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Passau

Stadtgalerie, Grünaustraße 2

Tel.: 0851 / 96629-0

Fax: 0851 / 96629-101

www.saturn.de


Inhalt

Editorial

4

Serie: „studentisches (er)leben“

5

Folge 2: „Freizeitstress“ (jp)

30 Jahre Sprachenzentrum

5

Eine Nachlese zum Jubiläum der Universitätseinrichtung (jp)

6

Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule Aktuelle Entwicklungen und Entscheidungen in der bayerischen Bildungspolitik (Roland J. Kufner)

Die Bedeutung der Menschenrechte aus russischer und deutscher Sicht

6

Austauschseminar mit der Staatsuniversität St. Petersburg (sb)

8

Mauerfall in Deutschland als Brücke nach Europa Hans-Dietrich Genscher erhält „Menschen in Europa-Award 2009“

(rb)

Einblick in die Europapolitik

10

Zu Besuch bei der Veranstaltung „Bürgerforum Europa für Bayern“ (jdv)

365 Tage im Bayerischen Landtag

11

Pressekonferenz und Interview mit dem Passauer MdL Bernhard Roos (SPD) (bk & cs)

„Markt und Moral - ein unlösbarer Konflikt?“

13

Netzwerkdinner der Hochschulgruppe AIESEC Passau (cs)

Nach dem Verbrennungsmotor

14

Ein Blick in die Zukunft des Autos (md)

UP-Campus unterwegs... in Linz

15

Linz 09 - Die laute, leise und leckere Kulturhauptstadt im Herzen Europas (taw)

„Gemeinsam leben & lernen in Europa e.V“. belebt das „TatenNetz wieder“

16

Beliebte Plattform für ehrenamtliches Engagement ist nun wieder online! (bk)

Hanns-Seidel-Stipendiatengruppe will im Kampf gegen Leukämie helfen

16

Infostände an Uni für Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (taw)

Rachel Kohn - Aus dem Häuschen

17

Ausstellung vom 20.11.2009 - 28.02.2010 im Museum Moderner Kunst (MMK)

Kurz notiert

17

Buchtipp: Petra Brumshagen - Scheinfrei (cs)

18

Cover der aktuellen Ausgabe Neue Wege gehen – diesen Vorsatz fassen wir gerne, wenn wir am Beginn eines neuen Jahres stehen. Neue Wege ist auch die Stadt Passau mit ihrer „Neuen Mitte“ gegangen. Seither warten auf die Passauer und ihre Besucher spannende neue Perspektiven, wenn sie ihre Innenstadt betreten. Zum Teil sind es Perspektiven, mit denen sich bis heute nicht ein jeder anfreunden kann. Einen interessanten Blick auf den im Rahmen der „Neuen Mitte“ neu geschaffenen Zentralen Omnibus Busbahnhof (ZOB) bietet das Titelbild der aktuellen Ausgabe. Vor genau drei Jahren wurde der ZOB in Betrieb genommen. An insgesamt 14 Bushaltestellen der vier Bussteigen des modernen Konstrukts herrscht heute ein reges Ankommen und Abfahren. Bleibt in dieser Hektik des Alltags überhaupt Zeit, neuen Perspektiven eine Chance zu geben? Das UP-Campus Magazin wünscht all seinen Lesern im Jahr 2010 manchmal Zeit und Mut für einen Perspektivwechsel! (taw)

Impressum 23. Ausgabe des UP-Campus Magazins (6. Jahrgang, 4. Ausgabe) - Ausgabe 4/2009 (Winter 2009, erschienen im Dez. 2009) - Auflage: 3000 Stück in Passau Druck: Druckerei Becker, Sportplatzweg 2a, 35799 Merenberg, Verlag: Passauer Publikationen Gruppe e.V. ISSN: Herausgeber: Chefredaktion:

1863-7701 Dr. iur. Bence Bauer und Dr. Florian Hartleb Barbara Klostermann und Christian Schneider, Johannes Hoffmann (Stellv.) / Assistenz: Teresa A. Winderl (Print), Moritz Dreher (Online), Johannes De Visser (Event & Hochschulgruppe) Layout: Barbara Klostermann, Anregungen: Sandra Bachl (www.bachl-layouts.de) Redaktion: Dr. iur. Bence Bauer, Dr. Florian Hartleb, Barbara Klostermann (bk), Christian Schneider (cs), Johannes Hoffmann (jh), Teresa A. Winderl (taw), Moritz Dreher (md), Johannes De Visser (jdv), Rieke Bening (rb), Jennifer Preu (jp), Miriam Schlasza (ms), Susanne Bettendorf (sb), Alexander Widmann (aw), Victoria Pöllmann (vp) Gastbeiträge: Roland J. Kufner; Museum Moderner Kunst (MMK) Anzeigenleitung: Christian Schneider, Barbara Klostermann (Stellv.) Abbildungen: S.1 Alexander Widmann; S. 4 Barbara Klostermann, Johannes Hoffmann/privat; S. 5 (oben) Karin Jung/PIXELIO, (unten) Claudia Hautumm/ PIXELIO; S. 6 Roland J. Kufner/privat; S. 7 Lehrstuhl Prof. Dr. Esser/privat; S.8 Rieke Bening; S. 9 Rieke Bening/privat; S. 10 Johannes De Visser/privat; S. 11 Pressefoto Bernhard Roos; S. 13 Moritz Dreher; S. 14 David Terrar, Wikimedia Commons, lizenziert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-2.0-de, S. 15 (links) Karl Strebl/PIXELIO, (rechts) Oberösterreichische Museen; S. 16 TatenNetz/Gemeinsam leben & lernen in Europa e.V. (oben), AKB (unten); S. 17 Museum Moderner Kunst; S. 18 Querverlag Die Verantwortung im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P.) tragen die Herausgeber. Alle namentlich gekennzeichneten Artikel spiegeln die Meinung des Verfassers, nicht die der Redaktion oder des Herausgebergremiums wider. Ein herzlicher Dank gilt allen Inserenten! Kontakt:

Passauer Publikationen Gruppe e.V. Barbara Klostermann, Chefredakteurin, Nibelungenstr. 10 - 94032 Passau - Tel.: 0851/2118681 - Email: barbara.klostermann@ppg-online.de Web: www.ppg-online.de (Herausgeber); www.up-campusmagazin.de (Magazin & Redaktion)


Editorial Liebe Leserinnen und Leser, nun geht das Jahr 2009 auch schon wieder zur Neige und Weihnachten steht vor der Tür. Zeit, unseren treuen Lesern ein frohes und besinnliches Fest, sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Auch in dieser Ausgabe präsentieren wir Euch eine Themenvielfalt aus den Bereichen Studium & Karriere, Politik & Gesellschaft, Kultur & Soziales und Freizeit. Jennie Preu berichtet vom 30-jährigen Jubiläum des Sprachenzentrums und setzt ihre Serie „studentisches (er)leben“ fort. Diesmal geht es um „Freizeitstress“. Roland J. Kufner beleuchtet die Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule. Unsere neue Redakteurin Susanne Bettendorf schreibt über das Austauschseminar des Lehrstuhls Prof. Dr. Esser mit der Staatsuniversität St. Petersburg. Im politischen und gesellschaftlichen Bereich war die letzte Zeit mit sehr schönen Veranstaltungen gesegnet. Rieke Bening war bei der Verleihung des „Menschen in Europa-Awards 2009“ der Verlagsgruppe Passau an Hans-Dietrich Genscher. Johannes De Visser besuchte das „Bürgerforum Europa für Bayern“ und interviewte in diesem Rahmen Manfred Weber (MdEP), Dr. Henning Arp (Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in München) sowie Jochen Kubosch (Leiter des Informationsbüros München des Europäischen Parlaments). Des Weiteren nahmen wir für Euch an der Pressekonferenz von MdL Bernhard Roos anlässlich seiner 365 Tage im Bayerischen Landtag teil und führten ebenfalls ein Interview. Außerdem findet sich ein Bericht über das diesjährige Netzwerkdinner der Hochschulgruppe AIESEC mit dem spannenden Thema „Markt und Moral - ein unlösbarer Konflikt?“. Moritz Dreher beschäftigte sich mit der Zukunft des Autos, in der ein Akku den Verbrennungsmotor ablösen könnte. Im Rahmen unserer Rubrik „UP-Campus unterwegs“ fokussiert Teresa A. Winderl Linz, die Kulturhauptstadt 2009, und gibt Euch das älteste Rezept der berühmeten Linzer Torte an die Hand. Auch die Wiederbelebung der regionalen Plattform für das Ehrenamt „TatenNetz“ wollen wir Euch ebenso wenig vorenthalten wie das Engagement der Hanns-Seidel-Stipendiatengruppe im Kampf gegen Leukämie. Kulturell sei auf die Ausstellung „Aus dem Häuschen“ von Rachel Kohn im Museum Moderner Kunst hingewiesen. Und wer noch auf der Suche nach einer erfrischenden Lektüre für dunkle Winterabende ist, findet am Ende der Ausgabe eine Rezension des Buches „Scheinfrei“ von Petra Brumshagen. Ein besonderer Dank gilt auch unseren treuen Werbepartnern, die uns die Finanzierung dieses Projekts ermöglichen. Viel Vergnügen beim Lesen, frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr wünscht Euch Eure Chefredaktion

Barbara Klostermann (Chefredakteurin)

Christian Schneider (Chefredakteur)

Johannes Hoffmann (Stellv. Chefredakteur)

UP-Campus Hochschulgruppe Einladung zum Mitmachen!

4 Editorial

Seit Sommer 2008 ist unsere Redaktion eingetragene Hochschulgruppe an der Uni Passau. Falls Du Lust hast - Dich journalistisch zu betätigen - Dich ehrenamtlich zu engagieren - Events und Aktionen zu organisieren - Dich kreativ zu betätigen - interessante Wirtschafts-, Politik-, Kultur- oder Freizeitveranstaltungen zu besuchen - wertvolle Kontakte für Studium und Karriere zu knüpfen - ... Dann bist Du bei uns genau richtig! Schau doch einfach mal unverbindlich bei einem unserer Treffen vorbei, um Dir einen Eindruck von uns zu verschaffen: Während der Vorlesungszeit treffen wir uns jeden 1. & 3. Mittwoch im Monat, 20 Uhr s.t. im Prälateum bei der Gmoa (Nikolakloster). Alle Sitzungstermine, aktuelle Hinweise und weitere Informationen findest Du auf www.up-campusmagazin.de in der Rubrik „Hochschulgruppe“ sowie an unserer Anschlagfläche im Philosophicum unten neben der Treppe, Brett Nr. 16. Oder kontaktiere uns einfach per Email: redaktion@up-campusmagazin.de


„studentisches (er)leben“ Folge 2: „Freizeitstress“ Die ersten Wochen des Semesters sind herum und wie schnell ist die Zeit vergangen?! Gerade hat man das Gefühl im Semesteralltag angekommen zu sein. Man kennt seine Wege auf dem Campus und hat vielleicht schon das ein oder andere Referat hinter sich. Doch kaum hat man seinen Rhythmus gefunden, wird dieser auch schon wieder gestört durch Aussagen wie „in 6 Wochen ist Weihnachten“…- wie bitte?! Und da fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Glühweinstände schießen quasi über Nacht wie Pilze aus dem Boden, Supermarktregale werden mit Weihnachtsgebäck bestückt und engagiert man sich in einer Hochschulgruppe, wird unter Zücken der Agenda die Adventsfeier geplant. Hey! Was habe ich gemacht während sich das Jahr 2009 dem Ende neigt? Liebe Kommilitoninnen, liebe Kommilitonen, dieses Phänomen ist bekannt unter dem Namen „Freizeitstress“. Jawohl. Jeder kennt es, oft wird es belächelt, aber insgeheim hat sicherlich schon jeder einmal darunter gelitten. Meeting der Hochschulgruppe, Mensieren mit den Kommilitonen, Kopierorgie mit der Referatsgruppe in der Bib. Verpflichtungen - Uni wie privat - überschwemmen den Tagesplan. Findet man dann doch den Weg heim, so wird man, vom tobenden Mitbewohner oder dem schlechten Gewissen, auf die ausstehenden Haushaltpflichten aufmerksam gemacht. Während man nun den Putzlappen schwingt, will der Fortgang des Abends geplant werden. Vorglü-

hen bei X oder Y, Tanzen in Lokalität A oder B oder doch lieber den schon längst versprochenen und überfälligen DVD-Abend bei Kommilitone Z? Immer im Hinterkopf die Erkenntnis, dass ein einsam über den Büchern verbrachter Abend auch nicht gerade schädlich und im Hinblick auf das nahende Ende des Semesters und den damit verbundenen Prüfungen mehr als angebracht wäre. Hängt nicht auch schon die Wäsche seit 3 Tagen auf der Leine? Wartet nicht auch der Schreibtisch schon sehnsüchtig darauf, in Ordnung gebracht zu werden? Damit ist die Entscheidung wohl gefallen. Also: Tee aufgesetzt, Rechner an und Bücher auf. Das klappt eine Stunde auch ziemlich gut, man ist im Thema, fühlt sich gut und ist motiviert. Dann klingelt das Handy, DIE ultimative Party! Ob ich komme? Sicher, aber nur für ein Stündchen… von Jennifer Preu (jp) Bild:© Karin Jung/PIXELIO

30 Jahre Sprachenzentrum Eine Nachlese zum Jubiläum der Universitätseinrichtung

Die Eröffnung erfolgte durch den Leiter des SpZ, Prof. Dr. Ulrich Manthe. Danach hatten alle Gäste die Möglichkeit, sich in verschiedenen Kulturwerkstätten und Workshops ob spanische Karaoke oder einer offene Probe der English Drama Group, Diskussionen über die Finanzkrise auf Englisch und Präsentationen wie zum Beispiel einer studentischen Radiosendung auf Französisch - einen Überblick über die Vielfalt des Angebots und die Leistung der ältesten universitären Einrichtung zu verschaffen. Positiv zur allgemein lockeren Atmosphäre trug auch die kostenlose Verpflegung mit Getränken und Knabbergebäck, sowie die veranstaltete polyglotte Tombola bei. Auf diese Weise hatte jeder die Chance,

durch einen Gewinn eines der vielen themenbezogenen Sachpreise, den gelungenen Tag in Erinnerung zu behalten. Immer in Erinnerung bleibt auch die 30-jährige Erfolgsgeschichte des Sprachenzentrums. Bereits wenige Monate nach der Eröffnung der Universität Passau im Januar 1979 entstand auch das Sprachenzentrum. Bis heute garantiert es den Studenten aller Fakultäten eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung (FFA) in 14 verschiedenen Sprachen und mit unterschiedlichen Abschlussniveaus. So ist es möglich, pro Semester bis zu 7000 Studenten in Kursen unterzubringen – eine beachtliche Leistung angesichts der Tatsache, dass die gesamte Universität ca. 8000 Immatrikulierte zählt. So überrascht es nicht, dass dieses Konzept bereits von anderen Hochschulen bundesweit übernommen wurde. Ein Konzept, dass auch auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt dem Studenten einen Vorteil bieten kann. Auf die hier geforderten Sprachfertigkeiten reagiert die Universität Passau und damit auch das Sprachenzentrum flexibel und kompetent und trägt somit einen entscheidenden Teil dazu bei, sich als Student in Passau wohl zu fühlen. von Jennifer Preu (jp) Bild:© Claudia Hautumm/PIXELIO

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5 Studium & Karriere

Freitag der 13. – ein Unglückstag? Nicht an der Universität Passau, denn an diesem Tag beging die Hochschule den Dies Academicus. Im Rahmen dieser Veranstaltung feierte auch das Sprachenzentrum (SpZ) im Nikolakloster sein 30 jähriges Jubiläum mit einem bunten und abwechslungsreichen Programm, zu dem sowohl alle Mitarbeiter als auch alle Studenten herzlich eingeladen waren.


Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule Aktuelle Entwicklungen und Entscheidungen in der bayerischen Bildungspolitik Ab dem Schuljahr 2010/2011 können sich Hauptschulen zu Mittelschulen weiterentwickeln, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Realschulen und Gymnasien bleiben wie die Haupt- bzw. Mittelschule daneben erhalten; es gibt also auch wie bisher ein mehrgliedriges Schulsystem in Bayern. Grundlegende Daten zur Mittelschule Als Mittelschule kann sich künftig eine Hauptschule bezeichnen, wenn sie ihren Schülerinnen und Schülern alleine oder in einem Schulverbund mit anderen Hauptschulen ein breit gefächertes Bildungsangebot garantiert. In Dialogforen auf Landkreisebene sollen vorab die Rahmenbedingungen dazu geschaffen werden. Nach dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus gehören zu diesem Bildungsangebot: - die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, - ein offenes oder gebundenes Ganztagsangebot, - die Kooperation mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur, - ein mittlerer Bildungsabschluss auf dem Niveau von Wirtschafts- und Realschulen, - die individuelle/modulare Förderung der Schülerinnen und Schüler im Klassenverband unter Beibehaltung des Klassenlehrerprinzips und - Angebote der Jugendsozialarbeit bzw. von Förderlehrerinnen und Förderlehrern. Schulverbünde sollen die Möglichkeit schaffen, auch kleinere Hauptschulen in den einzelnen Kommunen zu erhalten.

6 Studium & Karriere

Stellungnahme aus der Sicht eines Hauptschullehramtsstudenten „Es ist begrüßenswert, dass die Hauptschule zur Mittelschule weiterentwickelt wird und neue Wege in der bayerischen Bildungspolitik gegangen werden. Die Dialogforen sollen die Weichen dafür stellen, damit das Konzept der Mittelschule schülergerecht sowie auch wohnortnah durch entsprechende Schulverbünde ab

dem Schuljahr 2010/2011 ohne Zeitdruck umgesetzt werden kann. Obwohl die Schülerzahlen in den Hauptschulen rückläufig sind, bietet das Konzept der Mittelschule aber auch Chancen. Für praktisch begabte Schülerinnen und Schüler ist die verstärkte Berufsorientierung die Möglichkeit, ihre Talente, Fähigkeiten und Fertigkeiten für einen Beruf besser finden zu können. Gerade für lern- und leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler stellt die modulare/individuelle Förderung den Nutzen da, Defizite und Fehler zu diagnostizieren, zu beheben und Lücken zu schließen, damit die Grundfähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen sitzen. Es sollte aber nicht nur der Fehlervermeidung dienen; Fehler sollten auch zugelassen werden, um diese dann entsprechend sinnvoll verbessern zu können. Denn wie sagen schon die Sprichwörter: „Aus Fehlern wird man klug! Aus Fehlern lernen!“ Dementsprechend kann diese Förderung auf der anderen Seite auch dazu dienen, den Ansprüchen lern- und leistungsstärkerer Schülerinnen und Schüler gezielter zum Beispiel durch andere Aufgabentypen gerecht zu werden. Bei der Umsetzung ist es besonders wichtig, dass die benötigten finanziellen Mittel und auch das entsprechende Lehrpersonal zur Verfügung gestellt werden. Daneben ist es ebenfalls sinnvoll, die angehenden Lehrerinnen und Lehrern, d. h. die Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten an den bayerischen Universitäten, gerade im Hinblick auf das spätere Berufsleben mit dem neuen Konzept der Mittelschule näher vertraut zu machen.“ von Roland J. Kufner Hauptschullehramtsstudent Hochschulpolitischer Öffentlichkeitsreferent des SprecherInnenrates/ASTA und Kulturbeauftragter des Studentischen Konvents an der Universität Passau

Die Bedeutungen der Menschenrechte aus russischer und deutscher Sicht Austauschseminar mit der Staatsuniversität St. Petersburg Im Februar 2009 bot sich zehn Studenten des Schwerpunktbereichs 13 (Kriminalrechtspflege) die Möglichkeit, an einem Austauschseminar mit der Staatsuniversität St. Petersburg teilzunehmen, welches vom Lehrstuhl von Professor Dr. Robert Esser organisiert wurde. Schon vor dem Besuch der deutschen Studentinnen und Studenten in der ehemaligen Zarenstadt St. Petersburg waren im April acht Studentinnen aus Russland an der Universität Passau zu Gast. In ihren Vorträgen über die Europäische Menschenrechtskonvention, über Terrorismus und Menschen-

rechte setzten sich die russischen Teilnehmerinnen kritisch mit den Problemen im Menschenrechtsschutz in ihrem eigenen Land auseinander. Aber nicht nur ernste Themen wie Folter oder Auslieferung standen auf dem Programm: Gemeinsam mit den deutschen Teilnehmern besuchten die Russinnen die Justizvollzugsanstalt Landshut, das Landgericht Passau, die bayerische Landeshauptstadt München und konnten einen Abend lang bayerisches Flair auf der „Maidult“ erleben. Durch die neuen Freundschaften mit den Austauschpartnern sahen wir deutsche Studenten unserem Ge-

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Die russischen Gäste zusammen mit einigen deutschen Teilnehmern im Landgericht Passau mit dem Präsidenten Prof. Huber (1. Reihe in der Mitte) und Prof. Esser (2. Reihe, Dritter von rechts)

Im Sommer 2010 plant der Lehrstuhl Esser ein Kooperationsseminar mit Polen. Die Teilnehmer des diesjährigen russischen Seminars können eine Teilnahme jedem empfehlen, der neue Erfahrungen abseits des universitären Alltags sammeln möchte. von Susanne Bettendorf (sb)

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7 Studium & Karriere

genbesuch gespannt entgegen und freuten uns, als es am 06. September mit dem Flugzeug von München nach St. Petersburg ging. Schon am Flughafen wurden wir herzlich von Vertretern der Staatsuniversität Petersburg begrüßt und zu unseren Unterkünften gebracht. Auch die ersten zwei Tage unseres Besuches waren von unseren Seminarvorträgen zur Europäischen Menschenrechtskonvention, zum internationalen Terrorismus und zu den Neuerungen bei der Auslieferung und im Strafverfahren durch die Europäische Union geprägt. Mit den russischen Teilnehmern entwickelten sich nach den Vorträgen aus deutscher Sicht interessante und spannende Diskussionen. Auch wir deutschen Teilnehmer hatten die Möglichkeit Land und Leute kennenzulernen: Gemeinsam mit Vertretern der russischen Staatsuniversität erhielten wir eine exklusive Führung durch das Verfassungsgericht und sahen uns einen halben Tag lang das „kleine Versailles“ Peterhof am Rande von St. Petersburg an. Auf eigene Faust erkundeten wir die Stadt der Zaren und besichtigten die Eremitage, die Erlöser auf dem Blut Christi-Kirche und schafften es sogar, in einem der russischen Theater eine Schwanensee-Ballettaufführung zu besuchen. Als es nach fünf Tagen wieder zurück nach Deutschland ging waren wir uns alle einig, dass wir durch das Kooperationsseminar mit Russland nicht nur neue Freunde, sondern auch neue Einblicke in ein faszinierendes Land gewonnen hatten. Trotz der offenen Fragen im Bereich der Menschenrechte und der Demokratie sind gerade die jungen Russen doch bereit offen über Verbesserungsvorschläge nachzudenken und etwas zu verändern.

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Mauerfall in Deutschland als Brücke nach Europa Hans-Dietrich Genscher erhält „Menschen in Europa-Award 2009“ Der eiserne Vorhang konnte 1989 nur aufgrund von Demonstrationen wie in Dresden rosten, erklärte Hans-Dietrich Genscher. Darum vertraue er heute in die junge Generation an den Universitäten und darauf, dass sie heute die gleichen Fragen stellen würden wie jene Demonstranten von damals. Am Freitag, dem 13. November wurde dem ehemaligen Außenminister von der Verlagsgruppe Passau gemeinsam mit der Vertretung der Europäischen Kommission in München der „Menschen in Europa-Award 2009“ verliehen.

8 Politik & Gesellschaft

Als Aufhänger der Veranstaltung „Mauerfall: Wegbereiter für die EU-Erweiterung“ diente zunächst ein Film darüber, wie Europa zueinander fand. Ungarischer Volksaufstand 1956. Mauerfall. Litauens Unabhängigkeit 1991. Ost-Erweiterung 2004. Und immer wieder neue Gesichter eines bunten Europas. 2009 dann eine Geburtstagstorte für 20 Jahre Freiheit in Deutschland. Wie hängt all das zusammen? Darauf bezog sich anschließend der Präsident des Europäischen Parlaments Prof. Dr. Jerzy Buzek in seiner Eröffnungsrede: „Wir feiern heute das 20-jährige Jubiläum einer Versöhnung zu der Hans-Dietrich Genscher und Helmut Kohl ganz wesentlich beigetragen haben“, erklärte er, „Und dieses Jubiläum ist nicht nur ein Wunder für Deutschland, sondern ein großes Werk für ganz Europa“. Anschließend übernahm Ehrengast Hans-Dietrich Genscher selbst das Wort. Der Mauerfall in Deutschland, so meinte er, sei das Vermächtnis all jener gewesen, die aufgestanden waren und eine „Gewalt der Gewaltlosigkeit“ gezeigt hätten. Dies erhoffe er sich auch für jene Teile der Welt, in denen es noch keinen Frieden gäbe. „Die europäische Friedensbotschaft sollte in den Rest der Welt getragen werden“, so Genscher.

Es folgte eine Podiumsdiskussion des Moderators vom ZDF-Kulturmagazin „aspekte“ Dr. Wolfgang Herles mit Hans-Dietrich Genscher, der Vizepräsidentin der Internationalen Paneuropa-Union und Abgeordneten des Schwedischen Reichstags Dr. Walburga Habsburg Douglas, DDR-Menschenrechtler Dr. Joachim Gauck und dem früheren Finanzminister Dr. Theo Waigel. Zunächst richtete sich Herles an Gauck. Ob der Rostocker und frühere Mitinitiator zur Öffnung der Stasi-Akten für die Aufarbeitung wohl wüsste, warum das Bewusstsein der DDR für Europa damals so lange auf sich hätte warten lassen. Fremdheit und fehlendes Vertrauen gegenüber den Nachbarländern seien die Gründe gewesen, so Gauck. „Niemand in der DDR hatte jemals Besuch aus dem Ausland gehabt oder Nachrichten aus dem Ausland gehört“, fügte er hinzu. Seiner Meinung nach schwelgten zudem viele Bürger im Osten der Bundesrepublik bis heute in einer Nostalgie gegenüber der DDR-Vergangenheit und wagten noch nicht den Blick nach Europa. „Erst wenn man frühere Traumata betrauern kann, ist man frei“, meinte dazu Gauck. Mangelnde Zustimmung für Europa zeige sich jedoch in ganz Deutschland anhand der sinkenden Wahlbeteiligung bei den diesjährigen Parlamentswahlen, resümierte ZDFModerator Herles anschließend und erntete dafür die Zustimmung von Dr. Theo Waigel: „Es wird immer wieder vergessen, was dieses friedliche Europa für unser Leben eigentlich bedeutet“, berichtete er. So gelänge es ihm häufig nur, andere für Europa zu begeistern, indem er von seiner eigenen Familiengeschichte erzähle. „Meine Großeltern haben drei Kriege erlebt, meine Eltern zwei. Mein Bruder fiel mit 18 Jahren im 2. Weltkrieg“, sagte er. „Dass meine Kinder heute nur Frieden kennen und ein Leben lang nichts als Frieden, ist keineswegs selbstverständlich, sondern ein Werk Europas“. Dennoch fiele es vielen heutzutage leichter, sich selbst als Europäer zu betrachten als als Deutsche, stellte Herles anschließend fest. Dazu meinte Gauck: „Deutschland braucht mehr Selbstbewusstsein. Die Deutschen sollten sich gerne als ‚europäisch’ und ‚deutsch’ sehen.“

Im Toyota und nicht im Trabi kam der heute in Salzburg lebende G. Meyer 1989 als schnellster Flüchtling aus Ungarn nach Passau.

Anschließend berichteten Zeitzeugen von der Flucht von Ost nach West. „Ich war der schnellste ‚Ossi’“, lachte der ehemalige DDR-Bürger G. Meyer, „Sobald in Ungarn die Grenze aufging, bin ich geflohen und dann am 9. September 1989 um 3.02 Uhr in Passau angekommen. Dort hat aber gar keiner gewartet“, fügte er hinzu.

Der Osten schwört auf die Vorstellung Westeuropas, dass Freiheit am Ende immer siegen wird. Darin sind sich (von links) Hans-Dietrich Genscher, Dr. Walburga Habsburg Douglas, Dr. h.c. Joachim Gauck und Dr. Theo Waigel einig.

Schließlich war es endlich so weit: Kopfhörer auf und die Besucher im Medienzentrum konnten der gedolmetschten Übersetzung der Laudatio vom Präsidenten

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des Europäischen Parlaments Buzek an Hans-Dietrich Genscher lauschen, bevor dieser von Verlegerin Angelika Diekmann feierlich den „Menschen in Europa-Award 2009“ erhalten sollte. „Um verstehen zu können, was Genschers Politik mir persönlich bedeutet, hätten Sie vor einem viertel Jahrhundert in meiner Heimat Polen leben müssen“, sprach Buzek. „Und heute bin ich der Präsident des Europäischen Parlamentes mit 27 Mitgliedsländern“, fügte er stolz hinzu. Genscher habe viel für seine Heimat Polen getan, meinte er: „Das Entscheidende waren die Gesten. So lehnte er zum Beispiel Besuche bei Kommunisten prinzipiell ab.“ Und zum Schluss sah er Genscher direkt in die Augen und sagte: „Heute geht es in der EU um Osteuropa. Sie haben diese Perspektive immer gehabt.“

UP-Campus für Euch vor Ort: Zur Wahl des Studienfachs „B.A. European Studies“ in Passau wurde unsere Redakteurin Rieke Bening von dem Präsidenten des EU-Parlaments Prof. Dr. Jerzy Buzek persönlich beglückwünscht.

von Rieke Bening (rb)

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9 Politik & Gesellschaft

Applaus für den Wegbereiter einer friedlichen Union in Deutschland und Europa: Angelika Diekmann (links) und Prof. Dr. Jerzy Buzek zeigen offen ihre Anerkennung für Hans-Dietrich Genscher.

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Einblicke in die Europapolitik Zu Besuch bei der Veranstaltung „Bürgerforum Europa für Bayern“ Am 28. Oktober 2009 kam die Veranstaltung „Bürgerforum Europa für Bayern“ nach Passau mit dem Ziel, dass Bürger direkt mit Verantwortungsträgern aus EU-Komission und dem Europäischen Parlament diskutieren können. So waren mit Manfred Weber und Barbara Lochbihler zwei Mitglieder des Parlaments, mit Dr. Henning Arp ein Vertreter der Komission anwesend. Die Veranstaltung an sich war ein voller Erfolg. So wurden vom Vertrag von Lissabon, über Projekte zum Donauausbau bis hin zum europäischen Patentrecht viele Themen abgedeckt und jeweils kompetent diskutiert. Es kam tatsächlich ein Dialog zu stande, welcher sich nach Ende der Veranstaltung formlos und ungezwungen noch weiter entfaltete. Unzweifelhalft gingen alle Anwesenden mit einem besseren Verständnis für die Anliegen der Bürger, als auch für die Funktionsweise der Europäischen Union wieder aus dem Saal. Im Vorfeld der Veranstaltung durfte ich Manfred Weber (MdEP), Dr. Henning Arp (Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in München) sowie Jochen Kubosch (Leiter des Informationsbüros München des Europäischen Parlaments) exklusiv interviewen. Im Folgenden findet Ihr Ausschnitte aus den Interviews, die in voller Länge auf unserer Internetpräsenz (www.up-campusmagazin.de) veröffentlicht sind. Interview mit Manfred Weber „In Ihrem Youtube-Channel haben Sie sich unlängst darüber beschwert, dass die Union ein wenig ihre konservative Linie verloren hat und ihre Werte zumindenstens zu sehr versteckt. Glauben Sie, man könnte wieder mehr Wählerstimmen gewinnen, in dem man sich hier wieder stärker profiliert und auch von den anderen Parteien abgrenzt?“

Grundfreiheiten. Das kann man nicht generell, sondern muss man im Einzelfall beantworten. Zum Beispiel haben wir als bürgerliche Parteien im europäischen Parlament auch einen Vorschlag abgelehnt, der die Speicherung aller Fluggastdaten beinhaltet hätte. Die Amerikaner machen das schon lange, und das wurde nun auch in Europa von der Komission vorge- Beim „Bürgerforum Europa für Bayschlagen, aber das ern“ stellte sich unter anderem ManParlament hat „nein“ fred Weber (MdEP) den Fragen ungesagt. Ihr könnt uns seres Redakteurs Johannes De Visser nicht belegen, dass (links). uns das einen so großen Sicherheitsgewinn bringt. Wir wollen keinen gläsernen Bürger. Das hat das Parlament verhindert. Andererseits gibt es auch Punkte, wo es Sinn macht, Daten zu erheben, wo es Sinn macht auch nachzuschauen. Zum Beispiel wurde der Versuch eines deutschen Terroranschlages vor einigen Jahren aufgedeckt, weil die Amerikaner uns einen Tipp gegeben haben, dort werde eine Kofferbombe gesetzt, und so konnte dieser Anschlag verhindert werden. Das heißt, Überwachung macht auch Sinn. Wir können damit auch Sicherheit organisieren. Diese Balance zu finden ist ein Ringen im Alltag, das wir hinbekommen müssen. Und wir müssen uns beiden Herausforderungen bewusst sein.

10 Politik & Gesellschaft

Interview mit Dr. Henning Arp Man muss zunächst einmal definieren, was man mit konservativ meint, denn das hört sich ja ein wenig verstaubt und alt an. Ich meine damit, dass wir immer Modernisierung brauchen, weil die Gesellschaft sich verändert. Dort müssen sich auch Parteien mitverändern und sich modernisieren. Entscheidend ist aber, dass man eine Modernisierung nicht mit Beliebigkeit, der Stimmungsfrage, der Meinungsumfrage macht, sondern dass man nach Grundprinzipien modernisiert. Ich bin fest davon überzeugt, dass es viele junge und alte Menschen gibt, die bei einem Politiker wissen wollen, wofür er eigentlich steht, was für Grundprinzipien er hat. Das meine ich mit konservativ sein und das meine ich mit zurück zu den Wurzeln: Politik nicht aus der Beliebigkeit, sondern Politik aus den Werten heraus. „Herr Weber, Sie sind Mitglied im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten. Was entgegnen Sie den Menschen, die der Meinung sind, dass die EU und auch die Nationalstaaten in der letzen Zeit zu viel Wert auf Sicherheitspolitik gelegt haben und dabei die bürgerlichen Freiheiten mehr und mehr einschränken?“ Das Problem ist bei jeder Detailentscheidung immer die richtige Balance zu finden zwischen den Sicherheitsinteressen des Staates und einzelner Bürger und den

„Befürworten Sie die zukünftige Errichtung eines Nationalstaates „Europa“, also eine Vollendung der europäischen Einheit als Staat ähnlich wie die USA?“ Ich denke, dass wir in der europäischen Integration noch nicht am Endpunkt angekommen sind, auch mit dem Lissaboner Vertrag nicht. Ich wünsche mir, dass sich Europa in einigen Bereichen noch stark weiterentwickeln wird, zum Beispiel im Bereich der Aussen- und Sicherheitspolitik, wo wir als Europäer noch stärker gemeinsam auftreten müssen, um unsere Werte ins Spiel zu bringen und unsere Interessen zu wahren. Ich denke, die Europäische Kommission kann noch sehr viel mehr tun, um sehr konkrete Probleme anzugehen, die die Bürger in Europa haben. Die Komission hat zum Beispiel vor einigen Tagen einen Vorschlag vorgelegt, der regeln soll, welches Recht bei grenzüberschreitenden Erbfällen greift - also wenn ein Erbfall eintritt, die Erben möglicherweise in einem anderem Mitgliedsstaat wohnen und welches Erbrecht hier anwendbar ist. Solche Beispiele zeigen, dass hier noch sehr viel zu tun ist. Auch im Bereich der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung sollte Europa verstärkt tätig werden. Und Europa muss natürlich gemeinsam handeln bei vielen großen Aufgaben, bei denen ganz klar ist, dass wir nur gemeinsam eine Lösung finden können: Ener-

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gieversorgungssicherheit, Klimaschutzpolitik, Immigration, wie stellen wir uns auf angesichts einer globalisierten Wirtschaft… Hier muss noch mehr gemeinsam getan werden. Interview mit Jochen Kubosch „Wie wichtig ist Europa für Bayern? Die wirtschaftliche Situation ist ja an für sich gut in der Region, insofern bräuchte man ja keine Hilfe aus Brüssel.“

wohl Agrarprodukte, als auch Dienstleistungen, ist es wichtig, dass wir einen möglichst großen Binnenmarkt mit möglichst wenigen Hindernissen haben, auf dem fairer Wettbewerb herrscht und wo es den Unternehmen leicht gemacht wird, innovativ zu sein, aber dann auch zu exportieren. Für ein Land wie Bayern ist deshalb die Europäische Union ein Riesengewinn, bei dem man gar nicht in Beträgen ausdrücken kann, wie wichtig das für Bayern ist. von Johannes De Visser (jdv)

Da Bayern ein Land ist, das extrem viel exportiert, so-

365 Tage im Bayerischen Landtag Pressekonferenz und Interview mit dem Passauer MdL Bernhard Roos (SPD)

Zwischenbilanz nach der Europa- und Bundestagswahl Mit 20,8 % der bundesweiten Stimmen bei der Europawahl, was einen Verlust von 0,7 % im Vergleich zur Wahl von 2004 bedeutet, verzeichnet die SPD dramatische Ergebnisse. Auch auf Landesebene erreicht die BayernSPD nur noch 12,9 % und damit ein Minus von 2,4 %. Hinsichtlich der Bundestagswahl, die einen Absturz von 34,2 % auf 23,0 % auf Bundesebene und einen Verlust von 8,6 % auf Landesebene mit sich brachte, werde es, so Roos, schwierig noch von einer Volkspartei zu sprechen. Besonders dramatisch sei, dass sich die Verluste in alle Richtungen, vor allem aber zu den Nichtwählern ziehen. Sehr bedauernswert sei auch, dass mit dem Nichteinzug von Jella Teuchner ein soziales Sprachrohr in Berlin verloren ging, nicht nur für die Sozis, sondern gerade auch für die gesamte Region. Diese Ergebnisse erfordern in der SPD eine Neuorientierung. Roos setzt als Konzept darauf, wieder mehr Basisnähe und Bodenhaftung herzustellen, etwa durch Regionalbesuche in Gemeinden, Behörden, Betrieben mit jeweils anschließenden SPD-Versammlungen. Ein großer Fehler in der Vergangenheit sei nämlich gewesen, dass die Politik an der Basis vorbei betrieben worden sei. Dies mache die bereits erfolgende Erneuerung und Neubesinnung der Partei unerlässlich. Die Ortsvereine müssen wieder als Keimzelle alle Themen fokussieren, die Programmatik müsse sozialer profiliert ausgerichtet werden. Initiativen der SPD-Landtagsfraktion gegen die Krise der Landesbank Am 28.10.2009 wurde beschlossen, einen Untersuchungsausschuss zum überteuerten Kauf der maroden Hypo Group Alpe Adria (HGAA) durch die Landesbank einzusetzen, da die Risiken nicht durchleuchtet wurden. Vorgeschichte war die Bewilligung des Bayerischen Landtags von 10 Mrd. € (zum Vergleich: der Staatshaushalt Bayern beträgt 40 Mrd. € im Jahr) als Liquiditätshilfe und Bürgschaft des Steuerzahlers. Des Weiteren beantragte die Staatsregierung zusätzliche 15 Mrd. € aus dem Bankenrettungsschirm des Bundes. Roos sehe in Anbetracht der Lage der HGAA - Verlust-

szenario von derzeit bis zu 4 Mrd. € und deshalb keine Leistungsmöglichkeit der Verzinsung des 10 Mrd.Kredits der Landesbank - einen direkten Eingriff in die Haushaltspolitik, der so nicht tragbar sei. Persönliche Bewertung des Kabinetts Seehofer Hierbei stand vor allem Ministerpräsident Seehofer (CSU) stark in der Kritik. In ihm sehe Roos den Wankelmut in Person, jemanden der allen alles verspricht, was als „Schwarzzungenkrankheit“ bezeichMdL Bernhard Roos net werden könne. Wirtschaftsminister Zeil (FDP) würde sich als „Neoliberaler mit Herz für soziale Marktwirtschaft“ zwar bemühen, zweifelhaft sei aber seine Durchsetzungskraft. Kultusminister Spaenles (CSU) Problem stelle seine Fachfremdheit dar, aus der untaugliche Schnellschüsse z.B. in Sachen Gelenk-Klassen resultieren. In Landwirtschaftsminister Brunner (CSU) sehe Roos einen ehrlichen Sachwalter der Bauernschaft, der jedoch trotz einer CSU-Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner allein in Deutschland und Europa stünde. Sozialministerin Haderthauer (CSU) barg für Roos eine Überraschung, da sie nun eine sozialere Sprache spreche, etwa hinsichtlich der Befürwortung der Entgeltanhebung in den sozialen Berufen. Kritisch sei jedoch, dass es bei ihrer Politik an einer nicht geklärten Finanzierung kranke, sog. „Titel ohne Mittel“. Eigene Aktivitäten und Anträge im Landtag Bei diesem Punkt betonte Roos zunächst die Erhöhung der Mittel für die Breitbandversorgung im ländlichen Raum, wobei er die Aufstockung von 19 auf 39 Mio € als noch zu gering erachte. In punkto Bildungspolitik sei mit dem „Wissenschaftszentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe“ in Straubing ein Versprechen aus der Ära Stoiber eingelöst worden, wo fortan die Hochrüstung zur Hochschule ein Ziel darstelle. Ein wichtiges parteiübergreifendes Anliegen im Rahmen der Verkehrspolitik sei der Ausbau der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg-Straubing-Passau mit einer Verdichtung überregionaler An- und Verbindungen sowie barrierefreier Bahnhöfe. Hier werde wohl aber erst 2013/14 etwas losgehen. Auf dem Gebiet der Umweltpolitik gelte es die Windkraft in Bayern auszubauen. Es sollen 6 % der Energieleistung wie im Bundesschnitt erreicht werden, dato sind es noch 1,2 %. Wirtschaftspolitisch steht der Freistaat („Freistaat als Rabenva-

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11 Politik & Gesellschaft

Anlässlich seiner 365 Tage als MdL gab Bernhard Roos (SPD) unter dem Motto „Aus der Opposition heraus gestalten“ am 16.11.2009 in Passau eine Pressekonferenz. Ebenfalls vertreten waren der SPD-Unterbezirksvorsitzende Walter Senkmüller, der SPDKreisvorsitzende Andreas Winterer und die Bürgermeister Georg Steinhofer (Neukirchen vorm Wald) und Willi Wagenpfeil (Hofkirchen).


12 Politik & Gesellschaft

ter“) bezüglich des Konjunkturpakets II in harscher Kritik bei Roos. 1,9 Mrd. € des Bundes, von denen der Freistaat eine halbe Mrd. selbst finanzieren soll, müssen in voller Höhe in die bayerischen Kommunen fließen, tun dies aber nicht. Fakt sei, dass von 141 Mio. € für Niederbayern nur 65 Mio. € dort ankommen. Eine solche Kofinanzierung des Landesanteils dürfe nicht zu Lasten der Kommunen erfolgen. Auch zu Insolvenzabwendungen gab es einige Anträge, mit unterschiedlichen Erfolgen. So wurden für die Firma Edscha Investoren gefunden, Qimonda als Speicherchip-Technologieführer von Weltrang konnte nicht erhalten werden. Bezüglich Quelle/Arcandor war es zu spät, was Roos auf einen angesichts der Unternehmensgröße (über 8000 Beschäftigte) völlig überforderten Insolvenzverwalter schiebt. Ein Anliegen, das nach Roos Erachten in der Vergangenheit deutlich zu kurz gekommen sei, ist die bayerische Repräsentanz bei unseren tschechischen Nachbarn. Hier gelte es als Brückenbauer tätig zu werden, um die Wirtschaftsbeziehungen weiter zu befördern.

Des Weiteren ginge es ihm um den Kampf gegen Strukturschwäche in Ostbayern und internationale Kooperation (Europaregion, Praktikantenpool). Im Hinblick auf Infrastrukturmaßnahmen (A 94, B 12,...) bekannte Roos sich als ausdrücklicher Förderer.

Persönliche Bewertung der aktuellen Politik in Stadt und Landkreis In der Stadt Passau führe OB Dupper (SPD) den bunten Stadtrat souverän und drücke der Stadt - etwa durch Schulspeisung, 2. Arbeitsmarkt und das Klima im Rathaus - einen sozialdemokratischen Stempel auf. Der Sparkurs sei kritisch zu betrachten, da die Krise Investitionen der öffentlichen Hand erfordere. Jedoch sei dies keine Kritik an Dupper, da diesem nichts anderes als die Kostenbremse übrig bleibe. Bezüglich des Landkreises Passau hielt Roos lobende Worte für Landrat Meyer (CSU) bereit. Dieser leite den Kreistag mit Umsicht und klaren Zielen. Besonders gut seien die Senkung der Kreisumlage, Vorsprung Breitband und ÖPNV-Initiative. Unseren MdBs Stadler (FDP) und Scheuer (CSU) gratulierte Roos zu ihren Staatssekretärsposten. Bei Stadler, den er für einen hervorragenden Kopf und lupenreinen Demokraten halte, bedauerte er, dass dieser kein SPD-ler ist. In Scheuer sehe er einen rührigen Verkehrsexperten mit logischer Karriere, der hoffentlich einen Nutzen für die Region bringe. Zu seinen Landtagskollegen Kobler und Taubeneder (CSU) habe er ein offenes Verhältnis, man arbeite in Einzelfragen zusammen, inhaltliche Konflikte fänden ohne persönliche Verletzungen statt. Mit Kirschner (FDP) pflege er einen freundlichen Umgang und habe Respekt vor dessen Unternehmensleistung. Allerdings herrschten auch Vorbehalte aufgrund der abweichenden Position etwa bei Sparkassenfusionen. Mit Hallitzky (Bündnis 90/Die Grünen) hätte Roos eine freundschaftliche Verbindung und Kooperation, die sich als glückhafte Symbiose von Ökonomie und Ökologie erweise. Auch sein eigenes Profil beleuchtete Roos. Wirtschaft stelle für ihn nicht nur Szenerie der Glanzfassaden, sondern gerade Arbeitnehmer dar. Daher liegen ihm besonders Arbeitnehmerthemen wie Mindestlohn, Arbeitszeitverkürzung statt Entlassungen und Ausbildungsplätze am Herzen. Einen weiteren wichtigen Pfeiler sieht Roos in der Bildung. Hier kritisiert er vor allem die Studiengebühren. Es betrübt ihn, dass mit diesen Geldern feste Arbeitsplätze finanziert werden, wobei dies eine Staatsaufgabe und keine der Studierenden sei. Hinsichtlich der Reformen im Gesundheitswesen kritisierte Roos eine verfehlte, überzogene Klientelpolitik und verurteilte „Schmutzkampagnen“ anderer Parteien zur Wahlkampfzeit, die etwa in der Auslage schwarz-gelber Sitzkissen in Arztpraxen bestanden.

Wenn wir an der Regierung wären, hätte es nie Studiengebühren gegeben. Mit das erste was wir bei einem Wahlsieg in Bayern machen würden, ist die Abschaffung der Studiengebühren.

Mit der Pressekonferenz haben die SPD und insbesondere Bernhard Roos eine sehr gute Möglichkeit gegeben, einen ausführlichen Einblick in die politische Arbeit des Mandatsträgers und aktuelle politische Entwicklungen zu bekommen. Diese Transparenz und Aufklärungsarbeit vor Ort ist ein sehr guter Ansatz wieder mehr Nähe zum Volk zu beweisen und Vertrauen zu schaffen. Im Anschluss an den offiziellen Teil, konnten wir Bernhard Roos erfreulicherweise noch für das folgende kleine Interview gewinnen.

Interview mit Bernhard Roos „Wann werden die Studiengebühren abgeschafft?“

„Wie kommt die SPD aus ihrer Krise?“ Wir müssen das Programm und die Personen zusammenbringen. Es reicht nicht an einem einmal geschlossenen Programm festzuhalten. Wenn das Programm und die Umsetzung dessen auseinanderklaffen, dann leidet die Glaubwürdigkeit. Vertrauen wird schneller verspielt als erworben. Die SPD darf keine Politik gegen die eigene Klientel machen. „Gibt es eine Lösung für die Probleme der Finanzkrise?“ Die vorhandenen nationalen und internationalen Kontrollgremien müssen ertüchtigt werden. Es kann ja nicht sein, dass die meisten Banker nicht wussten und wissen womit sie handeln. Es dürfen keine Scheingeschäfte mehr geschlossen werden. Wir brauchen die ehrbare Kaufmannssitte wieder. Geschäfte gegen Kurse und Währungen dürfen nicht geschlossen werden. Managergehälter müssen am Langfristerfolg gemessen werden. Boni müssen sich am Erfolg orientieren und realistisch sein. Das globale Casino der Finanzund Wirtschaftswelt muss geschlossen werden. „Wie stehen Sie persönlich zu einer Kooperation der SPD mit der Partei Die Linke?“ Grundsätzlich befürworte ich eine Kooperation. Jedoch müssen Programmatik und Köpfe passen. Beispielsweise kann ich mir nicht vorstellen, mit Lafontaine in persona zu kooperieren. Momentan hat die Linke entgegen allen anderen Parteien kein Programm. Sie hangelt sich einfach so durch und trifft auf den ersten Blick den Nerv vieler Menschen. Wie die Finanzierung einer solchen Politik geschehen soll, wird verschwiegen. Auch ein NATO – Austritt ist mit der SPD nicht machbar. Da muss sich die Linke in realistischere Bahnen bewegen. Generell erwarte ich, dass man sich annähern wird. Gibt es eine solche Annäherung, dann halte ich auch eine Koalition auf Bundesebene für möglich. „Wie will die SPD, respektive wie wollen Sie, es schaffen, dass Zivilcourage nicht mit dem Tod endet?“

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Zur Person Bernhard Roos Das ist ein ganz schweres Thema. Im Fall Brunner hätten die Leute, die Passanten ihm helfen müssen. Dass sie es nicht taten, ist beschämend. Helfen ist nicht mehr normal. Der Bürger muss offen sagen, was ihm passt und was nicht. Er muss mündig sein. Das bedeutet auch, dass er solidarisch und sozial sein muss. Die Solidarität und die Verantwortlichkeit für seine Mitmenschen können nur aus den Menschen selbst wachsen. Wir müssen es ihnen aber auch vorleben. Ehrenämter müssen öffentlich belobigt werden. Schulprojekte, die sich beispielsweise mit Konfliktbewältigung beschäftigen, müssen unterstützt werden. Wir brauchen im positiven Sinne den wehrhaften Menschen und keine Duckmäuser.

Bezirkssekretät der IG Metall Bezirksleitung Bayern geboren am 10. Juni 1954 in Hacklberg (nun Passau) verheiratet, 4 Kinder

„Was ist Ihr größter Wunsch?“

Werdegang 1974 Abitur am ASG Passau 1976 Zeitsoldat, Pionier, Leutnant der Reserve 1985 2. Juristisches Staatsexamen LMU München 1986 Passauer Aktuelle Zeitung 1986 DGB-Rechtssekretär 1987 IG Metall Gewerkschaftssekretär 1988 IG Metall 1. Bevollmächtigter 1999 BWL-Fernstudium 2008 Wahl zum Landtagsabg., Wirtschaftsausschuss 2009 IG Metall Bezirkssekretär, Bezirksleitung Bayern

Ich wünsche mir, dass Menschen stark gemacht werden. Sie sollen die in ihnen liegende Kraft erkennen und ausleben.

Funktionen - Mandate - Aufsichtsratmitglied ZF Passau GmbH - Verwaltungsausschussmitglied Arbeitsagentur Passau

von Barbara Klostermann (bk) und Christian Schneider (cs)

Parteifunktionen 1986 Eintritt in die SPD - 2003 Bezirksvorstandsmitglied Niederbayern SPD - 2004 Kandidat Europawahl - 2007 Vorstandsmitglied Bayern SPD - 2008 Wahl zum Landtagsabgeordneten

„Markt und Moral – Ein unlösbarer Konflikt?“ Netzwerkdinner der Hochschulgruppe AIESEC Passau Wenn ein Saal so voll ist, dass die Bestuhlung nicht ausreicht, kann man wohl davon sprechen, dass ein Thema die Massen bewegt und interessiert. Am 10.11.2009 nahm sich die AIESEC – Hochschulgruppe dieses brisanten Themas vor ca. 100 Gästen an.

Die Rollen in der Diskussion waren schnell verteilt. Die Vertreter der Wirtschaft und dabei insbesondere Dr. Kirschner versuchten den Schwarzen Peter der Unmoral den Großunternehmen zuzuschieben. Letztlich räumten aber auch sie ein, dass es zumindest

Dr. Kirschner, Dr. Klein, Dr. Steger, Herr Janecek, Herr Schmoll, Prof. Dr. Lambsdorff (von links nach rechts)

schwarze Schafe im Mittelstand gäbe. Vertrauen und Verlässlichkeit würden einen Kunden langfristig Kunde bleiben lassen, sagte beispielsweise Dr. Steger. „Von Haus aus ist kein Unternehmer unmoralisch“, bemerkte Dr. Kirschner. Ganz anders hingegen sah Janecek die Situation. Nach seiner Auffassung sei der Markt nur ein Instrument. Die einzelnen Markteilnehmer hätten Verantwortung. Die Politik müsse einen Ordnungsrahmen vorgeben, der Nachhaltigkeit und Fairness ermögliche, so Janecek weiter. Wissenschaftlich gesehen, höre die Fairness dort auf, wo der Wettbewerb beginne, führte Prof. Dr. Lambsdorff aus. Der Markt unterliege gewissen Gesetzmäßigkeiten. Nach Lambsdorff schwäche der Markt sowohl die Moral als auch die Unmoral. So verschieden die Argumente und die Sichtweisen auch waren, eines mutet positiv an. Auch der letzte scheint verstanden zu haben, dass am Anfang und am Ende eines jeden Marktes der Mensch steht. So ruhig

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13 Politik & Gesellschaft

Moral und Markt – ein Begriffspaar, das aktuell das Lehrbuchbeispiel für das Stilmittel Paradoxon bilden könnte. Durch keine Gegenüberstellung wird klarer, dass ein kleines Wörtchen wie „und“ eine Verbindung konstruiert, die so praxis- und lebensfern ist, wie die Utopie, Extremisten und Autonome seien friedfertig. Überall schrillt die Protestpfeife aus den Mündern Entlassener, während Manager vorzugsweise Beruhigungsmittel - in der Karibik oder sonst wo - gegen die Krise konsumieren. Wie sollen Werte wie Anstand, Gerechtigkeit, Vertrauen und Solidarität mit dem Wort Finanzkrise harmonieren? Eine Podiumsdiskussion der Verantwortungsträger der Gesellschaft könnte Abhilfe schaffen. Das dachte sich auch AIESEC und berief hierzu Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff (Universität Passau), Dr. Theodor Steger (Vorstand der Coplan AG), Dr. Mikko Klein (Sparkasse Passau), Dr. Franz Xaver Kirschner (MdL, FDP), Dieter Janecek (Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) und Stephan Schmoll (Pfarrer der evangelischen Gemeinde Passau) ein.


und sachlich die Diskussion zwischen den Diskutanten verlief, so hitzig wurde es als ein Zuschauer das Wort ergriff und vehement Prof. Dr. Lambsdorff attackierte. Die Sachlichkeit war verschwunden und es wurde in bester Stammtischmanier emotionalisiert. Seinem Vorredner folgend, meinte ein weiterer Zuschauer eine persönliche Attacke gegen Lambsdorff zu fahren, die nichts mit der im Vordergrund stehenden Debatte zu tun hatte. Es kann nun nicht mehr überraschen, dass die beiden „Zuschauer“ aus Handwerk und Wirtschaft kamen. Ist nicht gerade dieses ruppige und unsachliche Verhalten unmoralisch? Sind es nicht gerade die emotionalen Momente, die der Logik den Platz rauben?

Idealvorstellung moralische Menschen zu haben. Die, die moralisch handeln, werden im Markt von den Unmoralischen übervorteilt. Bis der Kunde als Marktgänger die Zusammenhänge erkennen kann, ist schon ein jeder demoralisiert, der moralisch begann. Langfristig kann sich aber nur Moral durchsetzen, denn wären alle unmoralisch wäre die Unmoral Moral. Ein interessanter Abend, der nachdenkliche und amüsante Momente mit sich brachte, ging dann im wieder ruhigen und sachlichen Rahmen zu Ende. von Christian Schneider (cs)

Moral und Markt – ein Begriffspaar, das paradox wirkt. Doch es ist nicht das Wortpaar, das zu Zweifeln führt. Es ist der Mensch, der moralisch sein sollte. Es ist die

Nach dem Verbrennungsmotor Ein Blick in die Zukunft des Autos

14 Politik & Gesellschaft

In den Entwicklungsabteilungen der Konzerne wird an den Autos der Zukunft gearbeitet. Viele Hersteller streben nach Effizienzsteigerungen bei Verbrennungsmotoren. Andere forschen an Hybridkonzepten. Manche Firmen bringen sogar schon Prototypen reiner Elektroautos auf die Autoshows nach Frankfurt, Detroit oder Tokio. Doch hier wird nur ein Aspekt der Fortbewegung betrachtet. Der ehemalige SAP-Vorstand Shai Agassi, Gründer und CEO von „Better Place“ geht in punkto Mobilität einen Schritt weiter. Er bietet seinen Kunden ein Komplettpaket zur Fortbewegung an. Man kauft bei ihm Mobilität in Form von Strom. Das dazugehörige Auto und den Akku hat man entweder schon selbst oder bekommt ihn wie bei einem Mobilfunkvertrag subventioniert. Im modernen Elektroauto arbeitet dann die Software „AutOS“ und sagt dem Shai Agassi, Gründer und CEO Fahrer, wann es Zeit ist, von „Better Place“ den Akku zu laden oder ihn zu wechseln. Hier sieht „Better Place“ ein zweites Standbein: Zurzeit ist die Reichweite der Elektroautos durch den Akku begrenzt. Nach spätestens 200 Kilometern auf der Autobahn ist die Kapazität erschöpft. Bei der täglichen Fahrt zur Arbeit fällt das zwar nicht ins Gewicht, bei längeren Strecken stellen Aufladezeiten des Akkus zwischen 4 und 8 Stunden eine ungeheure Belastung dar. Man muss vorher genau planen, wann und wo man Pausen einlegt. „Better Place“ sieht hier Chancen, den Umstieg auf Elektroautos leichter zu machen. Die Firma bietet gewissermaßen die Tankstelle der Zukunft an. Im Mai 2009 hat „Better Place“ bereits erfolgreich eine Demonstrationsanlage in Yokohama (Japan) vorgestellt. Dazu fährt der Fahrer in eine Wechselstation, die in weniger als 3 Minuten vollautomatisch den Akku des Autos austauscht. Das System arbeitet mit zwei Schlitten, sog. Battery Shuttles, die von unten ans Werk gehen. Ein Schlitten öffnet die

Sicherung, entnimmt den leeren Akku und bringt ihn in ein Lager, wo er aufgeladen werden kann, während ein zweiter Schlitten das Auto mit einem vollen Akku versieht. Ein großer Vorteil ist die Kompatibilität mit verschiedenen Modellen und Größen von Akkus. So kann die Wechselstation mit allen Akkus umgehen, vorausgesetzt, es gibt einen Zugang von unten am Auto. Der eingesetzte Akku muss dabei nicht zwangsläufig dem Kunden selbst gehören. Wenn der Akku Eigentum von „Better Place“ bleibt, entfällt beim Kauf des Elektroautos ein beträchtlicher Betrag und die Autos der Zukunft werden bezahlbar, denn Agassi will seinen Kunden Mobilität verkaufen und berechnet dafür ca. 4 Cent pro km, was weit günstiger ist als das Fahren mit Verbrennungsmotoren. Im großen Stil will Israel als erstes Land Elektroautos und die dazugehörige Infrastruktur einführen. In vielerlei Hinsicht ist das Heilige Land dafür geeignet. Die geringe Fläche spricht dafür, die Nähe der Städte Jerusalem, Tel Aviv und Haifa zueinander ebenso wie die Aufgeschlossenheit der Bevölkerung gegenüber Innovationen. So sind 70 Prozent offen für Elektroautos, während es in Deutschland gerade einmal 20 Prozent sind. Der Staat Israel will mit einem Steuerbonus für Elektroautos - 60 Prozent weniger Einfuhrsteuer im Vergleich zu Benzinautos - den Absatz kräftig ankurbeln. Derzeit stehen bereits mehrere hundert Ladestationen im ganzen Land, an denen man per Stecker sein Auto aufladen kann. In den nächsten Jahren sollen weitere Akkuwechsel- und Ladestationen folgen. Mit „Israel Railways“ hat man vereinbart, auf sämtlichen Parkplätzen des Bahnunternehmens Ladestationen aufzustellen. Ganz bewusst setzt „Better Place“ beim Einkauf von Strom auf regenerative Quellen, wie Windkraft, die nachts vermehrt zur Verfügung steht. Eine Abwendung von fossilen Brennstoffen im Mobilitätssektor Israels schwächt den Einfluss der erdölproduzierenden Länder im Nahen Osten, die zum Teil im Verdacht stehen den Terror in der Region über Petrodollars zu finanzieren. von Moritz Dreher (md) Bild: David Terrar, Wikimedia Commons, lizenziert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-2.0-de

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UP-Campus unterwegs... in Linz Linz 09 Die laute, leise und leckere Kulturhauptstadt im Herzen Europas ckenen Linzer Torte ein Stück Kulturhauptstadt nach Hause holen. Denn was gibt es Schöneres, jetzt wo draußen die Tage immer kürzer und kälter werden, als sich etwas Selbstgebackenes zu gönnen. Exklusiv hat das UP-Campus Magazin das älteste Rezept für eine Linzer Torte aus dem Jahr 1653 abgedruckt. Mit dem Duft der frisch gebackenen Spezialität aus Mürbteig sollen den Lesern nicht nur die langen, kalten Wintertage, sondern auch die Vorfreude auf Linz versüßt werden: Das älteste Rezept der Linzer Torte Linzer Turdten zu machen 1653 Kochbuch Sagramosa, Stift Admont

Das Image von der smogig-grauen Industriestadt hatte die oberösterreichische Landeshauptstadt schon lang abgelegt. Bunt und vielfältig ist das Programm, das die Kulturhauptstadt heute seinen Einheimischen und Besuchern bietet. Doch im Rahmen des Linz 09Projekts standen nicht nur die lauten Töne im Vordergrund, wie sie zum Beispiel die gewaltigen Werke eines großen Sohnes der Stadt, Anton Bruckner, versprechen. Stille – das ist das Thema von Linz als „Hörstadt“. Kirchen werden hierzu zu Ruhepolen und sollen den hektischen Alltag unterbrechen. Ein solcher Ruheraum befindet sich auch im Linzer Mariendom, der im Übrigen die größte Kirche Österreichs ist. Die Ruhe dort im interessanten viereckigen Raum hinter der Orgel wird nur durch ihre Klänge „gestört“. Im Mariendom gibt es auch das Projekt des Turmeremiten. Eine Woche können dort Männer und Frauen in der Türmerstube des Domes verbringen. Die Eremiten können nicht nur den von dort atemberaubenden Blick über die Dächer von Linz genießen, sondern auch in der Stille zu sich finden. Und das Beste daran – die meisten dieser Projekte werden auch nach dem Jahr als Kulturhauptstadt fortgeführt. Linz hat sich also nicht nur für seinen Titel ordentlich herausgeputzt – auch im Jahr 2010 können sich die Besucher auf atemberaubende Projekte freuen. Wer jetzt, aus welchem Grund auch immer, die Anreise in die Kulturhauptstadt des Jahres 2009 noch immer scheut oder aber den Abstecher gar nicht mehr erwarten kann – der kann sich mit einer selbstgeba-

140 g Mandeln geschält oder ungeschält reiben. 100 g Butterschmalz und 100 g Butter flaumig abtreiben, die Mandeln untermengen. 2 ganze Eier und 2 Dotter einzeln einrühren. 140 g Zucker zugeben, zuletzt 300 g Mehl einarbeiten. Der Teig soll nicht zu fest und nicht zu weich sein, eine Stunde kühl rasten lassen erleichtert die weitere Verarbeitung. Eine Tortenform einfetten und 2/3 des Teiges aufstreichen, reichlich Quittenmarmelade als Fülle aufbringen. Den übrigen Teig mit Zimt- und Nelkenpulver würzen, Teigschlangen rollen (evtl. etwas Mehl zugeben), diese gitterförmig auf die Torte legen. Bei 170° ca. 1 Stunde backen. Die Torte unbedingt 1 – 2 Tage ruhen lassen.

Lecker ist die Linzer Torte – doch die europäische Kulturhauptstadt 2009 hat seinen Besuchern nicht nur kulinarische Höhepunkte zu bieten

Die älteste Linzer Torte ist eine „Sanfte Schöne“ mit butterig-blumigem Geschmack!

von Teresa A. Winderl (taw) Bild (links): © Karl Strebl/PIXELIO Bild (rechts) und Quelle: Oberösterreichische Landesmuseen

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15 Freizeit

Nur rund 100 km liegen zwischen Passau und Linz. Das bedeutet nur etwa eine Stunde Fahrzeit und dennoch kannten auch viele Passauer Linz nur vom „Vorbeifahren“. Doch das hat sich im Jahr 2009 geändert. Mit tollen Attraktionen konnte die europäische Kulturhauptstadt deutlich mehr Besucher an die Donau locken – steht doch auch die Linzer Torte seiner „großen“ Schwester der Sacher Torte geschmacklich in nichts nach. Linz, die drittgrößte Stadt Österreichs nach Wien und Graz, hat sich 2009 emanzipiert!

Nimb ein .¼. mandl stoß sie gar chlein, nimb ¼ schmalz treibs das schmalz ab, die mandl auch mit dem Schmalz abtreiben das es gar ...innig würd, nimb .4. ayr .2. ganze .2. duter, nimb ein ¼ Zugger nimb mehl .2. Löffl voll Wasser mach ein Taig an das er nit zu lehn oder zu föst würd, nimb ein vierding Putter darzu der woll gewaschen würd, walge den Taig auß und schlag den Putter ein als wie ein anderer Put[ter] taig werd, überschlag ihn auch also.


„Gemeinsam leben & lernen in Europa e.V.“ belebt das „TatenNetz“ wieder Beliebte Plattform für ehrenamtliches Engagement ist nun wieder online Im Jahr 2002, der Geburtsstunde des „TatenNetzes“, schlug die Idee eines Ehrenamtsportals ein wie eine Bombe. Endlich war eine Plattform geschaffen, auf der ein schneller, einfacher und bedarfsgerechter Kontaktaufbau zwischen sozialen Organisationen und Freiwilligen für ehrenamtliches Engagement stattfinden konnte. Seit 2005 lag das TatenNetz jedoch in einem tiefen Dornröschenschlaf aus dem es nun wieder erwacht ist. Der Verein „Gemeinsam leben & lernen in Europa“ küsste unter der engagierten Geschäftsleitung von Frau Perdita Wingerter das TatenNetz wieder wach. Tatkräftige Unterstützer haben sich mit dem Regionalmanagement des Wirtschaftsforums der Region Passau e.V. und den Caritasdiözesan-Verband auch schnell gefunden. Hintergrund der Reanimation stellt die Wichtigkeit des bürgerschaftlichen Engagements dar. Jedoch wird es für Organisationen immer schwieriger, Ehrenamtler zu finden. Für „willige“ Bürger stellt sich das Problem der herrschenden Intransparenz der Möglichkeiten und der

äußerst aufwendigen Informationssuche. An dieser Stelle setzt das Konzept des TatenNetzes ein. Unter www.tatennetz.de können soziale Einrichtungen ihren Bedarf an Freiwilligen-Engagement und -Mitarbeit eintragen. Interessierte Bürger können schnell und einfach recherchieren, wo und in welcher Form ehrenamtliches Engagement benötigt wird und bei wem sie sich melden können. Der Verein „Gemeinsam leben & lernen in Europa“ versteht sich bei der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in Niederbayern als neutrale Kontakt- und Informationsstelle, die offen für Zusammenarbeit mit Bürgern, Verbänden, Initiativen und Einrichtungen ist, die ebenfalls das Ziel haben, das Ehrenamt zu befördern. Für Freiwillige, die vielleicht noch nicht das passende „Inserat“ für sich im TatenNetz entdeckt haben oder sich für andere Facetten des Ehrenamts in der Region interessieren, bietet der Verein auch eine Engagementberatung an, etwa in Form von Bürgersprechstunden, Telefonberatung, Vorträgen, Infoständen,... Reinschauen lohnt sich! von Barbara Klostermann (bk)

Hanns-Seidel-Stipendiatengruppe will im Kampf gegen Leukämie helfen Infostände an Uni für Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“

16 Kultur & Soziales

„Sie haben Krebs“, diese Diagnose ist für jeden Betroffenen ein Schock. Leukämie, landläufig auch Blutkrebs genannt, tritt zwar im Vergleich zu vielen anderen Krebsarten seltener auf - doch die Betroffenen brauchen unsere Hilfe! Denn Leukämie ist heilbar, wenn die Erkrankten einen passenden Stammzellen-Spender finden. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Spender es gibt, desto mehr Menschen können geheilt werden. Und dass sich mehr Menschen in die weltweit vernetzte Spenderdatei der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (AKB) aufnehmen lassen, dafür setzt sich die Passauer Stipendiatengruppe der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) ein. Die AKB sitzt in Gauting und ist mit über 200.000 registrierten potentiellen Spendern eine der größten derartigen Spenderdateien weltweit. Wer sich einmal für eine Registrierung entschieden hat, muss jedoch nicht zwingend sein Knochenmark spenden, sofern der Spender von der Stiftung angeschrieben, sich aber beispielsweise gerade in einer Prüfungssituation befinden sollte. Und Angst vor zum Beispiel einer Querschnittslähmung nach der Knochenmarkentnahme muss auch niemand haben: Fälschlicherweise wird das Knochenmark oft mit dem Rückenmark verwechselt. Das Knochenmark wird jedoch am Beckenknochen und nicht an der Wirbelsäule entnommen. Aus dem gewonnenen Blutgemisch können die für den Leukämiekranken lebensrettenden Stammzellen isoliert und ihm später „transfundiert“ werden.

Leben retten kann so einfach sein – wer sich typisieren lassen und in die Spendenkartei aufgenommen werden will, muss sich lediglich Blut abnehmen lassen. Die Kosten für die Untersuchung werden von der AKB getragen. Für die bayerische Leukämie-Stiftung ist das jedoch eine kostspielige Angelegenheit. Aus diesem Grund will die HSS-Stipendiatengruppe an der Universität nicht nur informieren, sondern auch Spenden sammeln. Wer mehr über die wichtige Arbeit der Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (AKB) erfahren will, kann dies bei von der Stipendiatengruppe organisierten Infoständen am Campus oder im Internet unter www. knochenmarkspende.de. Denn nur gemeinsam sind wir stark im Kampf gegen Leukämie!

Leben retten kann so einfach sein – Infos zur Typisierung für die Datenbank der bayerischen Leukämie-Stiftung AKB gibt die HSS-Stipendiatengruppe Passau am Campus.

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von Teresa A. Winderl (taw)


Rachel Kohn - Aus dem Häuschen Ausstellung vom 20.11.2009 – 28.02.2010 im Museum Moderner Kunst Die Bildhauerin Rachel Kohn verwendet für ihre plastischen Arbeiten fast ausschließlich das Material Ton. Die Faszination, aus dem weichen, vielseitigen Material klare Konturen erarbeiten zu können, führte die Künstlerin zu diesem alten Werkstoff der Bildhauer. Durch sparsam verwendete Zusätze lassen sich unterschiedliche Farbigkeiten im Ton erreichen, deren endgültiges Aussehen jedoch von den Zufälligkeiten beim Brand der Werke abhängen. Dieses spielerische Element im Werk von Rachel Kohn wird begleitet von einer präzisen Formensprache. „Ich bin auf der Suche nach der Architektur der Ereignisse, die uns immer widerfahren“. Mit diesen Worten umschreibt die Künstlerin ihre durchaus persönlich inspirierte Kunst. Menschliche Beziehungen, sei es die Partnerschaft, die Familie oder die ursprünglichste aller Beziehungen, die von Mutter und Kind, sind Thema von Rachel Kohn. Obwohl ihre Kunst gegenständlich ist, arbeitet Kohn nicht abbildhaft, sondern übersetzt die darzustellenden Emotionen in einen verfremdenden Kontext. Sie verwendet dazu architektonische Formen, die als surreale Umschreibung von Konflikten und Zuständlichkeiten eingesetzt werden. Auf den ersten Blick scheint es eine Versachlichung und Abstraktion höchst emotionaler Momente zu sein. In Kombination mit dem Werktitel werden jedoch Assoziationen zu alltäglichen Vorkommnissen wachgerufen, die den Betrachter zum Nachdenken zwingen.

zung, die Fenster versinnbildlichen die Möglichkeit zum Ausbruch unterdrückter Konflikte. Andere Alltagsgegenstände, wie Stühle, Werkzeuge, Rohre und ähnliches, verweisen ebenfalls auf Häusliches, dessen Idylle jedoch gefährdet ist, wie der „Zerfall“ einer wohlgeordneten, trichterförmigen Spirale in Gitterstruktur Rachel Kohn, Home in progress dokumentiert. Rachel Kohn arbeitet neben den klein- und mittelformatigen Werken, die in der Ausstellung zu sehen sind, auch großformatige Plastiken für den Außenraum, die unter anderem 2008 im Skulpturengarten Sonnenwald/Grattersdorf zu sehen waren. Das Denkmal für die ermordeten Kinder von Zwangsarbeiterfrauen im ehemaligen Lager Otterndorf (Niedersachsen) wurde ebenfalls 2008 realisiert. Die kleine Fassung des Denkmals ist unter dem Titel „Bett mit Wolke“ in der Ausstellung zu sehen.

Museum Moderner Kunst - Wörlen Bräugasse 17 - 94032 Passau www.mmk-passau.de

Kurz notiert... Sprachencafé Passau Im Rahmen des Studiengangs Master Kulturwirtschaft / International Cultural and Business Studies wird von Mathilde Crespin und Kathrin Schwarzbauer das Projekt „Sprachcafé Passau“ durchgeführt. Es handelt sich um einen Treff für alle Sprachbegeisterten, die ihre Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren oder in ihrer Muttersprache mit anderen kommunizieren wollen und für alle, die neue Leute kennenlernen wollen. Wie es funktioniert? Mittwochs um 20 Uhr ins Café Va Bene kommen und sich an einen Tisch setzen, an dem die gewünschte Sprache gesprochen wird. Eine andere Sprache gefällig? Dann gehts einfach an einen anderen Tisch. Das Vergnügen ist kostenlos und günstige Sprachcafé-Specials seitens des Café gibt es auch! Wann? jeden Mittwoch ab 20.00 Uhr Wo? Café Va Bene, Große Klingergasse 3, 94032 Passau Wer? alle, die Lust auf Sprachen und nette Leute haben Was? Spass und neue Freunde in lockerer Atmosphäre ADC Wettbewerb 2010 Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V. startet in die neue Wettbewerbssaison Das Rennen um die wichtigsten Auszeichnungen der deutschsprachigen Kreativwirtschaft ist offiziell eröffnet. Ab sofort können unter www.adc.de Arbeiten für den ADC Wettbewerb 2010 eingereicht werden. Der Art Directors Club für Deutschland (ADC) e. V. startet in die neue Wettbewerbssaison mit einer überarbeiteten Kategoriestruktur, die die Vielfalt an Kreativdisziplinen noch deutlicher widerspiegelt und die veränderte Medien- und Kommunikationsbranche klar abbildet. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2010 für Arbeiten aus 2009, der 15. Februar 2010 für Arbeiten, die bis zum 31.01.2010 erschienen sind. Detaillierte Informationen unter: http://www.adc.de

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17 Kultur & Soziales / Kurz notiert...

Das häufig verwendete Motiv des Hauses symbolisiert im Werk der Künstlerin sowohl Schutz als auch Abgren-


Petra Brumshagen - Scheinfrei Der ultimative WG-Roman aus Bochum Job weg, Kasse leer und der drohende Rausschmiss aus der Wohnung – das Chaos in Vickys Leben könnte kaum größer sein. Dabei müsste sie sich eigentlich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten, damit sie endlich ihr Studium beenden und voll ins Leben durchstarten kann. Die Geldbeschaffungsmaßnahmen von ihr und ihren beiden Mitbewohnerinnen scheinen auch nicht recht zu fruchten: Die coole Toni ist aus lauter Verzweifelung unter die Flaschensammler gegangen und Hannah hat von ihrem letzten Geld ihren fetten Kater Nepomuk an eine Casting-Agentur vermittelt. Für – oder besser gegen – das Chaos in Vickys Leben ist es auch nicht wirklich hilfreich, dass sie plötzlich Gefühle für Toni entwickelt, die eindeutig über eine Freundschaft hinausgehen.

Petra Brumshagen Scheinfrei broschiert, 272 S. 14,90 Euro ISBN 978-3-89656169-5

Wird Vicky es in absehbarer Zeit schaffen, alle ihre Scheine zu erhalten? Bekommt sie ihre Gefühle für Toni in den Griff oder steht die nächste unglückliche Liebe an? Und wird sie es endlich mal schaffen, pünktlich und gut vorbereitet bei einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen? Zeit für Vicky, erwachsen zu werden. Auch wenn das Leben unter der Bettdecke viel einfacher ist.

Scheinfrei zu werden ist eines der elementaren Ziele eines jeden Studenten. Prüfungsstress, Lebensorganisation und immer wieder finanzielle Belastungen. Raus aus dem Schoß der mütterlichen Liebe und der väterlichen Subvention hinein ins eigene Leben. Das Buch von Petra Brumshagen beschreibt die schönen und die negativen Seiten des Studentenlebens sehr anschaulich. In vielen Situationen, die den Protagonisten unterlaufen, fühlt man sich selbst dargestellt. Sicherlich ist nicht ein jedes Studentenleben so chaotisch wie im Buch geschildert, aber eines ist allen Studenten gemein: Auch Studenten haben Sorgen und vor allem einen sehr anstrengenden Lebensalltag. Studenten, die nach Aufmunterung suchen, sollten zu diesem Buch greifen. Eltern, die glauben die Sorgen ihres studierenden Kindes zu kennen, sollten sich den Spaß machen und „Scheinfrei“ lesen. Vielleicht versteht man sein Kind urplötzlich besser. „Scheinfrei“ besticht nicht durch Sprachgewalt oder große schriftstellerische Kunst. Es überzeugt durch eine spannende und amüsante Geschichte. Da bekanntlich Übertreibungen geeignet sind zu veranschaulichen, ist nicht allen Passagen des Buches Realitätsnähe nachzuweisen. Fazit: „Scheinfrei“ ist ein Erstroman, der als Badewannenlektüre vorzüglich geeignet ist. Amüsant und spannend wird erzählt, was ein Studentenleben so einzigartig macht. Wer Sophie Kinsella – Bücher mag, wird auch „Scheinfrei“ mögen. von Christian Schneider (cs)

18 Buchtipp

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Die 24. Ausgabe - Heft 1/2010 - erscheint im März 2010! www.up-campusmagazin.de



UP-Campus Magazin 4-2009