150 Jahre Festschrift Aktiengesellschaft Bad Neuenahr

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Festschrift


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Aktiengesellschaft Bad Neuenahr

Kurgartenstraße 1 • 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler • Tel. 02641/801-0 • Fax: 02641/801-119

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Festschrift


Festschrift 150 Jahre Bad Neuenahr

Inhalt

Grußworte

06 08 10

Ministerpräsident Kurt Beck Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich Tappe Kurdirektor Rainer Mertel

Das Unternehmen

Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 2008

12 Die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr im Jahr 2008

14 16 18 20 22 24

Die Ahr-Thermen Die Sinfonie der Sinne Villa Sibilla Die Kurverwaltung Steigenberger Hotel Bad Neuenahr Kurparkhotel Bad Dürkheim

26

Unser Partnerunternehmen

28

Ausblick auf die Zukunft

Spielbank Bad Neuenahr Das Ahr-Resort


30 32 36 40 42 46 50

52 54 58 60 62 66

Geschichtliches, Rückblick und Anekdoten

Das Historische Fest der Quellenweihe Georg Kreuzberg – Gründer von Bad Neuenahr Das Aufblühen von Bad Neuenahr Die klägliche Lage der hiesigen Einwohner Schwierige Verhandlungen bei grossem Optimismus Schwere Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg Vom Lazarett zum eleganten Vorort der neuen Bundeshauptstadt Bonn Wirtschaftswunderland und die Sozialversicherungen Diabetes und BAD NEUENAHR Die Quellen von Bad Neuenahr Bad Neuenahrer Eifelfango Kompetenzzentrum für Gesundheit und Wohlbefinden Und wie geht es weiter?

Ein Interview mit Kurdirektor Rainer Mertel


G

erne habe ich die Schirmherrschaft über das 150-jährige

Bestehen des Heilbades Bad Neue-

nahr übernommen. Denn das Bad spielt mit seinen Kur-, Wellness- und

Gesundheitseinrichtungen in Rheinland-Pfalz eine besondere Rolle. Es ist

mit Abstand das bedeutendste unter den rheinland-pfälzischen Bädern

und Spitzenreiter bei den Gäste- und Übernachtungszahlen. Mein Glück-

wunsch gilt allen, die sich dem Bad verbunden fühlen.

Bad Neuenahr ist eines der weni-

gen privaten Heilbäder in Deutschland und wird seit 1858 in der Rechts-

form der Aktiengesellschaft geführt. Sie ist auch heute mit ihren Einrichtungen und Aufgaben der Hauptträ-

ger des Gesundheitstourismus in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eng verbunden

mit der Geschichte des Heilbads sind auch die Entdeckung der örtlichen Heilquellen und die Erschließung des „Apollinarisbrunnens“.

Die lange Tradition als Gesund-

heitsstandort mit herausragender Stellung unter den deutschen Heil-

bädern bedeutet aber auch eine Verpflichtung. Allein in Deutschland stehen 330 Heilbäder und Kurorte

0

untereinander im Wettbewerb. Vor


grusswort Ministerpräsident kurt Beck

diesem Hintergrund steht das Heil-

haus an die Bedürfnisse des heutigen

Erfolg bei der Umsetzung dieses Zu-

zunehmendem

Dieser Betriebsteil der Aktiengesell-

Allen danke ich, die an der Erfolgs-

bad Bad Neuenahr-Ahrweiler vor Konkurrenz-

und

Handlungsdruck, die bestehenden Arbeitsplätze im gesundheitstouris-

tischen Bereich zu erhalten oder sogar weiter auszubauen.

In diesem Zusammenhang er-

wähne ich die Prävention. Sie nimmt, bedingt durch den demographischen

Wandel, einen hohen Stellenwert ein

und ist für Rheinland-Pfalz von enormer Bedeutung. Die Heilbäder und Kurorte können dabei als Zentren

der Prävention und Medical Wellness eine wichtige Rolle spielen.

Mit der „Sinfonie der Sinne“ ist es

der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr

gelungen, das ehemalige Kurmittel-

Gesundheitstouristen

anzupassen.

kunftskonzepts.

schaft wurde mit dem ersten Preis des

geschichte des Heilbads Bad Neue-

Gesundheitstourismus“ des Landes

und der Aktiengesellschaft wünsche

Innovationswettbewerbs „Kur und

Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Darüber hinaus hat Bad Neuenahr als

erster Kurort in Rheinland-Pfalz ein

nahr mitgewirkt haben. Dem Heilbad

ich weitere 150 Jahre Erfolg im Dienste der Gesundheit.

Zertifikat für die erfolgreiche Einführung eines Qualitätsmanagementsystems erhalten. Dem Konzept zur

Umsetzung eines „Ahr-Resorts“ als

Kurt Beck

rum unter einem Dach“ wird von

Rheinland-Pfalz

„Wohlfühl- und Gesundheitszent-

Tourismusexperten eine bundeswei-

Ministerpräsident von

te Vorreiterrolle mit bedeutenden Arbeitsplatzeffekten bescheinigt. Ich wünsche der Aktiengesellschaft viel

07


I

m Jahr 2008 besteht die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr seit

nunmehr 150 Jahren. In den vielen Jahrzehnten der privaten Trägerschaft hat das Heilbad eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die zugleich

maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der heutigen Kreisstadt Bad

Neuenahr-Ahrweiler genommen hat.

Die Aktiengesellschaft hat insbe-

sondere im 19. und 20. Jahrhundert

im Stadtteil Bad Neuenahr teilweise

kommunale Aufgaben übernommen, wie etwa den Bau von Brücken und Straßen, Sportanlagen oder eines Theaters. Das Unternehmen zeichnet

sich dadurch aus, dass „unsere“ Aktiengesellschaft bis in die heutige Zeit

untrennbar mit der Stadt, der Region

und seinen Menschen verbunden ist.

Bad Neuenahr ist nach wie vor

eines der größten privaten Kurund Heilbäder in Deutschland mit

einem überdurchschnittlich hohen

Bekanntheitsgrad. Diese Tatsache

verdanken wir nicht zuletzt den Verantwortlichen, die die Strukturveränderungen im öffentlichen Gesundheitswesen rechtzeitig erkannt

haben. Dass schwierige Zeiten immer auch Zeiten des Wandels sind, belegt

0

das Konzept „Sinfonie der Sinne“ –­


grusswort BürgerMeister dr. hAns-ulrich tAppe

beispielhaft umgesetzt im Ther-

um leistet derzeit die Stadt mit dem

wöhnlichen Jubiläum im Namen der

die jahrzehntelange Verpflichtung

dem gestalterisch die Elemente „Was-

Herzen zu gratulieren. Ich danke dem

mal-Badehaus, aus dem erkennbar der Aktiengesellschaft hervorgeht: „Dem Wohlergehen der Menschen dienen!“

Projekt „Zukunft Bad Neuenahr“, bei ser“ und „stadtbildprägende Bäume“ eine besondere Rolle spielen.

Eine alte Volksweisheit besagt,

Besondere Akzente will das Un-

dass, wenn man schnell laufen will,

gesundheitlichen Prävention setzen.

man aber weiter kommen will, läuft

ternehmen zukünftig im Bereich der

Dieses neue Geschäftsfeld wird in

den nächsten Jahren systematisch erschlossen und mit dem Begriff

„Ahr-Resort“ umschrieben. Der Prä-

ventionsgedanke steht hierbei im Mittelpunkt der Daseinsvorsorge für den Menschen!

Einen entscheidenden Beitrag zur

Attraktivitätssteigerung

des

Heil-

bades in Vorbereitung auf das Jubilä-

man am besten alleine rennt. Wenn man besser im Team. Stadt und Akti-

engesellschaft gehören seit nunmehr 150 Jahren zu einer „Mannschaft“, die im Schulterschluss auch die Zukunft

Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler von

Vorstand, dem Aufsichtsrat sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitar-

beitern der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr für das Engagement zum Wohlergehen

des

Unternehmens

und somit immer auch für unsere Stadt.

Herzlichst Ihr

gemeinsam gestalten wird; denn Vertrauen zueinander ist die Summe

vieler guter Begegnungen seit dem Gründungsjahr 1858.

Dr. Hans-Ulrich Tappe

große Freude, zu diesem außerge-

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Es ist mir als Bürgermeister eine

Bürgermeister der Kreisstadt

09


Grusswort Kurdirektor Rainer Mertel

S

ehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde Bad Neuenahrs,

seit 150 Jahren steht unser Heil-

bad für Gesundheit und Wohlbefinden, für Linderung und Heilung. In

dieser Zeit haben Gesunde und Kranke Zuspruch gefunden, haben sich in unserer Stadt wohlgefühlt!

Wohlgefühl im weitesten Sinne

soll unsere Richtschnur auch für die Zukunft sein. „Körperliches, geisti-

ges und soziales Wohlbefinden“, so definiert die Weltgesundheitsorga-

nisation (WHO) Gesundheit. Lag in den vergangenen Jahrzehnten der

Schwerpunkt unserer Angebote auf

dem Gebiete der kurativen Medizin, so wird sich dieser Schwerpunkt in

10

Zukunft eindeutig hin zur Vorbeu-


gung, zur Prävention verlagern. Bad

den unseren ganzen Ehrgeiz darein-

rung gut vorbereitet und wird mit

bezahlbare Angebote auch künftig

Neuenahr ist für diese Herausfordeseinen Kliniken, mit seinem ärzt-

lichen Fachwissen und mit seinen mannigfaltigen Offerten der Heilbe-

setzen, durch gute, innovative und

umsjahr 2008. Mögen Ihre Erwar-

zu den Spitzenreitern deutscher Heil-

Kurzweil, Entspannung und Gesund-

bäder zu gehören.

Zur Erreichung dieses Ziels sind

rufe auf dem Gebiet der Prävention

beachtliche Anstrengungen vonnö-

nehmen. Die Aktiengesellschaft Bad

schaft Bad Neuenahr, die über Maß-

eine herausragende Stellung ein-

Neuenahr, die private Trägerin des Heilbades seit 150 Jahren, wird sich mit ihren Angeboten an die Spitze der Präventivbewegung stellen und dafür sorgen, dass Bewegung, Ent-

spannung und gute Ernährung als Basis des Wohlbefindens dienen.

Bad Neuenahr hat heute bereits

einen hervorragenden Platz in der

deutschen Bäderlandschaft. Wir wer-

Ich begrüße alle Gäste im Jubilä-

ten. Allen Gremien der Aktiengesellnahmen von Gewicht zu entscheiden

haben, sei ebenso gedankt, wie den

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,

tungen erfüllt werden, mögen Sie heit finden. Mögen Sie immer wieder

gerne zurückkehren in das unver-

wechselbare Heilbad im Tal des königlichen Wassers, der heilkräftigen Vulkanerde und der roten Traube. Herzlichst

ohne die die zurückliegenden erfolgreichen 150 Jahre nicht möglich gewesen wären.

In den Dank sei auch die Stadt Bad

Neuenahr-Ahrweiler mit all ihren Repräsentanten über die zurückliegenden Jahrzehnte eingebunden.

Rainer Mertel

Kurdirektor, Vorstand der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr

11


Die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr im Jahr 2008 Experten im Wohlfühlservice

D

Schulmedizin und der hohen medi-

neren Erkrankungen erlangte Bad

Kliniken entstand im Lauf der letzten

Perfektion: „Deutschlands größtes

mit hervorragend ausgebildeten und

wirkung des Wassers bei in-

Neuenahr früh eine herausragende Stellung unter den deutschen Heilbädern. Heute verfügt es mit über die

höchste Ärztedichte Deutschlands.

12

150 Jahre Erfahrung im Dienst der Gesundheit

urch die ausgezeichnete Heil-

Auf dem Fundament hochwertiger

zinischen Kompetenz modernster Jahre Medical Wellness in reinster Wohlfühl- und Gesundheitszentrum unter einem Dach“, die „Sinfonie der Sinne“.

Heute ist die Aktiengesellschaft

ein innovativer, moderner Betrieb fachlich versierten Mitarbeitern.


Die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr seit 1858 1858 Quellenweihe durch Prinzessin Augusta von Preußen 1899 bis 1901 1905 1914 1967 1973 bis 1974 1975 1978 1991 bis 1993 1992/1993 1998 2002 2005 2007 ff.

1857 Gründung der Kommanditgesellschaft/1860 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft

Bau des Thermal-Badehauses und des Ostbaus des Kurhotels Eröffnung des Kurhauses Eröffnung des Westbaus des Kurhotels Verpachtung des Kurhotels, Kursanatoriums und KurhausRestaurants an die Steigenberger Hotels AG, Frankfurt am Main Bau des Kurpark-Cafés Erbohrung der Walburgisquelle Anpachtung des Kurparkhotels Bad Dürkheim Bau der Ahr-Thermen Bau des Parkdecks Landgrafenstraße Inbetriebnahme des Gesundheits- und Wohlfühlzentrums „Sinfonie der Sinne“ Eröffnung der „Villa Sibilla“, Service-Wohnen, Bad Neuenahr Erweiterung der Ahr-Thermen-Saunalandschaft Vorbereitungen zur Realisierung des „Ahr-Resorts“

Besitzangaben 2008

„Sinfonie der Sinne“, Kurhotel mit ca.

im Lenné-Park, Eigentum an den Ahr-

park mit Trink- und Wandelhallen,

ten und Kurtheater, Eigentümer der

700 Stellplätzen.

Bad Neuenahrer Burgberg, Kur-

Kurpark-Café,

Thermal-Badehaus

300 Betten, Kurhaus mit Gaststät-

Räume der Spielbank, Sportanlagen

Flussauen auf 1,8 km, Parkdeck mit

13


Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 2008 Urlaub direkt vor Ihrer Haust端r

Die Ahr-Thermen

Das tut so gut!

14


J

ährlich nutzen weit über 200 000

Besucher die Ahr-Thermen. Sie

gelten als eine der schönsten Thermal-Badelandschaften Europas.

Dort baden die Gäste in reinem,

31 °C warmem Mineralwasser, das als

„Königin der Tafelwasser“ Weltruhm erlangt hat.

Im Laufe der vergangenen Jahre

wurde die ohnehin sehr weitläufige

Anlage um einen Wintergarten, einen Sommer-Biergarten, einen Saunagarten und eine neue Saunaland-

schaft erweitert. Angebote wie z. B.

Aqua-Fitness runden das ganzheitliche Gesundheitskonzept ab.

15


Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 008

Medical Wellness und Medical Fitness

die sinFonie der sinne

Wohlfühlerlebnisse für Körper, Geist und Seele

d

ie

Aktiengesellschaft

ließ

Programm ausgesuchter Wohlfühl-

Im Jubiläumsjahr 2008 eröffnet im

Badehaus aufwändig umgestalten.

Viele Besucher finden nachhaltige

tive Medical Fitness-Studio. Hiermit

1998 das historische Thermal-

In elegantem Ambiente bietet heu-

te Europas größtes Wohlfühl- und Gesundheitszentrum unter einem Dach, die „Sinfonie der Sinne“, ein

16

angebote für Körper, Geist und Seele. Entspannung mit Thermalwasser, Kneipptherapien,

Anwendungen

mit den wertvollen Ahr-Rotweinen

oder Bad Neuenahrer Kräuterfango.

März das neue, einzigartig innovaergänzt ein weiterer hochklassiger

Angebotsbaustein die Gesundheitsangebote der Aktiengesellschaft.


Die „Sinfonie der Sinne“ im eleganten Ambiente des Thermal-Badehauses

17


Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 008 Die Seniorenresidenz mit Kurpark

VillA siBillA

Das Leben genieĂ&#x;en

18

Direkt am Kurpark Bad Neuenahrs: die Seniorenresidenz Villa Sibilla


M

it der Seniorenresidenz Villa Sibilla betreibt die Aktien-

gesellschaft eine der begehrtesten Wohnanlagen

dieser

Art mitten im eleganten

Leben Bad Neuenahrs. In 144 barrierefreien Komfortwohnungen

der Extraklasse genießen die Senioren Rund-

um-Service von A wie Ausflugsvermittlung

bis Z wie Zimmerservice, dazu ein hauseigenes Restaurant und Café mit ausgezeichneter Gastronomie.

Für alle Fälle verfügt

die Villa Sibilla, Service-

Wohnen in Bad Neuenahr, über einen haus-

eigenen vollstationären Pflegebereich und kompetentes medizinisches Fachpersonal.

19


Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 2008

die Kurverwaltung

D

ie

Kurverwaltung

in

Bad

Neuenahr wird von der Akti-

engesellschaft betrieben. Zu ihrem Auf­gabenbereich gehören die aufwendige Pflege und Verwaltung der weit-

läufigen Parks des Heilbades und die Information über die vielfältigen Gesundheitsangebote Bad Neuenahrs.

Die natürlichen Heilmittel, die

Quellen und der naturbelassene

Fango werden von der Kurverwaltung bereitgehalten und zugänglich gemacht.

Das kulturelle Angebot ist viel-

fältig. Die Kurverwaltung Bad Neuenahr veranstaltet etwa 600 Events

im Jahr, vom Kurkonzert bis zum

Open Air; Konzerte, Schauspiel und Operette, eine breite Palette an qua-

20

litätsvollen Angeboten.


21


Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 2008

Seit Jahrzehnten in guter Zusammenarbeit

Steigenberger Hotel Bad Neuenahr

Das Kurhotel

22


d

ie Spitzen-Hotelkette Steigen-

tet den idealen Ausgangspunkt f체r

tiengesellschaft Bad Neuenahr sind

attraktionen Bad Neuenahrs, da es

berger Hotels AG und die Ak-

seit vielen Jahrzehnten enge Partner.

Steigenberger betreibt das tradi-

tionsreiche Kurhotel, in dem der Gast in stilvoller Atmosph채re umsorgt

wird. Das zentral gelegene Hotel bie-

die besten Urlaubs- und Wellness-

direkt mit dem Thermal-Badehaus verbunden ist. Nach Fertigstellung

des Verbindungsganges im Januar 2009 werden die Ahr-Thermen ebenso im Bademantel zu erreichen sein.


Unternehmungen der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 2008 Die Dependance im S端den

Kurparkhotel Bad D端rkheim

Im Garten der Pfalz

24


S

eit mehr als einem Vierteljahrhundert ist die Aktiengesell-

schaft Bad Neuenahr mit dem Ma-

nagement des Kurparkhotels Bad D체rkheim beauftragt.

Das Kurparkhotel ist eines der pf채l-

zischen Vorzeigehotels und erfreut

sich mit seinem breiten Angebot einer stetig steigenden Nachfrage.

25


Unser Partnerunternehmen Das Rendezvous mit dem Glück

Spielbank Bad Neuenahr

D

ie

Aktiengesellschaft

Bad

Neuenahr hat als Eigentümer

der Räume der Spielbank vor über 50 Jahren das elegante Ambiente für

die erste Spielbank im Nachkriegsdeutschland geschaffen.

Gäste aus aller Welt treffen sich

hier zum „Rendezvous mit dem Glück“. Betrieben wird die Spielbank

von einer eigenen Gesellschaft, an der die Aktiengesellschaft eine Minderheitsbeteiligung hält. Als Arbeit-

geber ist die Spielbank ein wichtiger

Faktor. Rund 150 Menschen aus der Region sind hier beschäftigt.

Ein

Teil der gesetz-

lich festgelegten Spielbankabgaben dient der Unterstützung

der

Infrastruktur des Kurbetriebes.

26 Roulette in den Casinosälen


7


i

m Jubiläumsjahr entsteht mit

der Verbindung von Ahr-Ther-

men, Sinfonie der Sinne und Steigenberger Hotel das Ahr-Resort, das im Januar 2009 eröffnet wird.

Demnächst im Bademantel zu erreichen: die Ahr-Thermen ...

... und die „Sinfonie der Sinne“ ... ... und das Steigenberger Hotel

Ausblick auf die Zukunft

dAs Ahr-resort

Die Innovationen 8


n

eben die sogenannte kurative Medizin muss künftig

gen wollen! Damit präsentiert sich

ternimmt, um sich

offerte an 365 Tagen im Jahr.

Markt eindeutig an

eine neue hervorragende Wellness-

verstärkt die Vorbeugung, also die Prävention, treten. Hier wird die Ak-

Die Köche der Aktiengesellschaft

in

einem

engen

der Spitze zu positi-

tiengesellschaft Bad Neuenahr ei-

und ihrer Partner haben sich auf

indem sie zu den Präventionsele-

rungsphysiologischen Erkenntnissen

leitbild Bad Neuenahrs „Medical

halten die „Sinfonie der Sinne“ und

als modernes Kompetenzzentrum

nen exemplarischen Beitrag leisten,

leichte Kost nach neuesten ernäh-

menten Bewegung, Ernährung und

eingestellt. Entspannungsangebote

Entspannung hervorragende Angebote macht.

die Ahr-Thermen reichlich vor.

Im März 2008 öffnet ein Medical

Dabei wird es immer wichtiger,

Fitness-Studio im Thermal-Badehaus.

den gleichzeitigen Zugang zu allen

ausgestattet sein wird, mit denen so-

erleichtern. Deshalb entsteht seit

Neu ist, dass es mit Analysegeräten

Angeboten durch Vernetzung zu

fort der persönliche Fitness- und Ge-

Januar 2008 der Verbindungsgang

sundheitsstand abgelesen werden

zwischen Ahr-Thermen und „Sinfonie

kann. Daraus wird ein Trainingspro-

der Sinne“ im Thermal-Badehaus und Spielbank

fil des Kunden erarbeitet, das

Wellness und Fitness“: Bad Neuenahr für Gesundheit und Wohlbefinden –­

mit großer Tradition seiner Heilmit-

telschätze: dem Apollinarisbrunnen und dem Bad Neuenahrer Heilwasser, dem Ahrwein, dem Eifelfango und dem Obst der Grafschaft.

Die Identität der Angebote wird

aus der Regionalität bezogen und

Parkhaus

nach

el

Gleichzeitig wird die Trainings-

intensität protokolliert. Das

Ahr-Thermen e

Sinfonie der Sinne

enstraß

Trainingsbelastung vorgeben.

die –­ jenseits der esoterischen Beethov

so ein, dass sie die optimale

wissen-

neuen Angeboten gebündelt,

nstraße

Kurpark

modernsten

schaftlichen Erkenntnissen zu

Steigenberger Hot

Kurgarte

zu jedem Training alle Geräte

Im Jahr 2008 lautet das Angebots-

Felix-Rütten-Straße

auf einen Chip-Schlüssel abgespeichert wird. Dieser stellt

onieren.

Mittelstraß

e

oder Streichel-Wellness-Ange-

bote –­ echten medizinischen Mehrwert bieten.

Auf den internationalen

führt zu schnellen, motivierenden

dem Steigenberger Hotel (Fertigstel-

Märkten präsentiert sich Bad Neu-

ness-Studio passt zum Leistungs-

und zukünftigen Angebote logistisch

Spas of Europe“ und damit als Vor-

Erfolgserlebnissen. Das Medical Fit-

sportler, zum Rekonvaleszenten und zum

bewegungseingeschränkten

Senioren. Und natürlich zu all denen, die sich einfach etwas mehr bewe-

lung Januar 2009), der alle aktuellen vernetzen wird.

Dies sind Investitionen, die die

Aktiengesellschaft mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz un-

enahr heute als Mitglied der „Royal

zeigebad, das den Vergleich mit seinen internationalen Konkurrenten nicht zu scheuen braucht.

9


Am 28. Juli 1858 wurden die Bad Neu-

hungen, auch noch nicht der Anfang

nimmt. Hier folgt eine Zusammen-

weiht. Auf diesen Tag bezieht sich

die erste Kursaison startete erst im

sammengefasst von Dr. phil. Hans

enahrer Heilquellen festlich einge-

die Aktiengesellschaft bei der Feier ihres Jubiläums. Es war nicht der An-

fang aller unternehmerischen Bemü-

des vollumfänglichen Kurbetriebs, Mai 1859. Es war aber eindrückli-

ches Zeichen für die Bedeutung der Entwicklung, die hier ihren Anfang

fassung der Zeitungsberichte (zuFrick, Studienrat in Koblenz, aus der

Festschrift 100 Jahre Bad Neuenahr, 1958; Auszüge).

Königlicher Beistand

dAs historische Fest der Quellenweihe

mit der späteren Kaiserin am 8. Juli 18 8

d

as Fest am 28. Juli 1858 war

Menschenmenge von auswärts ‚auf

Böllerschüsse von den Bergen ange-

Bades, sondern auch für die bis dahin

fuhrwerken, Leiterwagen und Karren

heim her eine Wagengruppe, der die

nicht nur für die Gründer des

in ärmlichsten Verhältnissen leben-

de Bevölkerung der drei Ortschaften

Wadenheim, Beul und Hemmessen, die damals als politische Gemeinde Wadenheim zusammengeschlossen

waren und heute die Stadtgemeinde Bad Neuenahr bilden, ein Tag der

Freude und Hoffnung. Aus alten Darstellungen ergibt sich –­ bei Verzicht

auf manche weitere Einzelheiten –­

sowie zu Fuß‘ über die Hauptstraße

des Ahrtales nach dem Dorfe Beul

am Fuße des Berges Neuenahr, wo in fieberhafter Arbeit innerhalb der

letzten acht Tage eine ‚möglichst geordnete‘ Feststätte entstanden war und künstliche Gärten, Ehrenpforten und Fahnenschmuck einen noch unfertigen Zustand verdeckten.

Nachdem vormittags in der über-

folgender Festverlauf:

füllten Beuler Pfarrkirche ein fei-

Mittwochs bewegte sich eine große

erschien kurz nach 12 Uhr, durch

„Schon am Morgen des damaligen

0

rasselnden Karossen, einfachen Land-

erliches Hochamt abgehalten war,

kündigt, auf dem Wege von WadenPrinzessin Augusta von Preußen, die

Gemahlin des nachmaligen preu-

ßischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm I., mit ihrem Gefolge entstieg. Diese wurde auf einem mit

Maiengrün und Fahnen umsteckten Platz, auf dem die Spitzen der Be-

hörden der Rheinprovinz, Vertreter der örtlichen Verwaltung und der

Geistlichkeit des Kreises Ahrweiler, der Verwaltungsrat und viele Aktionäre des jungen Bades, Ehrengäste

und mit Schärpen versehene Ehren-


damen sowie die Schützen von Ahr-

Westen hin gelegenen Quelle Nr. 3

de über die Vollziehung der Weihe

genommen hatten, ehrfurchtsvoll

Zu diesem Zwecke hatte deren Patin,

Ehrengästen und dem Verwaltungs-

weiler in ihrer Tracht Aufstellung begrüßt und in festlichem Zuge zu

der fast vollendeten, nahe gelegenen Trinkhalle geleitet.

Vor dieser entwickelte der De-

chant von Ahrweiler in einer ersten Ansprache kurz die bisherige Geschichte des Bades und die Verdienste Georg Kreuzbergs, des Direktors

des Unternehmens, der die ersten Bohrversuche angestellt und zur Er-

reichung des Zieles weder Zeit noch Mittel gescheut habe. Alsdann stie-

gen die zahlreichen Festgäste die

breite Treppe zur Trinkhalle hinab, in der drei Quellen, ‚in schön geformte Bassins gefügt‘, der Erde entsprudelten. Daselbst hob der Dechant als Beauftragter des

Bischofs von Trier die Bedeu-

der Name ‚Viktoriaquelle‘ beigelegt. die aus dem englischen Königshaus stammende Prinzessin Viktoria, die

Gemahlin des späteren Kaisers und

Königs Friedrich III., mit ihrer Stell-

vertretung die Gattin des Landrats von Ahrweiler, Freifrau von Hövel, beauftragt.

Nach dem kirchlichen Teil der Feier

hielt Graf von Fürstenberg-Stammheim als Vorsitzender des Aufsichtsrates die Festrede. Augusta erwiderte darauf, indem sie unter einem

feierlichen Ausspruch ‚das erste Glas‘ aus der Augustenquelle auf das Wohl des kranken Königs Friedrich

verlesen und von der Prinzessin, den

rat unterzeichnet. In den Pausen, die zum Teil durch Musikchöre ausgefüllt

wurden, hatte Augusta eine Anzahl von Personen durch ein Gespräch geehrt.

Nachdem sie noch Entwürfe für

künftige Bauten sowie die Gartenpläne des von Potsdam her bekannten Generalgartenbaudirektors

eingesehen hatte, besichtigte sie auf

einem kurzen Spaziergang bei ein-

tretendem Regenwetter das im Bau befindliche Badehaus und das Festzelt, durchschritt dabei auch die Reihe der Veteranen aus den Freiheits-

Augusta goss eine daraus gefüllte Schale langsam in die Quelle aus und verlieh ihr damit den Namen „Augustenquelle“

tung einer kirchlichen Weihe

Lenné

kriegen und der paradierenden Ahrweiler Schützen und nahm

dann bei Frau von Breuning in deren nahe gelegener Wohnung, im heutigen ‚Beetho­ven-

hervor und bat alsdann die Prinzes-

Wilhelm IV. leerte. Anschließend trug

Haus‘, ein Frühstück ein. Gegen 3 Uhr

Osten hin gelegene Quelle Nr. 1 zu

anwesenden

reise nach Koblenz an.

sin, die Patenschaft über die nach übernehmen. Nachdem diese Quelle eingesegnet war, goss Augusta eine daraus gefüllte Schale langsam in die

Quelle aus und verlieh ihr damit den Namen ‚Augustenquelle‘. In ent­

sprechender Weise wurde der nach

die Tochter Kreuzbergs ein von dem rheinischen

Dichter

Wolfgang Müller von Königswinter

verfasstes Gelegenheitsgedicht vor, das die alte Sage von einem im Berge

Neuenahr verborgenen Schatz zum

Gegenstand hatte. Zum Schluss der eigentlichen Feier wurde eine Urkun-

trat sie mit ihrem Gefolge die RückWährend im Festzelt bei fröhlichem

Mahl manche Ansprache, so auch durch

den

Oberpräsidenten

der

Rheinprovinz, gehalten wurde, be-

wirtete Frau von Breuning bei sich die Armen des Dorfes.“

31


Das Wasser von Bad Neuenahr und Georg Kreuzberg

georg kreuzBerg – gründer Von BAd neuenAhr

Von seinem Urenkel Dr. med. Josef Niessen geschrieben 19 8 (Auszüge)

g

eboren wurde Georg Kreuzberg am 22. März 1795 in Ahr-

weiler. Der Vater Peter Joseph hatte sich aus kleinsten Verhältnissen

emporgearbeitet. Er pachtete 1794 von einer Witwe Tils das Marktrecht

und die Krämerei, die im Vertrieb von

Kräutern und Leinentuch bestand. Sein Sohn Georg machte sich 1823

selbständig und meldete am 23. Juli als Gewerbe eine Krämerei an. Offen-

bar hatten Vater und Sohn bis dahin

das Geschäft gemeinsam geführt. Der fortschrittliche Geist des jungen Georg Kreuzberg war daran zu er-

kennen, dass er der erste Kaufmann

von Ahrweiler war,

acht Jahren und ein

nungen

Rechnungsbogens

der 1831 seine Rechauf

druckten

ge-

Formula-

ren schrieb. Er firmierte darauf: „Georg

Kreuzberg,

Ahrweiler, und

Eisen-

Borthändler“.

Knecht. Laut eines hat er spätestens 1844 seinem Unter-

nehmen auch Wein-

bau und Weinhandel angegliedert.

Wie er selbst ein-

Sein Geschäft muss sehr floriert ha-

mal schrieb, berichteten ihm in den

beiden Häuser 156 und 157 in der Ahr-

beiter: „An einem neuangelegten

ben, denn 1846 war er der Besitzer der hut. Zu seinem Hausstand gehörten

damals außer ihm seine Ehefrau Elise, geb. Kreuzberg, vier Töchter im Alter

von sechs bis 22 Jahren, ein Sohn von

folgenden Jahren gegen 1851 ArWeinberg am Kesselberg belästig-

ten sie Ausdünstungen des Bodens, die ihnen in der Nase prickelten und

durch die auch die Reben an dieser


Stelle nicht recht gedeihen wollten.“ Charakteristisch für seinen umsichtigen Geist war, dass er, als die Ausdünstungen

festgestellt

wurden,

erst das Gutachten eines Experten einholte. Er wandte sich nun nicht

an irgendeinen Chemiker oder Geologen, sondern an den in jener Zeit

bekanntesten Chemiker und Geolo-

gen, Geh. Bergrat Dr. Gustav Bischof, Professor an der Universität Bonn. Unter seiner Leitung wurde die ers-

te Quelle gefunden. Nach Abtragung

eines Bergstückes wurde auch noch mit mehreren Versuchen der Fels-

boden durchbohrt und eine starke, noch warme Quelle freigelegt.

„Apollinarisbrunnen“. An der Stelle

linarisquelle sei die Ader einer weiter

war dank seines erfolgreichen Unter­

ein Heiligenhäuschen zu Ehren des

le mit noch höherer Temperatur. Es

Georg Kreuzberg, mittlerweile 55,

nehmerlebens vermögend genug, um mit eigenen Mitteln die Fassung der Quelle zu finanzieren. Seine

Erfahrungen

und Kenntnisse als Händler

machten

es ihm möglich, sich passende Tonkrüge zu be­schaffen und

des Quellenfundes stand nämlich

Apollinaris, dessen Haupt im nahen Remagen verehrt wird. Der Apollina-

risbrunnen wurde schnell ein gro­ßer Erfolg: Im Jahre seines Todes 1872 wur-

den zwei Millionen Tonkrüge des Tafelwassers versendet.

Aus der Abnah-

dann Abfüllung, Ver-

me der Temperatur

zu organisieren. Er

Rhein schloss Profes-

kauf und Versand nannte sein Wasser

ahraufwärts liegenden Mutterquel-

heißt auch, ihm sei berichtet worden, in Beul hätten die Leute beim Graben

eines Brunnens plötzlich in warmem Wasser gestanden. Kreuzberg hörte

davon und erkannte sofort:„Hier muss die Mutterquelle zu finden sein.“ Bischof nahm nun entsprechende Untersuchungen vor und stellte ein

in Deutschland damals einmaliges

stark kohlensäurehaltiges, blutwar­

der Quellen bis zum

mes,

alkalisches,

kochsalzarmes

sor Bischof, die Apol-

ein Heilbad. Nur Vichy in Frankreich

Wasser fest, die Vorbedingung für

33


verfügte über eine Heilquelle dieses Charakters.

Zur Gründung eines solchen Un-

ternehmens reichten nun die Mittel Kreuzbergs nicht mehr aus, da er schon durch die Organisation des

Apollinarisbrunnens finanziell erheblich beansprucht war. Zunächst

verband er sich mit Prof. Bischof zu einem Compagniegeschäft mit dem Ziel: „Sollte das Ergebnis der Boh-

rungen sich als ausnutzbar erweisen, den Fund zu verkaufen und den Er-

lös zu teilen.“ Kreuzberg bestimmte, dass das Wasser nur zu Heilzwecken verwendet werden dürfe, um so das

Tafelwasser seines Apollinarisbrun-

nens vor einer Konkurrenz durch das Heilwasser der neuen Quelle zu bewahren. Am 8. Juli 1852 stellte Kreuz-

berg über den Bürgermeister Clotten der Kreisstadt Ahrweiler bei dem Gemeinderat von Wadenheim den Antrag, in Beul nach Mineralquellen gra-

ben zu dürfen, nötigenfalls wolle er auch die Gemeindewege einbeziehen und das darunter gefundene Wasser

als sein Eigentum auf seinen Grund-

besitz zu leiten. Diese Formulierung verrät den vorsichtigen und vorausschauenden Kaufmann. Als Gegen-

34

leistung sicherte er zu, die Einwohner


dürften zum eigenen Gebrauch von

tenberg-Stammheim und den Frei-

der Gemeinde Wadenheim einen

Ausgeschlossen sei, wer das Wasser

diesem Objekt interessierte. Diesem

dem der späteren Gesellschaft alles

dem erbohrten Wasser entnehmen. weiterverkaufe. Am 8. August schon teilte Georg Kreuzberg dem Vorste-

her der Gemeinde mit, er beginne mit den Bohrungen an den Wegen von Beul nach dem Neuenahrer Berg und von Beul nach Bachem.

Zunächst wurde ein Gelände zur

Abtastung des Quellgebietes ange-

kauft. Die Bohrungen besorgte Prof. Bischof mit seinem ebenfalls schon

als Fachmann bekannten Sohn Dr. Karl Bischof. Drei Quellen wurden erbohrt, die einen Wärmegrad von

ca. 36 °C aufwiesen und genügend Wasser lieferten, um ein Heilbad zu

unterhalten. Kreuzberg beschäftigte sich in dieser Zeit mit dem Ankauf

der zur „Exploitierung“ des Unternehmens

nötigen

Grundstücke,

diesbezüglichen Verhandlungen mit

der Gemeinde und mit interessier-

ten Geldgebern zur Gründung einer Gesellschaft, die das Heilwasser vermarkten sollte.

Wahrscheinlich fand er durch Ver-

mittlung des Landrats von Hövel einen geeigneten Mittelsmann in dem

Koblenzer Justizrat und Notar Adams, der den Grafen Franz Egon von Fürs-

herrn Waldbott von Bassenheim an Kreis traten die Herren Josef von

Groote, Kanzler des Kölner Erzstifts, und Landrat von Hövel bei, später noch Dr. med. Velten aus Aachen und

Frh. von Stolzenberg aus Koblenz. In wiederholten Verhandlungen der In-

teressenten mit Georg Kreuzberg in Königswinter, Honnef, Remagen und Wadenheim wurden der Charakter der

Gesell-

schaft und die Au f b r i n g u n g

der Mittel be-

raten. Als es so

großzügigen Vertrag geschlossen, in

Gemeindeeigentum verkauft wurde gegen mannigfache Leistungen wie Brücken, Wege und Straßenbau. Bis

1863 war Georg Kreuzberg als Direk-

tor der Gesellschaft tätig. Danach zog er sich, 68-jährig, noch für zwei Jahre

in den Verwaltungsrat zurück, den er 1865 verließ. Von da an kümmerte er sich nur noch um sein anderes Un-

Als vorsichtiger Kaufmann bestimmte Kreuzberg, dass das Wasser nur zu Heilzwecken verwendet werden dürfe

ternehmen, den

Apollina-

risbrunnen. Bis dahin aber hatte

er

die

weit war, dass eine Kommanditge-

schwierigen ersten Jahre erfolgreich

von 500 000 Talern mit Kreuzberg

hotel, das Badehaus, die Trinkhalle.

sellschaft mit einer Gesamteinlage als Garant und Direktor ins Leben

treten konnte, ergaben sich noch mal Schwierigkeiten.

Bischof beharrte darauf, dass der

Fund verkauft und der Erlös geteilt

würde. Kreuzberg gelang es, Bischofs

Anteil mit 20 000 Talern abzulösen,

durchgestanden. Es standen ein KurDer große Sprudel war erbohrt und

damit die sichere Versorgung mit Mineralwasser gewährleistet.

Zehn Jahre nach seinem Rücktritt

als Direktor starb Georg Kreuzberg am Heiligen Abend 1873.

wozu noch 6000 Taler für weitere fachmännische Beratungen kamen.

Die Gründung der Kommandit-

gesellschaft erfolgte am 29. Dezember 1857. Vorher hatte Kreuzberg mit

35


Eine Erfolgsgeschichte:

Das Aufblühen von Bad Neuenahr

Wirtschaftliche Entwicklung 1867 bis 1914

B

is Ende 1867 hatte die Aktiengesellschaft in den Aufbau ih-

rer Infrastruktur 400 000 T(h)aler in-

vestiert. Die 1859 erbaute Ahrbrücke schlug mit 7812 Thlr, die Trinkhalle im

Kurpark mit 4498 Thlr, das erste Ba-

dehaus mit 25 653 Thlr und der 1861

fertig gestellte Gasthof (Kurhotel) mit 51 950 Thlr zu Buche. Dazu kamen

die Aufwendungen für den Landkauf links und rechts der Ahr und für den Aufbau des Geschäftsbetriebes. Erst

mit Fertigstellung des Kurhotels 1861 stellten sich dann zahlreiche andere

Privatinvestoren ein, die Gasthäuser und Hotels errichteten.

36

Die Metamorphose vom Bauern-

dorf zur Badestadt charakterisierte

anlässlich

der

Jubiläumsfeierlich-

keiten zum 50-jährigen Bestehen des Heilbades 1907 der Nestor der Bad Neuenahrer Ärzteschaft, der seit

1867 hier praktizierende Geheimrat Dr. Unschuld, in seiner Anspra-

che: „Damals, 1867, gab es hier zwölf Gasthäuser, von denen sich die Hälfte bereits Hotel nannte, dann acht

Privathäuser und drei Ärzte. 1887, 20 Jahre später, gab es bereits 30 Hotels, ebenso viele Logierhäuser und

zehn Ärzte. Nochmals 20 Jahre spä-

ter, 1907, 50 Hotels, darunter sogar Grandhotels, 75 Logierhäuser und

daneben zwei große konfessionelle Anstalten zur Aufnahme von Gästen (Anm.: Maria Hilf für Katholiken und


37


Walburgisstift für Protestanten) und

Einkommensteuer bezahlten, 1907

augenfälligsten tritt mir der Kontrast

kam, gab es im Dorfe keinen Bäcker

zwischen damals und heute ist groß:

sah man die Frauen in Kopftüchern

ca. 20 Ärzte. Damals, als ich hierher und Metzger, heute gibt es sechs Konditoren. 1867 eine katholische Kirche, 1907 zwei katholische, eine

evangelische Kirche und eine Syna-

38

goge. 1867 nur zwei Einwohner, die

eine ganze Menge. Der Gegensatz

1867 Armut, 1907 Wohlstand, da-

mals Einfachheit, heute, 1907, Luxus,

damals keine Straßenbeleuchtung, heute einigermaßen Bürgersteige

und gute Gasbeleuchtung. Aber am

in der Kirche entgegen. Zu jener Zeit

und die Mädchen in ihrem natürlichen Haarschmuck. 1907 sieht man

eine Musterausstellung sämtlicher europäischer Damenhüte. Damals

sah man Männer und Junggesellen


in ihrer gewöhnlichen Dorftracht,

samt 346 100 Gäste gezählt; das sind

genannt. Denn es ist deren Architek-

schuhe. Obwohl Letzteres meinem

fache! Dies hing natürlich mit einem

cher Bad Neuenahrs bewundernd in-

heute überall Stehkragen und Lack-

Geschmack nicht imponiert, so muss man es doch als ein Zeichen des Aufblühens eines elenden Eifeldorfes

ansehen und all dieses zeugt von der Entwicklung Neuenahrs.“

Um diese Entwicklung

16 480 pro Saison, also fast das Fünf-

allgemeinen Wirtschaftsaufschwung zusammen, den das Deutsche Reich nach 1890 nahm, es resultierte auch aus

visionärem

Denken.

Rütten

machte nicht nur umfangreich Rekla-

Bad Neuenahrs zu verste-

tur, die noch im Jahr 2008 die Besunehalten lässt. Es war die große Zeit

Bad Neuenahrs, geprägt von einer

fruchtbaren Zusammenarbeit von Gemeinde, Aktiengesellschaft und Privatunternehmertum. Bad Neuenahr erhielt den Beinamen „Rheinisches Karlsbad“.

hen, muss man auch eine

Dann kam die große Ka-

kurze Betrachtung über die

tastrophe. Bis Ende Juli 1914

zahlen anstellen: Die fol-

Gäste verzeichnet. Viele von

hatte man schon 17 500

Entwicklung der Fremdengenden Zahlen enthalten

ihnen mussten nach den Er-

alle in den Hotels und Pen-

eignissen in Sarajevo über-

sionen abgestiegenen Frem-

hastet abreisen, um dem Ruf

den, darunter auch die nicht

zum Kurgebrauch angereis-

ihrer Vaterländer zu folgen, als am 1. August der Kaiser

ten. Das sind Familienangehörige,

me in europäischen und deutschen

die Mobilmachung verfügte. Der fol-

sende, aber auch Tagungsgäste und

in diese Zeit fiel auch der gewaltige

Bad Neuenahr verheerende Folgen.

Dienstboten oder reine GeschäftsreiVergnügungsreisende. Nicht enthalten sind in dieser Statistik die Tagesgäste oder Passanten.

In den 34 Saisons 1859–1892 wur-

den rund 118 000 Gäste gezählt, das

sind im Schnitt 3470 pro Saison.

Erst mit Dienstantritt von Kurdi-

rektor Felix Rütten 1893 stiegen die

Zahlen nochmals sprunghaft an: Bis 1913, 21 Saisons, wurden insge-

Zeitungen für Bad Neuenahr. Nein, Ausbau der Infrastruktur sowohl

auf Gemeindeseite als auch seitens

der Aktiengesellschaft. Kanalisation, Wasserleitung, Elektrifizierung, Straßenausbau und Parkanlagen, Prome-

naden rechts und links der Ahr. Und die prachtvollen Neubauten des Kursanatoriums und des Thermal-Bade-

gende Erste Weltkrieg hatte auch für Gewaltige Umwälzungen nicht nur in Deutschland ließen die ehemals

tonangebenden meist adligen Eliten, aus denen sich die internationalen

Gästescharen des Heilbades überwiegend rekrutiert hatten, in die Bedeutungslosigkeit versinken.

hauses sowie des Kurhauses in den Jahren 1899 bis 1901 seien besonders

39


Von der bitteren Not

Die klägliche Lage der hiesigen Einwohner

Wadenheim 1853, vier Jahre vor Gründung des Heilbades Neuenahr Hans-Jürgen Ritter

W

er das mondäne Heilbad

wesentlichen Teil des Alltages der

Die Übrigen fristeten ein mehr als

Karlsbad“, um 1900 erlebt hat, wer

und Hemmessen. Die vorhandenen

liche Tagelöhnerverdienste, ja sogar

Neuenahr, das „Rheinische

die Kurgäste aus hohen und höchs-

ten Kreisen der Gesellschaft flanieren

gesehen hat, wer das anmutige Spiel der gesellschaftlichen Vergnügungen

in der Zeitung verfolgen konnte, wer die Hotelpaläste und die unzähligen

stolzen Bürgerhäuser, die Luxuswarengeschäfte und den Droschkenverkehr bestaunt hat, der hätte sich ver-

wundert die Augen gerieben, hätte er gewusst, wie armselig es hier noch

vier Jahre vor Gründung Bad Neuenahrs, 1853, zugegangen war.

Hunger und Not, Wetterkatastro-

phen und Missernten, Eisgang und

mit dem Tauwetter schlimmes Hoch-

40

wasser der Ahr bestimmten einen

Bevölkerung von Wadenheim, Beul Gemeinderatsprotokolle von Wadenheim bieten eine Fülle von Beispie-

len. So heißt es über die erbärmliche

Lage der Wadenheimer im Jahre 1853, also genau zu dem Zeitpunkt, als sich Georg Kreuzberg auf die Suche nach den Quellen gemacht hat: „und daß

von den 210 Bürgern (gemeint sind die Haushaltsvorstände) der Gemein-

de keine 20 ihren nöthigsten Bedarf

an Lebensmitteln selbst gewinnen können.“ Noch nicht einmal 10 % der

Familienväter und Haushaltsvorstände waren demnach in der Lage, sich

und ihre Angehörigen aus eigener Landwirtschaft oder durch ein be-

scheidenes Gewerbe zu ernähren.

kärgliches Dasein, waren auf spärauf Bettelei angewiesen.

Im Jahre 1847 hatte der Preu-

ßische König „den höchst betrangten

Unterthanen in der Rheinprovinz“ zur Unterstützung 60 000 Taler zinslos zur Verfügung gestellt. Hier-

von erbaten sich die Wadenheimer, „nachdem der Hagel und die Wasser Beschädigungen uns in den zweien

letzten Jahren so hart getroffen haben, daß die Früchte auf den Feldern

und die Trauben in den Weinbergen zerschmettert worden“, einen Vorschuß von 10 Mispel (Hohlmaß) Rog-

gen, um Brot backen, und 200 Taler, um Kartoffeln ankaufen zu können. Von den ihnen zugeteilten 71 Schef-


fel und 22 Pfund Roggen wurden

Der Grund der Armut waren häu-

ner gezwungen waren, ihre Güter an

wetter oder extreme Hochwasser

Die hier beschriebenen Verhält-

insgesamt 1262 Brote gebacken, für

fige Misswachsjahre und durch Un-

für Hemmessen 302 Stück. Diese je

zerstörte Ernten. Familien, in den

nisse treffen für diesen Zeitraum

überleben zu können, hoch verschul-

Gemeinde Wadenheim zu, sondern

Wadenheim 662, für Beul 298 und

6 Pfund schweren Brote wurden zu

7 Silbergroschen verkauft bzw. aus der Gemeindekasse bezahlt. Der Betrag von 7 Silbergroschen entsprach

dem Tagesverdienst eines Tagelöhners. Ein Maurermeister erhielt 15 Silbergroschen am Tag, 30 Silbergroschen machten einen Taler. Dieser entsprach

3 Mark. Die Einwohner Wa-

denheims müssen zu dieser

Ruin getrieben, mussten sich, um

den oder ihren Besitz zu Wucherpreisen verschleudern.

Dann fielen sie der spärlich be-

stückten Armenkasse zur Last. So

Auswärtige zu verkaufen.“

mit Sicherheit nicht alleine für die auch für viele weitere Gemeinden an der Ahr und in der Eifel. So verzeichnen wir in dieser Zeit in der Eifel die

große Auswanderungswelle in die

Familien, in den Ruin getrieben, mussten sich, um überleben zu können, hoch verschulden oder ihren Besitz zu Wucherpreisen verschleudern.

Vereinigten Staaten, von der seltsamerweise aber Wadenheim nicht betroffen war. Es ist bis heute nicht geklärt, was

die Wadenheimer trotz ihrer

Zeit stark „bedrängt“ gewesen sein,

stellte der Gemeinderat 1846 fest,

bitteren Armut auf Auswanderung

die Notwendigkeit, zusätzlich zu

den Ankauf des so theuren Brenn-

durch den Ausverkauf ihrer Güter

der Gemeinderat erkannte nämlich den Nachtwächtern und Feldhütern

nachts weitere Männer patrouil-

lieren zu lassen, um „die Felddiebe etc. der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern“.

„daß die hiesigen Einwohner durch holzes und der Heide zur Düngung der Weingüter und Äcker in Zeit

20 Jahren und während dieser langen Frist so vielen Mißwachsjahren

so verarmt sind, daß viele Einwoh-

verzichten ließ. Waren sie vielleicht

nicht mehr in der Lage, Agentenge-

bühren und Schiffspassagen bezahlen zu können?

1


Der Kauf- und Sicherungsvertrag vom November 18 7

schwierige VerhAndlungen Bei grosseM optiMisMus

Aus der Gründungszeit des Mineralbades Neuenahr Hans-Jürgen Ritter

der glAuBe Versetzt Berge

eine Neubesetzung der Pfarrstelle in

gulierungsarbeiten erklärt man sich

der Gemeinde Wadenheim –­ heute

wäre, einen Zuschuss von 150 Talern

im Jahre zum Gehalt beizusteuern.

wenn Trier gestatten möge, „... einen

Im Jahre 1857 wurde der Pfarrer

Bad Neuenahr –­ nach Ramersbach

versetzt. Der Pfarrer hatte seinen Sitz

im alten Pfarrhaus, heute Stadtbibli-

othek, zu Füßen der Willibrorduskirche über Beul. Zivilgemeinde und Pfarrgemeinde waren damals noch identisch, und es gab noch keine pro-

testantische Kirchengemeinde. Auch

Juden waren hier nicht ansässig, sie kamen nur als Viehhändler in diese

armselige Gemeinde. Das Bischöf-

liche Generalvikariat zu Trier stellt

Aussicht, wenn die Gemeinde bereit

Hierauf schrieb die Gemeinde dem

Ahrweiler Dechanten Merten, der

Zwischeninstanz im Verkehr mit Trier: „Der dürftige Zustand unserer Gemeinde ist Euer Hochwürden gewiß sattsam bekannt, indem wir in un-

zu dem geforderten Zuschuss bereit, Theil unseres Pfarrgutes zu außerge-

wöhnlichem hohen Preise zur Benut-

zung der in Aussicht stehenden Bade

Anstalt dahier zu veräußern ...“ Aus diesem Erlös wolle man dann den Zuschuss finanzieren.

Es ist interessant, weil die Gemein-

seren Erwerbsquellen besonders auf

de in vorauseilender Euphorie schon

welche durch so viele Fehljahre be-

Aufschwung nach der erst geplanten

Wein Production angewiesen sind; dingt ganz versiegt ...“

Unter weiterem Hinweis auf die

hohen Kosten der laufenden Ahrre-

mit einem rasanten wirtschaftlichen Badgründung rechnet. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt –­ Mai 1857 –­ wa-

ren lediglich die Heilquellen erbohrt.


Noch standen keinerlei Bauten zur

Gerüchte, Gerüchte ...

dem Landrat nicht umfassend genug

Gemeinderat unter und bewilligt die

tere Renovierung anordnete. Auch

Aufnahme oder badeärztlichen Be-

drückende Zulage von 150 Talern „in

treuung der erhofften Gästescharen.

Aber auch Trier glaubte fest an

das zukünftige Heilbad und erwartete ebenfalls eine kräftige Wertstei-

gerung der pfarreigenen Immobilien. Deshalb lehnte man im Generalvi-

kariat eine frühzeitige Veräußerung ab: „Wird Beul ein besuchter Badeort, so wird nicht bloß das Pfarrwittum von Beul, sondern es werden alsdann auch die Grundstücke der

Pfarrgemeinde im Preis steigen, und es wird sich letzterer manch neue

Erwerbsquelle öffnen, durch deren

Benutzung schon die Beschaffung

des Zusatzgehaltes erleichtert wird, dagegen hat der Pfarrer eines Badeortes mehr standesmäßige Ausga-

ben wie der eines einfachen Dorfes, und es muß deshalb dem Pfarrer zu

Beul der aus dem dortigen Pfarrwittum zu ziehende größere Vortheil im

Falle dortiges Bad ins Leben tritt, zur Deckung der von Ihm alsdann zu machenden mehr Ausgabe verbleiben.“

Es versetzt den heutigen Leser in Erstaunen, dass man auch im General-

vikariat schon im Geiste anstelle des

armseligen, verfallenen Dorfes ein blühendes Kurbad erwartete.

Zähneknirschend ordnet sich der

Anbetracht der in mancher Hinsicht

zu Tage getretenen sittlichen Gebrechen der Pfarrgemeinde Beul ... Unser Pfarrhaus haben wir mit bedeutenden Kosten renoviert, möge es

auch dem H(ochlöblichen) Bischöf-

lichen General Vikariat gefallen, uns mit baldiger Wiederbesetzung unserer Pfarrei zu erfreuen ...“. Trier gefiel es, wohl auch in Anbetracht der Gefährdung der sittlichen Stabilität

einer Herde ohne Hirten, zum 1. Oktober 1857 den bisherigen Kaplan von

gewesen zu sein, so dass er eine weihiergegen protestierte, wie nicht an-

ders zu erwarten, der Gemeinderat, da mehr Räume hergerichtet werden

sollten, als der Pfarrer benötigte. „Es geht schon jetzt das Gerücht, der

Herr Pfarrer beabsichtige, wenn Beul Badeort sei, Räume im (Pfarr-)Haus

zu vermiethen.“ Diese auch herzurichten, dazu fühlte die Gemeinde sich nun wirklich nicht verpflichtet.

Sollte gegen Erwarten die Badeanstalt eingehen ...

Ahrweiler, Franz Maria Albert Prim,

Den Gemeinderat aber wurmte im-

machte, sie zu Hoffnungen und Er-

zum neuen Pfarrherrn zu ernennen.

mer noch die Zulage von 150 Talern, und er erwägt, sollte Trier sich in der Verkaufsangelegenheit, „... wenn ein-

mal, was erwartet werden darf, Beul

ein blühender Badeort sein wird ...“, nachgiebig zeigen, einen Teil des sei-

ner Meinung nach überflüssigen und übergroßen Pfarrgebäudes zu ver-

kaufen. Dann soll die Gehaltszulage um die Zinsen des Verkaufserlöses vermindert werden. Die Renovierung des Pfarrhauses allerdings scheint

Hier stellt sich uns die Frage, was

die Wadenheimer so zuversichtlich

wartungen verleitete, für die es bis auf die schon in Beul erbohrten warmen Brunnen noch keine sichtbaren

Fundamente gab, auf denen das Bad

hätte aufgebaut werden können. Bauten sie Luftschlösser, waren sie trügerischen Halluzinationen verfallen? Anzeichen, die zu Träumen be-

rechtigten, gab es allerdings schon. Zum einen war es die starke Persönlichkeit Georg Kreuzbergs, der seit

Erbohrung der Apollinarisquelle im

43


Jahre 1852 und deren wirtschaftlicher

lungspartner auf der stärkeren Seite

die Kosten derselben zu tragen. Über-

chen geschäftlichen Erfolg vorweisen

versuchten die pfiffigen Gemeinde-

heim weder jetzt noch künftig Aus-

Nutzung schon bald einen erstaunlikonnte. Warum sollte ihm das nicht

auch mit den warmen Quellen Beuls gelingen? Zum anderen waren die

Vorbereitungen zur Gründung einer Commandit-Gesellschaft, seit März 1857 betrieben, schon sehr erfolgreich gewesen. Ein großer Teil des geplanten Aktienkapitals von 400 000

Talern war schon gezeichnet. Ge-

schäftliche Aktivitäten waren vor allem auch schon in Verhandlungen

mit der Gemeinde zu verzeichnen. Notwendige

Grundstücksankäufe

sowohl von Privaten als auch der

Gemeinde waren getätigt oder ge­

plant, ein so genannter Kauf- und Sicherungsvertrag stand vor dem Ab-

schluss. In diesem Vertrag sollte dem Georg Kreuzberg vor allem das allei-

nige Recht, im Gemeindebanne nach

Quellen graben und diese ausnützen zu dürfen, zugestanden werden.

Georg Kreuzberg und sein tech-

nischer Berater und Mitgesellschaf-

ter, der Geologieprofessor Bischof aus Bonn, betrieben die Nutzungsvorbereitungen mit so starker Energie

und einer so vitalen Umtriebigkeit,

44

dass die Gemeinde sich als Verhand-

fühlen konnte. Und diese Position vertreter weidlich auszunutzen.

Am 22. September 1855 erläuterte

ihnen der königliche Landrat, welche

Vorteile die Gemeinde aus der Über-

lassung von Gemeindeeigentum an

Kreuzberg und Bischof ziehen könne. Der Gemeinderat beschloss darauf­

hin: „Den Gesuchstellern soll das von ihnen gewünschte Land im Falle des Zustandekommens einer Badeanstalt eigenthümlich überlassen

werden ...“. Allerdings werden im Ge-

genzug seitens der Gemeinde sehr

weitgehende Forderungen gestellt: die Übernahme von Kosten für schon ausgeführte und noch auszuführen-

de Ahrregulierungsarbeiten. Der Bau einer Fahrbrücke über die Ahr musste finanziert werden, ebenso sollten

Gesuchsteller „auch die Herstellung und Unterhaltung sonstiger Wege

und Promenaden auszuführen haben, welche dem Badeorte ersprieß-

lich erachtet werden sollten. Auch übernehmen Gesuchsteller Pflasterung oder wenigstens Chaussierung

sämtlicher Dorfstraßen. Würde Straßenbeleuchtung künftig nötig erachtet werden, so hat die Badeanstalt

haupt dürfen der Gemeinde Wadengaben entstehen.“ Listig fügen sie noch hinzu: „Sollte gegen erwarten

die Bade-Anstalt, welche eingerichtet werden soll, eingehen, so wird die Brücke in dem Zustande, wie solche

sich eben befindet, Eigenthum der Gemeinde Wadenheim ...“.

Im endgültigen Kauf- und Siche-

rungsvertrag vom November 1857 stellt die Gemeinde moderatere For-

derungen an die Gesellschaft. Die Bestimmungen betreffend Ahrregulierungskosten und Ahrbrückenbau bleiben bestehen. Die Gemeindeeinwohner erhalten das Recht

auf zeitlich begrenzte Mineralwasserentnahme, wie schon am Apol-

linarisbrunnen, und auf freie Bäder bei ärztlicher Verordnung, wobei diese auf zehn pro Tag beschränkt

bleiben sollten. Dafür „begibt sich (die Gemeinde) des Rechtes, auf ihrem Banne nach Mineralquellen zu suchen, oder die selben, wenn sie zufällig gefunden werden, aus­ zubeuten.“ Dieses alleinige Recht

wird dem Georg Kreuzberg oder sei-

nen Rechtsnachfolgern eingeräumt. Beim Studium vorliegender Verträge


zwischen Gemeinde und Gesellschaft

Forderungen ein, denn sie war von

Baumaßnahmen angegangen, ge-

erwehren, dass die Gemeinde sehr

die Königliche Regierung mit dem

muss doch ein Anfang August 1857

kann man sich des Eindrucks nicht

hoch reizte und die Lage der Gesell-

schaft, ihre bis dato getätigten Investitionen nun auch in Gewinn umsetzen zu

müssen, bedenkenlos zu ihrem Vorteil

ihrem Erfolg überzeugt, zumal auch

16. September 1857 genehmigt hatte, „daß dem bei Beul im Kreise Ahrwei-

schweige denn vollendet waren, so errichtetes provisorisches Badehaus mit vier Kabinetten erwähnt werden. Dieses war zu

Kurversuchen an den

Situation Anfang der 1860er Jahre. In dieser Ansicht vermischen sich Realität und Zukunftsvision. Mehr auf Seite 71

Quellen

worden. Der spätere

auszunützen suchte.

Badearzt Dr. Weid-

Dass die Gesellschaft

gen machte hier die

von einem großen

ersten

geschäftlichen Erfolg überzeugt war und

der

Victoriaquelle,

hell

hervorsprudelt

„welches

sich deswegen auch „erpressen“ ließ, mag

und

Passus

einen

säuerlichen,

aufzeigen: „Sollte die Königl. Regierung die

Selbstversu-

che mit dem Wasser

ihrer Unternehmung

folgender

aufgestellt

prickelnden,

krystallleicht

etwas

ange-

nehmen Geschmack

Gemeinde Wadenheim zwingen wol-

ler neu zu gründenden Mineralbade

hat. Nach 1, 2 und 3 Gläsern hatte

Bachem oder Heimersheim zu bau-

gelegt ist.“

wahrnehmbare Empfindung, nach

len, einen normalen Fahrweg nach

en, so übernimmt die Actien Gesellschaft diesen Bau auf ihre Kosten.“

Die Gemeinde verpflichtete die

Gesellschaft zudem, ihr für 4000 Ta-

ler Aktien auszuhändigen. Im Falle, dass die Gesellschaft sich nicht kon­ stituiere, muss Georg Kreuzberg diese bis zum 1. Januar 1860 in bar auszahlen. Die Gesellschaft ging auf alle

die Benennung ‚Bad Neuenahr‘ bei

Jetzt wird zum ersten Male nach

dem Ende des alten Reiches der sa-

genumwobene Name Neuenahr, der Name des Grafengeschlechtes und

seiner Burg auf dem „Hohen Berge“ südlich von Beul, verwendet.

Wenn auch mit Fug und Recht be-

hauptet werden kann, dass im Jahre 1857 noch keinerlei wesentliche

ich bald nach dem Genusse keine

4 Gläsern aber das Gefühl einer leich-

ten Wärme in der Magengegend, die sich allmählig dem ganzen Körper mit­theilte und mit dem Gefühl der Behaglichkeit

und

aufgeweckter

Stimmung verband, der Puls blieb dabei ruhig, keine Aufregung in der Circulation des Blutes fand statt.“

45


schwere zeiten nAch deM ersten weltkrieg

M

it dem Ausbruch des Krieges

Mitten in dieser aussichtsreichen

bürdete allen Deutschen schwere

1914 der Erste Weltkrieg aus, der die

schaftlich nicht wieder auf die Füße.

1914 gingen die Jahre unge-

Saison brach dann Anfang August

enahr zu Ende. Im Mai 1914 war das

300 Gäste des Kurhotels, darunter

hemmten Wachstums in Bad Neu-

Der große Sprudel – nicht alles hat sich geändert

zahlreiche Ausländer, zu einer überstürzten Abreise zwang.

Die Zeit des Aufbaus und Aufblü-

hens des Bades war für längere Zeit

zu Ende. Zur Erinnerung ein kurzer

Blick auf die politischen Umstände jener Zeit: 1918, am

Ende des Ersten Weltkrieges, dankte der deutsche

worden und bald war es voll belegt.

Land und enteignete alle, deren Ver-

mögen nicht auf Landbesitz gegrün-

det war. Zwischenzeitlich besetzten Franzosen und Belgier von 1923 bis 1930 das Rheinland, um die Zah-

lungen von Reparationen zu sichern. Armut,

Aufruhr

und politische Unruhen

zwischen

rechts und links,

Kaiser ab und ging ins Exil und vor-

zwischen Freikorps und Kommunis-

auch kräftig nach Bad Neuenahr ge-

den Städten. Dieses Chaos und das

schienen hatte.

6

Eine entfesselte Inflation überzog das

Die Zeit des Aufbaus und Aufblühens des Bades war für längere Zeit zu Ende.

bei war es mit Preußens Glorie, die ja

großartig erweiterte Kurhotel eröffnet

Lasten auf: Deutschland kam wirt-

Die Weimarer Republik fand ih-

ren bei den alten Eliten ungeliebten Anfang und der Versailler Vertrag

ten sorgten für Straßenkämpfe in

wirtschaftliche und politische Elend führten schließlich 15 Jahre nach

Kriegsende 1933 zur Machtergreifung

Adolf Hitlers. In einem nur siebenwö-


chigen Handstreich war die Demo-

Erkenntnis, dass Bad Neuenahr solch

von sozialen Versicherungsträgern

herrschte die faschistische Diktatur,

Wert auf Gäste von Rang und Namen

hochwohlgeborenen Kurgästeschar

kratie abgeschafft worden und es

die ihre Gegner in KZs bis auf den Tod verfolgte und sich das barbarische

Ziel setzte, die jüdischen Mitbürger durch Mord auszurotten.

Der unglückliche Kriegsverlauf

1914 bis 1918 und die schwierigen

Nachkriegsverhältnisse wirkten sich wie für ganz Deutschland auch für

Bad Neuenahr katastrophal aus. Nur noch die Hälfte an Kurgästen der Vorkriegszeit konnte verbucht werden.

Kaum noch Gäste aus dem Ausland

ein großes Haus brauchte, wenn man legen wollte.

Die in Privathand befindlichen

großen Hotels im Ort waren bei diesem wirtschaftlichen Umfeld ebenfalls nicht mehr rentabel. Hohe Be-

lastungen durch Zinsen, Steuern und

oder von Verbänden über. Nach der der Vorkriegszeit finden wir ab jetzt

mit den Jahren mehr und mehr die Sozialversicherungsgäste im Ort.

1923: Die Französische Besatzung beginnt

Löhne trieben die Kosten hoch. Viele

Mietshäuser umgewandelt oder auf

mit großen Investitionen Bad Neu-

Hotels wurden schließlich aus Not in

sonstige Weise ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet. Eine Anzahl dieser Häuser aber ging in den Besitz

Der große visionäre Unterneh-

mer Felix Rütten, der vor dem Krieg

enahr ausgebaut und die Gästezahl

ver­dreifacht hatte, wurde nun im schwierigen politischen Umfeld zum politisch agierenden Vertreter Bad

Neuenahrs. So gründete er mit an-

Noch einschneidender waren die

deren rheinischen Kurdirektoren den

sozialen Umschichtungen innerhalb

„Schutzverein deutscher Bäder und

des Kurpublikums. Die Ausländer

Kurorte“ während der französischen

blieben fast vollständig weg. Die

Besatzungszeit, als das Rheinland

deutschen Gäste der Vorkriegszeit

vom übrigen Deutschland abge-

waren aufgrund der Inflation viel-

schnürt worden war, und er vertrat

e­nergisch deren Interessen als des-

fach verarmt. Die großartig, optimistisch ausgebaute Infrastruktur

sen Vorsitzender. Später war er auch

an Hotels, Straßen und Kuranlagen

Mitglied im Vorstand des Allgemei-

war nicht nur nicht ausgelastet, sie

nen Bäderverbandes oder bei der IHK Koblenz.

drückte nun besonders schwer als Kostenlast. Das Kurhotel musste aus den Erträgen des Kurbetriebs subventioniert werden. Der Betrieb wurde trotzdem aufrechterhalten, in der

Felix Rütten

47


Was blieb, war wehmütige Erinnerung an elegante Zeiten

AnFAng in der wirtschAFtskrise

nachfolgenden

ihm in der Unternehmensführung

ckiges Verhandeln die Erlangung

Nach Felix Rüttens Tod 1930 folgt

sein Sohn Ernst Rütten. Er ist von

Anfang an von nicht sehr robuster Natur. Die Zeiten sind immer noch sehr schwer. Sein Amtsantritt fällt

zusammen mit der Zuspitzung der

Wirtschaftskrise 1931/1932 und der

Machtergreifung

durch Adolf Hitler und die NSDAP. Ernst Rütten gelingt durch hartnä-

von öffentlichen Mitteln zum Bau der neuen Trinkhalle im Kurpark

und der Kurkolonnaden. Deren Einweihung erlebt er nicht mehr. Sein

Bruder Dr. Dr. Erich Rütten, von Hause aus Wissenschaftler, übernimmt

die Geschäftsführung der Aktiengesellschaft und bringt noch vor dem

Krieg die Bauten von Kurkolonnaden und kleiner Trinkhalle zu Ende. Im

September 1939 beginnt der Zweite

Weltkrieg mit dem Angriff auf Polen und Millionen und Abermillionen Eu-

ropäer zahlen den Größenwahn des deutschen Führers mit ihrem Leben.

8

Ernst Rütten

Die Prinzessin und die Prinzen des Hauses von Schaumburg-Lippe beim Spaziergang durch den Kurgarten


49


Nach dem Zweiten Weltkrieg

VoM lAzArett zuM elegAnten Vorort der neuen BundeshAuptstAdt Bonn Bundespresseball 1951

d

ie

in

nur

tiengesellschaft ge-

10 Kilometer

Entfernung

stellt hatte. Bis dahin

geführ-

verwalteten

te Schlacht um die

rist Arnold Krei und

Brücke von Remagen

noch

sollte

den spärlichen Ba-

Filmgeschich-

debetrieb der Jahre

auch Bad Neuenahr selbst litt unter

ren. Nur 200 Kurgäste zählte Bad

Entscheidender noch war jedoch der

Jahres 1948 ge-

weitreichenden Kriegszerstörungen. völlige Zusammenbruch des zivilen Lebens auch in Bad Neuenahr in den

0

Hotelier Fritz Rost

später

te schreiben. Aber

ersten bitterarmen Nachkriegsjah-

Proku-

Neuenahr 1945. Erst im Laufe des lang es, die Ver-

1946 und 47. Die Kur-

sanatorien dienten als Krankenhäu-

ser für die heimkehrenden Soldaten.

1948 fing das Leben wieder an.

mögenssperre aufheben zu lassen, unter die die Militärregierung die Ak-

Dann

endlich

kam 1948: 1948

wurden die Zonengrenzen aufgeho-

ben. 1948 war die Währungsreform.


Miss World: Petra Schürmann mit Thomas Dehler

Hildegard Knef tanzt mit Erich Ollenhauer

Am 18. Dezember 1948 eröffnete die

ob dieses unternehmerische Wagnis

ihre neuen Stars feierten. Lilian Har-

hauses.

Conny Froboess, Romy Schneider mit

Spielbank in den Räumen des Kur

1948 fing das Leben wieder an.

Aufräumen, aufbauen, instand setzen, die Wiederaufbau-

Erfolg haben würde.

Dann wurde Bonn das Zentrum

des politischen Lebens der erwachen­

den Bundesrepublik – Bonn wurde

Bundeshaupt-

Bad Neuenahr war der Ort der stadt. Bad Neuen­ jahre sorgten auch Bundespressebälle in Bad Neuenahr

lienfest ganz Bad Neuen­ahr in einen

gen das Traumpaar des Wirtschafts-

fen, Tagungen und Kongresse statt.

Monaten war überhaupt nicht sicher,

Carlo Schmid. Und als 1958 das Dah-

Bundeshauptstadt. Hier fanden Tref-

tor sollte die neue Spielbank sorgen, kriegsdeutschland. Aber in den ersten

odor Heuss, Franz Josef Strauß und

Blütenrausch versetzte, wunderte

te zum eleganten Vorort der neuen

immerhin damals die erste im Nach-

Mutter Magda, René Deltgen, The-

ahr aber avancier­

für ein – anfangs sehr bescheidenes –

Auskommen. Für den Glamourfak-

vey war hier, ebenso wie Petra Lind,

Bad Neuenahr war der Ort der Bundespressebälle, in dem sich die junge

Republik, ihre politischen Eliten und

sich niemand, dass in einem Festwawunders den Festzug mit seiner An-

wesenheit krönte: Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler.

51


Die Bundesrepublik Deutschland

Wirtschaftswunderland und die Sozialversicherungen

Bad Neuenahr bekommt viele neue Kliniken

D

ie junge Bundesrepublik ent-

sen in diesem Jahr um mehr als 10 %.

Dr. Dr. Erich Rütten erkennt dieses

Wirtschaftswunder, ein unablässiger

wird geprägt, Ludwig Erhard hat die

Zusammenarbeit mit der Bundes-

wickelt ihr überraschendes

Aufschwung, der von 1949 bis 1973 dauern sollte. Die soziale Absicherung der fleißig aufbauenden Arbei-

ter und Angestellten erfolgt über die sich gut entwickelnden Sozialversicherungssysteme der Renten-

kassen und der Krankenkassen. Ab 1955 gibt es in der Bundesrepublik praktisch keine Arbeitslosen mehr

52

und Wirtschaft und Reallöhne wach-

Der Begriff des Wirtschaftswunders „soziale Marktwirtschaft“ als Wirtschaftsminister gegen andere wirtschaftliche Konzepte politisch durchgesetzt.

Die sich im Umlagesystem finan-

zierenden Kranken- und Rentenkas-

sen blühen mit diesem kraftvollen Wirtschaftsaufschwung auf und werden zu wirtschaftlich hochpotenten

Nachfragern im Gesundheitssystem.

Potential. Er setzt verstärkt auf die versicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Sein Ziel ist die Auslastung des

Ortes und seiner Kuranlagen über die Sommersaisonzeit hinaus und natürlich die Teilhabe am wachsenden

Markt der Sozialversicherungskuren. Die Kurgastzahlen von Bad Neuenahr wachsen dann auch mit dem Wirt-

schaftswunder, 1955 übertreffen Sie mit 15 785 Kurgästen erstmals wie-


der die Spitzenzahlen des Jahres 1913, die 15 226 betragen hatten. Dieses

Wachstum hält an bis zum Jahre

1974, in dem die Zahl der Kurgäste die Marke von 28 000 überschreitet.

Dann bremst die Ölkrise die Wirt-

schaft aus. Der Ölpreis steigt wegen

der Drosselung von Fördermengen

einiger OPEC-Staaten von 2 $ 1973

auf 12 $ 1974. Autofreie Sonntage, Rezession, Inflation und sprunghaft Man gönnt sich wieder etwas. Bus-Ausflüge ins Ahrtal sind begehrt.

wachsende Arbeitslosigkeit sind die Folgen in den nächsten Jahren.


Eine Krankheit, deren Th erapie die Geschichte von Bad Neuenahr bestimmt hat

diABetes und BAd neuenAhr

B

ad Neuenahr hat eine große

zept der Verordnung der Kurmittel

naturwissenschaftlichen Experiment

Bad. Schon im Jahr 1862 tauchte der

verstanden als eine Art Apotheke für

Behandlungsverfahren. In dem Be-

Vergangenheit als Diabetes-

erste Patient, ein 52-jähriger eng-

lischer Kapitän, in Bad Neuenahr auf. Dessen Diabetes-Leiden besserte sich unter einer der ersten verabreichten

ortsgebundene Heilmittel, das waren

im Falle Bad Neuenahrs das Thermalwasser und der Eifelfango.

Die Kurmedizin verstand ihre The-

Bade- und Trinkkuren zunehmend.

rapiemethoden wie in der Pharmako-

der Heilbäder zur Gründungszeit von

tels. Die „Urkraft der Erde und Natur“

Wie war das Selbstverständnis

Bad Neuenahr?

Eine Heilquelle wurde entdeckt.

Erbohrt und gefasst. Das Wasser wurde chemisch physikalisch analy-

siert. Aus der Zusammensetzung des

therapie als Anwendung eines Mitschien dem Menschen in den che-

mischen Agenzien der Wässer und des Fangos als Heilmittel geschenkt zu sein.

Die Gründungszeit von Bad Neu-

Heilwassers wurde vergleichend mit

enahr fiel zusammen mit einem

Anwendung als Trinkkur und Bade-

von einer naturphilosophisch deter-

den Wässern anderer Heilbäder die

kur bei bestimmten Krankheitsgrup-

pen abgeleitet und erprobt; aus der

systematisiert. Das Heilbad wurde

Erfahrung wurde dann das Kurkon-

Paradigmenwechsel

der

Medizin

minierten Heilkunde zu einer naturwissenschaftlich

begründeten

Heiltechnik. Diese fußte auf dem

als Basis von Krankheitslehren und mühen, Heilwasserwirkungen naturwissenschaftlich zu begreifen, wurde

versucht, die Heilwasserwirkung wie eine Medikamentenwirkung durch eine immer genauere chemische Analyse zu erhellen. Die Einnahme

des Brunnens durch eine Trinkkur wurde wesentlicher Bestandteil der

Badekur nach dem zeitgenössischen Verständnis der Wirkprinzipien. So stand auch bei der Gründung von

Bad Neuenahr die Trinkhalle früher als das Badehaus.

(Zitiert aus: Prof. Dr. med. Christoph Kirschner, ehemals Chefarzt der Kur-

klinik „Hochstaden“, Bad Neuenahr,

Die Kur im Wandel – gestern, heute, morgen)


Diät, Diät, Diät: Die Geschichte der Diabetes-Therapie 1983 hieß es in einem Aufsatz von

Bad Neuenahr zu einem Diabetiker-

und schließlich mit der Entdeckung

Neuenahrer Kurarzt Teschemacher

in die Therapie im Jahre 1921/22 hat

ger Kursanatorium Bad Neuenahr,

günstigen Erfolge bei der genannten

Prof. Dr. Gerhard Walther, Steigenberzum Thema Theorie und Praxis der

Diabetes-Behandlung in Bad Neu-

enahr: „Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Zuckerkrankheit mit einer

Diät behandelt, bei der die Kohlen-

hydrate extrem eingeschränkt und

durch zusätzliche Gaben von Eiweiß und Fett ersetzt wurden.

Unter dieser Diät traten sehr viel

häufiger als heute Acidosen auf, die durch die Verordnung von Al-

kali-Präparaten bekämpft werden

mussten. Auch die Trinkkur mit dem alkalischen Mineralwasser unserer Quelle wirkte antiacidotisch.“ So ist

Bad geworden. 1908 schrieb der Bad in einem Erfahrungsbericht über die

Diabetes-Behandlung: „Die erzielten Krankheit werden am besten dadurch illustriert, dass von der alljährlich zur

Kur hier anwesenden Gesamtzahl

Kranker (die 1907 ca. 12 000 betrug) mindestens der vierte Teil aus Diabetikern besteht, von denen ein großer

Teil zu wiederholten Malen – manche zehn, zwölf Jahre hintereinander – die Kur hierselbst gebraucht hat.“

Später fand man heraus, dass

durch Einschränkung der übermä-

ßigen Fett- und Eiweißernährung die Kohlenhydrate besser verwertet

wurden und dabei auch die Acidose

zurückging. Mit dieser Erkenntnis

des Insulins und seiner Einführung

die ursprüngliche Diabetes-Therapie zunehmend an Bedeutung verloren.

Trotzdem kamen die Diabetiker

weiter nach Bad Neuenahr, weil sich der ganze Kurort auf die besonderen Bedürfnisse der Diabetiker eingestellt hatte. So berichtet Niessen

1933 in der Festschrift zum 75-jäh-

rigen Bestehen des Bades Neuenahr, dass regelmäßig zu Beginn der Saison Pensionsinhaber, Köche und Be-

dienungspersonal durch die hiesige Ärzteschaft geschult wurden, damit die Patienten die notwendige Diät

nach ärztlicher Vorschrift erhalten konnten.

55


die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernäh­ rung) Und Die Bad-Neuenahr-Diät

lung des Themas Ernährung. So wur-

der Schulung eines ganzen Ortes

Dr. Dr. Erich Rütten federführend die

der Diabetiker – in diesen Jahren

Diäterfahrung auf und hat sie weiter

betrieben. Er war dort im Vorstand

Bad Neuenahr baute auf seiner

ausgebaut. In den fünfziger Jahren

des letzten Jahrhunderts kümmerte man sich sehr um die Weiterentwick-

56

de vom Bad Neuenahrer Kurdirektor Gründung der DGE, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, 1953 mit-

vertreten. Viele ihrer Fachtagungen

wurden in Bad Neuenahr abgehalten. Die Bad Neuenahrer Erfahrungen in

auf die Bedürfnisse der Ernährung

bekannt gemacht als „Bad-Neuen­

ahr-Diät“ – führten schließlich in Zu-

sammenarbeit von DGE, Deutschem Bäderverband und dem Verband der

Köche auch zur Einführung der Ausbildungsabschlüsse „staatlich aner-


kannte Diätassistentin“ oder „diäte-

braucht keine großen Kurkliniken

handeln. Insgesamt haben die Kran-

tisch geschulter Koch DGE“.

Heute, 2008, ist festzustellen, dass

abermals ein Paradigmenwechsel in der Diabetes-Behandlung statt-

gefunden hat, der einerseits dem medizinischen Fortschritt geschuldet ist, andererseits dem Zwang der gesetzlichen Kassen zum Sparen. Es

In Bad Neuenahr selbst aber

mehr, um Diabetiker stationär zu be-

finden heute noch Diabetiker ein

kenkassen ihr Behandlungskonzept

schwerdefreies Leben.

umgestellt und behandeln heute die

sachverständiges Umfeld für ein be-

Diabetes-Patienten nicht mehr stati-

onär, sondern preiswerter ambulant, wohnort- und alltagsnah, in „diabetologischen Schwerpunktpraxen“.

57


197 – endlich eine neue Quelle Die Walburgistherme als Reserve-Bohrung

die Quellen Von BAd neuenAhr

Willibrordus-Sprudel im Kurpark

d

ie Bad Neu-

enahrer

Quellen

erst 1852, 1857 und

in etwa 10 bis 30

Man versuchte daher, etwa 100 Me-

Meter Tiefe –­ ge-

1861 und damit im

Vergleich zu an-

naue

Angaben

Diese

beiden

fehlen –­ gefasst.

deren berühmten ver-

Quellen, die „Au-

hältnismäßig spät entdeckt.

gusta-“ und die „Viktoriaquelle“, bil-

die Kreuzberg und Bischof bei der

Jahre gegründeten Bades Neuenahr.

Die

praktischen

Erfahrungen,

Erschließung des Apollinarisbrun-

deten die Grundlage des im gleichen Nur 32 Meter südwestlich von

nens sammeln konnten, kamen den

diesen Quellen erbohrte kurz darauf

zugute. Im Jahre 1857 wurden zwei

was größerer Tiefe, wodurch die Ergie-

warmen Quellen von Bad Neuenahr

8

bigkeit der Augusta- und der Viktori-

gelegene Quellen

wurden

Heilquellen

nahe beisammen

Dr. Praessar die „Marienquelle“ in et-

aquelle stark beeinträchtigt wurde. ter nordöstlich eine neue Quelle zu erschließen („Kleiner Sprudel“); das

Ergebnis war jedoch unbefriedigend. Auf Anraten verschiedener Fachleute entschloss man sich daher, etwa

12 Meter südwestlich der Marien-

quelle eine Bohrung abzuteufen. Man traf auf eine gute „Ader“ in

90 Meter Tiefe. Aus der Bohrung sprang im Oktober 1861 der „Große

Sprudel“ mit solcher Gewalt empor, dass alle übrigen Quellen ganz aus-


blieben und sich erst nach 24 Stun-

so, wie man es sich erhofft hatte; die

unverändertem Temperament sei-

Beeinflussung des „Großen Sprudels“

erfolgte schließlich 70 Jahre später,

den geschwächt wieder einstellten.

Als Folge dieses Ereignisses bohr-

te Dr. Praessar tiefer und saugte das Wasser mittels einer kleinen Dampf-

maschine ab, was nicht ohne nachteiligen Einfluss auf den „Großen Sprudel“ blieb. Der Aktiengesellschaft Bad

Menge war nicht ausreichend. Eine war unverkennbar. Der neue Sprudel, auf den Namen „Willibrordus-

ne Aufgabe. Die Reservebohrung im Jahr 1975/76. Seitdem sprudelt

die Walburgistherme aus 369 Meter

Prickelndes Mineralwasser der Walburgistherme in den Ahr-Thermen

Neuenahr blieb somit nichts anderes

übrig, als unter hohen finanziellen Opfern die Marienquelle 1863 auf-

zukaufen. Das junge Bad Neuenahr hatte somit schon frühzeitig erfahren müssen, was es bedeutet, keinen Schutz für seine Quellen zu haben.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts

entschloss man sich, eine neue Bohrung abzuteufen. Anscheinend hoffte man, durch eine geschickt ange-

setzte Bohrung die Hauptspalte, den „Zubringer“, unmittelbar anzuschla-

gen, um eine Quelle von höherer Temperatur und höherer Schüttung zu erschließen. Der Bohrpunkt wur-

de etwa 30 Meter ostsüdostwärts

Sprudel“ getauft, diente eine Zeitlang

Tiefe empor mit einer Temperatur

1903 begonnene Bohrung wurde

stillgelegt, um als Reservebrunnen

Ahr-Thermen.

des „Gro­ßen Sprudels“ gewählt. Die nach mehrmaligem Vertiefen bei

376,6 Metern im Jahre 1905 eingestellt. Das Ergebnis war nicht ganz

zu Trinkzwecken, wurde aber später zu dienen. Sein älterer Bruder, der

von 32 °C. Ihr Wasser speist nun die

„Große Sprudel“, erfüllt nun schon seit anderthalb Jahrhunderten mit

59


Bad Neuenahrer Eifelfango: Ein Schatz aus den Tiefen der Erde

N

och vor 10 000 Jahren war die

goschlamm als Heilmittel benutzten.

und der maschinellen Aufbereitung

Neuenahr und Mayen die Gegend mit

nerte sich Josef Graf Metternich in

„Eifelfangowerke Bad Neuenahr“.

östliche Eifel zwischen Bad

dem intensivsten Vulkanismus der Erde. Bis zu 250 Vulkane schleuderten

mit ungeheurer Kraft das glühende

Magma aus dem Erdinneren heraus. Die Lavamassen türmten sich auf zu den Bergen und Hügeln der östlichen

Eifel. Die Ascheregen verdunkelten den Himmel und zogen hoch in den Norden bis nach Schweden.

Etwa 7000 Jahre später begannen

die Ägypter mit der kosmetischen

Nutzung von Schlammbädern und die Römer waren vor gut 2000 Jahren die Ersten, die wärmenden Fan-

60

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erin-

Bad Neuenahr dieser Tatsachen und machte sich auf die Suche. Er ent-

deckte am Stadtrand des noblen, von der späteren Kaiserin Augusta 1858

eingeweihten Heilbades Neuenahr mineralreiche Vorkommen des Fan-

gos, aus dem Erdzeitalter des Tertiär vor 40 Millionen Jahren, die unter dem Druck der kochenden Vulkane

an die Oberfläche gestiegen waren. So begann der Diplom-Ingenieur aus

dem bis ins 12. Jahrhundert zurückreichenden Adelsgeschlecht der Grafen von Metternich mit dem Abbau

des Fangos und gründete 1908 die

In den folgenden Jahrzehnten

großer Bädertradition machte Josef Graf Metternich den Eifelfango in

der ganzen Welt berühmt. Bis nach Japan und Kanada gingen die Liefe-

rungen aus Bad Neuenahr. Millionen von Patienten aller Heilbäder von Bedeutung in Deutschland und in der

ganzen Welt wurden mit dem Fango aus Bad Neuenahr behandelt.

„Unerreicht am Bad Neuenahrer

Eifelfango ist die Feinheit des gemah-

lenen Pulvers, das bei 300 °C Hitze in

einer Kugelmühle so fein zerstäubt


wird, dass es wie Wasser fließt“, be-

Fango seit 100 Jahren zum Nutzen

wie z. B. Wacholder oder Rosskastanie.

tont Franz Joseph Graf Metternich,

der Patienten eingesetzt. Nur hier

Daraus ist 1998 der „Bad Neuenahrer

1992 von seinem Vater Paul Joseph

Heilwirkung des Fangos aus der un-

schützte Marke, entstanden.

der die Geschäftsführung der Firma übernommen hat. „Diese Feinheit

verbessert den Aufschluss der Mineralien, die zahlreich und konzentriert in diesem Fango vorkommen.“

Die heilende Wirkung des Fan-

gos beim Patienten beruht auf drei Effekten: Die Durchblutung wird erhöht und Verspannungen werden

gelockert, dazu werden bei der Behandlung körpereigene Morphine

ausgeschüttet, die zu exzellentem Wohlbefinden führen. In Bad Neu-

enahr wird dieser besonders noble

in Bad Neuenahr addiert sich zu der glaublichen Urkraft des Feuers die wohltuende Wirkung des Bad Neu-

enahrer Mineralwassers, mit dem

der Fango vor Ort zubereitet wird. Ein Mineralwasser, das hier am Fuße der Eifelberge aus mehreren hundert

Metern Tiefe warm emporsteigt – und das seinerseits als „Queen of

Tablewaters“ königlichen Weltruhm erfahren hat.

Zum

harmonischen

Dreiklang

werden Eifelfango und Quellwasser

aber erst durch regionale Heilkräuter,

Kräuterfango“, eine europaweit ge

Heute erlebt der Gast ein wahr-

haft königliches Verwöhnerlebnis

aus geadelten Naturheilmitteln in der „Sinfonie der Sinne“, einem einzigartigen Wohlfühlkonzept im eleganten Ambiente des aufwendig

restaurierten, weitläufigen ThermalBadehauses Bad Neuenahrs. Hier

wirken die Kräfte von Feuer und Was-

ser vereint, wenn der Fango warm auf die Haut gestrichen wird und

tiefes Wohlgefühl die Entspannungssuchenden durchflutet.

61


Strukturwandel vom „Klinikkonzern“ zum

koMpetenzzentruM Für gesundheit und wohlBeFinden

i

m Jahre 1983 war die AG Bad

dig ist. Sie wurden im Einzelnen wie

1969, 140 Betten. Kurklinik LAND-

Teil ein Klinikkonzern. Stolz führt

klinik HOCHSTADEN (Klinik für Stoff-

kungen), 1971, 140 Betten.“ Es sind

Neuenahr auch und zum großen

die Festschrift zum 125-jährigen Ju-

biläum der Aktiengesellschaft Bad

Neuenahr den Bestand ihrer Kliniken auf: „Die Grundlage unserer heu-

tigen Existenz 1983 sind neben dem

Thermal-Badehaus die Kurkliniken, die überwiegend von BfA-Gästen belegt werden. Herr Dr. Dr. Erich Rütten

hatte frühzeitig erkannt, dass diese Klientel zur Erhaltung eines Unter-

6

nehmens unserer Art lebensnotwen-

folgt gebaut bzw. übernommen: Kurwechselerkrankungen, Nachsorgebe-

handlungen), 1964, 1974 Erweiterung, 246 Betten. Kurklinik ARE (Klinik für Stoffwechselerkrankungen),

1961,

50 Betten. Kurklinik SAFFENBURG (Klinik für Hauterkrankungen, Psori-

asis), 1981, 34 Betten. Kurklinik KUR-

KÖLN (Klinik für Stoffwechsel- und Gelenkerkrankungen) 1967, 240 Betten. Kurklinik JÜLICH (Klinik für Stoff-

wechsel- und Gelenkerkrankungen),

GRAF (Klinik für Stoffwechselerkrannicht weniger als 850 Klinikbetten, die hier aufgelistet werden. Doch dann tauchte der Begriff „Gesund-

heitsreform“ erstmals drohend auf. Dieser Begriff „Gesundheitsreform“ sollte für Bad Neuenahr einen tief-

greifenden Wandel auslösen. Denn diese „Reformen zur Kosteneinspa-

rung“ machten nicht Halt vor der Kur und dem Heilbad Neuenahr. Und so

endet die stolze Aufzählung der Fest-


schrift 1983 mit der Klage: „Nach der

klar: heraus aus der Abhängigkeit

genem Kenntnisstand, wohin er sich

ser Unternehmen seit Anfang 1982

und damit den politischen Unwäg-

Unternehmens­entscheidungen, Mut

Rezession 1975/76 befindet sich unin einer zweiten, noch schwereren Rezession. Alle unsere Anstrengungen konzentrieren sich darauf, diese schwierige Phase zu meistern. Das

Heilbad hat in seiner bisherigen Geschichte Höhen und Tiefen erlebt

und überlebt. So ist die Gesellschaft

von den Sozialversicherungsträgern

barkeiten der Gesetzesänderungen mit

existenzbedrohenden

wirt-

schaftlichen Konsequenzen für die

Aktiengesellschaft Bad Neuenahr als Leistungserbringer.

Stattdessen

Hinwendung

zur

Erschließung einer neuen, breitge­

zur Erholung begibt. Strategische und Investitionen waren erforderlich, diesen Wechsel zu vollbringen:

Der Bau der Ahr-Thermen mach-

te 1993 Bad Neuenahr erstmals zum

Heilbad mit einem konkurrenzfähigen Ganzjahresangebot für Ur-

laubs- und Tagesgäste. Die eigenen

fest davon überzeugt, auch die au-

streuten Kundenklientel von Selbst-

Kliniken aber wurden im Laufe der

Mögen die späteren Chronisten dies

mit Krankenkassen und Rentenver-

als letzte wurde die Klinik Hochsta-

genblickliche Phase zu überstehen. bestätigen können.“

Heute, 25 Jahre danach, bestätigt

der Chronist, ja, die Gesellschaft hat

überlebt. Aber es war und ist ein wahrer Herkules-Akt, die Gesellschaft

umzustrukturieren. Die Richtung war

zahlern. Nicht mehr die Abrechnung

sicherungsträgern ernährt heute die

Aktiengesellschaft Bad Neuenahr, sondern der selbst zahlende Gast. Der aber wird nicht nach Bad Neuenahr „zugewiesen“, der entscheidet

selbst nach eigenen Vorlieben und ei-

letzten 25 Jahre auf- und abgegeben, den 2004 geschlossen. Seit 2005 wird sie unter dem neuen Namen Fachklinik Tönisstein von neuen Betreibern mit neuen Indikationen geführt.

63


Das Thermal-Badehaus ging 1998

hobenen Segment erfolgreich am

zuhalten: Der freie Markt ist nicht be-

Suche nach neuen wohlfühlorien-

Entscheidungen kostete große Sum-

unübersichtlichen Angebotsdschun-

mit der „Sinfonie der Sinne“ auf die tierten Kunden, die ihr Wohlbefinden

men und große Mühen – auch für die

selbst in die Hand nehmen möchten.

Überwindung von hartnäckigen Wi-

Eröffnung im April 2002 als Seni-

den Wandel.

Die Villa Sibilla wurde nach ihrer

orenresidenz mit 144 Wohnungen

64

Markt platziert. Jede einzelne dieser

und eigener Pflegeabteilung im ge-

derständen gegen den tiefgreifen

Wenn diese Neuausrichtung auch

ohne Alternative war, so ist doch fest-

quemer. Die immense Konkurrenz im gel der Wellnessangebote erfordert immerwährende Innovation.

Die Märkte sind größer geworden.

In diese Zeit des Strukturwandels fällt, es sei dankbar erinnert, auch

die Wiedervereinigung Deutschlands


1990, mit dem in der Folge hoch sub-

kurrierende Bäder im Mitbewerber-

den ungarischen Bädern Budapest

Konkurrenzangeboten in den fünf

Als Mitglied der „Royal Spas of

dem spanischen Archena, dem fin-

ventionierten Aufbau von neuen

feld aufgetaucht.

neuen Bundesländern.

Europe“ arbeitet

geöffnet und erweitert. So sind heu-

kurrenz.

Auch Europa hat sich nach Osten

te nun auch wieder, wie zur Gründungszeit Bad Neuenahrs, die Bäder

in Tschechien und Ungarn als kon-

Bad Neuenahr

heute aber nicht gegen diese KonStattdessen

präsentiert

es sich an der Spitze der europä-

und Sárvár, mit Baden-Baden und nischen Royal Spa Naantali und der Wagner-Stadt Bayreuth auf dem Markt.

ischen Bäder im Verein mit dem tschechischen Marienbad und mit

6


Und wie geht es weiter?

Ein Interview mit Kurdirektor Rainer Mertel

Schaut man sich die Geschichte Bad Neuenahrs an, so stellt man fest, es ist

die Geschichte von mutigen Unternehmens-Entscheidungen und entschlossenen Aufbrüchen in die Zukunft.

Selbst im Jubiläumsjahr ist die Veränderung hier im Ort überall zu sehen.

Wohin steuern Sie das Unternehmen Aktiengesellschaft Bad Neuenahr?

Bad Neuenahr hat im Reigen der

deutschen und europäischen Heilbäder und Kurorte Gewicht. Eine jüngst

durchgeführte vergleichende Kurortanalyse hat dies bestätigt.

Es wäre jedoch völlig verkehrt,

sich auf irgendwelchen Lorbeeren

ausruhen zu wollen. Die Gesundheitskosten in Deutschland, Frank­

66

reich, Großbritannien, Italien, der


Schweiz und Spanien sind seit 1990

sozialen Leistungsrecht befreit und

den Bereich der Schulmedizin hin-

sozialprodukt hingegen nur um 25 %.

wussten Selbstzahler formuliert.

ihrem Fundament. So wollen wir in

um rund 80 % gestiegen. Das BruttoDies heißt, unsere Gesundheitssyste-

Angebote für den gesundheitsbe-

me stoßen an Grenzen der Finanzier-

Wo sehen Sie die größten Heraus-

zepte, die uns jahrzehntelang gutes

Neuenahr?

barkeit. Anders ausgedrückt: Die ReGeld haben verdienen lassen, führen

forderungen für den Kurort Bad Der ideale Kurort ist ein „Gesamt-

aus, bewegt sich jedoch immer auf Bad Neuenahr aufgestellt sein. Der Patient oder besser gesagt der Gast

muss wissen, dass ihn hier exzellente

Angebote erwarten, dass Qualität sozusagen selbstverständlich ist, esote-

nicht mehr zum Erfolg. Sie haben

kunstwerk“. Hier vereinen sich ex-

Da aber zugleich die Nachfrage

Schulmedizin in Kliniken, Arztpraxen

heitsdienstleistungen müssen sich

rüber hinaus gibt es aber Angebote,

sein, gute Verkehrserschließung, kul-

ausgedient.

nach Gesundheitsangeboten steigen wird, nicht zuletzt der immer älter

werdenden Menschen wegen, muss ein Heilbad der Zukunft sich vom

Hergebrachten lösen und neue Wege beschreiten. Dies haben wir konse-

quent getan. Wir haben uns von öffentlich-rechtlichen Strukturen, dem

zellente Gesundheitsangebote der und bei sonstigen Dienstleistern. Da-

die realisieren, dass die Medizin eben nicht nur eine Naturwissenschaft

ist, sondern, wie es der Präsident der

Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, so

trefflich formuliert hat, ein „Hybrid“. Ganzheitliche Medizin geht über

rischer Schnickschnack unterbleibt.

Um dieses Angebot von Gesund-

viele Elemente wie Umweltbewusstturelle Aktivitäten, städtebauliches

Ambiente, eine intakte Landschaft, ein gutes Marketing ranken. Ein solcher Dienstleistungsverbund schlägt

jede Klinik „auf der grünen Wiese“. Der Kurort muss jedoch ständig um

67


Verbesserung der Angebote, um In-

bedachte Zeitgenosse, der die drei

stellungen. Was hat sich davon erfüllt?

bemüht sein. Lässt er nach, geht er

Entspannung und Ernährung sucht,

novation und um gutes Marketing unter.

Und wo sind die größten Herausforderungen für die Aktiengesellschaft?

Die Aktiengesellschaft Bad Neu-

enahr hat immer den Kernbereich

kurörtlichen Geschehens in Bad Neuenahr abgedeckt. Dies muss auch in Zukunft so bleiben. Allerdings hat

sich unser Leistungsspektrum von

Angeboten in Kliniken verschoben zu dem großen gesundheitstouristischen Angebot „Ahr-Resort“.

Viele tun sich schwer, uns bei die-

ser notwendigen Wandlung zu be-

gleiten. Sie trauern dem Alten nach. Ich aber sage, wer sich nicht dem Marktgeschehen anpasst, der hat

verloren, getreu dem Motto: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit

der Zeit!“. Was das „Ahr-Resort“ will?

Menschen, die Entspannung suchen, die müde sind von der Alltagslast

und nicht viel Zeit oder auch Geld haben, um ihre „Batterien aufzuladen“, müssen an jedem Tag des Jah-

muss hier unkompliziert umsorgt werden.

Die Aktiengesellschaft Bad Neu-

enahr hat durch die Verbindung der Ahr-Thermen mit der „Sinfonie der

Sinne“ und dem Steigenberger-Kom-

plex einen wichtigen Schritt auf das „ A h r- Re s o r t “ hin getan. Hin-

zu kommt ein

Was ist ganz anders gekommen?

Ganz offen, ich hätte niemals ge-

glaubt, dass die gefestigten Strukturen des bekannten und berühmten

Heilbades Neuenahr durch die Ge-

sundheitsreform 1996 derartig ins Wanken geraten würden, wie dies

letztendlich der Fall war. All das, was jahrzehntelang gesicherte Aus-

„Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!“

gangsposition für das Heilbad

Neuenahr war,

exemplarisches Angebot auf dem

wurde unter rechtlichen und letztlich

Medical Fitness. In Bälde wird es auch

Frage gestellt. Dies hat uns genötigt,

Gebiet körperlicher Bewegung, die mentale Wellness in exemplarischer Form im „Ahr-Resort“ geben.

Dies alles ist für eine mittelstän-

dische Gesellschaft wie die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr kein Spa-

ziergang. Die finanziellen Mittel, die für eine solche Umstrukturierung erforderlich sind, belasten unser Unter-

nehmen. Wir sind jedoch sicher, dass

damit der Grundstein für eine gute und sichere Zukunft der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr gelegt ist.

res sicher sein, bei uns den nötigen

Sie sind 1994 hier nach Bad Neuenahr

sundheitsbewusste, auf Vorbeugung

Damals hatten Sie natürlich Ihre Vor-

Energieschub zu erhalten. Der ge-

68

Elemente der Prävention, Bewegung,

gekommen und seit 1996 Kurdirektor:

auch unter finanziellen Aspekten in radikal umzudenken.

Erfüllt haben sich dagegen meine

Erwartungen an den Standort Bad Neuenahr. Dies ist ein gottgesegnetes Fleckchen Erde mit so viel po-

sitiven Eigenschaften, dass ich den Glauben daran auch in Zeiten bitterer Gesundheitsreformen nie aufgegeben habe.

Als Unternehmer in Umbruchzeiten

hat man auch unangenehme Entscheidungen zu treffen. Welche ist Ihnen am schwersten gefallen?

Brutal waren Situationen, in de-

nen ich meinen Mitarbeitern erklä-


ren musste, dass wir für sie keine Ar-

Platz steht, so erfüllt mich dies schon

Mitarbeiter, den wir infolge der Ge-

zufügen, dass dies ohne meine Mit-

beit mehr haben. Ich habe bei jedem

sundheitsreform kündigen mussten, mit gelitten. Selbst wenn man von der Notwendigkeit dieser Schritte

überzeugt ist, so fühlt man sich doch sehr unglücklich.

Welche Ihrer Entscheidung, denken Sie, hat Bad Neuenahr am meis-

mit Stolz! Ich will aber sogleich hinarbeiter, die mit mir durch dick und

dünn gegangen sind, und ohne die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die

ebenfalls erhebliche Anstrengungen

unternommen hat, um aus Bad Neuenahr einen Kurort mit Zukunft zu gestalten, nicht gegangen wäre.

ten genutzt? Oder anders gefragt:

Wenn Sie das heutige politische, so-

hend stolz sind?

Stadt, Region, Land, Europa und der

Gibt es etwas, worauf Sie richtigge

Wir haben aus dem Vorhande-

nen etwas gemacht. Wir haben

Neues hinzugefügt, haben neue

Programme entwickelt, uns von den

alten Strukturen gelöst und uns von der Gewissheit tragen lassen, dass

nur eigenverantwortlich betriebene Gesundheitsvorsorge den Menschen hilft. Hier Angebote zu schaffen, ob

es die „Sinfonie der Sinne“ oder „Me-

ziale, kulturelle Umfeld betrachten in

Welt und Sie hätten diesbezüglich drei Wünsche frei. Welche wären das?

Ich wünsche mir Frieden, eine in-

takte Umwelt und wirtschaftliche Prosperität, damit es nach weiteren 150 Jahren heißt: Bad Neuenahr ist spitze!

Vielen Dank, Herr Mertel.

dical Fitness“ oder das „Ahr-Resort“ ist, war mir wichtig.

Wenn dieser Tage in einer gro­

ßen vergleichenden Untersuchung 158 Heilbäder und Kurorte Deutschlands nach jeweils ca. 1000 Quali-

tätskriterien untersucht werden und

Bad Neuenahr dabei auf dem ersten

69


Die Kurdirektoren

70

Bis 1863 Bis 1893 Bis 1930 Bis 1937 Bis 1971 Bis 1981 Bis 1996 Seit 1996

Georg Kreuzberg August Lenné Felix Rütten Ernst Rütten Dr. Dr. Erich Rütten Carl Alexander von der Groeben Herbert Rütten Rainer Mertel


Quellenhinweise und Bildnachweis Bildnachweis Spielbank Bad Neuenahr GmbH & Co. KG Seiten 22/23 Steigenberger Hotel Bad Neuenahr Seiten 24/25, 28/29 Archiv Vollrath Seiten 50/51, 52/53 Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e. V. (D. Ketz) Seiten 16/17, 28/29, 64/65 Archiv Aktiengesellschaft Bad Neuenahr Seiten 32/33, 34/35, 36/37, 38/39, 44/45*, 46/47, 48/49, 50/51 Weitere Bilder der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (Fotos: hpm mayer, D. Topel, Vollrath, Foto-Fanatika Worms): 14/15, 16/17, 18/19, 20/21, 26/27, 28/29, 56/57, 58/59, 60/61, 62/63, 64/65, 68/69 Konzept, Gestaltung und Redaktion nHP PR & Werbung GmbH, Bonn Quellen und historische Texte Festschriften der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr 1908, 1958, 1983, Kreis Ahrweiler Heimatjahrbuch-Archiv, Hans-Jürgen Ritter Druck Warlich, Meckenheim Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes Heike Zimmermann, Stellv. Kurdirektorin *Zu Bild Seite 45: Blick über das Heilbad Neuenahr Aquatintaradierung von Joh. Jak. Tanner. Situation Anfang der 1860er Jahre. Blick von der Hochstraße über den Kurgarten und das Kurhotel. In dieser Ansicht vermischen sich Realität und Zukunftsvision. Der Westflügel des Kurhotels wurde später angebaut, zudem war der Gesamtbau zu dieser Zeit noch

ein unverputzter Ziegelsteinbau. Am Kurhotel rechts das erste Badehaus. Das helle, schlanke vierstöckige Haus ist das Hotel Mariensprudel des Dr. Praessar, Konkurrent der Badegesellschaft. Es gelangte 1865 in deren Besitz und wurde Direktorwohnung. Die 1859 errichtete Fahrbrücke wurde im April 1867 von Hochwasser weggespült.

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Festschrift 150 Jahre Aktiengesellschaft Bad Neuenahr Kurgartenstraße 1 • 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler • Tel. 02641/801-0


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