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Philharmonisches Konzert #1-2014 2 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


WHO IS WHO 2013 VORSTAND TRÄGERVEREIN

NOTENWARTE:

Peter Demmelmair Tamás Ferge

Ruth Müller Zoltán Varga

GESCHÄFTSFÜHRENDER

ORCHESTER-

INTENDANT:

VORSTÄNDE:

Stephan Hüfner

Susann Král Stefan Kresin Karin Reiter

KÜNSTLERISCHER LEITER UND CHEFDIRIGENT:

Prof. Christoph Adt LEITUNG SALONORCHESTER:

Kristian Aleksic ASSISTENZ DES INTENDANTEN:

Petra Spitzauer ORCHESTERBÜRO:

BETRIEBSRAT:

Petra Spitzauer TEXTE:

Max Oberwegner GESTALTUNG:

dasmQuadrat.de

Michaela Herbst Katharina Köpp

BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE — 3


Philharmonisches Konzert #1 - 2013

Schülerkonzert - 2013

4 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


DIE WELT IN ZAHLEN BESUCHER BEI VERANSTALTUNGEN DER KUR-GMBH Philharmonische Kurmusik

355 AUFTRITTE

33.648

Mozartwoche 2.161 Johann-Strauss-Tage 1.048 Philharmonische Weihnacht

1.418

Silvester 1.245

stellte die Bad Reichenhaller Philharmonie 2013 im Rahmen der Philharmonischen Kurmusik:

20 SONDERKONZERTE wie Mozartwoche, Philharmonische Weihnacht oder die Konzerte der SummerSchool

39.520

in symphonischer Besetzung

BESUCHER BEI VERANSTALTUNGEN DER BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE / GASTSPIELE

6 „Philharmonischen Konzerten“

2.596

Der Thumsee brennt, Open Air

8.000 500 1.326

„Die Schöpfung“ in St. Zeno und Neuötting

645

Gastspiele Traunstein

344

Gastspiel Waldkraiburg

100

Gastspiel Bad Feilnbach

400

Gastspiel Neuötting

500

Gastspiele Aschau

51 KURKONZERTE mit Philharmonischen Ensembles

Familienkonzert Schülerkonzerte, landkreisweit

25 KURKONZERTE mit dem Philharmonischen Salonorchester

Abonnementreihe mit

am Obersalzberg, Open Air

157 KURKONZERTE

1200

54 KURKONZERTE mit Gastensembles der Philharmonie

21 KAMMERKONZERTE 27 ÖFFENTLICHE PROBEN

Gastspiel München, Orff Zentrum

100

27 KONZERTE

Gastspiel Ainring

100

veranstaltete die Philharmonie selbst, dazu ge-

Gastspiel Piding

250

hören die Berg-Erlebniskonzerte, die landkreis-

Gastspiel Holzhausen

200

weiten Schülerkonzerte sowie Gastspiele und

Gastspiel Stephanskirchen

230

Kooperationen mit Chören.

Quelle für die Besucherzahlen in Bad Reichenhall: Kur-GmbH Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain

16.491

56.011 Quelle für „Der Thumsee brennt“ und „Familienkonzert am Obersalzberg“: Presse

Zur Erarbeitung ihrer Konzerte leisteten die MusikerInnen der Philharmonie

205 NICHT ÖFFENTLICHE PROBEN.

Quelle für Gastspiele: Veranstalter

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DIE MUSIKER DER BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE

CHEFDIRIGENT

VIOLONCELLO

FAGOTT

Christoph Adt

Barbara Eger Solo-Cello

LEITUNG SALONORCHESTER

Shinji Komaki / Georg Vallant

Roman Senicky / Lucas Ebert

Solo-Fagott

Kristian Aleksic

Solo-Cello

Pietro Aimi

Hwa Young Lim

Solo-Fagott

1. VIOLINE Yan Zhang

Stellv. Solo-Cello

Werner Horsch

1. Konzertmeisterin

HORN Stefan Kresin

Sophie Ferge

KONTRABASS

Stellv. Konzertmeisterin

Tibor Jánoska

Tibor Szilli

Svetlana Glebova

Solo-Kontrabass

1./3. Solo-Horn

Vorspielerin

Clarissa Bürgschwendtner / Akiko Hirayama

Scott Brahier

Stellv. Solo-Kontrabass

Robert Löffelmann

Agnes Haitz Yoo-Seon Nam Wolfgang Müller Zoltán Varga

2. VIOLINE

1./3. Solo-Horn

2./4. Horn 2./4. Horn

FLÖTE Marcia Knedlik

TROMPETE

Solo-Flöte

Roland Burkhardt

Fred Ullrich

Oswald Gehring

Solo-Trompete

Stimmführer

Solo-Flöte

Zoran Curovic / Rudolf Matajsz

József Rigó Stellv. Stimmführer

OBOE

Barbara Veres Franz Slaboch

Susann Král

VIOLA Thorsten Köpke

Solo-Oboe

POSAUNE

Franz Kerschner

Uwe Schummer

Solo-Oboe

Solo-Posaune

Stimmführer

KLARINETTE

Stefan Hammermayer

Karin Nagel-Ulsamer / Michael Müller

Stellv. Stimmführer

Patricia Hawkins / Monika Urbonaite

Solo-Trompete

Dieter Horneber 2. Posaune

Bruno Fleschhut Bassposaune

Solo-Klarinette

Tamás Ferge

PAUKE/SCHLAGZEUG

Solo-Klarinette

Alfons Panzl Solo-Pauke & Schlagzeug

HARFE

Martin Sedlmeier

Karin Reiter

1. Schlagzeug

Solo-Harfe

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Generalprobe Philharmonisches Konzert #6 - 2013


International Summer School 2013

SOLISTEN GASTDIRIGENTEN SPRECHER

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SOLISTEN AUS DEM ORCHESTER

GASTDIRIGENTEN

Barbara Eger, Violoncello

Ye-Hyon Kim, Oboe

Andreas Hérm Baumgartner

Sophie Ferge, Violine

Dorothea Koch, Sopran

Martin Braun

Patricia Hawkins, Viola

Danae Kontora, Sopran

János Czifra

Marcia Knedlik, Flöte

Wolfgang Lackner, Sprecher

Martin A. Fuchsberger

Stefan Kresin, Horn

Bernd Lambauer, Tenor

Albert Geyer

Michael Müller, Klarinette

Frieder Lang, Tenor

André Gold

Alfons Panzl, Pauke

Katharina E. Leitgeb, Sopran

Thomas Gropper

Karin Reiter, Harfe

Patrick Pok-man Leung, Klavier

Stefan Grünfelder

Roman Senicky, Violoncello

Andrea Lieberknecht, Flöte

Ulrich Nikolai

Monika Urbonaite, Viola

Siegfried Mauser, Klavier

Bernadette Osterhammer

Georg Vallant, Fagott

Ludwig Mittelhammer, Bariton

Andreas Partilla

Yan Zhang, Violine

Bernadette Müller, Sopran

Massimo Raccanelli

Kangryun Nam, Bratsche

Jorge Rotter

Adrian Oetiker, Klavier

Albert Seidl

David Panzl, Marimba

Christian Simonis

Natalia Prishepenko, Violine

Felix Spreng

Richard Putz, Marimba

Ulrich Stöcker

Manuel Adt, Bass

Thomas Riebl, Viola

Daniel Stratievsky

Markus Bellheim, Klavier

Mathias Roth, Orgel

Bernhard Willer

Alfons Brandl, Tenor

Carl Rumstadt, Bassbariton

Bruno Canino, Klavier

Adam Sánchez, Tenor

Barbara Chemelli, Flöte

Hariolf Schlichtig, Viola

Ana Chumachenco, Violine

Andreas Schmidt, Bariton

Thomas Diestler, Countertenor

Wolfram Schmitt-Leonardy, Klavier

Andreas Eggertsberger, Klavier

Gottfried Schneider, Violine

Kay Westermann

Nathalie Flessa, Alt

Benedikt Schregle, Sprecher

„Nocturne(s) für Großes Orchester“

Jakob Fliedl, Fagott

Thomas Schuch, Klavier

Claus-J. Frankl, Tenor-Buffo

Dorothea Spilger, Mezzosopran

Bernadette Furch, Alt

David Steffens, Bass

Attilo Glaser, Tenor

Ani und Nia Sulkhanishvili, Klavier

Raphaela Gromes, Violoncello

Simone Vierlinger, Sopran

Natalia Gutmann, Violoncello

Elissa Virsaladze, Klavier

Franz Halasz, Gitarre

Ilonka Vöckel, Sopran

Svenja Hartwig, Horn

Alexander Weiskopf, Kontrabass

Alexandra Hengstebeck, Kontrabass

Wen-Sinn Yang, Violoncello

Elisabeth Heuberger, Violine

Oh Moon Yung, Tenor

Magdalena Hinterdobler, Sopran

Alexey Zuev, Klavier

SOLISTEN

URAUFFÜHRUNGEN

Enjott Schneider Sinfonie Nr. 7 „Dunkelwelt Untersberg“

Bernd Redmann „Chimäre“ für Orchester

Daniel Hoffmann, Violoncello Dag Jensen, Fagott Jonian Ilias Kadesha, Violine Nam Young Kim, Sopran

* Auflistung in alphabetischer Reihenfolge

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International Summer School 2013 10 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


Nachhall SEHR GEEHRTE DAMEN UND HERREN, SEHR GEEHRTE FREUNDE UND FÖRDERER DER BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE!

on umfassende Philharmonische Klangwolke sind nur einige Beispiele für die gelebte Verbindung der Philharmonie mit Land und Menschen.

Mit „Leidenschaft“ haben wir die 145. Spielzeit der Bad Reichenhaller Philharmonie überschrieben und freuen uns, mit Ihnen in dieser Rückschau die Begeisterung des Jahres 2013 noch einmal lebendig werden zu lassen.

Als herausragend ist die Internationale Sommerakademie zu nennen, die 2013 erstmals eine einzigartige Verbindung höchstrangiger Dozenten und Solisten mit der studierenden Elite und einem engagierten Publikum ermöglicht hat. Mit der Münchner Hochschule für Musik und Theater und in Zusammenarbeit mit der Kur GmbH Bad Reichenhall hat die Bad Reichenhaller Philharmonie ein Forum geschaffen, das den Künstlern neue Formen der musikalischen Entwicklung und einem interessierten Publikum neue Klangwelten erschlossen hat. Den Erfolg dieser Kooperation werden wir auch in Zukunft fortsetzen und pflegen und so unseren Anspruch, Kultur, Bildung und Unterhaltung für Jung und Älter zu ermöglichen, auf einmaligem Niveau unter Beweis stellen.

Die Zahlen allein sprechen ein deutliches Bild von der Leistungsfähigkeit und der Präsenz unseres Orchesters. Neben den reinen Fakten ist jedoch die umfassende Wirkung der Arbeit der Musiker, Solisten, Dirigenten und nicht zuletzt aller rund um die und mit der Bad Reichenhaller Philharmonie Tätigen von erheblicher Bedeutung. Lassen Sie uns nur einige wenige Beispiele dafür anführen: Es zeichnet die Bad Reichenhaller Philharmonie in besonderer Weise aus, dass sie nicht nur Bewährtes und Beliebtes pflegt, sondern immer auch Entwicklungen aufgeschlossen zulässt und lebendig gestaltet. So erfahren die Grundfesten wie unsere ureigenste Kurmusik, die sinfonischen und philharmonischen Konzerte, die überaus beliebten Sonderformate von der Mozartwoche, den Strauss-Tagen oder den Konzerten um Weihnachten und Silvester immer wieder attraktive Ergänzungen. Die Bergerlebniskonzerte vom Obersalzberg über das Pidinger Waldkonzert und die Konzerte auf der Ainringer Freiluftbühne mit dem unangefochtenen Thumsee im Mittelpunkt, die zahlreichen Gastspiele, die wertvollen Konzerte für Kinder, Jugendliche und Schüler und nicht zuletzt die Stadt und Regi-

1. Vorstand

2. Vorstand

Das alles gelingt nur, weil Sie, sehr geehrte Besucher, Gäste, Freunde und Förderer, unsere Bemühungen immer wieder auf eindrucksvolle Weise stützen. Für Sie arbeiten wir, für Sie spielen und gestalten wir, durch Sie lebt die Philharmonie. Mit Stolz blicken wir auf ein Jahr voller „Leidenschaft“ zurück und haben soeben ein Jahr voller „Glücksmomente“ begonnen. Genießen Sie mit Ihrer Bad Reichenhaller Philharmonie auch weiterhin Glück und Faszination der klassischen Musik, stecken Sie Andere mit Ihrer Begeisterung an und bleiben Sie „Ihrem“ Orchester gewogen. Mit großem Dank für Ihre Begleitung und Unterstützung grüßen Sie herzlich

Geschäftsführender Intendant

Chefdirigent & künstlerischer Leiter

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Kindergartenkonzert 2013

Zukunft UNSERE SCHÜLERKONZERTE Seit jeher gehören Konzerte für junge Menschen zum zentralen Anliegen der Bad Reichenhaller Philharmonie. Kindergartenkinder, Schüler und Jugendliche erfahren in direkter Teilnahme hautnah das Entstehen und Wirken von Musik und „be-greifen“ wörtlich wie übertragen das Tun der Musiker, Solisten, Sprecher und Dirigenten. Musik und Musizieren ist keine Konservenkost, die aus Beliebigkeit entsteht, körperlos daherkommt und jederzeit ein- und ausschaltbar ist. Sie ist vielmehr zutiefst menschliches Tun und persönliches Erleben - und das ermöglichen die „jungen“ Konzerte der Philharmonie. Diese Erlebnisse auch mit wesentlichen Bezugspersonen teilen zu können, ist ein wichtiger sozialer Effekt. Konsumierte Musik ist eine emotionale Einbahnstraße, Musik-Erleben sozialer Austausch. Das Lernen und Verändern

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von Hörgewohnheiten, ja das Erlernen bewußten Hörens überhaupt, eröffnet den jungen Menschen, aber auch ihren Begleitern und nicht zuletzt den Musikern neue Welten. Musik wird zur Begegnung mit dem Ich und den Anderen. Zugleich ist die behutsame Hinführung an den Klang- und Gefühlsreichtum der großen wie unbekannteren Werke die wohl angenehmste Form des Lernens überhaupt.


Konzertrotunde am Kurpark

Kurmusik Die Kurmusik im und für das Staatsbad ist seit fast 150 Jahren ein Wesenskern der Bad Reichenhaller Philharmonie und deswegen als fester Bestandteil nicht wegzudenken. Weltweit ist die Philharmonie das einzige ganzjährig Kurmusik spielende Orchester. Die mit Herzblut gepflegte Tradition weist eine große Vielfalt auf, auch in ihrer Wirkung: Kurmusik ist beruhigend und belebend, erfrischend und entspannend, unterhaltsam und besinnlich - aber immer lebendig. Die rund 370 Veranstaltungen umfassen verschiedene Ensembles und Formate: Konzertvergnügen, Matinéen, Salonkonzerte, Wunschkonzerte, Kammermusikabende und Sinfoniekonzerte. Im Sommer finden je zwei Konzerte am Dienstag und Sonntag statt, je eines am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag, im Winter je ein Konzert von Dienstag bis Sonntag.

SINFONIEKONZERTE, MATINÉEN, KAMMERMUSIK, SALONMUSIK, ENSEMBLES Die vielfältigen Konzertformate ergänzen die traditionelle Kurmusik, sie sind zugleich deren Bestandteil und weisen doch über sie hinaus. Durch ihren jeweils eigenständigen Charakter bilden sie das ganze Spektrum der klassischen und ihr verwandten Musik ab. Sie bereichern nicht nur Musiker, Solisten und Dirigenten, die in verschiedensten Besetzungen all ihre Facetten zum Ausdruck bringen können, sondern in besonderer Weise die Zuhörer. Der ganze Reichtum zwischen Solokonzerten und sinfonischer Besetzung, zwischen leichter Muse und großen Werken kommt hier in idealer Weise zum Ausdruck.

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14 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


SONDERKONZERTE

& GASTSPIELE

Natürlich genießen die Sonder-Konzerte der Bad Reichenhaller Philharmonie besondere Beachtung. Ihre Bandbreite und Vielfalt, vor allem aber ihre Einzigartigkeit stellen nicht nur die Leistungsfähigkeit des Orchesters unter eindrucksvollen Beweis, sondern zeigen durch ihre Beliebtheit bei Zuhöreren aus Nah und Fern auch die hohe Attraktivität des Programmes über die „normalen“ Konzerte hinaus.

Der Thumsee brennt - open Air - 2013

An erster Stelle steht die Abonnement-Reihe der Philharmonischen Konzerte, gerne auch als die „Königsklasse“ bezeichnet. International bedeutende Solisten interpretieren berühmte Komponisten und ihre Werke, große Besetzungen erschließen die volle Kraft des Orchesters. Das Renomée und die Vernetzung unseres Künstlerischen Leiters und Chefdirigenten machen die Philharmonischen Konzerte zu einer angesehenen Plattform für Uraufführungen und deren Komponisten. Höchster Beliebtheit erfreuen sich die von Intendant Stephan Hüfner initiierten und mit Herzblut gepflegten „Berg-Erlebnis-Konzerte“, allen voran der stahlende „Der Thumsee brennt!“, das Familienkonzert am Obersalzberg, das Open-Air in Ainring – und natürlich das „Waldkonzert“ in Piding. Nicht zu vergessen: Die die ganze Reichenhaller Innenstadt umfassende und von Radio Bayernwelle übertragene „Philharmonische Klangwolke“.

In einzigartiger Verbindung von Lernen, Begreifen, Entstehen und Genießen bietet die International Summer School der Bad Reichenhaller Philharmonie in Zusammenarbeit mit der Münchner Hochschule für Musik und Theater Klangerlebnisse der Superlative. Dozenten und Solisten von Weltklasse, Meisterklasse-Studenten - die Elite von morgen und ein begeisterungsfähiges Publikum lösen die Unterschiede zwischen aktiver und passiver Teilnahme auf. Direkter und intensiver kann man Musik nicht erleben. Besonders ragen aus dem Jahreslauf die Mozart-Woche und die Johann-Strauss-Tage heraus. In konzentrierter Form stehen die beiden beliebten Komponisten im Vordergrund, ideal kombiniert mit Musikbeispielen ihrer Zeitgenossen. Die Festival-Form findet auch bei Gästen aus einem weiten Umland großen Anklang und zieht seit Jahren ein begeistertes Stammpublikum nach Bad Reichenhall. Das gilt gleichermaßen auch für die Konzerte zu Weihnachten und Silvester, die als fester Bestandteil zum unverzichtbaren Erlebnis eines feierlichen wie beschwingten Jahresausklangs gehören. Nicht nur die einmalige Verbindung traditioneller Volksmusik mit klassischen Klängen weist den Weihnachtskonzerten einen besonderen Rang zu.

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Impressionen Vereinsfahrt 2013 16 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


Vereinsfahrt Im Mittelpunkt der Fahrt vom 4. bis zum 6. Oktober stand diesmal die Landeshauptstadt Triest und ihre Umgebung zwischen Küste und Karst. Geprägt von dieser Dualität schmiegt sich die letzte Großstadt Italiens, die ihr heutiges Gepräge vor allem Kaiserin Maria Theresia und den Habsburgern verdankt, an den nach ihr benannten Golf vor der istrischen Halbinsel. Nach einer entspannten Fahrt, die alte Vereinskontakte wiederaufleben und neue beginnen lies, begrüßte die vom Vorsitzenden Peter Demmelmair bestens eingestimmte Schar der kleine Ort „Prosecco“. Hier liegt zwar nicht das Produktionsgebiet des berühmten Schäumers, aber die Heimat der gleichnamigen Rebsorte. Am Rande der Steilküste, hoch über der Stadt findet sich hier der „tempio nazionale“, das monströse Beton-Heiligtum Monte Grisa. Selbst ein befremdliches Beispiel für architektonische Eigenart, ist es doch Zeugnis einer tiefen Religiosität und bietet mindestens einen nachhaltigen ersten Eindruck: Der Blick reicht weit über Triest und Schloss Miramare bis zur Lagune von Grado im Hintergrund. Der Triester Burgberg und der imposante Leuchtturm verschaffen ebenso ein erstes Bild der Stadt wie die Theresienstadt und die weiten Hafenanlagen. Nahe der pompösen Piazza Unitá d´Italia, dem städtebaulichen Herzen Triests, untergebracht, führte nach kurzem „Frischmachen“ der Weg vorbei an den Palazzos des ehemaligen österreichischen Freihafens mit seinem „Canal grande“ mitten in die Altstadt. Zur kulinarischen Besonderheit der Hafen- und Arbeiterstadt gehört das

„buffet“, einstmals einfache Speisenstätte für die arbeitende Bevölkerung und heute Bewahrer der traditionellen Küche. „Da Giovanni“ hat für uns den Rest der zahlreichen Gäste nach außen gedrängt, denn das Mini-Lokal hat genauso viele Plätze wie wir Teilnehmer. Weine aus dem Karst, Spezialitäten wie „gnocchi al ragu“ oder lokale Wurstund Schinken-Sorten zeugten von der einfachen, aber qualitätsbewußten Küche ohne jeden Schnick-Schnack. Mit einer Fahrt durch die ausgedehnten Hafenanlagen ging es am Samstag an den Rand Istriens in die einst venezianische Stadt Muggia. In Panoramalage befindet sich die Kirche Santa Maria Assunta mit wertvollen Fresken und dem komplementären Blick über den Golf auf Triest. Nach dem direkt auf der Grenze zu Slowenien gelegenen Wallfahrtsort Monrupino bot die größte für Besucher zugängliche Einzel-Höhle der Welt, die Grotta gigante, Zuflucht vor dem unwirtlichen Wetter. Über zahllose Stufen geht es in den Bauch der Erde und zu jahrmillionenalten Zeugen der Erdgeschichte. Kaum zu glauben, dass gerade hier Besucher vom schweren Erdbeben von 1976 nichts mitbekamen. Die Höhle, so war zu hören, sei gar sicherer als jeder Platz über der Erde. Nach einem individuellen Stadtbummel stand die zweite kulinarische Herausforderung auf dem Programm: Triests unangefochtene Adresse Nummer 1 für Weine der Region und lokale Spezialitäten, die „Gran Malabar“, hatte wohl ebenso wie der wohlmeinende „Führer“ nicht bedacht, dass Sitzplätze

nur im Freien zur Verfügung stehen. was um diese Jahreszeit durchaus möglich ist, nicht jedoch bei dem aktuellen Wetter. Es spricht für jeden Einzelnen wie auch den Zusammenhalt, dass niemand aufbegehrte, sondern die Chance auf Freiheit nutze und sich aus dem reichhaltigen Angebot der Stadt bediente. Wer verblieb, konnte aus über 600 der besten Etiketten Italiens wählen und die zuvorkommende Bewirtung genießen. Aus Frust über sein „Versagen“ ließ sich der „Führer“ im Weinkeller bei gut 30.000 Flaschen einsperren und gelobte Besserung. Je nach Lust und Vermögen führte der Weg am Sonntag-Morgen zu Fuß oder per Bus auf den Burgberg San Giusto und in die Kathedrale. Über das Forum romanum war ein letzter Blick über die Stadt zu genießen und im Dom die uralten Mosaike der Triestiner Bischofskirche. Entlang der Küste ging es nach Norden durch die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges an die Ufer des Isonzo zum Spezialitäteneinkauf, bei dem Vorsitzender Peter Demmelmaier die erlittenen gastronomischen Komplikationen mit einer Gratis-Grappa für alle ins Vergessen spülte. Umsomehr gestaltete sich der Besuch der Trattoria Blanch in Mossa zu einem üppigen Festmahl. Die genießerische Ausgelassenheit, die jeden Zeitrahmen sprengte, versöhnte aufs Beste und war wahrhaft angemessen „phil-harmonisch“. Der kurze Umweg über das letztjährige Ziel Cormóns gab Raum für schwelgerische Erinnerungen und heftige Appelle, die junge Tradition der Vereinsfahrten „unbedingt“ fortzusetzen.

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18 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


SO WIRD

PROVINZ

ZUM

EHRENTITEL

Aus den vielen Aktivitäten und Erlebnissen des Orchesters im Jahr 2014 möchte ich die summer school herausgreifen. Die wunderbaren Säle Bad Reichenhalls, die sonnigen Parks und das Stadtzentrum fühlten sich geradezu wie ein Campus an. Studierende aus vielen Ländern, nicht weniger international eingereiste Lehrer und interessierte wie nicht interessierte Bevölkerung und Gäste der Stadt mischten sich zu einem fröhlichen Miteinander. Das Zentrum des Miteinanders: die intensive künstlerische Begegnung von Künstlern wie Natalia Gutman, Ana Chumachenco und Wen-Sinn Yang, um nur wenige herauszugreifen, die sich liebevoll und engagiert um die Studierenden kümmerten und zusammen mit der Philharmonie als Solisten auftraten in einer künstlerischen Dichte, nach der man andernorts suchen muss. So wird „Provinz“ zum Ehrentitel. Wir, die Bad Reichenhaller Philharmonie, freuen uns auf die Fortsetzung 2014! Prof. Christoph Adt International Summer School 2013

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freude ALS BERUF 20 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013


Kindergartenkonzert 2013 BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE — 21


PHILHARMONISCHES KONZERT NO. 1

Uraufführung gepaart mit entspannender Symphonie Saisonauftakt der Reichenhaller Philharmonie voller Trümpfe begeistert Publikum Von Brigitte Janoschka BAD REICHENHALL - Das erste Konzert der Saison der Reichenhaller Philharmonie war vom Publikum freudig erwartet worden - das Kur­ gastzentrum war beinahe voll besetzt. Der beliebte Klangkörper Reichen­ halls war bestens disponiert, der Diri­ gent Prof. Christoph Adt strömte über von Musik - die musikalischen Schwingungen, die er aussandte, übertrugen sich auf die Orchestermusiker, die wieder einmal einen ausge­ sprochen schönen Klang erzeugten und gleichzeitig auf die Zuhörer, die so das Programm mit dem Thema „Entspannend" wirklich entspannt genießen konnten. Der temperamentvolle Dirigent ließ durch sein sorgfältiges und einfühlsa­ Einer derTrümpfe des Konzertabends war der Fagottist Dag Jensen (links). Aner­ mes Dirigat die Besucher die Musik kennenden Applaus gab es auch von Prof. Christoph Adt. Foto: Janoschka so gut verstehen, dass sie auch mo­ derne Musik als schön, interessant ter" teilhaben - die Kunst darf Lösun­ nahm zusammen mit dem Orchester und anhörenswert annahmen. Frei­ gen anbieten. Und so hießen die und seinem Kollegen Prof. Christoph lich waren nach dem Konzert auch Überschriften über den drei Noc­ Adt den äußerst verdienten Applaus kritische Stimmen zu hören - was turnes „Schatten ... Riss", „Am Ab­ der Zuhörer entgegen. Der zweite Trumpf des Abends war den Wohlfühlfaktor beim Anhören grund" und „Licht ... nach oben ... von Musik aus dem 21. Jahrhundert ins Freie", in denen eindeutig eine der norwegische Fagottist Dag Jen­ betrifft. Aber ist nicht allein schon die Entwicklung vom Dunkel zum Licht sen. Nach einer Professur an der Tatsache, einer Uraufführung bei­ zum Ausdruck kommt, und das ist ja Hochschule für Musik und Theater in wohnen zu dürfen, so ein erhebendes gerade ein Abbild unseres Lebenswe­ Hannöver ist er seit 2011 ebenfalls Gefühl, dass es sich lohnt, sich mit ges. Der Sinn des Lebens, ausge­ Professor an der Hochschule für Mu­ den - manchmal auch nicht dem Oh­ drückt mit musikalischen Schwin­ sik und Theater in München. Als So­ Treten wir aus der lofagottist bei vielen namhaften Or­ renschmaus zuzuordnenden - Impul­ gungen. sowie als Preisträger sen, die die neue Musik aussendet, Komfortzone des gewohnten Musik­ chestern auseinanderzusetzen? Muss Musik hörens heraus, lassen wir es zu, kom­ wichtiger Musikwettbewerbe nahm immer Ohrenschmaus sein? Ist die plizierte rhythmische Bewegungen, es nicht wunder, dass er das „Grand Lektüre moderne Literatur immer neue Harmonie-Cluster und eine ex­ Concerto" für Fagott und Orchester nur erholsam? Und die Malerei der pressive Klangsprache in uns aufzu­ des Komponisten Johann Nepomuk Moderne? Betrachten wir hier nur nehmen, lauschen wir den in uns auf­ Hummel (1778-1837) in einer Voll­ idyllische Landschaften? Setzen sich steigenden Bildern, hören wir der kommenheit darbot, die diesem Kon­ Filmregisseure nicht auch und beson­ Bad Reichenhaller Philharmonie mit zertabend eine seltene Note verlieh. ders mit Problematiken der heutigen anderen Ohren aufmerksam zu. Alles Instrument und Interpret waren voll­ entwickelt sich, so auch die Musik kommen eins, ebenso Interpret und Zeit auseinander? Dirigent und Interpret und Orchester und deren Rezeption. Wir leben im 21. Jahrhundert, Mu­ Die Musiker leisteten Großartiges - gemeinsames Empfinden der Musik sik der vergangenen Jahrhunderte ist traumhaft schön, aber heute ist die bei dieser Interpretation. Prof. Kay Und absolute Präzision auch in den Welt nicht mehr heil. Und das spie­ Westermann, der bei keinem Geringe­ kleinsten gemeinsamen Bewegungen gelt sich in der Kunst und muss sich ren als Wolfgang Rihm Komposition und musikalischen Linien. Elegant und graziös, lyrisch beseelt in ihr spiegeln. Aber - und daran studierte und seit 1990 als Professor konnten die Konzertbesucher im Kur­ für Gehörbildung, Musiktheorie und oder stilvoll dynamisch entwickelte gastzentrum bei Kay Westermanns Komposition an der Hochschule für Dag Jensen einen „Drive" in seiner Musik und Theater in München lehrt, Tongestaltung, der ihn mit Leichtig­ (*1958) „Drei Nocturnes für Orches­

22 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013

keit virtuoseste Partien des klassisch ausgewogenen und transparenten Werkes spielen ließ. Mit einer un­ glaublichen Atemtechnik und ohne irgendwelche erkennbare Anstren­ gung musizierte Jensen meist mit ge­ schlossenen Augen und schöpfte aus der Musik in sich, die er - innerlich singend - in einen himmlischen Klang auf seinem Instrument ver­ wandelte. In den drei Sätzen des Kon­ zerts in F-Dur, Allegro moderato, Romanza (Andantino e cantabile) und Rondo (Vivace), mit der Hauptka­ denz im 2. Satz und einer kürzeren im Rondo und seinen Variationen zog der Solist alle Register seines Kön­ nens. Er zeigte mit virtuoser Spiel­ freude das gesamte Ausdrucksspekt­ rum dessen, was auf dem Fagott an Gestaltung möglich ist. Mit Fußge­ trampel unterstützte das Publikum seinen begeisterten Applaus. Bei Ro­ bert Schumanns (1810-1856) Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, op. 97, mit dem Beina­ men „Rheinische", durften sich die Zuhörer weiterhin an absolut wun­ derschöner Musik erfreuen. Stand Hummel, einst Schüler bei Musikgrö­ ßen seiner Zeit wie W.A. Mozart, J.G. Albrechtsberger und A. Salieri, noch am Übergang zwischen Klassik und Romantik, so schwelgten das Orches­ ter und sein Dirigent nun in den wunderbaren Melodien der romanti­ schen Musik in den fünf Sätzen, von denen vier mit deutschen Tempobe­ zeichnungen überschrieben sind. Der 4. Satz jedoch soll eine „feierli­ che" Stimmung einfangen und klingt wie ein Choral. Schumann ist es wichtig, dass die „Musik aus der in­ neren Tiefe" des Komponisten kommt und als absolute Musik „ohne Über­ schrift und äußere Vermittlung" wirkt, dass also sowohl Komponist und Hörer allenfalls Stimmungen wiedergeben beziehungsweise auf­ nehmen. Dies ist der Reichenhaller Philharmonie im ersten Konzert der Saison bestens gelungen. Das Publi­ kum dankte mit Trampeln und Bra­ vorufen für dieses großartige Konzerterlebnis der Trümpfe.


PHILHARMONISCHES KONZERT NO. 2

Neue Musik aus alten Archiven Christoph Adt kombinierte im 2. Philharmonie-Konzert Beethoven mit Kraus und Reinecke Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Die großen klassischen Komponisten in der Auf­ führungspraxis mit Werken anderer Musikmeister zu kombinieren, ist ein löbliches Unterfangen, ermöglicht es doch einen erfrischten Höreindruck der so oft gespielten, vom Publikum immer wieder verlangten Lieblings­ stücke. Setzt man Uraufführungen zeitgenössischer Werke dazu in Kont­ rast, kann das eine spannende Sache sein, denn möglicherweise werden die Zuhörer Zeugen bei der Geburt eines Jahrhundertwerkes. Bei den unzähligen Zeitgenossen aus dem Umfeld der großen Meister des 17., 18. und 19. Jahrhunderts han­ delt es sich in den meisten Fällen um hochproduktive, geschickte Notenar­ rangeure, deren Werke sich jedoch als nicht kraftvoll genug erwiesen, auf Dauer aus dem Schlummer in den Archiven zu erwachen. Sie dennoch mal dem Staub der Jahrhunderte zu entreißen, lässt solchen Funden, wie hier im Fall von Joseph Martin Kraus, das Interesse von Zeitdokumenten angedeihen, die zudem, wie beim Flötenkonzert von Carl Reinecke, dankbares Virtuosenfutter verfügbar machen. Dirigent Christoph Adt und die philharmonischen Musiker ließen es beim zweiten Philarmonischen Konzert am Freitagabend eindrucks­ voll augen- und ohrenfällig werden, dass die Musik Beethovens die zeitlos kraftvolle ist, immer neu gegenwärtig und eindringlich. Selbst bei dessen 2. Symphonie, die im Schatten seiner großen Folgesymphonien drei bis neun steht. Nichtsdestotrotz zeigte Kraus 1783 komponierte dreisätzige

Sinfonie in c-Moll gefälliges Tönen, von Adt und den Musikern liebevoll zubereitet. Die langsame Einleitung klang sehr melancholisch gravitä­ tisch, fast wie eine sanfte Trauermu­ sik, die sich in eigenwilligem Stil for­ mierte und dann in große Bewegung überging, akzentuiert wie mit musi­ kalischen Seufzern durchsetzt. Die Violinen punkteten mit frischer Melo­ dieführung. Der Andantesatz knüpfte wieder an die langsame Einleitung an, war beruhigend wie ein stilles Wasser, das im Allegro das Schifflein auf munterem Wellenschlag ans si­ chere Ufer brachte. Kraus, knapp fünf Monate nach Mozart in Miltenberg geboren und zwölf Monate nach ihm gestorben, wurde auch der „schwedi­ sche Mozart" genannt, aufgrund sei­ ner Verdienste als Hofkapellmeister am schwedischen Königshof. Bemer­ kenswertes historisches Detail am Rande ist die Tatsache, dass Kraus im März 1792 beim Attentat auf den schwedischen König während eines Balles anwesend war, also hautnah jenen Königsmord miterlebte, den Giuseppe Verdi in seiner Oper „Ein Maskenball" musikalisch verewigte. Der Hamburger Carl Reinecke wur­ de zwar 1847 dänischer Hofpianist, aber seine prägende musikalische Le­ bensstation war Leipzig, wo er das Gewandhausorchester leitete. Sein Konzert für Flöte und Orches­ ter gab der Flötistin Andrea Lieber­ knecht wunderbare Gelegenheit, ihr virtuoses Können auf brillante Weise vorzuführen. Romantisch gefühlvoll zog die Flöte melodische Linien voll lyrischer Anmut, war aber auch um kein spieltechnisches Raffinement verlegen. Mit makellosem Ansatz

Andrea Lieberknecht imponierte mit brillanter Flötenkunst Foto: Aumiller reihte sie Trillerketten und „Ziergesang" auf hohem Niveau und stattete verspielte Flötenkunst mit ernsthaf­ ten Ausdrucksfarben aus. Adt und das Orchester gaben ihr feines Geleit, ließen der Flöte den Vortritt auf diffe­ renzierend untermalenden Orchester­ teppich. Lieberknecht ist jetzt Kolle­ gin Adts als Professorin an der Münchner Musikhochschule nach ei­ ner erfolgreichen internationalen Laufbahn als Solo-und Orchesterflö­ tistin. Und dann kam Beethoven zu Wort oder besser zu Klang. Und da wurde es kraftvoll. Schwungvoll und hoch­ motiviert setzte Adt seine imponie­ rende Körperkraft in volle Bewegung, um die Musiker zu ebensolcher anzuspornen. Und sie zogen mit, waren mit Verve und Spielqualität bei der Sache und verwöhnten das Ohr mit

sinfonischem Wohllaut, aufzeigend, dass Beethoven auch in seiner 2. Sin­ fonie schon der Gigant war. Adt und die Musiker zogen alle ihre Register, um auch in der hier nur etwas redu­ ziert möglichen Besetzung doch einen vollmundigen Orchesterklang zu er­ zeugen, was überzeugend gelang. Ob zarte Innigkeit und geheimnisvolle Unisonoeinheit, ob triumphales Auf­ brausen oder tänzerische Rhythmik, sich verflechtende Melodik oder schlichte Weise, ob gewaltig kraftvol­ les Toben oder kunstvoll jubelnder Ausklang, Dirigent und Musiker zeigten die Kraft und den Geist, den diese Musik auszeichnet und über andere erhebt, was gerade in der Konfrontation mit den zuvor gespiel­ ten Werken, dem Ohr auf erfrischen­ de Weise verstärkt zu Bewusstsein kam.

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MOZARTWOCHE 2013

Mozartwoche mit einem Fest der Stimmen eröffnet Gesangssolisten und Philharmonie entführen mit „Così fan tutte" in die Schule der Liebenden Von Werner Bauregger_________________

BAD REICHENHALL - Mit einem Feuerwerk an Stimmen und einem bestens vorbereiteten Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie un­ ter Leitung von Prof. Christoph Adt eröffnete am Sonntagabend die dies­ jährige Mozartwoche im Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall. Eingebettet in ein minimalistisches, aber sehr wirkungsvolles Bühnenbild führte Dr. Wolfgang Lackner Regie und geleitete das Publikum in einer erklärenden, witzigen Moderation durch die beiden Akte der Oper „Così fan tutte", KV 588 von W.A. Mozart, nach einem Text von Lorenzo da Pon­ te. Mit unverbrauchten, frischen Stimmen, gepaart mit stimmiger Kör­ persprache schlüpften Magdalena Hinterdobler (Sopran) in die Rolle der Fiordiligi, Dorothea Spilger (Mez­ zosopran) in die der Dorabella, Guglielmo wurde von Ludwig Mit­ telhammer (Bariton), Ferrando von Moon Yung Oh (Tenor) und Don Alfonso von Carl Rumstadt (Bassbari­ ton) gesungen. Schließlich schlüpfte Danae Kontera (Sopran) in die Rolle der kessen Despina. Bereits im Programmheft hatte Prof. Christoph Adt die Verbindung Mozarts zu Bad Reichenhall heraus­ gestellt: Der Komponist war hier oft zu Gast, besichtigte die Gradierhäuser, spazierte auf den Gra­ dierwiesen und pflegte im Kaitlwirt in Karlstein zu logieren, wo er Teller­ fleisch und das Bier aus den kühlen Felsenkellern genoss. Als erster Komponist komponierte Mozart gesangsmelodische Harmoni­ en für Instrumente, brachte sozusa­ gen Instrumente zum „Singen". Così fan tutte, was so viel heißt wie „So machen es alle" (Frauen) oder „Die Schule der Liebenden" ist eine Oper in zwei Akten. Mozart begann mit der Komposition im Herbst des Jah­ res 1789. Uraufgeführt wurde die Oper am 26. Januar 1790 im Wiener Burgtheater. Prof. Christoph Adt schaffte es, nach der Begrüßung der Gäste durch Kurdirektorin Gabriella Squarra, in 80 Sekunden den Inhalt der Oper in Kurzform zu kommunizieren. Die Handlung spielt demnach am Hofe des Fürsten Alfonso d'Este von Ferra-

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Das Ensemble leistete vollen Körpereinsatz (von links): Carl Rumstadt, Danae Kontera, Magdalena Hinterdobler, Moon Yung Oh, Ludwig Mittelhammer und Dorothea Spilger. Fotos: Bauregger

ra. Don Alfonso bietet dort den bei­ den jugendlichen Hitzköpfen Ferran­ do und Guglielmo eine Wette an. Er will beweisen, dass „Keine Frau zur Treue fähig ist - schon gar nicht die eigene!" Die Männer sind zum Ge­ genbeweis bereit und täuschen den beiden Damen ihrer Herzen, den Schwestern Dorabella und Fiordiligi vor, auf Geheiß des Königs in den Krieg ziehen zu müssen. Verkleidet kehren sie zurück und machen der je­ weils anderen Geliebten den Hof. Die Damen weisen die Herren jedoch vor­ erst standhaft zurück. Erst die in Sa­ chen Treue sehr „liberalen" Ratschlä­ ge der kessen Dienerin Despina bringen die Prinzipien der Damen ins Wanken und liefern den Beweis: „Così fan tutte - So machen es alle." Bereits bei der lieblichen Overtüre zur Oper präsentierte sich das Or­ chester sehr gut vorbereitet, hervorra­ gend eingestimmt, präsent, harmo­ nisch und in prickelnder Spiellaune. Die Orchestermusiker verstanden es während des Konzertabends exzel­ lent, die Gesangssolisten unaufdring­ lich und einfühlsam zu begleiten und ihnen so eine tragfähige Basis für ihre Gesangspartien zu bieten. Beste Vor­ aussetzungen, um „die entfesselte Dynamik des Eros im Brennspiegel der Musik" zu transportieren, kom­ mentiert und konterkariert von Mo­ zarts großartiger Musik. In der Ge­ sangsrolle der Fiordiligi überzeugte

Magdalena Hinterdobler, die als So­ listin mit dem Münchner Kammeror­ chester und den Nürnberger Philhar­ monikern arbeitet, mit ihrer kräftigen, über die ganze Stimmlage ausgewo­ genen, fesselnden Sopranstimme, die insbesondere im Rondo des 2. Aktes brillant aufblitzte. Die stimmlichen Stärken der Mezzosopranistin Doro­ thea Spilger als Dorabella, seit 2009 Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung und 2012 Preisträgerin des Wett­ bewerbs Kammeroper Schloss Rheinsberg, zeigten sich auch eher im höheren Timbre, was ausdrucksstark in den Duetten mit Fiordiligi und Fer­ rando zur Geltung kamen. Bariton Ludwig Mittelhammer, zweimaliger Bundespreisträger bei „Jugend musiziert" in der Kategorie Duo-Kunstlied und Gesang Solo, fühlte sich in der Rolle des Guglielmo hörbar wohl. Moon Yung Oh überzeugt mit sei­ ner aussagekräftigen, ausgewogenen Tenorstimme in der Rolle des Ferran­ do sowohl als Solist wie besonders in den Duetten mit seiner Fiordiligi. 2000 bis 2006 studierte er Gesang an der Seoul Theologie Universität. Von 2007 bis 2010 setzte er sein Gesangs­ studium in München an der Hoch­ schule für Musik und Theater bei Prof. Frieder Lang fort. Ein besonde­ res Klangerlebnis, gepaart mit spritzi­ gem, schauspielerischem Pfiff und Charme und Verwandlungstalent, be­

scherte dem Publikum die Sopranis­ tin Danae Kontera als kess auftreten­ de Despina. Seit Oktober 2011 studiert sie Musiktheater und Konzertgesang in München. Das Gesangs-Sextett komplettierte an diesem Abend der Bassbariton Carl Rumstadt, der den intriganten Don Alfonso, mit seiner markant tiefen Stimme, überzeugend zu spielen verstand. Rumstadt hat auf der Opernbühne bereits den Sarastro und Dr. Bartolo (Mozart), Tarabotto (Rossini) und den Vater in Humperdincks Hänsel und Gretel verkörpert. Moderator Dr. Wolfgang Lackner ist kein Unbekannter: Er führte 2003 Regie bei Orffs „Carmina Burana" zur 1.000-Jahr-Feier Wolfratshausens unter der Leitung von Christoph Adt und entwarf das Bühnenbild. Dass das gesamte Ensemble es her­ vorragend verstanden, das Flair der Mozartoper auszudrücken, bestätigte ihnen das Publikum immer wieder mit spontanem Zwischenapplaus und einer rauschenden, begeisterten Ovation am Schluss der Aufführung. Der Abend machte auf alle Fälle „Lust auf noch mehr Mozart".

Dorothea Spilger als Dorobella über­ zeugte mit ihrer stimmlichen Stärke und Moderator Dr. Wolfgang Lackner mit seinem Humor.


MOZARTWOCHE 2013

Meisterstücke des „singenden Mozart" Arie, Klavierkonzert und Serenade mit markanten gesanglichen Elementen in der Instrumentierung Von Werner Bauregger

BAD REICHENHALL - Mit der Feststellung „Mozart singt eigentlich immer" eröffnete der Dirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie Prof. Christoph Adt den zweiten Konzertabend der Mozartwoche im Königli­ chen Kurhaus Bad Reichenhall. Um dies klanglich erlebbar zu machen, standen an diesem Abend die prachtvolle Buffo­ Arie „Rivolgete" des Guglielmo aus der ursprünglichen Fassung der Oper „Così fan tutte" auf dem Programm wie auch eines der vollendetsten Klavierkonzerte Mozarts, das Konzert für Klavier und Or­ chester Nr. 23, A-Dur, KV 488, gekrönt von Mozarts erstem Meisterstück für großes Or­ chester, der Haffner-Serenade, KV 250. Der junge Bariton Ludwig Mittelhammer, zweimaliger Bundespreisträger bei „Jugend musiziert" und Stipendiat des „Yehudi Menuhin - Live Music Now", brachte als erster Solist des Konzertabends die Buffo­ Arie „Rivolgete" des Guglielmo zu Gehör. Eine prachtvolle Arie, die leider später aus der Mozartoper „Così fan tutte" gestrichen worden war. Lud­

wig Mittelhammer ist ein jun­ ges Talent mit viel Potenzial im Stimmvolumen. Die Möglich­ keiten des Ausdrucks über die Körpersprache hat er an diesem Abend noch nicht ausge­ schöpft. Welche mitreißenden Möglichkeiten es gerade über diese emotionale Ausdrucks­ form gibt, demonstrierte der nächste Solist am SteinwayFlügel, Markus Bellheim, beim 23. Klavierkonzert Mozarts, KV 488. Bellheim leitet eine Kla­ vierklasse an der Hochschule für Musik Würzburg, ist seit 2011 Professor für Klavier an der Musikhochschule München und gibt regelmäßig Meister­ kurse im In- und Ausland. Mar­ kus Bellheim spielte mehrmals das Gesamtwerk für Klavier solo von Olivier Messiaen. Mit dem bedeutendsten Werk Messiaens für Soloklavier und Or­ chester, der Turangalila-Symphonie, tritt er weltweit auf. Mozarts 23. Klavierkonzert, das durch die Akzentuierung der Klarinetten besonders sanglich wirkt und zu den gro­ ßen Wiener Konzerten gehört, wurde am 2. März 1786 fertig­ gestellt. Das heute sehr be­ kannte Werk entstand parallel zur Arbeit an der Oper „Hoch­ zeit des Figaro". In einem ex­

zellenten Zusammenspiel mit dem Orchester der Bad Rei­ chenhaller Philharmonie de­ monstriert Bellheim als Solist und im Kontext mit dem Or­ chester eine beeindruckende Leichtigkeit und Perfektion. Vom ersten Ton an ist er emoti­ onal mit dem Klangkörper ver­ bunden, streichelt förmlich die Tastatur, setzt mit energischen Einsätzen Kontrapunkte oder zaubert mit gefühlvollen und flinken Fingern scheinbar mü­ helos und brillant endlose Klangläufe in den Konzertsaal. Auch die Körpersprache signa­ lisiert eine emotionale Ver­ schmelzung mit der Partitur des Stückes, aber auch mit den Mitgliedern des Orchesters, zu denen er ständig Blickkontakt sucht und mit stimmigen Ges­ ten Melodieabläufe weiterleitet oder aufnimmt. Für den tosen­ den Beifall bedankt sich Mar­ kus Bellheim mit einer virtuo­ sen Zugabe, der Toccatina, op. 39-3 von Nikolai Kapustin. Einen weiteren Glanzpunkt fügt das Orchester dem Kon­ zert mit der Haffner-Serenade KV 250 hinzu. Als Violinsolistin brilliert hier die Konzert­ meisterin der Philharmonie Yen Zhang. Die Haffner-Sere­ nade ist Mozarts erstes Meis-

Die Bad Reichenhaller Philharmonie bedankt sich beim Publikum, vorne die Konzertmeisterin und Violinsolistin Yen Zhang. Fotos: Bauregger

ln exzellentem Zusammenspiel mit dem Orchester demonstrierte Markus Beilheim eine beeindruckende Leichtigkeit und Perfektion am Flügel.

terstück für großes Orchester. Er schrieb sie 1776 für den Pol­ terabend des Salzburgers Franz Xaver Anton Späth und seine Braut Maria Elisabeth Haffner, der Tochter des Bürgermeisters Sigmund Haffner. Mit einem Paukenschlag und einem Blä­ sersoli beginnt der erste Satz des Konzertstückes in Allegro maestoso. Sehr harmonisch, mit ausgeprägter Dynamik und ausgewogenem Klangbild, bewegt sich das Orchester durch diesen ersten Satz, fein und engagiert geleitet von sei­ nem Dirigenten Christoph Adt. Mit einer abwärtsgerichteten Sequenz eröffnet Yen Zhang ihren Solopart im zweiten Satz Andante. Mit sehr viel Gefühl lässt sie den Bogen fein und nuanciert über die Saiten ihrer Violine gleiten, unterstützt durch eine dynamische Kör­ persprache. Mit Leichtigkeit entlockt sie ihrem Instrument Triller und schnelle Läufe in klarer Artikulation bis hinauf in die oberste Tonlage. Flink und engagiert geht sie dem Or-

chester auch im dritten Satz Rondo Allegro voran, verschmilzt mit diesem in einem wunderbaren Zusammenspiel oder brilliert in Solopassagen. Mühelos und spritzig folgt ihm der Klangkörper des Orchesters. Pauken und Bläser verleihen dem folgenden Menuet galante einen feierlich schreitenden Charakter. Der letzte Satz Adagio Allegro assai ist geprägt durch die starken Kontraste zwischen feinen Sequenzen der Streicher und mächtigen Einsätzen der Bläser sowie des gesamten Orchesters. Mit rauschendem Applaus bedankte sich das Publikum für einen Abend der besonderen Klasse mit nachhaltigem Klangerlebnis.

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MOZARTWOCHE 2013

Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün Mozartwoche mit genialen Früh-und Spätwerken des Komponisten auf Professoren-Niveau Von Elisabeth Aumiller____________________

BAD REICHENHALL Der Münchner Hochschulpräsident Sieg­ fried Mauser und sein Vize, der phil­ harmonische Chefdirigent Christoph Adt, gaben sich zusammen mit der Bad Reichenhaller Philharmonie ein flottes Stelldichein bei Mozarts Kla­ vierkonzert Nr. 27-B-Dur KV 595. Mauser ist ein rechter Tausendsas­ sa: Neben seinen Münchner Präsiden­ tenpflichten ist er Professor am Mo­ zarteum, ist Spezialist für neue Musik und Uraufführungen, ist als musik­ wissenschaftliche Koryphäe ein bril­ lanter Redner und geschätzter Buch­ autor und findet dazu noch Zeit, vielerorts als Konzertpianist aufzutre­ ten. Das flößt Ehrerbietung ein. Auf Mozarts letztes Klavierkonzert, zu Beginn seines Todesjahres 1791 kom­ poniert, war nun beim dritten Kon­ zert der Mozartwoche die Wahl gefal­ len in Gegenüberstellung mit der frühen Sinfonie des 18-Jährigen Nr. 29 A-Dur KV 201. Dieses letzte Mozart-Konzert für Klavier gilt nicht als eine Steigerung und Weiterentwicklung seiner großen Vorgängererfolge, sondern kann als eine Art Nachklang bezeichnet wer­ den. Es hat die Wirkung weise lä­ chelnder Nachdenklichkeit und Un­ beschwertheit. Es verlangt nicht die Zurschaustellung einer VirtuosenPranke, sondern atmet luftig leicht­ händigen Mozart-Spirit. Mit sanftem Einsatz gaben die Streicher das The­ ma vor, dem sich die Bläser mit kräfti­ gerer Farbe beimischten. In flotter

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Musikalisches Professorentreffen: Siegfried Mauser und Christoph Adt mit der Bad Reichenhaller Philharmonie. Fotos: Aumiller

Gangart entwickelte sich der Allegro­ satz. Siegfried Mauser ging den Kla­ vierpart mit herzhaft musikantischem Einsatz an, scheute nicht vor kraftvol­ len Momenten zurück und ging mit dem Klavier in bestimmende Füh­ rung. In der Kadenz zeigte er virtuo­ ses Zupacken. Das träumerische Lar­ ghetto verzichtet in der schlichten melodischen Linie auf große pianistische Effekte, umso mehr konnte Mau­ ser hier sein Stilempfinden und sein musikalisches Phrasieren einbringen. Man spürte, wie er sich von Takt zu Takt an der Musik erwärmte und sei­ ne Anteilnahme steigerte. Die aus­ drucksvoll getragenen Passagen wa­ ren Mauser spürbar mehr Herzensangelegenheit als die pianistischen Laufgeschwindigkeiten. Im Verein mit orchestralen Solopassagen entstand so in den sensiblen Momen­

ten und Moll-Modulationen ein fei­ nes Klingen. Im Finalsatz brachte Mauser mit fröhlicher Frische die Me­ lodik des anklingenden Liedthemas „Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün" als freundlichen Frühlingsboten in beschwingter Be­ weglichkeit. Auch hier wieder schöne Korrespondenz mit den Bläsern. Die Orchestermusiker begleiteten unter Adts Leitung nuanciert, zurückhal­ tend dem Klavier das Primat einräu­ mend, und zeigten sich im Klang sehr passend der Luftigkeit und Transpa­ renz des Werks verpflichtet. Zum Ereignis machte Mauser dann seine Solozugabe. Bei dem h-Moll Adagio von Mozart KV 540 schien Mauser ganz in seinem Element und voll innerer Beteiligung ließ er diesen wunderbaren Klaviersatz in ein­ drucksvoller Schönheit und Empfin­

dung aufblühen. Die modulationsrei­ che, manchmal bis an Dissonanzen reichende Harmonik ist ausdrucksin­ tensiv und pulsiert in geheimnisvol­ len Akkorden. In seiner melancholi­ schen Grundfarbe, die zwischen rezitativischen und kantablen Phra­ sen pendelt, weist dieses Klavierfrag­ ment seiner Zeit weit voraus. Mausers Wiedergabe ließ ein zeitloses Juwel eindringlich Klang werden. Melancholische Trauerfarbe weist Paminas wohlbekannte g-Moll- Arie „Ach ich fühl's" aus der „Zauberflö­ te" auf. Der Sopranistin Nam Young Kim war die schwierige Aufgabe zu­ gefallen den Abend mit diesem expo­ nierten Gesangsstück zu eröffnen, ei­ ne Aufgabe, die ihr klangvoller Sopran glänzend meisterte. Schade, dass man ihr kein zweites Stück ge­ gönnt hatte, was die Programmfolge durchaus vertragen hätte. Nach der Pause glänzten Adt und das Orchester mit der frühen MozartSymphonie, die in den Konzerttitel „Lebenswerke" als ein geniales Meis­ terstück des jungen Komponisten eingebunden war. In sparsamer Be­ setzung komplettieren nur die Oboen und Hörner die Streicher. Durch ihre vielfältigen Wiederholungen prägt sich die Musik eingängig ein. Die Musiker zeigten sich von ihrer besten Seite, brachten ausdrucksvolles Spiel, gute Klangbalance in qualitätsvoller Konzentration ohne Schwere. Es war ein lichtes Musizieren, charmant, freudig und im Finalsatz voll flotter brillierender Effekte. Mit herzlichem Applaus dankte das Publikum.


Abschied, tiefsinnige Empfindung und Unbeschwertheit Unterschiedliche Dramatik in Oper, Klavierkonzert und Sinfonie Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - „Drama­ tik" lautete die Themenvorgabe beim siebten Mozartwochenkonzert, Dra­ matik, die sich in den drei Programmnummem sehr unterschiedlich for­ mierte. In der Arie des Sesto „Parto, parto" aus „La Clemenza di Tito"verabschiedete sich Sesto in operndramatischer Trauer von seiner Geliebten Vitellia, um in zerrissener Gefühlsaufwallung schließlich deren Rachebegehren Genugtuung zu ver-

Wolfram Schmitt-Leonardy begeister­ te mit seinen souveränen pianistischen Qualitäten. Fotos: Aumiller

schaffen. Die Dramatik des d-MollKlavierkonzertes Nr. 20 KV 466 hatte ihre Zeichen schon im Vorfeld durch den Zeitdruck gesetzt, unter dem Mo­ zart dieses Werk komponiert hat und die innewohnende musikalische Dra­ matik findet in der dunkelglühenden Seelenlandschaft empfindsamen Aus­ druck. Dramatisch klingt auch die Entstehungsgeschichte der „Linzer Sinfonie". Die musste als Gebrauchs­ komposition in vier Tagen entstehen und wurde dabei zu einem strahlen­ den Werk guter Laune und tönender Schwerelosigkeit. Ein Gelegenheits­ werk, das Mozart zum bleibenden Opus in der Phalanx seiner bedeuten­ den Sinfonien machte. Die aus Landshut stammende Mez­ zosopranistin Dorothea Spilger, der­ zeit Studierende in der Gesangsklasse von Fenna Kügel-Seifried an der Münchner Musikhochschule, legte vitalen Ausdruck in Sestos leiden­ schaftliche Gefühlskonflikte, zeigte ihre schönste Stimmfarbe in den Pia­ nopassagen und meisterte virtuos die halsbrecherischen Triolensequenzen im rasanten Dahineilen. Im Wettstreit mit der Sängerin ließ Karin Nagel-Ulsamer Klarinettenwohllaut zum en­ gagierten Mitstreiter der Abschieds­ trauer und des anschließenden leidenschaftlichen Racheansinnens werden. Der Pianist Wolfram Schmitt-Leo­ nardy begeisterte die Zuhörer mit seiner Interpretation des d-Moll-Kon-

zertes. Das Klavier hat bei diesem Konzert streckenweise die alleinige Soloposition inne, übernimmt die ge­ heimnisvolle Anfangsthematik vom Orchester und gibt ein neues Thema solistisch vor, das dann wiederum vom Orchester übernommen wird. Der abwechselnde Einsatz von Kla­ vier und Orchester ergänzte sich aber auch zum schönen instrumentalen Verflechten. Schmitt-Leonardy wuss­ te hier eine sehr ausgewogene Mi­ schung aus kraftvollem pianistischem Gestalten und sensibel empfindsamer Mozart-Eleganz einzubringen. Sehr souverän verband er die tech­ nische Perfektion virtuoser Geläufig­ keit mit ausdrucksstarker Phrasie­ rung und einfühlsam schlichter Melodieführung. Die feine Melancho­ lie dieses Werkes, die inhärent vibrie­ rende Dramatik großer Gefühlstiefen, die in der Romanze des Mittelsatzes die Ruhe abgeklärter Gelassenheit ausstrahlt, wurde hier auf das Schönste den Zuhörern in berühren­ der Weise nahegebracht. Adt und die Orchestermusiker waren aufmerk­ sam klangsensibel agierende Partner. Zarte Streichertönungen angereichert mit blitzenden Bläsermelodien konn­ ten sie im Gegenzug zu markanter Rhythmik und nerviger Dramatik aufschwingen. Mit Pauken und Trompeten machte dann die Linzer Symphonie unüber­ hörbar auf sich aufmerksam. Es war ein flottes Tönen und Geigen, ein

Holzbläsern und Blechschmettern, aber alles homogen miteinander ab­ gestimmt, in forscher Rhythmik mit markanten Akzenten. Ein einheitliches Klangbild ließ die Musik in dynamischem Fließen zum fröhlichen Instrumentensingen wer­ den, dessen Pulsieren anregend wirk­ te. Das tänzelnde Menuett verfehlte nicht die Wirkung einer Aufforde­ rung zum geistigen Mittanzen. Freu­ de beim Publikum über einen ein­ drucksvoll gelungenen Konzert­ abend.

Die Mezzosopranistin Dorothea Spilger mit engagiertem Einsatz für Sestos emotionale Zerrissenheit.

Rarität als Mozartwochenfestlichkeit Salzburger Domchor und Philharmonie mit Gattis Requiem und Mozarts Krönungsmesse Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Im ersten Teil des traditionellen geistlichen Konzerts der Mozartwoche boten Domkapellmeister János Czifra am Pult der Bad Reichenhaller Philhar­ monie und der Salzburger Domchor heuer eine Rarität: Luigi Gattis Requi­ em C-Dur, das anlässlich des 200. To­ destages von Fürsterzbischof Colloredo 2012 aus den Archiven ans Licht geholt wurde. Colloredo hatte es einst für seinen verstorbenen Leibarzt in Auftrag gegeben, und dann kam es zu seinem eigenen Tod ein zweites Mal zu Ehren. Mit Hilfe der Edition von Peter Gatty machte jetzt János Czifra dieses erstaunliche Werk zur erfreulichen Wiederentdeckung und Konzerterbauung. Die Zuhörer lernten ein lyrisches Gewebe von großer Dichte und teil­ weise dramatischem Zuschnitt ken­ nen. Die sich ineinander verflechten­ den Themen zeigten sich mit elegant aufbereiteter farbiger Instrumentie­ rung in fein gearbeiteter Polyphonie und angereichert mit einem Hauch italienischer Klangfärbung. Die Sän­ ger des Domchors setzten den präch­ tigen Chorsatz in eindrucksvolles Klingen um. Das „Dies Irae" hallte voll düsterer Wucht mit den bedroh­ lich von der Empore schmetternden Trompeten und grollend mahnenden Paukenschlägen. Vier Naturtrompe­ ten bliesen dort oben, unterstützt von der großen Trommel, zum Jüngsten Gericht, das im Konzertsaal mehr schaurig-schönes Hörvergnügen als furchterregende Apokalypse war. Aber zweifellos ließ sich diese Musik als ein früher Vorbote für das große Verdi-Requiem erspüren. Das Solis­

Applausregen für alle Mitwirkenden (von links): Konzertmeisterin Yan Zhang, Geiger Fred Ulrich, Dirigent János Czifra, Bass David Steffens, Tenor Bernd Lambauer, Bratscher Thorsten Köpcke, Altistin Bernadette Furch, Sopran Susanne Vier­ linger und die Cellisten Barbara Eger und Roman Senicky. Foto:Aumiller tenquartett war exzellent besetzt mit Susanne Vierlinger, Bernadette Furch, Bernd Lambauer und David Steffens. Hier war ein Mozart-Zeitgenosse ent­ staubt worden, dessen Werk sich als reizvolle Repertoirebereicherung er­ wies. Die dem Ohr vertrautere Krö­ nungsmesse von Mozart KV 317, ebenfalls in C-Dur, war nach der Pau­ se Steigerung und Krönung des Kon­ zerterlebnisses. Auch hier bildeten die Solisten ein ausgeglichenes Quar­ tett. Susanne Vierlinger strahlte mit lichtem Sopran und ließ die Töne wie ein frischer Quell perlen. Mit schlich­ ter Innigkeit vorgetragen, machte sie das berühmte „Agnus Dei", dessen erste Takte an die große Arie der Grä­ fin aus dem „Figaro" erinnern, zu ei­ nem besonderen Glanzpunkt. Berna­

dette Furchs Alt setzte dem Ensemble weich grundierende Farbtupfer dazu, Bernd Lambauer integrierte seinen hellen Tenor in den Gesamtklang und David Steffens punktete mit sonorem Timbre und profunder Bassqualität. Auch der Chor engagierte sich wie­ der mit differenzierendem Klangvo­ lumen und intensivierte die musikali­ sche Aussage. Mächtig kam das Credo, nur kurz beschwichtigt vom zarten „Et incarnatus est" der Soli, dem ein majestätisches „Sanctus" folgte. Im abschließenden „Dona nobis pacem" nahm die Sopranistin wieder die Solomelodie des Kyrie auf und schloss den Kreis zum friedvol­ len Ende. Souverän und umsichtig präsent leitete Czifra den fülligen Klangappa­ rat. Die Musiker fanden zu stimmi­

gem Musizieren, klangschön ausge­ wogen und animiert bei der Sache. Die Mozartmesse kommt ohne Brat­ schen aus, dennoch gab das Orchester den Sängern fundierten Unterbau, aus dem auch instrumentale Qualitä­ ten an die Oberfläche blitzten. Insgesamt zeichnete dieses Konzert ein vitales Miteinander aller Beteilig­ ten aus, das den Zuhörern Freude be­ reitete und die beiden liturgisch­ geistlichen Werke in schönes Licht rückte. Sie gehörten dem Bereich der sogenannten „Gebrauchsmusik" je­ ner Zeit an, wurden also für einen be­ stimmten Anlass komponiert und eingesetzt. Im Fall Mozart sind auch seine Gebrauchsmusiken inzwischen alle zum festen und hochgeschätzten Kirchen- oder Konzert-Repertoire ge­ worden.

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MOZARTWOCHE 2013

Pianist Adrian Oetiker bringt Mozart zum Singen Mit virtuoser Geläufigkeit den großen Meister hervorragend interpretiert Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - „Mozart singt immer. Das wollen wir pro­ grammatisch aufzeigen", sagte Chris­ toph Adt zum Beginn des sechsten Konzertes, das den Titel „Gipfelwer­ ke" trug. Der singende Mozart ist quasi der rote Faden der acht Konzer­ te der diesjährigen Mozartwoche. Vo­ kal durfte Mozart zum Auftakt gera­ de mal gute fünf Minuten singen in Gestalt der Sopranistin Dorothee Koch mit der Arie der Vitellia aus „La clemenza di Tito". Im Zentrum des Abends hingegen brillierte der Schweizer Pianist Adri­ an Oetiker mit veritablem Klaviersin­ gen umso eindrücklicher. Oetiker ist seit 2011 Klavierprofessor an der Münchner Hochschule. Adt bezeichnete in seinen einführenden Worten das Konzert für Klavier und Orches­ ter Nr.19 F-Dur KV 459 als reifes mitt­ leres Werk des 28-jährigen Mozart, das letzte der im Jahr 1784 entstande­ nen sechs Klavierkonzerte. Es ist ein fröhliches Konzert in beschwingter Beweglichkeit, das nur als Farbschat­ tierung zwischendurch kurz nach Moll moduliert. Mozart hat den Kla­ vierpart reich verziert mit geschwin-

Dorothee Kochs Stimme konnte bei der Vitellia-Arie nicht überzeugen.

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Der Schweizer Pianist Adrian Oetiker, Professor an der Münchner Hochschule, und die Bad Reichenhaller Philharmonikei erhielten vom Publikum verdienten Applaus. Fotos: Aumiller

der Tastenkunst ausgestattet und auch den Orchesterpart thematisch vielgestaltig angelegt. Der Pianist hat mit der variations­ reichen, melodischen Fülle buchstäb­ lich alle Hände voll zu tun. Adrian Oetiker hatte dafür einen locker leich­ ten Zugang und spielte mit präzisem Anschlag und singender Eleganz. Er beeindruckte mit virtuos fließender Geläufigkeit und überzeugte mit fein tarierter Mozartinterpretation. Adt sorgte für eine flotte Tempovorgabe. Die heiteren Wechselbälle zwischen Klavier und Orchester, vornehmlich mit den Bläsern, zeigten gute Über­ einstimmung zwischen Dirigent, Musikern und Solist und ergaben ein rundes Ganzes. Der Anspruch „Mo­ zart singt" kam hier sehr schön zum Ausdruck. Nicht frei von Problemen war da­ gegen Dorothee Kochs Vitellia-Arie „Deh se piacer mi vuoi". Koch stu­ diert im Aufbaustudium an der Münchner Hochschule für Musik und Theater in der Gesangsklasse von Fenna Kügel-Seifried. Die Sängerin hat zweifellos eine elegante Bühnen­ präsenz und ihre Stimme eine aufblü­

hende Höhe. Darin liegt ihre Stärke. Aber bei jeder neuen Begegnung drängt sich der Gedanke auf, dass sie falsches Repertoire singt. Ihre schwa­ che Mittellage ohne Kern und Sub­ stanz und der abrupte Einsatz der Bruststimme in der tieferen Lage wei­ sen sie als hohen Sopran für spezielle Aufgaben aus. Eine deutlichere Arti­ kulation könnte vielleicht helfen, mehr Fokus in die klangarme Lage zu bringen. Jedenfalls konnte diese Stim­ me als Vitellia nicht überzeugen und dürfte so mit dieser Art Partien in ei­ nem Operntheater wohl schwerlich reüssieren. Es ist wenig verständlich, warum sie eine Arie zu singen hatte, die sich überwiegend in der mittleren und tieferen Tessitura bewegt und nur ei­ nen einzigen, mäßig hohen Spitzen­ ton aufweist. Der Aufstieg in die Hö­ he geriet am Besten und zeigte ihren stimmlichen Vorzug, während in der Talsohle so mancher Ansatz zu schwankender Tongebung alarmie­ rend wirkte. Freude pur gab es dann nach der, Pause bei der Es-Dur-Sinfonie Nr. 39 KV 543, der ersten der großen letzten

Trias. Heiter-festliche Stimmung durchzieht die Musik als Grundstimmung, die aber auch so manch tiefsinnig dunklere Momente und kleine Dissonanzreibungen nicht ausschließt. Adt nahm recht zügige Tempi nach dem geheimnisvollen Adagio-Einstieg und heizte auch das Final-Allegro imponierend auf. Dazwischen beruhigte das Andante con moto die schillernde Bewegtheit. Das Menuett war mehr bedeutsames Klingen als unbekümmertes Tanzen. Die Bläser sorgten für die Feierlichkeit der Klangfarben und die Violinen setzten rhythmisch prägnante Kontrastierung, von Pizzicati-Tupfern und solider Grundierung der tiefen Streicher garniert und unterbaut. Melodischer Reichtum und kontrastreich zubereitete Themenvielfat gaben dem Ohr eingängiges Futter in fülliger Wärme. Die Musiker befanden sich bei dieser Sinfonie auf „vertrautem Boden" und übermittelten Adts Anfeuerungen zu prickelnden Tempi folgend, den Zuhörern ein ansprechendes sinfonisches Erlebnis in schöner Mozartkultur.


MOZARTWOCHE 2013

Krönender Abschluss der Mozartwoche „Opus summum" in einer festlichen Matinee Von Brigitte Janoschka_________________

BAD REICHENHALL - Es gibt vie­ le Möglichkeiten, das Phänomen Wolfgang Amadeus Mozart in Szene zu setzen. Und so ist es immer wieder interessant, wie es der Reichenhaller Philharmonie unter ihrem Chefdiri­ genten Prof. Christoph Adt auf ab­ wechslungsreiche Art gelingt, die Werke dieses unsterblichen Genius unter einem neuen Blickwinkel zu präsentieren. Auch in diesem Jahr wurden wieder alle Sinne der Besu­ cher bedient, indem durch die Schaf­ fung einer besonderen Atmosphäre im Eingangsbereich des Königlichen Kurhauses neben dem Ohr vorweg auch das Auge und der Geschmacks­ sinn verwöhnt wurden. Der für das Ohr und damit für die Seele bestimmte Teil war das „Opus summum". Es beinhaltete ein Adagio und die Fuge aus der „Freimaurer­ musik" in c-Moll KV 546 und die „Ju­ pitersinfonie", Mozarts letzte, KV 551, die die Motette „Exsultate, Jubi­ late" KV 165, bei deren Komposition Mozart noch keine 17 Jahre alt war, umrahmten. Dennoch ist auch diese Motette bereits ebenso „Opus sum­ mum" - sublime Kunst -, was durch die direkte Gegenüberstellung beson­ ders deutlich wurde. Die Musiker der Bad Reichenhaller Philharmonie begannen die „Frei­ maurermusik" mit einem Adagio, das von fein herausgearbeiteten Gegen­ sätzen in der Dynamik und einem ungeheuren Spannungsaufbau lebte. Die anschließende vollkommen durchstrukturierte Fuge arbeitet rhythmisch mit Freimaurersignalen und starker Tonartensymbolik. Jede Instrumentengruppe fing ihr jeweili­ ges Thema akzentuiert an und ließ dabei das Bild einer marschierenden Prozession aufblitzen. Jeder Komponist muss auf seine Weise verstanden und musiziert wer­ den, damit seine musikalische Bot­ schaft ankommt. Besonders aber gilt dies für Mozart. Bei aller Dramatik in seinen sinfonischen Werken sind es doch Leichtigkeit und Transparenz, die überwiegen. Das Singende und Tänzerische prägen die Musik Mo­ zarts. Deutlich wird dies besonders in einem der schönsten vokalen Kon­ zertstücke, in dem die Stimme als Ins­ trument eines Solokonzerts hervor­ treten darf. In der Motette für

Magdalena Hinterdobler riss mit ihrem „Exsultate" von Mozart die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin. Hier freut sie sich über den verdienten Applaus. Foto: Janoschka

Solosopran, Streicher und Orgel „Ex­ sultate, Jubilate" singt Mozart jedoch nicht nur, er jubiliert. In dieser Mati­ nee durch den Gesang der bühnener­ fahrenen Sopranistin Magdalena Hinterdobler. Ihre außerordentliche Darbietung ließ Musik und Inhalt des „Exsultate" verschmelzen. So ließ sie alle Zuhörer an Mozarts und ihrem eigenen Jubel teilhaben. Bereits mit dem Anfang der ersten Arie, dem „Exsultate", war klar, dass diese Motette nicht nur für den litur­ gischen Ablauf eines Gottesdienstes gedacht sein konnte: Die Sopranistin wollte dieses Werk auf mehreren Ebe­ nen verstanden wissen. Nicht nur auf der Geistlichen, sondern mindestens auch auf der Menschlichen. Sie sang von Jubel und Freude im Hier und Jetzt. Damit steht sie vollkommen im Einklang mit der gängigen Sekundär­ literatur, in der von einer „opernmäßigen", „nicht kirchlichen Motette" die Rede ist. Besonders der Inhalt des Rezitativs mit seiner Anspielung an einen „lo­ cus amoenus", einen „lieblichen Ort", („Fulget amica dies" - „Es strahlt ein freundlicher Tag") untermauert das Vorhandensein mehrerer Bedeu­ tungsschichten, auch wenn die dritte Arie („Tu virginum corona") wieder­ um einem Bittgebet um Frieden und Trost gleichkommt. Hinterdobler sang mitreißend schön, strahlend, war vollkommen eins mit der Musik. Die höchst virtuo­

sen Koloraturen, die nur auf einen langen Atem zu singen sind, perlten mit Leichtigkeit und Anmut zu den tänzerischen Begleitpassagen des Or­ chesters, das einfühlsam durch Be­ zirkskantor Matthias Roth an der Or­ gel ergänzt wurde. Die absolute Steigerung war das Halleluja am En­ de der zweiten Arie „Tu virginum co­ rona" - ein „Opus summum" höchs­ ten Grades - die Zuhörer jubelten innerlich mit, bevor sie ihrem Jubel laut und mit allen ihnen zur Verfü­ gung stehenden Mitteln Ausdruck verliehen.

Das dritte Werk des „Opus sum­ mum", die „Jupitersinfonie", reihte sich allein schon aufgrund der Na­ mensgebung ein in den Olymp der Ohrenfreuden. Aber auch durch Mo­ zarts durchgeistigte Gestaltung der Materie stellt sie den Höhepunkt der klassischen Symphonik vor Beetho­ ven dar und ist eine Synthese zwi­ schen klassischer und barocker Kom­ positionsweise. Der 4. Satz, bestehend aus fünf mu­ sikalischen Gedanken, findet seine Krönung in der Coda. Sämtliche The­ men erklingen hier gleichzeitig. Gera­ de in diesem Satz vollzieht sich bruchlos die Vereinigung von Fuge und Sonate, von barockem und klas­ sischem Geist. Durch das transparen­ te kammermusikalische Musizieren wenn etwa die einzelnen Register in den Instrumenten so präzise artiku­ lieren, dass sie wie ein einziges er­

klingen -, durch die dynamische Vor­ bereitung von Übergängen und den Aufbau von spannenden musikali­ schen Bögen - was durch das wohl durchdachte Dirigat Christoph Adts auch für das Auge nachvollziehbar wurde -, durch die natürliche Leich­ tigkeit und Verspieltheit in der Inter­ pretation wurde dem Publikum ein Werk nahegebracht, das wahrhaft das Höchste in dieser Matinee und eines Götternamens würdig war. Als Zugabe erklang „Die kleine Lachmusik" des Zeitgenossen Wolf­ gang Schröder, in der er den vierten Satz der „Kleinen Nachtmusik" paro­ dierend und harmonisch passend mit anderen Kompositionen erweitert hat. Schmunzelnd führten die Or­ chestermusiker Mozarts Erkennungs­ melodie mit Passagen aus „La donna è mobile" aus Giuseppe Verdis „Rigoletto", mit „Ich bin klug und weise", aus Albert Lortzings „Zar und Zim­ mermann", mit einigen Takten aus der Bauernhochzeit aus der „Mol­ dau" von Bedrich Smetana und den typischen Rhythmen aus Gioachino Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell" sehr zur Freude des Publikums wei­ ter. Mit einem Augenzwinkern an ih­ ren Meister Mozart verabschiedeten sich so die Musiker der Bad Reichen­ haller Philharmonie unter ihrem Diri­ genten Professor Christoph Adt von einem Publikum, das sich mit wahren Begeisterungsstürmen bedankte.

BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE — 29


Krönender Abschluss der Mozartwoche

„Opus summum" in einer festlichen Matinee der Bad Reichenhaller Philharmonie - „Vollkommen eins mit der Musik" B a d R e i c h e n h a l l . E s gibt viele Aspekte, wie das Phänomen Wolfgang Amadeus Mozart in Szene gesetzt werden kann. Und so ist es immer wieder interessant, wie es der Reichenhaller Philhar­ monie unter dem Chefdirigenten Professor Christoph Adt auf ab­ wechslungsreiche Art gelingt, die Werke dieses unsterblichen Geni­ us unter einem neuen Blickwinkel zu präsentieren.

In diesem Jahr wurden wieder alle Sinne der Besucher bedient, indem durch die Schaffung einer besonderen Atmosphäre im Ein­ gangsbereich außer dem Ohr vorweg auch das Auge und der Geschmackssinn verwöhnt wur­ den. Der für das Ohr und damit für die Seele bestimmte Teil mit dem Titel „Opus summum“ den höchsten Werk - beinhaltete das „Adagio“ und die Fuge in c-Moll, KV 546, mit dem Namen Freimaurermusik und die „Jupi­ ter-Sinfonie, KV 551, zwei Spätwerke, die die Motette „Ex­ sultate, Jubilate“, KV 165, bei deren Komposition Mozart noch keine 17 Jahre alt war, umrahm­ ten, die jedoch, was durch die Gegenüberstellung besonders deutlich wurde, bereits ebenso „Opus summum“ - sublime Kunst - ist. Die Musiker der Bad Reichen­ haller Philharmonie begannen die Freimaurermusik mit einem „Adagio“, das von fein heraus­ gearbeiteten Gegensätzen in der Dynamik und einem ungeheu­ ren Spannungsaufbau lebt. Die anschließende, vollkommen durchstrukturierte Fuge arbeitet rhythmisch mit Freimaurersi­ gnalen und starker Tonarten­ symbolik. Jede Instrumenten­

gruppe fing ihr jeweiliges The­ ma akzentuiert an und ließ da­ bei das Bild einer marschieren­ den Prozession aufblitzen. Jeder Komponist muss auf seine Weise verstanden und mu­ siziert werden, damit seine mu­ sikalische Botschaft ankommt. Besonders aber gilt dies für Mo­ zart. Bei aller Dramatik in sei­ nen sinfonischen Werken, über­ wiegen doch Leichtigkeit und Transparenz, prägen das Sin­ gende und Tänzerische die Mu­ sik. Deutlich wird dies besonders in einem der schönsten vokalen Konzertstücke, in dem die Stim­ me als Instrument eines Solo­ konzerts hervortreten darf. In der Motette für Solosopran, Streicher und Orgel „Exsultate, Jubilate“ singt Mozart jedoch

Jubel und Freude im Hier und Jetzt nicht nur, er jubiliert - und zwar in dieser Matinee durch den Ge­ sang der bühnenerfahrenen So­ pranistin Magdalena Hinterdobler. Ihre außerordentliche Dar­ bietung ließ Musik und Inhalt des „Exsultate“ verschmelzen, und sie ließ alle Zuhörer an Mo­

zarts und an ihrem eigenen Ju­ bel teilhaben. Bereits mit dem Anfang der ersten Arie („Exsultate“) war klar, dass diese Motette nicht nur für den liturgischen Ablauf eines Gottesdienstes gedacht sein konnte: Die Sopranistin wollte dieses Werk auf mehreren Ebenen verstanden wissen, nicht nur auf der geistlichen, sondern mindestens auch auf der menschlichen. Sie sang von Ju­ bel und Freude im Hier und Jetzt. Damit steht sie im Ein­ klang mit der gängigen Sekun­ därliteratur, in der von einer „opernmäßigen Motette“ die Rede ist und davon, dass sie „nicht kirchlich ist“. Besonders der Inhalt des Re­ zitativs mit seiner Anspielung an einen „locus amoenus“, einen „lieblichen Ort“, („Fulget amica dies“ - „es strahlt ein freundli­ cher Tag“) untermauert das Vor­ handensein mehrerer Bedeu­ tungsschichten, auch wenn die dritte Arie (,,Tu virginum corona“) wiederum einem Bittgebet um Frieden und Trost gleich­ kommt. Hinterdobler sang mitreißend schön, strahlend, vollkommen eins mit der Musik. Die höchst virtuosen Koloraturen, die nur auf einen langen Atem zu singen sind, perlten mit Leichtigkeit und Anmut zu den tänzerischen Begleitpassagen des Orchesters, das einfühlsam durch Bezirks­ kantor Matthias Roth an der Orgel ergänzt wurde.

Die absolute Steigerung war das Halleluja am Ende der zweiten Arie („Tu virginum corona“) - ein „opus summum“ höchsten Grades - die Zuhörer jubelten innerlich mit, bevor sie ihrem Jubel laut und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Ausdruck verliehen. Das dritte Werk des „Opus summum“, die Jupitersinfonie, reihte sich allein schon auf Grund der Namensgebung ein in den Olymp der Ohrenfreuden. Aber auch durch Mozarts durchgeistigte Gestaltung der Materie stellt sie den Höhe­ punkt der klassischen Symphonik vor Beethoven dar und ist eine Synthese zwischen klassi­ scher und barocker Kompositi­ onsweise. Der vierte Satz, bestehend aus fünf musikalischen Gedanken, findet seine Krönung in der Coda, wo sämtliche Themen gleichzeitig erklingen. Gerade in diesem Satz vollzieht sich bruchlos die Vereinigung von Fuge und Sonate, von barockem und klassischem Geist. Durch das transparente kammermusi­ kalische Musizieren - wenn et­ wa die einzelnen Register in den Instrumenten so präzise artiku­ lieren, dass sie wie ein einziges Instrument erklingen - durch die dynamische Vorbereitung von Übergängen und den Auf­ bau von spannenden musikali­ schen Bögen - was durch das wohl - durchdachte Dirigat Christoph Adts auch für das

Auge nachvollziehbar wurde durch die natürliche Leichtig­ keit und Verspieltheit in der In­ terpretation wurde dem Publi­ kum ein Werk nahe gebracht, das wahrhaft „das Höchste“ in dieser Matinee und würdig eines Götternamens war.

„Die kleine Lachmusik" Als Zugabe erklang „Die klei­ ne Lachmusik“ des Zeitgenos­ sen Wolfgang Schröder, in der er den vierten Satz der kleinen Nachtmusik parodierend und harmonisch passend mit ande­ ren Kompositionen erweitert hat. Schmunzelnd führten die Orchestermusiker Mozarts „Er­ kennungsmelodie“ mit Passagen aus „La donna è mobile“ aus Giuseppe Verdis „Rigoletto“, mit „Ich bin klug und weise“, aus Albert Lortzings „Zar und Zim­ mermann“, mit einigen Takten aus der Bauernhochzeit aus der „Moldau“ von Friedrich Smetana und den typischen Rhythmen aus Gioachino Rossinis Ouver­ türe zu Wilhelm Tell sehr zur Freude des Publikums weiter. Mit einem Augenzwinkern an ihren Meister Mozart verab­ schiedeten sich so die Musiker der Bad Reichenhaller Philhar­ monie unter ihrem Dirigenten Professor Christoph Adt von ei­ nem Publikum, das sich mit wahren Begeisterungsstürmen bedankte. Brigitte Janoschka

„Zentralgestirne" am Orchesterhimmel Salzburger Bläsersolisten überzeugen mit ihrem Gastauftritt bei der Mozartwoche B a d R e i c h e n h a l l . Konzert, Sinfonie, Oper, Kirchensonate, Li­ tanei, Messe, Bläsersolisten - die Vielfalt der Reichenhaller Mozart­ woche scheint grenzenlos. Traditionell war am vierten Abend der Mozartwoche eine rare Besetzung zu hören: Die Salzburger Bläser­ solisten, ein Doppelquartett aus Oboe, Fagott, Horn und Klarinette. Entsprechend ausgefallen war auch die Werkliste: Das Bläseroktett von Josef Myslivecek, Mozarts c-moll Serenade KV 388 und als zentrales Werk Franz Schuberts Bläseroktett in F-Dur D 72.

Mysliveceks Werkliste ist schier unendlich: Zu seinen Kompositionen zählen Opern, Kantaten, Konzerte, Sinfonien und im reichen Schaffen der Kammermusik auch drei Bläser­ oktette. Die Nummer 1 dieser Oktette bildete den Auftakt der Salzburger Bläsersolisten bei ih­ rem Gastspiel in der Mozartwo­ che 2013. Der in Prag geborene und in ganz Europa geachtete Komponist, der mit Wolfgang Amadeus befreundet war, zeigt hier seinen souveränen Umgang mit dem Klangreichtum und der Individualität der Instrumente. Fein aufeinander abgestimmt

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zeigen sich die Bläser bereits zu Beginn in ihrer ganzen Musi­ zierlust. Ebenso bei der Sonate Nummer 12 von Wolfgang Ama­ deus. In der „Schicksalstonart“ c-moll sind die Charaktere der Instrumente intuitiv kombiniert, hier zeigt sich besonders das diesjährige Motto „Mozart singt“. Die Oboen fahren mit vollem Klang, Fagott und Horn kleiden das Ensemble in warme Töne, die Klarinette führt sinn­ lich durch fesselnde Melodien. Jetzt zeigt sich fein abgestimm­ tes Miteinander und ausgefeilte Dynamik, verbunden mit leben­ digem Musizieren, feinfühligem

Gestalten und kollegiale Ab­ stimmung. Auch bei Mozarts ein „Menuetto“: Von fast barocker Strenge und Durchführung wechselt es zu melodisch wie befreit wirkendem DreiviertelTakt. Im Schluss-Allegro weisen die Themen der dominierenden

„Weg zur Sinfonie" Oboe auf die zeitliche Nähe zur „Entführung aus dem Serail“ hin. Ein reiches Spektrum an opernhafter Theatralik, das traurige wie fröhliche Geschich­ ten eröffnet. Begeisternd die Fa­ gotte und die sicheren Hörner. Im Mittelpunkt stand Franz Schuberts Oktett in F-Dur, viel­ leicht das zentrale Werk der Bläseroktett-Literatur, ein wahrhaftes Zentralgestirn, wie der Titel des Abends lautete. Das fünfsätzige Werk steht stark unter dem Eindruck Beethovens.

Schubert schreibt dazu: „Über­ haupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen.“ Schuberts Weiterent­ wicklung von Beethovens Sep­ tett wird zu den wichtigsten Kammermusikwerken des 19. Jahrhunderts gerechnet. Gerade hier zeigen sich die Salzburger Bläsersolisten von ihrer besten Seite: Die fast orchestrale Kom­ position verträgt kein solistisches Vordrängen, sondern kann ihre Besonderheit nur im gleich­ berechtigten Miteinander vor­ stellen. So gelingt das Oktett als Zusammenspiel kollegialer Stimmen, behutsamen Austau­ sches und harmonischen Aufeinander-Hörens. Ob man das Motto des Abend „Zentralgestirne“ den Werken, den Musi­ kern oder beiden zurechnet - die Salzburger Bläsersolisten haben sich einmal mehr als wertvoller und fester Bestandteil der Mo­ zartwoche erwiesen.


ORATORIUM IN BAD FEILNBACH

„Apokalypse now" als Oratorium Joseph Eyblers „Die letzten vier Dinge" in Bad Feilnbach aufgeführt VON RA INER W. JA NKA

Die Posaunen verkünden das Jüngste Gericht, die Toten rufen aus der Gräbernacht, ein unheimliches Streicher-Tremolo begleitet die Auferstehung der Toten, die zu langsamen Streicherfiguren zum Tal Josaphat, ..des Schreckens Sitz", schreiten, begleitet von drei Erzengeln, der Donner rollt, wenn Jehova naht: komponierte Escha tologie, „Apokalypse now als Oratorium Es heißt „Die vier letzten Dinge", hat drei Abteilungen und illustriert musikalisch Tod. Jüngstes Gericht, Hölle beziehungsweise Himmel Komponiert ist es von Joseph Eybler (1765 bis 1846). Schüler von Mozart und freund Haydns und immerhin auch erster kk. Hofkapellmeister - ein Amt, das auch Mozart und Schubert angestrebt hatten, aber nicht bekamen. Mit diesem weithin unbekannten Oratorium feierte die Bad des Feilnbacher Chorwoche Bayerischen Sängerbundes ihr 50. Jubiläum in der Bad Feilnbacher Kirche. Diese Chorwoche ist eine bundesweit einmalige Einrichtung, über 500 Sänger und Dirigenten versammeln sich alljährlich in der Woche nach Ostern in Bad Feilnbach, um sich fortzubilden

Klängen des (nicht fehlerfreien) Solo-Cellos und der Solo Klarinette Gottes Güte Diese Güte besingen auch der Basssolist und die Sopranistin in einem stark Haydngeprägten Duett mit wohligen Hörnerklängen und auch als Adam und Eva in einem lieblich-lyrischen äußert sanglichen Duett, hier ihre Ursünde bedauernd. Unter der äußerst engagierten Leitung von Stefan Grünfelder musiziert die Bad Reichenhaller Philharmonie in den Streichern solide, in den Bläsern überzeugend. Der Chor ist klangstark, kompakt und durchschlags-kräftig, in den Fugen sehr transparent, er hat auch am Schluss noch Energie. Die drei Solisten deklamieren wortmächtig und artikulationsgenau: Der Bassist Thomas Ruf droht und donnert Mit großem Chor und der Bad Reichenhaller Philharmonie wurde Eyblers Oratorium in der Bad Feilnbacher Kirche prächtig, Isabella Stettner führt ihren klar-geraden Sopran geschickt aufgeführt. Foto: Janka in höchste Höhen, nur der Tenor zu hören ist es an Christi ln den Sinfonien findet Eybler und um bedeutende Chorwerke zu von Alfons Brandt klingt Himmelfahrt. konventionelle, aber doch wirksame erarbeiten. „Nicht pompös und angestrengt. Schamhaft formuliert das musikalische Bilder des Schreckens prunkhaft" wollten die Das zweistündige Oratorium Programmheft, Eyblers Holdselig und innig ist der Verantwortlichen feiern, sondern klingt in einem überschäumenden Kompositionsstil lasse sich „trotz Frauenengelchor am Ende mit nur musikalisch, eben mit einem Jubelchor aus, natürlich mit der solider handwerklicher Kenntnisse einem Engelsmarsch hin zu Gott, Werk, das man wahrlich nicht alle unvermeidlichen Fuge, und eher als konservativ oder etwas den sie nur mit dröhnenden Tage hört. Vereinigt dazu haben überschäumend war auch der weniger wertend als traditionell beAkkorden aus Mozarts sich der Jugendchur und der jubelnde Applaus der kennerischen „Zauberflöte" und zitternden zeichnen". So ist's. Allenthalben Kammerchor des Bayerischen Zuhörer haydnt und mozartet es, die Geigenfiguren anschauen können, mit der Bad Sängerbundes „Schöpfung“ stand hörbar Pate für alle Engel und Seligen besingen in Reichenhaller Philharmonie unter diesen Untergang der Schöpfung. einem schön klingenden Arioso der Gesamtleitung von Stefan Schon der lastend düstere, bläserbekurz vor dem Schlusschor - als Grünfelder. Der Bayerische tonte Beginn atmet die Luft des langes retardierendes Moment - zu Rundfunk hat dieses Konzert „Chaos" der Schöpfung. schwärmerischen mitgeschnitten, ausschnittsweise

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Mythos Untersberg in Sinfonie erlebbar gemacht Uraufführung von Enjott Schneiders „Dunkelwelt Untersberg" im Kurgastzentrum Bad Reichenhall Von Werner Bauregger BAD REICHENHALL - Angeregt durch die umfangreichen Vorberichte zur Uraufführung der Symphonie Nr. 7 „Dunkelwelt Untersberg" für Or­ chester und Tonzuspielung (ad libi­ tum), die der berühmte Filmkompo­ nist Enjott Schneider der Bad Reichenhaller Philharmonie und ih­ rem Dirigenten Prof. Christoph Adt gewidmet hat, warteten die Zuhörer am Freitag gespannt auf dieses Mu­ sikwerk. Sie durften dann auch als Erste in die klanglich beeindruckend vielfäl­ tig beschriebene Unterwelt dieses Gebirgsstockes eintauchen. Dr. phil. En­ jott Schneider wurde 1950 in Weil am Rhein geboren. Von 1979 bis 2012 hat­ te er an der Münchner Musikhoch­ schule die Professur für Musiktheorie und Komposition inne. Acht abend­ füllende Opern, zahlreiche Werke der Orchester- und Kammermusik, Geist­ liche Musik und etwa 600 Film­ musiken, darunter „Herbstmilch", „Stalingrad", „Schwabenkinder", „Jahrestage", „Wunder von Leipzig" oder „Stauffenberg" begründen den Ruf von Deutschlands berühmtestem Filmkomponisten, der mit unzähli­ gen nationalen und internationalen Preisen geradezu überhäuft wurde. Wie eingehend sich der Komponist mit dem Untersberg auseinanderge­ setzt hat, zeigt eindrucksvoll das aus­ führliche Essay über den Gebirgsstock, das dem Abendprogramm beigefügt war. In den vier Sätzen „Mittagsscharte: Der Flug der Vögel

Gitarrensolist Franz Halàsz te die Konzertbesucher.

begeister­

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Enjott Schneider (links) mit dem Dirigenten Christoph Adt und dem Orchester.

tönt von alten Sagen", „Untersbergmandln", „Im Dunkel der Spiegel­ welt" und „Magna Mater: Domina Perchta" will Schneider die „mytho­ logische Vielfalt emotional erlebbar machen", die der Untersberg als „Wunderberg und Kraftort" nicht nur auf ihn ausübt. Mit einem tiefen, mystisch angeleg­ ten Ton eröffnet das Orchester in gro­ ßer Besetzung den ersten Satz, beglei­ tet von Krähenschreien, Grollen im Berg und Windgeräuschen. In Horn- und Trompetensequenzen mischen sich Schafgeblöcke, Dohlen ziehen vorüber, Hunde schlagen an, Glocken der „berginneren Kirchen" klingen durch die Höhlen, Wind rauscht durch die Löcher und Schlitze in den Felsen und wirbelt raschelnd. Blätter und dürre Äste auf. Die Violinen versuchen, Ruhe und Atmosphäre aufkommen zu lassen, werden aber unmittelbar bedrohlich durch die tiefen Streicher abgedrängt. Immer wieder gewinnen die Bläser und das umfangreiche Schlagwerk die Oberhand, verdrängen feine Töne der Holzbläser und des Violinensat­ zes mit dynamisch bedrohlich an­ wachsenden, düsteren, tiefen und finsteren Klangwolken. Besonders in den feinen, lieblichen Tönen verschiedener Instrumente und dem sich öffnenden und schlie­ ßenden Orchesterklang wurde das wachsen der Sonne in der Mittags­ scharte, dem Eingang zur Unterwelt, klanglich erlebbar gemacht. Das Scherzo „Untersbergmandl" führt die Zuhörer in die Welt der Gnome, die mit Hammerschlägen, Steine im Berginneren bearbeiten, die in die Tiefe poltern. Klanglich setzten die Musiker dies eindrucksvoll durch Aufeinanderschlagen von größeren

Kieselsteinen um. Mitreißend wech­ seln sich gespenstisch anmutende Se­ quenzen, in die Wasserperlen tropfen, mit feinen, Weite erzeugenden Passa­ gen ab, immer wieder unterlegt von bedrohlichem, dynamisch anschwel­ lendem Rumoren und Grollen des Schlagwerks, heroisch auftretenden Bläsern und verzweifelt sich wehren­ den Streichern. Wie gewollt werden im 3. Satz „Im Dunkel der Spiegelwelt" rätselhafte, verschlungene und unvorstellbare Gedanken zu Klang und Höhlen mu­ sikalisch ausgeleuchtet. Aus den Klüften und Schächten tönen fremde Geräusche, Wasser und Geisterstim­ men. Schließlich wird im letzten Satz „Magna Mater: Domina Perchta" am­ bivalent, schön und hässlich, heilend und tötend beschrieben. Dunkel und unheimlich, vom wil­ den Heer inspiriert, dominieren tiefe, düstere, beklemmende Töne, die nur gelegentlich mit feinen Oboenklän­ gen, gläsernen und filigranen Violi­ nentönen die Zuversicht keimen las­ sen. Ein Paukenschlag fordert den Blä­ sersatz ein letztes Mal auf, seine wuchtige, gewollte, alles überschwel­ lende Dominanz ins Spiel zu bringen. Mit begeistertem Applaus und „Bravo-Rufen" bedankte sich das Pu­ blikum beim Komponisten und dem Orchester gleichermaßen. Im zweiten Part des Konzertabends entführte das Orchester, gemeinsam mit dem gefeierten Gitarristen Franz Halàsz, das Publikum in die Klang­ welt Spaniens und der Kanaren. Joaquín Rodrigo schrieb die „Fantasia para un gentilhombre" für Gitarre und Orchester Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Das Werk basiert auf sechs Solotänzen für Gitarre von Gas-

Fotos: Bauregger

par Sanz aus dem 17. Jahrhundert und wurde 1958 uraufgeführt. Ein weiteres Mal verstand es das verklei­ nerte Orchester brillant, in Symbiose mit dem grandiosen Gitarrensolisten Franz Halàsz die lyrische, melancho­ lische wie zarte, gleichermaßen aber kraftvolle und bewegende Tonspra­ che Rodrigos wie Weite, Sehnsucht, Ruhe, Ausgeglichenheit oder tänzeri­ sche Elemente klanglich zum Aus­ druck zu bringen. Halàsz begann seine Karriere 1993, als er den 1. Preis beim renommierten Andres-Segovia-Wettbewerb in Spa­ nien und beim Seto-Shasho Wettbe­ werb in Japan gewann. 2007 durfte er den prestigeträchtigen „Kulturpreis Bayern" entgegennehmen. An diesem Abend war es euphori­ scher Applaus, der ihm und den Phil­ harmonikern entgegenschwappte. Mit einem Werk „höchster Erhaben­ heit und größter Schönheit" wie die „Allgemeine Musikalische Zeitung" 1805 schreibt, der Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 von Mozart, beendete die Bad Reichenhaller Philharmonie den ansprechende, interessanten und hochklassigen Konzertabend. Noch einmal legten die Musiker ein Zeugnis ihres Könnens, gepaart mit hoher Präsenz und bestechender Kör­ persprache ab. Eine große Freude war es auch, ihrem Dirigenten Christoph Adt zuzusehen, wie er das Orchester mit lächelndem Gesicht antrieb, mit wenigen Handbewegungen ruhig lei­ tete oder mit geballter Faust und ho­ her Körperspannung Nuancen, im­ pulsive Sequenzen und dynamische Einsätze herausarbeitete. Ein Genuss für Auge und Ohr bis zum Schluss, den die Zuhörer ein letztes Mal dankbar und begeistert quittierten.


PHILHARMONISCHES KONZERT NO. 3

Zweit-Uraufführung, Gitarrenkonzert und Sinfonie Vielfältiges Programm beim 2. Sinfonischen Konzert der Bad Reichenhaller Philharmonie in Traunstein Enjott Schneider (geboren als Norbert Jürgen Schneider 1950 in Weil am Rhein) ist vor allem durch seine Musiken für Kinound Fernsehfilme bekannt ge­ worden (»Herbstmilch«, »Rama Dama«, »Stalingrad«, »Schlafes Bruder«, »Schwaben­ kinder«), doch auch Werke für Orchester, Orgel, Kammermu­ sik und Vokal- und Bühnen­ werke hat er geschaffen. »Mu­ sik ist Kunst - kontra Kommerz und Kapitalismus« lautet seine Philosophie. Deshalb ist er Mit­ glied im Aufsichtsrat der GEMA, seit 2012 als Vorsitzen­ der; im selben Jahr legte er sei­ ne Professur an der Hochschule für Musik München nieder. 2012 entstand auch seine Sin­ fonie Nr. 7 »Dunkelwelt Untersberg«, die er Christoph Adt und der Philharmonie Bad Rei­ chenhall gewidmet hat. Am Tag nach der Uraufführung durch die Widmungsträger im Theater Bad Reichenhall gab es in eben dieser Besetzung eine »Fast-Uraufführung« im Rah­ men der Sinfonischen Konzerte in der Aula der Berufsschule Traunstein. Die Sinfonie für Or­ chester und Tonzuspielung ist in vier Sätze gegliedert: 1. Mit­ tagsscharte: »Der Flug der Vö­ gel tönt von alten Sagen«; 2. Scherzo: Untersbergmandln; 3. Im Dunkel der Spiegelwelt; 4. Magna Mater: Domina Perchta. In diesem Rahmen will Schnei­ der »die mythologische Vielfalt erlebbar machen«, die »der Wunderberg und Kraftort« ausübt. Es ist ihm auf weite Strecken anregend und aufregend gelungen. Mit klugem Sinn für

on. Christoph Adt arbeitete die Charakteristika der vier Sätze konsequent und markant he­ raus: das lebhaft pulsierende, mit dynamischen Kanten zupa­ ckende Anfangs-Allegro, das pochende Andante mit seinem kanonartigen Hauptthema, das schroffe »unhöfische« Menuetto mit seinem sanften Dur-Trio, dem einzigen Lichtblick in die­ ser Komposition, und das auf­ müpfige Schluss-Allegro, das bis zum konsequenten Ende den Ton der Selbstbehauptung anschlägt.

Unsere Bilder Zeigen den Gitarristen Franz Halàsz und die Bad Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Christoph Adt beim Andante der Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV550 von W. A. Mozart. (Foto: Kaiser) Wirkung verband er in seiner Komposition elektronisch zu­ gespielte Naturlaute von Tie­ ren, Wettereffekten und wohl auch Sagengestalten mit einem enormen Schlagwerk, das von Großer Trommel, Gong und Röhrenglocken dominiert war. Die Hornisten und Trompeter vertauschten bei »Untersberg­ mandln« ihre Instrumente mit Bachsteinen zu einer schlagfer­ tigen Steinperkussion; die Streicher klopften dazu mit den Fingerknöcheln auf die Böden ihrer Instrumente, gewaltige Pedaltöne und tiefe Melodien der Posaunen ergänzten den Eindruck, dass die Untersberg­ mandln wirklich keine Garten­ zwerge, sondern ein lebendiges Völkchen sind, lustig und zu­ gleich unberechenbar. Raffi­ niert reflektierte Klänge, fugen­ artig gebrochen in den Solo­ streichern, geheimnisvoll ver­ klingend ins Figurenlose, re­

präsentierten welt«.

die

»Spiegel­

Geradezu hymnisch über­ höht und sich immer noch mehr zu einem Furientanz mit Kettenscheppern und Ham­ merschlägen steigernd entwi­ ckelte sich der »Perchten«-Satz in einer allzu langen »Wilden Jagd« mit klingenden Blechfa­ nalen zu einem furiosen Schluss. Der bemerkenswerten Orchesterleistung unter der si­ cher-übersichtlichen Leitung von Christoph Adt zollte der Komponist kurz und beschei­ den Respekt (»Er kommt nur nach vorne, wenn er zufrieden ist«, hatte der Dirigent zuvor angekündigt). Der Rezensent jedenfalls macht ihm keinen Vorwurf daraus, dass man sei­ ne reiche Erfahrung aus der Filmmusik auch im »Untersberg« spürt.

Joaquín Rodrigo (1901-1999) gilt als bedeutendster spani­ scher Komponist seiner Gene­ ration, sein »Concierto de Aranjuez« hat ihn weithin be­ kannt gemacht. Doch ein weite­ res hinreißendes Werk unter seinen fünf Gitarrenkonzerten ist »Fantasia para un gentilhombre«; es fängt mediterranes Lebensgefühl bezaubernd und luftig ein. Rodrigo verwendete dafür barocke Tänze von Gaspar Sanz (um 1640-1710). Mit dem »Gentleman« des Titels ist Gaspar Sanz, doch in erster Li­ nie der Widmungsträger An­ dres Segovia gemeint. Der Gitarrist Franz Halàsz, seit 2010 Dozent an der Musik­ hochschule München, musi­ zierte, von den Streichern, den Holzbläsern und einer Trompe­ te delikat begleitet, die »Fanta­ sia« mit leichter elektronischer Verstärkung, die kleine Unsi­

cherheiten hervorhob - er glich sie routiniert aus. Besonders der getragene zweite und der feurige dritte Satz (»Danza de las hachas«) kamen wirkungs­ voll. Überzeugend, sehr rhyth­ misch und temperamentvoll wirkte, voll Witz und Laune, der festlich-höfische Schluss­ satz. Der Begeisterung der Zu­ hörer entsprach der Solist mit der Gitarrenfassung der be­ rühmten »Tocccata« aus Alber­ to Ginasteras (1916-1983) erster Klaviersonate - rassig und ge­ mein schwer!

Die Reichenhaller Philhar­ moniker musizierten aus einem Guss, ganz hingegeben an das fordernde, führende Dirigat, des Kapellmeisters. Die Bass­ gruppe legte mit zwei Kontra­ bässen und drei Celli ein wun­ derbares Fundament für die hervorragend musizierende Streichergruppe und die ihr ebenbürtigen Holzbläser. Die Konzertbesucher feierten Diri­ gent und Musiker gebührend. Engelbert Kaiser

Wie ein Monolith steht die Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 in der Mitte der letzten drei Sin­ fonien, die W. A. Mozart zwi­ schen Juni und August 1788 vollendet hat. Im Gegensatz zu ihren lebensbejahenden Nach­ barsinfonien durchzieht sie eine melancholische Grundhal­ tung in beherrschter Resignati­

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HAYDNS SCHÖPFUNG IN NEUÖTTING

Komplimente an Dirigent, Chor und Solisten Ein meisterhaft gelungenes Großprojekt: Haydns Schöpfung in einem Gemeinschaftswerk von Chorgemeinschaft, Kantorei und Philharmonie

In der voll besetzten Pfarrkirche Neuötting führten über 90 Sänger sowie fast 40 Instrumentalisten unter der Leitung von Andre Gold Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ auf. Vorn, von rechts die Solisten Prof. Tho­ mas Gropper, Prof. Frieder Lang, Rosmarie Ecklkofer und Petra Grimme. - Foto: Heuwieser

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Neuötting. Über 90 Sänger der Chorgemeinschaft Neuötting und der Evangelischen Kantorei Altötting sowie fast 40 Instrumentalis­ ten der Bad Reichenhaller Philhar­ monie führten in der Pfarrkirche Neuötting vor ausverkauftem Haus Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ auf. Haydn komponierte „Die Schöpfung“ in den Jahren 1796 bis ’98, nachdem er bei seinen Eng­ land-Besuchen mit den großen Oratorien Georg Friedrich Händels mit mächtiger Besetzung in Kontakt gekommen war. Die Hauptquelle für den Inhalt ist das Buch Genesis aus dem Alten Testa­ ment. Die drei Erzengel Gabriel (Ros­ marie Ecklkofer, Sopran), Uriel (Prof. Frieder Lang, Tenor) sowie Raphael (Prof. Thomas Gropper, Bass) erzählen die sechs Tage der Schöpfung vom Chaos über die Er­ schaffung der Erde und des Alls so­ wie der Tiere bis zur Vollendung

des Werks in der Schöpfung des Menschen in Gestalt von Adam (wiederum Prof. Thomas Gropper, Bass) und Eva (Petra Grimme, So­ pran). André Gold als Gesamtleiter des Vorhabens, ein Werk dieser Grö­ ßenordnung in der Provinz zur Aufführungsreife zu bringen, er­ wies sich als idealer Meister seines Fachs. Ihm gelang es, den aus zwei Gemeinschaften bestehenden

mächtigen Chor, der auch die schwierigeren Stellen elegant meisterte, mit dem auswärtigen Or­ chester in Einklang zu bringen, ob­ wohl vorher nur eine einzige ge­ meinsame Probe angesetzt war. Und da gab es praktisch keinen Punkt, an dem sich die beiden Klangkörper verselbständigten; ein wahres Kompliment an den Di­ rigenten. Ein Kompliment aber

auch an den Chor, der über knapp zwei Stunden sehr professionell die Spannung hielt. Nicht nur das Chaos zu Beginn des Oratoriums wurde vom Or­ chester gut dargestellt, es glänzte auch an den schwierigen Stellen und stellte die von Haydn einge­ bauten Tonmalereien gekonnt dar. Einen Solisten besonders hervor­ zuheben, würde den anderen nicht gerecht: Alle vier beherrschten ihr Metier vorzüglich. Trotzdem soll nicht unerwähnt bleiben, dass so­ gar zwei Musikprofessoren in den Landkreis kamen, um mit örtli­ chen Kräften zu singen. Da muss die Qualität schon besonders hoch sein. Erwähnenswert ist zudem, dass die Neuöttingerin Rosmarie Ecklkofer in ihrer Heimatstadt als souveräne Solistin dieses großarti­ gen Werks sang. Ein besonderes Kompliment an Adam und Eva vor allem für das wunderbare Duett gegen Ende dieses gelungenen Werks. - Konrad Heuwieser


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PHILHARMONISCHES KONZERT NO. 4

Klangkaleidoskop und eine kämpferische „Eroica" 4. Abokonzert der Reichenhaller Philharmonie bot große Vielfalt und brillante Pianistinnen Von Elisabeth Aumiller____________________

BAD REICHENHALL - Christoph Adt lässt es sich angelegen sein, mit Uraufführungen seinen Abonnenten zeitgenössische Musik immer mehr schmackhaft zu machen. Das vierte Philharmonische Kon­ zert war mit der Uraufführung „Chi­ märe" von Bernd Redmann von einer spannenden Zusammenarbeit zwi­ schen Musikern, Dirigent und Kom­ ponist geprägt. Beethovens monu­ mentale „Eroica" im zweiten Teil des Konzertes interpretierte Adt mit den Musikern weniger als das heldisch Sieghafte, sondern mehr als den Kampf um Ideale, verbunden mit vollem Körpereinsatz. Dazwischen boten die georgischen Zwillinge Ani und Nia Sulkhanishvili hohe Klavier­ kunst, Das Publikum spendete viel Applaus. Es sei eine besondere Ehre, wenn ein Komponist ein Werk speziell für die Bad Reichenhaller Philharmonie schreibt, und für die Musiker bedeute es eine Herausforderung, ein neues Stück aus dem Nichts heraus zu erar­ beiten, sagte Adt bei der Einführung zum Abendprogramm, Als Bernd Redmann vor einem Jahr der Kompositionsauftrag zuging, saß er gerade im Zug, und da kam ihm die Idee zur „Chimäre". In der My­ thologie ist die Chimäre ein Wesen mit der Fähigkeit zur Verwandlung, während sie im alltäglichen Sprach­ gebrauch ein Trugbild darstellt, kom­ mentierte der Komponist sein Elf-Mi­ nutenwerk, das mit Überraschungen und schnellen Wendungen eine ra­

sche Verwandlung schafft. Die Identi­ tät des Stücks sei die Verwandlung, eine poetische Idee. Denn Kunst übersteige die Realität und mache Dinge auf anderer Ebene greifbar. Redmann hat sich auch von der al­ penländischen Umgebung inspirieren lassen, wie er sagte. Die Musiker haben ganze Arbeit geleistet und konfrontierten die Zu­ hörer mit einer Art klingendem Kalei­ doskop. Das war der erste Eindruck. Um ein neues Werk beurteilen zu können, muss man es aber mehrere Male hören. Der erste Eindruck zeigte eine ge­ wissenhafte Arbeit der Musiker, und es schien, als sei das Stück eine Art „orchestrales Muskeltraining". Jedes Instrument bekam seine Solopassa­ gen, die sich in ihrem musikalischen Ausdruck sehr voneinander unter­ schieden und immer neue überra­ schende Details in fantasievoller Viel­ falt vorüberhuschen ließen. Melodische Momente waren in ein instrumentales Stimmengewirr eingeflochten, kräftiges Zupacken wechsel­ te mit witzigen Spielereien. Das Or­ chester war positiv gefordert und die Zuhörer auch. Nicht weniger fordernd für die Ausführenden war die Wiedergabe des anschließenden Konzerts für zwei Klaviere und Orchester d-Moll von Francis Poulenc, das 1932 in Ve­ nedig uraufgeführt wurde. Ravels Klavierkonzert in G-Dur stand Pate nach Poulencs eigenen Aussagen, und den Mittelsatz prägt ein MozartZitat aus dem Klavierkonzert KV 467 in einer Mischung aus Parodie und

Die georgischen Zwillinge Ani und Nia Sulkhanishvili reüssierten mit pianistischer Bravour. Fotos:Aumilller

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Beifall für den Komponisten Bernd Redmann für seine Uraufführung „Chimäre". Huldigung, von Poulenc als „poeti­ sches Spiel mit dem Porträt Mozarts" bezeichnet. Auch Schostakowitsch schien kurz anzuklingen, bewusst von Poulenc eingeschleust. Also auch hier war ein vielfarbiges Überraschungsspiel musikalischer Wechselduschen geboten. Klangge­ birge und Filigranes wechselten sich kontrapunktisch ab, aufbrausend orgiastisch zum Teil, dann wieder, wie im Mozartanklang, poetisch zart und beflügelt. Martina und Kristina Bauer waren ursprünglich vorgesehen, die anspruchsvollen Klavierparts zu spielen. Nach ihrer Absage sprangen die georgischen Zwillinge Ani und Nia Sulkhanishvili ein und lieferten ein brillantes Tastenfeuerwerk. Die 1988 in Tiflis geborenen Pianis­ tinnen sind seit ihrem sechsten Le­ bensjahr mit dem Klavier „verhan­ delt" und gaben ein Versprechen für eine künftige, viel beachtete Karriere. Sie machten Staunen mit virtuoser pianistischer Bravour, kraftvoll zupa­ ckend einerseits, waren aber auch der Zwischentöne und des fein perlenden Anschlags fähig. Verblüffend war ih­ re Kongruenz im Spiel, wie sie beide immer wieder wie zu einem Instru­ ment verschmolzen, dazwischen bril­ lierten sie auch wechselweise mit in­ dividuellen Farben. Adt und das Orchester leisteten dazu Schwerarbeit in hoher Konzentration mit bewun­ dernswertem Resultat. Da fiel der Beifall entsprechend aus, sowohl für die Pianistinnen als auch für Dirigent und Musiker. Die Pianistinnen über­

raschten dann noch als Zugabe mit Tastenakrobatik der Extraklasse bei einem Stück eines georgischen Kom­ ponisten, mit dem sie viele Bravo-Ru­ fe provozierten.

Volle Motivation Nach der Pause kam Beethovens monumentale „Eroica". Dass Beetho­ ven seine Symphonie unverändert ließ auch nach der zurückgezogenen Widmung für Napoleon aufgrund seiner Enttäuschung über dessen Ver­ rat an den Idealen der Revolution, begründete Adt damit, dass Beetho­ ven nun die Ideale im Kampf gegen Napoleon verwirklicht sehen wollte. So hat Adt mit den Musikern weni­ ger das heldisch Sieghafte im Spiel zum Ausdruck gebracht, sondern mehr den Kampf, das auftrumpfend Imposante, Position beziehend, um gegen einen imaginären Gegner zu kämpfen. Christoph Adt gab vollen Körpereinsatz und motivierte die Musiker zu eben solchem. Schwerar­ beit wurde bei diesem philharmoni­ schen Konzert bis zur letzten Note geleistet. Es schien, als wolle Adt aus seinem Orchester den Sound einer 80-köpfigen Crew herausholen. Das Ergebnis war eindrucksvoll, zeitigte einen erdverbundenen Beet­ hoven voller Kraft in zügig durchge­ haltenen Tempi mit einigen beruhig­ ten Momenten im Trauermarsch und so manchen spielerisch fließenden Aufhellungen dazwischen. Großer Beifall war der gerechte Lohn dafür.


BESTNOTEN HÖREN

Großer Auftritt für junge Musik-Preisträger „Bestnoten" mit jungen Solisten der oberbayerischen Wettbewerbe von Jugend musiziert Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Der Bezirk Oberbayem, vertreten durch Bezirk­ tagspräsident Josef Mederer, präsen­ tierte im Theater im Kurgastzentrum zehn ausgewählte Preisträger aus den diesjährigen Gewinnern des Landes­ wettbewerbs Bayern von „Jugend musiziert" beim jährlichen Preisträ­ gerkonzert mit der Bad Reichenhaller Philharmonie unter Chefdirigent Christoph Adt. Seit 14 Jahren ist die Philharmonie der Partner für den Be­ zirk Oberbayern, der im Rahmen sei­ ner verschiedenen Förderpreise das Preisträgerkonzert veranstaltet, um jungen Musikbegabungen aus Ober­ bayern eine Auftrittsmöglichkeit mit einem Orchester zu ermöglichen. Unter dem doppeldeutigen Motto „Bestnoten hören" zeigten die Jung­ musiker allesamt ein eindrucksvolles Leistungsniveau und ließen den Kon­ zertabend für sich selbst wie für die Zuhörer zum bewegenden Erlebnis werden. Christoph Adt und die phil­ harmonischen Musiker stellten sich ganz in den Dienst der jungen Solis­ ten, begleiteten spielerisch locker, ga­ ben ihnen einen klangfeinen Rahmen und federnden Orchesterteppich.

Ohne Lampenfieber Die meisten der Preisträger möch­ ten die Musik zu ihrem Beruf machen und werden Musik studieren, wie sie Auskunft gaben. Zum Teil spielen sie mehrere Instrumente und waren be­ reits Preisträger mit ihrem Zweitinst­ rument. Lampenfieber ließen sie sich nicht anmerken, auch wenn die Ner­ vosität sie gepackt hatte, wie nachher einige unverblümt Zugaben. „Aufre­ gung gehört dazu, das steigert die Leistung", meinten andere, sich ganz professionell gebend. Die Wettbewerbe werden nach Al­ tersgruppen ausgeschrieben und je­ des Jahr wechselt der Instrumentenschwerpunkt. Diesmal waren die Streicher an der Reihe. Zum Preisträ­ gerkonzert waren vier Geigerinnen, zwei Cellistinnen, zweimal Viola und zweimal Kontrabass ausgewählt wor­ den. Der zwölfjährigen Geigerin Ni­ cole Nadine Ostmann aus Vohburg fiel die fordernde Aufgabe zu, den

Anerkennung und phonstarker Applaus gab es für die zehn jungen Preisträger von „Jugend musiziert". Foto: Aumiller

Konzertreigen zu eröffnen, und sie meinte, wenn man als Erste starten müsse, steige die Nervosität auf den Siedepunkt. Mit dem „Frühling" aus Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszei­ ten" wusste sie mit Silberklang, Virtu­ osität und Musikalität zu brillieren. Die Orchesterstreicher betteten sie mit Glanz und korrespondierten ton­ malerisch zum Vogelgezwitscher, Ze­ phirlüftchen, plätschernden Bächlein, Hirtentanz und recht aufmüpfigem Hundegebell. Die 14-jährige Cellistin Paula Patri­ cia Schweinberger aus Burghausen überzeugte nach wenigen Aufwärmminuten mit sonorer Wärme in dem lieblich gefühligen Andante aus Tschaikowskys „Rokoko Variatio­ nen". Dem Kontrabass hat sich die 15-jährige Wasserburgerin Valerie Schatz verschrieben. Ein brummiger Gefährte ist der Kontrabass als Solo­ instrument, aber Valerie Schatz gab ihren ganzen Einsatz, um mit Dragonettis Andante und Rondo aus ihrem mächtigen Instrument einen musika­ lischen Schatz herauszuholen. Die 1998 geborene Münchner Gei­ gerin Valerie Schweighofer punktete mit instrumentaler und musikalischer

Sicherheit und brillierte anmutig mit bravouröser Eleganz, runder Tonqua­ lität und sauberer Intonation in Henri Wieniawskis virtuosem Allegrosatz aus dessen Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 22. Adt und die Orchestermusiker gaben einfühlsam füllig ergänzende Unterstützung. Die ebenfalls 1998 ge­ borene Lina Bohn aus Fürstenfeld­ bruck bezauberte mit Bravournoten auf der Viola, die sie steigerungsfähig einsetzte im Allegro des StamitzKonzerts D-Dur op.1 , das sie mit ei­ ner virtuosen Kadenz abschloss und damit die heftig applaudierenden Zuhörer in die Pause schickte. Danach beeindruckte die 1995 ge­ borene Cellistin Sophie Klaus aus München mit Edward Elgars Cello­ konzert e-Moll op. 85 und gab ein glänzendes Beispiel ihrer instrumen­ talen Fähigkeiten mit qualitätvoll großem Ton voller Wärme, den sie differenziert einsetzte und mit aus­ drucksvollem Spiel ihre profunde Musikalität bewies. Aus Murnau kommt der 15-jährige Bratscher Philipp Sussmann, der als dreijähriger mit dem Violinspiel be­ gonnen hatte und 2010 zur Viola übergewechselt ist. Mit Empfindung,

edlem. Ton und feiner Musikalität spielte er den langsamen Satz des Stamitzkonzertes. Der 1995 geborene Alexander Weiskopf aus Dorfen zog alle Register, um sich und seinem Ins­ trument mit dem technisch an­ spruchsvollen Kontrabasskonzert von Franz Anton Hoffmeister zum Erfolg zu verhelfen. Die Geigerin Amelie Held, 1996 ge­ boren, kommt aus München, spielt seit dem sechsten Lebensjahr Klavier, begann mit zehn Jahren den Violinunterricht und ist seit 2010 dazu noch Organistin. Mit klarem, filigranem und sauberem Mozartspiel im Ada­ gio E-Dur für Violine und Orchester KV 261 bewies sie ihre Musikalität und ihre instrumentale Sicherheit. Mit der knapp 19-jährigen Geigerin Elisabeth Lindner aus Arnsberg nä­ herte sich das Preisträgerkonzert sei­ nem Ende. Lindner zeigte eindrucks­ voll ihr Können im 1. Satz von Camille Saint-Saens' anspruchsvol­ lem Violinkonzert Nr. 3 h-Moll in stimmiger Korrespondenz mit dem wohlgeformten Orchesterklang. Großer Jubel feierte die Künstler am Ende zusammen mit Adt und den philharmonischen Musikern.

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DER FREISCHÜTZ - GASTSPIEL IN AINRING

Romantisch-schaurige Freischütz-Impressionen Bad Reichenhaller Philharmonie wiederholt am Samstag Klassik-Open-Air in Ainring Von Veronika Mergenthal______________

AINRING - Perfekter hätte es nicht laufen können: Bis etwas zehn nach acht Uhr tröpfelte es leicht in der Frei­ lichtbühne Ainring. Dirigent Chris­ toph Adt überbrückte die Zeit mit launigen Moderationen und ver­ sprach nach Absprache mit dem vom Theatersommer her regenerfahrenen Bürgermeister Hans Eschlberger: „In fünf Minuten hört es zu regnen auf." Und so war's dann auch. Die Musiker setzten sich hin und fingen zu spielen an, und es blieb tro­ cken. Ja am Ende schimmerte sogar der bleiche Vollmond zwischen den Bäumen durch, ganz wie in der schaurigen Wolfsschlucht-Szene der romantischen Oper „Der Freischütz" von Carl Maria von Weber. Für die Wiederholung dieses MusiksommerKonzerts am kommenden Samstag, 29. Juni, um 20 Uhr in der Freilicht­ bühne Ainring unterhalb der Kirche erhofft sich der Bürgermeister natür­ lich noch besseres Wetter. Im vergangenen Jahr war beim Auftritt der Philharmonie am selben Platz die Idee entstanden, in dieser so passenden Kulisse Auszüge aus dem „Freischütz" aufzuführen. Zunächst stimmte das Orchester mit thematisch passenden unterhaltsamen Komposi­ tionen auf den Höhepunkt des Abends ein. Der beschwingten Ou­ vertüre zu „Der Wildschütz" von Al­ bert Lortzing folgten zwei Werke von Johann Strauß: die wie ein langsame­ rer Walzer wiegende Polka Mazurka „Stadt und Land" und die Schnellpol­ ka „Freikugeln". Wie Adt schmun­ zelnd verriet, komponierte der 43-jäh­ rige Strauß diese 1868 zum „3. Deutschen Bundesschießen". Der Walzer „Estudiantina" von Emil Waldteufel bezauberte durch einen Mollteil mit neckischem WalzerNachschlag auf der Piccolo-Flöte, der an Vogelgezwitscher erinnerte. Echtes Vogelgezwitscher verband sich bei der Freischütz-Ouvertüre wunderbar mit dem sanften Einsatz der Hörner, die in dieser Oper eine tragende Rolle spielen, zu wiegender Streicherbegleitung. Später ließen un­ heimliche Trommelschläge mit kla­ genden Melodien der Celli und Gei­ gen Böses ahnen. Die Verzweiflung des Jägerburschen Max, der in die

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Erneut war die Bad Reichenhaller Philharmonie auf der Freilichtbühne in Ainring zu Gast. Diesmal boten sie die romanti­ sche Oper„Der Freischütz" von Carl Maria von Weber dar. Fotos: Mergenthal

Försterstochter Agathe verliebt ist, aber als Schütze gerade eine Pech­ strähne hat, stellte glaubwürdig der in Nürnberg als Sohn des Opernsän­ gers Rudolf A. Hartmann geborene Tenor Michael Gniffke dar. Die Rolle des zwielichtigen Caspar, der Max durch so genannte „Freiku­ geln" neues Schützenglück verspricht und mit den dunklen Mächten in Ver­ bindung steht, war dem Bass Carl Rumstadt wie auf den Leib geschrie­ ben. Mit der Philharmonie sang er neben dem Kaspar bereits die Rolle des Don Alfonso in Mozarts „Cosi fan tutte". Ein Vergnügen für das Publi­ kum waren neben dem Genuss des gesanglichen Könnens und der aus­ drucksstarken Darbietung die ange­ spielten Szenen, wie ein Streit zwi­ schen Max und Kaspar, die beide um dieselbe Frau warben. Im ersten Kon­ zertteil gab es noch ein bezauberndes Duett der Sopranistinnen Barbara Friebel in der Rolle der ernsten Aga­ the und Stefania Gniffke, Michael Gniffkes Schwester, als unbeschwer­ tes Ännchen, mit äußerst virtuosen Partien. Die ganz unterschiedlichen Frauenstimmen passten gut zu den jeweiligen Charakteren. Die einbrechende Dunkelheit nach der Pause verstärkte die unheimliche Stimmung. Romantik pur war Agathes sehnsuchtsvolle Arie, zart und feinfühlig von den Instrumentalisten

untermalt. Stockend gestoßene Hör­ ner und ein Crescendo illustrierten ihre wachsende Unruhe, nachdem sie geträumt hatte, sie sei eine weiße Taube und Max schieße auf sie. In einem dramatischen Terzett mit den beiden Frauen nimmt Max Ab­ schied, bevor er in der Wolfsschlucht mit Caspar die „Freikugeln" gießt. Amüsant fanden die Zuhörer auch die von Adt auszugsweise vorgelese­ ne Regieanweisung zur „furchtbaren Wasserschlucht" mit einem bleich scheinendem Vollmond, einer Eule auf einem knorrigen Ast mit „feurig rädernden Augen" und zwei sich auf­

einander zu bewegenden Gewittern Das instrumentale Zwischenspiel begleitete ein düsterer Sprechgesang der Männer auf einem Ton, während die Frauen die schrill und abgehakt endende Aufwärtsbewegung der Geigen mitsangen. Caspar beschwört den Teufel, Max sieht den Geist seiner Mutter, die Streicher fiedeln wie wild und die Stundenschläge der benachbarten Kirchturmuhr sind wie hineinkomponiert. Am Ende gab's für das begeisterte Publikum eine Wiederholung des beliebten „Jägerchors" mit seinem Ohrwurm-Thema in den Hörnern.

Das Publikum war begeistert von der Open-Air-Darbietung.


Romantisch-schaurige Freischütz-Impressionen

Bad Reichenhaller Philharmonie wiederholt am kommenden Samstag Klassik-Open-Air in Ainring Ainring. Anfangs tröpfelte es leicht in der Freilichtbühne Ainring. Dirigent Christoph Adt überbrückte die Zeit mit launi­ gen Worten und versprach nach Absprache mit Bürgermeister Hans Eschlberger: „In fünf Mi­ nuten hört es zu regnen auf.“ Und so war’s dann auch. Die Musiker der Bad Reichenhalller Philharmonie setzten sich hin, fingen an zu spielen - und es blieb trocken. Am Ende schim­ merte der bleiche Vollmond zwi­ schen den Bäumen durch, ganz wie in der schaurigen Wolfs­ schlucht-Szene der romanti­ schen Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Für die Wiederholung dieses Musik­ sommer-Konzerts am kommen­ den Samstag, 29. Juni, um 20 Uhr erhofft sich der Bürgermei­ ster natürlich noch besseres Die Bad Reichenhaller Philharmonie wiederholt die Aufführung des „Freischütz’“ am Samstag. Wetter, Im vergangenen Jahr war beim Auftritt der Philharmonie am selben Platz die Idee ent­ standen, in dieser so passenden Kulisse Auszüge aus dem „Frei­ schütz“ aufzuführen. Zunächst stimmte das Orchester mit the­ matisch passenden unterhaltsa­ men Kompositionen auf den Höhepunkt des Abends ein. Der beschwingten Ouvertüre zu „Der Wildschütz“ von Albert Lortzing folgten zwei Werke von Johann Strauß: die wie ein lang­ samerer Walzer wiegende Polka Mazurka „Stadt und Land“ und

Echtes Vogelgezwitscher ver­ band sich bei der Freischütz­ Ouvertüre wunderbar mit dem sanften Einsatz der Hörner, die in dieser Oper eine tragende Rolle spielen. Später ließen un­

heimliche Trommelschläge mit klagenden Melodien der Celli und Geigen Böses ahnen. Die Verzweiflung des Jäger­ burschen Max, der in die Förs­ terstochter Agathe verliebt ist,

Verzweiflung und dunkle Mächte die Schnellpolka „Freikugeln“. Wie Adt schmunzelnd verriet, komponierte der 43-jährige Strauß diese 1868 zum „3. Deut­ schen Bundesschießen“. Der Walzer „Estudiantina“ von Emil Waldteufel bezauberte durch ei­ nen Mollteil mit neckischen Walzer-Nachschlag auf der Pic­ colo-Flöte, der an Vogelgezwit­ Barbara Friebel als Agathe (links) und Stefanie Gniffke als Änn­ scher erinnerte. chen bildeten ein ausdruckstarkes Duett.

aber als Schütze gerade eine Pechsträhne hat, stellte der Te­ nor Michael Gniffke dar. Die Rolle des zwielichtigen Caspar, der Max durch sogenannte „Freikugeln“ neues Schützen­ glück verspricht und mit den dunklen Mächten in Verbindung steht, war dem Bass Carl Rum­ stadt wie auf den Leib geschrie­ ben. Ein Vergnügen für das Publi­ kum waren neben dem Genuss des gesanglichen Könnens und der ausdrucksstarken Darbie­ tung die angespielten Szenen, wie ein Streit zwischen Max und Kaspar, die beide um die­ selbe Frau warben. Im ersten Konzertteil gab es noch ein be­ zauberndes Duett der Soprani­ stinnen Barbara Friebel in der Rolle der ernsten Agathe und Stefania Gniffke, Michael Gniffkes Schwester, als unbeschwer­ tes Ännchen. Die unterschiedli­ chen Frauenstimmen passten gut zu den jeweiligen Charakte­ ren. Die einbrechende Dunkelheit nach der Pause verstärkte die unheimliche Stimmung. Roman­

Foto: Veronika Mergenthal tik pur war Agathes sehnsuchts­ volle Arie, zart und feinfühlig von den Instrumentalisten un­ termalt.’ In einem dramatischen Terzett mit den beiden Frauen nimmt Max Abschied, bevor er in der Wolfsschlucht mit Caspar die „Freikugeln“ gießt. Amüsant fanden die Zuhörer auch die von Adt auszugsweise vorgelesene Regieanweisung zur „furchtba­ ren Wasserschlucht“ mit einem bleich scheinendem Vollmond, einer Eule auf einem knorrigen Ast mit „feurig rädernden Au­ gen“ und Gewitter. Das instru­ mentale Zwischenspiel begleite­ te ein düsterer Sprechgesang der Männer auf einem Ton, während die Frauen die schrill und abge­ hakt endende Aufwärtsbewe­ gung der Geigen mitsangen. Caspar beschwört den Teufel, Max sieht den Geist seiner Mut­ ter, die Streicher fiedeln wild. Die Stundenschläge der benach­ barten Kirchturmuhr sind wie hineinkomponiert. Am Ende gab’s für das begeisterte Publi­ kum eine Wiederholung des be­ liebten „Jägerchors“. Veronika Mergenthal

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DER THUMSEE BRENNT - OPEN AIR // WALDKONZERT PIDING - OPEN AIR

Mit Carmina Burana zum Feuerwerk Mit 8.000 Gästen erzielt die Reichenhaller Philharmonie einen neuen Besucherrekord für ihr Open Air BAD REICHENHALL (kb) - Zum zehnten Mal „brannte" am Samstag­ abend der Thumsee. Die Reichenhaller Philharmonie lud zu ihrem belieb­ ten Open-Air-Konzert und Tausende kamen. Im Mittelpunkt der Jubilä­ umsveranstaltung standen Carl Orffs berühmte „Carmina Burana". Gesanglich unterstützt wurden die Philharmoniker von den Münchner Arcis-Vocalisten. Zoltan Varga, erste Violine tutti, schwärmte am Ende der Aufführung: „Grandios, grandios", und sprach damit dem Publikum wohl aus dem Herzen. Das bedachte die Musiker mit langem und begeistertem Applaus. Schon seit Tagen versprachen die Wettervorhersagen für das Wochen­ ende perfektes Sommerwetter. Die übliche Zitterpartie, ob „Der Thum­ see brennt" stattfindet oder nicht, fiel endlich einmal weg. Eineinhalb Stun-

geordnet zur Madlbauerwiese hin und auch wieder zurück. Schon ab Freitag wurde aufgebaut. Gut zwei Tage braucht die Truppe, bis für das große Open Air alles steht, von den Klohäuschen angefangen bis zu den Sicherheits-Absperrgittern. Sämtliche Verkehrsschilder wurden vom Bauhof der Stadt Bad Reichen­ hall schon unter der Woche am und um den Thumsee deponiert.

Der Dirigent selbst gerät ins Schwärmen

und mittelhochdeutscher Sprache verfasst und stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert von zumeist an­ onymen Dichtem. Beim Publikum kam das Jubilä­ umsprogramm hervorragend an, auch Dirigent Christoph Adt genoss die unglaublich gute Stimmung in vollen Zügen. „Die Carmina Burana sind in Bayern immer beliebt, und bei diesem tollen Ambiente macht es sich einfach wunderbar", schwärmte er im Anschluss an das Konzert. „Es war ein wunderbares Programm, und die Begleitung der Münchner ArcisVocalisten wurde uns praktisch ge­ schenkt, der Chor hat bei uns um Zu­ sammenarbeit nachgefragt." Nicht nur atmosphärisch sei ein Open-Air-Konzert etwas völlig ande­ res, als in einem geschlossenen Raum zu spielen, erklärte Adt. Auch künst­ lerisch gebe es einen Unterschied, weil man technisch verstärkt wird. „Da muss man anders spielen, man darf nicht so in die Spitzen gehen, man darf aber auch nicht zu leise spielen. Da muss man nivellieren und trotzdem differenziert bleiben." Zu den letzten Musikklängen von Carmina Burana legte dann Spreng­ meister Roman Winkler vom gegen­ überliegenden Ufer los und ließ zu­ sammen mit seinen Söhnen und diesmal sogar von zwei unterschied­ lichen Standpunkten aus eine Rakete nach der anderen über dem Thumsee brennen. Als Zugabe spielte die Phil­ harmonie einen Walzer, der etliche Gäste vor das Zelt zum Tanzen lockte. Unter riesengroßem Applaus und Beifall entließ das Publikum die Mu­ siker schließlich in den Feierabend und machte sich auf den Rückweg.

den vor Beginn des Konzerts begann der Bus-Shuttleservice damit, die Zu­ schauermenge zum Thumsee zu kut­ schieren. Viele Gäste kamen auch zu Fuß und mit dem Fahrrad. Vor dem Eintritt bildeten sich teil­ weise lange Schlangen. Aber nach zehn Jahren ist das Helferteam bes­ tens eingespielt: Die Trachtler der Weißbacher „D'Weikertstoana" hat­ ten den Einlass fest im Griff, und die Karlsteiner Feuerwehr sorgte für Si­ cherheit und schleuste die Massen

„Ich brauche verlässliche Partner und Helfer. Mittlerweile sind beim Thumsee brennt alle so was von rou­ tiniert und haben es einfach drauf", freute sich Stephan Hüfner. Auch an­ gesichts der Menschenmassen, die den Thumsee regelrecht stürmten, ging dem Intendant das Herz auf. „Es waren noch nie so viele Leute da, der Mittelbereich war noch nie voll be­ setzt. Mehr Personen gehen gar nicht auf die Wiese." Bis hinauf zum Wald­ rand breiteten die Gäste ihre Decken aus und ließen es sich beim mitge­ brachten Picknick gut gehen. Den Startschuss für das Jubiläums­ konzert gab Pater Peter Demmelmair, Vorsitzender des Vereins Bad Rei­ chenhaller Philharmonie. Der Gefan­ genenchor aus Nabucco und ein Pot­ pourri aus dem Phantom der Oper waren zwei der Höhenpunkte in der ersten Spielhälfte. Nach der Pause ging es mit Carl Orffs berühmten „Carmina Burana" weiter. Die szeni­ sche Kandate wurde 1937 in der Oper zu Frankfurt am Main uraufgeführt. Die Texte sind in mittellateinischer

Die Trachtler der managten den Einlass.

Perfekte Harmonie zu Carmina Burana: die Münchner Arcis-Vocalisten und die Philharmoniker.

Konzentriert vor dem großen Auftritt: Fred Ullrich (links) und Dirigent Chris­ toph Adt.

„D'Weikertstoana"

40 — LEIDENSCHAFT // JAHRESCHRONIK 2013

Vorfreude auf Waldkonzert in Piding Zurück blieb ein überwältigender Intendant: „Sie sehen mich sehr glücklich, das zehnte Mal hat so funk­ tioniert, wie es immer sein soll, stabi­ le Wetterlage, glückliche Gäste, gut

Der krönende Abschluss war das Feuerwerk, dass Sprengmeister Roman Winkler über dem Thumsee aufgehen ließ. Fotos: Thoma-Bregar (4), Leitner(1)

aufgelegte Musiker, heute sogar mit Chor." Auf die Frage, ob man etwas überhaupt noch toppen kann, lautete Hüfners klare Antwort: „Wir müssen überhaupt nichts toppen. Wir hatten zehn tolle Jahre und immer besonde­ re Highlights. Wir sind das philhar­ monische Kurorchester und das Kul­ turorchester von Südostoberbayern. Wir sind wir und müssen nicht jedes Jahr ein noch größeres Event machen. Wichtig ist, dass am Thumsee immer die philharmonische Kurmusik im Vordergrund stand und der Verweis auf unseren Alltag und unsere Arbeit

gegeben ist." Am 27. Juli steht für die Reichenhaller Philharmonie schon der nächste große Open-Air-Auftritt an: Erstmals werden sie auf der Wald­ bühne in Piding spielen und zwar ei­ ne Mischung aus alpenländischer und klassischer Musik. Für Dirigent Christoph Adt ist es ein noch recht imbekanntes Feld, aber er freut sich schon jetzt: „Ich nähere mich dieser Musik seit ein paar Jahren und habe mittlerweile einen Riesenspaß dran." Mehr Fotos finden Sie in unserem Internetportal unter www.reichenltaller-tagblatt.de.

Rund 8.000 Zuschauer verfolgten die Aufführung der Reichenhaller Philharmo­ nie, so viel wie noch nie.


Wildschütz trifft Rotschwanzerl Waidkonzert mit der Reichenhaller Philharmonie und verschiedenen Volksmusikgruppen PIDING (mh) - Es hätte der perfekte Sommerabend werden können: Tem­ peraturen um die 30 Grad auch noch nach Sonnenuntergang, ein stilvoll ge­ schmücktes Gelände am Pidinger Schlossweiher und Musik aus zwei Stil­ richtungen, die zum Schwelgen und Träumen einlud. Das Waldkonzert mit der Reichenhaller Philharmonie und verschiedenen Volksmusikgruppen bot bis zur „Halbzeit" kulturellen Genuss pur. Als jedoch gegen 21.30 Uhr Gewitterwolken und starker Wind aufzogen, musste die Veranstaltung zum Bedauern aller frühzeitig abgebrochen werden. Mit mühevollem Aufwand war das Gelände am Pidinger Schlossweiher zu einer einladenden Waidbühne ver­ wandelt worden. Die veranstaltenden Vereine, der Trachtenverein Stau­ fenecker Piding und der Obst- und Gartenbauverein, die eigens für das Konzert eine „Waldbühne GbR" ge­ gründet hatten, hatten ganze Arbeit geleistet. Mit Tierpräparaten von Fuchs, Dachs, Reh und verschiedenen Greif­ vögeln war das Areal stilecht ge­ schmückt worden. Fantasievolle Waidgeister, viel Tannengrün, Gewei­ he, Jagdutensilien und Blumen waren dazu arrangiert worden, so dass der Besucher erst einmal mit „Schauen" beschäftigt war. „Wir haben auch Kinder mit in die Vorbereitungen mit einbezogen und mit ihnen zusammen geschmückt", ließ der Vorstand des Trachtenvereins, Josef Gruber, wis­ sen. Kerzen in schützenden Gläsern säumten den Weg und zierten das Gelände. An Verkaufshütten sorgten Vereins­ mitglieder für die Bewirtung der Gäs­ te, die es sich vor Konzertbeginn und in der Pause an den zahlreichen Steh­ tischen bequem machten. Verschiede­ ne Nachwuchsgruppen spielten zur Einstimmung auf das eigentliche Pro­

gramm abwechselnd auf. Die Kon­ zertbestuhlung vor den beiden Büh­ nen war fast voll besetzt mit Musikfreunden, als Josef Gruber ein kurzes Begrüßungswort an Mitwir­ kende und Zuhörer richtete. Pidings Bürgermeister Hannes Holzner freute sich über das Zustan­ dekommen der Veranstaltung, und nun hieß es „Bühne frei" für Musik­ genuss pur in zwei Stilrichtungen. Mit einem Auszug aus „Der Wild­ schütz" von Albert Lortzing eröffnete die Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Prof. Christoph Adt den Konzertreigen. Das Orchester in seiner 38-köpfigen Besetzung wusste vom ersten Ton an die Zuhörer mit­ zureißen. „Das kleine Ding", die „Träumerei" aus Robert Schumanns 13-teiligem Klavierzyklus war der nächste Beitrag mit dem Ziel, die Zu­ hörer zu bezaubern. Die liebenswerten und unterhaltsa­ men Züge dieses Werks waren ein weiterer Garant dafür, die besondere Stimmung am Schlossweiher noch zu vertiefen. Mittlerweile senkte sich die Abenddämmerung über den Wald, und das Flackern der Kerzenlichter verbreitete wohlige Atmosphäre. Schumanns Träumereien boten den Wegbereiter für die erste Runde der

Fast ausverkauft hieß es am Samstagabend beim Waldkonzert bei der Burg Staufeneck. Rund 400 Zuhörer waren gekommen.

Volksmusikbeiträge. Hansl Auer mit seinen Hammerauer Musikanten und die Elstätzinger Geigenmusi waren jetzt an der Reihe. Ihre Instrumental­ stücke waren in gewohnt spritziger Manier mit viel Spielfreude vorgetra­ gen und ebenso auf das Motto „Natur und Wald" ausgerichtet. Da gab es unter anderem den „Rot­ schwanzerl-Boarischen" zu hören. Dem Finken, der im Wald schreit, widmeten sich die „Stoaberg Sänge­ rinnen", und mit wohldosiertem Ge­ sang wurde auch dem Bereich „Volks­ lied" eine Plattform gewährt. Anerkennendes Nicken war in den Reihen der Zuhörer zu erkennen, nachdem die erste Runde absolviert war. Die Reichenhaller Philharmonie hatte nun einen Auszug aus „Der Freischütz" von Carl Maria von We­ ber vorbereitet, und beim anschlie­ ßenden Walzer „In lauschiger Nacht" von Carl Michael Ziehrer ließen sich die Zuhörer mitreißen in die Welt des Dreivierteltaktes. Feiner Bogenstrich und zarter Harfenklang harmonier­ ten mit Bläsern und Rhythmusinstru­ menten. Musikgenuss pur machte sich rund um die Waldbühne breit. Beschwingt und fröhlich waren die weiteren Beiträge der Volksmusik­ gruppen, so dass ein bestens gelaun­ tes Publikum in die Pause entlassen wurde. Die perfekte Stimmung wurde nun allerdings getrübt, denn über dem Fuderheuberg war erstes Blitzezu­ cken zu sehen, starker Wind verweh­ te nicht nur die Notenblätter, sondern fuhr rauschend durch die Baumwip-

Liedbeiträge gab es durch die Stoa­ berg-Sängerinnen. Fotos: Horn

fel, und erste Regentropfen erlaubten es nicht mehr, das Risiko einzugehen, dass die teueren Instrumente Schaden erleiden könnten. So musste das Waldkonzert frühzeitig abgebrochen werden. „Es ist sehr schade, aber wir haben heute schon so viel Schönes gehört, dass wir einen nachhaltigen Eindruck mitnehmen", kommentierte es eine Besucherin, bevor sie sich wie die vie­ len anderen Zuhörer zügig auf den Heimweg machte.

Auf der großen Bühne spielte die Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Prof. Christoph Adt.

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PHAMILIENKONZERT OBERSALZBERG - OPEN AIR

Minister verbindet Klassik und bayerische Tradition Wolfgang Heubisch und Reichenhaller Philharmonie mit „Beda und da Woif" am Obersalzberg Von Veronika Mergenthal

OBERSALZBERG - Bei Bilderbuch­ Sommerwetter lockte das dritte Fami­ lienkonzert des Hotels Intercontinental Resort mit der Bad Reichenhaller Philharmonie etwa 500 große und kleine Besucher auf den Obersalz­ berg. Höhepunkt des Open-Air-Konzerts war heuer die Aufführung der vom bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Wolfgang Heubisch verfassten und vorgetragenen Mundart-Version von Sergei Prokofjews „Peter und der Wolf". Viele Zuhörer haben sich unter den großen Sonnenschirmen oder unter umfunktionierten Regenschirmen verschanzt. „Diesen DSV-Schirm ha­ ben wir gestern erst beim Marktfest für ein Zwei-Euro-Los gewonnen", erzählt Johanna Hasenknopf aus Ma­ ria Gern, die mit ihrer Enkelin Christina Schwab, einem Ferienbesuch, zum ersten Mal da ist. Nun kommt die neue Errungenschaft gleich zum Einsatz. Vorsorglich haben sich die beiden mit ihren Schirmen liegend ganz vorne postiert, um niemandem die Sicht zu nehmen. Einige Familien

Staatsminister Wolfgang Heubisch liest den von ihm selbst verfassten Mundart­ Text zu „Peter und der Wolf".

suchen im Schatten mitgebrachter Zelte Schutz vor der sengenden Hit­ ze, wie Claudia Seißler aus Freilas­ sing mit den Söhnen Jonathan (13) und Bastian (drei), der sich zusätzlich mit einem Eis abkühlt. Mitgebracht

Zum Stück „Gänsemarsch" führte Dirigent Christian Adt im Federvieh-Kostüm einen lustigen Gänsemarsch durch die Wiese an. Fotos: Mergenthal

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hat sie auch ihre Schwägerin Birgit Stegmeier aus Neuburg an der Do­ nau, die auf der Durchreise ist. „Sonst sind wir öfter am Thumsee oder bei Konzerten in Bad Reichenhall oder Salzburg, mal mit, mal ohne Kind", verrät Seißler, Fan der Klassik und der Philharmonie. „Die Kulisse hier ist fantastisch. Und in ein paar Jahren sind die Bäume ja größer und spen­ den mehr Schatten", findet die Freilassingerin. Alle Bemühungen um Abkühlung sind spätestens dann zu­ nichtegemacht, als Dirigent Chris­ toph Adt, als gelbes Federvieh ver­ kleidet, die Kinder und einige Erwachsene zum „Gänsemarsch" von Adolf Vancura in einer vor allem für ihn selber schweißtreibenden Polo­ naise über die Wiese jagt. Vorher dürfen die Kinder nach der Ouvertüre zu „Dichter und Bauer" von Franz von Suppe herausfinden, wie das Orchester beim Stück „Auf dem Mühlenrad" das Klappern der Mühle imitiert. Geschrieben hat es Jo­ seph Gungl, der das Reichenhaller Orchester 1868 gegründet hat. Aus nächster Nähe, mitten unter den Mu­ sikern, erlebten die Buben und Mäd­ chen den beschwingten Faust-Walzer aus der Oper „Margarete" von Charles Gounod und ein schwelgen­ des Medley zu George Gershwins „Porgy and Bess". Gerade hier gab es immer neue Instrumente zu entde­

cken, die in den Vordergrund traten: mal die Oboe, mal die Trompete, mal die Posaunen, mal Celli und Bässe. Nach einer kleinen Stärkung an den Ständen einheimischer Betriebe waren die Gäste fit für „Beda und da Woif", wie Heubisch seine Version nannte. Angeregt wurde die Kompo­ sition aus dem Jahr 1936 von Natalija Saz, Leiterin des Moskauer Kinder­ theaters, um Kindern die Orchesterin­ strumente näherzubringen. So stehen die Querflöten für den kleinen Vogel, die Oboe für die quakende Ente, die Klarinette für die dahinschleichende Katze und so weiter. Als Vizepräsident der Münchner Musikhochschule hat Adt gute Kon­ takte zu Heubisch und regte „Peter und der Wolf" als gemeinsames Pro­ jekt an. Den hochdeutschen Text wollte der Minister nicht lesen. Da er im Internet nichts Passendes fand, schrieb er selber eine altbayerische Version, die er mit Adt vor einem Jahr in Wolfratshausen und einige Male in München aufführte. In Bundlederho­ se trug er den Text am Obersalzberg wie immer selber vor. Als Zugabe gab es den Marsch „Hoch Reichenhall" von Gustav Paepke, der die Philhar­ monie von 1879 bis 1921 leitete. „Mir hat's richtig Spaß gemacht", verriet Heubisch. Er ist froh, in seiner Kindheit auf einem Bauernhof in der Nähe des Elternhauses in Großha­ dem noch richtig Münchnerisch-Alt­ bayerisch gelernt zu haben. Mit seiner Mundart-Version von „Peter und der Wolf" möchte er zwei Dinge, die für ihn zusammengehören, wieder zu­ sammenbringen: Die klassische Mu­ sik und die altbayerische Tradition, zu der die Trachtler ebenso wie der Dialekt gehören. Das Familienkonzert findet er „eine klasse Einrichtung".

„Open Air mal zwei" war erfolgreich Zufrieden mit dem Echo war auch Hoteldirektor Michael Caspar, der erstmals zu einem Open Air „im Dop­ pelpack" geladen hatte. Bereits am Vorabend hatten etwa 450 Gäste die erste Boogie-, Blues- und Swing­ Nacht am Obersalzberg genossen. Weitere Fotos sind im Internet auf www.reichenhaller-tagblatt.de zu fin­ den.


PHILHARMONISCHE KLANGWOLKE

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JOHANN STRAUSS TAGE

Gräfin Mariza, das Telefon klingelt Heiterer Operettenabend mit teils unfreiwillig komischen Einlagen zur Eröffnung der Strauß-Tage Von Barbara Titze

BAD REICHENHALL - Wie schwierig es schon mal mit der leichten Muse sein kann, zeigte der Auftakt der Johann-StraußTage im Königlichen Kurhaus, bei dem die Akteure ihre Pro­ fessionalität beim Überspielen der vielen kleinen Missgeschi­ cke einsetzen mussten. Die halbszenische Aufführung der bekannten und beliebten Ope­ rette „Gräfin Mariza", bei der der Blickkontakt zwischen dem österreichischen Dirigenten Al­ bert Seidl und den Sängern nicht immer gegeben war, hatte so ihre Tücken. Nicht immer passten Tempi und Einsätze von Orchester und Sängern zu­ sammen. Da kam dann mal ei­ ne halblaut gezischte Anwei­ sung des Dirigenten, mal fand man sich nach einigen Takten zusammen; einmal brach das Orchester sogar ab, um erneut - und diesmal passend - zu­ sammen mit den Solisten wie­ der einzusetzen. Der Erzähler Claus J. Frankl brachte dem Publikum die Handlung der Operette lau­ nisch und mit komödianti­ schem Talent nahe. Daneben verkörperte er auch noch leb­ haft und gekonnt den schwei­ nezüchtenden Baron Koloman Zsupan („Bin ich sozusagen Zsupan das Allerletzte, habe ich größte Schweinerei von ganz Europa") und verlor sei­ nen Humor auch nicht, als er Dirigent Seidl nachdrücklich

darauf aufmerksam machte, dass man sich bereits im drit­ ten Akt befinde und erst sich selber, dann dem armen Diri­ genten den Schweiß von der Stirn tupfte. Selbst die versier­ ten Musiker aus dem Philhar­ monischen Orchester hatten Mühe, ernst zu bleiben. Frankl war ein Gewinn für diesen Abend. Humorvoll und poin­ tiert schilderte er die nicht im­ mer besonders originelle Handlung der „Gräfin Mariza" als das, was Operetten eben sind: „Märchen für erwachsene Menschenkinder", wie es schon der Librettist Alfred

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Grünwald formuliert hatte. Die „Gräfin Mariza" wurde 1924 im Theater an der Wien uraufgeführt. Zu einer Zeit also, als die walzertanzende, voller Se­ ligkeit um sich selbst kreisende Welt, die in den Operetten be­ schrieben wird, im Ersten Welt­ krieg untergegangen war. Nostalgie war Programm, selige Erinnerungen an die gu­ te alte Zeit wollten diese scheinbar heile Welt wieder auferstehen lassen. Wie Claus J. Frankl so treffend bemerkte: „Das Beste an der guten alten Zeit ist unser schlechtes Ge­ dächtnis." Es begann wie alle

richtigen Märchen mit „es war einmal", und sogar eine Art verzauberter Prinz kam vor, in diesem Fall kein Frosch, son­ dern ein Herr Verwalter, der ei­ gentlich ein Graf war und zum (Opfer-)Lamm wurde. Der die Rolle des Tassilo ver­ körpernde, in Budapest gebo­ rene Adam Sanchez brauchte ein wenig Zeit, um sich freizu­ singen. Man hörte ihn im Ne­ benraum immer wieder einmal gedämpft husten. Möglicher­ weise war er erkältet. Trotzdem konnte sich schon während der ersten Arie „Grüß mir die sü­ ßen, die reizenden Frauen"

sein schöner lyrischer Tenor vor allem in den ausdrucksvoll und mit Volumen und Leich­ tigkeit gesungenen Höhen ent­ falten. Ilona Vöckel stellte abwech­ selnd das wahrsagende Zigeu­ nermädchen Manja und die Komtesse Lisa, Tassilos Schwester, dar. Gekonnt wech­ selte sie zwischen den Kostü­ men und Charakteren hin und her, ernst und geheimnisvoll als Zigeunerin, voller Charme, Esprit und fröhlichem Liebreiz als Komtesse. Mit leichtem, hellem Sopran sang sie das Duett mit Tassilo „Sonnenschein, hüll dich ein". Keck und trotzig klang ihre Aufforderung an Zsupan „Behüt' dich Gott, komm gut nach Haus". Frankl alias Zsu­ pan verteilte zum Vergnügen des Publikums die Rosen, die eigentlich für Gräfin Mariza bestimmt waren, an die Damen in der ersten Reihe, während er selbstbewusst und draufgänge­ risch die bekannte Melodie „Komm mit nach Varazdin" anstimmte. Und Katharina E. Leitgeb, die mit den großen Frauenpar­ tien aus Tosca, La Boheme, Manon Lescaut und vielen ande­ ren Opern schon auf der Bühne stand, war tatsächlich eine Di­ va, eine kapriziöse, launenhaf­ te und schwer zufriedenzustel­ lende Grande Dame, die die Zuhörer mit einem hinreißen­ den, in den Höhen strahlen­ den, warmen Sopran verzau­

berte. Ohrwürmer wie „Ich möchte träumen von dir, mein Pucikam", „Ja, heut um zehn sind wir im Tabarin" oder „Sag' ja, die Stunde des Glücks ist da", durften natürlich nicht fehlen. Noch einmal kam größte Heiterkeit im Publikum auf, als Tassilo den Brief seiner Ange­ beteten las, die ihm nun end­ lich ihre Liebe gestehen wollte, mit „Lieber Tassilo" begann, dann aber, als ein Handy läute­ te, im gleichen seligen Tonfall fortfuhr „Das Telefon klingelt". Ja, es war rundum ein heite­ rer und trotz der kleinen Mal­ heurs gelungener Abend, leb­ haft und fröhlich, ganz im Sinne des lebenslustigen Jo­ hann Strauß, dem König der Walzer. „Wieso eigentlich Strauß-Ta­ ge?", fragte eine Dame ver­ wirrt. „Die Melodien sind herr­ lich, wunderbar, aber das ist doch Emmerich Kálmán, oder nicht?" Freilich, da hatte sie recht. Bei den Strauß-Tagen der Bad Reichenhaller Philharmo­ nie sind eben nicht nur die Werke des Meisters selber zu hören, sondern auch die seiner bedeutendsten Nachfolger. Der Ungar Emmerich Kámán war zusammen mit Franz Lehár Begründer der Silbernen Ope­ rettenära. Und bis heute ist ein ganz besonderes „Gustostückerl" seine lebenslustige, tempera­ mentvolle und ins Ohr gehen­ de „Gräfin Mariza".


Musikalisches Schwipserl schon am Vormittag Matinee als krönendes Sahnehäubchen auf der Melange der Strauß-Tage Von Barbara Titze

BAD REICHENHALL - Heitere Er­ wartung herrschte im gut besuchten Königlichen Kurhaus an diesem drit­ ten und letzten der schon bisher so gelungenen Johann-Strauß-Tage. Be­ reits bei der schmissigen Ouvertüre zur Operette „Fesche Geister" von Carl Michael Ziehrer war die pri­ ckelnde Champagnerlaune zu spü­ ren, als der sichtlich gut gelaunte Mo­ derator und Tenor Claus J. Frankl mit einem Gläschen Sekt in der hocherho­ benen Hand am Publikum vorbeitän­ zelte. Der nicht ganz so bekannte Kom­ ponist Ziehrer war von Carl Haslin­ ger, dem Verleger von Johann Strauß, protegiert worden und wurde nach Johann Strauß Vater, Sohn und Edu­ ard Strauß 1907 der letzte k.k. Hof­ ballmusikdirektor. Seine Musik ver­ lockte ebenso wie die von Johann Strauß zum Tanzen. Der Grazer Tho­ mas Diestler verkörperte mit seinem feuerroten Haarschopf, der wahr­ scheinlich der Exzentrik des reichen Prinzen Orlowski geschuldet war, in idealer Weise diesen Lebemann aus der Fledermaus, als er mit großarti­ gem, vollem und männlichem Coun­ tertenor die Arie „Ich lade gern mir Gäste ein" anstimmte. Diestler war Stipendiat und Preisträger des Meis­ tersänger-Wettbewerbs am American Institute for Musical Studies und überzeugte das Publikum an diesem Vormittag nicht nur durch seine wun­ derbare Stimme, sondern auch durch sein schauspielerisches Talent. Ilonka Vöckel und Katharina E. Leitgeb bezauberten mit dem herrlich ausgelassenen „Schwipslied" aus der Strauß'sehen Operette „Eine Nacht in Venedig". Dieses Stück, auch als „Annen-Polka" bekannt, hatte Johann Strauß der österreichischen Kaiserin Maria-Anna von Savoyen gewidmet. Die übersprudelnde Heiterkeit der beiden Damen war ansteckend, der

arme Dirigent Albert Seidel hatte sei­ ne liebe Müh, sich ihrer zu erwehren und seinen Platz auf dem DirigentenPodium zu verteidigen. Sehr erhei­ ternd beendete Katharina E. Leitgeb die Arie mit einem herzhaften „Hicks!" Der darauffolgende „Spanische Marsch", in dem fröhlich die Kastag­ netten erklangen, war eine Hommage des Komponisten an die kunstsinnige spanische Regentin Marie Christine, die sich in Madrid wiederholt für die Wiener Musik eingesetzt hatte und Johann Strauß für den ihr gewidme­ ten Marsch das Großkreuz des Isabellen-Ordens verlieh. Die Urauffüh­ rung eines „Doppelduetts" war nach den Worten des wieder amüsant und launig plaudernden Claus J. Frankl die gelungene, vierstimmig vorgetra­ gene Arie „Wie oft genügt ein Gläs­ chen Sekt" von Robert Stolz aus dem Tonfilm „Confetti" mit Marika Rökk. Eines des bedeutendsten Werke von Johanns Bruder Josef Strauß war als Nächstes zu hören, der „DynamidenWalzer", dem er auch den Titel „Ge­ heime Anziehungskräfte" gegeben hatte. Er sollte physikalisch gesehen die Bausteine, aus denen ein Atom besteht, beschreiben und wurde 1865 zum Industriellenball uraufgeführt. Ein Höhepunkt des Konzerts war das „Vilja-Lied" aus der Operette „Die lustige Witwe" von Franz Lehar, in dem Katharina E. Leitgeb mit ih­ rem warmen, weichen und volltönen­ den Sopran brillieren konnte. Unter­ stützt wurde sie dabei vom großen „Philharmonischen Publikumschor", der in den Zwischenstücken mitsum­ men durfte und dies auch gerne und erfolgreich tat. Ihre eindeutig zweideutigen Ab­ sichten machte Ilonka Vöckel ihrem Partner Thomas Diestler mit koket­ tem Blinzeln und anzüglichem Au­ genaufschlag klar, als sie gemeinsam das Lied „Im Chambre Separee" aus dem „Opernball" des 1850 in Graz

geborenen Richard Heubergers zum Besten gaben. Temperamentvoll er­ klang die „Polka Francaise" von Jo­ seph Strauß, bevor Ilonka Vöckel ne­ ckisch und sehr überzeugend fragte: „Warum soll eine Frau kein Verhält­ nis haben?" Dieses Lied aus der Ope­ rette „Eine Frau, die weiß, was sie will" von dem nicht mit der StraußDynastie verwandten Oscar Straus schien ihr sozusagen auf den Leib ge­ schneidert zu sein. Mit einem weite­ ren mitreißenden Walzer, den „Wie­ ner Bonbons" von Johann Strauß, wurde zum Finale übergeleitet. „Und noch'n Gedicht", so brachte sich aber vorher Claus J. Frankl in Erhardt'scher Manier erneut mit ei­ nem Bonmot zu Gehör. Und dann versprühten die vier hochkarätigen

Sänger mit „Im Feuerstrom der Re­ ben" aus dem vielleicht bekanntesten und beliebtesten Werk des Walzerkö­ nigs, der „Fledermaus", noch einmal champagnerselige Heiterkeit und perlende Lebenslust, bevor sich das animierte Publikum die Zugabe „Champagner-Galopp" von Hans Christian Lumbye, einem dänischen Komponisten und Zeitgenossen von Johann Strauß Vater, erklatschte. Vom Saaldiener bis zu ausländischen Gäs­ ten hörte man begeisterte Kommenta­ re nach diesen drei Tagen voller musi­ kalischer Genüsse, die anscheinend nicht nur den Zuschauern, sondern auch den Sängern, dem Dirigenten und dem Philharmonischen Orches­ ter selber großes Vergnügen bereitet hatten.

Ilonka Vöckel (von links), Katharina E. Leitgeb, Thomas Diestler, Claus J. Frankl: Ausgelassen prickelnde Champagnerlaune und hervorragende Stimmen mach­ ten die Matinee zu einem Genuss. Foto:Titze

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PHILHARMONISCHES KONZERT NO. 5

Montag, 30. September 2013

KULTUR

Anfeuernde Energien vom einstigen Philharmonie-Chef Christian Simonis dirigierte Romantik von Mendelssohn-Bartholdy, Brahms und Dvorak Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Freude am Spiel und an der Musik war der vor­ herrschende Eindruck beim fünften philharmonischen Konzert im Kur­ gastzentrum. Christian Simonis, von 1985 bis 1990 Chefdirigent der Bad Reichenhaller Philharmonie, war für dieses Konzert an seine einstige Wir­ kungsstätte zurückgekehrt. Alte Freunde ebenso wie neues Publikum erlebten mit ihm einen stimmigen Konzertabend. Mit Temperament motivierte Simo­ nis die Musiker zu konzentrierter wie lustvoller Intensität. Volle Fahrt vor­ aus hieß es gleich zum Einstieg bei Mendelssohn-Bartholdys Ouvertüre „Ruy Blas" op.95 , die zwar im Schat­ ten seiner vier großen Konzertouver­ türen „Sommemachtstraum", „Heb­ riden", „Meeresstille" und „Melu­ sine" steht, aber nichtsdestoweniger Popularität genießt. Stimmungsviel­ falt ist ihr eigen und eine melodisch erfindungsreiche Klangsprache, de­ ren schwungvolle Spontanität unmit­ telbar anspricht. Simonis und die Musiker gingen mit Frische ans Werk. Brahms' Violinkonzert D-Dur op. 77, ursprünglich als „Konzert gegen die Geige" apostrophiert, ist heute eines der meistgespielten Violinkon­ zerte und für jeden Geiger obligates Repertoirestück. Brahms hatte es für den damals berühmten Geiger Joseph Joachim geschrieben und auch mit ihm erarbeitet. Joachim spielte in der Uraufführung den Solopart und schuf die Kadenz des ersten Satzes, die bis heute meistens Anwendung findet. Der Solist sieht sich mit Doppelgrif­ fen, Akkordbrechungen und zahlrei­ chen technisch virtuosen Elementen

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Christian Simonis leitete mit überschäumender Energie das 5. philharmonische Konzert.

und rhythmischem Raffinement kon­ frontiert, kann aber, vor allem im Adagiosatz, auch mit träumerischer Melodik die Zuhörer gefangenneh­ men. Das Orchester übernimmt nicht nur Begleitfunktion, sondern ist mit dem Solopart in enger, fast symbioti­ scher Melodieführung und Wechsel­ beziehung „verbandelt". Simonis nutzte die orchestralen Möglichkeiten mit energetischem Einsatz und die Musiker zogen kraft­ voll mit. Der Münchner Violinprofessor Gottfried Schneider spielte den Solopart mit routiniertem Können, untadeliger Technik und als Profi sei­ nes Instrumentes. Die Klangbalance mit dem Orches­ ter war indes nicht immer optimal. Die Violine tauchte zwischendurch

in den Orchesterwogen unter. Die So­ looboe trat in Wettstreit mit der Solo­ violine und berührte mit empfindsam kantablen Linien. Auch die übrigen Holzbläser und die tiefen Streicher gaben den Ohren sensitives Futter. Unbekümmert in volkstümlicher Fröhlichkeit klang das Werk im „Alle­ gro giocoso- Rondo" mit launigem Schwung aus. Nach der Pause ließen Simonis und die Musiker Dvoráks 8. Symphonie in ihrer strahlenden Frische und melodi­ schem Einfallsreichtum zu ihrem Recht kommen. In freier Form reihte der Komponist Motive wie improvi­ sierte Phrasen aneinander. Die Sym­ phonie war kein Auftragswerk gewe­ sen, sondern Dvorak schrieb sie aus eigenem Antrieb. Eine ländliche Stirn-

Foto: Aumiller

mung mit tonmalerisch gestalteter böhmischer Motivik zeigte sich als charakteristischer Ausdruck. Anspre­ chend formten die Musiker die klang­ liche Aussage. Wie Vogelgezwitscher flötete es im ersten Satz, Walzertakte mischten sich ebenso ein wie emp­ findsame Poesie in den Celli. Bei den, den 4. Satz einleitenden Fanfaren, brillierten die Trompeter. Poetischen Elementen und Ruhe-Momenten wurde im Adagio-Satz Raum gege­ ben, der damit den stärksten Ein­ druck für sich verbuchen konnte. Die eingängige Musik in ihrem ei­ genen Charme sammelte in der Wie­ dergabe der philharmonischen Musi­ ker unter Christian Simonis Sympathiepunkte beim Auditorium. Großer Applaus!


HAYDNS DIE SCHÖPFUNG IN ST. ZENO

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HAYDNS DIE SCHÖPFUNG IN ST. ZENO

Haydns „Schöpfung“ erklang hinreißend und bewegend im Münster St. Zeno: Unter der Leitung von Christoph Adt musizierten die Rei­ chenhaller Philharmonie, die Chorgemeinschaft Neuötting sowie als Solisten Bernadette Müller (Sopran), Frieder Lang (Tenor) und Tho­ mas Gropp (Bass).

Wie Gott aus dem Chaos die Welt erschafft

Haydns „Schöpfung" in St. Zeno - Musikgenuss verschmilzt mit religiösem Ausdruck Bad R e i c h e n h a l l . Manche Musikwerke gehören einfach in ei­ ne Kirche. Nicht nur Messen oder Kantaten haben dort ihren ange­ stammten Platz, auch Oratorien werden in sakralen Räumen zu be­ wegenden Erlebnissen über den reinen Musikgenuss hinaus. Joseph Haydns hinreißendes Meisterwerk von der Erschaffung der Welt entführte im wuchtigen Münster St. Zeno Zuhörer, Musiker und Sänger geradezu in himmlische Sphären. Glanzleistungen von Soli, Chor und Orchester unter der souveränen Federführung von Chris­ toph Adt, dem Chefdirigenten der Reichenhaller Philharmonie, zauberten den Himmel auf Erden.

Cristoph Adt verantwortet an der Münchner Hochschule für Musik und Theater nicht nur den Bereich Orchesterleitung für Schul- und Kirchenmusik, er ist auch Professor der Oratorien­ klasse. Was also könnte näher liegen, als das reichhaltige Jah­ resprogramm der Bad Reichen­ haller Philharmonie um die Auf­ führung eines Oratoriums zu be­ reichern? Mit Haydns „Schöp­ fung“ stand ein Zentralwerk der Musikgeschichte auf dem Pro

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gramm, von brillanter Komposi­ tionskunst ebenso geprägt wie von tiefer religiöser Überzeu­ gung. Aus dem Chaos lässt Gott die Welt entstehen, überstrahlt sie durch die Sonne, belebt sie mit Pflanzen, Getier und zuletzt dem Menschen. „Mit Staunen sieht das Wunderwerk der Him­ melsbürger frohe Schar“ ist ein erster Höhepunkt an göttlichem Lobpreis und tonaler Prachtent­ faltung nach der Erschaffung

des Firmaments aus den toben­ den Elementen. Die Berge stei­ gen empor, Ströme und Bäche durchfließen lautmalerisch das Orchester, Wälder und Wiesen gedeihen.

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes „Stimmt an die Saiten, er­ greift die Leier, frohlocket dem Herrn“ lautet da der musikali­ sche Triumph, sich kraftvoll steigernd zu „herrlicher Pracht“. Nicht nur der Himmel erzählt da die Ehre Gottes - die Harmo­ nie von Solisten, Chor und Or­ chester spiegelte auch die Ge­ nialität des Werkes wider. Ber­ nadette Müller als Sopran, Frie­ der Lang als Tenor und Thomas Gropper als Bass loteten lyrisch,

brillant und kongenial die schil­ lernden musikalischen Facetten von Haydns Erzengeln sowie Adams und Evas aus. Nicht we­ niger gefordert sind in der Schöpfung die Instrumentalisten, die durch ihre individuel­ len Klangfarben den Reichtum der Natur abbilden und auf­ scheinen lassen. Es leuchtete, dem Text ent­ sprechend, „in vollem Glanz der Himmel“. Jubelnder Beifall be­ lohnte die Ausnahmeleistungen der drei Solisten, der Chorge­ meinschaft Neuötting und der Bad Reichenhaller Philharmo­ nie. „Vollendet ist das große Werk“ in erhabenem Rahmen durch bewegende Kunst und be­ rührende Festlichkeit - eine Sternstunde wahrhaft klassi­ scher Musik. Max Oberwegner


STUMMFILM VON 1921 MIT LIVE-MUSIK

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GUSTAV PAEPKE - GEDENKKONZERT

Um die die philharmonische philharmonischeKurmusik Kurmusikverdient verdient gemacht gemacht Musikalische Erinnerungen im Gedenken an den 160. Geburtstag von Gustav Paepke

Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Die Bad Reichenhaller Philharmonie mit Karl Albert Geyer am Pult widmete dem einstigen Orchesterleiter und Kompo­ nisten Gustav Paepke in Erinnerung an dessen 160. Geburtstag einen Kon­ zertnachmittag in der Konzertrotun­ de. Die Enkelin des Jubilars Christa Deutscher war mit ihrer Familie bei diesem musikalischen Gedenken an­ wesend. Der Dirigent Karl Albert Geyer moderierte auch die Pro­ grammfolge und ergänzte die Musiknummem kenntnisreich und anre­ gend mit informativen. Details. Gustav Paepke, 1853 in Mecklen­ burg geboren, kam 1879 nach Bad Reichenhall, wo er 43 Jahre lang die Kurkapelle leitete. Kaum zwanzigjäh­ rig war der begabte Geiger in der Schweriner Hofkapelle erster Violi­ nist geworden und wurde später zum Hofmusiker und Kammermusikus ernannt. Sein Schwiegervater war der Walzerkompohist Josef Gungl, der die Reichenhaller Kurkapelle 1868 ge­ gründet hatte. Nach Gungl hatte Carl Hünn acht Jahre lang die Leitung der Kurkapelle inne, bevor sich dann Paepke große Verdienste um das Reichenhaller Orchester erwarb. Paepke verdoppelte als königlich bayerischer Musikdirektor die Zahl der Musiker Von 22 auf 44 und er­ warb sich mit seinen künstlerischen Leistungen große Anerkennung. Er komponierte eigene Stücke für die Kurkapelle und arrangierte bekannte Werke von Opern und Sinfonien namhafter Komponisten, die damit in kleinerer Besetzung von der Kurka­ pelle dem Publikum nahegebracht werden konnten. Die Kurkapelle spielte damals nur im Sommer und Paepke musste sie alljährlich neu zusammenstellen. Im Winter versah er weiter 22. Jahre lang seine Dienste in Schwerin. Paepke nahm, auch großen Einfluss auf die Errichtung des Reichenhaller König­

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Feierliche Erinnerung an Gustav Paepke (von links): Stephan Hüfner, Intendant der Reichenhaller Philharmonie, Karl Albert Geyer, die Familie Deutscher und Bad Reichenhalls Kurdirektorin Gabriella Squarra (rechts). Foto: Aumiller

lichen Kurhauses als Spielstätte für das Orchester. Als schönes Beispiel für Paepkes Orchesterbearbeitungen dirigierte Geyer jetzt das Melodienarrangement aus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail", das Themen des Osmin, der Blonden, des Belmonte oder aus dem Duett Osmin-Pedrillo anklingen ließ. Aus Paepkes eigenen Kompositi­ onen erfreuten die Musiker die Zuhö­ rer mit dem zündenden Galopp „Je schneller desto besser" und der rasan­ ten Tarantella „Auf der Rodelbahn", bei der eifriges Triangelgeklingel die temporeiche Fahrt unterstützte. Josef Gungl kam sinnigerweise mit der Pol­ ka mazur „Gedenke mein" zu klang­ reichem Wort und brachte mit dem Walzer „Die Hydropathen" kurmusi­

kalisch schwungvolle Tanzelemente in die Rotunde. Carl Hünn blieb mit „Vergißmeinnicht" unvergessen. Und Ludwig van Beethovens „LeonorenOuvertüre" Nr.3 passte sehr wohl in den Erinnerungsreigen, war sie doch eines der geliebten und bevorzugten Stücke des Dirigenten Paepke. Nobel, spannungsvoll und dyna­ misch differenziert ließ Geyer mit sei­ nen Musikern dieses sinfonische Wunderwerk mit den eindringlichen Trompetensignalen machtvoll Klang werden. Zum Abschluss tönte dann Paepkes Marsch „Hoch Reichenhall" aus dem Jahr 1911 mit dem Blechbläservollklang eindringlich wie eine Art „Stadthymne". Geyer dirigierte alle Programmpunkte ebenso energisch aufgeladen mit zügigen Tempi wie

Dirigent

auch mit Einfühlungsvermögen für die feineren Schwingungen. Paepkes Werk und seine Verdienste sind in Bad Reichenhall keineswegs vergessen. Die Philharmonie pflegt seine Kompositionen und Orchester­ bearbeitungen und setzt sie immer wieder auf die Kurmusikprogramme. Allerdings musste sich der Dirigent zum Teil mit dem Manuskript behel­ fen, da keine gedruckten Partituren existieren. Man könnte es sich als eine dank­ bare Aufgabe für einen Sponsor vor­ stellen, die aus den Archiven bisher ungehobenen Schätze in digitaler Aufbereitung zugänglich zu machen. Damit hätte das Alleinstellungsmerkmal der hiesigen Kurmusik eine Son­ derattraktion anzubieten.


PHILHARMONISCHE WEIHNACHT

Mit Bach den Weg zur Weihnacht bereitet Philharmonie spielt die Kantaten I, III und IV aus dem Weihnachtsoratorium Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Den Auf­ takt der traditionellen Reichenhaller Philharmonischen Weihnacht im Al­ ten Königlichen Kurhaus bildete mm zum zweiten Mal Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Es ist Christoph Adts Idee, die weihnachtli­ che Konzertreihe mit diesem Werk einzuleiten. Bach hat die sechs Kanta­ ten ursprünglich nicht als Weih­ nachtsgeschichte komponiert, son­ dern einer Auswahl seiner früher komponierten Werke den weihnacht­ lichen Text unterlegt und zu einem Zyklus für die Weihnächtstage zu­ sammengestellt. Da das gesamte Oratorium für ei­ nen einzigen Konzertabend zu um­ fangreich wäre, ist es gängige Praxis, drei Kantaten daraus auszuwählen. Die erste Kantate „Jauchzet, frohlo­ cket" schildert die Geburt Jesu in Bethlehem, die Kantate Nr. 3 „Herr­ scher des Himmels erhöre das Lallen" zeigt den Weg der Hirten nach Beth­ lehem und in der vierten Kantate „Fallt mit Denken, fallt mit Loben" geht es um die Beschneidung und Namensgebung des Jesuskindes. Im berühmten Eingangschor „Jauchzet, frohlocket" waren sich die Sänger des evangelischen Motetten­

chors noch nicht so ganz einig über das Jauchzen und Frohlocken und im weiteren Verlauf gestalteten sie Bachs polyphone Strukturen und Akzente zunächst noch als eine etwas freizü­ gig ineinanderfließende Mischung. Trotzdem gebietet es große Achtung, dass dieser Naturstimmenchor sich den Herausforderungen stellte, Be­ geisterung am Singen einbrachte und sich dann von Stück zu Stück bis zum gelungenen Finale „Jesus richte mein Beginnen" steigerte. Im Solistenquartett gefiel Berna­ dette Müller mit glockigem Sopran und die Altistin Nathalie Flessa mit natürlich fließender Oratorienstim­ me. Der helle Evangelistentenor Al­ fons Brandl zeigte erfahrenen und stilsicheren Umgang mit Bachs Rezitativen und Arien. Aufhorchen ließ Manuel Adt mit vielversprechendem modulationsfähigem Bass, der eher baritonal gefärbt und mit wortdeutli­ cher Präsenz und gut geschult ge­ führt ist. Musikalisch und stilsicher bewegte er sich sowohl in den Rezitativen wie in den Arien und im Zwiegesang mit Sopran oder Chor. Dass Bachs Musik für Christoph Adt eine Herzensangelegenheit ist, war zu spüren, und die Orchestermu­ siker ließen es nicht an weihevollem Musizieren unter seiner Leitung feh­

Die Solisten der Weihnachtskantaten (von links): Bernadette Müller, Nathalie Flessa, Manuel Adt, Alfond Brandl und Matthias Roth. Foto: Aumiller

len. Herausragend beeindruckten die zahlreichen Soli der Trompete, der Oboe, der Violinen, der Hörner und das gesamte Bläserensemble im Ver­ ein mit der mächtigen Pauke sowie Matthias Roths Continuogrundierung am Cembalo. Innigen Charakter zeigte die Arie „Schließe mein Her­ ze", zärtlich begleitet von der Solovi­ oline, ebenso das Duett „Herr dein Mitleid, dein Erbarmen". Rhythmisch akzentuiert ließ der Bassist „Großer

Herr, o starker König" in den Saal tö­ nen, und effektvoll klang die Sopra­ narie „Flößt, mein Heiland" mit dem feinen Echosopran von der Empore. Sänger und Musiker steigerten sich im zweiten Teil nach der Pause bis zum vital und freudig klingenden En­ de. Musikalisch war damit die Weih­ nachtsstimmung eingeleitet und so­ zusagen offiziell auf den Weg zu ei­ nem erbaulichen Christfest geschickt.

BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE — 51


PHILHARMONISCHE WEIHNACHT

Festliche Paarung von Volksmusik und Klassik Alpenländische Weihnacht vereint Philharmonie mit Hammerauer und Elstätzinger Musikanten Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Es weih­ nachtet sehr: in musikalischer Form heißt das, mit friedfertig sanften oder feierlich brillanten Klängen das Ge­ müt zu umschmeicheln und damit wie mit inwendiger Lichterkette die Stimmung aufzuhellen. Der Alpen­ ländischen Weihnacht gelang es am vierten Adventssonntag im Königli­ chen Kurhaus ganz vorzüglich, den musikalischen Lichterbaum zu ent­ zünden. Die Kombination aus klassischen Orchesterstücken mit den Landlern, G'stanzln und Jodlern der Alpenlän­ dischen Volksmusiker ist eine seltene und besondere Rarität. Sie hat bereits Tradition bei der philharmonischen Weihnacht. Hinzu kam als jüngste Variante das vereinte Musizieren der beiden unterschiedlichen Musiken­ sembles und das zeigte sich als eine einzigartige Spezialität von großem Reiz. Dem Dirigenten Martin A. Fuchs­ berger sind die äußerst gelungenen Arrangements zu danken. Fuchsber­ ger stellte ein tönendes Mosaik aus innigen Volksweisen und klassischen Orchesterfarben zusammen, das sich zu einem symbiotischen Klangge­ flecht herzerwärmenden Zaubers entfaltete. Hans Auer als zünftig fri­

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scher Moderator meinte: „Jetzt wird es spannend. Martin Fuchsberger hat viele Noten für uns geschrieben". Da waren natürlich die Volksmusiker zur Anpassung gefordert und umgekehrt mussten auch die Philharmoniker Zugeständnisse machen. Aber das Ergebnis war faszinierend und Fuchsberger erwies sich als fa­ belhafter Kenner, Arrangeur und Kombinator beider Musikrichtungen. Wie fein waren die Übergänge gestal­ tet, wie geschmackvoll die Instru­ mentierung und der Einsatz der Soli, wie gut ergänzten sich die Musiker. Das Zuhören war eine Freude, ein Genuss. Fast jedes Instrument hatte sein liebenswertes Solo und es eröffnete sich eine ganz eigene Farbpalette, solistisch wie im Zusammenspiel. Die glänzenden Bläserfanfaren tön­ ten mit strahlendem Weihnachts­ schall zunächst von der Empore, dann von beiden Seiten des Podiums. Dreigesang und Viergesang der Volksmusiker bezauberten voller In­ nigkeit und astreiner Intonation. Das Orchester mischte sich dazu oder spielte den Refrain. Hans Auer und seine Musiker fei­ erten ein kleines Jubiläum und boten mit dem neuen Okarina-Landler ihr 100. Stück. Das spielten sie voller Charme, mit zündender Rhythmik und instrumentalen Qualitäten. Zu

Martin A. Fuchsberger hatte die Musikalische Leitung und verfasste die Arran­ gements. Fotos: Aumiller

Beginn des Konzertabends hatten zunächst die philharmonischen Musi­ ker sinfonische Festtags- Gusto­ stückerl geboten mit je einem Satz aus einer Haydn- und Schubert-Sym­ phonie, mit der pastoralen Weih­ nachtsmusik von Arcangelo Corelli und dem Allegretto „Hirtengesang" aus dem Finale der Pastorale von Beethoven. Im Anschluss servierte Hans Auer mit seinen Hammerauer und Elstätzinger Musikanten unter anderem den Deisenberger Landler, den Orgel­ landler von Tobi Reiser, den Florianiund den Kerzenlichtlandler, den Elstätzinger Boarischen. Der Jodler des Dreigesangs durfte auch nicht fehlen. Die klaren und si­ cheren Stimmen der Sängerinnen und ebenso der gemischte Viergesang lös­ te immer von neuem Bewunderung aus, ebenso der nahtlos fließende Wechsel zwischen den Instrumenten, von der Harfe zur Harmonika, vom Hackbrett zur Harfe, von der Klari-

vom Kontrabass zur Harmonika, von der Zither zum Hackbrett, von der Gitarre zur Okarina und so fort. Pfiffige Musikanten sind sie, die Hammerauer und Elstätzinger, voll genuiner Musikalität, Rhythmik und Vitalität. Und im Zusammenklang mit den Philharmonikern mischten sie sich feinsinnig ins Gewebe. Beim Weihnachtslied „Es wird scho glei dumpa" durften dann die Zuhörer mitsingen. Und nach dem weihevollen An­ dachtsjodler zum Schluss gab es kein Halten mehr, da prasselte der begeis­ terte Applaus für alle Mitwirkenden los. Prächtige Blumensträuße wurden verteilt. Fuchsberger wurde gefeiert und Hans Auer mit seinen Ham­ merauer und Elstätzinger Musikan­ ten, ebenso die Philharmonie. Tusch für alle nach diesem stimmigen und erbaulichen Weihnachtskonzert. Die Alpenländische Weihnacht wird am Donnerstag, 26. Dezember,


PHILHARMONISCHE WEIHNACHT

Beschaulichkeit durch gemeinsames Singen Bad Reichenhaller Philharmonie begeistert Sangesfreudige mit Philharmonischen Adventssingen Von Werner Bauregger___________________

BAD REICHENHALL - Der Diri­ gent der Bad Reichenhaller Philhar­ monie Christoph Adt ist bekannt da­ für, dass er sich nicht scheut, neue Wege zu gehen und neue Angebote für sein Publikum anzubieten. So war es das zweite Mal, dass Adt sanges­ freudige Frauen und Männer einlud, zusammen mit dem großen Klang­ körper der Philharmonie, Weih­ nachtslieder aus verschiedenen Kul­ turlandschaften mitzusingen. Das Ganze war eingerahmt von instru­ mentalen Werken von Joseph Joachim Benedikt Münster und Engelbert Humperdinck und garniert mit kur­ zen, amüsanten Weihnachtsgeschich­ ten. Als Stütze mischte sich der Kantor des Motettenchores der Evangeli­ schen Stadtkirche, Matthias Roth, mit Mitgliedern des Chores unter die Konzertbesucher. Christoph Adt lud die Konzertbesucher anfangs dazu ein, das Philharmonische Adventssingen zu nutzen, um in der Hektik der vorweihnachtlichen Zeit gedanklich und emotional zur Ruhe zu kommen. Jeder könne dies so erleben, wie er es wolle. Entweder durch eigenes Mitsingen oder Mitsummen, durch Schweigen, Zuhören oder einfach da­ durch, die Gedanken schweifen und

Ruhe einkehren zu lassen. Instrumen­ tal umrahmte das Philharmonische Orchester den ersten Teil des Adventssingens stimmungsvoll mit dem Weihnachtskonzert in C- und D-Dur „Concertatio Pastoritia XI und XII, für 2 Trompeten, Pauken, Streicher und Orgel, komponiert von Joseph Joachim Benedikt Münster (16941751), in seiner Zeit auch Musikdirek­ tor in St. Zeno. Die Teile der Komposition Müns­ ters sind insgesamt langsam, feierlich und ruhig „schreitend" angelegt mit markanten Trompetensignalen, Pau­ kenschlägen, Celloüberleitungen zu leicht bewegten Sequenzen und mar­ kanten Einwürfen der Harfe. „Macht hoch die Tür", 1704 von Georg Weissei in Halle komponiert, hieß dann das erste gemeinsam ge­ sungene Lied. Angenehm stimulie­ rend, die Sangesgemeinschaft gefühl­ voll im Hintergrund unterstützend und führend, untermalte der Klang­ körper der Bad Reichenhaller Phil­ harmonie mit ihrem Dirigenten hier, wie im weiteren Verlauf des Adventssingens, die Advents- und Weih­ nachtslieder in den verschiedenen Klangfarben. Im Vorspiel, den Zwischenspielen und während der verschiedenen Liedstrophen wechselten sich der Blä­ ser- und der Streichersatz mit der von

Freude herrschte über das gelungene Adventssingen, Mitte links Christoph Adt, rechts daneben Matthias Roth.

Mitsingen macht offenbar Freude. Christoph Adt gespielten kleinen Or­ gel variantenreich ab oder steigerte in großer Besetzung das Klangerlebnis des Gemeinschaftschores in ein­ drucksvoller, feierlicher Art und Wei­ se. Gut ausgesucht waren zudem die gesungenen Lieder, die aus vielen un­ terschiedlichen Kulturlandschaften stammen. „Maria durch ein Dom­ wald ging" ist zum Beispiel ein Wallfahrtslied aus dem 19. Jahrhundert, „Als ich bei meinen Schafen wacht" entstand Anfang des 17. Jahrhunderts in Lothringen, „Kommet ihr Hirten" stammt aus der Mitte des 19. Jahr­ hunderts, „Grünet Felder, grünet Wiesen" wurde im 18. Jahrhundert in Oberösterreich komponiert und „Es werd scho glei dumpa" entstammt der Sammlung „echte Tiroler Lieder" von 1913. „Es ist ein Ros entsprungen" kommt aus Trier/Köln, „Vom Him­ mel hoch da komm ich her" ent­ stammt der Feder Martin Luthers, die Melodien „Zu Bethlehem geboren" und „Ich steh an deiner Krippe hier" entstanden 1599 in Paris und „Was soll das bedeuten" kommt aus Schle­ sien und wurde 1842 komponiert und getextet. Mit hörbarer Freude sangen

Fotos: Bauregger die Frauen und Männer auch die beiden Choräle „Mach dich auf und werde Licht" und „Magnificat" mit denen eine weitere, abwechslungsreiche Gesangsvariante in das Adventssingen einfloss. Hörbar wohl fühlten sich die Musikerinnen und Musiker offensichtlich bei der Ouvertüre zur Oper „Hänsel und Gretel" mit der das Orchester den zweiten Teil des Programms hörenswert und präsent einleitete. Für Auflockerung sorgte der Dirigent mehrere Male durch Lesung amüsanter, kurzweiliger Weihnachtsgeschichten und einer Kurzfassung der biblischen Weihnachtsgeschichte am Schluss, gekonnt ausdrucksstark und mit farbiger Stimme lebendig rezitiert. In wunderbarer Klangfülle und mit viel Gefühl gesungen erklang zum Abschluss des Adventssingens das Lied, das sich in die ganze Welt verbreitete, „Stille Nacht". Das „Pionierprojekt" wie Christoph Adt anfangs das Philharmonische Adventssingen bezeichnete, erfreut sich steigender Beliebtheit und hat sich, messbar am begeisterten Applaus der Besucher, bereits jetzt gelohnt.

BAD REICHENHALLER PHILHARMONIE — 53


SILVESTERKONZERT

Walzerseligkeit und Operettenzauber Philharmonisches Silvesterkonzert mit orchestralem Schwung und vokaler Brillanz Von Elisabeth Aumiller

BAD REICHENHALL - Festliche Stimmung und Feierlaune waren be­ reits bei der nachmittäglichen großen Operettengala zum Jahreswechsel an­ gesagt. Christoph Adt und seine Mu­ siker legten eine flotte „musikalische Sohle" aufs Podium und die beiden Gesangssolisten Magdalena Hin­ terdobler und Benjamin Appl gaben den zündenden Operettenmelodien genussreiche Nahrung. So klang das Jahr in bester Unterhaltung auf musi­ kalischem Niveau aus. Die beiden traditionellen Silvesterkonzerte gehö­ ren gewiss zu den Höhepunkten im Jahresangebot der Bad Reichenhaller Philharmonie. Das Programm zum Jahreswechsel beinhaltete eine gut gewählte Mischung aus beliebten Glanznummern und etwas selteneren Blüten der Operettenlandschaft. Mit Werken von Johann Strauß, Leo Fall, Emmerich Kámán, Franz Lehár und Paul Abraham wurde die goldene und silberne Ära der Operette leben­ dig. Da es keine gedruckten Program­ me gab, weihten Adt und die Gesangsssolisten als geschickte Moderatoren das Publikum in den musikalischen Ablauf ein. Spritzige Champagnerlaune ver­ breiteten gleich zu Beginn Johann Strauß' „Fledermaus"-Ouvertüre und die Walzerszene „Brüderlein und Schwesterlein" aus dem 2. Akt. Die Musiker punkteten mit Tempera­ ment, schwungvoller Rhythmik, klanglichen Feinheiten und glanzvoll aufblitzenden Soli. Gut gelaunt ser­ vierten sie Stücke wie die zünftige Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß und vom Bruder Josef Strauss

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Lustiger Rollentausch: (von links) Benjamin Appl dirigiert und Christoph Adt heizt mit Magdalena Hinterdobler den Applaus an. Foto: Aumiller

die heiter lachende „Ohne Sorgen"Polka. Zigeunerlich klang der ungari­ sche Marsch von Franz Lehár und beschwingt tänzelnd der „Dorfkin­ derwalzer" von Emmerich Kálmán. Die Sopranistin Magdalena Hin­ terdobler und der Bariton Benjamin Appl waren bereits im Vorjahr die Solisten der Silvesterkonzerte. Jetzt bei der Wiederbegegnung konnten die beiden jungen Künstler auf eine erfreuliche Entwicklung in Sachen Bühnenpräsenz, Spielwitz und Prä­ sentation verweisen. Geradezu „kai­ serlich" gestaltete Hinterdobler ihren Auftritt als Maria Theresia und schwärmte, angeregt vom einschmei­

chelnden Solocello, „Du mein Schön­ brunn, du bist die Krone von Wien" aus „Die Kaiserin"von Leo Fall. Klar in der Diktion und nuancenreich im Ausdruck blühte die Stimme mit leuchtender Höhe. Köstliches Lachfutter verteilte sie bei „Heut hab ich ein Schwipserl" aus Paul Abrahams „Blume von Hawaii". Beim „Ball im Savoy" gestand sie dann kapriziös kokett „Ich war verliebt wie jede Frau" und machte „Toujours l'amour" zu ihrem Credo. Benjamin Appl zeigte Wandlungs­ fähigkeit. In sanft wiegendem Walzer­ takt schmeichelte der Bariton „Brü­ derlein und Schwesterlein". Leo Falls

„Lieben Augustin" legte er in liebens­ werter Komik an, um dann süffisant über „Die Geschiedene Frau" zu phi­ losophieren. Franz Lehars Wolgalied aus dem „Zarewitsch" sang er von der Empore und fand dabei in der ex­ zellenten Stimmführung eine wun­ derbare Mischung aus Lied und Arie in berührender Empfindung. Als Gegenstück gestaltete Appl ei­ nen feschen Danilo, der in Lehárs „Lustiger Witwe" seine Zeit lieber im Maxim als im Büro verbringt. Als ar­ mer Wandergesell aus Eduard Künnekes „Der Vetter aus Dingsda" durchmaß Appl als Reisender mit Hut und Koffer das Podium, bevor er als verführerischer Rosenkavalier „Dun­ kelrote Rosen" nicht nur als Blumen, sondern auch in Tönen von purpur samtiger Stimmfarbe verteilte. Mit stimmlicher Eleganz und emotionaler Kernigkeit war er mit „Komm Zigany" ein entschlossener Tassilo aus Kálmáns „Gräfin Mariza". Er achtete auf hervorragende Phrasierung und Diktion im natürlich wirkenden voka­ len Fließen. Und in Duetten wie „Lip­ pen schweigen" aus „Lustige Witwe" von Lehár oder „Reich mir zum Ab­ schied noch einmal die Hände" aus Paul Abrahams „Viktoria und ihr Hu­ sar" verschmolzen die beiden Stim­ men gefühlig und klangschön. Da blieb kein Zweifel, dass in Benja­ min Appl und Magdalena Hinterdob­ ler zwei entwicklungsfähige Künstler auf gutem Weg zu viel versprechen­ den Karrieren heranreifen. Zum Schluss überließ Adt dem Ba­ riton generös seinen Taktstock, um genüsslich mit der Sopranistin die Sektgläser zum „Prosit Neujahr" zu erheben.


Kindergartenkonzert 2013


Gefรถrdert durch den Freistaat Bayern

Stadt Bad Reichenhall

Bad Reichenhaller Philharmonie - Jahreschronik 2013  

Hintergründe, Zahlen und Fakten des Konzertjahres 2013

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