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„Journalismus und PR in Gegenwart und Zukunft”

7

Sie machen es selbst

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Kommentar aus dem Konvent (jdv)

8

Ergebnis der Hochschulwahlen 2011

9

Inhalt

Editorial Ringvorlesung beleuchtet die Sicht aus der Praxis (ks)

Vorlesungsreihe „Medien Interagieren“ von Studierenden für Studierende (dd)

Grüne vor RCDS und Jusos - SDS.Die Linke verpasst Einzug erneut (jdv)

Wie viele Studierende verträgt ein Campus? (dh)

10

Special: „Passau damals und heute“

12

Der Bäcker hat gerufen... Sauerteigbrot nach altem Rezept und Coffee to go vom Familienunternehmen (lk)

12

Lebenstraum oder Alptraum? - Neue Läden in historischen Gebäuden der Passauer Altstadt

13

Quo vadis, Baden-Württemberg?

14

„Politik ist nicht tot“

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Die Liebesgeschichte zwischen Mr. Social und Mrs. Business

15

Typisierungsaktion war ein voller Erfolg!

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Der Verein Sportlich helfen e.V.

17

Frauenfußball in Deutschland

17

Blicke auf den Wandel der Zeit

Ausbleibende Kundschaft trotz Tourismus - Eine Einschätzung zweier betroffener Einzelhändler (dd) Kommentar zum ersten grün-roten Koalitionsvertrag Deutschlands (pm) Veranstaltungsreihe im Gasthof Mühlrad (jdv) Social Business in Passau - und was hinter der Organisation einer Konferenz steckt (Gastbeitrag von Elisa Rheinheimer) 581 potentielle Lebensretter (ks)

Ein außergewöhnliches Projekt mit ungewöhnlichem Ansatz (jdv) Ein Blick auf die momentane Lage des Frauenfußballs im Jahr der Heim-WM (pm)

Klimaschutz und Fußball

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Spielerinterviews mit Silvio Meißner und Guido Buchwald (cs & bk)

19

Aktuelle Diskussion: Sperrzeitendebatte, nächtlicher Vandalismus, Ruhestörung und ein privater Sicherheitsdienst (jh)

21

Global United FC kickt in Passau für den guten Zweck (cs & bk)

Impressum 29. Ausgabe des UP-Campus Magazins (8. Jahrgang, 2. Ausgabe) - Ausgabe 2/2011 (Sommer 2011, erschienen im Juli 2011) - Auflage: 3000 Stück in Passau Druck: P & P Printmanagement, Bgm.-Kempf-Str. 2, 96170 Trabelsdorf, Verlag: Passauer Publikationen Gruppe e.V. ISSN: 1863-7701 Herausgeber: Dr. Florian Hartleb, Dr. iur. Bence Bauer, Stefan Hassfurter, Barbara Klostermann Chefredaktion: Barbara Klostermann und Christian Schneider, Johannes Hoffmann (Stellv.) / Assistenz: Moritz Dreher (Online), Johannes de Visser (Event & Hochschulgruppe) Layout: Barbara Klostermann Redaktion: Dr. iur. Bence Bauer, Dr. Florian Hartleb, Barbara Klostermann (bk), Christian Schneider (cs), Johannes Hoffmann (jh), Moritz Dreher (md), Johannes de Visser (jdv), Rieke Bening (rb), Jennifer Preu (jp), Susanne Bettendorf (sb), Daniela Dietz (dd), Lena Knezevic (lk), Karoline Schulte (ks), David Hamburger (dh), Patrick Müller (pm), Alexander Widmann (aw), Victoria Pöllmann (vp), Tatjana Schäfer (ts) Gastbeiträge: Elisa Rheinheimer Anzeigenleitung: Christian Schneider, Barbara Klostermann (Stellv.) Abbildungen: S.1 Johannes de Visser; S. 2 Gopal Raju (twitter-Vogel), Dirceu Veiga (rss-Logo), Clay Cauley (Facebook-Logo), Fachschaft WIWI (App); S. 3 Stadtarchiv Passau; S. 6 Barbara Klostermann, Johannes Hoffmann/privat; S. 8 © passau-stadt.de/pixelio.de; S. 10/11 David Hamburger; S. 12 Lena Knezevic; S. 13 Daniela Dietz; S. 14 Patrick Müller; S. 15 Susanne Witzani; S. 16 AEGEE Passau (oben), DKMS (unten); S. 17 Sportlich helfen e.V. (oben), © AARGON/pixelio.de (unten); S. 18 © adel/pixelio.de; S. 19 Christian Schneider (oben), Barbara Klostermann (unten); S. 20 Barbara Klostermann; S. 21 Johannes Hoffmann, Bild von Marco Reinhart (Melcak/passau-live.de) Die Verantwortung im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P.) tragen die Herausgeber. Alle namentlich gekennzeichneten Artikel spiegeln die Meinung des Verfassers, nicht die der Redaktion oder des Herausgebergremiums wider. Ein herzlicher Dank gilt allen Inserenten! Kontakt:

Passauer Publikationen Gruppe e.V. Barbara Klostermann, Chefredakteurin, Nibelungenstr. 10 - 94032 Passau - Tel.: 0851/2118681 - Email: barbara.klostermann@ppg-online.de Web: www.ppg-online.de (Herausgeber); www.up-campusmagazin.de (Magazin & Redaktion)


Editorial Liebe Leserinnen und Leser, der Sommer ist da, das Semester fast schon wieder vorbei und die Prüfungen laufen - Zeit für eine neue Ausgabe des UP-Campus Magazins. In unserer neuen Serie „Passau damals und heute“ begeben wir uns sowohl optisch als auch redaktionell auf eine Reise durch Passaus Vergangenheit und Gegenwart. Des Weiteren haben wir unsere Kategorien um eine Sportsparte erweitert. Unser neuer Ressortleiter Patrick Müller gibt Euch Einblicke in den Frauenfußball. Und beim Charity-Spiel des Global United FC haben wir Silvio Meißner und Guido Buchwald interviewt. Aber nicht nur Spitzensportler kommen in dieser Ausgabe zu Wort. Wir haben nämlich Eure Meinungen zum Thema „Sperrzeitendebatte - Vandalismus - Ruhestörung - Sicherheitsdienst“ eingeholt. Ohne Euch wäre auch die Typisierungsaktion der DKMS am Campus, auf die wir zurückblicken, nicht so erfolgreich geworden. Über 581 potentielle Lebensretter sind zu verzeichnen. Bei diesem Engagement kann man sich nur wünschen, dass der ein oder andere für sich auch eine Aufgabe im Verein „Sportlich helfen“ findet, den wir Euch vorstellen. Aber auch andere Dinge haben sich am Campus getan: Es gibt wieder einen Kommentar zur vergangenen Konventssitzung. Die Hochschulwahlen sind frisch vorbei. Die neue Vorlesungsreihe „Medien Interagieren“ von Studenten für Studenten ist erfolgreich gestartet. AEGEE hat mit viel Arbeit eine Social-Business-Konferenz auf die Beine gestellt. Und zum Thema „Journalismus und PR in Gegenwart und Zukunft“ wird die Sicht der Praxis in einer Ringvorlesung dargeboten. Aber uns sollen nicht nur die aktuellen Geschehnisse an der Universität interessieren. In Anbetracht des nahenden doppelten Abiturjahrgangs geht David Hamburger der Frage nach, wieviele Studierende ein Campus wohl verträgt. Im politischen Bereich geht es diesmal um die Passauer Veranstaltungsreihe „Politik ist nicht tot“ und wir werfen einen Blick auf den ersten grün-roten Koalitionsvertrag Deutschlands. Unser herzlicher Dank gilt auch unseren Inserenten, die das Erscheinen des Magazins mit Ihrer Zuverlässigkeit und Treue immer wieder ermöglichen. In diesem Sinne wünscht Euch Eure UP-Campus Redaktion viel Vergnügen beim Lesen,

Barbara Klostermann (Chefredakteurin)

Christian Schneider (Chefredakteur)

Johannes Hoffmann (Stellv. Chefredakteur)

Redakteure/innen für Print & Online Einladung zum Mitmachen! Seit über zwei Jahren ist unsere Redaktion eingetragene Hochschulgruppe an der Uni Passau. Du hast Lust Dich journalistisch zu betätigen, ehrenamtlich zu engagieren oder kreativ zu betätigen? Du möchtest interessante Wirtschafts-, Politik-, Kultur- oder Freizeitveranstaltungen besuchen und wertvolle Kontakte für Studium und Karriere knüpfen?

6 Editorial

Dann bist Du bei uns genau richtig - auch ohne Vorerfahrung! Schau doch einfach mal unverbindlich bei einer Redaktionssitzung vorbei, um Dir einen Eindruck von uns zu verschaffen: Während der Vorlesungszeit treffen wir uns jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat um 20.00 Uhr im Raum 028 WiWi (Innstr. 27, 94032 Passau). Alle Sitzungstermine, aktuelle Hinweise und weitere Informationen findest Du im Internet auf www.up-campusmagazin.de in der Rubrik „Hochschulgruppe“ sowie an unserer Anschlagfläche im Philosophicum unten neben der Treppe, Brett Nr. 16. Oder kontaktiere uns einfach per Email: redaktion@up-campusmagazin.de Wir freuen uns auf Dich!


„Journalismus und PR in Gegenwart und Zukunft” Ringvorlesung beleuchtet die Sicht aus der Praxis

Am 8. Juni war Dr. Bernd Pütter zu Gast, der in seiner Position als Kommunikationschef bei HOCHFTIEF über “Kommunikative Hürden bei Großprojekten” referierte. Das 1873 gegründete Unternehmen ist mit 70.000 Mitarbeitern - davon ca. 11.000 in Deutschland - der siebtgrößte und internationalste Baudienstleister der Welt. Nach einer kurzen Einleitung, in deren Rahmen der Referent das Unternehmen und die einzelnen Bereiche, in denen es agiert, darlegte, stellte er seine Thesen zur Projektkommunikation vor sowie Strategien, mit denen sich negative Presse bestmöglich vermeiden lasse. Da kein direkter Einfluss auf die Berichterstattung genommen werden könne, sei professionelle Projektkommunikation zur Krisenprävention unabdingbar. Daher sei es umso wichtiger, dass Projektmitarbeiter lernen, Themen richtig einzuschätzen und sich entsprechend zu verhalten. Zu den wichtigsten Nachrichtenwertfaktoren zählten u. a. Bedeutsamkeit und Folgenreichtum des jeweiligen Projekts, dessen Außergewöhnlichkeit, bestimmte Personenbezüge und Prominenz, sowie Negativismus, da Streit über einen besonders hohen Nachrichtenwert verfüge, so der Referent.

Entdeckungen:

Die These, dass Kostenschätzungen kein Festpreis seien, ist dafür ein besonders gutes Beispiel, da gerade Großprojekte oftmals zum Gegenstand politischer Diskussion werden. Sie beruhen oftmals zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erst auf groben Annahmen, da die Planung meist noch nicht abgeschlossen ist und stellen gerade nicht den Endpreis dar, zu dem gebaut werden kann. Diese Tatsache wird jedoch in der Presse meist völlig vernachlässigt, was sicherlich nicht zuletzt daran liegt, dass Politik, Wirtschaft und Journalismus unterschiedlich “ticken”, wie es in einer weiteren These heißt. So ginge es beispielsweise der Politik hauptsächlich um die Durchsetzung von Projekten und Machterhalt. Um negative Presse bestmöglich zu vermeiden, setzt HOCHTIEF auf einen offenen Umgang mit Problemen und positive Projektkommunikation. Auch eine bewusste Besetzung von Themen und ein professionelles Marketing sollen sie dabei unterstützen. Projektleiter, die selbst mit Journalisten sprechen sollen, sollten unbedingt darauf achten, dass sie sich bei Presseanfragen zuvor immer mit der Kommunikationssparte des Unternehmens und dem Bauherrn abgesprochen haben. Gerade bei Risikothemen und politisch besonders brisanten Themen sollten sie niemals selbst antworten. Und selbstverständlich seien ein guter Gesamteindruck und die Einhaltung von Vorschriften von ebenso hoher Bedeutung, so der Referent. von Karoline Schulte (ks)

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7 Studium & Karriere

Unter diesem Titel wird in diesem Semester eine Ringvorlesung von Prof. Dr. Oliver Hahn angeboten, in deren Rahmen Top-Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter zu Gastvorträgen an die Universität Passau kommen.


Sie machen es selbst

Vorlesungsreihe „Medien Interagieren“ von Studierenden für Studierende

Zum ersten Mal findet dieses Semester an der Universität Passau eine Vorlesungsreihe statt, die Studierende selbst gestalten und abhalten. Die Idee dafür hatte Steffi Krause. Steffi Krause studiert im fünften Fachsemester Sprache und Text an der Uni Passau und hat ein klares Ziel vor Augen: „Solange wie möglich an der Uni bleiben“. Denn für ihre berufliche Zukunft strebt sie eine akademische Laufbahn an. Dies war auch der Grund für ihre Idee eine von Studierenden geführte Vorlesungsreihe ins Leben zu rufen, ganz nach dem Motto: sie, die Studierenden, machen es selbst. Schließlich gibt es für Studierende, die einen akademischen Beruf anstreben, nur wenige Möglichkeiten Praxiserfahrungen im Dasein eines Dozenten zu sammeln und Einblicke in dessen Tätigkeitsfelder zu erlangen. Dabei macht Übung doch den Meister, oder? Seit Sommer 2010 arbeitete Steffi Krause deshalb in Kollaboration mit Frau Dr. Alev Inan (Lehrstuhl für allgemeine Pädagogik) an der Organisation und Ausarbeitung einer Ringvorlesung, die allein von Studierenden gestaltet und abgehalten wird. Bei der Themenwahl für diese Vorlesung war Steffi wichtig, dass „jeder etwas dazu sagen kann“. „Medien Interagieren“ soll Studierenden aus allen Fachrichtungen ein weitgefasstes Thema vorgeben, das sie im Rahmen einer eigenen Vorlesung dann spezifizieren und selbst aufbereiten. Nach einem ‚Call for Papers‘, in dem Interessierte ihre Ideen und Vorschläge für die Veranstaltung eingereicht hatten, fanden vergangenes Wintersemester Workshops und regelmäßige Treffen für alle Teilnehmenden statt. Außerdem stellten sich einige Do-

zenten als Ansprechpartner zur Verfügung und halfen bei der Betreuung des Projekts. Den Anfang der Ringvorlesung machte Steffi Krause selbst am 17. Mai 2011. Das Thema lautete „Von wegen Emanzipation. Wie die Medien unser Bild von Gleichberechtigung beeinflussen.“ Anhand von drei auserwählten Filmbeispielen der Dienstagsfilmereihe des Fernsehsenders Sat.1 erläuterte sie die emanzipatorischen Werte unserer Gesellschaft, die durch diese Filme vermittelt werden und inwiefern diese dem Gesellschaftsbild entsprechen. Am Ende der Vorlesung erschloss sich den Zuhöreren unter anderem die Erkenntnis, dass es in dem Film „All you need is love“ (2009) zu direkter und indirekter Abwertung von Homosexualität kommt. Dem Vortrag folgte eine anregende Diskussion über die Verantwortung des Fernsehsenders, die er bei der Erzeugung solcher und ähnlicher Wertvorstellungen trägt. Andere Themen, die behandelt wurden, stellten die berufliche Gleichberechtigung und die Rolle der Frau innerhalb der Familie dar. Noch bis zum Ende des Sommersemesters findet immer dienstags von 16 - 18h in Hörsaal 2 ein anderer Vortrag zum Thema „Medien Interagieren“ statt. Für die Zukunft wünscht sich Steffi, dass es „solch eine Vortragsreihe öfter geben kann“. Dazu lädt sie Studierende aller Fakultäten ein, an diesem Projekt teilzunehmen. Nicht zuletzt soll es einen Beitrag leisten, „das Verständnis auf beiden Seiten, zwischen Lehrenden und Lernenden“ zu verbessern. von Daniela Dietz (dd)

Kommentar aus dem Konvent

8 Studium & Karriere

Am 09.06.2011 traf sich der studentische Konvent der Universität Passau zu seiner vorletzten Sitzung in diesem Semester. Dabei beschloss er, die Transparenz bei der Verwendung der Studiengebühren zu erhöhen. Zunächst jedoch begann diese Sitzung mit einem aus meiner Sicht beschämenden Vorfall: Der Konvent hatte mich für diese Sitzung vorgeladen. Ein Grund wurde mir vorab nicht genannt, lediglich ein Bezug zu meinem „Kommentar aus dem Konvent“ vom Dezember 2010 (also schon ein halbes Jahr alt) wurde angedeutet. Der Konvent bestellt also einen Redakteur ein, um ihn sich für seine Berichterstattung rechtfertigen zu lassen. Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass ich als Beauftragter des Konvents eine gewisse

Loyalität gegenüber dem Konvent nach außen hin zu vertreten habe. Allerdings ist meine Tätigkeit als Autor in diesem Magazin völlig losgelöst von meiner Tätigkeit als Beauftragter des Konvents. Auch nahm ich in meinem Bericht keinerlei Bezug auf diese Tätigkeit oder erwähnte meinen Status als Beauftragter an irgendeiner Stelle. Ich übte in diesem Artikel zwar scharfe Kritik an zwei im Konvent besprochene Anträgen bzw. deren Besprechung, habe jedoch bewusst niemanden namentlich genannt. Dass ich dennoch ein halbes Jahr später vom Konvent vorgeladen wurde, halte ich für den Beweis eines teilweise mangelnden Demokratieverständnisses einiger Konventsmitglieder. Anscheinend besitzt jedoch die Mehrheit der Abgeordneten

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immer noch ein gesundes Verständnis von Demokratie und so wurde die Anhörung nach ca. 30 Minuten ergebnislos abgebrochen. In der Folge diskutierte der Konvent die eingebrachten Anträge. Der AStA brachte einen Antrag ein, Konkordatslehrstühle außerhalb der Theologie in Passau abzuschaffen. Dem konnten grundsätzlich alle Konventsmitglieder zustimmen, allerdings gab es Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit. Daher wurde der Antrag geringfügig modifiziert und nun wie folgt verabschiedet: „Die Universität Passau wird aufgefordert bei der Landesregierung auf die Abschaffung der Konkordatslehrstühle außerhalb der Theologie hinzuwirken. Sollte die Landesregierung eine Abschaffung der Konkordatslehrstühle ermöglichen, so hat die Universität Passau diese Möglichkeit wahrzunehmen.“. Konkordatslehrstühle sind Lehrstühle, bei denen die Kirche ein Mitspracherecht bei der Lehrstuhlbesetzung hat. Ein weiteres wichtiges Thema dieser Sitzung war die Transparenz bei der Verwendung von Studienbeiträgen. Aktuell gibt es lediglich eine Auflistung der Universitätsleitung wie die Studienbeiträge verwendet werden. Diese enthält jedoch teils große Sammelposten, so dass eine Aufschlüsselung im Einzelnen kaum möglich ist. Daher hat der Konvent nun beschlossen, dass die Universität dafür Sorge tragen soll, dass zukünftig alle Neuerwerbungen, welche aus Studienbeiträgen finanziert werden, gekennzeichnet werden müssen. Bücher sollen etwa einen kleinen Aufkleber oder Stempel im Inneren erhalten, Seminarräume, welche mit Studienbeiträgen ausgestattet wurden, sollen ebenfalls entsprechend gekennzeichnet werden, usw. So kann sich jeder Studierende ein eigenes Bild machen, wofür und in welchem Umfang seine Studienbeiträge verwendet wurden. Die von einigen Konventsmitgliedern geäußerte Sorge, eine derartige Transparenz könnte den Studierenden vor Augen führen, was aus seinen Studienbeiträgen alles fi-

nanziert wurde, und damit die Akzeptanz für Studienbeiträge erhöhen, konnte zerstreut werden. Sollte die Universität diesen sinnvollen Beschluss des Konvents tatsächlich umsetzen, so hätten die Studierenden nun erstmals die Möglichkeit, sich tatsächlich einen Überblick zu verschaffen, wofür ihre Studienbeiträge ausgegeben werden. Ob der Studierende dann zu dem Schluss kommt, dass Studienbeiträge zu einer sinnvollen Verbesserung seiner Lehrsituation führen, oder ob er eher erschrocken darauf reagiert, was er alles selber zahlen muss, bleibt dann dem Einzelnen überlassen. Der Konvent hat mit der Verabschiedung dieses Antrages einen wichtigen Schritt hin zu einer transparenteren Verwendung von Studienbeiträgen getan. Auch verabschiedete der Konvent einen Antrag, der die Universitätsleitung dazu auffordert, zu prüfen, mit welchem finanziellen Aufwand es verbunden wäre, HISQISAuszüge auch in anderen Sprachen als Deutsch, Englisch oder Französisch zur Verfügung zu stellen. Anscheinend haben einige Universitäten, besonders im spanischsprachigen Raum und in Russland Probleme bei der Anerkennung der Auszüge in den bisher zur Verfügung stehenden Sprachen. Insgesamt war dies eine sehr konstruktive Sitzung, welche erheblich zur Verbesserung des studentischen Lebens an der Universität Passau beitragen kann, sollten die Beschlüsse umgesetzt werden. Von daher ist diese Sitzung als beispielhaft zu bezeichnen, anders als jene über die ich im Dezember schrieb. Lediglich meine Vorladung aufgrund eines kritischen Berichts trübt das Gesamtbild. von Johannes de Visser (jdv) Bild: © passau-stadt.de/pixelio.de

Ergebnis der Hochschulwahlen 2011 Am 21.6.2011 haben die Passauer Studierenden einen neuen Konvent, neue Fachschaften sowie zwei neue Senatoren gewählt. Paul Wagner ist der neue Fachschaftssprecher der juristischen Fakultät, Georg Stammel übernimmt diese Funktion für die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Karoline Oberländer ging aus den Wahlen als Fachschaftssprecherin der philosophischen Fakultät hervor und Sebastian Hennenberg vertritt die Fachschaft der Informatiker. Traditionell wird von den politischen Hochschulgruppen am meisten Wahlkampf um die Sitze in Konvent und Senat geführt. Auch dieses Jahr waren die Gruppen äußerst präsent auf dem Campus und versuchten, den Studierenden ihre Themen näher zu bringen. Dennoch änderte sich dieses Jahr zum Erstaunen einiger nichts an der anteiligen Besetzung des Konvents. Stärkste Gruppe ist nach wie vor die Grüne Hochschulgruppe (GHG) mit sieben Sitzen im Konvent, gefolgt vom Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) mit vier Sitzen, der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD (Jusos) mit drei Sitzen,

sowie der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) mit zwei Sitzen im Konvent. Der SDS.DieLinke konnte auch in der zweiten Wahl, an welcher er nun teilnahm, kein Konventsmandat erringen. Anscheinend waren die Studierenden mit der Arbeit der von ihnen im letzten Jahr gewählten Vertreter im Großen und Ganzen zufrieden. Im Senat werden zukünftig „grüne Senatoren“ die Interessen der Studierenden vertreten. Karin Bugow und Felix Speidel konnten sich gegen ihre Mitbewerber durchsetzen. Die Besetzung des zweiten Senators war dabei denkbar knapp: Felix Speidel hatte lediglich 53 Stimmen mehr als Tim Bartel vom RCDS. Insgesamt verzeichnete die gemeinsame Liste von Grünen und Jusos 1117 Stimmen, die Liste von RCDS und LHG 505 Stimmen und die Liste des SDS 122 Stimmen. Die Wahlbeteiligung unter den Studierenden lag dieses Jahr bei 18,93 %. Dies ist ein leichter Abfall von einem Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. von Johannes de Visser (jdv)

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9 Studium & Karriere

Grüne vor RCDS und Jusos - SDS.Die Linke verpasst Einzug erneut


Wie viele Studierende verträgt ein Campus? Der doppelte Abiturjahrgang steht bereits in den Startlöchern, um im Wintersemester in die Hörsäle zu strömen. Wird die Universität Passau diesen Ansturm bewältigen können, ohne ihren eigenen Anspruch als Eliteschmiede und die Interessen ihrer Studierender aus den Augen zu verlieren? Der Universität Passau steht mit dem kommenden Wintersemester eine Zäsur in ihrer 30-jährigen Geschichte bevor: Erstmals werden nach aktuellen Prognosen über 10.000 Studierende den Uni-Campus bevölkern. Dies scheint der richtige Zeitpunkt zu sein, um mit Blick auf die Vergangenheit eine Prognose über die Zukunft der Universität Passau zu wagen. Angesichts des doppelten Abiturjahrgangs werden bereits seit mehreren Semestern Treppenplätze in Seminaren, Stehplätze in Hörsälen und keinerlei Plätze in Lesesälen als zukünftiger Alltag des Passauer Studierenden in den schillerndsten Farben heraufbeschworen. Trotz dieses beständigen Echauffierens über den drohenden Untergang der Universität Passau, die bei einigen bereits zur unumstößlichen Gewissheit wurde, vermisst man belastbare Argumente in Form von konkreten Zahlen, welche die nahende Apokalypse bestätigen, meist schmerzlich. Aber steigt die Anzahl der Studienanfänger und Studierenden wirklich so rasant wie stets behauptet? Waren tatsächlich noch nie ähnlich viele Studierende in Passau immatrikuliert? Und ist die Raumnot in der Tat so gravierend wie allgemein beteuert wird? Beginnen wir mit der Entwicklung der Studierendenanzahl. Im Sommersemester 2011 sind mit insgesamt 9.438 so viele Studierende wie noch nie an der Universität Passau immatrikuliert. Zwar sind dies über 1.000 Studierende mehr als noch ein Jahr zuvor, historisch betrachtet verliert diese Zahl jedoch schnell ihren Schrecken, waren doch bereits im Wintersemester 2005/2006 mehr als 9.000 Studierende in Passau eingeschrieben (vgl. Abb.1 - Entwicklung der Anzahl der Studierenden (Kopfzahlen) an der Universität Passau). Allerdings bleibt zu bedenken, dass der rasante Anstieg vom Sommersemester 2010 hin zum Sommersemester 2011 bereits einen Vorgriff auf das kommende Wintersemester darstellt, in welchem die Universität mit einer Studierendenanzahl oberhalb der 10.000er Marke rech-

net. Geht man für das Wintersemester 2011/2012 von einem ähnlich starken Wachstum aus wie zum aktuellen Sommersemester - was wahrscheinlich eine zu optimistische Sicht der Dinge ist - wird sich diese Prognose der Universität mit Sicherheit bewahrheiten. Das starke Wachstum der Anzahl an Studierenden korreliert allerdings nur dann mit einer Verschlechterung der Raumsituation, wenn nicht auch die Nutzungsflächen der Universität dementsprechend ausgebaut wurden. Im Jahr 2000 standen der Universität an Gesamtflächen von Hörsälen, Prüfungs- und Seminarräumen insgesamt 5.463 m² zur Verfügung. Bis zum Jahr 2011 wurden diese um 28% auf 6.992 m² erweitert. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Studierenden um 34% gestiegen. Von einem signifikanten Auseinanderfallen der Anzahl der Studierenden und der zur Verfügung stehenden Nutzfläche kann an dieser Stelle folglich nicht die Rede sein. Zu bedenken bleibt jedoch, dass sich der erhöhte Bedarf meist auf die Hörsäle konzentriert, eine Tendenz die sich aufgrund immer größer werdender Studierendenzahlen weiterhin fortsetzen wird. In der Breite gesehen, mögen zwar ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, aber gerade für Vorlesungen mit mehreren hundert Besuchern, welche zunehmend zur Regel werden, stößt man an die Grenzen der zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Diese Entwicklung wird sich durch den doppelten Abiturjahrgang noch zusätzlich verschärfen, nicht umsonst gibt es bei der Universitätsleitung bereits Gedankenspiele, ob man nicht auf Kinosäle ausweichen könne. Ähnlich besorgniserregend erscheint die Situation der Universitätsbibliothek. Innerhalb der letzten 5 Jahre sind die Nutzerzahlen sprunghaft angestiegen (Abb.2 - Gezählte Lesesaalbenutzung) und man braucht kein Prophet zu sein, um abschätzen zu können, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird. Wie dieser Mehrbedarf bei gleich bleibender Nutzfläche kompensiert werden soll, steht in den Sternen. Der Umstand, dass auf der studentischen Vollversammlung vom 25. Mai 2011 die Möglichkeit aufgezeigt wurde, dank einer Kooperation mit der Staatsbibliothek Passau auch in deren Räumen Zugang zu bestellten Büchern zu erhalten, wirkt nicht nur hilflos, sondern fast schon verzweifelt. Dies ist jedoch zumindest ein Beweis dafür, dass die Universitätsleitung mit erheblichen Einschränkungen im Rahmen der Lese-

10 Studium & Karriere

Abb. 1

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Abb. 2

phischen Entwicklung und der sinkenden Geburtenzahlen geht man davon aus, dass die Studienanfängerquote gegen Ende des Jahrzehnts stark rückläufig sein wird. Bei der Formulierung von Forderungen zur Verbesserung der momentanen Studiensituation sollte man daher im Hinterkopf behalten, dass auf Dauer neu geschaffene Kapazitäten in naher Zukunft brachliegen werden und man daher aus Rücksicht auf kommende Generationen vorübergehenden Maßnahmen den Vorzug geben sollte. Die Frage, inwieweit eine Studierendengeneration der gesamten Gesellschaft Aufwendungen in Millionenhöhe für den eigenen kurzweiligen Nutzen aufbürden darf, wird an dieser Stelle jedoch jeder für sich beantworten müssen.

saalbenutzung rechnet. Darüber hinaus sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass durch das zunehmende Verstreutsein der Universität über ganz Passau der beliebte und gern beworbene Campus-Charakter ein Stück weit verloren geht. Neben der Campus-Universität war bisher auch die vergleichsweise gute Betreuungsrelation ein Qualitätsmerkmal und Markenzeichen der Universität Passau. Während im Sommersemester 2009 noch 73 Studierende auf eine Professorenstelle kamen, sind es im aktuellen Semester bereits 84 (vgl. Abb.3 - Betreuungsrelation (Studenten pro Professor)). Dieser Wert unterscheidet sich zwar noch deutlich von dem des Wintersemesters 2005/2006 mit einer Betreuungsrelation von 90:1, allerdings lässt sich bereits erahnen, dass bei dem Ausbleiben einer personellen Aufstockung auch die Qualität der Lehre deutlich sinken wird.

Letzten Endes bleibt allerdings noch ungeklärt, warum die Universität solch eine große Menge an Studierenden aufnimmt, anstatt die Anzahl an Studienplätzen stärker zu reglementieren. Gemäß einer verbindlichen Zielvereinbarung zwischen dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Universität Passau ist letztere zum Ausbau der Studienplätze und zu einem festen Aufnahmequorum von Studienanfängern verpflichtet. Interessant ist hierbei, dass als Basis das Studienjahr 2005 ausgewählt wurde. Also just jenes Rekordjahr mit einer für die Universität Passau ungewöhnlich hohen Studierendenzahl. Solch einen statistischen Ausreißer als Basis für den Ausbau der Studienplätze heranzuziehen, erscheint nicht nur fragwürdig, sondern bereits unredlich. Umso verwunderlicher ist jedoch, dass die Universität in den letzten Jahren die Zielvereinbarung nicht nur erfüllt, sondern signifikant übertroffen hat (Abb. 4 - Anzahl der Studienanfänger). So war beispielsweise für das Studienjahr 2010 vorgegeben 2.284 Studienanfänger aufzunehmen. Mit 3.393 Studienanfängern wurde diese Verpflichtung mehr als deutlich überboten. Dieses Vorgehen erscheint angesichts der momentanen Situation zumindest erklärungsbedürftig. von David Hamburger (dh) Abb. 4

Nach eingehender Betrachtung steht fest, dass nicht nur das subjektive Empfinden vieler Studierenden, sondern auch die Statistik darauf schließen lässt, dass der Universität Passau schwierige Zeiten bevorstehen. Dessen ungeachtet sollte man jedoch bedenken, dass eine Lösung dieses Problems auch die jeweiligen Verantwortlichen vor große Probleme stellt. Sowohl die Schaffung neuer Hörsäle und Seminarräume, als auch eine massive Personalaufstockung wären aus ökonomischer Sicht äußerst paradox. Denn aufgrund der demogra-

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11 Studium & Karriere

Abb. 3


Special: „Passau damals und heute“ Blicke auf den Wandel der Zeit Passau, wie es heute ist - das kennen wir alle. Doch wie mag es hier in früheren Zeiten gewesen sein? Was hat sich verändert? Wie hat man gelebt? Welche Geschichten und Erfahrungen stecken in den alten Gemäuern? Wie empfinden alteingesessene PassauerInnen den Wandel der Zeit? Was beschäftigt die Menschen in den heutigen Tagen? All dem wollen wir in unserer neuen Serie nachgehen. Während wir das Cover nutzen, um den optischen Kontrast aufzuzeigen, werden wir uns im redaktionellen Teil auf Spurensuche begeben.

Der Bäcker hat gerufen... Sauerteigbrot nach altem Rezept und Coffee to go vom Familienunternehmen worden, denn er war schon als Kind oft bei seinem Vater im Laden und spielte in der Backstube mit den Zutaten herum. So wurde etwas vom Mehl probiert und etwas von der Hefe gekostet und das Bäckergeschick schon früh geschult.

12 Special: „Passau damals und heute“

Heinrich Ratzinger führte die Bäckerei vor seinem Sohn 30 Jahre lang. Sein Sohn erzählt: „Damals gab es noch an die 30 Bäckereien in Passau. Davon sind jetzt nur noch etwa vier übrig geblieben.“ Konkurrenz bekommt die Bäckerei Ratzinger von großen Bäckereiketten, die sich vor allem in der Innenstadt befinden. „Die haben für alles Maschinen und können viel schneller und mehr produzieren. Da komme ich ja gar nicht hinterher.“, so Ratzinger.

Anders als in der Altstadt, wo sich über die Jahre viele neue Läden angesiedelt haben, befinden sich auf der anderen Seite des Inns in den historischen Gebäuden auch noch historische Läden. Im Vorbeigehen wäre sie einem vielleicht gar nicht aufgefallen. Die kleine Bäckerei in der Löwengrube ist von außen eher unscheinbar. Erst wenn man näher kommt, einen Blick ins Schaufenster wirft und den Laden betritt, bemerkt man die alte Kasse, die das Fenster schmückt und die Inschrift über der Tür, auf der das Gründungsdatum, 1777, zu lesen ist. Klaus Ratzinger übernahm vor einem Jahr die Bäckerei „Josef Ratzinger“ von seinem Vater. „Seitdem hat sich hier nichts verändert“, sagt er. Sogar die alte Semmelbröselmaschine steht noch in der Backstube. Auch das Gebäude selbst ist historisch. Zwar musste es nach dem Stadtbrand 1809 wieder gänzlich neu aufgebaut werden. Im Boden auf dem Gang ist ein alter Grabstein eingelassen. Vermutlich stammt der aus dem 12. Jahrhundert und wurde zweckentfremdet um eine Lücke im Steinboden zu stopfen. Der jetzige Inhaber, gelernter Speditionskaufmann, machte nachträglich eine Schulung zum Bäcker bei seinem Vater. Der Beruf war ihm in die Wiege gelegt

Dennoch hat sich das Familienunternehmen gehalten. Das liegt wohl unter anderem an den vielen Stammkunden, die hier seit ihrer Kindheit ihre Semmeln holen und immer zum Plaudern aufgelegt sind. Aber auch bei Studierenden ist die Bäckerei beliebt. Den Kaffee gibt es hier natürlich auch „To Go“, für den Weg zur Uni. Auch das nach einem alten Rezept gebackene Sauerteigbrot macht die Bäckerei zu etwas Besonderem. Das Brot ist stadtbekannt und fast schon eine eigene Marke. Ratzinger liefert es in ganz Bayern an Kunden aus. Es gibt eben immer wieder Leute, die ein Stück Passau bei sich zu Hause genießen wollen. Nur im Internet ist das Geschäft noch nicht vertreten. Und das ist auch gut so. Denn die Bäckerei Ratzinger ist eine Traditionsbäckerei und will es auch bleiben.

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von Lena Knezevic (lk)


Lebenstraum oder Alptraum? Neue Läden in historischen Gebäuden der Passauer Altstadt

Wo sich früher vielerlei Obstsorten in Holzkisten stapelten, sich frisches Gemüse auf der Theke türmte und es nach köstlichen Früchten duftete, dort befindet sich heute das Altstadt Viktualienladl. In der Großen Messergasse, die vom Dom zum Residenzplatz führt, befinden sich auf der rechten Seite die alten unter Denkmalschutz stehenden Räumlichkeiten von Gudrun Baumgartners Lebenstraum - ihrem eigenen Laden. Im Inneren ihres Geschäfts kann der Tourist Souvenirs erstehen, Einheimische finden hier Dekorationsartikel und allerlei Sammelstücke. Ihr buntes Sortiment, das Gudrun Baumgartner selbst als „Sammelsurium“ bezeichnet, reicht von Magneten, Schlüsselanhängern, typisch deutschen Bierkrügen und Spirituosen bis hin zu Schuhen, Batterien und Christbaumschmuck. Seit einem Jahr ist sie die Pächterin des kleinen, liebevoll eingerichteten Ladens, aber, „dass das Geschäft so schlecht geht“ hätte Gudrun Baumgartner nicht gedacht: „Bei mir kaufen Studenten, die nach längerer Zeit einmal wieder nach Hause fahren die Mitbringsel für Familie und Freunde.“ Nicht aber Touristen; von denen fehle an manchen Tagen jede Spur, sagt sie. An strengen Wintertagen habe sich die Autofahrt nach Passau für die in Bad Griesbach wohnende Ladenmieterin kaum gerechnet. Dabei galt die potentielle Kaufkraft der knapp 230.000 Touristen, die jährlich nach Passau kommen, für die zweifache Mutter als bedeutsames Argument sich in der Dreiflüssestadt mit ihrer Geschäftsidee selbstständig zu machen. Seit der umstrittenen Realisierung der Passauer „Neuen Mitte“ 2008 soll das von der Stadt vorgestellte Innenstadtentwicklungskonzept (IEK) neben der Erlebnisqualität auch den Bestand und die wirtschaftliche Entwicklung des Einzelhandels fördern. Im Allgemeinen sieht das IEK also eine Aufwertung der gesamten Innenstadt und damit auch der Altstadt vor. Aber ähnlich wie Gudrun Baumgartner sind auch Bernd Schweinsberg und Corinna Kirchhof, Inhaber der Galerie Holz und Kunst, von der Effektivität dieses Konzepts nicht gänzlich überzeugt. Seit zweieinhalb Jahren betreibt das Paar ein Atelier, in dem sie Gemälde und handgefertigte Holzmöbelstücke und -skulpturen verkaufen. Vorrangig an Touristen, für eine dauerhaft positive Bilanz ihrer Finanzen reicht die Anzahl der Kunden jedoch nicht aus. Dass Gudrun Baumgartner, wie sie selbst sagt, im Sommer täglich 80 Prozent Englisch sprechen muss, zeugt von der internationalen Kundschaft in ihrem Laden. Aber trotz der großen Reisegruppen, die sich rund um den Dom tummeln, bleiben die Einnahmen ihres Ladens unzureichend für eine dauerhaft gesicherte Existenz. Bernd Schweinsberg ist der Meinung, „dass dies an der knapp bemessenen Zeit liegt, die den großen Reisegruppen zur Verfügung steht, um gemütlich durch die Altstadt zu bummeln.“

Für den unzureichenden Ertrag ihres Geschäfts machen Gudrun Baumgartner und ihre Nachbarn aus der Großen Messergasse aber nicht allein die ausbleibende Kundschaft verantwortlich. In ihren Augen sind die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise ein für sie spürbarer Effekt, durch die Touristen allgemein weniger Geld für Souvenirs und Andenken ausgeben. Bernd Schweinsberg weiß: „Die Menschen müssen halt trotz Urlaub sparen.“ Speziell für die Altstadt sind im IEK auch Gebäudesanierungen in ‚hochwertiger architektonischer Qualität‘ vorgesehen. Dem Einzelhandel soll durch die ‚Innen- und Außengestaltung‘ des Ladens ein hohes Qualitätsniveau garantiert werden. Nicht nur ‚hochwertige Warenpräsentation‘, sondern auch ‚Kundenfreundlichkeit und Zuverlässigkeit‘ sollen hierfür kennzeichnend sein. Außerdem heißt es weiter, dass „Aufenthaltsqualität, Sauberkeit und Sicherheit“ Touristen und Anwohnern einen Anreiz zum Aufenthalt und Leben in der Altstadt bieten sollen. Für Bernd Schweinsbergs erfolgt die Umsetzung des IEK in der Altstadt allerdings nicht effektiv genug. Er findet die Häuserfassaden, von denen neben seinem Geschäft der Putz bröckelt, sind hierfür der Beweis. Er ist der Meinung, dass durch die unzureichende Instandhaltung der Gebäudefassaden viele Touristen dazu neigen, ihre begrenzte Zeit vorzugsweise in der renovierten „Neuen Mitte“ zu verbringen. „Passau hat für Touristen wirklich Potenzial, aber für uns Einzelhändler in der Altstadt wird zu wenig getan, um uns zu unterstützen.“ Die persönlichen Einschätzungen und Wahrnehmungen der Ladenpächter sind geprägt von ihrer „miserablen Situation“, wie Corinna Kirchhof den ausbleibenden geschäftlichen Erfolg bezeichnet. Wie es für Gudrun Baumgartners Lebenstraum weitergehen soll, weiß sie noch nicht, aber „wenn es nicht besser wird“, überlegt sie, den Laden zu schließen. Dann gehört nicht nur der frühere Obst- und Gemüseladen in die Dokumentation der Stadtgeschichte, sondern auch das Altstadt Viktualienladl. Die alten Mauern des historischen Gebäudes bleiben. Saniert wurden sie schon.

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von Daniela Dietz (dd)

13 Special: „Passau damals und heute“

Ausbleibende Kundschaft trotz Tourismus - Eine Einschätzung zweier betroffener Einzelhändler


Quo vadis, Baden-Württemberg? Kommentar zum ersten grün-roten Koalitionsvertrag Deutschlands „Der Wechsel beginnt“, so lautet die Überschrift des 85 Seiten langen Koalitionsvertrages zwischen Bündnis 90/Die Grünen und der SPD Baden-Württemberg. Da drängt sich die Frage auf, wohin ein Politikwechsel in einem Bundesland, das zu den wirtschaftsstärksten und wettbewerbsfähigsten Regionen Europas gehört, nach Bayern die zweitniedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland aufweist und bei den Pisa-Studien regelmäßig unter den ersten drei Plätzen zu finden ist, gehen soll. Die Präambel des Vertragswerkes hilft einem nicht weiter, da sie aus vielen wohlklingenden Worten aber wenig Konkretem besteht. Im Folgenden gliedert sich der Vertrag dann nach den Überschriften bessere Bildung für Alle, ökologische und soziale Modernisierung bringt wirtschaftlichen Aufschwung, ökologische und soziale Modernisierung zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlage, für eine sozial gerechte und solidarische Gemeinschaft, nachhaltiges Haushalten, Baden-Württemberg in guter Verfassung und weltoffenes Baden-Württemberg. Schon diese Überschriften zeigen, welch Geistes Kind in diesem Machwerk steckt. Und unter den einzelnen Punkten werden dann auch die hinlänglich bekannten Überzeugungen dargeboten.

14 Politik & Gesellschaft

Wobei vor allem beim Punkt Bildung interessant ist, dass der Aufbau von Gesamtschule, was ja bekanntermaßen die Idealschule der grünen Bildungspolitik ist, sehr defensiv gehandhabt wird. Hier möchte man lediglich Gesetzesgrundlagen schaffen, die es ermöglichen Gesamtschulen zu errichten, wenn dies von der jeweiligen Bevölkerung gewollt wird. Vermutlich traut man sich dann doch nicht, die Axt selbst an ein im Prinzip erfolgreiches Bildungssystem zu legen. Ansonsten sind gerade beim Punkt Bildung einige durchaus unterstützenswerte Ansinnen, wie etwa der Ausbau der Ganztagesschulen, im Vertrag enthalten. Was man vom Punkt Wirtschaft nicht so ohne weiteres behaupten kann. So will man unter dem Motto „nachhaltige Mobilitätskonzepte“ dazu beitragen, „dass sich die Heimat des Automobils zum Leitmarkt für Elektromobilität und zugleich zum Leitanbieter für alternative Antriebe, innovative Nutzungskonzepte und vernetzte, ressourcenschonende Mobilität entwickelt“. Was sich erstmal nach einem heeren Ziel anhört, ist angesichts der württembergischen Autoindustrie, die ihr Geld hauptsächlich mit dem Export von Oberklassemodellen verdient, einerseits, zumindest auf die Legislaturperiode hin gesehen, schlichtweg realitätsfern und wäre andererseits bei zwanghafter vorschneller Durchsetzung auch extrem wirtschaftsschädlich. Und dass die übereilte Energiewende hin zu erneuerbaren Energien für ein hochtechnologisiertes und auf verlässlich verfügbaren Strom angewiesenes Industrieland wie BadenWürttemberg mit enormen wirtschaftlichen Risiken verbunden ist, ist inzwischen ebenfalls hinlänglich bekannt.

Ansonsten werden wie gesagt, altbekannte grüne bzw. sozialdemokratische Ideen auf Baden-Württemberg hin ausformuliert. Wobei man an dem fast zwanghaft oft vorkommenden Schlagwörtern „Ökologie“ und „Nachhaltigkeit“ schnell erkennt, dass es sich hier um einen grün-roten und nicht um einen rot-grünen Koalitionsvertrag handelt. Was darüberhinaus allerdings noch interessant wird, ist wie die grün-rote Koalition ihr Ziel von mehr plebiszitären Elementen in der repräsentativen parlamentarischen Demokratie umsetzen kann. Denn gerade in Zeiten von sinkenden Wahlbeteiligungen und immer größerer Politikmüdigkeit in weiten Teilen der Bevölkerung ist dies ein längst überfälliges Vorhaben. Und gerade die Grünen sind durch ihre Proteste gegen die Art und Weiße der Durchführung der Planung und Ausarbeitung zu Stuttgart 21 hier unter Zugzwang, den Oppositionsworten jetzt auch Regierungstaten folgen zu lassen. Ein weiteres bemerkenswertes Ziel ist das Stoppen der Gewalt gegen Polizisten. Hierzu heißt es unter anderem: „Wir fordern und fördern eine Kultur des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung der polizeilichen Arbeit“. Das ist vor allem daher bemerkenswert, da sich das links-grüne Demonstrantenklientel bisher nicht unbedingt durch diese Wertschätzung ausgezeichnet hat. Wenn man sich den Koalitionsvertrag im Ganzen anschaut, so kann man in seinen Inhalten und Zielen drei unterschiedliche Aspekte erkennen: Zu einem großen Teil legitime “übliche“ politische Ziele, die sich von denen der Vorgängerregierung nicht großartig unterscheiden, einen kleinen Teil wirklich guter neuer Ideen, auf das Ob und Wie deren schlussendlichen Umsetzung man gespannt sein darf, aber leider auch einen Teil, der zu ideologisch behaftet ist und dem sich die Koalitionspartner im täglichen Regierungsgeschäft schnell entledigen sollten. Quo vadis, Baden-Württemberg? Vermutlich trotz dieses Koalitionsvertrages in die gleiche erfolgreiche Richtung wie die letzten 59 Jahre. von Patrick Müller (pm)

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„Politik ist nicht tot“ Veranstaltungsreihe im Gasthof Mühlrad

So lautet das Motto einer Veranstaltungsreihe, welche zurzeit im Gasthof Mühlrad stattfindet. Hierbei streiten zwei junge Menschen über politische Themen und am Ende wird von einer Jury und dem Publikum jeweils ein Gewinner ermittelt. Mitte Juli treffen dann alle drei Gewinner in einem Finale aufeinander. Da Michael Hasenberger, Wirt des Mühlrads in der Theresienstraße, etwas gegen die Politikverdrossenheit junger Menschen tun wollte, kam er auf die Idee, diese in einem Wettstreit gegeneinander antreten zu lassen. Deshalb lud er sechs junge Menschen aus dem Raum Passau ein, an seiner Veranstaltung „Politik ist nicht tot“ teilzunehmen. Bei der zweiten Diskussion trafen dabei Maximilian Ott (Jungen Union Passau-Stadt) und Tupac Simon Orellana Mardones (SDS.DieLinke) aufeinander. Die beiden diskutierten über das Thema „Ist der Islam Bestandteil Deutschlands?“. Ott vertrat hierbei die Ansicht, dass der Islam aufgrund der christlich-jüdischen Wurzeln Deutschlands kein Bestandteil dieses Landes ist, dies jedoch noch werden könne. Mardones hingegen war der Meinung, dass angesichts Millionen von deutschen Staatsbürgern, welche Muslime sind, der Islam mittlerweile zu Deutschland gehöre. Ott verwies jedoch auf mehrere Stellen im Koran, an denen explizit zur Gewalt aufgerufen wird, was er als nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz ansieht. Mardones setzt an dieser Stelle auf die Reformfähigkeit des Islam sowie die Fähigkeit der Gläubigen, derartige Stellen modern auszulegen. Das zweite Thema an diesem Tag durfte vom Publikum bestimmt werden. Daher wurde in der zweiten Hälfte über Mindestlöhne diskutiert. Ott vertrat hierbei

Maximilian Ott (JU Passau-Stadt; links) diskutierte mit Tupac Simon Orellana Mardones (SDS.Die Linke; rechts) die Ansicht, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze gefährden können. Mardones hingegen war völlig anderer Ansicht und forderte eine schrittweise Erhöhung der Mindestlöhne auf bis zu zehn Euro pro Stunde. Am Ende sah die Jury bei Mardones leichte Vorteile sowohl in Argumentation als auch in Rhetorik. Auch der Publikumsentscheid ging zu Gunsten von Mardones aus. Somit darf dieser in der Finalrunde Mitte Juli teilnehmen. Die Veranstaltung war ein gelungener Versuch, junge Menschen wieder für Politik zu begeistern. Zudem zeigt sich, dass für eine interessante und fundierte Diskussion nicht immer so genannte Experten notwendig sind. Ein gut informierter Bürger kann sich ebenso in einer Diskussion wacker schlagen. Wir dürfen gespannt sein auf das Finale. von Johannes de Visser (jdv)

Die Liebesgeschichte zwischen Mr. Social und Mrs. Business Social Business in Passau - und was hinter der Organisation einer Konferenz steckt

Eineinhalb Jahre Vorbereitung, ungezählte Stunden der Planung, 3-stündige Skypetelefonate, Stress, Erleichterung, Frustration, Freude - all das gehörte zur Organisation unserer Konferenz: Einer internationalen Konferenz zum Thema Social Business und Entwicklungspolitik. Im Rahmen der Studentengruppe AEGEE (Anmerkung der Redaktion: États Généraux des Étudiants de l’Europe; Europäisches Studierendenforum) waren rund 20 Studenten der Uni Passau an diesem „Mammutprojekt“ beteiligt – ja, freiwillig, ehrenamtlich, einfach, weil das Gefühl, sich für eine Sache zu engagieren und etwas auf die Beine zu stellen, unvergleichlich ist. Zugegeben: Keiner von uns hatte jemals zuvor etwas Ähnliches organisiert, und welch ein Berg an Arbeit da auf uns zu-

kommen würde, war uns zu Beginn lediglich ansatzweise bewusst... Wenn wir unseren Familien, Freunden und Kommilitonen vom Thema berichteten, schlug uns oft Ratlosigkeit entgegen. „Social Business, was ist das denn?“, war in den fragenden Blicken vieler zu lesen. Das Konzept von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, das soziale Verantwortung mit wirtschaftlichem Unternehmertum verbindet, stellt in Deutschland noch immer ein recht unbekanntes Terrain dar. Nach anfänglichem Lobpreis in den Medien hat die Vergabe von Mikrokrediten besonders im Winter letzten Jahres für negative Schlagzeilen gesorgt – Grund genug für uns, um zu untersuchen, was wirklich „dran“ ist an dem so vielversprechend wirkenden Social Business Konzept. Inspiriert von einer Rede Yunus’ im Herbst 2009 in Passau wurde die Idee geboren, das Thema aufzugreifen. Vom 19. bis 22. Mai 2011 war es dann schließlich soweit: 45 Teilnehmer aus 12 verschiedenen Ländern sowie 24 Experten aus sieben europäischen Nationen waren ange-

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15 Politik & Gesellschaft

„Warum tust du dir das eigentlich an?“ Manchmal wird der Satz ausgesprochen, manchmal reicht ein verständnisloser Blick eines Freundes, um ihn deutlich werden zu lassen. Wer sich jemals ehrenamtlich engagiert hat, kennt ihn gut, diesen Ausdruck. In der Freizeit arbeiten – und das unentgeltlich? Für viele unvorstellbar.


reist, um fünf Tage lang über verschiedene Formen von Social Business zu diskutieren, über Herausforderungen der Mikrokreditfinanzierung und inwiefern diese beiden Komponenten in die Entwicklungszusammenarbeit passen. Vorträge, Podiumsdiskussionen und eine Best-Practice-Messe, auf der sich verschiedene Social Business Unternehmen vorstellten, bildeten einen Bestandteil der Konferenz. Um den Teilnehmern jedoch nicht nur Input zu geben, sondern ihnen auch eine Chance zu bieten, selbst aktiv zu werden, fanden zudem Workshops zu Projektmanagement, der Rolle der Medien und weiteren Themen statt. In Projektgruppen erarbeiteten die Studenten aus Spanien und Tschechien, Ungarn und den Niederlanden, Italien, der Türkei, und, und, und dann ihre eigenen, fiktiven Social Businesses. Ja, in den Monaten zuvor habe ich mich selbst ab und zu leise gefragt: „Wofür machst du das eigentlich alles?“ Es war nervenaufreibend, auf den Bescheid zu warten, ob wir die 15.000 € Förderung bekommen würden. Es versetzte uns in leichte Panik, als Redner, die bereits fest zugesagt hatten, ihre Teilnahme zwei Wochen vor Beginn kurzfristig absagten. Es war stressig, sich um Hotelunterkunft, Verpflegung, Fundraising, Pressearbeit, Rednerbetreuung, Teilnehmerfragen, Raumreservierung

und inhaltliche Schwierigkeiten zu kümmern – und dabei den Überblick zu behalten, Ruhe zu bewahren. Aber es sind die kleinen Momente, die all das wieder wett machen: Das Engagement, mit dem die Teilnehmer bei der Sache waren, Zwischenfragen stellten, kritisierten, hinterfragten. Die Zusage hochrangiger Persönlichkeiten wie des G8-Afrikabeauftragten von Angela Merkel. Das Lob von Experten und Teilnehmern gleichermaßen für die gelungene Organisation. Erschöpfte, aber fröhliche Gesichter in den Reihen des Organisationsteams beim Sektanstoß, als alles vorbei ist. Die Gewissheit: Es hat geklappt - fast reibungslos sogar -, wir haben es geschafft, und es war gut!! Und das Gefühl: Wir können stolz auf uns sein. Dafür lohnt es sich, das ehrenamtliche Engagement - auch oder gerade zu Zeiten des Bachelor-Master-Systems. Immer wieder. von Elisa Rheinheimer Wer an Informationen zum Thema und den Referenten aus dem Bereich Social Business, Mikrokredite und Entwicklungspolitik interessiert ist oder Tipps zum Organisieren einer eigenen Konferenz braucht, kann sich gerne an AEGEE Passau wenden!

Typisierungsaktion war ein voller Erfolg! 581 potentielle Lebensretter

16 Kultur & Soziales

Am 25. Mai fand unter dem Motto “Passauer Studenten im Kampf gegen Leukämie” eine Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in der Mensa statt. Initiiert wurde das Ganze von einer kleinen Gruppe engagierter Studentinnen der Frauenfußballmannschaft der Universität, die die Aktion im Vorfeld drei Monate geplant hatte. Neben der Kontaktaufnahme mit der DKMS galt es eine ausreichende Anzahl freiwilliger Studierender und BlutabnehmerInnen zu finden, die die Aktion unterstützen und auch dafür zu sorgen, dass sich während der gesamten Aktion immer ein Mediziner vor Ort befindet. Auch eine kleine Stärkung für die SpenderInnen nach der Blutabnahme musste organisiert werden. Für den Tag der Aktion war ein Mitarbeiter der DKMS aus Tübingen angereist, der nicht nur das nötige Material dabei hatte, sondern auch ständiger Ansprechpartner bei spontan auftretenden Fragen war. Nach einer kurzen Einleitung durch ihn, konnten die freiwilligen HelferInnen die potentiellen SpenderInnen in Empfang nehmen.

Nachdem in einem kurzen Gespräch alle offenen Fragen geklärt wurden und die Formalien erledigt waren, wurde ihnen 5 ml Blut abgenommen. Anschließend bekamen sie ihren vorläufigen Spenderausweis und konnten sich dann an bereitgestellten Speisen und Getränken stärken. Am Ende des Tages stellte sich heraus, dass die Erwartungen der Organisatorinnen und auch die des Vertreters der DKMS bei weitem übertroffen wurden - insgesamt haben sich 581 Personen neu registrieren lassen - 581 neue potentielle Lebensretter, die den Kampf gegen Leukämie von nun an unterstützen! Fazit: Die Passauer Studierenden sind eben doch nicht nur die Kinder reicher Eltern, die ihre Freizeit am liebsten auf Bootspartys oder dem Golfplatz verbringen und denen jedes Bewusstsein für die Realität zu fehlen scheint, wenn man dem ein oder anderen Presseerzeugnis glauben schenken darf - sie übernehmen auch Verantwortung und engagieren sich auf vielen verschiedenen Ebenen. Eine Aktion wie diese ist das beste Beispiel dafür - vielleicht haben sie nur ein paar Studentinnen organisiert - aber 581 neu registrierte potentielle Spender lassen keinen Zweifel daran, dass die meisten von ihnen durchaus wissen, was im Leben wirklich zählt!

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von Karoline Schulte (ks)


Der Verein Sportlich helfen e.V. Ein außergewöhnliches Projekt mit ungewöhnlichem Ansatz Der Verein „Sportlich helfen e.V.“ ist ein außergewöhnliches Projekt, um Kindern in der Region Passau zu helfen. Hierfür hat der Verein sich einen ungewöhnlichen Ansatz zu Eigen gemacht. Im Gegensatz zu vielen anderen Hilfsorganisationen hat es sich der Verein zum Ziel gesetzt, nicht etwa Entwicklungshilfeprojekte in fernen Ländern zu finanzieren oder zu betreuen, sondern Hilfebedürftigen, meist behinderten Kindern in Deutschland zu helfen. Hierbei werden überwiegend konkrete Einzelprojekte gefördert. Aktuell sammelt der Verein Spenden, um einen Computer für das „Förderzentrum K Schule“ anzuschaffen, der 17.000 € kostet. Der Computer kann von Kindern, die an Muskelschwund erkrankt sind per Augensteuerung bedient werden. Weder die Schule noch die Eltern können sich die Anschaffung jedoch leisten. Der Computer würde jedoch, die Lebensqualität und die Möglichkeit der Kinder sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen erheblich steigern. Um diesen Betrag durch Spenden finanziert zu bekommen, versucht der Verein nicht wie andere lediglich mit Spendenbriefen oder Werbung auf sich aufmerksam zu machen, sondern mit außergewöhnlichen sportlichen Aktionen. So wird Helmut Meisl am 9. Juli 2011 die ge-

samte niederbayerische Grenze abfahren, welche eine Länge von 635 km hat. Dies will er auf seinem Rennrad an einem Stück schaffen. In der Vergangenheit hat der Verein mit einem 53 km Lauf, eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad sowie mehreren Benefizkonzerten auf sich aufmerksam gemacht. Das Konzept des Vereins, mit sportlichen Aktionen Aufmerksamkeit für Projekte in Deutschland zu erregen, scheint bisher einmalig zu sein. Besonders bemerkenswert hieran ist, dass die Aktionen nicht von professionellen Sportlern durchgeführt werden, sondern von Durchschnittsbürgern, welche für fremde Kinder über sich hinaus wachsen. Jeder ist hier willkommen, mit einer eigenen sportlichen Idee Kindern zu helfen. von Johannes de Visser (jdv)

Frauenfußball in Deutschland

Ein Blick auf die momentane Lage des Frauenfußballs im Jahr der Heim-WM

Derzeit findet in Deutschland noch bis zum Finale in der Frankfurter Commerzbank-Arena am 17. Juli die 6. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen statt. Anlass genug, sich eingehender mit der aktuellen Situation des deutschen Frauenfußballs zu beschäftigen. Auf den ersten Blick sieht diese relativ rosig aus: Die deutsche Nationalmannschaft hat außer den USA und Brasilien keine ernsthaften Konkurrenten, die deutschen Vereinsmannschaften sind im europäischen Vereinsfußball tonangebend (von 10 seit 2002 ausgespielten Titeln gingen 6 an deutsche Mannschaften) und von den über 6 Millionen Mitgliedern des DFB sind knapp über 1 Million Frauen bzw. Mädchen, wobei die Tendenz hier stark steigend ist. Das ist umso erstaunlicher, da man bedenken muss, dass der Frauenfußball unter dem Ver-

Allerdings scheint es bei genauerem Hinsehen dann doch nicht ganz so gut um den deutschen Frauenfußball zu stehen. Er hat immer noch mit einer mangelnden Akzeptanz zu kämpfen: So liegt der Zuschauerschnitt der Bundesliga der Frauen bei unter 1.000 (Rekordschnitt: 885 in der Saison 07/08). Lediglich die Spitzenmannschaften aus Frankfurt, Duisburg und Potsdam ziehen regelmäßig 4-stellige Besucherzahlen an. Und bezeichnend ist auch so manches Zitat von Verantwortlichen des Männerfußballs. Wenn etwa Rudi Völler einem Schiedsrichter nach vermeintlich schlechten Leistungen öffentlichkeitswirksam empfiehlt, in Zukunft doch besser Frauenfußball zu pfeifen, dann hat das eine verheerende Wirkung auf das Ansehen des Frauenfußballs in der Öffentlichkeit. Wenn schon ein Experte vom Frauenfußball offensichtlich gar nichts hält, wird dies den gemeinen Fußballfan in seiner vorgefertigten negativen Einstellung bezüglich dieses Sports nur noch bestärken. Manchmal drängt sich einem der Verdacht auf, dass die Emanzipation der Frau um den Fußballplatz einen weiten Bogen gemacht hat. In keiner anderen Sportart ist noch so viel von den alten Rollenbildern wiederzufinden. So wird für die WM auf web.de unter der Überschrift “Die Frauen-WM wird heiß“ mit den 9 schönsten Spielerinnen geworben und 5 Juniorennationalspielerinnen ziehen sich im Playboy aus, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die WM zu lenken. Und auf die in einem Interview der Stuttgarter Nachrichten gestell-

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17 Sport

bandsdach des DFB von 1955 bis 1970 verboten war. Einen großen Aufschwung hat der Frauenfußball vor allem nach dem WM-Titel 2003 in den USA erfahren. Um die gleiche Zeit etwa hat auch der DFB angefangen, offensiver für den Frauen- bzw. Mädchenfußball zu werben, da man hier ein großes, bisher nur unzureichend genutztes Potential erkannte.


te Frage, ob die Frauennationalmannschaft gegen die Männermannschaft eine Chance hätte, antwortet Fredi Bobic: „Sie würden auf jeden Fall gut aussehen“. Auch wenn er diese Aussage sofort danach als Spaß kennzeichnet, zeigt sie doch, dass die Frauen oft gar nicht wirklich als Sportlerinnen ernst genommen werden. Die Frage ist aber nun wie man das ändern könnte bzw. die ja schon stattgefundene positive Entwicklung vorantreiben könnte. Mit Zwangstrikottausch nach dem Spiel oder Ablichtungen jeder Bundesligamannschaft im Playboy eher nicht. Die größte Chance liegt wohl in den über 1 Million aktiv fußballspielenden Frauen und Mädchen. Denn bisher interessieren auch die sich eher für Messi, Christiano Ronaldo und Schweinsteiger als für Birgit Prinz, Heather Mitts oder Lira Bajramaj. Wobei hier auch die Medien in der Pflicht stehen, für mehr Präsenz des Frauenfußballes zu sorgen. Bei den zwei führenden Sport- bzw. Fußballmagazinen Deutschlands sieht es diesbezüglich allerdings mau aus: Während im kicker der Frauenbundesliga wenigstens eine Seite zugestanden wird (so viel wie den 4. Ligen der Männer), wird sie in der Sport Bild meistens nicht mal erwähnt. Lobenswert erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang das Fachmagazin “11Freunde“, dass seit 2009 seinem Magazin regelmäßige das sehr gelungene Heft “11Freundinnen“ beilegt. Bei der TVPräsenz ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Während die Spiele der Nationalmannschaft regelmäßig übertragen werden, leidet die Bundesliga unter einem Mangel an TV-Präsenz. Ein weiteres Problem ist, dass die Bundesliga als zweites Aushängeschild des Frauenfußballs neben der Nationalmannschaft an zwei Punkten krankt. Ein Problem ist, dass sie extrem unausgeglichen und somit nicht wirklich spannend ist. Die Meisterschaft wird jedes Jahr zwischen den drei, vier gleichen Vereinen ausgemacht (1.FFC Frankfurt, Turbine Potsdam, FCR Duisburg und mit Abstrichen Bayern München), was sich natürlich wiederum auch auf die Zuschauerzahlen auswirkt. Während der 1.FFC Frankfurt in der abgelaufenen Saison im Schnitt auf 1.905 Besucher kam, reichte es beim 1.FC Saarbrücken gerade einmal für einen Schnitt von 386. Ein Grund für diese Diskrepanz ist vor allem die unterschiedliche finanzielle Möglichkeit der Vereine. So haben

die Topvereine einen Etat zwischen einer halben Million Euro und knapp einer Million Euro, während die Vereine im unteren Tabellendrittel teilweiße mit unter 200.000 Euro wirtschaften müssen. Ein weiteres Problem ist, dass es sich bei der Frauenbundesliga um keine Profiliga handelt. Vom Fußball leben können bisher lediglich eine Hand voll Spielerinnen, die durch Werbeverträge dazuverdienen. Der Rest der Spielerinnen sind Studentinnen und Schülerinnen bzw. gehen neben dem Fußball noch einer bezahlten Arbeit nach. Vielleicht ändert sich dies allerdings in den kommenden Jahren, da immer mehr Vereine, die in der Männerbundesliga Mannschaften stellen, mit ihren Frauenteams in die Frauenbundesliga drücken. Diese verfügen zumindest theoretisch über ganz andere finanzielle Möglichkeiten als reine Frauenfußballvereine. Aber ungeachtet dieser Probleme hat der Frauenfußball vor allem in den letzten 10 Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Die Zahlen der Frauen- und Mädchenmannschaften im DFB sind rasant gestiegen, die meisten Fußballfans können auf Nachfrage zumindest ein, zwei Namen von Nationalspielerinnen nennen und die Siegprämie für den Gewinn des WM-Titels würde auch nicht mehr aus einem Kaffeeservice bestehen (gab es für den EM-Titel 89), sondern immerhin aus 60.000 Euro. Und vielleicht löst ein Titelgewinn 2011 im eigenen Land ja sogar einen noch größeren Boom aus als der von 2003. Und zu wünschen wäre es dem Frauenfußball. Denn er kann zwar in Sachen Athletik und Spielgeschwindigkeit aus naturgegebenen Gründen nicht mit dem Männerfußball konkurrieren, dennoch ist es auch für einen Fan des Männerfußballs mal ganz nett, ein Fußballspiel ohne brutale Fouls, die an Körperverletzung grenzen, „Rudelbildung“ und Schiedsrichterbeleidigungen zu sehen. Und in Sachen Taktik, Spielverständnis und Technik sind die Frauen, die in der Bundesliga bzw. Nationalmannschaft spielen schon mindestens auf Augenhöhe mit 80 % aller fußballspielender Männer. Zumal es unfair bzw. sogar unlogisch ist, die Qualität des Frauenfußballs am Männerfußball zu messen. Es ist einfach eine andere Art des Fußballspiels. Vielleicht sogar die, bei dem das Spiel an sich im Endeffekt den höheren Stellenwert hat als bei den Männern. von Patrick Müller (pm) Bild (S. 17): © AARGON/pixelio.de Bild (S. 18): © adel/pixelio.de

Klimaschutz und Fußball Global United FC kickt in Passau für einen guten Zweck

18 Sport

Klimaschutz und Fußball passt das zusammen? Sorgen nicht gerade Fußballer oder ihre Fans dafür, dass unsere Wiesen regelmäßig zerstört werden, Pappbecher den Boden bedecken und randalierende Horden alles in Schutt und Asche legen? Vorurteile vereinfachen zwar die Meinungsfindung, verhindern jedoch den intensiven Dialog auf Augenhöhe und führen zum Schubladendenken.

Das konkrete Element, dem dieser Artikel gewidmet ist, besteht aus dem Global United FC, dem 1.FC Passau und der BFV Niederbayernauswahl. Diese drei Mannschaften spielten am 10.06.2011 in Passau miteinander, um Lutz Pfannenstiel zu verabschieden. Das Passauer Stadion war voll, die Stimmung war gut und es fielen fünf Tore. Das ist insoweit gewöhnlich, als Fußball ein Massensport ist und das Ziel des Spiels im Tore schießen besteht.

Folglich kann man die Spezies Fußballer nicht allgemeinhin als unmittelbaren oder mittelbaren Zerstörer der Natur werten. Vielmehr ist ein Blick auf das konkrete Element der Spezies notwendig, um gerecht bewerten zu können, was das kennzeichnende Merkmal der Gesamtheit ist.

Wer aber ist Lutz Pfannenstiel? Lutz Pfannenstiel ist eine Säule des Global United FC, also des konkreten Elements. Er ist aber mehr als nur ein Teil des Ganzen, denn er ist der Initiator des Global United FC. Geboren wurde er 1973 in Zwiesel. Seine sportliche Karriere führte ihn auf alle Kontinente dieser Erde. Als Torwart

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spielte er als einziger Fußballer überhaupt auf allen Kontinenten im Profibereich (!). Neuerdings arbeitet er als Scout bei der TSG Hoffenheim. Was hat es nun aber mit dem Global United FC auf sich? Der Global United FC ist ein gemeinnütziger Verein. In erster Linie setzt sich der Verein für den nachhaltigen und sozialen Klimaschutz ein. „Wir lieben Fußball - Wir lieben unsere Erde.“, lautet das Motto des Vereins. Mit den aus dem Spiel in Passau erzielten Ticketerlösen wird die Renaturierung von Mooren im Bayerischen Wald gefördert und ein Jugend-fördert-Klimaschutz-Projekt aus der Passauer Gegend unterstützt. Neben dem Initiator Pfannenstiel hat der Global United FC eine riesengroße Kaderstärke. Darunter sind altbekannte Spieler wie Giovanne Elber, Guido Buchwald, Fredi Bobic und Silvio Meißner. Unter anderem diese Spieler sorgen dafür, dass viele Zuschauer gerne in die Sportstätten strömen, um das Kicken für den guten Zweck zu sehen. Die Zuschauer zahlen dann Eintritt, den der Global United FC dann in verschiedenste Klimaprojekte investiert. Conclusio Wenn sich nun verschiedene rasenzertrende Sportler gemeinschaftlich zum Rasenzertreten verabreden, um beispielsweise die Moore zu schützen, dann ist doch die Klimaschädigung durch die Sportler von diesen wieder gut gemacht, wahrscheinlich haben sie dadurch sogar

viel mehr für das Klima getan als sie durch das Zertreten des Rasens zerstört haben. Dann aber haben sie etwa Nachahmenswertes getan. Sie haben das, was sie herausragend können - das Kicken - mit einer sozialen und ökologischen Komponente verknüpft. Ohne diese Verknüpfung wäre ihr Verhalten schädlich. Sie müssten aber trotzdem irgendwie „Kicken“, um zu leben. Wenn nun jeder mit seiner alltäglichen Tätigkeit eine soziale und ökologische Verhaltensweise verknüpft, kann jeder tun was er muss, auch wenn es schadet, weil er dabei mehr schützt und fördert als er zerstört. Damit dieses Prinzip allgemeingültig werden kann, muss etwa ein Pilot einen anderen Beitrag leisten als ein beruflicher Tierschützer. Es ist ein schädigungsspezifischer Ausgleich zu suchen. Im jetzigen Stadium wäre es jedoch schon ein Erfolg, wenn jeder überhaupt etwas Klimaschützendes tut und nicht nur schädigt. Man könnte ja zum Beispiel zu Spielen des Global United FC gehen und dann sein an sich klimaschädliches Bierbecherwegwerfen durch die Zahlung des Eintrittspreises mittelbar wieder ausgleichen oder mit dem Fahrrad oder der Bahn zu Spielen seines Bundesligaklubs fahren. Jedenfalls hat es noch keinem geschadet, sein Verhalten zu reflektieren und unter verschieden Gesichtspunkten anzupassen. Der Klimawandel ist ein guter Grund sich zu ändern.

Spielerinterviews mit Silvio Meißner und Guido Buchwald

Herr Meißner, was bewegt Sie dazu, den Klimaschutz so stark zu unterstützen? Fußballer und Sportler werden besser wahrgenommen als andere. Der Klimaschutz ist eine gute Sache, für die es sich einzusetzen lohnt. Wenn man dann durch ein Benefizspiel etwas für den Klimaschutz tun kann, bietet man den Zuschauern auch noch etwas besonderes. Wie hat es Ihnen hier in Passau gefallen? Gut. Wir sind heute Morgen im Hotel angekommen. Das ist hier eine wunderschöne Kurlandschaft. Die Stimmung in der Stadt ist gut. Zum Spiel: Es sind fünf Tore gefallen, damit konnten wir den Zuschauern etwas bieten.

Wurde Ihnen denn im Spiel alles abverlangt? Nein. Ich habe aber auch nur eine Halbzeit gespielt. Wenn man 90 Minuten spielt, ist das sicherlich anders. Es hat Spaß gemacht und das ist glaube ich das Wichtigste. Was würden Sie Studierenden mit auf den Weg geben in Bezug auf den Klimaschutz und auf den Sport? Sich damit zu befassen. Studierende sind in der Richtung ja schon gut dabei. Sie fahren viel Fahrrad und benutzen das Auto nicht so oft. Das ist bei mir beispielsweise anders. Ich bin eigentlich nicht so der Radfahrer, wobei ich mir mittlerweile häufig Gedanken mache, kurze Strecken lieber mit dem Fahrrad zu fahren.

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Silvio Meißner (38) ist ehemaliger Fußballprofi (zuletzt beim VFB Stuttgart), arbeitet heute als Spielervermittler und engagiert sich für den Klimaschutz.


Vielleicht sollte man nicht so häufig mit Holzkohle grillen. Jeder kann ein Stück weit seinen Teil zum Klimaschutz beitragen. Wenn jeder ein kleines bisschen macht, kommt am Ende ein großer Ertrag dabei raus. Was machen Sie denn jetzt nach Ihrer Profikarriere? Ich bin seit drei Jahren in einer Agentur für Spielerberatung tätig. D.h. ich handele Verträge der Spieler aus, kümmer mich um Transfers und pflege Kontakte für junge Spieler. Es macht mir riesig Spaß. Es hat mit Fußball und mit jungen Leuten zu tun, die was erreichen wollen und denen man etwas vermitteln kann. Ich glaube das ist eine ganz gute Sache. Was ist Ihr Tipp für die Frauenweltmeisterschaft im eigenen Land? Ich glaube, dass die Deutschen gewinnen werden. Wenn man die Vorbereitung gesehen hat, bei der sie ihre Spiele souverän gewonnen haben, glaube ich, dass dem Titel nichts im Wege steht. Vielen Dank für das Interview! Guido Buchwald, Spitzname „Diego“ (50) wurde 1990 mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Herren Weltmeister in Italien. Er gilt als einer der besten deutschen Defensivspieler aller Zeiten. Herr Buchwald, was bewegt Sie dazu, den Klimaschutz so stark zu unterstützen? Klimaschutz ist einfach unheimlich wichtig für unsere Kinder und für alle Generationen, die nachfolgen werden. Wir haben nur eine Erde und deshalb ist es wichtig, dass wir nicht wie selbstverständlich mit ihr umgehen.

Wie hat es Ihnen hier in Passau gefallen? Eigentlich hat es mir sehr gut gefallen, bis auf die lange Anfahrt. Das sind hier unheimlich nette Leute. Es waren viele Zuschauer da. Was würden Sie Studierenden mit auf den Weg geben in Bezug auf den Klimaschutz und auf den Sport? Ich denke, den Studierenden braucht man gar nicht so viel mitgeben. Alle Studierenden gehen kann mit offenen Augen durch die Welt. Die wissen, was Sache ist. Grundsätzlich kann ich nur jedem mitgeben, sich tief für viele Dinge zu interessieren und zu versuchen auch hintergründig und nicht nur oberflächlich mit Themen umzugehen. Man sollte aktiv werden, wenn man merkt, dass gravierende Dinge fehllaufen. Was ist Ihr Tipp für die Frauenweltmeisterschaft im eigenen Land? Die Chancen der deutschen Nationalmannschaft sind sehr gut. Sie ist Topfavorit. Wir haben eine ganz tolle Mannschaft mit sehr guten Fußballerinen. Ich bin überzeugt davon, dass sie mit dem Publikum Weltmeister werden. Vielen Dank für das Interview! von Christian Schneider (cs) und Barbara Klostermann (bk)

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Aktuelle Diskussion:

Sperrzeitendebatte, nächtlicher Vandalismus, Ruhestörung und ein privater Sicherheitsdienst Passau ist Touristenstadt, Oberzentrum des östlichen Niederbayerns und Mittelpunkt studentischen Lebens rund um die Universität Passau. Entsprechend hat die Dreiflüssestadt auch ein mehr oder minder ausgeprägtes Nachtleben. Getreu dem Sprichwort „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“ geht dies auch einher mit einer gewissen nächtlichen Lärmbelästigung und anderen Begleiterscheinungen eines charakteristischen Nachtlebens. In Passau jedoch ist in der letzten Zeit der Fokus verschoben worden. So sind diese Vorkommnisse nicht mehr lediglich Begleiterscheinungen, sondern durch ihre Qualität und Ausmaße zu ernsthaften Problemen geworden. Ausgerissene Blumenrabatten und Sachschäden durch Vandalismus am ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) allein von jährlich ca. 80.000,- Euro sprechen eine deutliche Sprache. Ebenso zerschlagene Autoscheiben, wildes Urinieren und sonstige Verunreinigungen sind auf ein erschreckendes Maß angestiegen. Auch Hauspartys im kommerziellen Rahmen scheinen in Mode gekommen zu sein. Der 2. Bürgermeister Urban Mangold (ödp) brachte als Lösungsvorschlag eine Verlängerung der Sperrzeiten ins Gespräch. Hierzu sollte man wissen, dass ursprünglich der Freistaat eine Sperrzeit im Landesrecht verankerte, diese jedoch bis auf die Putzstunde zwischen 5 und 6 Uhr abschaffte. Seither ist es Sache der Gemeinden und Städte ihre Sperrzeiten selbst zu regeln. Die Stadt Passau macht hiervon auch Gebrauch und hat in der Stadt je nach Gebiet und Wochentag unterschiedliche Sperr-

Anna Luise Holzner, Studentin (20)

Bastian Lohrenz, Student (22)

zeiten. Inwieweit Sperrzeitverlängerungen geeignet sind, eine Besserung herbeizuführen, ist fraglich. Prominentes Beispiel hierfür ist die „last order“ in Großbritannien, welche die Zahl der Alkoholdelikte nicht nachhaltig vermindern, sondern nur verschieben konnte. Einen anderen Ansatz verfolgt Franz Küblbeck (Vorsitzender Junge Union Passau-Stadt). Er fordert einen privaten Sicherheitsdienst, der nachts die Innenstadt bestreifen solle. Dieser solle kein Polizeiersatz sein, sondern nur unterstützende Funktion haben. Seine Prämisse ist, wer sich beobachtet fühlt, wird nicht so schnell „eine Dummheit“ begehen und die Sicherheitsdienstmitarbeiter könnten auch in korrigierender Form eingreifen. Komplett neu ist diese Idee nicht. Die Stadt Landshut hat jenes Modell eingeführt und nach einem Jahr des Testlaufs verlängert. Zudem scheint man dort sogar über eine Ausweitung nachzudenken. Ein weiteres „strukturelles Problem“ in Passau ist das hohe Durchschnittsalter der Polizeibeamten. So ist es gängige Praxis, dass junge Polizeibeamte in Großstädten, insbesondere München, ihren Dienst antreten, um erst im weiteren Verlauf mit Zwischenstation nach Passau versetzt werden. So hat die Passauer Polizei zwar eine nach außen gesättigt wirkende Personaldichte, jedoch die Nachtschichttauglichkeit betreffend ein eher bescheidenes Potential. Zu dieser Thematik haben wir die Meinungen unterschiedlicher Betroffener eingefangen:

Johannes Geigen- Steffi N., berger, Student Studentin (23) (21)

Marco Reinhart (links) Gründer der Bürgerinitiative gegen eine Sperrzeitverängerung (23)

Katharina A., Studentin (23) & Christoph S., Student (22) Matthias H., Student (20) Constanze Falk, Studentin (23) Christopher W., Student (25)

Tim Bartel, Student (21) Nicole K., Studentin (22) Robert D., Student (23) Thomas Huber, Leiter IT (48) Erich Brust, Privatier (54)

Glauben Sie, dass eine Sperrzeitenverlängerung grundsätzlich geeignet ist, „die Begleiterscheinungen“ des Nachtlebens zu beseitigen? Hätte sie eine Wirkung, oder verschöbe sie nur die Probleme? Anna Luise Holzner (20): Gute Frage, hätte wohl schon eine Wirkung. Bastian Lohrenz (22): Das würde es verschlimmern, denn die Leute gehen dann ja woanders hin und suchen sich ihre Räume. Johannes Geigenberger (21): Das verschiebt das Problem, man müsste es aber ausprobieren. Ich bin grundsätzlich dagegen, ließe mich aber eines Besseren belehren. Steffi N. (23): Das Problem würde verschoben. Es wäre wohl keine Lösung. Marco Reinhart (23): Meiner Meinung nach löst eine Sperrzeitverlängerung das Problem in keinster Weise - das ganze wird dadurch ggf. sogar noch unerträglicher für die Anwohner als bisher. Die Nachtschwärmer sollen dadurch eher nach Hause geschickt werden, was meiner Meinung nach zur Folge hat, dass sich gegen 2 oder 3 Uhr nachts noch mehr Menschen in der Innenstadt tummeln als bisher. Das wird zu einer weiteren erheblichen Lärmbelästigung der Anwohner führen. Katharina A. (23) & Christoph S. (22): Das verschiebt die Probleme auf die Straße.

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sowie:


Matthias H. (20): Es führt ja eigentlich eher dazu, dass die Leute dann draußen rumhängen. Ich habe einen Passauer Clubbesitzer gehört, der meinte, dass viele zumachen könnten, weil es eigentlich erst danach so richtig los geht. Constanze Falk (23): Es ist eine Beschneidung meiner Grundrechte. *lacht* Nein, ich weiß nicht. In Passau hat man gar nicht so das Grundproblem wie in Großstädten. So wäre das übertrieben. Christopher W. (25): Natürlich beseitigt das nicht das Problem. Menschen trinken und feiern, die Prohibition hat auch nichts geändert. Tim Bartel (21): Nein, grundsätzlich nicht. Das Problem wird nur auf eine andere Zeit verschoben Nicole K. (22): Ich glaube nicht, dass sie geeignet wäre, weil die Leute dann mehr private Partys machen – denn irgendwo muss man doch feiern. Robert D. (23): Ich glaube, dass es eher negative Erscheinungen hat. Ich fände es nicht gut, dass man eine so bevölkerungsstarke Gruppe verprellt. Thomas Huber (48): Sie verschiebt das Problem. Erich Brust (54): Nein, Sperrzeitverlängerung heißt die Kneipen müssen früher dicht machen. Das ändert gar nichts. Wer randalieren will, randaliert um 22 Uhr, oder wer randalieren will, randaliert um 3 Uhr – wer randalieren will, randaliert. Würde Passau als lebendige Stadt und Oberzentrum durch eine Sperrzeitenverlängerung an Attraktivität einbüßen? Anna Luise Holzner (20): Ja auf jeden Fall - alleine in einer Studentenstadt das schon zu machen. Bastian Lohrenz (22): Ja, auf jeden Fall. Johannes Geigenberger (21): Ja, denn es kommen ja auch ganz viele von außerhalb und wenn die um 1 Uhr schon heim sollten, dann rentiert sich das für die nicht mehr. Steffi N. (23): Die Frage ist: Wie attraktiv ist es jetzt schon?! Marco Reinhart (23): Selbstverständlich - wir haben ja jetzt schon genug auswärtige Studenten in Passau, die aus Großstädten wie München, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf o.ä. kommen, die eine ganz andere Feiermentalität an den Tag legen als die einheimischen Passauer und es auch gewohnt sind, länger als bis 2 oder 3 Uhr zu feiern. Da fängt die Party eben mal um 23 Uhr an und geht bis 11 oder 12 Uhr mittags. Man sollte daher seitens der Stadt sehr wohl überlegen, ob man eine Sperrzeitverlängerung in Betracht zieht und die Attraktivität der Studentenstadt Passau ein weiteres Mal aufs Spiel setzt. Katharina A. (23) & Christoph S. (22): Eventuell, man würde ausweichen. Matthias H. (20): Das glaube ich jetzt nicht. Constanze Falk (23): Für die Studenten definitiv, ich aber bin da nicht betroffen. Christopher W. (25): Das ist eine gute Frage, aber nein, das glaube ich nicht. Tim Bartel (21): Ja. Nicole K. (22): Ja das sicher, weil sich das Nachtleben nur noch auf Privathaushalte verlagert. Dann sterben die Kneipen und wie soll ich in einer Stadt weggehen, wenn es keine Kneipen mehr gibt. Robert D. (23): Denke ich schon. Thomas Huber (48): Im Gegenteil. Erich Brust (54): Ja, freilich.

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Es ist im Gespräch, einen privaten Sicherheitsdienst für die Alt-/Innenstadt zu organisieren. Über Kosten und deren Verteilung wird freilich noch gestritten. Was halten Sie davon? Anna Luise Holzner (20): Muss ich überlegen – bringt das was? Erfahrungsgemäß ist immer Polizei unterwegs. Kleinere Ausschreitungen und Sachbeschädigungen könnten auch so nicht verhindert werden, die gibt es immer. Bastian Lohrenz (22): Einen privaten Sicherheitsdienst? Was soll der machen? Uns beim Feiern beobachten? Johannes Geigenberger (21): Das ist in jedem Fall mal auszuprobieren, ich glaube die Landshuter haben da gute Erfahrungen mit gemacht. Ich denke, man sollte es versuchen. Steffi N. (23): Garnichts. Marco Reinhart (23): Sollte sich das Problem nicht anderweitig in den Griff bekommen lassen - wovon ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgehe - muss man sich mit den Gastronomen an einen runden Tisch setzen und ggf. auch das Thema privater Sicherheitsdienst ansprechen. Die Kosten sollten für die Stadt Passau und die Gastronomen gleichermaßen zufriedenstellend aufgeteilt werden - immerhin sollte man nicht vergessen, dass auch die Stadt Passau von den Einnahmen der Gastronomie lebt. Katharina A. (23) & Christoph S. (22): Einerseits Sicherheit, andererseits zu viel Beobachtung Matthias H. (20): Ich finde generell private „Sicherheitsarmeen“ nicht so gut. So hört sich das jetzt nicht schlecht an, aber wieso kann man da nicht die Polizei hinschicken? Constanze Falk (23): Gibt es das nicht schon? Grundsätzlich ist es gut, die Frage sind aber die Kosten. Christopher W. (25): Das finde ich sch..., was soll man einen privaten Dienst einführen?! Das soll der Staat machen. Wofür gibt es die Polizei?! Tim Bartel (21): Ich habe da immer ein Problem, wenn ich „privater Sicherheitsdienst“ höre. Da kenne ich von Großveranstaltungen nur welche, die was zu kompensieren haben und sich damit aufbauen wollen. Da fände ich es besser, wenn die Polizei mehr Streife führe. Nicole K. (22): Finde ich schwachsinnig, weil es jetzt schon Aufpassfuzzies gibt und die selber so heruntergekommen aussehen. Robert D. (23): Halte ich für Blödsinn, es ist ja nicht so, dass hier Randale stattfinden. Also halte ich das für übertrieben. Thomas Huber (48): Wäre sicher nicht schlecht. Erich Brust (54): Ganz einfach, die für die Stadt Passau anfallenden Kosten müssen der Polizei im Innenministerium abgezogen werden. Artikel und Interviews von Johannes Hoffmann (jh)



UP-Campus Magazin 2-2011