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DAS SCHWEIZER MAGAZIN FÜR JUNGE ELTERN OKTOBER/NOVEMBER 2011 - CHF 6.–

Nr. 18

Mitbewohner

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Haustiere unter der Lupe SPEZIAL MÄDCHEN/KNABEN

Vergleich

Babybreikocher im Test

Interview

remo largo: Kinder brauchen geschlechterunterschiede Erfahrungsbericht

ein exot im Kita-alltag Fashion

ein hauch androgynität

Babygraben

gleichheit aus büchern lernen

Schwangerschaft

Wenn die Hormone verrückt spielen


mit dem Lieblingsteddy über Stock und Stein

irre. Schmusetierschuhe, was für eine Idee! Wer will, kann sich jetzt sein Lieblingsschmusetier als Schuh anziehen. Jedesmal, wenn Jeremy Scott einen genialen Einfall für Adidas hat, sind die Kleinen hell begeistert. Damit die Grossen nicht etwa neidisch werden, gibt es den Schmusetierschuh selbstverständlich bis Grösse 45. Mit garantiertem Auffallfaktor. Adidas Originals by Jeremy Scott, CHF 300.–, erhältlich in den Grössen 21 bis 27 und 39 bis 45, www.adidas.ch

ch s i t b i e r h c S ein für alle Fälle

Fotos: zvg

Schweiz. Nach dem Launch ihres erfolgreichen Bettmodells hat die kleine Schweizer Firma Blueroom nur ihr Sortiment um einen genialen Schreibtisch erweitert. Das Design erinnert an ein robustes Schulpult aus Kindertagen, hält aber eine Überraschung bereit: Wird das Kind grösser, lässt sich das Pult mithilfe eines drehbaren Bretts, das am oberen Teil des Schreibtisches montiert wird, zum Sekretär umfunktionieren und gewinnt 12 cm an Höhe. Clever, praktisch, dauerhaft. Bureau Blueroom, CHF 1250.–, erhältlich unter www.blueroom.ch

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Verkaufspunkte siehe Adressenseite

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news

eis

aus dem Weltraum

astronautisch. Ein aussergewöhnliches Erlebnis der

dritten Art. Stellen Sie sich vor, wie Sie mit jedem Schleck dieses rosa- und gelbfarbenen Staubes dem Weltraum etwas näher kommen. Darth Vader und Prinzessin Leia, das sind Sie. Wahnsinn, was etwas farbiger Puder mit unserer Fantasie anzustellen vermag. Dieses Speiseeis, das nicht mal kalt ist, wurde von der Nasa entwickelt und schmeckt genau so bescheiden, wie alle industriell hergestellten Eissorten, aber seine Textur verblüfft selbst hartgesottene Eisfans. Falls sich Ihre Kinder noch lange an die nächste Geburtstagsparty erinnern sollen, wissen Sie, was zu tun ist.

Zweite Haut ethik. «Se» für Seide, «la» für «Laine» (Wolle)

und «na» für Natur. Selana. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Selana ist eine in der Schweiz produzierte Strickmodelinie für kleine Kinder (Grösse 44 bis 116). Als Basis dienen Fasern aus biologischem oder kontrolliertem Anbau, eingefärbt mit möglichst natürlichen Farbstoffen. Wunderbar weich und bequem, wie eine zweite Haut, die nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Umwelt gut ist. Für wärmere Tage bietet Selana Modelle aus Baumwolle und geht damit in jeder Jahreszeit auf Ihre Bedürfnisse ein.

Astronauten-Ice-Cream, EUR 6.50 & Versandspesen (dieses tolle Produkt gibt es unseres Wissens nach noch nicht in der Schweiz), www.laboutiquespaciale.com (die perfekte Website für eine magische Geburtstagsparty)

Laure Paschoud, www.selana.com

Schwangers chaft und Recht

Fotos: zvg

Web. Ein Portal, das sich gänzlich schwangeren

Frauen und ihren Arbeitgebern widmet, ist Mamagenda. Es bietet alle Informationen rund um Rechte und Pflichten, die eine Frau vom wichtigen Moment der Bekanntgabe der Schwangerschaft bis zur Wiederaufnahme ihrer Erwerbstätigkeit nach dem Mutterschaftsurlaub hat. Travail.Suisse hat auf der Grundlage dieser reichhaltigen Informationen ein spezielles InfoHandbuch herausgegeben, auf das Frauen in der Schwangerschaft sowie Arbeitgeber zurückgreifen können, damit alles reibungslos verläuft. Fast so utopisch wie die kleinen Videos, die das Portal mit echtem helvetischem Humor auflockern… aber wir schätzen die Initiative.

Schick in allen Lagen Wickeltasche. In dieser kleinen eleganten Tasche findet die

kleine Modeprinzessin ganz lässig Puder, Windeln, Spiegelchen und Lippenstift. Die Wickelmatte ist diskret im hinteren Teil der Tasche integriert. Ein wahres «Fashion Statement». Changing clutch, Petuniapickle bottom, ca. CHF 80.–, www.principalkids.com

www.mamagenda.ch Ausgabe 18 - Oktober/November 2011

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Vorsicht vor schädlichen Büchern

sgabe In jeder Au Rubrik die beleuchtet ben» ra yg b a b « k Problemati die gleiche n Seiten auf beide rabens. des Röstig

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Kinderliteratur erfreut sich grosser beliebtheit. doch vorsicht vor den inhalten! Zwei fachfrauen sagen, warum Kinderliteratur zu wenig ernst genommen wird. dabei vermitteln bücher kulturelle Werte sowie rollenbilder und sollten daher von den erwachsenen mit äusserster Sorgfalt ausgewählt werden. Text: Albertine Bourget Illustrationen: Adrienne Barman für www.lab-elle.org

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babygraben

Für weniger sexistische Literatur

S

existische Stereotype und Klischees sind nach wie vor die Norm in der Kinderliteratur. Um Eltern darauf aufmerksam zu machen und ihnen andere Bücher zu empfehlen, hat Anne Dafflon-Novelle*, Psychologin in Genf, im Jahr 2006 den Verein Lab-elle ins Leben gerufen. Mit Hilfe kleiner Aufkleber empfiehlt der Verein Bücher, welche weiblichen Entwicklungsmöglichkeiten spezielle Beachtung schenken («attentifs aux potentiels féminins»). Die Co-Präsidentin erklärt, warum es wichtig ist, wachsam zu sein. babymag.ch: Leserinnen und Leser scheinen immer jünger zu werden. Stimmt das? anne dafflon-Novelle: In der Tat beobachten wir eine Woge von «lesenden Babys»: Bücher richten sich bereits an Kinder ab 9 Monaten. Dies zeigt sich auch im Angebot der Bibliotheken und Kinderkrippen.

Warum sind Bücher so grundlegend wichtig? Bücher sind in verschiedener Hinsicht wichtig. Sie regen an, geben Zugang zu kulturellen Codes und knüpfen vor allem auch eine Verbindung zwischen Kind und Eltern. Die Abendlektüre ist zum Beispiel eine der ersten Aktivitäten, die gemeinsam mit den Eltern unternommen werden. Ein Buch ist Kultur, Erziehung und Kreativität in einem.

Foto: zvg

Ist es immer gut, Kindern Bücher vorzuschlagen? Das Buch wird gerne als vornehmes Kulturobjekt gesehen, vor allem im Vergleich zum Film oder zu Comics. Die Gefahr ist, dass dadurch der eigentliche Inhalt verschleiert wird. Heutzutage sind Bücher hervorragend illustriert, was aber nicht unbedingt heisst, dass auch der Inhalt gut ist. Gerade preisgünstige Bücher aus dem Supermarkt strotzen oft nur so vor Stereotypen. Welche? Die grosse Mehrheit der Bücher stellt männliche Helden in den

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Vordergrund. Das hat zur Folge, dass Kinder sich in etikettierten Rollen wiederfinden, noch bevor sie sprechen können. Sie sehen sich konfrontiert mit den typischen Klischees über männliche und weibliche Identität, Berufsbilder, das kleine brave Mädchen mit der Puppe, den kleinen wilden Jungen, der draussen spielt, die Hausfrau, den berufstätigen Mann…  Diese Darstellungen entsprechen nicht dem realen Leben und dem Alltag des Kindes. Aber sprechende Teekannen oder Tiere sind ja auch nicht gerade realistisch. Müssen Bücher unbedingt die Realität wiedergeben? Das heutige Angebot enthält viel Fantasy. Und bis zum Alter von 7 Jahren bevorzugen Kinder in der Tat Geschichten, die ich als unrealistisch bezeichnen würde, Geschichten mit vermenschlichten Tieren oder Teekannen, in die menschliche Eigenschaften projiziert werden. Das ist nicht das Problem. Problematisch sind Vorbilder, mit denen sich das Kind identifiziert, zu denen es aber im Leben keinen Zugang hat. Es bedarf einer psychologischen Anstrengung, um die in Büchern erlebten Vorbilder in die eigene Realität zu integrieren. Dabei wird sich das Kind nicht auf affektive, sondern quantitative Aspekte stützen. Selbst wenn seine Mutter Chefin eines Unternehmens ist, wird ein Kind, das in Büchern ausschliesslich Mütter im Haushalt erlebt, seine eigene berufstätige Mutter wie eine Ausserirdische empfinden. Daher sind verschiedene Vorbilder oder Gegenmodelle so wichtig. Ist es aber jenseits der Bücher nicht eine Tatsache, dass kleine Mädchen Rosa mögen? Oder handelt es sich hier ebenfalls um einen Stereotyp? Die Liebe zur Farbe Rosa ist nicht angeboren, sondern erlernt. Bis zum Alter von 5 bis 7 Jahren kategorisiert jedes Kind Objekte gemäss Geschlecht und Alter. Ein kleines Mädchen wird sich sagen: «Ich bin

Stereotypen betreffen nicht nur Mädchen... Das Klischee will es, dass ein Junge immerzu Lust hat, sich mit anderen zu messen und zu gewinnen. ein Mädchen, weil ich lange Haare habe.» Es braucht Vorbilder. Rosa steht für Mädchen, daher liebt es Rosa. Es handelt sich also um eine soziokulturelle Konstruktion. In Büchern geniessen Knaben ein besseres Image als Mädchen. Haben Sie keine Probleme damit? Doch. Stereotypen betreffen nicht nur Mädchen... Das Klischee will es, dass ein Junge immerzu Lust hat, sich mit anderen zu messen und zu gewinnen. Es ist daher notwendig, nicht nur den Mädchen, sondern auch den Knaben verschiedene Verhaltensmuster aufzuzeigen. Was halten Sie von Werken, die ein klares Produkt ihrer Zeit sind? Ich erinnere mich daran, wie sehr ich «Les petites filles modèles» von Sophie de Ségur mochte.

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Remo Largo:

«Kinder müssen

Unterschiede erkennen können»

Die Vorstellung, dass man die geschlechtsspezifische Anlage erzieherisch überfahren kann, ist überholt. Das Kind bestimmt, ob es sich als Frau oder Mann fühlt und diese Rolle annehmen will, sagt der Kinderarzt und Buchautor Remo Largo. Interview: Catherine Arber

babymag.ch: Ab wann sind sich Kinder bewusst, dass sie ein Geschlecht haben? remo largo: Zuerst wird ihnen bei Erwachsenen bewusst, dass es zwei Geschlechter gibt, dann bei anderen Kindern und schliesslich bei sich selbst – so etwa mit 3 Jahren.

Warum ist diese Orientierung wichtig? Diese Orientierung wird nicht durch die Umgebung, sondern durch das

Wenn die Mutter mit der Tochter mehr spricht als mit dem Sohn, liegt dies nicht an der Mutter, sondern am Kind. Die Eltern stellen sich auf das Kind und sein Geschlecht ein.

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Kind selbst gemacht. Es muss die Unterschiede erkennen, im Aussehen, aber vor allem in Interessen und Tätigkeiten.

Mädchen sind sozial kompetenter, mehr auf Ausgleich bedacht. Knaben wollen eher Auseinandersetzung und klare Entscheidungen.

Gibt es von Geburt an Unterschiede im Verhalten? Welche? Mädchen sind sozial und sprachlich aufmerksamer und interessiert. Buben motorisch eher aktiver. Es gibt aber grosse Überschneidungen zwischen den beiden Geschlechtern.

Knaben können heute mit Puppen spielen, Mädchen mit Autos. Viele Eltern fördern dies geradezu. Warum pfeifen Kinder oftmals auf diese «Gender-Corectness»? Wie erklären sie diese Unterschiede im Spielverhalten? Die Präferenzen im Spiel sind in den beiden Geschlechtern angelegt. Die Vorbilder können sie lediglich verstärken.

Gibt es Unterschiede in der Entwicklung? Ja, vor allem in den Interessen und Tätigkeiten. Mädchen orientieren sich an Frauen, Jungen an Männern. Aber auch da gibt es wieder grosse Überschneidungen. Oft heisst es: Knaben sind aggressiver, Mädchen ruhiger und rücksichtsvoller. Stimmt das?

Wie würden sie das Spiel von Knaben und jenes von Mädchen umschreiben? Mädchen sind vor allem am Rollenspiel interessiert. Knaben wollen mehr wissen, wie etwas funktioniert Ausgabe 18 - Oktober/November 2011


dossier

Ein Knabe der mit seiner alleinerziehenden Mutter aufwächst, entwickelt ein männliches Rollenverhalten – wenn auch etwas anders als wenn da noch der Vater anwesend wäre. (zum Beispiel Lichtschalter) und wie man etwas konstruieren kann. Von der Spielzeugindustrie werden den kleinen Kindern Rollenvorbilder wie Spiderman oder Lillifee vorgegeben. Müssen sich Eltern Sorgen machen? Ja, die Eltern sollten sich Sorgen machen. Nämlich dann, wenn sie selber als Vorbilder nicht zur Verfügung stehen und sich das Kind an Personen im Fernsehen und in Videofilmen orientiert. Die «Gender-Correctness», die Idee von der Gleichheit in der Erziehung von Mädchen und Knaben, scheint heute überholt. Welches sind die neusten Erkenntnisse? Die Vorstellung, dass man die geschlechtsspezifische Anlage erzieherisch überfahren kann, ist überholt. Das Kind bestimmt, ob es sich als Frau oder Mann fühlt und diese Rolle annehmen will.

Foto: David Ausserhofer

Verhalten sich Eltern gegenüber Mädchen und Knaben anders? Ja, sie können gar nicht anders. Wenn die Mutter mit der Tochter mehr spricht als mit dem Sohn, liegt dies nicht an der Mutter, sondern am Kind. Die Eltern stellen sich auf das Kind und sein Geschlecht ein. Auf was sollten Eltern achten – bei der Erziehung, bei den eigenen Rollenmustern? Sie sollten möglichst authentisch sein in ihrer Rolle, sie sollten keine Kompromisse machen. Im Leben von kleinen Kindern sind Frauen oftmals präsenter: Mama übernimmt daheim mehr Betreuungstage, in der Kita und Ausgabe 18 - Oktober/November 2011

im Kindergarten sind auch vor allem weibliche Wesen zugegen. Wie wirkt sich dies auf die Entwicklung der Geschlechter aus? Eben eigentlich kaum – was immer noch viele Eltern erstaunt. Ein Knabe der mit seiner alleinerziehenden Mutter aufwächst, entwickelt ein männliches Rollenverhalten – wenn auch etwas anders als wenn da noch der Vater anwesend wäre. Was braucht es Ihrer Meinung nach heute in unserer Gesellschaft, damit Kinder bezogen auf ihre Geschlechterentwicklung so aufwachsen können, wie es in Ihren Augen gut wäre?

Biografie Der 1943 geborene Kinderarzt und Professor remo largo leitete an der universitätskinderklinik in zürich jahrzehntelang die Abteilung Wachstum und Entwicklung. Seine Erziehungsratgeber «Babyjahre» und «Kinderjahre» sind Bestseller und gelten als Standardwerke junger Eltern. Eben ist sein neustes Buch erschienen: «Lernen geht anders. Bildung und Erziehung vom Kind her denken» (Edition Körber Stiftung).

Was sie brauchen sind Vorbilder beider Geschlechter. Die Eltern müssen also möglichst verfügbar sein. c

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Margaux

Pullikleid, CHF 66.-, Bobo Choses Hemd, CHF 94.-, Bonton Flanellmütze, CHF 54.-, Jacadi Halsketten, CHF 9.90 für beide, Manor Schleife, vintage

New Kids on the block Die Kids geben sich mal androgyn, mal gefährlich – ganz so, wie es ihnen gefällt. Wir sind begeistert! Fotos: Etienne Delacrétaz - Styling: Elénore Cassaigneau

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fashion

Alexandre

Karohemd, CHF 67.-, Petit Bateau Slim-Jeans, CHF 113.-, Davidson Hut, CHF 12.90, H&M Stiefeletten aus Leder, CHF 152.-, Pom d’Api

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Wenn die Hormone verrückt spielen

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ie meisten Frauen merken, dass sie schwanger sind, wenn sich in wenigen Wochen ihre Körbchengrösse von einem schlanken 80A zu einem stolzen 95C entwickelt. Die Notwendigkeit, einen grösseren BH zu kaufen, ist geradezu eines der klassischen ersten Symptome der Schwangerschaft. Dieses Phänomen hat mit den Hormonen zu tun. Während der Schwangerschaft nimmt ihre Anzahl nicht nur beträchtlich zu, sondern es werden auch neue aktiv (siehe Kasten). Man spricht von einer «hormonellen Überflutung», die nicht ohne Auswirkung auf Körper und Psyche bleibt. Sind aber wirklich alle Schwangerschaftsbeschwerden mehr oder weniger auf hormonelle Schwankungen zurückzuführen? «Ja, obgleich die Psyche zusätzliche Probleme generieren kann», sagt Geburtshelfer Patrick Stora. Es spielen also auch andere Faktoren eine Rolle, beispielsweise der emotionale Zustand, äussere Einflüsse oder die körperliche Veranlagung. Übelkeit, die mit Östrogenen und dem Hormon hCG zu tun hat, wird beispielsweise durch Angst zusätzlich verstärkt: «Statistisch gese-

«Statistisch gesehen leiden Frauen, die keine Angst haben, weniger an Übelkeit.» Patrick Stora, Geburtshelfer

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Bei Beschwerden und Stimmungsschwankungen während der Schwangerschaft heisst es oft, die Hormone seien Schuld. Welche Rolle sie wirklich spielen – und ob sie Schuld an Shoppingexzessen und Karamelleis um zwei Uhr in der Früh sind. Text: Cynthia Jhaveri - Illustration: Albin Christen

hen leiden Frauen, die keine Angst haben, weniger darunter», erklärt der Geburtshelfer. Es lohnt sich also, entspannt zu bleiben. Es gibt drei Phasen der Schwangerschaft: «Im ersten Quartal führt eine starke Hormonausschüttung zu physischen Veränderungen. Das zweite Quartal verläuft eher stabil und ruhig. Im dritten Quartal können sich psychische Probleme einstellen, bis die Hormone kurz vor der Geburt wieder sehr aktiv werden», fasst Patrick Stora zusammen. Lust auf Erdbeeren Keine Panik vor den psychischen Begleiterscheinungen. Frauen betreten diesbezüglich kein Neuland, denn sie erleben sie bereits mehr oder weniger stark seit ihrer ersten Monatsblutung: man spricht von einer Libidomodifikation (nach oben oder unten) und vor allem von Stimmungsschwankungen. Christel, gut gelaunt und ausgeglichen, erinnert sich an ihre zweite Schwangerschaft: «Ich war sehr reizbar und ging schnell in die Luft, ja ich war hyperempfindlich. Nachts hatte ich wahre Angstzustände.» Diese emotionale Instabilität hat auch viel mit der Beschaffenheit des psychischen Gerüsts zu tun, zumal wenn

eine Frau ihr erstes Kind erwartet. Ist eine Frau das erste Mal schwanger, erlebt sie unglaubliche Veränderungen, die sich mit denjenigen während der Adoleszenz vergleichen lassen. Essgelüste und Ekel hängen mit einer vorübergehenden olifaktorischen Hypersensibilität und einem veränderten Geschmacksempfinden zusammen. «Besondere Essgelüste helfen der Frau, das zu essen, was das Ungeborene braucht», erklärt Patrick Stora. Elise, Ernährungsberaterin von Beruf und zum zweiten Mal schwanger, bestätigt: «Ich esse mehr Fleisch und Fisch als üblich. Ich glaube, ich versuche damit, aufkommende Mangelerscheinungen auszugleichen.» Im gleichen Sinne soll ein gesteigertes Ekelgefühl die Mutter davor schützen, etwas Falsches zu essen. Doch ganz lässt es sich nicht erklären. Während ihrer ersten Schwangerschaft grauste Elise beispielsweise vor Zucker. «Ich vertrug ihn so schlecht, dass ich Gesalzenes zum Frühstück essen musste!» Sie, die von Kindesbeinen an gezuckerte Kondensmilch liebte, mochte sie plötzlich nicht mehr. Ferner kann es den gesteigerten Impuls geben, sich selbst zu verwöhnen. Christel hat es erlebt: «Gegen Ausgabe 18 - Oktober/November 2011


schwangerschaft

Ende meiner Schwangerschaft war ich zu Hause und gab mich plötzlich wie verrückt dem Online-Shopping hin. Mein Mann guckte mich zwar böse an, verstand aber, dass es mir gut tat. Er war sogar erstaunt, wenn der Briefträger nicht klingelte.» Ein paar Vorteile... Was die körperlichen Begleiterscheinungen anbelangt, so sind diese sehr vielfältig. Jede Frau erlebt ihre Ausgabe 18 - Oktober/November 2011

Schwangerschaft anders. Einige haben gar keine oder nur ganz wenige Probleme. Auch sollte man sich von den Veränderungen nicht zu sehr runterziehen lassen, denn sie gehen ja wieder vorbei. Alles renkt sich nach neun Monaten oder spätestens einige Monate nach der Geburt wieder ein. Übrigens sind zwei Veränderungen anfangs für viele Frauen ganz erfreulich: nebst einer grösseren,

schöneren Brust strahlen die Haare in einem Glanz, wie er sonst nur in der Shampoowerbung vorkommt. Ihre Textur verändert sich, die Haare werden dichter. Nach der Schwangerschaft sorgt jedoch ein beträchtlicher Haarausfall dafür, dass sich der Normalzustand wieder einpendelt. ... und ein paar Nachteile Etwas weniger glamourös sind Hitzewallungen, übermässiges Schwitzen,

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Ein Traumreich für alle

4 Kinder I

m bestehenden Untergeschoss des Einfamilienhauses am Zürichsee ist es nicht einfach, die drei Zimmer unter den vier Kindern gerecht zu verteilen. Zudem scheint nur spärlich Sonnenlicht in die Räume, die von einem wenig freundlichen Gang getrennt werden. Die Lösung dafür: Die Zimmer werden viel heller gestaltet und der Gang wird kurzerhand in einen Kreativraum verwandelt mit einer riesigen Kreidetafel, einer farbenfrohen Blumentapete, einem Zeichnungstisch und steuerbaren Spotleuchten. Zusammen mit den Kindern werden Wünsche, verschiedene Inte-

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Lucian, Constantine, Amadeus und Jonas wird es nie langweilig. Die vier aufgeweckten Kinder im Alter von 2 bis 7 Jahren sind lebhaft, voller Ideen und äusserst kreativ. Damit sie sich zu Hause jederzeit wohl fühlen und ihre grosse Unternehmungslust ausleben können, brauchen sie kinderfreundliche Räume. Text: Jeannette Domeisen Fotos: Marco Sieber und Dominique Rosenmund

ressen und Lieblingsfarben diskutiert. Neu teilen sich die älteren beiden Jungs das grössere Zimmer. Es entführt Amadeus (6 Jahre) und Jonas (7 Jahre) in eine Weltraumlandschaft mit Astronauten und Raumschiffen.

Und wenn es draussen dunkel wird, zaubert die grosse Leuchte einen Sternenhimmel an die Zimmerdecke. Die Kinder staunen. Fortsetzung auf seite 90

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trend

Das Zimmer von amadeus und Jonas Dieses zimmer wurde mit einem frischen Astronauten-Look versehen frei nach den schÜnsten Knabenträumen.

Vorher

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N°18 - DE - babymag.ch