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Titelthema

27. Juli 2011

DU BIST, WAS DU ISST Eine kulinarische Weltreise Ein Gedicht für die Schokolade Essgewohnheiten von Studenten Das Leben als Vegetarierin Selbstversuch mit Omas Kochbuch Über Generationenunterschiede

Der leere Blick in den eigenen Kühlschrank Vergleich dreier Zubereitungswege

S P E CI AL

" N u r n och ku rz d i e We l t re tte n " Interview mit dem NewcomerSänger Tim Bendzko


Liebe LeserInnen, "Was soll ich heute essen?", diese Frage steht im Mittelpunkt des Titelthemas "Du bist, was du isst". Dabei begibt sich Ronja Heintzsch zunächst auf eine kulinarische Weltreise. In einem Kommentar schreibt Christina Hubmann über Studierende und ihre ungesunden Essgewohnheiten. Martina Gewehr widmet sich in einem Gedicht der geliebten Schokolade. Die Generationenunterschiede in Sachen Ernährung hat Franziska Mayer zusammengetragen. Über ihre eigene Entscheidung gegen Fleisch schreibt Miriam Gräf. Regina G. Gruse wagt einen Selbstversuch mit Omas Kochbuch. Die quälende Suche nach geeigneter Verpflegung im eigenen Kühlschrank kommentiert Julia Radgen. Schließlich schreibt Lisa Brüßler einen Brief aus der Küche und vergleicht drei unterschiedliche Zubereitungswege. Im Special stellen wir einen besonderen Artikel der vergangenen beiden Wochen bei back view vor - außerhalb des Titelthemas. In dieser Ausgabe hat Christina Hubmann den Newcomer Tim Bendzko vor, der als Singer-Songwriter gerade die Charts stürmt. Viel Spaß beim Lesen!

back view im Rückblick Titelthema vom 1 3. Juli 2011 :

"MEIN LETZTER TAG AUF ERDEN"


Inhalt Seite 02: E ssg e woh n h e i te n i n a n d e re n Lä n d e rn Eine kulinarische Weltreise von Ronja Heintzsch

Seite 05: S ch okol a d e : Li e b e fü rs Le b e n Eine poetische Annäherung von Martina Gewehr

Seite 06: Ti e fkü h l p i zza u n d Kn ä cke b rot

Ein etwas überspitzter Kommentar zu dem Studieren und Essen von Christina Hubmann

Seite 08: E i n e E n tsch e i d u n g g e g e n d a s F l e i sch Das Leben als Vegetarierin von Miriam Gräf

Seite 09: D i n n e r for on e

Kommentar: Selbstversuch mit Omas Kochbuch von Regina G. Gruse

Seite 1 0: E sse n wi e b e i M a m a

Wie sich unser Essverhalten mit den Generationen verändert von Franziska Mayer

Seite 1 2: D i e g roße F ra g e vor d e m Kü h l sch ra n k Kommentar über die tägliche Nahrungssuche von Julia Radgen

Seite 1 4: E i n B ri e f a u s d e r Kü ch e

Exklusiveinblick der anderen Art von Lisa Brüßler

SPECIAL

Seite 1 6: " S o wi e d i e S on g s kom m e n , so we rd e n si e g e sch ri e b e n " Sänger und Songwriter Tim Bendzko im Interview von Christina Hubmann

Seite 1 9: I m p re ssu m

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E ssg e woh n h e i te n i n a n d e re n Lä n d e rn v o n R o n j a H e i n tz s c h

E i n ku l i n a ri sch e r We l tb l i ck

Ob wir es wollen oder nicht - wir Deutschen werden zwangsläufig mit Sauerkraut, Weißwurst und Schnitzel in Verbindung gebracht. Dönerläden und McDonald‘s geben uns leider wenig Auskunft über die Essensgewohnheiten in anderen Ländern. Deshalb stellt back view die kulinarischen Vorlieben dieser Welt vor.

Span i en

In Spanien verzehrt man vorrangig Fisch, Eintöpfe mit Bohnen oder Kichererbsen sowie Reis. Das Frühstück, desayuno, fällt im Gegensatz zum Mittag- (comida) und Abendessen (cena) recht spärlich aus. Auf dem Weg zur Arbeit lässt sich schnell ein Kaffee trinken, wobei man an besonderen Tagen churros con chocolate, eine frittierte Teigstange mit heißer Schokolade, isst. Erst, wenn in Spanien die Sonne nachlässt, können die Spanier gegen Nachmittag beziehungsweise am späten Abend das Essen aufdecken. Hierzu gehört im ersten Gang beispielsweise eine Paella, ein typisch valenzianisches Gericht, das mit Reis, Fleisch, Gemüse und Bohnen zubereitet wird. Hierzulande sind vor allem Tapas-Bars bekannt und beliebt. Die Tapas, das spanische Finger-Food, reichen von frittierten Tintenfischringen bis hin zu Weißbrot mit Serrano-Schinken.

S ch we d e n

In Schweden isst man genauso heimelig wie im IKEA-Katalog. Zum Frühstück, frukost, mischt man sich Haferflocken mit Buttermilch und Früchten, die dort nach dem „Jedermannsrecht" überall gepflückt werden dürfen. Oder man isst schlicht ein Knäckebrot. Das Mittagessen ist danach tatsächlich wie im IKEA-Restaurant: kleine Fleischklößchen, köttbullar, werden mit Kartoffeln und Preiselbeeren serviert. Schwedens Küche verfügt größtenteils über deftige Hausmannskost, viele Lebensmittel werden selber hergestellt und orientieren sich vor allem an den kalten Wintermonaten.

Afri ka

Charakteristisch für die nordafrikanische Küche, die Tunesien, Algerien und Marokko umfasst, ist die Verwendung von Kreuzkümmel in vielerlei Gerichten. Dazu zählen beispielsweise die Sferia, ein Geflügelgericht mit Kichererbsen, die Hammelfleischsuppe Chobra, oder Tabbouleh, ein Gericht bestehend aus Hähnchenfilet und Gemüse. Am berühmtesten ist wohl der Couscous, der aus Grieß hergestellt und anschließend mit Gemüse und Fleisch serviert wird. Weiter südwestlich, in Ghana zum Beispiel, kommt hingegen sehr oft Kelewele auf den Tisch. Die beliebte Vorspeise besteht aus frittierten Kochbananen, die in kleinen Würfeln und stark gewürzt gegessen wird. Als Hauptgericht wird Joloffreis mit Gemüse und Fleisch gegessen. Beliebte Nahrungsmittel sind zum Beispiel Omotuo, Reisknödel, die mit Erdnusssoße gereicht werden, oder Banku, Maisknödel.

U SA

Dass übergewichtige Amerikaner überzuckerte Getränke, Chipstüten und Hamburger-Zutaten aus dem Supermarkt schleppen, ist wohl ein weit verbreitetes Vorurteil, dass sich ebenso hartnäckig hält wie jenes, das besagt, die "Amis" ernährten sich nur von Fast Food. Tatsächlich verstecken sich viele Kohlenhydrat-Bomben in der US-amerikanischen Küche, wie es sie jedoch auch anderswo zu finden gibt. Das reichhaltige Frühstück besteht oft aus Pancakes, dicken Pfannkuchen, mit Ahornsirup oder Toast mit Erdnussbutter. Zum Mittagessen bereitet man -> Seite 3

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allerdings der Nationalität entsprechend etwas Eigenes zu. Somit ist die Tex-Mex-Küche (TexasMexiko) stark ausgeprägt, es gibt viele asiatische Restaurants, europäische Elemente in den Gerichten und populäres Essen wie den ursprünglich jüdischen Bagel. Jeder kocht auf seine Art und gibt seine eigenen Zutaten in den riesigen melting pot. Beliebt sind vor allem Süßkartoffeln oder ein Barbecue. Zum traditionellen Thanksgiving (Erntedank) wird ein Truthahn, turkey, sowie pumpkin pie (Kürbiskuchen) zubereitet. In den Südstaaten zählt man chicken wings und spare ribs zu den bevorzugten Gerichten und fried chicken aus Kentucky dürfte weltweit vielen ein Begriff sein. Die Südstaatenküche ist es tatsächlich, die der US-amerikanischen Ernährung ihren schlechten Ruf gibt. Trotzdem sollten wir glücklich sein über die Brownies und das Popcorn, das die USA auch uns in Europa bescheren.

B ra si l i e n

Die Küche Brasiliens ist sowohl von portugiesischen als auch von indianischen Einflüssen geprägt. Moqueca basiert beispielsweise auf dem portugiesischen Fischeintopf Peixada. Man isst vorwiegend Fisch und Fleisch und verfeinert Gerichte mit Palmöl oder Kokosmilch. Das brasilianische Nationalgericht ist die Feijoada, die mit schwarzen Bohnen, Trockenfleisch, Nelken und weiteren Gewürzen zubereitet und anschließend mit Reis und Orangenscheiben serviert wird.

P e ru

Die peruanische Küche, geprägt von den Inka, Spanien und Portugal, besteht vorwiegend aus Mais, Kartoffeln und Fleisch. Neben Schweine- und Rinderfleisch wird jedoch auch das Fleisch der Lamas oder Meerschweine verzehrt. Anticuchos, marinierte Rinderherzen, oder Cuy chactado, ein Meerschwein, dessen ganzer Körper mit Kartoffeln serviert wird, sind keine Seltenheit und werden von den Peruanern gern gegessen. Ein wesentlich harmloseres Gericht sind Papas a la Huancaína, Kartoffeln mit Salat, Käsesauce und Oliven. Auch ceviche, ein Salat mit Meeresfrüchten, ist mittlerweile weit verbreitet.

J apan

In Japan wird als Grundbasis immer einheimischer Reis serviert, hierzu kommen Fisch und Meeresfrüchte. Das allseits bekannte Sushi besteht aus rohem Fisch, Reis und Seetang, der die kleinen Portionen zusammenhält. Seitdem 1 873 der Verzehr von Fleisch durch den Kaiser gestattet wurde, isst man auch häufig sukiyaki, einen Eintopf aus Rindfleisch, Tofu, Gemüse, Pilzen und Sojasauce. Weit verbreitet war in der Vergangenheit auch der Verzehr von Walfleisch, das man heute allerdings eher meidet.

H a wa i i

Wer kennt nicht das Toast Hawaii? Doch, wenn dieser schnelle Sommersnack von einer Insel nicht stammt, dann ist es Hawaii. Vermutlich erfand ein deutscher Fernsehkoch in den 1 950er Jahren das überbackene Toast und benannte es aufgrund der Verwendung von Ananas, die in Hawaii überall angebaut wird, nach dem Inselstaat. Wer einen Fuß auf eine der Inseln setzt, wird selbstverständlich nicht mit einem Toast Hawaii verköstigt. Dafür veranstalten die Bewohner regelmäßig das traditionelle Lūʻau, ein Fest bei dem gemeinsam unter freiem Himmel gekocht und gegessen wird. Für diese Feste bereitet man in Erdgruben mit heißen Steinen und eingewickelt in Bananenblätter das kalua pig zu. Ebenfalls serviert wird zu solchen Festen der Lomi Lomi Salmon, ein Salat mit Lachs und Tomaten und haupia, ein Kokosnusspudding. #

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S ch okol a d e : Li e b e fü rs Le b e n von M a rti n a G e we h r

E i n e p oe ti sch e An n ä h ru n g Schokolade tut gut. Ob schwarz, ob weiß oder tief braun - Schokolade macht glücklich. Egal, ob bei Regen oder Sonnenschein, was wäre ein Leben ohne Schokolade? Für back view-Autorin Martina Gewehr ist es deshalb an der Zeit, ihr ein Gedicht zu widmen. Warum brauchen wir sie so sehr? Aufhören fällt so schrecklich schwer! Sie ist weich und zart und himmlisch fein, ich mag sie groß und rund und auch mal klein. Ohne sie wäre es so schwer, keine Geduld, kein Trost, keinen Genuss gäb' es mehr. Daher bin ich voller Glück, wenn ich sie abbeiß' Stück für Stück. Denn dann geht's los in meinen Sinnen, ich kann mich dem dann gar nicht entrinnen. Mein Herz klopft laut - die Augen geh‘n zu in meinem Mund verschmilzt alles im Nu. Die Hormone spielen verrückt, und ich hab noch nicht mal die ganze Tafel verdrückt. Serotonin und Phenylethylamin Anandamid, das ist der Hit! Und wenn ich ein Stück hinuntergeschluckt, mein Auge gierig auf den Rest noch guckt. Ich freue mich mit jedem Bissen mehr, doch auf einmal, ist die Tafel leer. Was war das nur? Was ist da passiert? Ich gucke mich um, bin ganz geniert. Was da vor einigen Minuten noch lag, trag ich in meinem Bauch nun den ganzen Tag. Und immer und immer wieder tue ich das; versteh nicht, warum ich die Finger nicht davon lass'. Doch was es auch sein mag, das süchtig mich macht, mein Herz bei Schokolade einfach lacht.

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Ti e fkü h l p i zza u n d Kn ä cke b rot von Ch ri sti n a H u b m a n n

E i n e twa s ü b e rsp i tzte r Kom m e n ta r zu m S tu d i e re n u n d E sse n

Mikrowelle und Wasserkocher - was braucht man sonst, um satt zu werden? Studenten neigen dazu, alle Ernährungstipps die sie jemals von Mutti auf ihren Weg in die Selbstständigkeit mitbekommen haben, über den Haufen zu werfen. Hauptsache das Essen ist billig, schnell zubereitet und sättigend. Sich im Alltag ein bisschen mehr Gedanken um das Thema Nahrungsaufnahme zu machen, wäre aber nicht verkehrt. Vor ein paar Jahren begann mein Sonntagmorgen noch so: Ich wachte gegen elf Uhr auf und eine Stunde später stand ein leckerer Braten auf dem Tisch. Mittlerweile bin ich Studentin. Jetzt sieht das Ganze ein bisschen anders aus: Ich wache zwar nach wie vor gegen elf Uhr auf. Aber heute stelle ich eine Stunde später fest, dass schon wieder Sonntag ist - wieso sagt einem das auch Keiner vorher? Das bedeutet: Der Kühlschrank ist mal wieder leer. S ch n e l l m a l i n d i e N orm a Wie und wann isst eigentlich ein Student? Vielleicht ist es nur ein Klischee, dass sich Studenten hauptsächlich von Nudeln und Fertigsuppen ernähren, mag sein. Doch fest steht, dass sich kein Student so versorgen kann, wie er es vielleicht von früher, von familiären Festmahlen, gewöhnt ist. Mittlerweile gilt das Motto: So wenig wie notwendig, so viel wie möglich - wenig Aufwand und wenig Ausgaben, dafür aber hoher Ertrag. Um diesem Vorsatz treu zu bleiben, muss es der Student von heute eben auf sich nehmen, nicht nur in der Feinkostabteilung einzukaufen, sondern auch den Schritt zwischen die Regale der Fertigprodukte wagen. Er kann sich nicht jeden Abend beim Italiener ums Eck den Bauch voll schlagen, sondern muss einsehen, dass es auch manchmal reicht, heißes Wasser in eine Fünfminuten-Terrine zu füllen. Er kann sich nicht jeden Mittag zwei Stunden in die Küche stellen, um ein Lammcurry zu zaubern, sondern muss sich auch mal mit den gelben Tabletts in der Mensa anfreunden. Er kann sich nicht immer zwischen Vorlesung und Seminar auf dem Markt mit frischem Spargel eindecken, sondern muss auch mal zu dem Joghurt im Discounter greifen, der übrigens morgen sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet. Welcher Student vernichtet schon mal eben einen Sack Kartoffeln, wenn er nicht gerade in einer Zehner- WG lebt? Eben. Sich drei Tage hintereinander von den gleichen Zutaten - nur in einer anderen Variante - ernähren, klappt auch in der Mensa. Der Student von heute zeichnet sich dadurch aus, dass er flexibel ist. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass er auch keinen geregelten Alltag hat: Vorlesung um acht Uhr, eine halbe Stunde darauf im Drogeriemarkt Regale einräumen, Sprechstunde beim Professor um drei, Gruppenarbeitstreffen um halb vier, danach kurz eine Runde joggen, um acht das Feierabendbierchen , am Wochenende ab in den Zug, um zum Freund beziehungsweise der Freundin zu fahren. Wann hat ein Student da schon regelmäßig Zeit und vor allem Nerven dazu, sich mal eben in die Küche zu stellen, frisches Gemüse zu schnippeln und Toastbrot in Knödelform zu bringen? Und vor allem - wozu? Manchmal ist es eben erheblich leichter, sich mit Kommilitonen an der ->

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Caféteria zu treffen, als fünf Töpfe schmutzig zu machen. Es ist ja schon schwer genug, daheim nur die Sachen zu lagern, die nicht sofort das Schimmeln anfangen, sobald man sie drei Tage mal nicht anschaut, sprich: Tiefkühlpizza, Müsli und Knäckebrot. E s s e n u m d e s E s s e n s wi l l e n Manchmal tun es einfach Nudeln mit Soße, die man am besten während dem Fernsehen oder nebenbei beim Chatten am Laptop zu sich nimmt. Oder der Döner nachts um drei Uhr, wenn man nach dem Feiern den Heimweg antritt. Klar, das ist einfach, schmeckt und geht schnell. Aber das kleine Teufelchen auf der Schulter sollte zwischendurch auch mal eine Pause bekommen. Vielleicht sollte man sich immer wieder selbst ermahnen, sich ein bisschen mehr Gedanken um seine Ernährung zu machen. Essen nicht nur um den Hunger zu stillen, sondern Essen um des Essen willens. Ein bisschen gesund geht immer: Ein Salat ist auch zwischendurch mal gemacht, einen Apfel kann man auf dem Weg zum Fahrradkeller verdrücken und einen Gemüseauflauf kriegt jeder hin. Ein bisschen lecker geht immer: Freunde einladen, jeden etwas mitbringen lassen und schon hat man ein Menü gezaubert. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich vollwertig, aber preiswert zu ernähren - man blicke nur mal auf die zahlreichen Studentenkochbücher, die es auf dem Markt gibt und die mit vielen „easy-going-Rezepten" werben. Die Tiefkühlpizza kann man ja für schlechte Tage lagern und die Cornflakes schmecken auch noch nächste Woche. Und wer weiß, vielleicht lade ich meine Mutter diesen Sonntag mal zum Braten in meine WGKüche ein. Dann sollte ich allerdings vorher noch mal einkaufen gehen und ausnahmsweise vor elf Uhr aufstehen. # Seite 7

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E i n e E n ts c h e i d u n g g e g e n d a s F l e i s c h von M i ri a m G rä f

D a s Le b e n a l s Ve g e ta ri e ri n

Seit fast zwei Jahren esse ich kein Fleisch mehr. Die Entscheidung kam eher spontan, ohne großes Überlegen. Im Ethikunterricht haben wir darüber gesprochen. Irgendwie fand ich es schon immer nicht ganz richtig Tiere zu essen und ich fand es immer gut, Vegetarier zu sein. Fleisch habe ich aber bis dahin trotzdem noch gegessen. Erst die Diskussionen im Unterricht haben mich dazu gezwungen, mal ein bisschen über das Essen von Fleisch nachzudenken. Mein erstes Fazit war mein eigenes heuchlerisches Verhalten. Denn, ich fand es zwar gut, wenn sich Vegetarier für den Schutz der Tiere aussprachen, ich habe aber selbst trotzdem immer weiter alles gegessen. Also habe ich mich dazu entschlossen, es zumindest einmal ohne Fleisch auszuprobieren. Und so wurde ich doch noch zum echten Vegetarier. Ich bin keiner dieser Vegetarier, die denken, dass sie bessere Menschen sind oder, die meinen, andere bekehren zu müssen; diese Sorte Vegetarier habe ich immer schon gehasst. Kein Fleisch zu essen, ist meine eigene Sache, ich belästige damit niemanden und urteile schon gar nicht über Menschen, die Fleisch essen. Ich erwarte im Gegenzug aber auch, dass man meine Entscheidung respektiert. Das Kein-Fleisch-Essen hat auch für mich weniger etwas mit Verzicht oder Askese zu tun. Ich quäle mich damit nicht selbst und ich glaube, wenn ich wirklich Fleisch essen wollte, dann würde ich es auch tun. Anfangs hat mich eher der generelle Gedanke, dass Tiere essen „falsch" sei, dazu bewegt, das Fleisch wegzulassen. Das spielt zwar für mich heute noch eine Rolle, ist aber eher in den Hintergrund getreten. Viel mehr sind es mittlerweile die Haltungsweisen und Behandlungen von Tieren, die mich davon abhalten, deren Fleisch zu essen. Wenn man sieht, wie sich hunderte Tiere in einer dunklen, verdreckten Halle tot treten und, wenn man hört, wie viel Antibiotika und Hormone den Tieren zugeführt wird, dann will ich das nicht essen und vor allem diese Art der Tierhaltung nicht durch den Kauf unterstützen. Natürlich kann man jetzt sagen, man könne auch das Fleisch beim Bio-Bauern holen, aber dann kommt für mich die Frage, ob man Tiere überhaupt essen darf. Da gibt es Leute, die sagen, dass es so bestimmt sei von der Natur. Das sehe ich nicht so und finde auch, dass sich die, die das sagen das Ganze ein bisschen einfach machen. Ich sehe für mich keine Notwendigkeit, Tiere zu essen. Auch nach fast zwei Jahren ohne Fleisch lebe ich noch gesund und habe keine Mangelerscheinungen. Ich glaube dennoch nicht, dass es auf die Frage, ob man Tiere essen darf, eine eindeutige, allgemeingültige Antwort gibt. Klar, für mich lautet die Antwort erst mal "nein". Aber das ist eben meine persönliche Einschätzung, die ich niemandem aufzwinge. Ethisch gesehen ist der Verzehr von Fleisch eine Grauzone, aber aus Gründen von Massentierhaltung und nicht artgerechter Behandlung, entscheide ich mich ganz klar dagegen. Ich denke, man hat als Mensch die Wahl, was man isst. Diese sollte man nutzen. # Seite 8

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D i n n e r for on e von Re g i n a G . G ru se

Kom m e n ta r: E i n S e l b stve rsu ch m i t O m a s Koch b u ch

Das Essen in der Mensa ist nicht sehr beliebt. Doch gegen die Qualen des Selbst-Kochens scheint es eine gute Alternative zu sein. Oder kann sich das Kochen vielleicht doch lohnen? Kochbücher sind eine Last. Von Omas werden sie liebend gerne verschenkt, denn die Enkelkinder müssen ja schließlich richtig essen. Der Gedanke ist edel, aber die Umsetzung scheitert stets am inneren Schweinehund. Der Gang zur Mensa ist um einiges leichter, als der mühselige Weg an die eigenen Töpfe. Da hilft auch das beste Kochbuch nichts. Schon bevor es tatsächlich losgehen kann, steht man immer und immer wieder vor der Frage: Welches Gericht soll es sein? Das fällt aufgrund der großen Auswahl schon mal ziemlich schwer. Sicherheitshalber wird das Mahl mit der Überschrift „leicht und schnell" genommen. Doch schon zeigt sich das nächste Problem: Die nötigen Zutaten müssen eingekauft werden. Leider gibt es nicht einen einzigen Esslöffel Öl zu kaufen und so artet die Beschaffung der Zutaten in einen Großeinkauf aus. Tüten werden nach Hause geschleppt und die ursprüngliche Lust auf das Kochen ist schon längst wieder verflogen. Egal. Jetzt wird es auch durchgezogen. Schließlich stehen die Einkaufstüten nun auf dem Küchentisch. Und Oma würde heute Abend auch wieder jammern am Telefon, wenn von Mensaessen die Rede. Also wird das Kochbuch aufgeschlagen und die Zutaten angemischt. Dabei ist echtes Multitasking gefragt: Rezept lesen, in den Töpfen rühren und Gemüse schneiden. Der Stresspegel gleicht dem eines fünf-Sterne-Kochs zur Stoßzeit. Eine dreiviertel Stunde später liegt das Festmahl dann tatsächlich auf dem Teller. Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld: Töpfe und Geschirr stapeln sich. Die angebrannte Soße kocht noch vor sich hin. Von Verona Poots - ehemalige Feldbusch - entspanntem „Komm-mach-nochmal-Blub" ist keine Spur. Die Stimmung erreicht endgültig ihren Tiefpunkt, vor allem weil das Essen der Abbildung in Omas Kochbuch kein Stück gleicht. Die letzte Hoffnung ist und bleibt: der Geschmack. Die ganze Arbeit und der teure Großeinkauf müssen sich doch irgendwie gelohnt haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt - an einer Lebensmittelvergiftung. Das Gericht schmeckt angebrannt und eigenartig. Nach zwei Bissen gibt der Sterne-Koch Omas Traum auf, schnappt sich die Jacke und geht zum Essen aus. Nach dem Stress hat man sich eine ordentliche Mensa-Mahlzeit aber auch mehr als verdient. # Seite 9

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E s s e n wi e b e i M a m a von F ra n zi ska M a ye r

Wi e si ch u n se r E ssve rh a l te n m i t d e n G e n e ra ti on e n ve rä n d e rt

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahrhunderten hat sich im 20. und 21 . Jahrhundert das Essverhalten jeder Generation stark verändert. Von "gerade mal so viel, dass es zum Leben reicht", über die geringe Auswahl in der DDR bis hin zu den riesigen Kaufhallen heutzutage. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Essverhalten über die Generationen hinweg enorm verändert. Was haben uns unsere Eltern und Großeltern an Esskultur mitgegeben und wie essen die Menschen heute? Wie haben sich PETA-Werbung, EHEC-Epidemie und all die Zeitungsartikel und Fernsehsendungen, die uns vor Konservierungs- und Farbstoffen warnen, darauf ausgewirkt, was wir jeden Tag in unsere Einkaufskörbe legen? N a ch d e n We l tkri e g e n In der Nachkriegszeit gab es Fleisch nur am Anfang des Monats, wenn noch genügend Geld zur Verfügung war, Schokolade nur zu Weihnachten, Geburtstagen und, wenn ein Verwandter zu Besuch kam, der Leckereien mitbrachte. Nach zwei Weltkriegen schlugen sich die meisten Menschen eher durch, als dass sie im Luxus schwammen. Die Leute lernten damals, sich mit ihrer Situation zu arrangieren und zu improvisieren. Auch heute essen wir noch Gerichte, die aus genau diesen Notlagen hinaus entstanden sind, was vielen aber nicht mehr bewusst ist. Auch Steckrüben, Pastinaken etc. - seit den Kriegsjahren eher mit einem negativen Bild -> Seite 1 0

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behaftet, werden heute wiederentdeckt und von Köchen aus aller Welt verwendet. Und trotz aller Schwierigkeiten hatten die Menschen immer noch einen gewissen Stolz. Jonathan Safran Foer beschreibt in seinem Buch "Tiere essen", wie seine jüdische Großmutter sich gerade so auf der Flucht vor den Nazis ernähren konnte, aber sich weigerte, Schweinefleisch zu essen. Als er sie nach ihren Gründen dafür fragte, antwortete sie, dass es gegen ihre Religion wäre und "Wenn nichts mehr wichtig ist, ist nichts mehr da um es zu beschützen." (If nothing matters, there's nothing to save) D i e G e n e ra ti on u n se re r E l te rn Anders als vielleicht in der jüngsten Generation, haben unsere Eltern die Esskultur ihrer Eltern fast komplett übernommen. Hausmannskost und Gerichte aus der "alten Heimat" bei Einwanderern, nahmen den Großteil der täglichen Kost ein. Besonders merkt man das an unseren Vätern. Wer kennt das nicht, wenn vor allem die Männer auf dem Land in den kleinen Dörfern, sich mit dem Spruch unbeliebt machen: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Am liebsten soll die eigene Frau das kochen, was auch die Mutter ihrem kleinen Jungen schon gekocht hatte. Auch, wenn es meist immer wieder heißt: Also die Mama, die konnte das irgendwie besser. Und da soll Frau nicht böse auf die Schwiegermutter sein, die den Sohnemann vielleicht ein wenig zu sehr verhätschelt hat. Wenn man an das Essen in der DDR zurückdenkt, fallen einem meist halbleere Regale kurz vor Ladenschluss ein, die Notwendigkeit, sich mit dem Schlangestehen anzufreunden und ein immenser Mangel an Bananen. U n d h e u te ? Ganz im Gegensatz zur jüngsten Generation, denn den Kindern des 21 . Jahrhunderts stehen alle Möglichkeiten offen. Wenn man Hunger hat, reicht ein Griff in die Tiefkühltruhe oder zum Telefon. Egal ob Mexikanisch, Italienisch, Englisch, Indisch oder Japanisch. Essen aus jedem Land ist nur ein Ortsgespräch oder einen kurzen Spaziergang weit entfernt. Egal ob laktose-intolerant, gluten-allergisch, Vegetarier, Veganer oder nur Bio-Esser. Für jeden gibt es spezielle Produkte, die man nicht nur in einzelnen Reformhäusern findet, sondern in fast jedem Supermarkt. Aber bei all der Hektik im Alltag greifen viele trotzdem auf Fertigprodukte zurück anstatt selbst zu kochen. Schon der große Unterschiede zwischen jenen, die extrem darauf achten, was genau sie essen, wie es hergestellt und verarbeitet wurde und denjenigen, die essen was am Einfachsten zu machen und am Billigsten ist, lässt darauf schließen, dass auch jetzt unsere Entwicklung der Esskultur und Einstellung zum Essen noch keineswegs abgeschlossen oder endgültig ist. Aber auch, wenn unser Essverhalten sich mit der Zeit stark verändert hat, ist ein gemeinsames Essen immer noch dafür gut, als Familie oder unter Freunden zusammen zu kommen, Zeit zu verbringen und gemütlich zu reden. Das wird sich sicher nicht so schnell ändern. #

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D i e g roße F ra g e vor d e m Kü h l sch ra n k vo n J u l i a Ra d g e n

Kom m e n ta r ü b e r d i e tä g l i ch e N a h ru n g ssu ch e

Es sind Semesterferien. Das ist toll, denn trotz Hausarbeiten, Praktika oder Nebenjobs, kann man ausschlafen und sich die Zeit frei einteilen. Semesterferien bedeuten aber auch: Kein Essen in der Mensa mehr und ein weiterer Tag, an dem ich mir selbst die quälende Frage stelle: Was esse ich heute bloß? Er ist zur Gewohnheit geworden, zu einer unangenehmen: Der Gang an den Kühlschrank mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Als junger Mensch, der nicht mehr zuhause wohnt, muss man tagtäglich dafür sorgen, dass der eigene Magen gefüllt wird. Allerdings soll er nicht einfach nur gefüllt werden: Nein, abwechslungsreich soll die Kost sein, nicht zu teuer, vielleicht auch ein wenig gesund. Bei manchen kommen noch andere Auflagen wie fleischlos oder laktosefrei hinzu. Wer würde da nicht verzweifeln? Bei meiner Wenigkeit hat sich dieser Zustand auch nach drei Jahren eigenen Kühlschranks nicht gebessert. Die Ideenlosigkeit, was die Essenszubereitung angeht, ist geblieben, wenn sie sich nicht sogar gesteigert hat. Nicht besonders hilfreich ist noch dazu, dass ich eine totale Niete in der Küche bin, McDonalds verabscheue und es mein Finanzstatus nicht erlaubt, jeden Abend Döner oder Pizza zu bestellen. Zumeist ergibt es sich, dass ich einmal die Woche in der Uni-Mensa (die übrigens besser ist als ihr Ruf, sei an dieser Stelle mal angemerkt) speise, ab und an ergibt es sich auch, dass mit Freunden gekocht wird, oder noch besser, diese vor haben große Mengen zu kochen und mich mit durchfüttern. An manchen Tagen erlaubt es das Zeitmanagement nicht anders, dass ich mich nur „kalt", sprich von Broten, ernähre. Doch auch das ist nicht wirklich abwechslungsreich. ->

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27. Juli 2011


Alles in allem bleibt die große Frage bestehen: Was esse ich heute bloß? Ich bewundere meine Mitmenschen, die jeden Tag die Kreativität aufbringen, etwas Abwechslungsreiches, irgendwie Neues zu kochen. In meiner Küche wiederholen sich Gerichte, wie die wohl allseits bekannten, pfannenfertigen Schupfnudeln - so peinlich es ist - meist ein Mal pro Woche, natürlich dicht gefolgt von DEM Lieblingsgrundnahrungsmittel Nudeln, in allen Formen, Farben und Variationen. Abwechslung in der Küche ist ein Luxus und Ideenlosigkeit und hektischer Alltagsstress deren Betäubungsmittel. Und dabei ist Essen doch, wenn ihr mich fragt, eine der schönsten Sachen der Welt. Viele meiner Mitmenschen durchforsten auf der Suche nach eben jener Abwechslung und kulinarischen Inspiration Rezept-Websites auf der Suche nach neuen Anregungen - oder sie improvisieren einfach in der Küche. Doch auch diesbezüglich bin ich durch eine gewisse Faulheit und Ungeduld geprägt. Schnell muss es gehen, wenn ich abends nach Hause kommen oder mittags in einem ZweiStunden-Zeitfenster Etwas zwischen die Zähne bekommen will. Außerdem ist jedes Mal vor dem Kochen extra einkaufen nervig und zeitaufwendig. Aus Fertig-Kartoffelbrei, Reis und einer Dose Mais, und anderen tollen Dingen, die sich auf meinem Lebensmittelregal befinden, lässt sich nun wirklich von der besten Improvisations-Koch-Show nichts Schmackhaftes zaubern. Noch nicht mal den Milchreis könnte ich kochen, Milch ist zwar immer im Haus, aber für das Glas Kirschen oder eine sonstige Beilage müsste ich noch einmal in den Supermarkt, also: „Hm, nee...". Die ideale Lösung habe ich deshalb noch nicht gefunden. Immerhin schaue ich mir Gerichte von Freunden oder von seltenen Auswärts-Essen-Abenteuern ab. So gab es neulich für Freunde selbstgemachten süßen Flammkuchen mit Beeren und Schoko-Kouvertüre - in der Self-Made-Variante allerdings etwas matschig, sei hinzugefügt. Manchmal kommt sogar, woher auch immer, eine Inspiration und das, was ich in die Pfanne schmeiße, schmeckt richtig, richtig gut. Meistens ist es nämlich nur durchschnittlich, aber okay. Ich habe mich also damit abgefunden, dass beim täglichen Gang zum Kühlschrank meist ein großes Fragezeichen auf meiner Stirn prangt, wenn ich mich frage, was ich denn heute essen kann. Zum Glück bekommt man aber ab und an etwas von irgendwem gekocht und fährt ja auch mindestens zwei Mal im Jahr zu den Eltern, bei denen die Küche in aller Regel besser ist als die eigene. Und wenn alles nichts hilft, beginnt ja in wenigen Monaten wieder das neue Semester und man kann mindestens einen Tag der Woche in der Uni-Mensa speisen. Das Einzige was man sich dort fragen muss, ist praktischerweise, zu welcher Theke man geht. #

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27. Juli 2011


E i n B ri e f a u s d e r Kü ch e von Li sa B rü ßl e r

E xkl u si ve i n b l i ck d e r a n d e re n Art

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, doch wie unterschiedlich ist eigentlich die Essenszubereitung? Lisa Brüßler vergleicht einen Lieferservice, mit der Lebensmittelindustrie und ihre eigene Herangehensweise. Li e b e Le se ri n n e n u n d Le se r, ich melde mich heute mit einem Exklusiveinblick der etwas anderen Art: Bei meiner Arbeit in einem Pizzaservice, der sowohl ausliefert als auch die Möglichkeit zum Abholen der Bestellung anbietet, konnte ich einige Erfahrungen sammeln, die für unser Titelthema sicher interessant sind. Gleichzeitig habe ich mir exemplarisch das Gericht „Spaghetti alla Carbonara" ausgesucht, um einen Vergleich zwischen den Möglichkeiten „Lieferservice", der „Maggi- FixVariante" und der „selbst kochen-Lösung" zu ziehen. Das Gericht „Spaghetti Carbonara" mit Sahnesoße, Schinken und Eigelb kostet im typischen Lieferservice zwischen fünf und sieben Euro plus Anfahrtskosten des jeweiligen Bringdienstes. Der Faktor Zeit spielt hierbei eine wesentliche Rolle und die Qualität der Produkte wird immer vom Kostenpunkt aus betrachtet: Die Pasta wird im Großmarkt gekauft und vorgekocht. Ebenso der Schinken, von dem der preisgünstigste zur größten Mengenabgabe gewählt und dann über längere Zeiträume - zumeist unverschlossen- im Kühlhaus „geparkt" wird. Die Sahnesoße kommt aus Eimern und wird zusammen mit den restlichen Zutaten erwärmt, gemischt und dann wird das fertige Gericht in die Alugefäße geschüttet, die Sie dann vor sich haben. Ich habe mich also damit abgefunden, dass beim täglichen Gang zum Kühlschrank meist ein gro��es Fragezeichen auf meiner Stirn prangt, wenn ich mich frage, was ich denn heute essen kann. Zum Glück bekommt man aber ab und an etwas von irgendwem gekocht und fährt ja auch mindestens zwei Mal im Jahr zu den Eltern, bei denen die Küche in aller Regel besser ist als die eigene. Und wenn alles nichts hilft, beginnt ja in wenigen Monaten wieder das neue Semester und man kann mindestens einen Tag der Woche in der Uni-Mensa speisen. Das Einzige was man sich dort fragen muss, ist praktischerweise, zu welcher Theke man geht. Die Zubereitung erfolgt in kürzester Zeit, sodass das Produkt innerhalb von fünf Minuten in eine Warmhaltebox gestellt wird und mit einer Verzögerung von 30-40 Minuten vom Auslieferungsfahrer zum Kunden gebracht werden kann. Der reine Warenwert wird nach meiner Erfahrung bei maximal 1 ,00 Euro liegen, da in sehr großen Mengen eingekauft wird. Hinzu kommen die „Arbeitszeit" und die Auslieferungs- bzw. Anfahrtskosten. Über die Hygienebedingungen in solchen Küchen verliere ich lieber weniger Zeilen und setze meine Hoffnung auf die Hygieneampel, die ab 201 2 deutschlandweit eingeführt werden soll und die alle Lieferservices und Schnellimbisse einschließt, sodass der potentielle Kunde sehr schnell erkennen kann, ob er der Gaststätte sein Vertrauen schenken möchte oder nicht. -> Seite 1 4

27. Juli 2011


Wenn es denn schnell gehen muss oder man am ersten Abend nach dem Urlaub nach Hause kommt, ist der Griff zum Telefon sicher eine Lösung die mal funktioniert; ich rate jedoch jedem potentiellen Kunden, in den Laden zu gehen, in dem man telefonisch bestellt und sich die Bedingungen anzuschauen beziehungsweise zuzuhören: Über den Ton und die Sprache, die dort vorherrschen, bekommt man schnell heraus, wie die eigene Mahlzeit hergestellt wird. Oft sind auch solche Schnellrestaurants zu empfehlen, bei denen man in die Küche oder zumindest den Herstellungsbereich einsehen kann. Kom m e n wi r zu d e r zwe i te n Va ri a n te : Le b e n sm i tte l m i tte l i n d u stri e Kauft man ein „Maggi fix&frisch"- Tütchen im üblichen Discounter, bezahlt man für „Spaghetti alla Carbonara" etwa 0,75 Euro. Hinzukommen 50 ml Sahne für etwa 0,50 Euro und 250 Gramm Spaghetti zum Discounterpreis von auch etwa 0,50 Euro. Der „Schinken" ist laut Verpackung schon in dem Tütenmix enthalten. Wasser wird dazugegeben, mit Sahne und dem Tüteninhalt angerührt und aufgekocht und nebenbei das Nudelwasser aufgesetzt, die Pasta al dente gekocht und schon hat man innerhalb von zehn Minuten eine Carbonara für zwei Personen fertig. Das ganze zum Preis von circa zwei Euro ¬- plus den zehnminütigen Selbstaufwand natürlich! Bezüglich der Qualität muss man natürlich selbst urteilen, doch wenn die Lebensmittelindustrie so weiter macht, dann sind sowieso alle Geschmacksnerven derart betäubt, dass der Unterschied zwischen einem industriell hergestellten Tütenmix und einer selbst gekochten Carbonara schwer zu schmecken sein wird. D i e d ri tte Va ri a n te si e h t so a u s: S e l b st Koch e n Um Spaghetti alla Carbonara für zwei Personen selbst zu kochen, benötigt man 250 g Spaghetti, 200 g gekochten Hinterschinken, 80 g Parmesan, eine Zwiebel, ein Ei, 200 ml süße Sahne, Olivenöl und Gewürze wie Salz, Pfeffer und Muskatnuss. Diese Variante wird zwischen drei und vier Euro kosten und etwa 20 Minuten brauchen - vom Schneiden der Zwiebel bis zum Befüllen der Teller. Natürlich müssen die Waren erstmal eingekauft werden, klar, aber der Vorteil ist, dass die Qualität, die Inhaltsstoffe und die Benennung der angebotenen Produkte genau unter die Lupe genommen werden kann. M e i n Re s u m é : Selbst kochen lohnt sich gleich zweifach. Ihr spart erstens Geld im Vergleich zur Liefervariante und der noch viel wichtigere Punkt: Ihr wisst ganz genau, wo die Produkte herkommen, was genau in der Mahlzeit ist, welche Qualität die Lebensmittel haben, die ihr selbst verwendet habt und wie sie zu dem Endprodukt wurden, welches ihr zu euch nehmt. Die beliebte Ausrede „ich kann nicht kochen" gilt hier nicht, da bei der Ausführlichkeit und Einfachheit der Rezepte diverser Internetportale (z.B. www.chefkoch.de) kein Student der Welt zu unbegabt sein kann, Spaghetti alla Carbonara für sich, die WG oder als Essen für den Besuch zuzubereiten. Und außerdem tut es nicht so weh im Portmonee wie Pastawenn für vier Personen zu bestellen. Bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen der Politik und des Bundesministeriums für Verbraucherschutz greifen werden und mit der nötigen Härte durchgesetzt werden. Dann wird sich hoffentlich die Spreu vom Weizen trennen. # Seite 1 5

27. Juli 2011


" S o wi e d i e S on g s kom m e n , so we rd e n si e g e sch ri e b e n . " von Ch ri sti n a H u b m a n n

S ä n g e r u n d S on g wri te r Ti m B e n d zko i m I n te rvi e w

Der 26-jährige waschechte Berliner hat noch viel vor. Er muss nicht „nur noch kurz die Welt retten" und „1 48 Mails checken", sondern will vor allem durch seine Songs auf sich aufmerksam machen. Er textet, er spielt Gitarre und er singt vom Leben - denn das schreibt bekanntermaßen die besten Geschichten. Tim Bendzko verpackt einfache, aber wahre Worte in schöne Klänge und akustische Akkorde. „Alles was passiert, ist mir schon bekannt. Ich kenn die Nachrichten von morgen schon heut. Ich weiß, was morgen geschieht. Ich kannte die Antwort, da war die Frage noch nicht da" (Titel 7: Ich kann alles sehen)

b a ck vi e w: Li e b e r Ti m B e n d zko, d a s Li e d „ I ch ka n n a l l e s se h e n " sp i e l t d a ra u f a n , d a ss D u sch on i m m e r wu sste st, d a ss D u d i e se s Al b u m e i n m a l h e ra u sb ri n g e n wi rst. D u h a st i m m e r d a ra n g e g l a u b t, d a ss D e i n e Ze i t kom m e n wi rd ? Ti m B e n d zko: Ich habe nicht die typische Biographie eines Künstlers und im Alter von drei Jahren das Gitarre oder Klavier spielen angefangen. Natürlich habe ich immer wieder Sachen für meine Musikkarriere gemacht, aber das Ganze hat sich eher langsam - dafür gesund entwickelt. Ich habe auf den Tag gewartet und es immer gewusst, ja. „Ich werds Dir beweisen, hör mir zu, wenn Du kannst. Wir stehn am Anfang einer Reise und wenn du willst, fängt sie jetzt an." (Titel 4: Du warst noch nie hier)

Wa s wa r l e tzte n d l i ch d e r Au sl öse r d a fü r, m i t d e r M u si k a n zu fa n g e n u n d D e i n e a n d e re n H ob b ys wi e d a s F u ß b a l l s p i e l e n a n d e n N a g e l z u h ä n g e n ? Es gab keinen entscheidenden Moment dafür. Ich habe mich irgendwann mal gefragt, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Und dann kam ich auf die Musik - weil ich etwas haben will, bei dem ich mich nicht sofort langweile sondern was mir Spaß macht, wovon ich etwas habe. Ich bin eben nur einmal hier und möchte deswegen Sachen machen, die gut für mich sind, mich erfüllen und die mich nicht nur irgendwie erhalten. Nicht um sonst kommt das Wort Beruf von Berufung. -> SPECIAL

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29. Juli 27. Juni2011 2011


„Ich glaub kein Wort, dass man mir sagt und ich will nicht begreifen, dass der Schein mich betrogen hat. Ich will endlich wieder echten Boden spüren, mich wird nichts und niemand in die Irre führen." (Titel 4: Du warst noch nie hier)

D u h a st E va n g e l i sch e Th e ol og i e u n d N i ch tch ri stl i ch e Re l i g i on e n stu d i e rt. D a s i st j a re l a ti v u n g e w ö h n l i c h - w i e ka m s t D u d a z u ? Ich bin nicht pauschal gläubig. Ich habe mich aber schon relativ früh gefragt, wie das alles funktioniert, die Welt und das Leben. Ich habe mich dafür interessiert, wie ich das für mich erklären kann, wollte eine Vielfalt von Antwortmöglichkeiten erfahren und Menschen kennen lernen, die sich die gleichen Fragen stellen. Für mich ist das heute aber nicht mehr so wichtig, weil der Versuch, eine Antwort auf alles zu geben einfach zu komplex ist. Das Studium sorgte dafür, Ordnung zu schaffen und andererseits dafür, dass keine Unordnung mehr aufkommt. Dass ich mir einfach gewisse Fragen nicht mehr stelle, weil es darauf eh keine Antwort gibt.

„Das war das letzte Mal, das letzte Lied. Das war das letzte Mal, dass ich dir sag wie sehr ich Dich geliebt hab. Du mir gefehlt hast. Ich wieder an Dich denke und wieder Zeit verschenke." (Titel 6: Das letzte Mal)

D e i n e Li e d e r g e b e n vi e l von D i r se l b st p re i s. Wi e g e h st D u a n e i n e n S on g ra n ? Woh e r kom m e n d i e I d e e n u n d d i e I n sp i ra ti on ? Mir kommen die Zeilen immer plötzlich, die ich dann lange vor mir her singe. Wenn ich diese Passage selber gut finde, bringe ich sie aufs Papier und bastele daraus konkrete Strophen. Aber die Ideen kommen eher intuitiv. Die Songs kommen so aus mir heraus. Ich möchte Empfindungen weitergeben, aber das ist meistens kein bewusster Prozess. Manchmal habe ich ein ganz bestimmtes Gefühl in mir und forme dann eine Geschichte, einen Rahmen drum herum und stelle mir zum Beispiel - wie bei dem Lied "Es kommt zurück" - einen Mann vor, der seine Frau und seine Kunden an der Börse betrügt. ->

„Wenn Worte meine Sprache wären. Ich hätt dir schon gesagt, in all den schönen Worten, wie viel mir an dir lag." (Titel 5: Wenn Worte meine Sprache wären)

M a n ch m a l we i ß m a n zwa r, wa s m a n sa g e n wi l l , a b e r m a n we i ß n i c h t, wi e m a n e s s a g e n s o l l . H a t e i n S on g wri te r n i ch t i m m e r d i e ri ch ti g e n Worte p a ra t? Ja, aber das dauert. Manchmal ist es ein richtiger Kampf, wenn zum Beispiel der Refrain steht, aber die Strophe einfach nicht kommen mag und dann Zeilen aus der Not heraus geboren werden. Es ist immer schwer, die Worte so zu formen, dass man wirklich zufrieden ist, mit dem was man ausdrücken will. -> SPECIAL

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Zu r P e rson : TI M B E N D ZKO ist am 9. April 1 985 in Berlin geboren. Er studierte Evangelische Theologie und Nichtchristliche Religionen. Schon mit 1 6 Jahren schrieb er seine ersten Songs. Nach dem Gewinn eines Talentwettbewerbs 2009 erhielt er einen Plattenvertrag bei Sony Music, wo er am 1 7. Juni 2011 sein Debütalbum „Wenn Worte meine Sprache wären“ veröffentlichte.

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„Ich brauch viel mehr davon. Erst dann fang ich zu leben an. Ich will viel mehr davon, damit ich atmen kann. Weil's in mir Bilder regnet, vergess ich Raum und Zeit." (Titel 3: Mehr davon)

D a s Li e d „ M e h r d a von " m öch te Au g e n b l i cke u n d E ri n n e ru n g e n fe sth a l te n . Ab e r g i b t e s a u ch D i n g e , d i e D u e n d l i ch l oswe rd e n wi l l st, sch on l a n g e m i t D i r h e ru m trä g st u n d i n S on g s ve ra rb e i te st? Auf jeden Fall. Beim Song „Das letzte Mal" singe ich mir zum Beispiel sehr viel von der Seele und verarbeite damit eine Beziehung zu einer ganz bestimmten Frau. Auf der anderen Seite will ich mich an gewisse Dinge auch gerne wieder zurück erinnern, wie bei „Mehr davon". Deswegen verpacke ich sie in Songs, um sie somit aufzubewahren. Durch das Schreiben verarbeite ich definitiv irgendwas, aber frag mich nicht was. „Keine Ahnung was passiert ist. Wo kommst Du denn plötzlich her. Dieser Tag verlangt nur das eine von Dir. Sag einfach ja für diese Reise mit mir." (Titel 2: Sag einfach ja)

D u b e h a u p te st von D i r se l b st, D u wä rst e i n g roße r F a n von u n si n n i g e n H e ra u sford e ru n g e n . B i st D u d e r M e i n u n g , m a n m u ss a b u n d zu e twa s N e u e s wa g e n - u m i rg e n d wa n n a n se i n e m P l a tz a n z u ko m m e n ? Auf jeden Fall. Das Lied „Sag einfach ja" ist vor allem eine Ermahnung an mich selber. Manchmal sollte man einfach ein Risiko eingehen und sich überraschen lassen. Vielleicht kann man das auch mit meinem Einstieg ins Musikgeschäft vergleichen. Ankommen ist ein schwieriges Wort. Ich mache gerade zumindest genau das, was ich immer machen wollte. Ich stehe also sozusagen am Anfang von meiner kleinen Reise, von dem, was ich immer erreichen wollte. Und das ist eine große Erleichterung. „Ich hab heut keine Zeit." (Titel 1 3: Keine Zeit)

Wi rst D u a u ch i n Zu ku n ft d i e D e n ke rp ose e i n n e h m e n u n d m e l a n ch ol i sch e S on g s ve rfa sse n ? Ich habe keinen genauen Plan, wohin es mich verschlägt. So wie die Songs kommen, werden sie geschrieben. Ich lasse mich selber überraschen, vielleicht wird das nächste Album nur aus Rocksongs bestehen, wer weiß das schon. Es bleibt spannend, auch für mich selber und ich bleibe gespannt, wie das alles wird. „Und ich laufe. Ich laufe davon. Ich laufe so schnell und soweit ich kann. Und erst wenn ich nichts mehr spüren kann, erst wenn ich nichts mehr spüren kann." (Titel 1 0: Ich laufe)

Wa ru m i st d e r S on g „ I ch l a u fe " d e r wi ch ti g ste a u f D e i n e m n e u e n Al b u m ? Ich habe an dem Song eine halbe Ewigkeit herum geschrieben. Er zeigt am besten meinen Versuch, einen bestimmten Moment festhalten zu wollen. Wenn ich das Lied auf einem Konzert spiele, habe ich in 95 Prozent der Fälle, genau dieses Gefühl, dass ich beim Schreiben hatte. Es tritt in mir immer wieder genau so auf. Tim Bendzko, vielen Dank für das Gespräch. Weitere Informationen zu Tim Bendzko gibt es unter: www.timbendzko.de

SPECIAL

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27. Juli 2011


BLEIBT AUF DEM LAUFENDEN b a ck v i e w IM NETZ

Impressum Das Online-Magazin back view existiert seit dem 6. April 2007 und setzt sich aus einer Redaktion von ehrenamtlich schreibenden, jungen Autoren aus ganz Deutschland und Europa zusammen. Besonders an back view ist, dass die Redaktion ausschließlich online arbeitet. Mit dieser Printversion werden die 1 4-tägig erscheinenden Titelthemen von back view auch als Printversion aufbereitet. Chef vom Dienst: Konrad Welzel Redaktion: Ronja Heintzsch, Martina Gewehr, Christina Hubmann, Miriam Gräf, Regina G. Gruse, Franziska Mayer, Julia Radgen, Lisa Brüßler Schlussredaktion: Julia Radgen

Titelfoto: Ben Foertsch by jugendfotos.de Fotos: S.2 Keynan Dietrich by jugendfotos.de; S.5 Givany Hecht by jugendfotos.de; S.7 Sarah Lorenz by jugendfotos.de; S.8 Christian Wolf by jugendfotos.de; S.9 Stephan Langer by jugendfotos.de; S.1 0 Halina Zaremba by pixelio.de; S.11 DANA Radloff by jugendfotos.de; S.1 2 Carla Eng by jugendfotos.de; S.1 3 Philip Steimel; S. 1 4 Oliver Weber by pixelio.de; S.1 2/1 3/1 4 Sony Music.

b a ck vi e w e . V. redaktion@backview.eu http://www.backview.eu Gemeinnütziger Förderverein zur Unterstützung des Nachwuchsjournalismus Am Riegelberg 8, 91 336 Heroldsbach; Amtsgericht Bamberg, VR 200246

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Du bist, was du isst