermodale Mobilität, also die Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel innerhalb einer Wegekette, hat sich durchgesetzt. Es gibt insgesamt weniger Autos und motorisierten Individualverkehr, was dazu führt, dass der Flächenverbrauch von Autos und Verkehrsinfrastruktur sinkt und die Aufenthaltsqualität in den Metropolen steigt. Auch bei diesem Szenario werden die Klimaschutzziele erst 2050 erreicht. Andere Nachhaltigkeitsziele werden teilweise erreicht.

Modellierung zeigt, dass dieses Szenario nicht nur die Klimaschutzziele bereits 2030 erreicht, sondern auch am ehesten die weiteren betrachteten Nachhaltigkeitsziele.

Neue Mobilitätskultur Szenario 3

Kürzere Wege, flexibleres Verkehrssystem: In diesem Szenario geht man davon aus, dass es zu deutlichen Veränderungen im Mobilitätsverhalten kommt und Suffizienz-Ansätze, zum Beispiel eine zunehmende Abkehr von der Wegwerfgesellschaft, gelebte Alltagspraxis werden. Die Bedeutung von Nahversorgung und Nahmobilität ist hoch. Fußgänger und Radfahrer nutzen den öffentlichen Raum intensiv; Bike- und Carsharing nehmen zu. Flankiert von einem öffentlichen Verkehrssystem, das auf die gemeinsame Nutzung von autonom fahrenden Fahrzeugen (Ridesharing) setzt. Die

Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Szenarien und deren Bewertung finden Sie in der Studie Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität. Sie ist in der Schriftenreihe der Baden-Württemberg Stiftung erschienen (Bildung, Nr. 87) und steht unter www.bwstiftung/mobiles-bw in Langform und als Kurzfassung zum Download bereit.

WWW.BWSTIFTUNG/MOBILES-BW


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Bildung M OBILES BA DEN-W ÜRT TE M BERG

Szenario

NEUE INDIVIDUALMOBILITÄT

share car

Szenario

share share car

NEUE DIENSTLEISTUNGEN

OK

share bus

Szenario

share car

NEUE MOBILITÄTSKULTUR PARISER KLIMA SCHUTZ ZIELE

share car


Bildung M OBILES BA DEN-W ÜRT TE M BERG

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»WIR MÜSSTEN ALLE WENIGER ANGST VOR VERÄNDERUNGEN HABEN« Udo J. Becker Professor für Verkehrsökologie

Udo J. Becker ist Professor für Verkehrsökologie an der TU Dresden. Er gehörte zum wissenschaftlichen Beirat, der die Erstellung der Studie Mobiles Baden-Württemberg begleitete. Was muss vonseiten der Automobilwirtschaft passieren, um den in der Studie beschriebenen Idealzustand »Szenario 3« zu erreichen?

UB Die Antwort darauf ist leicht – und schwer umzusetzen: Es geht um die einfache Frage, ob wir kurzsichtig sind oder langfristig denken! Derzeit macht die Automobilindustrie jeden Monat Rekordgewinne: Warum sollte sie das beenden wollen? Kurzfristig ist das eine tolle Strategie, aber damit riskiert sie die langfristige Unternehmensexistenz, denn irgendwann holt der gesellschaftliche Druck auch die mächtigsten Unternehmen ein. Um es ganz klar zu sagen: Mit der derzeitigen Strategie gefährdet diese Industrie ihre langfristige Existenz. Das aktuelle Geschäftsmodell ist nicht mit einer nachhaltigen Entwicklung verträglich und wird irgendwann drastische Gegenreaktionen provozieren.

Welche Schritte wären nötig?

Was muss geschehen, damit ein Mentalitätswandel stattfindet?

UB Einfache Antwort aus dem Elfenbeinturm: Die Preise müssten die ökolo­gische Wahrheit sagen. Schwierige Antwort, realistischer: Wir müssten alle weniger Angst vor Veränderungen haben und von uns und der Politik fordern, dass langfristige Regeln aufgestellt und von allen eingehalten werden.

Welche Aspekte sind für Sie als Verkehrsökologe wichtig, wenn es um nachhaltige Mobilität geht?

UB Dass wir nicht immer nur an Technik,

Aktuellen Zahlen zufolge ist der Verkauf der großen SUV wieder gestiegen. Interessieren die Verbraucher Nachhaltigkeit und Klimaschutzziele überhaupt?

UB Unsere Gesellschaft müsste den Chefs

UB Gute Frage, wer ist schuld, der Käu-

ein Überlebensangebot machen, denn keiner von uns will, dass VW, Mercedes, BMW und Porsche enden wie die Betreiber von Braunkohlekraftwerken. Also lasst uns gemeinsam alles tun, damit wir langfristig Gemeinwohl und Firmenwohl kompatibel machen. Der Deal wäre einfach: Die Politik setzt im Inter­ esse der Firmen jetzt harte Rahmenbedingungen durch, die aber langfristig ein tragfähiges Geschäfts­ m odell für die Firmen sichern. Denn Mobilität wird es garantiert immer geben, aber ob dazu 350 PS und drei Tonnen Leergewicht sein müssen, ist doch sehr fraglich.

fer oder der Verkäufer? Ist die Henne oder das Ei schuld? Natürlich sind beide schuld, sowohl die Firmen als auch wir Kunden. Wir wissen, SUV-Fahrzeuge sind ineffizient und haben in der Stadt nichts verloren, sie sind gefährlich und verbrauchen zu viel Platz; sie sind einfach stadt-inkompatibel. Warum verbieten wir gesellschaftlich, nur so als Gedankenexperiment, nicht einfach die Einfahrt von SUV in Städten? Der Förster kann dann immer noch mit dem SUV auf Wildschweinjagd gehen, aber zum Shopping in die Innenstadt kommt man dann anders.

Autos, Brennstoffzellen denken, sondern einfach mehr an Menschen: Für die muss Mobilität gesichert sein, zum Arzt, zum Beruf, zur Schule, zur Apotheke, ins Kino. Mobilität statt Verkehr denken. Für alle heute – und für alle künftigen Generationen.

Was macht die Studie Mobiles Baden-Württemberg so besonders?

UB Weil wir alle wissen, dass es so wie heute nur mit Vollgas gegen die Mauer am Ende der Sackgasse geht! In dem Projekt haben alle versucht, gemeinsam Szenarien zu finden, die das vermeiden und die allen helfen. Hätte ich in der Landesregierung was zu sagen, würde ich das vertiefen und auf eine viel breitere Basis stellen wollen.


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Bildung BERUFLICHE ANER K ENNUNG

KICK FÜR DIE KARRIERE Im Sommer 2016 startete die Stiftung das Stipendienprogramm Berufliche Anerkennung in Baden-Württemberg. Mit Mitteln in Höhe von 1,7 Millionen Euro unterstützte sie 625 Fachkräfte auf dem Weg zur Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Studienabschlüsse und Berufsausbildungen. Baden-Württemberg ist das einzige deutsche Flächenland mit einem Programm dieser Art. Die Mediziner Ahmad Hmadi aus Syrien und Ahmed Abdelrahman aus Ägypten haben ein Stipendium erhalten.

SYRIEN

MARIENHOSPITAL STUTTGART

ÄGYPTEN

UNIKLINIK HEIDELBERG

Ahmad Hmadi (32)

Ahmed Abdelrahman (27)

Medizinisch-technischer Radiologieassistent

Anästhesist

2015 floh Ahmad Hmadi aus Syrien über Griechenland nach Deutsch- In seiner Heimat Ägypten war Ahmed Abdelrahman glücklich. Er land. Mit einem jener Gummiboote, die das Mittelmeer oft hatte 2013 eine Ausbildung als Anästhesist gemacht und mit einer verschluckt und damit auch die Menschen, die auf ein neues Leben Weiterbildung begonnen. Sein Traum war es, mit seinem Vater, hoffen. Während der Überfahrt hatte Hmadi Todesangst, die sich der Gynäkologe war, eine gemeinsame Praxis zu führen. Der Traum über die Zeit in Deutschland aufgelöst hat. Seine Arbeit und die Ruhe zerbrach 2015, als der Vater plötzlich starb. des Alltags geben ihm Sicherheit. In seiner Heimat Syrien hat der 32-Jährige DER WEG ZUM ZIEL »Die Integration von eine Ausbildung zum Medizinisch-technigeflüchteten Fachkräften, die schon Bis ihre berufliche Qualifikation auch in schen Radiologieassistenten (MTA) gemacht länger hier leben, aber ihr Deutschland anerkannt wird, müssen ausund vier Jahre in seinem Beruf gearbeitet. Potenzial noch nicht ausschöpfen ländische Fachkräfte viele Hürden überDann kam der Krieg, und er entschloss sich, konnten, ist entscheidend winden. Zum Teil absolvieren sie unbezahlte sein Land zu verlassen. Damit sein Diplom für den sozialen Zusammenhalt und Praktika, legen weite Wege zu Prüfungsauch in Deutschland anerkannt wird, musste für die Zukunft unseres Landes.« stellen zurück oder können die Nebenjobs – er unter anderem sogenannte Anpassungsvon denen sie leben – nicht weiter ausüben. praktika absolvieren. Eines führte den MediDas Stipendium deckt viele dieser Bereiche ziner in die Nuklearmedizin am Stuttgarter ab: von Lebenshaltungskosten während einer Christoph Dahl Marienhospital; ein weiteres ans Klinikum Qualifizierungsmaßnahme über PrüfungsLudwigsburg. Während der gut achtmonatigen Geschäftsführer der gebühren, Fahrtkosten, Sprachkursgebühren Baden-Württemberg Stiftung Praktika erhielt Hmadi ein Stipendium der und Kosten für die Übersetzung und Bewer­ Baden-Württemberg Stiftung. tung von Zeugnissen. Im Rahmen der InitiaDass das ausländische Diplom auch in Freunde, die in Deutschland leben, haben tive »Integration durch Bildung« des Stifterdem Ägypter begeistert vom deutschen Deutschland anerkannt wird und Hmadi hier verbands für die Deutsche Wissenschaft als MTA arbeiten kann, sieht PD Dr. med. Gesundheitssystem erzählt. Wie toll es funkspendete der Autobauer Porsche 150.000 Susanne Martina Eschmann äußerst positiv. tioniere und dass Fachkräfte gesucht werden. Euro für das Stipendienprogramm und Die Ärztin des Marienhospitals sagt: »Wir 2016 machte sich Ahmed Abdelrahman auf unterstützte damit weitere Fachkräfte auf haben einen absoluten Notstand was MTA den Weg nach Deutschland. Mit dem Ziel, ihrem Weg zur beruflichen Anerkennung. seine Weiterbildung dort zu absolvieren. im Röntgenbereich anbelangt. Ich freue mich über die Win-win-Situation, für die ausEinen ähnlichen Weg hatte bereits sein Bruländischen hochqualifizierten Mitarbeiter eine Bleibe schaffen und der genommen, der in Irland als Zahnarzt arbeitet. unseren Personalbestand damit deutlich aufstocken zu können.« Bis zur Anerkennung seiner ägyptischen Ausbildung musste Seit Januar 2018 hat Ahmad Hmadi am Ludwigsburger Klinikum Abdelrahman unter anderem Sprachkurse in Fach- und Umgangseine Festanstellung als Medizinisch-technischer Radiologieassistent. deutsch belegen sowie vor der Ärztekammer eine Prüfung ablegen, Seine Expertise war so begehrt, dass er sich zwischen drei ob seine Fachkenntnisse den deutschen Standards genügen. Seit Jobangeboten entscheiden konnte. Was den Syrer in Deutschland September 2017 arbeitet der 27-Jährige als Anästhesist am Unibesonders glücklich macht: »Die Freiheit und dass ich Mensch versitätsklinikum Heidelberg. sein kann.«


Bildung E A SI SCIENCE-L / SAG' M AL WAS

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Bildung E ASI SCIENCE-L / SAG‘ M AL WA S

VON KLEINEN UND GROSSEN FORSCHERN Prof. Dr. Sabina Pauen Leiterin des Lehrstuhls Entwicklungspsychologie und Biologische Psychologie der Universität Heidelberg

Wie wirkt es sich auf die Sprachkompetenz aus, wenn Kinder naturwissenschaftlichen Phänomenen auf den Grund gehen? Die Studie EASI Science-L gibt Antworten.

Im August 2017 veröffentlichten die Baden-Württemberg Stiftung, die Stiftung Haus der kleinen Forscher und die Siemens Stiftung erste Ergebnisse der Studie EASI Science-L, die im Rahmen des Programms Sag’ mal was gefördert wurde. Sie zeigen, dass forschende Situationen in Kindergärten sehr gut geeignet sind, um sprachliche Kompetenzen zu fördern und zu stärken. Im Interview erläutert Prof. Dr. Sabina Pauen, die den Lehrstuhl Entwicklungspsychologie und Biologische Psychologie der Universität Heidelberg leitet und Mitglied der Forschungsgruppe ist, Details der Studie.

Frau Professorin Pauen, was ist das wichtigste Ergebnis von EASI Science-L?

SP Das Verhalten der Fachkräfte ist entscheidend dafür, wie gut ein Kind beim Experimentieren und Forschen lernt. Nur wenn die Fachkraft einen echten Zugang zum Thema hat, kann sie die Kinder dafür auch begeistern.

Die meisten Fachkräfte in Kindergärten sind Frauen …

SP … und die haben nicht selten Berührungsängste, wenn es um Naturwissenschaften geht. Darum ist es ganz wichtig, dass gute Fortbildungen rund um MINT-Themen diese Ängste nehmen. Wie wir in unserer Studie gesehen haben, leisten die Fortbildungen vom Haus der kleinen Forscher hier wertvolle Arbeit.

Und was haben Sie über den Zusammenhang von kindlichem Forschen und Sprache herausgefunden?

SP Beim Forschen ist es wichtig, den Kindern erst einmal Worte für das zu geben, was sie sehen. Beschreibende Sprache ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder über die beobachteten Prozesse nachdenken, dass sie sich mit anderen Kindern austauschen können. Sprache lenkt die Aufmerksamkeit auf feine Unterschiede, die wir sonst vielleicht nicht bemerken.

Haben Sie ein Beispiel?

SP Etwa beim Thema Schwimmen und Sinken. Da haben die Kinder gleich aussehende Klötze, manche schwimmen, manche sinken. Die Erzieher können also Kategorien wie leicht und schwer oder groß und klein vermitteln. Die Kinder lernen zu differenzieren: etwa, dass nicht alles sinkt, nur weil es groß ist.

Hat die Studie weitere Fragen aufgeworfen?

SP Allerdings. Wir wollen jetzt genauer verstehen, was eigentlich der Einsicht von Kindern vorausgeht. Ist es gut, Kindern viele Fragen zu stellen? In welchen Phasen forschender Prozesse brauchen sie Zeit zum Nachdenken? Sollte die Fachkraft Ergebnisse zusammenfassen? Es gibt bislang kaum Studien, die so genau hinschauen.

Was zeichnet gute Fortbildungen aus?

SP Vor allem, dass sie den Fachkräften das richtige Rollenverständnis vermitteln. Die Erzieherin ist nicht die Lehrende, sondern sie begibt sich auf die Ebene der Kinder und darf auch eine kleine Forscherin sein. Das ist eine Änderung im Verhalten, die sehr befreiend ist.

Warum sollten Kinder sich überhaupt mehr mit Naturwissenschaften beschäftigen?

Die Ergebnisse von EASI Science-L im Detail unter

SP Die Natur umgibt uns, sie ist allgegenwärtig. Da liegt es auf der Hand, dass Kinder sie besser kennenlernen. Physik, Chemie oder Mathematik helfen dabei, die Phänomene zu verstehen, die sich direkt vor den Augen der Kinder abspielen.

WWW.HAUS-DER-KLEINEN-FORSCHER.DE


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Bildung TALENT IM L AND

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Mit dem Stipendienprogramm Talent im Land (TiL) unterstützen die Baden-Württemberg Stiftung und die Robert Bosch Stiftung seit 2003 begabte Schülerinnen und Schüler, die auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife Hürden zu überwinden haben. 2017 wurden 53 Talente aus knapp 300 Bewerbern ausgewählt, zwölf davon stammen aus Syrien. Außer einer monatlichen Unterstützung von 150 Euro erhalten sie Zugang zu umfangreichen Seminar- und Bildungsangeboten und profitieren von Veranstaltungen wie der Sommerakademie und einem großen Netzwerk.

WWW.TALENT-IM-LAND.DE

VON ZWEIEN, DIE VIELE TALENTE HABEN Von den 53 Stipendiaten, die seit September 2017 am Programm Talent im Land (TiL) teilnehmen, stammen zwölf aus Syrien. So auch Ammar und Rose. Zwei Porträts.


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Ammar (20) träumt von der ganz großen Tour

Ammar ist 20 Jahre alt und geht in Reutlingen in die elfte Klasse des Isolde-Kurz-Gymnasiums. Physik, Mathematik und Sport, das sind seine Lieblingsfächer. Aber der Sport, der ist noch viel mehr für ihn. In Syrien hat Ammar erst Triathlon gemacht, sich dann aufs Radfahren spezialisiert. Als er vor zwei Jahren mit seiner Familie nach Deutschland gekommen ist, hatte er ein erstes Probetraining auf der Schwäbischen Alb: 90 Kilometer, hügelauf, hügelab. »Diese lange Strecke war sehr, sehr hart. Ich hatte sieben Monate nicht trainiert, weil wir unterwegs waren.« Dem Trainer gefällt die Leistung des damals 18-Jährigen, und der TSV Betzingen wird die neue sportliche Heimat für den Jungen mit den roten Haaren. Wenn Ammar davon erzählt, dass der Sponsor des Vereins ihm einige Wochen später ein Carbon-Rennrad geschenkt hat, strahlt sein Gesicht auch heute noch. »Ich vergesse diesen Moment nicht. Ich hätte niemals 3.000 Euro für ein Rad bezahlen können.«

113 dort Zeit zu verlieren. Bekannte unterstützten ihn dabei, in die zehnte Klasse des Gymnasiums aufgenommen zu werden. Eine anspruchsvolle Klasse, sodass die Direktorin ihm sagte, es sei kein Problem, sie zu wiederholen. »Ich habe in den ersten sechs Monaten sehr viel gelernt«, sagt Ammar. So viel, dass nach dem ersten Halbjahr niemand mehr von Wiederholung sprach. Eine Lehrerin hat ihn auf das Stipendienprogramm Talent im Land aufmerksam gemacht. Und ihm dabei geholfen, die Bewerbungsunterlagen auszufüllen und sich auf die Interviews vorzubereiten. »Das hätte ich alleine nicht geschafft«, sagt Ammar. »Als ich Bescheid bekommen habe, dass ich angenommen bin, hat sich meine ganze Familie riesig gefreut.« Bei der Aufnahmefeier im November 2017 in Stuttgart ist er einer von 53 neuen Stipendiaten, die von TiL bis zum Abitur unterstützt werden. Auf dem Foto, das die jungen Talente gemeinsam mit Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann zeigt, lacht Ammar breit in die Kamera. »Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland so viel Unterstützung bekomme. Ich will den Menschen durch meine Leistung zeigen, dass es richtig ist, mir zu helfen.«

Sport ist nicht nur Spaß

Ammars Trainingspensum hat es in sich. Sechsmal die Woche steigt er aufs Rad; samstags und sonntags bis zu sechs Stunden, an den Wochentagen ist kürzeres Intervalltraining angesagt. Ammar sagt, dass Sport für ihn nicht nur Spaß ist. Er hat Ziele. Bei der diesjährigen Rad-WM in Österreich möchte er für Syrien starten. Er wäre damit der allererste Radprofi seines Heimatlandes. Außerdem plant er, zu einem Team zu wechseln, das in der Bundesliga fährt. »In drei, vier Jahren kann ich vielleicht Radprofi sein.« Und damit könnte ein ganz großer Traum näher rücken: die Tour de France. Ammars Ehrgeiz gilt nicht nur dem Sport. Als er in Deutschland seinen ersten Sprachkurs besuchte, hatte er schnell den Eindruck,

Rose (15) entscheidet selbst, wie ihr Leben läuft

Wenn Rose sich an das erste Treffen von Talent im Land erinnert, dann ist da vor allem das Gefühl der Erleichterung, das sie verspürt hat. In den Gesprächen mit anderen Stipendiaten habe sie erfahren, dass es manchen schlechter gehe als ihr, manchen besser. »Da habe ich gemerkt, dass ich selbst entscheide, wie mein Leben läuft.« Rose ist als 15-Jährige gemeinsam mit ihrer Cousine nach Deutschland gekommen. Ihre

Bildung TALENT IM L AND

Mutter blieb in Damaskus, weil die Großmutter mit ihren über 80 Jahren den Weg nicht mitgehen konnte. In ihrem ersten Jahr, erzählt Rose, sei das Heimweh stark gewesen und sie habe viel geweint. »Dann habe ich mich immer, wenn ich traurig geworden bin, noch mehr auf meine Aufgaben und die Schule konzentriert«, sagt sie. »Das hat geholfen.« Mit ihrer Mutter skypt Rose regelmäßig; seitdem ihre Tochter Stipendiatin ist, verfolgt die Mutter über die sozialen Medien genau, was sich bei TiL tut. »Sie ist sehr stolz auf mich und fragt immer nach neuen Bildern.«

Falafel und Spätzle kochen

Anderthalb Jahre hat Rose in unterschiedlichen Flüchtlingsunterkünften gelebt, bevor sie im Herbst 2017 in ihre erste eigene Wohnung gezogen ist: in Blaubeuren, einer Kleinstadt nahe Ulm. »Anfangs habe ich mich sehr alleine gefühlt. Aber jetzt mag ich das Leben hier und kann mir gar nicht mehr vorstellen wegzugehen.« Was viel mit den Menschen zu tun hat, die Rose hier kennengelernt hat. Anne etwa, ihre Vermieterin. Die hat fünf Kinder und sagt gern, dass Rose ihr sechstes ist. Oder die Freundinnen vom Gymnasium, mit denen sie sich in ihrer Freizeit trifft und Falafel und Spätzle kocht. Oder Matthias, der ihr regelmäßig beim Lernen hilft und so etwas wie ein Ersatzvater geworden ist. Anders als Ammar, den Rose in Damaskus beim Schwimmtraining kennengelernt und zwei Jahre später bei Talent im Land wiedergetroffen hat, möchte die 19-Jährige kein Sportprofi werden. Sie trainiert bei der DLRG, will das Schwimmabzeichen in Gold machen und das Tauchen lernen. Einer ihrer Lieblingsorte in Blaubeuren ist der Blautopf: eine sogenannte Karstquelle mit einem viele Kilometer langen unterirdischen Höhlensystem. »Das möchte ich unbedingt erforschen.« Am wichtigsten aber ist Rose die Schule und ein guter Notendurchschnitt. Sie möchte gerne Zahnmedizin, Pharmazie oder Chemie studieren. »Ich werde nach dem Abitur wohl ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, denn damit kann ich meinen Schnitt um 0,5 Punkte verbessern.« Das TiL-Stipendium, so sagt sie, habe sie darin bestärkt, in Deutschland vieles schaffen zu können. Und auch wenn Rose ihre Mutter vermisst – sie kann sich nicht vorstellen, wieder in Syrien zu leben. »Ich möchte das, was ich hier erreicht habe, nicht hinter mir lassen«, sagt sie. »Mein Plan ist es, weiter zu lernen und irgendwann meine Mutter hierherzuholen.«


KOMPAKT

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EXPEDITION N – NACHHALTIGKEIT FÜR BADEN-W ÜRTTEMBERG

TOUR DE NACHHALTIGKEIT Was hat Fleischkonsum mit Klimaschutz zu tun? Wie kann die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen gelingen? Und woher kommt sauberer Strom, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint? Diese und weitere Fragen rund um Klimaschutz, Energiewende und Nachhaltigkeit beantwortet die Informations- und Bildungsinitiative Expedition N – Nachhaltigkeit für Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt der Initiative steht das Expeditionsmobil, das Multimedia-Ausstellung, Dialogforum und Veranstaltungszentrum in einem ist. Aktuelle Entwicklungstrends greift das Mobil auf und erweitert das Repertoire konstant. So kam im letzten Jahr beispielsweise ein interaktives Touch-Screen-Terminal zu den »Sustainable Development Goals« als Exponat hinzu. Der Nachhaltigkeitstruck tourt das ganze Jahr durch das Bundesland, um vor Ort die Menschen zum Mitmachen, Mitdiskutieren, Nachdenken, Umdenken und Gestalten einer energiebewussten und nachhaltigen Zukunft einzuladen. Von Januar bis Dezember 2017 war die Expedition N an 219 Einsatztagen an 64 Standorten in Baden-Württemberg unterwegs. Die Besucherzahl konnte in 2017 noch einmal gesteigert werden: Über 89.000 Menschen gingen auf Entdeckungsreise durch die Themenwelten der Energiewende.

PERSPEKTIVE DONAU: BILDUNG, KULTUR UND ZIVILGESELLSCHAFT

ENGAGIERT ENTLANG DER DONAU Mit dem interkulturellen Programm Perspektive Donau fördert die Baden-Württemberg Stiftung nachhaltige Projekte, die zur Völkerverständigung beitragen und die Lebensbedingungen und Perspektiven der Bewohner im Donauraum verbessern. Im Jahr 2017 wurden 17 Projekte ausgewählt, die insgesamt mit knapp einer halben Million Euro von der Stiftung unterstützt werden. Die Bandbreite der finanzierten Projekte ist vielfältig: Mit dabei ist beispielsweise das Projekt mine e.V. Der Verein in Belgrad beschäftigt sich mit der Familienbildung von und für Roma und hat ein Mütterzentrum ins Leben gerufen. Mine e.V. (Mother Centers International Network for Empowerment) bietet den Frauen einen Ort der Begegnung und des Austauschs und unterstützt sie beispielsweise beim Beantragen von Fördermitteln. Ein weiteres Projekt läuft in Rumänien. Im sogenannten BuKi-Haus kümmert sich ein Ehepaar ehrenamtlich um 25 Kinder, die aus armen Verhältnissen stammen und nicht regelmäßig die Schule besuchen. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms liegt in der Netzwerkbildung: So beteiligt sich die Baden-Württemberg Stiftung auch 2018 wieder am Internationalen Donaufest in Ulm. Bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Fest kommen Akteure aus dem Donauraum zusammen, um die europäische Donauraumstrategie voranzutreiben, sich zu vernetzen und auszutauschen.

BÜRGERBETEILIGUNG UND ZIVILGESELLSCHAFT

DEMOKRATIE LEBEN Eine informierte Bevölkerung, die sich aktiv in politische Debatten einbringt, ist für eine lebendige Demokratie unverzichtbar. Mit dem Programm Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung seit 2012 eine Vielzahl an Projekten, die Bürgerinnen und Bürger quali­ fizieren, sich an demokratischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Diese Qualifizierungsprojekte werden von verschiedenen Forschungsaktivitäten begleitet. Eines davon ist die Machbarkeitsstudie zum Beteiligungshaushalt BadenWürttemberg. Die Studie, die in den Jahren 2016 bis 2017 durchgeführt wurde, ermittelte, unter welchen Bedingungen die Bevölkerung bei der Vergabe öffentlicher Gelder mitwirken und über den Landeshaushalt mitentscheiden kann. Dabei standen Möglichkeiten, die sich im Hinblick auf die Digitalisierung im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens bieten, wie auch die Einbeziehung einer breiten Bevölkerung sowie rechtliche Rahmenbedingungen im Fokus der Untersuchung. Weitere Forschungsprojekte des Programms untersuchen, wie es um die Qualität der Demokratie in Baden-Württemberg bestellt ist. Beim sogenannten Demokratie-Monitoring 2017/2018 laufen aktuell vier Forschungsprojekte. Eines davon gibt beispielsweise mit einer lebensweltlichen Analyse Einblick in die Gruppe der AfD-Wählerinnen und -Wähler. Die Ergebnisse werden im Sommer 2018 veröffentlicht.


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

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Bildung BA DEN-W ÜRT TE M BERG-STIPENDIU M

RAUS IN DIE WELT Mit dem Baden-Württemberg-STIPENDIUM kann man die Welt entdecken, von anderen Kulturen lernen, Freundschaften schließen und nicht zuletzt sich selbst besser kennenlernen. Drei Stipendiaten berichten von ihren Erfahrungen.

Mark Szilagyi (33) war mit dem Baden-WürttembergSTIPENDIUM für Filmproduktion in Los Angeles

»Dreimal musste ich mich für den Hollywood-Workshop an der Filmakademie bewerben, dann hat es endlich geklappt. In den drei Monaten, die ich 2013 in Los Angeles verbracht habe, konnte ich viele Kontakte knüpfen, habe Filmsets besucht, Serienautoren getroffen und die Post-Produktion im Warner Brothers Studio erlebt. Wir Stipendiaten waren sogar einmal zum Barbecue bei Roland Emmerich eingeladen. Ich fand das alles sehr beeindruckend. Eine tolle Chance hat sich aus dem Hollywood-Workshop für mich ergeben, weil ich dort den Initiator des L.A. Web Series Festivals kennengelernt und ihm meine eigene Web-Serie REDLAND vorgestellt habe. Sie lief dann beim Festival und gewann gleich drei Preise. Das hat mir die Tür zu anderen internationalen Festivals und Preisen auf allen Kontinenten geöffnet, dafür bin ich sehr dankbar.

LOS ANGELES

Die amerikanische Filmindustrie ist definitiv ein Schwergewicht, aber auch dort wird nur mit Wasser gekocht. Man muss alles in Relation sehen – das weiß ich vor allem jetzt, nachdem ich drei Jahre in Ruanda gelebt und in der Filmproduktion gearbeitet habe. Seit einem Jahr bin ich zurück und betreue neben meiner frisch gegründeten Filmproduktionsfirma an der Filmakademie Ludwigsburg die internationalen Studenten. In Baden-Württemberg gibt es eine extrem gute Filmförderung, deshalb fühle ich mich hier auch sehr gut aufgehoben. Sollen alle nach Berlin abwandern, ich bleibe hier im Ländle. Zumindest vorerst.«

Zu Gast bei Roland Emmerich


Bildung BA DEN-W ÜRT TE M BERG-STIPENDIU M

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Simon Züfle (24) verbrachte mit dem Baden-WürttembergSTIPENDIUM für Studierende ein Semester in Moskau

Simon auf dem Roten Platz

MOSKAU

Sarah Müller (25) war mit dem Baden-WürttembergSTIPENDIUM für Berufstätige in Kenia

»Der Job als Schneiderin und Schnittdirektrice bei Hugo Boss hat mir zwar Spaß gemacht, aber irgendwie hat mir etwas gefehlt. Die schnell­lebige Massenproduktion in der Modeindustrie hat mich nicht glücklich gemacht. Nach Afrika zu gehen war schon immer ein Traum von mir, schon als Schülerin. Als ich dann jemanden von der Kenia-Hilfe Schwäbische Alb kennengelernt habe, wusste ich, das ist das Richtige für mich. 2016 bin ich zum ersten Mal nach Kenia gegangen, für ein halbes Jahr, als Stipendiatin der Baden-Württemberg Stiftung. An der dortigen Berufsschule habe ich jungen Mädchen das Nähen beigebracht. Viele weitere Aufenthalte in Kenia folgten, schließlich habe ich sogar mein eigenes Modelabel NYUZI gegründet und lasse meine Kleidungsstücke und Accessoires noch immer in Kikuyu herstellen. Ich halte engen Kontakt mit den Menschen dort und bin mindestens zweimal im Jahr in Afrika. In Kenia habe ich so vieles gelernt. Mit dem wenigen Material, das dort vorhanden ist, wird sehr sparsam umgegangen, nichts wird verschwendet. Reißverschlüsse werden aus kaputten Kleidungsstücken herausgetrennt und wiederverwertet. Dort habe ich auch erlebt, was gesellschaftlicher Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung wirklich bedeuten.«

KIKUYU

»Ich habe das Baden-Württemberg-STIPENDIUM genutzt, um einen Studienaufenthalt in Russland zu erleben. Das war möglich, weil meine Tübinger Uni eine Partnerschaft mit dem Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen unterhält. Ich habe Politikwissenschaf t und Geschichte in Freiburg, Madrid und Wladiwostok studiert und absolviere derzeit ein Master-Studium der Friedensforschung und Internationalen Politik. In erster Linie geht es darum, die russische Außen- und Sicherheitspolitik nachzuvollziehen, ohne zu dämonisieren oder zu beschönigen, denn Russland wird im 21. Jahrhundert eine tragende Säule der multilateralen Architektur sein. Da ich eine diplomatische Karriere anstrebe, war auch die Vertiefung meiner Russischkenntnisse ein wesentlicher Beweggrund für ein Auslandssemester in Moskau. Mich fasziniert die Größe und Weitläufigkeit Russlands. Es ist das größte Land der Welt und liegt in elf Zeitzonen. Das Land integriert eine Vielzahl von Kulturen, Ethnien und Religionen, sodass ich Russland eine eurasische Identität zuschreibe. Außerdem gefällt mir die Kultur- und Kunstbegeisterung der russischen Bevölkerung. Als Musik- und Kunstliebhaber mit Vorlieben für Oper, Musical und Ballett ist Russland sehr bereichernd für mich. In St. Petersburg habe ich eine tolle »Schwanensee«-Vorstellung gesehen und in Moskau eine Musical-Neuinszenierung von »Anna Karenina«. Beide Abende sind mir in besonders guter Erinnerung geblieben. Was ich nicht erwartet hatte, war die enorme Kälte im Februar und März. Das Thermometer zeigte mehrfach Temperaturen von unter -20 Grad an und es gab enorme Schneemassen.«

Viginiah, Hannah, Carolin & Sarah


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STATEMENT

Kann die Außenpolitik eines Landes die individuelle Freiheit ihrer Bürger einschränken? JA, WENN WIE IN RUSSLAND EIN BEDROHUNGSGEFÜHL GESCHÜRT WIRD. »Während meines Auslandsaufenthalts fanden die russischen Präsidentschaftswahlen statt. Überall gab es Wahlaufrufe, aber dass Putin gewinnen würde, stand ohnehin schon fest. Meiner Meinung nach zielt der Regierungsapparat geschickt darauf ab, in der Bevölkerung ein Bedrohungsgefühl zu schüren. Die Geschichte zeige, so das Narrativ, dass nur ein geeintes Russland das Land gegen externe Bedrohungen schützen könne. Die individuellen Freiheitsrechte werden zunehmend eingeschränkt. Meine Gastuniversität gilt als Kaderschmiede für russische Diplomaten. Auch hier wird der Großmachtanspruch Russlands betont.«

Simon Züfle Student

Simon Züfle studiert Friedensforschung und Internationale Politik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Dank eines Baden-Württemberg-STIPENDIUMs verbrachte der 24-Jährige das Sommersemester 2018 am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen in der russischen Hauptstadt.


Bildung FELLO WSHIPS FÜR INN OVATIONEN IN DER H OCHSCHULLEHRE

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DREI IDEEN FÜR MORGEN Mit dem Programm Fellowships für Innovationen in der Hochschullehre fördern die Baden-Württemberg Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft seit 2011 neuartige Konzepte zur Verbesserung der Lehre. 2017 stellten die Partner 200.000 Euro bereit und vergaben bundesweit neun Fellowships; davon drei an Hochschulen in Baden-Württemberg.

Dr. Stefan Seeber von der Albert-LudwigsUniversität Freiburg entwickelte ein Ausbildungskonzept für Studierende des Lehrfachs Deutsch. Seine Idee: Die Studierenden erarbeiten eine Unterrichtseinheit für die Oberstufe und setzen das Gelernte in der Klasse an einer Partnerschule praktisch um. Feedback erhalten sie von einer Lehrkraft, die sie bei ihrem Probeunterricht begleitet. Im Gegenzug besuchen die Schülerinnen und Schüler das Seminar der künftigen Lehrkraft und bekommen so einen Einblick ins UniFach Germanistik. Seebers Konzept zielt darauf ab, Lehre und Praxis enger als bisher miteinander zu verknüpfen. Davon profitieren die angehenden Lehrkräfte, weil sie unmittelbar erfahren, wie ihr Unterrichtsstoff und -stil ankommen; und die Schülerinnen und Schüler, die durch ihren Besuch an der Uni akademische Luft schnuppern und Einblicke in die Ausbildung erhalten. Dr. Stefan Seeber erhielt für sein Konzept ein mit 25.000 Euro dotiertes Senior-Fellowship.

Dr. Stefan Seeber Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Labor am Bodensee

Beim Konzept von Dr. Heinz Rebholz, Professor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz, steht die Projektarbeit im Mittelpunkt. Um die zukünftigen Ingenieure auf ihren Arbeitsalltag vor-

Ein Fall für zwei

Dr. Heinz Rebholz Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz

zubereiten, werden die Vorlesungsinhalte rund um ein Beispielprojekt strukturiert und mit Informationen fortlaufend ergänzt. Die Studierenden bearbeiten das Projekt über das gesamte Semester eigenständig. Lernerfolg beziehungsweise Projektfortschritt werden, wie in agilen Settings, in regelmäßigen Review-Terminen überprüft. Das Projektlabor soll die Studierenden durch die strukturierte und eigenverantwortliche Arbeitsweise optimal auf die Bachelorarbeit und den Berufseinstieg vorbereiten. Auch Rebholz erhielt wie Seeber für seine innovative Lehrmethode ein Senior-Fellowship.

»Eine erstklassige Ausbildung ist der Schlüssel für Innovation und Zukunftsfähigkeit. Mit unserem Programm möchten wir hochengagierte Menschen und ihre Ideen für eine ausgezeichnete Lehre fördern und stärken.«

Christoph Dahl Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung

Mit ihrem Konzept möchten Prof. Dr. Doris Ternes von der Dualen Hochschule Heilbronn und Prof. Dr. Felix Winkelmann von der Dualen Hochschule Mosbach die Ausbildung von Maschinenbauingenieuren im Bereich Kunststofftechnik verbessern. Produktionen entwickeln sich immer schneller, gleichzeitig steigen Qualitätsansprüche, die ein profundes Materialverständnis erfordern. Dabei spielt die Vernetzung von Wissen eine wichtige Rolle. Um dies bereits in einer frühen Studienphase zu fördern, hat das Team eine fächerübergreifende Lehrmethode entwickelt: In unterschiedlichen Fächern der Ausbildung werden Musterbeispiele herangezogen, sogenannte Demonstranten. Das kann beispielsweise ein Legobaustein sein. Die Studierenden analysieren diesen Demonstrant aus material- und produktionstechnischer sowie konstruktiver Perspektive. Auf diese Weise wenden sie ihr theoretisches Wissen aus Fächern wie Thermodynamik oder Festigkeitslehre an einem praktischen Beispiel an – und lernen frühzeitig, wie die verschiedenen Fachthemen zusammenwirken. Für ihre Lernmethode erhielt das Professoren-Team ein Tandem-Fellowship, das mit 30.000 Euro dotiert ist.

Prof. Dr. Doris Ternes

Prof. Dr. Felix Winkelmann

Duale Hochschule

Duale Hochschule

Heilbronn

Mosbach


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Bildung BW FONDS FÜR VERFOLGTE WISSENSCH AF TLER

ALEPPO

STUTTGART

SICHERHEIT AUF ZEIT Dank des Baden-Württemberg Fonds für verfolgte Wissenschaftler kann die syrische Agrarwissenschaftlerin Salwa Almohamed ihre Forschungen an der Universität Hohenheim fortsetzen – und mit ihren beiden Söhnen in Sicherheit leben. Wenn Salwa Almohamed spricht, lächelt sie. Geschwister, nicht die Kolleginnen und Kollegen bringen sie von ihrem Entschluss ab. Auch wenn man sie fragt, ob es ihr nicht »Die Menschen sind schwergefallen sei, ihren Mann und ihre misstrauisch geworden. Der Gedanke, zu gehen, war schon häufiger Sie wissen nicht mehr, Familie in Syrien zurückzulassen. »Einfach da gewesen. Seit 2011, als der syrische Bürgerwem sie glauben können, wer war das nicht«, sagt sie. Aber was bedeutet krieg begann, tauchte er immer wieder auf es gut mit ihnen meint.« schon einfach, wenn es um das Leben ihrer und setze sich in der Gedankenwelt der heute beiden Kinder geht. So wie im April 2015. Da 42-Jährigen fest. Bis das Handeln folgte. 2014 stand die Agrarwissenschaftlerin in einem fing die Agrarökonomin, die sonst mit SinusHörsaal und dozierte über sozialökonomische kurven hantiert, schließlich an, MöglichSalwa Almohamed keiten zu recherchieren. Und stieß dabei Aspekte ländlicher Gebiete. Der Vortrag Agrarwissenschaftlerin auf die internationale Organisation »The wurde von Explosionen unterbrochen. »Ich hörte jemanden auf dem Flur schreien, dass Institute of International Education Scholar eine Bombe den Universitätskindergarten getroffen hätte«, erzählt Rescue Fund« (SRF/IEE). Das New Yorker Institut setzt sich weltweit Salwa Almohamed. Ob ihre Söhne noch lebten, das wusste die Mut- für den Schutz verfolgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ter nicht. Sie versuchte, die Kindergartenleitung anzurufen, aber es ein (siehe Infokasten). war niemand erreichbar. »Diese Momente waren die schlimmsten Von Aleppo nach Stuttgart meines Lebens!« Wie hält man diese Zeit aus? Die zwischen Vergangenheit und Die Sonne scheint grell ins Büro. Die Hitze macht Salwa Almohamed Zukunft liegt, voller Ungewissheit ist und der Vorstellung, dass das nichts aus. Trotz Kopftuch und hochgeschlossenem Pullover. Sie Leben von jetzt auf gleich in einer Katastrophe enden könnte. Gar trinkt Kaffee statt Wasser. Sie lächelt. Sie ist in Sicherheit. Prof. Dr. nicht hält man das aus. Und nachdem klar ist, dass ihre Söhne leben Regina Birner sitzt ihr gegenüber. Regina Birner ist Inhaberin des und im Keller des Universitätsgebäudes in Sicherheit sind, verändert Lehrstuhls für sozialen und institutionellen Wandel in der landwirtsich alles: Salwa Almohamed weiß jetzt, dass sie das Land mit den schaftlichen Entwicklung an der Universität Hohenheim, Deutschbeiden Kindern verlassen wird. Nicht der Ehemann, nicht die lands führender Agraruniversität. Salwa Almohamed war schon ein-


Bildung BW FONDS FÜR VERFOLGTE WISSENSCH AF TLER

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mal hier. Von 2004 bis 2008 hat sie am Tropischen Institut für Agrarwissenschaften promoviert. Damals war es ihre syrische Heimat-Uni, die ihr das Studium in Deutschland ermöglichte. Wenn Salwa Almohamed von ihrer Heimat spricht, beginnt sie gleich mit dem Krieg. Dass die Infrastruktur zerstört sei; dass Syrien, bei einer Wachstumsrate von 4,5 Prozent, 20 Jahre brauche, um das gleiche Bruttoinlandsprodukt zu erreichen wie 2010; wenn die internationalen Sanktionen aufgehoben würden nur 17 Jahre, aber immer noch eine viel zu lange Zeit. Man muss sie mehrmals fragen, wie Syrien vor dem Krieg war. So als hätte sie die Erinnerungen daran schon verloren. Doch dann sprudelt es aus ihr heraus. Sie erzählt, dass Syrien ein freies, tolerantes Land gewesen sei. Ein Land, in dem Frauen ohne Kopftuch herumlaufen konnten; ein sicheres Land, in dem sie nachts mit Freundinnen mit dem Zug oder dem Bus von Damaskus nach Aleppo reiste, ohne männliche Begleitung. Dass sie kein anderes Land kenne, in dem so viele Menschen aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Religionen zusam­ menlebten und sich mit Respekt begegneten. Dass sie freundlich zueinander gewesen seien und trotz aller Diversität friedlich miteinander lebten. Der Krieg habe das zerstört. »Die Menschen sind misstrauisch geworden. Sie wissen nicht mehr, wem sie glauben können, wer es gut mit ihnen meint«, sagt sie.

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Familie nach dem Forschungsaufenthalt seiner Frau wirtschaftlich vor dem Nichts stehen würde – in Deutschland wie in Syrien. Salwa Almohamed hofft, dass er sie und die Kinder im nächsten Jahr besuchen kommen wird.

Politik beginnt auf dem Acker

In der zweiten Etage der agrarwissenschaftlichen Fakultät am Plieninger Wollgrasweg hat die syrische Professorin ein Büro, wo sie sich halbtags ihrer Forschung widmet – ebenso wie viele andere Mütter ist sie an die Öffnungszeiten des Kindergartens gebunden. »Das, was ich im Büro nicht schaffe, mache ich zuhause, wenn die Kinder schlafen«, sagt sie. Die Doppelbelastung ist allerdings nicht neu für sie. Auch in Aleppo hat sie sich neben ihrem Beruf um die Kinder gekümmert. Ein Schwerpunkt der Forschung sind sozioökonomische Aspekte ländlicher Gebiete. Sie untersucht beispielsweise, wie sich natürliche Ressourcen effizient nutzen lassen. Zurzeit beschäftigt sich die Agrarökonomin mit den Auswirkungen des syrischen Bürgerkrieges auf die Landwirtschaft. Die Daten, die sie für ihre Untersuchung braucht, hat sie bereits im vergangenen Jahr in ihrer Heimat erhoben. Ihre These: Nicht nur die zunehmende Armut auf dem Land, als Folge des Klimawandels und der zunehmenden Dürre, hat die Bevölkerung unzufrieden gemacht und Der schnöde Mammon den Bürgerkrieg begünstigt, sondern auch »Die politische Dimension die radikalen Änderungen der staatlichen Es ist möglich, dass nicht nur die Bomben, von Agrarpolitik sondern auch das soziale Auseinanderdriften Subventionspolitik. wird in der Forschung noch Salwa Almohamed dazu bewogen haben, »Die Regierung hat die Landwirtschaft und zu häufig vernachlässigt.« ihre Heimat zu verlassen. Als sie sich 2015 für den Energiesektor sehr lange mit hohen Sumden »Scholar Rescue Funds« bewarb, nahm men unterstützt. Dann wurden die Subsie Kontakt zur Uni Hohenheim auf. Sie ventionen nach und nach gestrichen mit der Regina Birner brauchte eine Gastuniversität, die sich zur Folge, dass die Preise für Dünger, Diesel, Hälfte am Stipendium beteiligte. 24.000 Euro Transport, Strom und Wasser stiegen«, erklärt Vorsitzende des Lehrstuhls für sozialen und institutionellen waren das. Was für amerikanische HochRegina Birner. »Die politische Dimension von Wandel in der Agrarentwicklung schulen kein Problem ist, weil sie sich über Agrarpolitik wird in der Forschung noch zu an der Universität Hohenheim Studiengebühren, Spenden und Sponsoren häufig vernachlässigt.« Die Frage, inwiefern finanzieren, bringt deutsche Universitäten Agrarentscheidungen politische Konflikte schnell an den Rand finanzieller Möglichkeiten. Das Institutsbudget mindern oder verstärken können, ist das zentrale Thema, dem Salwa sieht solche Sonderfälle nicht vor. Es deckt lediglich das laufende Almohamed während ihrer Zeit an der Universität nachgehen will. Dass ihre Ergebnisse die syrische Regierung in ein negatives Licht Geschäft ab, zu dem Dienstreisen, Exkursionen oder die Teilnahme an internationalen Konferenzen gehören. Alle anderen Finanzierun- rücken und möglicherweise für sie von Nachteil sein könnten – davor gen müssen über Forschungsprojekte eingeworben und dürfen nicht hat Salwa Almohamed keine Angst: »Wissenschaftliche Forschunzweckentfremdet werden. »Es war ausgesprochen hilfreich, dass die gen basieren auf staatlichen und internationalen Daten, die offen Baden-Württemberg Stiftung auf Anregung des Ministeriums für zugänglich sind. Daten sagen die Wahrheit. Kein Entscheidungsträger Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg den Fonds in Syrien zweifelt die Ergebnisse an. Ob er aber den wissenschaftgemeinsam mit einer Stiftung von Max Jarecki aufgesetzt hat und lichen Empfehlungen folgt, das ist eine andere Sache.« darüber die andere Hälfte des Stipendiums übernehmen konnte«, Alles fließt sagt Regina Birner. Seitdem Salwa Almohamed in Deutschland ist, hat sie mehrere ArtiSpurensuche kel – unter anderem für eine jordanische Fachzeitschrift – zum Thema Seit November 2017 lebt Salwa Almohamed im Gästehaus der Uni- verfasst. An der Uni Hohenheim betreut sie derzeit eine Ph.D.-Studentin versität. Die Baden-Württemberg Stiftung und die Max-Jarecki-Stif- aus Afghanistan; und am Institut plant sie mit Regina Birner 2019 tung haben daran besonderen Anteil. Die Wissenschaftlerin bekam eine Konferenz über die syrische Agrarwirtschaft. Weiter kann sie aufgrund des Stipendiums nicht nur einen Vertrag mit der Universität nicht denken. Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, sagt Hohenheim als Gastforscherin, sie erhielt auch das erforderliche sie: »Nichts bleibt, wie es ist. Wie lange ich in Deutschland bleiben Visum innerhalb weniger Tage. Stipendium und Aufenthaltserlaub- kann, ist nicht sicher. Unser Leben in Syrien ist es auch nicht. Ich nis sind auf zwölf Monate begrenzt und können maximal um ein hoffe immer für die gute Sache. Aber mehr kann ich nicht tun. Ich Jahr verlängert werden. bin da. Es ist der Moment.« Salwa Almohameds Ehemann, der in Aleppo ein Computergeschäft führt, ist in der Heimat geblieben. Wenn er mitgekommen wäre, hätte er alles aufgeben müssen. Seine Angst war zu groß, dass die


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BADEN-W ÜRTTEMBERG FONDS FÜR VERFOLGTE WISSENSCHAFTLER Gemeinsam mit der Max-Jarecki-Stiftung unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung ver folgte sowie durch Krieg bedrohte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, damit sie ihre akademische Arbeit in einer sicheren Umgebung in Baden-Württemberg fortsetzen können. Das Stipendienprogramm wird gemeinsam mit dem Ministerium für W is s ens chaf t , For s chung und Kuns t Baden-Württemberg umgesetzt. Die Stiftung kooperiert dabei außerdem mit dem Institute of International Education (IIE), das mit dem Scholar Rescue Fund (SRF) seit mehr als zehn Jahren verfolgten Forscherinnen und Forschern weltweit hilft. Das spezielle Förderprogramm ist mit einem Gesamtvolumen von einer Million Euro ausgestattet.

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Bildung ELITEPROGR A M M FÜR POSTD OCS

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»ES KANN IM KLASSENZIMMER ZU SOZIALER AUSGRENZUNG KOMMEN« Dr. Katja Scharenberg Juniorprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Freiburg

Dr. Katja Scharenberg ist Juniorprofessorin für Inklusion mit dem Schwerpunkt Heterogenität am Institut für Soziologie der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Im Rahmen des Eliteprogramms für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden unterstützt die Stiftung das Forschungsprojekt KOMPOSIT der 37-Jährigen. Darüber hinaus ist Dr. Scharenberg auch Mitglied im von der Baden-Württemberg Stiftung initiierten Netzwerk Bildungsforschung. Worum geht es in Ihrem Forschungsprojekt?

KS Komposit steht für »Klassenkomposition und soziale Integration in inklusiven Schulklassen«. Ich schaue mir an, wie die Zusammensetzung von Schulklassen auf die emotionale und soziale Entwicklung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf wirkt. Und ich untersuche, inwiefern institutionelle Rahmenbedingungen, zum Beispiel die Schulformzu­ gehörigkeit oder die schulische Ausstat-

tung und Unterstützung der Lehrkräfte, die soziale Integration dieser Kinder beeinflusst. Im Grunde sind das zwei Forschungsstränge, die ich das erste Mal miteinander verbinde.

Warum interessieren Sie diese Aspekte so sehr?

KS Wir wissen aus anderen Studien, dass Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in inklusiven Schulklassen im Durchschnitt eine bessere Leistungsentwicklung

NETZWERK BILDUNGSFORSCHUNG Im Netzwerk Bildungsforschung beschäfti­ gen sich gut 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrich­ tungen und Hochschulen in mehr als 25 Forschungsprojekten mit Themen der Empirischen Bildungsforschung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Übergang junger Menschen von der Schule in den Beruf oder das Studium.


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ELITEPROGRAMM FÜR POSTDOKTORANDINNEN UND POSTDOKTORANDEN Mit dem 2002 aufgelegten Eliteprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung exzellente junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf ihrem Weg zur Professur, indem sie ihnen eigenverantwortlich beantragte und verwaltete Forschungsprojekte ermöglicht. Bislang wurden 240 Postdocs in das Programm aufgenommen. erzielen als an Förderschulen. Wir wissen aber auch, dass sich das für die emotionale und soziale Entwicklung dieser Kinder nicht eindeutig sagen lässt. Diese Kinder werden von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern häufiger als andere nicht beachtet oder ausgegrenzt. Das finde ich sehr spannend. Auf der einen Seite sprechen wir von Inklusion, gleichzeitig kann es aber im Klassenzimmer zu sozialer Ausgrenzung kommen.

Wie gehen Sie praktisch vor?

KS Seit Mai befragen wir Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 7 in 45 Schulklassen an Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Wir möchten dabei gut 1.000 Kinder mithilfe von Fragenbögen erreichen. Wir untersuchen beispielsweise, ob sie sich in ihrer Klasse wohl und inwiefern sie sich sozial integriert

fühlen. Wir erfassen aber auch die soziokulturelle Herkunft. Zum Beispiel wo sie geboren wurden, welche Sprache sie zuhause sprechen oder welchen Beruf ihre Eltern haben. Und wir befragen die Lehrkräfte, was sie tun, um die soziale Integration und den Klassenzusammenhalt zu fördern.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Forschungsprojekt?

KS Es soll zeigen, in welchen Klassenkontexten soziale Integration besonders gut funktioniert. Wir gehen allerdings davon aus, dass dies nicht allein auf die Klassenkomposition zurückzuführen ist, sondern dass es Wechselwirkungen gibt und die soziale Integration beispielsweise von den individuellen Merkmalen von Schülerinnen und Schülern abhängig ist. Wenn ein Schüler mit Förderbedarf zusätzlich aus einem bildungs-

Bildung ELITEPROGR A M M FÜR POSTD OCS

fernen Elternhaus kommt, sind das Mehrfachbenachteiligungen, die die soziale Integration erschweren können.

Sie engagieren sich seit 2013 auch beim Netzwerk Bildungsforschung der Baden-Württemberg Stiftung, gehören seit 2016 sogar zum Leitungsteam. Inwiefern beeinflusst Ihr Engagement dort Ihr Forschungsprojekt?

KS Inklusion stellt das Schul- und Bildungssystem aktuell vor riesige Herausforderungen. Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf werden älter, verlassen irgendwann die Schule und beginnen eine Ausbildung oder einen Beruf. In der Forschung wissen wir noch sehr wenig über den Übergang für diese Zielgruppe. Das Netzwerk ist deshalb ein geeigneter Ort, mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darüber zu diskutieren, vor welchen Hürden die jungen Erwachsenen stehen, aber auch auf welche Ressourcen sie zurückgreifen können. Das finde ich spannend, inspiriert mein Forschungsprojekt und ist anschlussfähig an andere Projekte aus dem Netzwerk.


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Bildung KICK EN&LESEN

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HAPPY KICKDAY Fußball und Lesen auf spielerische Weise miteinander verknüpfen und so die Lesekompetenz von Jungs stärken – die Stiftung unterstützt Projekte aus Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen, die diesen Ansatz verfolgen. 2017 feierte kicken&lesen seinen zehnten Geburtstag.

»Kicken&lesen ist ein absolutes Vorzeigeprojekt. Die Verbindung von Fußball und Leseförderung motiviert die Jungs und hilft, ihre Bildungschancen und beruflichen Perspektiven zu verbessern.«

Thomas Hitzlsperger Präsidiumsmitglied des VfB Stuttgart

109 PROJEKTE haben Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen aus Baden-Württemberg mit kicken&lesen realisiert.

2007 kicken&lesen tritt die Nachfolge des erfolgreichen Programms »Lesenetz BW« an. Der VfB unterstützt das Projekt seit Anbeginn, der SC Freiburg kommt 2014 dazu.

VFB STUTTGART

ist von Anfang an Partner von kicken&lesen. Zum Abschluss der einjährigen Laufzeit nehmen die Jungs am kicken&lesenCamp teil, das der VfB Stuttgart durchführt.

NUDELN

haben rund 530 Jungs bei den Camps des VfB Stuttgart verputzt.


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Bildung KICK EN&LESEN

SC FREIBURG

STUTTGARTER NACHRICHTEN

ist seit 2014 Partner von kicken&lesen und und richtet wie der VfB Stuttgart jährlich ein kicken&lesen-Camp aus.

sind seit 2013 Medienpartner des Projekts.

1.533 JUNGS

haben beim VfB Stuttgart und SC Freiburg gekickt und gelesen.

»Ich schätze es sehr, dass man beim Lesen Ruhe findet und abschalten kann. Es freut mich, dass wir gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung und dem VfB Stuttgart dazu beitragen können, Jungs über den Fußball fürs Lesen zu begeistern.«

Julian Schuster Kapitän des SC Freiburg (Saison 2017/18)

305.990,22

EURO

stellte die Baden-Württemberg Stiftung bislang für kicken&lesen-Projekte zur Verfügung.

SEITEN

haben rund 140 Jungs und ihre Betreuer bei den SC-Freiburg-Camps in den Lesemappen durchgearbeitet.


GESELLSCHAFT & KULTUR

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Aktionsprogramm Psychische Gesundheit von Jugendlichen

ENDLICH FREI!

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Kulturakademie

EINE EXTRAPORTION KULTUR

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Kinder & Kultur

»HEUTE GIBT ES HÄUFIG BRÜCHE IN DER KULTURBIOGRAFIE VON FAMILIEN«

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Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg

»ZWEIFELN ÜBERLASSE ICH NIE DAS LETZTE WORT«

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Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft

NEUGIERIG AUF NACHHALTIG

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Komm mit in das gesunde Boot

WOHLBEFINDEN IM TEST

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Inklusionsbegleiter

INKLUSIONSBEGLEITER BAUEN BRÜCKEN

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Schulbegleiter

IM SCHULALLTAG UNTERSTÜTZEN

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mikro makro mint

MINT IN SICHT! TÜFTLER AUF GROSSER SEEFAHRT

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Aktionsprogramm Senioren

DAS HERZ SCHLÄGT FÜR’S HEIMATDORF

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Vielfalt gefällt! Orte des Miteinanders

COLA TAXI OKAY

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Integrationsprogramme für Geflüchtete

HILFE BEIM ANKOMMEN UND EINLEBEN


GESELL SCHAFT & KULTUR 127


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Baden-Württemberg ist vielfältig und bietet Menschen aus aller Welt ein Zuhause. Um allen ein friedliches und zufriedenes Leben zu ermöglichen, setzen wir uns insbesondere für diejenigen ein, die Unterstützung benötigen. In unseren Projekten begegnen sich die Beteiligten mit Respekt und Toleranz und gehen kreative Wege, um eine starke Gemeinschaft zu bilden – seien es Kinder, Familien, Senioren, Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderungen.


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Gesellschaft & Kultur PSYCHISCHE GESUND HEIT VON JUGENDLICHEN

ENDLICH FREI ! Mit dem Aktionsprogramm Psychische Gesundheit von Jugendlichen fördert die Stiftung seit 2014 Projekte, die junge Menschen emotional stärken. Sie stellt dafür insgesamt 1,8 Millionen Euro zur Verfügung.

spreche ich offen darüber. Vielleicht hilft es jemandem, der das Problem hat und das hier liest. Das ist meine Hoffnung. Reden ist wichtig. Man darf das nicht in sich hineinfressen.«

Zum Aktionsprogramm der Stiftung zählt das weltweit erfolgreiche Olweus Mobbing-Präventions-Programm, das bislang an 14 ausgewählten Schulen Baden-Württembergs implementiert wurde und noch weiteren Schulen offensteht. Verantwortlich für die Durchführung und Evaluation ist die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg. Auch das Projekt Schulen stark machen gegen Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten (4S) gehört zum Aktionsprogramm. Hier ist die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm federführend. Sie bietet kostenfreie Fortbildungen an, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schulen auf das sensible Thema vorbereiten und ihnen Handlungsempfehlungen vermitteln. Die nachfolgenden Protokolle der Schülerin Céline und der Schulsozialarbeiterin Cornelia Hummel sowie das Interview mit Professor Dr. Paul Plener geben einen Einblick in die Wirkung von 4S.

Celine (15) Schülerin

»Ich ritze mich nicht mehr, das ist alles Vergangenheit. Letztes Jahr war ich noch mittendrin. Ich wusste eigentlich die ganze Zeit, warum ich das mache. Da war immer dieser Druck, etwas schaffen zu müssen. Ich dachte, ich muss irgendwas machen, damit andere stolz auf mich sind. Ich war immer eine gute Schülerin, aber ich dachte, ich müsste noch besser sein. Mit dem Ritzen geht der Druck schnell weg. Ich nehme mir was, mit dem ich mich schnell verletzen kann und mach’ es einfach. An den Armen, das sieht man nicht so schnell. Danach hatte ich ein schlechtes Gewissen meiner Familie gegenüber. Ich wollte es nicht mehr machen, das hat dann aber nicht geklappt. Ich habe mich einsam gefühlt. Und das hat die ganze Situation schlimmer gemacht. Meine Zwillingsschwester hat die

Cornelia Hummel (52) Sozialarbeiterin der sozialpädagogischen Beratungsstelle für Schüler, Lehrkräfte und Eltern

Wunden irgendwann entdeckt und versucht, mich davon wegzukriegen. Aber ich habe komplett geblockt. Irgendwann hat sie es meiner Mutter gesagt. Sie war nicht sauer, aber schon irgendwie traurig und von sich enttäuscht, dass sie es nicht gemerkt hat. Ich bin dann zu Frau Hummel gegangen und habe angefangen zu reden. Das tat richtig gut! Ritzen ist eine Krankheit. Die muss behandelt werden. Wenn man Schnupfen hat, geht man auch zum Arzt. Wenn man das nicht macht, kann es schlimmer werden. Und am Ende ist man vielleicht tot, weil man sich zu tief geschnitten hat. Deshalb

»Ritzen gehört ja schon ein bisschen zum Schulalltag. Jeder fünfte Schüler verletzt sich, wobei es mehr Mädchen als Jungs sind. Im März 2016 war ich in Mannheim beim Workshop der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Ulm. Ich finde es gut, dass die Ulmer mit ihrem Angebot auf die Schulen und Lehrer zugegangen sind. Denn wir erleben die Jugendlichen ja sechs bis acht Stunden am Tag. Wir können viel zur Prävention beitragen, weil wir frühzeitig einschreiten können. Wir haben in den zwei Tagen viel praktisch geübt, zum Beispiel in Rollenspielen. Gerade Situationen, in denen ein suizidaler Mensch vor einem sitzt, sind schwierig. Wie soll man sich verhalten? Man muss lernen, diese Scheu abzulegen. Denn es ist wichtig, konkrete Fragen zu stellen wie: ›Hast du Pläne?‹, ›Hast du konkret schon etwas unternommen?‹ oder ›Wer weiß davon?‹. Ich kann die Fortbildung uneingeschränkt empfehlen. Sie ist eine gute Mischung aus theoretischem Grundlagenwissen und praktischen Übungen. Außerdem ist sie zeitlich machbar.«

Über die Förderung der Projekte hinaus waren die Baden-Württemberg Stiftung und die Stiftung Kinderland 2017 Mitveranstalter des mehrtägigen Fachkongresses der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP). Unter dem Titel »DA ZUGEHÖREN! – Bessere Teilhabe für traumatisierte und psychisch belastete Kinder und Jugendliche« griff die Tagung Themen auf, die für die Stiftung von großer Bedeutung sind – beispielsweise die Resilienz im Grundschulalter oder die Rolle von Schulbegleitern.


Gesellschaft & Kultur PSYCHISCHE GESUND HEIT VON JUGENDLICHEN

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»JE TIEFER DER SCHNITT, DESTO MEHR LIKES« Professor Dr. Paul Plener Oberarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Professor Dr. Paul Plener über die Beweggründe von Jugendlichen, sich zu ritzen, und den Einfluss sozialer Medien. Warum verletzen sich Jugendliche ausgerechnet im Übergang zum Erwachsenenalter?

PP Mit 14, 15, 16 Jahren passiert im Körper junger Menschen neurobiologisch und hormonell sehr viel. Einerseits erleben sie Gefühle stärker, andererseits können sie ihre Emotionen noch nicht gut regulieren. Sie sind verletzlicher.

Eine Verletzlichkeit, die sich im Ritzen äußert?

PP Ja, das kann passieren. In der Regel geht es Jugend­lichen darum, intensive negative Gefühle wie Wut oder Trauer abzubauen. Jugendliche ritzen sich die Haut, um für einen Moment Erleichterung zu erfahren.

Es geht also nicht darum, sich umzubringen?

PP Nein. Um einen Suizidversuch zu begehen, muss man eine gewisse Schwelle überschreiten. Denn der Wunsch zu leben, ist tief im Menschen verankert. Wir wissen, dass durch sich häufig wiederholende Selbstverletzung diese Schwelle manipuliert wird. Das heißt, je häufiger sich Jugendliche verletzen, desto höher ist das Risiko, dass sie später einen Suizidversuch unternehmen. Es ist also wichtig, diesen Kreislauf frühzeitig zu beenden.

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Kennen sich die Lehrerinnen und Lehrer nach den Workshops besser mit selbstverletzendem Verhalten aus?

PP Ja. In den vergangenen zwei Jahren haben wir 447 Pädagogen ausgebildet und das Programm wissenschaftlich ausgewertet. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Teilnehmer nach den Workshops signifikant mehr wissen. Auch nach sechs Monaten war ihnen das Gelernte noch präsent. Inzwischen wird unser Angebot von vielen Schulen in Baden-Württemberg genutzt.

Hat die Zahl der sich selbst verletzenden Kinder und Jugendlichen zugenommen?

PP Das ist wissenschaftlich betrachtet nicht zu beantworten. Einfach deshalb, weil die empirische Forschung sehr jung ist. 2002 erschien in Kanada die weltweit erste Studie, in Deutschland sogar erst 2006. Wenn man sich allerdings bei Lehrerinnen und Lehrern umhört, die länger im Geschäft sind, gibt es eine Tendenz. Nämlich, dass selbstverletzendes Verhalten deutlich zugenommen hat.

Auch wenn die wissenschaftliche Basis fehlt – haben Sie eine Idee, warum das so ist?

PP Derzeit untersuchen wir den Einfluss sozialer Medien auf selbstverletzendes Verhalten in einem Projekt mit der VW Stiftung. Wir versuchen nachzuvollziehen, wie sich das Teilen von Fotos zum Beispiel bei Instagram auswirkt. Zumindest können wir empirisch sagen, dass Posts von Bildern, die Wunden zeigen, zu mehr Kommentaren und Likes führen. Je schwerer die Wunde, je tiefer die Schnitte, desto mehr Reaktionen gibt es darauf. Hier besteht meiner Meinung nach die Gefahr, dass sich Jugendliche von den Bildern anstecken lassen.

Trotz der besorgniserregenden Entwicklung kommt das Thema im Ausbildungsplan von Lehrkräften nicht vor. Ist das ein Versäumnis?

PP Ich denke ja. Das spiegelt im Übrigen auch unsere generelle Erfahrung wider, dass psychische Belastungen von Kindern wenig Platz in den Ausbildungsplänen haben. Insbesondere in Deutschland, wo die Selbstverletzungs- und Suizidalitätsraten hoch sind, erscheint eine Fortbildung wie 4S deshalb dringend notwendig.

Und deshalb sind Sie mit Ihren Fortbildungen an Schulen gegangen.

PP Ja. Die Schule ist oft der erste Ort, an dem Selbstverletzungen bemerkt werden. Doch Lehrkräfte wissen zum Teil wenig über selbstverletzendes Verhalten oder Suizidalität. Deshalb haben wir unser Programm für das Schulpersonal und die präventive Arbeit konzipiert.

Was machen Sie genau?

PP Wir bieten zweitägige Fortbildungen an Schulen an, begleiten die Pädagogen aber auch über den Workshop hinaus. Beispielsweise beraten wir sie, wie sie an ihrer Schule bei einem Fall konkret vorgehen. Außerdem erreichen uns die Lehrkräfte über ein Hilfetelefon.

Dr. Paul Plener ist leitender Oberarzt der Kinder- und Jugenpsychiatrie am Klinikum Ulm und für das Projekt 4S (www.projekt-4s.de) verantwortlich. 2017 ist Plener für seine Forschung im Bereich »Soziale Einflussfaktoren auf Nicht-Suizidales Selbstverletzendes Ver­ halten« mit dem Hermann-Emminghaus-Preis ausgezeichnet worden.


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Gesellschaft & Kultur KULTUR AK A DE MIE

EINE EXTRAPORTION KULTUR Die Stiftung Kinderland hat ihr Angebot für junge Talente ausgebaut: An der Kulturakademie können ab 2018 auch ältere Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Und mit dem Projekt Kinder & Kultur fördert sie in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk Kommunen, um kulturelle Angebote für Sechs- bis Zehnjährige zu entwickeln. Die Stiftung Kinderland stellt dafür insgesamt 1 Million Euro für drei Jahre bereit.

Das Herz von Irenmaz schlägt für Naturwissenschaften. Ihre Leidenschaft konnte die 14-Jährige in den zwei Kreativwochen der Kulturakademie, die in den Sommer- und Winterferien stattfanden, voll ausleben – der Förderverein Science & Technologie e.V. unterstützte sie dabei. Er ist einer von acht Partnerorganisationen der Stiftung Kinderland, die die Kreativwochen durchführen.

Ob Bildende Kunst, Literatur, MINT oder Musik – die Kulturakademie ermöglicht es Schülerinnen und Schülern, ganz unterschiedliche Talente zu vertiefen. Die jungen Musiker probten an der Landesakademie Ochsenhausen freie Improvisation – eine intensive Erfahrung, von der sie sich zwischendurch erholten.

»Alles, was ich hier lerne, schließe ich in mein Hirn ein und nehme es mit nach Hause.« Irenmaz (14) Schülerin

Wer als Kind tanzt, malt, singt, musiziert oder experimentiert, begegnet sich selbst und stärkt so die eigene Persönlichkeit. Auf der großen Leinwand vertieft sich Nathalie in ihr Werk. Die Akademieräume von Schloss Rotenfels bieten ihr ausreichend Ruhe und Platz dafür.


Gesellschaft & Kultur KULTUR AK A DE MIE

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Wie schaffen Worte eine neue Welt? Wie findet man seine eigene Sprache? In der Schreibwerkstatt am Deutschen Literaturarchiv in Marbach feilten die jungen Autorinnen und Autoren an eigenen Geschichten, Drehbüchern oder Gedichten. Unterstützt wurden sie dabei von den Schriftstellern Nadja Küchenmeister und Matthias Göritz.

Je früher Kinder mit Kultur in Berührung kommen und sich entfalten können, desto positiver wirkt sich das auf ihr Leben aus. Von dieser Überzeugung ließ sich Dr. Marianne Schultz-Hector leiten. Die ehemalige Kultusministerin gründete 2005 gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung die Stiftung Kinderland. Sie ist Ideengeberin der Kulturakademie und hat sie 2010 mit ins Leben gerufen.

»Es ist unsere Aufgabe, das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken.« Dr. Marianne Schultz-Hector Ideengeberin

Mehr als 600 junge Talente konnten bis 2017 im Rahmen der Kulturakademie von der individuellen Förderung profitieren. In Zukunft werden es noch mehr sein: Ab dem Schuljahr 2018/2019 nehmen 80 weitere Jugendliche der Klassenstufen neun bis elf teil. Renommierte Einrichtungen führen die Kreativwochen für die Älteren durch. Unter anderem das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), die Hoch­ schule für Musik Karlsruhe (HfM), das Literaturhaus Stuttgart und die Universität Stuttgart in Kooperation mit dem VDI Stuttgart.

der Kulturakademie


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Gesellschaft & Kultur KINDER & KULTUR

»HEUTE GIBT ES HÄUFIG BRÜCHE IN DER KULTURBIOGRAFIE VON FAMILIEN« Holger Hofmann Bundesgeschäftsführer des DKHW

Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks über die kulturelle Situation von Kindern. Der Verein beteiligt sich als Kooperationspartner am Programm Kinder & Kultur der Stiftung Kinderland. Warum ist Kultur für Kinder so wichtig?

beschäftigt. Wo niemand sagt: ›Das geht uns nichts an, da verlassen wir uns auf den Markt, der wird schon Angebote schaffen.‹ Wir möchten Kommunen unterstützen und anregen, Kulturprojekte für Sechs- bis Zehnjährige zu entwickeln. Indem wir Mitarbeiter fortbilden und sie mit Mitteln ausstatten, ihre Ideen zu entwickeln, sie umzusetzen und gut zu begleiten.

HH Durch Kulturprojekte erobern sich Kinder kreativ die Welt. Sie lernen sich besser kennen, entdecken neue Seiten an sich und finden ihren eigenen Weg. Letztlich kommen Kinder und Jugendliche über die Kultur in Kontakt mit anderen. So entstehen Bindungen, an Werte oder auch an die Gemeinschaft, in der sie aktiv sind. Kulturprojekte fördern soziale Fähigkeiten und geben Kindern mehr Standfestigkeit im Leben.

Es ist Ihre erste Kooperation mit der Stiftung Kinderland.

Wie ist es um die kulturelle Situation von Kindern heutzutage bestellt?

HH Und unsere erste in Baden-Württem-

HH Ob Kinder malen, lesen oder musizieren, ist oftmals stark von einem hohen Bildungsgrad der Eltern abhängig. Wenn es den nicht gibt, fehlt vielfach auch der Zugang. Manchmal ist es aber auch eine materielle Frage. Es gibt viele kostenpflichtige Angebote, die sich nicht jede Familie leisten kann. Auf der anderen Seite erleben wir, dass man sich nicht mehr darauf verlassen kann, dass Eltern den Weg zur Kultur ebnen. Früher war es so: Wenn in einer Familie musiziert wurde, hat das auch die Kinder beeinflusst. Heute gibt es öfter Brüche in der Kulturbiografie von Familien.

Woran liegt das?

HH Eltern denken heute freiheitlicher. In dem Sinne, dass Kinder ihren persönlichen Interessen nachgehen und sich selbst entwickeln sollen. Sie werden also kulturell gar nicht mehr so sehr an die Hand genommen. Das muss nicht schlecht

sein. Die Situation erfordert aber attraktive Kulturprojekte, damit Kinder den Schritt über die Haustürschwelle finden.

Setzt hier das Programm Kinder & Kultur an?

berg. Wir arbeiten derzeit in verschiedenen Projekten mit acht Bundesländern zusammen. Mit der Stiftung Kinderland ist nicht nur ein Bundesland dazugekommen, sondern auch ein besonders wichtiges Projekt, schon was das Finanzvolumen und die Nachhaltigkeit betrifft. Und es freut uns sehr, dass unsere Zusammenarbeit langfristig auf das kulturelle Leben von Kindern in den Kommunen wirkt.

HH Ja. Wir sehen, dass kulturelle Bildung ein Thema ist, das viele Kommunen

KURZPORTR ÄT: KINDER & KULTUR Mit dem Programm unterstützen die Stiftung Kinderland und das Deutsche Kinderhilfswerk Kommunen, ihre Kulturangebote für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren aus- beziehungsweise aufzubauen. Hierfür nehmen Mitarbeiter aus zwölf Kommunen an einer Fortbildung teil. Innerhalb von vier Modulen erlangen sie fundierte Kenntnisse, um als »Koordinator Kinder & Kultur« eigene Projekte zu entwickeln. Das Curriculum wurde von der Landes­ vereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) erarbeitet. Im Anschluss an die Fortbildung stellen die Stiftung Kinderland und das Deutsche Kinderhilfswerk einen Förderfonds bereit, mit dem die geplanten Vorhaben finanziert und umgesetzt werden.


Gesellschaft & Kultur KULTUR PREIS BA DEN-W ÜRT TE M BERG 2017

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»Ich zweifle an allem und jedem, aber nicht am Schreiben, das zu mir gehört – hoffentlich so lange es mich gibt.«

»ZWEIFELN ÜBERLASSE ICH NIE DAS LETZTE WORT« Annette Pehnt Schriftstellerin

2017 vergab die Baden-Württemberg Stiftung zum achten Mal den Kulturpreis Baden-Württemberg, diesmal in der Sparte Literatur. Schriftstellerin Annette Pehnt (50) aus Freiburg nahm die gemeinsam von den Volksbanken Raiffeisenbanken und der Baden-Württemberg Stiftung vergebene Auszeichnung entgegen.


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Herzlichen Glückwunsch zum Kulturpreis, Frau Pehnt. Sie veröffentlichen fast jedes Jahr ein Buch. Wie haben Sie das Schreiben in Ihren Alltag integriert?

Gesellschaft & Kultur KULTUR PREIS BA DEN-W ÜRT TE M BERG 2017

Sie sind zum Interview mit dem Fahrrad gekommen, fühlen Sie sich mittlerweile als echte Freiburgerin?

AP Ich schreibe weniger, als ich möchte, weil ich eben auch

AP Ja, Freiburg ist eine Fahrradstadt und umgeben von wunder­

noch andere Sachen mache. 2018 werde ich zum Beispiel eine Professur für Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim annehmen. Aber ich habe reservierte Zeiten für meine literarischen Projekte und versuche, mich daran zu halten. Ich arbeite am Laptop und kann zum Glück überall arbeiten. Da ich viel unterwegs bin, nutze ich auch Hotels oder den Zug dafür.

schöner Natur. Auch das schätze ich am Leben hier. Man muss nicht erst eine Stunde mit dem Auto irgendwo hinfahren, um im Grünen zu sein. So wie in Köln, woher ich ursprünglich komme. Ein Ort wird irgendwann zur Heimat, je länger man dort lebt und Freundschaften knüpft. Auch als Autorin bin ich hier verortet. Freiburg ist eine Stadt, in der man gut mit anderen Menschen ins Gespräch kommen kann, wozu unter anderem auch das neue Literaturhaus beiträgt.

Fällt es Ihnen leicht, zu schreiben?

AP Die größte Schwierigkeit ist es, Zeit dafür zu finden. Ein bisschen schwierig ist auch die Phase, bevor ich mich entscheide, wieder ein längeres Erzählprojekt zu beginnen. Abzuwägen, ob es trägt, ob die Idee gut ist, ob ich es in einem Jahr noch machen will. Inzwischen denke ich schon darüber nach, wie viele Bücher ich in meinem Leben noch schreiben werde. Und da muss ich mir gut überlegen, wofür ich meine Lebenszeit einsetze. Die Entscheidung fällt mir heute auf jeden Fall schwerer als früher. Wenn die Arbeit erst mal losgeht, stehen dann nur noch Entscheidungen an, die die Sprache betreffen, das blockiert mich nicht.

Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

AP Das mit dem Schreiben war ein allmählicher Prozess. Ich habe zwar schon immer für mich geschrieben, auch literarische Texte. Aber Schriftstellerin ist ja kein fest umrissenes Berufsbild, es gab damals dazu auch keinen entsprechenden Studiengang. Ich musste es erst mal für mich herausfinden.

Schriftstellerin stand also nicht als Berufswunsch in Ihrem Poesiealbum?

AP Nicht wirklich. Aber als Kind habe ich total gern die Mumin-Bücher der finnisch-schwedischen Autorin Tove Jansson gelesen. Und ich habe damals schon gedacht, dass ich eigentlich selber gern mal so was Ähnliches schreiben würde. Den kleinen Mumin-Kosmos fand ich immer ganz großartig. Meine Bärbeiß-Bücher gehen ein bisschen in die Richtung.

Ihre Kinderbücher sind sehr erfolgreich. Welchen Ansatz verfolgen Sie damit?

AP Ich will Kindern in möglichst klaren und präzisen Worten von der Welt erzählen und möchte sie ermutigen, ihren Weg zu gehen. Zweifeln überlasse ich in meinen Kinderbüchern nie das letzte Wort. Hier bin ich optimistischer als in den Texten für Erwachsene. Das Schreiben für Kinder und Jugendliche an sich ist auch ein bisschen anders. Es ist zwar keine leichtere Aufgabe, aber es ist leichtfüßiger. Und ich kann mir verrückte Figuren ausdenken, an denen ich selber beim Schreiben großen Spaß habe.

Erinnern Sie sich noch wie es war, als Sie Ihren ersten Roman geschrieben haben?

AP Das ist ja noch nicht so lange her. Es war das Jahr 2000. Ja, ich weiß es noch genau. Das Schreiben war damals total unbelastet, weil ich ganz ohne Erwartungen schreiben konnte. Ich wusste überhaupt nichts vom Literaturbetrieb, und wenn ich keinen Verlag für den Roman gefunden hätte, hätte ich eben etwas anderes gemacht. Es hing nicht so viel daran, es war alles frei, fast wie ein Spiel. Das hat man glaube ich nur beim ersten Buch. Ich weiß noch, wie viel Freude ich daran hatte, wie lustvoll das Schreiben sich angefühlt hat.

Gibt es an Ihrem Beruf auch etwas, auf das Sie gut verzichten könnten?

AP Ehrlich gesagt, ich liebe diesen Beruf und hätte im Leben nicht gedacht, dass ich das mal machen darf. Deshalb stecke ich auch Sachen weg, die nicht so optimal sind. Zum Beispiel Besprechungen meiner Bücher, die reine Geschmacksurteile sind und gar nicht begründen, was genau am Text nicht funktioniert. Dem ist man als Schriftstellerin einfach ausgesetzt.

Und was mögen Sie besonders gern?

AP Es ist toll, wenn man Leuten vorlesen kann. Ich gehe gern auf Lesereisen und sitze in Räumen voller Menschen, die meine Texte hören wollen. Das finde ich immer noch schön. Für uns Autorinnen, die schon viele Jahre im Geschäft sind, ist es ja eine Herausforderung, die Sichtbarkeit zu erhalten. Gerade wenn man nicht ständig neue Texte vorlegt. Da wandert der mediale Blick oft ganz schnell woanders hin. Deshalb sind auch Auszeichnungen wie der Kulturpreis so wichtig, weil er Gelegenheiten schafft, gehört und gelesen zu werden. Und für mich persönlich ist dieser Preis auch eine Ermutigung, meinen Weg weiterzugehen und zu sehen, dass ich dabei wahrgenommen werde.


Gesellschaft & Kultur N ACH H ALTIGK EIT LER NEN – KINDER GESTALTEN ZUKUNF T

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NEUGIERIG AUF NACHHALTIG

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Bildungsthema, das Kinder begeistern kann, wie das Programm Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft beweist. Tyler ist elf Jahre alt, geht in die vierte Klasse und macht in seiner Freizeit bei der Naturschutzjugend Weil der Stadt mit. Als die ein Projekt mit dem Titel »Zurück in die Zukunft« ankündigte, war Tyler direkt mit dabei. »Ältere Menschen haben uns erzählt, wie sie als Kinder gelebt haben. Ich wusste nicht, dass es früher keine Hefte in der Schule gab, sondern Tafeln.« Und auch dass Schulranzen selber genäht wurden und die Kinder lange Schulwege zu Fuß zurücklegen mussten, war für Tyler neu. »Frühere Generationen sind mit den Ressourcen bewusster umgegangen, weil Mangel herrschte«, sagt Anne Mäckelburg, die Leiterin der Naturschutzjugend. »Wir wollen die Kinder daher über Geschichten aus diesen Zeiten für das eigene Verhalten sensibilisieren.«

Nicht wegwerfen, sondern reparieren

Außerdem werden Jung und Alt bei der Naturschutzjugend gemeinsam aktiv: sammeln Wildkräuter, pflanzen und ernten Gemüse, kompostieren Abfall aus der Küche, reparieren Gegenstände vom Sperrmüll. Oder Fahrräder, die Domäne von Hartmut Bauer.

Er ist in den 1950er Jahren aufgewachsen und hat von seinem Vater gelernt, wie man das eigene Rad flickt. Jetzt gibt er sein Wissen an die Kinder weiter. »Wir zerlegen die Räder und schrauben sie wieder zusammen«, sagt Bauer. »Vielen Kindern ist die Mechanik überhaupt nicht vertraut. Sie lernen hier, dass das Rad nicht weggeworfen werden muss, wenn etwas mal nicht funktioniert.« Das Projekt in Weil der Stadt ist eines von mittlerweile 100 in Baden-Württemberg, die mit finanzieller Unterstützung durch das Programm Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft auf den Weg gebracht wurden. Gemeinsam mit der Heidehof Stiftung hat die Baden-Württemberg Stiftung es vor sieben Jahren erstmals aufgelegt. Seither können Träger wie Kindergärten, gemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Einrichtungen, Verbände oder Organisationen Projektvorschläge einreichen. Der Ideenreichtum ist groß: Da pflanzen Kinder gemeinsam mit dem Revierförster 70 junge Bäume; bauen Nistkästen und Insektenhotels; entwickeln Ideen, wie sich in der Grundschule Müll vermeiden lässt; designen umweltverträgliche Alltags-

produkte; erkunden Biosphärengebiete vor der eigenen Haustür.

Apfelsaft selbst gepresst

»Es ist absolut sinnvoll, schon die Kleinsten in den Entwicklungsprozess hin zu einer nachhaltigen Lebensweise einzubinden«, sagt der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, Christoph Dahl. »Sie sind diejenigen, die als Erwachsene vom unref­ lektierten Umgang mit wertvollen Ressourcen betroffen sein werden.« Tyler jedenfalls hat im vergangenen Jahr gelernt, dass es Ressourcen gibt, die ganz umsonst sind: »Wir haben Äpfel auf Streuobstwiesen gesammelt und daraus selber Saft gepresst. Der war leckerer als der aus dem Supermarkt.« Mehr zum Programm Nachhaltigkeit lernen und seinen Ergebnissen fasst eine Publikation der Baden-Württemberg Stiftung zusammen.

WWW.BWSTIFTUNG.DE/PUBLIKATIONEN


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WOHLBEFINDEN IM TEST Wie wirkt sich das Programm Komm mit in das gesunde Boot auf die Gesundheit von Kindern im Kindergarten aus? Dies wird derzeit in einer landesweiten Gesundheitsstudie von einem Expertenteam untersucht. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Ulm begleiten das Vorhaben. Gut 1.000 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis fünf Jahren aus 62 Kindergärten nahmen ab Herbst 2016 an der Studie teil. Als Basis für die Erhebung führte das Expertenteam eine Erstmessung sportmotorischer und ernährungswissenschaftlicher Fähigkeiten durch. Die Drei- bis Fünfjährigen mussten beispielsweise aus dem Stand springen, Obstsorten benennen oder ihr Wohlbefinden mit Smileys bewerten. Danach teilte das Team die Kindertagesstätten per Losverfahren in zwei Gruppen auf: Bei der einen wurde Komm mit in das gesunde Boot in den Alltag integriert (Interventionsgruppe), bei der anderen nicht (Wartegruppe). Auf diese Weise lässt sich die Wirksamkeit des Programms vergleichen. Ein Jahr nach Studienbeginn, im Herbst 2017, fand bei beiden Gruppen eine Abschlussmessung statt. Derzeit werden die Daten ausgewertet und untersucht, inwiefern das Gesundheitsförderprogramm die körperliche, psychische und emotionale Gesundheit der Kinder verändert. Die Ergebnisse der Gesundheitsstudie werden Anfang 2019 erwartet.

3 7

KOMPAKT

247 55 2 2 48 56 2 249

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3min

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Wie fit bist Du? Die Kinder der Gesundheitsstudie sprangen aus dem Stand im Durchschnitt 70,37 Zentimeter weit. Mit dem Standweitsprung wird die Schnellkraft der Beine gemessen. Der Drei-Minuten-Lauf zeigt, wie es um die Ausdauer der Kinder bestellt ist. Im Schnitt liefen die Kinder 260,62 Meter in drei Minuten, mit einem signifikanten Geschlechtsunterschied: Jungen liefen 264,86 Meter weit, Mädchen dagegen 256,26.

66,8 % 26%

7,2%

Wie fühlst du dich? Birne oder Apfel? Die Mädchen und Jungen konnten im Durchschnitt drei von sieben Obst- oder Gemüsesorten benennen

Mit Hilfe von Smileys bewerten die Kinder ihr aktuelles Befinden: 66,8 Prozent fühlten sich »richtig gut«, 26 Prozent »gut«, die übrigen gaben an, sich »schlecht« oder »richtig schlecht« zu fühlen.


KOMPAKT

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SCHULBEGLEITER

IM SCHULALLTAG UNTERSTÜTZEN

INKLUSIONSBEGLEITER

INKLUSIONSBEGLEITER BAUEN BRÜCKEN Selbstbestimmte Lebensgestaltung und umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind für Menschen mit einem Handicap keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn mit der im Jahr 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention eine rechtliche Basis geschaffen wurde, bedarf es immer noch immenser Anstrengungen. Die Baden-Württemberg Stiftung hat dieses Anliegen aufgegriffen und in Kooperation mit der Lechler Stiftung im Jahr 2013 das Programm Inklusionsbegleiter initiiert. Das Ziel: einen inklusiven Veränderungsprozess anstoßen und Inklusion nachhaltig in der Gesellschaft ver­ ankern. Über drei Jahre hinweg wurden landesweit 17 Modellprojekte umgesetzt, die mit unterschiedlichen Ansätzen Inklusion erprobt haben. Dabei konnten rund 500 engagierte Menschen mit und ohne Behinderungen als Inklusionsbegleiter gewonnen und qualifiziert werden. Die Projekte waren dabei so unterschiedlich wie innovativ und verdeutlichen, dass die Schaffung von Orten der Begegnung ganz entscheidend für eine gelingende Inklusion ist. Über den Projektzeitraum hinweg wurde das Programm evaluiert und bewertet. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass der Einsatz von Inklusionsbegleitern und die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung vorgefertigte Bilder über Behinderung ändern können. Auch in Zukunft möchte die Baden-Württemberg Stiftung das Thema Inklusion anpacken. Aufbauend auf den Erkenntnissen aus den vorausgegangenen Projekten setzt sie das Programm Inklusion gemeinsam gestalten um. Dieses Mal ist die verstärkte Gewinnung und Qualifizierung von Expertinnen und Experten in eigener Sache ein zentrales Anliegen.

Kinder und Jugendliche mit seelischer, körperlicher oder geistiger Behinderung in ihrem schulischen Alltag zu unterstützen – das ist die Aufgabe von Schulbegleitern. Zwar gibt es in der Praxis eine Vielzahl an Modellen, dennoch fehlen in der Regel einheitliche und verlässliche Standards für die inklusive Beschulung. Aus diesem Grund hat die Baden-­ Württemberg Stiftung das Programm Schulbegleiter initiiert. Über vier Jahre hinweg wurde ein Curriculum für Schulbegleiter von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums in Ulm entwickelt, evaluiert und erfolgreich erprobt. Im März 2017 wurde das Programm abgeschlossen und die Ergebnisse wurden in Ulm präsentiert. Das Fazit ist eindeutig: Das Curriculum führt zu mehr Verlässlichkeit im Umgang mit Schulbegleitung, was insbesondere der engen Verzahnung von Theorie und Praxis während der gesamten Entwicklungszeit geschuldet ist. Dieser Meinung sind auch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg sowie das Ministerium für Soziales und Integration. Das wurde in einem gemeinsamen Empfehlungsschreiben von Ministerin Dr. Susanne Eisenmann und Minister Manfred Lucha zum Ausdruck gebracht.

MIKRO MAKRO MINT

MINT IN SICHT ! TÜFTLER AUF GROSSER SEEFAHRT »Anker lichten und Leinen los!«, hieß es in den Pfingstferien im Mai 2017 für 23 Jungforscher-Teams aus ganz Baden-Württemberg. Die Nachwuchswissenschaftler hatten die Gelegenheit, auf Tagesexkursion an Bord des Forschungsschiffs ALDEBARAN zu gehen. Auf dem 14 Meter langen Segelschiff, das unter Deck eine umfangreiche Ausstattung mit hochmodernen wissenschaftlichen Instrumenten mit sich führt, konnten ausgewählte Schülerteams ihre Ideen und Erfindungen auf dem Bodensee in der Praxis erproben. Sediment- und Gewässerforschung, der Einsatz eines ferngesteuerten Segeltrimmsystems oder ein Rundflug mit dem selbstgebauten Quadcopter über das Schwäbische Meer – auf der ALDEBARAN wurde zwei Wochen lang intensiv beobachtet, geforscht und experimentiert. Ermöglicht wurde dies im Rahmen des Programms mikro makro mint. Damit möchte die Baden-Württemberg Stiftung Kinder und Jugendliche dazu anregen, sich mit den sogenannten MINTFächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu beschäftigen, und sie für Technik und Wissenschaft begeistern.


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Gesellschaft & Kultur AK TIONSPROGR A M M SENIOREN

DAS HERZ SCHLÄGT FÜR’S HEIMATDORF

WARMTAL GÖPFELST EINHÖHLE

SCHAFSTALL VERINGENDORF

RINGEN BURG VE

Mit dem Aktionsprogramm Senioren fördert die Stiftung das Zusammenleben von Alt und Jung in den Kommunen. Ein aktives Gemeinwesen setzt voraus, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren Ideen einbringen können, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig helfen – und zwar in einem Umfeld, in dem sie sich sicher und versorgt fühlen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind Kommunen gefragt, Ideen zu entwickeln und Strukturen zu schaffen, die zukünftigen Bedürfnissen gerecht werden. So unterschiedlich Gemeinden sind, so unterschiedlich sind auch ihre Lösungsansätze. Mit dem Projekt »Netzwerk der Generationen«, das zum Aktionsprogramm Senioren gehört, begleitet und unterstützt die Baden-­ Württemberg Stiftung Kommunen darin, den Auswirkungen des

demografischen und sozialen Wandels aktiv entgegenzutreten. Seit 2016 gehören sechs Gemeinden zum Netzwerk-Projekt. Bei der Entwicklung und Umsetzung werden sie individuell von der FamilienForschung Baden-Württemberg begleitet, die im Auftrag der Stiftung agiert. Dass eine derartige passgenaue Unterstützung erfolgreich ist, zeigt das Projekt »Veringen trifft sich«. Im Oktober 2017 wurde es vom Sozialministerium besonders gewürdigt und mit einem Preisgeld ausgezeichnet. Amelie Gaiser hat »Veringen trifft sich« mit gegründet. Ihr Onkel Gilbert und sie erklären die Bedeutung, die das Projekt für ihr Dorf hat.


Gesellschaft & Kultur AK TIONSPROGR A M M SENIOREN

Gilbert Gaiser (57) hofft, dass die regelmäßigen Treffen Veringendorf wiederbeleben.

»In Veringendorf leben ungefähr 450 Menschen. Früher haben die Strukturen im Dorf gereicht. Der Bäcker, der Metzger, der Einkaufsladen, die Apotheke, Kindergarten, Schule – das alles gibt es nicht mehr. Vieles

Amelie Gaiser (21) ist wie ihr Onkel in Veringendorf aufgewachsen und studiert Geografie, Technik und Naturwissenschaft.

»Ich habe 2015 an einem Generationen-Workshop teilgenommen. Dort haben wir einen Tag lang über Projekte nachgedacht, die uns näher zusammenbringen. So nach dem Motto: Alt hilft Jung und Jung hilft Alt. In dem Workshop haben wir festgestellt, dass

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von dem, wie das Leben hier funktioniert, muss auf mehreren Schultern getragen werden. Und deshalb sind die regelmäßigen Stammtisch-Runden wichtig. Da treffen sich alle Generationen. Vom zweijährigen Kind bis zur 95-jährigen Oma. Wir diskutieren, was fehlt, und suchen gemeinsam nach Lösungen. Zum Beispiel wie wir es schaffen können, Fahrgemeinschaften zu bilden und Einkaufsfahrten in die nächstgrößere Stadt zu organisieren. Nach so einem Abend habe ich viel

Neues erfahren, das mich inspiriert. Dass unser Dorf ums Überleben kämpft, hat auch mit kommunalen Fehlentscheidungen zu tun. Bis vor wenigen Jahren konnte man beispielsweise keinen Baugrund kaufen. Paare, die eine Familie gründen wollten, sind deshalb in die Stadt gezogen. Jetzt gibt es wieder Bauplätze. Und wir hoffen, dass dieses Angebot angenommen wird und es nicht schon zu spät ist.«

die Wünsche von Alten und Jungen ähnlich sind: Beiden war ein Ort wichtig, wo man sich treffen und sich austauschen kann. Daraus ist dann die Idee des Stammtischs entstanden. Seit 2016 treffen wir uns alle zwei Monate im ehemaligen Schulgebäude. Unser Stammtisch läuft ganz ungezwungen ab. Wir bereiten eine Vesper vor, jeder gibt einen kleinen Beitrag, wir essen und unterhalten uns. Es entstehen schöne Projekte. Zum Beispiel gibt es eine Seniorin, die sich mit der Geschichte des Ortes sehr gut auskennt. Zwei jüngere Männer wollen jetzt mit ihrer Hilfe

eine Dorfchronik schreiben. Für eine so kleine Gemeinde wie Veringendorf ist es enorm wichtig, für alle Generationen attraktiv zu sein. Auch wenn andere Kommunen vielleicht besser an den Öffentlichen Nahverkehr angebunden sind als wir – unsere gute Gemeinschaft ist etwas, was uns von anderen unterscheidet. Das hat auch damit zu tun, dass wir uns eng austauschen müssen, um etwas zu bewegen. Das schafft ein ungeheures Zusammengehörigkeitsgefühl.«


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Gesellschaft & Kultur VIELFALT GEFÄLLT! ORTE DES MITEIN ANDER S

COLA TAXI OKAY Wie können Orte des Miteinanders entstehen, an denen Geflüchtete ganz selbstverständlich dabei sind? Einblicke in das Entstehen eines Projektraums in Karlsruhe. Die Kaiserpassage in Karlsruhes Innenstadt ist ein typisches Einkaufscenter – vielleicht etwas weniger prunkvoll als es der Name vermuten lässt. Hier stand im Spätsommer 2016 ein Ladenlokal leer: 100 Quadratmeter, schmal und lang, kühl beleuchtet, eine nüchterne Schaufenster-Fassade, nicht unbedingt einladend. Larissa Mantel unterschrieb den Mietvertrag dennoch voller Tatendrang, denn sie brauchte dringend einen Raum: Sie hatte die Zusage bekommen, dass ihr geplantes Kulturprojekt ein Jahr lang vom Programm Vielfalt gefällt! Orte des Miteinanders gefördert wird. »Damit hatten wir 30.000 Euro, um mitten im städtischen Leben einen Begegnungsraum für alte und neue Karlsruher Bürgerinnen und Bürger zu schaffen«, sagt die 30-jährige Kommunikationsdesignerin. Einen Raum, der dazu einladen sollte, gemeinsam kulturelle Aktionen zu planen und umzusetzen.

Die Möbel selbst entworfen und gebaut

Das erste große Vorhaben: Wie verwandeln wir ein nüchternes Ladenlokal so, dass es neugierig macht und einladend aussieht? Beim ersten Treffen der Projekt-Akteure sind mehr als 60 Menschen dabei, rund die Hälfte von ihnen Geflüchtete. In gerade einmal zwei Wochen entwerfen sie gemeinsam die Möbel und bauen sie. Larissa Mantel, so etwas wie der kreative Kopf des Projekts, gestaltet das visuelle Erscheinungsbild des Raums: Abgeleitet vom internationalen Flaggenalphabet macht es mit klaren Farben und Mustern schon von weitem auf den neuen Ort aufmerksam. Und er bekommt einen prägnanten Namen: Cola Taxi Okay. »Wir haben mehrere hundert Wörter gesammelt, die alle aus vier Buchstaben bestehen«, sagt Larissa. »Diese sogenannten Internationalismen verstehen wohl die meisten Menschen auf der Welt. Aus ihnen haben wir unseren eigenen Wortschatz zusammengestellt.« Jede neue Aktion des Kulturprojekts bekommt seither einen Namen, der aus drei dieser Vier-Buchstaben-Wörter besteht. Sexy Like Dior: So nannte sich die Modenschau mit selbst genähter Kleidung. Move Base Stay: eine Theater-Kooperation mit dem Staatstheater der Stadt und der Kunsthalle. Self Made Gift: gemeinsame Bastelaktion an den Wintersonntagen im November und Dezember 2017. Best City Café: der regelmäßige offene Treff am Sonntagnachmittag. Find Next Step: eine Kooperation mit der Agentur für Arbeit, um junge Menschen auf passende Jobangebote aufmerksam zu machen. Play That Tune: eine Jam-Session von Menschen mit vielfältigen Instrumenten und Lust an Musik.

Kontakte knüpfen und Freunde finden

In dem Jahr, in dem Cola Taxi Okay über das Programm Vielfalt gefällt! gefördert worden ist, haben rund 100 Aktive mehr als 60 Aktionen ersonnen und in die Tat umgesetzt. In der Mehrzahl waren es junge Studierende und Menschen mit Fluchterfahrung. Wie Jehad Othman, der von Anfang an dabei ist. Der 26-jährige Syrer sagt, dass Cola Taxi Okay sein Leben verändert habe. »Vorher war ich einsamer. Hier habe ich viele Kontakte geknüpft und Freunde gefunden. Und ich habe das gute Gefühl, dass ich einen Beitrag leisten kann.«

»Es wäre wunderbar, wenn Geflüchtete hier auch arbeiten könnten und dafür bezahlt würden.«

Katharina Ziehensack (29) Leiterin von Cola Taxi Okay

Die Arbeit, die Jehad, Larissa und alle anderen Aktiven ein Jahr lang beim Karlsruher Ort des Miteinanders überwiegend ehrenamtlich geleistet haben, geht auch nach der Unterstützung durch das Programm weiter. Das städtische Büro für Integration hat im vergangenen September die Förderung bis Ende 2018 übernommen. Damit kann die Miete bezahlt werden und eine Honorarkraft. Katharina Ziehensack arbeitet in Teilzeit als Grundschullehrerin und wöchentlich elf Stunden für Cola Taxi Okay. »Mein Job ist es, die Aktionen und die Ehrenamtlichen, die sich bei uns engagieren, zu koordinieren.« Nach wie vor wächst das Projekt: Die Anfragen für Kooperationen steigen, ebenso die Zahl der Aktionen, die von Bürgern jedes Alters und vielfältiger Herkunft initiiert werden. »Ich würde mir wünschen, dass wir noch weitere Stellen schaffen«, sagt die 29-Jährige. »Es wäre wunderbar, wenn Geflüchtete hier auch arbeiten könnten und dafür bezahlt würden.«


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»Diese sogenannten Internationalismen verstehen wohl die meisten Menschen auf der Welt. Aus ihnen haben wir unseren eigenen Wortschatz zusammengestellt.«

Larissa Mantel Gründerin von Cola Taxi Okay

AUF AUGENHÖHE Cola Taxi Okay ist eines von 13 Projekten, die 2016/2017 über den Baustein der Allianz für Beteiligung im Programm Vielfalt gefällt! Orte des Miteinanders gefördert wurden. 31 weitere Projekte werden direkt über die Baden-Württemberg Stiftung mit einer Laufzeit von drei Jahren unterstützt. Mit dem Programm wollen die beiden Träger – die Baden-Württemberg Stiftung und die Allianz für Beteiligung – die Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Fluchterfahrung am gesellschaftlichen Leben fördern. »Wir brauchen viel mehr Or te, an denen wir denjenigen, die neu in dieses Land kommen, auf Augenhöhe begegnen«, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. »Wenn Menschen etwas gemeinsam auf die Beine s t ellen , b eug t das Aus gr enzung und D is kriminierung am besten vor.« Vielfalt gefällt! läuft noch bis Ende 2018.


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STATEMENT

Ist Meinungsfreiheit an Bedingungen bzw. Voraussetzungen gekoppelt? JA, MEINUNGSFREIHEIT SETZT EINE KRITISCHE SELBSTREFLEKTION VORAUS. »Zeitweise lebten hier am Ort fast 400 Geflüchtete in den Gemeinschaftsunterkünften. Das waren zehn Prozent der gesamten Dorfbevölkerung. Obwohl der Integrationsprozess sehr gut lief, fielen Sätze wie ›Jetzt kann man ja nur noch die AfD wählen‹ oder ›Ihr werdet noch sehen, was ihr davon habt‹. Eine Drohung kam von einem Beamten, der keinen Kontakt zu geflüchteten Menschen hatte. Unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit erklärte er, dass man so etwas ›ja mal sagen dürfe‹. Meinungsfreiheit setzt für mich aber voraus, dass man die eigene Haltung auch kritisch hinterfragt, dass man offen für die Diskussion bleibt und dem anderen zuhört. Meine Erfahrung ist, dass das beim Thema Geflüchtete gar nicht mehr gemacht wird. Sondern dass es Meinungsblasen gibt, die komplexe, gesellschaftliche Zusammenhänge vereinfachen und zudem von Fake News extrem verstärkt werden. Damit wird eine einzelne Meinung als Wahrheit transportiert.«

Markus Sell Jugendreferent

Markus Sell ist Jugendreferent und Koordinator für Gemeinwesen in Neuhausen ob Eck. Hier hat der 43-Jährige das Projekt »Heimat X.0« angestoßen, um in dem schwäbischen Dorf Barrieren zwischen Einwohnern und Geflüchteten abzubauen.


Gesellschaft & Kultur INTEGR ATIONSPROGR A M ME FÜR GEFLÜCHTE TE

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HILFE BEIM ANKOMMEN UND EINLEBEN Seit 2015 fördert die Stiftung insgesamt 50 Projekte, die Geflüchteten das Ankommen in Deutschland erleichtern sollen. Im Programm Willkommen in Baden-Württemberg! Engagiert für Flüchtlinge und Asylsuchende werden Ehrenamtliche für ihre Arbeit mit Geflüchteten qualifiziert, während das Programm Pädagogische Freizeitangebote für Kinder mit Fluchterfahrung Vereine dabei unterstützt, jungen Menschen die Kultur- und Sportangebote in der neuen Heimat näherzubringen. Eines von insgesamt 28 geförderten Projekten für Jugendliche ist in Neuhausen im Landkreis Tuttlingen beheimatet. Hier lebten zu Hochzeiten 400 Geflüchtete in einer Gemeinschaftsunterkunft im Gewerbegebiet. Eine Gruppe Ehrenamtlicher besucht sie regelmäßig, lädt die Geflüchteten zu sich nach Hause ein und organisiert Ausflüge in die Umgebung. Das Projekt »Walk & Talk« des Vereins Heimat X.O wurde initiiert vom Jugendreferenten der Gemeinde, Markus Sell. Gemeinsam mit

anderen Ehrenamtlichen aus dem Ort versucht er, den Menschen aus Ghana, Syrien und Afghanistan zu helfen. Er hilft, ihre Fragen zu beantworten, ihnen das Leben in der tristen Unterkunft ein bisschen schöner zu machen und sie mit den Bürgern in Neuhausen zusammenzubringen. Bei einem Ausflug zum Freilichtmuseum ist ihm das gelungen, wie diese Bilder zeigen.


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Gesellschaft & Kultur INTEGR ATIONSPROGR A M ME FÜR GEFLÜCHTE TE

Fordey (27) Fordey hat in Gambia eine Ausbildung zum Schneider gemacht und will auch in Deutschland gern in seinem Beruf arbeiten. Er ist seit drei Monaten in Neuhausen und voller Hoffnung, dass er in Deutschland bleiben darf.

Alage (28) »In meiner Heimat gab es für meine gesundheitlichen Probleme keine Hilfe«, sagt der aus Gambia stammende Alage. Er lebt schon seit 18 Monaten in Neuhausen und kann hier endlich Medikamente für seine Magenerkrankung bekommen. Das war in Gambia unmöglich.

Mustafa (19) »Das Leben in einem kleinen Dorf ist nicht einfach für uns«, sagt Mustafa aus Banjul, der Hauptstadt Gambias. Der groß gewachsene, sportliche junge Mann ist seit vier Monaten in Neuhausen. Seine größte Leidenschaft ist der Fußball. Er träumt von einem selbstbestimmten Leben in Deutschland.

Noredin (11), Abdullah (12) & Mohammed Khair (19) v.l.n.r. Die vier Brüder Mohammed Khair, Ahmed, Abdullah und Noredin sind aus Syrien geflüchtet. Gemeinsam mit ihren Eltern leben sie in Neuhausen, nachdem sie schon eineinhalb Jahre lang in der Schweiz auf ihre Anerkennung gewartet haben. Sie möchten nicht mehr warten, sondern endlich ankom­ men, ihr neues Leben als Familie beginnen, in eine eigene Wohnung ziehen, mit deutschen Kindern zur Schule gehen. Alltag eben. In Sicherheit.


TEAM

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Mitarbeiter zum 31.12.2017 bis heute.

Annika Bauer

Rudi Beer

Julia Beier

Dr. Gerlinde Bigga

UNSER TEAM

Sabine Fischer

Christoph Dahl

Eva-Maria Friedemann

Verena Kiefer

Peter Kimmel

Birgit Pfitzenmaier

Dr. Simone Plahuta

Karin Priebe

Irene Purschke

Dr. Martina Rehnert

Nadja Skocek

Denise Uhlenbrock

Zerrin Uysal

Daniel Voith

Sven Walter


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TEAM

VIELFALT GEFÄLLT! Sara Egenhofer

Jessica Epple

Stephan Etzel

Anna Grimmeißen

Theo Glöckner

Nadia Heide

Ute Krüger

Julia Kovar-Mühlhausen

Renate Feucht

Dagmar Kaiser

Anna Kapathanasiou

Klaus-Peter Kümmel

Katja Mahler

Heike Mangold-Ruck

Hans-Dieter Schader

Dr. Volker Scheil

TEAM WORK Christina Salerno

Jan Philipp Schewe

ZUSAMMEN STARK!

Dr. Andreas Weber

Amy Yin

Cornelia Zeiger

Regina Zigahl


TEAM

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MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER IM PROJEKTBEREICH ZUM 31.12.2017

Geschäftsführer

Christoph Dahl Sabine Fischer

Geschäftsführer Sekretärin

Forschung/Verwaltung

Rudi Beer Dr. Gerlinde Bigga Stephan Etzel Anna Kapathanasiou Verena Kiefer Peter Kimmel Klaus-Peter Kümmel Heike Mangold-Ruck Karin Priebe Irene Purschke Dr. Martina Rehnert Hans-Dieter Schader Dr. Volker Scheil Zerrin Uysal

stv. Geschäftsführer im Projektbereich, Abteilungsleiter Forschung, Prokurist Referentin Forschung EDV-Administrator Assistentin Finanz- und Rechnungswesen Referentin Finanz- und Rechnungswesen Haus- und Veranstaltungstechnik EDV-Administrator Sekretärin Buchhalterin Referentin Forschung Referentin Forschung Innenrevisor Referent Forschung Assistentin Finanz- und Rechnungswesen

Bildung

Dr. Andreas Weber Annika Bauer Jessica Epple Theo Glöckner Dagmar Kaiser Katja Mahler Dr. Simone Plahuta Daniel Voith Amy Yin

Abteilungsleiter Bildung, Prokurist Referentin Bildung Referentin Bildung Referent Bildung Sekretärin Referentin Bildung Referentin Bildung Referent Bildung Projektassistentin Bildung

Gesellschaft & Kultur

Birgit Pfitzenmaier Julia Beier Renate Feucht Eva-Maria Friedemann Nadja Skocek Denise Uhlenbrock Sven Walter Regina Zigahl

Abteilungsleiterin Gesellschaft & Kultur/ Stiftung Kinderland, Prokuristin Referentin Gesellschaft & Kultur Referentin Gesellschaft & Kultur Referentin Gesellschaft & Kultur Referentin Gesellschaft & Kultur Referentin Gesellschaft & Kultur Referent Gesellschaft & Kultur Referentin Gesellschaft & Kultur

Julia Kovar-Mühlhausen Nadia Heide Jan Philipp Schewe Cornelia Zeiger

Leiterin Stabsstelle Kommunikation Junior Referentin Stabsstelle Kommunikation Volontär Stabsstelle Kommunikation Referentin Stabsstelle Kommunikation

Kommunikation


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RÜCKBLICK

RÜCKBLICK

VERANSTALTUNGSREIHE »PERSPEKTIVEN«

»Auch wer schweigt, übernimmt Verantwortung. Wir müssen uns hinstellen und sagen: Nein, so spricht man nicht mit anderen Menschen und auch nicht über eine der großen Weltreligionen! Überall wo Menschen diffamiert werden, müssen wir als Christen, als Bürger und Menschen aufstehen und sagen: So nicht!«

Monsignore Dr. Christian Hermes

»Wenn wir diese Debattenkultur weiter aufrechterhalten und auch die Jugendlichen bestärken, dann gewinnt am Ende doch der Inhalt. Davon bin ich fest überzeugt.«

Michel Abdollahi

»Populisten geben vor, das wahre Volk oder die schweigende Mehrheit zu vertreten. Sie fechten Wahlen an, in denen sie nicht gewinnen, und behaupten, das ganze System sei falsch, weil sie nicht gewonnen haben. Das ist nicht ok. Sie erschüttern damit das Vertrauen vieler Menschen, und die politische Kultur als Ganzes nimmt Schaden.«

Prof. Jan-Werner Müller

PODIUMSDISKUSSION POPULISMUS Demokratie, Pluralismus, Meinungsfreiheit – für die Baden-Württemberg Stiftung sind das wichtige Anliegen. Aus diesem Grund widmete sie sich Anfang 2017 umfassend dem Thema Populismus: Im Stiftungsmagazin „Perspektive Baden-Württemberg“ sowie in der Veranstaltungsreihe „Perspektiven“. Unter dem Titel „Über den Umgang mit Populisten: Strategien für unsere Demokratie“ diskutierten am 16. Februar 2017 gut 150 Gäste in den Räumen der Baden-Württemberg Stiftung mit Experten. Darunter: Prof. Jan-Werner Müller, Politikwissenschaftler und Populismusforscher (Princeton University), Monsignore Dr. Christian Hermes, Stuttgarter Stadtdekan, Stefanie Beck, Extremismus-Expertin, und Michel Abdollahi, Journalist und Künstler.


RÜCKBLICK

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»START-UP KITCHEN« Menüs und Geschäftsideen haben einiges gemeinsam: Man benötigt ein gutes Rezept und qualitativ hochwertige Zutaten. Über den Erfolg entscheiden am Ende die Gäste beziehungsweise die Kunden. Nicht zuletzt spielen Kreativität und Innovation eine wichtige Rolle für den Erfolg. Um Gründer aus Baden-Württemberg und ihre Business-Ideen näher kennenzulernen, veranstaltete die Baden-Württemberg Stiftung am 17. Oktober 2017 das „Start-up Kitchen“: Sechs Selbstständige kochten gemeinsam mit Staatssekretärin Katrin Schütz ein Drei-Gänge-Menü vor Publikum. Während Moderator Thomas Niemietz sie nach ihren Erfolgsrezepten fragte und die Stuttgarter Food-Bloggerin Christine Garcia Urbina dafür sorgte, dass keine Zutat vergessen wurde.

FAKE/OFF DAS CAMP FÜR FAKTEN OHNE ALTERNATIVEN Soziale Medien haben Einzug in die Politik gehalten. Fake News verbreiten sich in Windeseile, Bots und Trolle beeinflussen die Meinungsbildung. Vor allem junge Menschen informieren sich im Netz und nutzen Facebook, YouTube und Co. Die Inhalte, die sie dort finden, hinterfragen sie selten. Aus diesem Grund veranstaltete die Baden-Württemberg Stiftung im Vorfeld der Bundestagswahl das FAKE/OFF-Camp für Erstwählerinnen und Erstwähler in Stuttgart. Dort klärten Journalisten, Medienprofis und Internet-Stars die Teilnehmer über Mediennutzung und Fake News auf und machten deutlich, wie wichtig der Gang zur Wahlurne ist. Mehr als 250 Jugendliche nahmen am 16. September 2017 an den Workshops teil. Influencer wie der YouTuber Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go oder Instagram-Star Adrienne Koleszár informierten über soziale Medien oder virale Effekte.


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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

RÜCKBLICK

TRILOGIE ZUM GRUNDGESETZ Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 legt die Baden-Württem­ berg Stiftung die Schwerpunkte ihres Engagements auf die Bereiche Bildung, Forschung sowie Gesellschaft & Kultur. Dabei agiert sie am Puls der Zeit und schreckt vor kontrovers diskutierten Themen nicht zurück. In den letzten Jahren beschäftigte der Zuzug von Geflüchteten Bürgerinnen und Bürger, populistische Parteien befinden sich weltweit auf dem Vormarsch. Weil die Würde des Menschen und die Freiheit des Individuums das höchste Gut sind, braucht es Werte, braucht es Haltung. Seit 1949 bildet das Grundgesetz das Grundgerüst unserer Demokratie. Im Spannungsfeld großer gesellschaftlicher Veränderungen gibt es nicht nur den

gesetzlichen Rahmen vor – in ihren Artikeln ermutigt die Verfassung zudem Bürgerinnen und Bürger, Position zu beziehen und Verantwortung für ein demokratisches Miteinander wahrzunehmen. Wie in den vergangenen zwei Jahren widmet die Baden-Württemberg Stiftung ihren Jahresbericht einem Artikel des Grundgesetzes: 2015 stand die Würde des Menschen im Mittelpunkt (Artikel 1), 2016 die Glaubens- und Gewissensfreiheit (Artikel 4.1) und 2017 die Meinungs­ freiheit (Artikel 5). Mit dem aktuellen Jahresbericht findet die Grundgesetz-Trilogie ihren Abschluss.

2015

Artikel 4.1 GRUNDGESETZ DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Baden-Württemberg Stiftung Jahresbericht 2016

Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2016

2017

JAHRESBERICHT 2016

Artikel 4.1 GRUNDGESETZ DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

www.95-neue-thesen.de

Jahresbericht 2015

Jahresbericht 2016

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Artikel 1 des Grundgesetzes stellt das oberste Grundrecht dar und untersteht der Ewigkeitsgarantie. Er darf weder abgeschafft noch geändert werden. Die Würde des Menschen gehört damit zu den elementarsten Rechten, die die Basis des Zusammenlebens bilden. Im Jahresbericht illustrierte eine eindrucksvolle Fotostrecke die unterschiedlichen Facetten menschlicher Würde.

Im zweiten Teil der Grundgesetz-Trilogie stand die Unverletzlichkeit der Glaubens- und Gewissensfreiheit im Mittelpunkt. Anlass dazu gab Martin Luther, der mit seinem Thesenanschlag vor 500 Jahren den Anstoß zu einem kritischen und modernen Glauben gab. Seine freiheitlich geprägten Bekenntnisse inspirierten die Stiftung, ihren Jahresbericht unter Artikel 4 der Verfassung zu stellen und 95 neue Thesen für die Gegenwart zu entwerfen. Sie gaben Antworten, stellten Fragen und provozierten.


RÜCKBLICK

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

POP-UP-AKTION

THESENANSCHLAG Mit einer Pop-up-Aktion im Stuttgarter Schlossgarten wurden die 95 neuen Thesen im Juli 2017 an die Wand des Württembergischen Kunstvereins geschlagen, um die Bedeutung einer freiheitlichen Gesellschaft zu betonen.


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BILANZ


Z A HLENTEIL BIL ANZ FÜR DA S GESCH ÄF TSJA HR 2017

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

BILANZ FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2017 AKTIVA

31.12.2017  EUR

31.12.2016  EUR

338.332,00

10.604,37

557.859.597,89

441.444.097,83

A. ANLAGEVERMÖGEN I. Immaterielle Vermögensgegenstände  Gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten II. Sachanlagen

1. Grundstücke und Gebäude

2. Technische Anlagen

3.  Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung

31.040,06

33.133,06

1.736.963,44

2.088.168,49

559.627.601,39

443.565.399,38

III. Finanzanlagen

1. Beteiligungen

2. Wertpapiere des Anlagevermögens

72.565.337,30

72.565.337,30

1.558.521.812,98

1.528.281.921,08

1.631.087.150,28

1.600.847.258,38

2.191.053.083,67

2.044.423.262,13

B. UMLAUFVERMÖGEN Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände I. 

1.  Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

2. Sonstige Vermögensgegenstände

Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten II.  C. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN

432.764,64

673.936,31

9.794.559,68

12.210.031,30

10.227.324,32

12.883.967,61

126.679.479,41

250.669.431,70

136.906.803,73

263.553.399,31

661.748,93

654.414,05

D. SONDERVERMÖGEN

1.  Stiftung Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg

1.747.406,23

1.590.108,46

2.  Stiftung Kulturpreis Baden-Württemberg der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Baden-Württemberg Stiftung

501.762,90

517.269,15

3.  Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

2.518.868,00

2.604.708,46

4.768.037,13

4.712.086,07

2.333.389.673,46

2.313.343.161,56


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

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PASSIVA

Z A HLENTEIL BIL ANZ FÜR DA S GESCH ÄF TSJA HR 2017

31.12.2017  EUR

31.12.2016  EUR

A. EIGENKAPITAL I. Gezeichnetes Kapital

20.159.318,55

20.159.318,55

II. Kapitalrücklage

21.669.954,96

21.669.954,96

54.628.090,40

54.479.206,09

2.031.588.564,14

2.003.468.354,41

2.086.216.654,54

2.057.947.560,50

III. Gewinnrücklagen

1.  Zweckgebundene Rücklagen für rechtlich unselbständige Stiftungen

2. Andere Gewinnrücklagen

IV. Bilanzgewinn

43.451.143,57

27.053.760,23

2.171.497.071,62

2.126.830.594,24

B. RÜCKSTELLUNGEN

1.  Rückstellungen für Pensionen

2. Sonstige Rückstellungen

179.864,00

147.060,00

2.959.925,87

15.415.873,41

3.139.789,87

15.562.933,41

C. ZWECKGEBUNDENE MITTEL FÜR PROJEKTE

1. Zweckgebundene Fonds

88.149.711,02

87.117.182,18

2. Fonds Zukunftsoffensiven

46.697.198,98

61.111.282,07

134.846.910,00

148.228.464,25

11.453.287,36

13.742.051,32 4.230.868,15

D. VERBINDLICHKEITEN

1.  Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

2.  Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

5.659.659,98

3. Sonstige Verbindlichkeiten

1.413.800,82

422.449,07

18.526.748,16

18.395.368,54

2.075.329,45

2.239.817,31

E. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN F. SONDERVERMÖGEN (DRITTANTEILE)

1.  Stiftung Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg

873.703,12

795.054,24

2.  Stiftung Kulturpreis Baden-Württemberg der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Baden-Württemberg Stiftung

250.881,46

258.634,58

3. Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

2.179.239,78

1.032.294,99

3.303.824,36

2.085.983,81

2.333.389.673,46

2.313.343.161,56


Z A HLENTEIL GE WINN- UND VERLUSTRECHNUNG

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2017 1.

Umsatzerlöse

2.

Sonstige betriebliche Erträge

3.

Personalaufwand a) Löhne und Gehälter oziale Abgaben und Aufwendungen b) S für Altersversorgung

4.

Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen

5.

Projektaufwand

6.

Sonstige betriebliche Aufwendungen

7.

Erträge aus Beteiligungen und anderen Wertpapieren des Finanzanlagevermögens

8.

Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge

9.

Ergebnis Sondervermögen

2017 EUR

2016  EUR

29.737.412,34

26.119.519,25

1.957.164,20

26.813.097,47

1.451.028,96

1.403.973,74

409.276,35

378.444,42

1.860.305,31

1.782.418,16

7.193.367,86

6.264.806,31

39.600.000,00

39.130.000,00

9.773.447,67

8.451.830,65

70.881.002,50

22.014.519,61

1.388.725,35

2.560.938,79

141.791,52

3.612,18 2.611.528,67

10.

Abschreibungen auf Finanzanlagen

0,00

11.

Zinsen und ähnliche Aufwendungen

272.620,19

404.818,14

12.

Ergebnis vor sonstigen Steuern

45.406.354,88

18.866.285,37

13.

Sonstige Steuern

672.036,95

620.025,54

14.

Jahresüberschuss

44.734.317,93

18.246.259,83

15.

Gewinnvortrag

27.053.760,23

45.681.132,97

16.

Zuführung Sondervermögen

17.

Einstellung in andere Gewinnrücklagen

18.

Bilanzgewinn

-66.724,86

-1.162.712,79

-28.270.209,73

-35.710.919,78

43.451.143,57

27.053.760,23


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

157

NACHHALTIG

WIR STIFTEN   ZUKUNFT 855

45

MIO. EUR

MIO. EUR

PROJEKTVOLUMEN DER BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG

BESCHLOSSENES PROJEKTVOLUMEN DER BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG 2017

NACHHALTIGER ERFOLG 2000–2017

NACHHALTIGE WIRKUNG


Z A HLENTEIL ENT WICKLUNG DES ANL AGEVER M ÖGENS

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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

ENTWICKLUNG DES ANLAGEVERMÖGENS IM GESCHÄFTSJAHR 2017 Anschaffungs- / Herstellungskosten 1.1.2017

Zugänge

31.12.2017

EUR

EUR

EUR

143.724,54

343.172,74

486.897,28

485.856.658,16

123.220.302,95

609.076.961,11

41.841,87

0,00

41.841,87

3.893.205,35

19.821,81

3.913.027,16

489.791.705,38

123.240.124,76

613.031.830,14

I. Immaterielle Vermögensgegenstände  Gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten II. Sachanlagen

1. Grundstücke und Gebäude

2. Technische Anlagen

3. A ndere Anlagen, Betriebsund Geschäftsausstattung

III. Finanzanlagen

1. Beteiligungen

2. W ertpapiere des Anlagevermögens

77.786.220,97

0,00

77.786.220,97

1.528.281.921,08

30.239.891,90

1.558.521.812,98

1.606.068.142,05

30.239.891,90

1.636.308.033,95

2.096.003.571,97

153.823.189,40

2.249.826.761,37


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BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

Kumulierte Abschreibungen

Z A HLENTEIL ENT WICKLUNG DES ANL AGEVER M ÖGENS

Buchwerte

1.1.2017

Zugänge

31.12.2017

31.12.2017

31.12.2016

EUR

EUR

EUR

EUR

EUR

133.120,17

15.445,11

148.565,28

338.332,00

10.604,37

44.412.560,33

6.804.802,89

51.217.363,22

557.859.597,89

441.444.097,83

8.708,81

2.093,00

10.801,81

31.040,06

33.133,06

1.805.036,86

371.026,86

2.176.063,72

1.736.963,44

2.088.168,49

46.226.306,00

7.177.922,75

53.404.228,75

559.627.601,39

443.565.399,38

5.220.883,67

0,00

5.220.883,67

72.565.337,30

72.565.337,30

0,00

0,00

0,00

1.558.521.812,98

1.528.281.921,08

5.220.883,67

0,00

5.220.883,67

1.631.087.150,28

1.600.847.258,38

51.580.309,84

7.193.367,86

58.773.677,70

2.191.053.083,67

2.044.423.262,13


L AGEBERICHT FÜR DA S GESCH ÄF TSJA HR 2017

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LAGEBERICHT FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2017 # 01 Grundlagen der Gesellschaft Die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne von § 52 Absatz 2 der Abgabenordnung. Sie ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Gesellschaftszweck ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, der Religion, der Völkerverständigung, der Entwicklungshilfe, des Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutzes, des Heimatgedankens, die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens, des Wohlfahrtswesens und des Sports, soweit die Zwecke geeignet sind, die Zukunftsfähigkeit des Landes Baden-Württemberg zu sichern. Der Gesellschaftszweck wird insbesondere durch die Durchführung und Finanzierung von einzelnen Projekten und Veranstaltungen sowie durch die Vergabe von Stipendien verwirklicht.

# 02 Wirtschaftsbericht 1 / Geschäftsverlauf 2017 GRUNDSTÜCKSBEREICH Den Mieterträgen in Höhe von EUR 29,5 Mio. und sonstigen betrieblichen Erträgen in Höhe von EUR 0,2 Mio. stehen laufende betriebliche Aufwendungen in Höhe von EUR 14,1 Mio. sowie Zinsaufwendungen von EUR 0,2 Mio. gegenüber. Damit trägt der Grundstücksbereich mit EUR 15,4 Mio. (Vorjahr: EUR 15,1 Mio.) zum Gesamtergebnis der Gesellschaft bei. In diesem Ergebnis enthalten sind nicht regelmäßig wiederkehrende Sonderfaktoren, im Wesentlichen Mietnachzahlungen für Vorjahre, in Höhe von EUR 1,1 Mio. Nach dem Erwerb einer weiteren Immobilie im Geschäftsjahr 2017 repräsentiert das Segment Immobilien rund 25  % der Bilanzsumme der Gesellschaft. BETEILIGUNGSBEREICH Im Geschäftsjahr 2017 wurden Beteiligungserträge in Höhe von EUR 8,3 Mio. (Vorjahr: EUR 7,5 Mio.) realisiert. Diese entfallen auf die Dividende der Südwestdeutsche Salzwerke AG und eine Gewinnausschüttung der Reederei Schwaben GmbH. VERMÖGENSANLAGEBEREICH Die im Anlagevermögen gehaltenen Investmentfondsanteile

trugen mit EUR 62,5 Mio. (Vorjahr: EUR 14,5 Mio.) zum Gesamtergebnis bei. Aus den kurzfristigen Geldanlagen resultierten Erträge in Höhe von EUR 1,3 Mio. (Vorjahr: EUR 2,5 Mio.). Der Rückgang resultiert aus dem fälligkeitsbedingten Wegfall höher verzinslicher Termingelder sowie aus dem deutlichen Rückgang der gehaltenen Cash-Positionen. PROJEKTBEREICH In den Sitzungen des Aufsichtsrats vom 8. November 2016 und 7. April 2017 wurden 19 neue Projektbeschlüsse für den Wirtschaftsplan 2017 mit einem Gesamtvolumen von EUR 37,1 Mio. gefasst. Ihrem Satzungsauftrag entsprechend führt die Baden-Württemberg Stiftung überwiegend eigene Projekte durch. Das Geschäftsjahr 2017 war im Projektbereich im Wesentlichen geprägt von folgenden Schwerpunkten: Auch im Jahr 2017 hat sich die Baden-Württemberg Stiftung in ihren zentralen Bereichen Forschung, Bildung sowie Gesellschaft und Kultur mit großem Einsatz engagiert und sich den aktuell gesellschaftlich relevanten Themen gestellt. Die Programme der Baden-Württemberg Stiftung sind deshalb darauf ausgerichtet, die soziale und kulturelle Teilhabe möglich und erlebbar zu machen, Möglichkeiten der Integration über Sprache, Bildung und berufliche Qualifizierung aufzuzeigen. Programme wie „Demokratie stärken. Demokratie leben.“ sollen das, vor allem bei den jungen Leuten, eingeschlafene Demokratieverständnis wieder wecken und die Möglichkeiten demokratischer Teilhabe veranschaulichen. Ein weiteres Thema, das die Wirtschaft und unsere Gesellschaft immer noch vor neue Herausforderungen stellt, ist die Digitalisierung, die mit hoher Dynamik zu Veränderungen in allen Lebensbereichen führt. Um den schnellen Prozess der Digitalisierung in der Wirtschaft erfolgreich zu gestalten, benötigen die Unternehmen hochqualifizierte Fachkräfte. Daher wird die Baden-Württemberg Stiftung z. B. das erfolgreiche Projekt „Coaching4Future“, das die Berufsorientierung an der Schule im Fokus hat, mit einem neuen Modul „Digitalisierung“ ergänzen. Auch das brandaktuelle Thema „neue Mobilität“ hat Auswirkungen auf das Programmportfolio der Baden-Württemberg Stiftung. Mobilität ist ein Grundbedürfnis des Menschen und gleichzeitig Voraussetzung für eine moderne, arbeitsteilige Gesellschaft. Eine der größten Herausforderungen stellt der klimagerechte Umbau des Verkehrssektors dar. Die künftige Mobilität muss effizienter, weitestgehend treibhausneutral und


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vielerorts auch sauberer werden. Mit ihrer Studie „Mobiles Baden-Württemberg – Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität“ möchte die Baden-Württemberg Stiftung Wege aufzeigen, wie sich Mobilität in Zukunft entwickeln kann und wie am ehesten die gesteckten Ziele einer ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit erreicht werden können. Die Baden-Württemberg Stiftung hat bis zum 31. Dezember 2017 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund EUR 856 Mio. beschlossen. Sie nimmt somit einen Spitzenplatz unter den deutschen Stiftungen ein. Der Gesellschaftszweck „Sicherung der Zukunftsfähigkeit Baden-Württembergs“ wird vor allem in den Bereichen Forschung und Wissenschaft sowie Bildung, Gesellschaft und Kultur erfüllt. Insgesamt wurden Forschungsprojekte mit einem Volumen von rund EUR 301 Mio. und Bildungsprojekte mit einem Volumen von rund EUR 258 Mio. betreut. Rund EUR 216 Mio. entfallen auf den Bereich Gesellschaft und Kultur. Auf die Ganztagesschuloffensive sowie „Sonstige Projekte“ entfallen rund EUR 55 Mio. Auf die Unterstiftungen entfällt ein Volumen von rund EUR 26 Mio.

2 / Vermögens-, Finanz- und Ertragslage Mit einem Anteil von rund 70 % sind mehr als zwei Drittel der Aktiva in langfristige Finanzanlagen in Form von Unternehmensbeteiligungen und Investmentfonds investiert. Die liquiden Mittel betragen zum Bilanzstichtag EUR 126,7 Mio. Die Höhe orientiert sich grundsätzlich am aktuellen Verpflichtungsstand und dem bestehenden Projektobligo. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt unverändert EUR 20.159.318,55. Die Eigenkapitalquote beträgt 93,1 % der Bilanzsumme (Vorjahr: 91,9 %). Das Jahresergebnis 2017 weist einen Jahresüberschuss in Höhe von EUR 44,7 Mio. aus.

3 / Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren Die Baden-Württemberg Stiftung leistet seit vielen Jahren als Impuls- und Ideengeber wertvolle und kompetente Unterstützung für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Dafür wird gezielt in drei Themengebiete investiert: zukunftsweisende Forschung, um Innovationskraft, wirtschaftlichen Erfolg und Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern, herausragende Bildung, um individuelle Chancen zu schaffen und soziale Teilhabe zu ermöglichen, sowie Gesellschaft & Kultur, um unsere Gemeinschaft zu stärken. Als operativ agierende Einrichtung beschränkt sich die Baden-Württemberg Stiftung nicht darauf, bestehende Projekte finanziell zu fördern, sondern initiiert eigene Programme. Die einzelnen Schwerpunkte sind

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dabei vielfältig und reichen von Klimawandel, Lebenswissenschaften und Gesundheit über die frühkindliche Bildung bis hin zu bürgerschaftlichem und kulturellem Engagement. Der übergreifende Fokus liegt dabei auf praxisorientierter Forschung zur Begleitung des ökologischen, gesellschaftlichen und demografischen Wandels sowie gesellschaftlichen und kulturellen Aspekten, Werten, Einstellungen und Bildung.

# 03 Prognose-, Chancen- und Risikobericht 1 / Prognosebericht Nach Berücksichtigung der Sondereffekte im Geschäftsjahr 2017 wird der Grundstücksbereich im kommenden Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem leicht höheren Ergebnis zum Gesamtergebnis beitragen. Der erwartete Ergebnisanstieg basiert im Wesentlichen auf der im kommenden Geschäftsjahr erstmals ganzjährigen Vermietung der im Geschäftsjahr 2017 erworbenen Immobilie. In den Folgejahren muss aufgrund größerer Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen mit rückläufigen Jahresergebnissen gerechnet werden. Langfristig dienen die Investitionen im Grundstücksbereich der Stabilisierung der Jahresergebnisse und tragen positiv zum realen Vermögenserhalt bei. Der laufende Ergebnisbeitrag der langfristigen Kapitalanlagen wird im kommenden Geschäftsjahr voraussichtlich wieder auf einem deutlich niedrigeren Niveau liegen als im Jahr 2017. Unsicherheiten bei der Ergebnisprognose für die langfristigen Kapitalanlagen resultieren dabei aus der weiteren Entwicklung der Kapitalmärkte. Aufgrund des unverändert niedrigen Zinsniveaus für Neu- und Wiederanlagen sowie der regelmäßigen Mittelabflüsse aus der laufenden Geschäftstätigkeit werden die Erträge aus den kurzfristigen Kapitalanlagen im kommenden Geschäftsjahr voraussichtlich nochmals geringer ausfallen als im Geschäftsjahr 2017. Durch ein intelligentes Cash-Management kann in gewissem Umfang zwar eine Kompensation erreicht werden, nennenswerte Ergebnissteigerungen im Vergleich zum Jahr 2017 sind in den kommenden Jahren aber zunächst nicht zu erwarten. Für das Geschäftsjahr 2018 wird erwartet, dass Projekte mit einem Volumen von rund EUR 42 Mio. durchgeführt werden können, wovon rund EUR 2,0 Mio. für Projekte der Stiftung Kinderland reserviert sind. In seinen Sitzungen am 13. Oktober 2017 und am 28. Februar 2018 hat der Aufsichtsrat bereits Projekten mit einem Gesamtvolumen von EUR 39,48 Mio. für den Wirtschaftsplan 2018 zugestimmt.


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2 / Chancen- und Risikobericht Risiken, die die Entwicklung oder den Bestand der Gesellschaft gefährden könnten, sind zurzeit nicht erkennbar. GRUNDSTÜCKSBEREICH

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Kapitalverwaltungsgesellschaften und die gesellschaftsinternen Controlling-, Vergleichs- und Analyseverfahren jederzeit gegeben. Den allgemeinen Marktrisiken wird durch das individuelle Anlagekonzept, durch vorsichtige Ertragsannahmen und die risikobewusste Anlagestrategie begegnet.

Risiken, die sich aus der Wertminderung oder Leerstandzeiten der vermieteten Grundstücke ergeben können, werden vor allem durch laufende Renovierung, Modernisierung bzw. Instandsetzung der Gebäude und Abschluss langfristiger Mietverträge minimiert. Das im Zusammenhang mit dem Erwerb des ehemaligen Postareals aufgenommene Darlehen wird bis zum Ende der Zinsbindung vollständig zurückgezahlt.

Im Übrigen wird auf die Angaben zu Sondervermögen i.S.v. § 1 Abs. 10 KAGB im Anhang zum Jahresabschluss verwiesen.

BETEILIGUNGSBEREICH

PROJEKTBEREICH

Möglichen Risiken aus der wirtschaftlichen Entwicklung der Beteiligungsunternehmen sowie deren möglichen Gewinnausschüttungen wird insbesondere durch laufende Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen begegnet.

Die Risiken im Projektbereich bestehen in der Möglichkeit von Fehlverwendungen bzw. steuerschädlichen Verwendungen, die im ungünstigsten Fall die Gemeinnützigkeit der Baden-Württemberg Stiftung gefährden könnten. Durch einen breit angelegten Diskussionsprozess vor der Definition einzelner Programme, die frühzeitige Einbeziehung steuerfachlichen Sachverstandes, die interne Revision und interne Kontrollstrukturen tragen wir den Risiken Rechnung.

VERMÖGENSANLAGEBEREICH Die stetige Kontrolle der Entwicklung der Kapitalanlagen ist durch die laufende Berichterstattung der

Für die Liquiditäts- und Ertragsplanung existieren kurzund mittelfristige Planrechnungen, die laufend aktualisiert werden.

Stuttgart, den 26. April 2018

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH CHRISTOPH DAHL / REINER MOSER


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

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ANH ANG FÜR DA S GESCH ÄF TSJA HR 2017

ANHANG FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2017 # 01 Allgemeines

Die Vermögensgegenstände des Finanzanlagevermögens werden zu Anschaffungskosten, gegebenenfalls vermindert um Abschreibungen auf den niedrigeren beizulegenden Wert, angesetzt.

Die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH ist eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stuttgart unter HRB 10775 und hat ihren Firmensitz in der Kriegsbergstr. 42, 70174 Stuttgart, Deutschland.

Bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen werden alle erkennbaren Einzelrisiken individuell berücksichtigt. Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sind zum Nennwert bilanziert.

Der Jahresabschluss wurde nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches für große Kapitalgesellschaften einschließlich der ergänzenden Bestimmungen des GmbH-Gesetzes erstellt.

Die Rückstellung für Pensionen wird mit dem Erfüllungsbetrag bewertet, der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist (§ 253 Abs. 1 S. 2 HGB). Die Bewertung erfolgt nach dem Anwartschaftsbarwertverfahren.

Soweit nicht anders angegeben, erfolgen Betragsangaben in TEUR. Es wurden folgende Annahmen zugrunde gelegt: Die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH, Stuttgart, verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne von § 52 Abs. 2 der Abgabenordnung, soweit diese geeignet sind, die Zukunftsfähigkeit des Landes Baden-Württemberg zu sichern. Sie ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Ziele. Die Gesellschaftszwecke werden insbesondere verwirklicht durch die Durchführung und Finanzierung von einzelnen Projekten, Veranstaltungen und die Vergabe von Stipendien im vorgenannten Sinne. Gemäß § 265 Abs. 5 Satz 2 und Abs. 6 HGB ist zu vermerken, dass in der Bilanz sowie in der Gewinn- und Verlustrechnung gegenüber den Gliederungsvorschriften der §§ 266, 275 HGB Posten hinzugefügt bzw. Postenbezeichnungen geändert worden sind. Die Abweichungen werden mit dem besonderen Unternehmensgegenstand und der Art der Finanzierung der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH sowie der dadurch verbesserten Klarheit und Übersichtlichkeit bei der Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage begründet.

# 02 Angabe der auf die Posten der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden Die immateriellen Vermögensgegenstände sowie das Sachanlagevermögen sind zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um planmäßige und bei andauernder Wertminderung gegebenenfalls außerplanmäßige Abschreibungen, angesetzt. Die planmäßigen Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und auf Sachanlagen erfolgen grundsätzlich nach der linearen Methode und entsprechen der wirtschaftlichen Nutzungsdauer. Die steuerlichen Vereinfachungsregelungen für geringwertige Wirtschaftsgüter werden nicht in Anspruch genommen.

10-Jahres-Durchschnittszins zum 31.12.2017: 3,68 %, entsprechend des von der Deutschen Bundesbank gem. § 253 Abs. 2 HGB (in der durch das Wohnimmobilienkreditrichtlinien-Gesetz geänderten Fassung, d. h. auf Basis eines 10-Jahres-Durchschnittszeitraumes) für Dezember 2017 veröffentlichten Rechnungszinses für eine Restlaufzeit von 15 Jahren 7-Jahres-Durchschnittszins zum 31.12.2017: 2,80 %, entsprechend des von der Deutschen Bundesbank gem. § 253 Abs. 2 HGB für Dezember 2017 veröffentlichten Rechnungszinses für eine Restlaufzeit von 15 Jahren Rentensteigerung: jährlich 2,0 %, nächstmals zum 1.1.2019  Finanzierungsendalter: 62  Biometrie: Richttafeln 2005 G von Prof. Dr. Klaus Heubeck  Fluktuation: 0 %  W itwenrentenanwartschaft: individuell W aisenrentenanwartschaft: nicht berücksichtigt Zum 31.12.2017 beträgt der handelsrechtliche Erfüllungsbetrag auf Basis des 7-Jahres-Durchschnittszinses EUR 200.673,00. Die Differenz zu dem auf Basis des 10-Jahres-Durchschnittszinses ermittelten Erfüllungsbetrag in Höhe von EUR 20.809,00 bleibt ausschüttungsgesperrt. Die sonstigen Rückstellungen berücksichtigen alle im Zeitpunkt der Bilanzaufstellung ungewissen Verpflichtungen und erkennbaren Risiken und sind mit dem Erfüllungsbetrag bewertet, der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB). Rückstellungen für Risiken aus Rechtsstreitigkeiten werden auf Basis der von Sachverständigen geschätzten Erfolgsaussichten bewertet. Dabei kommen nach strittigen Sachverhalten differenzierte prozentuale Risikoeintrittswahrscheinlichkeiten zum Ansatz. Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr werden mit dem ihrer Restlaufzeit entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Geschäftsjahre abgezinst (§ 253 Abs. 2 Satz 1 HGB).


164

AN H ANG FÜR DA S GESCH ÄF TSJA HR 2017

Der Satzungszweck wird im Rahmen von einzelnen Projekten und geeigneten Veranstaltungen sowie durch die Vergabe von Stipendien verwirklicht. Die Passivierung erfolgt grundsätzlich nach folgender Systematik: Eine dem Grunde und der Höhe nach bestimmte und verpflichtende Zusage an Leistungsempfänger ist unter dem Posten „Zweckgebundene Mittel für Projekte“ erfasst. Wenn sich die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH zur Erbringung satzungsmäßiger Leistungen gegenüber einem Dritten (z. B. Projektpartner) verpflichtet und diese Leistung hinsichtlich ihrer Höhe ungewiss ist, so sind diese Beträge ebenfalls hierunter erfasst. In geringem Umfang sind Aufwendungen für eigenes Personal enthalten, welche in den jeweiligen Budgetfestsetzungsbeschlüssen pauschaliert angesetzt sind. Wird eine Leistungszusage unter dem Vorbehalt erteilt, dass zur Leistungserbringung genügend Mittel zur Verfügung stehen müssen, so handelt es sich – soweit diese Mittel zum Abschlussstichtag noch nicht vorhanden sind – um eine Verpflichtung, die erst nach Zugang bzw. Erwirtschaftung der Mittel zu bilanzieren ist. Gleiches gilt für Maßnahmen, die erst in einem späteren Geschäftsjahr zur Ausführung kommen. Derartige aufschiebend bedingte Verpflichtungen werden im Anhang unter der entsprechenden Position angegeben. Die Verbindlichkeiten sind mit ihren jeweiligen Erfüllungsbeträgen passiviert.

# 03 Angaben und Erläuterungen zu einzelnen Posten der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung 1 / Anlagevermögen Die Entwicklung des Anlagevermögens sowie die Abschreibungen des Geschäftsjahres sind in der Anlage zum Anhang dargestellt.

2 / Umlaufvermögen Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bestehen in Höhe von TEUR 144 (Vorjahr: TEUR 275) gegen den Gesellschafter. Die sonstigen Vermögensgegenstände beinhalten Forderungen gegen den Gesellschafter in Höhe von TEUR 7.700 (Vorjahr: TEUR 8.498). Vorsteuererstattungsansprüche gemäß § 15a UStG, die ratierlich zahlungswirksam werden, bestehen zum 31.12.2017 in Höhe von TEUR 651 (Vorjahr: TEUR 970). Von den sonstigen Vermögensgegenständen entfallen TEUR 2.567 (Vorjahr: TEUR 1.141) auf Forderungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Sämtliche übrigen Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände haben – wie im Vorjahr – eine Restlaufzeit von unter einem Jahr.

3 / Sondervermögen Der Posten Sondervermögen betrifft rechtlich unselbständige Stiftungen, die durch die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH gegründet wurden. Die Sondervermögen werden in einem Nebenbuch mit eigenen Buchungs- und Bilanzkreisen geführt. Die Ergebnisse der einzelnen Sondervermögen werden anteilig zu Gunsten beziehungsweise zu Lasten der jeweiligen Sondervermögen verwendet. Auf der Aktivseite kommen die Vermögensgegenstände der rechtlich unselbständigen Stiftungen zum Ausweis, soweit diese nicht gesondert geführt werden. Die Sondervermögen auf der Passivseite weisen die Anteile der fremden Stifter am Vermögen der rechtlich unselbständigen Stiftungen aus. Die Anteile der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH an den rechtlich unselbständigen Stiftungen werden unter den Gewinnrücklagen im Eigenkapital ausgewiesen.

4 / Eigenkapital

Die Gesellschaft ist an folgenden Unternehmen beteiligt: Anteil %

Eigenkapital 31.12.2017 TEUR

Ergebnis 2017 TEUR

Verwaltungsgesellschaft Wasseralfingen mbH, Wasseralfingen *

50

14.633

25

Südwestdeutsche Salzwerke AG, Heilbronn

49

157.480

23.560

Reederei Schwaben GmbH, Stuttgart

44

4.683

-836

* Zahlenangaben betreffen das Geschäftsjahr 2016.

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Das gezeichnete Kapital der Gesellschaft beträgt unverändert TEUR 20.159. Die Kapitalrücklage enthält Gesellschafterzuzahlungen im Sinne des § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB. Als zweckgebundene Gewinnrücklagen sind die Anteile der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH an den rechtlich unselbständigen Stiftungen ausgewiesen. Die Entwicklung der Anteile der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH an den rechtlich unselbständigen Stiftungen stellt sich wie folgt dar:


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Anteil BW Stiftung %

1.1.2017 TEUR

Zugänge TEUR

Ergebnis­ anteil 2017 TEUR

31.12.2017 TEUR

Stiftung Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg

50,0

795

0

78

873

Stiftung Kulturpreis Baden-Württemberg der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Baden-Württemberg Stiftung

50,0

259

0

-8

251

Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

95,9

Zweckgebundene Gewinnrücklagen

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5 / Sonstige Rückstellungen Die sonstigen Rückstellungen enthalten im Wesentlichen Rückstellungen für ausstehende Rechnungen.

6 / Zweckgebundene Mittel für Projekte

53.426

150

-72

53.504

54.480

150

-2

54.628

Es kommen die noch nicht verbrauchten Beträge für beschlossene und bis zum Ende des Berichtsjahres begonnene Projekte zum Ansatz. In dem Posten Zweckgebundene Mittel für Projekte sind projektbezogene Verpflichtungen gegenüber dem Gesellschafter in Höhe von TEUR 45.007 (Vorjahr: TEUR 59.610) enthalten. Die Verpflichtungen aus Zukunftsoffensiven sind formal innerhalb eines Jahres fällig. Bei den laufenden Projekten werden üblicherweise ca. EUR 40-50 Mio. innerhalb eines Jahres in Anspruch genommen. Die verbleibenden Projektverpflichtungen haben eine Restlaufzeit von 1-5 Jahren.

7 / Verbindlichkeiten Art der Verbindlichkeiten

Gesamt

Restlaufzeit bis 1 Jahr

Restlaufzeit 1-5 Jahre

Restlaufzeit > 5 Jahre

31.12.2017 TEUR

Vorjahr TEUR

31.12.2017 TEUR

Vorjahr TEUR

31.12.2017 TEUR

Vorjahr TEUR

31.12.2017 TEUR

Vorjahr TEUR

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

11.453

13.742

2.332

2.289

9.121

9.602

0

1.851

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

5.660

4.231

5.660

4.231

0

0

0

0

 (davon gegenüber Gesellschafter)

(430)

(111)

Sonstige Verbindlichkeiten

1.414

422

1.265

422

120

0

29

0

(1.138)

(110)

 (davon aus Steuern)

(0)

(0)

  (davon im Rahmen der sozialen Sicherheit)

(0)

(0)

18.527

18.395

9.257

6.942

9.241

9.602

29

1.851

 (davon gegenüber Gesellschafter)

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind durch eine Bürgschaft des Landes gesichert.


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8 / Umsatzerlöse

Miet-/Pachterträge aus Grundvermögen

2017  TEUR

2016  TEUR

29.507

26.042

13 / Erträge aus Beteiligungen und anderen Wertpapieren des Finanzanlagevermögens 2017  TEUR

55

68

Erträge aus Beteiligungen

175

10

29.737

26.120

Erträge aus Wertpapieren des Finanzanlagevermögens

Verpachtung Werbeflächen Projekterträge

Die Umsatzerlöse werden ausschließlich im Inland realisiert. Hierin sind periodenfremde Umsatzerlöse in Höhe von TEUR 1.146 (Vorjahr: TEUR 187) enthalten.

9 / Sonstige betriebliche Erträge In den sonstigen betrieblichen Erträgen sind periodenfremde Erträge in Höhe von TEUR 150 (Vorjahr: TEUR 26.672) enthalten. Davon entfallen TEUR 147 (Vorjahr: TEUR 25.077) auf die Auflösung von Rückstellungen.

Der Posten “Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung“ enthält Aufwendungen für Altersversorgung in Höhe von TEUR 213 (Vorjahr: TEUR 192).

11 / Projektaufwand 2017  TEUR

2016  TEUR

37.100

38.130

Projektaufwand Stiftung Kinderland

2016  TEUR

8.341

7.463

62.540

14.552

70.881

22.015

14 / Zinsen und ähnliche Aufwendungen Unter diesem Posten sind Aufwendungen aus der Aufzinsung von langfristigen Rückstellungen in Höhe von TEUR 27 (Vorjahr: TEUR 43) ausgewiesen. Davon entfallen auf Pensionsrückstellungen TEUR 13 (Vorjahr: TEUR 3).

# 04 Sonstige Pflichtangaben

10 / Aufwendungen für Altersversorgung

Zuführung zu zweckgebundenen Mitteln für Projekte laut Beschlüssen des Aufsichtsrats

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2.500

1.000

39.600

39.130

Der Projektaufwand enthält zu einem geringen Teil mitbudgetierte Personalaufwendungen für eigene, nur fallweise für Einzelprojekte eingestellte Mitarbeiter. Hierfür sind im Geschäftsjahr 2017 TEUR 578 tatsächlich angefallen, welche bereits in den Jahren der entsprechenden Beschlussfassungen aufwandswirksam wurden.

12 / Sonstige betriebliche Aufwendungen Der Posten enthält periodenfremde Aufwendungen in Höhe von TEUR 183 (Vorjahr: TEUR 143).

1 / Haftungsverhältnisse Die Gesellschaft hat sich vertraglich zur Bereitstellung finanzieller Mittel an ein Beteiligungsunternehmen für den Fall verpflichtet, dass dieses seine Verpflichtungen aus einer möglichen Inanspruchnahme für die Übernahme von Dekontaminationskosten nicht mit eigenen Mitteln erfüllen kann. Aufgrund der vorliegenden Indikatoren über das Ausmaß der voraussichtlichen Dekontaminationskosten unter Berücksichtigung der derzeitigen Liquiditäts- und Eigenkapitalausstattung des Beteiligungsunternehmens, ist mit einer Inanspruchnahme aus dem Haftungsverhältnis nicht zu rechnen. Die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH (BWS) ist Mitglied in der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Für die Versorgungsverpflichtungen aus der Zusatzversorgung für aktive und ehemalige Arbeiter und Angestellte der BWS besteht eine Subsidiärhaftung seitens des Arbeitgebers. Für diese besteht unter den sonstigen Voraussetzungen eine Anhangangabepflicht nach Art. 28 Abs. 2 EGHGB, da die BWS von dem Passivierungswahlrecht des Art. 28 Abs. 1 EGHGB nicht Gebrauch macht und die Verpflichtungen nicht auf der Basis eines versicherungsmathematischen Gutachtens ermittelt wurden. Es handelt sich um eine tarifvertraglich vereinbarte zusätzliche Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenversorgung gegenüber den Angestellten der BWS. Die Ausgestaltung ergibt sich aus der Satzung der VBL. Die Versorgung wird im Wege des Umlageverfahrens über die VBL abgewickelt. Die Arbeitnehmer erwerben einen unmittelbaren Anspruch gegenüber der VBL.


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Der Anteil des Arbeitgebers am derzeitigen Umlagesatz beträgt 6,45 %, der Arbeitnehmeranteil 1,81 %. Neben der Umlage erhebt die VBL Sanierungsgelder von allen beteiligten Arbeitgebern mit Pflichtversicherten im Abrechnungsverband West. Die Gesamthöhe der von den beteiligten Arbeitgebern zu leistenden Sanierungsgelder vermindert sich ab 2016 für den neuen Deckungsabschnitt (bis 31.12.2022). Bisher entsprach die Gesamthöhe der Sanierungsgelder 2,0 % der jährlich um 1 % erhöhten zusatzversorgungspflichtigen Entgelte aller Pflichtversicherten im Jahr 2001. Ab 2016 werden noch 0,14 % der entsprechenden Entgelte verursachergerecht auf die Arbeitgeber und Arbeitgebergruppen verteilt. Die Summe der umlagepflichtigen Gehälter betrug TEUR 1.594 (Vorjahr: TEUR 1.627). Eine Schätzung der Verteilung der Versorgungsverpflichtungen auf die anspruchsberechtigten Arbeitnehmer, ehemaligen Arbeitnehmer und Rentenbezieher ist nicht möglich.

2 / Sonstige finanzielle Verpflichtungen Das Volumen der durch den Aufsichtsrat beschlossenen Projekte, die noch nicht aufwandswirksam erfasst wurden (Projektobligo), beläuft sich auf TEUR 32.680 (Vorjahr: TEUR 26.950). Aus im abgelaufenen Geschäftsjahr beauftragten, zum Bilanzstichtag noch nicht abgerechneten baulichen Maßnahmen bestehen Verpflichtungen in Höhe von TEUR 4.584.

3 / Derivative Finanzinstrumente

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Die Gesamtvergütung von Herrn Christoph Dahl für das Geschäftsjahr 2017 setzt sich wie folgt zusammen: TEUR

Grundgehalt (inkl. Zusatzversorgung)

127

Sonstige geldwerte Vorteile

6 133

Für den Geschäftsführer Walter Leibold wird auf die Angabe der Bezüge, für einen ehemaligen Geschäftsführer wird auf die Angabe der Ruhegeldbezüge sowie auf die Angabe der Pensionsrückstellung gem. § 286 Abs. 4 HGB verzichtet. AUFSICHTSRAT Mitglieder des Aufsichtsrats: Ministerpräsident Winfried Kretschmann Mitglied des Landtags, Vorsitzender des Aufsichtsrats Andreas Schwarz  Mitglied des Landtags, Fraktionsvorsitzender Bündnis ’90/Die Grünen, Erster stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats Prof. Dr. Wolfgang Reinhart Mitglied des Landtags, Fraktionsvorsitzender CDU, Zweiter stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, Minister a. D.

Die Gesellschaft setzt selbst keine derivativen Finanzins­ trumente ein.

Ministerin Theresia Bauer Mitglied des Landtags, Ministerin für Wissenschaft, Forschung  und Kunst

Im Rahmen der Investmentfonds werden, den Anlagerichtlinien der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH entsprechend, Derivate, im Wesentlichen Futures, eingesetzt.

Minister Peter Hauk Mitglied des Landtags, Minister für Ländlichen Raum und  Verbraucherschutz

4 / Angaben zu den Mitgliedern der Unternehmensorgane

Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut Mitglied des Landtags, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und  Wohnungsbau

GESCHÄFTSFÜHRUNG Als Geschäftsführer waren im Geschäftsjahr bestellt:

Minister Manfred Lucha Mitglied des Landtags, Minister für Soziales und Integration

Christoph Dahl Walter Leibold, bis 16. März 2018, Ministerialdirigent a. D.

Ministerin Edith Sitzmann Mitglied des Landtags, Ministerin für Finanzen

Am 16. März 2018 wurde Herr Reiner Moser, Ministerialdirigent im Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg, zum Geschäftsführer bestellt.

Minister Guido Wolf Mitglied des Landtags, Minister der Justiz und für Europa Staatssekretär Volker Schebesta Mitglied des Landtags


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6 / Abschlussprüferhonorar

Staatssekretärin Theresa Schopper

Das auf das Geschäftsjahr 2017 auf den Abschlussprüfer entfallende Gesamthonorar von TEUR 81 (einschließlich gesetzliche Umsatzsteuer) betrifft ausschließlich Abschlussprüfungsleistungen.

Nese Erikli Mitglied des Landtags Reinhold Gall Mitglied des Landtags, Minister a. D. Winfried Mack Mitglied des Landtags, Stellvertretender Fraktionsvor sitzender CDU Claus Paal (seit 26. März 2018) Mitglied des Landtags Barbara Saebel Mitglied des Landtags Emil Sänze Mitglied des Landtags Georg Wacker (bis 27. Februar 2018) Mitglied des Landtags Nico Weinmann Mitglied des Landtags

7 / Angaben zu Sondervermögen i.S.v. § 1 Abs. 10 KAGB Die Gesellschaft hält Anteile an verschiedenen Sondervermögen mit langfristiger Anlagestrategie (langfristiger Kapitalerhalt und ausschüttungsfähige Erträge). Die Anteile an zwei dieser Sondervermögen notierten mit Kurswerten von EUR 148,5 Mio. bzw. EUR 168,0 Mio. am Bilanzstichtag um EUR 0,6 Mio. bzw. EUR 0,1 Mio. unter, die Anteile an vier weiteren Sondervermögen mit Kurswerten von zusammen EUR 1.185,8 Mio. um EUR 24,6 Mio. über ihrem Buchwert. Die Anteile an einem anderen Sondervermögen mit einer langfristigen Anlagestrategie (Absolute Return) notierten mit einem Kurswert von EUR 76,3 Mio. um knapp EUR 3,7 Mio. unter ihrem Buchwert. Im Geschäftsjahr wurden insgesamt EUR 62,5 Mio. ausgeschüttet. Nach den Erfahrungen der bisherigen und der für das nachfolgende Geschäftsjahr erwarteten Wertentwicklung wird die Wertminderung nicht von Dauer sein. Außerplanmäßige Abschreibungen waren deshalb nicht vorzunehmen.

8 / Nachtragsbericht

Die Mitglieder des Aufsichtsrats erhalten keine Vergütung.

5 / Durchschnittliche Zahl der Beschäftigten Während des Geschäftsjahres waren durchschnittlich 33 Angestellte (davon neun geringfügig Beschäftigte) als Angehörige der Stammbelegschaft und durchschnittlich elf Angestellte, die nur fallweise im Rahmen der Projektdurchführung eingestellt werden, beschäftigt.

Nach dem Bilanzstichtag haben sich keine Vorkommnisse ergeben, die einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft haben.

9 / Ergebnisverwendungsvorschlag Die Geschäftsführung schlägt vor, den nach Bildung der satzungsmäßigen Rücklagen verbleibenden Bilanzgewinn in Höhe von TEUR 43.451 auf neue Rechnung vorzutragen.

Stuttgart, den 26. April 2018

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH CHRISTOPH DAHL / REINER MOSER


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BESTÄTIG UNG SVER MER K DES A BSCHLUSSPRÜFER S

BESTÄTIGUNGSVERMERK DES ABSCHLUSSPRÜFERS Wir haben den Jahresabschluss – bestehend aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang – unter Einbeziehung der Buchführung und den Lagebericht der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH, Stuttgart, für das Geschäftsjahr vom 1.1. bis zum 31.12.2017 geprüft. Die Buchführung und die Aufstellung von Jahresabschluss und Lagebericht nach den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften und den ergänzenden Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags liegen in der Verantwortung der gesetzlichen Vertreter der Gesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage der von uns durchgeführten Prüfung eine Beurteilung über den Jahresabschluss unter Einbeziehung der Buchführung und über den Lagebericht abzugeben. Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung nach § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorgenommen. Danach ist die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeiten und Verstöße, die sich auf die Darstellung des durch den Jahresabschluss unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und durch den Lagebericht vermittelten Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit erkannt werden. Bei der Festlegung der Prüfungshandlungen werden die Kenntnisse über die Geschäftstätigkeit und über das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld der Gesellschaft sowie die Erwartungen über mögliche Fehler berücksichtigt. Im Rahmen der Prüfung werden die Wirksamkeit des rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollsystems sowie Nachweise für die Angaben in Buchführung, Jahresabschluss und Lagebericht überwiegend auf der Basis von Stichproben beurteilt. Die Prüfung umfasst die Beurteilung der angewandten Bilanzierungsgrundsätze und der wesentlichen Einschätzungen der gesetzlichen Vertreter sowie die Würdigung der Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses und des Lageberichts. Wir sind der Auffassung, dass unsere Prüfung eine hinreichend sichere Grundlage für unsere Beurteilung bildet. Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt. Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse entspricht der Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften und den ergänzenden Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags und vermittelt unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanzund Ertragslage der Gesellschaft. Der Lagebericht steht in Einklang mit dem Jahresabschluss, entspricht den gesetzlichen Vorschriften, vermittelt insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage der Gesellschaft und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.

Stuttgart, den 26. April 2018

Prof. Dr. Binder, Dr. Dr. Hillebrecht & Partner GmbH WIRTSCHAFTSPRÜFUNGSGESELLSCHAFT, STEUERBERATUNGSGESELLSCHAFT BACHER (WIRTSCHAFTSPRÜFER) / BARTH (WIRTSCHAFTSPRÜFER)


SCHRIFTENREIHE

170

BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

SCHRIFTENREIHE DER BADEN-WÜRTTEMBERG STIFTUNG BAND

88

Freizeitangebote für Kinder mit Fluchterfahrung / Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung (2018)

BAND

87

Mobiles Baden-Württemberg / Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität (2017)

BAND

86 BAND

85 BAND

84

Bauprojekte visualisieren / Leitfaden für die Bürgerbeteiligung (2017) Advances in Nanotechnology / Ergebnisse aus dem Forschungsprogramm „Funktionelle Nanostrukturen III“ 2009-2011 (2017) Nachhaltigkeit Lernen II – Kinder gestalten Zukunft / Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Programms (2017)

BAND

83

INNOPÄD U3 / Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung (2017)

BAND

82

Inklusionsbegleiter bauen Brücken / Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Programms (2017)

BAND

81

Schulbegleitung als Beitrag zur Inklusion / Bestandsaufnahme und Rechtsexpertise (2016)

BAND

80

Kulturlotsen für Kinder / Ergebnisse der Begleitforschung (2016)

BAND

79

10 Jahre BoriS – Eine Erfolgsgeschichte / BoriS – Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg (2015)

BAND

78

Vielfalt gefällt! 60 Orte der Integration / Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung (2015)

BAND

77

Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft / Ergebnisse der Evaluation des Programms (2015)

BAND

76 BAND

75 BAND

74 BAND

73 BAND

72

Sucht im Alter / Ergebnisse der Evaluation des Programms (2014) Ältere Menschen mit Behinderung / Ergebnisse der Evaluation des Programms „Förderung der Selbstständigkeit älterer Menschen mit Behinderung“ (2014) Therapie bei Demenz / Dokumentation zu Effekten körperlichen Trainings bei Menschen mit Behinderung (2014) Sprachliche Bildung für Kleinkinder / Sprachförderansätze: Erfahrungen und Reflexionen über die Projekte der Baden-Württemberg Stiftung zur Sprachförderung (2014) Gleichartig – aber anderswertig? / Analyse zur künftigen Rolle der (Fach-)Hochschulen im deutschen Hochschulsystem (2013)


BA DEN-W ÜRT TE M BERG STIF TUNG JA HRESBERICHT 2017

BAND

71 BAND

70 BAND

69 BAND

68 BAND

67 BAND

66

171

SCHRIFTENREIHE

Evaluation Coaching4Future / Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung des Programms zur MINT-Nachwuchssicherung (2013) Strategische Forschung / Analyse der operativen Schwerpunkte im Bereich Forschung (2013) Advances in Nanotechnology – Physics, Chemistry, and Biology of Functional Nanostructures / Th. Schimmel, H. v. Löhneysen, M. Barczewski (2013) Botschafter für Nachhaltigkeit – die Ausbildung von Kulturlandschaftsführern in Baden-Württemberg / Eine Evaluierung der Ausbildung in drei Modellregionen (2013) Unterstützungsangebote für Kinder von psychisch kranken oder suchtkranken Eltern / Ergebnisse der Projektevaluation (2012) Medienwerkstatt Kindergarten – vom Konsumieren zum Gestalten / Ein Programm zur Förderung des kreativen Umgangs mit Medien (2012)

BAND

65

Gartenland in Kinderhand – ein Garten für die Kita / Ergebnisse der Projektevaluation (2012)

BAND

64

Aktionsprogramm Familienbesucher / Ein Programm zur Unterstützung von Müttern und Familien (2012)

BAND

63 BAND

62 BAND

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Gesundheitsförderung in der Grundschule / Komm mit in das gesunde Boot – Grundschule (2012) Ferienzeit – Gestaltungszeit. Innovative pädagogische Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche während der Ferienzeit / Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitevaluation des Programms (2012) Da sein! – Könnt’ ich das? / Abschlussbericht des Projekts Ausbau der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit in Baden-Württemberg (2012)

BAND

60 BAND

59 BAND

58 BAND

57 BAND

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BioLab Baden-Württemberg on Tour / Forschung, Leben, Zukunft (2011) Gesundheitsförderung im Kindergarten / Evaluation des Programms „Komm mit in das gesunde Boot“ der Baden-Württemberg Stiftung in Kindergärten in Baden-Württemberg (2011) Kompetenzen fördern – Erfolge schaffen / Dokumentation des Programms KOMET 2 – Kompetenz- und Erfolgstrainings für Jugendliche (2011) Sag’ mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder / Zur Evaluation des Programms der Baden-Württemberg Stiftung (2011) Nanotechnology – Fundamentals and Applications of Functional Nanostructures / Th. Schimmel, H. v. Löhneysen, M. Barczewski (2011) Fit für den Wiedereinstieg – wie sich Beruf und Familie unter einen Hut bringen lassen / Tipps für eine erfolgreiche Rückkehr in den Beruf (2010)


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Neue Brücken bauen … zwischen Generationen, Kulturen und Institutionen / Programmdokumentation (2010) Erzähl uns was! Kinder erzählen Geschichten und hören einander zu / Eine Förderinitiative der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2010) Am Anfang ist es eine Idee – am Ende eine große Erfindung / Ein Leitfaden für die Planung und Umsetzung von naturwissenschaftlich-technischen Projekten (2010)

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Nachhaltigkeit macht fit für die Zukunft / Energie nutzen, Umwelt schützen (2011) Männer für erzieherische Berufe gewinnen: Perspektiven definieren und umsetzen / Impulse und Anregungen für eine größere Vielfalt in Tageseinrichtungen für Kinder (2010) Strategische Forschung 2010 / Studie zur Struktur und Dynamik der Wissenschaftsregion Baden-Württemberg (2010)

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Expeditionsziel: Nachhaltigkeit / Ihr Reiseführer in die Zukunft (2011) Familiäre Einflüsse als prägender Faktor: Herausforderung für die Suchtprävention / Wie Familien für die familienorientierte Suchtprävention zu gewinnen und welche Veränderungen möglich sind (2010) Qualifizierung von Prüfern: Entwicklung innovativer Weiterbildungskonzepte / Wie neuen Herausforderungen im Bildungswesen begegnet und Prüfungsqualität gesichert werden kann (2010) Neue Generationennetzwerke für Familien / Wissenschaftliche Evaluation des Förderprogramms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2010) Kinder und ihr Umgang mit Geld und Konsum / Dokumentation und Evaluation des Förderprogramms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2009) Musisch-ästhetische Modellprojekte in Kindergärten und anderen Tageseinrichtungen für Kinder / Dokumentation des Programms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2009)

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Training bei Demenz / Dokumentation zum Kongress Training bei Demenz, Dezember 2008 (2009) Hilfen und schulische Prävention für Kinder und Jugendliche bei häuslicher Gewalt / Evaluation der Aktionsprogramme „Gegen Gewalt an Kindern“ 2004–2008 in Baden-Württemberg (2009) Kommunen auf dem Weg zu mehr Familienfreundlichkeit / Dokumentation des Projekts der Landesstiftung Baden-Württemberg ZUKUNFTSFORUM Familie, Kinder & Kommune (2009) Naturwissenschaftlich-technische Modellprojekte in Kindergärten / Dokumentation des Programms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2009) Erfolgsgeschichten – Nachwuchswissenschaftler im Porträt / Ergebnisse des Eliteprogramms für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Landesstiftung Baden-Württemberg (2009)


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SCHRIFTENREIHE

Kinder nehmen Kinder an die Hand / Dokumentation des Programms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2009) Zeit nutzen – Innovative pädagogische Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche während der Ferienzeit / Dokumentation des Förderprogramms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg (2008) E-LINGO – Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens / Erfahrungen und Ergebnisse mit Blended Learning in einem Masterstudiengang (erschienen im gnv Gunter Narr Verlag, Tübingen, 2008) Visionen entwickeln – Bildungsprozesse wirksam steuern – Führung professionell gestalten / Dokumentation zum Masterstudiengang Bildungsmanagement der Landesstiftung Baden-Württemberg (erschienen im wbv W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld, 2008) Forschungsprogramm Klima- und Ressourcenschutz / Berichte und Ergebnisse aus den Forschungsprojekten der Landesstiftung Baden-Württemberg (2008) Nanotechnology – Physics, Chemistry, and Biology of Functional Nanostructures / Results of the first research programme Kompetenznetz „Funktionelle Nanostrukturen“ (Competence Network on Functional Nanostructures, 2008) „Früh übt sich …“ – Zugänge und Facetten freiwilligen Engagements junger Menschen / Fachtagung am 21. und 22. Juni 2007 in der Evangelischen Akademie Bad Boll (2008) beo – 6. Wettbewerb Berufliche Schulen / Ausstellung, Preisverleihung, Gewinner und Wettbewerbsbeiträge 2007 (2007) Forschungsprogramm Mikrosystemtechnik der Landesstiftung Baden-Württemberg / Berichte und Ergebnisse aus den Forschungsprojekten (2007) Frühe Mehrsprachigkeit: Mythen – Risiken – Chancen / Dokumentation zum Kongress am 5. und 6. Oktober 2006 in Mannheim (2007) „Es ist schon cool, wenn man viel weiß!“ KOMET – Kompetenz- und Erfolgstrainings für Jugendliche / Dokumentation der Programmlinie der Landesstiftung Baden-Württemberg 2005–2007 (2007) Jugend und verantwortungsvolle Mediennutzung – Medien und Gesellschaft / Untersuchungsbericht des Forschungsinstituts tifs e. V. (2007) jes – Jugend engagiert sich und jes/connection – die Modellprojekte der Landesstiftung Baden-Württemberg / Bericht der wissenschaftlichen Begleitung 2002–2005 (2007) Suchtfrei ins Leben / Dokumentation der Förderprogramme zur Suchtprävention für vorbelastete Kinder und Jugendliche (2007) Häusliche Gewalt beenden: Verhaltensänderung von Tätern als Ansatzpunkt / Eine Evaluationsstudie von Monika Barz und Cornelia Helfferich (2006) Innovative Familienbildung – Modellprojekte in Baden-Württemberg / Aktionsprogramm Familie – Förderung der Familienbildung (2006)


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Förderung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung von Menschen mit Behinderung / Dokumentation der Projekte der Ausschreibung der Landesstiftung Baden-Württemberg 2002–2006 (2006) Raus aus der Sackgasse! / Dokumentation des Programms „Hilfen für Straßenkinder und Schulverweigerer“ (2006) „Erfahrungen, die’s nicht zu kaufen gibt!“ – Bildungspotenziale im freiwilligen Engagement junger Menschen / Fachtagung 16. und 17. Juni 2005 in der Evangelischen Akademie in Bad Boll (2006) beo – 5. Wettbewerb Berufliche Schulen / Dokumentation über die Wettbewerbsbeiträge der Preisträgerinnen und Preisträger 2006 (2006) Forschungsprogramm Nahrungsmittelsicherheit der Landesstiftung Baden-Württemberg / Berichte und Ergebnisse aus den Forschungsprojekten (2006) Medienkompetenz vermitteln – Strategien und Evaluation / Das Einsteigerprogramm start und klick! der Landesstiftung Baden-Württemberg (2006) Forschungsprogramm Optische Technologien der Landesstiftung Baden-Württemberg / Zwischenberichte aus den Forschungsprojekten (2005) Jugend. Werte. Zukunft. – Wertvorstellungen, Zukunftsperspektiven und soziales Engagement im Jugendalter / Eine Studie von Dr. Heinz Reinders (2005) 4. Wettbewerb Berufliche Schulen / Dokumentation des Wettbewerbs 2005 mit den Preisträgerinnen und Preisträgern (2005) Beruf UND Familie – wie gestalten wir das UND? / Ein Leitfaden für Praktiker und Praktikerinnen aus Unternehmen und Kommunen (2005) Strategische Forschung in Baden-Württemberg / Foresight-Studie und Bericht an die Landesstiftung Baden-Württemberg (2005) Jugend und verantwortungsvolle Mediennutzung – Medien und Gesellschaft / Untersuchungsbericht des Forschungsinstituts tifs e. V. (2005) Dialog Wissenschaft und Öffentlichkeit / Ein Ideenwettbewerb zur Vermittlung von Wissenschaft und Forschung an Kinder und Jugendliche (2005) Selbstvertrauen stärken – Ausbildungsreife verbessern / Dokumentation innovativer Projekte im Berufsvorbereitungsjahr 2001/2002 (2005) Faustlos in Kindergärten / Evaluation des Faustlos-Curriculums für den Kindergarten – dokumentiert im Zeitraum von Januar 2003 bis Oktober 2004 (2004) Hochschulzulassung: Auswahlmodelle für die Zukunft / Eine Entscheidungshilfe für die Hochschulen (2005) 3. Wettbewerb Berufliche Schulen / Dokumentation des Wettbewerbs 2004 mit den Preisträgerinnen und Preisträgern (2004)


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SCHRIFTENREIHE

Jugend und verantwortungsvolle Mediennutzung – Medien und Persönlichkeitsentwicklung / Dokumentation des Fachtags, 4. Dezember 2003, Gospel Forum Stuttgart (2004) 2. Wettbewerb Berufliche Schulen / Dokumentation des Wettbewerbs 2003 mit den Preisträgerinnen und Preisträgern (2003) Neue Wege der Förderung freiwilligen Engagements von Jugendlichen / Eine Zwischenbilanz zu Modellen in Baden-Württemberg (2003) 1. Wettbewerb Berufliche Schulen / Dokumentation des Wettbewerbs 2002 mit den Preisträgerinnen und Preisträgern (2002)


IMPRESSUM

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HERAUSGEBERIN

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH Kriegsbergstraße 42, 70174 Stuttgart Tel. +49 (0) 711 248 476-0 / Fax +49 (0) 711 248 476-50 info@bwstiftung.de www.bwstiftung.de www.was-ist-deine-meinung.de VERANTWORTLICH

Christoph Dahl, Geschäftsführer Baden-Württemberg Stiftung REDAKTION

Julia Kovar-Mühlhausen, Nadia Heide TEXT

Ralf Butscher, Anette Frisch, Iris Hobler, Caroline Friedmann FOTOGRAFIE

Baden-Württemberg Stiftung, Strichpunkt GmbH, Adobe Stock, depositphotos, dreamstime, Wikimedia Commons, mutzurwut.com, DIE WELT vom 13.12.2016 – Deniz Yücel, Viola Schütz, KD Busch, Uli Regenscheit / SimTech, Daniel Dürbeck, Peter Heck, Sebastian Berger, Markus J. Feger, Mark Szilagyi, Sarah Müller, Simon Züfle, Anja Wischer Pressestelle HTWG, Dr. Stefan Seeber, DHBW Heilbronn, Prof. Dr. Felix Winklemann, Annette Cardinale, Toby Binder, SC Freiburg, Esra Mandaci, Immanuel de Gilde, Jochen Wilms, Sandra Potsch, fotohiele, Michelle Mantel, Larissa Mantel, Marco Atzori, Simon Keller YAEZ, Susanne Krum, Universität Heidelberg und Deutsches Krebsforschungszentrum, Rolf Mülhaupt, ISW, Universität Stuttgart, Wolf Peter Steinheisser I L L U S T R AT I O N E N

Strichpunkt GmbH, Bernd Schifferdecker, The noun project K O N Z E P T I O N U N D G E S TA LT U N G

Strichpunkt GmbH, Stuttgart / Berlin www.strichpunkt-design.de POSTPRODUCTION

SCHLOSSBERG-MEDIEN www.schlossbergmedien.de DRUCKEREI

Druckhaus Waiblingen Remstal-Bote GmbH www.dhw.de © Juli 2018, Stuttgart Baden-Württemberg Stiftung ISSN 2197-5418

Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet wird.

Die Jahresberichte der Baden-Württemberg Stiftung wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit Gold beim BCM-Award 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018, mit Bronze beim ADC-Award 2017 und 2018 sowie mit dem „Red Dot: Best of the Best“-Award 2015 und 2017.


AUFLÖSUNG

Übertrage deine Antworten!

JA

Welchen Buchstaben hast du am häufi gsten angekreuzt?

Ehrlich währt am längsten.

B

DER EHRLICHE

DER FREIGEIST

Du gehörst zu den letzten wirklich Guten auf dieser Welt. Weil du dafür bestimmt bist, Ideale wie Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein, Tradition und Haltung zu bewahren. Und danach lebst du konsequent, kompromisslos und geradeheraus. Schließlich bist und bleibst du felsenfest von deiner Meinung überzeugt. Weil sie auf echter Moral beruht. Und auf einer Wertvorstellung, die sich historisch bewähr t hat. Deswegen erzählst du aber keine Geschichten. Sondern argumentierst mit Fakten. Und die sind für dich alternativlos. Echt jetzt!

Du scheust keine Auseinandersetzung. Weil du sagst, was du denkst, und nicht nur Kante zeigst, sondern auch für deine Meinung einstehst. Egal was die anderen sagen. Denn du ziehst dein Ding durch. Auch ohne Mitstreiter. Ja-Sager kannst du an deiner Seite sowieso nicht gebrauchen. Sondern nur echte Typen, die genauso bereit sind anzuecken wie du selbst. Schließlich kann man die Welt nur dann zum Guten verändern, wenn man sich frei von Konventionen, Vorschriften und Engstirnigkeit macht. ¡Hasta la victoria siempre!

DER ANGEPASSTE

DER ZWEIFLER

Du gehst durch dick und dünn. Und das mit vielen Freunden. Weil du ein einfach zu begeisternder Typ bist. Jemand, den man gern an seiner Seite hat. Egal ob es darum geht, mal wieder ordentlich um die Häuser zu ziehen, anderen kleine Streiche zu spielen oder den neusten Gossip auszutauschen. Du bist immer mit vollem Herzen dabei. Und wenn nicht, dann lässt du dich überzeugen. Auch von anderen Meinungen. Schließlich willst du niemanden vor den Kopf stoßen. Sondern in erster Linie zusammen Spaß haben. Denn dazu sind Freunde da. Au ja!

Dir kann man rein gar nichts vormachen. Weil du immer nach Erkenntnis strebst und alle Dinge aus einer übergeordneten Sichtweise betrachtest. Du fragst dich ständig, wer hinter allem steckt, was das alles für einen Sinn ergibt, was das Leben überhaupt soll oder ob wir nicht doch nur der Traum eines großen schlafenden Wesens sind. Andererseits denkst du – also bist du. Aber was? Denn als frei empfindest du dich nicht wirklich. Du fühlst dich von Gesetzen und Staat eingeschränkt. Mit dieser Meinung bist du übrigens in guter Gesellschaft. Oder etwa nicht?

C Na klar, bin dabei!

D

Ich mach' mein Ding!

DEINE DEINE AUFLÖSUNG AUFLÖSUNG

A

Wir leben in der Matrix.

A B C1 C2 D E F G1 G2 H I J K L M1 M2 N O P Q R S1 S2 T U V1 V2 W X Y Z

NEIN

X

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B

D

Zähle die Buchstaben! Wenn mehrere Buchstaben zu einer Antwort gehören, zählen alle Buchstaben.

SUMME A

SUMME B

SUMME C

SUMME D


Profile for Baden-Württemberg Stiftung

Jahresbericht Baden-Württemberg Stiftung 2017  

Jahresbericht Baden-Württemberg Stiftung 2017  

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