Page 1


EDITORIAL

E

Master of Disaster

Aus dem Inhalt

s ist geschafft, die ersten Bachelorstudierenden werden nach dem laufenden Semester ihren Hochschulabschluss in der Tasche haben. Nach drei Jahren. Nicht schlecht. Das ist vergleichbar, als würde man die Schule auf dem Weg zum Abitur in Klasse neun plötzlich verlässt.

Seite: 4 bis 13: Studium in der Kritik, alles zur Master, Bachelor und Protest

Die frischen Hochschulabsolventen sind nach Praktika von unendlichen vierzehn Tagen, circa einer Woche Auslandsstudium und einer Abschlussarbeit, auf die Nietzsche und Co. neidisch wären auf dem besten Weg, Europa aus der Wirtschaftskrise zu reißen. Schuld trifft sie keine, eher den Bologna-Bolognese-Quark, der ins Bildungssystem geklatscht wurde. An die Sportwissenschaftliche Fakultät denken sie sicher gern zurück und verweisen auf ein erfolgreiches Hochschulranking und tolle Eignungfeststellungen mit Beschilderungen so groß wie die Anzeigetafel im Zentralstadion, damit die angehenden Akademiker auch schnell den Weg zum Shuttle-Bus finden und nicht ständig das nimmermüde SPORTAKUS-CateringTeam fragen müssen.

Seiten 8 und 9: Ergebnisse des CHERankings

Apropos Zentralstadion. Welch Wende im fußballentwöhnten Leipzig. Brausehersteller Red Bull hat ein Erbarmen. Das österreichische Unternehmen mit den geflügelten Bullen kannte die Leipziger Studentenschaft bisher nur von Festlichkeiten auf dem Campus, bei denen das Zeug literweise in sich gekippt wurde, um am nächsten Tag den Mief im vollen Hörsaal besser ertragen zu können. Deshalb und NUR deshalb erklärt sich das SPORTAKUS-Catering-Team bereit, die Verpflegung der Sporwis von Montag bis Freitag zu übernehmen. Natürlich gegen Bezahlung. Geld muss ja da sein, wenn man an die riesigen Festlichkeiten zum Uni-Jubiläum und die unbesetzen, also unbezahlten Lehrstellen denkt. Denn letztendlich hängen wir doch alle an der Titte der Wohlfahrt und sind von Vater Staate abhängig wie das Baby von der Brust seiner Mutter. Doch wenn eben nichts mehr geht – Red Bull verleiht ja bekanntlich Flügel. Und wenn erst Real Madrid und der FC Barcelona in Leipziger Hotelkissen furzen, ist auch der Mief voller Hörsäale fast Nebensache In diesem Sinne, angenehme und erfolgreiche Prüfungszeit.

Seite 16 und 17: Angehende Sportstudierende im Märchenland Seite 30 bis 33: Alles zum Einstieg von Red Bull beim SSV Markranstädt Seite 36 und 37: Sport nur am Rande: Wasserball in Leipzig Seite 42 und 43: 90 elf, Deutschlands erstes Internet-Fußballradio sitzt in Leipzig .

Titelbild Studium Bolognese, Bologna-Prozess, was biste schön. Rezepte auf der letzten Seite. Gestaltung:

Mandy Schaff, Alexander Fugmannr

Euer

3


TITELTHEMA

Wer weiß was?

Die Masterstudiengänge an der Fakultät sorgen für Verwirrung In der zweiten Runde des Bologna-Prozesses werden im nächsten Wintersemester an der Sportwissenschaftlichen Fakultät die Mas­ terstudiengänge Sportmanagement und Lehramt eingeführt. Daneben existieren bereits die Mas­ter für Reha und Prävention sowie Diagnostik und Intervention. Die ersten BachelorAbsolventen bewerben sich derzeit für eine Zulassung zu einem der neuen Studiengänge. Dabei stehen sich Füße scharrend Studierende aus Leipzig und ganz Deutschland und die Verantwortlichen der Sportwissenschaftlichen Fakultät gegenüber, die noch mit der Frage ringen,waseigentlichpassiert,wennallegleichzeitig in den Ring stürmen.

W

er jetzt sein Bachelor-Studium abschließt und sich für einen Master an der Sportwissenschaftlichen Fakultät bewirbt, hat scheinbar einen günstigen Zeitpunkt erwischt. Denn beim Start der neuen Studiengänge wird es keinen Numerus clausus geben. Jene bedeutungsschwangere Zahl, die darüber entscheidet, ob der frisch gebackene Bachelor geeignet ist, sich auch noch zum Master weiterbilden lassen zu dürfen. Doch so einfach ist es leider nicht. Interessierte müssen sich vor der eigentlichen Bewerbung für eine Eignungsfeststellung anmelden. Dafür müssen sie verschiedene Unterlagen vom Abiturzeugnis über das Abschlusszeugnis eines berufsqualifizierenden Hochschulabschlus­ ses bis hin zu diversen Trainerlizenzen oder Praktikumsnachweisen einreichen. Genaueres regeln die Eignungsfeststellungsverordnungen (EVO). Über das exakte Verfahren der Eignungsfeststellung herrscht bei den Verantwortlichen wohl aber noch keine hunderprozentige Klarheit. „Beim Management haben wir beschlossen, dass es eine Sichtung (der Bewerbungsunterlagen, Anm. d. Red.) gibt, um festzustellen, wer ganz ohne Zweifel die Voraussetzungen hat. Wer die nicht hat, macht dann die Eignungsprüfung,“

4

sagt Prof. Dr. Alfred Richartz. Er ist als Studiendekan der Fakultät und als Vorsitzender der Studienkommission verantwortlich für alle Studiendokumente, also Studien- und Prüfungsordnungen. Er betont aber, dass die Verantwortung für Masterstudiengänge bei den jeweiligen Studiengangsleitern liege. Er hingegen sei nur für die Bachelor-Studiengänge verantwortlich. Doch zurück zur Eignungsfeststellung: Wer einen Blick in die Verordnung wirft, stellt fest, dass die Aussagen der Verantwortlichen teils deutlich von der Regelung abweichen, wie sie in der Verordnung nieder geschrieben wurden: Danach werden zuerst die Bewerbungsunterlagen von der Prüfungskommission gesichtet, dann werden diejenigen, die geeignet erscheinen (und nicht diejenigen, bei denen Zweifel bestehen), nochmals zu einer 45-minütigen schriftlichen Eignungsprüfung eingeladen. Alle anderen, so heißt es, erhalten mit Verweis auf die Rechtsbehelfsbelehrung einen Ablehnungsbescheid. (siehe Auszug aus der Eignungsfeststellungsverordnung auf Seite 6). Der Rechtsweg ist also nicht ausgeschlossen. „Wir haben im Verhältnis zu den Studierenden zu wenig Personal, um eine Lehre ausreichend abzudecken“ Nur für die Lehramts-Studierenden gelten andere Regeln. „Eigentlich müssten alle LehramtsBachelor in den Master kommen, weil der Master ja äquivalent zum Staatsexamen ist und man damit in das Referendariat kommt. Da kommt dann also jeder rein, der den Bachelor hat,“ sagt Richartz, „Es gibt eine Mantelordnung für alle Lehramts-Masterstudiengänge, da müssten die Voraussetzungen für alle drin stehen... .“ Er schaut eine Weile auf seinem PC nach und stellt fest: „Das kann ich jetzt hier nicht nachschauen,


TITELTHEMA aber das können Sie auch auf der Homepage der ausreichend abzudecken.“ Im CHE-HochschulUni nachlesen.“ Ein wenig mehr Detailkenntnis ranking war die Betreuung durch die Lehrenden hätte man von einem Studiendekan schon er- schon jetzt einer der meist kritisierten Punkte wartet. Schließlich ist er, auch wenn die Studien- von Studierenden der Fakultät (siehe Seite 8 und gangsleiter im Kon9). Dazu komkreten für die neuen men die sowieso Masterstudiengänge schon knapzuständig sind, verpen räumlichen antwortlich für eine Kapazitäten Kommission, die all und geplanten diese Ordnungen Baumaßnahmen. ver­ab­schiedet hat. Vor diesem HinFakt bleibt aber, dass tergrund ist es hier laut EVO keine wahrscheinlich, Ei g n u n g s f e s t s t e l dass die Eiglung durchgeführt nungsfeststellung wird. Die Bewerber tatsächlich zu müssen nur nach- Vorlesung im Großen Hörsaal: Uni-Absolventen können einem Aufnahweisen, dass sie einen sich für einen Masterstudiengang entscheiden. Die metest wird, der passenden Bachelor Zugangsvoraussetzungen sind mancherorts so vielfältig nicht mehr nur vorher abgeschlossen wie das Studienangebot. Foto: www.uni-leipzig.de die Eignung fest haben. Für die Stustellt, sondern die dierenden in Leipzig jedenfalls ist die Situation Bewerber gemäß der vorhandenen Kapazitäten immernoch unklar (siehe Umfrage Seite 7). aussiebt. Zur Zeit wird diskutiert, ob einige Bewerber Die Beantragung eines Numerus Clausus hätte schon anhand ihrer Unterlagen vorausgewählt das verhindern können. So ungern Studienbewerden. Besonders gute Interessenten müssten werberInnen diesen auch sehen. Eine Selektion die schriftliche Prüfung dann nicht mehr ab- wird wohl dennoch getroffen. Mit NC wäre solvieren. Diejenigen, bei denen die Unterlagen diese aber allemal objektiver gewesen als eine nicht ausreichende Voraussetzungen aufweisen, vermeintliche Eignungsprüfung, bei der die werden abgelehnt, alle anderen müssten in die Beurteilungskriterien nirgends festgeschrieben Prüfung. So will man sich unnötigen Korrektur- wurden. aufwand ersparen. Allerdings bestehen Zweifel Die Alternative wäre eine Aufnahme aller Bean der rechtlichen Durchsetzbarkeit dieses Ver- werber, die sich eignen. Dann müssten z.B. in fahrens. der Reha und Prävention deutlich und im BeFür die Fakultät bedeuten die neuen Studien- reich Diagnostik/Intervention einige Studierengänge, dass sie zusätzliche Studierende aufneh- de mehr aufgenommen werden, als Kapazitäten men muss. Bisher sind pro Master-Studiengang vorhanden sind. Zumal die Fakultät personell 30 Plätze geplant. Für die Eignungsprüfung schon längst aus allen Nähten platzt. Die Ausgibt es im Bereich Diagnostik/Intervention 39, sicht auf bessere Studienbedingungen rückte in im Sportmanagement nur 20 und in der Reha/ weitere Ferne, als sie es sowieso schon ist. Prävention 53 Anmeldungen. Also insgesamt Proteste gegen die Studienbedingungen läu112. Da aber kein Numerus clausus vergeben fen derzeit vielerorts (siehe Seite 10). Im Neuen wurde, muss die Fakultät alle aufnehmen, die Seminargebäude wurden über 58 Tage verschiedie Eignungsprüfung bestehen. Schon jetzt sagt dene Räume besetzt. Nur die Sportwissenschaftder Dekan der Sportwissenschaftlichen Fakultät, liche Fakultät liegt noch im Dornröschenschlaf. Prof. Dr. Krug: „Wir haben im Verhältnis zu den Matthias Schäfer Studierenden zu wenig Personal, um eine Lehre

5


TITELTHEMA Übersicht Bachelor- und Masterstudiengänge der Sportwissenschaftlichen Fakultät

Grafik: http://www.uni-leipzig.de/~sportfak/

Auszug aus der Eignungsfeststellungsverordnung Master Sportmanagement

§ 4 Verfahren zur Eignungsfeststellung (1) Die Prüfungskommission prüft in einer ersten Stufe der Eignungsfeststellung anhand der eingereichten Unterlagen, ob der/die Bewerber/in aufgrund seiner/ihrer nachgewiesenen Vorbildung für den Studiengang Sportmanagement geeignet erscheint. Für die Bewerbung werden insbesondere die bislang erbrachten Studienleistungen herangezogen. (2) Bewerber/innen, die nach Prüfung der eingereichten Unterlagen als geeignet erscheinen, werden zur zweiten Stufe der Eignungsfeststellung (Abs. 3 – 6) eingeladen. Alle übrigen Bewerber erhalten einen mit Gründen und Rechtsbehelfsbelehrung versehenen Ablehnungsbescheid. (3) Die zweite Stufe der Eignungsfeststellung besteht in einer schriftlichen Prüfung von 45 Minuten Dauer. Dabei soll festgestellt werden, ob neben den durch die eingereichten Unterlagen, insbesondere die Hochschulzugangsberechtigung und Studiennachweise, nachgewiesenen Kenntnissen ein individueller Kenntnisstand vorhanden ist, der es erlaubt, am Masterstudiengang Sportmanagement erfolgreich teilzunehmen. (4) Klausurarbeiten sind in der Regel von zwei Prüfern/innen zu bewerten. Die Prüfer/innen werden vom Prüfungsausschuss bestellt und sind Mitglieder der Auswahlkommission. Für die Bestellung der Prüfer/innen und Beisitzer/innen gilt § 18 Absatz 1 der Prüfungsordnung für den Masterstudiengang Sportmanagement an der Universität Leipzig sinngemäß. (5) Über die Eignung für das Studium im Masterstudiengang Sportmanagement entscheidet die Prüfungskommission anhand der Ergebnisse der Prüfung und der eingereichten Unterlagen. Die mit der Prüfung befassten Kommissionsmitglieder entscheiden über das Bestehen oder Nichtbestehen mit der Mehrheit der anwesenden Mitglieder. Die Entscheidung wird als Ergebnis der zweiten Stufe der Eignungsfeststellung protokolliert. Die Protokolle sind von den beteiligten Kommissionsmitgliedern zu unterzeichnen und beim Prüfungsausschuss zu hinterlegen.

6


TITELTHEMA

„Totaler Blödsinn“

Leipziger Spowis zum Master und dazugehörigem Eignungstest Anni Genthner, 6. Semester, Profil Sportmanagement: „Nach dem Bachelorabschluss in diesem Semester möchte ich auf jeden Fall noch den Master dranhängen. Ob ich dafür in Leipzig bleibe, weiß ich noch nicht. Den Modulbeschreibungen nach, werden einige Grundlagen aus dem Bachelor wiederholt und Module aus anderen Masterstudien angeboten, die mich kaum bis gar nicht interessieren. Mir fehlt eindeutig der praktische Bezug, der an anderen Unis groß geschrieben wird. Exkursionen, Fachbeiträge oder gar das ganze Studium auf Englisch – das kostet natürlich viel Geld und die Anzahl dieser Möglichkeiten ist leider sehr beschränkt.“ Dirk Wilhelm, 6. Semester, Profil Sportmanagement: „Ich will den Master auf jeden Fall in Leipzig machen, da mir Stadt und Leute ans Herz gewachsen sind. Wenn das nicht klappt, habe ich noch keinen Plan B. Ich fühle mich noch nicht reif für den Einstieg ins Berufsleben und würde gern noch ein wenig die Vorzüge des Studentenlebens genießen. Die Informationen rund um das Masterstudium und die Bewerbung waren okay. Man ist gewohnt, dass man sich selbst kümmern muss. Den Eignungstest find ich totalen Blödsinn. Für die Leute aus anderen Fachgebieten oder Unis macht das ja Sinn, aber die eigenen Leute nochmal zu prüfen ist überflüssig. Man kann doch bestens an unseren Noten erkennen ob wir geeignet sind.“

Thomas Dreißigacker, 6. Semester, Profil Leistungssport: „Ich strebe den Masterstudiengang Diagnostik/Intervention mit Schwerpunkt Leistungssport in Leipzig an, da es in Deutschland sonst kaum vergleichbare Möglichkeiten gibt. Wenn es aufgrund der großen Bewerberzahlen nicht klappt, versuche ich entweder ins Ausland zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln oder schon mit dem Bachelor als Trainer zu arbeiten. Leider ist immer noch nicht eindeutig geklärt, ob wir eine Eignungsprüfung schreiben müssen oder nicht. Bisher habe ich den Eindruck gewonnen, dass es keinen richtigen Ansprechpartner oder Experten für den Masterstudiengang gibt, der uns etwas Klarheit bringen könnte.“ Christian Bischoff, 6. Semester, Profil Reha / Prävention: „Mein Ziel ist es, meine Ausbildung in Leipzig fortsetzen zu können. Falls das nicht klappt, werde ich mich an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg bewerben. Die Organisation bezüglich des Masterstudiums und seiner Bewerbung find ich sehr konfus. Fast wöchentlich ändern sich die Informationen, erst müssen wir einen Eignungstest machen, dann nur noch für das eine Profil, dann doch nicht, weil es wiederum auf die Noten ankommt. Aber diese organisatorischen Defizite sind uns ja aus dem Bachelorstudiengang bekannt.“ Gespräche: Gitte Adam&Martin Sturm

7


TITELTHEMA

Leipzig sieht Rot

Bewertung der Studienbedingungen der Fakultät wenig positiv Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) erhebt jährlich Daten zu den häufigsten Studiengängen, die dann von der Zeitschrift „DIE ZEIT“ als Hochschulranking veröffentlicht werden. Dieses Jahr wurde erstmals auch Bachelor- und Lehramtsstudiengänge von 48 Universitäten des Fachbereichs Sport/Sportwissenschaften aufgenommen.

Studierenden eher kritisch. In neun der übrigen Bereiche, beruhend auf Studentenbefragungen, findet sich Leipzig unter den Schlusslichtern wieder. Die schlechtesten Noten gab es im Berufsbezug (3,9) und in der Einbeziehung in die Lehrevaluation (3,8). Die gesamte Studiensituation bewerteten die Studierenden mit 3,4. Von den Lehramtsstudierenden, deren Befragung gesondert ausgewertet wurde, erhielt die Fakultät m Gegensatz zu den meisten Sportwettkämp- mildere Bewertungen. Nur für die Einbeziehung fen werden beim Hochschulranking keine Ge- in die Lehrevaluation gab es einen roten Punkt samtplatzierungen vergeben. Es ist eine fachbe- (Note 4,0), bei den übrigen Indikatoren wurde zogene Statistik ohne Gesamtnote. Nur einzelne Leipzig zumeist als durchschnittlich bewertet. Indikatoren eines Faches werden genau bewertet Bibliotheksausstattung, Räume und Sportstätten (siehe Infokasten), wobei es pro Indikator und wurden allerdings auch von ihnen als sehr gut Universität eine Note gibt. Anhand der Noten empfunden. „Unsere Infrastruktur ist sicherlich gut, aber erfolgt dann eine Gruppenbildung nach Quantilen: Die jeweilige Spitzengruppe, die vordersten wir haben einfach zu wenig Personalstellen“, 25 Prozent eines zu untersuchenden Indikators, resümiert Krug und erklärt sich das schlechte bekommt einen grünen, die Mittelgruppe (50 Abschneiden mit zu wenigen Lehrkräften für Prozent) einen gelben und die Schlussgruppe, die Anzahl der Studierenden (gegenwärtig 1232 Immatrikulierte). „Die wiederum 25 Prozent, „Das ist enttäuschend. Jetzt zeigt Studierenden fordern einen roten Punkt. sich, was wir ändern müssen“ zurecht mehr LehrkräfDie meisten grünen te, aber die LandesrePunkte erreichten die Universitäten Bayreuth, Potsdam, Jena und Tü- gierung zahlt nicht mehr Stellen. Wir nehmen bingen und können so insgeheim als die Sieger jedes Jahr mehr Studenten auf, als eigentlich betrachtet werden. Die Universität Leipzig er- möglich, da ist es klar, dass unsere Studierenden wischte hingegen keine grüne Welle, sondern gerade mit Betreuung, Konsultationsmöglichblieb bei Rot und somit am Ende des Rankings keiten und Beratung unzufrieden sind.“ Vor stehen. „Das ist natürlich enttäuschend. Ich be- allem die Verstärkung im Bereich Sportmanagtrachte das Ranking als sehr aussagekräftig und ment mit einer Professur sieht Krug als wichtige es zeigt auf, was sich ändern muss“, beuteilt De- Aufgabe. „Jetzt zeigt sich klar, dass es durch die kan Prof. Dr. Jürgen Krug die Statistik. Einzig Lehrüberlast zu den Schwierigkeiten gekommen in den Bereichen Forschungsgelder pro Professor ist, die das Ranking wider spiegelt. Das gibt uns (Summe der Drittmittel pro Fachbereich geteilt die Chance mit Nachdruck auf diese hinzuweidurch die Anzahl der Professoren), Bibliotheks- sen und so die Situation zu verbessern.“ Denaustattung, Räume, Sportstätten und bei der Re- noch glaubt der Dekan nicht, dass das Ranking putation in Studium und Lehre (Ansehen eines große Auswirkungen auf die Studienortwahl hat. Instituts/einer Fakultät unter allen Professoren „Trotzdem haben wir in diesem Jahr wieder eine des Fachbereichs) erreichte Leipzig die Spitzen- große Bewerberzahl für die Eignungsprüfung, gruppe. Die Umsetzung der guten Infrastruk- aber nicht genug Plätze für alle, die in Leipzig Johanna Heß tur in die Lehre sehen die befragten Bachelor- studieren wollen.“

I

8


TITELTHEMA

Ergebnisse Sportwissenschaftliche Fakultät Leipzig

Hauptfach-Studierende insgesamt

918

Professoren

6

Neubesetzungen

7

Forschungsgelder pro Professor

121,0 T€

Promotionen pro Professor

0,3

URTEILE DER STUDIERENDEN:

Note

Betreuung durch Lehrende

2,9

Kontakt zu Studierenden

1,7

Lehrangebot

2,9

Forschungsbezug

3,2

Studienorganisation

3,4

Praxisbezug

3,6

Berufsbezug

3,9

Einbeziehung in Lehrevaluation

3,8

E-Learning

3,0

Bibliotheksausstattung

2,3

Räume

2,3

IT-Infrastruktur

2,9

Sportstätten

2,0

Studiensituation insgesamt

3,4

REPUTATION: Reputation in Studium und Lehre

26,5 %

Forschungsreputation

22,9 %

BEWERTUNGSFARBE

Indikatoren der Bewertung 1. 2. 3. 4. 5.

Forschungsreputation Forschungsgelder Sportstätten Betreuung Studiensituation insgesamt

Quelle:

http://www.ranking.zeit.de

weitere Informationen: http://www.che-ranking.de http://www.sportwissenschaft.de

gut

mittel

schlecht

9


TITELTHEMA

Protesttage gipfeln im Bildungsstreik 58 Tage Räume im Neuen Seminbargebäude besetzt

Verschulung des Studiums, fehlende Zeit für Auslandssemester und Praktika, überfüllte Lehrveranstaltungen und Unstimmigkeiten in Prüfungsordnungen. Das alles sind Probleme, die nicht nur die Studierenden der Sportwissenschaftlichen Fakultät belasten. Auch in anderen Studiengängen nimmt die Unzufriedenheit über das Universitätsbildungssystem zu. Doch die Studentenschaft wehrt sich und streikte mehrere Wochen in einer interessanten Art und Weise.

A

ls Ort des Protestes besetzten die Studierenden zu Beginn des Semesters fünf Räume im Neuen Seminargebäude. Sie protestierten mit großen Transparenten, die unübersehbar aus den Fenstern hingen. Sonst war es eher ein ruhiger, fast schon förmlicher Protest. Zumindest vorerst. Der Protest und die Wut richten sich gegen Politik und Universität, die im Rahmen des Bologna-Prozesses ein Studium konzipierten, welches fernab des Bildungsanspruchs liegt. Protesttage: Aktionen anderer Unis Jena: „Verschulung des Studiums“ Bei einer Demonstration von Studenten und Schülern am 17. Juni stürmten die Protestler das Studien- und Prüfungsamt der Uni und es kam zu zahlreichen Sachbeschädigungen. Berlin: „Studier dich arm“ Am 18. Juni geriet die Situation kurzfristig außer Kontrolle. Bei der Aktion „Geld für Bildung statt für Banken“ blockierten und besetzten etwa 550 Schüler und Studenten Filialen der Deutschen Bank und der Bank Hypo Real Estate in dem Maße, dass die Polizei einschreiten musste. Mainz: „Wir werden hierbleiben“ Bei einer Veranstaltung mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan am 19. Juni demonstrierten ca. 150 Studenten vor dem Veranstaltungsort. Am 17. Juni waren bereits Studenten in das Mainzer Abgeordnetenhaus eingedrungen und hatten dort Wände beschmiert und Toilettenpapier ausgerollt. Düsseldorf: „Gelungener Abschluss der Proteste“ Am 20. Juni demonstrierten etwa 2500 Studenten aus ganz NRW für Verbesserungen im Bildungssystem. Wie auch in zahlreichen anderen deutschen Städten bildete dieser Demonstrationszug den Abschluss des bundesweiten Bildungsstreiks 2009.

10

Ungefähr hundert Mitwirkende waren es, die aktiv am Protest teilnahmen, durch gezielte Aktionen die Missstände aufzeigten und ihrem Unmut Luft machen wollten. Genaue Zahlen, gibt es nicht, dafür war die Fluktuation in der Gruppierung zu hoch. Die Seminarräume waren ständig besetzt und die Protestierenden übernachteten sogar darin, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. „Die Räume werden zur inhaltlichen Arbeit, Reflexion und Diskussion der zu kritisierenden Zustände an Hochschulen, vor allem in ihren gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen, genutzt.“ So bezeichneten die Aktiven selbst ihr Vorgehen. Sie boten Workshops für andere Studierende an, mit Themen wie: „Kritik und Forderungen“, „Bildungsbegriff“ oder „Grundsatzdebatte“. Doch am zwölften Juni lösten die Studierenden ihre Besetzung nach 58 Tagen auf. Zu gering sei die Wirkung der Besetzung nach außen hin geworden, begründen sie und zogen aus den Seminarräumen. Doch die Überlegungen nach neuen Formen des Protestes dauern an und sollen zeitnah in die Tat umgesetzt werden. Ziel der engagierten Protestler war es, eine Selbstaufklärung zu schaffen und effizient darzustellen, was verändert werden soll und wo die größte Unzufriedenheit liegt. Demnach sollte nicht nur kritisiert werden, sondern auch konstruktive Veränderungsansätze entworfen werden. Letztendlich soll ein Forderungspapier ausgearbeitet werden, das ähnliche Inhalte haben wird, wie eine im November 2008 vom StudentInnen Rat (StuRa, Infos: http://protesttage. blogspot.com) verabschiedete Resolution. Klingt nach viel theoretischer Arbeit. Aber auch praktisch waren die Protestierenden in Aktion zu erleben. Anlässlich der feierlichen Eröffnung des 600-jährigen Universitätsjubiläums im Mai meldeten sich die Studenten unter dem Motto “Es gibt nichts zu feiern“ vor dem Gewandhaus lautstark zu Wort. Die Partei „Die Linke“ bezeichnete in einer Pressemitteilung die-


TITELTHEMA se Aktion süffisant als „das erfreulichste Ereignis des Abends.“ Dass solche Aktionen keine Studienordnung verändern, ist den Aktiven klar. Aber Sie haben die Menschen aufmerksam gemacht. Der Universitätsrektor, Prof. Dr. Franz Häuser, ließ verlauten, dass er Kritik an den neuen Bachelorund Masterstudiengängen verständlich finde, ein Rückzug von den Bologna-Vereinbarungen aber ausgeschlossen sei. „Die Grundsatzfrage Bologna stellt sich nicht mehr, die Würfel sind gefallen“, sagte er der Leipziger Volkszeitung. Dass es in Zusammenhang mit der Umstellung der Studi-

Studierende äußerten ihren Unmut vor dem Foto: http://de.indymedia org Leipziger Gewandhaus.

engänge noch nicht zu der versprochenen Verbesserung der Studienbedingungen gekommen sei, legte Häuser auch dem Hochschulpakt in Sachsen zu Lasten. Nicht nur Leipzig war Ort von Protest und Demonstration. Die Woche vom 15. bis 21. Juni diente einem deutschlandweiten Bildungsstreik mit mehr als 150.000 Beteiligten, um auf die katastrophalen Zustände im Bildungssystem hinzuweisen. Auch in Frankreich, Finnland und Dänemark kam es zur Besetzung von Bildungseinrichtungen. Vielleicht ist dies ein Zeichen, dass zumindest ein Ziel von Bologna erreicht wurde: Die Studiengänge sind in den europäischen Ländern zumindest gleich, das heißt so gut wie gar nicht, anerkannt. Gitte Adam & Stephan Lochen weitere Informationen: http://www.bildungsstreik2009.de

http://www.protesttage.blogspot.com

Qual der Wahl Als ich klein war, hörte ich etwas von einer Wahlbeteiligung von 99,3 Prozent. Die Umstände, unter denen diese Zahl zu Stande kam, erschlossen sich mir erst später. Es folgten viele Jahre sinkender Teilnehmerzahlen. 50 Prozent gelten heute als normale Quote. Mit nur 43 Prozent war die Europawahl am 7. Juni ähnlich schlecht besucht wie vor zwei Jahren. Wie viele Menschen, lebe ich in einem Trott zwischen Uni, WG, Arbeit und Sportverein. Grundsätzlich würde ich schon mehr tun. Aber all die Dinge, für die man weniger Zeit hätte! Bei RTL haben sie neulich zusammen gefasst, welche politische Gruppe wofür einsteht und was sie vorhat. Wie praktisch. Sonst müsste ich mich noch selbst damit befassen, im Internet nachlesen oder noch schlimmer: Parteiprogramme durchblättern. Noch einfacher ist natürlich, einfach gar nicht zur Wahl zu gehen. Die gewonnene Zeit nutzen. Für das, was sonst noch so auf RTL läuft. Als Peter Klöppel wieder mal von den Wahlen spricht, überkommt mich ein Gedanke: Was treibt Leute, die sich dort aufstellen lassen, an, sich den ganzen Tag für die Probleme anderer aufzureiben? Vielleicht ist es das, was man früher Ritterlichkeit oder Nächstenliebe nannte. Interesse und Einsatzwille, die über Persönliches hinaus gehen und ein Stück weit von Selbstlosigkeit geprägt sind. Ein paar Tage später bemerke ich die Aufrufe zur FSR-Wahl. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Wahlbeteiligung im letzten Jahr fast so nah an Null war wie bei meiner ersten bewusst wahr genommenen Wahl an Hundert. Dieses Mal lag sie bei 27,2 Prozent. Wer weiß eigentlich noch, wen er gewählt hat oder wozu es einen Fachschaftsrat überhaupt gibt? In ein paar Wochen sind Prüfungen und Abschlussarbeiten. Zwingend und ultimativ, komprimiert auf wenige Wochen, mit tückischen Prozeduren und Workload-Berechnungen. Weiß jemand, wer das wieder beschlossen hat?! Und wer kann Einem Gehör verschaffen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt? Da muss es doch was geben! Ach, nicht weiter drüber nachdenken. Noch die letzten Worte von Peter. Und dann gute Nacht. Mitbestimmung. Nico Jekov

11


TITELTHEMA

Aktionsideen den Initatoren des Bildungsstreiks Credit Point Jagd Ein auffällig gekleideter Mensch (z.B. in einem weißen, gelben oder orangen Overall) rennt zur besten Mensa-Zeit (oder auch zur Zeit der größten Vorlesungen durch die großen Hörsäle) mit einem größeren Bündel gelber Luftballons, auf denen “1 Creditpoint” steht (oder auch mal “500 Euro”), durch die Menge (oder die Hörsäle) - und eine Gruppe Studierender hinterher. Diese rufen dabei laut: “Ich will meine Credits” oder “Gib’ mir meine Credit Points” oder ähnliches. Die Aktion sollte am besten durch einen Infotisch in der Nähe (z.B. Eingang Mensa oder Hörsalgebäude) begleitet werden! Während der Aktion auch unbedingt Flyer verteilen und immer durch lautes Rufen Aufmerksamkeit erregen. Creditpoint-gierige Studierende, die versuchen, einen Credit Point abzubekommen, spiegeln die Konkurrenz zwischen den Kommiliton*innen wieder und auch das auf Credit Points ausgerichtete System.

Bildungsmob Freeze mob alle erstarren exakt im gleichen Moment für einige Minuten Motto: „nötige Bildungsreformen stehen still“ Transportation: das Entrollen eines Transparents mit Motto + BS09 Logo beendet die Aktion Kissenschlacht „spontane“ Kissenschlacht (mit Federflug!?!) Motto: „jetzt gibt’s was auf die Ohren“ Transportation: T-Shirts mit Motto, Bildungsstreik, und jeweils einer Forderung Dancemob alle tanzen nach einer Choreografie, am Ende weiter gehen als ob nix gewesen ist

12

Frühling der Stühle Unter dem Namen “printemps des chaises” (Frühling der Stühle, Links s.u.) werden seit vielen Wochen in Frankreich ein Großteil der Hochschulen mit teil meterhohen Skulpturen aus Stühlen und Tischen blockiert und somit auch wirkungsvoll bestreikt.

Banküberfall Jahrelang war für Bildung, für Schulen, Unis, LehrerInnenstellen, Bafög und sonstige soziale Infrastruktur kein Geld da. Auf einmal fliessen Milliarden, um Schutzschirme über privaten Banken und Kapitalmärkten aufzuspannen. Die Investionen ins Bildungswesen sind lächerlich und gehen an die falsche Stelle. Banküberfall zum Bildungsstreik Um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, werden wir im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks am 18.6. an vielen Orten und Städten einen symbolischen Banküberfall veranstalten. Wir klauen nichts, werden aber das Bankgeschäft real blockieren und unmissverständlich deutlich machen: Geld für Bildung statt für Banken! Kapital vergesellschaften statt private Verluste zu verstaatlichen, damit der gesellschaftlichen Reichtum endlich uns allen gehört! Denn wir zahlen nicht für eure Krise.

Quelle: http://www.bildungsstreik. net/category/aktionsideen/


TITELTHEMA

Über-Regulierungen

D

as Wort von Karl Marx ist zum geflügelten geworden: Dass die wichtigen Dinge im Leben ›sozusagen zweimal passieren: einmal als Tragödie, das zweite Mal als Farce‹. Beispiele gefällig? Auch wir damals – okay, das ist ein wenig im Stil von Wenn der Senator erzählt (F.J. Degenhardt), aber egal, es geht jetzt um wichtige Dinge also, auch wir damals, kurz nach den 68ern, haben uns schon für gute Lehre eingesetzt. Da gab es Professoren, die boten ein „Seminar für Examenskandidaten“ an, freitags von 17 bis 19 Uhr. Nur Volltrottel haben nicht verstanden, welch komfortable Auswirkungen das für die Erfüllung des Lehrdeputats hatte. Aber von Dienstaufsicht keine Spur. Jener Herr Professor durfte machen, der Herr Dekan spuckte nicht in die Suppe, denn schon im nächsten Jahr könnte die Situation ja anders herum sein. Oder: Warum nur wurden ewig Leute berufen, die noch nie in ihrer Karriere nachweisen mussten, eine halbwegs erträgliche Lehrveranstaltung zu machen? Nur die Forschung brachte Punkte. Das war und das ist bei Hochschullehrern, ja Lehrern, nicht korrekt. Da stehen wir heute besser da, nicht wahr!? Jene Exotenseminare Montagabend von 20 bis 22 Uhr, in denen tatsächlich interessante, aber nutzlose Dinge passierten, haben in einem „berufsqualifizierenden Studium“ erst gar keine Chance; Lehrveranstaltungen werden evaluiert, und diese Evaluationen auch noch einmal, auf dass es auch spürbare Auswirkungen haben möge; die Zweiklassengesellschaft wird eingeführt: Forschungsleuchttürme hier, Massenstudiengänge dort – freilich nicht ohne den Massen-Professoren vorzusäuseln, wie wichtig doch die Lehre sei, und dass das ja bis dato immer völlig unterschätzt worden sei, und dass sie jetzt aber ganz doll wichtig seien. So wichtig, dass sie die wirklich ›Wichtigen‹ von deren Lehrverpflichtungen befreien können, um selber nicht mehr zur Forschung zu kommen. „Lehrprofessur“ heißt das dann. Wir haben es damals vermisst und eingeklagt – jetzt haben wir den Salat. Sie sind da, die Steu-

erungs- und Regulierungsinstrumente, über die jeder gute Betrieb verfügt, jetzt auch in der Produktion von Bildungsgütern. Es ist endlich geregelt, wieviel workload Studierenden zum Lesen eines Buches bewilligt ist, oder genauer: dass es zum Lesen eines ganzen Buches leider nicht mehr reicht. Bildungs-Häppchen für Alle – dies ist die Farce einer Demokratisierung von Bildung nach dem Marsch durch die Institutionen!? Das wird freilich jedem Einzelnen ganz doll gerecht, denn jetzt gibt es gut geregelte Eignungsprüfungen statt Pauschalbeurteilungen wie etwa den NC. Das alles wird überwacht von universitäts-fernen Aufsichts-, pardon: Hochschulräten und von universitätsfernen Akkreditierungsagenturen, wofür die Unis auch noch brav Unsummen bezahlen, die dann in der Lehre fehlen. Diese Befreiung von lästiger Autonomie der Hochschulen heißt in NRW übrigens „Hochschulfreiheitsgesetz“. Da ist er wieder: der Kakao, den wir trinken sollen, nachdem wir durch ihn gezogen wurden. Das ist innovation.nrw.de Schon im Mai 2007 habe ich es ernst gemeint mit meinem Stänkern gegen Überregulierungen. Damals noch am harmlosen Fall hysterischer Rauchverbote. Aber wie in der Vorlesung: Auf mich will ja keiner hören. Also noch einmal: „Reichtümer des Lebens leben von informeller Unbestimmtheit und sterben bei Überregulierungen aus.“ Und jetzt haben wir den Salat: Überregulierungen an der Uni, genannt Bologna. Und dieser Fall ist doch wahrlich keine Farce mehr. Prof. Dr. Volker Schürmann

13


FAKULTÄT

Zwischen Tradition und Zukunft

Die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie tagte an der Fakultät Als sich wohl die Mehrheit der Sportstudierenden über die Pfingsttage einige vorlesungsfreie Tage gönnten, herrschte auf dem Campus Jahnallee dennoch reges Treiben. Während mehr oder weniger Zielstrebige im Rahmen der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Orientierungslauf auf dem Campus umherirrten, war die Sportwissenschaftliche Fakultät zeitgleich Ausrichter der 41. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (ASP).

U

nter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Dorothee Alfermann fand die jährlich ausgetragene Tagung in Leipzig, der Gründungsstadt der Sportpsychologie, statt. Unter dem Leitsatz: „Menschen in Bewegung – Sportpsychologie zwischen Tradition und Zukunft“ nahmen an der Haupttagung vom 21. bis 23. Mai insgesamt 250 Teilnehmer das Angebot von Arbeitskreisen, Symposien, Vorträgen und Posterpräsentationen wahr. Die Organisatoren der Tagung zeigten sich mit dem Ablauf insgesamt sehr zufrieden. „Alles hat nach Plan funktioniert, auch aufgrund der zahlreichen Helfer“, ist das Fazit von Dr. Ines Pfeffer, der Vorsitzenden des wissenschaftlichen Komitees. Ein Höhepunkt der diesjährigen Tagung war die Verleihung des Karl-Feige-Preises (wird alle zwei Jahre vergeben). Die diesjährige Preisträgerin ist Jeannine Ohlert von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) mit dem Projekt „Teamleistung: Social Loafing in der Vorbereitung auf eine Gruppenaufgabe“. Den ersten Platz beim Posterpreis belegte Yvonne Steggemann von der Universität Bielefeld mit einem Plakat zum Thema „Der selektive Einfluss von Bewegungsexpertise auf die Wahrnehmung von menschlichen Figuren in mentalen Rotationsexperimenten“. Nicht nur die prämierten Arbeiten waren wissenschaftlich hochwertig. „Der wissenschaftliche Anspruch der Beiträge und Arbeitskreise war sehr hoch“, so Pfeffer.

14

Auch der ,der Haupttagung vorausgegangene, zweitägige Nachwuchsworkshop fand durchweg positiven Anklang. Die Qualität des Workshops sei ähnlich gut gewesen, resümiert Pfeffer. Bei Abendveranstaltungen in Auerbachskeller oder der Moritzbastei ließen sich ebenso interessante Gespräche finden wie gute Kontakte knüpfen. Ebenfalls auf dem Programm stand die Mitgliederversammlung inklusive der Vorstandswahlen der ASP. Ferner wurde Alfermann im Rahmen der Veranstaltung vom aktuellen Präsidenten der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), Prof. Dr. Bernd Strauß, als zukünftige dvsPräsidentin vorgeschlagen. Die nächsten Wahlen finden im September 2009 statt. Im nächsten Jahr tagt die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Salzburg, bevor 2011 die DSHS Köln Gastgeber sein wird. Alfermann blickt bereits auf kommende Aufgaben: „Aus meiner Sicht liegt im interdisziplinären Denken die Zukunft unseres Fachs – in der Lehre, in der Forschung und in der Anwendung. Sport und Bewegung stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Es zeigt sich, dass auch in den Zeiten der Globalisierung, Sport und Bewegung von zentraler Bedeutung sind.“ Martin Sturm Der neue Vorstand der ASP 1. Vorsitzender: Prof. Dr. Manfred Wegner (Universität Kiel) 2. Vorsitzender: Petra Wagner (ab kommendem Semester Universität Leipzig) Geschäftsführer: Prof. Dr. Daniel Memmert (DSHS Köln) 4 Beisitzer: Prof. Dr. Oliver Stoll (Universität Halle-Wittenberg), Dr. Matthias Weigelt (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Felix Ehrlenspiel (Universität München) , Dr. Ines Pfeffer (Universität Leipzig)


FAKULTÄT

600 Jahre Uni: „Freunde treffen sich“ ITK begrüßt hochkarätige internationale Gäste im Hörsaal Nord

Dolmetscherkabinen im Hörsaal Nord sind an der Sportwissenschaftlichen Fakultät mit Sicherheit nicht an der Tagesordnung. Wenn aber hochkarätige Gäste aus aller Herren Länder in Leipzig eintreffen, um gemeinsam in der Jahnallee anlässlich der 600-JahrFeierlichkeiten der Universität über den Sport in der Welt zu diskutieren, wird schon einmal eine Ausnahme gemacht.

Walter Eschweiler vom Auswärtigen Amt und Maysaa Hussein Matrood, Mitglied im Exekutivkomitee des NOK Irak sowie dem Universitätsrektor Prof. Dr. Franz Häuser war das Podi-

O

hne Dolmetscher, die simultan in vier Sprachen übersetzten, wäre es schwierig geworden, allen Teilnehmern gerecht zu werden und allen Anwesenden die Möglichkeit einzuräumen, an der Podiumsdiskussion rund um den Sport und seine Politik teilzunehmen. Rund 60 aktuelle Studierende des ITK trafen mit den zahlreichen Trotz unterschiedlicher Sprachen gemeinsam diskutieren. AbFoto: ITK Gästen zusammen. Und wenn sich Sport- solventen des ITK trafen sich in Leipzig wissenschaftler aus Argentinien, Südafrika, Madagaskar und Burkina Faso im Hörsaal be- um mit hochkarätigen Gästen bestückt. gegnen, sprechen sie zwar eine unterschiedliche „Freunde treffen sich“ hieß es auch noch ein zweites Mal im wahrsten Sine des Wortes. Zum „Alle sind stolz, den Trainerkurs in Wiedersehen der ehemaligen Absolventen mit Leipzig besucht zu haben“ Vertretern der Sportwissenschaftlichen Fakultät kam es im Restaurant „Götz-Haus“. Auch die Sprache. Doch eines ist allen gemein: Sie sind aktuellen Teilnehmer des Internationalen TraiAbsolventen des Internationalen Trainerkurses, nerkurses brachten sich bei der Veranstaltung der seit 1964 an der Sportwissenschaftlichen ein. So gab es Demonstrationen sportlicher Fakultät stattfindet. Deshalb spricht auch das Motto der Veranstaltung vom 14. bis 16.Mai, „Die meisten haben die Fakultät ,,Freunde treffen sich“, eine einheitliche Sprache. noch in guter Erinnerung“ „Die Teilnehmer sind allesamt stolz, den Trainerkurs in Leipzig besucht zu haben“, weiß Dr. Leistungen im neuen Schwimmkanal, am IAT Axel Feldmann, Leiter des ITK. Er war minde- an Messplattformen und im Bereich der Erstens ebenso stolz, durfte er doch an der Fakultät gometrie. „Außerdem haben wir den Campus mit Dr. Sam Ramsamy aus Südafrika ein Mit- und die neue Schwimmhalle besichtigt“, führt glied des Exekutivkomitees des IOC und den Feldmann aus. Doch absolutes Neuland war die Vizepräsidenten der Internationalen Schwimm- Fakultät für die internationalen Gäste natürlich föderation begrüßen. Mit Dr. Ulf Tippelt, Di- nicht. „Die meisten haben noch gute Erinnerektor Leistungssport im Deutschen Olym- rungen an die Fakultät, auch wenn sich einiges pischen Sportbund (DOSB), Kerstin Kirmes, verändert hat“, so der Leiter des ITK. Leiterin des Sport- und Bäderamtes Leipzig, Anika Wegner

15


FAKULTÄT

(1)7 auf einen Streich

Eine Geschichte, die jeder Sportstudent kennt

E

s war einmal ein Königreich, dessen gütiger Herrscher in jedem Jahr zur Frühlingszeit unzählige junge, mutige, kluge und starke Recken und Maiden aus nah und fern auf sein Schloss rief. In einem Wettstreit in 17 Disziplinen sollten die Besten von ihnen gefunden werden. Ihnen würde nach der anschließenden Prüfung ihrer Pergamente schließlich die Ehre gewährt, sich von den größten Lehrmeistern des königlichen Schlosses unterrichten zu lassen. So trug es sich zu, dass auch eine holde Maid, Vanessa genannt, ihr Glück in dem weithin bekannten Wettstreit versuchen wollte. Kaum 20 Jahr, doch voller Mut, kam sie allein aus einem fernen Königreiche gereist, das aber ganz anders war: Noch nie sah sie solch ehrwürdige Gemäuer, wie die des gütigen Herrschers. Es war ihr, als wären sie von einem zauberhaften Schleier umhüllt. Auch ein stolzer, stattlicher Bursche suchte seinen Weg durch die schier endlosen Gänge. Der Recke Robin hatte das Schloss schon vorher ausgekundschaftet, um herauszufinden, welche Gefahren und Hindernisse ihm im Wettstreit begegnen würden. Voller Erwartung und Aufregung eilten beide zum Saale, in dem zum Empfange geladen ward. Schon viele hatten sich hier versammelt, um den Worten des Herrschers zu lauschen, doch es waren weit weniger gekommen als verkündet worden war. Dem Herrscher standen mehrere Knappen zur Seite, deren Aufgabe es war, die unerfahrenen Besucher durch die Treppen und Flure, Kammern und Verließe des

16

Schlosses zu den geheimen Hallen zu führen, in denen die Lehrmeister warteten Dort galt es, die ihnen gestellten Herausforderungen anzunehmen und zu bestehen. Der erste Raum möglichen Ruhmes, glich fast eine Folterkammer: Zehn Meter hoch, voll eigenartiger Gerätschaften, gemeinem Volk und den Helden vergangener Jahre, die voller Vorfreude den Vergnügungen harrten, die da kommen würden. Die Stille, die den Raum durchflutete, ließ unsere Helden erschaudern, viele hatten auch von Drachen gehört, die hier ihr Unwesen treiben sollten. Die Lehrmeister, strenge Gestalten in gleichfarbigen Gewändern, forderten die Tollkühnen auf, sich in ungewohnter Form auf einer Art Teppich rhythmisch zu bewegen und an den Geräten unglaubliche Kunststücke zu vollführen. Auch Vanessa warf das ganze, ihr in die Wiege gelegte Geschick, in die Waagschale, doch die Gunst der Lehrmeisterin war ihr nicht hold, was sie sehr erzürnt.Wie vielen anderen auch, war dem tapferen Robin vor den hier abgeforderten Disziplinen Angst und Bange, doch er nahm all seinen Mut zusammen und meisterte erfolgreich jede Prüfung dieser Halle. Die klugen Lehrmeister beurteilten die jungen Leute mit gemischten Gefühlen. Ein weiser Meister sprach, es seien doch Einige den Aufgaben nicht gewachsen gewesen; im Jahre zuvor hätte es wohl ähnlich durchwachsene Leistungen gegeben. Eine der jungen Lehrmeisterinnen bemerkte hingegen erfreut, dass doch Unzählige angemessen eng anliegende Beinkleider und Mieder gewählt hätten, um die Richter milde zu stimmen. Nun ging es zu Fuße hinaus aus dem Schloss,


FAKULTÄT hin zu einem Hause, dessen Boden bedeckt war mit marmornen Platten und dessen Luft erfüllt war mit Feuchtigkeit und Hitze. Inmitten des königlichen Badehauses fand sich aber ein metallenes Becken voll kostbarem und kühlem Nass, so klar, dass ein jeder bis zum Grunde blicken konnte. Die Lehrmeister, die hier unsere Helden in Empfang nahmen, hatten allesamt sonderbares Schuhwerk angelegt, welches beim Schreiten einen erheiternden Klang von sich gab. Sie forderten, man möge sich entkleiden und das Haar unter seltsamen Kappen verbergend, schwimmen und tauchen wie die Fische, um diese Prüfung zu bestehen. Die Selbstsicherheit dies zu schaffen, blitzte in aller Augen. Vor allem der junge Robin schwamm noch schneller als ein Fisch. Doch auch Vanessa fürchtete sich nicht und nur wenige verließen diese Halle schweren Schrittes und mit hängenden Köpfen. Nach dieser kurzen Erfrischung führten die Knappen unsere tapferen Kämpfer weiter zu einem großen Platze, auf dem es galt, so schnell zu laufen, wie ein stolzes Ross, so weit zu springen wie ein junger Hirsch und eine Kugel, so schwer wie 400 Silberlinge, so weit zu stoßen wie es ihre Kräfte nur hergaben. Die hübsche Maid hatte das Glück und meisterte die Aufgaben mit Leichtigkeit, jedoch unser armer Recke warf nicht weit genug. Dem ganzen Schauspiel folgten noch weitere Disziplinen, die die beiden allesamt mit Bravour bewältigten. Dazu gehörte ein seltsames, neuartiges Spiel mit aus Holzrahmen bestehenden Schlägern, die mit Darm bespannt waren sowie Spiele mit großen, ledernen, Luft gefüllten Kugeln, die man größtenteils zu zweit zu bewältigen hatte. Trotz unzähliger Wegweiser und Helfer waren über den Tag viele auf den labyrinthartigen Pfaden zwischen den einzelnen Stationen spurlos verschwunden. Nur die tapfersten, die nicht den Drachen oder Falltüren zum Opfer gefallen waren, erreichten den königlichen Palmengarten zum abschließenden Meilenlauf über Stock und Stein.

Zur Freude aller konnten die Knappen noch vor der Abenddämmerung ihren Schützlingen verkünden, welche von ihnen die Pergament-Runde um die begehrten Plätze im Saale des Schlosses für den nächsten Winter erreicht hatten und wer sich noch einmal beweisen muss. So begab es sich nun, dass der Recke Robin noch einmal das Gewicht der Kugel zu werfen hatte, um sich endlich als würdig zu erweisen. Die holde Vanessa hingegen wurde zu Hofe geladen um ihre Pergamente prüfen zu lassen, jedoch entschied sie sich lieber dafür in ihr heimatliches Königreich zurück zu kehren und dort im

„einzig wahren“ Schlosse in die geheimen Wissenschaften eingeführt zu werden. Alle aber beendeten diesen Tag voller Freude im königlichen Garten oder Hofe bei Speis und Trank die die Haus- und Hofmeister des Schlosses, unter SPORTAKUS bekannt, kredenzten. Die Heroldin verkündete uns später, dass insgesamt 249 Recken und Maiden die Prüfungen gemeistert hatten und sich nun der Pergamentprüfung des königlichen Schlosses unterziehen dürfen. 371 können in einem wiederholten Streite die Prüfungen nachholen. – ENDE –

Jana Kasper & Anika Schwager

17


FAKULTÄT

Einmal SpoWi, immer SpoWi

Marco Morgner kehrt als Dekanatsrat an die Fakultät zurück Seit Februar dieses Jahres ist Marco Morgner der neue Dekanatsrat der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Damit löst er Thomas Müller ab, der nun die Abteilung des Zentrums für Hochschulsport unterstützt. Also wieder ein neues Gesicht an der Fakultät?

N

icht ganz, denn Morgner studierte bereits von 1994 bis 2004 in Leipzig Sportwissenschaft und Politik auf Lehramt. „Wenn man einmal hier Sport studiert hat, fühlt man sich der Fakultät irgendwie verbunden“, meint der gebürtige Chemnitzer. Also war wohl auch Verbundenheit der Grund für zehn Jahre Studium? Nicht ganz, Marco Morgner: Voller der 35-jährige war bereits Tatendrang an alter Wir- während seiner Studienkungstätte zeit sowohl für die UniFoto: Katharina Rank versität als auch für andere Institutionen aktiv. So arbeitete er neben dem Studium drei Jahre lang als Sportreferent für den StudentInnen Rat (StuRa), war ab 1995 fünf Jahre lang Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft e.V. (DLRG) und ist dort bis heute ehrenamtlich als Rettungsschwimmer tätig. Nur ein kurzzeitiger Ausflug in die Selbstständigkeit, mit einem System-Center für einen bekannten Mobiltelefonhersteller, ließ ihn der Universität den Rücken kehren. Dennoch hat er den Weg zurückgefunden und seinen Abschluss in Leipzig absolviert. Auch danach blieb der ehemalige Schwimmer der Universität treu und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) an der Akkreditierung und Modularisierung der neuen Studiengänge. Ab 2007 war er dann Projektkoordinator für die neue Software Lehre, Studium,

18

Forschung (LSF) und half beim Aufbau einer Datenbank für die Module der Bachlor- und Masterstudiengänge der Universität Leipzig. Ein Jahr später engagierte er sich in der Arbeitsgruppe Campus-Management-System für das Prorektorat für Lehre und Studium. Und nun ist er seit fast einem halben Jahr wieder Mitarbeiter an der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Als Dekanatsrat ist er jetzt erster Ansprechpartner, wenn Raum und Equipment für diverse Festivitäten fleißiger Studenten gebraucht werden. Doch das Vermieten von Hallen und Sportstätten ist nicht die einzige Aufgabe eines Dekanatsrates. Die Planung und Verteilung des Haushaltes gehört ebenso dazu wie die Verantwortlung für das nicht-wissenschaftliche Personal (z.B. Prüfungsamt, Hallenwarte, Hausmeister). Und natürlich unterstützt er den Dekan, „denn dieser wird immer nur befristet gewählt. Da ist es praktisch, wenn es jemanden gibt, der langfristig da ist und sich gut mit den Aufgaben bezüglich der Fakultät auskennt“, erklärt Morgner seine beratende Funktion für den Dekan. Besonders die Vielfältigkeit des neuen Jobs reizte den Wahl-Leipziger, sich um die ausgeschriebende Stelle zu bewerben: „Man hat mehr Möglichkeiten etwas zu verändern.“ Sein Wunsch wäre unter anderem ein Beachvolleyballfeld auf dem Fakultätsgelände zu bauen. Genug Platz wäre da, „aber das kann ich natürlich nicht alleine entscheiden und bisher steht leider auch noch nichts fest.“.Viele interessante Aufgaben warten auf Marco Morgner und er scheint sich darauf zu freuen. Katharina Rank Steckbrief: Name: geboren am: Abschluss: Hobbys:

Marco Morgner 20.8.1973 in Chemnitz SpoWi/Politik (Lehramt) Sport, v.a Schwimmen, Rettungsschwimmer bei der DLRG


FAKULTÄT

Alles neu

Die Leipziger Sportwissenschaftlichen Beiträge in neuem Design Die Universität Leipzig feiert im Jahr 2009 ihr 600-jähriges Bestehen. Sie ist damit die zweitälteste Universität Deutschlands, in der es einen kontinuierlichen Lehr- und Forschungsbetrieb gibt. Lehren und Forschen bedeutet aber auch, wissenschaftliche Erkenntnisse zu systematisieren und schriftlich zu fixieren.

D

Deutsche Sporthochschule in Köln akzeptieren, wo er einen in der Sportwissenschaft seltenen Lehrstuhl für Sportphilosophie innehaben wird. Volker Schürmann, ohne den die Zeitschrift heute nicht das wäre, was sie ist, hat in langjähriger Arbeit inhaltliche und strukturelle Akzente gesetzt, auf die seine Nachfolger aufbauen können. Dafür sei ihm gedankt. Dr. Stefan Panzer übernimmt mit diesem Heft die Aufgabe des Chefredakteurs. Volker Schürmann wird der Zeitschrift über seine wissenschaftliche Tätigkeit weiter verbunden bleiben. Dem von ihm eingeschlagenen Weg, ein „peer-review“-Verfahren zu implementieren und die Qualität der wissenschaftlichen Beiträge nachhaltig zu sichern, um den Lesern ein wissenschaftlich fundiertes Leseangebot zu unterbreiten, bleibt die Redaktion treu. Einer unserer Leitgedanken zielt auf die Interdisziplinarität in der sportwissenschaftlichen Forschung. Hier knüpft das Schwerpunktthema dieses Hefts „Qualitative Forschungsansätzen in sozial- und bewegungswissenschaftlichen Teildisziplinen der Sportwissenschaft“ an. Katrin Albert und Karen Hoffmann betreuten diesen Schwerpunkt konzeptionell. Die Beiträge decken eine große Bandbreite der qualitativen Forschung in der Sportwissenschaft ab. Traditionell dokumentieren wir die Beiträge der Preisträger des Wissenschaftlichen Wettbewerbs für Studierende und Nachwuchswissenschaftler an der Sportwissenschaftlichen Fakultät, der im Dezember 2008, am dies academicus zu Ehren des Geburtstags der Universität Leipzig, stattfand.

ie Sportwissenschaft in Leipzig verbindet mit diesem Vorgehen eine lange Tradition: die Leipziger Sportwissenschaftlichen Beiträge. Im Jubiläumsjahr 2009 ergeben sich auch für unsere Zeitschrift einige Veränderungen: Mit dem Band 2009/1 legen wir ein neues Heft mit neuem Design bei einem neuen Verlag vor. Hiermit verbinden wir Tradition und Zukunft. Gemeinsam mit dem Verlag Lehmanns Media wollen wir die Zeitschrift redaktionell und publizistisch weiterentwickeln. In einem langen Weg, den die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig, ihr Dekan und die Redaktion gemeinsam bestritten, wurde der Verlagswechsel vorbereitet und umgesetzt. Mit Lehmanns Media hat die Zeitschrift einen guten Partner gefunden. Inhaltlich wollen wir Ihnen als Leser aktuelle Erkenntnisse der Sportwissenschaft präsentieren. Um dies zu garantieren, werben wir um qualifizierte Autoren im interdisziplinären Feld der Sportwissenschaft und deren angrenzenden Basis- und Mutterdisziplinen, um interessante Manuskripte und um die Anerkennung der sportwissenschaftlich interessierten Fachöffentlichkeit. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge mussten wir den Wechsel unseres Chefredakteurs Prof. Dr. Neuer Verlag, neues Design: das Volker Schürmann an die aktuelle Cover der LSB. Bild: Redaktion LSB

Die Redaktion

19


FAKULTÄT

Baumarathon auf der Zielgraden!? Fertigstellung des Testfeldes für August 2009 geplant

Ein wenig müssen sich die Sportstudierenden und Leichtathleten noch gedulden und auf anderenSportanlagensprinten,werfenundspringen. Aber laut des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien-und Baumanagement (SIB) soll ab September das Testfeld auf dem Campus der Fakultät in vollem Umfang genutzt werden können.

bleiben würde, folgte die Enttäuschung zwölf Monate später. Fraglich bleibt, welchen Eindruck angehende Sportstudenten von der Sportwissenschaftlichen Fakultät in Leipzig bekommen. Doch ein positives Bild dürfte das Pendeln mit vollen Shuttle-Bussen nicht hinterlassen, zumal der Haltepunkt nicht ausgeschildert war und immer wieder nachgefragt werden musste.

I

m Juli 2007 wurden die Baumaßnahmen aufgenommen, da das alte Testfeld sanierungsbedürftig war. Der Bau kam jedoch im September 2007 zum erliegen. „Die Ursachen für den Baustop waren mangelhafte Leistungen seitens der Baufirmen“, erklärt Katja Weber vom SIB. Ein Drainagesystem wurde bei den Bauarbeiten beschädig. Somit konnte das Wasser vom Baugrund nicht richtig abgeführt werden. Es folgte ein Rechtsstreit, welcher weiterhin anhält. Im Mai 2009 wurde endlich die Tatsachenfeststellung abgeschlossen, somit konnte der Bau fortgesetzt werden. Das noch laufende Beweissicherungsverfahren würde die Arbeiten nicht behindern, versichert Weber. Bisher bestand die Hauptaufgabe in Rückbaumaßnahmen, welche nun abgeschlossen sind. Der Neubau des Drainagesystems hat bereits begonnen. Dafür müssen Rinnen und Randsteine neu verlegt werden. Erst dann kann die Tragschicht aufgefahren werden. Darauf wird abschließend die Tartanlaufbahn verlegt. Das SIB sieht momentan keine etwaigen Gründe, dass es zu weiteren Verzögerungen kommen könnte. Ohne weitere Baustopps verfügt die Fakultät ab September über ein Testfeld nach internationalen Wettkampfstandards. Dass vor allem die Fakultät und die Studierednen unter der Situation zu leiden hatten, liegt auf der Hand. Wie im letzen Jahr musste zur Eignungsfeststellung auf die Nordanlage und den Palmgarten ausgewichen werden. Ging man 2008 noch davon aus, dass ein Shuttle-Service vom Sportcampus zur Nordanlage ein “Novum“

20

Die Kiesberge sollten bald der Vergangenheit angehören und einer modernen Anlage weichen Foto: René Sarosi

Die Eignungsfeststellung ist jedoch nicht das einzige Problem. Der gesamte Lehrbetrieb der Leichtathletik muss seit fast zwei Jahren gänzlich auf das Testfeld verzichten. Auch ausländische Sportstudiernde des Internationalen Trainerkurses (ITK), die sich über Praxiskurse der Leichtathletik weiterbilden, lernten die Fakultät ohne Testfeld kennen. So bleibt zu hoffen, dass es keine weiteren Baustopps gibt und den Baggern der Diesel nicht ausgeht. René Sarosi Weitere Baumaßnahmen an der Fakultät Interim Schärtnerhalle: Baubeginn seit Mai 09 Fertigstellung 14. August 2009 Schärtnerhalle:

Baubeginn: 27.Juli 2009 Fertigstellung November 2010

Judo- /Kraftsporthalle: Baubeginn: 27. Juli 2009 Fertigstellung: Ende Mai 2010 Nutzung Interim Judohalle (in Boxhalle): ab 3. August 2009 Nutzung Interim Kraftsporthalle im Haus III: ab 1. Oktober 2009


FAKULTÄT

Kniespezialist für Sportmedizin Prof. Dr. Michael Thomas verstärkt die Fakultät

D

as Institut für Sportmedizin erhält seit April der Vater einer Tochter weiterhin an der Klinik 2009 Unterstützung von Prof. Dr. Michael für Orthopädie und Unfallchirurgie in Chemnitz. „So kann ich die Beziehung zur Thomas. Er soll im Bereich präPraxis für die Lehre und Forschung ventive und rehabilitative Sportaufrecht erhalten“, erklärt Thomas. medizin vor allem die Verzahnung Er geht optimistisch an seine neuen von Lehre, Forschung und Praxis Aufgaben heran: „Zudem unterstütvertiefen. „Schon seit 1995 bezen mich Dekan Prof. Jürgen Krug steht eine enge Kooperation zwiund der Institutsleiter der Sportmeschen der Orthopädischen Unidizin, Prof. Martin Busse, in allen versitätsklinik Leipzig und dem Fragen.“ Institut für Sportmedizin an der Entspannung vom beruflichen Sportwissenschaftlichen FakulAlltag findet der Facharzt für Ortät“, sagt der gebürtige Leipziger. thopädie und Unfallchirurgie beim Thomas forscht im Schwerpunkt zur Rehabilitation nach Operati- Freut sich auf seine neu- Wandern und Radfahren. „Auch Aufgaben: Prof. Thomas auf das kulturelle und sportliche onen am Schulter- und Kniege- en Foto: privat lenk. „Mit der Berufung ergeben Angebot in Leipzig freue ich mich,“ sich jetzt ideale Voraussetzungen für eine Fort- schwärmt er und fügt hinzu: „Jetzt in Leipzig zu setzung und Erweiterung der begonnenen For- lehren und weiterhin zu forschen in Verbindung schungsprojekte“, freut sich der 46-Jährige. Ne- mit der klinischen Praxis – das ist ein toller Beben seiner Anstellung an der Universität arbeitet ruf.“ Stephan Lochen Chefredaktion: Stephan Lochen und Matthias Schäfer Layout: Mandy Schaff, Alexander Fugmann Ausgabe: Nr. 3 / Jahrgang 10 (Juni 2009) Redaktionsschluss: 22. Juni 2009 Herausgeber: Projekt „Sport und Medien“ Betreuer: Dr. Christian Hartmann Jahnallee 59, 04109 Leipzig oder Poststelle Sportwissenschaftliche Fakultät, Postfach 44. Mail: chefredaktion@sportakus-online.de Internet: http//www.sportakus-online.de Telefon: 0341 - 97 31 684 (Redaktion) Druck: Merkur Druck- und Kopierzentrum, Hauptmannstraße 4, 04109 Leipzig

Autoren & Mitarbeiter: Gitte Adam, Annett Böhm, Krusty Böhnke, Sebastian Dietrich, Tobias Dutschke, Alexander Fugmann, John Hennig, Johanna Heß, Nico Jekov, Jana Kasper, Lars Lindemann, Tina Müller, Oliver Pötzsch, Monique Pucher, Katharina Rank, Anika Schwager, René Sarosi, Prof. Dr. Volker Schürmann, Sören Starke, Johannes Sternkopf, Martin Sturm, Anika Wegner, Anmerkung: Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten. Die Zeitschrift und die in ihr enthaltenen Beiträge und Abildungen sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandtes Material kein Gewähr. Die Redaktion behält sich bei der Veröffentlichung von Zuschriften das Recht sinnwahrer Kürzungen vor.

21


FAKULTÄT

Abzappeln bis zum Wahnsinn

Ein Breakdance-Contest im Hörsaal - der Battle of the East in Leipzig Die Luft ist feucht und stickig. Rote Scheinwerfer jagen über die Graffitis an der Wand. Über 500 Menschen stehen dicht gedrängt vor der Bühne. Die steht nicht etwa in einem verrauchten Club sondern im Großen Hörsaal der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Beim Battle of the East, einem mittlerweile bekannten Breakdance-Wettstreit, traten am 20. Juni die achtbestenBreakdance-CrewsausOstdeutschland gegeneinander an, um den Thron der BBoys zu erklimmen. Es ging darum die Tickets für das Battle of the Year Finale, das Highlight in der Breackdance-Szene, in Hannover zu ergattern. Drei in der Breakdanceszene namenhafteJudgesurteiltenübereinecirca6minütige Performance der Crews, die sich gegenüberstanden. Hier entschieden die spektakulärsten Bewegungen über Sieg und Niederlage.

W

as alle Crews dabei zeigten, brachte den ausverkauften Hörsaal mehr als zum staunen. Mehr Kreativität ist wohl in keinem anderen Tanz zu beobachten. Es gab die verrücktesten Moves von Klassikern wie Headspins bis zu Bewegungen, für die es wohl noch nicht mal Namen zu geben scheint. Es ist faszinierend festzustellen, wozu der menschliche Körper im Stande sein kann. Alle Teilnehmer trotz waghalsiger Verrenkungen gesund wieder nach Hause. Verletzungen wie Brüche oder ausgekugelte Gelenke werden jedoch in Kauf genommen, weil es einfach „eine Art Lebenseinstellung, ja eine Religion sei“, wie ein B-Boy von Circular Flash sagte. Seine Crew, die mit Abstand die humorvollste Performance zeigte, schaffte es leider nicht ins Halbfinale. Für sie stand aber, wie für viele andere, trotz des Wettbewerbs vor allem der Spaß im Vordergrund. Man respektiert jeden einzelnen B-Boy für seine Styles. Nach einem actiongeladenen Wettbewerb mit spannenden Battles und einem abwechs-

22

lungsreichen Showprogramm stehen Fanatic Beasts aus Dresden und Berlin als Gewinner des 13. Battle Of The East fest. Den zweiten Platz ertanzten sich „Menace“ vor den „Söhnen des Kreises“. Die ersten drei Crews qualifizieren sich für die deutsche Meisterschaft. Die positive Überraschung auf Platz vier waren die Wild Juniorz, die ihrem Namen alle Ehre machten: Wild und ohne Angst tanzend stahlen sie so manch erfahrener Crew die Show. Dabei waren die jüngsten Mitglieder gerade 11, 12 und 14 Jahre alt. Nicht nur Judge Raphael sah in ihnen „die Zukunft des Breakdances“. Parallel zum Teambattle fand der „Vita Cola Kingz of the Circle 2009“ statt, in dem der beste Breaker Deutschland gesucht wurde. In regionalen Vorentscheidungen in Dresden, Erfurt, Berlin und Rostock wurden 16 aus 96 Tänzern ausgewählt, die sich in Leipzig schließlich duellierten. Am Ende gewann der Berliner „Lucky 7“ knapp gegen „Cris Rok“. „Lucky 7“ lobte vor allem „die tolle Location, Leipzig und die friedliche Atmosphäre unter den Breakern“. Abgerundet wurde das Event durch verschiedene Showacts, die ihr bestes an Turntables, am Mikrophon und auf der Bühne boten wie z.B. die „TwoGetStepConnection“, eine Fly-Girlgroup die zu Super Mario Sounds ihre Körper bewegten, aber den Fans gleich über die Boxen zu verstehen gaben „u can´t touch this“! Nur die Moderatoren sind bei dem Großteil der Zuschauer als Fehlbesetzung und fragwürdig hängen geblieben. Das Event gehört mit seinen über 1000 Zuschauern mittlerweile zu den Höhepunkten der Jugendkultur in Ostdeutschland. Soetwas kann man sonst im Großen Hörsaal eher weniger genießen. Im nächsten Jahr sollte sich - wer kann - diesen Battle nicht entgehen lassen. Ein extra aus Wesel angereister Fan des Breakdances sagte begeistert: „Was alle Beteiligten abzappelten, war der ***** Wahnsinn“. Aleks & Krusty


(gleiche Personen, gleicher Platz)

Zwei spielen

ie Fe n a nicht gültig r ta ge n

Lützner Straße/Saarländer Straße I 04179 Leipzig Straßenbahn Linien 8 u. 15 I bis Saarländer Straß Buslinie 80 I bis Radiusstraße, 150 m Fußweg Tel. 0341 4 95 57 55 I www.matchball-leipzig.d

8 - 16 Uhr

von

Freitag

bis

Montag

2009

Tennis Badminton Squash Tischtennis

? AUGUST

bis

MAI

LUST AUF EIN SEineFrühjahrsaktion PIELCHEN Einheit bezahlen gültig von

FAKULÄT

23


24


25


LEIPZIG SPORT

Hürdensprinter auf Berlin - Kurs LAZ Athleten bereiten sich auf die Weltmeisterschaften vor

nominiert der DLV die Teilnehmer für Berlin. Bis auf Thomas Blaschek gehen alle Leipziger Läufer planmäßig in das Qualifikationsrennen. Er musste zuletzt aufgrund einer Verletzung am Oberschenkel vier Monate pausieren und stieg erst im Juni ins Training ein. Der Athlet mit der größten sportlichen Erfahrung im Team des LAZ steht jetzt jedoch wieder voll im Training. „Im Moment sieht es ganz gut aus. Ich kann m Standort Leipzig arbeitet Idriss Gon- wieder sprinten und springen. Nun möchte ich schinska täglich mit den Athleten des LAZ im Training den restlichen Rückstand aufhozusammen. Er ist Bundestrainer der Hürden- len, die Norm zu laufen und mich für die WM qualifizieren“, sagt Blaschek. läufer und zugleich Heimtrainer Um Höchstleistungen zu von Top-Athleten wie Thomas vollbringen, gehören neben Blaschek, der es bei der WeltmeiTrainingsfleiß auch optimale sterschaft vor zwei Jahren bis ins Trainingsmöglichkeiten. „Die Halbfinale geschafft hatte. Aber Bedingungen verbessern sich auch Alexander John, Willi Malangsam, aber Leipzig ist printhiszik und der Nachwuchsathlet zipiell noch eine Baustelle“, erErik Balnuweit bereitet Gonklärt Gonschinska. Ein Schritt schinska gezielt auf die WM vor. in Richtung Professionalität Um in Berlin teilnehmen zu wurde mit der Einweihung der können, müssen sich die AthleRindenmulchlaufbahn Mitte ten bei den bereits anstehenden Mai getan. Auf der Laufstrecke Meetings, wie zum Beispiel in Wieder voll auf WM-Kurs: können Athleten gelenkschoTunesien und Algerien, qualifi- Thomas Blaschek kann auf nend trainieren. Des Weiteren zieren. Dabei muss eine Norm der neuen Laufbahn gelenksind eine Bergauf-Bergab-Laufvon 13,55 Sekunden gelaufen schonend trainieren. bahn sowie die Werferhalle weiwerden. Diese, vom Deutschen Foto: Sören Starke tere Schwerpunkte der BaumaßLeichtathletik-Verband (DLF) festgelegte Nominierungsrichtlinie, müssen nahmen. Alle Vorhaben sollen noch bis Ende die Hürdensprinter zweimal erfüllen. Idriss Herbst realisiert werden. Dafür sollen knapp Gonschinska hat mit seinen Leipziger Ath- eine Million Euro in die Nordanlage investiert leten intzensiv trainiert und ist optimistisch. werden, versichert Sportbürgermeister Heiko „Meine Sportler können die Norm realisieren. Rosenthal: „Das LAZ spielt für die Stadt eine Wenn sich dann Anfang Juli bei der Deut- wichtige Rolle. Es ist die Kaderschmiede für schen Meisterschaft drei meiner Jungs end- zukünftige Spitzenleichtathleten in Leipzig.““ Bleibt zu hoffen, dass die Baumaßnahmen gültig qualifizieren könnten, wäre das klasse.“. Maximal drei Starterplätze gibt es pro Diszi- schnell abgeschlossen werden, um sich optimal plin. Die Deutsche Meisterschaft in Ulm am für die Weltmeisterschaft vorbereiten zu können. 4. und 5. Juli bietet die letzte Möglichkeit, Annett Böhm sich für diese Plätze zu qualifizieren. Danach In knapp drei Monaten werden im Olympiastadion in Berlin die besten Leichtathleten der Welt gegeneinander antreten. Vom 15. bis 23. August findet die Weltmeisterschaft statt und bei diesem sportlichen Highlight wollen auch die Hürdensprinter des Leichtathletikzentrums Leipzig (LAZ) starten. Die Qualifikation dafür hat bereits begonnen.

A

27


LEIPZIG SPORT

Nächste Saison wird alles besser!

Überraschende Wendungen und offene Fragen im Leipziger Sport „Die Luft ist raus“ – so titelte der SPORTAKUS in der letzten Ausgabe. Doch vor allem im Sport ist Schnelllebigkeit an der Tagesordnung und immer wieder verändern Überraschungen ein komplettes Konzept (siehe Einstieg von Red Bull beim SSV Markranstädt ab Seite 30). Mit welchen Vorrausetzungen gehen die wichtigsten Leipziger Vereine in die Sommerpause bzw. in die nächste Saison?

Neuanfang in der Oberliga Der Fußballverein FC Sachsen Leipzig gab schon vor Monaten die Insolvenz bekannt. In der letzten Juni-Woche eröffnete Insolvenzverwalter Heiko Kratz nun das Verfahren. Er sei nach Angaben der lokalen Presse jedoch zuversichtlich, die Sache positiv abzuschließen und dem FC Sachsen somit einen Start in der Oberliga sichern zu können. Fußball wird in Leipzig-Leutzsch dann jedoch nur noch nebenberuflich, das heißt auf 400 Euro Basis, gespielt. Punkteprämien wären möglich, sind aber abhängig von der Höhe des Etats. Dafür arbeitete Kratz mit dem neuen Vorstand, Matthias Weiß (47), Uwe Seemann (44) und Lars Ziegenhorn (37) drei Etatmodelle aus: Einen Spitzenetat mit 800.000 Euro, die Mittelvariante mit 650.000 Euro oder das Sparmodell mit nur 350.000 Euro (Quelle: www.fc-sachsen. de). Noch sind alle Varianten möglich, da viele Sponsorenverträge erst mündlich vereinbart sind und auch ein Brustsponsor fehlt. Hinzu kommen Kosten für Baumaßnahmen im Alfred-Kunze-Sportpark (circa 50.000 Euro) und für zusätzliche Sicherheitsspiele, die im Zentralstadion ausgetragen werden müssen und je 50.000 Euro Miete mit sich bringen. Auch die Kaderplanung verläuft eher schleppend. Leistungsträger wie Ronny Garbuschewski, Heiner Backhaus, Ante Balic und Richard Baum haben den Club bereits verlassen. Die regionale Konkurrenz streckt die Fühler nach talentierten

28

jungen Sachsen-Kickern aus (Daniel Heinze, Nicola und Adriano Grimaldi). Trainer soll Dirk Heyne bleiben, der weiterhin betont, von einigen Spielern (Enrico Köckeritz, Daniel Lippmann) die mündliche Zusage des Bleibens zu haben. Einziger Neuzugang ist bisher Mario Scholze vom VfB Pößneck. Als zusätzliche Geldquelle könnte der Verkauf oder Teilverkauf des Nachwuchszentrums an Red Bull sein. Die Regionalligasaison schlossen die Grün-Weißen übrigens mit nur 24 Punkten auf dem vorletzten 17. Rang ab und wären damit auch sportlich abgestiegen. Welch schwacher Trost.

Mit neuem Trainer zum Aufstieg Auch der Stadtrivale 1.FC Lokomotive Leipzig konnte in den letzen Wochen der abgelaufenen Saison weder sportlich noch in der Außendarstellung glänzen: Der Aufstieg, während der Rückrunde als Saisonziel deklariert, wurde mit zehn Punkten Rückstand auf den ZFC Meuselwitz klar verpasst. Im direkten Duell gab es eine 0:4 Heimpleite. Es sollte das letzte Spiel für Trainer Rainer Lisiewicz sein. Vereinspräsident Steffen Kubald teilte dem 59-Jährigen bereits einige Tage


LEIPZIG SPORT zuvor mit, dass der Klub in der neuen Saison nicht mehr mit ihm plane. Da der Vertrag jedoch nicht fristgerecht zum 30. April gekündigt wurde und sich somit um ein Jahr verlängerte, klagte Lisiewicz um seine Weiterbeschäftigung. Die LokFührung empörte sich über diese Vorgehensweise und entließ den Erfolgscoach (vier Aufstiege in fünf Jahren) am zwölften Mai. Nächstes Treffen: Arbeitsgericht. Nachfolger von Lisiewicz ist Jörg Seydler, zuvor Chef der Nachwuchsabteilung. Er bekam aktuell auch das Vertrauen für die neue Saison und stellt bereits den Kader zusammen. Auch das Bruno-Plache Stadion wird umgebaut und für rund 240.000 Euro (Quelle:www.lok-leipzig.de) modernisiert.

Alles beim Alten Trotz Insolvenz dürfen die Eishockeyspieler der Blue Lions auch in der kommenden Saison in der Oberliga spielen. Nach der zweiten Insolvenz will die Stadt Leipzig dem Verein entgegenkommen und verzichtet auf Mietkosten für die Spielstätte in der Messehalle sechs der Alten Messe. Nur die Betriebskosten in Höhe von circa 7000 Euro muss der Verein selbst zahlen (Quelle: www.bluelions-leipzig.de). Auch zahlreiche Sponsoren blieben den Lions treu. Die Spieler befinden sich bereits in der Vorbereitungsphase auf die Saison 2009/2010.

Trotz Abstieg erstklassig Ähnliches Glück hatten die Basketballfrauen vom Basketballverein Leipzig. Sportlich als Letzter abgestiegen, liefen bereits die Planungen für die Saison in der zweiten Liga. Doch die plötzliche Insolvenz der Chemnitzer Basketgirls ermöglichte den Verbleib in der 1. Damen Basketballbundesliga (DBBL). Chemnitz selbst war als Nachrücker für Trinos Göttingen geplant, die keine Lizenz erhielten. Der Lizenzierungsausschuss unterbereitete den Leipzigern das Angebot, welches diese dankend annahmen. Dass Personalplanungen und Saisonstrukturierung komplett umgestellt werden müssen, werden die Vereinsverantwortlichen verschmerzen können.

Das Team von Coach Ritz Ingram wurde bereits um Mara Höfer, Carmen Guzmann, Laima Rickeviciute, Christine Grevenstette und Tina Maciej ergänzt.

Neuer Verein, alter Trainer Im Zuge der Insolvenz des Volleyballclubs Leipzig (VCL), gründete sich am zwölften März 2009 die L.E. Volleys. Als Elfter mussten die Leipziger Volleyballherren auch sportlich den Gang in die Liga zwei antreten und spielen dort nun unter dem neuen Vereinsnamen. Um den bekannten ehemaligen VCL-Trainer Steffen Busse solle ein schlagkräftiges Team formiert werden.

Erstklassig erfolgreich Die einzige wirkliche Leipziger Erfolgsgeschichte liefern wiederum die Handballfrauen vom Handballclub Leipzig (HCL). Zwar verloren sie das Finale im Europacup nach Hin- und Rückspiel gegen den spanischen Verein S.D. Itxako (19:27 Auswärtsniederlage; 26:25 Heimsieg), doch nur zwei Wochen später konnten die Handballerinnen die Deutsche Meisterschaft bejubeln. Im Endspiel gegen Bayer Leverkusen genügte nach dem 23:20 Hinspielerfolg ein 19:19 Unentschieden, um die 20. Meisterschaft der Vereinsgeschichte zu feiern. Der HC Leipzig krönte eine tolle Saison und verspricht auch in der nächsten Spielzeit das Aushängeschild des Leipziger Sports zu sein. Stephan Lochen Auswahl Leipziger Spielsportarten in der Saison 2009/2010 Fußball-Oberliga: (Männer)

FC Sachsen Leipzig 1.FC Lokomotive Leipzig Rasenballsport Leipzig

Handball-Bundesliga:

Handballclub Leipzig (Frauen)

Eishockey-Oberliga:

Blue Lions Leipzig (Männer)

Volleyball, 2. Bundesliga: L.E. Volleys (Männer) Basketball-Bundesliga: BBV Leipzig (Frauen)

29


LEIPZIG SPORT

Rasenballsport Leipzig – die neue Fußballmacht!? burg. Somit war der Weg frei für den SSV Markranstädt. Manager und Hauptsponsor Holger Nussbaum (siehe Interview Seite 38/39) war so„In die Zukunft fort begeistert von der Idee: „Unsere Ziele decken des Leipziger Fußballs bli- sich.“ Das Startrecht der Randleipziger für die cke ich eher verhalten. Die finan- Oberligasaison 2009/2010 wurde an RB Leipzig ziellen Mittel sind einfach nicht da. Ich hoffe, übertragen. Die komplette Herrenabteilung des dass sich ein Großkonzern findet, der in einen SSV (erste, zweite und dritte Männermannschaft Verein einsteigt und über unser Stadion stol- sowie die Alten Herren) kickt ab der kommenden pert. Da wäre es mir auch völlig egal, ob dies Saison mit dem Logo des Getränkeherstellers. Am mit dem einen oder dem anderen oder mit zwölften Juni bestätigte der Sächsische Fußballeinem dritten, neutralen Verein geschieht.“ verband (SFV) die Übertragung der Spielrechte. So äußerte sich Winfried Lonzen, Geschäfts- In seiner ersten Saison soll RB Leipzig noch im führer des Zentralstadions, Ende April ge- Markranstädter „Stadion am Bad“ spielen (Fasgenüber dem SPORTAKUS. Ob der 64-Jährige sungsvermögen: 5500 Zuschauer), um ein Jahr eine Vorahnung hatte oder gar schon erste später Hauptmieter im Zentralstadion Leipzig zu werden. Stadionchef Dr. Michael Kölmel kassiert Informationen wusste? dafür bereits jetzt Reservierungsgebühren und enn seine Hoffnung wurde schneller erfüllt wird die Namensrechte für Stadion, Arena und als vorstellbar. Der gesuchte Großkonzern Festwiese zeitnah an Red Bull verkaufen Nach Berichten der Leipziger Volkszeitung hat heißt Red Bull (2008 wurden 4,016 Milliarden Dosen verkauft bei 3,323 Milliarden Euro Jah- Red Bull um Gründer Dietrich Mateschitz einen Zehnjahresplan ausgegeben resumsatz; Quelle: http://www. und will in diesem Zeitraum kleinezeitung.at), der neutrale Verein nennt sich Rasen- „Leute aus der Region einbauen“ fast 100 Millionen Euro investieren. Denn das Ziel ist klar: ballsport Leipzig e.V. und das Zentralstadion wird in Zukunft wohl dauer- Bundesliga. Dafür soll in jedem zweiten Jahr ein haft Schauplatz für höherklassigen Fußball sein. Aufstieg gelingen. Erste Befürchtungen, Red Bull „Wir wollen dem Fußball in der Region wieder würde ein komplettes eigenes Team installieren, den Stellenwert geben, den er verdient hat“, wird wiegelte Egger ab: „Wir wollen Leute aus der Markus Egger, Geschäftsführer von Red Bull Region einbauen und auch Spieler halten bzw. verpflichten, die die regionale Identifikation Soccer in der Presse zitiert. Da laut Statuten des DFB eine Vereinsnamens- stützen.“ Auch die Verträge der Spieler aus dem gebung nach dem Hauptsponsor verboten ist, Markranstädter Kader der letzen Saison haben gründeten die Red Bull-Verantwortlichen den weiterhin Bestand. Doch es ist klar, dass auf dem Verein kurzerhand unter dem Namen „Rasen- Weg nach oben Verstärkungen notwendig sind, ballsport Leipzig“, kurz RB Leipzig. Um nicht zumal alle Spieler Profiverträge erhalten sollen. den steinigen Weg aus der Kreisklasse in den Pro- Wer den Sprung nicht schafft, spielt in der zweifibereich antreten zu müssen, wurde ein Partner ten Mannschaft des RB Leipzig. Auch die Zugesucht, der sein Startrecht zur Verfügung stellt. kunft von Trainer Tino Vogel ist ungewiss. „Er Die beiden Leipziger Vereine, FC Sachsen und soll eingebunden werden, Von mir aus gern auch 1.FC Lokomotive fielen dabei genauso durchs als Trainer“, spricht sich Nussbaum für ihn aus. Sieb wie der ZFC Meuselwitz und der FC Eilen- Für die Zusammenstellung der neuen Mannl s RB s de Fan ten s r e er : .com urf d nter fans entw Infos u ipzigpen le .rb.Wap w w ://w http

D

30

Von Stephan Lochen


LEIPZIG SPORT schaft ist primär Andreas Sadlo zuständig. Der 41-Jährige ist Angestellter der Spielervermittleragentur „stars and friends“ und arbeitet in dieser Funktion für den österreichischen Fußballverein Red Bull Salzburg. Zudem ist Sadlo Vorstandsvorsitzender von RB Leipzig. Um dieses Amt begleiten zu können, muss er jedoch seine Lizenz als Spielervermittler ruhen lassen. Neben Sadlo bilden Markus Egger und Anwalt Lutz Lehmann den Vorstand des Neu-Vereins. Sie kümmern sich jetzt vorrangig um ein Nachwuchskonzept. Denn der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) fordert für Oberligisten vier Nachwuchsteams, darunter eine A-Jugend (16 bis 18-Jährige). Der Nachwuchs des SSV Markranstädt bleibt als solcher erhalten. Sadlo und Co. sind deshalb bereits an den FC Sachsen Leipzig herangetreten. Der Insolvenzabsteiger konnte sein Nachwuchszentrum nur durch die Unterstützung von Michael Kölmel finanzieren. Auch die Stadt Leipzig kann keine Unterstützung zusichern. Für den neuen Großinvestor Red Bull wäre es kein Problem, das Zentrum zu übernehmen und auszubauen, den FC Sachsen zu entschädigen und somit die Statuten des NOFV zu erfüllen. „Red Bull muss uns ein Gesamtangebot unterbreiten und dann muss die Mitgliederversammlung darüber abstimmen“, erklärt der Insolvenzverwalter des FC Sachsen, Heiko Kratz, gegenüber der BILD-Zeitung. Doch auch diese Hürde kann der RBL spielend meistern. Die Frage nach ausbleibendem Erfolg stellen sich die Macher nicht, der Aufstieg in der ersten Saison ist bereits fest eingeplant, trotz lokaler Konkurrenz durch den 1. FC Lok und den FC Sachsen. Dass sich nicht alle Leipziger Fußballfans für den Einstieg des Weltunternehmens begeistern, ist nachzuvollziehen, versuchen die Leipziger Vereine doch seit Jahren aus der Bedeutungslosigkeit zu kommen. Einige äußerten ihren Unmut auf radikale Art und Weise. Anti-Red-Bull-Parolen auf Werbebanden und rasenzerstörendes Mittel im Markranstädter Stadion verursachten Schäden im fünfstelligen Bereich. Eine Summe, über die Red Bull nur müde lächeln kann, auf dem Weg zum Bundesligafußball in einem WM-Stadion. Und damit erfüllen sie nicht nur die Hoffnungen und Wünsche von Winfried Lonzen.

Plötzlich Profi Robert Klauß, 24-jähriger Stürmer des SSV Markranstädt und Diplom-Sportwissenschaftler im 8. Semester spricht über die neue Situation:

Wie hast du reagiert, als die Nachricht kam, das Red Bull bei deinem Verein einsteigen will? Ich war sehr überrascht. Es gab keine Vorinformation. Am Mittwoch stand die Nachricht in der Zeitung, am Dienstagabend erfuhr die Mannschaft davon. Es herrschte sofort eine große Euphorie und Spannung.

Robert Klauß geht in der kommenden Saison für den RB Leipzig auf Torejagd. Foto: SSV Markranstädt

Wie geht es für dich persönlich weiter? Ich hatte meinen Vertrag schon vorher um zwei Jahre verlängert. Wer den Sprung in den Kader der ersten Mannschaft schafft, entscheidet sich im Training. Uns Spieler interessiert vor allem welche Neuzugänge kommen. Aber das kann noch keiner beantworten. Siehst du eine realistische Chance, es in den Kader der Oberligamannschaft zu schaffen? Ich hoffe, dass ich eine Chance bekomme und werde diese versuchen zu nutzen. Wenn natürlich viele etablierte Stürmer verpflichtet werden, wird es schwer. Was bedeutet des Red Bull-Engagements für den Leipziger Sport? Ich bin da sehr positiv gestimmt. Es ist eine einmalige Chance für Leipzig. Da ich nicht aus Leipzig stamme, stehe ich der Sache vorurteilsfrei. Ich habe viele schlechte Seiten vom Leipziger Fußball kennen gelernt und hoffe, dass es jetzt einen positiven Schub gibt. Jetzt entstehen auch völlig neue Möglichkeiten, für Sportstudierende, nach dem Studium im Fußball eine Anstellung zu finden. Haben die RBL-Verantwortlichen mit dir gesprochen? Laut Aussage von Red Bull, wollen sie zum Trainingsauftakt mit uns Spielern sprechen. Uns wurde aber angeboten, jederzeit mit Herrn Sadlo und Herrn Egger in Kontakt zu treten. Kannst du dir Profifußball vorstellen? Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit und kann mir somit meine Zeit frei einteilen. Also kann es funktionieren mit Profifußball und Studium.

Gespräch: Stephan Lochen

31


LEIPZIG SPORT

„Ich war vom Konzept begeistert“

Markranstädt-Macher Holger Nussbaum über den Plan mit Red Bull Holger Nussbaum ist Manager und Sponsor des SSV Markranstädt. Der 39-Jährige war eine der treibenden Kräfte, welche den Einstieg von Red Bull in Markranstädt und somit im Leipziger Fußball ermöglichten. Unter dem Vereinsnamen Rasenballsport Leipzig e.V. will der Verein mit Großsponsor Red Bull die Leipziger Fußballtristesse beenden. Der

SPORTAKUS sprach mit Nussbaum über die ersten Pläne, Verhandlungen und seine Zukunftsvorstellungen vom Fußball in der Messestadt. Ein Fazit wird erst in einigen Jahren zu ziehen sein, denn der österreichische Getränkehersteller will langfristig investieren und möglichst kurzfristige Erfolge feiern. Mit dem festen Ziel: Profifußball bieten.

Herr Nussbaum, das Großunternehmen Red Bull steigt beim SSV Markranstädt ein. Wie kam dieser Deal zustande? Wir legten Herrn Dr. Michael Kölmel bereits im April ein Konzept vor, eine dritte Kraft im Leipziger Fußball zu installieren (Markranstädter SV Leipzig, Anm. d. Redaktion).Vor fünf Wochen kam dann überraschend Red Bull auf uns zu.Das Konzept, welches wir Herrn Kölmel vorgestellt hatten, war sehr interessant und daraus entwickelte sich das Interesse von Red Bull.

Leute von Red Bull auftreten, welche Spieler sie mitbringen und ob es für den einen oder anderen die Chance gibt, unter Profibedingungen zu spielen. Wir haben in Markranstädt gute Trainingsplätze und können nach Leipzig ausweichen, zum Beispiel in die Sportschule „Egidius Braun“. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so professionell wie möglich zu machen, mit täglichem Training und Rundumbetreuung.

Nennen Sie Eckpunkte des April-Konzeptes! Ziel war und ist es, guten Fußball in der Region anzubieten, mit der Perspektive, das Zentralstadion dauerhaft zu füllen. Also hatten wir schon im April eine ähnliche Perspektive wie Red Bull jetzt. Die Zielsetzungen decken sich fast genau. Waren Sie sofort begeistert, als Red Bull anfragte? Man darf die Sache natürlich nicht zu euphorisch angehen, dann vergisst man wichtige Kleinigkeiten. Auf der Arbeitsebene hatten wir eine gute Verhandlungsbasis. So haben wir uns angenähert. Es war harte Arbeit, mit guten und wichtigen Diskussionen zwischen Markus Egger, Andreas Sadlo und mir. Wie war die Reaktion im Verein auf die Nachricht? Grundsätzlich war die Stimmung euphorisch, denn mit Red Bull kommt ein Großunternehmen. Die Spieler sind in einem Vakuum. Zum einen ist Urlaubszeit und bis zumTrainingstart am 2. Juli ist frei. Sie sind sehr gespannt, wie die

32

Holger Nussbaum in seinem Büro, in dem die Modalitäten für den Vertrag mit Red Bull ausgehandelt und unterschrieben wurden. Foto: Matthias Schäfer

Ist es nur eine Floskel, Spieler von Markranstädt/ der Region als Identifikationsfiguren einzubinden? Nein, Red Bull hat immer seinen lokalen Anspruch für die Region bekräftigt und möchten Leute aus der Region, idealer Weise aus unserer ersten Mannschaft einbinden. Können Sie bereits Namen für Verstärkungen nennen oder Spieler des SSV, die es schaffen können? Nein, es laufen viele Gespräche, aber es ist noch nichts fest. Alles was in der Zeitung steht, ist rei-


LEIPZIG SPORT ne Mutmaßerei. Grundsätzlich kann ich nicht sagen, wie viele Spieler den Sprung schaffen. Jeder kann sich in den Trainingseinheiten anbieten und danach kristalisiert sich raus: Wer ist sportlich in der Lage? Wer bekommt es hin, Fußball und Arbeit weiterhin zu vereinen, was immer die Philosophie des SSV Markranstädt war. Und natürlich, wer will es überhaupt. Mit Sicherheit traue ich Torwart Alexander Moritz und Mittelfeldspieler Stefan Schumann den Sprung zu, um zwei Beispiele zu nennen. Werden Mitarbeiter des SSV Markranstädt in Zukunft für RB Leipzig arbeiten? Ja, jeder der in irgendeiner Form für den Verein tätig ist, vom Platzwart bis zum Mitarbeiter der Geschäftstelle wird vom RBL übernommen.

genau kennengelernt und war von der Arbeit im Profibereich in Salzburg und New York bishin zur Jugendarbeit und den Jugendakademien in Ghana und Brasilien begeistert. Haben Sie angedacht, selbst im Vorstand zu sein? Nein, ich bin beruflich stark eingebunden. Für organisatorische Aufgaben stehe ich weiterhin bereit. Darauf möchte ich es auch beschränken. Sie wollen in diesem großen Projekt keine zentrale Rolle einnehmen? Soweit habe ich noch gar nicht gedacht. Es gilt jetzt, einen guten Start hinzubekommen. Was sich dann entwickelt, wird sich zeigen. Besteht die Gefahr des Scheiterns, wenn der Aufstieg in der ersten Saison nicht gelingt? Nein, es gibt keine Aufstiegspflicht, dann eben in der nächsten Saison. Natürlich wäre es ein Rückschlag, aber das ist im Fußball immer denkbar. Der Verein wird seinen Weg gehen.

Auch Sie wollen weiterhin eine Position begleiten! Erst seit einer Woche sind alle Regularien geklärt. Jetzt gehen wir in die Feinplanung. Ich stehe dem SSV Markranstädt weiter„Champions League in Leipzig! Eine hin zur Verfügung, gewagte These, aber denkbar“ als VerantwortliRed Bull will Marcher für die zweite kranstädt weiterhin Männer- und alle nachfolgenden Mannschaften. unterstützen, wie soll das aussehen? Details kann ich natürlich nicht nennen. Aber Auch die zweite und dritte Mannschaft sollen als es gibt langfristige Kooperationen, die sich vom Rasenballsport Leipzig spielen! Ist eine Rückfüh- Sportlichen bis zum Talentetraining ausdehnen. rung der Teams zum SSV Markranstädt denkbar? Das ist richtig. Ziel ist es, irgendwann, möglichst „Die Luft ist raus“! Sehen Sie den Einstieg von Red in naher Zukunft eine Rückführung durchzu- Bull auch als Chance für den Leipziger Fußball? führen. Der Idealfall ist, dass RB Leipzig II dann Definitiv, auch für alle anderen Vereine. Die Rewieder als SSV Markranstädt spielt. Wir haben gion wird interessant, was wiederum auch Spiejetzt ein großes Spielerpotential, sodass RBL II in ler für die anderen Clubs anlockt. der Bezirksliga eine gute Rolle spielen kann und den Aufstieg in die Landesliga anvisiert. Welche Schlagzeile möchten Sie in zehn Jahren hören, Red Bull gab ja einen zehn Jahres Plan heraus? Ziehen Sie selbst einen Vorteil aus dieser Sache? Ich wage zu bezweifeln, das Red Bull einen zehn (lacht) Für mich selbst springt nichts raus. Ich Jahresplan ausgegeben hat. Aber die Schlagzeile: bin seit langem Sponsor des Vereins und seit ein- „Champions League mit gutem Fußball in Leipeinhalb Jahren ehrenamtlicher Manager der er- zig“ wäre großartig. Das ist natürlich eine sehr ste Mannschaft. Aus Verbundenheit zum Verein gewagte These, aber ich halte es für denkbar. und auf Nachhaltigkeit bedacht, habe ich dem Vorstand die Idee mit Red Bull als richtigen Weg Interview: Stephan Lochen vorgeschlagen und diese wurde einstimmig anDas komplette Interview auf www.sportakus-online.de genommen. Ich habe die Konzepte von Red Bull

33


LEIPZIG SPORT

„Da wurde Einiges versäumt“

Sportprogramm 2015 als Leipziger Hoffnung auf Erfolg Ist Leipzig auf den Weg in die sportliche Bedeutungslosigkeit oder gibt es Licht am Ende des Tunnels? Wie soll es weiter gehen im Sport der Messestadt? Seitens der Stadt Leipzig existiert ein Fahrplan. Dieser nennt sich „Sportprogramm 2015“ und bildet die geplante Entwicklung des Sportes in Leipzig in den nächsten sechs Jahren ab. Wie dieses Programm genau aussehen soll, wurde bei einer Bürgersprechstunde erläutert.

N

hal zusammen mit der Leiterin des Sportamtes, Kerstin Kirmes, das Programm persönlich vor und wurde gleich sehr konkret. Es soll drei neue Dreifelderhallen geben: Im Osten am Freizeitpark Rabet, im Südwesten an der Radrennbahn und in direkter Nähe zum Sportforum, auf dem Gelände des alten Schwimmstadions. Der Neubau des Werferhauses auf der Nordanlage und die Modernisierung der Radrennbahn

ur wenige Zuhörer kamen Ende Mai zur Vorstellung des Sportprogrammes 2015 ins Leipziger Stadtbüro. Dabei ging es um die zukünftige Sportentwicklung der Stadt. Das Programm stellt die Handlungsgrundlage der Stadtverwaltung für die nächsten Jahre dar. Es legt fest, welche Sportarten (siehe Infokasten unten) in der Zukunft gefördert werden und welche Sportanlagen oder Auf dem Platz des alten Schwimmstadions soll bald eine Foto: Sören Starke Hallen saniert werden sollen, aber auch, moderne Sporthalle stehen. welche Großveranstaltungen Leipzig zukünftig ausrichten möchte. Zusammenfassend ist ebenfalls beschlossene Sache. Im Norden von also eine Marschroute, wie der Sport in den kom- Leipzig soll das Stadion des Friedens umfassend menden Jahren gefördert werden soll. Gleichzeitig saniert werden und als Kernsportstätte für die stellt das Konzept auch einen Grundsatzkatalog Leichtathletik zur Verfügung stehen. Über zehn dar, nach welchem das Land, der Bund und die Millionen Euro sollen in die Sanierung der maroden Sporthallen in der Leplay- und Brüderstraße EU über finanzielle Förderung entscheidet. Demnach ein wichtiges Papier. Aus diesem fließen. Auch zwei neue Kunstrasenplätze sind in Grund stellte Sportbürgermeister Heiko Rosent- der Planung mit vorgesehen. „Betrachtet man die Quantität der Sportstätten, so sieht es in Leipzig sehr gut aus. Nur ihre Schwerpunktsportarten in Leipzig Qualität ist ein großes Problem. Da wurde in den Individualsportarten: Leichtathletik, Judo, Kanusletzten Jahren einiges versäumt“, musste auch lalom, Kanurennsport, Rudern, Wasserspringen, Kerstin Kirmes eingestehen. Um vor allem diese Schwimmen (Nachwuchs), qualitativen Mängel und baulichen Notstände zu Optional: Radsport, Turnen (weiblich), Ringen (Freibeseitigen, wird die Summe für die Bauförderung stil) von bestehenden Sportanlagen erhöht – auf insgesamt 400.000 Euro. „Da werden wir aber in den Mannschaftssportarten nächsten Jahren noch mit Einschränkungen im Volleyball (Männer), Handball (Frauen), Sportbetrieb leben müssen“, relativiert Rosenthal Optional: Hockey (Frauen), Fußball (Nachwuchs) die Maßnahme.

34


LEIPZIG SPORT Ab 2010 ist geplant, den Fördersatz pro Vereinsmitglied von derzeit rund 17 Euro auf 20 Euro zu erhöhen und erstmalig auch festzuschreiben. „Eine neue Qualität in diesem Punkt“, betont Rosenthal das Vorhaben. Ebenfalls erhöht wird der Zuschuss für Pflege und Unterhaltung, den die Sportvereine für ihre gepachteten Sportstätten von der Stadt bekommen. Der Leipziger Sport erhält durch diese beiden Maßnahmen zusätzlich fast 280.000 Euro. Die Verteilung der Gelder sieht wie folgt aus: Prinzipiell sollen 30 Prozent in den Leistungssport investiert werden und 70 Prozent in den Breitensport fließen. „Der Leistungssport ist abhängig vom Breitensport. Beide Bereiche bedingen sich unmittelbar“, weist der Sportbürgermeister auf die Bedeutung beider Elemente hin. Zum Breitensport zählt zum Beispiel auch der nicht organisierte Sport, wie Radfahren, Paddeln, oder Jogging: Für diesen soll es zum Beispiel eine spezielle Jogging- und Walkingstrecke im Clara-

Zetkin-Park geben, mit Beschilderung, Beleuchtung und einem geeigneten Untergrund. Für Radsport soll das schon teilweise bestehende Radfahrkreuz durch die Stadt weiter ausgebaut werden. Dieses Radwegenetz ist als Zubringerstrecke zu den schon vorhandenen Radwegen im ländlichen Raum gedacht. Das geplante Programm ist umfangreich, vielfältig und ambitioniert. Nicht umsonst ist das Machwerk so dick wie ein Telefonbuch. Einige Projekte aus dem aktuellen Sportprogramm 2015 standen auch schon in vergangenen Ausgaben des Sportprogramm wie beispielsweise die Sanierung der Radrennbahn – nicht alle davon wurden umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass diesmal alle Vorhaben realisiert werden. Die Stadt wird sich 2015 an diesem Sportprogramm messen lassen und speziell daran, was sie von den Plänen umgesetzt hat. Sören Starke

Kurzinterview mit Heiko Rosenthal

Glauben Sie, dass bis 2015 eine Leipziger Mannschaft in der Fußball-Bundesliga spielen wird? (lange Pause) Ich glaube, heute zu sagen: Wir haben es in fünf Jahren geschafft, ist angesichts des Wettstreites, der Enge und der finanziellen Rahmenbedingungen eine kühne Behauptung. Man müsste die vorhandenen Ressourcen bündeln und Fans finden, die diese Entwicklung finanziell unterstützen – dann besteht vielleicht die Hoffnung, dass ein Verein den Aufstieg in die 2. Bundesliga schafft.

Foto: www.leipzig.de

Was bedeutet für Sie der Titel Sportstadt Leipzig? Da werden Sie keine Definition finden. Aber es gibt fünf vergleichende Punkte. Erstens die sportliche Infrastruktur: Da sind wir quantitativ sehr gut aufgestellt. Nur qualitativ müssen wir noch etwas tun. Zweitens kann sich Leipzig bei der kommunalen Vereinsförderung für die Sportvereine sehen lassen. Probleme haben wir beim dritten Punkt, dem Spitzenmannschaftssport. Spitze sind wir nur im Frauenhandball. Der vierte Punkt sind die Großveranstaltungen. Wir haben neu definiert, was wir zukünftig für Veranstaltungen akquirieren wollen und sind dabei im Rahmen unserer Möglichkeiten gut unterwegs. Die letzte und wichtigste der kommunalen Aufgaben ist die Förderung des Breitensportes bei Kindern und Jugendlichen und da schneidet Leipzig im Vergleich zu anderen Großstädten bestens ab.

Wie lassen sich in Zukunft Insolvenzen vermeiden und wie kann die Stadt Leipzig helfen? Wir als Stadt können in das Vereinsgebaren nicht eingreifen. Wir können aber die Infrastruktur bereitstellen und Türöffner sein bei der Sponsorensuche. Zudem unterstützen wir die Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine finanziell intensiv. Wir können aber nicht den Vereinen permanent aus der finanziellen Patsche helfen. Diese Verantwortung müssen die Vereine selbst übernehmen. Gespräch: Sören Starke Das Gespräch fand vor dem Einstieg von Red Bull in Markranstädt statt, Anm. d. Red.

35


LEIPZIG SPORT

Lange Tradition ohne Perspektive Wasserball auch in Leipzig nicht mehr als eine Randsportart

Steht man vor der Schwimmhalle-Mitte, ahnt man nicht, dass nur wenige Schritte entfernt eine Leipziger „Sportbesonderheit“ hier ihre Trainingsstätte hat. Denn hier ist das Zuhause des einzig in Leipzig verbliebenen Wasserballvereines: der HSG TH Leipzig e.V.

D

ie Wasseroberfläche, eben noch einer dünnen Eisschicht ähnelnd, durchzuckt eine Welle blau-weißer Stoffbadekappen auf denen Nummern aufgenäht sind. Die acht- bis elfjährigen Träger der Kappen schwärmen aus. Nach wenigen Minuten ist es geschafft, sind die Leinen aus dem Wasser gezogen. Die Augen der Kleinen Schwimmer glänzen und sie keuchen vor Anstrengung und Vorfreude, als sie auf der gefliesten Bank neben dem Wasserbecken zusammenkommen. Voller Enthusiasmus und Freude, aber auch mit Wille und Stolz, warten die 17 Zahlen und Daten zum Wasserball: Becken: 30x20m; Tiefe mind. 1,80m Ball: 400-450g, Umfang= 68-71cm Tor: 3 x 0,90m Mannschaft: 13 Spieler, 6 Feldspieler, 1 Torwart; können beliebig oft gewechselt werden Schwimmstil: hauptsächlich Kraul; an der Stelle „Wassertreten“ (schnelles „Strampeln“) Spieldauer: 4 X 7 Minuten; zwischen den Spielvierteln eine Pause von 2 Minuten Sonderregeln: - Ball darf nur durch eine Hand/Arm o. anderes Körperteil transportiert werden - Torwart darf Ball als Einziger die Faust zur Abwehr nutzen und den Ball im 5-Meter-Raum mit beiden Händen fassen - Pflicht ist eine Stoffbadekappe zu tragen Organisation: - dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) untergeordnet - Olympiastützpunkt in Hannover - Ligeneinteilung (absteigend): Deutsche Wasserball-Liga, die 2. Liga, die Oberliga, die Verbandsliga, die Bezirksliga und die Kreisliga

36

Die jungen Wasserballer der HSG TH Leipzig mit Begeisterung beim Training Foto: Tina Müller

Kinder auf Robert Oeltz, Übungsleiter der HSG TH Leipzig e.V. Er erklärt die Voraussetzungen, um erfolreich Wasserball spielen zu können: „Natürlich sollte man schwimmen können, sonst ist man zu langsam für dieses Spiel. Die Kinder, die Jüngsten sechs Jahre alt, lernen bei uns Schwimmen und werden anschließend in die Abteilung Wasserball überführt, wo sie dann mit der Technik des Ballführens und -werfens in Berührung kommen und der Feinschliff stattfindet.“ So akripisch waren die Spieler sicher nicht ausgebildet, als 1874 in England die erste Partie dieses Ballspiels unter dem Namen „Waterball“ ausgetragen wurde. Anregung hierzu gab ein Komitee des „London Swimming Club“. Dieses übertrug die Regeln des Fußballs auf ein Spiel im Wasser. An die Popularität des Fußballs konnte Wasserball jedoch nie anknüpfen. „Wir können froh sein, wenn wir die Kinder hier für den Wasserballsport begeistern können. Es ist schwer für eine Sache zu werben, deren Präsenz sich in der Öffentlichkeit maximal auf die Übertragung eines Endspiels bei den Olympischen Spielen beschränkt“, meint Oeltz mit einem süffisanten Lächeln. Dabei hat die Sportart durchaus eine positive Entwicklung genommen: Anfangs bestand der Ball noch aus Gummi und musste auf einem Floß abgelegt werden. Nur so konnte die


LEIPZIG SPORT Mannschaft einen Punkt erzielen. Heute wird der aus Kunststoff gefertigte, griffige Spielball in ein Tor befördert. „Zu DDR-Zeiten war Wasserball eine gängige Sportart, die sich einer gewissen Popularität erfreute. Dazu beigetragen hatte sicherlich auch, dass an den damaligen Sportgymnasien dem Schüler wahlweise dieser Ballsport zumindest als Alternative neben dem bekannten ‚Schwimmsport‘ angeboten wurde. Nach der ‚Wende‘ verschwand dieser Sport aus den Lehrplänen, lag der Fokus auf anderen Sportarten wie Fußball und Handball“, versucht Oeltz die Randstellung seiner Sportart zu erklären. Ob Wasserball, welches bereits 1900 bei den Olympischen Spielen im Programm war, diesen Status ablegen kann, wagt der Übungsleiter zu bezweifeln: „Es ist bekannt, dass mehr Fördermittel in andere Sportarten investiert werden. Wir kämpfen ums Überleben, und einerseits darum, die Mannschaften überhaupt voll zu be-

„Wasserballkinder sind etwas Besonderes“ kommen und andererseits vor allem den Kleinen ein Gefühl zu geben, dass die Ausübung dieses Sports etwas Besonderes ist.“ Denn die körperlichen Ansprüche verlangen den Sportlern durchaus besondere Fähigkeiten ab. „Man muss den Ball mit einer Hand transportieren können, ohne zu ertrinken“, sagt Oeltz. Plötzlich stellt sich ein kleiner Junge mit blonden Haaren und Sommersprossen vor seinen Trainer. Während er diesem seine Badekappe hinhält, gleichbedeutend einer Aufforderung, sie ihm wieder anzulegen, fragt er in fast trotziger Weise: „Kommst du jetzt?“ Robert Oeltz schmunzelt und macht sich auf den Weg zum Beckenrand, wo die anderen Kinder ihn bereits darauf warten, dass er endlich das Startsignal für das beliebte Trainingsspiel gibt. Während des Gehens dreht sich der sympathische junge Mann nochmals um und ruft uns lächelnd zu: „Meine Wasserballkinder sind etwas ganz Besonderes, die lass ich nicht mehr gehen. Und sie mich auch nicht.“ Johannes Sternkopf & Tina Müller

Interview mit Niko Bellmann, Diplom-Sportwissenschaft, 8.Semester Wie bist du zum Wasserball gekommen? Ich war damals in der fünften Klasse in einer Foto: Tina Müller Freizeit-Schwimmgruppe. Meine Übungsleiterin kannte einen Wasserballtrainer, der Kinder für seine Mannschaft suchte. Bei ihm habe ich mit dem Wasserball begonnen. Was ist für dich bessonders an Wasserball? Die viele Bewegung. Mit Wasserball kann man den ganzen Körper trainieren, Kraft und Ausdauer werden ausgebildet. Zudem ist die Verletzungsgefahr geringer als beispielsweise im Fußball. Also sind die Anforderungen an die eigenen Fähigkeiten sehr hoch? Ja. Vor allem für den Torhüter, der seine Beinkraft stark trainieren muss. Wie intensiv ist demnach das Training? Wir trainieren maximal drei Einheiten pro Woche. Daher ist es auch nur Breiten- oder Freizeitsport. Wir beginnen mit etwa zwei Stunden Schwimmtraining und Ballarbeit, wie Werfen, Fangen und Abspielen. Dazu kommt Taktiktraining. Ein richtiges Trainingsspiel zu absolvieren, ist kaum möglich, da selten alle Spieler zum Training kommen. Wir spielen in dieser Situation auf engerem Raum. Woran liegt es, dass die Spieler fehlen? Viele haben aufgrund von Job und Studium nicht immer die Zeit zum Training zu erscheinen. Außerdem fehlen die richtigen Trainer, die guten Nachwuchs heranziehen. Wie sieht ein Spieltag im Wasserball aus? Wir treffen uns eine Stunde zum Aufbau sowie der Teambesprechung. Nach dem Einschwimmen wird angepfiffen. Auf den Rängen feuern uns meistens Familienangehörige und Freunde an, aber leider keine Fans.

Johannes Sterkopf & Tina Müller

37


LEIPZIG SPORT

Mit der Geschwindigkeit umgehen Ehemalige Leichtathleten gründen erstes Leipziger Bobteam

38

om

t.c

w. fib

w

inusgrade, die Luft ist beißend kalt. Noch einige Minuten bis zum ersten Zweier-Bob-Training des Tages. Es ist kurz vor neun Uhr. Die Startampel leuchtet rot. Hochkonzentriert blicken Robert Göthner und sein Anschieber Ronny Friedrich in die erste Kurve der Bobbahn von Altenberg. Fast synchron klappen beide ihr Helmvisier runter. Augenblicke danach steht die Ampel auf grün. Kurzes Abklatschen. Die besinnliche Morgenstimmung im Osterzgebirge wird schlagartig durch kräftiges Gebrüll aufgewühlt. Wuchtig und druckvoll bringen beide ihren Schlitten mit kurzen schnellen Schritten in Fahrt. Nach ca. 50 Metern steigen sie flink in ihren Bob und biegen sogleich rechts in die erste Kurve ab. An diesem kalten Vormittag folgen noch zwei weitere Abfahrten. Für den Kapitän und Fahrer der Leipziger Bobmannschaft ist jede Trainingseinheit wichtig, um Erfahrung zu sammeln, die ihm noch fehlt. Es dauert eine Weile bis er und sein Partner wieder zum Startpunkt zurück kommen. Im Ziel hieven

w

M

beide den Schlitten auf den Transporter. Während Anschieber Ronny Friedrich mit dem Wagen zum Start fahren darf, muss Robert Göthner zur Fehleranalyse. Dazu geht er zu Fuß noch einmal die ganze Strecke hinauf. An jeder Kurve der Bahn steht ein Trainer, der mit ihm den jeweiligen Streckenabschnitt auswertet. „Der Austausch mit den Trainern und die anschließende Fehleranalyse sind enorm wichtig. Ich muss wissen, wie ich mich in jeder Kurve verhalten habe. Nur dann können die Fehler erkannt werden“, sagt Göthner. Seine erste Abfahrt in Altenberg i s t über zwei Jahre her. Seitdem kann er mehr als fünfhundert Fahrten auf verschiedenen Strecken europaweit vorweisen. Er fuhr schon in Winterberg, Königssee, Innsbruck, St. Moritz. Oder auf seiner Hausbahn Altenberg, die in Fachkreisen als eine der schwierigsten Bahnen weltweit gilt. Angefangen hat alles mit einem kleinen Aushang in der Uni. „Der SC Oberbärenburg suchte damals potenzielle Anschieber für sein neues Juniorenteam. Vor Ort angekommen, wurde ich gleich am ersten Trainingstag eiskalt die Bahn runter geschickt“, erinnert sich der Bachelorstudent. Die beständig guten Trainingswerte machten ihn zu einem gefragten Mann. Schnell stand er vor der Entscheidung, Anschieber bei Matthias Höpfner zu werden oder als Pilot ein eigenes Team aufzubauen. „Nach den ersten Erlebnissen reizte mich natürlich ungeheuer die zweite Variante“, sagt Göthner. 2007 startete er mit einem alten Zweier-Bob in seine erste Saison als Pilot. Zwar war das Team mit dem Material nicht konkurrenzfähig. Dennoch überzeugten sie mehrmals bei den Wettkämpfen mit den besten Startzeiten. „Da wusste Fo to :

Olympische Winterspiele, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften – die deutschen Bobfahrer sind die erfolgreichste Bobnation der Welt. Allein fünfzehn Goldmedaillen gewannen Zweier- und Vierer-Teams seit 1924 bei Olympia. Fahrer wie Hoppe, Lange, Langen, Mehner und Czudaj schrieben Bobgeschichte. Für Robert Göthner Ansporn genug, diese Lis­te vielleicht in ein paar Jahren weiterzuführen. Der Leipziger Sportstudent war bis zu seinem Einstieg in den Bobsport Leichtathlet. Seit mehr als zwei Jahren ist er nun Bobfahrer und gründete vor kurzem sein eigenes Vierer-Team.


LEIPZIG SPORT ich, dass, wenn wir gutes Material bekommen tierende Deutsche Hochschulmeister im Speerwürden, wir vorne mitfahren können“, sagt wurf ), Ronny Friedrich und Sebastian Müller. Göthner. Daneben sucht er permanent Leute für die TraiBestätigung erhielt er im letzten Winter. Als ningslager im Winter: „Das heißt, mindestens Anschieber im Vierer-Bob von Oliver Harraß eine Woche Kost und Logis frei. Und natürlich gewann er die Bronzemedaille bei der Junioren- das Abenteuer Bobfahren!“ WM in Königssee. Dieser Erfolg ebnete ihm den Schwierig gestaltet sich seit dem Sommer der Weg in den C-Kader. Damit nicht genug. Im tägliche Trainingsbetrieb. Zwar sind alle Teamkommenden Winter erfüllte sich für den Leip- mitglieder ehemalige oder aktive Leichtathleten, ziger ein Traum. Sein neuer Verein, der BRC doch als ‘Bobteam Leipzig‘ sind sie nicht gerne Riesa, kaufte zusammen mit einem Sponsor den gesehen auf der Nordanlage - für Göthner und Zweier-Bob der schwedischen Nationalmann- sein Team eine gefährdende Situation. „Natürlich schaft. Besonders stolz ist das Team auf den stehen uns als Kaderathleten am OSP Trainingsneuen Vierer-Schlitten von Thomas Florschütz, zeiten zu, die uns bisher seitens des LAZ Leipzig mit dem dieser ungern eingeräumt wur2008 Vierter bei der den. KompromissbereitRobert Göthner über seine Leidenschaft Heim-WM in Alschaft, den Trainingsbezum Bobsport: tenberg wurde. „Das ginn von 18.30 Uhr auf Gerät ist ein Traum. 17 Uhr zu verschieben, „Für mich ist es jeEs macht genau das, gibt es leider nicht,“ erdesmal eine Herausforwas ich will“, freut klärt er. Enttäuscht ist derung. Man darf keine sich der 25-Jährige. Göthner vor allem über Angst haben in den Bob zu steigen. Unsere FahrBeide Bobs kos­ten die Art und Weise, wie ten sind nicht ungefährlich, durch Spitzengezusammen soviel mit den ehemaligen Athschwindigkeiten von 120-140km/h können wie ein Mittelklasleten umgegangen wird: G-Kräfte der Stärken vier bis sechs erreicht sewagen. Die Her„Wir sind doch keine werden. Unfälle sind am Anfang nicht selsteller verlangen für fremden Leute. Wir wisten. Extrem gutes Reaktionsvermögen und ein hoher Erfahrungsschatz werden von den ihre 200 Kilogramm sen, wie man sich auf der Piloten abverlangt. Ich musste erst Lernen schweren Unikate Nordanlage zu verhalten mit der Geschwindigkeit richtig umzugehen. nicht weniger als hat.“ Vergleichbare SynerAutomatismen anzuwenden. Wenn du im 30.000 Euro. gien wie in Potsdam, wo Bob sitzt, läuft alles wahnsinnig schnell ab.“ Ausgerüstet mit neben der Leichtathletik neuer Technik peilt ein eigenes Bob-Team under C-Kader-Athlet im nächsten Jahr die Juni- terhalten wird, scheint es beim LAZ nicht zu georen-WM an. Für eine erfolgreiche Saison be- ben. Davon lassen sich Robert und sein Förderer nötigt er nicht nur gutes Material und eine ta- Harald Czudaj, Vierer-Bob Olympiasieger von lentierte Fahrweise. Ausschlaggebend ist zudem 1994 und Vizepräsident des BRC Riesa, nicht eine ausreichende Anzahl guter Anschieber. Für ablenken. Beide versuchen weiter ideale Bedinden ehemaligen Leichtathleten keine einfache gungen in Leipzig zu schaffen. Aufgabe, den gesamten Winter von Oktober In Altenberg kommt Göthner nach einer Weibis Februar zu koordinieren: „Durch mehrere le wieder im Startbereich an. Für jede Bobbahn Wochen Trainingslager und der anschließenden macht er sich Notizen in seinem kleinen schwarWettkampfzeit bin ich auf viele Leute angewie- zen Büchlein. Er holt tief Luft. Man sieht seinen sen. Leider können nicht alle wie ich einfach ein Atem im kalten Altenberger Morgen. In GedanUrlaubssemester nehmen oder haben, wie André ken auf die nächste Abfahrt geht er nochmal alle Lange, immer sechs professionelle Anschieber Hinweise der Trainer durch. Siebzehn insgesamt. dabei.“ Zurzeit besteht sein Team offiziell aus Genauso viele wie Kurven in der Bobbahn. Christoph Gernand, Hans-Peter Köhler (der am- Alexander Fugmann

39


NEWS

Nachrichten-Ticker +++ Eignungsfeststellung+++++++++++++++++++++++++++++ +++++++++++++++++ Zur diesjährigen Sport-Eignungsfeststellung (27.5. und 9.6.) waren insgesamt 1315 Berwerber angemeldet und somit 300 mehr als im letzten Jahr. Von den 927 angetretenen Kandidaten waren auf Anhieb 249 in allen Disziplinen erfolgreich. Wegen Defiziten in maximal zwei Disziplinen dürfen 371 Kandidaten zur Nachprüfung (27.6.) erscheinen. Dieser Durchschnitt ähnelt denen der Vorjahre. +++ Wintersemester 2009/2010 +++++++++++++++++++++++++ +++++++++++++++++ Für das nächste Semester sind an der Sportwissenschaftlichen Fakultät folgende Studienplätze zu vergeben: 120 BA Sportwissenschaft, 30 BA Sportmanagement und 60 BA Lehramt. In den Masterstudiengängen sind 20 Plätze im Sportmanagement und jeweils 30 Plätze in den sportwissenschaftlichen Studiengängen Diagnostik und Intervention sowie Rehabilitation und Prävention vorgesehen. Wie viele Lehramtsstudenten im Masterstudiengang immatrikuliert werden, ist noch offen. +++ Änderung der Prüfungsordnungen +++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Wie von der Studienkommission vorgeschlagen und vom Fakultätsrat beschlossen, werden in einigen Modulen der Master­studiengänge zukünftig Erleichterungen bei den Prüfungen vorgenommen. Als Prüfungsvorleistung genügt nun ein Referat (statt zwei) und die Klausurzeit wurde um 60 Minuten (auf 120) verkürzt. Des Weiteren müssen Sportmanagement-Studierende ihre Masterarbeit künftig nicht mehr verteidigen, was ein Novum darstellt. +++ Studienjahresablaufplan ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Die Exmatrikulationsfeier wird vom 16. auf den 30. Oktober verschoben und findet im Rahmen des Fakultätsballes statt, der wieder vom SPORTAKUS organisiert wird. Alte Studiengänge müssen sich vom 7. bis 30. Juli für Prüfungen anmelden. Die Anmeldung in den Fachgebieten erfolgt vom 8. bis 10. Juli. Die Rückmeldung für das Wintersemester 09/10 muss bis zum 15. August abgeschlossen sein. Vorlesungsbeginn für das kommende Semester ist der 12. Oktober. Der Dies Academicus wird am 2. Dezember durchgeführt. +++ Jubiläen ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Der SPORTAKUS gratuliert recht herzlich Dr. Petra Tzschoppe zum 50. und Dr. Uwe-Carsten Zehl zum 60. Geburtstag. Heimlich und in Abwesenheit der Studentenschaft feiern Prof. Dr. Christina Müller am 2. August ihren 60., Dekan Prof. Dr. Jürgen Krug am 17. August seinen 65. Geburtstag. +++ Baumaßnahmen +++++++++++++++++++++++++++++++ ++++++++++++++++++ Die Schärttnerhalle wird bis mindestens November 2010 grundsaniert. Als Ausweichquartier dient eine 36 x 36m große Traglufthalle, die am 14.8.2009 übergeben wird. Die Judo- und Krafthalle werden im Zuge der Sanierung ebenfalls geschlossen. Die Krafthalle wird in den Keller von Haus III umquartiert, die Judoka ab 24.7. in die Boxhalle. Beide Hallen werden nicht vor dem Mai 2010 fertig. Seminarräume der Hallenkomplexe ziehen vorübergehend in die Häuser II und III. Auch in der Mensa wird ab dem kommenden Wintersemester gebaut. Die Essensausgabe erfolgt dann in einem Zelt vor dem Mensagebäude. Tobias Dutschke & Lars Lindemann (6)

40


NEWS

Nachrichten-Ticker +++ Fachschaftsratswahlen +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Der FSR Sport erreicht mit einer Wahlbeteiligung von 27,7 Prozent Platz 7 unter den 32 Fachschaften und landet punktgenau auf der Wahlbeteiligung des Vorjahres. Immerhin haben mit insgesamt 304 Wählern 21 Studierende mehr zur Urne gefunden als im Jahr davor. Die Wahlbeteiligung der Fachschaft liegt mit 6,8 Prozentpunkten über der durchschnittlich erzielten Wahlbeteiligung von 20,9 Prozent (voriges Jahr 21,7 Prozent). Die meisten Stimmen erhielt Ruthger Fritze (266) mit einem deutlichen Vorsprung vor Magdalena Frohberg (146) und Olivia Krusche (118). Weiterhin wurden Judith Kretz (96), Johanna Heß (88), Annika Huber (81), Thomas Dahms (73) und Stefan Schulz (41) in die Vertretung der Sport-Studierenden gewählt. +++Alumnitreffen++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Das große Alumni-Treffen zum Stadtfest Leipzig bildete für drei Tage vom 5. bis 7. Juni den Rahmen für ein einzigartiges Aufeinandertreffen ehemaliger Studierender der Fakultät mit der Zukunft ihrer Universität. Alumni aus ganz Deutschland zog es zu den einstigen Studienorten, um alte Erinnerungen wieder aufzufrischen oder den neuen Campus kennen zu lernen. Die Sportwissenschaftliche Fakultät bot ehemaligen DHfKlern ein kleines Treffen. Dr. Christian Hartmann und Marcel Voss begrüßten rund 20 Strahlende Gesichter an alter Wirkungstätte, Absolveten verAbsolventen. Unter ihnen waren sogar Ab- gangener Jahrzehnte auf dem Dach der Fakultät Foto: Alexander Fugmann solventen von 1962 und 1984. Interessierte waren zu einem Rundgang über den Campus eingeladen. Besonders beim Anblick der alten Schärttnerhalle oder dem Großen Hörsaal tauschten die Alumni Anekdoten aus. Im Anschluss informierten Hartmann und Voss, der die Alumniarbeit an der Einrichtung als Diplomthema wählte, über die neuen Studiengänge und die schwierige Übergangsphase nach der Wende. Am Ende gab es von allen Teilnehmern ein eindeutiges Signal, dieses Treffen unbedingt zu wiederholen, um die noch dürftige Alumnipflege weiter zu verstärken. Dazu soll vor allem das Alumni-Portal der Universität auf http://www.alumni.uni-leipzig.de dienen. Alle aktuellen und ehemaligen Studenten sind aufgerufen, dem kostenlosen Netzwerk beizutreten, um der interessanten Geschichte dieser Einrichtung, mit all ihren Absolventen und Mitarbeitern neuen Schwung zu verleihen. +++ Deutsche Hochschulmeisterschaften++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Mit einem Wurf auf 66,78m gewann Speerwerfer Hans-Peter Köhler bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften der Leichtathletik die erste Goldmedaille seit mehr als (wird noch recherchiert) Jahren für die Uni Leipzig. Eine weitere Medaille erkämpfte sich die 4x100m Staffel in 43,01s mit Robert Göthner, Christoph Gernand, Kevin Straßburger und Schlussläufer Martin Rieprecht. Für ein gelungenes Gesamtergebnis sorgten zudem Marcus Keller über 3000m-Hindernis mit dem vierten Platz und Christoph Gernand über die 200m-Distanz mit einem fünften Rang. Alexander Fugmann (2)

41


LEIPZIG SPORT

Brasilianer unter den Radiomachern Leipziger Sportstudent bei erstem Fußball-Radio „90elf“

Seit vorigem Sommer gibt es wieder Bundesliga-Fußball aus Leipzig: nicht zu sehen, sondern zu hören, nicht im Stadion, sondern im Studio. Am 13. August startete Deutschlands erstes reines Fußball-Radio „90elf“. Mit dem Abschluss der Saison 2008/09 endete auch das Debüt des jungen Senders. Trotz stetig steigender Nutzer- und Zuhörerzahlen bleibt abzuwarten, ob sich das Projekt langfristig etablieren wird.

B

eim offiziellen Sendestart verliest der Nachrichtensprecher die erste und wichtigste Meldung des Tages: „Deutschlands erstes FußballRadio startet.“ Das ist selbstbewusst. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er mit den markigen Worten fortsetzt: „Ich bin Ibenhain.“ Ibenhain, so werden thüringische Heimatkundler richtig anmerken, ist doch ein Ort. Also quasi „Du bist Deutschland, Ich bin Ibenhain“? Nicht ganz, denn Ibenhain, der eigentlich Alexander Fabian heißt, hat einen ganz pragmatischen Grund, sich so vorzustellen: „Wir sprechen uns auf Sendung mit Nachnamen an. Und Fabian passte da einfach nicht“, erzählt der radioerfahrene Student und Volontär, wie er zu seinem neuen Namen kam, „naja, und dann sollte ich mir von Anfang an lieber einen neuen, am besten markanten Namen suchen. Ibenhain ist ein Ortsteil meiner Heimatstadt Waltershausen. Ich dachte, das passt recht gut.“ Als Alexander Fabian besucht der 25-jährige Magister-Student (Sport, Journalistik und Philosophie) vormittags einen Surf- und Kanu-Kurs, bevor er nachmittags seine Identität wechselt und im Sender arbeitet, wo er dann unter anderem die alle fünfzehn Minuten laufenden Fußball-Nachrichten spricht. Seine Spielzeit ist so schon recht hoch, doch seit der Rückrunde dribbelt er auch noch auf dem „Bolzplatz“: Drei Mal pro Woche moderiert er zusammen mit dem zweiten Volontär, Markus Herwig, die Sendung. Drei Stunden sprechen sie dann in der Live-Show über Fußball.

42

Ibenhain gefällt nicht nur der Doppelpass mit seinem Kollegen, sondern auch das Zusammenspiel mit den Zuhörern: „Wir nutzen sämtliche Kommunikationswege. Neben den Anrufen aus Deutschland kriegen wir auch mal E-Mails von deutschen Hörern in Schottland, Thailand oder Uruguay. Das ist ja das Tolle am Internet-Radio.“ Von den Möglichkeiten dieses Mediums ist nicht nur Ibenhain angetan. Auch die Regiocast-Gruppe, einer der größten Radiokonzerne Deutschlands, setzt auf die Prophezeiung Internet. So gründete die Gruppe das Tochterunternehmen Regiocast digital und investierte viel Geld in den neuen Sender; kaufte die AudioRechte für die 1. und 2. Fußball-Bundesliga, baute ein neues Studio in Leipzig und schlug kräftig auf dem Transfermarkt zu. So kamen neben Ibenhain, der zuvor vier Jahre Redakteur beim Leipziger Universitäts-Radio „mephisto 97.6“ sowie ein halbes Jahr bei „r.sa“ war, eher arrivierte Radio-Kommentatoren nach Leipzig, allen voran „die Stimme Frankens“: Günter Koch. Aber auch Chefredakteur Fabian von Wachsmann, Stadionsprecher bei Hertha BSC Berlin, oder Chefreporter Thomas Hilgers dürften vielen Radio-Fußball-Fans bekannt sein.

„Dann sollte ich mir von Anfang an lieber einen neuen, am besten markanten Namen suchen“ Projektleiter Christoph Kruse von der Regiocast digital erzählt, dass der erste Arbeitstag für das strategische Team bereits im September 2007 stattfand. „Alles, was wir da hatten, waren die Rechte und die Idee, ein massenattraktives Nischenprogramm aufzubauen“, erzählt Kruse, wie das Talent des fußball-spezifischen InternetRadios gesichtet wurde. Für den Mutterkonzern Regiocast spielten auch Marketinggründe eine wichtige Rolle. Das Zielpublikum ist sehr genau definiert: jung, männlich, online und vor allem fußball-interessiert. Werbung kann so zielge-


LEIPZIG SPORT richtet eingesetzt werden. Der Sender will das den. Und auch die Rechte, von der Deutschen bundesweite Fußball-Publikum ansprechen. Das Fußball-Liga (DFL) vergeben, werden mit wachTeam lotet dazu zunehmend neue Verbreitungs- senden Nutzerzahlen sicher nicht billiger. Über wege aus: weg vom einfachen Internetstream, die genauen Vertragsinhalte und vor allem die fihin zu mobilen Angeboten; etwa einer iPhone- nanzielle Dimension der rechtlichen AbmachunApplication oder dem Empfängergerät Noxon gen – im Raum steht ein mittlerer sechsstelliger der Firma TerraTec. Zudem laufen erste Tests Betrag – wird bisher auf allen Seiten geschwiegen. mit Autoradios in Zusammenarbeit mit einem Zumal hinter den Kulissen noch über die Rechgroßen Elektro- und einem noch größeren Auto- te für die neue Saison verhandelt wird, zunächst Hersteller. weiterhin nur über die der 1. und 2. FußballObwohl „90elf“ unter der Woche nonstop Bundesliga. Darüber hinaus versuchen Kruse sendet, bilden die Bundesliga-Spieltage das und Co. aber auch, Rechte für den DFB-Pokal Kerngeschäft des Senders. Hier können die Nut- oder die neu geschaffene Europa League (ehezer zwischen einzelnen Spielen und der Konfe- mals Uefa-Cup) einzukaufen, um das Angebot renz wählen. Im Laufe der Premierensaison ist auch unter der Woche zu optimieren. „Bei uns die Aufbauarbeit durchaus gelungen: waren es findet Fußball ja immer statt. Auch Länderspiele im ersten Halbjahr noch 125.000 Zuhörer pro oder die Champions League laufen bei uns, nur Spieltag, stieg die Zahl der Nutzer bereits zum dann halt nicht live kommentiert“, erklärt ChefRückrundenstart imredakteur Fabian von mens an. Da waren Wachsmann. es schon doppelt so Trotzdem bleibt viele Hörer. Später abzuwarten, inwiewurden im Wochenfern sich „90elf“ als Rhythmus neue NutAlternative in der zerrekorde aufgestellt, multimedialen Fußbis schließlich beim ball-Welt etablieren Saisonendspurt mehr kann. Mit der aufgeals 600.000 Höbauten Hörerschaft rer dem Geschehen geht es nun jedenfalls auf den Plätzen der darum, den Sender Fußball-Bundesliga zu etablieren und irVokaler Dribbelkünstler: Alexander Fabian alias Alex Ibenlauschten. Und das hain kommentiert gestenreich vor dem Mikro. Foto: John Hennig gendwann gar rentabel bei etablierten Alterzu machen. Nach wie nativen im Fernsehen (Premiere) und Hörfunk vor fällt es schwer mit Online-Projekten Gewin(ARD). Belebt wird diese Konkurrenz dadurch, ne zu erwirtschaften. So war zuletzt zu lesen, dass dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten durch man sich bei „90elf“ durchaus vorstellen könnte, die letzte Änderung des Rundfunkstaatsvertrags in Zukunft teilweise kostenpflichtig zu werden. dazu verpflichtet wurden, ihr Online-Angebot zu Auch Alex Ibenhain hofft, dass sich „90elf“ irbegrenzen. So können ihre Sender den finanzi- gendwann rentiert: „Ich würde hier auch gerne ellen Wettbewerbsvorteil im Segment „Online“ nach dem Volontariat weiter machen. Es ist der nicht mehr ausspielen. „Ansonsten könnte die perfekte Sender für mich, gerade mit der MiARD das, was wir jetzt machen, sicher auch rea- schung aus Fußball und Medien.“ Mit dem Verlisieren“, so Kruse, „aber so ist es doch ein recht lauf seines ersten von zwei Jahren als Volontär ist fairer Wettbewerb und den sehen wir sportlich.“ er mehr als zufrieden: „Ich bin ja quasi immer zu Vor allem Premiere, deren Bilder die Kom- hören.“ Mittlerweile überlegt er sogar, den Namentatoren von „90elf“ nutzen dürfen, wird men richtig anzunehmen, damit dann auch der sich seine Kooperation in Zukunft sicher besser Personalausweis bestätigt: „Ich bin Ibenhain.“ bezahlen lassen, sollte „90elf“ erfolgreich wer- John Hennig

43


LEIPZIG SPORT

„Die Grupper war eins“

Leipziger Sportstudent läuft von Prag nach Leipzig Dreihundert Kilometer liefen Studierende, Mitarbeiter und Ehemalige der Karls-Universität Prag und der Universität Leipzig Anfang Juni. Der Lauf sollte im Jubiläumsjahr der Uni Leipzig an den Auszug aus Prag und die Gründung der Alma Mater Lipsiensis vor 600 Jahren erinnern. Der SPORTAKUS sprach mit Benjamin Hößelbarth, Sportstudent im 4. Semester, der alle fünf Tagesetappen durchhielt und den Zieleinlauf in Leipzig erlebte. Benjamin, wie bist du dazu gekommen beim PragLeipzig-Lauf teilzunehmen? Ich hatte im Internet von Projekten zur 600-JahrFeier der Uni mitbekommen, die mich alle nicht sonderlich interessierten. Dann bin ich eines Tages am Raum des Fachschaftsrats vorbei gegangen und hab so einen Zettel abgerissen: „Für Laufinteressierte“. Ich fand die Idee geil und dachte: Als Sportstudent kann ich ja mal mitmachen. Von 130 Bewerbern wurden dann 30 ausgesucht. Es ging darum ein Tempo konsequent durchzulaufen. Deshalb musste man eine Halbmarathonzeit von unter zwei Stunden haben.

In der Gruppe besonders stark: Benjamin Hößelbarth hielt durch - 300 km in fünf Tagen. Foto: Lars Lindemann

Wie war die Vorbereitung auf den Lauf organisiert? Sehr gut. Erstes Trainingsziel war der Leipziger Halbmarathon. In der Vorbereitung hatte jeder

44

die Möglichkeit ein Laufseminar zu besuchen. Dort hab ich mir einen Laufplan geben lassen und auf mich angepasst. Danach gab es drei geleitete Trainingseinheiten pro Woche. Außerdem verschiedene Vorbereitungsläufe, zum Beispiel den Fockeberg-Lauf. Weil ich viel mit der Uni und anderem Training zu tun hatte, war ich wenig bei den Lauf-Treffs. Trotzdem bin ich zu Hochzeiten 70 bis 90 Kilometer in der Woche gelaufen. Einer der Sponsoren medizinische Tests mit uns durchgeführt, unter anderem ein Belastungs-EKG und einen Laktattest. Wie war euer ganz normaler Tagesablauf während der fünf Tage des Laufs? Einen ganz normalen Tag gab es nicht. Einer der Betreuer hat einmal gesagt: „Ihr sollt nur laufen. Um den Rest müsst ihr euch keine Sorgen machen.“ Ein Lob an die Organisatoren. Der Tag war von früh bis spät durchgeplant. Eigentlich bin ich kein Ausdauersportler gewesen, aber mit der Motivation der Gruppe hab ich es immer geschafft. Obwohl wir manchmal wenig geschlafen und auch mal ein Bier getrunken haben, war die Euphorie so groß, dass man durchgelaufen ist und dabei gesungen oder gequatscht hat. Die Gruppe war eins. Alle waren Läufer. Abends gab es in jeder Stadt einen Empfang mit Bankett. Was hast du persönlich beim Zieleinlauf in Leipzig empfunden? Es war einfach nur mega. Es war das Ziel was man erreichen wollte. Das Stadtfest hat die ganze Sache nochmal versüßt, weil die Euphorie einfach übergeschwappt ist. Schön war, wie viele Leute Einen unterstützen wollten. Ich war froh, wieder in Leipzig zu sein. Man hatte so ein befreiendes Gefühl, aber auch ein trauriges, weil die Reise zu Ende war. Jetzt musste man sich wieder einen Kopf machen, wie man sich den nächsten Tag einteilt. Interview: Lars Lindemann


TERMINE

Sportkalender

...von Eula bis nach Wernigerode

Juli 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

August

Sommeruniversade: (1.-12., Belgrad/SER)

1 Radsport: Clasica San Sebastian

Basketball: U19-WM (m) (2.-12.Aukland/NZL) Leichtathletik: Golden League (Oslo/SWE)

2 Motorsport: Tourenwagen-WM

Leichtathletik: DM (4./5., Ulm) Radsport: Tour de France (4.-26., FRA) Hockey: 4-Nationen-Cup (5.-7.,Bremen) Schwimmen: US-Trials (7.-11., USA) Radsport: DM Bahn (8.-12., Erfurt) Minigolf: DM (9.-11., Künzell) Leichtathletik: Golden Gala (Rom/ITA) Hockey: DM Herren (11.-12., Mannheim) Formel 1: GP von GER (Hockenheim) Tennis: ATP-Turnier (13.-19., Stuttgart)

World Games: (16.-16.7., Kaohsiung TPE) Leichtathletik: Meeting Gaze de France (San Denis/FRA) 18 Schwimmen: WM (18.7. - 2.8. Rom/ITA)

(ESP)

(Oschers-

leben/Sachsen-Anhalt)

7 Fußball: Bundesliga 1. Spieltag 8 Triathlon: Langdistanz-EM (Prag/CZE) 11 Mod. Fünfkampf: WM (11.-19.8. London/GB) 15 Leichtathletik: WM (15.-23.8. Berlin)

16 Orientierungslauf: WM (Miskolc/UNG) 23 Rudern: WM (23.-30.8 Poznan/POL) 23 Fußball: WM Damen (23.8-12.9. Finnland) 26 Judo: WM (23.-30.8 Rotterdam/NED)

August/September 19 Motorrad: GP auf dem Sachsenring 20 Tennis: ATP-Turnier (20.-26. Hamburg) 21 22 Radsport: Sachsentour (22.-26.7.) 23 24 25 Judo: German Open (25./26.Sindelfingen) 26 27 28 29 - 31

29 Radsport: Vuelta Rundfahrt (29.-20.9. ESP) 31 Tennis: US Open (31.8.-13.9. New York/USA)

3 Volleyball: WM (3.-13.9. Türkei) 15 Fußball: Champions-League Gruppenphase 1. Runde 20 Leichtathletik: Berlin-Marathon

45


ABSOLVENT

„Leipzig ist meine zweite Heimat“

Katharina Ditschke über Uni, Sport und was daraus enstehen kann Katharina Ditschke studierte bis vor zwei Jahren an der Uni Leipzig und ist heute Redakteurin bei einem bekannten Fernsehformat. Der SPORTAKUS fand heraus, was die gebürtige Rheinländerin dazu bewogen hat, im weit entfernten Leipzig zu studieren und welche Rolle der Sport heute in ihrem Leben spielt. Wo kommst du ursprünglich her und warum bist du nach Leipzig gekommen? Aufgewachsen bin ich im Rheinland, in der Nähe von Düsseldorf. Allerdings habe ich mein Abitur in Karlsruhe gemacht, weil meine Eltern damals aus beruflichen Gründen umziehen mussten. Für Leipzig habe ich mich in erster Linie wegen des Studiums entschieden, in zweiter Linie wegen des Sports und meiner großen Leidenschaft zum Basketball. Außerdem war ich bereits vor dem Abitur schon einmal in Leipzig und die Stadt hat mir damals bereits gut gefallen. Mittlerweile ist sie zu meiner zweiten Heimat geworden. Wann hast du in Leipzig studiert und welche Fächer hast du belegt? Ich habe zunächst ab dem WS 2000/01 Politikwissenschaft auf Diplom studiert, habe dann aber gemerkt, dass mir meine Nebenfächer BWL und Jura einfach nicht liegen. 2001 habe ich mich deshalb für einen Magisterstudiengang entschieden: Hauptfach Politikwissenschaft, erstes Nebenfach Sport mit dem Schwerpunkt „Sport und Medien“ und im zweiten Nebenfach habe ich Journalistik belegt. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Mein Auslandssemester verbrachte ich dann 2003 in Melbourne/ Australien. Wie verlief deine Karriere nach der Zeit an der Uni? Nach dem Studium habe ich ein Volontariat gesucht. In dieser Zeit arbeitete ich als Group Fitness Instructor und gab diverse Kurse, wie zum Beispiel Indoor Cycling in mehreren Leipziger Fitness-Studios. Die jeweiligen Lizenzen

46

Katharina Ditschke

hatte ich bereits während des Studiums erworben. Einige Monate später begann ich ein 18-monatiges Redaktions-Volontariat bei einer TV-Produktions-Firma in Kassel und habe dort unter anderem Beiträge für WISO oder ZDF.reporter gemacht.

Foto: Monique Pucher

Und wo arbeitest du heute? Ich arbeite seit Februar dieses Jahres als Redakteurin bei einer privaten Fernsehproduktionsfirma. Wir produzieren „Escher der MDR-Ratgeber“. Ich war wirklich glücklich, wieder nach Leipzig zurück kehren zu können. Bist du selbst noch sportlich aktiv? Mein absoluter Lieblingssport ist Basketball. Ich wurde als 13- Jährige über eine Schul-AG gesichtet und komme seitdem nicht mehr davon los. Zur Zeit spiele ich in der Oberliga beim TSG Markkleeberg. Neben Basketball trainiere ich aber auch für den einen oder anderen Triathlon. Also bleibt Sport ein wichtiger Faktor in deinem deinem Leben und Alltag? Ich liebe Sport und brauche ihn als Ausgleich zu meinem Job. Wenn es die Arbeit zulässt, trainiere ich täglich. Was sind deine Wünsche für die Zukunft? Beruflich möchte ich mich natürlich als Redakteurin etablieren und viele spannende Erfahrungen sammeln. Für mich selbst, wünsche ich mir, dass ich gesund und verletzungsfrei bleibe und den Hamburg Triathlon im Juli mit einem guten Resultat zu meistern. Gespräch: Monique Pucher


Spaghetti bolognese Nicht alles, was aus Bologna kommt, sorgt für Unwohlsein Zutaten Für 6 Personen

200 g Zwiebeln, 3 Knoblauchzehen, 250 g Staudensellerie, 300 g Möhren, 3 El Olivenöl, 500 g gemischtes Hack 1 Bund gehackte glatte Petersilie, 2 El Tomatenmark 125 ml Brühe, 1 Dose Tomaten (800 g EW) 125 ml Weißwein, Salz, Pfeffer, 500 g Spaghetti Parmesan zum Bestreuen 1. Zwiebeln würfeln, Knoblauch durch eine Presse drücken. Sellerie und Möhren putzen und in 1/2 cm große Würfel schneiden. 2. Öl in einem schweren Topf erhitzen, Gemüse darin unter Rühren 5 Min. dünsten. Hack und Petersilie dazugeben und 2 weitere Min. unter Rühren dünsten. Tomatenmark unterrühren, Brühe angießen und fast vollständig einkochen lassen. 3. Die Tomaten in der Dose etwas zerdrücken. Tomaten mit Saft, Weißwein und 1/4 l Wasser zum Fleisch geben. Bei milder Hitze etwa 1 1/2 Std. unter mehrmaligem Rühren bei leicht geöffnetem Deckel und milder Hitze kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. 4. Die Spaghetti nach Packungsanweisung kochen, abgießen und mit der Bolognese und Parmesan servieren.

Foto: ESSEN UND TRINKEN FÜR JEDEN TAG / Matthias Haupt


SPORTAKUS  

Ausgabe 03 / 10. Jahrgang 2009

Advertisement
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you