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Das Bachmann Kundenmaga zin 11 | 2016

VERTRAUEN ParTNerScHafT: auf auGeNHöHe | MarITIMe: effIZIeNTer BaGGerN WINd: IN BraSILIeN | INduSTrIe: HIGHTecH fÜr KuNSTSToff QuaLITÄT: daS erLeBNIS BacHMaNN | NeueS: ProduKTe uNd MarKT


Niklas Luhmann, einer der wohl bedeutend­ sten Soziologen des 20. Jahrhunderts, formulierte schon Ende der Sechziger Jahre die These, dass unsere zunehmend komplex strukturierte Welt ohne Vertrauen nicht mehr funktionieren kann: »Niemand weiß, was genau im nächsten Moment passieren wird. Also muss er vertrauen, gleicher­ maßen in Personen wie in soziale Systeme, um handlungsfähig zu bleiben.« So seine Position. Oder wie er es an anderer Stelle vielleicht etwas reißerisch ausdrückte: »Vertrauen ist eine riskante Vorleistung«. Dieser Vorleistung, diesem Vertrauens­ vorschuss, den Sie, unsere Kundinnen und Kunden, Partner und Lieferanten uns täglich geben, sind wir uns bewusst. Vertrauen sollen Sie uns können, aber auch unseren Systemen und Lösungen. Der Sozialwissenschaftler Dr. Gerhard Fuchs, lange Zeit in leitender Funktion an der Stutt­ garter Akademie für Technikfolgenabschät­ zung, schrieb dazu einmal in einem Essay: »Angesichts immer komplexer werdender technischer Systeme spielt Wissen über sie eine zunehmend geringere Rolle. Statt­ dessen ist Vertrauen in Technik gefragt.« Wie funktioniert also Vertrauen? Und wie dürfen wir es erleben? Über beides wollen wir in dieser Ausgabe unseres Kunden­ magazins schreiben, dem wir, wie Sie viel­ leicht bereits festgestellt haben, ein neues Erscheinungsbild gegeben haben. Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit dieser Ausgabe der ›real.times‹ – und bei, wie ich hoffe, lesenswerten Einblicken in unsere Bachmann­Welt. Herzlichst

Bernhard Zangerl CEO


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»Vertrauen ist ­keine Schnittblume, die nachwächst.« aus Schweden

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verTraueN

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Wann?

vor ort

大都市上海

daS Tor Zur WeLT

GEWUSSTES NICHTWISSEN

NICHT GEWUSSTES NICHTWISSEN

10 Wer Vertraut WeM? 11

NichtwissenKönnen

NichtwissenWollen

Fehlendes Problembewusstsein

stIMMen ZuM theMa verTraueN

32 Wann WÜrDen sIe Fehler und Irrtümer

dIe KoNTroLLe aBGeBeN?

33 stIMMen ZuM theMa verTraueN

VERTRAUEN

SUBJEKTIVE SICHERHEIT

Sind wir sicher? Wissen wir es? Sind wir uns des Nichtwissens bewusst? Dann ermöglicht Vertrauen unser Handeln. Denn es schafft das Gefühl der Sicherheit, die nur der Wissende hat. Der unbewusst Nichtwissende hingegen kann nicht vertrauen. Ihm fehlt das Problembewusstsein. Wann vertrauen? Mit dieser Frage sind wir in unserem Alltag ständig konfrontiert.

Bastian Pelka beschäftigte sich 2008 in seinem Aufsatz »Zum Zusammenhang von Innovation und Vertrauen« mit den Themen Vertrauen und Sicherheit. Er entwickelte dabei obige Darstellung in Anlehnung an die Arbeit »Vertrauen in soziotechnische Systeme« von Barthel, Braczyk und Fuchs (1999).

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Projekte

NeWS


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Interview

report

WInDIGes

BraSILIeN

auf auGeNHöHe

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Neuheiten

report

nur eInes ZÄhlt:

dIe BeSTe LöSuNG.

ProduKTuPdaTeS

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report

einblicke

Kunststoffflaschen:

eIN HIGH-TecH-ProduKT Vertrauens-

vorScHuSS

Impressum Herausgeber verantwortlich für den Inhalt redaktion und umsetzung Bildnachweis

Bachmann electronic GmbH, Kreuzäckerweg 33, 6800 Feldkirch, Austria, www.bachmann.info Frank Spelter (v. i. S. d. P.) up! consulting, Ruggell (FL) Bachmann electronic, Alewijnse, Van Oord, WEG, Soplar, Rittmeyer, Kraftwerke Hinterrhein, Thermo Fisher, GUP, CSR Wind Power, High Wind NV, Ulstein, privat z. V. g., iStock, Shutterstock, Fotolia

© 2016 Bachmann electronic GmbH; Änderungen vorbehalten

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Interview

auf Augenhöhe

Wie wichtig Vertrauen für G ­ erhard Bachmann ist Vor bald fünfzig Jahren, genau am 1. März 1970, hat Gerhard Bachmann die Bachmann electronic begründet. Aus dem Ein-MannBetrieb im Keller seines Hauses wurde ein weltweit erfolgreiches Unternehmen. Wir haben mit dem Gründer über seinen Antrieb und seinen wichtigsten Wert gesprochen.

Herr Bachmann, Sie sagten einmal, bloße Neugier war die Basis Ihrer Geschäftsidee. Nun ja, so genau habe ich das wohl nicht gesagt. Aber es stimmt: Der wichtigste Antrieb war damals – und ich denke, er ist es bei allen Beteiligten noch heute – die Begeisterung an der Technik und das Be­ streben, die Steuerungstechnik zu perfek­ tionieren. In den 70ern vielleicht dadurch, dass wir sie für viele Branchen überhaupt erst interessant machen wollten. Heute, indem wir Antworten auf Fragen finden wollen, wie Steuerungstechnik unsere Zu­ kunft erleichtern, oder vielleicht auch erst ermöglichen kann. Stichwort: Windenergie. Aber wie bei allem gehören zu Erfolgen auch Rückschläge. Das haben wir immer wieder erlebt. Wie oft wurde unsere Beses­ senheit, die ›beste Steuerung‹ schaffen zu wollen, belächelt. In so manchen Dingen waren wir vielleicht der Zeit voraus und wussten das vielleicht auch nicht immer am richtigen Ort unterzubringen. Und ja, wir haben auch gelernt, dass manchmal auch mehr dazu gehört, als gescheit und fleißig zu sein.

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Was hat Sie und die Bachmann electronic geprägt? Wie so oft sind es gerade die schwierigen Dinge, die wir mit äußerstem Einsatz immer wieder gemeistert haben, die uns weiter brachten – und die mich mit großer Zufrieden­ heit erfüllen. Im Grunde ist es ja wie bei einer Bergbesteigung: Einem Team vertrauen zu dürfen, dessen unterschiedliche Charaktere, deren Lösungskompetenz, Hartnäckigkeit und komplementäres Wissen noch jede Aufgabe zu lösen vermochte, das gibt Sicherheit und macht auch stolz. Und dafür bin ich meinen Mitarbei­ tenden dankbar. Aber dieses ›Voraus­Sein­Wollen‹ prägt eben auch unser Handeln. Das heißt, wir arbeiten immer mit dem Anspruch, Lösungen anzubie­ ten, die immer ein bisschen mehr können. Wir wollen also nicht einfach ›Produkte‹ liefern, sondern es war und ist unser innerster Antrieb, dem Kunden als Partner zur Seite zu stehen, seine Anforderungen zu verstehen, darüber Bescheid zu wissen – und gemeinsam mit ihm eine für seine Applikation optimale Lösung zu entwickeln.

Sie sagen, einem Team vertrauen zu können macht Sie auch stolz. Wie wichtig ist für Sie generell vertrauen? Ohne Vertrauen geht aus meiner Sicht nichts, rein gar nichts. Das ist doch der Kern mensch­ lichen Handelns, ohne Vertrauen kann sich keine Gemeinschaft entwickeln. Wenn Sie Ihrem Gegenüber nicht vertrauen, wie soll dann eine Begegnung auf Augenhöhe gelingen? Das ist die Grundlage jeder guten Beziehung und ich denke, auf unser Geschäft übertragen, auch Grundlage eines jeden Fortschritts. Nebeneinander her kommen wir nicht weiter. Gemeinsam jedoch, in einem vertrauensvol­ len Miteinander, lassen sich letztlich Grenzen überwinden – und faszinierende technische Lösungen schaffen.


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»Im Grunde ist es ja wie bei einer Bergbesteigung: Einem Team vertrauen zu dürfen gibt Sicherheit.« Gerhard Bachmann Gründer Bachmann electronic

Vertrauen ist die tragende Säule unseres Unter nehmens. Empathie, Fairness und ein gutes Maß Bescheidenheit – gegenüber Mit­ arbeitenden, Kunden und Lieferanten – das bemühen wir uns täglich zu leben. Aber ich meine auch, Vertrauen ist immer auch eine Form von Selbstverständnis. Vertrauen in sich selbst; in das, was man kann; in das, wofür man eintritt.

Wie spüren das die Kunden von Bachmann electronic? Uns allen ist klar, dass man sich zu Beginn einer jeden neuen Beziehung dieses Vertrauen verdienen, und den Vertrauensvorschuss, den man uns immer wieder gibt, sorgsam behandeln muss. Wenn es auch altmodisch klingen mag und der heutigen ›immer mehr‹­ Mentalität entgegensteht. Aber in einer Partnerschaft, so wie wir sie leben, steht eben ›Dienen vor dem Verdienen‹. Das bedeutet auch, dass in einem Fehlerfall – und zwar ganz gleich wo die Ursache des Fehlers liegt – unsere ganze Mannschaft mit demselben Hochdruck und Engagement wie der Kunde selbst an der Problembehebung arbeitet. Oder anders ausgedrückt: Wir suchen nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen, und wir sind da, bis die Anlage läuft. So kennen, und ich denke schätzen uns auch unsere Kunden.

Zusammenfassend? Ich denke, man könnte unsere Ziele in einem Satz beschreiben: Basis des Erfolgs ist immer volles Engagement für die Sache zum Nutzen des Kunden. Und dass wir genauso ›ticken‹, darauf können unsere Kunden vertrauen.

Herzlichen dank für das Gespräch. der Piz Buin ist mit 3 312 m der höchste Berg vorarlbergs.

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Wer

Vertraut

WeM?

Menschen mit hĂśherem IQ vertrauen eher, was vermutlich mit einer besseren Menschenkenntnis korreliert

90

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Feuerwehrleute

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Richter

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Banker

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Journalisten

30

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Politiker

expression of the prosocial disposition; GfK Verein (2015): trust in professions

Vertrauen in Berufsgruppen weltweit und in Europa in %

face meets brown eyes; Kogan et al. (2011): thin-slicing study of the oxytocin receptor (oXtr) gene and the evaluation and

Nach 20 Sekunden kann man anhand der KĂśrpersprache beurteilen, ob man einem fremden Menschen vertrauen kann

Quellen: carl, Billari (2014): Generalized trust and intelligence in the united states; Kleisner et al. (2013): trustworthy-looking

Menschen mit braunen Augen wirken aufgrund ihrer Gesichtsmerkmale vertrauenswĂźrdiger


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ansichtssache

stIMMen ZuM theMa

verTraueN

Wenn das gesprochene Wort genügt Für mich ist Vertrauen das gute Gefühl, das durch die Zusammenarbeit mit offenen und direkten Partnern entsteht, die keine ›heimliche Agenda‹ haben oder Informationen zurückhalten – und die meine Begeisterung teilen. Aus diesem Grund ist Vertrauen wichtig. Durch Vertrauen werden Dokumente und Unterschriften unnötig. Das gespro­ chene Wort reicht. Natürlich zählen auch Faktoren wie die technische Wettbewerbsfähigkeit oder Zuverläs­ sigkeit der gelieferten Produkte. Sobald ich aber eine Partnerschaft eingehe, muss ich mich auf meinen Partner verlassen. Ich würde meine Zeit und mein Geld nicht in eine Zusammen­ arbeit mit jemandem investieren, dem ich nicht vertraue. Meines Erachtens hat sich meine Wahrnehmung von Vertrauens würdigkeit über die Jahre verbessert. Heutzutage kann ich besser einschätzen, ob eine Beziehung nicht so vertrauenswürdig ist, wie sie sein sollte – ob eine Zusammenarbeit nicht zielorientiert ist, oder ob politische Belange und nicht die technische Lösung im Vordergrund stehen.

Katerina Xepapa senior Development engineer, research & Development bei Damen shipyards Gorinchem niederlande

vertrauen ändert sich mit erfahrung Für mich bedeutet Vertrauen, dass ich mich darauf verlassen kann, dass mein Partner zuverlässig, fair und ehrlich die ihm oder ihr anvertraute Aufgabe betreut. Mein Vertrauen oder Mangel an Vertrauen hängen hauptsächlich von meinen persönlichen Erfahrungen ab. Dennoch bin ich im beruflichen Umfeld vorsichtiger hinsichtlich Vertrauen. In meinem Unternehmen habe ich eine Führungsrolle und bin für die Investi­ tionen zuständig. Daher bin ich eher übervorsichtig, wenn es darauf an­ kommt, mich auf Anbieter und Berater zu verlassen, die das Unternehmen betreuen, das ich gewissenhaft leite. Bei neuen Erfahrungen, in denen etwas Vertrauen erforderlich ist, versuche ich mit Partnern professionell umzugehen und Probleme anzusprechen, bevor ich eine vertrauensvolle Beziehung eingehe. Am Anfang meiner Karriere lag mein Vertrauen auf einer Skala von 0 bis 10 bei 9. Durch die Erfahrungen meines Berufslebens und die größere Verant­ wortung liegt mein Vertrauen inzwischen bei 6 oder 7. Bei den Menschen, die ich am besten kenne, reicht mein Vertrauen von 6 bis 8+.

chuck Walker Partner der energy operations Group llc, Illinois, usa

auch eine frage der Sympathie Vertrauen zu anderen bedeutet nicht un­ bedingt hundertprozentige Fehlerfreiheit zu erwarten – sondern die Zuversicht, dass man gemeinsam zu einem guten Ende kommt. Vertrauen heißt auch, aus Erfahrungen zu lernen und dadurch ein gutes Beurteilungsvermögen zu gewin­ nen: Wenn ich einem Seil nicht vertraue, an dem ich mich sichern möchte, dann werde ich es auch nicht benutzen. Im Geschäftsleben ist es sicher lich auch eine Frage der Sympathie, um eine Vertrauensbasis aufzubauen. Danach zählen die Fakten, die dann auch für eine positive Herangehensweise an ein Pro­ blem sorgen, um dieses gemeinsam zu lösen. Bei mir hat jeder in der Anfangs­ phase zwei Chancen. Sollte die zweite verspielt werden, ziehe ich meine Konse­ quenzen. Erneut Vertrauen zu gewinnen ist dann keine einfache Sache.

Joachim Smolka elektrokonstruktion Klöckner DesMa fridingen Deutschland

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report

nur eInes ZÄhlt:

dIe BeSTe LöSuNG. Drei experten – und ein gemeinsames Ziel

Die beiden niederländischen Unternehmen Alewijnse Marine Systems und Van Oord sowie Bachmann electronic verbindet vieles: Alle drei sind fortschrittsgetriebene, unabhängige Familienunternehmen und sie gehören zu den besten ihrer Branchen. Seit vielen Jahren arbeiten sie zusammen, erfolgreich. Die Experten kennen sich, persönlich. Und gemeinsam haben sie ein neues Ziel vor Augen: die Steuerung zweier neuer Schiffe mit geschleppten Saugbaggern.


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Ab 2017 wird die Flotte der niederlän­ dischen Reederei Van Oord um zwei weitere Spezialschiffe ergänzt. Gebaut werden diese von der Werft LaNaval im spanischen Bilbao: 158 m lang, 36 m breit und mit einer Ladekapazität von rund 17 000 m³ sollen diese beiden Giganten in der weltweiten Landgewinnung vor den Küsten und für die Entwicklung und den Aufbau von Häfen eingesetzt werden.

viele Beteiligte Die Aufgaben und Verantwortungen beim Bau eines Schiffes sind über mehrere Stufen verteilt: Meist Jahre vor der Beauf­ tragung wird ein solches Spezialschiff vom zukünftigen Eigner, der Reederei, ausgeschrieben. Beauftragt wird es dann bei einer Werft, welche als Projektleiterin die Schiffe baut und die Anforderungen des Eigners umsetzt. Dazu wählt sie bereits im Zuge der Angebotserstellung die entsprechenden Systemlieferanten aus und stellt diese der Reederei schon vor der Auftragsvergabe vor. Dabei gilt es, bereits bei der Konzeptentwicklung Dutzende von Anbietern zu koordinieren, für die die Werft letztlich die Gesamtver­ antwortung trägt – für die spezifikations­ gerechte Umsetzung, die Einhaltung des Budgets und des Zeitplans.

Strategische Partner Grundsätzlich ist die Werft in der Auswahl der eingesetzten Systeme und Unterauftragnehmer frei. Für die Umsetzung von wichtigen Teilfunktionen werden jedoch mitunter bereits in den Spezifikationen Lieferanten benannt, deren Berücksichtigung sich die Reederei wünscht. Bachmann ist für Van Oord ein solcher strategischer Partner. Seit 2009 setzt das Unternehmen Bachmann­System­ lösungen auf seinen Spezialschiffen ein. Zu dieser Zeit hatte das Unternehmen ein neues Steuerungssystem evaluiert, und mit der Bachmann M1­Steuerung ein System gefunden, welches gleicher maßen die Anforderungen der Prozesssteuerungsspezialisten an die Rechenleistung wie auch die der Auto­ mationsingenieure an die eingesetzte Hardware erfüllt.

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In Alewijnses ›Captain’s Cabin‹: Austausch unter den P ­ rojektpartnern (von links: Johan van Rikxoort (Alewijnse), Joeri ten Napel (Bachmann electronic), Theo Poorter (Van Oord), Elda Kavazbasic-Mulalic (Alewijnse))

Wichtige Anforderungen von Van Oord, wie beispielsweise die Entwicklung spezi­ eller Schnittstellenkarten mit galvanisch getrennten Eingängen oder die Portierung vorhandenen Codes der zuvor verwen­ deten VMI-basierten Systeme, setzte Bachmann um. Vom ersten Moment an entstand eine enge Zusammenarbeit, wie Theo Poorter, Engineer Process Control im Ship Management Department bei Van Oord, erzählt: »Ich erinnere mich immer wieder an eine unserer ersten Begegnungen im Rahmen einer Schulung am Bachmann-Hauptsitz in Feldkirch. Wir haben den Ingenieuren Löcher in den Bauch gefragt, und sie standen uns bei allem Rede und Antwort.« Eines hat ihn dabei besonders beeindruckt: »Wenn sie


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»Es wird nicht viel geredet, sondern einfach gemacht.« Theo Poorter engineer Process control bei Van oord

einmal etwas nicht wussten, dann sagten sie das auch genauso ehrlich. Aber nur, um dann einige Stunden später mit den Spezialisten zu uns in den Schulungsraum zurückzukehren und die Lösung zu prä­ sentieren«, schmunzelt Theo Poorter. »So haben wir Bachmann über die Jahre immer wieder erlebt: Es wird nicht viel geredet, sondern einfach gemacht.«

können, umfasst doch die Einsatzdauer eines Schiffes rund 30 Jahre. Vertrauen in die ausgewählten Lieferanten und die Zukunftsfähigkeit der eingesetz­ ten Systeme ist dabei so etwas wie die Lebens versicherung, um mit einem solchen Schiff und über einen solch langen Zeitraum wettbewerbsfähig bleiben zu können.

Besser, schneller und kostengünstiger Bei den jetzt gebauten beiden Schiffen geht es immer um das Eine: Wie lassen sich die mit ihnen durchgeführten Arbeiten besser, schneller und kosten­ günstiger erledigen. Deshalb müssen sich auch die Anwendungen auf solchen Spezialschiffen weiter entwickeln

Mit Alewijnse hat die Werft denn auch einen Systemlieferanten gefunden, der dieses Geschäft beherrscht. Der nieder­ ländische Systemintegrator für die Entwicklung und den Aufbau elektrischer Einrichtungen auf Schiffen verfügt über umfangreiche Erfahrungen im See­ baggern – und er kennt das Bachmann

M1­System aus verschiedenen anderen seiner Applikationen aus dem Effeff. »Für uns war es auch deshalb ein Leichtes, die Anforderungen der Werft in Bezug auf die gewünschte Verwendung der Bachmann­Komponenten zu erfüllen«, so Johan van Rikxoort, Product Manager Dredging and Offshore bei Alewijnse. Auch betreffend der geforderten Zukunfts sicherheit fühlt sich Alewijnse auf der sicheren Seite: »Bachmann ist seit bald 50 Jahren im Geschäft, die ein­ gesetzten Technologien werden kontinu­ ierlich weiter entwickelt und sind immer up­to­date, verfügen über die notwen­ digen Zertifizierungen für den Schiffs­ bau – und sind lange Jahre verfügbar«, bestätigt Johan van Rikxoort.

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»Finde jemanden, der mit dir im Boot sitzt, und alles ist möglich.« Johan van rikxoort Product Manager Dredging and offshore bei alewijnse

158 m lang, 36 m breit und eine Lade kapazität von 17 000 m³: die beiden neuen schiffe mit geschleppten saugbaggern für Van oord. auf dem Deck sind rechts und links die beiden saugrohrinstallationen zu erkennen. Jedes schiff verfügt über eine Besatzung von bis zu 38 Personen.


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ehrgeiziger Plan gemeinsam gelöst Von der Planung bis zum Stapellauf eines Schiffes gehen viele Jahre ins Land. Den­ noch war der Zeitplan für die Ausrüster ehrgeizig. »Wie immer«, schmunzelt Elda Kavazbasic­Mulalic, Lead Engineer und Teamleiterin Automation bei Alewijnse. »Im Vordergrund stand damit natürlich die Frage, wie das Projekt gemeinsam schnel­ ler und besser entwickelt und umgesetzt werden kann.« Die drei Unternehmen und alle Beteiligten kannten sich bereits aus anderen Projekten und man fand rasch einen gemeinsamen Nenner: »Das Schöne ist einfach, alle haben dasselbe Ziel. Und das ermöglicht es, Lösungen zu finden, an die der Einzelne gar nicht denkt«, wie Johan van Rikxoort hinzufügt.

Gemeinsam mehr So hat Alewijnse ›nebenbei‹ nicht nur die Spezifikation des HMI­Systems um wei­ tere im Betrieb äußerst hilfreiche Funk­ tionen erweitert, sondern auch eine so nicht vorgesehene, aber höchst effiziente Redundanzlösung realisiert. »Die Bagger­ steuerung bindet über 2 500 I/Os ein, das ist eine nicht zu unterschätzende Dimension. Entsprechend aufwändig gestalten sich dann auch später im rauen Betrieb Wartungsarbeiten«, skizziert Elda Kavazbasic­Mulalic eine Randbe­ dingung. Deshalb wurden beispielsweise im Bediensystem hinter jeder Baugruppe von Alewijnse Verdraht ungspläne und weitere technische Infor mationen hinter­ legt, welche eine etwaige Fehlersuche im laufenden Betrieb erheblich vereinfachen.

Technisch neue Lösung Jeder Tag, an dem ein solches Schiff aufgrund einer technischen Panne nicht einsatzfähig ist, verursacht enorme Kosten. Kein Wunder, hatte der Auftrag­ geber deshalb ein besonderes Augenmerk auf die von Alewijnse und Bachmann vorgeschlagene Redundanzlösung gelegt und genau geschaut, dass mit diesem Design die erforderliche Verfügbarkeit, Rechenleistung, Kommunikationsge­ schwindigkeit und Fehlertoleranz zu jedem Zeitpunkt gesichert sind. Die umgesetzte Lösung war in dieser Form für den Schiffbau zwar neu, »aber das stellte für uns kein Problem dar«, sagt Van Oords Verantwortlicher, Theo Poorter, und ergänzt: »Wir vertrauten ein­ ander, dass diese Lösung machbar ist und uns die höchste Performance bietet. Da braucht es keinen Vertrag. Wenn man am selben Strick zieht, dann teilt man auch die Probleme und löst diese gemeinsam.«

Selbe Kultur, gleiches Ziel So sieht das auch Alewijnses Johan van Rikxoort: »Die Kultur unserer drei Unter­ nehmen ist in so vielen Punkten ähnlich. Wir leben eine offene Kommunikation, teilen unser Wissen – und letztlich auch unsere täglichen Herausforderungen.« Oder, wie er es anders formuliert, »Jeder bringt immer etwas mehr ein.« Zum Punkt ›Vertrauen‹ nennt er noch einen ihm ganz wichtigen Punkt: Transparenz. »Wir sind jederzeit über den aktuellen Entwick­ lungs­ und Produktionsstand der von

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Äußerst hilfreiche funktion im HMI: Wichtige Systemdetails (wie beispielsweise inter aktive Beschreibungen der E/A­Module) sind im SCADA­System hinterlegt. Dies reduziert die benötigte Zeit bei der Inbetriebnahme oder bei der Fehlersuche im Störungsfall.

Bachmann gelieferten Systemkomponen­ ten informiert und so über jeden Schritt im Bild. Und falls es etwas zu entscheiden gilt, dann sind die Entscheidungswege kurz und jeder fühlt sich der Abmachung verpflichtet.«

vertrauen als Schlüssel für den erfolg »Genauso war ein Schiff nie zuvor auf­ gebaut – und wird es auch nicht wieder werden. Jedes Teilsystem ist eine Einzel­ lösung. Es gibt keine Serienproduktion und deshalb auch keine routinemäßige Sicherheit.« So beschreibt Johan van Rikxoort sein Arbeitsumfeld und die täglich neuen, unbekannten Herausforde­ rungen, denen er sich mit dem Automa­ tions­Team stellen muss. Bei aller Risiko­ beurteilung und der Auswahl möglicher Fallback­Lösungen gilt für ihn aber vor allem eines: »Du musst deiner Erfahrung vertrauen – und der deiner Partner.« Oder wie er es anders zusammenfasst: »Finde jemanden, der mit dir im Boot sitzt, und alles ist möglich.«

umfangreicher aufbau: Insgesamt 26 Schalt schränke umfasst die Installation des Steuerungs systems auf den beiden Spezialschiffen. Die Schaltschränke werden im Werk von Alewijnse aufgebaut und fertig verdrahtet an die Werft geliefert.

Alewijnse Marine Systems mit Sitz in Nijmegen (NL) liefert als Gesamtlösungs­ anbieter und Systemintegrator Steue­ rungslösungen und elektrische Anlagen für Schiffe. Das Familienunterneh­ men wurde vor mehr als 125 Jahren gegründet und beschäftigt weltweit rund 1 300 Mitarbeitende.

Van Oord ist eines der führenden Unter­ nehmen für die Nassbaggerung, für Marinetechnik und Offshore­Projekte (Öl, Gas und Wind). Das Familienunternehmen mit Sitz in Rotterdam (NL) beschäftigt weltweit mehr als 5 000 Mitarbeitende, seine Flotte umfasst mehr als 100 Spezialschiffe.


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Der Bachmann-Beitrag

net: Es besitzt den notwendigen Durch­ satz, um den fehler toleranten Austausch großer Datenmengen in kurzen Zyklen zu ermöglichen.

Die beiden als Hauptsteuerung für die Saugbagger in Hot­Standby betriebenen Bachmann­CPUs der Baureihe MH und sieben weitere, abgesetzte Steuerungen mit MC205­CPU sind in einer redundanten Ring­Topologie verbunden. Als Antwort auf die außerordentlichen klima­ tischen und mechanischen Belastungen, denen Installationen auf Schiffen ausge­ setzt sind, sind alle Steuerungssysteme mit Bachmann ColdClimate­Modulen aufgebaut. Das verwendete bluecom­Protokoll ist für eine solche Kommunikation optimal geeig­

Die auf einem Industrierechner gekapselte VODAS­Prozessteuerung von Van Oord tauscht via SVI­Interface mit den beiden Hauptsteuerungen nur die notwendigen Parameter aus. Direkt auf den Bachmann MH­CPUs instal­ liert ist auch der OPC UA­Server, über den die Verbindung zu Alewijnses SCADA­System eingerichtet ist.

SCADA Client

MasterSteuerung A

SCADA Server

SCADA Server

OPC UA Client

OPC UA Client

OPC UA Server

OPC UA Server

bluecom

Hot-StandbyRedundanz

Netzwerk-Redundanz

MasterSteuerung B

bluecom

Netzwerk-Redundanz

bluecom

Slave

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»Der persönliche Kontakt und der offene, gegenseitige Austausch sind mir wichtig. So entsteht Qualität.«

andrea Moritz Produktionsleiterin bei Bachmann electronic Gmbh


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Einblicke

Vertrauens-

vorschuss

Produktionsleiterin Andrea Moritz spricht über Qualität – und ihr Ziel, Bachmann zum Erlebnis zu machen.

Produkte und Prozesse werden immer komplexer, der hohe Qualitäts­anspruch bleibt. Als Leiterin des Bereichs Supply Chain Management und Produktion bei Bachmann weiß Andrea Moritz, welche wichtige Rolle dabei Vertrauen spielt – in das Produkt, in die Prozesse und n ­ atürlich zwischen­menschlich.

Was ist Qualität und wann ist sie gut? Per Defi­ nition ist es der Zustand, dass etwas besonders gute Eigenschaften hat und daher wertvoll ist. Für Andrea Moritz bedeutet es ganz einfach: »Dass ich mich zu 100 Prozent auf etwas verlassen kann.« Allerdings betrifft das nicht nur das Produkt an sich, sondern alles, was drum herum ist. Von der Prozess- und Lieferqualität bis hin zum Customer Service – einfach »das ganze Erlebnis Bachmann«, erklärt Andrea Moritz. Qualität ist also zuerst einmal ein Versprechen. »Jeder Kunde, der bei uns kauft, schenkt uns zunächst einmal einen großen Vertrauensvorschuss, dessen sind wir uns alle hier bewusst«, sagt Andrea Moritz, »und dieses Vertrauen zu rechtfertigen, das ist unsere tägliche Motivation.« Aber was ist dazu notwendig?

Selbstkritik als Antrieb Eine wesentliche Rolle spielt für Andrea Moritz der Wille zur proaktiven und kontinuierlichen Verbes­ serung – und zwar in allen Bereichen. »Wir warten nicht, bis irgendwo ein Fehler auftritt oder eine ­n egative Rückmeldung kommt«, erklärt sie. Sich regel­m äßig selbst zu messen und Zeit in die ­A nalyse zu investieren, wenn gesetzte Ziele nicht erreicht werden, darin liege der entscheidende Schlüssel zur Verbesserung. Dabei spiele es keine Rolle, ob es nun um die Produktqualität oder PPM-Fehlerraten geht. Einen wesentlichen Anteil zur Qualitätssteigerung trägt für Moritz auch der eingeführte KVP-Prozess (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess). »Das Ziel war, dass die Denke des kontinuierlichen Verbes­ serns flächendeckend bei der ganzen Mannschaft,

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»Ohne das Vertrauen meines Arbeitgebers wäre mein Arbeiten nicht vergleichbar möglich.« also allen Mitarbeiterinnen und Mit­ arbeitern ankommt und sie darin zu schulen, um was es dabei konkret geht«, sagt Andrea Moritz. Ein gemeinsames Ziel, für dessen Erreichen vor allem eins notwendig ist: das Vertrauen in die Mitarbeitenden. ›People first‹ Eine inzwischen etwas abgedroschen anmutende Floskel, aber im Kern durch­ aus richtig und wichtig: Der Mensch zuerst und in diesem Sinne das gegen­ seitige Vertrauen zwischen den einzel­ nen Mitarbeitenden und Bereichen. Für Andrea Moritz ist das ein wesentlicher Faktor der Zusammenarbeit: »Wenn ich die persönliche Ebene nicht im Griff habe, dann wird alles andere einfach nie funktionieren«, erklärt sie. Besonders positiv sei dabei die Größe des Unterneh­ mens. »In einem großen Konzern kennt man meist nur diejenigen, mit denen

man direkt zusammenarbeitet. Hier bei Bachmann ist das eine ganz andere Qua­ lität.« Ihre derzeit rund 160 Mitarbeiten­ den kennt Moritz alle beim Namen. »Weil es mir wichtig ist zu wissen, mit wem ich es zu tun habe«, sagt sie. So beginnt jeder Jour Fixe mit ihren Abteilungsleitern mit Personalthemen. Sie erkundigt sich, wie es den Menschen in ihrem Umfeld geht, ob jemand krank sei oder es Unfälle gab. Erst dann geht es um die einzelnen Prozesse, Kennzahlen und dergleichen. »Natürlich muss ein Vorgesetzter seinem Mitarbeiter vertrauen können, aber auch umgekehrt. Es gibt nichts Schlimmeres, als unberechenbare Vorgesetzte«, sagt Andrea Moritz und ergänzt: »Der gegen­ seitige Austausch ist enorm wichtig und da versuche ich auch bewusst möglichst viel Zeit zu investieren.«

Nahverhältnis zum Kunden Zeit investiert die SCM­ und Produktions­ leiterin aber nicht nur in die Zusammen­ arbeit mit ihren Mitarbeitenden, sondern auch mit den Kunden, von denen viele schon Jahre lang auf Bachmann vertrau­ en. Die Gründe für die hohe Kundenloyali­ tät und den damit verbundenen Vertrau­ ensvorschuss vermutet Andrea Moritz in mehreren Bereichen. »Unsere Produkt­ qualität, die Zuverlässigkeit unserer Komponenten – all das spielt sicher eine ganz große Rolle, keine Frage. Allerdings halte ich auch die klassischen Soft Facts, also den persönlichen Kontakt, für enorm wichtig«, erklärt sie. Genau zu wissen, wer hinter dem Produkt steht und Rück­ sicht auf die Bedürfnisse der Kunden zu nehmen – diese Services bieten zu können, ist für Andrea Moritz und ihren Arbeitgeber besonders wichtig. Ganz egal, ob es nun um den persönlichen Austausch, ausreichende Lagerbestände


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oder eine hundertprozentige Rückver­ folgbarkeit von Bauteilen geht. »Diese Aufwände sind natürlich kost spielig, aber um einen guten Service anbieten zu kön­ nen, gehört das für Bachmann und mich persönlich einfach dazu.« vertrauenssache Im Grunde ist der Job für Andrea Moritz, wenn man so will, eine Herzensangele­ genheit. Ursprünglich aus der Betriebs­ wirtschaft kommend, war sie schon als Kind und später dann im Studium immer nah an der Technik und der Produktion. Nachdem sie einige Jahre für einen gro­ ßen Konzern und im Ausland gearbeitet hatte, war es Zeit für eine neue Heraus­ forderung. Und so kam sie – im ersten Schritt vor vier Jahren – als Bereichslei­ terin für Supply­Chain­Management zu Bachmann. Nach einer Zusammenlegung des SCM­Bereichs mit der Produktion, wurde ihr von der Geschäftsführung

ihre heutige Position als SCM­ und Produktionsleiterin angeboten. »Für mich war das ein wunderschöner Vertrauens­ vorschuss. Zu erfahren ›du kannst das, willst du das machen?‹ «, sagt Moritz. Ein Verhalten, das zeigt, wie das Unterneh­ men Bachmann denkt und welche Werte es vertritt. Eine Entscheidung, die nicht vom Studium, Alter oder gar Geschlecht abhing, sondern aufgrund des Vertrau­ ens in Andrea Moritz und ihren Qualifika­ tionen getroffen wurde. Seit Anfang 2015 arbeitet sie nun in ihrer heutigen Funktion, wobei zwei Dinge für sie besonders reizvoll sind. Zum einen die Arbeit mit Menschen. »Ich habe jetzt in meiner Tätigkeit ein ganz großes Spekt­ rum unterschiedlicher Leute, mit denen ich zu tun habe. Die Varietät ist wirklich interessant«, erklärt Moritz. Zum anderen sei es die Möglichkeit, ein professionelles Unternehmen noch weiterzuentwickeln

zu dürfen. »Ich habe keinen Job, in dem ich mich in meinen Stuhl setzen und zu­ rücklehnen kann«, sagt sie und ergänzt: »Logistik und Produktion – das ist meine absolute Leidenschaft. Da eine treibende Kraft sein zu dürfen, bereitet mir sehr große Freude.« vertrauen schafft Qualität schafft vertrauen Für die Zukunft setzt sie vor allem auf die gesteckten gemeinsamen Ziele. Denn Vertrauen in das Produkt entsteht auch durch Qualität und die wiederum durch gute (Zusammen­)arbeit. Die berufliche Erfüllung scheint Andrea Moritz jeden­ falls gefunden zu haben: »Mir gefällt der Job einfach und ich bin wahnsinnig glücklich in meiner Position. Ohne das Vertrauen könnte ich sicher nie so frei arbeiten.« Qualität ist also vor allem eine Vertrauensangelegenheit – von der Her­ stellung des Produkts bis zum Kunden.

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大 都 市 上 daS Tor 海 Zur WeLT vor ort

Bachmann China-Headquarter in Megacity Shanghai

shanghai ist das wirtschaftliche Zentrum chinas, boomende Industriestadt und eine wahre Megacity. In der chinesischen Metropole leben inzwischen rund 23 Millionen Menschen, darunter auch viele ausländische fachkräfte. Vor einem Jahrzehnt stieg der hafen shanghais zum größten frachthafen der Welt auf – mehr als 800 Mio. tonnen frachtgut werden hier jährlich

umgeschlagen. Zwei internationale flughäfen und die gute anbindung an das eisenbahnnetz machen die stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt in asien: und damit zum sprichwörtlichen ›tor zur Welt‹. Der hauptsitz von Bachmann electronic china befindet sich seit 10 Jahren in shanghai, und damit am Puls des


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wirtschaftlichen und technologischen fortschritts des landes. Gemeinsam mit der niederlassung in Peking im norden des landes betreut Bachmann seine Kunden in ganz china direkt vor ort und stellt so einen zuverlässigen service und die rasche Produkt auslieferung sicher.

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report

WInDIGes

BraSILIeN

harte rahmenbedingungen fordern zuverl채ssige Windenergieanlagen mit genauer status체berwachung. Bei der Stromerzeugung vertraut Brasilien seit langer Zeit auf die Wasserkraft. In den letzten Jahren wurde diese Form der Erzeugung jedoch durch immer l채nger anhaltende Trockenperioden stark gef채hrdet. Die Energieversorgung kann so nicht mehr ausreichend sichergestellt werden. Das Land forciert aus diesem Grund alternative Energiequellen wie die Windenergie. Dabei stellen die harten Rahmenbedingungen am Energiemarkt hohe Anforderungen an Betreiber und Anlagenhersteller.


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Energiemix in Brasilien heute und 2020

64 %

60,4 %

2016

2020

Entwicklung der Alternativen zur Wasserkraft 12 % 10 % 8% 6% das Problem mit dem Wasser Brasilien ist die siebtgrößte Volks­ wirtschaft der Welt und verfügt über eine installierte Gesamtleistung von ca. 143 GW. Beim Energiemix des 203­Millionen­Einwohner­Landes dominiert die Wasserkraft mit 64 % der installierten leistung. Nach und nach zeigt sich jedoch, dass die starke Fokussierung darauf nicht nur Vorteile hat, sondern auch Probleme mit sich bringt. Speziell im Sommer wird die Stromversorgung von Trockenperioden bedroht. Bis zu 60 % teurerer Strom von thermischen Kraftwerken muss in diesen Phasen zugeschaltet werden, um die Ener­ gieversorgung aufrecht zu erhalten. Gelingt das nicht ausreichend gut, sind im schlimmsten Fall Blackouts die Folge. Das wurde im Jahr 2001

4% 2% 2016

2020

Wasserkraft

Erdöl

Kohle

Biomasse

Windkraft

Atomkraft

Erdgas

Solar

zum letzten Mal besonders deutlich: Aufgrund der größten Energiekrise Brasiliens der letzten Jahrzehnte musste Strom rationiert werden. Bis auf das Amazonasgebiet sind die Wasserquellen weitgehend ausgeschöpft, zudem wird das Eingreifen ins Ökosystem zuneh­

0%

mend von Naturschützern kritisiert. Fisch bestände leiden unter dem Eingriff in die betreffenden Ge­ wässer, Flüsse müssen gestaut, Dämme errichtet und Dörfer umge­ siedelt werden. Auch der Anschluss an Kraftwerke, die weit von den Ballungszentren entfernt sind, stellt eine Herausforderung dar.

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»Wer vertraut, handelt keineswegs irrational. Vertrauen ist vielmehr eine Voraussetzung, um Risiken handhaben und bewältigen zu können.« dr. Gerhard fuchs Professor für sozialwissenschaften an der universität stuttgart

Aus diesem Grund sind zur Wasserkraft alternative erneuerbare Energien auf dem Vormarsch. Dabei bietet sich in Brasilien die Nutzung der Wind energie besonders an. Die großen Wasserkraftwerke im Inland und die Wind energie im Nord osten und Süden Brasiliens ergänzen sich saiso­ nal auf weltweit einzigartige Weise. Wenn der Wind in diesen Regionen weht, fällt wenig Regen. In der Regensaison weht hin­ gegen weniger Wind. Ein weiterer Vorteil von Windkraft: Windenergieanlagen lassen sich günstiger und schneller konstruieren als thermische Kraftwerke.

Hart umkämpfter Markt Etwa drei Viertel der erneuerbaren Ener­ gien werden in staatlichen Auktionen über langfristige Lieferverträge gehandelt (Details siehe Factbox »Stromhandel in Brasilien«). Betreiber von Windenergie­ anlagen sind dabei mit mehreren Heraus­ forderungen konfrontiert. Einerseits entsteht ein starker Preiswett­ bewerb zwischen den Betreibern. Zudem fallen die Preise für die (heute noch) teure­ re Solarenergie nach und nach. Das erhöht den Preisdruck zusätzlich. Damit Konsum und Industrie so günstig und schnell wie

möglich weiter wachsen können, zählt bei den Versteigerungen ausschließlich der günstigste Preis. Dieses Vorgehen schlägt sich in der Qualität nieder: Windenergie­ anlagen mit einer Gesamtkapazität von 800 MW sind bereits errichtet, jedoch steht kein Übertragungsnetz zur Verfü­ gung, um die Anlagen anzuschließen. Wei­ tere 400 MW sind ungenutzt, weil es zwar ein Netz gibt, die Anlagen aber – unter anderem aufgrund von Planungsfehlern – nicht an das Netz angeschlossen sind. Inzwischen hat Brasilien aus der Vergan­ genheit gelernt: Betreiber dürfen in Zu­ kunft nur noch mitbieten, wenn die Netze bereits geplant sind. Sie müssen zudem das finanzielle Risiko übernehmen, wenn die Anlage nicht an das Netz angeschlos­ sen wird – auch wenn ein anderer Betrei­ ber für die Verzögerung des Netzausbaus verantwortlich ist. Eine von den Bietern verpflichtend zu erfüllende Vorgabe ist es überdies, einen nationalen Fertigungsanteil der Anlagen von mindestens 60 % zu garantieren. Das treibt die Kosten nach oben, ist jedoch Voraussetzung für Betreiber, um über­ haupt zugelassen zu werden und bei der brasilianischen Entwicklungsbank zins­ günstige Kredite aufnehmen zu können.


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2014 im Bau Gesamt: 10 026 MW

351,9 MW

951,6 MW

Quelle: aneel

2014 in Betrieb Gesamt: 3 461 MW

28 | 29

2 325,7 MW

3654,2 MW 69 MW

534,5 MW 34,5 MW

3320 MW

2,5 MW

236,4 MW

1978,9 MW Stromhandel in Brasilien Der Strommarkt in Brasilien gliedert sich in regulierte Lieferverträge (ca. drei Viertel) und frei ausgehan­ delte Lieferverträge (ca. ein Viertel).

28,1 MW

2,5 MW

236,4 MW

1 978,9 MW 1978,9

Bei frei ausgehandelten Verträgen am offenen Markt handeln Kunde und Erzeuger die Strompreise aus. Konsumenten mit einer Mindest­ nachfrage von 3 MW Leistung können diese Möglichkeit nutzen. Mit regulierten Verträgen werden verschiedene Energie quellen in Form von langfristigen Lieferverträgen mit verschiedenen Lieferfristen in staatlichen Auktionen ausgehandelt. Grundvoraussetzung für Betreiber ist ein nationaler Fertigungsanteil von mindestens 60 %. So wird Brasiliens Vorhaben unterstützt, möglichst energieautark zu bleiben.

28,1 MW

3


Mit Wind Power SCADA stets den vollen Überblick behalten – vom ganzen Windpark bis zum detaillierten Turbinenstatus.

Zuverlässigkeit ist Pflicht Durch diese Herausforderungen bleibt neben der Qualität auch für Service und Wartung der Windparks wenig Raum. Hier sind die Hersteller von Windenergie­ anlagen gefordert. Sie müssen für Betreiber maximale Verfügbarkeit und Produktivität der Anlagen bei gleichzeitig minimaler Wartung sicherstellen. Dazu sind höchst zuverlässige Teil-Systeme nötig. Betreiber benötigen zudem einen genauen und übersichtlichen Überblick über ihren gesamten Windpark und die entsprechenden Lastflüsse. Sie müssen aber bei Bedarf auch den aktuellen und exakten Zustand jeder einzelnen Anlage ermitteln können.

Konzipiert für den brasilianischen Markt Das brasilianische Unternehmen WEG hat auf die Rahmenbedingungen in Brasilien reagiert. Seit 2013 produziert WEG Wind­ energieanlagen in Serie und nimmt diese in Betrieb. Mit 70% nationalem Anteil an der Fertigung (›local content‹) erfüllt WEG die nötigen Voraussetzungen um bei den staatlichen Auktionen teilzunehmen. Zusammen mit dem US-amerikanischen Unternehmen Northern Power Systems, das sich auf die Konzipierung von Wind­ energieanlagen spezialisiert, entwickelte der Hersteller eine 2,1-MW-Turbine, ausgestattet mit S ­ ynchron-Generator mit Permanent-­Magnet. Nachdem diese erfolgreich auf dem brasilianischen Markt

etabliert war, startete WEG mit der Ent­ wicklung einer weiteren, noch leistungs­ fähigeren 3,3-MW-Turbine. Diese wird speziell für den brasilianischen Markt optimiert und wird 2017 marktfähig sein. Für die neue Anlagengeneration suchte WEG ein High-End-SCADA-System für den Windsektor, das den aktuellen Status der Anlagen und des ganzen Windparks zuverlässig und ausführlich aufzeigen kann. Mit Bachmanns Wind Power SCADA (WPS) hat WEG ein solches System ge­ funden.


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Der Bachmann-Beitrag

WEG setzte bereits für die 2,1­MW­Turbine das M1­Steuerungssystem von Bachmann zur Turbinen­ Automation ein. Nach den positiven Erfahrungen damit vertraut WEG auch beim SCADA­System für die neuen 3,3­MW­Anlagen auf Bachmann und setzt das flexible Wind Power SCADA (WPS) ein.

WEG ist ein multinationaler Konzern mit ca. 30 000 Mitarbeitern. Die Firmen­ zentrale befindet sich im Bundesstaat Santa Catarina, Brasilien und WEG ist in 33 Ländern der Welt vertreten. Das Produkt portfolio erstreckt sich über Motoren und Automatisierungstechnik für Stromerzeugung und Stromverteilung. Des Weiteren werden weltweit komplet­ te Turnkey­Projekte abgewickelt. Das in 1961 gegründete Unternehmen hat seit 2011 einen Fokus auf die Produktion von Windkraftanlagen gelegt und liefert die Anlagen seit 2013 in Serie.

Mit WPS wird beispielsweise ein kompletter Windpark an der Grenze zu Uruguay mit 12 Turbinen und einer zentra­ len Hauptstation für die Kommunikation mit dem Betrei­ ber überwacht. Dieser hat durch das WPS­System einen genauen Überblick über die Soll­ und Ist­Lastflüsse um entsprechend reagieren zu können. Der Überblick ist dabei sowohl in der SCADA­Ebene, der Turbinenautomatisierung, als auch in der Parkregelung gegeben. Davon ist auch Aldo Bravo Vacaflores, Head of Operation and Maintenance bei WEG, überzeugt: »Die Steuerungssysteme und Soft­ warelösungen von Bachmann haben diesen Erfolg möglich gemacht.« Neben der Übersichts­Darstellung des Windparks ermög­ licht WPS auch die detaillierte Zustandsanalyse der ein­ zelnen Anlagenturbinen WPS stellt Daten tabellarisch oder grafisch dar und eignet sich durch die HTML­5­Technologie ideal für Web­Anwendungen und die mobile Darstellung von Daten. Alle Daten werden nach IEC 61400­25 auf einem zentralen SCADA­Server gespeichert und sind so stets ver­ fügbar. Kunden wie WEG schätzen besonders die Offenheit des Systems. Anforderungen, die sich immer wieder neu ergeben, können so flexibel und rasch vom Anlagenherstel­ ler selbst implementiert werden.

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Die Zukunft der Mobilität wird immer wieder verknüpft mit der Frage nach dem autonomen Fahren. Ohne Vertrauen (in die Technik) kann dies aber nicht Realität werden. Immerhin fast drei Viertel der Autofahrer in Deutschland wären heute schon grundsätzlich bereit, dem Auto in bestimmten Situationen die Kontrolle zu überlassen.

63 %

9% Im Stadtverkehr

WANN WÜRDEN SIE

7% Während der gesamten Fahrt

45 %

DIE KONTROLLE ABGEBEN?

Im Stau

27 %

15 %

Nie

Im fließenden Autobahnverkehr

als 1 000 Personen über 18 Jahren in Deutschland. Mehrfachnennungen waren möglich.

Beim Einparken Quelle: Bitkom Research (2015): Zukunft der Mobilität. Repräsentative Umfrage unter mehr

37 %

der Befragten können sich vorstellen, ein Auto zu kaufen, das selbständig fährt


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ansichtssache

stIMMen ZuM theMa

verTraueN

voraussetzung für Beziehungen Vertrauen ist etwas Natürliches. Es gibt mir die Sicher­ heit, dass das Erwartete auch geschehen wird. Ich bin davon überzeugt, dass Vertrauen eine Voraus­ setzung für Beziehungen ist. Dies gilt besonders für Situationen, in denen ein höheres Risiko vorhanden ist. Hier muss ein Vertrauensvorschuss im größeren Maße bewusst gewährt werden. In meinem Leben habe ich ab und zu Vertrauensbrüche erlebt, weshalb ich vorsichtiger geworden bin, wenn ich vertrauen muss. Wenn jemand mein in ihn oder in sie gesetztes Vertrauen enttäuscht, ziehe ich es zurück. Danach dauert es relativ lange, bevor ich dieser Person wieder vertrauen kann. Trotzdem liegt mein Vertrauen bei 8 auf einer Skala von 0 bis 10. Ich glaube auch, dass ich ein gesundes Maß an Selbstvertrauen habe – in dieser Hinsicht liegt es bei 9. dan Brake technical services Director, Power Generation Division bei nextera energy resources, florida, united states

Grundlage für vorsprung Eine Zusammenarbeit, die nicht auf Vertrauen basiert, kann aus meiner Sicht weder effektiv noch effizient sein. Fehlt das Vertrauen, wird Zeit und damit Geld in die Kontrolle des jeweils anderen investiert. Zeit und Geld, das fehlt, um den notwendigen Vorsprung gegenüber anderen zu erarbeiten. Nur mit gegenseiti­ gem Vertrauen ist eine offene Fehlerkultur denkbar. Da Abweichungen vom ursprünglich Vereinbarten im All­ tag nicht vermeidbar sind, muss eine ehrliche Kommu­ nikation möglich sein. Vertrauen schließt also aus, dass sich ein Einzelner persönliche Vorteile verschaffen möchte. Ich vertraue anderen Menschen im geschäft­ lichen und im privaten Umfeld, weil ich keine wertvolle Zeit in die Kontrolle über die getroffene Vereinbarung investieren möchte. Mit Menschen, denen ich nicht vertrauen kann, arbeite ich nur dann zusammen, wenn mich äußere Umstände dazu nötigen.

Michael Schäfer leiter entwicklung bei ersa Gmbh Deutschland

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Soplars PET­Streckblasanlagen erzeugen Kunststoffverpackungen mit ausgefallenen Formen und glasklarer Optik – beispielsweise für den Kosmetikbereich.


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Report

Kunststoffflaschen:

ein High-TechProdukt Wenn etwas ganz Einfaches ganz viel Wissen erfordert

Duschgel und Shampoo, Waschmittel, Ketchup und Motoröl sind in Kunststoffflaschen praktisch verpackt. Sind die Flaschen leer, werden sie entsorgt und im besten Fall im Rahmen eines ­Recyclings wiederverwendet. Ihr Leben ist kurz. Doch so einfach und zweckmäßig ihr Einsatz ist, umso komplexer und anspruchs­ voller ist ihre Herstellung. Auch an die Automatisierungstechnik stellt dies hohe Anforderungen.

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Vielfältig: Die Extrusionsblasanlagen von Soplar verarbeiten ein breites Spektrum an Kunststoffen. Diese werden für Soplars K ­ unden beispielsweise zu Griffflaschen und M ­ ehrschichtbehältern mit bis zu sechs ­S chichten vollendet.

»Vertrauen übernimmt die Leitung von Entscheidungen in Situationen, die durch Zeitdruck, Komplexität oder fehlende ­Information geprägt sind.« Niklas Luhmann Soziologieprofessor an der Universität Bielefeld


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Während uns im Alltag immer mehr Kunststoff umgibt, steigt zeitgleich das Umweltbewusstsein der Menschen: Ihr Wunsch ist es, den Energie- und Ressourcen­verbrauch zu reduzieren. Und doch will der Konsument alles immer billiger haben, weshalb Verpackungen einem hohen Kostendruck unterliegen. Verpackungs­material muss deshalb immer besser, immer günstiger und gleichzeitig auch immer umweltschonender sein: Forderungen, welche zusammen nur mit größten Anstrengungen zu erfüllen sind. Die Anforderungen sind hoch – nicht nur an das Verpackungsmaterial selbst, sondern auch an jene Maschinen, die diese produzieren. Die Soplar sa im ­s chweizerischen Altstätten konzen­ triert sich seit über 30 Jahren auf die Entwicklung, Herstellung und Wartung von Extrusionsblasmaschinen und -werkzeugen sowie von Streckblas­ maschinen. Weltweit namhafte Abfüller von ­L ebensmitteln, Kosmetik, Haushaltsund Wäschepflegeprodukten sowie von Ölen und Schmierstoffen vertrauen auf die Systeme von Soplar. »Flexibilität ist dabei sicher eines der ganz großen The­ men der Zukunft«, erzählt Roger Mahrle, CEO und Head of Technology bei Soplar. »Die M ­ aschinen müssen schneller und einfacher umrüstbar sein, um die größere Vielfalt der Produkte mit unterschied­ lichsten Grundmaterialien, mit mehr Varianten und jeweils unterschiedlichen Stück­z ahlen optimal abzubilden.« Ausgeklügelte Technologie Kunststoffverpackungen wie die Shampoo­f lasche oder ein Wasserkanister werden mit dem Extrusionsblasverfahren hergestellt. Dabei werden aus thermo­ plastischen Kunststoffen Hohlkörper geformt. Vereinfacht dargestellt wird dabei ein Kunststoff-Schlauch im wei­ chen Zustand in eine Form gelegt, an den richtigen Stellen beim Zusammen­ pressen der Form verschweißt und dann aufgeblasen. Dabei nimmt der Schlauch die Konturen der Form an. Mit diesem Verfahren ­können die unterschiedlichsten Verpackungen oder technische Bauteile wie Kraftstofftanks und Lüftungskanäle hergestellt werden. »Mit unseren Maschi­ nen lassen sich auch ausgefallene Formen und die anspruchsvollsten Produkteigen­ schaften realisieren«, erzählt Roger Mahrle. »Sowohl Griffflaschen als auch Mehrschichtbehälter mit bis zu sechs Schichten können auf unseren Anlagen problemlos produziert werden.«

»Schön ist, einen Partner zu haben, mit dem man innovative ­Ideen ­diskutieren und ­zeitnah umsetzen kann.« Reinhold Wüstner Head of Department Control Engineering bei Soplar

Auch wenn man glauben möchte, dass die Komplexität von Verpackungen in Zukunft ein Knackpunkt werden wird, sieht das Roger Mahrle nicht so: »Diese Verfahren haben wir sicher im Griff. Auf was man sich jedoch einstellen muss, sind der Einsatz neuerer, immer ­ökologischerer Materialien bis hin zu biobasierten ­Kunststoffen.«

Zukunft das Endprodukt selbst und die Maschine die notwendigen Parameter definieren. Damit wir diese Forderungen erfüllen können, braucht es sehr tiefes Prozesswissen und verfahrenstech­ nisches Know-how, das wir über viele Jahre aufgebaut haben und welches eines ­unserer großen Differenzierungsmerk­ male darstellt.«

Passendes Werkzeug Das Formendesign, die Materialaus­ wahl und der Prozess bestimmen die Maschinen­a nwender, also die ­Kunden von Soplar. »Wir von Soplar sehen deshalb unsere Herausforderung darin, mit unseren Maschinen ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, das es unse­ ren Kunden ermöglicht, ihren Prozess so einfach wie möglich zu definieren und zu entwickeln«, so Roger Mahrle. »Musste der Maschinenbediener früher abstrakte Parameter einstellen, um sein Produkt herstellen zu können, wird in

Langlebige Maschinen Obwohl bestimmte Produktausprägun­ gen meist nur kurzzeitig gesucht sind und die Technologie beständig fortschreitet, sind die Produktionsmaschinen über viele Jahre im Einsatz. Um die sich verändern­ den Marktanforderungen, welche an die Verpackungshersteller herangetragen werden, erfüllen zu können, werden in dieser Zeit viele Funktionserweiterungen und Updates durchgeführt und wenn not­ wendig auch Nachrüstungen umgesetzt. »Besitzt einer unserer Kunden mehrere Maschinen und erwirbt eine neue, dann

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wünscht er sich deren Funktionalitäten in der Regel auch auf seinen alten Maschi­ nen. Diese Aktualisierung muss gewähr­ leistet sein, auch wenn notfalls Kompo­ nenten in der Automatisierungstechnik dafür erweitert werden müssen«, führt Reinhold Wüstner, Head of Department Control Engineering bei Soplar, aus. Dafür braucht es eine Steuerung, die jederzeit angepasst werden kann, »aber auch Vertrauen in seinen Partner, dass dieser nötigenfalls Jahre später bereit und in der Lage ist, Komponenten zu produzieren, die uns diesen Schulterschluss von alten zu neuen Maschinen bei unseren Kunden ermöglichen«, erwähnt Reinhold Wüstner. »Gefragt sind Standardkomponenten mit hoher Leistungsfähigkeit und ein System, das absolute Offenheit bietet und so unseren Entwicklungs­p rozess ­o ptimal unterstützt.« All dies sind ­G ründe, warum Soplar bei seinen M ­ aschinen auf Steuerungen von Bachmann electronic setzt. VWir kaufen dort eine s­ olide Basis ein, die uns alle relevanten ­Funktionalitäten zur Verfügung stellt«, erklärt ­Reinhold ­Wüstner. »So können wir uns ganz auf unser Kerngeschäft konzentrieren und unser Prozesswissen einfließen lassen, damit ein optimales Gesamt­s ystem entsteht.« Dazu kommt natürlich auch, dass sich in den letzten Jahren technologisch vieles verändert hat: »Antriebe werden immer intelligenter, neue Kommunikations­ möglichkeiten sind gefordert – ­manchmal sind wir mit unseren Anforderungen auch der Zeit voraus. Schön ist, wenn man dann einen Partner hat, mit dem man ­innovative Ideen auch mal diskutie­ ren und dann zeitnah umsetzen kann«, ergänzt Reinhold Wüstner. Herausforderungen durch neue ­Entwicklungen Industrie 4.0 oder Industrie 2025, wie es in der Schweiz genannt wird, ist in aller Munde und auch bei Soplar ­T hema. »Der Kommunikationsaufwand wird ­s teigen und der Einsatz von Sensorik sich erhöhen. Damit lassen sich beispiels­ weise bessere Diagnosemöglichkeiten, automatisierte Prozesse und frühzeitige Verschleißerkennung schaffen«, führt Roger Mahrle aus. Und doch sieht er ge­ rade in punkto Diagnose der Industrie 4.0 klare Grenzen gesetzt: »Natürlich geht es darum, Ursachen von Maschinenaus­ fällen zu identifizieren und Stillstände zu reduzieren. Ich denke aber nicht, dass die Kunden große Datenmengen ›einfach so‹

»Richtig interessant wird es, wenn Maschinen sich im Verbund abstimmen.« Roger Mahrle CEO und Head of Technology bei Soplar

an ihre Lieferanten übergeben. Das sind meist Interna und bedingen ein vertrau­ ensvolles Miteinander, wenn man daraus Nutzen ziehen will. Deshalb denke ich, wird dieser Aspekt noch wesentlich mehr Zeit beanspruchen und man wird vorran­ gig auch weiterhin alles daran setzen, die technische Verfügbarkeit zu erhöhen.« Großes Potenzial in punkto Produktivi­ tätssteigerung sieht Roger Mahrle hin­ gegen noch in der Standardisierung von Schnittstellen und Protokollen: »Heute hat man mehr oder weniger isoliert gesteuerte Maschinen, die nacheinander Prozessschritte abarbeiten. Jede arbei­ tet selbständig und die Kommunikation untereinander ist eher rudimentär. Denn

richtig interessant wird es, wenn die ein­ zelnen Maschinen sich mehr und mehr im Verbund aufeinander abstimmen.« Herausforderungen in neuen Märkten »Natürlich gibt es solche Lösungen bereits als Komplettsystem einzelner Anbieter. Einschränkend ist dabei mitunter, dass man damit nicht unbedingt die Optimal­ lösung für seinen Anwendungsfall erhält«, erwähnt Roger Mahrle. Mit der Einfüh­ rung des Kommunikations­s tandards OPC-UA haben die größeren Steuerungs­ hersteller wie Bachmann jedoch die ersten Weichen gestellt und damit die Integrationen von Einzelmaschinen in einen Maschinenverbund vereinfacht.


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Soplars perfekt eingespielte Entwicklungs­ teams setzen alles daran, Systeme und Anlagen zu entwickeln, die derzeitige Anforde­ rungen übertreffen und zukünftige Frage­ stellungen berücksichtigen.

Dennoch ist für anspruchsvolle Produk­ tionsprozesse nach wie vor viel Know­ how im Betrieb der Anlagen erforderlich. Gerade in aufstrebenden Märkten wie beispielsweise in Asien ist es jedoch schwierig, Fachleute auszubilden und diese im Unternehmen zu halten. »Als Konsequenz muss die Bedienung und Vernetzung so einfach wie möglich werden«, so Roger Mahrle. »Nur dann ist sichergestellt, dass die Maschinen oder später auch der Maschinenverbund immer zuverlässig und produktiv ar­ beiten.« Doch der Kostendruck und die Konkurrenz durch asiatische Mitbewerber im globalen Umfeld sind hoch. »Gerade deshalb konzentrieren wir uns auf die

Weiterentwicklung unserer Maschinen, auch um mit einfacher Bedienung und leicht zu realisierender Vernetzung ein echtes Differenzierungsmerkmal zu schaffen«, zeigt Roger Mahrle klar die Zukunft auf. Zusammengefasst ist die Erwartungs­ haltung von Soplar an seinen idealen Steu­ erungslieferanten klar: »Für mich muss er Standards liefern, mit diesen unsere Entwicklungsprozesse und uns in unserer täglichen Arbeit unterstützen, voraus denken und uns im Idealfall mit neuen Technologien auch auf vielleicht ganz neue Ideen bringen«, schließt Roger Mahrle.

Soplar sa wurde 1978 in Altstätten (CH) gegründet. Das Unternehmen entwickelt, produziert und bietet Dienstleistungen für Extrusionsblasmaschinen und ­werkzeuge sowie Streckblasmaschinen. Über 1 000 Anlagen sind in 35 Ländern weltweit installiert. In Altstätten sind rund 150 Mitarbeitende beschäftigt.

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Neuheiten

ProduKTNeWS

ZuverLÄSSIGe KoMMuNIKaTIoN bluecom-Protokoll für Einsatz in Windparks bestens geeignet Ein Windpark soll sich nach außen für den Netzbetreiber wie ein einzelnes Kraftwerk verhalten. Zur stabilen Realisierung eines solchen virtuellen Kraftwerks ist ein schneller, deter­ ministischer und fehlertoleranter Datenaustausch innerhalb des Parks notwendig. Das bluecom­Protokoll wurde speziell für diese Anwendung definiert und entwickelt. Es besitzt den notwendigen Durchsatz, um große Datenmengen in kurzen Zyklen zwischen vielen Teilnehmern in Echtzeit auszutauschen. Zudem können Windenergieanlagen beliebig aus­ und zuge­ schaltet werden. Für die maximal zuverlässige Datenanbindung erlaubt bluecom eine redundante Vernetzung in verschiedenen Ausprägungen – und bleibt dabei echtzeitfähig.

dIreKTer auSTauScH OPC UA Client für M1-Steuerung Immer häufiger werden intelligente Sensoren, die nicht nur Werte liefern, sondern auch Parametrierdaten emp­ fangen können, bereits mit einer OPC UA Server­Schnittstelle ausgestattet. Mit dem neuen OPC UA­Client sind Bachmann­Steuerungssysteme darauf bestens vorbereitet: Der Client kann ohne Zusatzhardware auf einer M1­Steuerung installiert werden und deckt sowohl die

Feld­ als auch die Leitebene ab. In der Feldebene bietet er die Möglich­ keit, intelligente Sensoren zur Laufzeit zu parametrieren, um Schaltschwel­ len, Ansprechzeiten oder Signalfilter zu konfigurieren. Gleichzeitig kann er die Messwerte empfangen und dem SPS­Programm zur Verfügung stellen, ohne dass dabei für den Anwender ein Programmieraufwand entsteht.

In Richtung Leit ebene, also hin zu Systemen zur Betriebsdatenerfassung, wird die Signalrichtung umgedreht und mit einem Schreibbefehl beispielsweise alle aufgezeichneten Produktionsdaten eines Werkstücks übergeben. Das stellt die Konsistenz und die korrekte Zuord­ nung aller Daten zum jeweiligen Werk­ stück sicher.


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auS daTeN WIrd WISSeN Flotten-Management senkt Betriebskosten Bachmann fokussiert sich in seiner Ent­ wicklungsarbeit auf Automatisierungs­ lösungen zur Optimierung des vertikalen Datenflusses. Mit dem Software­Modul Flotten­Management­System (FMS) werden Daten der Maschinen­Sensorik und ­Aktorik zu weltweit nutzbarem Wissen veredelt. Das ermöglicht die zustandsbasierte Wartung über Anlagen­ und Eigentümergrenzen hinweg – und das ohne großen Mehraufwand. Damit lassen sich Maschinenverfügbarkeiten erhöhen, ungeplante Stillstandzeiten minimieren und so Kosten entscheidend reduzieren. Dazu setzt das Bachmann FMS primär auf Daten und Standards, die bereits heute verfügbar sind. Bachmann FMS erhöht jedoch die Qualität der aus den Daten zu gewinnenden Information, indem diese in geeigneter Form aggre­ giert, zielgruppenspezifisch zugeordnet und ausgewertet werden.

FMS Push FMS FMS PushModul FMS Modul Applikation Applikation

Cloud Cloud

FMS Portal FMS Portal

Stuttgart Stuttgart (D) (D)

Webspace Webspace atvise®atvise® webMI webMI Benutzer-Administration Benutzer-Administration

Boston Boston (USA) (USA)

Gruppen-Administration Gruppen-Administration

Anlagen-Administration Anlagen-Administration Wuxi (CN) Wuxi (CN)

Server und Server Datenbank und Datenbank

ModerNe TeMPeraTurreGeLuNG Vielfältige Funktionen mit Softwarepaket ›ATeC‹

aTTraKTIveS BedIeNTerMINaL OT1321 als VESA-Version Das OT1321 mit VESA­Montage erweitert das HMI­Port­ folio von Bachmann um einen leistungsfähigen Panel­PC in Trag armausführung. Für eine glänzende Optik sorgt da­ bei das Aluminiumgehäuse, welches das 21.5 Zoll­Display mit Full­HD Auflösung und kapazitivem Multi­Touch beherbergt. Für eine starke Performance sorgen die bewährten Prozessoren der OT1300­Produktfamilie. Als Komplettlösung zusammen mit atvise ® SCADA liefern die Bedienterminals eine vollwertige Visualisierungslösung basierend auf den neuesten Web­Technologien.

ATeC (Adaptive Temperature Controller) heißt die aktuellste Neu­ entwicklung aus dem Hause Bachmann. Dabei handelt es sich um einen Temperaturregler, der als Softwarepaket für das M1­Auto­ matisierungssystem erhältlich ist. ATeC passt sich selbstständig an die Eigenschaften des zu regelnden Prozesses an, arbeitet also adaptiv. Neben der eigentlichen Temperaturregelung an Maschinen lässt sich damit auch eine Vielzahl weiterer nützlicher Zusatzfunktionen realisieren. So ist die Überwachung verschie­ dener Kriterien wie Temperaturgrenzen, Regelabweichungen und Temperaturänderung möglich. Für jede Überwachungsfunktion kann eine individuelle Verzögerungszeit sowie Reaktion definiert werden. Darüber hinaus sind Schutzfunktionen für die gesam­ ten Regelstrecken und ein durchdachtes Power­Management mit Strom­ und Leistungsbegrenzung integriert. Bedient wird ATeC im SolutionCenter und für die Applikationsprogrammie­ rung sind entsprechende C/C++ sowie IEC61131­Bibliotheken verfügbar. Anwendung findet der Temperaturregler beispiels­ weise zur Temperierung von Formen oder Einspritzeinheiten in der Kunststoff­ und Metallverarbeitung, für Lötbäder bei der Leiterplattenbestückung oder für die Regelung von Thermoden.

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erfoLGreIcH ZerTIfIZIerT IEC 60870-Server von DNV GL intensiv getestet

ScHLaNKeS eNGINeerING Hilfreiche Werkzeuge im SolutionCenter

Der IEC 60870­Server ist eine Softwarelösung, die direkt auf der Bachmann M1­Steuerung installiert wird. Der bereits bestehende IEC 60870­Server wurde um die Fähigkeit zur redundanten Kommu­ nikation erweitert. Kraftwerke und Windparks können dadurch von mehreren, über das Land verteilten Leitständen überwacht werden. Das renommierte Zertifizierungsinstitut DNV GL unterzog in der Bachmann­Niederlassung in Silkeborg (Dänemark) die komplette Soft­ warelösung zwei Tage lang intensiven Prüfungen. Alle Testfälle wurden zu 100 % erfolgreich ausgeführt. Somit ist der IEC 60870­Server erfolgreich zertifiziert.

Moderne Anlagen sind komplexe mecha­ tronische Systeme, die nur noch durch enge Zusammenarbeit aller für den Prozess notwendigen Ingenieurswissen­ schaften realisiert werden können. Dieser Komplexität wird durch das Zerlegen der Anlage in logische Funktionseinheiten, sogenannte Komponenten, begegnet. Der Component­Manager von Bachmann electronic unterstützt dieses Vorgehen. Mit diesem Werkzeug werden einzelne Komponenten als Software­Module im M1­Automatisierungssystem abgebildet. Diese können sowohl in der für die Aufgabe optimalen Programmiersprache erstellt, als auch zugekauft und wieder­ verwendet werden. Ohne Modifikation der Bestandssoftware lassen sich so kundenspezifische Unterschiede, ver­ schiedene Produkt­Varianten und neue Funktionen hinzufügen. Dieses Vorgehen reduziert den Engineering­Aufwand deutlich.

ZuverLÄSSIG GeSTeuerT Stromgeregelte Ansteuerung von Proportionalventilen Die neuen PVA200­Module ermöglichen die direkte und zuverlässige, stromgeregelte Ansteuerung verstärkerloser Proportionalventile – unabhängig von Hersteller und Ventiltyp. Je nach Ausführung können vier bis acht hydraulische oder pneumatische Ventile angeschlossen werden. Parametriert werden sie im SolutionCenter oder via Web­Kon­ figurator. Die Einstellungen können als Vorlagen gespeichert werden, was Wartungseinsätze erleichtert. Durch die funktionale und gewohnt robuste Ausführung sind sie vielseitig einsetzbar und zukunftssicher.


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dIaGNoSe auf KNoPfdrucK Tragbares Bachmann-CMS für Windenergieanlagen In den USA sorgt ein tragbares Condition Monitoring System (CMS) für Windenergieanlagen für Furore. Das kompakte und robuste Gerät verfügt über 18 Kanäle zur Vibrationsmessung und gibt einen zuverlässigen Einblick in den Zustand des Antriebstrangs einer Anlage. So werden Defekte schnell ersichtlich und unnötige Wartungen vermieden. Im System enthalten ist ein Laptop, der Daten für verschiedene Betriebs­ bereiche und über einen individuell wählbaren Zeitraum erhebt und speichert. Bachmann­Experten analysieren und bewerten die Daten. Kunden erhalten dann einen übersichtlichen Status­ bericht und eine Empfehlung für das weitere Vorgehen. Das tragbare CMS erhebt alle Daten ohne weiteres Zubehör auf Knopfdruck. So profitieren auch kleine Windparks von den Vorteilen eines zuverlässigen CMS.

KeIN ProBLeM MIT GrId codeS Mit dem GMP 232 der neuesten Generation Das GMP 232 ist ein steuerungsintegriertes Netz­ messungs­ und Überwachungsmodul für elektrische Drehstromnetze. Es fügt sich nahtlos in die bewährte M1­Steuerungswelt ein. In der neuesten Generation bietet es zusätzliche Berechnungsverfahren, hoch­ genaue Frequenzmessung und erweiterte Schutz­ funktionen. Als steuerungsintegrierte State­of­the­ Art­Lösung für Netzerfassung, Schutz und hohe Versorgungsqualität schafft es die Voraussetzung dafür, dass die sich verschärfenden Netzanschlussbe­ dingungen (Grid Codes) zuverlässig eingehalten werden.

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Projekte

NeWS

KoNTroLLIerTe SPaNNuNG Kabelverlegung für Offshore-Windenergieanlagen Mitte 2014 ließ Van Oord, Anbieter von Lösungen für das Nassbaggern in Küstengebieten und den Bau von Anlagen zur Offshore­Stromerzeugung, den Kabelleger ›Nexus‹ zu Wasser. Das multifunktionale Spezialschiff wird zur Installation elekt­ rischer Kabel für Offshore­Windparks eingesetzt. Schwierige Umwelteinflüsse – beispielweise hoher Wellengang – machen

diese Aufgabe zu einer Herausforderung. Um eine Beschädi­ gung des Stromkabels zu vermeiden, kommt ein innovatives Winkelmesssystem von Pliant zum Einsatz. Das M1­Automa­ tisierungssystem von Bachmann gewährleistet dabei, dass die Kabelverlegung zuverlässig funktioniert.


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ALLES IM BLICK

Imposant: Eine der drei Speicher pumpen in der Zentrale Ferrera.

Übersichtliche Visualisierung bei Lüftungsanlagen Die speziellen Hochleistungs-Wärmetauscher für Lüftungssysteme des Schweizer Unternehmens Konvekta garantieren höchste Rückgewinnungsraten und damit eine massive CO2Verminderung. Immerhin machen Lüftungs wärmeverluste einen erheblichen Anteil der gesamten Wärmeverluste in einem Gebäude aus. Mit der neuen Wärmerückgewinnungs-ControllerGeneration ›Eiger‹ behalten die Kunden durch eine übersichtliche Visualisierung, dem sogenannten ›Konvekta-Auge‹, zudem stets die wichtigsten Funktionen und Abläufe der Anlage sowie die Rückgewinnungsrate im Blick. Das 15,5“ Widescreen-Webpanel mit Multitouch-Bedienung von Bachmann ist für diese Anwendung wie geschaffen.

STROM AUS VIER ZENTRALEN Beeindruckendes Leittechnikprojekt für Wasserkraftwerke Die Kraftwerke Hinterrhein AG (KHR) betreibt mit vier Kraftwerken in Ferrera, Bärenburg, Sils und Thusis die größte Wasserkraftwerkskombination im schweizerischen Kanton Graubünden. Seit 50 Jahren produzieren die KHR im Jahresmittel rund 1 400 GWh umweltfreundlichen Strom. Im Rahmen der Gesamterneuerung der Anlagen werden über einen Zeitraum von sechs Jahren die leittechnischen Ausrüstungen komplett durch Lösungen des Schweizer Unternehmens Rittmeyer ersetzt. Diese basieren auf dem M1-Automatisierungssystem von Bachmann.

Stauanlage des Saisonspeichers Lago di Lei

Beton Länge Fassungsvermögen

840 000 m³ 690 m 197 Mio. m³

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Hohe Rechenleistung ­gefragt Präzise Anwendung in herausfordernder ­Umgebung Die Thermo Fisher Scientific Messtechnik GmbH mit Sitz in Erlangen (D) liefert Systemlösungen für die Schicht­ dickenmessung band- und bahnförmiger Produkte in der Metall-, Kunststoff- und Gummiindustrie. Mehr als 15 000 ihrer Systeme sind weltweit installiert und ermöglichen die berührungslose und zerstörungsfreie Online-Messung und Regelung während der laufenden Produktion. Die Herausforderungen an die Automatisie­ rung sind enorm, müssen doch bis zu 100 000 Messwer­ te pro Sekunde verarbeitet und gleichzeitig sicherheits­ relevante Normen erfüllt werden. Für diese Aufgabe ist das M1-Automatisierungssystem von Bachmann mit integriertem Safety-Konzept wie geschaffen.

Der Faktor zum ­Erfolg Bachmann M1 als Herzstück von Windenergieanlagen Die Guodian United Power Technology Company Ltd (GUP) mit Sitz in China zählt zu den größten Produzenten von Wind­ energieanlagen weltweit. Ihre 2 MW-, 3 MW- und 6 MW-Anlagen sind mit dem M1-Automatisierungs­s ystem von Bachmann ausgestattet. Aktuell ver­ fügt das Unternehmen über die größte installierte Kapazität von 2 MW-Wind­ energieanlagen in China. Für das weitere Firmenwachstum wird u.a. der Ausbau des Offshore-Geschäfts angestrebt. Dort sind M1-Baugruppen in der ColdClimate-­ Ausführung unumgänglich, da sie auch bei extremen klimatischen Bedingungen zuverlässig funktionieren.


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GeWINNBrINGeNdeS coNdITIoN-MoNITorING Windenergieanlagen in herausforderndem Umfeld CSR Wind Power setzt das M1-Automatisierungssystem von Bachmann schon seit mehreren Jahren als Steuerung für ihre 2 MW-Turbine ein. Zurzeit werden mehr als 100 Windenergieanlagen an die Huarun Power Group in der Provinz Hubei (China) ausgeliefert und in Betrieb gesetzt. Erstmals werden 28 dieser Anlagen mit dem Condition-Monitoring-System (CMS) von Bachmann ausgestattet sein. Das umfangreiche Know-how von CSR zusammen mit den Erkenntnissen aus diesem Projekt dienen als Grundlage zur Entwicklung zukünftiger CMS-Systeme, die optimal auf die vielfältigen Umgebungsbedingungen in China angepasst sind.

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aLLeS IM GrIff – aucH BeI STarKeM WINd Sicherer Aufbau von Offshore-Windenergieanlagen mit Boom Lock© ›Boom Lock‹ ist ein mechatronisches System, mit dem sich Offshore­Windenergieanlagen schneller und sicherer selbst bei starken Winden installieren lassen. Bei einem Testlauf konnte das Blatt einer 6 MW­Turbine stabil im Wind gehalten werden – und das bei einer Windstärke von 15 m/s mit Windspitzen von bis zu 20 m/s. Ein Offshore­Projekt, bei dem fünfzehn 3,3 MW­ Turbinen installiert wurden, wurde inzwischen erfolgreich beendet. Gesteuert wird ›Boom Lock‹ mit einer Bachmann M1.


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eIN fuNdaMeNT, auf daS MaN BaueN KaNN Schiffe erhalten Automatisierungssystem mit Bachmann-Hardware Ulstein hat sich auf den Bau und die Entwicklung von Spezialschiffen für die Forschung und für den Offshore­Einsatz spezialisiert. Deren Automatisierungs­ system ULSTEIN IAS® ermöglicht die Steuerung und Über wachung von Maschi­ nen und Antrieben, der Schiffsleistung, von Alarmsystemen sowie der Energie­ versorgung und ­verwaltung. Es ist jedoch auch für andere funktionskritische Anlagen wie z.B. Windenergieanlagen einsetz­ bar. Das ULSTEIN IAS® basiert auf der M1­Steuerung und ist dezentral angelegt, anfallende Aufgaben der Automatisierung werden in kleinen, eigenständig funkti­ onierenden Teilsystemen abgebildet. So bleibt die Funktionalität der Anlage auch im Fehlerfall erhalten.

›GaMMa-BuSTer‹ Nuklearfreie Dichte- und Konzentrationsmessung Das DENS­ITOMETER von ITS (Industrial Tomography Systems) ist ein System zur Messung der Feststoffkonzen­ tration und Dichte von Flüssigkeiten und Schlämmen in Rohren. Anders als herkömmliche Densitometer kommt es ohne nukleare Energiequelle aus, weshalb es auch unter dem Namen ›Gamma­Buster‹ bekannt ist. Basierend auf einer elektrischen Widerstands­

Tomographie erfasst das Messsystem zuverlässig Daten, unabhängig von Strömung und Materialkonzentration. Die Konzentrationsangaben werden als 4­20 mA­Signal zur Verfügung gestellt. Das Gerät ist als rohrbasierter Sensor ausgeführt und in einem robusten Gehäuse mit einem Bachmann Industrie­ PC untergebracht. Dadurch liefert es auch unter extremen Bedingungen wie

bei Rohrdurchmessern von über 1,2 m oder Schlammförderungen von über 30 000 Tonnen pro Stunde zuverlässig Echtzeit­Daten. Einmal montiert, kommt das DENS­ITOMETER ohne Wartungen oder speziell geschultes Personal aus und bietet eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zu her­ kömmlichen Geräten.

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»Das Abenteuer Technik ist viel mehr, als ein gefälliges Nebeneinander.

Es ist das vertrauensvolle Miteinander, aus dem letztlich Grenzen überwindende, faszinierende technische Lösungen entstehen – zum Wohle aller.« Gerhard Bachmann Gründer Bachmann electronic


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