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2015/16

Das Magazin der Sloweninnen und Slowenen in der Steiermark Revija Slovenk in Slovencev na avstrijskem Ĺ tajerskem


Z N A K S I G N A L

2015/16

Das Magazin der Sloweninnen und Slowenen in der Steiermark Revija Slovenk in Slovencev na avstrijskem Ĺ tajerskem


Impressum – kolofon: Signal/Znak. Das Magazin der Sloweninnen und Slowenen in der Steiermark – Revija Slovenk in Slovencev na avstrijskem Štajerskem | Jahresschrift des Pavelhauses – Letni zbornik Pavlove hiše. Medieninhaber – izdajatelj: Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark-Pavelhaus –Kulturno društvo Člen 7 za avstrijsko Štajersko-Pavlova hiša | Elisabethinergasse 34, 8020 Graz, Österreich/Avstrija | Telefon/Fax +43 (0) 316/ 77 13 83 | Pavelhaus – Pavlova hiša | Laafeld/Potrna 30, 8490 Bad Radkersburg, Österreich/Avstrija | Telefon/Fax + 43 (0) 3476/ 3862 | www.pavelhaus.at, office@pavelhaus.at | Redaktion – redakcija: Elisabeth Arlt, Susanne Weitlaner | Artwork – oblikovanje: Roman Klug, 2 U S 2 – art & graphic design solutions | Fotonachweis – fotografije: wenn nicht anders angegeben: Pavelhaus kadar ni drugače navedeno: Pavlova hiša | Foto Cover: © David Kranzelbinder | Übersetzung – prevod: Andrea Haberl-Zemljič, Ana Jasmina Oseban, Katja Senekovič, Katarina Tibaut, Sebastian Walcher | Lektorat – lektura: Petra Likar Stanovnik, Milena Grobbauer | Druck – tisk: Druckwerk, Verein für Medienarbeit, Graz | Die Beiträge in dieser Publikation spiegeln die Meinung der AutorInnen wider und müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion decken. | Prispevki te publikacije zrcalijo mnenje avtorjev in ni treba, da se ujemajo z mnenjem redakcije. | Förderer – pokrovitelji: Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Abteilung Volksgruppenförderung – Urad zveznega kanclerja Republike Avstrije, oddelek za podporo narodnih skupin, Urad za Slovence v zamejstvu in po svetu – Amt für Slowenen im Ausland, Land Steiermark Kultur – dežela Štajerska, urad za kulturo ISBN 978-3-900181-80-2

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Inhaltsverzeichnis Kazalo � Elisabeth Arlt Vorwort . . . . . . . . . . . . 6 Predgovor . . . . . . . . . . . 8

� Verena Lorber Lebenswege . . . . . . . . . 69 Življenjske poti . . . . . . . . 76

� Susanne Weitlaner & Elisabeth Arlt Geschätzte Leserin, geschätzter Leser! . . . . . . . 6 Cenjena bralka, cenjeni bralec! . . . . . . . . 8

� Marjan Pungartnik Ivanki Gruber v spomin . . . . . . . . . . . 83 In Erinnerung an Ivanka Gruber . . . . . . . . 85

� Andreas Stangl Als die steirische Grenze zum europäischen Brennpunkt wurde . . . . . . . . . . . . .11 Kako je štajerska meja postala evropsko žarišče . . . .14

� Boris Jesih Akademik prof. dr. Anton Vratuša . . . . 89 Akademiemitglied Prof. Dr. Anton Vratuša . . . . 91

� Stefan Benedik Die Grenze der Aufregung . . . 19 Geschlechterbilder in der Meja vznemirjenosti . . . . . 26 � Elisabeth Fiedler Mitterling . . . . . . . . . . 35

� David Kranzelbinder Refugees . . . . . . . . . . 94 � Alexa Wild Schwarze Nebel, weiße Hände . . . . . . . . 113 Črna megla, bele roke . . . . 119

� Reinhard Padinger � Theodor Domej „Dober dan!“ .... Pot do manjšinskega zaščitnega člena (und wie geht‘s weiter?) . Avstrijske državne »Dober dan!« ... pogodbe . . . . . . . . . . .41 (in kako gre naprej?) . . . Der Weg zum � Katarina Tibaut Minder­heitenschutz­artikel Raba nemških jezikovnih des Österreichischen zvrsti na področju Staatsvertrages . . . . . . . 46 termalnega turizma . . . � Christian Promitzer Verwendung deutscher „Grenze schau’n!“ . . . . . . 55 Sprachvarietäten »Mejo gledat`!« . . . . . . . . 62 im Thermaltourismus . .

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� Franz Josef Schober Auf den Spuren der Familie Vogler . . . . . . 151 Po sledeh družine Vogler . . . 158 � Igor Sapač Grad Cmurek . . . . . . . . 165 Schloss Obermureck . . . . 172 � Matija Črešnar, Marko Mele und Karl Peitler Grenzenloses archäologisches Erbe . . . . 185 Brezmejna arheološka dediščina . . . . . 189 � Bernard Wieser Die Ramsar-Wanderung . . . 193 Pohod ob svetovnem dnevu mokrišč . . . . . . . . 195 � Dejan Valentinčič Slovenske sledi so v Ameriki vidne vsepovsod, najbolj pa s polko . . . . . . . . . . 199 Slowenen haben in den USA sichtbare Spuren hinterlassen, vor allem mit der Polka. . . . 201

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. . 148

� Pavelhaus, Agnieszka Bedkowska, Branko Lenart, Ernest Ružič, David Kranzelbinder Das Jahr 2015 im und ums Pavelhaus in Bildern Leto 2015 v in okoli Pavlove hiše v slikah . . . . . 204

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Werte Leserin, werter Leser! Das Leitmotiv der neuen Ausgabe unserer Jahresschrift ZNAK/SIGNAL ist den traurigen Ereignissen an den Grenz­übergängen Gornja Radgona – Bad Radkersburg und Šentilj – Spielfeld gewidmet, vor denen man als Bewohnerin und Bewohner der grenznahen Bezirke und nicht nur dort die Augen nicht verschliessen kann. Unser Mitarbeiter, der steirische Fotograf und Filmemacher David Kranzelbinder war oft vor Ort und hat uns seine Eindrücke für den Farbbildteil zur Verfügung gestellt. Auch sonst ist es uns heuer wieder gelungen, interessante und spannende Artikel zu verschiedenen Themen zu sammeln und einen breiten Bogen zu spannen. Für mich endet heuer meine redaktionelle Arbeit für das ZNAK/SIGNAL. Nach sieben Ausgaben lege ich diese Tätigkeit zurück und werde mich in Zukunft auf Neues konzentrieren. Ich bedanke mich bei allen Autorinnen und Autoren, mit denen ich in den letzten Jahren in Kontakt treten durfte für die Bereitschaft, Beiträge zu verfassen und auch bei Ihnen, werte Leserschaft, für die vielen positiven Rückmeldungen. Bleiben Sie dem Pavelhaus und seinen Aktivitäten auch in Zukunft gewogen! 

Elisabeth Arlt

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser! � Susanne Weitlaner & Elisabeth Arlt

Im SIGNAL/ZNAK 2015 wollten wir urspünglich mit dem 60-Jahr Jubiläum der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages einen Schwerpunkt setzen, jedoch haben wir uns dann entschieden aufgrund der Flüchtlingsbewegungen an den Grenzübergängen in Bad Radkersburg und Spielfeld den Fokus zu verlagern. Die Frage der Grenze(n), die in diversen Beiträgen der Broschüre Signal/Znak immer wieder Thema war, ist aktueller denn je. Die Brücke der Freundschaft zwischen Bad Radkersburg und Gornja Radgona, die in den letzten Jahren von steirischer und slowenischer Seite neu gestaltet wurde, die nichts mehr an die „alte“ Grenze erinnern lässt und wo Touristen und Einheimische ganz unbeschwert und unbegrenzt hin- und hergehen konnte, war nun wieder eine Grenze mit Grenzkontrollen. Der Journalist Andreas Stangl und der Historiker Stefan Benedik waren vor Ort und berichten in ihren Beiträgen über ihre Eindrücke. In Mitterling bei Bad Radkersburg wurde mit einer Klanginstallation der Institution Kunst im öffentlichen Raum auf die ehemalige Eisenbahnstrecke Strass – Ljutomer (Luttenberg) aufmerksam gemacht. Es soll inzwischen ernsthafte Bestrebungen von beiden Ländern geben, die alte Bahnverbindung wieder zu errichtet. Theodor Domej, Historiker und langjähriger Inspektor für Slowenisch an den mittleren und höheren Schulen in Kärn-

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ten setzt sich in seinem Beitrag mit dem 60-Jahr Jubiläum des Österreichischen Staatsvertrags auseinander und vorallem mit dem darin enthaltenen Artikel 7 zum Schutz der Minderheiten. Das steirische Grenzland in den Jahren 1918 bis 1941 war im Interesse sowohl steirischer als auch slowenischer Schutzvereine. Der Grazer Historiker Christian Promitzer wirft einen Blick auf deren „nationalen Ausflugstourismus“. Lebenswege verlaufen oft nicht so, wie man sie sich vorstellt oder plant. Die Lebenswege von slowenischen Gastarbeiterinnen in der Steiermark hat die Historikerin Verena Lorber in der im Pavelhaus gezeigten Ausstellung nachgezeichnet. Die Ausstellung „Lebenswege. Življenjske poti“, die mit großen Einsatz von Verena Lorber, den Mitarbeitern des Pavelhauses Elisabeth Arlt und David Kranzelbinder sowie dem Grafiker Matjaž Wenzel gestaltet wurde, stieß auf sehr großes Interesse und wurde im Dezember und Jänner auch in der Gotischen Halle im GrazMuseum gezeigt. Zur Ausstellung erschien auch ein Katalog und eine Wanderausstellung, die bereits für Ljubljana, Bruck/Mur und das Schloss Grad gebucht wurde. Eine der Interviewpartnerinnen in der Ausstellung war Ivanka Gruber. Ihr Lebensweg hat auch sie von Slowenien nach Graz geführt. Engagiert hat sie jahrelang den Verein „Österreichisch slowenische Freundschaft Graz“ gelei-


tet. Im Sommer ist sie nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Ein Nachruf von Marjan Pungartnik, der zahlreiche Veranstaltungen mit ihr zusammen durchgeführt hat. Professor Anton Vratuša, ein treuer Unterstützer der Anliegen des Artikel-VII-Kulturvereins, feierte heuer seinen 100. Geburtstag. Der Politologe Boris Jesih gratuliert mit einem Rückblick auf ein ereignisreiches Leben. Eine interessante Lebensgeschichte hat auch der Holzfäller Luca Sekolovnik aus dem steirisch-slowenischen Grenzgebiet Soboth zu erzählen. Die Journalistin Alexa Wild hat die Geschichte aufgezeichnet und unter dem Titel „Schwarze Nebel, weiße Hände“ in der Edition Keiper veröffentlicht. Das Pavelhaus bietet seit langem Slowenischkurse an, die sehr gut angenommen werden. Wie es einem Quereinsteiger beim Erlernen des Slowenischen ergangen ist und wie er sich die Sprache angeeignet hat, können Sie in dem kurzweiligen Beitrag von Reinhard Padinger nachlesen. In den letzten zwei Jahren haben unsere Arbeit im Pavelhaus drei Erasmus-Praktikanten jeweils für ein halbes Jahr unterstützt. Eine Praktikantin war die Germanistin Katarina Tibaut, die sich in ihrer Magisterarbeit mit der Verwendung deutscher Sprachvarietäten im Thermaltourismus beschäftigt hat.

Vorwort

Franz Josef Schober, der immer wieder interessante historische Themen in der Region entdeckt, hat sich diesmal auf die Spuren der Familie Vogler aus Cankova begeben. Der Namensgeber unseres Kulturhauses August Pavel stammt ebenfalls aus diesem kleinen Nachbarort auf slowenischer Seite. Der Verein Museum des Wahnsinns versucht das Schloss Obermureck mit diversen Veranstaltungen zu beleben und zu einem Veranstaltungsort für Trate und Mureck zu machen. Der Kunsthistoriker Igor Sapač wirft einen Blick auf die Geschichte und Architektur des Schlosses an der Mur. Die Archäologie kennt keine Grenzen die erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit von steirischen und slowenischen Archäologen im Projekt BorderArch auch nicht. Ein Bericht von Matija Črešnar, Marko Mele und Karl Peitler.

Dejan Valentinčič heuer besucht hat. Die Community ist noch immer stark, auch wenn die Nachkommen oft nicht mehr Slowenisch sprechen. Erstaunlich ist, dass gerade die slowenische Polka einst der Hit in Amerika war. Der Bilderreigen zum Schluss zeigt die zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen des Artikel-VII-Kulturvereins im Jahr 2015 im Pavelhaus, aber auch außerhalb in Kooperation mit verschiedenen Organisationen. Wir hoffen, dass für Sie auch heuer wieder lesenswerte Beiträge dabei sind und so wünschen wir Ihnen interessante Lesestunden mit dem Signal/Znak 2015. 

Susanne Weitlaner & Elisabeth Arlt

Zum Schutz von Feuchtgebieten wurde am 2. Februar 1971 in der iranischen Stadt Ramsar ein internationales Schutzabkommen unterzeichnet. Seit 2005 wandern slowenische und steirische Aktivisten an diesem Datum entlang verschiedener Feuchtgebiete in der steirisch slowenischen Region, um auf die Bedeutung aufmerksam zu machen. Der Biologe Bernard Wieser erzählt von den Anfängen der Bewegung. Und zu guter Letzt schauen wir noch zu den Cleveland-Slowenen, die der Jurist

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Cenjena bralka, cenjeni bralec! Osrednja tematika letošnje izdaje revije ZNAK/SIGNAL se posveča pretresljivim dogodkom na mejnih prehodih Gornja Radgona – Bad Radkersburg in Šentilj – Spielfeld. Pred njimi si ne more zatiskati oči nobena prebivalka in noben prebivalec obmejnega območja, pa tudi širše. Naš sodelavec, štajerski fotograf in režiser David Kranzelbinder, je večkrat obiskal žarišča dogajanja in prispeval svoje fotografske vtise za slikovni del revije. Kot vedno doslej, smo tudi letos pripravili obilo zanimivega in napetega branja, ki povezuje in zaokroža raznolika vsebinska področja. S tem se pri reviji ZNAK/SIGNAL zaokroža in zaključuje tudi moje uredniško delo. Po sedmih letih predajam to nalogo naprej, da bi se v prihodnje posvetila novim izzivom. Zahvaljujem se vsem avtoricam in avtorjem prispevkov, s katerimi sem imela priložnost v teh letih plodno sodelovati, pa tudi vam, cenjene bralke in bralci, za številne pozitivne odzive. Da bi tudi v prihodnje radi ostajali v družbi Pavlove hiše in njenih dejavnosti vam želi 

Elisabeth Arlt

Cenjena bralka, cenjeni bralec! � Susanne Weitlaner & Elisabeth Arlt

V reviji SIGNAL/ZNAK smo se prvotno želeli osredotočiti na 60. obletnico Avstrijske državne pogodbe, ampak ob aktualni situaciji beguncev na mejnih prehodih v Gornji Radgoni in v Šentilju smo se odločili, da težišče preložimo na to temo. Vprašanje mej/e je bilo vedno znova tema v različnih prispevkih revije Signal/znak in je spet aktualno. Most prijateljstva med Gornjo Radgono in Bad Radkersburgom, ki so ga v zadnjih letih na avstrijski in slovenski strani na novo oblikovali in kjer nič več ne spominja na »staro« mejo, kjer so se turisti in domačini sprehajali neomejeno, je bil naenkrat spet meja s kontrolami. Novinar Andreas Stangl in zgodovinar Stefan Benedik sta bila na licu mesta in sporočata o svojih vtisov. V Mitterlingu pri Bad Radkersburgu je zvočna inštalacija ustanove Umetnost v javnem prostoru opozorila na bivšo želežniško progo Strass – Ljutomer. Menda obstajajo resni načrti na novo postaviti želežniško povezavo med obema državama. Theodor Domej, zgodovinar in dolgoletni inšpektor za slovenščino na srednjih in višjih šolah na Koroškem se v svojem prispevku ukvarja s 60. obletnico Avstrijske državne pogodbe in predvsem s sedmim členom, ki uredi pravice manjšin. Štajerska obmejna pokrajina je bila v letih 1918 in 1941 v ospredju štajerskih in slovenskih obrambnih organizacij. Graški zgodovinar Christian Promitzer

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se spoprijema s njunim „nacionalnim izletniškim turizom“. Življenske poti ne potekajo vedno tako, kot si to predstavimo ali načrtujemo. Življenske poti slovenskih zdomskih delavk na avstrijskem Štajerskem je zgodovinarka Verena Lorber postavila v ospredje v sklopu razstave pokazane letos v Pavlovi hiši. Razstava »Življenske poti. Lebenswege.«, ki so jo z velikim engažmajem oblikovali Verena Lorber, sodelavca Pavlove hiše Elisabeth Arlt in David Kranzelbinder ter oblikovalec Matjaž Wenzel, je naletela na veliko zanimanje in je bila decembra še v graškem muzeju GrazMuseum na ogled. K razstavi je izšel še katalog in potujoča razstava, ki so jo že naročili za Ljubljano, Bruck ob Muri in grad Grad. Ena teh intervjuvank v razstavi je bila Ivanka Gruber. Njena življenska pot jo je vodila tudi iz Slovenije v Gradec. Z velikim angažmajem je dolga leta vodila društvo Avstrijsko slovensko prijateljstvo Gradec. Poleti je preminula po kratki, hudi bolezni. Posmrtnica Marjana Pungartnika, ki je z njo priredil neštete prireditve. Profesor Anton Vratuša, zvest podpornik želja Kulturnega društva Člen 7 za avstrijsko Štajersko, je letos praznoval svoj 100. rojstni dan. Politolog Boris Jesih čestita s pogledom nazaj na razgibano življenje.


Zanimivo življensko zgodbo ima tudi Luca Sekolovnik iz štajersko slovensko obmejnega območja Sobote za povedati. Novinarka Alexa Wild je zapisala njegovo zgodbo in izdala pod naslovom Schwarze Nebel, weiße Hände (Črne megle, bele roke) v založbi Keiper.

Arheologija ne pozna meja – tudi ne uspešno čezmejno sodelovanje štajerskih in slovenskih arheologov v projektu BorderArch. Poročajo Matija Črešnar, Marko Mele in Karl Peitler.

Pavlova hiša ponudi že nekaj let tečaje slovenščine, ki so dobro sprejeti. Kako je šlo novincu pri učenju slovenščine in kako se je naučil ta jezik lahko preberete v zabavnem članku Reinharda Padingerja.

Za zaščito mokrišč je bilo podpisano 2. Februarja 1971 v iranskem mestu Ramsar mednarodna zaščitna pogodba. Od leta 2005 organizirajo slovenski in štajerski aktivisti pohode okrog tega datuma, da bi opozorili na pomebnost mokrišč. Biolog Bernard Wieser pripoveduje o začetkih tega gibanja.

V zadnjih dveh letih so našo delo v Pavlovi hiši za vsakič pol leta podprli trije praktikanti programa Erasmus. Ena teh praktikantk je bila germanistka Katarina Tibaut, ki se je v svojem magisterskem delu ukvarila z uporabo nemških jezikovnih variant v turizmu termalnih kopališč.

Und zu guter Letzt schauen wir noch zu den Cleveland-Slowenen, die der Jurist Dejan Valentinčič heuer besucht hat. Die Community ist noch immer stark, auch wenn die Nachkommen oft nicht mehr Slowenisch sprechen. Erstaunlich ist, dass gerade die slowenische Polka einst der Hit in Amerika war.

Franz Josef Schober vedno znova odkrije zanimive zgodovinske teme v štajersko slovenski regiji in se je tokrat odpravil po sledeh družine Vogler iz Cankove. Tudi Avgust Pavel, ki je dal našem kulturnem domu svoje ime, prihaja iz tega majhnega sosednega kraja na slovenski strani.

In na vsezadnje pogledamo še k Slovencem v Clevelandu, ki jih je letos obiskal pravnik Dejan Valentinčič. Skupnost je še vedno močna, čeprav potomci pogostokrat ne govorijo več slovensko. Zanimivo je, da je bila nekoč slovenska polka pravi hit v Ameriki.

Društvo Muzej norosti se zavzema za poživitev gradu Cmurek z različnimi prireditvami in da bi postal grad prireditveni kraj za Trate in Cmurek. Umetnostni zgodovinar Igor Sapač opisuje zgodovino in arhitekturo gradu ob Muri.

Predgovor

Želimo vam, da so tudi letos za vas članke v reviji Signal/Znak 2015, ki so vredni branja in želimo vam zanimive ure ob branju. 

Susanne Weitlaner & Elisabeth Arlt

Fotografije na koncu revije poročajo o številnih in različnih prireditvah Kulturnega društava Člen sedem v letu 2015 tako v Pavlovi hiši kakor tudi v sodelovanju z različnimi drugimi organizacijami.

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Als die steirische Grenze zum europäischen Brennpunkt wurde Eine Reportage über den Beginn der großen Flüchtlingsbewegung an den österreichisch-slowenischen Grenzübergängen in Radkersburg und Spielfeld � & � Andreas Stangl

Nach eineinhalb Stunden kommt der Einsatzleiter vom Zivilschutz, der uns auf Slowenisch erklärt, dass die Flüchtlinge nicht über die Grenze gelassen werden. Sie würden nach Kroatien zurücktransportiert werden. Diese Information hat sich offenbar auch unter den Flüchtlingen herumgesprochen. Eine Gruppe skandiert „We want out“! und „Go West!“. Zumindest klingt es so. Die Zeit vergeht. Nichts tut sich. Im Weingarten essen jetzt alle gemeinsam im Sonnenschein zu Mittag. Ich bitte eine Kollegin, mich anzurufen, wenn sich etwas tut und gehe schnell einen Espresso trinken. Es tut sich nichts. Inzwischen kommen mehr und mehr lokale Helfer mit Spielsachen und sonstigen Bedarfsartikeln für die wartenden Flüchtlinge. Das Rote Kreuz verteilt Obst und Wasser. Auch für uns offensichtlich etwas armselig dastehende Journalisten fällt ein Äpfelchen ab. Ich bin dankbar und denke an die Flüchtlinge dort drüben, die wohl seit Tagen oder Wochen auf einer weiten Reise ins Ungewisse unterwegs sind. Der Radkersburger Bürgermeister kommt in einem Auto an und wird durch einen Seiteneingang unauffällig ins Lager gelassen. Ich laufe hin, komme aber zu spät. Als er und der österreichische Einsatzleiter der Polizei wieder herauskommen, bitte ich ihn um Informationen. Offenbar hat man mit den slowenischen Behörden ver-

Sophie Carlsson

19 September. Heute ist Weinlese. Unser Weingarten liegt nicht weit weg von Mureck auf der slowenischen Seite. Das Wetter ist wunderschön, sonnig. Gerade einmal zwanzig Minuten genieße ich das gemeinsame Herunterschneiden der Trauben, als mein Handy klingelt. Es ist die Redaktion. – Schnapp dir ein Taxi! In Radkersburg werden die ersten paar Hundert Flüchtlinge erwartet. Meine Stiefschwester ist so nett und bringt mich nach Gornja Radgona, denn dort sind die Flüchtlinge jetzt noch. Rund 350 seien es wohl, erklärt mir ein freundlicher slowenischer Beamter, der mich und eine Handvoll österreichischer Kolleginnen und Kollegen an einer losen Absperrung rund um das Messezentrum in Gornja Radgona aufhält. In der Gruppe von Flüchtlingen, die wir von unserem Standplatz aus sehen können, geht es offenbar sehr friedlich zu, man sieht Ball spielende Menschen. Presse habe keinen Zutritt, nur Mitarbeiter vom Roten Kreuz und andere NGOs. Eine Vertreterin vom ungarischen UNHCR (UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge) darf auch hinein. Es ist jetzt kurz nach Mittag.

Andreas Stangl, Jahrgang 1966, lebt als freier Journalist, Musiker und Autor in seiner Heimatstadt Graz. Er verbrachte viele Jahre in verschiedenen Ländern Europas. Die Entwicklung einer modernen mitteleuropäischen Kultur ist ihm ein besonderes Anliegen. Sowohl er als auch sein Urgroßvater Josef Wagnes (1891 -1979) haben Gedichte von Ernst Goll in Musik umgesetzt. Andreas Stangl, rojen leta 1966, živi in dela kot svobodni novinar, glasbenik ter avtor v rodnem Gradcu. Veliko let je preživel v različnih državah po Evropi. Posebno pozornost namenja moderni srednjeevropski kulturi. Tako on kot tudi njegov pradedek Josef Wagnes (1891–1979) sta uglasbila pesmi Ernsta Golla.

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handelt. Weder der Polizist noch der Bürgermeister geben Auskunft. Der Mitarbeiter einer slowenischen Helferplattform, der aus dem abgesperrten Bereich kommt, erzählt uns, dass vereinbart worden sei, dass die Flüchtlinge nun doch über die Grenze gelassen werden. Um Zwanzig nach Fünf fallen die Absperrungsbänder. Die Dreihundertschaft Flüchtlinge setzt sich auf einmal in Bewegung, ich sehe lachende, erleichterte Gesichter, die Menschen sehen glücklich aus, dass es endlich für sie weitergeht. Manche machen das Victory-Zeichen. Ich greife zum Handy und rufe die Redaktion an. – Sie gehen jetzt los. Mach einen Alarm! Ich begleite die Gruppe Flüchtlinge auf ihrem kurzen Fußmarsch über die Brücke auf die österreichische Seite und gebe über Telefon den Rest der Meldung durch, versuche mit einigen der Flüchtlinge ins Gespräch zu kommen. Viel Englisch können sie nicht; aber „Freedom“ und „Germany“ kann fast jeder sagen. Auf der Brücke stehen drei österreichische Polizisten und eine Polizistin mit gelben Warnwesten und verlangen von den ersten Flüchtlingen Reisepässe. Die haben offenbar keine. Schnell sammelt sich eine Traube ratlos dreinblickender, meist junger Männer an, während die Frauen mit den Kindern langsam nachkommen. Plötzlich, wie auf ein geheimes Zeichen hin, gehen die Flüchtlinge auf der gesamten Breite der Straße einfach weiter, die Polizisten machen Platz. Gleich hinter dem ehemaligen Zollhäuschen, das jetzt einen Kunstverein beherbergt, haben Polizei und Bundesheer bereits einen Korridor gebildet und leiten die Flüchtlinge in eine ebenfalls durch ein Band eingegrenzte Sammelstelle an der Radkersburger Stadtmauer. Dort ist bequem Platz genug für alle. Die Sonne scheint noch in den Baumwipfeln, die Temperatur ist angenehm. Die Menschen bekommen wieder Obst und

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Wasser von den Helfern. Die Flüchtlinge werden mit Hilfe von Dolmetschern des Bundesheeres und einer Dolmetscherin der Gemeinde informiert, dass sie mit Bussen weiter in Schlafquartiere gebracht würden. Vorher müssen alle ein Formular unterschreiben, dass sie die österreichische Grenze illegal überschritten haben. Angeblich eine Formalität. Die Zettel werden ausgeteilt. Soweit ich sehen kann weigert sich niemand, zu unterschreiben – alle wollen möglichst schnell weiter. Obwohl drei leere Busse des Bundesheeres bereitstehen, tut sich zunächst nichts. Der Bürgermeister erklärt mir, dass es in Graz im Augenblick an Schlafplätzen mangle. Von den Kollegen in Graz, weiß ich, dass praktisch gleichzeitig auch in Spielfeld die ersten 300 Flüchtling in die Steiermark gekommen sind. Um 19.00 Uhr beginnt das Einsteigen, eine Viertelstunde später fährt der erste Bus los. Die Flüchtlinge würden in die als Notquartier eingerichtete, ehemalige Bellaflora-Halle in Feldkirchen gebracht, erklärt mir ein Bundesheeroffizier. Die Busse würden jetzt so lange hin und her pendeln, bis alle Flüchtlinge untergebracht seien, „wenn nötig, auch die ganze Nacht“. Damit ist mein Tag als Reporter beendet. Im Weingarten ist inzwischen die Lese und die Brettljause längst vorbei, alle Erntehelfer wieder abgefahren. Die Sonne ist vor einiger Zeit hinter der Koralm versunken. Die Kollegen vom ORF nehmen mich mit dem Auto nach Graz mit. Hatte ich nach jenem denkwürdigen, vollkommen reibungslos und in fast fröhlicher Stimmung verlaufenen Samstag im September in Radkersburg ein recht positives Gefühl, so anders war alles, als ich am 22. Oktober, ein Donnerstag, von der Agentur zum „Grenzeinsatz“ als Reporter geschickt wurde. Diesmal lautete das Ziel Grenzübergang Spielfeld und diesmal kutschierte mich mein Vater dorthin.

Am Kreisverkehr vor dem alten Grenzübergang herrscht nach dem ersten Ausbruch von über tausend Menschen aus dem kontrollierten Aufnahmebereich eine surreale Stimmung. Hunderte erschöpfte Menschen irren allein oder in Gruppen auf den Straßen und in der Umgebung umher. „Train Station?“ – „Nemsa, Zenter? – „Speak Arabic?“ – „Use Phone. Germany, where?“ Die Menschen scharen sich um Beamte und Passanten, die vermeintlich mehr wissen. Auch mir geht es so. Welche Richtung sie nach Deutschland gehen müssten fragen Sie, wie weit es sei und wo der Bahnhof. Ich weiß nicht was ich ihnen raten soll, versuche zu erklären, dass Deutschland nicht zehn sondern Hunderte Kilometer entfernt ist und ich nicht weiß, ob überhaupt Züge abfahren. Taxis aus Graz, Wien und von anderswoher tauchen auf wie Fliegen um ein Stück Fleisch auf dem Teller. Wie viel sie verlangen? Der Taxilenker sagt es mir nicht, „Keine Zeit“ sagt er, und fährt zum nächsten Häufchen Flüchtlinge. Später werde ich erfahren, dass der Basis-Tarif nach Wien rund 400 Euro beträgt. Für eine Fahrt an die deutsche Grenze verlangen die Taxler bis zu 800 Euro. Ich komme mir vor, wie in einem alten Tarkowski-Film. Polizei und Bundesheer tun ihr Möglichstes, um die Flüchtlinge, die sich auf eigene Faust zur Weiterreise in Europa aufgemacht haben, in den Auffangbereich am Grenzübergang zurück zu bringen. „Please go back. Germany is seven hundred kilometers away“ wiederholt die Stimme eines Bundesheer-Angehörigen über ein Megaphon immer wieder; auch auf Arabisch und Farsi. Später wird die Entfernungsangabe auf 200 Kilometer korrigiert. Beides ist falsch. Auf der kürzesten Straßenverbindung sind es von hier nach Freilassing knapp 300 Kilometer, wie ich später herausfinde.


Mit viel Geduld finden die Megaphon-Aufrufe Gehör. Nach und nach kehren die Menschen um und gehen entlang der alten B67 wieder zum Grenz­ übergang zurück. Auch dort ein unwirkliches Bild mit leicht apokalyptischen Assoziationen. Tausende Menschen in und um ein Zelt, das als provisorisches Sammelzentrum und Transitbereich eingerichtet ist. Auch der alte Grenzübergang gibt eine gespenstische Kulisse ab; verfallene Tankstellen, geschlossene Geschäfte, ein vermutlich noch in Betrieb stehender Bordellkomplex. Das einzige offene Bistro ist hoffnungslos überfüllt. Vor einem leeren Geschäft mit der Aufschrift „Europa Kaffee“ lagern erschöpfte Familien. Zwischen 3.000 und 4.000 über einen halben Kontinent geflüchtete Menschen dürften es insgesamt sein, die sich mittlerweile in- und außerhalb des Grenzstreifens auf der österreichischen Seite aufhalten. So hoch schätzt einer der Polizisten vor Ort die Zahl ein. Derzeit ist trotz der Masse der Menschen die Lage friedlich. Zwei junge Flüchtlinge haben sogar den Nerv für ein lockeres Selfie. Dennoch liegt eine gewisse Spannung unter den Beamten, aber

auch teilweise unter den im Ungewissen schwebenden Flüchtlingen in der Luft. Nicht nur aus Syrien und dem Irak kommen die Menschen. Iraner sind dabei, vereinzelt Afrikaner, Menschen, die aussehen, als kämen sie von sehr weit her, vielleicht aus Afghanistan. Die meisten sind Menschen mittleren Alters und sehr viele Kinder. Letzteren ist die Erschöpfung am stärksten anzumerken. „Wir mussten einige Kinder nach Graz ins Spital bringen“, sagt der Einsatzleiter des Roten Kreuzes. Bisher habe es jedoch keine schweren Krankheitsfälle gegeben, betont er. Die meisten würden sich wegen Magenschmerzen oder einfachen Erkältungen an die Helfer wenden. Decken und Winterkleidung, die die Flüchtlinge auf ihrem Weg immer wieder erhalten, werden auf der Reise rasch wieder zum unnötigen Ballast. Wenn die kalte Nacht überstanden ist und die Sonne hervorkommt, lassen viele diese Dinge einfach am Straßenrand zurück. „Wir haben die Anweisung, alles wegzuschmeißen. Schade drum!“, sagt ein Arbeiter der Straßenreinigung

Als die steirische Grenze zum europäischen Brennpunkt wurde

aus dem nahen Leibnitz, der gerade eine augenscheinlich neuwertige UNHCR-Decke in einen schwarzen Müllsack stopft. Unterdessen stehen im Transitbereich rund 30 angemietete Busse von verschiedenen privaten und öffentlichen Unternehmen bereit, um die Flüchtlinge in geordneter Weise weiterzufahren. Ein serbischer Buslenker diskutiert über die aktuelle Situation. Sie wissen noch nicht, wohin sie mit den Flüchtlingen fahren werden. „Es gibt keinen Plan“, sagt einer. „Gestern haben sie uns zuerst gesagt, wir sollen die Leute nach Linz bringen. Dann hieß es kurz vor der Ankunft: Geht nicht. Alles voll“. Letztlich habe er seine Passagiere an die deutsche Grenze nach Braunau gebracht, sagt der Mann. Kurz nach Mittag fährt der erste Reisebus mit Flüchtlingen los. Noch immer sitzen oder gehen vereinzelt Flüchtlinge auf der Straße herum. Der Landeshauptmann Schützenhöfer war gerade da, um sich ein Bild zu machen und den Einsatzkräften persönlich zu danken und vor der Presse seiner Besorgnis über die aktuelle Entwicklung Luft zu

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Kako je štajerska meja postala evropsko žarišče Reportaža o začetkih velikega begunskega vala na avstrijsko-slovenskih mejnih prehodih v Radgoni in Špilju � & � Andreas Stangl � Ana Jasmina Oseban machen. Bei der improvisierten Pressekonferenz tauchen plötzlich zwei seltsame Typen auf, die im Namen der Bevölkerung auf die Flüchtlinge loswettern und dem Landeshauptmann nahe legen, alle wieder zurückzuschicken. Ein paar Tage später werde ich einen der Männer im Fernsehen als Initiator einer Anti-Flüchtlingskundgebung am Grenzübergang wieder erkennen. Am Nachmittag kommen noch die Innenministerin und der Verteidigungsminister nach Spielfeld. Von Zäunen ist an dem Tag noch nicht die Rede. Diese Tage waren nur der Anfang. Seither haben viele Tausend, ja sogar Zig-Tausend Menschen die südsteirischen Grenzübergänge passiert. Soldaten, Polizisten, Helfer, arbeiteten oft ebenfalls bis zur Erschöpfung , um den Ablauf der Ereignisse irgendwie unter Wahrung der allergrundlegendsten Menschenrechte für die Flüchtenden zu gewährleisten. Wie es weitergehen wird, weiß niemand, offenbar am allerwenigsten die europäischen Politiker. Wohl kaum etwas wäre den so erfreulich gewordenen Beziehungen der slowenischen und österreichischen Steirer untereinander so abträglich, wie eine mit Stacheldraht „gesicherte“ Grenze quer durch Weingärten und an den Ufern der Mur. Das wäre sogar weit schlimmer als die Situation im kältesten Kalten Krieg.

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19. september. Danes je trgatev. Naš vinograd se razteza po hribu blizu Cmurka na slovenski strani. Vreme je čudovito, sonce sije. Niti dvajset minut še ne uživam v družnem rezanju grozdov s trte, ko zazvoni moj mobilnik. Kličejo me iz uredništva. Brž, naroči si taksi! V Radgoni pričakujejo prvih nekaj sto beguncev. Polsestra me prijazno zapelje v Gornjo Radgono, kjer se begunci tisti hip zadržujejo. Menda jih je vsaj tristo petdeset, mi pove prijazen slovenski uradnik, ki me skupaj s peščico avstrijskih kolegic in kolegov zadrži pred simbolno zaporo, postavljeno okoli sejmišča v Gornji Radgoni. Skupina beguncev, ki jih lahko vidimo nedaleč stran, je očitno mirno razpoložena, nekateri se igrajo z žogo. Novinarji v notranjost nimajo dostopa, ta je dovoljen samo sodelavcem Rdečega križa in drugih nevladnih organizacij. Vstopiti sme tudi madžarska predstavnica Visokega komisariata Združenih narodov za begunce, UNHCR. Ura je nekaj čez dvanajst. Po dobri uri in pol se pojavi poveljnik civilne zaščite, ki nam v slovenščini razloži, da beguncev ne bodo pustili čez mejo. Odpeljani bodo nazaj na Hrvaško. Ta informacija je očitno zaokrožila že tudi med begunci. Ena od skupin vzklika: „We want out!“ in „Go west!“ Tako vsaj zveni. Čas mineva. Nič se ne zgodi. V vinogradu zdaj vsi skupaj sedijo na soncu in obedujejo. Poprosim kolegico, naj me obvesti, če bo do česa prišlo, sam pa se odpravim na hitro kavico. Še zmeraj nič novega. Medtem pa na prizorišče kaplja vse več prostovoljcev iz okolice, ki čakajočim beguncem prinašajo igrače in druge stvari, ki bi jih utegnili potrebovati. Rdeči križ razdeljuje sadje in vodo. Nekaj jabolk nameni tudi nam, očitno malce nebogljeno naokrog postavajočim novinarjem. S hvaležnostjo sprejmem sadni obrok in premišljujem o beguncih na drugi strani zapore, ki so na negotovi dolgi poti bržkone že dneve, če ne celo tedne. Z avtomobilom se pripelje radgonski župan, v zbirni center pa ga nevpadljivo spustijo skozi enega od stranskih vhodov. Odhitim tja, vendar sem prepozen in ga zamudim. Ko se vrne v spremstvu avstrijskega poveljnika policije, ga prosim za nekaj informacij. Očitno je prišlo do pogajanj s slovensko stranjo. Ne policist ne župan ne dajeta podatkov. Sodelavec ene od slovenskih prostovoljskih organizacij, ki prav tako pride iz za javnost zaprtega zbirnega centra, pa nam pove, da je prišlo do dogovora in da bodo begunce vendarle spustili čez mejo. Dvajset čez peto odstranijo zaporne trakove. Tristotero beguncev se v enem zamahu odpravi na pot. Zagledam nasmejane, olajšane obraze, ljudje so videti srečni, ker se lahko končno odpravijo naprej. Nekateri s kazalcem in sredincem kažejo gesto zmagoslavja.


Izvlečem mobilnik in pokličem uredništvo: „Ravno so se odpravili. Obvesti druge!“ Priključim se beguncem na kratkem pohodu čez most, ki pelje na avstrijsko stran, in po telefonu diktiram preostanek novice, poleg tega pa poskušam navezati pogovor z nekaterimi izmed beguncev. Ne znajo prav dosti angleško, skoraj vsakdo pa pozna besedi „freedom“ in „Germany“. Na mostu stojijo trije avstrijski policisti in ena policistka, oblečeni v rumene varnostne jopiče. Od prvih beguncev zahtevajo potne liste. Ti pa jih očitno nimajo. Kmalu se nabere gruča zmedenih moških, večinoma mladeničev, medtem ko se jim zadaj počasi približujejo ženske z otroki. Kot na kakšen skrivnostni znak se begunci na vsem lepem razporedijo po celotni širini ceste in odkorakajo naprej,

policisti pa se jim umaknejo s poti. Tik za nekdanjo carinarnico, kjer ima danes prostore eno od kulturno-umetniških društev, sta policija in vojska že oblikovali koridor in usmerjata begunce na zbirno mesto ob radgonskem mestnem obzidju, ki je prav tako zamejeno z zapornim trakom. Tam je dovolj prostora za vse. Sonce še sije v krošnjah dreves, temperatura je prijetna. Beguncem prostovoljci ponovno razdelijo sadje in vodo. Ob pomoči tolmačev zvezne vojske in občinske tolmačinje jim povedo, da jih bodo z avtobusi prepeljali do prenočišč. Predtem pa morajo vsi podpisati obrazec, da so nelegalno prečkali avstrijsko mejo. Menda gre za golo formalnost. Razdeljevati začno obrazce. Kolikor vidim, se nihče ne upira temu, da bi ga podpisal – vsi želijo naprej, in to kolikor je mogoče hitro.

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Čeprav v bližini v pripravljenosti čakajo trije prazni avtobusi zvezne vojske, se najprej ne zgodi nič. Župan mi pojasni, da v Gradcu ta trenutek primanjkuje prenočišč. Od kolegov v Gradcu pa izvem, da je skorajda istočasno na Štajersko, v Špilje, prav tako prispelo tristo beguncev. Ob 19. uri začnejo potniki vstopati, četrt ure pozneje avtobus odpelje. Begunci naj bi bili nameščeni v nekdanji dvorani Bellaflore v Feldkirchnu, ki so jo opremili z zasilnimi ležišči, mi razloži eden izmed častnikov. Avtobusi bodo tako dolgo vozili sem in tja, dokler ne bodo premestili vseh beguncev, „če bo treba, tudi vso noč“. S tem je moj poročevalski dan zaključen. Trgatve v vinogradu je že zdavnaj konec in malice prav tako; vsi, ki so pri trgatvi pomagali, so se že odpeljali na svoje domove. Sonce je zatonilo za Go-

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lico. Kolegi z ORF me z avtom vzamejo s sabo do Gradca. Če me je tisto soboto v septembru, ki mi je ostala v spominu po svojem gladkem in neproblematičnem poteku dogodkov in po skorajda radostnem vzdušju, navdajal prav optimističen občutek, pa je bilo popolnoma drugače 22. oktobra – v četrtek, ko me je na mejo kot poročevalca poslala agencija. Tokrat se cilj glasi mejni prehod Špilje, kamor me zapelje oče. Potem ko se iz nadzorovanega sprejemnega območja na krožišče pred starim mejnim prehodom zgrne prvih tisočero beguncev, zavlada domala nerealno vzdušje. Na stotine izčrpanih ljudi se opoteka naokrog, hodijo sami ali v skupinah, blodijo po cestah in bližnji okolici. „Train station?“ „Nemsa, center?“ „Speak Arabic?“ „Use phone. Germany, where?“ Oblegajo in nagovarjajo vsako uradno osebo in vsakega mimoidočega, ki bi utegnil vedeti več od njih. Tudi mene. Sprašujejo, v katero smer je treba iti, da bi prišli do Nemčije, kako daleč je do tja in kje je železniška postaja. Ne vem, kaj naj jim rečem, poskušam jim pojasniti, da Nemčija ni

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samo nekaj desetin, temveč na stotine kilometrov daleč in da nimam pojma, ali vlaki zdaj sploh vozijo tja.

tovim, da najkrajša cesta povezava med Špiljem in Freilassingom znaša dobrih tristo kilometrov.

Kot muhe, ki obletavajo kos mesa na krožniku, se od vsepovsod pojavljajo taksiji – iz Gradca, z Dunaja, z vseh možnih koncev in krajev. Vprašam enega od taksistov, koliko zahteva za vožnjo. Ta mi ne odgovori na vprašanje, ampak reče samo: „Nimam časa“ in se odpelje do prve bližnje skupinice beguncev. Pozneje izvem, da osnovna postavka prevoza na Dunaj znaša debelih štiristo evrov. Za vožnjo do nemške meje taksisti zahtevajo tudi do osemsto evrov. Počutim se kot v katerem od filmov Tarkovskega.

Z veliko mero potrpežljivosti glas preko megafona vendarle doseže množico. Ljudje se začnejo polagoma obračati in jo ubirati po stari cesti B 67, nazaj do mejnega prehoda. Tudi tam smo priča neverjetni podobi skoraj apokaliptičnih razsežnosti. Na tisoče ljudi se gnete okoli in pod velikim šotorom, postavljenim kot zasilno zbirališče in tranzitno območje. Nekdanji mejni prehod je do popolnosti ubrana srhljiva kulisa – zapuščene bencinske postaje, zaprte trgovine in sklop javnih hiš, bržkone še delujoč. Edina odprta točilnica poka po vseh šivih. Pred opuščenim in zaprtim lokalom z napisom „Europa Kaffee“ taborijo izmučene družine.

Policija in zvezna vojska počenjata vse, kar je v njuni moči, da bi begunce, ki na lastno pest silijo naprej po cesti v Evropo, preusmerila nazaj na zbirno mesto zraven mejnega prehoda. „Please, go back. Germany is seven hundred kilometers away,“ skozi megafon neprestano ponavlja pripadnica zvezne vojske; enako pove tudi v arabščini in farsiju. Čez nekaj časa razdaljo popravi na dvesto kilometrov. Tako ena kot druga informacija pa je napačna. Pozneje ugo-

Na notranjem in zunanjem mejnem območju Avstrije se po oceni enega od pripadnikov lokalne policije v tistem trenutku nahaja nekje med tri in štiri tisoč posameznikov, ki iščejo zatočišče in bežijo čez polovico kontinenta. Kljub nepregledni množici pa je vzdušje tačas miroljubno. Dva mlada begunca celo sproščeno napravita selfie. Kljub temu


je v zraku čutiti nekakšno napetost, zlasti med uradnim osebjem, deloma pa tudi med begunci, katerih usoda je zaenkrat še popolnoma negotova. Ljudje ne prihajajo samo iz Sirije in Iraka. Med begunci so tudi Iranci, tu in tam kakšen Afričan in tudi posamezniki, ki se jim vidi, da so prišli od zelo daleč, mogoče iz Afganistana. Večinoma gre za ljudi srednjih let, med njimi je zelo veliko otrok. Tem se izčrpanost še posebej dobro vidi. „Nekaj otrok smo morali odpeljati v bolnišnico v Gradec,“ mi pove poveljnik Rdečega križa. Vendar pa doslej ni bilo nobenega primera hujših bolezni, poudari. Večina se na prostovoljce obrača zaradi prebavnih težav oziroma bolečin v želodcu ali preprosto zaradi prehlada. Odeje in zimska oblačila, ki jih begunci spotoma ves čas dobivajo v dar, na dolgem popotovanju hitro postanejo nepotrebni balast. Ko se po prestani mrzli noči spet prikaže sonce, mnogi vse te stvari enostavno pustijo ležati ob cesti. „Dobili smo navodila, da moramo vse to zavreči. Res škoda!“ reče eden od komunalnih delavcev iz bližnjega Leibnitza, ki pravkar tlači očitno povsem novo

odejo UNHCR-ja v črno vrečo za smeti. Medtem se nabere že dobrih trideset najetih avtobusov različnih zasebnih in javnih podjetij, ki naj bi po urejenem postopku odpeljali begunce s tranzitnega območja. Neki srbski voznik avtobusa razpravlja o trenutni situaciji. Ne vedo še, kam naj bi begunce odpeljali. „Nobenega pravega načrta ni,“ se oglasi drugi voznik. „Včeraj so nam najprej rekli, da bo treba ljudi odpeljati v Linz. Potem so si malo pred našim prihodom že premislili: Ne gre. Vse je polno.“ Naposled je moral potnike odpeljati do nemške meje v Braunau, reče možak. Malo po dvanajsti opoldne odpelje prvi potovalni avtobus z begunci. Vsepovsod po cesti še vedno posedajo ali se naokrog sprehajajo posamezni begunci. Območje je pravkar obiskal Hermann Schützenhöfer, deželni glavar Štajerske. Na lastne oči se je želel prepričati o nastalem položaju, se zahvaliti vsem pomočnikom in prostovoljcem za podporo, novinarjem pa izraziti svojo odločno zaskrbljenost zaradi aktualnih dogodkov. Na improvizirani tiskovni konferenci se na lepem pojavita dva čudaška tipa, ki začneta v imenu prebivalstva

Kako je štajerska meja postala evropsko žarišče

udrihati po beguncih in prepričevati deželnega glavarja, naj vse skupaj pošlje nazaj, od koder so prišli. Nekaj dni pozneje enega od njiju prepoznam na televiziji – kot pobudnika obmejne demonstracije proti beguncem. Popoldne v Špilje pripotujeta tudi ministrica za notranje zadeve in minister za obrambo. Tisti dan še nihče ne omenja kakršnih koli ograj. Tako se je vse skupaj pravzaprav začelo. Odtlej je južnoštajerske mejne prehode prečkalo na tisoče, če ne celo na desettisoče ljudi. Vojaki, policisti in prostovoljci so pogosto delali do popolne izčrpanosti, da bi beguncem v nastali situaciji še uspeli omogočiti okoliščine, ki zagotavljajo spoštovanje njihovih temeljnih človekovih pravic. Nihče ne ve, kako se bodo zadeve odvijale v prihodnje, očitno pa o tem še najmanj vedo prav evropski politiki. Bržkone pa odnosov med slovenskimi in avstrijskimi Štajerci, ki so se zadnja leta razveseljivo dobro razvili, nič ne bi spodkopalo bolj, kot z bodečo žico „zaščitena“ meja, ki bi se vila skozi vinograde in vzdolž bregov Mure. To bi bilo celo veliko hujše od vsake problematične situacije v obdobju najhladnejše hladne vojne.

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GrenzĂźbergang Bad Radkersburg am 22. November 2015 Mejni prehod Bad Radkersburg, 22. november 2015


Die Grenze der Aufregung Geschlechterbilder in der Verzerrung von Fluchtmigrationen zur Bedrohung � Stefan Benedik � David Kranzelbinder Benedik

Im Grazer Stadtpark stehen zwei kupfergegossene allegorische Figuren von Austria und Styria, die ursprünglich auf der Hauptbrücke der Landeshauptstadt das Selbstverständnis der deutschnationalen Stadtpolitik des 19. Jahrhunderts illustrierten. Die mit („deutschem“) Eichenlaub bekränzte Styria zückt dabei damals wie heute ihr Schwert Richtung Süden, dorthin, wo sich die dominanten Kräfte im Grazer BürgerInnentum des 19. Jahrhunderts die Bedrohung „ihrer“ Stadt dachten: zur slowenischsprachigen Bevölkerung des Landes, an die vorgestellte „Sprachgrenze“. So wie die Figuren, die Hans Brandstetter 1891 für die Brücke entworfen hatte, 1970 im Stadtpark in der gleichen geographischen Konstellation wieder aufgestellt wurden,1 so wurden auch die Vorstellungen der „bedrohten Grenze“ und der „Gefahr aus dem Südosten“ ständig wieder aktualisiert.2 Wenn wir uns mit Blick auf den Herbst 2015 die scheinbar einfache, aber grundlegende Frage stellen, warum in der Steiermark angesichts ein- oder durchreisewilliger Flüchtlinge an der slowenisch-österreichischen Staatsgrenze plötzlich Panik und Gefährdungsgefühle herrschten, während im Burgenland wochen- und monatelang davor in einer vergleichbaren Situation alles relativ ruhig verlaufen war, stoßen wir unweigerlich auf diese historischen Bedrohungsbilder, die – wie wir sehen – sehr leicht wieder in die Gegenwart übersetzt werden können. Denn klar ist, dass die Aufregung nicht damit zu tun hat, dass die Situation am Grenzübergang Spielfeld schwerer zu überblicken wäre als am Grenzübergang Nickelsdorf oder dass es hier weniger HelferInnen gegeben hätte als dort. Die Gründe sind anderswo und tiefer zu suchen – erstens im ganz grundsätzlich unterschiedlichen Charakter der Grenze. Während sich das Selbstverständnis des Burgenlands in der Zweiten Republik hin zu einer tatsächlich mehrsprachigen Region gewandelt hat, in der die Erfahrungen des Zusammenlebens von „Volksgruppen“ positiv gedeutet werden, begreift sich die Steiermark weiterhin als getragen von einem einsprachigen „Landesvolk“. Hinter beiden Konzepten stecken die Nationalismen des 19. Jahrhunderts, aber für die Wahrnehmung und Behandlung der Grenze macht es einen fundamentalen Unterschied, ob die Vorstellung eines „national“ homogen besiedelten Gebietes oder eines Landes, in dem unterschiedliche „Nationen“ nebeneinander existieren, dominiert. Im Zusammenhang mit der Behandlung und Darstellung von Flüchtlingen sind die Auswirkungen dieser Voraus1 Stefan Riesenfellner: Der ‚moderne‘ Denkmalkult an der Peripherie. Grazer Denkmäler von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. In: ders. (Hg.): Steinernes Bewußtsein I. Die öffentliche Repräsentation staatlicher und nationaler Identität Österreichs in seinen Denkmälern. Wien, Köln, Weimar 1998. S. 167–224, hier S. 188. 2 Heidemarie Uhl: Transformationen des österreichischen Gedächtnisses. Geschichtspolitik und Denkmalkultur in der Zweiten Republik, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte, 1/29 (2000), S. 317–341.

Stefan Benedik, Historiker und Kulturwissenschafter. Wissen­ schaftlicher Projektmitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität Graz im Bereich Zeit­ geschichte und Geschlechtergeschichte. Forschungsaufenthalte 2006/2007 in Praha (CZ) und 2013 in Toronto (CA). 2011–2013 Träger eines DOC-Team-Stipendiums der ÖAW. 2014–2017 Träger des Jungforscherstipendiums des Unirates der Universität Graz und der Steiermärkischen Sparkasse. Lehraufträge an der Karl-Franzens-Universität Graz und an der Andrássy-Gyula-Universität Budapest. Außeruniversitäre Projekte in der Kunst- und Geschichtsvermittlung.Persistente Formen der Diskriminierung von Romnija in Erinnerungskultur und Menschenrechtspraxis (Land Steiermark) (August 2016–Jänner 2018)

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Dank gilt den Diskutierenden im Rahmen des von KiG! Kultur in Graz veranstalteten Festivals „queerograd 2015“ sowie den Studierenden meiner Vorlesung „GeschlechterBilder“ an der Karl-Franzens-Universität Graz für die kritische Auseinandersetzung mit einer Reihe meiner Thesen und einigen Beispielen, die in diesen Text eingeflossen sind sowie besonders Ursula Mindler für die genaue Lektüre und ausführliche Diskussion des Manuskriptes. Vielen KollegInnen und FreundInnen, namentlich besonders Daniela Karner, Helmut Konrad und Heidrun Zettelbauer, bin ich für Gespräche über Teilaspekte der hier zu Papier gebrachten Überlegungen sehr dankbar. Zahvaljujem se udeležencem diskusije v okviru festivala »queerograd 2015«, ki ga je v Gradcu organizirala neodvisna kulturna platforma KiG! Kultur, kakor tudi slušateljem mojega predavanja »GeschlechterBilder« na Univerzi v Gradcu za kritično razpravo o mojih tezah in izbranih primerih, ki so uporabljeni tudi v pričujočem prispevku. Posebna zahvala Ursuli Mindler za natančno branje in izčrpen pogovor o rokopisu. Za pogovore o določenih vidikih v povezavi z razmišljanji, predstavljenimi v tem prispevku, se želim zahvaliti tudi vsem kolegom in kolegicam ter prijateljem in prijateljicam, zlasti Danieli Karner, Helmutu Konradu in Heidrun Zettelbauer.

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setzungen nicht zu leugnen. Die Mechanismen, die Eduard G. Staudinger als Border Studies Historiker und scharfsinniger Analytiker der Grenze bei Šentilj-St. Egidi, Radkersburg-Radgona-Regede oder Mureck-Cmurek, für den Jugoslawienkrieg 1991 die Inszenierung einer politischen Erregung3 genannt hat, ließen sich auch im letzten Quartal des Jahres 2015 wieder beobachten. PolitikerInnen und JournalistInnen erzeugten mit dramaturgischen Effekten und verdrehten narrativen Figuren einer Bedrohung für das (unausgesprochen deutschsprachig und nichtmuslimisch gedachte) „Landesvolk“. An der Grenze gerinnt diese angebliche Gefährdung, wird sichtbar, erfahrbar und verwandelt sich dadurch in eine physische Barriere, obwohl die eigentliche Grenze gar kein gegenständliches, sicht- oder erfahrbares Phänomen ist. Das hat alles nichts mit den Menschen zu tun, die an dieser Grenze zum Warten gezwungen wurden, sondern nur mit den offiziellen Bildern von der österreichisch-deutschsprachigen Steiermark, mit den impliziten Nationalismen, die Politik und Journalismus prägen. Die scheinbar gemeinsame Rhetorik vom „bedrohten“, „überforderten“ oder „überrannten Europa“ ist nur ein Reservoir an Floskeln und Codes, die dem jeweiligen Nationalismus in unterschiedlichen Regionen des Kontinents ein zeitgemäßer erscheinendes Vehikel für altbekannte Fremd- und Feindbilder, besonders aber „eigene“ Angst- und Opfererzählungen bieten. Eine als Reaktion auf erfundene Bedrohungen maskierte Agitation erzeugt mit diesen Mechanismen reale Krisen, die die Agitation scheinbar legitimieren und die Bedrohung real erscheinen lassen. Zweitens zeigte sich symbolisch am Grenzübergang Šentilj/Spielfeld, worüber Migrations- und GrenzforscherIn3 Eduard G. Staudinger hat seine Analysen zur Repräsentation der slowenisch-steirischen Grenze im Jugoslawienkrieg bislang noch nicht publiziert. Für seine Bereitschaft zur fortwährenden Diskussion solcher und vieler anderer seiner Einsichten bin ich ungemein dankbar.

nen schon lange sprechen, dass nämlich die Idee von Freizügigkeit und der Irrelevanz von Grenzen innerhalb Europas nicht auf Inklusion und Toleranz beruht, sondern auf Ausschluss und Diskriminierung.4 Wer in den letzten Jahren innerhalb Zentraleuropas unterwegs war, hat die genau gleichen Mechanismen im wesentlich kleineren Ausmaß schon selbst beobachten können: PolizistInnen, die in Zügen Menschen nach rassistischen Kriterien zu einer Überprüfung auswählten, während alle, die als „weiß“ oder zumindest „weiß genug“ betrachtet wurden, völlig unbehelligt geblieben sind. Diese Verlegung der Grenzen ins Innere war aber, wie wir jetzt sehen, nur eine symbolische Politik, die an der realen Wirksamkeit der Staatsgrenze nichts verändert hat. Innerhalb von Stunden lassen sich wieder eiserne Vorhänge errichten (selbst dort, wo nie solche waren), werden Zäune als „bauliche Maßnahmen“ oder mit anderen Auswüchsen des Newspeak verschleiert,5 der historisch auf die Errichtung innereuropäischer Grenzen unter anderen Rahmenbedingungen, auf die Teilung Europas im Kalten Krieg, verweist. Immer wieder hatte ich mich in diesen Herbsttagen gefragt, warum das so viele um mich herum so vergleichsweise gelassen hinnahmen und ich kam einfach nicht über den Schluss hinaus, dass „wir“ den diskriminierenden Charakter der EU-Freizügigkeit völlig inter4 Vgl. pars pro toto die bereits 2003 von Kees Groenendijk aufgestellten Thesen zur Verlagerung der europäischen Grenzen in das Innere des Schengenraums, Kees Groenendijk: New borders behind old ones. Post-Schengen controls behind the internal borders and inside the Netherlands and Germany. In: Kees Groenendijk, Elspeth Guild, Paul Minderhoud (Hg.): In search of Europe’s borders. Den Haag 2003. S. 131–146. Zur Entwicklung der hier vertretenen Argumentation bin ich für ein Gespräch mit Daniel Söderlindh im September 2015 sehr dankbar. 5 „Bauliche Maßnahme“ war das erste offiziell von der österreichischen Innenministerin verwendete Wording zum Grenzzaun, das später durch allerlei andere Euphemismen für „Zaun“ oder „Abgrenzung“ ersetzt wurde. Vgl. APA: Spielfeld: „Bauliche Maßnahme“ soll Grenze sichern, in: Salzburger Nachrichten, 28-10-2015.


nalisiert haben, also genau wissen, dass „wir“ unbehelligt weiter nach Maribor in die Oper fahren werden können, selbst wenn in Spielfeld eine drei Meter hohe Mauer stehen wird, weil diese Maßnahmen eben nicht gegen „uns“ gerichtet sind. Auch diese unterschiedliche Durchlässigkeit von Grenzen und ihre Wirkung als symbolische Barriere hat Eduard G. Staudinger sehr scharfsinnig auf den Punkt gebracht, in dem Fall an der Metapher des Flughafens: „[Das] sind konkrete Orte, wo in engen Räumen und Gängen mit vielen Türen und Schaltern sehr unmittelbare Wahrnehmungen und Erfahrungen von Grenzen, Abgrenzungen, Zugehörigkeiten und Nicht-Zugehörigkeiten gemacht werden. Im Flugzeug saß man noch nebeneinander. Auf dem Weg zur Passkontrolle trennten sich die Wege.“ 6

6 Eduard G. Staudinger: Aspekte zum Thema „Grenzen – Grenzziehungen“ aus regionalgeschichtlicher Perspektive. In: Helmut Konrad, Stefan Benedik (Hg.): Mapping Contemporary History II. Exemplarische Forschungsfelder aus 25 Jahren Zeitgeschichte an der Universität Graz. S. 99–108, hier S. 108.

Die Grenze der Aufregung

Aus/grenzen anhand von Geschlecht als Symbol Ich möchte in diesem Text aber nicht nur betonen, wie sehr das Einzäunen von Flüchtlingen als politisches Spektakel zu verstehen ist, das hier einen Ausnahmezustand erst geschaffen hat, sondern möchte auch exemplarisch diskutieren, wie dieses Bedrohungsgefühl durch permanente Verweise auf Geschlecht besonders eingängig realisiert werden kann.7 Wie jedes Sprechen über Migration hat auch die Erfindung einer „Flüchtlingskrise“ einen vergeschlechtlichten Subtext, der sich zumindest auf drei Ebenen auswirkt. Dabei analysiere ich nicht die Migration an sich, die von einer Reihe anderer Geschlechterbilder, allen voran des „Schleppers“ und seiner „Opfer“ oder der Flüchtlinge als gesichtsloses Kollektiv, als deindividualisierte „Welle“, geprägt sind, sondern wie geschlechterdifferenzierende Argumentationen dabei helfen, einen state of emergency an der Grenze von EU-Ländern zu konstruieren, wie das 7 Vgl. exemplarisch María do Mar Castro Varela, Nikita Dhawan: Queer mobil? Heteronormativität und Migrationsforschung. In: Lutz, Helma (Hg.): Gender Mobil?, Geschlecht und Migration in transnationalen Räumen. Münster 2009, S. 102–121.

konkret an der slowenisch-österreichischen Grenze geschehen ist. Erstens wird Geschlecht als Merkmal von Differenz verwendet, wenn Menschen als „Fremde“ etikettiert werden. Im Kern lässt sich das auf die Behauptung reduzieren, dass „die Anderen“ an abweichenden Geschlechterrollen, ja vielleicht sogar an anderen Ausformungen von Geschlecht erkennbar wären. Dahinter steht eine lange ethnologische Tradition des Denkens in Kategorien „kultureller Unterschiede“, in Vorstellungen der Gleichheit unter den „Eigenen“ und Verschiedenheit zu „den Anderen“.8 Die so erzeugten dichotomen Trennungen der Welt sind in sich paradox und fragil, vor allem aber widersprechen sie der Alltagswahrnehmung. Beispielsweise hält die Unterscheidung zwischen einem von Geschlechtergleichheit geprägten „Westen“ und einem von Patriarchat gekennzeichneten „Orient“ keiner genaueren Überprü8 Zu den Verschränkungen von Orientalismus und Geschlecht vgl. etwa Monica Rüthers: Juden und Zigeuner im europäischen Geschichtstheater. »Jewish Spaces«/»Gypsy Spaces« – Kazimierz und Saintes Maries de la Mer in der neuen Folklore Europas, Bielefeld 2012.

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fung stand, nicht nur, weil es in Europa keinerlei Konsens über feministische Politik gibt, sondern auch, weil Freiheit und Selbstbestimmung – um es ganz plakativ zu sagen – weder mit dem Archetyp Minirock noch mit dem Archetyp Kopftuch untrennbar verbunden sind. Dass Ideen von Geschlecht als Hinweise auf Unterschiede trotz dieser Widersprüche so stabil bleiben, hat mit ihrer Funktion zu tun, die sich an den Bedürfnissen der „Wir“-Gruppe orientiert, also etwa „unser“ Verlangen nach Übersichtlichkeit in einer globalisierten Welt erfüllt. Wenn eine „Migrantin“ nicht an der Hautfarbe als solche erkennbar ist, dann ist sie es in jedem Fall am Kopftuch, so lautet die angenommene Ordnung der Welt. Dass diese Einteilung an Kopftuchträgerinnen ohne Migrationsgeschichte genauso zerbricht wie an den Musliminnen und oder Migrantinnen ohne Affinität zu diesem Kleidungsstück, mündet nur in einer vehementer und leider oft auch militanteren Verteidigung der vorgeblich „klar“ verteilten Rollen.9 Zweitens ist das Sprechen über Migration immer von vergeschlechtlichten Argumentationsformen geprägt, einer Sprache, die übervoll ist von auf Weiblichkeit und Männlichkeit Bezug nehmenden Metaphern. In der Wahrnehmung von MigrantInnen dominieren Eigenschaften wie „rückständig“, „kulturlos“ und „antiintellektuell“/ „irational“. Damit werden sie in eine Position eingeschrieben, die seit dem bürgerlichen Zeitalter für Frauen reserviert ist. Diese symbolischen Trennungen in vor und hinter der Grenze, in „außen“ und „innen“ fanden sich auch in der Darstellung der wartenden Flüchtlinge in Šentilj/Spielfeld, wenn in der Berichterstattung von „Chaos“, „Unüberschaubarkeit“, „Tumult“, „Drama“ oder 9 Zum Kopftuch vgl. grundsätzlich Christina von Braun, Bettina Mathes: Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen. Berlin 2007; Leila Hadj Abdou: Das muslimische Kopftuch und die Geschlechtergleichheit. Eine Frage von Kultur oder Religion? In: FeminaPolitica 1/1 (2008),S. 68–80.

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„Schmutz“ die Rede war.10 Dahinter stehen Traditionen des Denkens über den „Orient“, „Balkan“ oder „das Slawische“, das immer auch über die Abwertung dieses „Anderen“ als effeminiert, seine Wahrnehmung als „weibisch“ und „weich“ funktionierte. An der konkreten Grenze zwischen Slowenien und Österreich hat diese Aufladung mit Geschlechterstereotypen auch eine Tradition in den deutschnationalen Narrativen des 19. und 20. Jahrhunderts, in denen die „Sprachgrenze“ als Geschlechtergrenze propagiert wurde, als der Ort, an dem die „deutsche Ordnung“ die „deutsche Aufrichtigkeit“ am Gegenbild der „slawischen Falschheit“ erfunden wurde.11 Wieder aufgewärmt findet sich diese Vorstellung nebenbei auch in den Selbsterzählungen von Österreich oder Deutschland als „sicherem Hafen“ für Flüchtlinge in einem zunehmend in Xenophobie und Abwehrreaktionen versinkenden Europa. Der von an humaner Flüchtlingspolitik Interessierten erhobene Zeigefinger auf die RassistInnen jenseits der Grenze, sei es Richtung Slowenien, Ungarn oder der Slowakei, versucht eben auch eine Trennlinie dort zu ziehen, wo gemeinsam aufmarschierende Rechtsextreme in der paradoxen Transnationalität der zentraleuropäischen Nationalismen das Gegenteil vorführen. Daneben sind zu diesen Verwendungen von Geschlecht als Symbol im Zusammenhang mit Migration übrigens auch 10 Vgl. nur beispielhaft: http://kurier.at/ chronik /oesterreich/spielfeld-chaos-tage-in-den-weinbergen/164.280.886 [1911-15]; http://www.krone.at/Oesterreich/ Chaos_und_Pruegelei_an_unserer_Grenze-Brennpunkt_Spielfeld-Story-478483 [19-11-15]; Flüchtlinge: Tumulte in Spielfeld, in: http://steiermark.orf.at/news/stories/2737792/ [19-11-15]; Unübersichtliche Lage in Spielfeld, Beitrag zur ORF ZIB 1, 22.10.2015. 11 Vgl. Heidrun Zettelbauer: Das nationale Erweckungserlebnis Ida Maria Deschmanns, geschildert im Jahre 1919. Oder: Vom Ein/ Schreiben lebensgeschichtlicher Ereignisse in einen nationalen Bezugsrahmen. In: Margit Franz et al. (Hg.): Mapping Contemporary History. Zeitgeschichten im Diskurs. Wien, Köln, Weimar 2008, S. 203–242, hier S. 231.

die unzähligen Verweise auf ungebändigte Männlichkeiten zu rechnen, die sich in militärsprachlicher Beschreibung offenbaren. Wenn Medien von einem „Flüchtlingsansturm“, von „Angriff“ und „Belagerung“ sprechen,12 steckt dahinter eine kulturpessimistische Abstiegserzählung, die eine „verkehrte“ Welt beklagt, in der „wir“ verweiblicht und verweichlicht die übermännlichen und starken Eroberer nicht fern- oder abhalten könnten.13 Drittens schließlich greifen Darstellungen von Migration immer auf Bilder zurück, die Geschlecht als biologische, abgesicherte Form der Einteilung imaginieren. Wenn bekannt ist, ob MigrantInnen Frauen oder Männer sind, sind scheinbar alle notwendigen Informationen vorhanden, um einen Eindruck von ihnen zu gewinnen, weil Männer und Frauen eben grundsätzlich, „natürlich“ anders seien. Ihre Blüten treibt diese Kategorisierungslust in der Unterteilung von Flüchtlingen in „legitime“, „schützenswerte“ und „gefährdete“ Opfer im Gegensatz zu „gefährlichen“ und „undurchsichtigen“ „potentiellen Terroristen“. Diese Dichotomie wird im öffentlichen Sprechen auf den Gegensatz von „Frauen und Kinder“ vs. (besonders „junge“) „Männer“ verdichtet. Dass diese Differenzkategorien dominieren, ist keinesfalls selbstverständlich und erst ein Produkt der Debatte im Sommer 2015. Davor waren andere Unterscheidungen, etwa nach dem gedachten Fluchtgrund (unerwünschte „Wirtschaftsflüchtlinge“ vs. legitime „Kriegsflüchtlinge“) oder nach den StaatsbürgerInnenschaften etwa in Syrien oder im Kaukasus, in Südosteuropa 12 Vgl. zur analytischen Perspektive auf Metaphorik in der Darstellung von Migrationen Ruth Wodak, Theo van Leeuwen: Legitimizing Immigration Control. A discourse-historical analysis. In: Discourse Studies 1/1 (1999),S. 83–119. 13 Zur philosophischen Begründung der Verknüpfung von Kulturpessimismus und Geschlechterbilder vgl. Doerte Bischoff: Ausgesetzte Schöpfung. Figuren der Souveränität und Ethik der Differenz in der Prosa Else Lasker-Schülers. (= Hermaea 95). Tübingen 2002, S. 69–70.


oder in Afghanistan entscheidend. Hinter all diesen Kategorisierungen steckt der Wunsch nach Eingrenzung und Ordnung eines Phänomens, das Verlangen nach eindeutigen, versteh- und beherrschbaren Umständen. Dass sich diese Unterscheidung jetzt an der Geschlechtergrenze orientiert, ist mit etablierten kulturellen Codes erklärbar, damit, dass Vorstellungen von Gewalt, Aggression, Bedrohung und Gefahr im Gegensatz zu Opferschaft, Passivität, Friedlichkeit und Gewaltlosigkeit scheinbar „natürlich“ in die eine oder andere vergeschlechtlichte Sphäre gerechnet werden. Das geschieht im Übrigen in einem seltsamen Widerspruch zu den tatsächlichen Entwicklungen, die beispielsweise Terroristinnen immer häufiger auf die Titelblätter der Zeitungen bringen, aber auch unabhängig von der Intention der AkteurInnen, die solche Geschichten erzählen, solche Bilder prägen. Gerade der Fokus auf Kinder und Frauen als einzig legitime Flüchtlinge wird wesentlich durch migrationsfreundliche, antirassistische Öffentlichkeitsarbeit forciert. Von den Homepages und den Plakaten von Hilfsorganisationen blicken uns ausschließlich Kinderaugen an, die in der Regel an der Hand ihrer Mütter die Vorstellung verlängern, dass Schutzbedürftigkeit äußerlich erkennbar wäre und im Grunde schon „instinktiv“ darüber entschieden werden kann, ob jemand unter Terrorismusverdacht zu stellen ist oder nicht. „Zum Schutz von Frauen und Kindern“ Wie beliebig diese Ideen von bedauernswerten, hilflosen Opfern dabei eingesetzt werden können, zeigt die politische Diskussion, in der der Verweis auf „Frauen und Kinder“ sogar als Begründung für die Abgrenzung, die Einzäunung von Flüchtlingen herangezogen wurde. So argumentierte die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in ihrer ersten Forderung nach der Errichtung eines Grenzzauns bei Spielfeld/Šentilj, dass sonst „Frauen und Kinder“ einer Gefahr ausgesetzt

Die Grenze der Aufregung

wären.14 Hinter dieser zynischen Argumentation verbirgt sich neben einem Beweis für die Variabilität solcher Bilder auch ein kolonialer Sendungsmythos: Als Gefahr für die Opfer wird nicht verstanden, dass Menschen an der österreichischen Staatsgrenze unzumutbaren Bedingungen ausgesetzt werden, sondern dass die „fremden“ Männer, in ihrem Drang, nach Österreich einzureisen, solche Opfer unter „ihren eigenen Leuten“, wie unterstellt wird, in Kauf nehmen würden. Selbst dieser Logik entspricht die Errichtung eines Zauns nur in der Annahme, dass Abwehr des „Fremden“ Sicherheit schafft.15 Dass eine solche Politik für symbolische Maßnahmen die reale Sicherheit der betroffenen Menschen und ihre Grundbedürfnisse opfert, ist kein Zufall, sondern eben Teil des Unterwerfungs- und Beherrschungsgedankens, der in „Abgrenzung“ inkludiert ist. Hunger und Kälte schaffen Gelegenheiten, zu demonstrieren, wie angebracht Bedrohungsgefühle und das Bedürfnis nach Grenzsicherung vorgeblich gewesen wären. Dabei ist die Gleichsetzung von „legitimen“ Flüchtlingen mit Kindern oder Frauen auch deshalb problematisch, weil sie nicht aus der tatsächlichen Gefährdung entsteht, sondern ausschließlich aus den Erwartungen und Wünschen der sogenannten „Aufnahmegesellschaft“, die auf rein symbolischer Ebene definiert, wer „unserer“ Rettung bedarf und wer umgekehrt nicht „unschuldig“ sein kann. Nebenbei bemerkt 14 „Die Maßnahme würde nicht nur dem ‚kontrollierten Zutritt’ dienen, sondern auch dem Schutz der Flüchtlinge selbst, argumentierte die Ministerin. Wenn bei Gruppen von tausenden Menschen Unruhe entstehe und ‚von hinten angeschoben‘ werde, dann wären ja auch Frauen und Kinder gefährdet.“ Thomas Neuhold: Mikl-Leitner: Österreich wird zum Zielland für Asylwerber. In: Der Standard. 30.10.2015. 15 Vgl. dazu grundsätzlich Elahe Haschemi Yekani: ‚Enlighted Imperialism‘. Der englische Gentleman-Hero als Erlöser. In: Sven Glawion, Elahe Haschemi Yekani, Jana Husmann-Kastein (Hg.): Erlöser. Figurationen männlicher Hegemonie. Bielefeld 2007, S. 97–110.

ist das Verständnis von Kindern als erwünschte oder geduldete MigrantInnen keine Selbstverständlichkeit. Historisch war es etwa in den Arbeitsmigrationen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gerade umgekehrt. Das Wunschbild des „Gastarbeiters“ war genau jener junge, unverheiratete Mann, der nun zur Ausgestaltung von Bedrohungsszenarien dient. In diesem Setting waren gerade Kinder ein Feindbild, weil sie gegen die Konzeption dieser Migrationen als vorübergehend sprachen, als Troublemaker in der Schule gesehen wurden und vor allem als Aspekt dieser Migration, der nur Kosten verursachen, aber keinen Nutzen bringen würde.16 Ähnlich gelagert, aber aus anderen Gründen, sind die Vorstellungen zum Geschlecht von bettelnden MigrantInnen in Graz. In diesem Kontext wurden und werden Kinder zwar einerseits als Opfer dargestellt, die von einem „Bettelboss“ und diesem unterworfenen Müttern instrumentalisiert würden, andererseits aber gerade aufgrund dieser Bilder als Beweis für ein „Bettel-“ oder gar „Romaproblem“ aufgefasst und rigoros vertrieben. An den Konsequenzen (Einkommenslosigkeit der Eltern) und dem Fehlen jeder Art von Betreuung für die Kinder lässt sich wiederum ablesen, dass solche Bilder nicht im Interesse der als „Opfer“ Dargestellten verbreitet werden.17 Auch im Zusammenhang mit Flüchtlingen richten derartige Opfererzählungen konkreten Schaden an, weil sie zumin16 Vgl. die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Familiennachzug in der überwiegend türkischen Arbeitsmigration nach Deutschland bei Andreas Treichler: Arbeitsmigration und Gewerkschaften. Das Problem der sozialen Ungleichheit im internationalen Maßstab und die Rolle der Gewerkschaften bei der Regulation transnationaler Migration, untersucht am Beispiel Deutschlands und der Arbeitsmigrationen aus der Türkei und Polen. Münster 1998, S. 179–185. 17 Vgl. Stefan Benedik: Seductive Bodies, (In) Escapable Belonging. Sexualisation and Racialisation of the Romani Subject in Contemporary Central European Performances. In: Markus End, Ian Hancock, Pia Laskar, Jan Selling (Hg.): Antiziganism. Cambridge: Cambridge Scholar, S. 287–304.

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dest auf drei Ebenen die konkreten Lebensverhältnisse von schutzsuchenden MigrantInnen massiv verschlechtern. Erstens geschieht die Verbreitung der Opfererzählung auf dem Rücken einer Tätererzählung, die Männer, besonders junge Männer als „defizitäre“ Flüchtlinge erscheinen lässt, ja oft sogar als „Scheinflüchtlinge“, die eben potentielle islamistische Kämpfer sein könnten und in jedem Fall nicht vertrauenswürdig seien. Die voreinnehmende Präsentation von Kindern als Opfern resultiert also in der öffentlichen Vorverurteilung von Männern als Täter. Zweitens basieren die abgeschlossenen Vorstellungen einer dichotomen Struktur von Opfer vs. Täter zwar einerseits auf dem kulturellen Modell der Zweigeschlechtlichkeit, schreiben es aber andererseits auch fort. Das sprechendste Beispiel dafür ist die Einrichtung von Strukturen der Betreuung sowohl von staatlicher Seite als auch von den meisten NGOs mit einer Begrenzung auf dichotome Geschlechtervorstellungen. Unterbringungs- und Hilfsangebote werden entlang einer „idealen“ Trennung von „Männern“ und „Frauen mit Kindern“ ausgerichtet. Wenn in solchen Fällen die Imaginationen auf die sozialen Realitäten treffen, macht das eigentlich sichtbar, wie falsch die verbreiteten Bilder sind. In der Praxis geraten damit aber all jene Menschen sehr schnell ins Abseits, die nicht in das vorgegebene Raster passen. Erst dadurch wird es für Familien, die nicht den vorgestellten Erwartungen entsprechen, schwierig, weil die Frage, wo Mädchen mit einem männlichen Elternteil duschen können nicht als relevant wahrgenommen wird. Der dritte Effekt des Beharrens auf der vergeschlechtlichten Täter/Opfer-Matrix hat mit Gewalt zu tun: Durch die Reifizierung hegemonialer Männlichkeit, also die Verbreitung der Annahme, dass ganz grundsätzlich nur Männer migrieren würden, und diese gleichzeitig gefährlich wären, wird erst eine patriarchale Ordnung oktroyiert. Das steht

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einer Situation fundamental entgegen, in der Frauen ihre Handlungsräume genauso nutzen und spricht im Übrigen die Täterinnen im Krieg frei, die die Flucht miterzeugen. Zeitungen und Fernsehbeiträge, Spendenaufrufe von NGOs und die politische Rhetorik operieren indes mit der Weiterverbreitung der Vorstellung, dass nur kleine Kinder über die Grenze kommen sollten. Hinter dieser Infantilisierung globaler Migrationen und deren Hintergründen schimmern koloniale Phantasien der Entmächtigung, der Beherrschbarkeit und Erziehung durch. Solche Bilder machen alles, was nicht in eine heteronormative, binäre Matrix passt, zugunsten bekannter und Bedrohungsbilder unsichtbar. An der medialen Darstellung über die wartenden Flüchtlinge in Spielfeld/Šentilj zeigte sich, wie einfach Gefühle von europäischer Zusammengehörigkeit, Solidarität mit Kriegsopfern, Prinzipien der Humanität aber auch der eigenen Sorglosigkeit verworfen werden können. Ohne irgendeine Notwendigkeit wurden mit einer von rassistischen Vorverurteilungen durchsetzten Rhetorik Gefühle der Bedrohung geschürt, durch die permanente Verletzungen der grundlegenden Menschenrechte in der bestimmenden Wahrnehmung scheinbar gerechtfertigter erschienen. Aber Ausblendung und Beherrschung waren auch die tonangebenden Tendenzen der antirassistischen, flüchtlingsfreundlichen Beiträge zur öffentlichen Diskussion. Diese Stellungnahmen waren nicht darum bemüht, ein komplexeres, vielschichtigeres Bild zu zeichnen, sondern haarsträubenden Mythen simple aufklärerische Erzählungen entgegenzusetzen und daran Opfergeschichten zu knüpfen, die Flucht auf ein gesellschaftliches Problemfeld und eine reine Risikosituation reduzieren. Eine Atmosphäre der Aufregung, die Annahme eines angeblichen Ausnahmezustand wurde dadurch nicht bekämpft oder relativiert, sondern mit anderen Argumenten nur weiter angeheizt. Das ist

dramatisch, weil diese Zeichnung eines Notfallszenarios allen Betroffenen und Beteiligten schadete und weil die damit erzeugten Bilder und Erzählungen den Flüchtlingen und ihren Erfahrungen in keiner Weise gerecht wurden. Zuvor wäre es möglich gewesen, Geschichten von Flucht als etwas Gelungenes, als Ergebnis von Beharrlichkeit und Mut zu schildern (so wie „wir“ es heute ganz selbstverständlich im Zusammenhang mit den erfolgreich aus totalitären Herrschaftssystemen Geflüchteten tun). Diese Gelegenheiten wurden verworfen zugunsten der voyeuristischen Ausstellung von Leid und Elend. Post Scriptum Lange nach dem Redaktionsschluss für diesen Beitrag verdichteten sich in der öffentlichen Diskussion vielfach berichteter Übergriffe auf den Körper und das Eigentum von Frauen in der Silvesternacht in Köln eine Reihe von in diesem Text angesprochenen Darstellungsaspekten zu einer Entwicklung, die nicht mehr als Aufregung, sondern als kollektive Erfahrung von Verunsicherung, ja Bedrohung, beschreibbar ist. Diese Ereignisse konnten in diesem Text nicht mehr berücksichtigt werden, weshalb hier nur kurz ergänzt werden soll, was sich zum Zeitpunkt der Korrektur dieses Manuskriptes abzeichnet. Die Basis für den massenhaften „Schock“ liegt, wie so häufig in Migrationsdebatten, in der Verschiebung von quantitativen Dimensionen und in der Verbreitung von Zahlen- bzw. Größenabgaben, aus der Vorstellungen gewaltiger Ausmaße entspringen. Damit lassen sich bestehende Ängste vor einem nie geahnten und nicht bewältigbaren Problem füttern. Die Berichterstattung unmittelbar am Neujahrstag sprach von „hunderten“18

18 Vgl. pars pro toto http://diepresse.com/ home /panorama /welt /4 898151/Koln_ Schock-uber-sexuelle-Angriffe [5-1-16]; http://www.sueddeutsche.de/panorama/ straftaten-an-silvester-voellig-enthemmt-polizei- s taunt- ueb er- gewalt-in - ko eln-1.2805623 [5-1-16].


oder gar „tausend“19 Männern, später war von einem „Mob“ die Rede, der mit unterschiedlichen Formulierungen als „fremd“ markiert wurde. Was sich danach entspann, war, wie vielfach (aber erfolgslos) kritisch angemerkt wurde,20 keine öffentliche Auseinandersetzung mit Sexismus, oder mit kulturellen Strukturen der geschlechtsspezifischen Gewalt, die Frauen als „sexuell verfügbar“ als passiv und hilflos betrachten, sondern eine Variation auf die vorherrschende Migrationsdebatte, die sich am scheinbar nun eingetretenen Präzedenzfall von „Migrantengewalt“ entzündete. Mit dem, was tatsächlich geschah, hat das wenig zu tun,21 wie sich alleine an der Produktion von journalistischen Texten ablesen lässt, wo eine winzige Anzahl von Reportagen einer riesigen Zahl an Kommentaren gegenüber steht. Auch zum heutigen Zeitpunkt ist noch nicht klar, was eigentlich passiert ist, aber scheinbar ist unumstritten, welche Konsequenzen zu ziehen sein werden. Das verschwommene Bild entstand unter anderem gerade aus der permanenten Vermischung von sexueller Gewalt, Diebstahl, dem Zünden von Feuerwerkskörpern und der bloßen Präsenz von Männern. Erklären lassen sich die aus der Aufregung gezogenen vorschnellen Schlüsse einerseits mit Bildern, von denen ich in diesem Text gesprochen habe, allen voran der Vorstellung vom jungen männlichen Asylwerber, dessen Zivilisationsgrad 19 Vgl. http://deutsche-wirtschafts-nachrichten. de/2016/01/04/gespenstisch-1-000-maenner-belaestigen-in-koeln-frauen-ignorieren-polizei/ [4-1-16]; http://www.focus. de/regional/koeln/silvesternacht-am-koelner-hauptbahnhof-gruppe-von-1000-maennern-fuer-sexuelle-uebergriffe-verantwortlichId_5188685.html [4-1-16]. 20 Vgl. als prominenteste feministische Gegenposition http://www.sueddeutsche.de/panorama/feminismus-ausnahmslos-ein-neue r- auf s chrei - na ch - ko eln -1. 28130 4 8 [12-1-15]. 21 Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Ergänzung war im polizeilichen Ermittlungsstand von 19 Angezeigten die Rede, vgl. http:// www.sueddeutsche.de/politik/ermittlungen-zu-den-uebergriffen-in-koeln-vor-allem-marokkaner-fallen-auf-1.2814336 [121-16].

Die Grenze der Aufregung

und Triebbeherrschung ihn grundsätzlich von „uns“ unterscheiden würden und ihn daher zum prototypischen „Terroristen“, „Bandenmitglied“ oder eben „Sexualstraftäter“ machen würden. An der Emotionalität, mit der eine Vielzahl an islamfeindlichen und rassistischen Kommentaren selbst in für differenzierte Sprache bekannten Medien vorgetragen werden, lässt sich erkennen, wie sehr Redaktionen von Qualitätsmedien inzwischen zur Eskalation der Sprache bereit sind.22 Das ist aber nur eine Seite der jetzt bestimmenden Argumentation. Ein genauer Blick offenbart, dass in der entmächtigenden Rede von ‚deutschen’ Frauen als kollektive Opfer der ‚schwarzen’ Aggression zwei Traditionslinien wieder aufgenommen wurden: Die erste ist die geschlechtsspezifische Rhetorik des Kriegs, in dem ‚fremde’ Männer als Vergewaltiger die gesamte gegnerische Gruppe symbolisch in die Knie zwingen würden. Zweitens wird hier der Faden der nationalistischen Überhöhung des weiblichen Körpers als Hort der „nationalen Ehre“ und als „Brutstätte des Volkes“ weitergesponnen. Die Isolation des Weiblichen vom „Fremden“ hat(te) darüber hinaus nicht nur symbolische Gründe, sondern auch praktisch-politische, zumal Frauen oft als ideologisch „unzuverlässig“, verführbar und potentiell abtrünnig galten. Die Gegenüberstellung von konfliktscheuen, beschwichtigenden (scheinbar naiven) Frauen und hysterischen, paranoiden (scheinbar vorsichtigen) Männern fand eine aktualisierte Entsprechung in einzelnen Interviews zu den Übergriffen von Köln. Vor Fernsehkameras differenzierten junge Frauen, die selbst Opfer der sexuellen Gewalt in der Kölner Silvesternacht geworden waren, die Ereig22 Paradigmatisch für diese Entwicklung ist etwa der Kommentar von Samuel Schirmbeck: „Die Vorfälle von Köln und der Islam: „Ihr täglich Stück Frau grapschen“ [sic]. In: Der Standard. 16./17.1.2015, S. 38–39. Zuerst erschienen unter http://www.faz.net/ aktuell/politik/inland/gastbeitrag-von-samuel-schirmbeck-zum-muslimischen-frauenbild-14007010.html [10-1-16]

nisse mit einem realistischen Blick auf die Omnipräsenz sexueller Übergriffe und einer überlegten Sprache zwischen angebrachter Bestürzung und vermeidbarer Instrumentalisierung. Deren Väter hingegen stellten im gleichen Interview angesichts der angeblich permanent bestehenden Vergewaltigungsgefahr durch Migranten die Integrität des Körpers ihrer Tochter als grundsätzlich gefährdet dar.23 Der Eindruck, es handle sich hierbei um ein Beispiel für eine neue Dimension von Kriminalität oder Gewalt wurde also mit der Vorstellung einer richtigen und einer „Parallelgesellschaft“, ja eines schwelenden Kriegs zwischen „uns“ und „den anderen“ verwoben. Dazu haben PolitikerInnen und Medien den entscheidenden Beitrag geleistet, indem sie den Eindruck erzeugten, es hätte sich bei den Übergriffen um eine konzertierte Aktion gehandelt, die in zahlreichen deutschsprachigen (die nationalistische Perspektive, also ein Angriff auf das „deutsche Volk“) oder westeuropäischen Städten (die kulturalistische Perspektive, also ein Angriff auf das „christliche Europa“) gleichzeitig stattgefunden hätte. Die Position von FeministInnen in diesen Debatten ist ambivalent: Zum Einen waren sie die schärfsten KritikerInnen der Panikmache und die einzigen, die darauf hinwiesen, dass Geschlechtergleichheit oder Verurteilung sexueller Gewalt gegenüber Frauen in einer Gesellschaft, in der die Objektivierung und Ausbeutung von weiblichen Körpern üblicherweise als Kavaliersdelikt betrachtet wird, nicht als Unterscheidungskriterium taugt. Zum Anderen waren es gerade populäre feministische Gruppen, die in den letzten Jahrzehnten erheblich dazu beigetragen haben, den islamophoben Rassismus als zentrale Größe in den politischen Debatten der Gegenwart zu verankern. In den Prozessen der Einteilung in „Wir“ und „die Anderen“ spielte Ge23 https://www.youtube.com/watch?v=mGAm7PEqnMo [7-1-16]. Ich danke Gernot Reinisch sehr für den Hinweis auf dieses Beispiel.

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schlecht seit der Aufklärung eine zentrale Rolle; in der daran anknüpfenden Darstellung eines Bedrohungs- oder Ausnahmezustandes wird es in der Gegenwart allerdings noch prominenter. Angesichts der wieder zunehmenden Bedeutung von Sexismus in europäischen Gesellschaften ist die Behauptung, dass „die Anderen“ an ungerechten Geschlechterrollen zu erkennen wären nicht nur eine glatte Verzerrung, sondern ein erneuter Missbrauch von Opfern der herrschenden Geschlechterverhältnisse. Schon von der Ferne ist diesen Diskussionen anzusehen, dass sie die ungelösten Fragen, die offenen Konflikte in den „eigenen“ Gesellschaften auf „die Anderen“ projizieren. Nicht nur damit verlegen solche Argumentationen die Grenzen der „Nation“ von außen nach innen. Auch wenn physische Staats- und Außengrenzen (wie in der „Festung Europa“) wieder neue Bedeutung bekommen haben, wird die Unterscheidung von Zugehörigkeit oder Exklusion vermehrt am Körper einzelner Menschen oder der Einschätzung einer ganzen Gruppe pauschal entschieden, die durch Hautfarbe, Auftreten und Kontext in „problematisch“ und „gefährlich“ oder „schützenswert“ eingeteilt werden. Der gegenwärtige „Schock“ hat nicht im Geschehenen seine Wurzel, sondern in den Zuordnungen und Etiketten, die damit verbunden wurden.

Meja vznemirjenosti

Predstave o spolu ob izkrivljanju begunskih migracij v pretečo grožnjo � Stefan Benedik � David Kranzelbinder � Ana Jasmina Oseban

V graškem mestnem parku stojita bakrena odlitka alegoričnih figur Austrie in Styrie, ki sta bila prvotno postavljena na glavnem mostu deželne prestolnice in sta nazorno ilustrirala samopojmovanje nemškonacionalne mestne politike 19. stoletja. Z »nemškim« hrastovim listjem ovenčana Styria kakor nekoč usmerja meč proti jugu, tja, kjer so dominantne sile graškega meščanstva v 19. stoletju slutile grožnjo »svojemu« mestu: proti slovensko govorečemu prebivalstvu dežele, proti zamišljeni »jezikovni meji«. Tako kot so v enaki geografski konstelaciji, kot si jo je leta 1891 za most zamislil Hans Brandstetter, ponovno postavili oba kipa v mestnem parku leta 1970,1 tako so se ves čas vzdrževale pri življenju tudi predstave o »ogroženi meji« in »nevarnosti z Jugovzhoda«.2 Če se ozremo na jesen 2015 in si zastavimo na videz preprosto, pa vendar ključno vprašanje, zakaj je na Štajerskem zaradi beguncev, ki so prečkali slovensko-avstrijsko mejo in bodisi vstopili v deželo ali samo potovali skoznjo, nenadoma zavladala takšna panika in občutek ogroženosti, medtem ko je v povsem primerljivih dogodkih na Gradiščanskem že tedne in mesece prej vse potekalo relativno mirno, neizbežno naletimo na zgodovinske predstave o ogroženosti, ki se lahko – kot vidimo – brez težav prenesejo v sedanjost. Dejstvo je namreč, da vznemirjenost nima prav nič opraviti s tem, da bi bila situacija na mejnem prehodu Spielfeld/Šentilj kakorkoli teže obvladljiva kot na mejnem prehodu Nickelsdorf, ali da bi bilo tam na voljo manj prostovoljcev. Razloge je treba iskati globlje – prvič, v temeljno razlikujoči se pogojenosti obeh segmentov meje. Medtem ko se je samopojmovanje Gradiščanskega v Drugi republiki razvilo v smeri ustvarjanja večjezične regije, kjer se izkustvo sobivanja različnih »narodnostnih skupin« dojema kot nekaj pozitivnega, se Štajerska v svojem bistvu še zmeraj dojema kot pokrajina enojezičnih »deželanov«. Za obema konceptoma se sicer skrivajo nacionalizmi 19. stoletja, vendar je pri dojemanju in odnosu do meje temeljna razlika v tem, ali prevladuje predstava o »nacionalno« homogeno poseljenem območju ali pa o deželi, v kateri drug ob drugem obstajajo različni »narodi«. Učinki teh okoliščin postanejo še zlasti vidni, ko se dotaknemo odnosa do beguncev in njihove podobe v javnosti. Mehanizmom, ki jih je navedel Eduard G. Staudinger, zgodovinar mejnih študij (border studies), v svoji pronicljivi analizi meja pri krajih Šentilj-St. Egidi, Radgona-Radkersburg-Regede ali Cmurek-Mureck ob insceniranju politične vznemirjenosti v času jugoslovanske državljanske vojne 1 Stefan Riesenfellner: Der ‚moderne‘ Denkmalkult an der Peripherie. Grazer Denkmäler von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. V: Stefan Riesenfellner (Ur.): Steinernes Bewußtsein I. Die öffentliche Repräsentation staatlicher und nationaler Identität Österreichs in seinen Denkmälern. Dunaj, Köln, Weimar, 1998. Str. 167–224, citat str. 188. 2 Heidemarie Uhl: Transformationen des österreichischen Gedächtnisses. Geschichtspolitik und Denkmalkultur in der Zweiten Republik, v: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte, 1/29 (2000), str. 317–341.

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leta 1991, smo bili ponovno priča tudi v zadnjem četrtletju leta 2015.3 Politiki in novinarji so z uporabo premišljenih dramaturških prijemov in izkrivljenih naracij ustvarili podobo ogroženosti (implicitno nemškogovorečega in nemuslimanskega) prebivalstva dežele. Na meji se ta domnevna grožnja zgosti, postane vidna in občutna, se tako rekoč preobrazi v fizično oviro, četudi resnična meja ni predmet, ki bi lahko postal otipljiv, viden ali občuten. Vse to nima čisto nič opraviti z ljudmi, ki so obtičali na meji in bili prisiljeni čakati na nadaljevanje poti, pač pa toliko več z uradno samopodobo avstrijsko-nemškogovoreče Štajerske in z implicitnimi nacionalizmi, ki prežemajo politiko in novinarstvo. Navidezno skupna retorika »ogrožene«, »preobremenjene« ali »prenapolnjene 3 Eduard G. Staudinger svojih analiz o reprezentacijah slovensko-štajerske meje v jugoslovanski državljanski vojni doslej še ni objavil. Nadvse sem mu hvaležen za stalno pripravljenost na izčrpne pogovore o tu predstavljenih in drugih dognanjih.

Meja vznemirjenosti

Evrope« je samo skupek floskul in kodov, ki nacionalizmom v različnih predelih celine nudijo današnjemu času in mišljenju sprejemljivo obliko za ubeseditev utečenih predstav o tujcih in sovražnikih, še zlasti pa za »lastne« naracije o strahu in žrtvah. Pod masko reakcije na namišljeno grožnjo forsirana agitacija s temi mehanizmi ustvarja realne krize, ki abstraktne grožnje pretvorijo v resnične in s tem agitacijo navidezno upravičijo. Drugič, na mejnem prehodu Šentilj/Spielfeld se je simbolno potrdilo to, o čemer raziskovalci in raziskovalke migracij in meja že dolgo razpravljajo, in sicer, da zamisel o svobodnem pretoku ljudi in nepomembnost meja znotraj Evrope ne temelji na inkluzivnosti in toleranci, temveč na izključevanju in dis-

kriminaciji.4 Kdor je v zadnjih letih potoval po centralni Evropi, je lahko opazoval točno te mehanizme, čeravno v bistveno manjšem obsegu: policisti in policistke so kontrolirali potnike na vlakih po rasističnih kriterijih, vse »belopolte« ali vsaj »zadosti belopolte« potnike pa so pustili popolnoma pri miru. Ta premik meja v notranjost je bil, kot zdaj vidimo, samo simbolični izraz politike, ki ni spremenila prav ničesar v zvezi z realno veljavnostjo državne meje. V samo nekaj urah lahko ponovno postavimo železne zavese (celo tam, kjer jih nikoli prej ni bilo), maskiramo postavlja4 Prim. pars pro toto že leta 2003 izraženih tez Keesa Groenendijka o prestavljanju evropskih meja v notranjost šengenskega prostora: Kees Groenendijk: New borders behind old ones. Post-Schengen controls behind the internal borders and inside the Netherlands and Germany. V: Kees Groenendijk, Elspeth Guild, Paul Minderhoud (Ur.): In search of Europe’s borders. Den Haag, 2003, str. 131–146. Iskrena zahvala Danielu Söderlindhu za pogovor v septembru 2015, ki me je pripeljal do argumentacije, izražene v pričujočem prispevku.

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nje ograj v »gradbene ukrepe« ali druge novinarske popačenke5, ki namigujejo na vzpostavljanje znotrajevropskih meja v povsem drugačnih kontekstih, na delitev Evrope v času hladne vojne. V teh jesenskih dneh sem se vedno znova spraševal, kako je mogoče, da številni ljudje, ki me obdajajo, tako sproščeno sprejemajo dogodke, in preprosto nisem prišel do drugega zaključka, kot da »smo« že tako ponotranjili diskriminatorni značaj prostega pretoka znotraj EU, da tudi že točno vemo, da se »mi« smemo brez težav odpraviti v opero v Mariboru, četudi bo na meji postavljen trimetrski zid, saj ti »gradbeni ukrepi« pač niso uperjeni proti »nam«. Eduard G. Staudinger je nadvse pronicljivo ubesedil tovrstno različno prepustnost meje in njen učinek v vlogi simbolne bariere z uporabo metafore letališča: »[To] so konkretni kraji, kjer v ozkih prostorih in hodnikih s številnimi vrati in okenci prihaja do zelo neposrednih zaznav in izkustev meja, razmejitev, pripadnosti in nepripadnosti. Na letalu potniki sedijo drug zraven drugega. Ko se začnejo pomikati proti kontroli potnih listov, pa se njihove poti ločijo.«6 Izključevanje zaradi spola kot simbola V pričujočem prispevku ne bi rad izpostavil le, kako velik politični spektakel je pravzaprav ograjevanje beguncev, ki je sploh vzpostavilo izredno stanje, ampak želim tudi eksemplarično razpravljati o tem, kako se lahko občutek ogroženosti še posebej nazorno vzdržuje s

5 Prva uradna označba obmejne ograje, ki jo je uporabila avstrijska ministrica za notranje zadeve, se je glasila »gradbeni ukrep«. Pozneje je ta izraz nadomestila vrsta drugih evfemizmov za »ograjo« ali »ograjevanje«. Prim. APA: Spielfeld: »Bauliche Maßnahme« soll Grenze sichern, v: Salzburger Nachrichten, 28-10-2015. 6 Eduard G. Staudinger: Aspekte zum Thema »Grenzen – Grenzziehungen« aus regionalgeschichtlicher Perspektive. V: Helmut Konrad, Stefan Benedik (Ur.): Mapping Contemporary History II. Exemplarische Forschungsfelder aus 25 Jahren Zeitgeschichte an der Universität Graz. Str. 99–108, citat str. 108.

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stalnim namigovanjem na spol.7 Kot vsaka diskusija o migracijah ima tudi iznajdba »begunske krize« s tematiko spola prežeti subtekst, ki učinkuje na najmanj treh ravneh. Pri tem ne analiziram migracij samih na sebi, že tako ali tako določenih z vrsto drugih predstav o družbenem spolu, na čelu s »tihotapci ljudi« in z njihovimi »žrtvami« ali z begunci kot brezimno množico, kot razosebljenim »valom«, ampak premišljujem o tem, kako lahko argumentacije, izhajajoče iz različnih predstav o spolu, na mejah dežel EU konstruirajo »state of emergency« in kako se je to, povsem konkretno, odvijalo na slovensko-avstrijski meji. Kot prvo, se (družbeni) spol uporablja v smislu diferencirajočih značilnosti, kadar denimo izbrane ljudi označimo za »tujce«. V samem jedru lahko to reduciramo na predpostavko, da je »druge« mogoče prepoznati po spolnih vlogah, ki so drugačne, morda celo po drugače oblikovanem družbenem spolu. V ozadju te predpostavke je dolga etnološka tradicija razmišljanja v kategorijah »kulturnih razlik«, v predstavah enakosti do »svojih« in različnosti do »drugih«.8 Tako ustvarjena dihotomna ločevanja sveta so v svojem bistvu paradoksalna in fragilna, predvsem pa nasprotujejo vsakodnevni percepciji. Razlikovanja med »Zahodom«, zaznamovanim z enakostjo spolov, in »Orientom«, ki ga zaznamuje patriarhat, denimo sploh ni mogoče vzeti pod drobnogled ali preverjati – ne le zato, ker v Evropi ni sprejetega konsenza o feministični politiki, temveč tudi zato, ker svoboda in odločanje o sebi, plakativno rečeno, nista neločljivo povezani niti z arhetipom mini krila niti z arhetipom naglavne 7 Prim. eksemplarično María do Mar Castro Varela, Nikita Dhawan: Queer mobil? Heteronormativität und Migrationsforschung. V: Lutz, Helma (Ur.): Gender Mobil?, Geschlecht und Migration in transnationalen Räumen. Münster, 2009, str. 102–121. 8 K prepletenosti orientalizma s spolom prim. Monica Rüthers: Juden und ZigeunerimeuropäischenGeschichtstheater. »Jewish Spaces«/»Gypsy Spaces« – Kazimierz und Saintes Maries de la Mer in der neuen Folklore Europas. Bielefeld, 2012.

rute. Da ostajajo predstave o spolu kot pokazatelju razlik tako trdovratne kljub temu protislovju, gre pripisati njihovi funkciji, ki se orientira po potrebah skupine »mi«, ki torej na neki način udejanja »našo« težnjo po preglednosti globaliziranega sveta. Če »migrantk« že ne moremo prepoznati po barvi kože, jih vsekakor lahko prepoznamo po naglavni ruti, se glasi sprejeta ureditev sveta. Da opredelitev na nosilke naglavne rute brez priseljenskih korenin ne vzdrži, v enaki meri kot ni veljavna za muslimanke oziroma migrantke brez nagnjenosti do tega kosa oblačila, povzroči samo še vehementnejšo in žal pogosto tudi militantnejšo obrambo dozdevno »jasno« razdeljenih vlog.9 Kot drugo, pa je razprava o migraciji vselej zaznamovana s spolno določenimi oblikami argumentacije, z jezikom, ki je prežet z metaforami, navezujočimi se na ženskost in moškost. Pri percepciji migrantov in migrantk prevladujejo lastnosti kot »zaostalost«, »nekulturnost« in »antiintelektualnost« / »iracionalnost«. S tem jih umeščamo na položaj, ki je že od meščanske dobe rezerviran za ženske. Tovrstno simbolno delitev v »pred« in »za« mejo, v »zunaj« in »znotraj«, najdemo tudi v opisih čakajočih beguncev na mejnem prehodu Šentilj/Spielfeld, ko poročevalci omenjajo »kaos«, »nepreglednost«, »nemire«, »dramatičnost« ali »umazanijo«.10 V ozadju so tradicionalni vzorci razmišljanja o »Orientu«, »Balkanu« ali »slovanskosti«, ki že od nekdaj delujejo tudi v 9 K naglavni ruti prim. zlasti Christina von Braun, Bettina Mathes: Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen. Berlin, 2007; Leila Hadj Abdou: Das muslimische Kopftuch und die Geschlechtergleichheit. Eine Frage von Kultur oder Religion? V: Femina Politica 1/1 (2008), str. 68–80. 10 Prim. denimo http://kurier.at/chronik/oesterreich/spielfeld-chaos-tage-in-den-weinbergen/164.280.886 [19-11-15]; http://www. krone.at/Oesterreich/Chaos_und_Pruegelei_an_unserer_Grenze-Brennpunkt_Spielfeld-Story-478483 [19-11-15]; Flüchtlinge: Tumulte in Spielfeld, na spletu: http://steiermark.orf.at/news/stories/2737792/ [1911-15]; Unübersichtliche Lage in Spielfeld, Televizijski prispevek ORF ZIB 1, 22. 10. 2015.


smislu poženščenega razvrednotenja »drugega«, dojemanja le-tega kot »babjega« in »mehkužnega«. Na konkretni meji med Slovenijo in Avstrijo se je ta naboj stereotipov o spolu ukoreninil tudi v nemškonacionalnih naracijah 19. in 20. stoletja, v katerih se je »jezikovna meja« propagirala kot meja družbenega spola, kot kraj, na katerem sta se v temelju izoblikovala »nemški red« in »nemška odkritost« v nasprotju s »slovansko lažn(iv)ostjo«.11 Tovrstna predstava se mimogrede pogreva tudi v samopripovedih Avstrije ali Nemčije kot »varnega pristana« za begunce v Evropi, ki se vse bolj utaplja v ksenofobiji in izrazih javnega nasprotovanja. Preteči kazalec, s katerim nad rasisti in rasistkami onstran meja, pa naj gre za Slovenijo, Madžarsko ali Slovaško, žugajo zagovorniki humane begunske politike, si prizadeva povleči ločnico tudi tam, kjer združeni desničarski skrajneži v paradoksalni transnacionalnosti srednjeevropskih nacionalizmov demonstrirajo njeno popolno nasprotje. K tovrstnim rabam spola kot simbola v kontekstu migracij je ne nazadnje treba prišteti tudi številna namigovanja na izraze neukročene moškosti v militantnem opisovanju situacij. Kadar mediji spregovorijo o »navalu beguncev«, o »naskoku« in »obleganju«,12 se za tem skriva kulturnopesimistična zgodba o propadu, obtožujoča »na glavo postavljeni« svet, v katerem smo »mi« poženščeni in pomehkuženi, ker ne zmoremo odvrniti nadčloveških in močnih zavojevalcev.13 11 Prim. Heidrun Zettelbauer: Das nationale Erweckungserlebnis Ida Maria Deschmanns, geschildert im Jahre 1919. Oder: Vom Ein/ Schreiben lebensgeschichtlicher Ereignisse in einen nationalen Bezugsrahmen. V: Margit Franz et al. (Ur.): Mapping Contemporary History. Zeitgeschichten im Diskurs. Wien, Köln, Weimar, 2008, str. 203–242, citat str. 231. 12 Prim. analitično perspektivo na metaforiko v upodabljanju migracij: Ruth Wodak, Theo van Leeuwen: Legitimizing Immigration Control. A discourse-historical analysis. V: Discourse Studies 1/1 (1999), str. 83–119. 13 O filozofski utemeljitvi in povezanosti kulturnega pesimizma in podob o spolu prim. Doerte Bischoff: Ausgesetzte Schöpfung. Figuren der Souveränität und Ethik der Differenz in der Prosa Else Lasker-Schülers. (= Hermaea 95). Tübingen, 2002, str. 69–70.

Meja vznemirjenosti

Kot tretje, pa se prikazi migracij navsezadnje vedno poslužujejo podob, ki imaginirajo spol kot biološko, zanesljivo obliko delitve. Ko se razjasni, ali so migranti ženske ali moški, so očitno na voljo vse potrebne informacije, da si o njih ustvarimo popolno sliko, saj se moški in ženske pač že v temelju, »po naravi«, razlikujejo. To veselje do predalčkanja se nadalje bohoti v delitvi beguncev na »legitimne«, »zaščite vredne« in »ogrožene« žrtve v nasprotju z »nevarnimi« in s »težko izsledljivimi« »potencialnimi teroristi«. Ta dihotomija se v javnem govoru osredišča zlasti na nasprotje »žensk in otrok« proti (zlasti »mladim«) moškim. Da te razločevalne kategorije dominirajo, nikakor ni samo po sebi umevno, pač pa je do tega pojava prišlo šele po javni razpravi poleti 2015. Pred tem so bili ključni drugi kriteriji, denimo razlog za begunstvo (neželeni »gospodarski migranti« proti legitimnim »vojnim beguncem«) ali pa državljanstvo posameznikov in posameznic, ki so prihajali bodisi iz Sirije, Kavkaza, Jugovzhodne Evrope ali Afganistana. Vse te kategorije se napajajo iz želje po zamejitvi in obvladovanju nekega pojava ter potrebe po enoznačnih, razumljivih in obvladljivih okoliščinah. Da se tovrstno razlikovanje zdaj orientira po meji med spoloma, pa je mogoče pojasniti z uveljavljenimi kulturnimi kodi oziroma s tem, da je možno predstave o nasilju, agresivnosti, grožnji in nevarnosti, v nasprotju z vlogo žrtve, pasivnostjo, miroljubnostjo in nenasilnostjo, po vsem sodeč »naravno« pripisati eni ali drugi s spolom določeni strani. To se, mimogrede, dogaja v nenavadnem navzkrižju z dejanskim potekom stvari, v katerem se na primer na naslovnicah časopisov vse pogosteje znajdejo teroristke, in tudi neodvisno od namer tistih, ki pripovedujejo tovrstne zgodbe in ustvarjajo te podobe. Prav migracijam prijazna in antirasistična javna prizadevanja namreč v veliki meri usmerjajo žarišče na otroke in ženske kot na legitimne begunce – s spletnih strani in plakatov organizacij za pomoč nas gledajo izključno otroške oči, ti otroci pa se praviloma držijo rok

svojih mater in s tem razširjajo predstavo o navzven prepoznavni potrebi po zaščiti ter o tem, da je mogoče že »instinktivno« določiti, kdo bi lahko bil potencialni terorist in kdo ne. »Za zaščito žensk in otrok« Kako poljubno lahko uporabljamo te predstave o obžalovanja vrednih, nemočnih žrtvah, kaže tudi politična razprava, v kateri je bil namig na »ženske in otroke« uporabljen celo kot utemeljitev za razmejevanje in ograjevanje beguncev. Tako je namreč argumentirala avstrijska ministrica za notranje zadeve Johanna Mikl-Leitner, ko je prvič zahtevala postavitev obmejne ograje na prehodu Spielfeld/Šentilj, z argumentom, da bodo v nasprotnem primeru »ženske in otroci« izpostavljeni nevarnosti.14 Za to cinično argumentacijo se, poleg dokaza o variabilnosti tovrstnih podob, skriva kolonialni mit o poslanstvu: za žrtve ni nevarno to, da so na avstrijski državni meji izpostavljene nevzdržnim okoliščinam, pač pa to, da »tuji« moški v ihti čim hitrejšega vstopa v Avstrijo jemljejo v zakup tovrstne žrtve »med svojimi«, kot se jim rado podtika. Celo ta logika postavitev ograje podpira samo v domnevi, da obramba pred »tujim« prinaša varnost.15 Da tovrstna politika zaradi simbolnih ukrepov žrtvuje dejansko varnost ljudi in njihovih osnovnih potreb, ni le naključje, temveč del miselnosti podrejanja in obvladovanja drugega, ki sta imanentna »razmejevanju/ograjevanju«. Ob dejstvih lakote in mraza lahko nazorno vidimo, kako na mestu so bili občutki ogroženosti in potreba po zavarovanju meje. 14 »Ukrep ne bi koristil samo ‚nadzoru vstopa’, temveč bi zaščitil tudi begunce, je pojasnila ministrica. Če v skupini tisočih ljudi pride do preplaha in ‚potiskanja od zadaj‘, bi bili vendar ogroženi tudi ženske in otroci.« Thomas Neuhold: Mikl-Leitner: Österreich wird zum Zielland für Asylwerber. V: Der Standard. 30. 10. 2015. 15 Prim. zlasti Elahe Haschemi Yekani: Enlightened Imperialism. Der englische Gentleman-Hero als Erlöser. V: Sven Glawion, Elahe Haschemi Yekani, Jana Husmann-Kastein (Ur.): Erlöser. Figurationen männlicher Hegemonie. Bielefeld, 2007, str. 97–110.

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Pri tem je enačenje »legitimnih« beguncev z otroki ali ženskami problematično tudi zato, ker ne izvira iz dejanske ogroženosti, ampak izključno iz pričakovanj in želja tako imenovane »družbe gostiteljice«, ki na povsem simbolni ravni določa, kdo potrebuje »našo« pomoč in kdo, nasprotno, ne more biti »nedolžen«. Mimogrede, zamisel o otrocih kot želenih ali sprejemljivih migrantih oz. migrantkah nikakor ni samoumevna. Zgodovinsko gledano, so bile okoliščine delovnih migracij v drugi polovici dvajsetega stoletja ravno nasprotne. Zaželeni profil »delavca migranta« je ustrezal natanko tistemu mlademu, neporočenemu moškemu, ki se zdaj uporablja za oblikovanje grozečih scenarijev. V teh okoliščinah so bili ravno otroci neželeni element, saj so nasprotovali konceptu tovrstnih migracij, temelječem na začasnosti, v šolah so bili prav oni »problematični otroci«, predvsem pa so predstavljali tisti vidik migracije, ki povzroča samo stroške, ne prinaša pa nobenih koristi.16 Podobne, čeravno iz drugih razlogov, so predstave o spolu migrantov in migrantk v Gradcu, ki beračijo na ulicah. Tam so bili in so še vedno otroci po eni plati sicer predstavljeni kot žrtve, ki naj bi jih instrumentalizirali »beraški šef« in njemu podložne matere, po drugi plati pa so ravno zaradi tovrstnih podob rabljeni kot dokaz »problema prosjačenja« ali celo »romskega problema« in zato rigorozno preganjani. Iz posledic (starši brez prihodka) in pomanjkanja kakršne koli oblike varstva otrok lahko ponovno razberemo, da se tovrstne slike ne interpretirajo v interesu »žrtve«.17 16 Prim. pravni okvir o poznejši združitvi družine za delovne migrante pretežno turškega izvora v Nemčiji: Andreas Treichler: Arbeitsmigration und Gewerkschaften. Das Problem der sozialen Ungleichheit im internationalen Maßstab und die Rolle der Gewerkschaften bei der Regulation transnationaler Migration, untersucht am Beispiel Deutschlands und der Arbeitsmigrationen aus der Türkei und Polen. Münster, 1998, str. 179–185. 17 Prim. Stefan Benedik: Seductive Bodies, (In)Escapable Belonging. Sexualisation and Racialisation of the Romani Subject in Contemporary Central European Performances. V: Markus End, Ian Hancock, Pia Laskar, Jan Selling (Ur.): Antiziganism. Cambridge: Cambridge Scholar, str. 287–304.

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Tovrstne zgodbe o žrtvah tudi v povezavi z begunci povzročajo konkretno škodo, saj najmanj na treh ravneh močno slabšajo konkretne življenjske okoliščine pomoči iščočih migrantov in migrantk. Kot prvo, se zgodbe o žrtvah razširjajo na plečih zgodb o storilcih, ki (zlasti mlade) moške predstavljajo kot »deficitarne« begunce, pogosto celo kot »navidezne begunce«, ki utegnejo biti potencialni islamistični borci in nikakor niso vredni zaupanja. Pristranska prezentacija otrok kot žrtev torej rezultira iz javne obsodbe moških kot storilcev. Kot drugo, zaključene predstave o dihotomni strukturi žrtve proti storilcu sicer po eni strani temeljijo na kulturnem modelu dvospolnosti, vendar ga po drugi strani tudi razširjajo. Najzgovornejši primer tega je vzpostavitev podpornih struktur, tako s strani države kot večine nevladnih organizacij, omejenih na dihotomne predstave o spolu. Ponudba prenočišč in pomoči je zastavljena po principu »idealnega« ločevanja »moških« od »žensk z otroki«. Kadar v takih primerih imaginacije trčijo ob socialno realnost, to pravzprav jasno pokaže, kako zmotne so razširjene podobe. V praksi zaradi tega vsi tisti, ki se ne skladajo z danim rastrom, pristanejo med obstranci. Šele to pravzaprav oteži situacijo družinam, ki ne ustrezajo pričakovanjem, saj se denimo problem, kje naj se tuširajo dekleta, ki potujejo samo v spremstvu očetov, ne smatra kot relevanten. Tretji učinek vztrajanja pri s spolom določeni matrici storilec/žrtev je povezan z nasiljem: z reifikacijo hegemonialne moškosti, torej z razširjanjem predpostavke, da migrirajo samo moški, ki so obenem nevarni, se oktroira patriarhalna ureditev. To je v temeljnem nasprotju s situacijo, v kateri so enako dejavne tudi ženske, in poleg tega storilke v vojni, enako odgovorne za množično bežanje, oprošča vsakršnih obtožb. Časopisi in televizijski prispevki, pozivi nevladnih organizacij k darovanju in politična retorika pa, nasprotno, operirajo

z razširjanjem predstave, da smejo prečkati mejo samo majhni otroci. Za to infantilizacijo globalnih migracij in njenimi vzroki se slutijo kolonialne fantazije odvzemanja moči, obvladovanja in vzgajanja. Take podobe si z vsemi sredstvi prizadevajo potisniti v nevidnost vse, kar ni skladno s heteronormativno, binarno matrico, in to zamenjati z znanimi in grozečimi slikami. V medijskih prikazih čakajočih beguncev na meji Spielfeld/Šentilj se je izkazalo, kako zlahka se odrečemo občutkom evropske povezanosti, solidarnosti z žrtvami vojne, načelom humanosti, pa tudi lastne brezskrbnosti. Brez vsake potrebe se z rasistično in s predsodki nabito retoriko vzbuja občutek ogroženosti, ki v prevladujoči percepciji navidezno upravičuje nenehne kršitve temeljnih človekovih pravic. Ignoriranje in obvladovanje pa sta prav tako osrednji smernici antirasističnih in beguncem prijaznih prispevkov v javnem diskurzu. Tovrstna mnenja doslej namreč niso poskušala orisati kompleksne, večplastne slike, temveč za lase privlečenim mitom samo postaviti nasproti jasne razlage, na katere so navezala zgodbe o žrtvah ter reducirala množični beg na družbeni problem in splošno tvegano situacijo. S tem pa vznemirjenja oziroma domnevnega izrednega stanja niso preprečila ali ga relativirala, ampak so ga z drugačno argumentacijo samo še bolj podžgala. In v tem je resnični problem, saj so opisi scenarija v sili vsem prizadetim in vpletenim samo še bolj škodili, tako ustvarjene podobe in zgodbe pa niso v skladu z begunci in njihovimi izkušnjami. Prej bi še bilo možno zgodbe o begu predstaviti kot zgodbo o uspehu, kot rezultat vztrajnosti in poguma (kot to denimo v kontekstu bega iz totalitarnih sistemov povsem samoumevno počenjamo »mi«). Te priložnosti pa so bile zavržene v korist voajerskega razgaljanja trpljenja in bede. Post scriptum Dobršen čas po oddaji tega pisnega prispevka uredništvu se je v javni razpravi o napadih na telesa in lastnino žensk na


silvestrovo v Kölnu, o katerih so množično poročali mediji, vrsta v pričujočem besedilu opisanih aspektov zgostila v razvoj, ki ga ne moremo več označiti samo kot vznemirjenost, temveč že kot kolektivno izkušnjo negotovosti, če ne celo ogroženosti. Teh dogodkov v predstavljenem prispevku seveda ni bilo mogoče upoštevati, zato besedilo na tem mestu na kratko dopolnjujem. Množični »šok« izhaja iz – kot se to pogosto dogaja v razpravah o migracijah – premika količinskih dimenzij in razširjanja številk o obsežnosti dogodkov, iz katerih se napajajo predstave gigantskega obsega. Z njimi se krepijo obstoječi strahovi pred nesluteno in neobvladljivo problematiko. Mediji so tik pred novim letom poro-

Meja vznemirjenosti

čali o »stotinah«18, če ne celo »tisoč«19 moških, pozneje označenih kot »bande«, in jih z različnimi formulacijami označili za »tujce«. Temu pa, kot je bilo večkrat (brezuspešno) kritično pripomnjeno20, ni sledila javna razprava o seksizmu oziroma o kulturno vpetih strukturah nasilja proti posameznemu spolu, ki ženske dojema kot »spolno razpoložljive«, pa18 Prim. pars pro toto http://diepresse. com / home /panorama / welt /4 898151/ Ko ln _ S c h o c k- u b e r- s e x u e ll e - A n g r i ffe [5-1-16]; http://www.sueddeutsche. de/pa­n o­r ama/straftaten-an-silvester-vo­ ellig-enthemmt-polizei-staunt-ueber-gewaltin-koeln-1.2805623 [5-1-16]. 19 Prim. http://deutsche-wirtschafts-nachr i c h t e n . d e / 2 016 / 01 / 0 4 / g e s p e n s tisch-1-000-maenner-belaestigen-in-koeln-frauen-ignorieren-polizei/ [4-1-16]; http://www.focus.de/regional/koeln/silvesternacht-am-koelner-hauptbahnhof-grupp e -von -10 0 0 - maennern -fuer- s exuelle-uebergriffe-verantwortlichId_5188685. html [4-1-16]. 20 Prim. kot najprominentnejšo feministično protipozicijo: http://www.sueddeutsche. de /panorama / feminismus -ausnahms lo s - ein - neue r- auf s chrei - na ch - ko eln-1.2813048 [12-1-15].

sivne in nemočne, ampak različica prevladujoče razprave o preseljevanju, ki se je vnela zaradi tega domnevnega primera »migrantskega nasilja«. To ima le malo opraviti z resničnimi dogodki, 21 kot je razvidno tudi iz celotne produkcije novinarskih besedil, v katerih ob zanemarljivem številu reportaž prevladujejo zlasti osebna mnenja piscev. Še danes ni jasno, kaj se je v resnici dogajalo, očitno pa se vsi strinjajo, kakšne posledice bodo iz tega sledile. K zamegljeni podobi je med drugim prispevala mešanica spolnega nasilja, tatvin, metanja petard in same navzočnosti moških. Prenagljene sklepe, do katerih je prišlo, si lahko po eni strani razlagamo s predstavami, o katerih sem pisal v zgornjem prispevku, zlasti s sliko mladega prosilca za azil moškega spola, ki naj bi 21 V času pisanja tega dodatka k prispevku je bilo v policijski obravnavi 19 obtožencev, prim. http://www.sueddeutsche.de/ politik /ermittlungen-zu-den-uebergriffen-in-koeln-vor-allem-marokkaner-fallen-auf-1.2814336 [12-1-16].

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se po stopnji civiliziranosti in (ne)obvladovanju svojega spolnega nagona v temelju razlikoval od »nas« in ga zato lahko predstavimo kot prototip »terorista«, »člana bande« ali pač »storilca spolnega kaznivega dejanja«. Po čustveni intenzivnosti ter množici do islama sovražno nastrojenih in rasističnih mnenj, ki so bila opazna tudi v sicer po diferenciranem jeziku znanih medijih, pa lahko vidimo, kako močno so uredništva kakovostnih medijev že dovzetna za in pripravljena na eskalacijo jezika. 22 To pa je samo ena plat trenutno prevladujoče argumentacije. Če si zadevo pogledamo pobližje, se izkaže, da so v razorožujoči dikciji o »nemških« ženskah kot kolektivnih žrtvah »črne« agresije ponovno oživeli dve tradicionalni smernici: prva je na spol vezana retorika vojne, s katero se simbolično udriha po celotni skupini »tujih« moških kot posiljevalcev. Kot drugo, pa se je ponovno začela tkati nit nacionalističnega poveličevanja ženskega telesa kot zaklada »narodove časti« in »valilnice ljudstva«. Izolacija ženskega od »tujcev« razen tega ni imela oz. nima le simbolnega pomena, temveč tudi praktično-političnega, saj ženske pogosto veljajo za ideološko »nezanesljive«, podvržene zapeljevanju in potencialno odpadniške. Soočenje (navidezno naivnih) žensk, ki se ogibajo konfliktom ali jim zmanjšujejo pomen ter histeričnih in paranoidnih (navidezno previdnih) moških se je ponovno aktualno izrazila v posameznih intervjujih k napadom v Kölnu. Pred televizijskimi kamerami so mlade ženske, ki so bile v kölnski silvestrski noči žrtve spolnega nasilja, diferencirano opisovale dogodke ter jih povezovale z realističnim dojemanjem vseprisotnosti spolnih napadov in z rabo premišljenega jezika, zasidranega med razumljivo zgroženos22 Paradigmatski za ta razvoj je denimo komentar Samuela Schirmbecka: Die Vorfälle von Köln und der Islam: „Ihr täglich Stück Frau grapschen“. [sic]. V: Der Standard. 16./17.1.2015, Str. 38–39. Prvotno je bilo besedilo objavljeno na http://www.faz.net/ aktuell/politik/inland/gastbeitrag-von-samuel-schirmbeck-zum-muslimischen-frauenbild-14007010.html [10-1-16]

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tjo in instrumentalizacijo, ki se ji je mogoče izogniti. Nasprotno pa so njihovi očetje v istih intervjujih spričo domnevne stalno navzoče nevarnosti migrantskega posiljevanja dojemali integriteto teles svojih hčera kot v temelju ogroženo.23 Vtis, da gre pri celotni zadevi za primer nove razsežnosti kriminalitete ali nasilja, se je torej prepletel s predstavo o ločenosti na ustrezno in »paralelno« družbo, če ne celo o že tleči vojni med »nami« in »drugimi«. K temu so odločilno pripomogli predstavniki in predstavnice politike in medijev, saj so ustvarili vtis, da gre pri napadih za usklajeno akcijo, ki je bila hkrati izpeljana v številnih mestih nemškega jezikovnega območja (nacionalistična perspektiva, torej napad na »nemški narod«) ali zahodnoevropskih mestih (kulturalistična perspektiva, torej napad na »krščansko Evropo«). Pozicija zagovornic in zagovornikov feminizma je v tovrstnih razpravah ambivalentna: po eni strani so bili med njimi najostrejši kritiki širjenja panike in bili so tudi edini, ki so opozorili na okoliščino, da enakost spolov ali obsodba spolnega nasilja nad ženskami v družbi, kjer opredmetenje in izkoriščanje ženskega telesa običajno velja za kavalirski delikt, ne more biti kriterij razločevanja. Po drugi strani pa so ravno popularne feministične skupine v zadnjih desetletjih odločilno pripomogle k zasidranju islamofobnega rasizma kot osrednje problematike aktualnih političnih razprav. Spol je imel v procesih delitve na »nas« in »druge« osrednjo vlogo že od razsvetljenstva; v predstavah o ogroženosti in izrednem stanju, ki se nanj dandanes navezujejo, pa se bo njegov pomen samo še večal. Glede na ponovno naraščajoč pomen seksizma v evropskih družbah je domneva, da »druge« prepoznamo po nepravičnih spolnih vlogah, ne samo golo izkrivljanje resnice, pač pa tudi dodatna zloraba žrtev že vladajoče delitve spolnih vlog. Tem razpra23 https://www.youtube.com/watch?v=mGAm7PEqnMo [7-1-16]. Hvala Gernotu Reinischu, da me je opozoril na ta primer.

vam že na daleč vidimo, da projicirajo lastna nerešena vprašanja in odprte konflikte »svojih« družb na »druge«. Tovrstne argumentacije tudi s tem premikajo meje »naroda« z zunanjosti v notranjost. Četudi so državne in zunanje fizične meje ponovno pridobile na veljavi (pomislimo na »evropsko trdnjavo«), pa se razlikovanje pripadnosti oziroma izključevanje vse bolj množično izvaja na telesih posameznikov oziroma se pavšalno odloča o celi skupini ljudi, ki se jih po barvi njihove kože, vedenju in kontekstu označuje kot »problematične« in »nevarne« ter »vredne zaščite«. Trenutni »šok« potemtakem ne izhaja iz aktualnih dogodkov, temveč iz z njimi povezanih interpretacij in etiket.


Josef Klammer

„Hinüber sagt man jetzt nur mehr wegen der Brücke. Eine Grenze ist ja nicht. Im Kopf, denk ich, ist noch eine Grenze. Aber es haltet dich keiner mehr auf.“ Albert Pall

„Tja čez zdaj rečejo zgolj zaradi mostu. Saj meje ni. V glavi, menim, je še vedno meja. Toda ustavil te ne bo nihče.“ Albert Pall


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Mitterling

Eine Hörspielmaschine für einen imaginären Bahnhof � Elisabeth Fiedler � Andreas Stangl, Josef Klammer

Am 26. Oktober 2015 wurde am Bahnhof Bad Radkersburg eine Soundinstallation eröffnet, die ein Monat lang auf die einst durchgehend befahrbare Strecke Strass - Ljutomer (einst Luttenberg) aufmerksam machen soll. Eine durch die Neuerrichtung der 1945 gesprengten Eisenbahnbrücke über die Mur ermöglichte Verbindung dieser vor allem für den Personentransport wichtigen Strecke wird immer wahrscheinlicher. Dieses von Josef Klammer, Alber Pall und Joachim Baur für das Institut für Kunst im öffentlichen Raum konzipierte Projekt soll an dieser Stelle kurz vorgestellt werden. Grenzziehungen, deren Geschichte, mögliche Überwindung und Durchlässigkeit oder die Kooperationsbereitschaft von Nachbarstaaten sind hochaktuelle Themen. Eine konkrete ehemalige Verbindung, die durch nachfolgende politische Grenzziehung unterbrochen wurde, finden wir zwischen der südlichen Steiermark und Slowenien: Spielfeld-Straß und Luttenberg, heute Ljutomer, waren einst durch eine Bahnlinie verbunden. 1885 eröffnete der erste Teilabschnitt bis Radkersburg, 1890 erfolgte die Inbetriebnahme des Wegstückes bis Luttenberg. Mit Ende des Ersten Weltkriegs fiel der südliche Teil der Steiermark an Jugoslawien, wodurch auch die Eisenbahnstrecke bei km 32,5 geteilt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

wurde der Abschnitt zwischen Radkersburg und Gornja Radgona am 17. April 1945 eingestellt und später abgetragen. Auf dem heute slowenischen Teil gibt es noch Güterverkehr. Vor dem Hintergrund des Verständnisses der Steiermark als Brückenbauer zwischen Ost und West sowie zwischen Nord und Süd positioniert sich das Projekt Mitterling am namensgleichen Ort in der Mitte des abgebauten Teilstückes in künstlerischer Auseinandersetzung mit diesem Missing Link und der kulturellen Verbindung von Steiermark und Slowenien. Die Projektidee entstand in Kooperation mit dem Verein Neue Radkersburger Bahn, dem Kunstprojekt Zollamt sowie den Gemeinden Bad Radkersburg und Gornja Radgona und wurde gemeinsam mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum weiter entwickelt und umgesetzt. Als Hörspielmaschine für einen imaginären Bahnhof haben Josef Klammer, Albert Pall und Joachim Baur eine In­ stallation entwickelt, die für einen Pufferschluss zwischen den getrennten Teilstücken plädiert. In Mitten zweier unterschiedlicher internationaler Fahrverbotssignale auf österreichischer und slowenischer Seite sind auf einem Masten Bahnsteiglautsprecher und Bahnsteigleuchten montiert die nach Norden, Süden, Osten und Westen ausgerichtet sind. Um den Bahnsteigmasten führt ein kreisrunder Weg, der auf das international gültige Logo (Kreis und

Elisabeth Fiedler, wurde am 21.2.1960 in Graz geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Graz arbeitet sie als Regieassistentin beim ORF, als Kulturredakteurin der Neuen Zeit, im Grazer Kunstverein, organisiert, begleitet und führt Kunstreisen. Von 1992 bis 1996 zeigte sie als Referentin für Bildende Kunst im Forum Stadtpark steirische und internationale Positionen in Personalen und Gruppenausstellungen, veranstaltet Symposien und publiziert, parallel dazu eröffnet und bespielt sie das Forum Stadtpark Prag und vergibt Auslandsstipendien nach New York. Nach ihrer Zeit als Referentin für Kunst im Büro des Kulturlandesrates der Steiermark arbeitet sie seit 2001 als Kuratorin, Autorin und stellvertretende Leiterin der Neuen Galerie, als Departmentleiterin und seit 2011 als Leiterin und Chefkuratorin des Österreichischen Skulpturenparks und des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum am Universalmuseum Joanneum in Graz.

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Mittelpunkt) für Zentrum, Fundort und bedeutungsvolle Markierung steht. Fünf Stimmen sind hier zu hören, deren Texte im Zufallsmodus stets neue Kombinationen ergeben. Eine weibliche und eine männliche Stimme, die in Deutsch und Slowenisch spricht und eine synthetische, die in englischer Sprache den Duktus der Informationsdurchsagen auf Bahnhöfen ähnelt. Die Texte von Albert Pall, gebaut nach dem System „call and response“, werden wie bei einem Kartenspiel im Zufallsmodus gemischt und entwickeln ein unendliches Hörspiel, in dem die männliche, weibliche und synthetische Stimme in Dialog treten. Inhaltlich setzt sich der Text mit der Möglichkeit eines bestehenden Bahnhofes auseinander. So werden in Satzbausteinen Gedanken angesprochen und initiiert, die sich mit Bahnhof und dessen Umgebung, Bewegung, Weg, Begegnung, Trennung, Austausch etc. beschäftigen, Kopf und Körper berühren.

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Den Klang entwickelte Josef Klammer gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen des BORG Radkersburg. In 4 x 128 Klangfragmenten werden Möglichkeiten von Klängen, die für einen Bahnhof in Frage kommen, ebenfalls im Zufallsmodus, abgerufen. Die Musik, der Sound generiert sich somit unmittelbar vor Ort. Der fixe Ort Bahnhof steht klassischer Weise für Transit, ist gleichzeitig ein Nicht-Ort, also eine Utopie. An ihm finden zufällige Treffen und Trennungen statt, er steht für Aufbruch, Ankommen, Unsicherheit und Hoffnung. Das Projekt Mitterling als Realisierung der Vorstellung eines solchen Ortes lässt nicht nur die reale historische Verbindung und eine mögliche zukünftige

erahnen. Angedacht als Idee und gleichzeitig als Baustellen-Environment von Joachim Baur, mithin als flüchtiger und gleichzeitig konkreter Raum, sind wir hier eingeladen, uns auf visuelle und akustische Impulse und Kompilationen, die auf poetische Weise geschaffen wurden, einzulassen. Neben Erinnerung oder Assoziation mit Aufbruch, Träumen oder Gefahren können wir in unmittelbarer Gegenwart Möglichkeiten der Erweiterung des eigenen Bewusstseins und Denkens erfahren.


Mitterling

Stroj, ki z radijsko igro posnema namišljeno železniško postajo � Elisabeth Fiedler � Sebastian Walcher � Andreas Stangl, Josef Klammer

26. oktobra 2015 je na železniški postaji v Radgoni/Bad Radkersburg potekala otvoritev zvočne inštalacije, ki je za en mesec opozarjala na nekoč neprekinjeno prevozno progo Strass – Ljutomer. Leta 1945 so razstrelili železniški most preko Mure. Ponovna vzpostavitev povezave preko Mure veča možnost, da bo znova potekal potniški promet po tako pomembni železniški progi. Na kratko želimo predstaviti projekt, ki so ga zasnovali Josef Klammer, Albert Pall in Joachim Baur za avstrijski Inštitut za umetnost v javnem prostoru. Določanje mej, njihova zgodovina, njihovo morebitno premagovanje in njihova prepustnost ter pripravljenost sosednjih držav do sodelovanja so danes aktualne teme.

Konkretna povezava, ki jo je prekinila politično določena meja, je obstajala tudi med avstrijsko južno Štajersko in Slovenijo: Špilje/Spielfeld-Straß in nekdanji Luttenberg, danes Ljutomer, je nekoč povezovala železniška proga. Leta 1885 so odprli prvi del proge do Radgone/Radkersburga, leta 1890 pa je začela obratovati proga do Ljutomera. S koncem prve svetovne vojne je južni del Štajerske pripadel Jugoslaviji, železniška proga pa se je med državi razdelila na 32,5 kilometru. Po koncu druge svetovne vojne so 17. aprila 1945 progo med Radgono in Gornjo Radgono zaprli ter jo kasneje tudi odstranili. Na delu proge, ki danes leži v Sloveniji, še poteka tovorni promet. Ob razumevanju Štajerske kot graditeljice mostov med Vzhodom in Zahodom ter Severom in Jugom, je projekt Mitter-

Elisabeth Fiedler, roj. 21.2.1960 v Gradcu. Po študiju umetnostne zgodovine, zgodovine in filozofije v Gradcu je delala kot asistentka režije pri avstrijski radiotelevizijski organizaciji ORF, kot urednica za kulturo časopisa Neue Zeit, v muzeju Grazer Kunstverein, ter organizirala in vodila potovanja na temo umetnost. Od leta 1992 do 1996 je kot svetovalka za likovno umetnost v kulturni ustanovi Forum Stadtpark organizirala simpozije ter posamezne in skupinske razstave štajerskih in mednarodnih umetnikov. Poskrbela je za publikacije, hkrati pa sodelovala pri Forum Stadtpark v Pragi ter podeljevala štipendije za bivanje v New Yorku. Po delu kot svetovalka za umetnost v pisarni deželnega svetnika za kulturo dežele Štajerske je leta 2001 prevzela delo kuratorke, avtorice in namestnice vodje galerije Neue Galerie. Je vodja oddelka ter od leta 2011 vodja in glavna kuratorka razstavnega parka Österreichischer Skulpturenpark in inštituta za umetnost v javnem prostoru graškega muzeja Universalmuseum Joanneum.

Stangl (5)


ling umeščen v istoimenski kraj, na sredo odstranjenega dela proge, in z umetniškega vidika obravnava ta Missing Link (manjkajoči člen) ter kulturno združuje avstrijsko Štajersko in Slovenijo. Projektna ideja je nastala v sodelovanju z združenjem Neue Radkersburger Bahn (Nova radgonska železnica), umetniškim projektom Zollamt (Carina) in občinama Bad Radkersburg ter Gornja Radgona, razvili in uresničili pa smo jo s pomočjo avstrijskega Inštituta za umetnost v javnem prostoru. Josef Klammer, Albert Pall in Joachim Baur so razvili instalacijo, ki si prizadeva ublažiti prekinitev proge: stroj, ki z radijsko igro posnema namišljeni kolodvor. Sredi dveh različnih mednarodnih znakov za prepoved vožnje, ki stojita na avstrijski in slovenski strani, so na drog montirani peronski zvočniki in peronske luči, ki so usmerjene proti severu, jugu, vzhodu in zahodu. Okoli peronskega droga vodi krožna pot, ki predstavlja

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mednarodno veljavni znak za center (krog in točka v sredini), najdišče in druge pomembne oznake. Iz zvočnika je slišati pet glasov, njihova besedila pa z naključnim kombiniranjem ustvarjajo vedno nove kombinacije. Dva ženska in dva moška glasova govorita v nemščini in slovenščini, sintetični glas pa govori v angleščini in spominja na informacijska zvočna sporočila na železniških postajah. Besedila Alberta Palla so sestavljena po sistemu »call and response« in se kot pri igri s kartami naključno mešajo ter tvorijo neskončno zvočno igro, v kateri poteka dialog med moškimi in ženskimo glasovi ter sintetičnim glasom. Vsebina besedila obravnava možnost obstoja železniške postaje. Izgovorjeni stavki vsebujejo in spodbujajo razmišljanja o železniški postaji in njeni okolici, premikanju, poti, srečevanjih, ločitvah in izmenjavi ter se dotaknejo tako glave kot telesa. Josef Klammer je zvok razvil v sodelovanju z dijaki gimnazije BORG iz Bad Rad-

kersburga. 4 x 128 zvočnih fragmentov, ki so primerni za železniško postajo, se predvaja po naključnem vrstnem redu. Glasba oz. zvok tako nastaja neposredno na samem kraju. Železniška postaja kot fiksni kraj na klasični način predstavlja tranzit, a je istočasno tudi kraj, ki ne obstaja, torej utopija. Tukaj potekajo slučajna srečanja in ločevanja, postaja pa predstavlja odhajanje, prihajanje, negotovost in upanje. Projekt Mitterling, ki je realizacija takšnega kraja, nam ne omogoča le, da se spomnimo realne zgodovinske povezave in zaslutimo morebitno povezavo v prihodnosti. Ker si ga je Joachim Baur zamislil kot idejo in okolje, ki deluje kot gradbišče, in je zato bežen ter hkrati tudi konkreten prostor, nas projekt vabi, da se prepustimo vizualnim in akustičnim impulzom in kompilacijam, ki so bile ustvarjene na poetični način. Poleg tega, da nas spominjanja ali asociiranja na odhajanje, sanjarjenje ali nevarnost, lahko z njegovo pomočjo v sedanjosti izkusimo možnosti širjenja naše zavesti in mišljenja.


Josef Klammer (3)

http://mitterling.mur.at/ https://www.museum-joanneum.at/kioer/projekte/temporaere-projekte/events/event/26.10.-26.11.2015/josef-klammer-albert-pall-joachim-baur

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Staatsvertragsverleihung Podelitev Avstrijske drĹžavne pogodbe


Jürgen Müller

Pot do manjšinskega zaščitnega člena Avstrijske državne pogodbe � Theodor Domej � Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien � Ana Jasmina Oseban Avstrijska državna pogodba oziroma »Državna pogodba o ponovni vzpostavitvi neodvisne in demokratične Avstrije«, kot se glasi njen polni naziv, je v več vidikih ključni dokument 2. republike. Ta pogodba utemeljuje polno neodvisnost Avstrije, opredeljuje njen odnos do sosednjih držav in sveta ter je s tem eden od osrednjih dokumentov povojne ureditve na globalni, evropski in nacionalni ravni. Določbe Državne pogodbe naj bi obenem distancirale Avstrijo od obremenjujoče zgodovinske dediščine in nevtralizirale nevarnosti vplivanja ideologij nacionalsocializma in nacionalizma na širšo družbo. Ne prav neznaten del procesa, ki je privedel do nastanka te pogodbe ter do konkretnega udejanjanja obveznosti in mednarodnopravno opredeljenih določb, je povezan z manjšinami. To zlasti velja za člen 7, ki je pogosto in povsem pravilno označen kot magna karta pravic manjšin. Člen 7 pa je kot dokument tudi dokaj zagoneten, če pobližje pogledamo zgodovino njegovega nastanka in njegovo izvajanje v praksi. Ponudi nam vpogled v politično mentaliteto in pragmatičnost, in ta vidik se nanaša na vse udeležence oziroma na štiri države podpisnice, republiko Avstrijo, Jugoslavijo (in Slovenijo) ter ne nazadnje tudi na dotične manjšine. Med koncem vojne in podpisom Državne pogodbe je minilo deset let. Čeprav se je s koncem nacionalsocialističnega režima končala neposredna ogroženost številnih manjšin, pa tudi obdobje po letu 1945 do njih ni bilo posebej prijazno. Z vojaškim porazom Nemškega rajha in njegovih držav zaveznic družbena klima ni kar čez noč postala miroljubna. Posledice vojne na različnih ravneh so bile opazne ne le pri poražencih, temveč tudi pri zmagovalcih. Predsodki, mržnja, sovražnost, zavračanje in strah so bili v zasebnem in družbenem odnosu do skupin, ki so se prištevale k »drugim«, še zmeraj močno prisotni. Zaradi tega je marsikje prišlo do kolektivnih obračunavanj. Evropa je bila še po drugi svetovni vojni prizorišče odprtega nasilja proti nacionalnim skupinam in drugače mislečim. Odvzem pravic, pregoni in prisilne preselitve niso sodile samo k vsakdanu nacionalsocialističnega režima, ampak tudi njegovih zmagoslavnih nasprotnikov z Vzhoda in Zahoda. Spomnimo se samo izgona Nemcev iz Češkoslovaške, Jugoslavije in Poljske – te oblike kolektivnega povračila je legaliziral Potsdamski sporazum. Tudi prisilna preselitev Poljakov z območij, ki so po vojni pripadle Sovjetski zvezi, izmenjava prebivalstva med Češkoslovaško in Madžarsko, eksodus številnih Italijanov iz Jugoslavije in podobno, vse to je bilo zaznamovano z nasiljem. Tako je celo prizadevanje, da bi presegli nacionalsocializem in fašizem, izkazovalo totalitarne in iz nacionalizma dobro znane elemente.

Theodor Domej, rojen leta 1949 v Celovcu. Po maturi na Zvezni gimnaziji za Slovence v Celovcu je študiral slavistiko in vzhodnoevropsko zgodovino na dunajski univerzi. Študij je končal z doktoratom. Na celovški univeri je zaključil izobrazbo za učitelja slovenščine in zgodovine na srednjih in višjih šolah. Od leta 1976 do 1990 je bil zaposlen na Slovenskem znanstvenem inštitutu v Celovcu. Svojo poklicno pot je nadaljeval kot pedagoški sodelavec na Zveznem pedagoškem inštitutu za Koroško (s sedežem v Celovcu). Pristojen je bil za strokovno spopolnjevanje učiteljev v okviru manjšinskega šolstva in pouka slovenščine. Nato je bil dve leti univerzitetni asistent na oddelku za zgodovino celovške univerze. Od leta 1996 do konca leta 2014 je imel na uradu deželnega šolskega sveta za Koroško mesto strokovnega nadzornika za slovenščino na koroških srednjih in višjih šolah. Od začetka leta 2015 je v pokoju. Raziskuje jezikovno, kulturno, izobraževalno in politično zgodovino Slovencev na Koroškem in sobivanje Nemcev in Slovencev s časovnim težiščem na obdobju od razsvetljenstva do danes.

Druga oblika nacionalne homogenizacije je bila prostovoljna izselitev oz. »povratna selitev« v matično državo. V Avstriji je primer tega remigracija Čehov in Slovakov

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Theodor Domej, geb. 1949 in Klagenfurt. Nach der Reifeprüfung am Bundesgymnasium für Slowenen in Klagenfurt studierte er an der Universität Wien Slawistik und Osteuropäische Geschichte. Das Studium schloss er mit dem Doktorat der Philosophie ab. An der Universität Klagenfurt beendete er das Lehramtsstudium (Slowenisch und Geschichte). Seine berufliche Laufbahn begann er am Slowenischen Wissenschaftlichen Institut in Klagenfurt (1976-1990). Von dort wechselte er an das Pädagogische Institut des Bundes in Kärnten, wo er als pädagogischer Mitarbeiter für die Lehrerfort- und -weiterbildung im Bereich des Minderheitenschulwesens in Kärnten tätig war. Es folgten zwei Jahre als Universitätsassistent am Institut für Geschichte der Universität Klagenfurt (Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas). Von 1996 bis Ende 2014 war er am Landesschulrat für Kärnten Fachinspektor für Slowenisch an den Kärntner mittleren und höheren Schulen. Seit Beginn des Jahres 2015 ist er im Ruhestand. Er erforscht die sprachliche, kulturelle und politische Geschichte und bildungsgeschichtliche Aspekte der Slowenen in Kärnten sowie das Zusammenleben der deutsch- und slowenischssprachigen Bevölkerung vom Beginn der Aufklärung bis zur Gegenwart.

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na Češkoslovaško (iz Avstrije se jih je izselilo kakšnih 20.000). Med prisilnim in prostovoljnim izseljevanjem se je razprostirala še vrsta drugih oblik migracije, ki je posledično v veliki meri spremenila jezikovni zemljevid Evrope. Toda tudi manjšine, ki so ostale na svojem tradicionalnem naselitvenem ozemlju, so morale še naprej živeti pod pogoji vladajočega nacionalnega principa. Povojna Evropa je namreč še naprej udejanjala model nacionalnih držav, v katerih so manjšine sicer prenašali, vendar so jih vselej dojemali kot potencialno nevarne, ne pa kot kulturno bogastvo ali dobrodošlo vez s sosednjimi državami. V ospredju so bila zato prizadevanja za asimilacijo nacionalnih skupin po principu nacionalno homogene države kot najvišjega ideala. Ker so torej na manjšine gledali kot na potencialno nevarne, so bile pod stalnim nadzorstvom državne policije in tajnih služb. Tako je bilo vsaj v Avstriji, na primeru koroških Slovencev. Ker je bil svetovnopolitični položaj po drugi svetovni vojni zelo zapleten, so se pogajanja za Državno pogodbo zelo zavlekla. K temu je svoje doprinesel tudi geostrateški položaj Avstrije na ločnici med vzhodno in zahodno hemisfero. Hladna vojna je zasenčila številna področja političnega in družbenega življenja. Na evropski celini sta si stala nasproti dva povsem različna družbenopolitična sistema, kar je povzročalo precejšnje konflikte. Tostran in ostran meje, med obema sferama moči, pa so se pospešeno izvajali postopki integracije. V žarišču je bila Nemčija oziroma to, kar je od nje ostalo. Na Češkoslovaškem so maja 1948 prevzeli oblast komunisti, junija 1948 se je pričela blokada zahodnega Berlina, ki je trajala do maja 1949; oktobra 1949 je bila ustanovljena Nemška demokratična republika, v conah, ki so jih zasedle zahodne zmagovalne sile, pa so sprejeli ustavo Zvezne republike Nemčije. Leto 1949 je rojstno leto Sveta za vzajemno gospodarsko pomoč (Comecon), ki je na gospodarskem področju tesno povezoval

ljudske demokracije s Sovjetsko zvezo, in tudi Severnoatlantske obrambne organizacije (NATO). Pri koroškem in štajerskem vprašanju je imel (s poudarkom na obdobju med letoma 1948 in 1949) pomembno vlogo konflikt med Jugoslavijo in Sovjetsko zvezo (poznan tudi kot informbirojevski spor ali spor med Titom in Stalinom). Avstrija je bila v določenem smislu izjema. Čeprav je bila, enako kot Nemčija, razdeljena na štiri zasedena območja, so zasedbene sile in avstrijske politične elite soglašale v tem, da naj Avstrija spet pridobi status neodvisne in samostojne države. Da bi ponovno vzpostavili Avstrijo, je bil že vojaški cilj zaveznikov. Vendar je v moskovski izjavi o Avstriji (1.11.1943) zapisano, da se Avstrijo »spominja na to, da nosi za udeležbo v vojni na strani Hitlerjeve Nemčije odgovornost, ki se ji ne more izmakniti, in da bo spričo končnega obračuna neizbežno upoštevati okoliščino, koliko je sama doprinesla k svoji osvoboditvi«.1 Številne določbe je treba upoštevati v luči vseh teh aspektov. Manjšine niso bile v položaju pogajalskih ali pogodbenih partnerjev, niti do besede niso prišle. V ne prav majhnem obsegu so bile pogosto žoga v rokah svetovnih sil, zaradi trenj, do katerih je prihajalo med sosednjimi državami, pa so morale tudi marsikaj pretrpeti. Zakaj so v manjšinskem zaščitnem členu državne pogodbe omenjeni samo Slovenci in Hrvati, čeprav je nacionalsocialistični režim zaradi rasne ali nacionalne pripadnosti zatiral in preganjal tudi druge v Avstriji naseljene manjšine? Največjo skupino teh žrtev predstavljajo Judje, ki pa se niso dojemali kot nacionalna manjšina. Bržkone so še slabšo potegnili Romi in Sinti. Druge avtohtone manjšine so bili še Čehi, Slovaki in Madžari, pa tudi etnične skupine, ki so ravno tako že več generacij, nekatere celo stoletja, živele v Avstriji, 1 Citirano po: Gerald Stourzh, Geschichte des Staatsvertrages 1945-1955. Österreichs Weg zur Neutralität (Graz, Wien, Köln 1985), str. 214.


njihovi pripadniki pa so bili državljani republike Avstrije (denimo Grki, Armenci, Poljaki in tako dalje). Te in druge skupine (vključno s tako imenovanimi novimi manjšinami) so, brez poimenske navedbe sicer, upoštevane v členu 6 (Človekove pravice) Državne pogodbe. Eden od temeljnih razlogov za posebno obravnavo Hrvatov in Slovencev v Državni pogodbi je bila avstrijska meja z Jugoslavijo, ki je bila postavljena pod vprašaj zaradi nacionalsocialističnega nasilja nad Slovenci. Eden izmed glavnih ciljev slovenskega odporniškega gibanja, ki se mu je pridružilo mnogo koroških Slovencev, je bilo nacionalno zedinjenje v eni državi. Tega cilja med vojno niso skrivali. Tako je udeležba številnih avstrijskih Slovencev v miroljubnem odporu ter oboroženem spopadu z nacionalsocialistično nepravno državo in njenimi izvajalci na domačih tleh vodila do povojnega konflikta.2 Maja 1945 je hotela biti Jugoslavija priznana kot zasedbena sila v delu Koroške, kar pa se ni zgodilo, in že konec maja 1945 se je morala jugoslovanska vojska iz Koroške umakniti. Jugoslavija je zaradi etnične strukture jugovzhodne Koroške ter nacionalne diskriminacije in zatiranja Slovencev pri svojih ozemeljskih zahtevah vztrajala. Dežela Koroška in republika Avstrija sta dosledno zavračali vsakršno spremembo meje, vendar sta se že zgodaj pripravili na pričakovana pogajanja o zaščiti manjšin. Konec novembra 1946 se je koroško deželno glavarstvo obrnilo na Urad zveznega kanclerja in mu predstavilo svoja pričakovanja in želje v zvezi z Državno pogodbo med Avstrijo in zavezniškimi silami. V ospredje so postavili svoje želje, »da, splošno gledano, ne bi prihajalo do kakršnih koli zaostritev Avstriji doslej naloženih določb, da ne bi prišlo do 2 Prim. npr.: Boris Jesih: Obdobje med 1945 in 1955 (str. 459-468). V: Dušan Nećak, Boris Jesih, Božo Repe, Ksenija Škrilec, Peter Vodopivec: Slovensko-avstrijski odnosi v 20. stoletju - Slowenisch-österreichische Beziehungen im 20. Jahrhundert (=Historia 8, Znanstvena zbirka za zgodovino Filozofske Fakultete univerze v Ljubljani, Ljubljana 2004).

kakršne koli izrecne označbe narodnostnih skupin, ki naj bi jih ščitili (zlasti ne slovenske narodnostne skupine na Koroškem), […] da bi se Avstriji naložene obveze omejile le na načela, omenjena v členih 62 – 69 Pogodbe iz Saint Germaina in ne bi obsegale nobenih dodatnih posamičnih določb.«3 Prvič so o manjšinskem zaščitnem zakonu spregovorili v okviru londonskega zasedanja posebnih odposlancev za pripravo pogodbe z Avstrijo (januarja 1947), potem ko je Jugoslavija v memorandumu (januarja 1947) zahtevala le-tega tudi za gradiščanske Hrvate. V tem memorandumu je Jugoslavija priglasila obsežne teritorialne zahteve, ki so vključevale celotno avtohtono območje naselitve Slovencev na Koroškem (ozemlje v velikosti 2470 km² in s 180.000 prebivalci) in na Štajerskem (130 km² z 10.000 prebivalci). Aprila 1947 je Svet zunanjih ministrov začel pogajanja o pogodbi z Avstrijo. Tako v Londonu kot v Moskvi so se zbrali visoki predstavniki Avstrije in Jugoslavije, da bi predstavili svoja stališča. Posvetovanja v Moskvi so se končala z zaključnim dokumentom, osnutkom Državne pogodbe. V členu 5 (Meje Avstrije) je opredeljeno, da so meje Avstrije tiste, ki so bile v veljavi 1. januarja 1938. Temu členu so dodali dva zaznamka o stališču zasedbenih sil. ZDA, Velika Britanija in Francija sta to formulacijo namreč podpirali, Sovjetska zveza pa je tedaj še podpirala jugoslovansko zahtevo po »ponovni združitvi Slovenske Koroške s Slovenijo (kot delom Jugoslavije)«, podpirala pa je tudi ozemeljske zahteve Jugoslavije na Štajerskem in oblikovanje posebnega statuta o pravicah gradiščanskih Hrvatov.4 V osnutku pa ni najti niti manjšinskega zaščitnega člena niti aneksa k Državni pogodbi, ki bi konkretno opredelil zaščito manjšin, čeprav je bil načrtovan. Med letoma 1947 in 1949 so pravni strokovnjaki v Jugoslaviji oblikovali več osnutkov, ki so vključe3 Avstrijski državni arhiv, Republiški arhiv, BMfAA, ÖB London, Karton 2, Zl. 147.6886-VR/46. 4 Prav tam.

Pot do manjšinskega zaščitnega člena Avstrijske državne pogodbe

vali tudi zelo podrobno razlago o ozemeljski avtonomiji Slovencev na Koroškem.5 Najpozneje leta 1947 je jugoslovanska politična oblast dojela, da s pridobitvijo novega ozemlja na račun Avstrije ne bo nič. Edvard Kardelj, vodilni slovenski in eden najvplivnejših jugoslovanskih politikov, je 20. aprila 1947, tedaj na položaju namestnika zunanjega ministra, svojemu sovjetskemu kolegu Andreju Višinskemu poslal pismo, v katerem je skrčil jugoslovanske teritorialne zahteve na najmanjšo možno mero in izrazil pripravljenost, da bi se jim odpovedali tudi v celoti. Šlo mu je predvsem za hidroelektrarni v Labotu/Lavamünd in Žvabeku/Schwabegg ali vsaj za soupravljanje teh elektrarn. Z odpovedjo ozemeljskim zahtevam pa je povezal neko drugo zahtevo, in sicer, da se pravice koroških Slovencev zapiše v Državno pogodbo. Kot argument je Kardelj zapisal, da je »po vseh skušnjah, ki jih ima slovenski narod v Avstriji, mogoče z gotovostjo računati, da bo Avstrija začela po podpisu pogodbe s poiskusom nasilnega ponemčevanja. […] Bilo bi zato velikega pomena, ako bi bilo mogoče v pogodbi doseči, da bi bili že uzakonjeni ukrepi dopolnjeni in da bi bilo njih izvajanje v celoti kot sestavni del pogodbe pod nadzorstvom štirih velesil.«6 Maršal Josip Broz – Tito je maja 1947 pričakoval, da jugoslovanske zahteve glede Koroške najverjetneje ne bodo naletele na odprta ušesa. Prepričan je bil, da je Jugoslavija kot članica Združenih narodov prisiljena sprejeti tudi rešitev, ki je po njegovem mnenju napačna.7 Ko so leta 1948 avstrijski predstavniki politike in diplomacije zaslutili, da Sovjetska zveza ne zagovarja prav odločno prestavljanja meja, so osredotočili svoja 5 Arhiv Slovenije, Osebna zbirka Borisa Kraigherja, Leto 1947, Avtonomija Južne Koroške. 6 Citirano po: Koroška Kronika, 19. 8. 1949, str. 2. 7 Dragomir Vučinić (Ur.), Dokumenti o spoljnoj politici Socijalističke Federativne Republike Jugoslavije 1947, I. (Beograd 1985), str. 538.

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prizadevanja na to, da bi preprečili morebitni statut o avtonomiji za koroške Slovence, zlasti pa oblikovanje avtonomnega območja. Znano je, da so se podatki avstrijske in jugoslovanske strani o številčnosti Slovencev bistveno razlikovali, saj so pri zbiranju podatkov uporabljali različne kriterije. Avstrija je (sklicujoč se na »sodobno razumevanje demokratične svobode«) dopuščala samo subjektivno priznanje slovenstva, Slovenci pa so zagovarjali t.i. objektivne značilnosti (materni jezik, jezik v družini, poreklo). Vprašanj o globljih razlogih osupljivo velike razlike med vsakdanje rabljenim jezikom in nacionalno opredelitvijo se avstrijska stran ni dotikala. Prihodnja zaščita manjšin naj bi torej bila rezultat oziroma temeljila na desetletja trajajoči podrejenosti manjšin. 26. aprila 1948 je Jugoslavija podala še en memorandum k vprašanjem pogodbe z Avstrijo. V njem je bistveno zmanjšala svoje ozemeljske zahteve (za približno 680 km² in 40.000 prebivalcev) in prvič predložila predlog manjšinskega zaščitnega člena v sedmih točkah, in sicer za »pripadnike jugoslovanske manjšine v Avstriji – Hrvate na Gradiščanskem in Slovence na Koroškem« (Annex A, Provisions on the Protection of the National Rights of the Yugoslav Minority in Austria). Pri tem je na neki način šlo za prvotno različico poznejšega člena 7 Avstrijske državne pogodbe. Določbe naj bi veljale za Hrvate na Gradiščanskem in – natančno vzeto – majhen preostanek še zmeraj v Avstriji živečih koroških Slovencev (zlasti v Spodnji Ziljski dolini in južno od Beljaka), po oceni memoranduma naj bi bilo teh približno 15.000. Slovenci na Štajerskem v aneksu dosledno niso bili omenjani, saj se Jugoslavija ozemeljskim zahtevam za radgonski trikotnik še ni odpovedala. Avstrijsko zunanje ministrstvo je takoj po predaji memoranduma pri ministrstvih proučilo nov izhodiščni položaj in morebitne posledice glede na tedaj aktualno pravno situacijo. Pri pariških pogajanjih sveta zunanjih ministrov o Avstriji junija 1949 so spre-

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jeli temeljno odločitev o avstrijskih mejah. »Zunanji ministri so sprejeli na­ slednje sklepe: a) da meje Avstrije ostanejo tiste iz obdobja pred 1. januarjem 1938; b) da mora biti v pogodbi za Avstrijo zagotovljena zaščita pravic slovenske in hrvaške manjšine v Avstriji«8, se je glasil komunike, ki je signaliziral junk­tim med potekom meje in posebno zaščito manjšin za Hrvate in Slovence. Dne 2. julija 1949 predloženi sovjetski predlog manjšinskega zaščitnega člena se je orientiral po besedilu aneksa A, ki ga je leta 1948 v memorandumu predložila Jugoslavija. Člen 7 je torej neločljivo povezan z zahtevami Jugoslavije do Avstrije. V marsičem pa je nanj vplival aneks A memoranduma iz leta 1948. V deloma skrajšani in spremenjeni obliki ga je junija 1949 pri pogajanjih za Državno pogodbo kot izhodišče za razpravo predložil vodja sovjetske delegacije.9 Zunanji minister Karl Gruber je nemudoma izrazil strinjanje s tem, da po eni plati ne bi zavlačevali s pogajanji za Državno pogodbo, po drugi plati pa, da bi se izognili preveč podrobni formulaciji manjšinskega zaščitnega člena. Zunanje ministrstvo je pripravilo interni dokument z oceno vsebine člena, o katerem je tekla razprava. »Že hiter pregled sovjetskega predloga nam pokaže, da v njem predlagane določbe sicer prav gotovo niso tako natančne in jasne, kot bi v skladu s tradicijo in glede na zahtevnost obravnavane tematike pričakovali, da bodo, vendar pa Avstriji meritorno in morda prav zaradi te nenatančnosti nalagajo nepričakovano malo obveznosti,« so zapisali.10 Poleg tega ima »tako ohlapno ubesedena formulacija sovjetskega predloga celo določene prednosti,« kajti »očitno ostaja prepuščeno presoji zvezne vlade, da oblikuje potrebne predpise za izvajanje tega člena.«11 Neizrečena smernica se glasi: ohlapnejše kot so formulacije, toliko bolje. Ma8 Citirano po: Stourzh (gl. op. 1), str. 219. 9 Stourzh (gl. op. 1), str. 58 f. 10 Arhiv Republike, BKA–AA, GZ 85.485Pol/49. 11 Prav tam.

nevrski prostor za presojo in ravnanje zakonodajalca naj bi bil tako velik, kot je le mogoče. Izvedenec zunanjega ministrstva je še zlasti opozarjal pred tem, da bi v pogajanjih kakor koli natančneje opredeljevali oziroma določali kriterije, po katerih se ugotavlja pripadnost neki manjšini, saj je domneval, da bi sovjetska stran zahtevala določitev tako imenovanih objektivnih značilnosti (zlasti rabo maternega jezika). Uradna avstrijska stran je namreč, kot smo že omenili, izhajala iz subjektivne narave narodnostne opredelitve. Pri pogajanjih za Državno pogodbo v Londonu je bil na avstrijsko delegacijo usmerjen dopis, kako naj bi pogajanja potekala. Večina pozivov za spremembe se je omejila na določbe, predlagane za področje šolstva in izobraževanja. Zvezno ministrstvo za prosveto je želelo vezati pravico do poučevanja v slovenskem jeziku v osnovnem šolstvu na ugotavljanje »sorazmerno velikega števila avstrijskih državljanov, pripadajočega slovenski jezikovni skupini«, v srednjem šolstvu pa na »proporcionalni delež […] celotnega števila srednješolcev dotične dežele«. Avstrija se je poleg tega hotela po možnosti izogniti uporabi izraza »manjšine« in ga nadomestiti s formulacijo »slovensko ali hrvaško govoreči državljani Avstrije«, kajti »izraz manjšine bi utegnil biti v primeru zelo ohlapne interpretacije zlorabljen tudi v smeri dopuščanja korporativnega značaja teh skupin«. Iz tega dokumenta, datiranega z 19. julijem 1949, je torej razvidno, da je bilo Avstriji veliko do tega, da bi se izognila »priznanju manjšin kot javnopravnih teles«.12 Svet ministrov je pooblastil avstrijsko delegacijo, »da priporoči prevzem in potrditev sovjetskega besedila, če bi v nasprotnem primeru grozilo daljše zavlačevanje pogajanj«.13 Pri pogajanjih o natančnih določilih (med 17. in 24. avgustom 1949) se je uveljavil sovjetski predlog. Predlog Velike Britanije Avstriji, da bi omejila pravi12 Arhiv Republike, BKA–AA, Zl. 85.367Pol/49. 13 Prav tam.


ce manjših na področjih sodstva, uradnega jezika in drugih javnih zadev na »mesta in okrožja s sorazmerno velikim številom prebivalstva, ki uporablja slovenski ali hrvaški jezik«, je bil zavrnjen.14 Avgusta 1949 oblikovana različica manjšinskega zaščitnega člena, ki so jo pripravili in dorekli posebni odposlanci, je leta 1955 v nespremenjeni obliki prešla v Državno pogodbo. Določbe zaščite manjšin so izražale kompromis z jasnimi prednostmi za Avstrijo. Ta se je tudi prej strinjala z njimi kakor Jugoslavija. De facto je Jugoslavija sicer sprejela pariške sklepe, čeravno je z Avstrijo uradno sklenila premirje šele 16. januarja 1951. Člen 7 je bil v več pogledih tako za Avstrijo kot za Jugoslavijo šele druga izbira. Avstrija po manjšinskem zaščitnem členu ni videla nobene potrebe in mu je nehala nasprotovati šele leta 1949. Prvi cilj Jugoslavije pa je bila priključitev dela Koroške in reparacije za škodo, povzročeno v času nacionalsocialistične okupacije. Ne smemo pozabiti, da si je želel združitve svojega avtohtonega naselitvenega območja z Jugoslavijo tudi del koroških Slovencev. Neizpodbitno pa je, da je želela bistvena večina prebivalstva ozemlja, ki ga je terjala Jugoslavija, ostati v Avstriji. Slovenske elite so bile deljenega mnenja. Med tistimi, ki so se zavzemali za enakopravnost Slovencev, so mnogi podpirali odcepitev jugovzhodne Koroške od Avstrije ali so jo bili vsaj pripravljeni sprejeti. Posamezni členi Državne pogodbe so formulirani nadvse neuravnoteženo. Nekateri so zapisani zelo natančno, drugi pa so precej splošni. V prvo kategorijo denimo spadajo določbe glede vojske in zračnega prometa, torej del IV (Zahtevki zaradi udejstvovanja v vojni) in V (Lastnina, pravice in interesi). Ta dva dela sta določena do najmanjših podrobnosti in se nanašata zlasti na materialne interese Sovjetske zveze. Natančno so opredeljene tudi nekatere temeljne določbe, ki utemeljujejo Avstrijo

kot neodvisno državo (vključno s prepovedjo združitve z Nemčijo). Ohlapnejši pa so členi o človekovih pravicah. Člen 7 je nekje vmes, sploh če pomislimo na kratkost njegovega piljenja v času pogajanj za Državno pogodbo poleti 1949. Jugoslavija in slovensko politično predstavništvo pa sta si prizadevala za natančnejšo opredelitev zaščite manjšin. Avstrijski politični vrh in diplomacija sta bila vsekakor zadovoljna, da do tega ni prišlo. Manjšinam niso priznali nobene (ozemeljske ali kulturne) avtonomije in tudi ne posebnega statusa, kot so ga denimo imele verske skupnosti ali različne zbornice. Torej ni prišlo do oblikovanja statusa javnopravnega telesa. Pripadnikom manjšin je preostala samo možnost organiziranja v okviru društev. Na poti do Avstrijske državne pogodbe je bilo treba premostiti številne ovire in tegobe. Največje breme je nalagal prav svetovnopolitični položaj, še povsem v luči hladne vojne. Vprašanji državne meje in manjšinskega zaščitnega člena sta bili v primerjavi z nekaterimi drugimi dilemami (na primer nemškim premoženjem) bistveno manj zapleteni. Sta pa, zlasti na Koroškem, dolga leta močno vplivali na politično vzdušje. Spričo nerešenega vprašanja meje se je nemško-nacionalnemu taboru ponudila lepa priložnost, da je lahko vztrajal na svojih stališčih in se predstavljal javnosti kot »domoljubna« skupina. V tem kontekstu so v regionalne družbene elite sprejeli tudi nekdanje strankarske člane NSDAP. Domovinski ton nemško-nacionalnega tabora je vodil do izločanja slovenske narodnostne skupine. V dobršni meri pa je bilo številčno šibko vodstvo slovenske manjšine tudi samo odgovorno za okoliščino, da se je manjšini v prvih povojnih letih zlahka očital iredentizem. Ni mogoče prezreti okoliščine, da je politično odprto vprašanje meja v času, odločilnem za ponovno gradnjo povojnih struktur, slovensko narodnostno skupino dolgoročno oslabilo. Ker je bila državna meja faktično določena že leta 1945 oziroma najpozneje leta 1947, čez čas oz. do leta 1949 pa jo je s taktičnimi

14 Stourzh (gl. op. 1), str. 61.

Pot do manjšinskega zaščitnega člena Avstrijske državne pogodbepogodbe

manevri potrdila tudi Jugoslavija, ima politična škoda, ki je ob tem naposled nastala, še zlasti bridek priokus. V Avstriji vse do podpisa Državne pogodbe tako rekoč ni obstajala civilna družba, ki bi tvorila nasprotni pol medijske in politične izolacije manjšine. Celo zbliževanje ideološko podobno mislečih taborov slovensko in nemško govorečih je bilo omejeno na številčno zelo majhno skupino oziroma je bilo možno samo v primeru, če so se pripadniki manjšine jasno asimilirali in odvrnili od organiziranega kulturnega, gospodarskega in političnega življenja narodnostne skupine. Šele v 70. letih 20. stoletja se je, po šoku nad napadi na dvojezične krajevne table na Koroškem, izoblikovalo solidarnostno gibanje za pravice manjšin v Avstriji. Kako pa se narodnostne skupine počutijo danes? V meteorologiji poznamo razliko med dejansko in občuteno temperaturo. Kako se človek počuti, ni odvisno samo od izmerjene temperature zraka, temveč tudi od številnih drugih dejavnikov, denimo od hitrosti vetra, padavin ali zračne vlage. Podobno je z zaščito manjšin. Pravni položaj sam po sebi še ne opredeljuje njihovega počutja, pomembne so tudi druge okoliščine, na primer, ali obstajajo odprte oziroma prikrite oblike diskriminacije ali ne (v medijih, političnem diskurzu in vsakdanjem življenju). Praktično vsi veljavni zakoni za zaščito manjšin so še precej prežeti z duhom preteklega časa, ko so na narodnostne skupine gledali z nezaupanjem. Po političnem preobratu v Sloveniji (oziroma Jugoslaviji) ter pridružitvi Slovenije Evropski uniji je začelo večinsko prebivalstvo na manjšine gledati veliko bolj pozitivno. Kompromis glede krajevnih tabel, sprejet leta 2011, in rezultati koroških deželnih volitev s 3. marcem 2013 so še dodatno doprinesli k opaznemu izboljšanju splošne klime. Kljub temu pa se veljavnega zakona o narodnostnih skupinah še zmeraj drži priokus dlakocepstva, če pomislimo samo

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Der Weg zum Minder­ heitenschutz­artikel des Österreichischen Staatsvertrages � Theodor Domej � Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien na barantanje o odstotkih, potrebnih za postavitev dvojezičnih krajevnih tabel, in na pravico do rabe slovenščine kot uradnega jezika. Kako labilen, zadržan, skeptičen ali celo odklonilen je vendarle še danes odnos do Slovencev, pa dokazuje pravkar aktualna razprava o tem, ali naj bi Slovence v koroški deželni ustavi, ki je v fazi preoblikovanja, sploh omenili ali ne. Konkretno izvajanje zakona o zaščiti manjšin je v pretežni meri stvar politične odločitve in politične kulture določene družbe, le deloma pa odraža oziroma je posledica ustavnega ali mednarodnega prava. Vsebinske določbe člena 7 manjšinskega zaščitnega zakona so tako za državo, ki je zavezana k njihovemu uresničevanju, kakor za manjšine, ki ji pritičejo, veliko več kot le sinekura. Zavezujoče so namreč za obe strani, za obe upravičenki, ki s tem postaneta partnerici.

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Der Österreichische Staatsvertrag oder der „Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich“, wie sein voller Titel lautet, ist in vielerlei Hinsicht ein Schlüsseldokument der Zweiten Republik. Er verlieh Österreich die volle Unabhängigkeit und bestimmte sein Verhältnis zu den Nachbarstaaten und der Welt und ist somit ein wichtiges Dokument der globalen, europäischen und nationalen Nachkriegsordnung. Gleichzeitig sollten die Bestimmungen des Staatsvertrages Österreich von seinem belastenden geschichtlichen Erbe abgrenzen und die Gefahren der Ideologie des Nationalsozialismus und Nationalismus im gesellschaftlichen Leben bannen. Ein nicht geringer Teil sowohl seines Entstehungsprozesses als auch der Umsetzung der von Österreich übernommenen Verpflichtungen und völkerrechtlich verankerten Bestimmungen ist mit den Minderheiten verknüpft. Insbesondere betrifft das den Artikel 7, der gerne und zu Recht als Magna Charta der Minderheitenrechte bezeichnet wird. Der Artikel 7 ist aber auch ein wahrhaft schillerndes Dokument, wenn man seine Entstehungsgeschichte und die Umsetzung mit berücksichtigt. Es gewährt Einblick in die politische Mentalität und Pragmatik. Das bezieht sich auf alle Beteiligten, also die vier Signatarmächte, die Republik Österreich, Jugoslawien (und Slowenien), nicht zuletzt aber auch auf die betroffenen Minderheiten. Zwischen dem Kriegsende und der Unterzeichnung des Staatsvertrages liegen zehn Jahre. Die Zeit nach 1945 war durchaus keine minderheitenfreundliche, obwohl mit dem Ende des NS-Regimes für viele Minderheiten die unmittelbare Bedrohung ein Ende fand. Mit der militärischen Niederlage des Großdeutschen Reiches und seiner Verbündeten stellte sich jedoch nicht über Nacht ein friedvolles Klima in der Gesellschaft ein. Sowohl im Großen als auch im Kleinen gab es Nachwirkungen des Krieges, nicht nur bei den Besiegten, sondern auch bei den Siegern. Vorurteile, Hass, Feindschaft, Ablehnung und Angst waren nach wie vor Bestandteile des privaten und gesellschaftlichen Umganges mit Gruppen, die nicht zur eigenen gezählt wurden. Daraus erwuchsen vielerorts kollektive Vergeltungsmaßnahmen. Europa war auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg Schauplatz offener Gewalt gegen nationale Gruppen und Andersdenkende. Entrechtung, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen gehörten nicht nur zum Repertoire des NS-Regimes, sondern auch seiner siegreichen Gegner aus Ost und West. Man denke etwa an die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Polen. Das Potsdamer Abkommen legalisierte diese Formen der kollektiven Vergeltung. Auch die erzwungene Umsiedlung der Polen aus den Gebieten, die an die Sowjetunion fielen, der Bevölkerungsaustausch zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn, der Exodus vieler Italiener aus Jugoslawien usw. trugen Merkmale von Gewalt. So hatte auch das Bestreben, den Nationalsozialismus und Faschismus zu überwinden, eine totalitäre und aus dem Nationalismus bekannte Komponente.


Staatsvertragsunterzeichnung Podpisovanje Avstrijske drĹžavne pogodbe

Quelle/ vir: Archiv der Ă–sterreichischen Nationalbibliothek, Wien.


Eine andere Form der nationalen Homogenisierung war die freiwillige Auswanderung (auch Rückwanderung genannt) in den so genannten Mutterstaat. In Österreich ist die Remigration der Tschechen und Slowaken in die Tschechoslowakei ein Beispiel dafür (etwa 20.000 verließen Österreich). Im Bereich zwischen erzwungener und erwünschter Auswanderung gab es eine breite Palette von Migrationsformen, die die Sprachenlandkarte Europas ziemlich veränderten. Aber auch die Minderheiten, die in ihren angestammten Siedlungsgebieten blieben, lebten nach wie vor unter den Bedingungen des herrschenden nationalen Prinzips. Das Nachkriegseuropa setzte nämlich das Modell des Nationalstaates fort, in dem Minderheiten zwar geduldet, doch als Sicherheitsrisiko betrachtet und deshalb nicht als kulturelle Bereicherung oder willkommenes Bindeglied mit den Nachbarstaaten angesehen wurden. Aus diesem Grund wurden die Assimilationsbestrebungen fortgesetzt. Der national homogene Staat galt weiterhin als Ideal. Weil die Minderheiten zumindest als potenzielle Gefahr betrachtet wurden, standen sie unter genauer staatspolizeilicher und geheimdienstlicher Beobachtung. In Österreich galt das zumindest für die Kärntner Slowenen. Die Staatsvertragsverhandlungen haben sich so lange hingezogen, weil die weltpolitische Lage nach dem Zweiten Weltkrieg sehr kompliziert war. Die geostrategische Position Österreichs an der Trennlinie zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre trug das ihre dazu bei. Der Kalte Krieg warf seinen Schatten auf viele Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Auf dem europäischen Kontinent standen sich zwei unterschiedliche gesellschaftspolitische Systeme konfliktreich gegenüber. Dies- und jenseits der Grenze zwischen den Machtsphären wurden Integrationsprozesse verstärkt fortgeführt. Im Brennpunkt stand Deutschland oder was von ihm übrig blieb. In der Tschechoslowakei übernahmen im

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Mai 1948 die Kommunisten die Macht, im Juni 1948 begann die Blockade Westberlins (sie dauerte bis in den Mai 1949), im Oktober 1949 wurde die Deutsche demokratische Republik gegründet, in den Zonen, die von den westlichen Siegermächten besetzt waren, wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland angenommen. 1949 ist das Geburtsjahr sowohl des Comecon (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der die Volksdemokratien mit der Sowjetunion wirtschaftlich fest verband) als auch der Nordatlantischen Verteidigungsorganisation (NATO). In der Kärntner und steirischen Frage spielte (mit dem zeitlichen Schwerpunkt in den Jahren 1948 und 1949) der Konflikt zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion (auch Informbüro-Konflikt oder Bruch zwischen Tito und Stalin genannt) eine wichtige Rolle. Österreich war in gewisser Hinsicht ein Sonderfall. Obwohl es wie Deutschland auf vier Besatzungszonen aufgeteilt war, herrschte sowohl bei den Besatzungsmächten als auch bei den österreichischen Eliten der politische Konsens vor, den Status eines unabhängigen und selbstständigen Staates zu erreichen. Die Wiederherstellung Österreichs war aber auch ein erklärtes Kriegsziel der Verbündeten gewesen. In der Moskauer Erklärung über Österreich (1.11.1943) wurde allerdings Österreich „daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird“.1 Unter all diesen Aspekten sind viele Bestimmungen des Staatsvertrages zu betrachten. Die Minderheiten waren keine Verhandlungs- oder Vertragspartner, sie wurden nicht einmal angehört. In nicht geringem Ausmaß kann man sie sogar 1 Zitiert nach Gerald Stourzh, Geschichte des Staatsvertrages 1945-1955. Österreichs Weg zur Neutralität (Graz, Wien, Köln 1985) S. 214.

als Spielball zwischen den Weltmächten, wegen der Spannungen, die zwischen den Nachbarstaaten auftraten, aber als Leidtragende bezeichnen. Warum wurden nur die Slowenen und Kroaten im Minderheitenschutzartikel des Staatsvertrages erwähnt, obwohl auch andere in Österreich beheimatete Minderheiten wegen ihrer rassischen oder nationalen Zugehörigkeit vom NS-Regime unterdrückt und verfolgt wurden? Die größte Gruppe der Opfer stellten Juden, die sich allerdings nicht als nationale Minderheit verstanden. Ein vielleicht noch bittereres Los hatten Roma und Sinti zu tragen. Autochthone Minderheiten waren auch Tschechen und Slowaken oder Ungarn und andere ethnische Gruppen, die ebenfalls seit vielen Generationen, zum Teil seit Jahrhunderten, in Österreich lebten und Bürger der Republik Österreich waren (z.B. Griechen, Armenier, Polen usw.). Diese und andere Gruppen (einschließlich der so genannten neuen Minderheiten) finden, allerdings ohne namentlich angeführt zu werden, im Artikel 6 (Menschenrechte) des Staatsvertrages Berücksichtigung. Einer der Hauptgründe für die besondere Berücksichtigung der Kroaten und Slowenen im Staatsvertrag war die wegen der NS-Gewaltmaßnahmen gegen die Slowenen in Frage gestellte österreichische Staatsgrenze zu Jugoslawien. Eines der Hauptziele der slowenischen Widerstandsbewegung, an der auch viele Kärntner Slowenen teilnahmen, war die nationale Vereinigung in einem Staat. Dieses Ziel wurde während des Krieges nicht verheimlicht. So führte die Teilnahme vieler österreichischer Slowenen am gewaltfeien Widerstand und bewaffneten Kampf gegen den NS-Unrechtsstaat und dessen einheimische Träger zum Konflikt nach


dem Krieg.2 Im Mai 1945 wollte Jugoslawien in einem Teil Kärntens als Besatzungsmacht anerkannt werden, was allerdings nicht eintrat, denn schon Ende Mai 1945 musste sich die jugoslawische Armee aus Kärnten zurückziehen. Unter Hinweis auf die ethnische Struktur Südostkärntens und die nationale Benachteiligung und Unterdrückung der Slowenen hielt Jugoslawien seine Gebietsansprüche aufrecht. Das Land Kärnten und die Republik Österreich lehnten jede Grenzveränderung konsequent ab, bereiteten sich aber schon früh auf die erwarteten Verhandlungen über den Minderheitenschutz vor. Ende November 1946 gab die Kärntner Landeshauptmannschaft dem Bundeskanzleramt ihre Vorstellungen und Wünsche zum Staatsvertrag zwischen Österreich und den Alliierten bekannt. Zuvorderst stellte sie die Wünsche, darauf hinzuwirken, »dass ganz allgemein keine Verschärfung der Österreich bisher auferlegten Bestimmungen eintrete, dass eine ausdrückliche Bezeichnung der zu schützenden Volksgruppen (insbesondere der slowenischen Volksgruppe in Kärnten) unterbleibe, […] dass die Österreich auferlegten Verpflichtungen sich auf die in den Artikeln 62 - 69 des St.V. v. St. Germain erwähnten Prinzipien beschränken und keine weiteren Einzelbestimmungen enthalten.«3 Im Rahmen der Londoner Tagung der Sonderbeauftragten für die Vorbereitung eines Vertrages mit Österreich (im Jänner 1947) wurde der Minderheitenschutz erstmals angesprochen, nachdem Jugoslawien im Memorandum 2 Vgl. (zum Beispiel) Boris Jesih, Der Zeitabschnitt von 1945 bis 1955. In: Dušan Nećak et al. (Red.), Slovensko-avstrijski odnosi v 20. stoletju – Slowenisch-österreichische Beziehungen im 20. Jahrhundert (=Historia 8, Ljubljana 2004) S. 469-480; Theodor Domej, Der Konflikt nach dem Krieg. Die Kärntner Slowenen 1945-1949. In: Andreas Moritsch (Hsgb.), Austria Slovenica. Die Kärntner Slowenen und die Nation Österreich (= Unbegrenzte Geschichte – Zgodovina brez meja, 3. Bd., Klagenfurt/ Celovec, Ljubljana, Wien 1996) S. 86-165. 3 Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik (=AdR), BMfAA, ÖB London, Karton 2, Zl. 147.688-6-VR/46.

(Jänner 1947) einen solchen für die Burgenländer Kroaten verlangte. In diesem Memorandum meldete Jugoslawien umfangreiche Gebietsansprüche an, so das gesamte autochthone Siedlungsgebiet der Slowenen in Kärnten (ein Gebiet von 2470 km² mit 180.000 Einwohnern) und in der Steiermark (130 km² mit 10.000 Einwohnern). Im April 1947 verhandelte der Rat der Außenminister über den Vertrag mit Österreich. Sowohl in London als auch in Moskau traten hohe Vertreter Österreichs und Jugoslawiens an, um ihre Positionen zu präsentieren. Die Moskauer Beratungen endeten mit einem Schlussdokument, einem Entwurf des Staatsvertrages. Im Artikel 5 (Grenzen Österreichs) heißt es, dass die Grenzen Österreichs diejenigen sind, die am 1. Jänner 1938 bestanden haben. Diesem Artikel wurden zwei Anmerkungen hinzugefügt, die die Positionen der Siegermächte zum Ausdruck bringen. USA, Großbritannien und Frankreich standen hinter dieser Formulierung, die Sowjetunion hingegen unterstützte noch die jugoslawische Forderung nach der »Wiedervereinigung Slowenisch Kärntens mit Slowenien (als Teil Jugoslawiens)«, ebenso die Gebietsansprüche Jugoslawiens in der Steiermark und die Schaffung eines besonderen Statuts über die Rechte der Burgenländer Kroaten.4 Im Entwurf findet sich aber weder ein Minderheitenschutzartikel noch ein Annex zum Staatsvertrag, der den Minderheitenschutz konkretisiert hätte, angedacht aber war er. In Jugoslawien wurden zwischen 1947 und 1949 von Rechtsexperten mehrere Entwürfe erarbeitet, darunter auch sehr detaillierte über eine territoriale Autonomie für Slowenen in Kärnten.5 Spätestens 1947 erkannte die jugoslawische politische Führung, dass mit einem Gebietsgewinn auf Kosten Österreichs nicht zu rechnen sei. Edvard Kardelj, der führende slowenische und 4 A.a.O. 5 Arhiv Slovenije, Osebna zbirka Borisa Kraigherja, Leto 1947, Avtonomija Južne Koroške.

Der Weg zum Minder­heitenschutz­artikel des Österreichischen Staatsvertrages

einer der einflussreichsten jugoslawischen Politiker, richtete am 20. April 1947 in seiner Funktion als Außenministerstellvertreter einen Brief an seinen sowjetischen Kollegen Andrej Višinskij. Darin reduzierte er die jugoslawischen Gebietsforderungen auf ein Minimum und zeigte Bereitschaft, ganz auf sie zu verzichten. Es ging ihm hauptsächlich um die Wasserkraftwerke Lavamünd und Schwabegg oder auf die Mitverwaltung dieser Werke. Mit diesem Verzicht verband er allerdings die Forderung, die Rechte der Kärntner Slowenen im Staatsvertrag zu verankern. Als Argument führte Kardelj an, dass man anhand der „Erfahrungen, welche das slowenische Volk in Österreich gemacht hat, mit Sicherheit davon ausgehen könne, dass nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages mit dem Versuch einer gewaltsamen Germanisierung zu rechnen sei. […] Deshalb wäre es sehr bedeutsam, die schon gesetzten gesetzlichen Maßnahmen zu ergänzen und deren Umsetzung zur Gänze als Bestandteil des Vertrages und unter die Kontrolle der vier Großmächte zu stellen.“6 Marschall Josip Broz – Tito erwartete im Mai 1947, dass die jugoslawischen Forderungen bezüglich Kärntens keine guten Aussichten auf vollen Erfolg hätten. Er vertrat die Meinung, dass Jugoslawien als Mitglied der Vereinten Nationen gezwungen sei, auch eine in seinen Augen falsche Lösung zu akzeptieren.7 Als 1948 die österreichischen Vertreter aus Politik und Diplomatie den Eindruck gewannen, dass die Sowjetunion keine entschiedene Verfechterin einer Grenzverschiebung ist, konzentrierten sie ihre Bemühungen darauf, ein Autonomiestatut für die Kärntner Slowenen, insbesondere die Schaffung eines autonomen Gebiets, zu verhindern. In diesem Zusammenhang galt die Aufmerk6 Zitiert nach Koroška Kronika, 19. 8. 1949, S. 2 (eigene Übersetzung). 7 Dragomir Vučinić (Red.), Dokumenti o spoljnoj politici Socijalističke Federativne Republike Jugoslavije 1947, I. (Beograd 1985) S. 538.

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samkeit der Frage, wer überhaupt als Slowene anzusehen wäre. Bekanntlich klafften die Angaben Österreichs und Jugoslawiens über die zahlenmäßige Stärke der Slowenen weit auseinander, weil unterschiedliche Kriterien herangezogen wurden. Österreich ließ (unter Hinweis auf die »moderne Auffassung über demokratische Freiheit«) nur das subjektive Bekenntnis zu, die Slowenen orientierten sich an den sogenannten objektiven Merkmalen (Muttersprache, Sprache im Familienkreis, Abstammung). Die Frage nach den tieferen Ursachen des erstaunlich großen Unterschiedes zwischen der Alltagssprache und dem nationalen Bekenntnis wurde von österreichischer Seite nicht erörtert. Das Resultat der Jahrzehnte langen Subalternität der Minderheit sollte zur Basis des künftigen Minderheitenschutzes werden. Am 26. April 1948 überreichte Jugoslawien ein weiteres Memorandum zu Fragen des Vertrages mit Österreich. Jugoslawien reduzierte geringfügig seine Gebietsansprüche (um rund 680 km² mit einer Einwohnerzahl von etwa 40.000 Personen) und legte erstmals einen sieben Punkte umfassenden Vorschlag eines Minderheitenschutzartikels für »die Angehörigen der jugoslawischen Minderheit in Österreich – die Kroaten im Burgenland und die Slowenen in Kärnten« vor (Annex A, Provisions on the Protection of the National Rights of the Yugoslav Minority in Austria). Dabei handelt es sich gewissermaßen um die Urfassung des späteren Artikels 7 des Österreichischen Staatsvertrages. Die Schutzbestimmungen sollten für die Kroaten im Burgenland und – genau genommen – für den kleinen Rest der bei Österreich verbleibenden Kärntner Slowenen (hauptsächlich im Unteren Gailtal und südlich von Villach, deren Zahl das Memorandum auf 15.000 Personen schätzte) Geltung bekommen. Die Slowenen in der Steiermark wurden im Annex konsequenterweise nicht erwähnt, denn Jugoslawien hielt seine Forderungen auf das Dreieck von Rad-

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kersburg noch aufrecht. Das österreichische Außenministerium erkundete sofort nach der Übergabe des Memorandums bei den Ministerien die neue Ausgangslage und die möglichen Konsequenzen im Hinblick auf die damals aktuelle Rechtssituation. Bei den Pariser Verhandlungen des Außenministerrates über Österreich im Juni 1949 fiel die Grundsatzentscheidung über die österreichischen Staatsgrenzen. „Die Außenminister sind übereingekommen: a) dass die Grenzen Österreichs jene vom 1. Jänner 1938 sein sollen; b) dass der Vertrag für Österreich vorsehen soll, dass Österreich den Schutz der Rechte der slowenischen und kroatischen Minderheiten in Österreich gewährleiste“,8 lautete das Kommuniqué und signalisierte das Junktim zwischen Grenzverlauf und besonderem Minderheitenschutz für Kroaten und Slowenen. Der Wortlaut des sowjetischen Vorschlags des Minderheitenschutzartikels wurde am 2. Juli 1949 eingebracht und orientierte sich am Wortlaut des Annexes A, den Jugoslawien im Memorandum 1948 vorlegte. Der Artikel 7 ist also unlöslich mit den Forderungen Jugoslawiens an Österreich verknüpft. Über weite Strecken wurde er vom Annex A des Memorandums aus dem Jahr 1948 beeinflusst. In leicht gekürzter und abgeänderter Form brachte ihn im Juni 1949 der sowjetische Delegationsführer bei den Staatsvertragsverhandlungen als Diskussionsgrundlage ein.9 Außenminister Karl Gruber signalisierte umgehend seine Zustimmung, um einerseits die Verhandlungen um den Staatsvertrag nicht zu verzögern und andererseits eine in Einzelheiten gehende Formulierung des Minderheitenschutzartikels zu vermeiden. Am 19. Juli 1949 behandelte der Ministerrat den Minderheitenschutzartikel. Im Außenministerium wurde ein internes Papier erstellt, das eine Bewertung des 8 Zitiert nach Stourzh (wie Anm. 1) S. 219. 9 Stourzh (wie Anm. 1) S. 58 f.

zur Diskussion stehenden Artikels umfasste. „Ein kurzer Blick auf den sowjetischen Vorschlag zeigt, dass die darin vorgeschlagenen Bestimmungen zwar sicherlich jene Präzision und Klarheit vermissen lassen, die wir traditionsgemäß von der Regelung einer so schwierigen Materie erwarten, Österreich aber in meritorischer Hinsicht, vielleicht gerade wegen ihrer Unpräzision geradezu unerwartet wenig Bindungen auferlegen“, heißt es dort.10 Die „so allgemein gehaltene Fassung des sowjetischen Vorschlages (biete) sogar gewisse Vorteile“, denn es bliebe „offenbar der Bundesregierung überlassen, die für die praktische Durchführung der grundsätzlichen Regelung erforderlichen Durchführungsanordnungen zu treffen“.11 Das unausgesprochene Motto lautete: Je allgemeiner die Formulierungen, desto besser. Der Ermessens- und Handlungsspielraum für den Gesetzgeber sollte möglichst groß sein. Insbesondere warnte der betreffende Experte des Außenministeriums davor, die Frage der Merkmale für die Zugehörigkeit zu einer Minderheit im Zuge der Verhandlungen aufzurollen, denn er nahm an, dass die sowjetische Seite die Anerkennung der sogenannten objektiven Merkmale (d.i. vor allem die Muttersprache) verlangen würde. Das offizielle Österreich ging, wie bereits erwähnt, vom subjektiven nationalen Bekenntnis aus. An die österreichische Delegation bei den Staatsvertragsverhandlungen (in London) wurde ein Schreiben gerichtet, wie bei den Verhandlungen vorzugehen sei. Die meisten Änderungswünsche beschränkten sich auf die für den Schulbereich vorgeschlagenen Bestimmungen. Das Bundesministerium für Unterricht wünschte den Volksschulunterricht in slowenischer Sprache an „eine verhältnismäßig beträchtliche Zahl österreichischer Staatsbürger slowenischer Sprachzugehörigkeit“ und im Mittelschulbereich an einen „proportio10 AdR, Bundeskanzleramt – Auswärtige Angelegenheiten, GZ 85.485-Pol/49. 11 A. a. O.


Quelle/ vir: Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien.

Staatsvertragsverleihung Podelitev Avstrijske državne pogodbe

Der Weg zum Minder­heitenschutz­artikel des Österreichischen Staatsvertrages

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nellen Anteil […] an der Gesamtzahl der Mittelschüler im betreffenden Land“ zu binden. Österreich wollte auch den Begriff „Minderheiten“ möglichst vermeiden und ihn durch die Formulierung „österreichische Staatsangehörige slowenischer oder kroatischer Zunge“ ersetzen, „denn der Ausdruck ,Minderheiten´ könnte bei sehr extensiver und böswilliger Interpretation immerhin dahin ausgelegt werden, dass ihnen korporativer Charakter zuerkannt wird“. Aus diesem mit 19. Juli 1949 datierten Papier geht hervor, dass Österreich viel daran lag, die „Anerkennung der Minderheiten als Körperschaften des öffentlichen Rechtes“ zu vermeiden.12 Der Ministerrat ermächtigte die österreichische Delegation, „den sowjetischen Text zur Aufnahme zu empfehlen, wenn andernfalls eine längere Verzögerung der Verhandlungen zu befürchten wäre“.13 Bei den Detailverhandlungen (zwischen 17. und 24. August 1949) setzte sich der sowjetische Vorschlag durch. Der von Großbritannien (auf Österreich zurückgehende) Vorschlag, die Minderheitsrechte im Bereich der Gerichts-, Amtssprache und anderer öffentlicher Angelegenheiten auf „Städte und Bezirke mit einer verhältnismäßig beträchtlichen Bevölkerung slowenischer oder kroatischer Sprache“ zu beschränken, wurde nicht angenommen.14 Die im August 1949 erarbeitete und von den Sonderbeauftragten vereinbarte Fassung des Minderheitenschutzartikels wurde 1955 unverändert in den Staatsvertrag übernommen. Die Minderheitenschutzbestimmungen waren ein Kompromiss mit Vorteilen für Österreich. Österreich stimmte ihnen früher zu als Jugoslawien. De facto anerkannte Jugoslawien allerdings die Beschlüsse von Paris, wenngleich Jugoslawien den Kriegszustand mit Österreich formell erst am 16. Jänner 1951 beendete. In mehrerer Hinsicht war der Artikel 7 sowohl für Österreich als auch für 12 AdR, BKA-AA, Zl. 85.367-Pol/49. 13 A. a. O. 14 Stourzh (wie Anm. 1) S. 61.

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Jugoslawien nur zweite Wahl. Österreich sah keinen Bedarf an einem Minderheitenschutzartikel und gab seinen Widerstand gegen einen solchen erst 1949 auf. Jugoslawiens erstes Ziel war die Annexion eines Teiles von Kärnten und Reparationen für die von der NS-Besatzungsmacht verursachten Schäden. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass auch ein Teil der Kärntner Slowenen für die Angliederung ihres autochthonen Siedlungsgebietes an Jugoslawien war. Unzweifelhaft aber ist, dass die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung der von Jugoslawien reklamierten Gebiete für den Verbleib bei Österreich war. Die Eliten der slowenischen Bevölkerung waren geteilter Meinung. Unter denjenigen, die sich für die Gleichberechtigung der Slowenen einsetzten, gab es viele, die eine Loslösung Südostkärntens von Österreich befürworteten oder diese zumindest hinzunehmen bereit waren. Die einzelnen Artikel des Staatsvertrages sind unausgewogen formuliert. Einige haben einen sehr präzisen Wortlaut, einige wiederum sind allgemein gehalten. Zur ersten Kategorie gehören zum Beispiel die militärischen und Luftfahrtbestimmungen, die Teile IV (Aus dem Krieg herrührende Ansprüche) und V (Eigentum, Rechte und Interessen), die bis in die Einzelheiten gehen und insbesondere die materiellen Interessen der Sowjetunion betreffen. Genau festgelegt sind auch einige grundsätzliche Bestimmungen, die den Bestand Österreichs als unabhängigen Staat absichern (einschließlich des Anschlussverbotes an Deutschland). Eher allgemeiner sind die Artikel über die Menschenrechte gehalten. Artikel 7 nimmt eine Zwischenposition ein, insbesondere dann, wenn man das kurze Feilen an seinem Wortlaut während der Staatsvertragsverhandlungen im Sommer 1949 berücksichtigt. Jugoslawien und den slowenischen politischen Vertretungsorganisationen schwebte jedoch eine genauere Festlegung der Minderheitenschutzbestimmungen vor.

Dazu kam es nicht, womit die österreichische politische Führung und die Diplomatie durchaus zufrieden waren. Den Minderheiten wurde keine (territoriale oder kulturelle) Autonomie und auch kein besonderer Status eingeräumt, wie sie etwa die Religionsgemeinschaften oder Kammern haben. Es kam also nicht zur Gewährung des Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft. Den Minderheitsangehörigen blieb es anheimgestellt, sich auf Vereinsbasis zu organisieren. Auf dem Weg zum Österreichischen Staatsvertrag waren viele Hindernisse und Stolpersteine zu überwinden. Die größte Hürde stellte die weltpolitische Lage dar, die ganz im Zeichen des Kalten Krieges stand. Unter den konkreten Fragen war im Vergleich mit einigen anderen (etwa das deutsche Eigentum) die Frage der Staatsgrenze und des Minderheitenschutzartikels eine eher kleinere Herausforderung. Sie hatte aber besonders in Kärnten eine nachhaltige Auswirkung auf das politische Klima. Im Zusammenhang mit der offenen Grenzfrage bot sich den Anhängern des deutschnationalen Lagers die Gelegenheit, ihre Einstellung zu bewahren und sich als „heimattreue“ Gruppe zu präsentieren. In diesem Kontext wurden auch ehemalige Parteimitglieder der NSDAP in die regionalen gesellschaftlichen Eliten aufgenommen. Die Vereinnahmung der Heimat durch das deutschnationale Lager führte zur Ausgrenzung der Volksgruppe. Zu einem Gutteil hat es sich aber die zahlenmäßig kleine Führungsgruppe der slowenischen Minderheit selbst zuzuschreiben, dass es leicht war, ihr in den ersten Jahren nach 1945 Irredentismus vorzuwerfen. Es ist nicht zu leugnen, dass die politisch offene Grenzfrage in einer für den Aufbau der Nachkriegsstrukturen entscheidenden Zeit die Volksgruppe auf Dauer schwächte. Weil die Staatsgrenze faktisch schon 1945, spätestens aber 1947 feststand und sie danach bis 1949 nicht zuletzt von Jugoslawien in taktischen Manövern eingesetzt wurde,


bekommt der eingetretene politische Schaden noch einen zusätzlichen bitteren Beigeschmack. In Österreich gab es bis zur Unterzeichnung des Staatsvertrages so gut wie keine Zivilgesellschaft, die ein Gegengewicht zur medialen und politischen Isolation der Minderheit gebildet hätte. Selbst die Annäherung der verwandten ideologischen Lager bei Slowenischund Deutschsprachigen blieb auf eine zahlenmäßig sehr kleine Gruppe beschränkt oder sie war meist nur möglich, wenn sich die Angehörigen der Minderheit auf den Weg der Assimilation und Abwendung vom organisierten kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben der Volksgruppe begaben. Erst in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts bildete sich unter dem Schock des Kärntner Ortstafelsturmes eine Solidaritätsbewegung mit den in Österreich beheimateten Minderheiten heraus. Wie sieht es heute mit dem Befinden der Volksgruppen aus? In der Meteorologie kennt man den Unterschied zwischen der tatsächlichen und der gefühl-

ten Temperatur. Wie man sich fühlt, hängt nicht nur von der gemessenen Lufttemperatur ab, sondern auch von anderen Faktoren, zum Beispiel von der Windgeschwindigkeit, von Niederschlägen oder der Luftfeuchtigkeit. So ähnlich ist es auch beim Minderheitenschutz. Die Rechtslage allein bestimmt noch nicht das Empfinden, es kommt auch auf andere Umstände an, etwa darauf, ob es offene oder verdeckte Formen der Diskriminierung gibt oder nicht (in den Medien, im politischen Diskurs, im Alltagsleben). So gut wie alle geltenden Minderheitengesetze sind noch von einer Zeit geprägt, als man den Volksgruppen mit Misstrauen begegnete. Die politische Wende in Slowenien (Jugoslawien) und der Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union wirkte sich positiv auf die Wahrnehmung der Minderheit durch die Mehrheitsbevölkerung aus. Der Ortstafelkompromiss des Jahres 2011 und das Ergebnis der Kärntner Landtagswahl vom 3. März 2013 brachten eine weitere merkliche Klimaverbesserung. Trotz allem aber haftet

Der Weg zum Minder­heitenschutz­artikel des Österreichischen Staatsvertrages

dem nun in Geltung stehenden Volksgruppengesetz der Beigeschmack der Kleinlichkeit an, wenn man etwa das Feilschen um die Prozentsätze für die zweisprachigen Ortstafeln und das Recht auf den Gebrauch des Slowenischen als Amtssprache denkt. Wie labil, zurückhaltend, skeptisch bis ablehnend die Einstellung gegenüber den Slowenen immer noch ist, beweist die gerade aktuelle Diskussion um die Erwähnung oder das Verschweigen der Slowenen in der zu reformierenden Kärntner Landesverfassung. Die Umsetzung des Minderheitenschutzes ist zum Großteil eine Frage der politischen Entscheidung und der politischen Kultur einer Gesellschaft, und nur zum Teil Auswirkung des Verfassungs- oder Völkerrechtes. Die Minderheitenschutzbestimmungen des Artikels 7 sind weder für den Staat als Verpflichteten noch für die Minderheiten als Begünstigte eine Sinekure. Sie binden beide Seiten, machen beide zu Nutznießern und damit zu Partnern.

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„Grenze schau’n!“

Robert

Der nationale „Grenzland“Tourismus deutscher und slowenischer Schutzvereine in Steiermark/Štajerska 1918-1941 � & � Christian Promitzer „Wir stehen auf einem der höchsten Punkte der von uns zu untersuchenden Grenzlandschaft, auf der Höhe von Großwalz und lassen unsere Blicke auf die unter uns liegende Hügellandschaft nach Norden und Süden schweifen. Nach Norden hin streift unser Blick noch das Grazerfeld, und dahinter erhebt sich ganz deutlich der Schöckel, im Süden sehen wir die letzten Ausläufer der Windischen Büheln und dahinter das weite Marburger Becken. Mitten durch diese Landschaft, die vom Grazerfeld bis hinunter zum Marburgerbecken landschaftlich eine Einheit bildet, zieht unsere heutige Staatsgrenze an der Südost-Ecke des Großdeutschen Reiches. Nicht Verstand und Vernunft waren hier am Werke, sondern ein blinder Hass gegen alles Deutsche. Unsere heutige Staatsgrenze, geschaffen durch den Gewaltvertrag von St. Germain geht mitten durch dieses Hügelland und teilt dieses gleichsam in zwei Stücke. Auf beiden Seiten, hüben und drüben das gleiche wellige Land, die gleiche Kulturlandschaft und auch die gleichen Menschen.“1 Diese Zeilen stammen aus dem Jahr 1939. Sie stammen aus der Feder nationalsozialistisch eingestellter Studierender der Grazer Hochschulen. Achtzehn von ihnen hatten sich im Sommer 1938 – wenige Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs – aufgemacht, um das Alltagsleben der ländlichen Bevölkerung an der Grenze im Verlaufe mehrerer Wochen zu studieren. Nach ihrer Rückkehr verfassten sie eine etwa vierhundertseitige Schrift mit dem Titel „Lebensfragen der Grenzbevölkerung untersucht an der steirischen Südgrenze“, mit der sie – ohne einen Preis zu gewinnen – am sogenannten Reichsberufswettkampf deutscher Studenten teilnahmen. Die Schrift bildete den Abschluss einer deutschnationalen Tradition, die man salopp mit den Worten „Grenze schau’n“ umschreiben könnte und die in den zwei Jahrzehnten seit dem zweiten Weltkrieg unterschiedliche Ausprägungen erfahren hatte. Grundsätzlich ging es um den Versuch, die Grenze und die Folgen der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg einer breiteren Öffentlichkeit „sichtbar“ zu machen und einen „nationalen Ausflugstourismus“ an diese Orte in Gang zu bringen. Im selben Ausmaß, in dem es zur Sichtbarmachung der Grenze kam, wurde die Tatsache, dass es mit der sprachlichen und ethnischen Homogenität des Grenzlandes – wie es zuletzt Klaus-Jürgen Hermanik in seiner Monographie über die ver-

Christian Promitzer ist 1962 in Graz geboren. Seine Großmutter väterlicherseits stammt aus dem Dorf Bučečovci – Wudischofzen auf dem Mursko polje/ Murfeld zwischen Radenci und Ljutomer. 1980-1988 Studium der Geschichte, Germanistik und Slawistik in Graz. 19931994 Mitarbeit am Forschungsprojekt Slowenen in der Steiermark und 1995-1996 Sekretär des Artikel-VII-Kulturvereins für Steiermark. 1996 Vollendung der Dissertation Verlorene Brüder. Die Geschichte der zweisprachigen Region Leutschach im 19. und 20. Jahrhundert. Seit 1997 Vertragsassistent am Institut für Geschichte (Fachbereich Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie) der Karl-Franzens-Universität Graz. 2002 Mitherausgeber von Grenzenlos zweisprachig. Die Erinnerungen des Keuschlersohns Anton Šantel (1845-1920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg. 2009 Mitherausgeber des Bandes (Hidden) Minorities. Language and Ethnic Identity between

1 Lebensfragen 1, 6: Lebensfragen der Grenzbevölkerung untersucht an der steirischen Südgrenze. Reichsberufswettkampf der deutschen Studenten, Kennummer 967, Gau Steiermark. Mannschaftsführer: Willi Schüler (1938/39), (Manuskript, Graz 1938) (Universitätsbibilothek Graz Sign. II 199.142), Bd. 1, S. 6.

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Central Europe and the Balkans. 2010 Mitautor der kollektiven Monographie S kajera vün potegjeno: oblačilna in plesna dediščina križevske fare z okolico. 2012 Wissenschaftliche Betreuung der Ausstellung Gledat, kaj delajo. Schauen, was sie machen: Einblicke in die slowenische Geschichte und Kultur der Steiermark. Vpogledi v slovensko zgodovino in kulturo na avstrijskem Štajerskem im ehemaligen Kasino Maribor. Seit 2014 Mitarbeit im Bildungsverein der KPÖ Steiermark. Seit dem Anfang der 1990er Jahre zahlreiche Aufsätze über die Geschichte der SlowenInnen in der Steiermark

steckte Minderheit der Soboth gezeigt hat – nicht weit her war, ausgeblendet.2 Das Ausmaß der Aktivitäten der vom „Grenzland“ angezogenen, nationalistisch eingestellten Touristen konnte jedoch von beschaulichen Ausflügen bis hin zu aktiver Arbeit im Feld – sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinn – reichen. Wenn von „nationalem Ausflugstourismus“ die Rede ist, so muss man auch die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts berücksichtigen. Pieter Judson und Michel Wedekind haben die frühen Formen dieses Phänomens, wo Sommerfrische, Neugier des Touristen, und die Erschaffung nationaler Stätten die Raumwahrnehmung und Markierung nationaler Grenzen prägten, am Beispiel der tschechisch-deutschen, slowenisch-deutschen und italienischdeutschen Sprachgrenzen untersucht. In der Steiermark bezog sich diese Form des Tourismus auf den organisierten Besuch des deutschen Kolonisationsgebietes rund um den Ort St. Egidi (heute Šentilj). Hier versuchten die deutschnationalen Schutzvereine Südmark und Heimstätte in den Jahren vor dem Weltkrieg durch gezielten Bodenkauf und Ansiedlung von Protestanten aus dem Deutschen Reich quer durch das slowenische Sied­lungsgebiet einen deutschen Korridor zwischen der Stadt Marburg und dem geschlossenen deutschen Siedlungsgebiet der Steiermark zu schaffen.3 2 Klaus-Jürgen Hermanik, Eine versteckte Minderheit. Mikrostudie über die Zweisprachigkeit in der steirischen Kleinregion Soboth (Weitra o.J. [2007]), bes. 226-244. 3 Vgl. in Auswahl: Pieter Judson, Guardians of the Nation. Activists on the Language Frontiers of Imperial Austria (Cambridge MA: Harvard University Press, 2006), bes. S. 141-159; ders., „Reisebeschreibungen in der „Südmark“ und die Idee der deutschen Diaspora nach 1918” in Peter Stachel and Martina Thomsen (Hg.), Zwischen Exotik und Vertrautem: zum Tourismus in der Habsburgermonarchie und ihren Nachfolgestaaten (Bielefeld 2014), S. 59-76; Michael Wedekind, „Reisen an den Abgrund: Zur Ethnifizierung von Tourismus vor dem Ersten Weltkrieg“ in: Patrick Gasser, Andrea Leonardi und Gunda Barth-Scalmani (Hg.), Krieg und Tourismus im Spannungsfeld des Ersten Weltkrieges (Meran – Innsbruck 2014), S. 99-138 und 485-491.

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Ein anderes Beispiel für diese Art von nationalem Tourismus ist der von Ludwig Jahne verfasste, aus dem Jahr 1914 stammende „Völkische Reiseführer durch die Deutschen Siedlungen Südösterreichs“, der vom Fremdenverkehrs­ ausschuss der deutschen Volksräte für die Alpenländer herausgegeben wurde und Untersteiermark, Südkärnten, Krain, das Adria-Gebiet mit Triest, Südtirol, sowie Wien und Niederösterreich – letztere wegen der nationalen Bedrohung durch die tschechische Zuwanderung – umfasste. Der Reiseführer entstand auf Grund der Beobachtung, „dass die Zahl jener Reisenden sich mehrt, welche im südöstlichen Österreich nicht nur die großartigen Naturschönheiten genießen wollen, sondern welche aus den Geschicken ihrer deutschen Stammesgenossen, die dort neben und unter Slaven und Italienern wohnen, Teilnahme entgegenbringen.“4 Das eigentliche Ziel des Reiseführers war es, die Ströme der Reisenden nach nationalen Gesichtspunkten zu lenken. So wurden „die wichtigsten Orte nach Reiselinien geordnet, beschrieben, nämlich die Zahl der Deutschen, ihr Einfluss auf die Gemeinden, ihre Schulen, Schutzvereine und andere deutsche Vereine, ihre Kämpfe mit den Volksgegnern, endlich folgen kleine geschichtliche und wirtschaftliche Bemerkungen.“5 Im Falle der Untersteiermark führte der Reiseführer Marburg an der Drau als zentralen Ort an, von dem auch wichtige Reiserouten ausgingen. Die wichtigste führte entlang der Südbahn in das Besiedlungsgebiet des Vereins Südmark nach St. Egidi (heute Šentilj) und Spielfeld. Eine weitere Route führte von dort – wieder entlang einer Eisenbahnroute – über Radkersburg nach Luttenberg (heute Ljutomer), sowie eine dritte von Marburg – ebenfalls einer Eisenbahnlinie folgend – die das national umkämpfte Drautal 4 Ludwig Jahne, Völkischer Reiseführer durch die deutschen Siedlungen Südösterreichs: Festgabe zum fünfundzwanzigjährigen Bestand des Deutschen Schutzvereines Südmark (Klagenfurt 1914), S. 1. 5 Ebda. S. 2.


St. Egidi in den Windischen Büheln vor dem Ersten Weltkrieg Šentilj v Slovenskih goricah pred prvo svetovno vojno

flussaufwärts bis nach Unterdrauburg (heute Dravograd). Durch den Ausgang des Ersten Weltkriegs veränderten sich die nationalen Kräfteverhältnisse in der Steiermark: die Untersteiermark, in der die deutschen Schutzvereine Südmark und Deutscher Schulverein mit ihren vielfältigen Strategien der Germanisierung bislang in der Offensive gewesen waren, kam an das Königreich SHS und wurde nun umgekehrt zum Schauplatz von Slowenisierungsstrategien, die sich am deutschen Beispiel orientierten. Die deutschen Schutzvereine waren nun auf ungeliebte neue Grenzen zurückgeworfen. So heißt es 1922 in einem Aufruf, den der Verein Südmark 1922 über „das Deutschtum in den geraubten Gebieten“ verfasst: „Die Abgrenzungsarbeiten gehen ihrem Ende zu. Schmerzlicher und sehnsuchtsvoller denn je werden die Blicke, die das deutsche Volk in den geraubten Gebieten nach dem alten, nach dem großen deutschen Vaterlande richtet. […] Unermüdlich müssen wir unseren Landsleuten zurufen, dass Grenzpfähle nichts Ewiges sind, dass sie heute oder morgen ein Nichts sein werden, dass aber das Deutschtum unvergänglich, dass Deutschsein und Deutschbleiben Alles

„Grenze schau’n!“

ist.“6 Dennoch sollten es gerade diese ungeliebten Grenzlinien sein, die die ganze Zwischenkriegszeit hindurch deutschnationalen Wander- und Wallfahrtsorten repräsentierten und dadurch sichtbar gemacht wurden. Diese Veranschaulichung der neuen Grenzlinien – ein exotisierendes „Grenze schau’n“ um es salopp zu formulieren – hatte eine zweifache Funktion: es diente der ethnischen „Flurbereinigung“ gegenwärtiger und der Projektion künftiger nationaler Besitzstände, wobei die Gefahren, die von den Grenzen als nationale Ränder ausgingen, ein ständiges diskursives Begleitmotiv waren. Als weiteres Element, das diese Art von nationalem Tourismus kennzeichnet, ist die Verbindung von Fernweh und nationalem Kampf, wie dies ein Beitrag in der Südmark-Bundeszeitung aus dem Jahr 1924 nahelegt: „Im Worte ‚Südmark‘ ist zweierlei enthalten, was auf den Deutschen anziehend wirkt. Der ‚Süden‘, das Sonnenland, zu dem ein geheimes Sehnen dem Germanenherzen eingeboren war, und die ‚Mark‘, die Kampfzone, der Gürtel völkischer Gespanntheit und Bereitschaft, der sich 6 „Für das Deutschtum in den geraubten Gebieten,“ in: Die Südmark. Alpenländische Monatsschrift für deutsches Wesen und Wirken (1922), Heft 2, S. 70-71.

um das gesicherte, leider meist gleichgültige Binnenland legt.“7 Schon frühzeitig wurde erkannt, dass die Region Soboth im Südwesten der Steiermark, deren Bevölkerung sich im sogenannten Abwehrkampf einer jugoslawischen Okkupation widersetzt hatte, ein magisches Potential für Grenzlandwanderungen hatte: „Soboth. Das ist ein Land, ein kleines merkwürdiges Land. Liegt in Österreich und man kann nicht hin, wenn man nicht recht gute Füße hat und nicht recht wetterfest ist. Straße oder Fahrweg mindestens geht keiner dorthin. Und doch wohnen viele und gar prächtige deutsche Menschen dort. Wo ist nun dieses rätselhafte, weltferne, deutsche Bauernland? Unten da im südlichen Koralpengebiet, eingeschlossen von der südslawischen Grenze und von hohen unwegsamen Bergen Steiermarks und Kärntens. Der Friedensvertrag hat dieses eingekerkerte Waldbauernland geschaffen und die deutsche Treue.“8 In den folgenden Jahren erwarb die Südmark dort ein Grundstück, sammelte Gelder für den Bau 7 Georg A. Lukas, „Land und Leute im Südmarkgebiet,“ in: Südmark-Bundeszeitung (im folg. abgekürzt als SMBZ) (1924), Heft 5-6, S. 5f. 8 „Soboth,“ in: Die Südmark. Alpenländische Monatsschrift für deutsches Wesen und Wirken (1922), Heft 10, S. 351.

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von Schulen, und errichtete dort einen Musterhof sowie nationale Denkmäler. Anhand der Soboth und ihrer näheren Umgebung kann man drei unterschiedliche Formen des deutschnationalen Grenzlandtourismus für die Zwischenkriegszeit unterscheiden: die zur Nachahmung animierende Wanderung des Einzeltouristen, die klassische deutschnationale Grenzlandfahrt in großen Gruppen anlässlich der Eröffnung bzw. Einweihung von Schulen und nationalen Gedenkstätten; und die neuartige Form der Jugendreise, die oft mit Arbeitseinsatz und einer mehrwöchigen Einquartierung bei der Bevölkerung einherging. Deutschnationaler Individualtourismus an die Grenze ist quellenmäßig schwerer zu erfassen als Massenversammlungen – es sei denn, die einzelnen Reisenden hinterließen Berichte, wie dies der Fall anlässlich der Grenzwanderung des Grazer Volkskundlers Viktor Geramb war, von der er im Jahrgang 1926/27 der „Alpenländischen Monatshefte“ erzählt: „Es ist nur ein kleiner, aber doch bezeichnender Ausschnitt aus unserer neuen Reichsgrenze, von dem hier erzählt werden soll: von Lavamünd bis zum Radlpaß, kaum zwanzig Kilometer Luftlinie, bei ebenen Wegen also in vier Gehstunden abzuschreiten. In Wirklichkeit braucht man aber dazu nebst guter Lunge und gesundem Herzen zwei Tage.“ Von Grenzgendarmen lässt sich Geramb „das Stück der Grenze … zeigen, dass man von hier aus überblicken kann. Es ist seltsam genug, denn es erinnert an einen Blitz, und zwar sowohl [wegen des unregelmäßigen Verlaufes] an diesen selbst, wie auch an seine Bedeutung im wenig höflichen, hier aber wahrlich zutreffenden Wörtlein ‚blitzdumm‘.“9 Teilweise wendet sich der Verlauf der Grenze so jäh, dass ein Entlangmarschieren unmöglich ist. Stellenweise beklagt der Autor, dass die Grenzlinie quer durch eine Talschaft ge9 Viktor Geramb, „An der Grenze,“ in: Alpenländische Monatshefte für das deutsche Haus (1927/28), S.38-47, hier S. 39.

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zogen worden sei, anstatt sich am Talboden oder wenigstens am Kamm zu orientieren. „Wir traten in das Bergbauernhaus Schedernigg, ein typisches, uraltes Rauchstubenhaus, und ich bat die Bäuerin um etliche Auskünfte. Ihre Antworten stellten den jahrhundertealten, rein deutschen Charakter dieser Bergbauernwelt einwandfrei fest. Alle Benennungen der Geräte und Raumteile sind deutsch.“10 Auch auf der jugoslawischen Seite der Grenze wurde haltgemacht. „Bereitwillig gaben uns die Bauern, die uns ausnahmslos deutsch anredeten, Auskunft. Auf der slowenischen Seite musste ich eigens bitten, damit mir auch die slawische Benennung der einzelnen Teile gesagt würde.“11 Diese Beobachtungen werden abgelöst von den Schilderungen menschenleerer Berglandschaften und ansonsten verstärkt durch die Wiedergabe von Anekdoten der Bevölkerung aus der „Leidenszeit“ des „Abwehrkampfes“ gegen die versuchte südslawische Besetzung in den Monaten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Nur einmal trat unbewusst ein sperriges Element in den ansonsten vom Leitbild der ethnischer Homogenität geführten Diskurs: Vor der provisorisch eingerichteten Schule von Rothwein traf Geramb „die junge blonde Lehrerin mitten in der Schar ihrer zweiundzwanzig deutsch-slowenischen Schulkinder.“ Der Lehrerin zufolge seien „die slowenischen Kinder in der Schule etwas unbeholfener, aber auch hingebender, erstaunter, man möchte fast sagen märchenhafter […] als die deutschen. In ihrer äußeren Erscheinung zeige sich bei den Slowenen dunklere Färbung und ein leicht mongoloider Gesichtstypus häufiger.“12 Der klassische deutsche Grenzlandtourismus wurde nach dem Ersten Weltkrieg erstmals wieder 1924 im großen Maßstab eingeführt. Nach dem sogenannten „Deutschen Tag“ in Graz, der für Auslandsdeutsche zu Pfingsten von 10 Ebda. S. 40. 11 Ebda. S. 44. 12 Ebda 45f.

der Südmark in Graz organisiert worden war, fanden Fahrten in die Grenzgebiete statt: eine zweitägige Reise ins Burgenland, eine eintägige Fahrt nach Radkersburg an der Grenze gegen Südslawien, und eine zweitägige Wanderung über Eibiswald in die Soboth an der südslawischen Grenze entlang.13 An der Fahrt in die Soboth nahmen etwa vierzig Personen teil, einerseits um die Mängel des dortigen Schulwesens zu studieren und andererseits um sich das einsame Waldland an der Grenze vorführen zu lassen: „Die Teilnehmer der Wanderung, die aus dem Kaukasus stammten, fanden viel Ähnlichkeit mit den unwegsamen Schluchten und den Wäldern des Hochgebirges ihrer Heimat, und die von der Wolga gekommen waren, verglichen die Abgelegenheit dieser Waldbauerndörfer mit der Einsamkeit ihrer Heimatgemeinden in der weiten Steppe.“14 Die Gruppe wurde mit dem Auto auf den Radlpass gebracht und von dort ging ein Fußmarsch die Grenze entlang in die Soboth, wo Böller geschossen wurden. Gut zwei Jahre später, im Oktober 1926, weihte der Deutsche Schulverein Südmark die mit seinen Geldern errichtete neue Schule in Soboth ein. Sie war nach Gustav Groß, dem Gründer des Deutschen Schulvereins, benannt worden. Zugleich übergab die Deutsche Studentenschaft der Wiener Universität das von ihr gestiftete Kriegerdenkmal. „Um 9 Uhr vormittags etwa waren die zum Teil aus weiter Ferne heranziehenden Festgäste auf der luftigen Höhe, die an waldumrahmten Waldboden erinnert, alle eingetroffen; einige hatten sich schon am Vortag eingefunden und oben übernachtet. Pöllerschüsse und einheimische Musik begrüßten die Ankommenden, …“ Der Festgottesdienst wurde durch einen Männerchor begleitet, der Schuberts Deutsche Messe sang. „Alle Ausführungen“ der Redner „gipfelten im 13 „Deutscher Tag in Graz,“ in: SMBZ (1924), Heft 5-6, S. 23 14 Robert Mayer, „Die Soboth. Ein Ausflug der deutschen Schutzbundtagung,“ in: SMBZ (1924), Heft 7-8, S. 2f.


Versprechen, dies Stück deutscher Erde, durch todbereite Heimatliebe geweiht und geheiligt, unserem Volk zu erhalten und zu pflegen, dass es ein starker Grenzposten im Völkerringen bleibt. […] Die Absingung des Deutschlandliedes beschloss die schöne Feier.“15 Auf ähnliche Weise wurden in der näheren Umgebung 1930 die Einweihung der nach dem deutschnationalen Dichter Hans Klöpfer benannten Südmark-Schule in Rothwein, sowie 1931 jene der Schule im benachbarten Laaken und 1936 der Peter-Rossegger-Schule in Kleinradl begangen. Die Schulweihe von 1936 war zugleich auch eine Manifestation des Deutschtums, zumal der Deutsche Schulverein Südmark viele kaum verhüllte Anhänger des Nationalsozialismus beherbergte. Zugleich erreichte die Darstellung der Verschmelzung von Nationalismus und Raum einen Höhepunkt: „Zu wiederholten Malen war im letzten Jahrzehnt Eibiswald der Treff- und Ausgangspunkt für die Teilnehmer an der Weihe einer Grenzschule des Deutschen Schulvereines Südmark im einsamen, bedrohten Südwestwinkel der Steiermark. Beständig steigt die Zahl derer, die durch ihr Erscheinen beweisen, dass sie die Bedeutung der Schutzvereinsarbeit richtig einzuschätzen wissen. In hellen Scharen hatten sich Hunderte und Hunderte am Morgen des 18. Oktober im flaggengeschmückten Markt eingefunden, um der festlichen Weihe des neuen Schulhauses in Kleinradl beizuwohnen und einen Tag der Freude mit der Grenzbevölkerung zu begehen. Ein großer Gesellschaftswagen hatte dreißig Gäste aus Wien gebracht […]; in fünf Wagen waren die Grazer eingetroffen […]. Auch die Jugend war zahlreich vertreten durch Mitglieder der Ortsgruppe Jung-Wien, der Akademischen Ortsgruppe Graz sowie durch die Zöglinge des Südmark-Mädchenheims in Graz. 15 „Festtage in der Soboth: Die Dr.-GustavGroß-Schule,“ in: Grenzland. Zeitschrift des Deutschen Schulvereins Südmark (im folg. abgekürzt als GL) ((1926), Heft 10, S. 127f.

„Grenze schau’n!“

Die farbensatten Trachten der Frauen des Volksgesangvereines Südmark, der die Patenschaft über die neue Grenzschule übernommen hatte, die Dirndlkleider und die Steireranzüge gaben dem bewegten Bilde heimatliches Gepräge. Innerlich verbunden durch das beglückende Vorgefühl eines festlichen Gemeinschaftserlebens im Dienst an Heimat und Volk wanderten alle vom Kirchplatz in Eibiswald südwärts. Hügelauf, hügelab schlängelte sich der lange Zug über Wiesen, durch Weingärten und herbstlich flammenden Wald, vorbei an freundlichen Gehöften, die sich auf den Höhen breiten. Herber Geruch frischen Mostes dringt aus den Kellern, da und dort hält schon ein Sonntagsbesucher aus der Nachbarschaft ein Glas des trüben Saftes in der Hand, ihn auf seine Güte zu prüfen. Wir aber ziehen weiter unserem Ziele zu und freuen uns der Gottesherrlichkeit eines in reinsten Glanz getauchten Herbsttages.“16 Zusätzlich zu den Eröffnungen der Schulen bildeten auch Zubauten an die Schulen und die Errichtung von Denkmälern in der Region – wie etwa des Krieger- und Abwehrkämpferdenkmals in Soboth, oder der Kriegergedächtniskapelle und des Hans-Kloepfer-Bründls in Rothwein – willkommene Anlässe für fast alljährlich stattfindende ritualisierte Wanderungen ins Grenzland. Andere Anlässe boten Feiern zu Mittsommernacht und Sonnenwende, zu denen auch eine im Jahr 1929 organisierte „Jugendfahrt an die Unrechtsgrenze von St. Germain“ stattfand, wo deutschnationale Jugendliche – die „deutsche Freischar“ aus Graz – in gemeinsamer Feier mit der örtlichen Bevölkerung diese in ihrem „Deutschsein“ zu bestärken, am Friedhof von Soboth der Gefallenen des „Abwehrkampfes“ zu gedenken und Gemeinsamkeit durch das Absingen von Jodlern, Volks- und Heimatliedern zu schaffen. Am nächs16 „Zwei neue Grenzschul-Werke: Peter-Rossegger-Schule und Ottokar-Kernstock-Schule,“ in GL (1936), Heft 12, S. 151f.

ten Tag – unter Beteiligung weiterer Festgäste von außerhalb – folgte eine Feldmesse neben der Kriegergedenksäule, wo auch eine Heldenehrung mit Ansprachen stattfand. Dazwischen und danach gab es für die Sobother ein Festprogramm mit Sackhüpfen, Kasperltheateraufführungen, Mysterienspielen und Hans-Sachs-Stücken – was im Jargon der Südmark, da eigene Spielertrupps eingesetzt wurden, als Spielfahrten bezeichnet wurde. Bei dem genannten Ausflug waren die Aktivitäten für die meisten auswärtigen Festgäste am Nachmittag zu Ende, für die Grazer Freischar ging es hingegen noch weiter in den Nachbarort Sankt Lorenzen, um „mit den dortigen Bauern in den Grenzbergen Sonnenwende zu feiern.“ Zum Abschied wurden nochmals Lieder angestimmt, darunter das „Deutsche Weihelied“ von Albert Methfessel. „Weit tönt es hinaus ins Weite, hinunter zu den Bedrängten im Südslawenstaate.“17 In einem Bericht der „Südmark“ über die Jugendarbeit werden derartige „Wanderungen im Grenzgebiet“ als „wesentliches Mittel unserer Schutzarbeit“ angesehen: „Durch diese Arbeit entsteht auch eine seelische Verbundenheit der Bevölkerung des Grenzlandes mit der übrigen Bevölkerung Österreichs.“18 An anderer Stelle heißt es, dass die „Einzelarbeit“ eine „enge Fühlungnahme mit den Menschen möglich macht. […] Die Einzelarbeiter der Gruppen leben ganz mit den Bauern mit und helfen besonders in der Erntezeit bei jeder Arbeit; auch den verschlossensten Menschen kommt man so nahe. Einige Stunden des Tages wird Kindergarten gehalten und am Abend treffen sich alle in einer Stube; es wird vorgelesen und Lesen und Singen gelehrt.“19 Zu diesem Zwecke wurde in der von der Südmark 17 Herbert Lasch, „Lebendes Land,“ in: GL (1929), Heft 8-9, S. 153-155. 18 Georg Harth, „Bericht über die Jugendarbeit 1930,“ in: GL (1931), Heft 7-8, S. 112114 hier S. 113. 19 „Grenzlandfahrten,“ in: GL (1932), Heft 10, S. 125.

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1931 eröffneten Schule von Laaken zudem eine Jugendherberge eingerichtet, um „idealen Menschen der Jugendbewegung [einen] Stützpunkt für ihr Wirken im Grenzlande“ zu bieten. „Wie freut sich groß und klein, wenn die Jugendgruppen kommen mit frohem Spiel und heiterm Wort“, hielt Fritz Fuchs, der Direktor der Volksschule des benachbarten Marktes Eibiswald in einem Rundfunkvortrag fest.20 Die stärkere zeitliche Ungebundenheit mittelständischer städtischer Jugendlicher machte es möglich, dass sie längere Ausflüge und Wanderungen in die Soboth machen konnten, als die im Berufsleben stehende Bevölkerung. Dazu kam die um sich greifende, gerade die Jugend betreffende Arbeitslosigkeit während der Weltwirtschaftskrise, so dass unter der Deutschen Studentenschaft der österreichischen Studenten die Idee aufkam, im Sommer 1932 einen freiwilligen Arbeitsdienst für die Soboth zu organisieren, nachdem die Bundesregierung im Herbst des Vorjahres mit dem Bau einer Straße in die bisher mit dem österreichischen Binnenland nur durch einen Karrenweg verbundene Kleinregion begonnen hatte.21 Bei einem Bauern in Rothwein richtete die Grazer Studentenschaft ein Arbeitslager ein, in dem über 90 Personen, jeweils zu einem Drittel Studierende aus Graz und Wien und Arbeitslose, einquartiert wurden, die dann in zwei Monaten Arbeit 700 Meter Straße errichteten.22 In den Erholungsstunden wurden die Teilnehmer über die Abwehrkämpfe nach dem Ersten Weltkrieg und die deutschnationale Schutzarbeit in der Region aufgeklärt. An den Wochenenden fanden

20 Fritz Fuchs, „Einsames Grenzland. Von Land und Leuten im südweststeirischen Grenzland, ihrer Not und ihrer Hoffnung. Rundfunkvortrag,“ in: GL (1932), Heft 3-4, S. 44. 21 Ebda. S. 34. 22 Walter Neunteufel, „Freiwilliger Arbeitsdienst im steirischen Grenzland,“ In: GL (1932), Heft 10, S. 127.

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Ausflüge in die nähere Umgebung statt.23 Auch in den folgenden Jahren fand auf freiwilliger Basis ein Landdienst deutschnationaler Jugendlicher in der Region Soboth statt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs ans nationalsozialistische Deutschland, wurde der zwangsweise Reichsarbeitsdienst eingeführt, der auch als Landdienst abgegolten werden konnte. In diesem Zusammenhang ist die eingangs zitierte Studie über die „Lebensfragen der Grenzbevölkerung“ in den steirischen Gemeinden Glanz und Schlossberg entstanden. Es mag weit hergeholt sein, diese aktive und durchaus entbehrungsreiche Form nationalsozialistischer bzw. deutschnationaler Schutzarbeit noch als „Grenzland“-Tourismus zu bezeichnen, doch andererseits stellte sie die intensivste Ausprägung jener Aktivitäten im sogenannten „Grenzland“ dar, die Anfang der 1920er Jahre mit der Veranschaulichung der Staatsgrenze durch Individualreisende und Massenveranstaltungen begonnen hatten und bis ins Jahr 1941 andauern sollte, als diese Grenze durch den Angriff auf Jugoslawien aufhörte zu bestehen und sich das völkische Betätigungsfeld wieder auf die ehemalige Untersteiermark richtete. An dieser Stelle soll noch kurz auf die slowenischen Versuche eines Grenzlandtourismus in der Zwischenkriegszeit eingegangen werden: Sie bilden gleichsam den Negativabzug zur deutschnationalen Schutzarbeit an der Grenze und waren von einem ebenso exklusiven Nationalismus getragen. Allerdings war die slowenische Schutzarbeit von drei Einschränkungen betroffen – im Gegensatz zur deutschnationalen Schutzarbeit war sie im Bereich der Steiermark defensiv und von einem Gefühl der Verteidigung einmal erreichter Grenzen getragen, da im Gegensatz zu Kärnten die Nordgrenze des slowenischen Siedlungsgebietes – mit der Aus23 Walter Neunteufl, „Das erste österreichische Arbeitslager,“ in: Alpenländische Monatshefte für das deutsche Haus (1932-33), S. 7375.

nahme von Soboth, der Gemeinden Schloßberg und Glanz, sowie der Umgebungsgemeinden von Radkersburg – fast überall erreicht wurde. Außerdem gab es auf slowenischer Seite viel weniger Gelder, die vom Kyrill-und-Method-Verein, dem Pendant der „Südmark“ auf österreichischer Seite, für die nationale Schutzarbeit eingesetzt werden konnten: während die Südmark in der Zwischenkriegszeit sechs Schulbauten an der Grenze wesentlich trug, waren es im Falle des Kyrill-und-Method-Vereins nur drei Schulen. Auch die Werbung für einen entsprechenden slowenisch-nationalen Tourismus an die Grenze fand mit Verzögerung von mehr als einem Jahrzehnt statt, zu einem Zeitpunkt als die Berghänge rund um Sv. Duh bereits von slowenischen Schifahrern entdeckt worden waren.24 Andererseits hielt die Weltwirtschaftskrise auch viele davon ab, Ausflüge in das Gebirge an der Grenze zu Österreich zu unternehmen.25 Als dritter Punkt ist schließlich zu nennen, dass die slowenische Schutzarbeit, obwohl sie auch einen „völkischen“ Charakter annahm, nicht direkt in einen slowenischen Faschismus überging, wie dies jenseits der Grenze der Fall war, wo während der 1930er Jahre ein schrittweiser Übergang von deutschnationaler Grenzlandpolitik zu nationalsozialistischen Revisionsbestrebungen zu beobachten ist. Ein wichtiger Kristallisationspunkt für den slowenischen Grenzland-Tourismus war die Kirche Hl. Geist/Sveti Duh, deren Kirchweiler durch den Friedensvertrag von St. Germain nur wenige Meter südlich der Grenze zu Österreich lag und wo seit 1924 ein Zweigverein des Kyrill-und-Method-Vereins bestand. Ähnlich wie die „Südmark“ im Fall der Soboth verlangte der Kyrill-und-Method-Verein dass die an der Grenze liegende Gemeinde Gradišče, die bisher verkehrsmäßig ins nunmehr österreichische Hinterland angebunden war, durch 24 „Po zimskih poteh po našem Zadravju,“ in: Jutro Nr. 49, vom 26.2.1933, S. 5. 25 Mejaš, „Za novo prosvetno trdnjavo na meji,“ in: Jutro Nr. 295 vom 23.12.1934, S. 3.


den Bau einer Straße in das slowenische Drautal verbunden würde. Dieser Plan wurde jedoch bis 1941 nicht verwirklicht. Zu Pfingsten 1935 organisierte die Marburger Studentengruppe der Nationalwehr (Študentska narodna odbrana) parallel zum Patroziniumsfest in Hl. Geist einen „Grenztabor“, der – wie die Tageszeitung „Mariborski Večernik Jutra“ berichtete – von 3.000 Personen besucht wurde, dabei seien auch Slowenen aus Österreich gekommen. Inmitten des Pfarrweilers wurde ein Triumphbogen errichtet. Nach mehreren Gesangsvorstellungen wurde der ermordete König Jugoslawien Alexander betrauert. Ein Marburger Politiker hob in seiner Ansprache hervor, dass „zwischen uns Grenzsteine errichtet wurden, die unser Land zerschnitten haben, sie haben uns aber nicht in unseren Gefühlen, in den Herzen, im Blut und im Bestreben getrennt, das sich in jedem unabhängig aufdrängt, wenn er sich noch unter Fremdherrschaft befindet.“ Der Berichterstatter hielt fest – und auch hier ist der Vergleich mit dem deutschnationalen Spiegelbild auffallend: „Nach der Rede spielte die Kapelle die Staatshymne, und der Frühlingswind trug die majestätischen Klänge weit über die Grenzsteine.“26

Zusammenfassend können wir sagen, dass sich Strategien, Taktiken und Diskurse von deutschen und slowenischen Schutzvereinen an der nach dem Ersten Weltkrieg neu errichteten grünen Grenze zwischen dem Königreich SHS/Jugoslawien und Österreich/Deutschem Reich durchaus ähnlich sind. Sowohl den deutsch- als auch slowenisch-nationalen Schutzvereinen auf ihrem jeweiligen Wirkungsgebiet ein Monopol auf die ideologische Deutungsmacht zu errichten: Sie informierten die jeweils eigene Öffentlichkeit von der wirtschaftlichen Vernachlässigung und Verödung des „Grenzlandes“, das zudem von der „nationalen Unterwanderung“ durch den Gegner bedroht sei. Der mangelnden nationalen „Festigkeit“ der als rückständig betrachteten Bevölkerung sollte durch bessere Verkehrsanbindung und durch den Neubau von Schulen begegnet werden. Die nationalen Schutzvereine appellierten dabei an Gewissen und Mildtätigkeit der politischen Entscheidungsträger sowie des gebildeten Publikums in den Städten, das sie zu diesem Zweck auch zur Eröffnung und Jahresfeiern der einzelnen „Grenzland“-Schulen einluden, um ihnen das „Leben an der Grenze“ vor Augen zu führen.

Doch die „Südmark“, die im unwegsamen Bergland an der Grenze auch einen Musterhof errichtete und die auch die Besiedelung der Region durch national zuverlässige reichsdeutsche Bauern förderte, war weitaus finanzkräftiger als ihr slowenisches Pendant. Außerdem war der Schutz der bestehenden Grenze für die „Südmark“ nur eine Taktik für den Tag. Unter der Oberfläche wurde die Revision der „Zerreißung der Steiermark“ vorbereitet. Dieses Ziel rückte durch den „Anschluss“ Österreichs ans Dritte Reich in die Nähe, als das im Frühjahr 1938 von der Gauverwaltung begründete „Südostdeutsche Institut“ in Graz die Agenden des „Deutschen Schulvereins Südmark“ übernahm und die operative Planung für die Eroberung der slowenischen Steiermark organisierte.

26 „Obmejni tabor pri Sv. Duhu na Ostrem vrhu,“ in: Mariborski Večernik, Jutra Nr.131 vom 11.6.1935, S. 3.

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Christian Promitzer, roj. leta 1962 v Gradcu. Njegova stara mama je bila iz Bučečovcih na Murskem polju, med Radenci in Ljutomerjem. Od 1980-1988 je študiral zgodovino, germanistiko in slavistiko v Gradcu. Med letoma 1993 in 1994 je sodeloval pri znanstvenem projektu Slovenci na avstrijskem Štajerskem (Slowenen in der Steiermark). Od 1995 do 1996 je bil tajnik Društva Člen 7 za avstrijsko štajersko. Leta 1996 je zaključil disertacijo z naslovom Verlorene Brüder. Die Geschichte der zweisprachigen Region Leutschach im 19. und 20. Jahrhundert (Pozabljeni bratje. Zgodovina dvojezične regije Lučane v 19. in 20. stoletju). Od leta 1997 je asistent na inštitutu za zgodovino (oddelek za jugovzhodno zgodovino in antropologijo) Univerze Karla in Franca v Gradcu. 2002 je sodeloval pri izdaji knjige Die Erinnerungen des Keuschlersohns Anton Šantel (18451920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg, 2009 pa pri knjigi (Hidden) Minorities. Language and Ethnic Identity between Central Europe and the Balkans. Leta 2010 je bil soavtor monografije S kajera vün potegjeno: oblačilna in plesna dediščina križevske fare z okolico. Leta 2012 je bil znanstveni svetovalec za razstavo Gledat, kaj delajo. Schauen, was sie machen: Einblicke in die slowenische Geschichte und Kultur der Steiermark. Vpogledi v slovensko zgodovino in kulturo na avstrijskem Štajerskem v bivšem Mariborskem Kasinu. Od leta 2014 sodeluje pri izobraževalnem društvu Bildungsverein KPÖ Steiermark. Od začetka 1990ih je napisal številne prispevke o zgodovini Slovenk in Slovencev na Štajerskem.

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»Mejo gledat`!«

Nacionalni »obmejni« turizem nemških in slovenskih obrambnih organizacij na avstrijskem in slovenskem Štajerskem 1918–1941 � & � Christian Promitzer � Sebastian Walcher »Nahajamo se na eni najvišjih točk obmejnega prostora, ki ga nameravamo raziskovati, na višini Velikega Boča.1 Naš pogled splava po goricah pod nami, na sever in na jug. Na severu seže pogled do Graške kotline, za njo se jasno dviga gora Schöckel, na jugu zaznavamo zadnje obronke Slovenskih goric, za njimi pa široko Dravsko polje. Po sredi te pokrajine, ki od Graške kotline do Dravskega polja tvori krajinsko enoto, poteka naša današnja državna meja na jugovzhodnem kotu Velikonemškega rajha. Tukaj meje nista tvorila pamet in razum, marveč žgoče sovraštvo proti vsemu nemškemu. Današnja državna meja, ki je nastala zaradi nasilne saintgermainske pogodbe, vodi po sredi hribovja in ga deli na dva dela. Na obeh straneh, tukaj in tam, je ista valovita pokrajina, ista kulturna krajina ter isti ljudje.«2 Besedilo je iz leta 1939. Zapisali so ga nacistično naravnani študentje graških visokih šol. Med poletjem leta 1938, tik po priključitvi Avstrije k nemškemu rajhu, se je 18 študentov odpravilo na pot, da bi več tednov raziskovali vsakdanje življenje podeželskega prebivalstva ob meji. Po vrnitvi so izdali skoraj štiristo strani obsegajoč spis z naslovom Življenjska vprašanja obmejnega prebivalstva na podlagi razis­ kave na štajerski južni meji,3 s katerim so se udeležili – ne da bi prejeli nagrado – t.i. poklicnega tekmovanja nemških študentov rajha (Reichsberufswettkampf). Spis predstavlja zaključek nemškonacionalne tradicije, ki jo lahko ležerno opišemo z naslovom »Mejo gledat`« in se je v dveh desetletjih od začetka druge svetovne vojne izrazila na različne načine. Načeloma je šlo za poskus, da biširši javnosti »prikazali« mejo in posledice postavljanja meje po prvi svetovni vojni ter sprožili »nacionalni izletniški turizem« v teh krajih. V isti vnemi, s katero so želeli prikazati mejo, so namerno spregledali, da v obmejnem območju ni ne jezikovne ne etnične homogenosti – kot je prikazal Klaus-Jürgen Hermanik v monografiji o prikriti manjšini na Soboti (Soboth).4 Aktivnosti nacionalistično nastrojenih turistov, ki jih je pritegnilo»obmejno območje«, so segale od prijetnih izletov do aktivnega dela na terenu – tako v dobesednem kot tudi v prenesenem smislu. Ko govorimo o »nacionalnem izletniškem turizmu«, je treba upoštevati čas zgodnjega 20. stoletja. Zgodnje oblike tega fenomena sta Pieter Judson in Michel We1 Großwalz (op. p.). 2 Lebensfragen der Grenzbevölkerung untersucht an der steirischen Südgrenze. Reichsberufswettkampf der deutschen Studenten, št. 967, Gau Steiermark. Mannschaftsführer: Willi Schüler (1938/39), (Manuskript, Graz 1938) (Univerzitetna knjižnica Gradec Sign. II 199.142), zvezek 1, str. 6. 3 Lebensfragen der Grenzbevölkerung untersucht an der steirischen Südgrenze. 4 Klaus-Jürgen Hermanik, Eine versteckte Minderheit. Mikrostudie über die Zweisprachigkeit in der steirischen Kleinregion Soboth (Weitra o.J. [2007]), glej 226-244.


dekind raziskala na primerih češko-nemških, slovensko-nemških in italijansko-nemških jezikovnih meja, kjer so letovanje, radovednost turistov in ustanovitev nacionalnih krajev oblikovali zaznavanje prostora in označevanje narodnih meja. Na Štajerskem lahko kot primer te vrste turizma omenimo organizirani obisk nemškega koloniziranega prostora v okolici Šentilja. Nemškonacionalni obrambni organizaciji Südmark in Heimstätte sta v letih pred svetovno vojno skušali z načrtnim kupovanjem zemlje in priseljevanjem protestantov iz Nemškega rajha ustvariti nemški koridor med Mariborom in strnjenim nemškim naselitvenim področjem, ki je tekel prek slovenskega naselitvenega prostora.5 Drug primer te vrste nacionalnega turizma je vodnikz naslovom Völkischer Reiseführer durch die Deutschen Siedlungen Südösterreichs,6 ki ga je leta 1914 napisal Ludwig Jahne in ki ga je izdal odbor za turizem nemških ljudskih svetov za Alpske dežele (vom Fremdenverkehrsausschuss der deutschen Volksräte für die Alpenländer) ter je obsegel spodnjo Štajersko, južno Koroško, Gorenjsko, območje Jadrana s Trstom, 5 Ibid., str. 2. 6 Nacionalno pristen vodič po nemških seliščih v južni Avstriji (op. p.).

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južno Tirolsko ter Dunaj in Spodnjo Avstrijo (zaradi nacionalne nevarnosti zaradi čeških priseljencev). Vodnik je nastal zaradi opažanj, da »se veča število tistih potnikov, ki ne želijo le doživeti prekrasne naravne lepote jugovzhodne Avstrije, marveč sočustvujejo s svojimi nemškimi rojaki, ki živijo tam med Slovani in Italijani.«7 V resnici je bil cilj vodnika voditi gruče potnikov po nacionalnih načelih. Tako so bili opisani »najpomembnejši kraji ob turističnih poteh, število nemškega prebivalstva, njihov vpliv na občine, njihove šole, obrambne organizacije in druga nemška društva ter njihovi boji s sovražniki naroda, nakar so sledile manjše zgodovinske in gospodarske opombe.«8 Za spodnjo Štajersko navaja vodnik Maribor kot osrednje mesto in izhodišče pomembnih turističnih poti. Najpomembnejša pot je vodila ob južni železnici v območje naseljevanje društva Südmark, v Šentilj in Špilje (Spielfeld). Druga pot je vodila od tod – zopet ob železnici – preko Radgone v Ljutomer, tretja pa od Maribora – zopet ob progi – po Dravski dolini, kjer je vladal narodni boj, vse do Dravograda. 7 Ludwig Jahne, Völkischer Reiseführer durch die deutschen Siedlungen Südösterreichs: Festgabe zum fünfundzwanzigjährigen Bestand des Deutschen Schutzvereines Südmark (Klagenfurt 1914), str. 1. 8 Ibid., str. 2.

Zaradi izteka prve svetovne vojne se je razmerje moči na Štajerskem spremenilo: spodnja Štajerska, kjer sta nemški obrambni organizaciji Südmark in Schulverein z različnimi strategijami ofenzivno zastopali ponemčevanje, je postala del Kraljevine Srbov, Hrvatov in Slovencev ter tako postala prizorišče raznih strategij slovenizacije, ki se je orientirala po nemškem primeru. Nemške obrambne organizacije so se morale zateči za neljubo novo mejo. Tako je društvo Südmark leta 1922 zapisalo v pozivu o »nemštvu v zaplenjenih deželah«: »Razmejitev se bliža h koncu. Vse več hrepenenja in bolečine je v pogledu nemškega naroda v zaplenjenih deželah, ki se ozira proti stari in veliki nemški domovini. […] Neutrudno moramo zaklicati rojakom, mejniki niso za večnost, danes ali jutri ne bodo več veljali, toda nemštvo je neminljivo, biti Nemec in ostati Nemec je vse.«9 Kljub temu je prav ta neljuba meja ves medvojni čas predstavljala nemškonacionalnecilje pohodnikov in romarjev ter tako pripomogla k njihovi vidnosti. Ta ponazoritev nove meje – eksotično »gledanje meje« – je imela dvojno funkcijo: po eni strani je služila etničnemu »čiščenju zemljišč« 9 „Für das Deutschtum in den geraubten Gebieten,“ v: Die Südmark. Alpenländische Monatsschrift für deutsches Wesen und Wirken (1922), zvezek 2, str. 70-71.

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tedanjih in projekciji prihodnjih posesti. Pri tem je bila nevarnost, ki jo predstavljajo meje kot robovi naroda, stalni motiv razprave. Dodatni element, ki označuje to vrsto nacionalnega turizma, je povezava med daljnotožjem in narodnim bojem, kar opisuje prispevek v časopisu društva Südmark iz leta 1924: »Beseda ‚Südmark‘ vsebuje dvoje, kar je Nemcem privlačno. ‚Süden‘ (jug), deželo sonca, po njem je germanskemu srcu prirojeno hrepenenje, ter ‚Mark‘ (marka), območje boja, predel nacionalne napetosti in pripravljenosti, ki objema varno, žal običajno ravnodušno notranjost nemškega območja.«10 Že zgodaj so spoznali, da ima območje Sobote na jugovzhodu avstrijske Štajerske, kjer se je prebivalstvo v t.i. obrambnem boju zoperstavilo jugoslovanski okupaciji, čudežni potencial za pohodništvo ob meji. »Sobota. To je dežela, majhna in čudna dežela. Je del Avstrije in ne moreš tja, če nisi spreten pohodnik in pripravljen prenesti slabega vremena. Ceste in kolovozi tja ne vodijo. Kljub temu živijo prav tam mnogi in krasni nemški ljudje. Kje se torej nahaja ta čudežna, od sveta oddaljena nemška kmečka zemlja? Na južnem obronku gorovja Koralpe, obdana z jugoslovansko mejo in visokimi neprehodnimi gorami Štajerske in Koroške. Mirovna pogodba je ustvarila obkoljeno območje gozdnih kmetov in nemške zvestobe.«11 V letih, ki so sledila, je društvo Südmark tam kupilo zemljišče, zbiralo sredstva za gradnjo šol, zgradilo vzorno kmetijo ter nacionalne spomenike. Na primeru Sobote in njene bližje okolice lahko v obdobju med obema vojnama ločimo med tremi oblikami nemškonacionalnega obmejnega turizma: spodbujanje posameznih turistov k pohodom, ki bi jih sami ponovili, klasične nemško10 Georg A. Lukas, „Land und Leute im Südmarkgebiet,“ in: Südmark-Bundeszeitung (v nadaljevanju SMBZ) (1924), Heft 5-6, S. 5f. 11 „Soboth,“ v: Die Südmark. Alpenländische Monatsschrift für deutsches Wesen und Wirken (1922), zvezek 10, str. 351.

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nacionalne skupinske izlete na obmejno območje ob slavnostnem odprtju šol in razkritju nacionalnih spomenikov ter novo obliko mladinskega potovanja, ki je bila pogosto povezana z delom in večtedenskim bivanjem pri lokalnih prebivalcih. Nemškonacionalni individualni turizem ob meji je z viri težje dokazati kot množična srečanja, če potniki za seboj niso pustili poročil. Graški narodopisec Viktor Gerambje za revijo Alpenländische Monatshefte v letu 1926/27 o svojem potovanju zapisal: »Gre za majhen, vendar kljub temu značilen prikaz življenja o novi meji našega rajha: Od Labota (Lavamünd) do Radeljskega prelaza (Radlpass), le 20 kilometrov zračne linije, ki jih lahko pri položnih poteh prepešačimo v štirih urah. V resnici pa poleg dobrih pljuč in zdravega srca za to potrebujemo dva dni.« Obmejni žandarji so Gerambu pokazali »košček meje, nad katerim imamo od tod pregled. Nenavadno je, da spominja na strelo, in sicer zaradi svoje oblike [zaradi neenakomernega poteka] ter zaradi pomena manj vljudne, pa vendar na tem mestu ustrezne besede ‘blitzdumm’ [neumen kot strela, op. p.]«12Meja na nekaterih mestih tako ostro zavije, da je ob njej nemogoče korakati. Na nekaterih mestih se avtor pritožuje, da je bila mejna črta potegnjena prečno čez dolino, namesto da bi se orientirala po dnu doline ali vsaj po grebenu. »Vstopili smo v kmečko hišo višinske kmetije Schedernigg, v tipično prastaro hišo dimnico, kjer sem kmetico prosil za nekaj informacij. Njeni odgovori so nedvomno potrdili večstoletni popolnoma nemški karakter tega višinskega kmečkega sveta. Vsa poimenovanja naprav in delov prostora so nemška.«13 Obiskali so tudi jugoslovansko stran meje. »Kmetje, ki so nas brez izjeme nagovorili v nemščini, so nam bili prip12 Viktor Geramb, „An der Grenze,“ v: Alpenländische Monatshefte für das deutsche Haus (1927/28), str. 38-47, tukaj str. 39. 13 Ibid. str. 40

ravljeni dati informacije. Na slovenski strani sem moral posebej prositi, da so mi povedali tudi slovanska poimenovanja posameznih delov.«14 Tem opazkam sledi opis gorskih pokrajin brez ljudi in precejšnje podajanje anekdot prebivalcev iz »časa trpljenja« med »obrambnim bojem« proti poskusom južnoslovanske zasedbe v prvih mesecih po koncu prve svetovne vojne. Samo enkrat se v diskurzu o etnični homogenosti področja nezavedno pojavi neroden element: pred provizorično urejeno šolo v Radvanju je Geramb srečal »mlado plavolaso učiteljico sredi skupine dvaindvajsetih nemško-slovenskih šolarjev.« Po besedah učiteljice, naj bi bili »slovenski otroci v šoli nekoliko bolj nebogljeni, a tudi bolj požrtvovalni, osupli, lahko bi rekli bolj pravljični […] kot nemški otroci. Vizualno pa naj bi bili Slovenci pogosteje temnejše polti in rahlo mongoloidnega obraza.«15 Klasični nemškonacionalni obmejni turizem so po prvi svetovni vojni v večjem obsegu znova uvedli leta 1924. Po t. i. nemškem dnevu v Gradcu, ki ga je za tuje državljane nemške narodnosti za binkošti v Gradcu organiziralo društvo Südmark, so se začeli izleti v obmejna področja: dvodnevni izlet na Gradiščansko, enodnevni izlet v Radgono na meji z Jugoslavijo in dvodnevni pohod preko Ivnika (Eibiswalda) na Soboto ob jugoslovanski meji.16 Izleta na Soboto se je udeležilo približno 40 ljudi, da bi preučili pomanjkljivosti tamkajšnjega šolstva in da bi si ogledali samotno gozdno pokrajino ob meji. »Udeleženci pohoda, ki so bili iz Kavkaza, so prepoznali veliko podobnosti z neprehodnimi soteskami in gozdovi visokogorja v njihovi domovini, tisti, ki so prišli spodročja ob reki Volgi, pa so odročnost gozdnih kmetij primerjali s samotnostjo njihovih domačih občin v prostrani stepi.«17 Sku14 Ibid. str. 44. 15 Ibid. 45f. 16 „Deutscher Tag in Graz,“ v: SMBZ (1924), zvezek 5-6, str. 23 17 Robert Mayer, „Die Soboth. Ein Ausflug der deutschen Schutzbundtagung,“ v: SMBZ (1924), zvezek 7-8, str. 2f.


pino so z avtomobilom prepeljali na Radeljski prelaz (Radlpass), od koder so ob meji pešačili na Soboto, kjer so streljali z možnarji. Skoraj dve leti pozneje, oktobra leta 1926, je nemško šolsko društvo Südmark s svojimi sredstvi zgradilo novo šolo v Soboti. Poimenovana je bila po Gustavu Großu, ustanovitelju nemškega šolskega društva. Obenem so nemški študentje z Univerze na Dunaju šoli darovali spomenik padlim v vojni. »Ob 9. uri zjutraj so na vrh, ki je spominjal na gozdna tla, obdana z gozdom, prispeli že vsi gosti, nekateri od njih iz oddaljenih krajev; nekateri so prispeli že dan prej in so zgoraj prenočili. Prišleke so pozdravili s streljanjem z možnarji in domačo glasbo …« Praznično bogoslužje je spremljal moški pevski zbor, ki je pel Schubertovo Nemško mašo. »Vse izjave govornikov so kulminirale v obljubi, da bodo ta košček nemške zemlje, blagoslovljen in posvečen z ljubeznijo do domovine, za katero so bili ljudje pripravljeni umreti, za naš narod ohranili in negovali, da bo v spopadu narodov ostal močna obmejna utrdba. […] S petjem nemške himne so zaključili lepo praznovanje.«18 Na podoben način so v bližnji okolici leta 1930 slavnostno odprli šolo nemškega društva Südmark v Radvanju (Rothwein), ki so jo poimenovali po pesniku nemškega rodu Hansu Klöpferju, leta 1931 pa tudi šolo v sosednjih Mlakah (Laaken) in leta 1936 še šolo Petra Rosseggerja v Malem Radlju (Kleinradl). Slavnostno odprtje šole leta 1936 je bilo obenem tudi manifestacija nemštva, še zlasti zato, ker je nemško šolsko društvo Südmark predstavljalo zatočišče za številne komajda prikrite privržence nacionalsocializma. Ob tem je prikaz zlitja nacionalizma s prostorom dosegel vrhunec: »Kot že večkrat v zadnjem desetletju je Ivnik 18 „Festtage in der Soboth: Die Dr.-GustavGroß-Schule,“ v: Grenzland. Zeitschrift des Deutschen Schlulvereins Südmark (v nadaljevanju GL) (1926), zvezek 10, str. 127f.

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znova predstavljal zbirališče in izhodišče za udeležence slavnostnega odprtja obmejne šole nemškega šolskega društva Südmark na samotnem, ogroženem jugozahodnem kotu Štajerske. Število tistih, ki s svojo prisotnostjo dokazujejo, da znajo pravilno oceniti pomen obrambnih organizacij, stalno narašča. V trumah se jih je 18. oktobra zjutraj na stotine zgrnilo na z zastavami okrašeni trg, da bi prisostvovali slavnostnemu odprtju nove šolske zgradbe v Malih Radljah in z obmejnim prebivalstvom delili ta veseli dan. Velik avtobus je z Dunaja pripeljal 30 gostov […]; iz Gradca so prispeli s petimi avtomobili […]. V velikem številu so bili zastopani tudi pripadniki mladine, zahvaljujoč članom krajevne skupine Jung-Wien (Mladi Dunaj), akademske krajevne skupine iz Gradca in gojenke dekliškega doma društva Südmark iz Gradca. Pisane narodne noše žensk iz društva za ljudske pesmi Südmark, ki je prevzelo botrstvo nad novo obmejno šolo, dirndli in štajerska noša sta podobi podala domovinski pečat. Notranje povezani z osrečujočo slutnjo po slavnostnem občinskem doživetju v službi domovine in naroda so se s trga Kirchplatz vsi odpravili proti jugu Ivnika. Po griču navzgor, po griču navzdol se je vil dolgi sprevod, ki je vodil čez travnike, skozi vinograde in jesensko ognjeni gozd, mimo prijaznih domačij, ki so se širile na vzpetinah. Trpek vonj svežega jabolčnika je silil iz kleti, tu in tam je nedeljski obiskovalec iz soseščine v rokah že držal kozarec motnega soka, da bi preveril njegovo kakovost. Mi pa smo še naprej sledili svojemu cilju in se veselili božje veličastnosti jesenskega dneva, ki je bil potopljen v čisti sijaj.«19 Poleg odpiranja šol so dobrodošle priložnosti za skoraj vsakoletne ritualizirane pohode na obmejno območje predstavljala tudi odprtja šolskih prizidkov in postavljanje spomenikov v regiji – na primer spomenika padlim borcem in 19 „Zwei neue Grenzschul-Werke: Peter-Rossegger-Schule und Ottokar-Kernstock-Schule,“ v: GL (1936), zvezek 12, str. 151f.

brambovcem v Soboti in kapelice v spomin na padle borce ter Hansa Kloepferja Bründla v Radvanju. Za slavnostne prireditve so bile primerne tudi kresne noči in solsticiji, ob katerem so leta 1929 organizirali Mladinski izlet na nepravično mejo po saintgermainskipogodbi, na katerem so mladi nemške narodnosti – »nemški skavti« iz Gradca – lokalno prebivalstvo na skupni slovesnosti podprli v njihovi »nemškosti«, se na pokopališču v Soboti spomnili padlih brambovskih borcev terz jodlanjem ins petjem narodnih in domovinskih pesmi ustvarili občutek skupnosti. Naslednji dan – ob udeležbi novih slavnostnih gostov od drugod – je sledila maša ob spomeniku padlim borcem, kjer je potekala tudi počastitev junakov z nagovori. Med tem in po tem je Sobočane čakal slavnostni program s skakanjem v vrečah, lutkovnimi gledališkimi predstavami, misteriji in uprizoritvami del Hansa Sachsa, kar so v žargonu društva Südmark zaradi sodelovanja nekaj igralskih skupin označili za igralske izlete. Na omenjenem izletu so se aktivnosti za večino zunanjih slavnostnih gostov popoldne končale, graški skavti pa so nadaljevali v sosednji kraj Sveti Lovrenc/ Sankt Lorenzen, »da bi s tamkajšnjimi kmeti na obmejnih gričih praznovali solsticij.« Za slovo so še enkrat zapeli pesmi, med njimi tudi Nemško posvetilno pesem (Deutsche Weihelied) Alberta Methfessla. »Odzvanjalo je daleč v prostranstvo, dol k ogroženim v državi južnih Slovanov«.20 V poročilu društva Südmark o mladinskem delu takšne »pohode na mejno območje« opisujejo kot »bistveno sredstvo naše obrambe«: »S tem delom nastaja duhovna povezanost prebivalstva obmejnih območij s preostalimi prebivalci Avstrije.«21 Drugod piše, da »individualno delo« omogoča »tesno na20 Herbert Lasch, „Lebendes Land,“ v: GL (1929), zvezek 8-9, str. 153-155. 21 Georg Harth, „Bericht über die Jugendarbeit 1930,“ v: GL (1931), zvezek 7-8, str. 112114 tukaj str. 113.

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vezovanje stikov z ljudmi. […] Posamezni delavci iz skupin celo živijo s kmeti in v času žetve pri vsakem delu priskočijo na pomoč ter se tako približajo tudi še tako zaprtim osebam. Nekaj ur na dan poskrbijo za otroški vrtec, zvečer pa se vsi dobijo v eni sobi, kjer berejo otrokom in jih učijo brati in peti.«22 V ta namen je bilo v šoli, ki jo je leta 1931 v Mlakah odprlo društvo Südmark, urejeno tudi prenočišče za mlade, da bi »idealnim pripadnikom mladinskega gibanja nudili oporo za njihovo delovanje v obmejnem prostoru.« »Kako veselo je staro in mlado, ko jih z veselo igro in vedrimi besedami obiščejo skupine mladincev,« je v radijskem programu v sosednjem Ivniku povedal ravnatelj osnovne šole.23 Časovna nevezanost mestne mladine srednjega razreda jim je omogočila, da so se lahko udeležili daljših izletov in pohodov v Soboto kot zaposleni del prebivalstva. K temu je pripomogla vse večja brezposelnost med svetovno gospodarsko krizo, ki je prizadela predvsem mladino, zaradi česar je Nemško študentsko društvo avstrijskih študentov dobilo zamisel, da bi poleti leta 1932 organizirali prostovoljno delo za Soboto, potem ko je zvezna vlada jeseni preteklega leta začela graditi cesto do avstrijske notranjosti, s katero je bila ta majhna regija do tedaj povezana le s kolovozom.24 Pri enem od kmetov v Radvanju je študentsko društvo iz Gradca uredilo tabor, v katerega so nastanili 90 oseb, tretjino študentov iz Gradca, tretjino z Dunaja in tretjino brezposelnih, ki so nato dva meseca gradili 700 metrov ceste.25 Med počitkom so udeležence poučevali o brambovskih bojih po prvi svetovni vojni 22 „Grenzlandfahrten,“ v: GL (1932), zvezek 10, str. 125. 23 Fritz Fuchs, „Einsames Grenzland. Von Land und Leuten im südweststeirischen Grenzland, ihrer Not und ihrer Hoffnung. Rundfunkvortrag,“ v: GL (1932), zvezek 3-4, str. 44. 24 Ibid. str. 34. 25 Walter Neunteufel, „Freiwilliger Arbeitsdienst im steirischen Grenzland,“ v: GL (1932), zvezek 10, str. 127.

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in nemškonacionalnem obrambnem delu v regiji. Ob koncu tedna so bili organizirani izleti v bližnjo okolico.26 Tudi v letih, ki so sledila, je v soboški regiji potekala prostovoljna pomoč mladih na podeželju. Po priključitvi Avstrije k nacionalsocialistični Nemčiji je bilo uvedeno prisilno delo v nemškem rajhu, v okviru katerega je bilo priznano tudi delo na podeželju. V tem kontekstu je nastala na začetku navedena študija Življenjska vprašanja obmejnega prebivalstva v štajerskih občinah Klanci/Glanz in Grad/Schlossberg. Poimenovanje te aktivne in vsekakor odrekanja polne oblike nacionalsocialističnega oz. nemškonacionalnega obrambnega dela kot »obmejnega« turizma je morda za lase privlečeno, po drugi strani pa je šlo za intenzivno opravljanje tistih aktivnosti v obmejnem prostoru, ki so se v 1920. letih začele s ponazarjanjem državne meje s pomočjo posameznih potnikov in množičnimi prireditvami, ki so trajale vse do leta 1941, ko je meja z Jugoslavijo nehala obstajati in se je področje delovanja ljudi znova preusmerilo na nekdanjo Spodnjo Štajersko. Na tem mestu naj na kratko omenimo še slovenske poskuse obmejnega turizma v obdobju med obema vojnama. Ti so v enaki meri predstavljali negativ nemškega obrambnega delovanja na meji in so se odvijali na krilih enako ekskluzivnega nacionalizma. Toda slovensko obrambno delovanje je imelo tri omejitve – v nasprotju z nemškonacionalnim obrambnim delom je bilo na področju Štajerske to delovanje defenzivno in ga je gnala potreba po ubranitvi doseženih meja, saj se je v primerjavi s Koroško na Štajerskem severna meja skoraj povsod, z izjemo Sobote, občin Grad in Klanci ter radgonskih okoliških občin, ujemala s slovenskim naselitvenim področjem. Poleg tega je bilo na slovenski strani na voljo precej manj sredstev, ki bi jih Družba svetega Cirila 26 „Das erste österreichische Arbeitslager,“ v: Alpenländische Monatshefte für das deutsche Haus (1932-33), str. 73-75.

in svetega Metoda, slovenski pendant avstrijskemu društvu Südmark, lahko namenila za svoje dejavnosti. Medtem ko je društvo Südmark v obdobju med obema vojnama v veliki meri financiralo gradnjo šestih šol v obmejnem območju, je Družba svetega Cirila in Metoda financirala le tri šole. Tudi slovenski turizem v obmejnem območju se je začel oglašati več kot eno desetletje kasneje, ko so pobočja v okolici Sv. Duha že odkrili slovenski smučarji.27 Pa tudi svetovna gospodarska kriza je mnogim preprečila izlete v hribe na meji z Avstrijo.28 Kot tretje pa velja omeniti, da slovenska obrambna prizadevanja kljub svojemu »nacionalnemu« karakterju niso neposredno prešla v slovenski fašizem, kot se je to zgodilo na drugi strani meje, kjer lahko v 1930. letih opazujemo postopno prehajanje od nemške nacionalne obmejne politike do nacističnih revizionističnih prizadevanj. Pomembno točko slovenskega obmejnega turizma je predstavljala cerkev Sv. Duha z zaselkom, ki se je po Saintgermainski mirovni pogodbi nahajal le nekaj metrov južneje od meje z Avstrijo in kjer je od leta 1924 delovala podružnica Družbe svetega Cirila in Metoda. Podobno kot Südmark v primeru Sobote je tudi Družba svetega Cirila in Metoda zahtevala, da se občina Gradišče, ki je ležala na meji in je bila do tedaj prometno bolj povezana z avstrijsko notranjostjo, z gradnjo ceste poveže z Dravsko dolino. Tega načrta do leta 1941 niso uresničili. Za binkošti leta 1935 je mariborska Študentska narodna obramba vzporedno s praznikom zaščitnika v Sv. Duhu organizirala obmejni tabor, ki se ga je po poročanju dnevnega časopisa Mariborski večernik Jutra udeležilo 3.000 oseb, tudi Slovenci iz Avstrije. Sredi župniškega zaselka so postavili slavolok. Po pevskih nastopih so žalovali za umorjenim kraljem Jugoslavije Aleksan27 „Po zimskih poteh po našem Zadravju,“ v: Jutro št. 49, z dne 26.2.1933, str. 5. 28 Mejaš, „Za novo prosvetno trdnjavo na meji,“ v: Jutro št. 295 z dne 23.12.1934, str. 3.


drom. Neki mariborski politik je v nagovoru poudaril, da »so med nami zgradili mejnike, ki so razrezali zemljo, vendar nas niso ločili v naših občutkih, v srcih, krvi in prizadevanjih, ki se pojavijo pri vsakem, ki se še vedno nahaja pod tujo oblastjo.« Tudi zapis poročevalca razkriva primerjavo z nemškim nacionalno zrcalno sliko: »...da so postavili med nas kamnite mejnike, ki so ločili našo zemljo, niso pa ločili naših čuvstev, src, krvi in stremljenja, ki mora roditi svobodo vsem, ki so še pod tujčevo oblastjo.«29

Zaključimo lahko, da so bile strategije, taktike in diskurzi nemških in slovenskih obrambnih organizacij po prvi svetovni vojni in po vzpostavitvi zelene meje med Kraljevino SHS/Jugoslavijo in Avstrijo/Nemškim rajhom podobne. Tako nemške kot slovenske nacionalne obrambne organizacije so želele na svojem področju delovanja vzpostaviti monopol nad ideološkim tolmačenjem. Svojo javnost so obveščale o gospodarskem zanemarjanju in opustelosti »obmejne dežele«, ki naj bi bila ogrožena zaradi »nacionalne infiltracije« nasprotnika. Manjkajoča nacionalna »trdnost« prebivalstva, ki je veljalo za zaostalo, naj bi se izboljšala z boljšimi prometnimi povezavami in gradnjo novih šol. Nacionalne obrambne organizacije so se pri tem sklicevale na vest in dobrodelnost oseb, ki so sprejemale politične odločitve, in izobraženega občinstva v mestih, ki so gavabili tudi na odprtja obmejnih šol in obletnice, da bi mupredstavili »življenje ob meji«.

Toda organizacija Südmark, ki je v neprehodnem gorovju ob meji vzpostavila vzorno kmetijo in spodbujala naseljevanje nacionalno zavednih nemških kmetov v regiji, je bila finančno precej močnejša kot njen slovenski pendant. Poleg tega je bila obramba obstoječe meje za organizacijo Südmark le taktika. Pod površjem se je pripravljala revizija »raztrganja Štajerske«. Ta cilj se je približal s priključitvijo Avstrije k Nemškemu rajhu, saj je spomladi leta 1938 naloge nemškega šolskega društva Südmark prevzel Jugovzhodnonemški inštitut, ki ga je v Gradcu ustanovila okrožna uprava in je organiziral zavzetje slovenske Štajerske.

29 „Obmejni tabor pri Sv. Duhu na Ostrem vrhu“, v: Mariborski Večernik, Jutra št.131 z dne 11.6.1935, str. 3.

»Mejo gledat`!«

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Blick vom Eingangsbereich: „Gastarbeiterinnen“ warten auf den Eintritt ins Arbeitsamt

Pogled s stopnišča: delavke migrantke čakajo pred uradom za zaposlovanje.


Lorber

Lebenswege

Slowenische „Gastarbeiterinnen“ in der Steiermark � Verena Lorber � David Kranzelbinder

In der wissenschaftlichen und öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema „Gastarbeit“ dominierte lange Zeit das Bild des männlichen „Gastarbeiters“1 und die Arbeitsmigration wurde dabei als rein männliche Migrationsform behandelt. Frauen schrieb man eine passive Rolle im Migrationsprozess zu. Sie wurden nicht als aktiv Handelnde mit einer eigenständigen Migrationsbiografie wahrgenommen und vorwiegend als Opfer, Mit- oder Nachwandernde dargestellt. Die Tatsache, dass zahlreiche Frauen in den 1960er und 1970er Jahren als „Gastarbeiterinnen“ im Ausland beschäftigt waren, blieb weitgehend unberücksichtigt. Der männliche Migrationspionier galt lange Zeit als forschungsrelevantes Untersuchungsobjekt. Erst in den letzten Jahrzehnten rückten Frauen in den Fokus der Migrationsforschung. In aktuellen Studien werden ihre Lebenssituationen und Erfahrungen in einem mehrdimensionalen und ineinander greifenden Bezugsrahmen von Geschlecht, Ethnizität und sozialer Herkunft untersucht. Damit wird neben der Heterogenität von Migrantinnen und ihrem familiären Umfeld auch die Vielfältigkeit ihrer Lebensformen und -strategien deutlich. In der Ausstellung werden die Lebenswege slowenischer Arbeitsmigrantinnen, ihre Erfahrungen und ihr Alltagsleben in der Steiermark anhand folgender Themenbereiche beleuchtet: System der „Gastarbeit“, Situation in der Steiermark, Anwerbung, Arbeitsleben, Wohnsituation, Familie und soziale Netzwerke, Beziehung zum Herkunftsland, Sprache und Freizeitgestaltung. Die Ausstellung verbindet dabei die historische Aufarbeitung der Arbeitsmigration mit biografischen Interviews von Arbeitsmigrantinnen aus Slowenien. Sie soll dazu beitragen, „Gastarbeiterinnen“ in der Geschichte sichtbar zu machen und ihnen ihren gebührenden Platz in der steirischen Erinnerungskultur einzuräumen. „Gastarbeiterinnen“ in der Steiermark Die Beschäftigung von ArbeitsmigrantInnen in der Steiermark kann – wie in ganz Österreich – darauf zurückgeführt werden, dass in einigen Wirtschaftszweigen ein Mangel an Arbeitskräften bestand und für bestimmte Tätigkeiten keine steirischen Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Laut Volkszählungsdaten von 1971 arbeiteten in diesem Jahr 7.333 „GastarbeiterInnen“ in der Steiermark. 99 % (7.260) stammten aus Jugoslawien, 0,1 % (68) aus der Türkei und fünf aus Spanien. Rund 90% waren als ArbeiterInnen beschäftigt und nur ein geringer Anteil von 4,7% stand in einem Angestelltendienstverhältnis. Aus den Volkszählungsdaten geht

Verena Lorber, Historikerin, geboren 1982 in Graz. Derzeit ist sie Doktorandin am Institut für Geschichte/Zeitgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz. Im Rahmen ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem „GastarbeiterInnensystem“ in Österreich in den 1960er und 1970er Jahren. Dabei untersucht sie das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Bedingungen der Arbeitsmigration und den konkreten Lebensrealitäten von „GastarbeiterInnen“ in der Steiermark vom Beginn der staatlichen Anwerbepolitik 1961 bis zur Einführung des „Ausländerbeschäftigungsgesetzes“ 1976. Seit 2002 ist sie Mitarbeiterin im GrazMuseum und seit 2006 für die Bibliothek verantwortlich. Von 2007 bis 2010 war sie Mitarbeiterin im Verein Frauendokumentationsund Projektzentrum Graz. Dort leitete sie ein Ausstellungsprojekt zur Zweiten Frauenbewegung in Graz und war für die Bibliothek und das Archiv verantwortlich. Von 2010 bis 2012 war sie Stipendiantin des JungforscherInnenfonds der Steiermärkischen Sparkasse und von 2013 bis 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Spectro

1 Bei der Bezeichnung „GastarbeiterIn“ handelt es sich auch um einen Euphemismus, denn „Gäste“ werden in der Regel anders behandelt. Zudem verweist der Begriff auf den temporären Charakter der Arbeitsmigration. Aus diesem Grund wird der Begriff unter Anführungszeichen gesetzt.

69


Gesamt %

Männer absolut

Frauen absolut

selbständig, mithelfend im Familienbetrieb

0,8

42

17

Angestellte, Beamte

4,7

126

215

Lehrling im Angestelltenberuf

0,6

5

36

90,8

5.149

1.442

3,1

201

27

Gesamt %

Männer absolut

Frauen absolut

Land- und Forstwirtschaft

4,2

222

86

Energie-, Wassererzeugung

0,2

15

0

Bergbau, Steine- und Erdengewinnung

0,4

30

1

Verarbeitendes Gewerbe, Industrie

40,4

2.207

725

Bauwesen

35,1

2.510

40

Handel, Lagerung

3,8

159

117

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

6,1

35

411

Verkehr, Nachrichtenübermittlung

1,8

122

7

Geld-, Kreditwesen, Privatversicherungen, Wirtschaftsdienste

0,2

9

7

Persönliche, soziale und öffentliche Dienste; Haushaltung

5,5

88

313

unbekannt

2,2

126

30

Stellung im Beruf (gemeinnützige Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung). Im Rahmen ihrer dortigen Anstellung führte sie eine Untersuchung über die Lebensverhältnisse ehemaliger ArbeitsmigrantInnen in der Steiermark durch. 2014 wurde ihr Dissertationsprojekt mit dem Theodor-Körner-Forschungspreis ausgezeichnet und sie erhielt das Frauenstipendium der Uni Graz. Aktuell hat sie die Ausstellung Lebenswege. Slowenische „Gastarbeiterinnen“ in der Steiermark kuratiert und beschäftigt sich mit der Repräsentation von MigrantInnen in Museen.

Arbeiter Lehrling im Arbeiterberuf

Wirtschaftsabteilung

Erwerbspersonen in der Steiermark 1971 nach Geschlecht, Stellung im Beruf und Wirtschaftsabteilung (Quelle: Statistik Austria, Volkszählungsdaten 1971) hervor, dass 1971 rund 24 % (1.737) der jugoslawischen Arbeitskräfte in der Steiermark Frauen waren. Die meisten stammten aus Slowenien, Kroatien und der Vojvodina. Sie arbeiteten vorwiegend im verarbeitenden Gewerbe und in der Industrie, aber auch im Beherbergungs- und Gaststättenwesen sowie bei persönlichen, sozialen und öffentlichen Diensten und in der Haushaltung. Dabei handelte es sich um „typisch weibliche“ Berufe.2 Bei der Betrachtung der Arbeitsmigration in der Steiermark in den 1960er und 1970er Jahren wird deutlich, dass nicht nur Männer zur Arbeitsaufnahme 2 Quelle: Statistik Austria, Volkszählungsdaten 1971 - Erwerbspersonen aus Jugoslawien.

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migrierten. Der Anteil an Frauen aus Jugoslawien betrug im Zeitraum von 1961 bis 1971 jährlich zwischen 20 und 30 Prozent.3 Demnach entspricht das Bild des männlichen „Gastarbeiters“ nicht der Realität. Manche Frauen kamen alleine in die Steiermark, einige reisten 3 Allerdings muss beachtet werden, dass die absoluten Zahlen der ausgestellten Beschäftigungsgenehmigungen nicht der Zahl der real in der Steiermark tätigen „GastarbeiterInnen“ entsprechen. Das Landesarbeitsamt erfasste nur die erteilten Bewilligungen und nicht die Personen an die diese vergeben wurden. Somit liegen die Angaben deutlich über der Zahl der tatsächlich Beschäftigten, da eine Person in Folge von Arbeitsplatzwechsel mehrere Bewilligungen pro Jahr erhalten konnte. Dennoch kann daraus eine konstante jährliche Beteiligung von Frauen an der Arbeitsmigration in die Steiermark abgelesen werden. Quelle: Landesarbeitsamt Steiermark, Jahresberichte 1960-1971.


Quelle/Vir: Wirtschaftskammer Österreich Archiv, Bestand SP-A Kommission Instanbul K4, Auftragsbehandlung. Arhiv Avstrijske gospodarske zbornice, stanje komisije SP-A Istanbul, obdelava naročila.

Mit Hilfe dieses Testbogens wurden Schneiderinnen auf ihre Fertigkeiten beim Nähen von geraden und gebogenen Nähten geprüft. S pomočijo testnega vprašalnika so pri šiviljah preverjali veščine ravnega in vijugastega šivanja.

Lebenswege

71


vor, nach oder zusammen mit ihren Partnern ein. Andere migrierten im Familienverband oder gemeinsam mit Bekannten. Auch ihre Migrationsmotive waren genauso vielfältig. Bessere Verdienstmöglichkeiten, mangelnde Schulbildung, geringe Perspektiven in Jugoslawien, Abenteuerlust, Liebe oder auch

die Flucht aus der Enge der Herkunftsgemeinschaft veranlassten viele Frauen, sich für eine Arbeitsmigration zu entscheiden. Die regionale Beschäftigung von ArbeitsmigrantInnen korrelierte mit ihren Tätigkeiten in den einzelnen Wirt-

Privatbesitz / V zasebni lasti

„Ausländer - Arbeitskarte“ Außen- und Innenseite. „Delovna kartica za tujce“ zunanja in notranja stran.

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schaftszweigen. Jene Bezirke, in denen das verarbeitende Gewerbe und die Industrie sowie das Bauwesen und der Tourismus besonders stark ausgeprägt waren, wiesen einen höheren Anteil an ausländischen Arbeitskräften auf. Die steirischen Bezirke Graz, Graz-Umgebung, Liezen, Leoben, Bruck an der Mur und Bad Radkersburg4 hatten einen Anteil von über 5 % unselbständigen ausländischen Arbeitskräften. In den Bezirken Judenburg und Knittelfeld betrug der Anteil zwischen 2,5 und 5 % und in den restlichen Bezirken lag dieser unter 2,5 %. Der Anteil an weiblichen Beschäftigten aus Jugoslawien war in Graz deutlich höher als in anderen steirischen Regionen. Er betrug im Jahr 1971 rund 35%. Das städtische Milieu bot Frauen mehr Möglichkeiten der Beschäftigung, vor allem im privaten Dienstleistungssektor sowie in der Haushaltung und im Gaststättenwesen. Zudem gab es in Graz mehr Optionen zur Kinderbetreuung. Aber auch in den steirischen Tourismusregionen fanden zahlreiche Arbeitsmigrantinnen eine Beschäftigung.5 Heute stammen die meisten MigrantInnen in der Steiermark aus Deutschland, Rumänien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, der Türkei und Ungarn. Sie machen fast 61 % der ausländischen Wohnbevölkerung aus. Die Steiermark ist für slowenische ArbeitsmigrantInnen nach wie vor ein wichtiges Ziel. Seit 2011 besteht für Arbeitskräfte aus Slowenien ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit. Am 1. 1. 2014 lebten insgesamt 3.181 SlowenInnen in der Steiermark.6

4 Der hohe Anteil an ausländischen Beschäftigten kann in Bad Radkersburg vor allem auf den vermehrten Einsatz von GrenzgängerInnen in der Landwirtschaft zurückgeführt werden. Im Jahr 1962 erfolgten im Zeitraum von Mai bis Oktober circa 100.000 Grenzübertritte von GrenzgängerInnen. 5 Vgl. Landesarbeitsamt Steiermark, Jahresberichte 1973, 36. 6 Vgl. Steirischer Statistiken, Heft 7/2014, 29-38.


Ausstellung Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Stockwerke. Im unteren Bereich der Ausstellung wird auf die Situation in Österreich und der Steiermark Bezug genommen und das Anwerbesystem von staatlicher Seite beschrieben. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs ab den 1950er Jahren und des einsetzenden Arbeitskräftemangels einigten sich die Bundeswirtschaftskammer (heute Wirtschaftskammer Österreich) und der Österreichische Gewerkschaftsbund im Jahr 1961 im sogenannten „Raab-Olah-Abkommen“ darauf, Kontingente von „GastarbeiterInnen“ auf dem österreichischen Arbeitsmarkt zuzulassen. Diese wurden jährlich nach Wirtschaftszweigen und Bundesländern unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Entwicklungen ausgehandelt. Das Prinzip des österreichischen Anwerbesystems bestand in der Rotation vorübergehender Arbeitskräfte. Zeitlich befristete Beschäftigungsbewilligungen von einem Jahr sollten sicherstellen, dass

Lebenswege

die Arbeitskräfte möglichst bald wieder in ihre Heimat zurückkehren. Um die Arbeitsmigration zu fördern, wurden 1962 mit Spanien, 1964 mit der Türkei und 1966 mit Jugoslawien zwischenstaatliche Anwerbeabkommen geschlossen und die Bundeswirtschaftskammer mit der Anwerbung betraut.7

Staatlicher Blick auf die Arbeitsmigration: „GastarbeiterInnen“ werden auf ihren ökonomischen Nutzen reduziert und vorwiegend als „Arbeitsobjekte“ wahrgenommen. Pogled države na delavsko migracijo: delavci migranti služijo le dobičku in veljajo predvsem za predmete, delavske objekte.

Bei der Betrachtung des Anwerbesystems von staatlicher Seite zeigt sich, dass ausländische Arbeitskräfte auf ihren wirtschaftlichen „Nutzen“ reduziert wurden. Man nahm sie vorwiegend als anonyme Arbeitskräfte, als Arbeitsobjekte wahr. Aus diesem Grund haben 7 Vgl. Andreas Weigl, Migration und Integration. Eine widersprüchliche Geschichte, (Österreich – Zweite Republik. Befund, Kritik, Perspektive Bd. 20), Innsbruck 2009, 3548; Rainer Münz/Peter Zuser/Josef Kytir, Grenzüberschreitende Wanderungen und ausländische Wohnbevölkerung: Struktur und Entwicklung, in: Heinz Fassmann/Irene Stacher (Hg.), Österreichischer Migrationsund Integrationsbericht. Demographische Entwicklungen – sozio-ökonomische Strukturen – rechtliche Bestimmungen, Klagenfurt 2003, 20-61, 21-22.

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wir uns für eine besondere Installation im unteren Bereich der Ausstellung entschieden. Jene „Gastarbeiterinnen“ aus Slowenien, die in den Videointerviews zu sehen sind, finden sich auch in Lebensgröße in der Ausstellung wieder und warten auf den Eintritt ins Arbeitsamt. An der Wand hinter dem Schreibtisch ist folgendes Zitat von einer Interviewpartnerin zu lesen: „Wenn sie gesehen haben, dass du fähig bist, dann haben sie dich behalten…“8 Das Besondere daran ist, dass man die Frauen aus keiner Perspektive zur Gänze sieht. Durch das Anstellen verschmelzen die Frauen zu einer Einheit und werden für die Behörden unsichtbar. Dadurch wird diese staatliche Wahrnehmung symbolisiert, aber auch aufgebrochen und den Frauen ein Gesicht gegeben. Zudem werden im unteren Bereich der Ausstellung die Arbeitsverhältnisse von Frauen in der Steiermark, die schwierigen Wohnbedingungen, Familie und Netzwerke sowie die Beziehung zur Herkunft Jugoslawien thematisiert. Wichtig dabei ist es, jene Strategien aufzuzeigen, die Frauen entwickelten, um den Alltag und den Herausforderungen des „neuen“ Lebens in der Steiermark zu begegnen. Die ersten Arbeitserfahrungen beschreiben viele Frauen als „weniger gut“. Schwere körperliche Arbeit, keine klar festgelegten Arbeitszeiten, geringe Bezahlung, zahlreiche Überstunden und kaum Freizeit prägten ihren Arbeitsalltag. Der Gelderwerb nahm einen zentralen Stellenwert im Leben ein. Frauen nutzten fast jede Arbeitsgelegenheit. So übte man neben hauptberuflichen Tätigkeiten vielfach informelle Reinigungs-, Haushaltungs-, Versorgungs- oder Betreuungsarbeiten aus.9 Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familien- bzw. Kinderbetreuung spielte bei Frauen im Unterschied 8 Interview Frau G. 9 In Österreich herrschte zu dieser Zeit ein starker Mangel an Krankenschwestern. In einem Artikel in der kroatischen Zeitschrift „Arena“ vom 5. 7. 1968 werden slowenische Krankenschwestern portraitiert, die für das LKH Graz angeworben wurden.

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zu Männern eine wesentliche Rolle. Dazu nahmen Frauen in den 1960er und 1970er Jahren oftmals Tagesmütter oder öffentliche Fürsorgeeinrichtungen in Anspruch oder gaben ihre Kinder in die Obhut von Familienangehörigen in Jugoslawien. Alleinerziehende Frauen gründeten Wohngemeinschaften und arbeiteten im Schichtbetrieb um sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung zu unterstützen.

über die offiziellen Anwerbestellen10 angeworben. Die geringe Entfernung zu Slowenien war vor allem für jene Frauen, deren Kinder bei Verwandten in Jugoslawien lebten, ein Vorteil. Diese konnten oft erst dann nachgeholt werden, wenn sie das schulpflichtige Alter erreichten. Für einige junge ledige Mütter stellte die Arbeitsmigration auch eine Chance dar, der Enge der Dorfgemeinschaft zu entgehen.

Die Situation auf dem privaten Wohnungsmarkt war sehr schwierig. Vor allem Familien und schwangere Frauen wurden häufig diskriminiert. Man bot ihnen vorwiegend überteuerte Substandardwohnungen mit geringem Wohnkomfort, niedrigem Ausstattungsniveau und gravierenden Baumängeln an. Aus diesem Grund entwickelten vor allem Frauen unterschiedliche Strategien, um ihre Wohnsituation zu verbessern. Dabei stellte die Annahme einer Hausmeisterei eine Möglichkeit dar, Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu verbinden und gleichzeitig die hohen Mietkosten zu senken. Zwar waren die sich dadurch ergebenden Wohnmöglichkeiten nicht immer besser, jedoch erleichterte diese Art der Beschäftigung in finanzieller Hinsicht das Leben vieler Arbeitsmigrantinnen.

Vielfach waren die Besuche in den Herkunftsregionen auch mit Arbeitseinsätzen verbunden. Sofern nicht ein eigenes Haus gebaut wurde, unterstützte man die Familien nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch bei ihrer täglichen Arbeit. Außerdem versorgte man Verwandte und Bekannte mit Produkten, die „im damaligen Jugoslawien teuer waren oder […] es gar nicht gegeben hat“11, wie Kaffee, Reis oder Bekleidung. Investitionen von ArbeitsmigrantInnen wirkten sich auch positiv auf die Entwicklung mancher Dörfer aus. Durch die Arbeitsmigration fand die Konsumbewegung Einzug in das sozialistische Land. Eine Entwicklung, die auch zur Verschärfung der sozialen Unterschiede beitrug. Man brachte nicht nur Konsumgüter nach Jugoslawien, sondern nahm auch einiges nach Österreich mit.12

Die meisten ArbeitsmigrantInnen hatten regelmäßigen Kontakt zu ihren Familien und Bekannten in Jugoslawien. Die Häufigkeit der Heimatbesuche war von der Entfernung zu den Herkunftsgebieten abhängig. Die Anreise mit dem Zug oder dem Bus empfanden alle als sehr beschwerlich. Erst die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs ermöglichte ein schnelleres und flexibleres Pendeln. Viele Frauen aus Slowenien entschieden sich zur Arbeitsmigration in die Steiermark, da sie aufgrund der geringen Entfernung in regelmäßigeren und kürzeren Abständen in die Heimat reisen konnten. Die meisten jugoslawischen Arbeitskräfte kamen „einfach so“ in die Steiermark und wurden nicht

10 In Österreich war die Bundeswirtschaftskammer für die Anwerbung von „GastarbeiterInnen“ verantwortlich. Dazu gründete sie 1962 die „Arbeitsgemeinschaft für Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer“, die anfänglich mit den österreichischen Außenhandelsstellen und lokalen Arbeitsämtern in Jugoslawien kooperierte. Mit Inkrafttreten des Anwerbeabkommens eröffnete diese auch eine Anwerbekommission in Belgrad. ArbeitgeberInnen richteten ihre Anwerbeaufträge an die Arbeitsgemeinschaft, die diese an die Kommission in Belgrad weiterleitete. In Jugoslawien war das „Bundesbüro für Beschäftigungsangelegenheiten“ für die Anwerbung verantwortlich. 11 Interview Frau L. 12 Zum Beispiel nahm man das Gewürz „Vegeta“ nach Österreich mit, da es hier nicht erhältlich war. Damals war es nur in drei Ländern erhältlich. Heute wird es in über 400 Ländern verkauft. Damit steht es sinnbildlich für die jugoslawische Arbeitsmigration.


Impressionen von der Ausstellungs­ eröffnung im Pavelhaus Utrinki z otvoritve razstave v Pavlovi hiši

Der obere Bereich der Ausstellung widmet sich den Themenbereichen Spracherwerb und Freizeit. Des Weiteren können Videointerviews in einer Art „Wohnzimmer“ aus den 1970er Jahren gesehen und angehört werden. Der Spracherwerb stellte für viele eine große Herausforderung dar. Es gab kaum Hilfestellungen von staatlicher Seite. Unsere Recherchen ergaben, dass die slowenische Zeitung „Večer“ ab dem Jahr 1967 eine Österreich-Ausgabe herausgab. Diese erschien monatlich und enthielt Beiträge über Ereignisse in Jugoslawien, arbeitsrechtliche Informationen sowie die Rubrik „Kurzer Sprachkurs: Sprechen Sie deutsch?“13. Je länger der Aufenthalt in der Steiermark dauerte, desto wichtiger wurde die Freizeitgestaltung. Man traf sich im jugoslawischen Klub oder beim slowenischen und kroatischen Gottesdienst. Dort fand man AnsprechpartnerInnen und Unterstützung bei Problemen. 13 Ende der 1970er Jahre erschien die Ausgabe nur mehr sporadisch und wurde dann gänzlich eingestellt.

Diese Netzwerke bildeten eine wichtige Stütze, um den Herausforderungen des Alltags zu begegnen. Viele Frauen waren im slowenischen Klub „Triglav“ aktiv. Der 1982 gegründete Verein hatte seinen Vereinssitz im Minoritenkonvent am Mariahilferplatz, wo auch heute noch der slowenische Gottesdienst stattfindet. Zahlreiche Objekte und Fotos zeugen von den regen Vereinsaktivitäten. Einen Namen machte sich der Verein auch durch seine sportlichen Aktivitäten. Einmal in der Woche traf man sich zum Kegeln. Eine Interviewpartnerin erzählt: „Das war fix. Wir haben jeden Montag von sieben bis eins durchgekegelt.“14 Die Frauenmannschaft des Vereins war sehr erfolgreich und nahm an zahlreichen Wettbewerben im In- und Ausland teil. Zeugnisse dieser Leistungen sind auch in der Ausstellung zu sehen. Den Abschluss der Ausstellung bilden Videointerviews mit ehemaligen Arbeitsmigrantinnen. Diese können in deutscher und slowenischer Sprache

angesehen werden. Für das Ausstellungsprojekt wurden Interviews mit sieben ehemaligen „Gastarbeiterinnen“ geführt. Die Frauen gewähren den BesucherInnen dabei ganz persönliche Einblicke in ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Zentral dabei ist es, den Frauen durch die Videointerviews ein Gesicht zu geben und ihnen die Möglichkeit einzuräumen, diesen Zeitabschnitt aus ihrer Perspektive darzustellen. Alle Frauen kamen im Zeitraum von 1967 bis 1979 in die Steiermark. Bis auf eine, die in ihrer Pension nach Slowenien zurückkehrte, sind alle in Österreich geblieben und besitzen mittlerweile die österreichische Staatsbürgerschaft. Abschließend kann festgehalten werden, dass die Ausstellung ohne die Beteiligung der Frauen nicht realisierbar gewesen wäre. Nicht nur, dass sich die Frauen dazu bereit erklärten, ein Videointerview zu führen. Sie stellten uns auch zahlreiche persönliche Erinnerungsstücke, Fotos, Dokumenten und anderen Objekten zur Verfügung.

14 Interview Frau J.

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Zgodovinarka Verena Lorber se je rodila leta 1982 v Gradcu. Trenutno je doktorandka na Inštitutu za (sodobno) zgodovino na Univerzi Karla in Franca v Gradcu. V sklopu svoje disertacije se ukvarja s temo delavcev migrantov (»Gastarbeiter«) v Avstriji v 60. in 70. letih. Pri tem primerja gospodarske pogoje delavcev migrantov ter njihovo dejansko življenje na Štajerskem od začetka avstrijske državne politike pridobivanja in zaposlovanja tujih delovnih sil leta 1961 pa do uvedbe zakona o zaposlovanju tujcev (v nem. Ausländerbeschäftigungsgesetz) leta 1976. Od leta 2002 je zaposlena v graškem muzeju GrazMuseum, od 2006 je zadolžena za knjižnico. Med 2007 in 2010 je sodelovala v graškem centru za žensko dokumentacijo in projektno delo (v nem. Frauendokumentations- und Projektzentrum Graz), kjer je vodila razstavni projekt o drugem ženskem gibanju v Gradcu, prav tako pa je zadolžena tudi za knjižnico in arhiv. Med 2010 in 2012 je bila štipendistka sklada mladih raziskovalcev banke Steiermärkische Sparkasse. Med 2013 in 2014 je bila znanstvena sodelavka pri Spectru (splošno koristni družbi za znanstveno raziskovanje) in v tem času izvedla raziskavo o življenjskih pogojih nekdanjih delavcev migrantov na Štajerskem. Leta 2014 je za svoj disertacijski projekt prejela nagrado Theodor-Körner-Forschungspreis, od univerze v Gradcu je dobila tudi štipendijo za ženske. Trenutno je kuratorka razstave Življenjske poti, slovenske delavke migrantke na avstrijskem Štajerskem (Lebenswege. Slowenische Gastarbeiterinnen in der Steiermark), ukvarja pa se tudi s predstavitvijo migrantov v muzejih.

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Življenjske poti

Slovenske delavke migrantke na avstrijskem Štajerskem � Verena Lorber � Katja Senekovič

V znanosti pa tudi v javnosti je delovna migracija dolgo veljala za nekaj, kar zadeva le moške, zato je bilo govora le o delavcih migrantih (gastarbeiterjih),1 delavska migracija pa je veljala za obliko moške migracije. Ženske so v migracijskem procesu igrale le pasivno vlogo. Niso veljale za aktivne akterke z lastno migracijsko biografijo, obravnavali so jih kot žrtve, osebe, ki so spremljale svoje partnerje ali pa so prišle za njimi. Dejstvo, da so številne ženske v 60. in 70. letih delale kot delavke migrantke v tujini, so po navadi prezrli. Moški migranti so bili tisti, ki so dolgo veljali za edini preučevalni objekt, ki je bil pomemben za znanost. Zanimanje za ženske je na področju migracijskega raziskovanja naraslo šele v zadnjih desetletjih. Aktualne študije obravnavajo njihove življenjske situacije in izkušnje na podlagi njihovega spola, narodnosti in socialnega porekla. Tako je poleg raznolikosti migrantk in njihovega družinskega okolja vidna tudi raznovrstnost njihovega načina življenja in strategij. Razstava predstavlja življenjske poti slovenskih delavk migrantk, njihove izkušnje in vsakdanje življenje na avstrijskem Štajerskem, pri tem pa obravnava sledeče teme: sistem delavske migracije, situacijo na avstrijskem Štajerskem, zaposlovanje, delo, bivanje, družino in socialno življenje, povezanost z državo izvora, jezik in prosti čas. Razstava pri tem zgodovinska dejstva o delavski migraciji povezuje z biografskimi intervjuji delavk migrantk iz Slovenije. Namen je pripomoči k temu, da tudi ženske delavke postanejo vidne ter dobijo mesto v zgodovini in spomeniški štajerski kulturi, ki jim pripada. Delavke migrantke na avstrijskem Štajerskem Do zaposlovanja migrantk na avstrijskem Štajerskem kot tudi drugod po Avstriji je prišlo zaradi pomanjkanja delovne sile v nekaterih gospodarskih panogah, kajti bilo je premalo avstrijskih Štajercev, ki bi lahko opravljali določena dela. Po podatkih popisa prebivalstva leta 1971 je bilo tisto leto na avstrijskem Štajerskem zaposlenih 7.333 delavcev migrantov. 99 % (7.260) je bilo Jugoslovanov, 0,1 % Turkov (68), pet migrantov pa je prihajalo iz Španije. Kar 90 % je bilo delavcev, le 4,7 % pa uslužbencev. Iz podatkov popisa izhaja tudi, da je bilo leta 1971 na avstrijskem Štajerskem kar 24 % (1.737) vseh migrantov Jugoslovank. Večina izmed njih je prihajala iz Slovenije, Hrvaške in Vojvodine. Delale so predvsem v predelovalni in industrijski, pa tudi turistični panogi, npr. v hotelirstvu in gostinstvu. Nekatere med njimi so delale v zasebnih domovih, v gospodinjstvih ali pa v javnih službah, kjer so 1 Pri nemški oznaki Gastarbeiter ali Gastarbeiterin gre tudi za evfemizem, saj Gäste (v slo. goste) po navadi obravnavamo drugače. Prav tako naj bi oznaka kazala na to, da je bila delavska migracija le začasen fenomen, zato v nemščini Gastarbeiter pišemo v narekovajih.


Im oberen Bereich der Ausstellung werden die Themen Sprache und Freizeit behandelt.

opravljale predvsem „za ženske tipična“ dela.2 Ob pogledu na podatke o delavski migraciji na avstrijskem Štajerskem v 60. in 70. letih kaj kmalu postane jasno, da dela v Avstriji niso iskali le moški, saj se je delež žensk migrantk med 1961 in 1971 vsako leto gibal med 20 in 30 %.3 To pa pomeni, da vsesplošna predstava 2 Vir: Statistik Austria, Volkszählungsdaten 1971 - Erwerbspersonen aus Jugoslawien. [Popis prebivalstva 1971 – delavci in delavke iz Jugoslavije]. 3 Pri tem gre dodati, da se število izdanih delovnih dovoljenj ne ujema z dejanskim številom delavcev migrantov na avstrijskem Štajerskem. Zavod za zaposlovanje je namreč zabeležil le število izdanih dovoljenj, ne pa oseb, ki so ta dovoljenja dobila. To pomeni, da je to število bistveno večje od števila zaposlenih, kajti ob menjavi delovnega mesta je lahko ena oseba dobila več dovoljenj na leto. Vseeno pa je možno razbrati, koliko odstotkov vseh migrantov na avstrijskem Štajerskem na leto je bilo žensk. Vir: Landesarbeitsamt Steiermark, Jahresberichte 1960-1971. [Zavod za zaposlovanje na avstrijskem Štajerskem, letna poročila 1960–1971].

V zgornjem delu/nadstropju razstave sta glavni temi jezik in prosti čas. o delavski migraciji, namreč da so bili med delavci migranti le moški, nikakor ne drži. Nekatere ženske so same prispele na avstrijsko Štajersko, nekatere pred svojimi partnerji, druge za njimi, spet tretje pa skupaj z njimi. Ženske so prihajale tudi skupaj s svojimi družinami ali pa znanci. Enako raznoliki so bili njihovi razlogi za migracijo. Tako so se ženske za službo v tujini odločale zaradi večje možnosti zaposlitve in s tem zaslužka, slabe izobrazbe doma, boljše prihodnosti v primerjavi z Jugoslavijo, želje po novi pustolovščini, ljubezni ali pa so si preprosto želele pobegniti od doma, kjer so se počutile utesnjene. Delavci migranti so bili zaposleni v različnih panogah glede na posamezno področje. Tako je bilo največ zaposlenih

prav v tistih krajih, kjer so bili glavni predelovalna industrija, industrija, gradbeništvo in turizem. V avstrijskoštajerskih okrožjih Gradec, Gradec z okolico, Liezen, Leoben, Most na Muri in Radgona4 je delež tujih delavcev znašal kar več kot 5 %, v Judenburgu in Knittelfeldu med 2,5 in 5 %, v preostalih okrožjih pa pod 2,5 %. Delež žensk migrantk iz Jugoslavije je bil v Gradcu občutno večji kot drugje na avstrijskem Štajerskem, leta 1971 je znašal kar 35 %. V mestu so imele ženske boljše možnosti zaposlitve, predvsem v zasebnem sektorju, v zasebnih gospodinjstvih in go4 Visoki delež zaposlenih iz tujine v Radgoni je predvsem posledica udejstvovanja velikega števila obmejnih prebivalcev v kmetijstvu. Med majem in oktobrom 1962 so obmejni prebivalci mejo prečkali kar 100.000-krat.


Privatbesitz/ V zasebni lasti

Mitgliedskarte Klub „Triglav“ mit offiziellem Vereinsstempel auf der Rückseite. Članska izkaznica kluba „Triglav“ in uradna štampiljka na hrbtni strani.

Einladung zu einer Veranstaltung des Klubs „Triglav“ in Graz. Vabilo na prireditev kluba „Triglav“ v Gradcu.

stinstvu. Poleg tega so imele v Gradcu več možnosti za varstvo otrok. A tudi v avstrijskoštajerski turistični panogi je bilo zaposlenih veliko žensk.5 Danes je večina migrantov in migrantk na avstrijskem Štajerskem (61 % tujega prebivalstva) iz Nemčije, Romunije, Hrvaške, Bosne in Hercegovine, Turčije ter Madžarske. A Štajerska je za slovensko prebivalstvo še zmeraj pomemben cilj. Od leta 2011 za delovno silo iz Slovenije velja zakon o svobodi izbire delojemalca. 1.1.2014 je bilo na avstrijskem Štajerskem zabeleženih 3.181 slovenskih prebivalcev.6 Razstava Razstava se nahaja v dveh nadstropjih. V spodnjem nadstropju je predstavljeno stanje v Avstriji in na avstrijskem Štajer-

skem skupaj z načinom pridobivanja in zaposlovanja tujcev s strani države. Zaradi gospodarske rasti, ki se je začela v 50. letih, in posledično primanjkovanja delovne sile sta nekdanji predsednik takratne avstrijske gospodarske zbornice (danes v nem. poznane kot Wirtschafts­ kammer Österreich) Julius Raab ter nekdanji predsednik avstrijske zveze sindikatov (v nem. poznane kot Öster­ reichischer Gewerkschaftsbund) Franz Olah leta 1961 v tako imenovanem dogovoru med Raabom in Olahom (v nem. Raab-Olah-Abkommen) sklenila dopustiti zaposlitev določenega števila delavcev migrantov na avstrijskem trgu. To število je letno variiralo glede na gospodarsko panogo in posamezno avstrijsko deželo, pri čemer je stal v ospredju gospodarski napredek.

5 Glej Zavod za zaposlovanje na avstrijskem Štajerskem, letno poročilo 1973, s. 36. 6 Glej Štajerske statistike, zvezek 7/2014, s. 29–38.

Avstrijski način pridobivanja tuje delovne sile je temeljil na rotaciji začasnih delavcev, pri čemer naj bi začasne enoletne pogodbe pripomogle k temu, da bi

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se delovna sila čim prej vrnila nazaj v svojo domovino. Da bi podprla delavsko migracijo, je država gospodarsko zbornico seznanila s svojimi načrti in podpisala meddržavni sporazum o zaposlovanju tuje delovne sile s Španijo (1962), Turčijo (1964) in z Jugoslavijo (1966).7 Ob pogledu na način zaposlovanja in pridobivanja tuje delovne sile s strani države postane jasno, da so delavci služili le dobičku. Večinoma so nanje gledali kot na anonimne delavce, na delavske objekte. Zato smo se pri razstavi v 7 Glej Andreas Weigl, Migration und Integration. Eine widersprüchliche Geschichte, (Österreich – Zweite Republik. Befund, Kritik, Perspektive zv. 20), Innsbruck 2009, 35–48; Rainer Münz/Peter Zuser/Josef Kytir, Grenzüberschreitende Wanderungen und ausländische Wohnbevölkerung: Struktur und Entwicklung, v: Heinz Fassmann/Irene Stacher (ur.), Österreichischer Migrationsund Integrationsbericht. Demographische Entwicklungen – sozio-ökonomische Strukturen – rechtliche Bestimmungen, Celovec 2003, 20–61, 21–22.


„Wohnzimmer“ aus den 1970er Jahren: Im oberen Bereich der Ausstellung können Videointerviews von sieben ehemaligen „Gastarbeiterinnen“ in deutscher und slowenischer Sprache angesehen/angehört werden. In der Vitrine befinden sich die Auszeichnungen und Erinnerungsstücke der erfolgreichen „Keglerinnen“ des slowenischen Vereins „Triglav“. Dnevna soba iz 70. let. V zgornjem nadstropju lahko obiskovalci v nemščini in slovenščini poslušajo in si ogledajo videointervjuje s sedmimi nekdanjimi delavkami migrantkami. V vitrini so priznanja, nagrade in drugi spominki uspešnih kegljačic slovenskega kegljaškega kluba Triglav.

spodnjem nadstropju odločili za prav posebno postavitev. Tiste slovenske delavke migrantke, ki jih vidimo v videointervjujih, najdemo v njihovi resnični velikosti tudi v postavitvi sami, kjer čakajo na vstop v urad za zaposlovanje. Na steni za pisalno mizo najdemo citat ene od intervjuvank, in sicer: „če so videli, da si sposoben, so te obdržali …“8 Posebnost tega je, da nobene od žensk iz nobene perspektive ne vidimo v celoti. Zaradi posebne postavitve se zdi, da ženske postanejo eno in jih uradniki sploh ne opazijo. To naj bi po eni strani simboliziralo pogled države na ženske in po drugi pokazalo, da vendarle obstajajo in imajo svoj obraz. V spodnjem nadstropju so predstavljeni tudi težki bivalni pogoji ter delovna razmerja žensk na Štajerskem, pa tudi njihove družine in odnos do domovine. Ob tem skušamo prikazati strategije, ki so 8 Intervju z gospo G.

Življenjske poti

jih razvile ženske ob prihodu na Štajersko, da bi se lažje in hitreje privadile na novo življenje. Večina žensk svoje prve delovne izkušnje opisuje kot „ne preveč dobre“, saj so se spopadale z napornim fizičnim delom, niso imele točno določenega delovnega časa, slabo so bile plačane, velikokrat so delale nadure in niso imele nič kaj prostega časa. Zelo pomembno je bilo, da zaslužijo denar, zato so sprejele skoraj vsako ponudbo za delo. Tako so poleg glavne službe delale še kot čistilke, pomočnice v gospodinjstvu ali varuške.9 Za razliko od moških se je ženskam zdelo zelo pomembno uskladiti službo z družino, veliko jih je v 60. in 70. letih zaposlilo varuške, poslalo otroke v vrtce ali pa domov v Jugoslavijo k sorodnikom. Samohranilke so se organizirale v stanovanjskih skupnostih, 9 V Avstriji je bilo takrat veliko povpraševanje po medicinskih sestrah. Članek hrvaškega časnika Arena dne 5. 7. 1968 govori o slovenskih medicinskih sestrah, ki so jih zaposlili v deželni bolnišnici v Gradcu (LKH).

kjer so si pomagale med seboj. Delale so v različnih izmenah, zato so nekatere lahko pazile na otroke, medtem ko so druge delale, in obratno. Zelo težko je bilo najti svoje stanovanje, saj so družine in nosečnice velikokrat diskriminirali. Tako so jim ponujali podpovprečna stanovanja za zasoljene cene, saj naj bi za neudobna stanovanja brez zadostne opreme in z gradbenimi napakami plačevale visoke najemnine. Da bi ženske izboljšale svoj bivalni položaj, so razvile različne strategije, ki so jim omogočale združiti delo z družino in hkrati znižati visoko najemnino. Mednje je spadalo delo hišnice, ki sicer ni vedno izboljšalo njihovih bivalnih pogojev, a je vseeno s finančnega vidika mnogim delavkam migrantkam olajšalo življenje. Večina delavcev migrantov je bila v rednem stiku s svojimi družinami in znanci v Jugoslaviji. Kolikokrat so šli domov na obisk, pa je bilo odvisno od razdalje

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do doma, saj je bilo dolgo potovanje z vlakom ali avtobusom za vse zelo naporno. Šele nakup lastnega avtomobila je omogočil lažje in hitrejše potovanje domov. Veliko žensk iz Slovenije se je za delo na Štajerskem odločilo prav zaradi bližine domu, saj so se lahko večkrat vrnile na obisk. Večina jugoslovanske delovne sile je prišla „kar tako“ na Štajersko, torej niso imeli že vnaprej dogovorjenega dela preko uradov za zaposlovanje.10 Da je bila Slovenija tako blizu, je bila prednost predvsem za tiste ženske, ki so imele svoje otroke pri sorodnikih v Jugoslaviji. Svoje otroke so lahko velikokrat odpeljale s seboj šele, ko so bili dovolj stari za šolo. Nekatere mlade samske matere so s tem, ko so začele delati v tujini, pobegnile občutku utesnjenosti v domačem kraju. Velikokrat pa so migranti obiske doma izkoristili tudi za delo. Če niso gradili svoje hiše, so pomagali družinam, bodisi finančno ali pri vsakodnevnih opravilih. Poleg tega so domače oskrbovali z izdelki, ki „so bili dragi v takratni Jugoslaviji ali pa jih sploh ni bilo“.11 Med te izdelke so spadali kava, riž pa oblačila. Investicije delavcev migrantov so pomagale tudi pri razvoju nekaterih vasi. Zaradi delavske migracije je prišlo do potrošniškega gibanja (v nem. Konsumbewegung Einzug in das sozialistische Land), ki je vodilo tudi v večji prepad med posameznimi sloji. Ljudje niso nosili izdelkov le domov v Jugoslavijo, ampak so jih od tam jemali s seboj tudi 10 Za zaposlovanje delavcev migrantov v Avstriji je bila zadolžena deželna gospodarska zbornica. V ta namen je leta 1962 ustanovila delovno skupnost za zaposlovanje tujih delavcev (v nem. Arbeitsgemeinschaft für Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer), ki je na začetku sodelovala z avstrijskimi zunanjimi organi za trgovanje in jugoslovanskimi lokalnimi uradi za delo. Z začetkom veljavnosti dogovora o zaposlovanju migrantov so ustanovili tudi komisijo v Beogradu. Delavci in delavke so svoje ponudbe za delo posredovali delovni skupnosti, ki jih je posredovala naprej komisiji v Beogradu. V Jugoslaviji je bil za pridobivanje in zaposlovanje migrantov zadolžen zvezni urad za zaposlovanje (v nem. Bundesbüro für Beschäftigungsangelegenheiten). 11 Intervju z gospo L.

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nazaj v Avstrijo.12 V zgornjem delu razstave je prikazano, kako so se migrantke spopadale z nemščino in kako so preživljale prosti čas. Poleg tega si lahko obiskovalci ogledajo videointervjuje v prostoru, ki spominja na dnevno sobo iz 70. let. Učenje jezika je mnogim predstavljalo velik izziv. Država v povezavi s tem skorajda ni nudila pomoči. Med iskanjem smo zasledili, da je slovenski časnik Večer od leta 1967 izhajal tudi v nemščini. Ta nemška izdaja je izhajala enkrat na mesec, članki pa so govorili o dogodkih v Jugoslaviji, delavskih pravicah, rubrika Kratek jezikovni tečaj: govorite nemško?13 pa je bila namenjena učenju nemščine. Dlje ko so migranti ostali na avstrijskem Štajerskem, pomembnejša je bila organizacija prostega časa. Sestajali so se v jugoslovanskem klubu ali pa pri slovenski in hrvaški maši. Tam so spoznali sebi podobne, si zaupali težave in si med sabo pomagali. Ta poznanstva so bila odločilnega pomena pri reševanju vsakdanjih težav. Veliko žensk je bilo včlanjenih v slovenski klub Triglav, ki je bil ustanovljen leta 1982, svoj sedež pa je imel v minoritskem samostanu na trgu Marijine pomoči, kjer še danes poteka slovenska maša. Številni predmeti in slike pričajo o dejavnostih v klubu. Klub je postal znan tudi po svojih športnih dejavnostih, predvsem po kegljanju, saj so se člani vsak teden dobili na kegljanju. Ena od 12 Tako so na primer začimbno mešanico vegeto s seboj jemali v Avstrijo, ker je tam ni bilo. V tistih časih jo je bilo možno kupiti le v treh državah, danes jo prodajajo v več kot 400 državah po vsem svetu. Vegeta je tako danes neke vrste simbol jugoslovanske delavske migracije. 13 Konec 70. let je izdaja izhajala le še občasno, dokler je niso dokončno ukinili.

intervjuvank poroča: „To je bilo vnaprej dogovorjeno. Vsak ponedeljek smo se dobili na kegljanju, ki je potekalo od sedmih do enih.“14 Klubska ženska ekipa je bila zelo uspešna, udeležila se je številnih tekmovanj doma in v tujini, o čemer pričajo tudi razstavljeni predmeti. V zadnjem delu razstave si lahko ogledate videointervjuje z nekdanjimi delavkami migrantkami v slovenskem in nemškem jeziku. V ta namen smo intervjuvali sedem nekdanjih delavk migrantk. Obiskovalci tako dobijo vpogled v življenje migrantk, slišijo njihove osebne izkušnje in doživetja. Pri tem je pomembno, da ženske v videointervjujih obdržijo svoj obraz in takratni čas predstavijo iz svoje perspektive. Vse te ženske so prišle na avstrijsko Štajersko med 1967 in 1979. Razen ene, ki se je v pokoju vrnila v Slovenijo, so vse ostale v Avstriji in imajo zdaj tudi avstrijsko državljanstvo. Na koncu želimo poudariti, da ta razstava ne bi bila mogoča brez sodelovanja žensk. Ne le da so bile pripravljene dati videointervju, na voljo so nam dale tudi številne osebne spominske predmete, fotografije, dokumente in druge stvari. 14 Intervju z gospo J.


Ivan Vinovrski


Pungartnik

Ivanki Gruber v spomin � Marjan Pungartnik

3. julija 2015 nas je nepričakovano zapustila Ivanka Gruber, vse od ustanovitve naprej predsednica društva Avstrijsko-slovensko prijateljstvo Gradec. Rodila se je 22. januarja 1940 v Slovenj Gradcu, sicer pa je bila doma iz Svetega Vida na Graški Gori. Ljudsko šolo je obiskovala v Završah in nižjo gimnazijo v Slovenj Gradcu, se izučila za otroško bolniško negovalko na Zdravstveni in medicinski šoli v Zagrebu in od tam po dveh letih dela leta 1967 prišla v Gradec, v Gradcu končala zvezno gimnazijo, delala kot prevajalka in tolmačka ter leta 2005 pridobila naslov magistre filozofije. Bila je kulturna referentka slovenskega kluba Triglav v Gradcu do njegove ukinitve. Bila je ustanoviteljica in predsednica društva Avstrijsko-slovensko prijateljstvo Gradec (Österreichisch-Slowenische Freundschaft Graz) od leta 1993. Za svoje delovanje je prejela zlati častni znak dežele Štajerske in zlati častni znak glavnega mesta dežele Štajerske Gradca, zlato plaketo Zveze kulturnih društev Maribor za sodelovanje med Gradcem in Mariborom in leta 2013 od kulturnega ministrstva Slovenije priznanje za posebne zasluge na področju kulturnega sodelovanja med Avstrijo in Slovenijo. Njeno delo z društvom Avstrijsko-slovensko prijateljstvo je bilo nadvse razgibano in plodno. Društvo je sprva delovalo tako v Avstriji kot Sloveniji, pozneje pa sta iz njega nastali dve, v Mariboru društvo Slovenskega avstrijskega prijateljstva. Povezovala je številne posame-

znike in organizacije, ki so kakorkoli sodelovale s Slovenijo na gospodarskem in kulturnem področju. Program društva je obsegal redne slovenske jezikovne tečaje za nemško govoreče, številne ekskurzije po Sloveniji in Avstriji, povezave s posamičnimi kraji (Bistrica ob Sotli), nadvse pa je bila dragoceno kulturno sodelovanje med Mariborom in Gradcem. Naslonila se je predvsem na sodelovanje z občino Maribor, Zvezo kulturnih društev Maribor (in pozneje tudi Javnim skladom RS za kulturne dejavnosti), Društvom likovnih umetnikov Maribor in predvsem kulturnim društvom Mariborska literarna družba s slovenske strani. Z avstrijske se je naslonila na Evropski center Gradec, Steiermärkische Kunstverein Werkbund, mesto Gradec, Avstrijsko-slovensko gospodarsko zbornico, Štajersko deželno knjižnico, StadtIdee Graz, Werkraumtheater, Izobraževalni center Retzhov, Institut za slavistiko na Univerzi Karla Franza v Gradcu in seveda kulturno društvo 7. člen iz Laafelda/Potrne. Z Mariborskim literarnim društvom je izvedla številne dvojezične literarne večere v okviru programa Instituta za slavistiko in Literarne hiše Maribor, čemur so sledili tudi številni literarni prevodi. Izjemno plodno je bilo tudi sodelovanje z Evropskim centrom Gradec, kjer je prišlo do številnih gostovanj mariborskih in slovenskih likovnikov, pozneje pa se je to sodelovanje preneslo na Steiermärkische Kunstverein Werkbund. V dvaindvajsetih letih je bilo teh prireditev

Marjan Pungartnik (*28. julij 1948, Legen pri Slovenj Gradcu), pesnik, urednik, učitelj kreativnega pisanja, organizator kulturnih (literarnih) prireditev. Končal je novinarstvo na Fakulteti za sociologijo, politologijo in novinarstvo v Ljubljani (sedaj je to Fakulteta za družbene vede), delal nekaj časa na fakulteti kot asistent stažist, kasneje je bil urednik za kulturo na Komunistu, potem tajnik Zveze kulturnih organizacij (društev) in vodja območne izpostave SLKD, zdaj koordinator za društvene dejavnosti JSKD in tajnik Zveze kulturnih društev Slovenije. V študentskih letih je bil urednik za kulturo na radiu Študent, potem odgovorni urednik radia Študent, pa urednik in odgovorni urednik Tribune. Sodeloval je v raznih uredništvih. Zdaj je urednik online revije Locutio. Z literaturo se je začel ukvarjati v gimnazijskih letih. Sodeloval je na številnih literarnih prireditvah v Sloveniji in po Jugoslaviji. Nekaj malega je pisal literarno kritiko, eseje, sicer pa v glavnem poezijo. Prevajal je iz jugoslovanskih jezikov, češčine, italijanščine in angleščine. Po prihodu v Maribor leta 1977 je začel organizirati delavnice za mlajše literate začetnike, osnovnošolce in seniorje, kasneje tudi njihova srečanja. Je pobudnik za ustanovitev društva Mariborska literarna družba in njene založniške dejavnosti, organizator okroglih miz in literarnih večerov. Na začetku devetdesetih let se je

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začel ukvarjati tudi z otroško literaturo in z lutkovnimi besedili. Uredil je številne publikacije in vpeljal prvo slovensko literarno online revijo Locutio na internetu. Prejel je Častno priznanje (Certificate of Honor) Regional Lifelong Learning Festival Skopje 2003 za izjemni primer organiziranja uspešnega vseživljenjskega učenja in leta 2006 Zlati častni znak deželnega mesta Gradec.

precej preko sto – nekaj časa je bilo to pravzaprav edino kulturno sodelovanje med Mariborom in Gradcem. Bila je tudi iniciatorka programa v okviru Štajerske deželne knjižnice, ki se je pozneje preimenoval v Slovensko čitalnico. Predvsem je treba poudariti njeno izjemno povezovalno dejavnost, saj se je stikala s številnimi lokalnimi organizacijami, občinskimi in deželnimi dejavniki, univerzo v Gradcu, pa tudi širše. V letu 2012, ko je bil Maribor evropska kulturna prestolnica, je prispevala veliko k izvedbi programov v Gradcu. Vseskozi se je posvečala tudi mladim in jih je vabila k sodelovanju v izvedenih programih. Težko je našteti vse vidike njenega delovanja, a naj poudarim še delovanje v prid ženskam, ki je sovpadalo z njenimi predstavami o emancipaciji in poudarjenem pomenu žensk v javnem življenju. Povezovala je tudi društva avstrijskoslovenskega in slovensko-avstrijskega prijateljstva. Delovala je tudi v slovenski verski skupnosti v Gradcu in redno pisala v njene biltene, prepevala v zboru, nastopala pa je tudi v gledališču kot statistka. Skrbela je za obveščanje članov društva Avstrijsko-slovensko prijateljstvo in ves čas urejala njegov bilten. Ko smo 16. junija v Štajerski deželni knjižnici brali pesmi Aloisa Hergoutha, niti v najbolj nesrečni predstavi nismo mogli pomisliti, da se bomo kmalu po tem poslavljali od nje na šentpeterskem pokopališču. Bila je tako samozavestna, takšna Ivanka, kot smo jo poznali. Z Ivanko me vežeta dve stvari – delo pri društvu Avstrijsko-slovensko prijateljstvo od leta 1993 naprej in njena rojstna vas Šentvid, Šentvajt, kot rečemo v domači govorici. Skozi prvo sem jo spoznaval in vedno bolj cenil kot izjemno iniciativno, odločno, široko odprto za vse, kar se je dogajalo okrog društva. Bila je goreč zagovornik čezmejnega so-

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delovanja, kulturnih stikov, medsebojnega spoznavanja, bila je ženska, ki je premikala gore. Gibala se je enako suvereno med običajnimi ljudmi in med politično elito, povezovala je umetnike in poslovne ljudi, vzpostavljala stike, se znala poveseliti in predvsem trdo delati. Drugo naju veže veliko bolj osebno. Samo redki vedo, kaj v Mislinjski dolini pomeni biti ženska iz Šentvajta – samostojna, emancipirana, samosvoja, da, tudi rdečelasa. Ne vem, iz katerega ljudstva prihajajo ti ljudje, ki jim skoraj ne moreš ukazovati, saj predvsem izražajo sebe, in taki, kot so, lahko največ storijo za druge. Bila je neposredna, bila je trmasta, bila je lepa, rekel bi ženstvena in neponovljiva. Ne bomo pozabili njenega ponosa in hkrati pretkane domiselnosti, s katero je uresničevala svoje cilje. A ne cilje zase, ampak cilje za druge. Rada je nastopila, rada je zaplesala prva, a potem je na prizorišče povabila druge, s katerimi je delila radosti kulturnega delovanja. Koliko branj smo imeli z njeno organizacijo, koliko razstav, pevskih srečanj, koliko izletov! Draga Ivanka, s sabo bom vedno nosil tvoj smeh, to, kako si se znala pridušati, kako si znala biti skrbna in pozorna. Ludwiga si imela lepo in si ga naučila govoriti lepo slovensko, rada si bila članica slovenske cerkvene skupnosti v Gradcu. Imeli smo te radi in samo tega si nismo mogli predstavljati, da nas boš zapustila. Žalostni smo, a bomo za vedno tvoji in te bomo imeli radi še naprej. Spi in naj ti poje zvon s tvojega Svetega Vida! Veliko načrtov Ivanke Gruber je ostalo neizpolnjenih in težko bo izpolniti praznino, ki je ostala za tako vneto, marljivo in prodorno aktivistko.


In Erinnerung an Ivanka Gruber � Marjan Pungartnik � Katja Senekovič

Ivanka Gruber ist am 3. Juli 2015 ganz unerwartet von uns gegangen. Sie war Präsidentin des Vereines Österreichisch-Slowenische Freundschaft Graz seit dessen Gründung. Frau Gruber wurde am 22. Jänner 1940 in Windischgrätz (im Slow. Slovenj Gradec) geboren und kam ursprünglich aus Sveti Vid na Graški Gori. Sie besuchte die Volksschule in Završe und die Unterstufe in Windischgrätz (Slovenj Gradec), machte später eine Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin auf der Medizinschule in Zagreb und kam 1967 nach zwei Jahren Arbeit in Zagreb nach Graz, wo sie das Bundesgymnasium beendete, als Übersetzerin und Dolmetscherin arbeitete und im Jahre 2005 ihren Magister in Philosophie erlangte. Bis zu seiner Auflösung war sie Kulturreferentin des slowenischen Vereines Triglav in Graz. Sie war Gründerin und seit 1993 Präsidentin des Vereines Österreichisch-Slowenische Freundschaft Graz. Für ihre Verdienste wurden ihr das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Graz sowie die goldene Plakette des Verbandes der Kulturvereine Maribor für die Zusammenarbeit zwischen Graz und Maribor verliehen und im Jahr 2013 wurde sie auch vom slowenischen Kulturministerium für besondere Verdienste auf dem Gebiet der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Slowenien ausgezeichnet.

Die Arbeit, die sie für den Verein Österreichisch-Slowenische Freundschaft Graz leistete, war äußerst bewegt und fruchtbar. Der Verein wirkte zunächst sowohl in Österreich als auch in Slowenien. Später wurde ein zweiter Verein in Maribor gegründet, der Verein der Slowenisch-Österreichischen Freundschaft. Ivanka Gruber stellte die Verbindung zwischen vielen Einzelpersonen sowie Organisationen her, die auf irgendeine Weise mit Slowenien im Bereich der Wirtschaft oder Kultur zusammenarbeiteten. Teil des Programms des Vereines waren regelmäßige Slowenischkurse für Deutschsprachige, zahlreiche Exkursionen nach Slowenien oder in Österreich, Verbindungen zu den einzelnen slowenischen Ortschaften (Bistrica ob Sotli) und besonders geschätzt wurde die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Maribor und Graz. Die wichtigsten slowenischen Partner waren dabei die Gemeinde Maribor, der Verband der Kulturvereine Maribor (und später der Kulturfond der Republik Slowenien), der Künstlerverein Maribor sowie insbesondere der Kulturverein Literaturgesellschaft Maribor. Zu den österreichischen Partnern gehörten das Europahaus Graz, der Steiermärkische Kunstverein Werkbund, die Stadt Graz, die österreichisch-slowenische Wirtschaftskammer, die Steiermärkische Landesbibliothek, StadtIdee Graz, das Werkraumtheater, das Bildungshaus Retzhof, das Institut für Slawistik an der Karl-Franzens-Universität und na-

Marjan Pungartnik (*28. Juli 1948, Legen bei Slovenj Gradec), Dichter, Redakteur, Lehrer des kreativen Schreibens, Veranstalter von Kultur- und Literaturveranstaltungen. Er studierte Journalismus an der Fakultät für Soziologie, Politologie und Journalismus in Ljubljana (heute die sozialwissenschaftliche Fakultät). Er war einige Zeit lang als Mitarbeiter an der Fakultät tätig, später arbeitete er als Kulturredakteur bei der slowenischen Zeitschrift Komunist und danach als Sekretär bei dem Verband der Kulturvereine. Er war außerdem Leiter der regionalen Außenstelle des heutigen öffentlichen Kulturfonds, wo er nun die Vereinstätigkeiten koordiniert. Er ist zudem Sekretär des Verbands der slowenischen Kulturvereine. Während des Studiums war er zunächst Kulturredakteur beim Radio Student tätig, danach auch als Hauptredakteur. Zudem arbeitete er als Redakteur und Hauptredakteur bei der Studentenzeitung Tribuna. Er war in mehreren Redaktionen tätig und arbeitet zurzeit als Redakteur der elektronischen Zeitschrift Locutio. Schon im Gymnasium beschäftigte er sich mit Literatur. Er nahm an zahlreichen literarischen Veranstaltungen in Slowenien und Jugoslawien teil. Er schrieb vor allem Poesie, auch Literaturkritiken und Essays. Er übersetzte aus den jugoslawischen Sprachen sowie aus dem Tschechischen, Italienischen und Englischen. Nachdem er im Jahre 1977 nach Maribor gegangen war, organisierte er dort Workshops für jüngere unerfahrene Literaten, Hauptschüler und Senioren. Später organisierte er auch Treffen für letztere. Er war Initiator des Literaturvereines Mariborska literarna družba

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und dessen Verlages, Veranstalter von runden Tischen und Literaturabenden. Anfang der 90er Jahre begann er darüber hinaus, sich mit der Kinderliteratur und Puppenspielen auseinanderzusetzen. Er war als Redakteur bei zahlreichen Publikationen anwesend und gründete im Internet die erste slowenische elektronische Literaturzeitschrift Locutio. Im Jahre 2003 wurde er mit dem Ehrenzertifikat (Certificate of Honor) auf dem Regional Lifelong Learning Festival Skopje für seine außerordentliche Organisation des lebenslangen Lernens ausgezeichnet. Im Jahre 2006 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Graz verliehen.

türlich der Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark – Pavelhaus aus Laafeld. In Zusammenarbeit mit dem Literaturverein Maribor wurden zahlreiche Literaturabende im Rahmen des Instituts für Slawistik und des Literaturhauses Maribor organisiert, wofür auch zahlreiche Literaturwerke übersetzt wurden. Als besonders fruchtbar stellte sich die Zusammenarbeit mit dem Europahaus Graz heraus, wo zahlreiche Künstler aus Maribor und Slowenien zu Gast waren. Später gastierten sie im Steiermärkischen Kunstverein Werkbund. In den letzten 22 Jahren wurden über 100 Veranstaltungen dieser Art organisiert. Einige Zeit lang stellten sie eigentlich die einzige kulturelle Zusammenarbeit zwischen Maribor und Graz dar. Ivanka Gruber war auch die Initiatorin des Slowenischen Lesesaals im Rahmen der Steiermärkischen Landesbibliothek. In erster Linie muss betont werden, welch außerordentliche Rolle Frau Gruber bei der Verbindung zahlreicher lokaler Organisationen,

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der Gemeinde und des Landes, der Universität Graz und anderen spielte. Im Jahre 2012, als Maribor Kulturhauptstadt war, trug sie viel zur Durchführung von Veranstaltungen in Graz bei. Sie wollte die Jugend immer mit einbeziehen und lud sie zur Teilnahme an den durchgeführten Programmen ein. Es ist nicht leicht, alles aufzuzählen, womit sie sich beschäftigte. Ich möchte jedoch zusätzlich ihre Bemühungen, die Stellung von Frauen in der Gesellschaft zu verbessern, erwähnen, da sie sich explizit für die Emanzipation und die Stellung der Frau im öffentlichen Leben einsetzte. Sie stellte auch eine Verbindung zwischen den Vereinen der Österreichisch-Slowenischen Freundschaft und der Slowenisch-Österreichischen Freundschaft her. Sie war zudem in der slowenischen Kirchengemeinschaft in Graz aktiv und schrieb ihre Bulletins, sang im Chor und trat als Statistin im Theater auf. Sie kümmerte sich um die gegenseitige Benachrichtigung von Mitgliedern des Ver-


eines der Österreichisch-Slowenischen Freundschaft und bearbeitete dessen Informationsblatt. Als wir noch am 16. Juni zusammen Gedichte von Alois Hergouth in der Steiermärkischen Landesbibliothek lasen, hätten wir nicht mal in unseren schlimmsten Träumen daran gedacht, dass wir uns bald danach auf dem St. Peter Friedhof von ihr verabschieden würden. Sie war so selbstsicher, unsere Ivanka, so, wie wir sie alle kannten. An Ivanka binden mich zwei Dinge – die gemeinsame Arbeit beim Verein Österreichisch-Slowenische Freundschaft seit 1993 und ihre Heimat Šentvid, Šentvajt, wie wir es im Dialekt nennen. Durch unsere Zusammenarbeit im Verein lernte ich sie immer mehr als eine unglaublich willensstarke Frau mit viel Initiative und großer Willensbereitschaft in Bezug auf den Verein kennen und sie als solche zu schätzen. Sie setzte sich stark für die grenzüberschreitende Zusam-

In Erinnerung an Ivanka Gruber

menarbeit ein, für Kulturkontakte, gegenseitiges Kennenlernen. Sie war eine Frau, die das Unmögliche schaffte. Sie verhielt sich souverän, egal, ob sie von „normalen“ Menschen oder der politischen Elite umgeben war, sie verband Künstler und Geschäftsleute, stellte Kontakte her, wusste es zu feiern und vor allem wusste sie, was es hieß, hart zu arbeiten. Meine zweite Verbindung zu ihr ist viel persönlicher. Nur wenige wissen, was es heißt, eine Frau aus dem Mislinja Tal zu sein – selbstständig, emanzipiert, eigenartig, und ja, auch rothaarig. Ich weiß nicht, woher diese Art von Menschen kommt, der man kaum Befehle erteilen kann, da sie in erster Linie sie selbst sind, und so, wie sie sind, können sie den anderen am meisten helfen. Ivanka war direkt, stur, hübsch, ich würde sagen feminin und einzigartig. Wir werden ihren Stolz und zugleich ihren besonderen Einfallsreichtum nie vergessen, mit dem sie so manches

ihrer Ziele erreichen konnte. Aber nicht nur Ziele für sich, sondern auch für andere. Sie liebte es, aufzutreten, als erste die Tanzfläche zu betreten, aber danach lud sie auch andere zu ihr auf die Bühne ein, die die Freude für das kulturelle Geschehen mit ihr teilten. Wie viele von den stattgefundenen Lesungen, wie viele von den Ausstellungen, Chortreffen, Ausflügen verdanken wir ihr. Liebe Ivanka, ich werde mich immer an dein Lachen erinnern, daran, wie sorgfältig und aufmerksam du warst. Du hast dich toll um Ludwig gekümmert und ihm gut Slowenisch beigebracht. Du hast es geliebt, ein Mitglied der slowenischen Kirchengemeinschaft in Graz zu sein. Wir hatten dich sehr gerne und hätten nie damit gerechnet, dass du uns einmal verlässt. Wir sind sehr traurig darüber, aber du bleibst für immer in unseren Herzen und in unseren Gedanken. Schlaf schön, möge dir deine Glocke aus Sveti Vid immer läuten! Viele von Ivanka Grubers Plänen konnten nicht in die Tat umgesetzt werden und es wird uns sehr schwer fallen, die Leere zu füllen, die diese eifrige, fleißige und scharfsinnige Aktivistin hinterlassen hat.

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Blanka Markovič Kocen

Akademik prof. dr. Anton Vratuša Stoletnik

� Boris Jesih � Sazu

Antona Vratušo sem pobliže spoznal, ko je bil že v obdobju, ko večina ljudi njegove starosti že počasi opušča aktivno ustvarjanje. To je bilo v začetku devetdesetih let, ko so se v akademijskem odboru, potem ko so še v okviru skupnega jugoslovanskega medakademijskega odbora proučili položaj slovenske manjšine na avstrijskem Koroškem in v Italiji, odločili, da se bodo bolj posvetili tudi položaju Slovencev na avstrijskem Štajerskem. Ti so si prav takrat prizadevali za priznanje, tako s strani avstrijske države kot tudi s strani Slovenije. Že takrat me je presenetil s svojo pronicljivostjo, neverjetno energijo in sposobnostjo, da je ugotovitve, opravljene v raziskavah, znal uveljaviti tudi v praksi. V njegovih bibliografijah piše, da je politik in slavist, mi bi dodali, da je vseskozi predvsem humanist in znanstvenik, kar se je odražalo skozi celotno njegovo življenjsko kariero. Res je, da so ga življenjska usoda in politične razmere popeljale tudi v politične vode. Temeljit, kot je, je vse službe opravljal po najboljših močeh in vedno je za njim ostal neizbrisljiv spomin. Sodelovanje z njim je za vsakogar, ki je imel to priložnost, pomenilo obogatitev, tako v strokovnem kot človeškem smislu. Akademik prof. dr. Anton Vratuša Rojen je bil 21. februarja 1915 v Dolnjih Slavečih na Goričkem. Uka žeja ga je kljub začetnemu nasprotovanju očeta najprej popeljala na gimnazijo v Mursko Soboto, pozneje pa na realno gimnazijo

v Ljubljano. Po študiju slavistike na ljubljanski filozofski fakulteti je leta 1941 dosegel doktorat znanosti z disertacijo Levec in Ljubljanski zvon. Vojno je dočakal kot rezervist v jugoslovanski vojski, razočaran nad njenim hitrim razsulom se je umaknil v Ljubljano. Tam se je s kolegi iz kroga slavističnega seminarja kmalu vključil v boj proti okupatorju. Italijani so ga večkrat aretirali, po zadnji aretaciji leta 1942 pa poslali najprej v Gonars, potem v Treviso in Padovo, pozneje pa v taborišče na otok Rab. Tudi tam je bil med tistimi, ki so tudi v taboriščnih razmerah organizirali odpor. Tako so ob kapitulaciji Italije skupaj s sotaboriščniki razorožili vojaško posadko in ustanovili oborožene enote. Slovenci so kmalu odšli v Slovenijo, kjer so se vključili v narodnoosvobodilno gibanje. Na Mašunu so ustanovili znamenito Rabsko brigado, Vratuša pa je postal njen namestnik komandanta. Takratno vodstvo ga je hotelo najprej poslati v rodno Prekmurje, a so ga politične okoliščine popeljale v severno Italijo, kjer je bil slovenski predstavnik pri komandi garibaldincev in Korpusu dobrovoljcev svobode v Milanu, oseba za zvezo med slovensko in italijansko partijo za severno Italijo. V tistih časih je šlo za izredno zahtevno in občutljivo nalogo in Anton Vratuša je bil ravno prava oseba zanjo. Ko je pred koncem vojne prispel v Beograd, se je hotel vrniti v Ljubljano in vključiti v delo na Univerzi. Tega mu niso dovolili. V Beogradu je opravljal pomembne politične funkcije, vendar je

Boris Jesih Rodil se je leta 1956 v Mariboru. Diplomiral je 1980 iz politologije na Fakulteti za družbene vede v Ljubljani. Od 1980 je zaposlen na Inštitutu za narodnostna vprašanja v Ljubljani. Leta 1992 je zagovarjal magistrsko nalogo na Fakulteti za družbene vede v Ljubljani z naslovom Avstrijske politične stranke in manjšinsko vprašanje. Leta 2003 je na Fakulteti za družbene vede uspešno zagovarjal doktorsko disertacijo z naslovom Politična participacija narodnih manjšin – primer koroških Slovencev. Disertacija je izšla knjižni obliki v letu 2007 pri celovški založbi Drava. Od leta 2006 je habilitiran na Univerzi na Primorskem kot univerzitetni docent za področje etničnih študij. Kot raziskovalec je opravil vrsto samostojnih raziskovalnih nalog s področja položaja slovenske manjšine v Avstriji in vidikov politične participacije narodnih manjšin, tematska področja raziskovanja so tudi pojavi neonacizma in »novih družbenih gibanj« v Avstriji ter položaj manjšin v Sloveniji. Rezultate svojega dela je predstavil na več kongresih v tujini in Sloveniji, kjer so bili njegovi referati tudi objavljeni. Je soavtor in sourednik slovenskega poročila o položaju narodnih manjšin v prostoru Alpe-Jadran. Uredil je vrsto publikacij s področja manjšinske proble-

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Ernest Ružič

matike, 1992–2008 je bil urednik osrednje slovenske revije za manjšinska vprašanja Razprave in gradivo/Treatises and Documents. Je soavtor več znanstvenih monografij ter avtor številnih člankov s področja narodnih manjšin, ki so bili objavljeni doma in v tujini. Bil je član slovensko-avstrijske komisije strokovnjakov, ki je obravnavala odnose med državama, prav tako tudi sourednik zbornika, ki je nastal kot rezultat del slovenskega dela komisije. V obdobjih 2008–2012 in 2013–2014 je bil Državni sekretar v Uradu RS za Slovence v zamejstvu in po svetu.

ob tem končal tudi študij družbenih ved na tamkajšnji visoki politični šoli ter tako še enkrat pokazal svojo željo po znanstvenem delu. Kar trinajst let je bil šef kabineta Edvarda Kardelja, najvidnejšega slovenskega politika v Jugoslaviji. Od 1965 do 1967 je bil stalni predstavnik Jugoslavije pri Organizaciji združenih narodov. Opravljal je tudi druge pomembne politične funkcije, tako v Jugoslaviji kot Sloveniji, naj omenimo samo, da je bil tudi predsednik Izvršnega sveta Republike Slovenije (1978–1980). Vseskozi pa je ob politični skrbel tudi za svojo znanstveno kariero. Tako je bil direktor Inštituta za družbene vede v Beogradu (1965–1967), redni profesor na Visoki politični šoli (1956–1967) in na Univerzi v Beogradu od 1969, na Univerzi v Ljubljani od 1974 in na Mednarodnem centru za promocijo podjetij v Ljubljani od 2004. Bil je ustanovitelj Mednarodnega centra za upravljanje javnih podjetij, ki še danes deluje v Ljubljani. Od leta 1978 je redni član Slovenske akademije znanosti in umetnosti. Med letoma 1988 in 2002 je vodil akademijski odbor za preučevanje narodnih manjšin. Čeprav je iz njegove bibliografije razvidno, da je razpon njegovega znanstvenega dela izjemno širok, sta področji narodnostnih manjšin in traj-

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nostnega razvoja tisti, ki jima je posvetil največ časa. Posebej preko delovanja akademijskega odbora za proučevanje narodnih manjšin je znal povezati številne strokovnjake, tako iz Slovenije kot iz tujine. Analize projektov, ki jih je vodil ali spodbudil, so bistveno pripomogle k poznavanju in izboljšanju položaja narodnih manjšin v našem prostoru. Akademik Vratuša pa je imel posebno vlogo pri afirmaciji Slovencev na avstrijskem Štajerskem. Z njemu lastno vztrajnostjo je bistveno pripomogel, da jih je slovenska država začela obravnavati enakopravno z drugimi manjšinami, njegova zasluga je tudi, da je prišlo do znanstvenega simpozija z naslovom Slovenci v avstrijski zvezni deželi Štajerski leta 1993 v Mariboru, pri katerem so prvič sodelovali tudi avstrijski znanstveniki. Lahko rečemo, da od takrat naprej ni bilo več možno zanikati obstoja Slovencev na avstrijskem Štajerskem. Čeprav je njegovo delo povezano tudi z drugimi manjšinami, je prav slovenska manjšina na avstrijskem Štajerskem nekaj, čemur se je posvečal še posebej pozorno. Še danes ima številne zamisli in ideje za njen bodoči razvoj. Z željo, da bo čim več njegovih zamisli uresničenih, mu želimo še mnogo ustvarjalnih let.


Akademiemitglied Prof. Dr. Anton Vratuša Zum hundertsten Geburtstag � Boris Jesih � Andrea Haberl Zemljič

Ich habe Anton Vratuša zu einer Zeit kennengelernt, als er schon in einem Alter war, in dem die meisten Menschen ihre aktive Arbeit aufgeben. Das war zu Beginn der neunziger Jahre, als man sich in der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste dazu entschloss, sich auch der Lage der Slowenen in der Steiermark zu widmen, nachdem die Lage der slowenischen Minderheiten in Kärnten und Italien im Rahmen des gemeinsamen jugoslawischen akademieübergreifenden Ausschusses aufgearbeitet worden war. Damals bemühten sich die steirischen Slowenen gerade um ihre Anerkennung, sowohl von Seiten Österreichs wie auch von Seiten Sloweniens. Schon damals überraschte er mich mit seinem Scharfsinn, seiner unglaublichen Energie und seiner Fähigkeit, die Feststellungen in den Studien auch in die Praxis umzusetzen. In seiner Bibliografie heißt es, dass er Politiker und Slawist sei. Ich würde dem hinzufügen, dass er vor allem auch Humanist und Wissenschaftler ist, was sich in seinem gesamten Leben widerspiegelt. Das Schicksal und die politischen Verhältnisse führten ihn in die Politik. Gründlich wie er ist, hat er alle Funktionen nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt und hinterließ immer einen unauslöschlichen Eindruck. Die Zusammenarbeit mit ihm bedeutete für jeden, der diese Möglichkeit hatte, eine Bereicherung, sowohl im Fachlichen wie im Menschlichen.

Akademiemitglied Prof. Dr. Anton Vratuša Anton Vratuša wurde am 21. Februar 1915 in Dolnji Slaveči im Prekmurje (Goričko) geboren. Sein Wissensdurst führte ihn trotz des anfänglichen Widerstands des Vaters zunächst ans Gymnasium in Murska Sobota und später an das Realgymnasium in Ljubljana. Nach dem Studium der Slawistik an der Laibacher Philosophischen Fakultät absolvierte er 1941 das Doktorat mit der Dissertation zum Thema „Levec und die Zeitschrift Ljubljanski zvon“. Er erlebte den Kriegsbeginn als Reservist der jugoslawischen Armee und zog sich, enttäuscht über ihre schnelle Auflösung, nach Ljubljana zurück. Dort schloss er sich mit den Kollegen aus dem slawistischen Seminar bald dem Widerstand an. Die Italiener verhafteten ihn mehrmals und schickten ihn nach seiner letzten Verhaftung im Jahr 1942 nach Gonars, dann nach Treviso und Padua und später ins Lager auf der Insel Rab. Dort gehörte er zu jenen, die auch im Lager den Widerstand organisierten. So entwaffnete die Gruppe von Gefangenen bei der Kapitulation Italiens die militärischen Einheiten und bildete bewaffnete Einheiten. Die Slowenen gingen bald darauf nach Slowenien zurück, wo sie sich der Volksbefreiungsbewegung anschlossen. In Mašun wurde die bekannte Rab-Brigade gegründet und Vratuša war der stellvertretende Kommandant. Die damalige Führung wollte ihn zunächst in das heimatliche Prek-

Boris Jesih wurde 1956 in Maribor geboren. Er studierte Politikwissenschaft an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften in Ljubljana bis zum Abschluss 1980. Seit 1980 ist er am Institut für Nationalitätenfragen Ljubljana beschäftigt. Im Jahr 1992 schloss er das Masterstudium mit der Magisterarbeit an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften Ljubljana mit dem Titel »Die österreichischen politischen Parteien und die Minderheitenfrage« ab. Im Jahr 2003 schloss er ebenfalls an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften Ljubljana das Doktorratsstudium mit der Dissertation »Die politische Partizipation der nationalen Minderheiten am Beispiel der Kärntner Slowenen« ab. Die Dissertation erschien in Buchform im Jahr 2007 beim Klagenfurter Drava-Verlag (Ethnos und Politik. Was wollen die Kärntner Slowenen?). Im Jahr 2006 habilitierte er sich an der Universität des Küstenlandes als Universitätsdozent für den Bereich ethnische Studien. Als Forscher führte er eine ganze Reihe von selbständigen Forschungsprojekten zum Thema „Lage der slowenischen Minderheit in Österreich“ vom Standpunkt der politischen Partizipation der nationalen Minderheit durch. Weitere Forschungsbereiche sind auch der Neonazismus und neue gesellschaftliche Strömungen in Österreich sowie die Lage der Minderheiten in Slowenien im Alpen-Adria Raum. Er hat die Ergebnisse seiner Studien auf mehreren Kongressen im Ausland und in Slowenien präsentiert, wo seine Referate auch veröffentlicht wurden. Er ist Ko-Autor und Ko-Redakteur des slowenischen Berichts über die Lage der nationalen Minderhei-

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ten im Alpen-Adria Raum. Er wirkte bei einer ganzen Reihe von Publikationen aus dem Bereich der Minderheitenproblematik als Redakteur mit und war von 1992-2008 verantwortlicher Redakteur der zentralen slowenischen Zeitschrift für Minderheitenfragen (Razprave in gradivo/Treatises and Documents). Boris Jesih ist auch Ko-Autor von mehreren wissenschaftlichen Monografien und Autor zahlreicher Artikel zum Thema nationale Minderheiten, die in Slowenien und im Ausland veröffentlicht wurden. Er war Mitglied der slowenisch-österreichischen Expertenkommission, die sich mit den Beziehungen zwischen den beiden Staaten befasste. Er war auch Redakteur des Sammelbands, der als Ergebnis des slowenischen Teils der Kommission entstand. Im Zeitraum von 2008– 2012 und von 2013–2014 war er Staatssekretär am der Republik Slowenien für Auslandsslowenen.

murje schicken, doch führten ihn die politischen Umstände zunächst nach Norditalien, wo er der slowenische Vertreter bei der Garibaldi-Einheit und dem Freiwilligenkorps in Mailand war, der Verbindungsoffizier der slowenischen und italienischen Partei für Norditalien. Das war eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die viel Sensibilität erforderte und Anton Vratuša war gerade die richtige Person dafür. Als er vor Kriegsende nach Belgrad kam, wollte er nach Ljubljana und an die Universität zurückkehren, was man ihm jedoch nicht gestattete. In Belgrad übernahm er wichtige politische Funktionen, beendete jedoch daneben auch sein Studium der Gesellschaftswissenschaften auf der dortigen politischen Hochschule und zeigte auf diese Art und Weise wieder seinen Wunsch nach wissenschaftlicher Arbeit. Er war ganze dreizehn Jahre lang Kabinettchef unter Edvard Kardelj, dem exponiertesten slowenischen Politiker Jugoslawiens. Von 1965 bis 1967 war er der ständiger Vertreter Jugoslawiens bei den Vereinten Nationen. Er hatte aber auch andere wichtige politische Funktionen inne, sowohl in Jugoslawien wie auch in Slowenien. Hier sei nur erwähnt, dass er auch Vorsitzender des Vollzugsrats der Republik Slowenien war (1978-1980). Neben seiner politischen Karriere behielt er auch seine wissenschaftliche Karriere im Auge. So war er Direktor des Instituts für Gesellschaftswissenschaften in Belgrad (1965–1967), ordentlicher Professor an der politischen Hochschule (1956–1967) und an der Universität Belgrad ab 1969, an der Universität Ljubljana ab 1974 und am Internationalen Zentrum für die Bewerbung von Unternehmen in Ljubljana ab 2004 tätig. Er war der Gründer des Internationalen Zentrums für Unternehmensmanagement, das heute noch in Ljubljana besteht. Ab dem Jahr 1978 war er ein ordentliches Mitglied der Slowenischen Akade-

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mie der Wissenschaften und Künste. In den Jahren 1988 und 2002 führte er den akademischen Ausschuss zur Untersuchung der nationalen Minderheiten. Obwohl aus seiner Bibliografie hervorgeht, dass das Spektrum seiner wissenschaftlichen Arbeit sehr breit ist, sind die Bereiche „Minderheiten“ und „nachhaltige Entwicklung“ jene, denen er am meisten Zeit widmete. Besonders über den akademischen Ausschuss zur Untersuchung der Lage der Minderheiten konnte er zahlreiche Experten sowohl aus Slowenien wie aus dem Ausland miteinander vernetzen. Die Analysen der Projekte, die von ihm gemanagt oder angeregt wurden, haben wesentlich zum Kennenlernen und zur Verbesserung der Lage der nationalen Minderheiten in unserem Raum beigetragen. Das Akademiemitglied Vratuša spielte bei der Affirmation der Steirischen Slowenen eine besondere Rolle. Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit trug er wesentlich dazu bei, dass sie vom slowenischen Staat als gleichberechtigt mit anderen Minderheiten behandelt wurden. Sein Verdienst ist es auch, dass es zum wissenschaftlichen Symposium mit dem Titel »Slowenen in der Steiermark« im Jahr 1993 in Maribor kam, an dem zum ersten Mal auch österreichische Wissenschaftler teilnahmen. Es darf behauptet werden, dass seit damals die Existenz der Slowenen in der Steiermark nicht mehr geleugnet werden konnte. Obwohl seine Arbeit auch mit anderen Minderheiten verknüpft ist, ist es gerade die slowenische Minderheit in der Steiermark, der er besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat. Noch heute macht er sich Gedanken darüber, wie sie sich weiter entwickeln könnte. Wir wünschen ihm noch viele schöpferische Jahre, damit viele seiner Ideen in die Tat umgesetzt werden können.


Refugees � David Kranzelbinder

David Kranzelbinder, geboren Anfang der Achtziger in Graz hat in Bad Radkersburg maturiert und daneben eine Multimediatechniker-, Schauspiel- und Ton­ tech­ ni­ ker­ausbildung gemacht danach in Graz Germanistik und Geschichte studiert an mehreren Filmprojekten mitgearbeitet und für Kunst-, Literatur-, und Schau­ spielhaus gearbeitet. Seit 2009 ist er Mitarbeiter des Pavelhauses in diversen Rollen. Die Fotos entstanden während seiner freiwilligen Mitarbeit am Grenzübergang Spiel­feld/Šentilj.

David Kranzelbinder, rojen na začetku osemdesetih let, je maturiral v Bad Radkersburgu in si je poleg tega pridobil izobrazbo multimedijskega in tonskega tehnika ter gledališkega igralca, potem je v Gradcu študiral germanistiko in zgodovino, sodeloval pri več filmskih projektih in delal za hišo umetnosti, literarno hišo in gledališče v Gradcu. Od leta 2009 je sodelavec Pavlove hiše. Fotografije so nastale v času njegovega prostovoljnega sodelovanja na mejnem prehodu Šentilj/ Spielfeld.


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Privatbesitz (2)

Oben: Luca Sekolovnik mit Motorrad Unten: Alte Urbani Keusche Zgoraj: Luca Sekolovnik z motorjem Spodaj: Stara Urbanijeva kajĹža


Schwarze Nebel, weiße Hände

Die Lebensgeschichte des staatenlosen Holzfällers Luca Sekolovnik zwischen Österreich und Slowenien

Hintergrund Luca Sekolovnik wurde 1925 in Kozji vrh (Geißberg) am Pernitzenberg geboren, nahe der damals neuen Grenze zwischen Österreich und dem jungen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS). Der Pernitzenberg ist der südliche Ausläufer der Koralpe und fällt fast 1000 Meter steil ins Drautal ab. Bis zum Ende der Monarchie 1919 gehörte die Region zur Untersteiermark und reichte südlich bis knapp vor Zagreb (Agram). Das Gebiet rund um den Pernitzenberg war ebenso zweisprachig wie die nördlich angrenzenden Orte Laaken, wo Luca nach 1945 lebte, und Soboth, die nach einer Volksabstimmung 1920 endgültig zu Österreich kamen – wie es im Friedensvertrag von St. Germain vorgesehen war. Wirtschaftlich war dies für die Bauern und Betriebe in Laaken und Soboth eine Katastrophe, da bis zum Zerfall der Monarchie alles nach Süden ins Drautal, d.h. ins heutige Slowenien, ausgerichtet war. Dorthin lieferten die Bauern bis 1920 ihr Holz, ihr Vieh und früher auch die Glasprodukte, die bis an den Zarenhof in Russland gingen. Nach Österreich aber, in den nächsten Markt namens Eibiswald, gab es damals nur Saumpfade und Karrenwege, keine einzige Straße. Erst 1974 wurde eine durchgehend asphaltierte Bundesstraße von Eibiswald bis zur Landesgrenze hinter Soboth fertiggestellt. Sowohl die südliche Seite, der Pernitzenberg, als auch die nördliche, Laaken und Soboth, sind geprägt durch Waldreichtum und Einzelgehöfte. Im Zweiten Weltkrieg war die idyllische Landschaft mit ihren zahlreichen Schluchten Schauplatz grausamer Gemetzel zwischen Partisanen und SS sowie Gestapo-Mannschaften. Die wenigen noch lebenden Zeitzeugen reden darüber äußerst ungern, umso größer war die Freude der Autorin über das Vertrauen von Luca Sekolovnik. Kindheit im Niemandsland Die politischen Wirrnisse in der Zwischenkriegszeit kümmerten den kleinen Luca wenig. Seine Familie war kurz nach seiner Geburt in die Urbani-Keusche neben der Wallfahrtskirche St. Urbani gezogen. Sie befand sich auf einer Lichtung mitten im Wald, die im Besitz der Kirche stand. Die Familie durfte ebenso wie eine alte Frau gratis in der Keusche wohnen und die Wiese bewirtschaften, es musste nur zwei Mal am Tag zum Beten geläutet werden, außerdem musste die Kirche sauber gehalten und für die Prozessionen geschmückt werden.

Privat

� Alexa Wild

Alexa Wild, Journalistin und Übersetzerin. Die gebürtige Steirerin studierte in Graz und in Paris und war viele Jahre beruflich auf Wanderschaft. Derzeit wohnt und arbeitet sie hauptsächlich in Wien. Am liebsten ist sie unterwegs, zwischen Ländern, zwischen Sprachen und zur Entspannung im Wald und in den Bergen. Musik und Literatur sind ihre anderen großen Hobbies.

Wasser gab es keines, das mussten die Bewohner der Keusche, auch der kleine Luca, mehrmals am Tag von der rund eine halbe Stunde entfernten Quelle holen. Der Vater war oft als Bauholzhacker die ganze Woche im Wald unterwegs. Wenn er zu Hause war, schlief er meist in der Tenne, wo das Heu lagerte und er es so schön warm hatte. Die Mutter verdingte sich als Tagelöhnerin bei den Bauern. Obwohl die

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Keusche nur wenige Zentimeter von der Grenzlinie entfernt stand, „haben wir Kinder uns vor dem Zweiten Weltkrieg frei über die Grenzen bewegen können. Mein Vater und meine Mutter haben eine Grenzkarte gebraucht, die sie in Unterdrauburg geholt haben. Einen Reisepass haben sie nicht gehabt“, so Luca.

Novinarka in prevajalka Alexa Wild se je rodila na avstrijskem Štajerskem. Študirala je v Gradcu in Parizu ter poklicno veliko potovala. Trenutno živi in dela predvsem na Dunaju. Najraje potuje po različnih državah, se sprehaja med jeziki, za sprostitev pa se poda v gozd in gore. Navdušuje se tudi nad glasbo in literaturo.

Bis Mitte der 30er Jahre wurde es mit den Grenzkontrollen nicht so genau genommen. Der Schmuggel mit Pferden aus Jugoslawien nach Österreich und Stockzucker sowie Sacharin in die umgekehrte Richtung blühte. Noch bevor Luca in die Schule ging, arbeitete er als Halterbub. „Obwohl ich dabei den ganzen Tag allein gewesen bin, ist mir nie langweilig geworden.“ Damit er wusste, wann Mittag ist und er das Vieh heimtreiben musste, baute er sich etwa selbst eine Sonnenuhr, eine Armbanduhr kaufte er sich viele Jahre später. Mit der Schule begann er erst mit zehn Jahren, als seine Mutter samt Kinder zu ihrer verwitweten Schwester nach Wernersdorf zog, um ihr am Bauernhof zu helfen. Nach drei Jahren war es aber auch damit vorbei, die Mutter zog wieder zurück nach St. Urbani. Luca, der gerne in die Schule ging, wollte in Pernitzen weiterlernen, aber der Lehrer schickte ihn heim mit dem Auftrag, erst wieder richtig Slowenisch zu lernen. Im steirischen Wernersdorf war Luca auf Deutsch unterrichtet worden. Die Zäsur Anders als in Österreich in der Zwischenkriegszeit gab es auf der jugoslawischen Seite immer genug zu essen. Anfangs blieb Jugoslawien, wie das Königreich seit 1929 hieß, auch vom Krieg verschont, doch das änderte sich 1941. „Auch bei uns in Urbani sind Nazi-Truppen 1941 vorbeigekommen. Viele Pferde sind im Schnee stecken geblieben. Ich habe nicht in den Krieg wollen. Und ich habe Glück gehabt“, so Luca in seinen Erinnerungen. Drei Mal wurde er zur Musterung vorgeladen,

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aber weiter als bis ins Vorzimmer kam er nie. Der damalige Bürgermeister von Soboth, ein Deutscher und Nazi, setzte sich für den 15-jährigen, der keine Staatsbürgerschaft besaß, ein und meldete für ihn Bedarf im Arbeitsdienst an. Luca wurde einem Bauern in Soboth zugeteilt, der ihn behandelte wie einen eigenen Sohn und verblieb dort bis zum Kriegsende. Seine Eltern und seine Schwester lebten weiter in der Keusche in St. Urbani. Doch die Lage rund um Soboth und Laaken wurde immer unübersichtlicher, so Luca: „Man hat nicht mehr gewusst, wer zur SS, wer zu den Partisanen oder wer zu den Banditen gehört. Es war schlimmer als an der Front. Dort weiß man, wer der Feind ist.“ Durch einen Verrat verlor Luca Ende 1944 zuerst sein Elternhaus – sein Vater und seine Schwester konnten gerade noch flüchten – und dann auch seine Mutter. Die Urbani-Keusche wurde von der SS abgefackelt. Wie so viele in der Gegend. Diese war nun nicht mehr vom weißen Nebel aus dem Drautal, sondern schwarzem Rauch verbrannter Menschen und Häuser umhüllt. Die Mutter, die in Unterdrauburg Lebensmittelkarten holen wurde, wurde zuerst angehalten, dann mit vielen anderen in einen Keller gesperrt und schließlich in einem Wald zusammen mit den anderen von der SS erschossen. Umso glücklicher war Luca, als er nach dem Krieg sowohl seinen Vater, der zu den Partisanen geflüchtet war, wie seine Schwester, die sich bis zum Kriegsende im Wald versteckt hatte, wiedersah. Neues Leben Nach dem Krieg bezog der Vater mit den beiden nun praktisch erwachsenen Kindern eine Holzfällerhütte in Österreich, im Gebiet von Laaken. Doch ob das wirklich österreichisch bleiben würde, war anfangs nicht klar. Bei einem Bauern in Laaken wurde nämlich eine große Tafel an der Außenwand aufgehängt, wo mit einem dicken roten Strich die neue Grenze gezeichnet war,


Privatbesitz (2)

Oben: Laakener Wohnhaus im Sommer Unten: Luca Sekolovnik beim Holzmachen im Winter Zgoraj: Dom v Mlakah poleti Spodaj: Luca Sekolovnik pri sekanju drv pozimi

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Pavelhaus

Grenzstein St. Germain

Saintgermainski mejnik

so wie sich das der jugoslawische Herrscher Tito vorstellte. Laaken wäre damit so wie Soboth Jugoslawien zugefallen. Doch „eines Nachts war die Tafel wieder weg. Und die Grenze ist geblieben, wie sie gewesen ist“, so Luca. Wie sein Vater wollte auch Luca sein Geld mit Forstarbeit verdienen und begann 1946 als Lehrling bei der Firma Staudacher. 1946 erhielt er auf Betreiben der Gewerkschaft auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Der Stundenlohn betrug 70 Groschen, damit erhielt man ein kleines Brot oder zwei Semmeln. Daneben erlernte er das Spielen auf der Trompete und konnte als Musikant etwas dazuverdienen. Seine spätere Frau gewann er jedoch mit einem kaputten Grammophon, wo er die gebrochene Nadel zum Abspielen der Platte durch einen nassen Finger ersetzte. Offenbar erfolgreich. 1955 wurde geheiratet, Foto davon gibt es jedoch keines – niemand aus der Hochzeitsgesellschaft hatte einen Fotoapparat. Gefeiert wurde jedoch ausgiebig bis in die Früh. An mangelnder technischer Ausrüstung oder fehlendem Strom scheiterte damals kein Fest, ganz im Gegenteil, es wurde mehr getanzt als heute, ist Luca überzeugt. Besonders viel Ausdauer wurde seiner Frau Christine und ihrer Familie abverlangt. Sie ist eine der wenigen noch lebenden Augenzeugen des Gemetzels kurz vor Kriegsende, am 7. März 1945,

Schwarze Nebel, weiße Hände

in Laaken, das Historiker als das größte Massaker in der Gegend während des Zweiten Weltkriegs bezeichnen. An diesem Tag zogen SS und Gestapo die Schlinge um die paar Keuschen beim Skorianz in Laaken zu, wo sich Partisanen verschanzt hatten. Die zivilen Bewohner der Keuschen waren mitgefangen. Bei dem verheerenden Kampf wurden nicht nur SSund Gestapo-Angehörige sowie Partisanen umgebracht, sondern auch eine ganze Familie samt kleiner Kinder. Nur eine Tochter entkam. Die Familie von Christine Sekolovnik konnte sich zwar in den Wald retten, jedoch nicht verhindern, dass Wohn- wie Stallgebäude samt Tieren niedergebrannt wurden. Es sollte zwölf Jahre dauern, bis das Haus wieder aufgebaut wurde, so lange musste die Familie im abgebrannten Stall, der notdürftig mit Rindenstücken und später mit Holzbalken überdacht wurde, sommers wie winters leben. Erst 1957 konnte das junge Ehepaar Sekolovnik samt seiner inzwischen zwei Kinder in das wiedererrichtete Haus in Laaken einziehen, ebenso die Eltern von Christine. 1962 gab es dann auch erstmals Strom im Wohnhaus. Bis in die Siebzigerjahre dauerte es, dass das Haus ans öffentliche Straßennetz angebunden wurde und Luca sich ein Auto, zuerst einen gebrauchten Puch 700 Kombi, zulegen konnte. Zuvor hatte er sich mit zwei gebrauchten alten Puch-Motorrädern be-

holfen, mit denen er auch über Stock und Stein fahren konnte. Mit der Motorisierung wurde das Leben leichter, auch die Arbeit als „Forstinger“ änderte sich radikal durch die Motorsägen, die in den Sechzigerjahren auftauchten. Sie waren anfangs so schwer und rüttelten so stark, dass viele Holzfäller weiße Hände bekamen – die Finger wurden nicht mehr durchblutet und waren wie gelähmt. Erst die nächsten, besser abgestimmten Motorsägen lösten dieses Problem. Doch mit den Motorsägen ging die Zahl der Holzfäller rapide zurück. Arbeiteten nach dem Krieg rund 120 allein bei der Firma Staudacher, war Luca bei seiner Pensionierung einer der letzten. Er schaffte sowohl die ersten Motorsägen ohne weiße Hände, wie 40 Jahre Forstarbeit teilweise direkt an der jugoslawischen Grenze unter strenger militärischer Beobachtung unbeschadet. Wenn’s nach ihm gegangen wäre, hätte er auch noch gerne länger gearbeitet, aber der Amtsarzt befand seine Wadln als zu dünn für die Forstarbeit. Bewahrt hat sich Luca seine Lebensfreude und seinen Humor, auch wenn eine Spur Traurigkeit in seinem Rückblick auf das Leben in seiner geliebten Heimat diesseits und jenseits der Grenze herausklingt: „So ist alles gegangen vorwärts und jetzt ist es wieder weg.“

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Privatbesitz (3)

Wohnhaus des Ehepaars Sekolovnik in Laaken nach dem Brand und beim Wiederaufbau Dom zakonca Sekolovnik v Mlakah po poĹžaru in pri obnovi

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Črna megla, bele roke

Življenjska zgodba Luce Sekolovnika, drvarja, razpetega med avstrijsko in slovensko mejo � Alexa Wild � Katja Senekovič

Ozadje zgodbe Luca Sekolovnik se je rodil 1925 na Kozjem Vrhu (v nem. Geißberg) na Pernicah (v nem. Pernitzenberg) blizu takratne novonastale meje med Avstrijo in mlado Kraljevino Srbov, Hrvatov in Slovencev (SHS). Pernice so južni obronek pogorja Golice in se nahajajo 1000 m nad Dravsko dolino. Do konca monarhije leta 1919 je ta pokrajina spadala pod Spodnjo Štajersko in segala skoraj do Zagreba. Območje okoli Pernic je bilo dvojezično, enako tudi kraja Mlake (v nem. Laaken) na severu, kjer je Luca živel po 1945, in Sobota (v nem. Soboth), ki sta po referendumu leta 1920 dokončno pripadla Avstriji, kot je bilo tudi predvideno v Saintgermainski pogodbi. Za kmete in podjetja v Mlakah in Soboti je imelo s finančnega vidika to katastrofalne posledice, saj so vse do propada monarhije največ poslovali z Dravsko dolino na jugu, to pomeni z današnjo Slovenijo. Tja so kmetje do 1920 izvažali les, živino, že prej pa tudi steklene izdelke, ki so pot nadaljevali vse do ruskega carja. Do najbližjega avstrijskega trga Ivnika (v nem. Eibiswald) takrat ni vodila niti ena cesta, obstajali so le kolovozi in mulatjere. Šele 1974 so do konca asfaltirali cesto med Ivnikom in državno mejo za Soboto. Tako južno stran, Pernice, kot tudi severni del, Mlake in Soboto, zaznamujejo gozdovi in posamezne kmetije. Med drugo svetovno vojno so se v tej idilični pokrajini s številnimi soteskami odvijali grozoviti pokoli med partizani ter SS-ovci in

gestapom. Teh nekaj pričevalcev, kar jih še živi, le nerado govori o tem, zato je bila avtorica še toliko bolj vesela, ko si je pridobila zaupanje Luce Sekolovnika. Otroštvo v nikogaršnji deželi Malega Luce politika med vojno ni kaj dosti zanimala. Njegova družina se je kmalu po njegovem rojstvu preselila v kočo v Svetem Urbanu poleg tamkajšnje romarske cerkve. Koča se je nahajala na jasi sredi gozda, ki je bil last cerkve. Družina je skupaj s še eno starejšo žensko lahko tam bivala zastonj in obdelovala zemljo. Dvakrat na dan so bili zadolženi le za zvonjenje k molitvi, poleg tega pa so morali še čistiti cerkev in jo okraševati za procesije. Vode niso imeli, tako da so morali prebivalci koče, tudi mali Luca, večkrat na dan ponjo do izvira, ki je bil oddaljen pol ure. Oče je bil pogosto cel teden zdoma, saj je delal kot drvar v gozdu. Ko je bil doma, je večinoma spal na senu, kjer mu je bilo prijetno toplo. Mati je čez dan pomagala pri kmetih. Čeprav je bila koča od meje oddaljena le nekaj korakov, Luca pravi, da so lahko otroci pred drugo svetovno vojno mirno prečkali mejo. Njegovi starši so potrebovali le dovoljenje za prečkanje meje (v nem. Grenzkarte), ki so ga dobili v Dravogradu (v nem. Unterdrauburg). Potnega lista niso imeli. Mejne kontrole do sredine 30. let še niso bile stroge, tako da je posel tihotapljenja konj iz Jugoslavije v Avstrijo pa

sladkorja in saharina v obratni smeri kar cvetel. Še preden je Luca začel obiskovati šolo, je delal kot pastir. „Čeprav sem bil pri tem cele dneve sam, mi nikoli ni bilo dolgčas.“ Da bi vedel, kdaj je bilo poldne in je moral živino spet gnati domov, si je naredil sončno uro, ročno uro si je kupil šele več let zatem. Ko je bil star deset let, je začel hoditi v šolo. Takrat se je njegova mati z otroki preselila k svoji ovdoveli sestri v Wernersdorf, da bi ji pomagala na kmetiji, a so se že tri leta pozneje preselili nazaj v Sveti Urban. Luca, ki je rad hodil v šolo, je želel nadaljevati šolanje na Pernicah, a ga je učitelj poslal domov, češ da naj se najprej spet nauči govoriti pravilno po slovensko. V Wernersdorfu je imel Luca namreč pouk v nemščini. Cezura Za razliko od Avstrije so imeli v Jugoslaviji med vojno vedno dovolj hrane. Na začetku se je Jugoslavija, kot se je od 1929 imenovalo nekdanje kraljestvo, izognila tudi vojni, a to se je spremenilo leta 1941. „Tudi k nam v Sveti Urban so leta 1941 prišli nacistični vojaki. Veliko konj je obtičalo v snegu. Jaz nisem hotel v vojno. In imel sem srečo,“ se spominja Luca. Trikrat so ga pozvali k naboru, a dlje od predsobe ni prišel. Takratni župan Sobote, Nemec in nacist, se je zavzel za 15-letnega fanta brez državljanstva in mu naložil socialno delo. Luca je bil dodeljen kmetu iz Sobote, ki

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Christoph Benedikter (3)

St. Urbani nach dem Wiederaufbau Cerkev Svetega Urbana po obnovi

ga je vzel za sina in pri katerem je Luca ostal vse do konca vojne. Njegovi starši in sestra so še naprej živeli v koči v Svetem Urbanu. A stanje v Soboti in Mlakah se je zaostrovalo, kot pravi Luca: „Počasi več nismo vedeli, kdo spada k SS, kdo k partizanom in kdo k banditom. Bilo je huje kot na fronti. Tam vsaj veš, kdo je tvoj sovražnik.“ Zaradi izdaje so konec leta 1944 najprej izgubili svojo domačo hišo – na srečo sta oče in sestra uspela pobegniti – nato je umrla še mati. SS-ovci so zažgali tako njihovo kočo v Urbanu kot tudi številne druge v okolici. Koče tako ni več obdajala bela megla iz Dravske doline, temveč črn dim zažganih ljudi in hiš. Lucovo mater, ki je šla v Dravograd po kupone za hrano, so SS-ovci najprej ustavili, nato so jo skupaj z drugimi zaklenili v neko klet in jo na koncu ustrelili v gozdu. Zato je bil Luca še toliko srečnejši, ko je po vojni ponovno videl očeta, ki se je pridružil partizanom, in svojo sestro, ki se je do konca vojne skrivala v gozdu. Novo življenje Po vojni so se oče in že skorajda odrasla otroka preselili v drvarsko kočo v avstrijskih Mlakah, čeprav na začetku še ni

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bilo gotovo, da bodo te ostale pod Avstrijo. Pri nekem kmetu v Mlakah so namreč na zunanjo steno hiše obesili tablo, na kateri je bila narisana debela rdeča linija, in sicer nova državna meja, kot si jo je predstavljal jugoslovanski predsednik Tito. Sobota in Mlake naj bi potemtakem pripadle Jugoslaviji. A kot pravi Luca: „Tabla je neke noči naenkrat izginila. In meja se ni spremenila.“ Enako kot njegov oče je hotel tudi Luca služiti kruh kot drvar, zato je leta 1946 začel delati kot vajenec pri podjetju Staudacher. Istega leta je na zahtevo sindikata pridobil tudi avstrijsko državljanstvo. Na uro je zaslužil 70 grošev, s čimer si je lahko kupil majhen sendvič ali dve žemljici. Naučil se je igrati tudi trobento, tako da si je kot muzikant dodatno zaslužil nekaj denarja. Svojo poznejšo ženo (Christine) je očaral s pokvarjenim gramofonom, saj je strto iglo nadomestil z vlažnim prstom in tako omogočil predvajanje plošče. Poročila sta se leta 1955. Poročnih slik nimata, saj takrat nobeden od svatov ni imel fotoaparata. Vseeno so praznovali vse do zgodnjih jutranjih ur, kajti zaradi pomanjkanja tehnike ali elektrike takrat ni trpela nobena zabava. Luca trdi, da se je v primerjavi z danes plesalo še več.

Christine je s svojo družino med vojno zelo trpela. Je namreč ena redkih še živečih očividk, ki so bile priča pokolu v Mlakah 7. marca 1945, tik pred koncem vojne. Zgodovinarji ga označujejo kot največji pokol v tamkajšnjih krajih med drugo svetovno vojno. Tistega marčevskega dne so SS-ovci skupaj z gestapom postavili zanko in zajeli nekaj koč na kmetiji Skorianz v Mlakah, kjer so se skrivali partizani. S tem pa so ujeli tudi civilno prebivalstvo v teh kočah. V usodnem spopadu tako niso bili ubiti le SS-ovci, člani gestapa ter partizani, temveč tudi ena družina z majhnimi otroki. Le eni hčeri je uspelo pobegniti. Družina Christine Sokolovnik je sicer pobegnila v gozd, a zgoreli so jim hiša, hlev ter živali. Obnova hiše je trajala kar 12 let, medtem pa je morala družina živeti v pogorelem hlevu, ki so ga za silo najprej pokrili z lubjem in šele pozneje z lesenimi deskami. Tam so živeli tako pozimi kot poleti, dokler se mlada zakonca Sekolovnik, njuna takrat že rojena otroka ter Christinini starši leta 1957 niso preselili skupaj v na novo obnovljeno hišo v Mlakah. Leta 1962 so prvič dobili elektriko v hišo. Šele v 70. letih so uredili dostop do glavne ceste, tako da si je Luca kupil rabljen kombi Puch 700. Pred tem se je


Oben: Kirche von Pernitzen mit Stall, wo Luca Sekolovnik gearbeitet hat Unten: Pfarrhof mit alter Schule in Pernitzen

Zgoraj: Cerkev v Pernicah z hlevom, kjer je delal Luca Sekolovnik Spodaj: Župnija s staro šolo v Pernicah

po kamniti in štorasti cesti lahko vozil le z dvema starima rabljenima motorjema znamke Puch. Motorizacija jim je olajšala življenje, zaradi motornih žag v 60. letih se je močno spremenilo tudi drvarsko delo. Motorne žage so bile na začetku tako težke in so se tako tresle, da je veliko drvarjev dobilo bele roke, saj njihovi prsti niso bili več prekrvavljeni, in posledično so bili ohromljeni. Šele pozneje so dobili boljše žage, s katerimi so lažje delali. A zaradi motornih žag je bilo tudi manj drvarjev. Če je po vojni samo podjetje Staudacher zaposlovalo kar 120 drvarjev, je bil Luca ob odhodu v pokoj eden zadnjih, kar jih je še ostalo. Luca je bil verjetno eden redkih, ki kot drvar ni niti dobil belih rok pri delu s prvimi motornimi žagami niti bil zaprt. Čeprav je kar 40 let delal kot drvar na meji z Jugoslavijo in bil pri tem pod budnim očesom vojske, se mu namreč ni pripetilo nič. Če bi on odločal, bi delal še dlje, a je zdravnik ocenil, da ima prešibka meča za drvarsko delo. Luca je ohranil svoje veselje do življenja in svoj humor, čeprav je možno zaslediti nekaj žalosti v njegovih očeh, ko se spominja svoje preteklosti na tej in oni strani meje: „Tako je šlo vse naprej in sedaj je že tudi za nami.“

Črna megla, bele roke

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Der Autor Reinhard Padinger beim Sprachstudium … Avtor Reinhard Padinger pri učenju …


Erlebnisse eines Quereinsteigers mit Slowenisch als Fremdsprache und ein paar Gedanken dazu

privat

„Dober dan!“ .... (und wie geht‘s weiter?)

� Reinhard Padinger Zur Einleitung Meine Muttersprache ist Tirolerisch. Außerdem spreche ich – beruflich gezwungen – österreichisches Englisch sowie – migrationsbedingt – akzentbehaftetes Süd­steirisch. Ansonsten hatte ich mit Sprachen bisher nicht viel zu tun. Meine berufliche Ausbildung beschränkt sich auf die Elektrotechnik und die Verfahrenstechnik und ich arbeite bei JOANNEUM RESEARCH in Graz in einer Forschungsabteilung für erneuerbare Energie. Seit einiger Zeit lebe ich im Raum Radkersburg, nicht weit weg von der Grenze zu Slowenien. Die Nähe des mir bislang praktisch fremden Nachbarlandes erweckte in mir den Wunsch, es näher kennen zu lernen. Ohne ein Wort zu verstehen ist das aber relativ unlustig. Verständigung ist zwar schon möglich – viele Slowenen sprechen ja fließend Deutsch – die Tatsache, dass ich im Nachbarland einer bin, der weder lesen noch schreiben kann, störte mich aber sehr. Somit habe ich mir vor einiger Zeit in den Kopf gesetzt, Slowenisch zu lernen. Dieser Entschluss hatte einige unerwartete Änderungen in meinem Leben zur Folge und ich darf im gegenständlichen Beitrag davon erzählen. Nur noch ein kleiner Hinweis, bevor ich beginne: Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zu den Fachleuten gehören, die sich mit Sprachen beschäftigen, also zu den Sprachwissenschaftlern, Sprachpädagogen, Übersetzern, Schriftstellern,

Liedermachern usw., muss ich Sie gleich schon vorwarnen. Ich gehöre wie schon erwähnt einem völlig anderen Metier an. Ich sehe die Welt anders und ticke anders. Ich lebe mit der Vorstellung, dass sich alles in der Natur gleich wie in der Mathematik und Physik aus einigen wenigen Axiomen ableiten bzw. begründen lässt. So sehe ich auch Sprachen, speziell Fremdsprachen, speziell Slowenisch. Ich weiß in der Zwischenzeit, dass das falsch und dumm ist, leider kann ich aber aus meiner Haut nicht heraus. Ich bin vom Sternzeichen her Widder und noch dazu einer von den besonders unbelehrbaren. Rechnen Sie also bitte – falls Sie weiterlesen – mit Unerwartetem und Unsinnigem. Soviel zu den Randbedingungen für den folgenden kleinen Aufsatz, mit dem ich meine Erlebnisse mit Slowenisch und natürlich auch mit Slowenien beschreibe. Damit es nicht langweilig wird, habe ich die eine oder andere Begebenheit im Rahmen der literarischen Freiheit geringfügig ausgeschmückt, erfunden habe ich aber nichts. Herbst 2006, der Anfang vom Anfang Ich treffe meine liebe Bekannte, Frau Dr. Andrea Haberl-Zemljič im Zug. Beide sind wir Pendler aus dem Raum Radkersburg nach Graz. Sie ist slowenisch-deutsch zweisprachig und selbständige Dolmetscherin. Ich frage sie, ob sie mir vielleicht im Zug, die Stunde

Dipl.-Ing. Dr. Reinhard Padinger, geboren 1955 in Innsbruck, studierte Elektrotechnik und promovierte in Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Graz. Seit 1982 arbeitet er im privaten Forschungsunternehmen JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH in Graz. Seine Arbeiten konzentrieren sich auf technische Entwicklungen für den Einsatz erneuerbarer Energieträger. Seit dem Jahr 2006 lernt er Slowenisch und besuchte hierzu unter anderem regelmäßig Sprachseminare in Ljubljana, Sommer-Sprachschulen unter der Leitung von Prof. Kasilda Bedenk und Mag. Tatjana Koren sowie Konversationskurse der Slawistik in Graz. Eine Ehrenfunktion im seinerzeitigen Slowenischen Wissenschaftsinstitut in Wien, berufliche und freizeitliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf kulturellem und technisch-naturwissenschaftlichem Gebiet sowie persönliche Freundschaften haben ihn in letzter Zeit immer öfter mit Slowenien und seinen Menschen zusammengeführt. Slowenische Veröffentlichungen: Padinger R.: »Okolju prijazna oskrba vinskih kleti s sončno energijo« („Umweltfreundliche Energieversor-

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gung von Weinkellereien mit Sonnenenergie“) 10. Dnevi Energetikov, Portorož, 8. in 9. aprila 2008; Padinger R.: »Varovanje klime preko uporabe obnovljivih virov energije – možnosti za Avstrijo in Slovenijo, zlasti na avstrijskem Štajerskem in v Pomurju« („Klimaschutz mit erneuerbaren Energieträgern –Möglichkeiten für die österreichische Steiermark und die slowenische Region Pomurje“), SIGNAL/ ZNAK Winter/zima 2009/2010, Pavelhaus, Bad Radkersburg, 2009; Padinger R.: »Slovenščina kot tuj jezik iz vidika avstrijskega nejezikoslovca«, Beitrag in Andreas Leben, Martina Orožen und Erich Prunč, 2014: „Festschrift für Ludwig Karničar zum 65. Geburtstag“, LEYKAM Verlag 2014

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Frau Med-na-pod-pred-z-za Gospa Med-na-pod-pred-z-za

nutzend, Slowenischunterricht geben würde. Sie ist einverstanden. Wir beginnen gleich damit. Ich frage sie, was heißt „Guten Tag, schöne, gescheite Andrea“. Sie lacht: „Dober dan, lepa, pametna Andreja“. Ich erfahre, dass die Endung „-a“ für weiblich-Einzahl steht. Ich frage, was es sonst noch gibt und höre, dass Slowenisch 6 Fälle hat, 3 Geschlechter sowie die Einzahl, die Zweizahl und die Mehrzahl und dass die meisten dieser Formen verschiedene Endungen erfordern, welche außerdem bei den Haupt- und Eigenschaftswörtern nicht immer gleich sind. Ich zupfe einen Zettel aus der Tasche und zeichne eine Matrix mit 3 x 3 = 9 Spalten für die Geschlechter bzw. die Zahlen und 6 Zeilen für die Fälle. Jedes Feld teile ich dann noch in der Mitte, damit für die Substantiv- und Adjektivendungen Platz wird. 108 Kästchen alles zusammen. Es geht sich mit dem Platz auf dem Blatt knapp aus. Andrea sieht mir etwas ungläubig zu. Dann beginnen wir gemeinsam, die Felder auszufüllen. Wir werden auf dieser Fahrt damit nicht fertig. Auf der nächsten Fahrt bringt mir Andrea schön ausgearbeitete Fallendungstabellen mit. Die konsonantischen weiblichen Formen sind auch erfasst, auch jene auf „-ev“ und außerdem noch die männlichen Wörter mit

„-a“ am Schluss. Ich bedanke mich. Gemeinsam generieren wir auch noch eine Konjugationstabelle für die Zeitwörter. Jetzt brauche ich noch die Vokabeln – die werde ich in einem Wörterbuch finden – und dann kann‘s losgehen. Leider war das unverhofft Andreas letzte Fahrt als Pendlerin. Schade! Es trifft sich aber günstig: Noch im gleichen Herbst bietet mein Arbeitgeber im Rahmen der betriebsinternen Weiterbildung einen Anfängerkurs für Slowenisch an. Natürlich bin ich dabei. Einmal pro Woche zwei Unterrichts­ einheiten, Kursleiterin Mag. Helga Beni­gni­- Cokan, keine Vorkenntnisse vonnöten. Ich melde mich an, was kann schon passieren, ich habe ja bereits die Fallendungs­tabellen, die Konjugationstabelle und einen kleinen Langenscheidt im handlichen Taschenformat. Erste Stunde, Begrüßung, dann geht‘s los. Wir lernen, uns vorzustellen, also fürs Erste einmal mitzuteilen, wie wir heißen. Ich höre irgendwas wie „Mimi Helga ...“, fange nicht viel damit an. Ich komme dran und versuche ich es mit „Mimi Reinhard“. Helga korrigiert mich: „Immemmje Reinhard“. Aha!? Sorgfältig notiere ich in das neue Schulheft: Immemmje = Ich heiße. Ich frage vorsichtig, was davon „ich“ heißt und was „heiße“. Helga erklärt mir, dass die Slo-


Gospod K/h-kljub-napram proti Herr K/h-kljub-napram proti

Herr Na-o-ob-po-pri-v Gospod Na-o-ob-po-pri-v

wenen nicht sagen „Ich heiße ...“, sondern „Mein Name ist ... “. Ich korrigiere den Eintrag im Heft: Immemmje = Mein Name ist. Helga schreibt auf die Tafel: „Ime mi je“. Ime ist der Name, erfahre ich noch, das andere würde später erklärt. Ich will es eigentlich gleich wissen, aber ich traue mich nicht zu fragen. Vielleicht ist es besser, nicht gleich beim ersten Satz lästig aufzufallen. Dann lernen wir das slowenische ABC. Das Beispielwort für c ist „cvetličarna“, jenes für s „slaščičarna“, jenes für ž „železniška postaja“. Jeder in der Runde darf ein paarmal versuchen, diese Wörter vorzulesen. Schließlich lernen wir noch ein paar Vokabeln und schreiben sie ins Heft. Ich kann mir eines davon merken: banka = Bank. Weiters nehme ich noch mit, dass die slawischen Hatscheks verkehrte Hütchen sind, also nach oben offen. Dazu brauche meine erste Eselsbrücke: „Umgekehrt wie die französischen ê“. Aller Anfang ist halt schwer. Dass Slowenisch lernen nur aus Anfang besteht, weiß ich damals noch nicht. Am Wochenende danach fahre ich nach Gornja Radgona um mir „mein“ neues Slowenien ein bisschen aus der Nähe anzusehen. Der erste slowenische Text, der mir ins Auge fällt, ist die Aufschrift auf einem Gebäude älteren Baustils:

„Dober dan!“ …

„Železniška postaja“. Es durchzuckt mich: Das kenne ich doch! Ja natürlich, das ist offensichtlich der Bahnhof! Die Ampel bei der ersten Kreuzung ist rot und ich bleibe stehen. Ich schaue nach links uns traue meinen Augen nicht: Über einer Auslagenscheibe steht in großen Buchstaben „Cvetličarna“. Geradeaus blickend sehe eine weitere Aufschrift „Slaščičarna“. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten und rufe im Auto aus: „He, Wahnsinn, des gibt’s nit, i versteh‘ Slowenisch!“ Na, ja – wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum ... usw. ... dann irrt sich der. Und so ist es auch. Weitere Aufschriften kann ich vorerst leider nicht entziffern. Ich lasse mich aber nicht entmutigen, schließlich bin ich Rückschläge gewohnt. Widder wie ich kriechen oft auf Bäume und meinen dann, sie wären Vögel. Ich analysiere mit dem Lehrbuch zu Hause den Satz „Ime mi je“: „Name mir ist“. Ich dekliniere ime mit Hilfe der Fallendungstabelle von Andrea: ime, ima, imu, ime, imu, imom1. Das zweite Wort im Satz führt mich auf die persönlichen Fürwörter. Ich finde die Tabelle im Lehrbuch. Das dritte Wort ist ein Zeitwort, kein 1 richtig wäre natürlich gewesen: ime, imena, imenu, ime, imenu, imenom

Problem, die Konjugationsendungen habe ich ja auch schon. Zusammen mit dem kleinen Wörterbuch erarbeite ich für die nächste Stunde einen Aufsatz als Fleißaufgabe, schließlich strebe ich erstmals in meinem Leben einen Bildungsweg als Vorzugsschüler an. Helga kann das Werk nur schwer lesen, muss praktisch bei jedem Wort nachfragen, was das heißen soll. Ich übersetze ihr den Text zurück ins Deutsche. Sie macht sich die Mühe und korrigiert alles. Ich mache ihr die Mühe und hinterfrage alles. Ich will die Einzelheiten mit meinen Tabellen nachvollziehen. Sie stellt sich darauf ein, dass ich ein schwieriger Sonderfall bin. Daheim stelle ich fest, dass mir die Deklinationstabellen deshalb nichts nützen, weil ich ja nicht weiß, wann der 5. und der 6. Fall anzuwenden sind. Umgehend widme ich mich diesem Problem. Entscheidend für die Fälle sind unter anderem die Vorwörter. Im Lehrbuch sind einige angeführt, aber offensichtlich nicht alle. Ich ärgere mich über solche Halbheiten. Was hat es für einen Sinn, Wortgruppen zu definieren, die nicht vollständig sind. Da müsste man ja mit jedem neu hinzukommenden Wort die Liste neu machen und damit auch neu lernen. Ein paar Tage später erhalte ich den elektronischen

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Gospod Čez-skozi-zoper Herr Čez-skozi-zoper

Debenjak (Debenjak 2005), den ich über’s Internet bestellt habe. Mit Freude sehe ich, dass er Suchfunktionen hat. Mit deren Hilfe extrahiere ich die Vorwörter für die verschiedenen Fälle. So, das lernen wir2 jetzt und dann bilden wir Sätze! (Wenn einer, der mit Mühe kaum ...) Die Bärenschule Im ersten Jahr geht absolut nichts weiter. Die slawischen Wortstämme sind mir zu fremd, als dass ich sie mir merken könnte. Immer wieder fühle ich mich an eine Buchstabensuppe erinnert. Dabei bemühe ich mich jeden Tag. Ich leiste mir private Nachhilfestunden. Anita Kocmut, Verkäuferin in einem nahegelegenen Baumarkt, bemüht sich einmal pro Woche um mich, hört sich 2 Stunden lang mein Gestammel an. Ich suche nach einer Lernmethode mit nachvollziehbarem Erfolg, nach einem Nürnberger Trichter, einem brain-machine Interface würde man in meinem Tätigkeitsbereich heute sagen. Lesen geht aber schon ein bisschen. Ich lese unter anderem den Piki Jakob (Kovič 2011). Das Bürschchen in dem Buch ist wirklich g‘scheit, es macht sich zum Lehrer über seine Stofftiere. 2 der Widder in mir und ich

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Indem man andere lehrt, lernt man selbst am besten. Ich bin begeistert, das wird ab jetzt auch meine Methode. Ich suche die Stofftiere und Puppen unserer beiden Kinder zusammen und gründe eine slowenische Bärenschule. Mit Hilfe der im Debenjak elektronisch gefundenen Vorwörter – siehe oben – erfinde ich für die Schüler didaktisch hilfreiche Namen: Gospa Med-nad-podpred-z-za, zuständig für den 6. Fall, gospod Na-o-ob-po-pri-v, zuständig für den 5. Fall, gospod Čez-niz-skozi-zoper, zusammen mit den beiden anderen zuständig für den 4. Fall, gospod K/h-kljub-napram-proti zuständig für den 3. Fall. Ein Plüsch-Tausendfüßler – genau genommen ein Plüsch-Vierzigfüßler – ist für den 2. Fall mit seinen 56 Vorwörtern zuständig. Er heißt gospod Blizubrez-dno-do-glasom-glede-iz-izmed-iznad-izpod-izpred-izven-izza-koneckrog-kraj-mimo-namesto-nasproti-odokoli-okrog-onkraj-onstran-poleg-posred-potom-povrh-povrhu-preblizu-prekpreko-radi-raz-razen-s-spod-spredspričo-sredi-tekom-tik-tostran-vizavivpričo-vreden-vrh-vrhu-z-za-zaradi-zadelj-zavoljo-znotraj-zraven-zunaj. Wie ich später erfahre, sind einige der Namensbestandteile meiner Schüler veraltet. Egal! Ich meine, es ist auf jeden Fall besser, ein paar Wörter zu viel zu

wissen, als eins zuwenig3. Einmal lasse ich beim Sprechen lässig ein „zategadelj“4 einfließen. Meine Gesprächspartner schmunzeln freundlich. Die Personifizierung der Wörter funktioniert aber gut. Bei jeder Gelegenheit begrüße ich meine Schüler. Schon nach kurzer Zeit spreche ich sie ohne Schwindelzettel mit ihrem Namen an, auch den Vierzigfüßler. In der Bärenschule erkläre ich ihnen regelmäßig Kapitel aus der slowenischen Grammatik, Eselsbrücken, Fälle. Die Schüler hören immer schweigsam und aufmerksam zu. Wenn ich was Falsches sage schauen sie zweifelnd. Ich merke das dann und korrigiere mich. Zählen auf slowenisch Mit meinem technisch-mathematischen Bildungshintergrund bin ich verstärkt an den Zahlen interessiert. Ich finde empirisch heraus, dass die slowenische Genetiv-Mehrzahlregel für Zahlen ab 5 nur im 1., 2. und 4. Fall gilt. Im 3., 5. und 6. Fall müssen die Zahlen bzw. Sätze immer dekliniert werden. Das 3 Später lese ich das eine oder andere von Josip Jurčič, Ivan Cankar, Ivan Tavčar und noch anderen Klassikern. Dort finde ich auch die veralteten Vorwörter wieder und freue mich. 4 gutgläubig übernommen aus Cankar 2012


Gospod Blizu-brez-dno-do-glasom-glede-iz-izmed-iznad-izpod-izpred-izven-izza-konec-krog-kraj-mimo-namesto-nasproti-od-okoli-okrog-onkraj-onstran-poleg-posred-potom-povrh-povrhu-preblizu-prek-preko-radi-raz-razen-s-spod-spred-spričo-sredi-tekom-tik-tostran-vizavi-vpričo-vreden-vrh-vrhu-z-za-zaradi-zadelj-zavoljo-znotraj-zraven-zunaj Herr Blizu-brez-dno-do-glasom-glede-iz-izmed-iznad-izpod-izpred-izven-izza-konec-krog-kraj-mimo-namesto-nasproti-od-okoli-okrog-onkraj-onstran-poleg-posred-potom-povrh-povrhu-preblizu-prek-preko-radi-raz-razen-s-spod-spred-spričo-sredi-tekom-tik-tostran-vizavi-vpričo-vreden-vrh-vrhu-z-za-zaradi-zadelj-zavoljo-znotraj-zraven-zunaj.

steht aber nicht im Lehrbuch. Ich motze im Kurs. Helga hat Verständnis und wir sehen uns das Zählen etwas genauer an. Ena ženska je pametna, dve ženski sta pametni usw. Bei zwei Millionen angelangt5 stehen wir vor der Frage, was richtiger ist: „Dva milijona žensk je pametnih“ oder „Dva milijona žensk sta pametna.“ Kommt darauf an, woran man denkt – an die Frauen oder an die Millionen. Wir zählen noch weiter bis „2.000.002 ženski sta pametni“ und hören dann auf. Ich denke, dass ich von dort weg bei Bedarf alleine weiterzählen kann. Dafür will ich aber noch wissen, wie man Mehrzahlwörter zählt: Hlače, vrata und dergleichen. Helga erklärt‘s mir: Ene hlač, dvoje vrat, troje škarjic usw. Ok, das ist der Nominativ, wie gehen die anderen Fälle? Was ist, wenn ein Eigenschaftswort dabei ist? Was passiert, wenn der Satz nicht in der Gegenwart steht? Helga bittet mich um Beispiele. Gerne: a) Beispiel 1: In der Mauer eines Schlosses sind zwei große Türen und eine kleine Tür. Die Farbe der zwei großen Türen ist grün, jene der kleinen ist grau. Die kleine graue Tür ist zwischen den beiden großen grünen 5 Einige weniger wichtige Zahlen haben wir übersprungen.

„D ob e r dan!“ …

Türen. Unsere Reisegruppe nähert sich den zwei großen grünen und der kleine grauen Tür. Alle bewundern die zwei großen Türen und die kleine graue Tür. Daheim erzählen wir unseren Freunden von den zwei großen grünen Türen und der kleine grauen Tür. b) Beispiel 2: Zwei silbernen Scheren lagen neben drei roten Zangen. Ein Marienkäfer näherte sich den 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen. Zuerst krabbelte er zwischen den 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen umher. Dann kletterte er auf die 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen. Er freute sich, flog nach Hause und erzählte seiner Marienkäferin von den 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen. Helga bittet mich, mich mit dem Kursprogramm zu begnügen. Dieses sieht im ersten Jahr vor, dass die Schüler zunächst lernen sollen, einfache Modellsätze fehlerfrei zustande zu bringen. Auch ich zeige im Gegenzug Verständnis und nerve ab jetzt nicht mehr. Nach zwei Jahren ist es leider sowieso wieder aus mit dem Kurs. Die Teilnehmerzahl hat sich asymptotisch dem Wert 1 genähert. Zu wenig, schade! Gegen ein Privatissimum mit Helga

hätte ich nichts einzuwenden gehabt. Mein „Zählproblem“ bleibt zunächst ungelöst. Sommer 2008, erste Teilnahme am Seminar slovenskega jezika, literature in kulture (SSJLK) Ich besuche im Sommer erstmals das 14-tägige Seminar SSJLK in Ljubljana. Dort gibt es Arbeitsgruppen auf zehn Schwierigkeitsstufen und darüber noch eine elfte Stufe mit drei Konversationsgruppen. Die Einreihung erfolgt über einen schriftlichen Einreihungstest. Bei dem Test geht es überwiegend um Grammatikwissen, das heißt um Fallendungen und Vorwörter. Mein Zählproblem wird nicht abgefragt, keine der Fragen überrascht mich daher sonderlich. Aufgrund des Testergebnisses werde ich in eine der Konversationsgruppen eingereiht. Zum Glück hat die Gruppe rund 15 Mitglieder und wir sitzen im Klassenzimmer in zwei Reihen. Ich kann mich somit immer hinter einem Vordermann verstecken und es fällt nicht sonderlich auf, dass die Gruppe ein sehr wortkarges Mitglied hat. Bei geeigneter Gelegenheit konfrontiere ich die Lektorin mit meinem Zählproblem. Sie schaut einigermaßen überrascht. Diese Frage hat sie sich selbst

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noch nicht gestellt. Auch andere im Hause reagieren ähnlich. Ich höre, dass es für das Problem verschiedene Lösungsansätze gibt, abhängig davon, ob man einzelne Exemplare oder verschiedene Sorten des Mehrzahlgegenstandes zählen will, bezüglich einer vollständigen Antwort werde ich aber vertröstet. Ich besorge mir den Toporišič (Toporišič 2004) und suche die 923 Seiten durch. Auf Seite 333 steht ein vereinzeltes Beispiel im Nominativ. Nichts Neues also. In der Mathematik wird ein Problem oft nach der Person benannt, die es als erste aufwirft: Das Hilbert‘sche Problem, das Pascal’sche Problem und so weiter. Ich frage mich, ob mein Problem vielleicht als das Padinger’sche Problem (mit) der slowenischen Sprache bekannt wird und ich damit in die Geschichte eingehe. Sprachkurse der Slawistik in Graz Im Sommer 2009 besuche ich erstmals einen Sommer-Sprachkurs von Prof. Kasilda Bedenk und Mag. Tatjana Koren. Die beiden nehmen sich meines Zählproblems an und liefern mir die vollständige exakte Lösung6. Ab Herbst 2009 bin ich bei Tatjana im Konversationskurs. Damit ändert sich mein Slowenischleben grundsätzlich. Tatjana nimmt sich meiner persönlich 6 Für interessierte Kommilitonen: Beim Zählen von Mehrzahlbegriffen werden die Wortstämme en-, dvoj-, troj, četver- usw. verwendet. Um die Anzahl der Mehrzahlbegriffe zu beschreiben werden diese Wörter in der sächlichen Form und undekliniert verwendet, also ene, dvoje, troje, četvero usw. Der Mehrzahlbegriff samt allfälligen Attributen steht in diesem Fall im Genetiv Mehrzahl, Partizipien sind ggf. sächlich und in der Einzahl, gleich wie bei unbestimmten Mengenangaben. Die undeklinierte Form ist aber hochsprachlich nur im 1., 2. und 4. Fall korrekt, im 3., 5. und 6. Fall sind der Mengenbegriff und auch der Rest des Satzes zu deklinieren. Dekliniert man allerdings die Stämme en-, dvoj-, troj-, četverbekommen sie eine andere Bedeutung und zwar beschreiben sie nicht mehr die Anzahl der Exemplare des Mehrzahlbegriffs selbst, sondern die Anzahl der verschiedenen Sorten dieses Mehrzahlbegriff, also eine Sorte von, zweierlei, dreierlei, viererlei usw. Wie ersichtlich geht aufgrund dessen die Information, ob man von Anzahl oder Sorte spricht, im 3., 5. und 6. Fall verloren.

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an. Das geht soweit, dass ich regelmäßig nach dem Kurs mit ihr mit dem Auto von Graz bis Spielfeld mitfahren kann und damit jeweils eine Zusatz-Privatstunde bekomme. Ich bin gegenüber den Kollegen eindeutig bevorzugt und lebe seither mit einem schlechten Gewissen7. Unermüdlich bessert Tatjana meine Standardfehler aus und beantwortet meine Spezialfragen. Schon früh lernen wir zum Beispiel, dass es im Slowenischen für viele Zeitwörter eine vollendete und unvollendete Form gibt. Dazu lernen wir die Regel, dass die vollendete Form gebraucht wird, wenn man etwas nur einmal tut, vor allem wenn man es genau jetzt tut und wenn es nur kurz dauert. Die unvollendete Form ist hingegen anzuwenden, wenn man etwas wiederholt tut oder wenn es länger dauert. Nichts einfacher als das, denke ich mir und probiere für alle Fälle die Stoppuhrfunktion auf meinem Mobiltelefon aus. Beim nächsten Email an Tatjana passe ich auf die Zeitwörter auf: „V prilogi ti pošljem / pošiljam...“. Ich überlege, welche Form hier gehört. Ich sende das Email nur einmal und außerdem jetzt, in diesem Moment. Wie lange dauert das Senden? Solange wie ich auf den Enter-Knopf drücke? Oder solange wie das Internet braucht, um die Botschaft zu übertragen? Ich entscheide mich für „kurz“ und damit für „V prilogi ti pošljem ...“. Falsch, kommt zurück. Es heißt „V prilogi ti pošiljam ...“. Das Senden einer Email Nachricht wird trotz Gigahertz und Lichtgeschwindigkeit der elektromagnetischen Wellen als ein längerer, unvollendeter Vorgang angesehen: Man zählt das Schreiben dazu. Na gut! (Wie lange muss / darf das Schreiben dauern?). Folgsam schreibe ich im nächsten Email: „Včeraj sem ti pošiljal ...“. Wieder falsch: Etwas bereits Geschehenes gilt als vollendet. Gilt auch etwas Später-zu-Geschehendes bereits jetzt als vollendet? Vorsichtig wage ich einen 7 Ich habe auch aus anderen Gründen permanent ein schlechtes Gewissen, jetzt ist halt noch ein Grund dazu gekommen.

Versuch: „Poslal ti bom ...“ Getroffen! Ich juble – allerdings viel zu früh. Das folgende Erlebnis zeigt, vor welchen Herausforderungen der Slowenisch studierende Nicht-Sprachwissenschaftler steht. Im Pavelhaus8 in Bad Radkersburg ist eine Veranstaltung. Es geht um Minderheiten und einer der Ehrengäste ist Dr. Boris Jesih, Staatssekretär der slowenischen Regierung, zuständig für Minderheiten und Auslandsslowenen. Wir kennen uns über das Slowenische Wissenschaftsinstitut in Wien (SZI) – davon später – und ich möchte ihn Tatjana vorstellen, nur einmal und zwar genau jetzt, somit vollendet. Schon will ich „predstaviti“ nehmen, da fällt mir im letzten Moment ein, dass ich ja sagen will: „Darf ich dir Herrn Dr. Jesih vorstellen“. Wie lange darf ich Herrn Dr. Jesih vorstellen? Ich würde meinen immer, daher unvollendet: „Tatjana, a ti smem predstavljati gospoda dr. Jesiha ...“. „Predstaviti“ fällt sie mir leise ins Wort. Dr. Jesih lächelt verständnisvoll. Etwas betreten versuche ich es noch einmal: „Tatjana, predstavim ti gospoda dr. Jesiha ...“. „Predstavljam ti“ flüstert sie zurück. Wir behandeln das Thema noch mehrere Male in den Konversationsstunden. Wir lernen, dass Modalverben die vollendete Form erfordern und noch einige andere Regeln. Es hilft nichts, ich komme damit nicht zurecht. Noch heute frage ich mich wie lange ich mich fragen muss, bis aus vprašam se sprašujem se wird. Wie lange muss ich jemanden informieren, bis aus obvestim obvesčam wird, wie lange muss ich über etwas nachdenken, bis aus premislim premišljam wird? Und so weiter. Gegen den Widerstand des Widders in mir gebe ich irgendwann auf. Ich präge mir bestimmte Fälle, die öfter vorkommen, ein und denke vorerst nicht mehr an die Stoppuhr. Ich besuche auch die weiteren Som8 Pavelhaus, Bad Radkersburg, Veranstaltungshaus des Artikel-VII-Kulturvereins für Steiermark, der Vertretungsorganisation der im Bundesland Steiermark beheimateten Minderheit der steirischen Slowenen


mer-Sprachkurse, die von Kasilda und Tatjana alljährlich an verschiedenen Plätzen Sloweniens abgehaltenen werden. Dabei lernen wir die Regionen Sloweniens mit ihren schönen Landschaften und ihrem kulturellen Reichtum kennen. Diese Annäherung ist neben der „theoretischen“ Sprachlehre von unschätzbarem Wert. Man nimmt einfach wesentlich mehr auf und lebt sich in die Sprache ein. Die Erklärung für die Sprachschwierigkeiten: Slowenen denken doppelt so schnell wie Österreicher Ich transkribiere und übersetze den Film „Skrivnosti Slovenije“. Die Texte schreibe ich zweispaltig auf, links die slowenischen Sätze, rechts die deutschen jeweils auf gleicher Höhe. Vor dem Ausdrucken formatiere ich den Text, um nach Möglichkeit Papier zu sparen. Dabei fällt mir auf, dass im slowenischen Teil viele Leerzeilen sind. Die deutschen Sätze sind offenbar länger und brauchen bei gleicher Spaltenbreite gewöhnlich ein-, zwei Zeilen mehr als die slowenischen. Um das auszugleichen muss ich die slowenische Spalte schmäler machen. Das horizontale Bildschirmlineal ist 16 Einheiten lang, bei 8 Einheiten wäre daher die Mitte. Ein günstiger Wert ist bei 7 Einheiten für den slowenischen und somit 9 Einheiten für den deutschen Teil. Ich übersetzt auch noch weitere Filme: Einen Nodi, den Glücklichen Kekec, die beiden Vesnas, die Gadis und den Hit poletja, dazu noch einige Märchen. Das Verhältnis 7 zu 9 bestätigt sich jedesmal. Die gleiche inhaltliche Botschaft ist auf slowenisch um den Faktor 7 zu 9 kürzer. Das heißt, dass die Slowenen bei gleicher Buchstabenanzahl rund die 1,28-fache Information unterbringen, immerhin um 28 % mehr. Da fällt mir ein, dass die Slowenen im Allgemeinen auch schneller sprechen. Meine Analysitis lässt mir keine Ruhe. Ich untersuche gesprochene slowenische Texte in Bezug auf die Geschwin-

„Dober dan!“ ....

digkeit. Die Stoppuhrfunktion kommt nun doch zum Einsatz. Die Kommentare im Film „Skrivnosti Slovenije“ – für mein Gefühl eher langsam und deutlich gesprochen – laufen mit 6,41 Silben pro Sekunde ab. Robert Škrjanc, Sprecher von RTV-SLO, spricht mit 7,73 Silben pro Sekunde (Markovič 2009). Im slowenischen Alltag spricht man für mein Gefühl mindestens so schnell wie er, oft noch viel schneller. Ich nehme ihn daher als unteren Referenzfall. Meine eigene normale Sprechgeschwindigkeit im Deutschen beträgt 4,75 Silben pro Sekunde. Robert Škrjanc spricht somit gemessen an den Silben um den Faktor 7,37 zu 4,75 schneller bzw. 1,63 mal so schnell Slowenisch wie ich Deutsch. Dabei teilt er wie schon gesagt pro Silbe etwa die 1,28fache Menge an Information mit. Die beiden Faktoren miteinander multipliziert ergeben einen Wert von 2,08. Das schnellere Sprechen führt damit zusammen mit der höheren Informationsdichte im Slowenischen zu einem rund doppelt so schnellen Informationsfluss. Das kommt mir unglaubwürdig vor und ich will meine Berechnungen experimentell überprüfen. Ich übersetze den 88 Sekunden dauernden Beispieltext von Robert Škrjanc und verlese die deutsche Version mit der mir eigenen Geschwindigkeit. Die Prognose bestätigt sich, ich brauche tatsächlich knapp doppelt so lang, nämlich 163 Sekunden. Der Leser möge meinen Test kritisch überprüfen, ich stelle die Unterlagen auf Anfrage gerne zur Verfügung9. Das heißt, dass die Slowenen beim Sprechen etwa doppelt so schnell denken wie die Österreicher bzw. halt wie ich. Kann man daraus schlussfolgern, dass sie überhaupt doppelt so schnell denken? Wahrscheinlich. Ich bin ehrlich beeindruckt, Hut ab! Gleichzeitig bin ich erleichtert. Endlich habe ich eine Ausrede dafür gefunden, warum ich beim Sprechen regelmäßig ins Schleudern gerate. Immerhin ist es viel ver9 Email: reinhard.padinger@joanneum.at, Tel: 0043 664 89 60 520

langt, wenn man plötzlich doppelt so schnell denken soll wie gewohnt. Ich möchte mich hier solidarisch für andere Slowenisch Lernende einsetzen und bitte die Sprachpädagogen – sofern dies nicht eh schon geschieht – diesen erschwerenden Umstand bei der Leistungsbeurteilung zu berücksichtigen. Schließlich frage ich mich, wie Simultandolmetscher tun, wenn sie einen wirklich schnellen Slowenen dolmetschen müssen, zum Beispiel jemanden wie Tadej Toš. Etwas später stoße ich in einem Wissenschaftsheft zufällig auf ein Zitat: „Simultandolmetscher haben nach Düsenjetpiloten und Fluglotsen den streßreichsten Beruf der Welt.“ (Wörle 2007) Sprachpraxis Irgendwann bringe ich in nullter Näherung die ersten improvisierten Sätze live zusammen. Die Euphorie und meine Widdernatur verleiten mich aber leider dazu, dass ich immer versuche, gleich schnell zu sprechen wie die Slowenen, das heißt, doppelt so schnell, wie ich zu denken gewohnt bin – siehe oben – und damit schlampig und fehlerhaft bis zur Grenze der Verständlichkeit. (Wenn einer, der mit Mühe kaum ...). Pausenlos vertue ich mich mit Vokabeln, verwechsle ženske und žene, dekliniere leto zu letov, bestelle kavo z lesom, konjugiere mit Inbrunst postaviti zu postanem, ščititi zu ščijem und so weiter. Über die slowenische Grammatik inklusive dem Aufzählen von Millionen von gescheiten Frauen, von verschiedenfärbigen Hosen, Zangen und Scheren, die nebeneinander, aufeinander oder sonst irgendwie durcheinander liegen, könnte ich in der Zwischenzeit Vorträge halten, beim improvisierten Sprechen nützt mir das aber nicht viel. Das Artikulieren beansprucht die CPU10 in meinem Hirn vollständig. Für den Zugriff auf den Speicher mit Vokabeln, Tabellen und Eselsbrücken ist keine Kapazität mehr frei. Ich stelle fest, dass es vorteilhaft ist, laut zu üben. Ich denke 10 CPU = Central processing unit

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an eine Volksschulklasse in der Pause: Knapp 130 Phon! Wahrscheinlich sind solche Phasen für die Sprachentwicklung wichtig. Ich probiere es aus und brülle aus vollem Hals die Wand an: „Trapasta stena, zakaj me tako debelo gledaš, niti oči nimaš!“ Mir kommt vor, es hilft ein bisschen und ich liefere mir ab jetzt allein im Auto regelmäßig Schreiduelle mit der Windschutzscheibe. Auch meine Piki-Klasse muss einiges über sich ergehen lassen. Sprachpraxis im öffentlichen Leben ist leider nicht so einfach zu erlangen. Seit meiner ersten Fahrt durch Gornja Radgona bin ich X mal in Slowenien auf der Suche nach Gesprächsmöglichkeiten. Oft kehre ich frustriert wieder heim. Wie soll man das auch angehen? In normalen Gasthäusern ist es nicht opportun, sich wo dazu zu setzen und die Leute anzuquatschen. Die Kellnerinnen und Kellner haben auch nicht die Zeit, sich mit mir abzugeben. In Bars bzw. an Stehschenken ist es leichter. Ich konzentriere mich also auf Kneipen. Aber auch dort gibt es Hemmschwellen, die zu überwinden sind. Ich lege mir eine Strategie zur Gesprächsanbahnung zurecht und zwar lerne ich Witze auswendig. Einen Witz kann man in einer Runde von unbekannten Stehtrinkern relativ leicht anbringen, man muss nur auf eine Gelegenheit warten, zu der er irgendwie dazu passt. Der am besten geeignete Witz ist der mit dem Skelett und dem Bier. Kommt ein Skelett in eine Bar und sagt zum Kellner: „Bitte ein Bier und einen Fetzen zum Aufwischen.“ Diesen Witz kann man bei jeder Schankkraft anbringen, wenn sie ein Bier aus der Pippe lässt. Dazu wiederum kann man sie nötigen, indem man eines bestellt. Man erzählt den Witz so laut, dass die Umstehenden mithören. Damit ist meistens der Bann gebrochen. Einer wendet sich mir zu: „Hehe, a si Avstrijec?“ „Ja, sem. Učim se slovenščino, a pijete kaj? Gospodična, eno rundo prosim!“ Dann bringe ich meine auswendig gelernte Lebensgeschichte an. Damit sind die anderen

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meistens hinreichend animiert und reden recht brav mit mir. Ich sage abwechselnd „da“ und „ne“ und wenn es passt, flechte ich einen weiteren Witz ein. 2010, Sprung ins kalte Wasser Mit dem Konversationskurs bekomme ich Kontakt zur Slawistik in Graz. Weihnachten 2009 bin ich bei der Weihnachtsfeier des Instituts eingeladen und lerne Prof. Mag. Dr. Ludvik Karničar kennen. Er vertraut mir, bietet mir gleich die Freundschaft an. Das ist aber noch nicht alles. Ludvik erreicht, dass ich nach dem Übertritt unseres früheren Geschäftsführers Hon. Prof. Dr. Bernhard Pelzl in den wohlverdienten Ruhestand zu dessen Nachfolger als persönlicher Vertreter von JOANNEUM RESEARCH als Mitglied des SZI11 bestellt werde. Damit beginnt meine slowenische Sprachpraxis „im Felde“. Regelmäßig nehme ich an den Sitzungen des SZI in Ljubljana teil, die auf slowenisch ablaufen. Ich bereite mich jedesmal gut vor und bemühe mich am Tisch, den einen oder anderen Satz einzubringen. Das SZI hat einen Wissenschaftlichen Beirat mit einem Vorsitzenden, der alle 4 Jahre gewählt wird. Wahlen stehen an. Dr. Vincenc Rajšp, Direktor des SZI, schlägt mich als Kandidat vor und ich werde gewählt. In der hochrangigen akademischen Runde werde ich von nun an mit „gospod predsednik“ angesprochen. Wieder verschlechtert sich mein Gewissen. Ich dürfte diesen Job ehrlicherweise nicht annehmen. In der Zwischenzeit verstehe ich zwar einigermaßen, kann aber immer noch nicht wirklich reden. Wie soll ich Sitzungen moderieren, Protokolle verfassen, den Beirat nach außen vertreten – womöglich in Medien? Der Widder in mir ist stärker als das Gewissen. Ich lasse mich fordern und strebere die in diesen Sphären gebräuchlichen Vokabeln und 11 SZI: Slovenski znanstveni inštitut na Dunaju, Slowenisches Wissenschaftsinstitut in Wien

Ausdrucksformen: V pričujočem primeru, sprejeti sklepe, preložiti sejo, način financiranja, prizivni postopek ... Im Internet finde ich Protokolle von Vereinssitzungen, Gemeinderatssitzungen, Regierungssitzungen – eine ideale Fundgrube für einschlägige Floskeln, die ich mir einpräge. Mit meinen Piki-Schülern spiele ich die Moderation kontroversieller Debatten durch. Was die Sprache betrifft, kommt es zum Glück nicht so schlimm wie befürchtet. Meine Gesprächspartner bringen mir beim Reden Nachsicht entgegen. Bei den Protokollen hilft mir Mag. Milka Hudobnik, Sekretärin und gute Fee des SZI. Die Schwierigkeiten, denen ich in meinem neuen Ehrenamt begegne, sind aber „leider“ anderer Natur. Es geht um wirkliche Probleme, sprich um‘s Geld. Das SZI wurde wie auch jede andere wissenschaftliche Institution teilweise mit öffentlichen Mitteln finanziert. Um diese werden in Slowenien wie auch überall sonst auf der Welt harte Kämpfe geführt. Aber auch im privaten Geschäftsleben gilt Ellbogentechnik bei der Geldbeschaffung da und dort auch heute noch als opportunes Vorgehen, was sich im gegenständlichen Fall am Beispiel erfolgreicher Taktiken gewisser Experten in politisch-klerikal vernetzten Kreisen wieder einmal gezeigt hat. Im Laufe verschiedener Schachzüge wurde das SZI dabei in den letzten Jahren nicht nur zunehmend ins Abseits gedrängt sondern außerdem auch noch mit fragwürdigen Forderungen konfrontiert (Peter Vodopivec in Kontler - Salamon 2015, S 133 ff). Im Herbst 2014 überließ man das SZI schließlich dem Konkurs – eine für die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Österreich und Slowenien nicht gerade förderliche Geschichte und überdies eine schallende Ohrfeige für alle an den langjährigen Erfolgen des SZI Beteiligten.


Auch in der österreichischen Steiermark leben Slowenen Im Pavelhaus finde ich weitere Möglichkeiten für Sprachpraxis. Ich besuche die dortigen Veranstaltungen und nütze die Gelegenheit für Plaudereien. Meine Gesprächspartner sind oft ältere Personen, darunter viele, die den Krieg mitgemacht haben. Ich habe mich nie um das Kriegsgeschehen in diesem Winkel Österreichs gekümmert, bin ich doch erst 1996 hierhergezogen. Nach und nach erfahre ich von den damaligen entsetzlichen Ereignissen und ihrem Nachhall bis heute. Ich erfahre auch, dass es im Fünfeck Goritz, Zelting, Dedenitz, Sicheldorf und Laafeld eine slowenischsprachige Minderheit gibt (Haberl - Zemljič 2012). Ja war ich denn bisher völlig taub? Nein. Ich höre, dass sich nach dem Krieg viele slowenische Familien entschlossen haben, nur mehr zu Hause Slowenisch zu sprechen um nicht als „Jugo“ „erkannt“ und diskriminiert zu werden. Die dort lebenden Slowenen sind zwar seit Kriegsende als Minderheit staatsvertraglich anerkannt, zu ihren Rechten sind sie aber bisher nicht wirklich gekommen. Jahrzehntelange Ignoranz der landespolitischen Entscheidungsträger sowie Gegenwind in der Region haben das verhindert. Erst 1988 formierte sich mit dem Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark eine wirksame Interessensvertretung, die in einem ersten wichtigen Schritt die politische Anerkennung der Minderheit durchsetzen konnte. Ich erfahre auch, dass auch heute noch Ressentiments spürbar sind und dass der Verein im Jahr 1993 Ziel eines Briefbombenanschlags war, der zum Glück vereitelt werden konnte. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich Sympathisant einer Minderheit bin, die gefährliche Feinde hat. Einen kurzen Moment lang frage ich mich, ob ich damit auch mich und meine Familie in Gefahr bringe. Sofort schäme ich mich meiner Zweifel und frequentiere ab jetzt erst recht das Pavelhaus.

„Dober dan!“ ....

Sprachbarriere Früher waren mir die Slowenen so fremd wie ihre Sprache. Mit dem Verständnis der Sprache werden sie mir vertraut. Mit der Sprachbarriere entschwinden auch nach und nach frühere falsche Vorstellungen. Das spüre ich besonders in Ljubljana – ich war in der Zwischenzeit fünfmal beim SSJKL, in Summe immerhin 70 Tage12 – und natürlich vor allem im steirischen Grenzraum, wo ich ja den nächsten Kontakt habe. Der Unterschied zwischen den Steirern und den Štajerci beschränkt sich für mich heute auf Nuancen. Der Wein schmeckt in der Štajerska nicht viel anders13, auch die konsumierten Mengen – sagt man – sind vergleichbar. Die Harmonika spielt nicht viel anders, die Leute tanzen nicht viel anders, der Schmäh ist nicht viel anders: Reporter Milan (Reporter Milan 2013) und seine beiden Partner könnten mit den gleichen Sketches genausogut die österreichischen Steirer aufs Korn nehmen. Eigentlich sind sich auch die beiden Steirisch sehr ähnlich, ich meine, was den Tonfall bzw. den nonverbalen Ausdruck betrifft. Kann es sein, dass diese Sprachelemente von regionalen Einflüssen geprägt werden, die auf verschiedene Sprachen ähnliche Auswirkungen haben? Ein hohes Maß an Zweisprachigkeit könnte dafür mitverantwortlich sein. Könnten die Menschen, wenn sie sich sprachlich verstehen würden, alle gute Freunde sein? So einfach wird’s wohl leider nicht gehen. Die Beseitigung der Sprachbarriere allein kann Konflikte nicht lösen14 und schon gar nicht geschehenes Unrecht wieder gut machen. Direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch kann aber sehr wohl den überall herumlaufenden ewiggestrigen nationalistisch vertrottelten Zwietrachtsä12 Dort habe ich unter anderem gelernt, Wortgruppen wie „u Lublani“ einigermaßen regionsgetreu auszusprechen. 13 außer halt, dass der Laški rizling nicht ganz so trocken ausgebaut wird, wie der steirische Welsch 14 Wenn es so wäre, gäbe es keinen einzigen Nachbarschaftsstreit unter Gleichsprachigen

ern den Wind aus den Segeln nehmen. Das weiß man auch im Pavelhaus und bietet Sprachkurse an. Das Interesse daran ist in der letzten Zeit unerwartet stark gestiegen. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Noch ein paar Gedanken zum Abschluss Slowenisch als erste slawische Sprache zu erlernen ist anspruchsvoll. Was habe ich als technisch- naturwissenschaftlich orientierter Mensch davon? Haben andere was davon? Internationale Kooperation im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich funktioniert auch ohne dass man die Sprache des ausländischen Partners beherrscht. Man spricht entweder eine gemeinsame Brückensprache oder hat einen Dolmetscher. In Slowenien so wie auch sonst überall auf der Welt läuft in diesem Bereich praktisch alles auf englisch ab. Um in den „Conference dinners“ internationaler „Events“ mein Slowenisch anzubringen, muss ich höflichkeitshalber warten, bis keiner mehr am Tisch sitzt, der nicht Slowenisch spricht. Einmal nehme ich als einziger ausländischer Gast an einem Workshop in Ljubljana teil. Wir einigen uns darauf, slowenisch zu sprechen. Ich bin der einzige Teilnehmer mit slowenischen Präsentationsbildern. Auf dem Heimweg denke ich darüber nach. Dabei fällt mir ein, dass auch ich zu internationalen Projekten keine deutschen Bilder griffbereit habe. Sollte ich für vereinzelte ausländische Besucher, die zufällig Deutsch lernen und sich damit in Szene setzen wollen, extra welche bereit halten? Die Frage der Sprache bei wissenschaftlichen Arbeiten ist aber gerade in einem kleinen Land wie Slowenien ein wichtiges Thema. Slowenien bemüht sich, die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit unter anderem durch verstärkten Austausch von Studenten und Professoren zu fördern. Viele Gastprofessoren sprechen natürlich nicht Slowenisch. Slowenische Ab-

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solventen und Wissenschaftler wollen aber, dass ihre Arbeiten international verstanden werden – das ist auch im Interesse Sloweniens. Es besteht daher eine starke Tendenz zum Englisch. Gleichzeitig besteht der Wunsch, die slowenische Sprache uneingeschränkt zu bewahren. Die im Jahr 2013 in Kraft getretene Resolution ReNPJP14-18 (Amtsblatt der slowenischen Regierung 62/13 2013) sieht hierzu im Absatz 2.1.8 für den wissenschaftlichen Sektor eine ganze Reihe von Maßnahmen vor. Unter anderem wird ein Grundsatz definiert, wonach im Bereich von Doktoratsstudien Gastprofessoren den Studenten nicht in einer Fremdsprache vortragen und auch das übrige „Hoch­ schulprogramm“ auf slowenisch durchführen sollen. Auch slowenische Skripten werden gefordert. Ausländische Studenten sollen nach einem Jahr, Gastprofessoren nach vier Jahren das staatliche Sprachprüfungszeugnis auf „geeignetem“ Niveau vorlegen. Ich würde sagen, für die Hochschularbeit eines Professors ist nur mindestens das Niveau C115 „geeignet“, das bedeutet die Prüfung auf der höchsten der drei möglichen Stufen des nationalen Ausbildungsprogramms Slovenščina za tujce. Nur mit dem Aufenthalt in Slowenien und „Abhören“ ist das für Nichtslawen sicher nicht erreichbar. Es bedeutet intensives Studium. Gerade Englischsprachige haben dabei erheblichen Nachholbedarf, sind sie doch weder Fälle noch grammatikalische Geschlechter gewohnt16. Vor dem Hintergrund der bestehenden Englisch-Tendenz dürften die Forderungen der Resolution zumindest im tech­nisch-naturwissenschaftlichen Bereich von den Betroffenen vielfach als reine Schikane gesehen werden. Wieso soll ich als Ausländer in Fachgebieten Slowenisch reden, in denen jeder Slo15 Gemäß dem „Common European Framework of Reference for Languages – CEFR“ des Europarats 16 Über die Wahrnehmung Sloweniens bzw. des Slowenischen durch Englischsprachige wird da und dort wohlwollend gewitzelt, z. B. in der Radioserie von Michael Manske im Radio Slovenia International (Manske 2013)

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wene bei Bedarf gerne englisch spricht und die auch sonst auf der ganzen Welt auf englisch abgehandelt werden? Der öffentlichen Diskussion entnehme ich, dass auch viele Slowenen ihre ausländischen Kollegen im Interesse einer problemlosen Zusammenarbeit vor solchen Hürden bewahren wollen. Voll verständlich! Trotzdem befürworte ich die oben angeführten Forderungen der Resolution – nicht nur für Slowenien sondern grundsätzlich. Ich halte es für gerecht und nicht für zu viel verlangt, wenn man auch den akademischen Gastprofessoren bei längerem Aufenthalt Sprachkenntnis abverlangt, nicht nur den „Migranten“. Im übrigen haben sie ja auch was davon. Die Sprache ist das wichtigste Kulturgut des Menschen. Mit dem Interesse für des Anderen Sprache zeige ich ihm, dass ich ihn und seine Kultur achte. Das wird meiner Erfahrung nach vom Gegenüber auch so verstanden und geschätzt. Die Leute am Tisch reagieren anders, sehen dich anders an: „Da ist einer, der schert sich um unsere Sprache“. Das bildet Vertrauen. Türen öffnen sich und man wird als Gast ins Haus gebeten. Vorhänge öffnen sich und geben den Blick auf neue, faszinierende Welten frei. Ich bestätige hiermit: Erst mit dem Verständnis der slowenischen Sprache hat sich mir die Möglichkeit eröffnet, Slowenien, die Slowenen und ihre Kultur wirklich kennenzulernen. Neue Chancen taten sich auf: In der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Slowenien und Österreich im Rahmen des SZI durfte ich ehrenvolle Aufgaben erfüllen. In der Theatergruppe des Kulturvereins LAS OVTAR in Lenart darf ich interessante Rollen spielen. Im „Museum des Wahnsinns“ im Schloss Obermureck in Trate darf ich bei den grenzüberschreitenden Bemühungen um Verständigung, Naturschutz, Kulturpflege und vieles andere mehr mitarbeiten. Mein Erlebnishorizont als Grenzlandbewohner hat sich rein geodätisch gesehen von 180 auf 360 Grad verdoppelt. Aus „Fremden“

werden gute Freunde. All das nehme ich als unerwartete und unschätzbare Bereicherung meines Lebens wahr. Solche Chancen werden auch weiterhin bestehen und ich werde sie mit Freude nützen. Danke Beim Slowenisch lernen haben mir viele liebe Leute geholfen. Für besondere persönliche Unterstützung bedanke mich bei Tatjana Koren, Kasilda Bedenk, Tjaša Alič, Andrea Haberl-Zemljič, Helga Benigni-Cokan, Anita Kocmut, Jure Recek, Avgust Recek, Andrejka Graf, Daniela Kocmut, Mojca Smolej, Mojca Stritar, Nataša Gliha-Komac, Nataša Logar-Berginc, Nina Pfajfar, Petra Jurčič, Tatjana Jamnik, Valentina Novak, Vesna Gros, Norma Bale, Željka Papič, Darja Roškar, Peter Kuhar, Milka Hudobnik und Vincenc Rajšp. Bei Prof. Mag. Dr. Ludvik Karničar bedanke ich mich ganz besonderes für sein Vertrauen, das mir unter anderem den Einstieg in das SZI und damit die Mitarbeit in der slowenisch-österreichischen Wissenschaftspartnerschaft ermöglicht hat, sowie für die gemeinsamen Erlebnisse und interessanten Gespräche. Bei Mag. Susanne Weitlaner, Obfrau des Artikel-VII Kulturvereins Pavelhaus, bedanke ich mich für die Einladung diesen Beitrag zu schreiben und für das Lektorat sowie für die schönen und interessanten Erlebnisse im Pavelhaus. Bei meiner lieben Frau Bernadette und meinen beiden Kindern Martina und Stefan bedanke ich mich für ihr Verständnis, dass ich für sie seit dem Jahr 2006 keine Zeit mehr habe.


Literatur Cankar, Ivan (2012): »Moje Življenje«, Skodelica kave, Ljubljana: Založba Mladinska knjiga, ISBN: 978-961-011-419-2 Debenjak, Doris, Primož in dr. Božidar (2005): Slowenisch-deutsches und deutsch-slowenisches Wörterbuch, Ljubljana: Založba DZS, ISBN 978-961-02-0010-9 Haberl - Zemljič, Andreja (2012): Pustiti jezik v vasi, Ljubljana, Založba Inštitut Za Narodnostna Vprašanja, ISBN/EAN: 9789616159425 Kontler - Salamon, Jasna (2015): Za resnico do zadnjega diha, Založba Mordrijan, ISBN: 978961-241-876-2 Kovič, Kajetan (2011): Moj prijatelj Piki Jakob, Ljubljana: Založba Mladinska knjiga, ISBN/EAN: 9788611014203 Manske, Michael (2013): Fernsehsendung Kako postaneš Slovenec, Radio Slovenia International, zugänglich auf der Web-page von RTV-SLO über Podcasts und auch auf YouTube. Zum Thema Sprache sind speziell die Beiträge Nr. 1 und 11 interessant: [http://www.youtube.com/watch?v=cUkkW7cauPE&list=PLHHZ9vBEFJ2XYso4Lf2KLzqufj2WCCYHr&index=1] [http://www.youtube.com/watch?v=Tm34HEXnfO8&list=PLHHZ9vBEFJ2XYso4Lf2KLzqufj2WCCYHr]

Markovič, Andreja et al. (2009): Slovenska beseda v živo 3a, CD 2, Beispiel Nr. 10, Ljubljana: Center za slovenščino kot drugi/tuji jezik, ISBN: 978961-237-283-5 Reporter Milan (2013), gesellschaftskritische Radioserie im Radio City, Maribor, [http:// www.reportermilan.eu/] Toporišič, Jože (2004): Slovenska slovnica, Maribor: Založba obzorja, ISBN-13: 9789612301712 Uradni list 62/13 (2013): Resolucija o Nacionalnem programu za jezikovno politiko 2014–2018 (ReNPJP14–18), [http://www. uradni-list.si/_pdf/2013/Ur/ u2013062.pdf#!/u2013062pdf]

»Dober dan!« ... (in kako gre naprej?)

Doživetja avstrijskega jezikovnega laika s slovenščino kot tujim jezikom in še nekaj misli zraven � Reinhard Padinger Za uvod Moj materni jezik je tirolščina. Sicer pa govorim še – poklicno prisiljeno – avstrijsko angleščino in – migracijsko pogojeno – južnoavstrijsko štajerščino s tirolskim naglasom. Drugače pa doslej nisem imel posebnih opravkov z jeziki. Moja poklicna izobrazba se omejuje na elektrotehniko in procesno tehniko in delam pri podjetju Joanneum research v Gradcu na oddelku za obnovljivo energijo. Že nekaj let živim v bližini Gornje Radgone, blizu meje s Slovenijo. Bližina te, meni do sedaj praktično tuje sosednje dežele je v meni zbudila željo, da jo malo boljše spoznam. Vendar, če nič ne razumeš, je to precej dolgočasno. Komunikacija je sicer možna, saj veliko Slovencev govori tekoče nemško, ampak dejstvo, da sem v sosednji deželi nekdo, ki ne zna niti brati niti pisati, me je zelo motilo. Torej sem si pred nekaj časa vtepel v glavo, da se naučim slovenščine. Ta odločitev je povzročila nekaj nepričakovanih sprememb v mojem življenju, o katerih vam želim malo povedati v naslednjem prispevku. Samo še eno majhno opozorilo, predem začnem: v primeru, da Vi, spoštovana bralka, cenjeni bralec, spadate k strokovnjakom, ki se ukvarjajo z jeziki, torej k jezikoslovcem, jezikovnim pedagogom, prevajalcem, pesnikom, kantavtorjem ipd., Vas moram že vnaprej posvariti. Jaz pripadam, kot že omenjeno, popolnoma drugemu poslu. Svet vidim drugače in tiktakam drugače. Živim z idejo, da se vse v naravi, enako kot v matematiki in fiziki, lahko izpeljuje oz. utemeljuje iz nekaj osnovnih aksiomov. Tako vidim tudi jezike, zlasti tuje, posebej slovenščino. Vem, da je to napačno in bedasto, toda na žalost ne morem iz svoje kože. Po horoskopu sem oven in še eden izmed posebno nepoboljšljivih. Torej – v primeru, da kljub temu berete naprej – prosim, računajte na nepričakovano in nesmiselno. Toliko o okvirnih pogojih za naslednji mali sestavek, s katerim bom opisal svoja doživetja s slovenščino in seveda tudi s Slovenijo. Da ne bi bilo preveč dolgočasno, sem tu pa tam kakšen dogodek v okviru literarne svobode malo okrasil, ničesar pa si nisem izmislil. Jeseni 2006, začetek začetka Srečam svojo ljubo znanko, go. dr. Andreo Haberl Zemljič na vlaku. Oba sva dnevna migranta, ki se voziva iz avstrijske Radgone v Gradec. Andrea je dvojezična in samostojna tolmačica za nemščino in slovenščino. Vprašam jo, ali bi mi na vlaku namenila kakšno urico pouka slovenščine, saj imava dovolj časa. Seveda se strinja. Takoj začneva.

Wörle, Kisten (2007): Geowissenschaften 2007

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Dipl. ing. dr. Reinhard Padinger, rojen leta 1955 v Innsbrucku, je študiral elektrotehniko in procesno tehniko na Tehnični univerzi v Gradcu. Od leta 1981 dela na inštitutu za energetske raziskave v podjetju Joanneum research Forschungsgesellschaft mbH v Gradcu. Njegova dela se osredotočajo na razvoj tehničnih naprav za uporabo obnovljivih virov energije. Od leta 2006 se uči slovenščino. Zato je med drugim redno obiskoval Seminarje slovenskega jezika, literature in kulture v Ljubljani, poletne jezikovne tečaje pod vodstvom prof. Kasilde Bedenk in mag. Tatjane Koren ter konverzacijske tečaje na Slavistiki v Gradcu. Častna funkcija v Slovenskem znanstvenem inštitutu na Dunaju, poklicno in prostočasno čezmejno sodelovanje na kulturnem in tehnično-naravoslovnem področju ter osebna prijateljstva so ga v zadnjem času vedno bolj povezali s Slovenijo in njenimi ljudmi. Publikacije po slovensko: Padinger R.: »Okolju prijazna oskrba vinskih kleti s sončno energijo« 10. Dnevi Energetikov, Portorož, 8. in 9. aprila 2008. Padinger R.: »Varovanje klime preko uporabe obnovljivih virov energije – možnosti za Avstrijo in Slovenijo, zlasti na avstrijskem Štajerskem in v Pomurju«, SIGNAL Winter/ zima 2009/2010, Pavlova hiša, Bad Radkersburg, 2009. Padinger R.: »Slovenščina kot tuj jezik z vidika avstrijskega nejezikoslovca«, Beitrag in Andreas Leben, Martina Orožen und Erich Prunč, 2014: „Festschrift für Ludwig Karničar zum 65. Geburtstag“, LEYKAM Verlag 2014.

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Vprašam jo, kako se reče: »Guten Tag, schöne, gescheite Andrea.« Smeje se: »Dober dan, lepa, pametna Andrea.« Izvem, da se uporablja končnico -a za žensko ednino. Vprašam, kaj sicer še obstaja, in slišim, da ima slovenščina 6 sklonov, 3 spole in 3 števila – ednino, dvojino in množino. Izvem tudi, da večina teh oblik zahteva različne končnice, ki so med drugim različne pri samostalnikih in pridevnikih. Povlečem listek iz torbe in narišem tabelo s 3 krat 3 = 9 stolpci za spole oz. števila in 6 vrstami za sklone. Vsakega izmed 54 polj razdelim še po sredini, da bi dobil prostor za samostalnike in pridevnike, vse skupaj torej 108 kvadratkov. Komaj se izide na listku. Andrea me malo čudno opazuje. Potem začneva izpolnjevati polja. Na koncu poti z vlakom še nisva gotova. Na naslednji poti mi Andrea prinese lepo izdelane tabele. Soglasniške ženske oblike so tudi vključene, poleg tega še ženske besede na -ev in na koncu moške na -a. Zahvalim se ji. Skupaj ustvarjava še tabelo za spreganje. Zdaj potrebujem še samo besede – našel jih bom v slovarju – in potem se lahko začne. Žal je to bila njena zadnja vožnja kot dnevna migrantka. Škoda! Ampak imam srečo! Še isto jesen moj delodajalec ponuja začetni tečaj slovenščine kot del nadaljnjega poklicnega spopolnjevanja. Seveda sem za. Dve učni uri na teden, brez poprejšnjega znanja, vodi mag. Helga Benigni Cokan. Prijavim se. Nič hudega se ne more zgoditi, saj imam tabelo za sklonske končnice, za spreganje in mali žepni slovarček. Prva ura, pozdrav, nato se prične. Učimo se predstaviti, torej za zdaj povedati, kako nam je ime. Slišim nekaj kot »Mimi Helga ...«, s tem nimam kaj početi. Pridem na vrsto in poskusim z »Mimi Reinhard«. Helga me popravlja: »Immemmje Reinhard.« Aja!? Skrbno zabeležim v novi šolski zvezek: »Immemmje = Ich heiße«. Previdno vprašam, kaj od tega pomeni »ich« in kaj »heiße«. Helga mi razloži, da Slovenci ne rečejo »Ich heiße ...«, temveč »Mein Name ist ...«. Popravljam vpis v

zvezku: »Immemje = Mein Name ist«, Helga napiše na tablo: »Ime mi je«. Izvem: »ime = Name«. Vse drugo bo razloženo kasneje. Seveda bi rad vse takoj izvedel, ampak si ne upam vprašati. Verjetno bo bolje, da ne izstopam že pri prvem stavku. Potem se učimo slovensko abecedo. Primer za c je »cvetličarna«, za s »slaščičarna« ter za ž »železniška postaja«. Vsi v krogu smejo nekajkrat poskusiti izgovoriti te besede. Končno se učimo še nekaj drugih besed in jih zapišemo v zvezek. Eno izmed njih si lahko zapomnim: »banka = Bank«. Potem si zapomnim še, da so slovenske strešice obratni klobučki, torej navzgor odprte. Za to uporabim svoj prvi oslovski most: »obratno od francoskega ê-ja«. Vsak začetek je pač težak. Da slovenščina sestoji samo iz začetka, takrat še ne vem. Naslednjo soboto se peljem v Gornjo Radgono, da bi si »svojo« novo Slovenijo malo pobliže ogledal. Prvo slovensko besedilo, ki mi pade v oči, je napis na stavbi starejšega sloga: »železniška postaja«. Prešine me: »Saj to poznam!« Seveda, to je očitno »Bahnhof«! Na semaforju v prvem križišču gori rdeča luč in se ustavim. Pogledam na levo in ne verjamem svojim očem: nad izložbo piše z velikimi črkami »cvetličarna«. Naravnost zagledam še en napis: »slaščičarna«. Ne morem se več zadržati in vzkliknem v avtu: »He, Wahnsinn, des gibt's nit, i versteh Slowenisch.« (»Hej, saj to ni res, razumem slovensko!«) No ja, »Če nekomu uspe zlesti na drevo ... ... še ne pomeni, da je ptiček!« In tako tudi je. Drugih napisov za zdaj še ne morem razvozlati, toda ne obupam, saj sem navajen na nazadovanja. Saj sem oven in ovni, kot sem jaz, se pogosto plazijo po drevesih in menijo, da so ptički. Doma preučujem stavek »Ime mi je«: »Name mir ist«. Sklanjam ime s pomočjo Andrejine tabele: ime, ima, imu, ime, imu, imom. Druga beseda v stavku me vodi na osebne zaimke. Najdem tabelo v učbeniku. Tretja beseda je glagol, to ni problem, saj imam že končnice za spreganje. Skupaj z malim slovarčkom


pripravljam sestavek za naslednjo uro, kot izdelek pridnosti, saj želim biti prvič v svojem življenju odličnjak. Helga zelo težko prebere moje delo, saj mora praktično povprašati po vsaki besedi, kaj naj bi pomenila. Prevajam ji besedilo nazaj v nemščino. Ona se potrudi in mi vse popravi. Jaz ji le verno prikimavam, ampak bi rad vsemu sledil s svojimi tabelami. Helga se prilagodi, da sem težaven in poseben primer. Ugotovim, da mi tabele ne koristijo popolnoma, saj ne vem, kdaj se uporabljata 5. in 6. sklon. Nemudoma se posvetim temu problemu. Odločujoči za sklone so med drugim tudi predlogi. V učbeniku je nekaj omenjenih, a očitno ne vsi. Jezim se zaradi takih polizdelkov. Kakšen smisel ima, zabeležiti besedne skupine, ki niso popolne. S tem bi moral za vsako novo besedo ponavljati seznam in se ga tudi ponovno naučiti. Nekaj dni kasneje dobim elektronski slovar Debenjak (Debenjak 2005), ki sem ga naročil preko interneta. Z veseljem ugotavljam, da ima iskalne funkcije. S pomočjo teh funkcij poiščem predloge za različne sklone. Tako, to se naučiva1 in potem ustvarjava stavke! (Če nekomu uspe splezati ...) Medvedja šola V prvem letu sploh ne nadaljujem. Slovenska besedna debla so mi preveč tuja, da bi si jih lahko zapomnil. Vedno me spomnijo na juho s črkami. S tem se trudim dan za dnem. Vzamem zasebne ure. Anita Kocmut, prodajalka v bližnji trgovini, si dve uri na teden prizadeva zame in posluša moje jecljanje. Iščem metodo s prepričljivim uspehom, Nürnberški lijak, brain-machine interface bi danes rekli na mojem področju. Preberem knjigo Piki Jakob Kajetana Koviča (Kovič 2011) in ugotovim, da mi gre branje že kar dobro od rok. Fantič v tej knjigi je res bister, se igra učitelja svojih plišastih medvedkov. S tem, da druge poučuješ, se sam najboljše izučuješ. Navdušen sem. To bo odslej tudi moja metoda! Poiščem plišaste živali in 1 Oven v meni in jaz.

punčke svojih otrok in ustanovim slovensko medvedjo šolo. Dijaki dobijo didaktično koristna imena, sestavljena iz predlogov, ki sem jih našel v elektronskem slovarju s pomočijo iskalne funkcije: gospa Med-nad-pod-pred-z-za, pristojna za 6. sklon, gospod Na-o-ob-po-pri-v, pristojen za 5. sklon, gospod Čez-niz-skozi-zoper, skupaj z obema drugima pristojen za 4. sklon, gospod K/h-kljub-napram-proti, pristojen za 3. sklon. Plišasta stonoga – pravzaprav štiridesetnoga – je pristojna za 2. sklon z njegovimi 56 predlogi. Ime mu je gospod Blizu-brez-dno-do-glasom-glede-iz-izmed-iznad-izpod-izpred-izven-izza-konec-krog-kraj-mimo-namesto-nasproti-od-okoli-okrog-onkraj-onstran-poleg-posred-potom-povrh-povrhu-preblizu-prek-preko-radi-raz-razen-s-spod-spred-spričo-sredi-tekom-tik-tostran-vizavi-vpričo-vreden-vrh-vrhu-z-za-zaradi-zadelj-zavoljo-znotraj-zraven-zunaj. Kot sem kasneje izvedel, je nekaj sestavnih delov imen mojih dijakov zastarelih. Vseeno. Menim, da je na vsak način boljše se naučiti nekaj besed odveč kot kakšno premalo.2 Nekega dne suvereno uporabljam besedo »zategadelj«3 v pogovoru. Moji sogovorniki se mi prijazno muzajo. Toda poosebljanje besed dobro funkcionira. Ob vsaki priložnosti pozdravljam svoje dijake. Že po kratkem času jih nagovarjam z njihovim imenom brez šving´lca, tudi štiridesetnogo. V medvedji šoli redno razložim poglavja slovenske slovnice, oslovske mostove in pasti. Moji dijaki me vedno molče in pazljivo poslušajo. Ko povem kaj nepravilnega, me začudeno gledajo. To kasneje opazim in popravim samega sebe. Šteti po slovensko S svojim tehnično-matematičnim ozadjem se zanimam predvsem za števila. Empirično izvem, da velja pravilo za rodilnik množine za števila od 5 naprej 2 Pozneje preberem eno ali drugo od Josipa Jurčiča, Ivana Cankarja, Ivana Tavčarja in še drugih klasikov. Tam najdem tudi zastarele predloge in se veselim. 3 V dobri veri prevzel iz Cankarja 2012: 99.

samo v 1., 2. in 4. sklonu. V 3., 5. in 6. sklonu moramo vsa števila oz. ves stavek vedno sklanjati. To ne piše v učbeniku. Nergam na tečaju. Helga ima razumevanje in si pogledamo števila malo natančneje. »Ena ženska je pametna«, »Dve ženski sta pametni« itd. Ko smo prišli do dveh milijonov,4 smo bili pred vprašanjem, kaj je pravilno: »Dva milijona žensk je pametnih« ali »Dva milijona žensk sta pametna«. Odvisno od tega, ali misliš na ženske ali na milijone. Štejemo še naprej do »2.000.002 ženski sta pametni« in potem končamo. Mislim, da od tu naprej lahko štejem sam. Namesto tega hočem vedeti, kako se šteje množinske izraze: hlače, vrata ipd. Helga mi razloži: ene hlače, dvoje vrat, troje škarjic itd. Ok, to je imenovalnik, kako gredo drugi skloni? Kaj, če je zraven pridevnik? Kaj se zgodi, če stavek ne stoji v sedanjiku? Helga zaprosi za primere. Z veseljem: a) Primer 1: In der Mauer eines Schlosses sind zwei große Türen und eine kleine Tür. Die Farbe der zwei großen Türen ist grün, jene der kleinen ist grau. Die kleine graue Tür ist zwischen den beiden großen grünen Türen. Unsere Reisegruppe nähert sich den zwei großen grünen und der kleine grauen Tür. Alle bewundern die zwei großen Türen und die kleine graue Tür. Daheim erzählen wir unseren Freunden von den zwei großen grünen Türen und der kleine grauen Tür.5 b) Primer 2: Zwei silbernen Scheren lagen neben drei roten Zangen. Ein Marienkäfer näherte sich den 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen. Zuerst krabbelte er zwischen den 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen umher. Dann kletterte er auf die 4 Nekaj manj pomembnih številk smo preskočili. 5 V zidu gradu je dvoje velikih vrat in ena majhna vrata. Barva dvoje velikih vrat je zelena, barva majhnih vrat je siva. Majhna siva vrata so med dvojimi zelenimi vrati. Naša skupina se bliža dvojim zelenim in enim sivim vratom. Vsi občudujejo dvoje zelenih vrat in ena siva vrata. Doma pripovedujemo o dvojih zelenih in enih sivih vratih.

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Kombizange und Schere Univerzalne klešče in škarje

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Tod Smrt

2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen. Er freute sich, flog nach Hause und erzählte seiner Marienkäferin von den 2 silbernen Scheren und 3 roten Zangen.6 Helga me prosi, naj se zadovoljim s programom za začetnike, ki za prvo leto predvideva, da se udeleženci naučijo osnovnih modelnih stavkov. Tudi jaz pokažem razumevanje in od takrat naprej ji ne sitnarim več. Poleti 2008, prva udeležba seminarja slovenskega jezika, literature in kulture (SSJLK) v Ljubljani Po 2 letih je žal konec s tečajem. Število udeležencev se je asimptotično približalo vrednosti 1. Premalo, škoda! Nič ne bi imel proti zasebnim uram s Helgo. Moj »problem seštevanja« ostane zaenkrat nerešen. Poleti 2008 prvič obiščem dvotedenski seminar SSJLK v Ljubljani. Tam imajo delovne skupine na desetih težavnostnih stopnjah, nad temi še enajsto stop6 Dvoje srebrnih škarij je ležalo zraven troje rdečih klešč. Pikapolonica se je bližala dvojim srebrnim škarjam in trojim rdečim kleščam. Sprva je kobacala med dvojimi srebrnimi škarjami in trojimi rdečimi kleščami. Potem je zlezla na dvoje srebrnih škarij in troje rdečih klešč. Potem je letela domov in povedala svojemu pikapoloniku o dvojih srebrnih škarjah in trojih rdečih kleščah.

„Dober dan!“ …

njo s tremi konverzacijskimi skupinami. Uvrstitev poteka preko pisnega uvrstitvenega testa. Pri testu gre pretežno za znanje iz slovnice, se pravi za končnice sklonov, predloge in take stvari. Mojega problema seštevanja ne izprašujejo, nobeno izmed vprašanj me torej posebno ne preseneti. Na podlagi rezultata testa me uvrstijo v eno izmed konverzacijskih skupin. Na srečo ima skupina okrog petnajst članov in sedimo v učilnici v dveh vrstah. Tako se vedno lahko skrijem za kolegom pred sabo in ni tako opazno, da ima skupina zelo redkobesednega udeleženca. Ob primerni priložnosti soočim lektorico s svojim problemom seštevanja. Presenečeno me pogleda. Tega vprašanja si še sama sebi ni postavila. Tudi drugi v hiši reagirajo podobno. Slišim, da obstajajo za ta problem različne nastavitve rešitev, odvisno od tega, ali hočemo šteti posamezne primerke ali različne vrste določenega predmeta, toda popolne rešitve mi ne morejo dati na razpolago. Priskrbim si Toporišiča (Toporišič, 2004) in preiščem 923 strani. Na strani 333 je en primer v imenovalniku, nič novega torej. V matematiki pogosto poimenujejo problem po osebi, ki ga prva omenja: Hilbertov problem, Pascalov problem itd. Sprašujem se, ali bo moj

problem znan kot Padingerjev problem s slovenskim jezikom in bo s tem vstopil v zgodovino. Jezikovni tečaji na Slavistiki v Gradcu Poleti 2009 prvič obiskujem poletni jezikovni tečaj prof. Kasilde Bedenk in mag. Tatjane Koren. Zavzemata se za moj problem in mi dajeta popolno eksaktno rešitev.7 Od jeseni 2009 naprej hodim na konverzacijski tečaj na Slavistiki v Gradcu, ki ga vodi mag. Tatjana Koren. S tem se moje slovensko življenje temeljno spremeni. Tatjana se osebno zavzema zame. To gre tako daleč, da se smem po tečaju redno voziti z njo od Gradca do Spielfelda in tako dobim še dodatno zasebno uro. S tem sem nedvomno favoriziran. Od zdaj naprej živim s slabo vestjo.8 Tatjana neutrudno popravlja moje stalne napake in odgovarja na moja specialna vprašanja. Že kmalu se naučimo na primer, da imajo določeni slovenski glagoli dovršno in nedovršno obliko. Zraven pa se naučimo pravila, da se dovršna oblika vedno uporablja, kadar storiš kaj samo enkrat, zlasti v primeru, da ga storiš ravno zdaj in če traja samo kratko. Nedovršna oblika se pa uporablja vedno, kadar storimo kaj večkrat oz. če traja dlje. Nič ni bolj enostavno kot to, si mislim in preverim funkcijo štoparice na svojem mobilnem telefonu. Pri nas7 Za zainteresirane tovariše: pri naštevanju množinskih izrazov se uporabljajo besedna debla en-, dvoj-, troj-, četver- itd. Za opis števila primerkov se te besede uporabljajo v srednji obliki jih ne sklanjamo, torej ene, dvoje, troje, četvero itd. Množinski izrazi z možnimi pridevniki vred so v rodilniku množine, deležniki so srednjega spola, enako kot pri nedoločnih količinskih izrazih. Toda oblike brez sklanjanja smemo v knjižnem jeziku uporabiti samo v 1., 2. in 4. sklonu. V 3., 5. in 6. sklonu moramo množinski izraz in ostanek stavka vedno sklanjati. Vendar če sklanjamo besedna debla en-, dvoj-, troj-, četver- itd., dobijo drug pomen, in sicer ne opisujejo več števila primerkov, temveč število različnih vrst množinskega izraza, torej ena vrsta ..., dve vrsti …, tri vrste … itd. Kot vidimo, zaradi tega ni mogoče definitivno razločevati, ali gre za število primerkov ali za število vrst. 8 Neprestano imam slabo vest tudi iz drugih razlogov, zdaj je pač prišel zraven še en dodaten razlog.

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lednjem mailu za Tatjano pazim na glagole: »V prilogi ti pošljem/pošiljam ...«. Razmišljam, katera oblika je v tem primeru pravilna. »Pošljem« mail samo enkrat, zdaj, v tem trenutku. Kako dolgo traja pošiljanje? Tako dolgo, kot pritisnem na gumb ENTER? Ali tako dolgo, kot internet potrebuje, da prenese obvestilo? Odločim se za »kratko« in s tem za »V prilogi ti pošljem ...«. Narobe, pride nazaj. Pošiljanje elektronske pošte se kljub gigahercem in svetlobni hitrosti elektromagnetnega valovanja smatra kot daljši, nedovršni proces: pisanje se šteje zraven. No, dobro. (Kako dolgo mora/sme trajati pisanje?) Ubogljivo pišem v naslednjem mailu: »Včeraj sem ti pošiljal ...«. Spet narobe: dogodki v preteklosti veljajo za dovršne. A veljajo tudi dogodki v prihodnosti že zdaj za dovršne? Previdno tvegam poskus: »Poslal ti bom ...«. Zadeto! Vriskam – toda prezgodaj. Naslednji dogodek kaže, pred kakšnimi izzivi stoji slovensko študirajoči nejezikoslovec. V Pavlovi hiši9 v Gornji Radgoni je prireditev. Gre za manjšine in eden izmed častnih gostov je dr. Boris Jesih, državni sekretar slovenske vlade, pristojen za manjšine in zamejce. Poznava se preko Slovenskega znanstvenega inštituta na Dunaju 9 Pavelhaus – Pavlova hiša, Bad Radkersburg, prireditveni center Kulturnega društva Člen 7 za avstrijsko Štajersko, ki zastopa manjšino štajerskih Slovencev v zvezni deželi Štajerski.

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– o tem v nadaljevanju – in ga hočem predstaviti Tatjani, samo enkrat, in sicer točno zdaj, s tem »dovršno«. Že načrtujem uporabiti »predstaviti«, v zadnjem trenutku mi pade na pamet, da hočem reči: »Darf ich dir Herrn Dr. Jesih vorstellen?« Kako dolgo smem predstaviti dr. Jesiha? Menil bi vedno, torej nedovršno. »Tatjana, a ti smem predstavljati gospoda dr. Jesiha?« »Predstaviti,« me Tatjana tiho prekine. Dr. Jesih se razumevajoče smehlja. Malo poparjen poskusim še enkrat: »Tatjana, predstavim ti gospoda dr. Jesiha.« »Predstavljam ti,« pride nazaj. To temo obravnavamo še nekajkrat v konverzacijskih urah. Naučimo se, da modalni glagoli vedno zahtevajo dovršno obliko in še nekaj drugih pravil. Nič ne pomaga, temu nisem kos. Še danes se vprašam/ sprašujem, kako dolgo se je treba vprašati/spraševati, da se »vprašati« spremeni v »spraševati«! Kako dolgo moram koga obvestiti, da se »obvestiti« spremeni v »obveščati«? Kako dolgo je treba »razmisliti«, da »razmišljam«? In tako dalje. Proti odporu ovna v sebi obupam. Naučim se določenih primerov na pamet in zaenkrat ne mislim več na štoparico. Redno obiskujem tudi poletne jezikovne tečaje, ki jih organizirata Kasilda in Tatjana vsako leto v različnih mestih Slovenije. Pri tem spoznavamo slovenske regije z njihovimi lepimi pokrajinami in

njihovo kulturno dediščino. Ta doživetja so poleg »teoretičnega« pouka neprecenljiva vrednost. Bistveno več se dojema in se vživi v jezik. Razlog za težave z govorjenjem: Slovenci razmišljajo dvakrat hitreje kot Avstrijci Transkribiram in prevajam film Skrivnosti Slovenije. Besedilo zapišem dvokolonsko, na levi slovenske, na desni nemške stavke, vsakega na isti višini. Preden natisnem besedilo, ga formatiram, da bi varčeval s papirjem. Pri tem opazim, da je v slovenskem delu veliko praznih vrst. Nemški stavki so očitno daljši in potrebujejo pri isti širini stolpca po navadi eno ali dve vrstici več kot slovenski. Da to lahko kompenziram, moram malo zožiti slovenski stolpec. Horizontalno merilo na robu zaslona je dolgo 16 enot, pri 8 enotah bi torej bila sredina. Ugodna vrednost je pri 7 enotah za slovenski in torej 9 enotah za nemški del. Prevajam še druge filme, enega Nodija, Srečnega Kekca, 2 Vesni, Gade in Hit poletja, poleg tega še nekaj pravljic. Razmerje 7 proti 9 se vedno potrjuje, ista izjava je po slovensko za faktor 7 proti 9 krajša. To pomeni, da spravijo Slovenci v enako število črk približno 1,28-kratno informacijo, to je vendar za 28 % več. Pri tem mi pride na misel, da Slovenci


Slovenija / Slowenien

moj test, po potrebi z veseljem ponudim gradivo.

Slowenščina / Slowenisch

Pomeni, da Slovenci pri govorjenju mislijo približno dvakrat hitreje od Avstrijcev oz. pač od mene. A se s tem lahko sklepa, da sploh dvakrat hitreje mislijo? Najverjetneje. Zares sem navdušen, kapo dol! Hkrati sem olajšan. Končno sem našel izgovor za to, da imam pri govorjenju vedno težave. Saj je že res zahtevno, če moraš nenadoma misliti dvakrat hitreje, kot si navajen. Na tem mestu bi se rad zavzel za druge slovensko učeče se in prosim jezikovne pedagoge – v primeru, da tega še ni – da upoštevajo to oteževalno okoliščino pri ocenjevanju. Na koncu se sprašujem, kako ravnajo simultani tolmači, če morajo tolmačiti resno hitrega Slovenca, na primer Tadeja Toša. Malo kasneje slučajno naletim na navedek v nekakšnem znanstvenem žurnalu: »Simultani tolmači imajo poleg pilotov reaktivnih letal in kontrolorjev letenja najbolj stresen poklic na svetu« (Wörle 2007: 136).

po navadi tudi hitreje govorijo. Moj analizitis me ne pusti na miru. Analiziram govorjena slovenska besedila glede njihove hitrosti. Štoparica zdaj vendarle pride v uporabo. Komentarji v filmu Skrivnosti Slovenije, ki so po mojem občutku bolj počasni in razločno govorjeni, tečejo s 6,41 zloga na sekundo. Robert Škrjanc, pripovedovalec na RTV-SLO, govori s 7,73 zloga na sekundo (Markovič 2009, CD 2, zvočni primer št. 10). V slovenskem vsakdanjiku se govori po moje najmanj tako hitro kot Robert Škrjanc, večinoma še veliko hitreje. Vzamem ga torej za spodnji referenčni primer. Moja normalna hitrost govorjenja v nemščini ima 4,75 zloga na sekundo. Robert Škrjanc govori torej, merjeno po zlogih, za faktor 7,37 proti 4,75 oz. 1,63-krat hitreje slovensko kot jaz nemško. Pri tem pove, kot že rečeno, na zlog povprečno približno 1,28krat več informacij. Če množimo dva faktorja drugega z drugim, dobimo faktor 2,08. Hitrejše govorjenje skupaj z višjo gostoto informacije vodita torej k približno dvakrat hitrejšemu toku informacije. To se mi zdi neverjetno in hočem eksperimentalno preveriti svoj izračun. Prevajam 88 sekund trajajoče besedilo Roberta Škrjanca in preberem nemško verzijo s svojo lastno hitrostjo. Prognoza se potrjuje, rabim dejansko skoraj dvakrat daljši čas, in sicer 163 sekund. Bralka oz. bralec naj preveri

„Dober dan!“ …

Jezikovna praksa Pride čas, da zmorem prve slovenske stavke v ničtem približevanju v živo. Evforija in moja ovnova narava me vendar vedno napeljujeta k temu, da poskusim govoriti enako hitro kot Slovenci. Pomeni dvakrat hitreje, kot sem navajen misliti – glej zgoraj – in s tem površno in z napakami do meje razumljivosti. (Če nekomu uspe zlesti na drevo ...) Neprestano se motim pri besedah, pomešam »ženske« in »žene«, sklanjam »leto« kot »letov«, naročim »kavo z lesom«, vneto spregam »postaviti« kot »postanem«, »ščititi« kot »ščijem« itd. O slovenski slovnici, vključno z naštevanjem milijonov pametnih žensk, hlač, klešč in škarij, ki ležijo druge zraven drugih, druge nad drugimi ali sicer nekako vsevprek, bi medtem lahko imel predavanja. Pri improviziranem govorjenju mi vse to nič ne koristi. Artikuliranje popolnoma obremenjuje CPU10 v mojih možganih. Za dostop do besed, tabel in oslovskih

mostov nimam več kapacitete. Opazim, da je prednost glasno vaditi. Mislim na osnovnošolski razred med odmorom: komaj 130 fonov! Verjetno so take faze pomembne za razvoj jezika. Preverim ga in nahrulim steno na vse grlo: »Trapasta stena, zakaj me tako debelo gledaš, niti oči nimaš!« Zdi se mi, da malo pomaga. Od zdaj naprej imam, kadar sem sam v avtu, redne dvoboje kričanja s šipo. Tudi moj Pikijev razred mora to potrpežljivo prenašati. Jezikovne prakse v javnem življenju se ne dobi tako lahko. Od svoje prve vožnje po Gornji Radgoni sem bil X-krat v Sloveniji in sem iskal možnosti za pogovore. Pogosto sem se frustrirano vrnil domov. Kako naj to tudi počnem? V normalnih gostilnah ni možno, da nekam prisedeš in občvekaš ljudi. Natakarice in natakarji tudi nimajo časa, da se ubadajo z menoj. V barih in bifejih je lažje. Osredotočim se torej na krčme. Toda tudi tam so ovire, ki jih moraš prestopiti. Pripravim si strategijo za uvajanje pogovorov, in sicer se naučim vicev na pamet. Vica se lahko znebiš relativno enostavno v nekakšni rundi neznanih stoječih pijancev, samo čakati moraš na ugodno priložnost, s katero se malo ujema. Najbolj primerni vic je tisti z okostnjakom in pivom. Pride okostnjak v bar in reče natakarju: »Eno pivo prosim, pa cunjo za pobrisati tla.« Ta vic lahko poveš pri vsaki točajki oz. vsakem točaju, kadar spusti pivo iz pipe. V to jo ali ga lahko prisiliš tako, da eno naročiš. Vic povem tako glasno, da tudi drugi poslušajo zraven. S tem je led po navadi prebit. Eden se ozre k meni: »Hehe, a si Avstrijec?« »Ja, sem. Učim se slovenščino, a pijete kaj? Gospodična, eno rundo prosim!« Potem se znebim svoje življenjske zgodbe, ki jo že dolgo znam na pamet. S tem so drugi večinoma dovolj animirani in se prav pridno pogovarjajo z menoj. Jaz odgovorim izmenoma »da« ali »ne«, in kadar paše zraven, vpletem dodaten vic.

10 CPU = central processing unit.

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2010, skok v mrzlo vodo S konverzacijskim tečajem dobim stik s Slavistiko v Gradcu. Za božič 2009 sem povabljen na božično slovesnost inštituta in spoznam prof. mag. dr. Ludvika Karničarja. Zaupa mi in mi ponudi prijateljstvo. To pa še ni vse. Ob odhodu našega bivšega poslovodja hon. prof. dr. Bernharda Pelzlja v pokoj si Ludvik prizadeva, da bom jaz njegov naslednik kot osebni predstavnik Joanneum researcha kot član Slovenskega znanstvenega inštituta na Dunaju (SZI). S tem se prične moja slovenska jezikovna praksa »na terenu«. Redno se udeležim sej SZI v Ljubljani, ki potekajo v slovenščini. Vedno se dobro pripravim in trudim, da se za mizo znebim enega ali drugega stavka. SZI ima znanstveni sosvet s predsednikom, ki ga volijo na vsaka štiri leta. Volitve so pred vrati. Dr. Vincenc Rajšp, direktor SZI, me predlaga kot kandidata in me volijo. V akademski rundi visokega ranga me od zdaj naprej nagovorijo z naslovom »gospod predsednik«. Spet se poslabša moja vest. Te funkcije, če odkrito povem, ne bi smel sprejeti. Medtem sicer razumem dovolj, v resnici pa še vedno ne znam govoriti. Kako naj vodim seje, napišem zapisnike, zastopam svet na zunaj, morda celo v medijih? Oven v meni je močnejši od vesti. Pustim se izzvati in se piflam v teh sferah običajne besede in izražanja: »v pričujočem primeru«, »sprejeti sklepe«, »preložiti sejo«, »način financiranja«, »prizivni postopek« itd. Na spletnih straneh najdem zapisnike sestankov društev, zasedanj občinskih svetov in vlade – prava zakladnica zadevnih floskul, ki si jih vtisnem v spomin. S svojimi Pikijevimi prijatelji preigravam moderacijo debat z deljenimi stališči. Kar se jezika tiče, ni tako hudo kot pričakovano. Moji sogovorniki niso prestrogi z menoj. Pri zapisnikih mi pomaga Milka Hudobnik, tajnica in dobra vila SZI. Težave, s katerimi se soočam v svoji novi častni funkciji, so »na žalost« druge narave. Gre za resnične probleme, se pravi za denar. SZI je bil kot tudi vsaka

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druga znanstvena ustanova delno financiran z javnimi sredstvi. Prav za te se bojujejo v Sloveniji kot tudi drugod po celem svetu. A tudi v zasebnem poslovnem življenju velja komolčarstvo pri denarni oskrbi tu pa tam še danes za preračunljivo ravnanje, kar se je v pričujočem primeru spet izkazalo pri uspešnih taktikah določenih ekspertov v politično-klerikalno prepletenih krogih. V teku različnih šahovskih potez so SZI v zadnjih nekaj letih ne samo postopoma odrinili z njegovega mesta, ampak tudi soočili z vprašljivimi terjatvami (Peter Vodopivec v Kontler - Salamon 2015: 133 isl.). Jeseni 2014 so SZI končno prepustili stečaju – kar za znanstveno sodelovanje med Avstrijo in Slovenijo seveda ni bila ugodna zgodba in po vrhu vsega je pomenilo »klofuto« za vse, ki so sodelovali pri dosedanjih uspehih SZI. Tudi na avstrijskem Štajerskem živijo Slovenci. V Pavlovi hiši najdem druge možnosti za jezikovno prakso. Redno obiskujem tamkajšnje prireditve in izkoristim priložnosti za klepet. Moji sogovorniki so pogosto starejše osebe, med njimi je veliko takšnih, ki so pretrpeli vojno. Nikoli se nisem brigal za dogodke v vojni v tej regiji, saj sem se šele leta 1996 preselil sem. Postopno izvem več o takratnih groznih dogodkih in njihovem odmevu do danes. Izvem tudi, da živi v peterokotniku Dedonci, Gorica, Potrna, Žetinci in Zenkovci slovenska govoreča manjšina. (Haberl - Zemljič 2012). A sem bil do zdaj popolnoma gluh?! Ne. Slišim, da se je po vojni veliko družin odločilo, da samo še doma govorijo slovensko, da ne bi bili »spoznani« in diskriminirani kot »Jugo«. Tukaj živeči Slovenci so sicer od konca vojne državnopogodbeno prepoznani kot manjšina, do svojih pravic pa doslej dejansko še niso prišli. Večdesetletna ignoranca deželnih politikov ter »nasprotni veter« v regiji sta to preprečila. Šele leta 1988 se je s Kulturnim društvom Člen 7 za avstrijsko Štajersko formiralo učinkovito zastopstvo, ki je kot prvi pomembni korak

doseglo politično priznanje manjšine. Izvem tudi, da čutijo še danes določene zamere in da je bilo društvo leta 1993 tarča pisemskobombnega atentata, ki so ga na srečo lahko preprečili. Nenadoma se zavedem, da sem simpatizer manjšine, ki ima nevarne sovražnike. Za kratek trenutek se sprašujem, ali bo to nevarno zame in mojo družino. Takoj se sramujem svojih dvomov in od zdaj naprej zanalašč obiskujem prireditve v Pavlovi hiši. Jezikovna pregrada Nekoč so mi bili Slovenci tako tuji kot njihov jezik. Z razumevanjem jezika mi postopoma postanejo domači. Z manjšanjem jezikovne pregrade postopno izginja nezaupanje. To občutim zlasti v Ljubljani, saj sem medtem kar petkrat obiskal SSJKL, vse skupaj 70 dni,11 in seveda na štajerskem mejnem področju, kjer imam najmočnejši stik z ljudmi. Razlika med avstrijskimi in slovenskimi Štajerci se danes omejuje zame le za odtenke. Vino ne prija12 kaj drugače, tudi potrošne količine – se pravi – so primerljive. Harmonika ne igra veliko drugače, tudi ljudje ne plešejo dosti drugače. Reporter Milan (Reporter Milan 2013) in njegova partnerja bi lahko s svojimi skeči prav tako vzeli na muho avstrijske Štajerce. Pravzaprav sta si tudi avstrijska in slovenska štajerščina nekako podobni, kar se tona in neverbalnega izraza tiče. A je mogoče, da na te jezikovne elemente vplivajo regionalne danosti, ki imajo na različne jezike podobne učinke? Visoka mera dvojezičnosti bi lahko bila soodgovorna za to. A bi lahko bili ljudje, ki se čisto jezikovno razumejo, vsi dobri prijatelji? Tako enostavno žal najbrž ne bo šlo. Odstranitev jezikovne pregrade sama ne more rešiti konfliktov, kaj šele popraviti dejanske krivice. Neposredna komunikacija od človeka do človeka pa že lahko 11 Tam sem se med drugim naučil izgovoriti besedne skupine kot »u Lublani« bolj ali manj v skladu z regionalnim slengom. 12 Razen pač, da laški rizling ni tako popolnoma kisel kot avstrijskoštajerski »Welsch«.


Rattenzimmer Soba podgan

vzame veter iz jader vsem tem nacionalistično senilnim sejalcem nesloge. To vedo tudi v Pavlovi hiši in ponudijo jezikovne tečaje. Interes za to se je v zadnjem času nepričakovano povečal. Upajmo le, da se ta razvoj nadaljuje. Še nekaj misli za zaključek Učiti se slovenščino kot prvi slovanski jezik je zahtevno. Kaj imamo od tega? Kaj mi koristi znanje slovenskega jezika kot tehničnoznanstveno usmerjenemu človeku? A imajo drugi kakšno korist od tega? Mednarodno sodelovanje na tehničnoznanstvenem področju gre tudi brez obvladovanja jezika tujega partnerja. Ali se govori skupni premostitveni jezik ali

„Dober dan!“ …

si pomagajo s tolmačem. V Sloveniji, kot tudi drugod po celem svetu, teče na tem področju praktično vse po angleško. Da se na projektnih sestankih in konferencah izognem svoji slovenščini, moram iz vljudnosti čakati, dokler za mizo ne sedi več nihče, ki ne govori slovensko. Nekoč sem se udeležil nekakšne delavnice kot edini tuji gost. Strinjali smo se, da govorimo slovensko. Bil sem edini, ki je imel s seboj slovenske slike. Na poti domov razmišljam o tem. Pri tem se zavem, da tudi jaz nimam na razpolago nemških slik za mednarodne projekte. A naj bi pripravil nemške slike za primer, da pride tuji obiskovalec, ki se slučajno uči nemščino in bi se rad razkazoval s tem?

Vprašanje jezika pri znanstvenih delih je pomembna tema, zlasti v manjši deželi, kot je Slovenija. Slovenija si prizadeva spodbujati mednarodno znanstveno sodelovanje med drugim s povečano izmenjavo študentov in profesorjev. Veliko gostujočih profesorjev seveda ne govori slovensko. Slovenski absolventi in znanstveniki po drugi strani hočejo, da se njihova dela mednarodno razumejo, to je tudi v interesu Slovenije. S tem obstaja seveda močna tendenca k angleščini. Hkrati pa obstaja želja, neomejeno ohraniti slovenski jezik. Resolucija ReNPJP14–18 (Uradni list 62/13 2013: §218) v odstavku 2.1.8 predvideva za znanstveni sektor celo vrsto ukrepov. Med drugim specificirajo

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načelo, po katerem naj na področju doktorskih študij gostujoči profesorji ne bi predavali v tujem jeziku in naj bi tudi obravnavali drugi visokošolski program po slovensko. Tudi slovenski učbeniki so zahtevani. Tuji študentje naj po enem letu, gostujoči profesorji po štirih letih opravijo izpit iz znanja slovenščine na »primerni« ravni. Rekel bi, da je za visokošolsko delo profesorja »primerna« samo stopnja C1. To pomeni izpit na visoki oz. najvišji ravni, ki jo ponuja nacionalni izobraževalni program Slovenščina za tujce. Samo z bivanjem in »prisluškovanjem« to za Neslovane ne bo dosegljivo. Pomeni intenziven študij. Zlasti angleško govoreči imajo pri tem znaten zaostanek, saj niso navajeni niti na sklone niti na slovnične spole.13 Zaradi na tehniško-naravoslovnem področju obstajajoče tendence napisati znanstvene dokumentacije predvsem v angleščini naj bi bile terjatve resolucije pogosto videne kot čista zapreka. Zakaj naj bi kot tujec govoril slovensko v panogah, v katerih vsak Slovenec po potrebi z veseljem govori angleško in jih tudi po celem svetu obravnavajo po angleško? Iz javne razprave razberem, da bi tudi veliko Slovencev rado zavarovalo svoje tuje kolege pred takšnimi ovirami v smislu neproblematičnega sodelovanja. Popolnoma razumljivo! Kljub temu sem za zgoraj omenjene zahteve resolucije – ne samo za Slovenijo, temveč načelno. Mislim, da je pravično in ne preveč zahtevno, če tudi od akademskih gostujočih profesorjev po daljšem bivanju terjajo jezikovno znanje, ne samo od »migrantov«. Poleg tega imajo tudi kaj od tega. Jezik je najpomembnejša kulturna dediščina človeka. Z interesom za jezik drugega mu pokažem, da spoštujem njega in njegovo kulturo. Drugi to po moji izkušnji tudi tako razumejo in spoštujejo. Ljudje ob mizi reagirajo drugače, te pogledajo drugače: tu je eden, ki se zmeni za naš 13 O zaznavanju Slovenije in slovenščine s strani angleško govorečih tu pa tam zbijajo šale, na primer Michael Manske (Manske 2013) v nanizanki na Radiu Slovenia International (Manske 2013).

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jezik. To sproža zaupanje. Vrata se odprejo in ljudje te sprejmejo v svojo hišo kot gosta. Zavese se razprejo in dopuščajo pogled na nove fascinantne svetove. S tem poudarjam: šele z razumevanjem slovenskega jezika sem pridobil možnost, resno spoznati Slovenijo, Slovence in njegovo kulturo. Nove »šanse« so se odprle: v znanstvenem sodelovanju med Slovenijo in Avstrijo v okviru SZI smem – ne nazadnje s pomočjo in podporo Ludvika – izpolnjevati zanimive in častne naloge. Življenjsko obzorje se je zame kot prebivalca obmejne dežele z geodetskega vidika podvojilo s 180 na 360 stopinj. Iz »tujcev« so postali dobri prijatelji. Vse, kar sem pri tem doživel, sem zabeležil kot neocenjeno obogatitev svojega življenja. Takšne možnosti bodo obstajale tudi še naprej in jih bom z veseljem izkoristil. Hvala Pri učenju slovenščine mi je pomagalo veliko dobrih ljudi. Za posebno osebno pomoč se prisrčno zahvaljujem svojim prijateljicam in prijateljem: Tatjana Koren, Kasilda Bedenk, Tjaša Alič, Andrea Haberl - Zemljč, Helga Benigni Cokan, Anita Kocmut, Jure Recek, Avgust Recek, Andrejka Graf, Daniela Kocmut, Mojca Smolej, Mojca Stritar, Nataša Gliha - Komac, Nataša Logar Berginc, Nina Pfajfar, Petra Jurčič, Tatjana Jamnik, Valentina Novak, Vesna Gros, Norma Bale, Željka Papič, Darja Roškar, Peter Kuhar, Milka Hudobnik in Vincenc Rajšp. Ludviku Karničarju se posebno zahvaljujem za zaupanje, ki mi je ponudilo vstop v SZI in s tem sodelovanje pri slovensko-avstrijskem znanstvenem partnerstvu, ter za skupna doživetja in zanimive pogovore. Susanne Weitlaner, predsednici Kulturnega društva Člen 7 Pavlova hiša, se zahvaljujem za možnost pisanja tega članka in za lekturo ter za lepe in zanimive ure v Pavlovi hiši.

Svoji ljubi ženi in svojima otrokoma Martini in Stefanu se zahvaljujem za razumevanje, da od leta 2006 naprej nisem imel več časa zanje.

Seznam uporabljene literature Cankar, Ivan (2012): Moje Življenje, Skodelica kave, Ljubljana: Založba Mladinska knjiga, ISBN: 978-961-011-419-2. Debenjak, Doris, Primož in Božidar (2005): Slowenisch-deutsches und deutsch-slowenisches Wörterbuch, Ljubljana: Založba DZS, ISBN 978-961-02-0010-9. Haberl - Zemljič, Andreja (2012): Pustiti jezik v vasi, Ljubljana: Založba Inštitut Za Narodnostna Vprašanja, ISBN/EAN: 9789616159425. Kontler - Salamon, Jasna (2015): Za resnico do zadnjega diha, Založba Modrijan, ISBN: 978-961-241-876-2. Kovič, Kajetan (2011): Moj prijatelj Piki Jakob, Ljubljana: Založba Mladinska knjiga, ISBN/EAN: 9788611014203. Manske, Michael (2013): Oddaja Kako postaneš Slovenec, Radio Slovenia International, dosegljiva na spletni stran RTVSLO preko Podcasta in tudi na YouTubu. Na temo jezika sta zanimiva predvsem prispevka št. 1 in št. 11: [http://www. youtube.com/watch?v=cUkkW7cauPE&list=PLHHZ9vBEFJ2XYso4Lf2KLzqufj2WCCYHr&index=1], [http://www.youtube.com/watch?v=Tm34HEXnfO8&list=PLHHZ9vBEFJ2XYso4Lf2KLzqufj2WCCYHr]. Markovič, Andreja et al. (2009): Slovenska beseda v živo 3a, CD 2, primer št. 10, Ljubljana: Center za slovenščino kot drugi/tuji jezik, ISBN: 978-961-237283-5. Reporter Milan (2013), družbenokritična nanizanka, Radio City, Maribor, [http:// www.reportermilan.eu/]. Toporišič, Jože (2004): Slovenska slovnica, Maribor: Založba obzorja, ISBN-13: 9789612301712. Uradni list 62/13 (2013): Resolucija o Nacionalnem programu za jezikovno politiko 2014–2018 (ReNPJP14–18), [http:// w w w.ur a dni - lis t. si /_ p df/ 2 013 / Ur/ u2013062.pdf#!/u2013062-pdf]. Wörle, Kisten (2007): Geowissenschaften 2007.


Statistična regija Pomurje znotraj območja današnje slovenske meje Die statistische Region Pomurje innerhalb der heutigen Grenzen Sloweniens

http://bs.wikipedia.org/wiki/Pomurska_(regija)#mediaviewer/File:Mura_ Statistical_Region_in_Slovenia.svg.


Privat

Raba nemških jezikovnih zvrsti na področju termalnega turizma

Empirična raziskava na primeru slovenske termalne regije v Pomurju � Katarina Tibaut Slovenska termalna regija Pomurje že od nekdaj velja za priljubljeno destinacijo nemško-govorečih gostov. Na podlagi tega je zaposlenim v termalnem turizmu v Pomurju že vnaprej namenjena pridobitev nemških jezikovnih kompetenc. Nemški jezik pa ni homogen jezik, temveč poseduje veliko različnih jezikovnih zvrsti. Prvine zgolj nemškega knjižnega jezika zaposlenim v termalnem turizmu posledično ne zadostujejo, da bi lahko povsem obšli potencialne težave pri sporazumevanju z nemško-govorečimi gosti. Namen empirične raziskave je torej bil, proučiti, ali raba različnih jezikovnih zvrsti s strani nemško-govorečih gostov zaposlenim v termalnem turizmu povzroča oviro pri sporazumevanju. Empirična raziskava temelji na deskriptivni in kavzalno-neeksperimentalni metodi. Vzorec raziskave vključuje 102 zaposlena dveh termalnih kopališč pomurske regije: Bioterme Mala Nedelja in Terme Vivat. S pomočjo vprašalnika zbrani podatki so bili obdelani s statističnim programom SPSS (Statistical Package for the Social Sciences). Termalni turizem predstavlja v Pomurju odločilno komponento slovenske turistične ponudbe. Na severovzhodu ležeča mejna regija Pomurje se označuje kot teritorialen privesek v sicer kompaktnem korpusu slovenskega ozemlja (Veres 2007). S pomočjo naslednjega zemljevida se trditev lahko tudi potrdi. V nemškogovorečih državah veljajo termalna kopališča v Pomurju zaradi posebne lege regije – na severu meji Pomurje na Avstrijo – že od nekdaj kot skrivni namig za počitnikovanje. Tudi po podatkih Statističnega urada Republike Slovenije (2013) prevladujejo nemškogovoreči gostje izključno v termah Pomurja (nanašajoč se na celotno državo), kot prikazuje sledeči graf.

Katarina Tibaut je absolventka magistrskega študija iz Nemščine kot tujega jezika in Pedagogike na Filozofski fakulteti v Mariboru. Pet mesecev je bila praktikantka pri društvu Člen 7 za avstrijsko Štajersko – Pavlova hiša. Na študentskem simpoziju za germanistiko v Pragi je predstavila magistrsko nalogo »Raba nemških jezikovnih zvrsti na področju termalnega turizma«. Katarina Tibaut ist Absolventin der Magisterstudien Deutsch als Fremdsprache und Pädagogik am der Philosophischen Fakultät Maribor. Fünf Monate war sie Praktikantin beim Artikel-VII-­ Kulturverein - Pavelhaus. Anläss­ lich eines Studentensymposiums für Germanistik in Prag präsentierte sie ihre Magisterarbeit „Verwendung deutscher Sprachvarietäten im Gebiet des Ther­ mal­tourismus“.

V poklicnem vsakdanu zaposlenih v termalni regiji Pomurje se nemški jezik posledično pojavlja kot dominanten tuji jezik. Ampak nemščina ni enovit jezik, kajti nemški jezik implicira bogat jezikovni spekter prostorsko definiranih zvrsti, ki se medsebojno pogojujejo: kodificiran knjižni jezik, narečje in pogovorni jezik. Kljub kontinuiteti omenjenih jezikovnih zvrsti se s strani nemško-govorečih gostov v termalni regiji Pomurje najpogosteje uporablja narečje. Formalne in javne institucije sicer negujejo uporabo knjižnega jezika, vendar ljudje v zasebnem življenju, torej tudi kot turisti zunaj domovine, uporabljajo raje narečje. Blahakova (2008) je poleg tega poudarila, da je najvišji delež govorcev narečja prav na jugu nemškogovorečega jezikovnega prostora. Posledično se zlasti v Avstriji knjižni jezik uveljavlja v narečni obliki. Zaradi večje veljavnosti narečja pa se ta ne uporablja zgolj v zasebnem življenju, ampak tudi v javnosti. V zanimivo jezikovno sredstvo razvijajoče

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Delež nemškogovorečih gostov v termalnih kopališčih Pomurja Anteil deutschsprachiger Gäste in Thermalbädern von Pomurje

se narečje je namreč pogojevalo tako imenovano renesanso narečij; Ebner (2008) govori celo o zavračanju uporabe knjižnega jezika. Zaradi prevlade »nemške različice« nemškega jezika pa je v tujini posledično oteženo, osveščati avstrijske jezikovne zvrsti. Zaradi dejstva, da v slovenski termalni regiji Pomurje prevladujejo turisti iz Avstrije, se pri pouku nemščine ne smejo zgolj poudarjati prvine knjižnega jezika, avstrijska različica nemškega knjižnega jezika namreč pri artikulaciji glasov in v naglasu ohranja določeno mero narečne obarvanosti, temveč tudi bavarska narečja. Ne samo bavarska narečja, ampak tudi »avstrijska različica« nemščine sta lahko za nematerne govorce težje razumljiva. To teoretično podstat obenem podpira rezultat empirične raziskave: zaposleni v termalni regiji Pomurje sicer nakazujejo na dokaj dobro predznanje nemškega jezika, vendar se kljub temu manifestirajo ovire pri sporazumevanju. Temeljni vzrok za težave pri sporazumevanju je uporaba narečja s strani nemš-

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kogovorečih gostov. Na osnovi pridobljenih teoretičnih in empiričnih dognanj se predpostavlja, da se sporazumevalne ovire kljub znanju nemškega knjižnega jezika zaposlenih v termalnih kopališčih Pomurja pri neposrednem stiku z nemškogovorečimi turisti porajajo, če se gosti izražajo v narečju. Ker se v slovenskih osnovnih in srednjih šolah kontinuirano poučuje »nemška različica« nemščine, učenci posledično doživijo šok, ko pridejo v stik s pestrostjo »avstrijske različice« nemškega jezika; na to nevarnost je že konec 90. let opozoril Moser (1999). »Nemška različica« knjižne nemščine pa vendarle ponuja optimalno osnovo za pridobitev narečnih spretnosti; dodatno jezikovno izobraževanje, ki bi zaobjemalo tudi narečne elemente, pa bi za zaposlene v termalnih kopališčih, ki so nenehno v kontaktu z gosti iz Avstrije, posledično bilo nadvse ugodno. Dodatna jezikovna izobraževanja pa naj bi ob tem temeljila na principu de Cilliasa (2006) in Studersa (2002): »Narečja razumeti – knjižni jezik govoriti in pisati« – učenec

tako ne bi bil zgolj sposoben razumeti govorce, ki se izražajo v narečju, ampak bi se obenem tudi znal ustrezno odzvati v nemškem knjižnem jeziku. Rezultati empirične raziskave nedvomno nakazujejo na željo po dodatnih jezikovnih izobraževanjih. Zaposleni dajejo prednost zlasti vsakdanjim namigom pri sporazumevanju z nemškogovorečimi gosti. Usvojitev narečno pogojenega besednega zaklada pa ne sodi med favorizirane vsebine; čeprav sta dve tretjini anketirancev navedli, da nemškogovoreči turisti v kontaktnih situacijah z njimi raje uporabljajo narečje. Za usvojitev čim boljšega uspeha pa bi poklicno usmerjena dodatna jezikovna izobraževanja morala spodbujati realno povezavo s poklicnim vsakdanjikom. V termalnem turizmu posledično niso nepogrešljivi samo praktični namigi pri sporazumevanju, ampak tudi receptivne vaje narečnih posebnosti (kompetence slušnega in bralnega razumevanja), ki se lahko brez večjega truda vežejo v pouk, in sicer s pomočjo izvirnih avdio posnetkov.


Verständigungsschwierigkeiten mit deutschsprachigen Gästen

Navzočnost težav pri sporazumevanju z nemškogovorečimi gosti

Anzahl (f) und Prozentstruktur (f%) Angestellter in der Thermalbadregion Pomurje hinsichtlich der Präsenz eventueller Verständigungsschwierigkeiten mit deutschsprachigen Gästen

f

nein

ne

19

18,6

manchmal

včasih

63

61,8

ja

da

20

19,6

INSGESAMT

SKUPAJ

102

100,0

Število (f) in strukturni odstotki (f%) zaposlenih v termalni regiji Pomurje po navzočnosti morebitnih težav pri sporazumevanju z nemškogovorečimi gosti

f%

Sprachfortbildung

Dodatna jezikovna izobraževanja

Anzahl (f) und Prozentstruktur (f%) des Erachtens Angestellter in der Thermalbadregion Pomurje, ob Sprachfortbildungen in Bezug auf die Verständigungsschwierigkeiten mit deutschsprachigen Gästen erforderlich sind

f

ja

da

86

84,3

nein

ne

16

15,7

INSGESAMT

SKUPAJ

102

100,0

Število (f) in strukturni odstotki (f%) zaposlenih v termalni regiji Pomurje po mnenju, ali so dodatna jezikovna izobraževanja potrebna f%

Raba nemških jezikovnih zvrsti na področju termalnega turizma

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Verwendung deutscher Sprachvarietäten im Thermaltourismus

Eine empirische Untersuchung am Beispiel der slowenischen Thermalbadregion in Pomurje � Katarina Tibaut

In der slowenischen Thermalbadregion Pomurje sind die deutschsprachigen Gäste schon seit längerem gang und gäbe. Angestellte der Thermaltourismusbranche in Pomurje sind auf Grund dessen für den Erwerb deutscher Sprachkompetenzen prädestiniert. Die deutsche Sprache ist jedoch keine homogene Sprache, sondern weist eine Vielzahl unterschiedlicher Sprachvarietäten auf. Das ausschließliche Beherrschen der Standardsprache seitens slowenischer Angestellte im Thermaltourismus reicht infolgedessen nicht aus, um die potenziellen Verständigungsprobleme mit deutschsprachigen Gästen vollends zu umgehen. Das grundlegende Ziel der empirischen Untersuchung war dementsprechend in Erfahrung zu bringen, ob die Verwendung verschiedener deutscher Sprachvarietäten im Thermaltourismusmetier der Grenzregion Pomurje eine Sprachbarriere darstellt. Diese Überlegung wurde anhand eines Fragebogens empirisch untersucht. Die empirische Untersuchung basierte auf der deskriptiven und nichtexperimentellen Methode. Die Untersuchungspopulation erfasste 102 Angestellte zweier Thermalbäder in der Region Pomurje: Biotherme Mala Nedelja und Therme Vivat. Die Auswertung der generierten Daten erfolgte mittels des Statistikprogramms SPSS (Statistical Package for the Social Sciences). In der slowenischen Region „Pomurje“ repräsentiert die Thermaltourismusbranche einen entscheidenden Bestandteil des touristischen Angebotssegments. Die im Nordosten Sloweniens liegende Grenzregion Pomurje wird als territorialer Appendix am sonst kompakten Korpus Sloweniens charakterisiert (Veres 2007). Mittels der unteren Karte wird diese Behauptung bekräftigt. Auf Grund ihrer speziellen Lage – im Norden grenzt Pomurje an Österreich – gelten seit jeher die Thermalbäder von Pomurje als ein Geheimtipp in deutschsprachigen Ländern. Auch nach dem Statistischen Amt der Republik Slowenien1 (2013) überwiegen auf die ganze Republik Bezug nehmend ausschließlich in Thermen von Pomurje die deutschsprachigen Gäste, wie das nachfolgende Diagramm zeigt. Vor diesem Aspekt herrscht Deutsch als Fremdsprache im Berufsalltag Angestellter in der Thermalbadregion Pomurje vor. Doch Deutsch ist keine einheitliche Sprache – die Sprache „Deutsch“ impliziert ein facettenreiches Sprachspektrum räumlich definierter Varietäten, die in einem Austauschverhältnis zueinander stehen: die kodifizierte Standardsprache, der Dialekt bzw. die Mundart und die Umgangssprache. 1 Aus der slowenischen Bezeichnung „Statistični urad Republike Slovenije“ übersetzt.

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Trotz des Dialekt-Umgang-Standard-Kontinuums gilt der Dialekt als die primäre Sprachform vonseiten deutschsprachiger Gäste in der Thermalbadregion Pomurje. Formelle und öffentliche Institutionen pflegen zwar die Standardvarietät, jedoch gebrauchen die Menschen in ihrem Privatleben, also auch als Touristen außerhalb deutschsprachiger Länder, eher den Dialekt. Blahak (2008) betonte überdies, dass im Süden des deutschen Sprachraumes der Dialektsprecheranteil am höchsten ist. Die Standardsprache wird infolgedessen insbesondere in Österreich stark dialektal durchgesetzt. Aufgrund der Aufwertung des Dialektes, wird jener jedoch nicht nur im Privatleben, sondern auch in einer gemäßigten Öffentlichkeit benutzt. Der sich zu einem interessanten sprachlichen Ausdruckmittel entfaltende Dialekt bedingte die sogenannte „Dialekt-Renaissance“; Ebner (2008) spricht sogar von einer Standardverweigerung. Durch die Dominanz des „deutschländischen“ Deutsch ist es jedoch schwierig, die österreichischen Sprachvarietäten im Ausland bewusst zu machen. Aufgrund der Tatsache, dass in der Thermalbadregion Pomurje die ausländischen Touristen aus Österreich dominieren, sollte nicht nur der österreichische Standard, welcher immerzu gewisse regionale Sprachfärbungen in Lautbildung und Tonfall beibehält, einen bedeutsamen Stellenwert im DaF-Unterricht einnehmen, sondern auch der bayrische Dialekt. Zumal das „österreichische“ Deutsch und insbesondere die bayrischen Dialekte für Nichtmuttersprachler schwer verständlich sein können, unterstützt auch das Endergebnis der empirischen Untersuchung den theoretischen Ansatz: Angestellte in der Thermalbadregion Pomurje können zwar gute deutsche Sprachkenntnisse vorweisen, dennoch manifestieren sich Sprachbarrieren. Der Hauptgrund für die Verständigungsprobleme liegt in der Dialektverwendung seitens deutschsprachiger Gäste.


Anknüpfend an theoretische und empirische Erkenntnisse konnte somit konstatiert werden, dass sich die Sprachbarrieren trotz guter „deutscher“ Standardkenntnisse Angestellter in der Thermalbadregion Pomurje in Sprachkontaktsituationen mit deutschsprachigen Touristen manifestieren, sofern sich die Gäste im Dialekt ausdrücken. Da in den slowenischen Grund- und weiterbildenden Mittelschulen kontinuierlich das „deutschländische“ Deutsch gelehrt wird, erleben DaF-Lernende so etwas wie einen „Praxisschock“, wenn sie mit der Vielfalt des „österreichischen“ Deutsch in Berührung kommen; auf jene Gefahr verwies Moser (1999) bereits Ende der 90er Jahre. Die „deutsche“ Standardvarietät bietet jedoch eine optimale Ausgangsbasis für das Aneignen dialektaler Kenntnisse; eine sprachliche Weiterbildung, die über dialektale Elemente disponieren würde, wäre so für Angestellte in Thermalbädern von Pomurje, die kontinuierlich mit Gästen aus Österreich in Kontakt stehen, eine Bereicherung. Sprachfortbildungen sollten dabei auf dem Prinzip de Cillias (2006) und Studers (2002) basieren: „Dialekte verstehen – Standardsprache sprechen und schreiben“ – der Lernende wäre somit in der Lage, Dialektsprecher zu verstehen und adäquat in der deutschen Standardvarietät zu reagieren. Die Ergebnisse der empirischen Forschung lassen einen deutlichen Wunsch nach Sprachfortbildungen erkennen. Besonders bevorzugt werden alltägliche Kommunikationstipps mit deutschsprachigen Gästen. Der Problembereich „Aneignen des dialektal bedingten Wortschatzes“ fand jedoch eine eher geringere Beachtung; obwohl zwei Drittel aller Probanden angegeben hatten, dass sich deutschsprachige Touristen in den Sprachkontaktsituationen mit ihnen im Dialekt verständigen. Um einen bestmöglichen Lernerfolg vorzuweisen, sollten jedoch die berufsbezogenen Sprachfortbildungen eine reali-

tätsnahe Verbindung zum Berufsalltag anregen. Im Thermaltourismus sind infolgedessen nicht nur Kommunikationshilfen, sondern auch rezeptive Übungen von dialektalen Besonderheiten, welche sich ohne großen Aufwand mittels Originalaufnahmen in das Training des Hör- und Leseverstehens sinnvoll einbinden lassen, unentbehrlich.

Viri in literatura/ Literaturverzeichnis Blahak, B. (2008). Zur Thematisierung regionaler Sprachvarietäten im Fachsprachen-Unterricht Deutsch in Regionen südöstlich des deutschen Sprachraumes. V: B. Blahak in C. Piber (ur.), Deutsch als fachbezogene Fremdsprache in Grenzregionen (str. 19–37). Bratislava: Vydavatel`stvo EKONÓM. De Cillia, R. (2006). Varietätenreiches Deutsch – Deutsch als plurizentrische Sprache und DaF-Unterricht. V: H. J. Krumm in P. R. Portmann-Tselikas (ur.), Begegnungssprache Deutsch – Motivation, Herausforderung, Perspektiven. Schwerpunkt: Sprachenpolitik und fachbezogene Grundsatzfragen. Plenarvorträge der XIII. Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, Graz 2005 (str. 51–65). Wien, Innsbruck, Bozen: Studien Verlag. Pridobljeno 25. 03. 2015 iz http://oesterreichischesdeutsch.bildungssprache.univie. ac.at/fileadmin/user_upload/p_oesterr_ dt_unterrichtssprache/Publikationen_ Rudolf_ de _ Cillia /de _ Cillia _Va rit%C3%A4tenreiches_Deutsch.pdf.

Statistični urad Republike Slovenije. (2013). Prihodi in prenočitve turistov po skupinah nastanitvenih objektov in po državah, statistične regije, Slovenija, letno. Pridobljeno 28. 03. 2015 iz http:// pxweb.stat.si/pxweb/Dialog/varval.asp?ma= 2164506S&ti=&path=../Database /Ekonomsko/21_ gostinst vo _turiz e m / 0 2 _ 216 4 5 _ n a s t a n i t e v _ l e t no/&lang=2. Studer, T. (2002). Dialekte im DaF-Unterricht? Ja aber… Konturen eines Konzepts für den Aufbau einer rezeptiven Varietätenkompetenz. Linguistik online, 10 (1), str. 113–131. Pridobljeno 17. 03. 2015 iz http://www.lingu istik-online.de/10_02/studer.pdf. Veres, A. (2007). Slowenien – Ein Grenzland mit Vorbildfunktion (Dissertation). Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Geowissenschaften, Bochum. Pridobljeno 23. 03. 2015 iz http://www-brs.ub. ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/ Diss/VeresAndreas/ diss.pdf.

Ebner, J. (2008). Duden. Österreichisches Deutsch – Eine Einführung von Jakob Ebner. Mannheim: Duden Verlag. Moser, H. (1999). Deutsch als plurizentrische Sprache – das österreichische Deutsch. V: I. Ohnheiser, M. Kienpointner in H. Kalb (ur.), Sprachen in Europa: Sprachsituation und Sprachpolitik in europäischen Ländern (str. 13–31). Innsbruck: Institut für Sprachwissenschaft.

Verwendung deutscher Sprachvarietäten im Thermaltourismus

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Georg Vogler (1847-1919) und seine erste Frau Theresia Vogler, geb. Raffel (1856-1884)

Georg Vogler (1847–1919) in njegova prva žena Theresia Vogler, rojena Raffel (1856–1884)


Auf den Spuren der Familie Vogler

privat

Aus Cankova/Vashidegkút/ Kaltenbrunn � Franz Josef Schober

Vorbemerkungen Das heutige slowenische Prekmurje (ungarisch: Muravidék; deutsch: Übermurgebiet) gehörte bis 1919 noch zu Ungarn. 1919 wurde das schon damals überwiegend von Slowenen bewohnte Prekmurje mit dem Hauptort Murska Sobota (ungarisch: Muraszombat; deutsch Olsnitz) mit Billigung der Pariser Friedenskonferenz von jugoslawischen Truppen besetzt. Zwischen 1941 und 1945 gehörte das Prekmurje vorübergehend wieder zu Ungarn, danach kam es wieder zu Jugoslawien und ist seit 1991 Teil von Slowenien. Es weist auf die wirtschaftliche Bedeutung des rund fünf Kilometer nordöstlich der Stadt Bad Radkersburg (ungarisch: Regede; slowenisch: Radgona) jenseits des Grenzbaches Kutschnitza (slowenisch: Kučnica) liegenden slowenischen Grenzortes Cankova (ungarisch: Vashidegkút, deutsch: Kaltenbrunn) hin, dass dieser bereits 1778 anlässlich der Visitation der Pfarre Cankova erstmals als Markt („oppidum Hidegkuth“) bezeichnet wurde.1 Die erste Kapelle wurde hier 1717 errichtet, damals gehörte der Ort noch zur Pfarre Sv. Jurij (ungarisch: Sz. György, deutsch: St. Georgen). Die Kirche erhielt dann 1737 in groben Zügen die heutige Gestalt, 1754 wurde schließlich die Pfarre gegründet.2 Der Marktplatz von Cankova, wo auch das Geburtshaus des Sprachwissenschaftlers, Dichters, Ethnologen und Museologen August Pavel (1886-1946) steht, wird bis heute einerseits von dieser Pfarrkirche und anderseits von dem am gegenüberliegenden Ende liegenden mächtigen einstöckigen ehemals herrschaftlichen Gasthaus dominiert. Nach mündlicher Überlieferung soll dieses ursprünglich ein zur Herrschaft Felsölendva (deutsch: Oberlimbach) im heutigen Grad (Gornja Lendava) gehöriges Jagdschloss gewesen sein.3 Die Landesbeschreibung zur „Josephinischen Landesaufnahme“ erwähnt ca. 1784 im Ort „Kaltenbrun oder Hidegkút oder Szankovcze“ kein Schloss, es wird dort aber neben der Kirche wohl das damals neu erbaute Gasthaus genannt: „Eine Kirche von Stein samt einem gemauerten Kirchhof, ein Comitats Haus und ein neü erbautes Wirthshaus von Stein“. Für den Marktort Cankova war auch von großer Bedeutung, dass er an der von der steirischen Stadt Radkersburg nach Szentgotthard (deutsch: St. Gotthard) führenden bedeutenden Straße lag.4 1 Ivan Zelko, Zgodovina Prekmurja. Murska Sobota 1996, S. 57. 2 Stanislav Zver – Franc Kuzmič (Hg.), Škofija Murska Sobota. Zgodovinski oris krščanstva v Pomurju. Almanach ob ustanovitvi škofije Murska Sobota. Murska Sobota 2006, S. 248. 3 Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije, Konservatorski program Cankova – Gostilna Vogler, Cankova 23. EŠD 6794, Maribor 2007. 4 Vincenc Rajšp – Aleksandra Serše, Slovenija na vojaškem zemljevidu 1763–1787, Opisi. Josephinische Landesaufnahme 1763–1787 für das Gebiet der Republik Slowenien, Landesbeschreibung, Bd. 7. Ljubljana 2001, S. 14f.

Franz Josef Schober, (geb. 1957 in Graz), aufgewachsen und wohnhaft in Ratschendorf. Finanzbeamter und „Heimatforscher“ (wobei der Begriff „Heimat“ recht weit gezogen wird), Korrespondent der Historischen Landeskommission für Steiermark. Publikationen mit dem Forschungsschwerpunkt auf die Geschichte des (ehemaligen) Bezirkes Radkersburg (heute Bezirk Südoststeiermark) und der angrenzenden slowenischen Gebiete. Veröffentlichungen u.a. in Publikationen des Historischen Vereines für Steiermark, des südoststeirischen Vereines für Heimatkunde Feldbach und des Gebietsmuseums in Murska Sobota und diverse zeitgeschichtliche Beiträge für mehrere Ortsgeschichten. Einen Überblick über seine Arbeit bietet sein im Pavelhaus-Verlag erschienenes Buch „Vom Leben an der Grenze. O življenju ob meji. Aufsätze zur Zeitgeschichte der südoststeirisch-slowenischen Grenzräume“.

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Franz Josef Schober. Rodil se je leta 1957 v Gradcu. Odraščal je v Račji vasi, kjer tudi stanuje. Je finančni uradnik in „domovinski raziskovalec“, pri čemer je pojem domovine kar obsežen. Poleg tega je tudi dopisnik pri zgodovinski deželni komisiji za avstrijsko Štajersko. Piše predvsem o zgodovini (nekdanjega) radgonskega okrožja, ki danes spada pod okrožje jugovzhodna Štajerska, in sosednjih, obmejnih slovenskih območij. Njegove objave najdemo v publikacijah Historičnega društva za avstrijsko Štajersko, jugovzhodnoštajerskega Domovinskega društva Vrbna in Pokrajinskega muzeja Murska Sobota, pa tudi v različnih zgodovinskih opisih številnih krajev. Pregled njegovih del najdemo v knjigi Vom Leben an der Grenze. O življenju ob meji. Auf­ sätze zur Zeitgeschichte der süd­ oststeirisch-slowenischen Grenz­ räume.

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Der Ort Cankova gehörte seit der Ersterwähnung (als „Kaltenprun siue Hydeghuth“) im Jahr 1366 zur ungarischen Herrschaft Felsölendva (Oberlimbach), die seit 1689 im Besitz der gräflichen Familie Nádasdy war.5 Beim Verkauf des „Gutes Oberlimbach“ (der Reste der ehemaligen Herrschaft) im Jahr 1856 durch Leopold Graf Nádasdy an Josef Fürst Dietrichstein-Proskau-Leslie wurde auch das herrschaftliche Gasthaus in Cankova erwähnt, als dessen Wirt 1856 Ferdinand Vogler (18211885) aufscheint.6

Vogler).8 Ferdinand Vogler war mit Juliane, geb. Gerenčer oder Gerencsér (1820-1876) verheiratet.9 Er dürfte wahrscheinlich erst nach 1847 der Wirt des herrschaftlichen Gasthauses des Grafen Nádasdy in Cankova geworden sein, denn der gemeinsame Sohn Georg wurde 1847 noch in Šalovci geboren. Ferdinand Vogler war dann offenbar auch unter den Gutsbesitzern Josef Fürst Dietrichstein-Proskau-Leslie und anschließend dessen Tochter Therese Gräfin Herberstein noch Betreiber des gutseigenen großen Gasthauses in Cankova.

Ferdinand Vogler (1821-1885) Ferdinand (ungarisch: Nándor) Vogler wurde am 25. September 1821 als Sohn des Gastwirtes Johann (ungarisch: Iván) Vogler (auch: Fogler) und der Barbara, geb. Faitl (1790-1880) in Šalovci (ungarisch: Sal) im nordöstlichen Prekmurje geboren.7 Dieser Ort gehörte einst ebenfalls zur bereits erwähnten Herrschaft in Grad. Es verwunderte daher nicht, dass anlässlich des Verkaufes des Gutes „Oberlimbach“ in Grad 1856 der Wirt des herrschaftlichen Gasthauses in Šalovci ein Johann Fogler war (entweder der Vater oder der gleichnamige Bruder von Ferdinand

Ferdinand Vogler scheint 1859 erstmals als Grundbesitzer in Cankova auf, als er gemeinsam mit seiner Gattin von den Erben nach dem 1858 verstorbenen Josef Fürst Dietrichstein-Proskau-Leslie den landwirtschaftlichen Besitz samt Haus in Cankova Nr. 16 (EZ 30, BP 53) kaufte. 1863 kaufte er ein weiteres Haus in Cankova Nr. 48 (EZ 4, BP 4), das er dann aber ein paar Jahre später wieder verkaufte. Besitzer des großen Gasthauses in Cankova Nr. 23 (EZ 57, BP 26, heute BP 774) wurde Ferdinand Vogler aber erst 1865.10

5 Ivan Zelko, Prekmurje do leta 1500. Murska Sobota 1982, S. 25 u. 39f. Die häufig für das Jahr 1212 genannte erstmalige urkundliche Erwähnung des Gebietes von Cankova trifft nicht zu, ebensowenig die für dieses Jahr angenommene erstmalige urkundliche Erwähung des Grenzbaches Kutschenitza (slowenisch: Kučnica). Siehe: Ivan Zelko, Zgodovina Prekmurja. Murska Sobota 1996, S. 21. Christa Schillinger-Prassl – Franz Josef Schober, Der ungarische Graf Franz/Ferenc IV. Nádasdy (gest. 1722) und seine Beziehungen zur Südoststeiermark (Ein Überblick). In: Feldbacher Beträge zur Heimatkunde der Südoststeiermark, H. 13. Feldbach 2014, S. 45ff. 6 Damijan Grlec, Zemljiško gospostvo Gornja Lendava v zgodnjem novem veku in do leta 1862. Diss. Univ. Maribor 2012, S. 69. 7 Die biografischen Daten konnten aus den Angaben am großen Familiengrab auf dem Friedhof in Cankova und den Matrikeln der Pfarre Cankova erhoben werden. Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle den Familien Obal, Smolniker und Vogler, die wertvolle Unterlagen zur Geschichte ihrer Vorfahren zu Verfügung stellten.

Die Gräfin Therese Herberstein (die Erbin nach ihrem Vater Josef Fürst Dietrichstein-Proskau-Leslie) hatte 1864 das Gut „Oberlimbach“ an die „Brüsseler Banque de Credit foncier et industriel“ („Belgische Bank“) verkauft, die den einstigen riesigen Gutsbesitz zerstückelte und in Teilen weiter verkaufte.11 Im Zuge dieser Transaktionen kaufte Ferdinand Vogler 1865 schließlich das bisherige herrschaftliche Gasthaus in Cankova Nr. 23 von der „Belgischen Bank“. 8 Josef Vogler (geb. 1817) und Johann Vogler (geb. 1819), die beiden älteren Brüder von Ferdinand Vogler, wurden ebenfalls in Šalovci geboren. 9 Der Familienname „Gelencsér“ auf ihrem Grabstein auf dem Familiengrab in Cankova dürfte ein Schreibfehler sein. 10 Grundbuch Murska Sobota, EZ 4, 30, 57 u. 148. 11 Tagespost 1.4.1864 (Bericht von W.P. = Wilhelm Wenzel Prášil).


Im Jahr 1873 übergab der damals erst 51-jährige Ferdinand Vogler das Gasthaus in Cankova samt den dazu gehörigen Gründen um den Kaufpreis von 5.000,-- Forint mit Rechtswirksamkeit per 1. Jänner 1874 an seinen Sohn Georg Vogler und dessen Gattin Theresia, geb. Raffel.12

Gasthauses in Rogašovci-Sv. Jurij genannt). Im Jahr der Hochzeit (1873) erhielten sie von seinem Vater Ferdinand Vogler – wie bereits erwähnt - das Gasthaus samt den dazu gehörigen Gründen um den Kaufpreis von 5.000,-- Forint mit Rechtswirksamkeit per 1. Jänner 1874.

Ferdinand Vogler verstarb 64-jährig am 2. Dezember 1885 in Cankova und wurde auf dem dortigen Friedhof an der Seite seiner bereits 1876 im Alter von 56 Jahren verstorbenen Gattin Juliane beigesetzt.13 Auch seine in Cankova 90-jährig verstorbene Mutter Barbara Vogler, geb. Faitl (1790-1880) fand ihre letzte Ruhestätte im Familiengrab.

Mit seiner Frau Theresia hatte Georg Vogler innerhalb von elf Jahren neun Kinder. Von diesen starben aber einige bereits im Kleinkindesalter, deren Grabsteine sich noch am Familiengrab in Cankova befinden. Von weiterer Bedeutung für die Familien- und Grenzlandgeschichte sind nachstehende Kinder aus der ersten Ehe: Karl Vogler (18771938), Ludmilla Vogler, verehelichte Uray (1878-1946) und Rudolf Vogler (1884-1952), die in der Folge noch eingehender behandelt werden. Der 1882 geborene Sohn Edmund Vogler soll später in Budapest gelebt haben (über ihn ließen sich noch keine näheren Lebensdaten erfahren).

Georg Vogler (1847-1919) Georg (ungarisch: György; slowenisch: Jurij) Vogler wurde am 15. April 1847 als Sohn des damals 25-jährigen Gastwirtes Ferdinand Vogler und der Juliane, geb. Gerenčer in Šalovci geboren. Die Familie übersiedelte später nach Cankova, wo der Vater im erwähnten Verkaufsurbar des Jahres 1856 als Gastwirt des dortigen herrschaftlichen Gasthauses genannt wurde, das er schließlich 1865 kaufte. Der 26-jährige Georg Vogler heiratete 1873 die aus dem nahen Rogašovci bei Sv. Jurij (deutsch: St. Georgen) stammende Theresia (ungarisch: Teréz), geb. Raffel (1856-1884). Sie war am 1. April 1856 geboren, also bei der Hochzeit 17 Jahre alt, und war die Tochter von Johann Raffel (er wurde im bereits mehrmals erwähnten Verkaufsurbar des Gutes „Oberlimbach“ aus dem Jahr 1856 als Gastwirt des herrschaftlichen 12 Übergabeurkunde v. 2.3.1873 (Kopie des ungarischen Originals u. deutsche Übersetzung), Privatbesitz Vogler. 13 Der Grabstein für Juliane Vogler, geb. Gerenčer (1820-1876) und ihre beiden ebenfalls im Jahr 1876 nur einige Tage vor ihr verstorbenen Enkeln Maria Vogler (18741876) und Ferdinand Vogler (1875-1876) ist der älteste auf dem Familiengrab in Cankova. Unter den im Kleinkindesalter verstorbenen Kinder finden sich auch noch zwei weitere Enkel: Georg Vogler (1881-1882) und Johann Vogler (1888-1888).

Auf den Spuren der Familie Vogler

Nach dem frühen Tod seiner erst 28-jährigen Gattin Theresia, geb. Raffel im Jahr 1884 war Georg Vogler Alleinbesitzer des großen Vogler-Gutes. Die todkranke Theresia Vogler hinterließ einen berührenden Abschiedsbrief an ihren Gatten und ihre Nachfolgerin(!) in Sorge um ihre minderjährigen Kinder. 1886 heiratete Georg Vogler in zweiter Ehe die aus Stegersbach (ungarisch: Szent-Elek) im heutigen Burgenland stammende Maria, geb. Gortan (18631952). Ein Trauzeuge bei dieser Hochzeit war der Gastwirt Johann Raffel (aus Rogašovci-Sv.Jurij/St. Georgen), der Bruder der ersten Frau von Georg Vogler. Aus dieser zweiten Ehe stammen sechs weitere Kinder, von denen Georg Vogler (1887-1975), Maria Vogler, verehelichte Horvat (1889-1983), Viktor Vogler (1892-1963) und Ernest Vogler (geb. 1898), ebenfalls nachstehend noch näher behandelt werden.

Georg Vogler war 1892 Mitbegründer der Feuerwehr Cankova und schließlich auch Feuerwehrhauptmann bis 1919.14 1892 erwarb er auch einen Weingarten in Vadarci (ungarisch: Tivadarcz oder Tiborfa), um dort den Wein für sein Gasthaus zu erzeugen. Neben dem Gasthaus in Cankova besaß er seit 1895 mit seiner Frau Maria auch das Gasthaus/Hotel „Zur Sonne“ in Radkersburg (Ungarstraße) Nr. 219 (ab 1936 Dr. Kamniker-Straße 5). Dieses erhielt dann später sein Sohn aus erster Ehe, Rudolf Vogler (1884-1952). Nach der ungarischen Volkszählung des Jahres 1900 gab es neben 397 Slowenen und 18 Ungarn auch 19 „Deutsche“ in Cankova, bei der Volkszählung 1910 lebten neben 461 Slowenen und 24 Ungarn auch noch 29 „Deutsche“ im damaligen Vashidegkút.15 In dieser deutschsprachigen Minderheit des Marktes Cankova werden wohl auch die Angehörigen der Familie Vogler enthalten sein. Georg Vogler starb am 26.10.1919 in Cankova und wurde im Familiengrab beigesetzt, wo heute noch der größte Grabstein an den „Gasthof und Realitätenbesitzer in Kaltenbrunn“ erinnert. Erbin seines Besitzes war seine zweite Frau Maria, geb. Gortan (Kortan) (18631952), die ihren Gatten noch über dreißig Jahre überlebte. Karl Vogler (1877-1938) Karl Vogler (ungarisch: Károly; slowenisch: Dragotin) wurde als ältester Sohn von Georg Vogler (1847-1919) und Theresia, geb. Raffel (1856-1884) am 9. Juli 1877 im elterlichen Haus in Cankova Nr. 23 (Gasthaus Vogler) geboren. Er war dann dort Fleischhauer bei seinem Vater und heiratete 27-jährig im Jahre 1904 die gleichaltrige Radkersburger Bürgerstochter Pauline Schmiderer. 14 100 let GD Cankova 1892-1992. Cankova 1892, S. 15ff. u. 90. 15 Matja Slavič, Naše Prekmurje. Zbrane razprave in članke (Hg. Viktor Vrbnjak). Murska Sobota 1999, S. 128 u. 150.

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1907 erwarb er im südlichen Teil von Cankova das Grundstück, auf dem er in der Folge die große einstöckige Vogler-Villa (damals Cankova Nr. 22, heute Nr. 19) erbaute, in der bereits 1908 sein Sohn Johann (Hans) Vogler geboren wurde.16 Karl Vogler, der auch Mitglied der von seinem Vater Georg Vogler mitbegründeten Feuerwehr von Cankova war, war noch zu Lebzeiten seines Vaters führend im elterlichen Handelsbetrieb tätig und wird 1925 auch noch als Doppelbesitzer im steirischen Zelting bei Radkersburg genannt. Im Jahr 1922 findet sich im Handelsregister seine Eintragung als Händler mit Rindern, Schweinen (lebend und geschlachtet), Viehexporten (u.a. Pferde bis in die Türkei) in Cankova und seine Ziegelei in Puconci. Im Handelsregister 1926 wurde noch der Handel mit Eiern, Geflügel und Wild eingetragen. Seit 1918 war er schon Besitzer der Ziegelei im nahen Puconci (Vorbesitzer war seit 1905 der Maurermeister Tividar Ratkol), wo er 1924 auch ein heute unter Denkmalschutz stehendes großes Verwaltungsgebäude errichtete. Er kam aber dann in große finanzielle Schwierigkeiten, die schließlich Anfang 1928 zur Versteigerung der Ziegelei führten, bei der diese gemeinsam von Ferdinand Hartner, Bela Berger und Janos Dobrai aus Murska Sobota ersteigert wurde.17 1928 musste auch die Villa in Cankova an den Industriellen Ferdinand Hartner aus Murska Sobota verkauft werden. Von diesem erwarben noch im selben Jahr Viktor Vogler (1892-1963), der Halbbruder von Karl Vogler, und Geza Horvat (1878-1945) aus Krajna gemeinsam die Villa. 1930 ging der Hälfteanteil von Viktor Vogler ins Eigentum 16 Grundbuch Murska Sobota, EZ 175. Bauplan im PAM/0088/011/00019 (Pokrajinski arhiv Maribor). 17 Franci Just (Hg.), Občina Puconci – The Municipality of Puconci – Gemeinde Puconci, Murska Sobota 2011, S. 47 u. 50. Slovenec, Ljubljana 21.3.1928, 4. Muravidék, Murska Sobota, 18.3.1928, S 2.

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seiner Schwester Maria Vogler, verehelichte Horvat (Gattin des Geza Horvat) über, die mit Ihrem Mann auch einige Zeit in der Vogler-Villa wohnte. 1932 wurde Irma Vogler, geb. Bac (19071976), die Gattin von Viktor Vogler, Eigentümerin der Villa. Ihre Besitznachfolgerin war ihre Tochter Helena Vidovič, welche 1979 die heute unter Denkmalschutz stehende Vogler-Villa an eine andere Familie verkaufte. Karl Vogler findet sich später als Pächter in Rimske Toplice (deutsch: Römerbad) bei Celje (deutsch: Cilli), wo er das Restaurant „Nova pošta“ (deutsch: „Neue Post“) betrieb. Er starb am 19. Jänner 1938 1938 in Rimske Toplice und wurde auch dort am Friedhof von Šmarjeta (deutsch: St. Margarethen) begraben.18 In Cankova erinnert auch ein Gedenkstein auf dem Vogler-Familiengrab an ihn. Seine Witwe Paulina, geb. Schmiderer (aus Radkersburg) suchte 1950 in Wien den Freitod (ihr Grab findet sich am katholischen Friedhof in Radkersburg). Nachstehend sollen noch die gemeinsamen Kinder von Karl Vogler und Pauline, geb. Schmiderer näher behandelt werden. Der älteste Sohn von Karl Vogler (18771938) und Paulina, geb. Schmiderer (1878-1950) war der am 6. Juli 1905 noch im Gasthaus (Cankova Nr. 23) geborene Karl (ungarisch: Károly; slowenisch: Dragotin) Vogler. Er war Holzhändler in Gratwein, als er 1941 die Ehe mit Hermine Breznik schloss. Sie hatten die gemeinsamen Töchter Karin und Sigrid. In den Kriegsjahren ab 1941 war er dann in der besetzten „Untersteiermark“ in Celja (deutsch: Cilli) im Einsatz. Später war er dann Holzhändler in Klagenfurt, wo er am 11. Dezember 1967 auch verstarb (sein Grab 18 Nova Doba, Celje 21.1.1938, S. 6. Mariborer Zeitung, 23.1.1938, S. 7 (Nachruf: „Als aufrechter deutscher Mann war er auch in slowenischen Kreisen der Bevölkerung gern gesehen.“). Murska Krajina, Murska Sobota 30.1.1938, S. 3.

befindet sich am katholischen Friedhof in Bad Radkersburg). Der am 18. Dezember 1908 bereits in der Vogler-Villa (Cankova Nr. 22) geborene Johann (Hans) Silvester Vogler war der nächste Sohn. Er war gelernter Fleischer und besuchte die Handelsschule in Graz. Er scheint 1924 auch als Mitglied der Feuerwehr Cankova auf. Johann Vogler arbeitete dann bei Verwandten im Gasthaus Raffel in Jennersdorf. Der Gastwirt Johann Raffel (1882-1937) aus Jennersdorf stammte wie Hans Voglers Großmutter Theresia, geb. Raffel (ca. 1856-1884) von der Gastwirtfamilie Raffel in Rogašovci-Sv. Jurij/St. Georgen (im Prekmurje) ab. Im Gasthaus Raffel in Jennersdorf lernte Johann Vogler Maria Zeiska (19122006) aus Wien kennen, die er 1933 heiratete. Er übersiedelte schließlich mit ihr nach Wien und sie hatten die beiden Kinder Jörg Hans und Eva-Maria. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er in Wien verhaftet und war dann zwei Jahre in jugoslawischer Gefangenschaft. Später baute er als Kaufmann einen großen Wild- und Geflügelhandel auf, der noch heute in dritter Generation von seinen Nachfahren betrieben wird. Johann Vogler war dann in zweiter Ehe mit Margit Holzinger aus Wien verheiratet. Er blieb weiterhin in Kontakt mit seinem Geburtsort Cankova und finanzierte 1983 die Elektrifizierung des Glockengeläutes der dortigen Pfarrkirche. Nach seinem Tod am 5. September 1988 in Wien wurde seine Urne schließlich auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin auch im Familiengrab in Cankova beigesetzt. Neben diesem ist auch noch der am 6. Jänner 1910 in Cankova Nr. 22 (Vogler-Villa) geborene Ferdinand Vogler, der letzte Sohn von Karl Vogler, für die Geschichte des steirisch-slowenischen Grenzraumes von Bedeutung. Er war nach 1933 als illegaler Nationalsozialist beteiligt, als am Felsen in Peggau oberhalb der Lurgrotte ein Hakenkreuz auf-


gemalt wurde und musste darauf Österreich verlassen. Er lebte während des Krieges in Berlin, wo er seine Frau Hilde ehelichte, mit der er drei Kinder hatte: Peter, Helga und Hannelore. Nach Kriegsende kehrte er nach Österreich zurück und wurde am 21. März 1946 bei einem illegalen Grenzübertritt nahe Cankova vermutlich von jugoslawischen Grenzsoldaten erschossen, sein Einzelgrab findet sich noch heute auf dem Friedhof von Cankova.19 In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde trotz der strengen Überwachung der Staatsgrenze (vor allem durch jugoslawischer Grenzsoldaten) häufig geschmuggelt. Ludmilla Vogler, verehelichte Uray (1878-1946) Ludmilla Vogler wurde am 9. November 1878 in Cankova geboren. Sie heiratete Atal Uray (1871-1936), einen Kaufmann (Eisenwarenhändler) in Radkersburg, Langgasse 48. Mit diesem hatte sie u.a. die Kinder Ludmilla Uray, verehelichte Smolniker (1904-1974), Atal Uray (1906-1986) und Bruno Uray (1911-1942), der wie sein vorgenannter Bruder am nationalsozialistischen Juliputsch 1934 in Radkersburg führend beteiligt war. Beide mussten nach dem Putsch nach Jugoslawien und dann nach Deutschland flüchten. Nach seiner Rückkehr machte Bruno Uray 1938 vorübergehend Karriere als NSDAP-Ortsgruppenleiter in Radkersburg, ehe er 1942 während des Wehrdienstes (auf eher mysteriöser Art) verstarb. Ludmilla Vogler, verehelichte Uray starb zehn Jahre nach ihrem Gatten am 8. September 1946 in Radkersburg, das Grab der beiden findet sich am dortigen katholischen Friedhof. Rudolf Vogler (1884-1952) Rudolf Vogler wurde am 9. Februar 1884 als letztes Kind von Georg Vogler 19 Am Grabstein für Ferdinand Vogler auf dem Friedhof Cankova steht irrtümlich das Sterbedatum 22.(!)3.1946.

Auf den Spuren der Familie Vogler

(1847-1919) aus dessen erster Ehe mit Theresia, geb. Raffel (1856-1884) in Cankova geboren. Er war dann Gasthaus- und Hotelbesitzer in Radkersburg, als er von seinem Vater Georg Vogler 1908 das Gasthaus/Hotel „Zur Sonne“ in Radkersburg (Ungarstraße) Nr. 219 (ab 1936 Dr. Kamniker-Straße 5) übernahm. 1908 heiratete er Stefanie, geb. Kontzer (1888-1956), die Tochter des früheren Pächters des Gasthauses „Zur Sonne“. Er hatte mit seiner Frau fünf Kinder: Stefanie Vogler, verehelichte Siftar (1909-1978) betrieb später das Gasthaus zur Sonne noch einige Zeit weiter. Die beiden Brüder Friedrich Vogler (geb. 1910 vermisst 1945) und Rudolf Vogler (1911-1944 in Frankreich) verloren ihr Leben als deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Dr. Georg Vogler (1913-1995) war später Tierarzt in Zell am See und der jüngste Sohn war schließlich Univ.Prof. Dr. Erich Vogler (1919-1997), der Ordinarius der Universitätsklinik für Radiologie in Graz war. In der Umbruchzeit 1945/46 lebten vorübergehend einige aus Jugoslawien geflüchtete oder vertriebene Mitglieder der Familie Vogler bei Rudolf Vogler in seinem Hotel „Zur Sonne“. Rudolf Vogler starb am 8. November 1954 in Radkersburg und wurde auf dem dortigen katholischen Friedhof beigesetzt. Georg Vogler (1887-1975) Georg (ungarisch: György oder Gyuri; slowenisch: Jurij) Vogler wurde am 13. Februar 1887 in Cankova als erster Sohn von Georg Vogler (1847-1919) und dessen zweiter Frau Maria, geb. Gortan (1863-1952) geboren. Er war dann als Agrar- und Forstingenieur Verwalter der umfangreichen Güter der Gräfin Zichy in Beltinci. Er bewohnte mit seiner Familie ein großes herrschaftliches Haus in Beltinci Nr. 3.

Georg Vogler heiratete 1927 die aus der Pfarre Gornja Lendava stammende Angela Šaruga (1903-1969), deren Vater Notar war. Sie hatten zwei Kinder: Dr. Gyuri (Georg) Vogler (geb. 1926), der später Arzt und Zahnarzt war, zuletzt in Györ. Die jüngere Tochter Angela Vogler, verehelichte Schulthess-Vogler lebte nach Zwischenstationen in Ungarn und Österreich in der Schweiz, wo sie auch ihre Lebenserinnerungen als Buch veröffentlichte: Angela Schulthess-Vogler, Bewegtes Leben. Zürich 2011. Georg Vogler wird 1927 als Mitglied der Elektrizitäts-Genossenschaft in Beltinci erwähnt. Er ließ sich in Murska Sobota ein eigenes Haus erbauen, das die Familie aber nie bewohnte (heute Kindergarten in der Prešernova ulica Nr. 10). Er fühlte sich als Ungar und begrüßte 1941 mit seiner Familie auch die Besetzung des Prekmurje durch Ungarn. Als Beltinci 1945 wieder zu Jugoslawien gehörte, wurde Vogler für seine ungarische Haltung für über 2 Jahre eingesperrt (u.a. im Lager Bresternica bei Maribor). Der Sohn Gyuri wurde ebenfalls bald abgeholt. Für zwei Tage wurde dieser sogar im Vogler-Haus im Murska Sobota festgehalten. Später konnte er fliehen und über Cankova nach Österreich zu seinem Onkel Rudolf Vogler („Hotel zu Sonne“) nach Radkersburg kommen. Angela Vogler, geb. Šaruga (die Gattin von Georg Vogler) und seine damals 14-jährige Tochter Angela wurden dann ebenfalls abgeholt und einige Zeit in der alten Schirmfabrik in Lendava eingesperrt. Mitte Jänner 1946 wollte der Sohn Gyuri seine Schwester Angela (die nun bei einer Tante in Beltinci wohnte) nach Österreich holen. Die beiden wurden aber am 16. Jänner 1946 von jugoslawischen Soldaten abgeholt und mit einem Lastwagen nach Murska Sobota gebracht, wo sie mit vielen anderen in Viehwaggons verladen und ausgesiedelt wurden. Die Fahrt ging vorerst nach Ungarn, wo die beiden in Szombathely fliehen konnten, wobei Gyuri auch eine

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leichte Schusswunde erlitt. Später traf sich die gesamte Familie wieder in Györ, wo sie zunächst ein halbes Haus kaufen konnte (Jahre später auch die zweite Hälfte). Während die Eltern und Gyuri schließlich in Györ verblieben, floh die Tochter Angela Vogler 1956 (ungarische Revolution) nach Österreich und kam später in die Schweiz, wo sie verblieb. Georg Vogler starb im Sept. 1975 in Györ in Ungarn, wo er auch neben seiner bereits 1969 verstorbenen Gattin beigesetzt wurde. Sein Sohn Dr. Gyuri Vogler starb ebenfalls in in Györ. Maria Vogler, verehelichte Horvat (1889-1983) Maria Vogler wurde am 26. August 1889 als Tochter von Georg Vogler (1847-1919) und Maria, geb. Gortan (1863-1952) in Cankova geboren. Sie war dann 1930-1932 gemeinsam mit Ihrem Gatten Geza Horvat (18781945) Besitzerin der einst von ihrem Halbbruder Karl Vogler erbauten Vogler-Villa, die sie dann 1932 an Irma Vogler, geb. Bac (1907-1976), die Frau ihres Bruder Viktor Vogler (1892-1963), verkaufte. Bereits 1945 starb ihr Mann Geza Horvat und sie lebte dann im Gasthaus Vogler in Cankova Nr. 23, wo sie auch in der Gastwirtschaft arbeitete. Maria Vogler, verehelichte Horvat starb am 12. Mai 1983 und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof Cankova beigesetzt. Viktor Vogler (1892-1963) Viktor Vogler, ein Sohn von Georg Vogler (1847-1919) aus dessen zweiter Ehe mit Maria, geb. Gortan (1863-1952) wurde am 3. Juli 1892 in Cankova geboren. Er war Gastwirt und Kaufmann in Cankova. Von 1924 bis 1930 war er auch Feuerwehrhauptmann und zumindest in den Jahren 1929-1938 war er Bürgermeister von Cankova.

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Im Handelsregister scheint er ab 1925 als Großhändler von Getreide (Weizen, Roggen, Buchweizen, Hafer und Bohnen) auf; er lieferte Getreide u.a. bis nach Triest. 1932 wird er als Händler mit lebendem und geschlachtetem Rindvieh und Schweinefleisch, mit Getreide, Weizen, Roggen, Buchweizen, Hafer und Bohnen erwähnt.20 Nach dem Konkurs seines Halbbruders Karl Vogler (1877-1938) und dessen Übersiedlung nach Rimske Toplice (Römerbad) war Viktor Vogler der wichtigste Vertreter der Familie Vogler in Cankova und es wurde ihm von seiner Mutter bis 1928 auch der umfangreiche Gutsbesitz samt Gasthaus in Cankova Nr. 23 übertragen. 1928 kaufte er gemeinsam mit seinem Schwager Geza Horvath die 1908 von Karl Vogler erbaute Vogler-Villa (Cankova Nr. 22) vom Industriellen Ferdinand Hartner aus Murska Sobota, die dieser nach der Insolvenz von Karl Vogler erworben hatte. 1930 verkaufte er seinen Anteil der der Villa an seine Schwester Maria Vogler, verehelichte Horvat (1889-1983). Viktor Vogler heiratete 1928 Irma, geb. Bac (1907-1976), die Tochter des Hoteliers Ludvik Bac aus Murska Sobota (Hotel Elefant). Er hatte mit seiner Frau Irma die gemeinsame Tochter Helena Vogler, verehelichte Vidovič (19311991). Bürgermeister Viktor Vogler und sein jüngerer Bruder Ernest Vogler (geb. 1898) wurden Anfang der 1930er Jahre unter den Vertrauensleuten des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes genannt.21 Nach dem Einmarsch der deutschen Soldaten im April 1941 übernahm Viktor Vogler (vermutlich nur vorübergehend) das Lokal und Lager des jüdischen Großhändlers Bela Ber-

20 Murska Krajina 31.7.1932, S. 4. 21 Liste der Vertrauensleute des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes in der Untersteiermark (Privatbesitz), S. 47.

ger in Murska Sobota.22 1945/46 meldete Viktor Vogler unter der damaligen Adresse Cankova Nr. 9 (damalige Hausnummer des Gasthofes Vogler, wo auch seine Mutter Maria Vogler, geb. Gortan lebte) noch seine erlittenen Kriegschäden an.23 Seine Frau Irma Vogler, geb. Bac (1907-1976) wurde damals unter der Adresse Cankova Nr. 10 (damalige Hausnummer der Villa Vogler, deren Besitzer sie ab 1932 war) geführt. Obwohl Viktor Vogler ein Angehöriger der deutschen Minderheit und Mitglied des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes war, blieb er von der Aussiedlung verschont, da sich viele Bewohner von Cankova für ihren ehemaligen langjährigen Bürgermeister einsetzten. Bei der nach dem Zweiten Weltkrieg vom jugoslawischen Staat durchgeführten Agrarreform wurde er aber als Großgrundbesitzer teilweise enteignet und so wurden auch die als Gasthaus dienenden Räume und der Keller im Haus Cankova Nr. 23 verstaatlicht. Das Obergeschoss des Hauses blieb aber Privateigentum. Viktor Vogler starb am 25.10.1963 in Cankova und wurde im dortigen Familiengrab beigesetzt. Seine am 3. Jänner 1931 geborene Tochter Helena Vogler, verehelichte Vidovič betrieb als Angestellte das damals noch verstaatlichte Gasthaus Vogler-Vidovič in Cankova Nr. 23. Dieses konnte die Familie Vidovič schließlich in den 1970er Jahren zurückkaufen. Helena Vogler war bereits seit 1970 mit Alojz Vidovič (1928-2005) verheiratet und sie war nach dem Tod ihrer Mutter Irma Vogler geb. Bac (1907-1976) von 1976-1979 auch Besitzerin der Vogler-Villa in Cankova Nr. 22 (heute Nr. 19). Mit dem Erlös des Verkaufes der 22 Ferid G. Keršovan, Spomini na gospodarsko in socialno Zivljenje v Prekmurju. In: Kronika. Ljubljana 1964, S. 180. Franc Kuzmič, Juden im Prekmurje. Ein historischer Abriss. In: Signal. Jahresschrift des Pavelhaus. Graz-Laafeld, Winter 2004/2005, S. 115. 23 Simona Velunšek, Okrajna komisija za vojno škodo 1945-1946 (Gornja Radgona, Murska Sobota, Slovenj Gradec). Maribor 1997, S. 222 u. 364.


Privatbesitz

Ansichtkarte aus Kaltenbrunn (Cankova) mit dem Hotel-Restaurant Vogler und der Villa Vogler (ca. 1910) Razglednica iz Cankove s hotelom/restavracijo Vogler in Vilo Vogler (iz približno leta 1910)

Vogler-Villa konnte die notwendige Renovierung des Daches des Gasthauses in Angriff genommen werden. Helena Vidovič verstarb am 18. Jänner 1991 und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof Cankova beigesetzt. Ihre Tochter Milenka Vidovič, verehelichte Obal ist heute mit ihrem Gatten Besitzerin des Gasthauses in Cankova Nr. 23. Ernest Vogler (geb. 1898) Der am 30. August 1898 in Cankova Nr. 23 geborene Ernest (ungarisch: Ernö) Vogler war das jüngste Kind von Georg Vogler (1847-1919) und Maria, geb. Gortan (1863-1952). Er war in den 1930er Jahren als Händler mit Fahrrädern, Motorrädern, Automobilen und deren Bestandteile in

Cankova tätig.24 Ende der 1930er Jahre wurde neben dem damaligen Bürgermeister Viktor Vogler auch Ernest Vogler in Cankova unter den Vertrauensleuten des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes (Vertretung der deutschen Minderheit in Jugoslawien) genannt.25 Ernst Vogler heiratete 1937 in Maribor die 1908 geborene Michaela (Hela) Vaupot, die seit 1933 Lehrerin in Cankova war (zuvor in Mačkovci).26 Die Ehe dürfte kinderlos geblieben sein. 1945/46 meldete Ernst Vogler unter 24 Murska Krajina, 31.7.1932, S. 4, u.a. 2.6.1935, S. 4, 29.3.1936, S. 3 u.12.4.1936, S. 4. 25 Liste der Vertrauensleute des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes in der Untersteiermark (Privatbesitz), S. 47. 26 Mariborski Večernik, 26.3.1937, S. 3. Murska Krajina, 3.9.1933, S. 2 u. 29.3.1937, S. 3. Stalež šolstva in u učiteljstva ter prosvetnih in kulturnih ustanov v Dravski banovini. Ljubljana 1934, S. 169 u. 171.

seiner damaligen Adresse Cankova Nr. 6 noch seine erlittenen Kriegsschäden an. Während sein Bruder Viktor Vogler und dessen Nachfahren auch nach 1945 noch in Cankova lebten, scheint Ernst Vogler später in Cankova nicht mehr auf. Seine weiteren Lebensdaten sind leider noch nicht bekannt. Das nun unter Denkmalschutz stehende Gasthaus Vogler wird seit einigen Jahren von der Familie Obal (Milenka Vidovič, verehelichte Obal ist die Enkelin des 1963 verstorbenen Viktor Vogler) mustergültig revitalisiert und mit neuem Leben erfüllt.27

27 Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije, Konservatorski program Cankova – Gostilna Vogler, Cankova 23. EŠD 6794, Maribor 2007.

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Po sledeh družine Vogler Iz Cankove/Vashidegkúta/ Kaltenbrunna � Franz Josef Schober � Katja Senekovič

Uvodne pripombe Današnje slovensko Prekmurje (madžarsko Muravidék, nemško Übermurgebiet) je vse do leta 1919 spadalo pod takratno Madžarsko. Leta 1919 so jugoslovanske vojaške enote na podlagi Pariške mirovne konference zasedle Prekmurje, kjer so že takrat živeli predvsem Slovenci, ter njegovo glavno mesto Mursko Soboto (madžarsko Muraszombat, nemško Olsnitz). Med 1941 in 1945 je Prekmurje začasno zopet spadalo pod Madžarsko, zatem ponovno pod Jugoslavijo, vse od leta 1991 pa je del Slovenije. Cankova (madžarsko Vashidegkút, nemško Kaltenbrunn), slovensko obmejno mesto, ki leži 5 km severovzhodno od avstrijske Radgone (nemško Bad Radkersburg, madžarsko Regede), na drugi strani obmejne reke Kučnice (nemško Kutschnitza), je imela pomembno gospodarsko vlogo. O tem priča tudi dejstvo, da so jo že ob obisku tamkajšnje župnije leta 1778 prvič razglasili za trg („oppidum Hidegkuth“).1 Prvo kapelo v Cankovi so zgradili leta 1717, ko je kraj še spadal pod župnijo Svetega Jurija (madžarsko Sz. György, nemško St. Georgen). Leta 1737 je cerkev dobila približno današnjo podobo, leta 1754 je bila ustanovljena župnija.2 Mestni trg v Cankovi, kjer je tudi rojstna hiša jezikoslovca, pesnika, etnologa in muzeologa Augusta Pavla (1886–1946), je danes po eni strani znan prav po tej župnijski cerkvi in po drugi po nekdanji mogočni enonadstropni gosposki gostilni, ki leži na nasprotni strani trga. Po ustnih izročilih naj bi ta gostilna nekoč spadala k lovskemu dvorcu gospoščine Felsölendva (nemško Oberlimbach) v današnjem Gradu (Gornji Lendavi).3 V Jožefinskem vojaškem zemljevidu (Josephinische Landesaufnahme) iz leta 1784 v kraju Kaltenbrun ali Hidegkút ali Szankovcze (današnji Cankovi) sicer ni govora o gradu, je pa poleg cerkve verjetno omenjena na novo zgrajena gostilna: „Kamnita cerkev s cerkvenim dvoriščem, grofovska hiša in na novo zgrajena kamnita gostilna.“ Prav tako pomembna za trg Cankovo je bila njegova lega, saj je bil na najpomembnejši cesti med avstrijsko štajersko Radgono in madžarskim Monoštrom (nemško St. Gotthard, madžarsko Szenthotthard).4

1 Ivan Zelko, Zgodovina Prekmurja. Murska Sobota 1996, s. 57. 2 Stanislav Zver – Franc Kuzmič (ur.), Škofija Murska Sobota. Zgodovinski oris krščanstva v Pomurju. Almanah ob ustanovitvi škofije Murska Sobota. Murska Sobota 2006, s. 248. 3 Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije, Konservatorski program Cankova – Gostilna Vogler, Cankova 23. EŠD 6794, Maribor 2007. 4 Vincenc Rajšp – Aleksandra Serše, Slovenija na vojaškem zemljevidu 1763–1787, opisi. Josephinische Landesaufnahme 1763–1787 für das Gebiet der Republik Slowenien, Landesbeschreibung, Bd. 7. Ljubljana 2001, S. 14f. [O Jožefinskem vojaškem zemljevidu 1763–1787 za področje Republike Slovenije, opisi, 7. zvezek. Ljubljana 2001, s. 14f.]

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Kraj Cankova je vse od prve omembe (kot „Kaltenprunsiue Hydeghuth“) leta 1366 spadal pod madžarsko gospostvo Gornja Lendava, danes Grad (nemško Oberlimbach), ki je bila od leta 1689 v lasti grofovske družine Nádasdy.5 Ko je grof Leopold Nádasdy gospostvo Gornja Lendava (ostanke nekdanjega gospostva) leta 1856 prodal knezu Jožefu Dietrichstein-Proskau-Lesliju, se omenja tudi gosposka gostilna v Cankovi, katere lastnik je bil leta 1856 Ferdinand Vogler (1821–1885).6 Ferdinand Vogler (1821–1885) Ferdinand (madžarsko Nándor) Vogler se je rodil 25. septembra 1821 v Šalovcih (madžarsko Sal), v severovzhodnem delu Prekmurja. Njegov oče je bil gostilničar Johann (madžarsko Ivan) Vogler (tudi Fogler), mati pa Barbara Vogler, rojena Faitl (1790–1880).7 Tudi Šalovci so nekoč spadali pod že imenovano gospostvo v Gradu. Prav zato ne preseneča, da je bil ob prodaji posestva Gornja Lendava v današnjem Gradu leta 1856 gostilničar gosposke gostilne v Šalovcih prav nek Johann Fogler (ali oče ali pa

5 Ivan Zelko, Prekmurje do leta 1500. Murska Sobota 1982, s. 25 u. 39f. Čeprav je bilo večkrat povedano, da je področje Cankove v listinah prvič omenjeno leta 1212, to ne drži, niti ni res, da je bila takrat prvič omenjena mejna reka Kučnica, glej: Ivan Zelko, Zgodovina Prekmurja. Murska Sobota 1996, s. 21. Christa Schillinger-Prassl – Franz Josef Schober, Der ungarische Graf Franz/Ferenc IV. Nádasdy (gest. 1722) und seine Beziehungen zur Südoststeiermark (Ein Überblick). In: Feldbacher Beträge zur Heimatkunde der Südoststeiermark, H. 13. Feldbach 2014, S. 45ff. [Christa Schillinger-Prassl – Franz Josef Schober, Madžarski grof Franc/Ferenc IV. Nádasdy (umrl 1722) in njegove veze z vzhodno-južno Štajersko, pregled]. 6 Damijan Grlec, Zemljiško gospostvo Gornja Lendava v zgodnjem novem veku in do leta 1862. Diz. Univ. Maribor 2012, s. 69. 7 Življenjepisne podatke smo pridobili s pomočjo podatkov na velikem družinskem grobu na pokopališču v Cankovi in matične knjige župnije Cankova. Ob tem se najlepše zahvaljujemo družinam Obal, Smolnikar in Vogler, ki so nam dale na voljo dragocene dokumente svojih prednikov ter nam s tem zelo pomagale.

Po sledeh družine Vogler

istoimenski brat Ferdinanda Voglerja).8 Ferdinand Vogler je bil poročen z Juliano, rojeno Gerenčer ali Gerencser (1820–1876).9 Najverjetneje je gosposko gostilno grofa Nádasdyja v Cankovi prevzel šele po letu 1847, kajti sin Georg se je zakoncema rodil še leta 1847 v Šalovcih. Ferdinand Vogler je nato očitno prevzel posest kneza Jožefa Dietrichstein-Proskau-Leslija in pozneje njegove hčerke grofice Tereze Herberstein ter postal lastnik velike gostilne v Cankovi. Ferdinand Vogler se kot zemljiški posestnik v Cankovi prvič pojavi leta 1859. Takrat sta namreč z ženo od dedičev kneza Jožefa Dietrichstein-Proskau-Leslija, ki je umrl 1858, kupila pokojnikovo kmetijsko posestvo skupaj s hišo na naslovu Cankova 16 (EZ 30, BP 53). Leta 1863 je Vogler v Cankovi kupil še hišo s hišno številko 48 (EZ 4, BP 4), ki pa jo je nekaj let zatem spet prodal. Ferdinand Vogler pa je postal lastnik velike gostilne na Cankovi 23 (EZ 57, BP 26, danes BP 774) šele leta 1865.10 Grofica Tereza Herberstein (dedinja po očetu Jožefu Dietrichstein-Proskau-Lesliju) je 1864 posestvo Gornja Lendava prodala bruseljski banki Brüsseler Banque de Credit foncier et industriel, ki je razdelila nekdanje ogromno posestvo na več delov in ga kot takega prodala naprej.11 Tako je Ferdinand Vogler od belgijske banke leta 1865 kupil takratno gosposko gostilno na Cankovi 23. Leta 1873 je takrat šele 51-letni Ferdinand Vogler gostilno v Cankovi skupaj s pripadajočo posestjo v vrednosti 5.000 forintov predal sinu Georgu Voglerju in 8 Josef Vogler (rojen 1817) in Johann Vogler (rojen 1819), starejša brata Ferdinanda Voglerja, sta se prav tako rodila v Šalovcih. 9 Priimek Gelencsér, kot je zapisan na njenem nagrobniku na družinskem grobu v Cankovi, je najverjetneje tiskarska napaka. 10 Zemljiška knjiga Murska Sobota, EZ 4, 30, 57 in 148. 11 Tagespost 1.4.1864 (Bericht von W.P. = Wilhelm Wenzel Prášil). [Časnik Tagespost, 1. 4. 1865, članek Wilhelma Wenzla Prášila.]

njegovi ženi Theresii, rojeni Raffel, ob čemer je posest uradno prešla v njuno last s 1. januarjem 1874.12 64-letni Ferdinand Vogler je umrl 2. decembra 1885 v Cankovi, pokopali so ga na tamkajšnjem pokopališču, in sicer poleg njegove pokojne žene Juliane, ki je umrla že leta 1876, ko je imela 56 let.13 Tudi njegova 90-letna mati Barbara Vogler, rojena Faitl (1790–1880), je pokopana v družinskem grobu v Cankovi. Georg Vogler (1847–1919) Georg (madžarsko György, slovensko Jurij) Vogler se je rodil 15. aprila 1847 v Šalovcih, in sicer očetu Ferdinandu Voglerju, takrat 25-letnemu gostilničarju, ter materi Juliani, rojeni Gerenčer. Družina se je pozneje preselila v Cankovo, kjer je, kot vemo iz kupo-prodajne pogodbe iz leta 1856, oče prevzel tamkajšnjo gosposko gostilno, leta 1865 jo je tudi kupil. 26-letni Georg Vogler se je leta 1873 poročil s Theresio (madžarsko Teréz), rojeno Raffel (1856–1884), iz Rogaševcev pri Sv. Juriju (nemško St. Georgen). Rodila se je 1. aprila 1856, kar pomeni, da se je poročila pri 17 letih. Bila je hčerka Johanna Raffela, gostilničarja gosposke gostilne v Rogaševcih pri Sv. Juriju, čigar ime se pojavi v že večkrat omenjeni kupo-prodajni pogodbi posestva Gornja Lendava iz leta 1856. Ko sta se Theresia in Georg leta 1873 poročila, je Georg od očeta Ferdinanda Voglerja – kot že rečeno – prejel gostilno z vso pripadajočo posestjo v vrednosti 5.000 forintov, gostilna pa je uradno 12 Übergabeurkunde v. 2.3.1873 (Kopie des ungarischen Originals u. deutsche Übersetzung), Privatbesitz Vogler. [Listina o predaji lastnine z dne 2. 3. 1873, kopija madžarskega originala in nemški prevod, zasebna lastnina Voglerjevih.] 13 Nagrobniki Juliane Vogler, rojene Gerenčer (1820–1876), ter njenih vnukov, Marie Vogler (1874–1876) in Ferdinanda Voglerja (1875–1876), ki sta umrla le nekaj dni pred njo, prav tako leta 1876, so najstarejši na družinskem grobu v Cankovi. Med otroke, ki so umrli že v ranem otroštvu, spadata še vnuka Georg Vogler (1881–1882) in Johann Vogler (1888–1888).

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prešla v njegovo last s 1. januarjem 1874. Z ženo Theresio je Georg imel 9 otrok v roku 11 let. Od teh jih je nekaj umrlo že v ranem otroštvu, njihove nagrobnike pa še danes najdemo v skupnem družinskem grobu v Cankovi. Za družinsko in obmejno preteklost so pomembni sledeči otroci iz Georgovega prvega zakona, in sicer Karl Vogler (1877–1938), Ludmilla Vogler, poročena Uray (1878– 1946), in Rudolf Vogler (1884–1952), ki sledijo podrobneje v nadaljevanju. Sin Edmund Vogler, ki se je rodil leta 1882, naj bi pozneje živel v Budimpešti, vendar nimamo nobenih natančnih podatkov o njegovem rojstvu in smrti. Po rani smrti svoje šele 28-letne žene Theresie, rojene Raffel, leta 1884 je Georg Vogler postal edini lastnik velikega premoženja Voglerjevih. Na smrt bolna Theresia Vogler je v ganljivem poslovilnem pismu svojemu možu in svoji naslednici (!) predala skrb za svoje mladoletne otroke. Leta 1886 se je Georg Vogler ponovno poročil. Njegova druga žena Marija, rojena Gortan (1863–1952), je prihajala iz kraja Stegersbach (madžarsko Szent-Elek) v današnji Gradiščanski v Avstriji. Njuna poročna priča je bil gostilničar Johann Raffel iz Rogaševcev pri Sv. Juriju (nemško St. Georgen), brat Georgove prve žene Theresie. V drugem zakonu se je Georgu rodilo 6 otrok, med njimi Georg Vogler (1887– 1975), Maria Vogler, poročena Horvat (1889–1983), Viktor Vogler (1892– 1963) in Ernest Vogler (rojen 1898), ki sledijo podrobneje v nadaljevanju. Georg Vogler je leta 1892 soustanovil gasilsko društvo v Cankovi, pozneje je bil tudi načelnik vse do leta 1919.14 Leta 1892 je kupil vinograd v Vadarcih (madžarsko Tivadarcz ali Tiborfa), kjer je iz grozdja prideloval vino za svojo gostilno. Poleg gostilne v Cankovi sta 14 100 let GD Cankova 1892–1992. Cankova 1892, s. 15ff. in 90.

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imela z ženo od leta 1895 v lasti še gostilno/hotel Zur Sonne v Radgoni na ulici Ungarstraße 219, ki se od leta 1936 imenuje Dr. Kamniker-Straße 5. To posestvo je nato prešlo v roke Georgovega sina Rudolfa Voglerja (1884– 1952) iz prvega zakona. Po popisu prebivalstva na Madžarskem leta 1900 so poleg 397 Slovencev in 18 Madžarov v Cankovi zabeležili tudi 18 „Nemcev“, leta 1910 so v takratnem Vashidegkútu zabeležili 461 Slovencev, 24 Madžarov in 29 „Nemcev“.15 Med to nemško govorečo manjšino v trgu Cankova so bili najverjetneje tudi člani družine Vogler. Georg Vogler je umrl 26. 10. 1919 v Cankovi, položili so ga v družinski grob, kjer ima ta „gostilničar in posestnik iz Cankove“ še danes največji nagrobnik, ki spominja nanj. Njegova dedinja je bila njegova druga žena Marija, rojena Gortan (Kortan) (1863–1952), ki je po smrti svojega moža živela še več kot 30 let. Karl Vogler (1877–1938) Karl Vogler (madžarsko Karoly, slovensko Dragotin) je bil najstarejši sin Georga Voglerja (1847–1919) in Theresie, rojene Raffel (1856–1884). Rodil se je 9. julija 1877 v družinski hiši na Cankovi 23 (v Gostilni Vogler). Tam je nato kot mesar delal pri svojem očetu in se 1904 pri 27 letih poročil z enako staro Paulino Schmiderer iz radgonske meščanske družine. Leta 1907 je kupil zemljiško posest v južnem delu Cankove, kjer je zgradil veliko enonadstropno Vilo Vogler (takrat na Cankovi 22, danes 9), v kateri se je že leta 1908 rodil njegov sin Johann (Hans) Vogler.16

takrat, ko je bil ta še živ. Leta 1925 je bil namreč naveden kot drugi lastnik v takratni štajerski Radgoni (danes nemško Bad Radkersburg, takrat Zelting pri Radgoni). Leta 1922 je v trgovinskem registru zapisan kot govedorejec, prašičerejec (trgoval je tako z živečimi kot zaklanimi prašiči), izvažal pa je tudi živali, npr. konje vse do Turčije. Poleg tega pa je imel še opekarno v Puconcih. Leta 1926 je v registru omenjen le še kot trgovec z jajci, perutnino in divjadjo. Že od leta 1918 je bil lastnik opekarne v bližnjih Puconcih (pred tem je od 1905 pripadala zidarskemu mojstru Tivadarju Ratkolu), kjer je leta 1924 zgradil veliko upravno poslopje, ki je danes pod spomeniškim varstvom. Nato je imel velike finančne težave, zaradi česar je na dražbi v začetku leta 1928 izgubil opekarno, ki so jo skupaj kupili Ferdinand Hartner, Bela Berger in Jonas Dobrai iz Murske Sobote.17 Leta 1928 je moral prodati tudi vilo v Cankovi, in sicer industrialcu Ferdinandu Hartnerju iz Murske Sobote, ta pa jo je nato še isto leto prodal Viktorju Voglerju (1892–1963), polbratu Karla Voglerja, in Gezi Horvatu (1878–1945) iz Krajne, ki sta bila potem skupna lastnika vile. Leta 1930 je polovični del lastništva Viktorja Voglerja prevzela njegova sestra Maria Vogler, poročena Horvat (žena Geze Horvata), ki je nekaj časa z možem živela v Vili Vogler. 1932 je Irma Vogler, rojena Bac (1907–1976), žena Viktorja Voglerja, postala lastnica vile. Po njej jo je dedovala njena hčerka Helena Vidovič, ki je vilo, ki danes stoji pod spomeniškim varstvom, leta 1979 prodala drugi družini.

Karl Vogler, ki je bil tako kot njegov oče član gasilskega društva v Cankovi, je bil pri očetovi obrtni dejavnosti glavni že

Karl Vogler je bil pozneje zakupnik v Rimskih Toplicah (nemško Römerbad) pri Celju (nemško Cilli), kjer je imel restavracijo Nova pošta (nemško Neue Post). Umrl je 19. januarja 1938 v Rim-

15 Matja Slavič, Naše Prekmurje. Zbrane razprave in članki (ur. Viktor Vrbnjak). Murska Sobota 1999, s. 128 in 150. 16 Zemljiška knjiga Murska Sobota, EZ 175. Gradbeni načrt v PAM/0088/011/00019 (Pokrajinski arhiv Maribor).

17 Franci Just (ur.), Občina Puconci – The Municipality of Puconci – Gemeinde Puconci, Murska Sobota 2011, s. 47 in 50. Slovenec, Ljubljana 21. 3. 1928, 4. Muravidék, Murska Sobota, 18. 3. 1928, s. 2.


skih Toplicah, kjer je pokopan na pokopališču Šmarjeta (nemško St. Margarethen).18 V Cankovi ima v družinskem grobu tudi spomeniški kamen. Njegova vdova Paulina, rojena Schmiderer, iz Radgone je leta 1950 na Dunaju naredila samomor. Njen grob leži na katoliškem pokopališču v Radgoni. V nadaljevanju sledijo podrobnejše predstavitve skupnih otrok Karla Voglerja in Pauline, rojene Schmiderer. Karl (madžarsko Karoly, slov. Dragotin) Vogler, najstarejši sin Karla Voglerja (1887–1938) in Pauline, rojene Schmiderer (1878–1950), se je rodil 6. julija 1905 še v gostilni na Cankovi 23. Bil je trgovec z lesom v Gratweinu, ko se je leta 1941 poročil s Hermino Breznik. Rodili sta se jima hčerki Karin in Sigrid. V vojnih letih po 1941 je služil v zasedeni „Spodnji Štajerski“ v Celju (nemško Cilli). Pozneje je trgoval z lesom v Celovcu, kjer je 11. decembra 1967 tudi umrl. Njegov grob leži na katoliškem pokopališču v Radgoni. Drugi sin je bil Johann (Hans) Silvester Vogler, ki se je rodil 18. decembra 1908 v Vili Vogler na Cankovi 22. Bil je izučen mesar, obiskoval je trgovsko šolo v Gradcu. Leta 1924 se pojavi tudi kot član gasilskega društva v Cankovi. Johann Vogler je nato delal pri sorodnikih v gostilni Raffel v Ženavcih (nemško Jennersdorf). Gostilničar Johann Raffel (1882–1937) iz Ženavcev je tako kot stara mama Hansa Voglerja, Theresia, rojena Raffel (približno 1856–1884), prihajala iz gostilniške družine Raffelovih v Rogaševcih pri Sv. Juriju (nemško St. Georgen) v Prekmurju. V gostilni Raffel v Ženavcih je Johann Vogler spoznal Mario Zeiska (1912–2006) z Dunaja, s katero sta se 1933 tudi poročila. Pozneje sta se skupaj preselila na Dunaj, imela sta tudi dva otroka po 18 Nova Doba, Celje 21. 1. 1938, s. 6. Mariborer Zeitung, 23. 1. 1938, S. 7 (Nachruf: „Als aufrechter deutscher Mann war er auch in slowenischen Kreisen der Bevölkerung gern gesehen.“). Murska Krajina, Murska Sobota 30. 1. 1938, s. 3.

Po sledeh družine Vogler

imenu Jörg Hans in Eva-Maria. Po drugi svetovni vojni so ga aretirali na Dunaju, kjer je bil dve leti v jugoslovanskem ujetništvu. Pozneje je bil velik trgovec z divjadjo in perutnino, s tem poslom se danes še tri generacije pozneje ukvarjajo njegovi nasledniki. Johann Vogler se je nato poročil z Margit Holzinger z Dunaja. Vseskozi je ostajal v stiku s svojo rojstno vasjo Cankova, kjer je leta 1983 financiral tudi elektrifikacijo zvonjenja zvonov v tamkajšnji župnijski cerkvi. Po njegovi smrti 5. septembra 1988 na Dunaju so na njegovo izrecno željo njegovo žaro položili v skupni družinski grob v Cankovi. Poleg prej omenjenega Johanna je za zgodovino avstrijsko- in slovenskoštajerskega obmejnega območja pomemben tudi zadnji sin Karla Voglerja Ferdinand Vogler, ki se je rodil 6. januarja 1910 na Cankovi 22 (v Vili Vogler). Leta 1933 je kot nelegalni nacionalni socialist sodeloval pri risanju kljukastega križa na skali v Peggau nad jamo Lurggrotte na avstrijskem Štajerskem, zaradi česar je moral zapustiti Avstrijo. Med vojno je živel v Berlinu, kjer se je poročil s Hildo, s katero sta imela 3 otroke, in sicer Petra, Helgo in Hannelore. Po vojni se je vrnil v Avstrijo. 21. marca 1946 so ga najverjetneje ustrelili jugoslovanski mejni vojaki, ko je skušal na nelegalen način prečkati mejo blizu Cankove. Njegov grob še danes leži na pokopališču v Cankovi.19 Po drugi svetovni vojni so ljudje veliko tihotapili čez mejo, čeprav so predvsem jugoslovanski vojaki strogo nadzorovali državno mejo. Ludmilla Vogler, poročena Uray (1878– 1946) Ludmilla Vogler se je rodila 9. novembra 1878 v Cankovi. Poročila se je z Atalom Urayem (1871–1936), trgovcem z železnino v Radgoni na Langgasse 48. V zakonu so se jima med drugimi rodili otroci Ludmilla Uray, poročena Smolniker (1904–1974), Atal Uray (1906–1986) 19 Na nagrobniku Ferdinanda Voglerja na pokopališču v Cankovi je naveden napačen dan smrti (22. 3. 1946).

in Bruno Uray (1911–1942), ki je tako kot njegov prej omenjeni brat sodeloval pri nacionalsocialističnem državnem udaru julija 1934 v Radgoni in bil celo med vodilnimi tega udara. Po tem dogodku sta morala oba zapustiti državo in pobegniti najprej v Jugoslavijo, nato pa v Nemčijo. Po njegovi vrnitvi leta 1938 je bil Bruno Uray vse do svoje smrti leta 1942, ko je na dokaj skrivnosten način umrl med služenjem, nekaj časa tudi vodja radgonske krajevne nacionalsocialistične nemške delavske stranke (nemško NSDAP). Ludmilla Vogler, poročena Uray, je umrla deset let po smrti svojega moža, in sicer 8. septembra 1946 v avstrijski Radgoni, oba sta pokopana na tamkajšnjem katoliškem pokopališču. Rudolf Vogler (1884–1952) Rudolf Vogler se je rodil 9. februarja 1884 v Cankovi. Bil je zadnji sin Georga Voglerja (1847–1919) iz njegovega prvega zakona s Theresio, rojeno Raffel (1856–1884). Po tem, ko je od očeta prevzel gostilno/hotel Zur Sonne v Radgoni na ulici Ungarstraße 219, ki se od leta 1936 imenuje Dr. Kamniker-Straße 5, je postal lastnik tako gostilne kot tudi hotela v avstrijski Radgoni. Leta 1908 se je poročil s Stefanie, rojeno Kontzer (1888–1956), hčerko prejšnjega zakupnika gostilne Zur Sonne. Skupaj sta imela 5 otrok, in sicer Stefanie, Friedricha, Rudolfa, Georga in Ericha. Stefanie Vogler, poročena Siftar (1909– 1978), je pozneje prevzela gostilno in se z njo ukvarjala še nekaj časa. Njena brata Friedrich Vogler (rojen 1910, pogrešan 1945) in Rudolf Vogler (1911– 1944 v Franciji) sta umrla kot nemška vojaka v vojni. Dr. Georg Vogler (1913– 1995) je bil pozneje živinozdravnik v kraju Zell am See, najmlajši Rudolfov sin pa je bil univerzitetni profesor dr. Erich Vogler (1919–1997), ordinarij radiologije na univerzitetni kliniki v Gradcu.

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Med prelomnima letoma 1945 in 1946 so nekateri člani družine Vogler, ki so zbežali iz Jugoslavije ali pa bili pregnani, živeli pri Rudolfu Voglerju v njegovem hotelu Zur Sonne. Rudolf Vogler je umrl 8. novembra 1954 v Radgoni, pokopan je na tamkajšnjem katoliškem pokopališču. Georg Vogler (1887–1975) Georg (madžarsko György ali Gyuri, slov. Jurij) Vogler se je rodil 13. februarja 1887 v Cankovi kot prvi sin Georga Voglerja (1847–1919) in njegove druge žene Marie, rojene Gortan (1863– 1952). Bil je kmetijski in gozdni inženir, istočasno pa tudi upravnik velikih posesti grofice Zichy v Beltincih. Z družino je živel v veliki gosposki hiši na Beltincih 3. Georg Vogler se je leta 1927 poročil s hčerko notarja Angelo Šaruga (1903– 1969), ki je prihajala iz župnije Gornja Lendava. Skupaj sta imela dva otroka. Sin, dr. Gyuri (Georg) Vogler, rojen 1926, je bil pozneje zdravnik in zobozdravnik, nazadnje v Györu, mlajša hčerka Angela Vogler, poročena Schulthess-Vogler, pa je izmenično živela na Madžarskem, v Avstriji in v Švici, kjer je v knjigi objavila svoje življenjske spomine (Angela Schulthess-Vogler, Bewegtes Leben, Zürich 2011). Georg Vogler je 1927 omenjen kot član zadruge električarjev v Beltincih. Nato si je v Murski Soboti zgradil svojo hišo, v kateri pa družina ni nikoli živela in kjer je na Prešernovi ulici 10 danes otroški vrtec. Georg Vogler je čutil, da je po narodnosti Madžar, zato se je leta 1941 veselil, ko je Madžarska zasedla Prekmurje. Ko so bili Beltinci leta 1945 spet del Jugoslavije, so Voglerja kaznovali za njegovo javno izraženo pripadnost Madžarski ter ga za več kot dve leti zaprli (med drugim v taborišče Bresternica pri Mariboru). Kmalu so ujeli tudi njegovega sina Gyurija in ga dva dni zadrževali prav v hiši Voglerjevih v Murski Soboti.

Pozneje je zbežal in preko Cankove prispel do svojega strica Rudolfa Voglerja v avstrijski Radgoni, kjer je ta imel svoj hotel Zur Sonne. Tudi ženo Georga Voglerja, Angelo Vogler, rojeno Šaruga, ter njuno takrat 14-letno hčerko Angelo so kmalu ujeli in ju nekaj časa zadrževali v stari tovarni dežnikov in senčnikov v Lendavi. Sredi januarja 1946 je sin Gyuri svojo sestro Angelo, ki je takrat že živela pri teti v Beltincih, nameraval spraviti v Avstrijo, vendar so ju 16. januarja 1946 ujeli jugoslovanski vojaki in ju v tovornjaku odpeljali v Mursko Soboto, kjer so ju skupaj s številnimi drugimi naložili v vagone za živino in jih izselili. Najprej so se napotili na Madžarsko, kjer sta brat in sestra v kraju Sombotel (madžarsko Szombathely, nemško Steinemanger) uspela zbežati, pri čemer pa so Gyurija ustrelili, a je šlo le za lažjo strelno rano. Pozneje se je družina ponovno zbrala v Gjuru (Györu), kjer so najprej lahko kupili le polovico hiše, leta zatem še drugo. Medtem ko so starši in Gyuri ostali v Györu, je hči Angela Vogler leta 1956 med madžarsko revolucijo pobegnila v Avstrijo in pozneje v Švico, kjer je tudi ostala. Georg Vogler je umrl septembra 1975 v Györu na Madžarskem, kjer so ga pokopali poleg njegove pokojne žene, ki je umrla že leta 1969. Njegov sin dr. Gyuri Vogler je prav tako umrl v Györu. Maria Vogler, poročena Horvat (1889–1983) Maria Vogler se je rodila 26. avgusta 1889 očetu Georgu Voglerju (1847– 1919) in materi Marii, rojeni Gortan (1863–1952), v Cankovi. Med 1930 in 1932 sta z možem Gezo Horvatom (1878–1945) imela v lasti Vilo Vogler, ki jo je nekoč zgradil Marijin polbrat Karl Vogler. Pozneje, leta 1932, jo je prodala Irmi Vogler, rojeni Bac (1907– 1976), ženi svojega brata Viktorja Voglerja (1892–1963). Njen mož Geza Horvat je umrl že leta 1945. Maria Vogler je nato živela v gostilni Vogler na

Cankovi 23, kjer je tudi delala. Maria Vogler, poročena Horvat, je umrla 12. maja 1983. Položena je bila v družinski grob na pokopališču v Cankovi. Viktor Vogler (1892–1963) Viktor Vogler, eden izmed sinov Georga Voglerja (1847–1919) iz njegove druge zakonske zveze z Mario, rojeno Gortan (1863–1952), se je rodil 3. julija 1892 v Cankovi. Bil je gostilničar in trgovec v Cankovi. Med 1924 in 1930 je bil tudi načelnik gasilskega društva in vsaj med 1929 in 1938 tudi župan občine Cankova. V trgovskem registru je zapisano, da je bil od 1925 velik trgovec z žitom (s pšenico, z ržjo, z ajdo, z ovsom in s fižolom), med drugim je žito dostavljal vse do Trsta. Leta 1932 je omenjen kot trgovec z govedom in prašiči, tako živimi kot zaklanimi, ter žitom (s pšenico, z ržjo, z ajdo, z ovsom in s fižolom).20 Po stečaju polbrata Karla Voglerja (1877–1938) in njegovi preselitvi v Rimske Toplice (nemško Römerbad), je bil Viktor Vogler glavni zastopnik družine Vogler v Cankovi. Njegova mati je do 1928 nanj prepisala tudi veliko kmetijsko posestvo skupaj z gostilno na Cankovi 23. Leta 1928 sta s svakom Gezo Horvatom kupila Vilo Vogler na Cankovi 22, ki jo je leta 1908 zgradil Karl Vogler. Kupila sta jo od industrialca Ferdinanda Hartnerja iz Murske Sobote, ki je vilo dobil v last po stečaju Karla Voglerja. Leta 1930 je Viktor Vogler prodal svoj del sestri Marii Vogler, poročeni Horvat (1889–1983). Viktor Vogler se je leta 1928 poročil z Irmo, rojeno Bac (1907–1976), hčerko hotelirja Ludvika Baca iz Murske Sobote (Hotel Slon). Skupaj sta imela hčerko Heleno Vogler, poročeno Vidovič (1931– 1991). Župan Viktor Vogler in njegov mlajši brat Ernest Vogler (rojen 1898) sta v začetku 30. let z vidika Švabsko-nemške kulturne zveze (Schwäbisch-Deut20 Murska Krajina 31. 7. 1932, s. 4.

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scher Kulturbund) veljala za zaupanja vredni osebi.21 Po prihodu nemških vojakov aprila 1941 je Viktor Vogler (verjetno le začasno) prevzel lokal in skladišče velikega židovskega trgovca Bele Bergerja v Murski Soboti.22 1945/1946 je Viktor Vogler še na takratnem naslovu Cankova 9 (takratna hišna številka gostilne Vogler, kjer je živela tudi njegova mati Maria Vogler, rojena Gortan) prijavil škodo, ki jo je utrpel v vojni.23 Njegova žena Irma Vogler, rojena Bac (1907–1976), je bila takrat prijavljena na naslovu Cankova 10 (takratni naslov Vile Vogler, ki je bila od 1932 v njeni lasti). Čeprav je bil Viktor Vogler del nemške manjšine in član Švabsko-nemške kulturne zveze, ga niso izselili, saj se je veliko meščanov Cankove zavzelo za takratnega dolgoletnega župana. Po agrarni reformi, ki jo je po drugi svetovni vojni izpeljala Jugoslavija, pa je veleposestnik izgubil dele svojega premoženja in tako sta v državno last prešli tudi gostilna in klet v hiši na Cankovi 23. Zgornje nadstropje hiše je bilo še naprej zasebna lastnina. Viktor Vogler je umrl 25. 10. 1963 v Cankovi, položen je bil v tamkajšnji družinski grob.

21 Liste der Vertrauensleute des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes in der Untersteiermark (Privatbesitz), S. 47. [Seznam zaupnikov Švabsko-nemške kulturne zveze v Spodnji Stajerski (zasebna lastnina), s. 47.] 22 Ferid G. Keršovan, Spomini na gospodarsko in socialno življenje v Prekmurju, v: Kronika. Ljubljana 1964, s. 180. Franc Kuzmič, Judje v Prekmurju. Zgodovinski očrt, v: Signal (2004/2005), s. 115. 23 Simona Velunšek, Okrajna komisija za vojno škodo 1945–1946 (Gornja Radgona, Murska Sobota, Slovenj Gradec). Maribor 1997, s. 222 in 364.

Po sledeh družine Vogler

Njegova hči Helena Vogler, poročena Vidovič, ki se je rodila 3. januarja 1931, je prevzela gostilno Vogler-Vidovič na Cankovi 23, ki je bila takrat še v državni lasti. V 70. letih pa je družina Vidovič kupila gostilno. Helena Vidovič je bila že od 1970 poročena z Alojzom Vidovičem (1928–2005), po smrti svoje mame Irme Vogler, poročene Bac (1907– 1976), je med 1976 in 1979 prevzela Vilo Vogler na Cankovi 22 (danes 19). Z izkupičkom od prodaje Vile Vogler so lahko renovirali streho gostilne, katere prenova je bila že potrebna. Helena Vidovič je umrla 18. januarja 1991, pokopana je v družinskem grobu v Cankovi.

1945/1946 je Ernst Vogler na svojem takratnem naslovu na Cankovi 6 prijavil škodo, ki jo je utrpel med vojno. Medtem ko so njegov brat Viktor Vogler in njegovi nasledniki ostali v Cankovi tudi po 1945, podatki o nadaljnjem življenju Ernesta Voglerja zaenkrat še niso znani, v Cankovi se ne pojavi več. Za gostilno Vogler, ki danes stoji pod spomeniškim varstvom, že nekaj let vzorno skrbi in jo ohranja družina Obal (Milenka Vidovič, poročena Obal, vnukinja Viktorja Voglerja, ki je umrl 1963).27

Njena hči Milenka Vidovič, poročena Obal, je danes z možem lastnica gostilne na Cankovi 23. Ernest Vogler (rojen 1898) Ernest (tudi Ernst, madžarsko Ernö) Vogler se je rodil 30. avgusta 1898 na Cankovi 23. Bil je najmlajši otrok Georga Voglerja (1847–1919) in Marie, rojene Gortan (1863–1952). V 30. letih je v Cankovi trgoval s kolesi, motornimi kolesi, avti in avtomobilskimi rezervnimi deli.24 Konec 30. let je tako kot takratni župan Viktor Vogler tudi Ernest Vogler v Cankovi sodil med zaupanja vredne osebe Švabsko-nemške kulturne zveze, imenovalo ga je zastopstvo nemške manjšine v Jugoslaviji.25 Ernst Vogler se je leta 1937 v Mariboru poročil z Michaelo (Helo) Vaupot, ki je bila od leta 1933 učiteljica v Cankovi, pred tem v Mačkovcih.26 Najverjetneje nista imela otrok.

24 Murska Krajina, 31. 7. 1932, s. 4, in 2 .6. 1935, s. 4, 29. 3. 1936, s. 3, in 12. 4. 1936, s. 4. 25 Liste der Vertrauensleute des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes in der Untersteiermark (Privatbesitz), S. 47. [Seznam zaupnikov Švabsko-nemške kulturne zveze v Spodnji Stajerski (zasebna lastnina), s. 47.] 26 Mariborski Večernik, 26. 3. 1937, s. 3. Murska Krajina, 3. 9. 1933, s. 2, in 29. 3. 1937, s. 3. Stalež šolstva in učiteljstva ter prosvetnih in kulturnih ustanov v Dravski banovini. Ljubljana 1934, s. 169 in 171.

27 Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije, Konservatorski program Cankova – Gostilna Vogler, Cankova 23. EŠD 6794, Maribor 2007.

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Zahodna fasada pozimi Westliche Fassade im Winter


privat

Grad Cmurek

Zgodovina in arhitektura � Igor Sapač

Tam, kjer se ravninski svet Apaškega polja na zahodu ob reki Muri stika s severnim robom Slovenskih goric, na mogočnem skalnem pomolu že dolga stoletja kot skrivnosten samotar stoji grad Cmurek. Njegova pobeljena velika stavbna gmota je še vedno glavni grajeni poudarek v širšem prostoru in se ne ozira na mejno črto sredi reke Mure, ki jo od leta 1919 ločuje od istoimenske naselbine. Še pred kratkim je bilo veliko poslopje za obiskovalce nedostopno in le malokdo se je zavedal, da je to eden najstarejših in najimenitnejših štajerskih gradov. V zadnjih letih so njegova vrata vedno bolj pogosto na stežaj odprta in nekdanja plemiška rezidenca in poznejša psihiatrična ustanova vse bolj postaja živahno kulturno središče, ki znova, tako kakor mnogo stoletij prej, povezuje ljudi na obeh straneh reke. Dvonadstropno poslopje s predgradjem in širokim obrambnim jarkom danes kaže renesančno podobo in njegovo impresivno arkadno notranje dvorišče spada med največje tovrstne motive na Štajerskem. Šele med natančnim ogledom obiskovalec opazi, da se za renesančno preobleko skriva precej starejša osnova iz obdobja romanike, iz 12. stoletja. V zadnjih letih opravljene stavbnozgodovinske raziskave so pokazale, da je imel grad že v času nastanka v prvi polovici 12. stoletja mogočno podobo, ki se je pozneje do 19. stoletja s prezidavami in povečavami še večkrat temeljito spremenila. Grad je v pisnih virih prvič posredno izpričan okoli leta 1145, ko se omenja Burkhard s Cmureka – nobilis homo Burchardus oziroma nobilis Purchardus de Môreke.1 Vzdevek nobilis kaže, da je šlo za starega svobodnika in da je bila stara svobodna posest tudi grajsko gospostvo. Verjetno je izhajal iz neke vplivne plemiške rodovine. Burkhard je bil zelo premožen in je velikodušno obdaroval samostane Šentlambert (St. Lambrecht), Admont, Sekova (Seckau) in Runa (Rein).2 Grad je nastal v prvi polovici 12. stoletja, najbrž le malo pred letom 1145. Zasnovali so ga v romanskih oblikah, z obzidanim dvoriščem na približno kvadratni talni ploskvi, visokim oglatim stolpom – bergfridom – na zahodni strani in pravokotno stanovanjsko stavbo – palacijem – na vzhodni strani. Vhod v grad so uredili v zahodni stranici obodnega obzidja, tik ob bergfridu, in ga opremili z romanskim portalom. Nad okoli 3 metre visoko vratno odprtino so portal na vrhu poudarili z veliko reliefno okrašeno polkrožno kamnito ploščo – timpanonom, ki je na zahodni fasadi grajskega jedra še danes ohranjen in kot eden redkih tovrstnih elementov na Štajerskem

Doc. dr. Igor Sapač, arhitekt, umetnostni zgodovinar, kastelolog, rojen leta 1977 v Mariboru. Od leta 1986 se ukvarja z raziskovanjem stavbne dediščine v Sloveniji, zlasti gradov in dvorcev. Med letoma 1989 in 1996 je izdelal in na razstavah predstavil serijo miniaturnih maket 200 najpomembnejših grajskih stavb v Sloveniji. Leta 1994 je pod mentorstvom dr. Ivana Stoparja izdelal raziskovalno nalogo Grajske stavbe v osrednji in zahodni Sloveniji, ki je bila prvi osnutek za topografijo grajske arhitekture tega območja. Med letoma 1998 in 2003 je v sklopu diplomskih del na Fakulteti za arhitekturo in Oddelku za umetnostno zgodovino Filozofske fakultete Univerze v Ljubljani pripravil obsežno študijo Razvoj grajske arhitekture na Dolenjskem in v Beli krajini. Pozneje je pripravil vrsto knjig, člankov in razstav v zvezi z arhitekturno dediščino v Sloveniji med 11. in 19. stoletjem. Med letoma 2005 in 2011 je v okviru topografske zbirke Grajske stavbe v Sloveniji izdal osem knjig, ki obravnavajo gradove in

1 Joseph Zahn: Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark. Band 1. 798–1192. Graz: Verlag des Historischen Vereines für Steiermark, 1875, št. 231, 234. 2 Hans Pirchegger: Landesfürst und Adel in Steiermark während des Mittelalters. 1. Teil. Graz: Historische Landeskommission für Steiermark, 1951 (Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark; XII. Band), s. 152.

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dvorce na Notranjskem in v zahodni Sloveniji. Leta 2007 je uredil razstavo in publikacijo Arhitektura 18. stoletja na Slovenskem. Med letoma 2011 in 2014 je pripravil obsežno publikacijo Arhitektura 19. stoletja na Slovenskem in manjšo knjigo Mostovi na Slovenskem ter kot soavtor sodeloval pri knjigi Slavne vile na Slovenskem. Pripravil je tudi prvi pregled starejših gledaliških poslopij v Sloveniji doslej. Leta 2008 je dokončal doktorsko disertacijo s področja konservatorstva z naslovom Rekonstrukcijski posegi v historičnih urbanih naselbinah na Slovenskem. Med letoma 2005 in 2014 je bil zaposlen kot kustos za starejšo arhitekturo na Slovenskem in muzejski svetovalec v Muzeju za arhitekturo in oblikovanje v Ljubljani. Od leta 2007 je predavatelj na Oddelku za arhitekturo Fakultete za gradbeništvo Univerze v Mariboru. Prejel je Prešernovi nagradi Fakultete za arhitekturo in Filozofske fakultete v Ljubljani ter priznanje Izidorja Cankarja, ki mu ga je za raziskovalno delo in prispevek k ohranjanju slovenske grajske dediščine podelilo Slovensko umetnostnozgodovinsko društvo.

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priča o velikem pomenu gradu v 12. stoletju.3 Da je bil grad že v 12. stoletju res razkošna in pomembna rezidenca, kaže tudi romanski relief z upodobitvijo zmaja, ki požira golega moža z mečem v roki; relief je sprva najverjetneje krasil grajsko kapelo, sedaj pa je vzidan v notranji grajski veži.4

bine se je pomen gradu in njegovih lastnikov zelo povečal. O velikem pomenu gradu v obdobju romanike priča tudi župnijska cerkev v Cmureku/Murecku, ki je nastala s podporo grajskih gospodarjev in ki je bila v 13. stoletju ena največjih romanskih župnijskih cerkva na Štajerskem.6

Po smrti Burkharda Cmureškega je grad okoli leta 1173 pripadel rodu gospodov s Trušenj (Trixen) na Koroškem, ki so bili med najpomembnejšimi ministeriali štajerskih mejnih grofov iz dinastije Otokarjev. Po letu 1240 je grad pripadel gospodom s Kranichsberga blizu Gloggnitza v Spodnji Avstriji, ki so grajsko gospostvo povečali in okrepili.5 V drugi polovici 12. stoletja in v 13. stoletju so prvotno romansko grajsko zasnovo povečali. Južno od gradu so zgradili nov velik izpostavljen oglati grajski stolp – propugnaculum, ki je imel podobno obliko kakor starejši bergfrid, a je stal povsem samostojno in je varoval grad na naravno najslabše zavarovani strani. Na obstoječem notranjem grajskem dvorišču so z naslonitvijo na severno obzidje zgradili še drugo stanovanjsko poslopje – drugi palacij, ki je bil po velikosti in zasnovi podoben starejšemu palaciju na drugi strani dvorišča. V tistem obdobju se je pod gradom, na drugem bregu reke Mure, razvila tudi naselbina, ki je pred letom 1311 dobila status trga. Z ustanovitvijo trške nasel-

Gospodje Kranichsbergi so grad Cmurek obdržali do leta 1386, ko sta ga kupila grofa Herman II. Celjski in Viljem Celjski.7 Cmurek je bil najdražji izmed gradov, ki so jih kupili Celjski grofje. Kljub temu ga niso imeli dolgo; leta 1401 je Herman II. Celjski grad skupaj z grajsko vzpetino, trgom Cmurek, več grajskimi mlini na Muri, stolpom Trutzenau in drugo pripadajočo posestjo prodal svojemu svaku Hansu II. Stubenbergu.8 Stubenberški, ena najstarejših, najmočnejših in najuglednejših plemiških rodovin na Štajerskem, so nato grad obdržali več kot pet stoletij, vse do leta 1931.9 Grad in gospostvo so do 17. stoletja postopoma zelo povečali.

3 Marijan Zadnikar: Portal s pleteninasto ornamentiko na Cmureškem gradu. Zbornik za umetnostno zgodovino, nova vrsta 3, 1955, s. 147–160. 4 Gabriel Majcen: Kamenita izbokla podoba zmaja v zidu cmureškega gradu. Časopis za zgodovino in narodopisje, 2/3–4, 1905, s. 152–154; Mija Oter Gorenčič: Cmureški relief zmaja, ki požira človeka. Acta historiae artis Slovenica, 13, 2008, s. 5–18. 5 Otto Lamprecht: Die Burgherrschaft Mureck. Landesfürst und Adel in Steiermark während des Mittelalters. 2. Teil. Die Stubenberger, ihre Zweige, ihr Besitz und ihre bedeutendsten Dienstmannen. Graz: Historische Landeskommission für Steiermark, 1955, s. 296–298; Dušan Kos: Vitez in grad. Vloga gradov v življenju plemstva na Kranjskem, slovenskem Štajerskem in slovenskem Koroškem do začetka 15. stoletja. Ljubljana: Založba ZRC, ZRC SAZU, 2005, s. 263–265; Marin Bele: Rodbina Trušenjskih. Kronika, 59/1, 2011, s. 5–34.

Po smrti Hansa II. Stubenberga leta 1413 je grad pripadel njegovemu stricu Wulfingu VIII. († 1444). Takrat je v stavbi že obstajala gotska grajska kapela vseh svetih, ki je v virih izpričana leta 1340. V 14. stoletju ali v prvi polovici 15. stoletja so izpostavljeni grajski stolp z obzidjem povezali z grajskim jedrom in takrat je grad dobil še drugo zaprto dvorišče, na katerem so verjetno zgradili eno ali več gospodarskih poslopij. Po smrti Wulfinga VIII. Stubenberga je grad leta 1453 pripadel njegovemu nečaku Hansu III. Stubenbergu († 1461), 6 Heimo Kaindl in Franz Kügerl (ur.): Die Pfarrkirche Mureck. Geschichte – Architektur – Kunst. Graz: Diözesanmuseum Graz, 2000 (KulturBlickKirche; 1). 7 Carl Schmutz: Historisch Topographisches Lexicon von Steyermark. Zweyter Theil. H–M. Gratz: And. Kienreich, 1822, s. 595. 8 Johann Loserth: Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg. Graz, Leipzig: Ulr. Moser, 1911, s. 92–94. 9 Otto Lamprecht: Mureck und die Stubenberger. Blätter für Heimatkunde (Herausgegeben vom Historischen Verein für Steiermark), 8, 1930, s. 97–102.


Zgoraj: Zahodna fasada, risba Spodaj: tloris, 2. nadstropje

Oben: Westliche Fassade, Zeichnung Unten: Grundriss, 2. Stock

za njim pa njegovemu drugemu sinu Wolfgangu I. (Wulfingu X.) Stubenbergu († 1510).10 V tistem obdobju so zaradi nevarnosti turških napadov grajsko poslopje na zahodni in južni strani obdali z zunanjim obzidjem in širokim obrambnim jarkom, ki ga grad pred tem najverjetneje ni imel. Čez jarek so postavili lesen mostovž z dvižnim mostom. Z novim obzidjem so izoblikovali medzidje – cvinger, ki je lahko v primeru turškega napada nudil zavetje tudi okoliškemu prebivalstvu. Leta 1510 sta grad dedovala Hans IV. Stubenberg in Wolfgang II. (XI.) Stubenberg, ki sta bila sinova Wolfganga I. (X.). Hans IV. je že pred letom 1529 umrl in grad je nato v celoti pripadel Wolfgangu II. (XI.), ki je bil zelo sposoben in ambiciozen mož. Bil je eden najbolj premožnih plemičev v tistem obdobju na Štajerskem in cmureško gospostvo je zelo povečal in okrepil. H gospostvu je poleg trga takrat spadalo še 1192 podložnikov, deželno sodišče, dva plavajoča mlina na Muri, brod čez Muro, številni vinogradi in razsežni goz-

10 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 102–103, 147–153, 360–362.

Grad Cmurek

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Grad Cmurek v 12. stoletju Schloss Obermureck im 12. Jahrhundert

dovi.11 Posest in najbrž tudi grad je leta 1532 zelo prizadelo pustošenje več kot 100.000 mož velike turške vojske, ko se je pod poveljstvom sultana Sulejmana I. Veličastnega tod mimo razjarjena vračala izpred neosvojenega Dunaja. Grad so leta 1532 obnovili in takrat je nastal severovzhodni stavbni trakt, s katerim so povezali romanska palacija. Novi trakt so opremili z dvojnim kamnitim portalom, ki ima vklesano letnico 1532. Najbrž so takrat podrli staro ob11 Johann Loserth: Aus der steiermärkischen Herrenwelt des 16. Jahrhunderts. Wolf Herr von Stubenberg als Volkswirt und Erzieher, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 6, 1908, s. 1–26; Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 170–176, 182–204; Lamprecht, Mureck und die Stubenberger, s. 98; Otto Lamprecht: Die Erträgnisse einer steirischen Grundherrschaft im 16. Jahrhundert. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 27, 1933, s. 77–87.

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zidje, ki je ločevalo srednjeveški notranji grajski dvorišči, in prvotni romanski palacij podaljšali z novim jugovzhodnim stavbnim traktom proti jugu. Leta 1537 je dal Wolfgang II. (XI.) Stubenberg pod gradom na lastne stroške zgraditi most čez reko Muro, ki je nadomestil bližnji brod. Z mostom se je promet mimo gradu zelo povečal in ta je takrat dobil nov pomen. Morda se je Wolfgang II. (XI.) Stubenberg prav zato po letu 1542 ambiciozno lotil temeljite in celovite prenove gradu, ki jo je zaupal na Štajerskem delujočim italijanskim renesančnim stavbenikom – Comaskom. Leta 1544 se dogovoril z gradbenim mojstrom Silvestrom iz Wälteleina pri Comskem jezeru, naj mu prenovi glavni grajski stolp in naj mu napravi

nov kamniti glavni grajski portal.12 Prenova gradu se je v naslednjih letih pod vodstvom mojstra Silvestra in domnevno po načrtih arhitekta Zuanna (Hansa) dal Cora iz Ancone zelo razmahnila in iz srednjeveškega gradu je začel nastajati renesančni dvorec. Najprej so zgradili nov zahodni grajski trakt in pri tem najbrž zaradi dotrajanosti in zastarelosti približno za polovico višine znižali prvotni grajski stolp – bergfrid. Drugi veliki grajski stolp so obnovili in malce nadzidali. Novi zahodni trakt so na dvoriščni strani opremili z elegantnimi dvonadstropnimi arkadnimi hodniki in dvema stopniščema, v njegovi notranjosti pa uredili več razkošnih soban s poslikanimi rezljanimi lesenimi stropi. Fasade so poudarili z reliefno okrašenimi kamnitimi okenskimi okviri in portali. 12 Rochus Kohlbach: Steirische Baumeister. Tausendundein Werkmann. Graz: Grazer Domverlag, 1961, s. 107.


Leta 1556 je Wolfgang II. (XI.) Stubenberg umrl in celovito renesančno prenovo gradu je po letu 1559 v sodelovanju z mojstrom Silvestrom nadaljeval njegov sin Wolfgang III. (XII.) Stubenberg († 1597), ki je od leta 1549 študiral v Padovi, leta 1557 pa se je vrnil na Štajersko. Hkrati z nadaljevanjem prenove gradu je v naselbini pod gradom poskrbel tudi za dokončanje gradnje meščanskega špitala, za dokončanje obsežne gotske prenove župnijske cerkve in za ureditev protestantske molilnice v eni izmed trških hiš.13 Na gradu so v njegovem času dokončali gradnjo zahodnega trakta in prenovili romanski severni trakt, ki je na dvoriščni strani dobil arkadne hodnike, v notranjščini pa veliko viteško dvorano. Še preden je Wolfgang III. (XII.) Stubenberg umrl, je leta 1587 na gradu Cmurek začel gospodariti njegov izjemno premožni sin Georg Stubenberg starejši (1560–1630). Grad je bil ena njegovih glavnih rezidenc in do leta 1627 je poskrbel za velikopotezno dokončanje celovite renesančne prenove, ki sta jo začela njegova ded in oče.14 Pod vodstvom gradbenega mojstra Andrea Bertoletta iz Coma so zanj do okoli leta 1592 prenovili prvotni romanski palacij na vzhodu in jugovzhodni grajski trakt ter jima na dvoriščni strani prizidali dvonadstropne arkadne hodnike, ki so jih oblikovali dosledno po vzoru starejših arkad na zahodni in severni strani dvorišča. Nazadnje so zgradili še južni trakt in arkadne hodnike na južni strani dvorišča in z njimi je grad dobil poenoteno renesančno podobo in eno največjih grajskih arkadnih dvorišč na Štajerskem. Sredi dvorišča so prenovili stari grajski vodnjak. Georg Stubenberg starejši je bil tako kakor njegov oče odločen protestant in v obdobju protireformacije se je odločil, da ostane zvest svoji veri in da zapusti 13 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 204–211. 14 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 220–228, 235–236.

Štajersko. Leta 1629 je emigriral v Regensburg in tam leta 1630 umrl. Gospostvo gradu Cmurek je v njegovem času doseglo največji razcvet. Pozneje se je začelo manjšati, rodovina Stubenberg pa je v obdobju protireformacije izgubila velik del nekdanje moči in vpliva.15 Georg Stubenberg starejši je pred selitvijo v Regensburg leta 1627 grad, gospostvo in trg Cmurek prodal Wolfgangu IV. (XIII.) Stubenbergu (1600–1668), ki je bil sin njegovega bratranca Georga Hartmanna Stubenberga – podpornika znanega astrologa, astronoma in matematika Johannesa Keplerja (1571–1630). Wolfgang IV. (XIII.) se je šolal v Bologni, kjer je padel v roke inkvizicijski komisiji, a se je uspel rešiti. Zatem se je odpovedal protestantizmu in sprejel katoliško veroizpoved.16 Grad je v njegovem času v ciklu upodobitev stubenberških gradov upodobil znani topograf in založnik Matthäus Merian starejši, upodobitev pa je bila objavljena leta 1656 v prilogi leta 1649 izdanega dela Topographia Provinciarum Austriacarum.17 Wolfgang IV. (XIII.) je takoj po prevzemu lastništva gradu poskrbel za nekatere prenovitvene posege, s katerimi je grad postal še bolj razkošna plemiška rezidenca. Zunanje grajsko obzidje so takrat dopolnili z manjšo obrambno bastijo in velikim kamnitim glavnim grajskim portalom, na katerem so vklesane inicialke W. H. V. S. (Wolfgang Herr von Stubenberg) in letnica 1628. Zahodni grajski trakt so poudarili s strešnim stolpičem, ki so ga opremili z uro in pokrili s slikovito čebulasto streho. V notranjščini so prenovili glavno grajsko dvorano in jo na fasadi poudarili z velikimi dvojnimi okni poznorenesančnih oblik. Več soban so na stropih okrasili s štukaturami. Ob cesti med gradom in mostom so zgradili veliko grajsko 15 Lamprecht, Die Burgherrschaft Mureck, s. 304. 16 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 235–250. 17 Primerjaj: Walter Brunner: Alte steirische Ansichten. Handzeichnungen (vor 1656) für Kupferstiche von Matthäus Merian d. Ä. Blätter für Heimatkunde (Graz), 84/3, 2010, s. 77–90.

kaščo z obokano kletjo in elegantnimi kamnitimi okenskimi okviri na fasadah. V bližini mostu so zgradili veliko grajsko pristavo. Grad je imel v tistem obdobju poleg rezidenčnega in gospodarskega pomena še vedno tudi velik obrambni pomen. Zato so novi grajski portal opremili z dvižnim mostom. Med vojno s Turki leta 1664 je Wolfgang IV. (XIII.) Stubenberg prebivalcem trga pisno zagotovil, da se lahko v primeru turškega vdora zatečejo v grad.18 Trgu pod gradom in njegovim prebivalcem je bil tako kakor njegovi predniki zelo naklonjen. Od leta 1665 do smrti je podpiral gradnjo novega trškega rotovža in kapucinskega samostana s cerkvijo.19 Hkrati z gradbenimi posegi na gradu je Wolfgang IV. (XIII.) med letoma 1631 in 1640 podpiral tudi gradnjo romarske cerkve svete Trojice v Slovenskih goricah, iz katere se je v 18. stoletju razvila sedanja mogočna baročna tristolpna cerkev.20 Leta 1668 so ga tam tudi pokopali in njegova nagrobna plošča je še vedno v cerkvi. Na pročelju rotovža v Cmureku/Murecku, ki so ga zgradili med letoma 1665 in 1668, se je poleg drugih skulptur ohranilo tudi njegovo poprsje. Rezidenčni blišč, ki ga je grad dobil v obdobju Wolfganga IV. (XIII.) Stubenberga, je v poznejših obdobjih postopno bledel. Po njegovi smrti leta 1668 je Cmurek dedoval njegov sin Wolfgang V. (XIV.) Stubenberg (1629– 1676), ki je bil zelo zadolžen, tudi zaradi gradnje svoje nove baročne rezidence – dvorca Weiden v Kapfenbergu.21 Grad Cmurek je bil od takrat do 20. stoletja predvsem gospodarsko središče in zanj so skrbeli upravniki. Po smrti Wolfganga 18 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 249. 19 Primerjaj: Georg Kodolitsch: Mureck. Kunstgeschichtlicher Stadtführer. Herausgegeben anlässlich der Stadterhebungsfeier 1976. Graz: Leykam, 1976 (Kunstdenkmäler der Steiermark; 4). 20 Oskar Habjanič: Avguštinski samostan v Sv. Trojici v Slovenskih goricah v dobi baroka. Kronika, 62/1, 2014, s. 67–90. 21 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 264–267.

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Romanski portal Romanisches Portal V. (XIV.) je grad in gospostvo Cmurek vzel v zakup njegov brat Georg Stubenberg (1632–1703), ki je bil od leta 1687 štajerski deželni glavar.22 V Gradcu si je dal v sedanji ulici Hans Sachs Gasse po letu 1689 zgraditi mogočno palačo, za grad Cmurek kot rezidenco pa ni imel posebnega razumevanja. Znan je podatek, da je ugledni graški gradbeni mojster Bartolomej Ebner, ki je najbrž sodeloval tudi pri gradnji njegove graške palače, leta 1679 prezidal cmureško grajsko pristavo.23 Verjetno je dal Georg Stubenberg podreti tudi visoki starodavni glavni grajski stolp; ta je na Vischerjevi upodobitvi gradu iz okoli leta 1681 še viden, na risbi Cmureka, ki jo je okoli leta 1712 narisal šlezijski topograf Friedrich Bernhard Werner, pa že manjka. Georg Stubenberg ni imel otrok in po njegovi smrti leta 1703 je Cmurek pripadel njegovima nečakoma Leopoldu I. (1673–1708) in Karlu I. (1666–1723). Zadnji je bil sin Wolfganga V. (XIV.) Stubenberga. Po umoru Leopolda I. leta 1708 v Gradcu je Karl I. gospostvo znova združil. Po njem je grad dedoval njegov sin Karl II. Stubenberg (1696– 1736), za njim pa njegov stric Johann I. Stubenberg (pred 1691–1753), ki je bil bratranec Karla I. Stubenberga. Po smrti Johanna I. Stubenberga je Cmurek pripadel njegovim trem sinovom Wenzlu (1731–1803), Franzu I. (1732–1796) in Sigmundu (1733–po 1791). Wenzel je postopno odkupil deleža drugih bratov, in ko je leta 1803 neporočen umrl, je Cmurek pripadel njegovemu nečaku Franzu II. Stubenbergu (1775–1811).24 Grad so v tistem obdobju redno vzdrževali, gradbeno pa ga niso spremenili. Sobane v notranjščini so takrat na stropih dobile nekaj novih štukatur, ki so nadomestile dotrajane starejše štukature oziroma renesančne lesene strope. Pred mostom čez grajski jarek so v 22 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 264–276. 23 Kohlbach, Steirische Baumeister. 24 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 276–290, 296– 298, 307–318.

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drugi polovici 18. stoletja postavili skulpturo sv. Janeza Nepomuka, ki jo je okoli leta 1770 izdelal štajerski baročni kipar Veit Königer (1729–1792) in ki danes stoji pred gradom Gutenberg pri Weizu. Leta 1811 je Franz II. Stubenberg umrl brez potomcev in grad Cmurek je takrat dedoval Josef Stubenberg (1740–1824), ki je bil prapravnuk Wolfganga V. (XIV.) Stubenberga in knezoškof v Eichstättu na Bavarskem.25 Za njim sta bila lastnika Cmureka njegova brata Felix (1748– 1828) in Leopold III. Stubenberg (1769– 1839).26 Ker sta umrla brez potomcev, je grad leta 1839 pripadel Josefu Felixu Adolfu Stubenbergu (1824–1896), ki je bil vnuk njunega najstarejšega brata Christiana Stubenberga (1739–1806) in sin njunega nečaka Gustava Adolfa Josefa Christiana Stubenberga (1792– 1833).27 Grad je ostal v lasti njegovih potomcev do leta 1931. Leta 1848 se je grad z odpravo fevdalnega družbenega reda iz središča fevdalnega zemljiškega gospostva spremenil v sedež veleposesti. 25 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 318–324. 26 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 323–324. 27 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, s. 326–328 in knjigi priložena genealoška preglednica.

Rodovina Stubenberg je takrat izgubila tudi vse dotedanje pravice nad trgom in njegovimi prebivalci.28 Grajskega poslopja tudi v 19. stoletju niso gradbeno spreminjali, marveč so ga samo redno vzdrževali. Po letu 1824 so od gradu proti mostu čez reko speljali novo položnejšo cesto. Pred letom 1824 so južno od gradu zgradili novo pristavo, iz katere se je pozneje razvil dvorec Novi Kinek (Neu Khünegg) oziroma tako imenovani Zgornji grad. Pred letom 1864, ko je grad upodobil Carl Reichert, so pod njim ob mostu na lokaciji manjšega starejšega poslopja za rodovino Stubenberg zgradili dokaj veliko enonadstropno pravokotno poslopje in v njem uredili gostišče. Ko je Cmurek okoli leta 1885 obiskal Josef Andreas Janisch, je bilo v gradu 30 večjih soban v prvem in drugem nadstropju. V drugem nadstropju sta bili tudi viteška dvorana in dvorana s poslikanim lesenim stropom. V gradu sta bila tudi kapela sv. Barbare in grajski arhiv.29 Z začetkom 20. stoletja je za grad nastopilo novo prelomno obdobje, ki je bilo povezano z velikimi družbenimi spremembami. Pod gradom so do leta 1905 stari leseni most čez Muro nado28 Lamprecht, Mureck und die Stubenberger, s. 100. 29 Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark: mit historischen Notizen und Anmerkungen. II. Band. L–R. Graz: Leykam-Josefstahl, 1885, s. 333.


Romanska luneta Romanische Lunette mestili z novim železnim. Hkrati je grad izgubil manjši sanitarni izzidek na severni fasadi, ki je nastal že pred sredino 17. stoletja. Po razpadu Avstro-Ogrske monarhije je leta 1919 grad pripadel novi državi Srbov, Hrvatov in Slovencev, poznejši Jugoslaviji, mejna črta pa ga je odrezala od trške naselbine, s katero je bil od 13. stoletja dotlej tesno povezan. Zaradi izgube velikega dela posesti in gospodarske krize so Stubenbergi leta 1931 grajsko posest razprodali in grad je takrat kupil njegov dotedanji oskrbnik Anton Mally.30 V razsežnem grajskem poslopju so bile nato eno desetletje tudi sobe za letoviške goste in gostišče, nekaj časa pa tudi zdravniška ordinacija. Opremo reprezentativnih grajskih soban so Stubenbergi pred letom 1931 deloma razprodali, deloma pa prepeljali na svoj grad Gutenberg pri Weizu. Tam so še sedaj ohranjeni s cmureškega gradu izvirajoči nekateri kamniti portali, peči iz obdobja med 17. in 19. stoletjem, kosi pohištva, manjši predmeti in poslikan poznorenesančni leseni strop.31 Po drugi svetovni vojni, ko je grad med letoma 1941 in 1945 služil predvsem kot šola z internatom za nemško mladino, je nova jugoslovanska oblast stavbo in posest zaplenila. Leta 1947 so v gradu odprli Dom onemoglih.32 Leta 1953 so grajsko poslopje začeli obnavljati. Leta 1956 so Dom onemoglih spremenili v enoto Zavoda za duševno in živčno bolne. Funkcijo ustanove za neozdravljivo duševno in živčno bolne je grad imel do leta 2004. Leta 1960 so zaradi te namembnosti zasteklili arkade na grajskem dvorišču in v notranjščini 30 Krajevni leksikon Dravske banovine. Ljubljana: Zveza za tujski promet za Slovenijo, 1937, s. 445. 31 Primerjaj: Peter Krenn: Die Oststeiermark. Ihre Kunstwerke, historischen Lebens- und Siedlungsformen. Salzburg: Verlag St. Peter, 1981 (Österreichische Kunstmonographie, XI), s. 149; Ivan Komelj: Grad kot spomeniškovarstveni problem v času med obema vojnama. Varstvo spomenikov, 25, 1983, s. 13–32. 32 Rajko Muršič: Trate vaše in naše mladosti. Zgodba o mladinskem in rock klubu. Ceršak: Subkulturni azil, 2000, II. knjiga, s. 390, 399, 408.

Grad Cmurek

zgradili nove kopalnice in stranišča.33 Leta 1970 so na dvorišču zgradili še visok dimnik centralne kurjave. Kljub tem posegom je historična stavbna substanca gradu v glavnem ostala neokrnjena in slovenska spomeniškovarstvena služba ga je leta 1974 skupaj s petdesetimi drugimi gradovi uvrstila na seznam najpomembnejših kulturnih

spomenikov v Sloveniji.34 Leta 1987 so obnovili grajske fasade, po letu 1995 pa so v celoti obnovili grajsko streho. Po izpraznitvi gradu leta 2004 se je začelo novo obdobje njegove zgodovine in vse kaže, da bo ponovno zaživel kot živahno kulturno središče, ki bo znova tesneje povezalo ljudi na obeh bregovih reke Mure.

33 Jože Curk: Cmurek. Konservatorska poročila. Varstvo spomenikov, 8, 1960/1961, s. 102.

34 Kulturni spomeniki v Sloveniji. Spomeniki prve kategorije. Ljubljana: Zavod za spomeniško varstvo SR Slovenije, 1974, s. 63 (avtor zapisa: dr. Ivan Komelj). Primerjaj: Ivan Stopar: Gradovi na Slovenskem. Ljubljana: Cankarjeva založba, 1986, s. 32–34; Ivan Stopar: Grajske stavbe v vzhodni Sloveniji. Prva knjiga. Območje Maribora in Ptuja. Ljubljana: Partizanska knjiga – Znanstveni institut Filozofske fakultete, 1990 (Grajske stavbe 1), s. 31–37; Muršič, Trate, II, s. 407.

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Schloss Obermureck Geschichte und Architektur � Igor Sapač � Sebastian Walcher

Romanisches Relief eines Mannes Romanski relief moža Dort, wo die Ebene des Abstaller Beckens im Westen an der Mur den nördlichen Rand der Windischen Bühel berührt, auf einem mächtigen Felsvorsprung, steht schon seit vielen Jahrhunderten wie ein geheimnisvoller Eremit, das Schloss Obermureck. Seine weiß gefärbte Gebäudemasse ist nach wie vor der zentrale bauliche Akzent der Gegend und kümmert sich nicht um die Grenzlinie in der Mitte der Mur, die es seit 1919 von der Siedlung Mureck trennt. Noch vor kurzem war das große Gebäude für Besucher nicht zugänglich und nur wenige waren sich dessen bewusst, dass es sich um eines der ältesten und herausragendsten steirischen Schlösser handelt. In den letzten Jahren sind seine Tore immer häufiger weit geöffnet worden und der ehemalige Adelssitz bzw. die spätere psychiatrische Einrichtung wird immer mehr zu einem lebendigen Kulturzentrum, das nun aufs Neue, so wie viele Jahrhunderte zuvor, die Menschen beiderseits der Grenze verbindet. Das zweistöckige Gebäude mit Burghof und breitem Burggraben zeigt sich heute im Renaissancestil und sein beeindruckender Arkadeninnenhof zählt zu den größten derartigen Motiven in der Steiermark. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt der Besucher, dass sich hinter der Renaissanceverkleidung eine deutlich ältere Grundlage aus der Zeit der Romantik, aus dem 12. Jahrhundert verbirgt. In den letzten Jahren durchgeführte bauhistorische Untersuchungen brachten zu Tage, dass die Burg schon zur Zeit ihrer Erbauung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ausgesprochen mächtig war und sich später bis zum 19. Jahrhundert durch Umbauten und Erweiterungen noch mehrmals grundlegend änderte. Die erste indirekte schriftliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1145, als Burkhard von Mureck erwähnt wird – nobilis homo Burchardus bzw. nobilis Purchardus de Môreke.1 Der Titel nobilis zeigt, dass es sich um einen alten Freisass handelte und dass der alte Besitz auch eine Burgherrschaft umfasste. Wahrscheinlich entstammte er einem einflussreichen Adelsgeschlecht. Burkhard war ausgesprochen wohlhabend und beschenkte großzügig die Stifte St. Lambrecht, Admont, Seckau und Rein.2 Die Burg entstand in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, wahrscheinlich nur kurz vor dem Jahr 1145. Sie war im romanischen Stil angelegt, mit einem umfriedeten Hof, der in etwa einen quadratischen Grundriss hatte, einem hohen viereckigen Turm, dem Bergfried, auf der Westseite und einem rechteckigen Wohngebäude, dem Palas, auf der Ostseite. Der Eingang zur Burg wurde auf der Westseite der Außenmauer errichtet, nahe dem Bergfried, und mit 1 Joseph Zahn: Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark. Band 1. 798–1192. Graz: Verlag des Historischen Vereines für Steiermark, 1875, Nr. 231, 234 2 Hans Pirchegger: Landesfürst und Adel in Steiermark während des Mittelalters. 1. Teil. Graz: Historische Landeskommission für Steiermark, 1951 (Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark; XII. Band), S. 152.

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einem romanischen Portal ausgestattet. Über dem etwa 3 Meter hohen Tor wurde das Portal mit einer reliefverzierten halbkreisförmigen Steinplatte, einem Tympanon, betont, das noch heute auf der Westfassade des Burgkerns erhalten ist und als eines der wenigen derartigen Elemente in der slowenischen Steiermark von der Bedeutung der Burg im 12. Jahrhundert zeugt.3 Dass die Burg bereits im 12. Jahrhundert eine wahrlich prunkvolle und bedeutende Residenz war, beweist auch das romanische Relief mit dem Bild eines Drachen, der einen nackten, mit einem Schwert bewaffneten Mann verschlingt; das Relief schmückte wohl ursprünglich die Schlosskapelle, heute ist es in den inneren Schlossgang eingemauert.4 Nach dem Ableben von Burkhard von Mureck wurde die Burg 1173 den Herren von Trixen in Kärnten übertragen, die zu den bedeutendsten Ministerialen der steirischen Markgrafen aus der Dynastie Ottokars zählten. Nach dem Jahr 1240 fiel die Burg den Herren von Kranichberg in der Nähe von Gloggnitz (Niederösterreich) zu, die den Herrschaftssitz vergrößerten und verstärkten.5 Während der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und im 13. Jahrhundert wurde der ursprünglich romanische Grundstock der Burg vergrößert. Südlich der Burg wurde ein neuer, hoher, 3 Marijan Zadnikar: Portal s pleteninasto ornamentiko na Cmureškem gradu. Zbornik za umetnostno zgodovino, nova vrsta 3, 1955, S. 147–160. 4 Gabriel Majcen: Kamenita izbokla podoba zmaja v zidu cmureškega gradu. Časopis za zgodovino in narodopisje, 2/3–4, 1905, S. 152–154; Mija Oter Gorenčič: Cmureški relief zmaja, ki požira človeka. Acta historiae artis Slovenica, 13, 2008, S. 5–18. 5 Otto Lamprecht: Die Burgherrschaft Mureck. Landesfürst und Adel in Steiermark während des Mittelalters. 2. Teil. Die Stubenberger, ihre Zweige, ihr Besitz und ihre bedeutendsten Dienstmannen. Graz: Historische Landeskommission für Steiermark, 1955, S. 296–298; Dušan Kos: Vitez in grad. Vloga gradov v življenju plemstva na Kranjskem, slovenskem Štajerskem in slovenskem Koroškem do začetka 15. stoletja. Ljubljana: Založba ZRC, ZRC SAZU, 2005, S. 263–265; Marin Bele: Rodbina Trušenjskih. Kronika, 59/1, 2011, S. 5–34.

exponierter, eckiger Wehrturm erbaut – ein Propugnaculum – der eine ähnliche Form wie der ältere Bergfried aufwies. Er stand jedoch frei und gab dem Schloss auf der durch natürliche Gegebenheiten am wenigsten geschützten Seite Schutz. Auf dem Burghof wurde, angelehnt an die Nordmauer, ein zweiter Wohntrakt, ein Palas, errichtet, der in Größe und Form ähnlich angelegt war, wie der alte Palas auf der anderen Seite des Hofes. Etwa zur selben Zeit entstand unter der Burg, auf dem anderen Ufer der Mur, eine Siedlung, die 1311 das Marktrecht erhielt. Mit der Gründung des Marktes gewannen sowohl die Burg als auch ihre Besitzer an Bedeutung. Auch die Pfarrkirche Mureck, die mit Unterstützung der Burg­ herren entstanden und im 13. Jahrhundert eine der größten Pfarrkirchen der Steiermark war, zeugt von der großen Bedeutung der Burg zur Zeit der Romantik.6 Die Herren von Kranichberg behielten die Burg Obermureck bis zum Jahr 1386 in ihrem Besitz. Schließlich erstanden sie Graf Herman II. von Cilli und Wilhelm von Cilli.7 Obermureck war die teuerste Burg im Besitz der Grafen von Cilli. Trotzdem war sie nicht lange ihr Eigentum. 1401 verkaufte Hermann II. von Cilli die Burg samt Burgberg, dem Markt Mureck, mehreren Mühlen entlang der Mur, dem Turm Trutzenau und anderen dazugehörigen Besitztümern seinem Schwager Hans II. von Stubenberg.8 Die Herren von Stubenberg, eines der ältesten, stärksten und angesehensten Adelsgeschlechter der Steiermark, waren mehr als fünf Jahrhunderte im Besitz der Burg, bis zum

6 Heimo Kaindl in Franz Kügerl (Hgs.): Die Pfarrkirche Mureck. Geschichte – Architektur – Kunst. Graz: Diözesanmuseum Graz, 2000 (KulturBlickKirche; 1). 7 Carl Schmutz: Historisch Topographisches Lexicon von Steyermark. Zweyter Theil. H–M. Gratz: And. Kienreich, 1822, S. 595. 8 Johann Loserth: Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg. Graz, Leipzig: Ulr. Moser, 1911, S. 92–94.

Doc. Dr. Igor Sapač, Kunsthistoriker und Burgenforscher, geboren 1977 in Maribor. Seit 1986 beschäftigt er sich mit der Erforschung historischer Bauten in Slowenien, insbesondere mit Burgen und Schlössern. Von 1989 bis 1996 baute er eine Serie von 200 Modellen der bedeutendsten Schlösser und Burgen in Slowenien und präsentierte diese bei Ausstellungen. 1994 verfasste er zusammen mit seinem Mentor Dr. Ivan Stopar die Forschungsarbeit „Schlösser und Burgen in Zentral- und Westslowenien“, die einen ersten Entwurf der Topografie der Burgenarchitektur in diesem Gebiet darstellte. Von 1998 bis 2003 verfasste er eine umfassende Studie in Form von Diplomarbeiten an der Fakultät für Architektur und am Institut für Kunstgeschichte der Geisteswissenschaftlichen Fakultät Ljubljana, die den Titel „Entwicklung der Burg- und Schlossarchitektur in den Gebieten Dolenjska und Bela krajina“ trägt. Später bereitete er zahlreiche Bücher, Artikel und Ausstellungen zum Thema Architekturerbe in Slowenien vom 11. bis zum 19. Jahrhundert vor. 2007 kuratierte er die Ausstellung „Architektur des 18. Jahrhunderts in Slowenien“ und betreute die dazugehörige Publikation. Von 2011 bis 2014 erarbeitete er eine Publikation zur Architektur des 19. Jahrhunderts in Slowenien sowie ein Buch zum Thema Brücken in Slowenien. Als Mitautor war er an der Entstehung eines Buches über berühmte Villen in Slowenien beteiligt. Er verfasste auch die erste Übersicht über ältere Theater in Slowenien. 2008 beendete er seine Dissertation auf dem Gebiet der Konservatorenarbeit. Die Arbeit trägt den Titel „Rekonstruktions­

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Jahr 1931.9 Die Burg und der dazugehörige Grundbesitz wurden bis zum 17. Jahrhundert beachtlich vergrößert.

eingriffe in historischen urbanen Siedlungsräumen in Slowenien“. von 2005 bis 2014 war er als Kustos für ältere slowenische Architektur und als Museumsberater im Architekturmuseum Ljubljana beschäftigt. Seit 2007 ist er Vortragender am Architekturinstitut der Fakultät für Bauwesen an der Universität Maribor. Zweimal war er Preisträger des Prešeren-Preises der Fakultät für Architektur und der Geisteswissenschaftlichen Fakultät Ljubljana. Er erhielt außerdem den Izidor-Cankar-Anerkennungspreis, der ihm für seine Forschungsarbeit sowie seinen Beitrag zur Erhaltung der slowenischen Burgen und Schlösser vom Slowenischen Kunsthistorikerverband verliehen wurde.

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Nach dem Tod Hans II. von Stubenberg im Jahr 1413 erbte sein Onkel Wulfing VIII. († 1444) die Burg. Zu diesem Zeitpunkt befand sich in der Burg bereits die gotische Allerheiligenkapelle, die 1340 in Quellen erwähnt wurde. Im 14. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der abseits erbaute Turm mit der Burgmauer und damit dem Burgkern verbunden. So erhielt die Burg einen zweiten Innenhof, auf dem wahrscheinlich ein oder mehrere Wirtschaftsgebäude errichtet wurden. Nach dem Tod Wulfings VIII. von Stubenberg fiel die Burg 1453 seinem Neffen Hans III. von Stubenberg zu († 1461) und schließlich dessen zweiten Sohn Wolfgang I. (Wulfing X.) von Stu-

9 Otto Lamprecht: Mureck und die Stubenberger. Blätter für Heimatkunde (Herausgegeben vom Historischen Verein für Steiermark), 8, 1930, S. 97–102.

benberg († 1510).10 Aufgrund der drohenden Osmanengefahr wurde die Burg auf der westlichen und südlichen Seite mit einer Außenmauer und einem breiten Burggraben umgeben, den es davor wahrscheinlich nicht gegeben hatte. Über den Burggraben wurde ein hölzerner Söller mit Zugbrücke gespannt. Durch die neue Burgmauer wurde ein befestigter Raum zwischen den zwei Mauern geschaffen, der sog. Zwinger, der im Falle eines Osmanenangriffs auch der Bevölkerung aus der Umgebung Schutz bieten konnte. 1510 erbten die Burg Hans IV. von Stubenberg und Wolfgang II. (XI.) von Stubenberg, Söhne von Wolfgang I. (X.). Hans IV. starb bereits vor 1529 und so fiel die Burg zur Gänze Wolfgang II. (XI.) zu, der ein ausgesprochen fähiger und ambitionierter Mann war. Zu jener Zeit war er in der Steiermark einer der wohlhabendsten Adelsleute. Die Besitztümer von Mureck vergrößerte er deutlich und stärkte somit die Burg. Zusätzlich 10 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 102– 103, 147–153, 360–362.


Von links nach rechts: Das Schloss Obermureck im 13., 15. Jahrhundert und um 1532 Z leve na desno: Grad Cmurek v 13., 15. stoletju in okoli leta 1532

zum Markt zählten zu dieser Zeit auch 1192 Untertanen zur Herrschaft, das Landgericht, zwei Schiffsmühlen auf der Mur, ein Fährboot, zahlreiche Weinberge und weitläufige Wälder.11 Der Besitz und wahrscheinlich auch die Burg, wurden 1532 von den Verwüstungen einer mehr als 100.000 Mann starken osmanischen Heerschar in Mitleidenschaft gezogen, die unter ihrem Befehlshaber Sultan Süleyman I. dem Prächtigen wutentbrannt von der erfolglos belagerten Stadt Wien zurückkehrten. Die Burg wurde 1532 renoviert. Damals entstand auch der nordwestliche Gebäudetrakt, durch den die romanischen Palasse verbunden wurden. Der neue Trakt wurde mit einem stei11 Johann Loserth: Aus der steiermärkischen Herrenwelt des 16. Jahrhunderts. Wolf Herr von Stubenberg als Volkswirt und Erzieher, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 6, 1908, S. 1–26; Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 170–176, 182–204; Lamprecht, Mureck und die Stubenberger, S. 98; Otto Lamprecht: Die Erträgnisse einer steirischen Grundherrschaft im 16. Jahrhundert. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 27, 1933, S. 77–87.

Schloss Obermureck

nernen Doppelportal ausgestattet, das die Jahreszahlen 1532 trägt. Wahrscheinlich wurde damals die alte Burgmauer abgerissen, die die beiden mittelalterlichen Burghöfe voneinander getrennt hatte. Des Weiteren verlängerte man den ursprünglichen Palas durch einen neuen südöstlichen Trakt in Richtung Süden. 1537, ließ Wolfgang II. (XI.) von Stubenberg unterhalb der Burg auf eigene Kosten eine Brücke über die Mur erbauen, die das nahegelegene Fährboot ersetzte. Durch die Brücke erhöhte sich das Verkehrsaufkommen entlang der Burg beträchtlich, die damit neue Bedeutung bekam. Vielleicht war dies mitentscheidend dafür, dass sich Wolfgang II. (XI.) von Stubenberg gerade deswegen 1542 mit voller Energie einer grundlegenden Erneuerung der Burg widmete, deren Durchführung er in der Steiermark tätigen Renaissance-Baumeistern aus Italien, genauer aus der Gegend um Como, anvertraute. 1544 kam er mit dem Baumeister Sylvester aus dem Veltlin überein, er möge den Hauptturm der Burg renovieren und ein

neues steinernes Hauptportal erbauen.12 Die Renovierung der Burg nahm in den folgenden Jahren unter der Federführung von Sylvester und wahrscheinlich nach den Plänen des Architekten Zuann (Hans) dal Cora aus Ancona enorme Ausmaße an, und aus der mittelalterlichen Burg wurde ein Renaissanceschloss. Zu Beginn wurde ein neuer Burgtrakt errichtet und der Bergfried wurde, wahrscheinlich aufgrund von Baufälligkeit, um die Hälfte in der Höhe reduziert. Der zweite große Turm wurde renoviert und ein wenig ausgebaut. Der neue Westtrakt wurde auf der Hofseite mit einem eleganten zweistöckigen Arkadengang und zwei Treppen ausgestattet. Im Inneren wurden mehrere Prunkgemächer mit geschnitzten und bemalten Holzdecken errichtet. Die Fassade wurde durch mit Reliefs geschmückten steinernen Fensterrahmen und Portalen geschmückt. 1556 starb Wolfgang II. (XI.) von Stubenberg und sein Sohn Wolfgang III. 12 Rochus Kohlbach: Steirische Baumeister. Tausendundein Werkmann. Graz: Grazer Domverlag, 1961, S. 107.

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Fenster Westfassade Okna zahodna fasada

Renaissancedecke Renesančni strop

(XII.) von Stubenberg († 1597), der ab 1549 in Padua studierte und 1557 in die Steiermark zurückgekehrt war, setzte die Renovierung der Burg nach 1559 unter der Leitung von Meister Sylvester fort. Während in der Burg die Renovierungsarbeiten fortgesetzt wurden, kümmerte sich Wolfgang III. auch um die Fertigstellung des Bürgerspitals in der Siedlung am Fuße der Burg, um die Fertigstellung der Renovierung der Pfarrkirche im gotischen Stil und um die Einrichtung eines protestantischen Bethauses in einem der Häuser im Markt.13 In der Burg wurden zu seiner Zeit der Bau des Westtraktes sowie die Renovierung des romanischen Nordtrakts fertiggestellt, der an der Hofseite einen Arkadengang erhielt, sowie im Inneren einen großen Rittersaal. Noch bevor Wolfgang III. (XII.) von Stubenberg starb, übernahm 1587 sein ausgesprochen wohlhabender Sohn Georg der Ältere von Stubenberg (15601630) die Geschäfte auf der Burg Obermureck. Die Burg war eine seiner Hauptresidenzen. Bis zum Jahr 1627 sorgte Georg für Beendigung der Umbauarbeiten im Renaissancestil, die bereits sein Großvater und sein Vater be13 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 204–211.

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gonnen hatten.14 Unter der Leitung des Baumeisters Andrea Bertoletta aus Como wurde bis 1592 der ursprünglich romanische Palas im Osten und der Südostflügel der Burg renoviert, sowie auf der Hofseite ein zweistöckiger Arkadengang angebaut, der nach dem Vorbild der älteren Arkaden auf der Westbzw. Nordseite des Hofes errichtet wurde. Schlussendlich wurden noch der Südflügel und die Arkadengänge auf der Südseite des Hofes erbaut. Damit erhielt die Burg ein einheitliches Aussehen im Renaissancestil sowie einen der größten Arkadenhöfe in der Steiermark. Auch der Burgbrunnen im Zentrum des Hofes wurde renoviert. Georg der Ältere von Stubenberg war, wie sein Vater, überzeugter Protestant und entschloss sich zur Zeit der Gegenreformation seinem Glauben treu zu bleiben und die Steiermark zu verlassen. 1629 emigrierte er nach Regensburg und starb dort 1630. Die Herrschaft Burg Obermureck erreichte zu seiner Zeit ihren Höhepunkt. Danach wurde sie kleiner. Auch verlor das Geschlecht Stubenberg während der Gegenreformation viel an ihrer ursprüngli-

14 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 220–228, 235–236.

chen Macht und ihrem Einfluss.15 Georg der Ältere von Stubenberg verkaufte 1627 bevor er nach Regensburg zog die Burg, die Herrschaft und den Markt Mureck an Wolfgang IV. (XIII.) von Stubenberg (1600-1668), den Sohn seines Cousins Georg Hartmann von Stubenberg, eines Gönners des berühmten Astrologen, Astronomen und Mathematikers Johannes Kepler (1571-1630). Wolfgang IV. (XIII.) hatte seine Bildung in Bologna genossen, wo er der Inquisitionskommission in die Hände fiel, er konnte sich allerdings retten. Danach sagte er sich vom Protestantismus los und wurde Katholik.16 Zu seinen Lebzeiten wurde die Burg in einem Zyklus von Bildern der Stubenberger Burgen durch den bekannten Topografen und Herausgeber Matthäus Merian den Älteren abgebildet. Das Werk wurde 1656 als Beilage zum 1649 erschienenen Werk Topographia Provinciarum Austriacarum veröffentlich.17 Wolfgang IV. (XIII.) ließ sofort nach der Übernahme der Burg einige Renovierungsarbeiten durchfüh15 Lamprecht, Die Burgherrschaft Mureck, S. 304. 16 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 235–250. 17 Vgl: Walter Brunner: Alte steirische Ansichten. Handzeichnungen (vor 1656) für Kupferstiche von Matthäus Merian d. Ä. Blätter für Heimatkunde (Graz), 84/3, 2010, S. 77–90.


Portal im Innenraum Portal v notranjščini

Arkadenhof Arkadno dvorišče

ren, wodurch die Burg eine noch prunkvollere Adelsresidenz wurde. Die äußere Burgmauer wurde mit einer kleineren Verteidigungsbastille und einem großen steinernen Hauptportal ergänzt, in dem die Initialen W. H. V. S. (Wolfgang Herr von Stubenberg) sowie die Jahreszahl 1628 eingemeißelt sind. Der Westflügel wurde mit einem Dachreiter betont, der mit einer Uhr ausgestattet und einem Zwiebeldach gedeckt war. Im Inneren wurde der Hauptsaal der Burg erneuert und seine Fassade durch große Doppelfenster im Stil der Spätrenaissance betont. Die Decken mehrerer Räume wurden mit Stuck verziert. An der Straße zwischen Burg und Brücke errichtete man einen großen Kornspeicher mit Gewölbekeller und elegante Fensterstöcke aus Stein. In der Nähe der Brücke wurde eine große Meierei erbaut. Die Burg hatte zu dieser Zeit nebst ihrer Funktion als Residenz und wirtschaftliches Zentrum nach wie vor auch eine große Bedeutung als Verteidigungsobjekt. Daher wurde das neue Burgtor mit einer Zugbrücke ausgestattet. Während des Türkenkriegs 1664 sicherte Wolfgang IV. (XIII.) von Stubenberg den Bewohnern des Marktes schriftlich zu, dass sie im Falle eines Osmaneneinfalls in der Burg Zuflucht finden könnten.18 18 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 249.

Schloss Obermureck

Er war dem unter der Burg gelegenen Markt und seinen Bewohnern, genau wie seine Vorfahren, sehr gewogen. Von 1665 bis zu seinem Tod unterstützte er den Bau des neuen Rathauses und des Kapuzinerklosters mit Kirche.19 Zeitgleich mit den baulichen Eingriffen auf der Burg unterstützte Wolfgang IV. (XIII.) zwischen 1631 und 1640 auch den Bau der Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in den Windischen Büheln (Sv. Trojica v Slovenskih goricah), aus der sich im 18. Jahrhundert die heutige mächtige dreitürmige barocke Kirche entwickelte.20 1668 wurde er dort begraben. Sein Grabstein befindet sich nach wie vor in der Kirche. Auf der Vorderfront des Rathauses von Mureck, das zwischen 1665 und 1668 erbaut wurde, ist neben anderen Skulpturen auch seine Büste erhalten. Der Prunk und Glanz einer Residenz, den die Burg während der Ära Wolfgang IV. (XIII.) von Stubenberg hatte, verblasste in späterer Zeit. Nach seinem Tod 1668 erbte den Besitz sein Sohn Wolfgang V. (XIV.) von Stubenberg 19 Vgl: Georg Kodolitsch: Mureck. Kunstgeschichtlicher Stadtführer. Herausgegeben anlässlich der Stadterhebungsfeier 1976. Graz: Leykam, 1976 (Kunstdenkmäler der Steiermark; 4). 20 Oskar Habjanič: Avguštinski samostan v Sv. Trojici v Slovenskih goricah v dobi baroka. Kronika, 62/1, 2014, S. 67–90.

(1629-1676), der hochverschuldet war, unter anderem wegen des Baus seiner neuen Barockresidenz – Schloss Wieden in Kapfenberg.21 Die Burg Obermureck war ab diesem Zeitpunkt bis ins 20. Jahrhundert vor allem ein wirtschaftliches Zentrum und wurde von Pflegern verwaltet. Nach dem Tod Wolfgang V. (XIV.) pachtete sein Bruder Georg von Stubenberg (1623-1703), der bis 1687 auch Landeshauptmann der Steiermark war, die Burg und das Herrschaftsanwesen.22 In Graz ließ er um 1689 in der heutigen Hans Sachs Gasse ein prächtiges Palais erbauen, die Burg Obermureck als Residenz erschien ihm nicht allzu angebracht. Bekannt ist, dass der angesehene Grazer Baumeister Bartholomäus Ebner, der wahrscheinlich auch beim Bau des Palais in Graz mitgewirkt hatte, 1679 die Meierei in Mureck umgebaut hatte.23 Wahrscheinlich ließ Georg von Stubenberg auch den hohen Bergfried abreißen; dieser ist auf Vischers Abbildung der Burg aus dem Jahr 1681 noch zu sehen, auf einer Zeichnung von Mureck, die 1712 der schlesische Topograf 21 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 264– 267. 22 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 264– 276. 23 Kohlbach, Steirische Baumeister.

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Schloss Obermureck im Jahr 1656, Matthäus Merian Grad Cmurek v letu 1656, Matthäus Merian

Friedrich Bernhard Werner angefertigt hatte, fehlt er bereits. Georg von Stubenberg hatte keine Kinder und so fiel Obermureck nach seinem Tod seinen Neffen Leopold I. (1673-1708) und Karl I. (1666-1723) zu. Zweiterer war der Sohn von Wolfgang V. (XIV.) von Stubenberg. Nach der Ermordung Leopold I. 1708 in Graz führte Karl I. die Besitztümer wieder zusammen. Nach ihm erbte sein Sohn Karl II. von Stubenberg (1696-1736) die Burg, nach diesem sein Onkel Johann I. von Stubenberg (vor 16911753), ein Cousin Karl I. von Stubenberg. Nach dem Tod Johann I. fiel die

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Herrschaft Obermureck seinen drei Söhnen zu, Wenzel (1731-1803), Franz I (1732-1796) und Sigmund (1733nach 1791). Wenzel kaufte seinen Brüdern in Raten ihre Anteile ab, und als er 1803 unverheiratet verstarb, erbte sein Neffe Franz II. von Stubenberg (17751811) den Besitz.24 Zu dieser Zeit kümmerte man sich um den Erhalt der Burg, bauliche Veränderungen wurden nicht durchgeführt. Die Gemächer im Inneren erhielten teilweise neuen Stuck, die den alten Stuck bzw. die Renaissan24 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 276– 290, 296– 298, 307–318.

ceholzdecken ersetzten. Vor der Brücke über den Burggraben wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Skulptur des Hl. Johannes Nepomuk errichtet, die um 1770 der südtiroler Barockbildhauer Veit Königer (1729-1792) gestaltete und die heute vor Schloss Gutenberg bei Weiz steht. 1811 verstarb Franz II. von Stubenberg kinderlos und Josef von Stubenberg (1740-1824), ein Ururenkel von Wolfgang V. (XIV.) von Stubenberg und Fürstbischof von Eichstätt in Bayern,


Hauptportal Glavni portal

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Schloss Obermureck im 17. Jahrhundert Grad Cmurek v 17. stoletju

erbte die Burg Obermureck.25 Ihm folgten als Besitzer von Obermureck seine Brüder Felix (1748-1828) und Leopold III. von Stubenberg (1769-1839).26 Da auch sie ohne Nachkommen blieben, fiel die Burg 1839 Josef Felix Adolf von Stubenberg (1824-1896) zu, dem Enkel ihres ältesten Bruders Christian von Stubenberg (1739-1806) und Sohn ihres Neffen Gustav Adolf Josef Christian von Stubenberg (1792-1833).27 Die Burg blieb bis 1931 im Besitz seiner 25 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 318– 324. 26 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 323– 324. 27 Loserth, Geschichte des Altsteirischen Herren- und Grafenhauses Stubenberg, S. 326– 328 sowie beiliegende Ahnentafel.

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Nachfahren. 1848 wurde durch die Abschaffung der feudalen Gesellschaftsordnung aus dem Zentrum einer feudalen Grundherrschaft der Sitz des Großgrundbesitzes. Das Geschlecht der Stubenberger verlor all ihre damaligen Rechte über den Markt und seine Bewohner.28 Die Burg wurde auch im 19. Jahrhundert baulich nicht verändert, sie wurde höchstens in Stand gehalten. Nach 1824 wurde von der Burg zur Brücke eine neue, flachere Straße gebaut. Vor 1824 wurde südlich der Burg eine neue Meierei errichtet, aus der sich später Schloss Neu Khünegg entwickelte bzw. die sogenannte Oberburg. Vor 1864, als Carl Reichert eine Abbildung der Burg anfertigte, wurde unter 28 Lamprecht, Mureck und die Stubenberger, S. 100.

dieser, an der Stelle wo sich ein älteres, kleineres Gebäude befunden hatte, für das Adelsgeschlecht Stubenberg ein großes einstöckiges rechteckiges Gebäude errichtet, in dem sich eine Gaststätte befand. Als Andreas Janisch 1885 Obermureck besuchte, gab es im ersten und zweiten Stock der Burg 30 größere Säle. Im zweiten Stock befanden sich auch der Rittersaal und ein Saal mit Malereien an der Holzdecke. In der Burg befand sich außerdem die Kapelle der hl. Barbara und das Burgarchiv.29

29 Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark: mit historischen Notizen und Anmerkungen. II. Band. L–R. Graz: Leykam-Josefstahl, 1885, S. 333.


Schloss Obermureck im 19. Jahrhundert Grad Cmurek v 19. stoletju

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts begann für die Burg eine neue Ära des Umbruchs, verbunden mit großen gesellschaftlichen Veränderungen. Die alte Holzbrücke unter der Burg wurde 1905 gegen eine aus Stahl ausgetauscht. Zur selben Zeit verlor die Burg einen kleinen Sanitärzubau aus dem 17. Jahrhundert. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie fiel die Burg 1919 dem neuen Staat der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Jugoslawien zu. Auch wurde sie durch den Grenzverlauf vom Markt getrennt, mit dem sie seit dem 13. Jahrhundert eng verbunden gewesen war. Wegen des Verlusts großer Teile des Grundbesitzes und der Wirtschaftskrise veräußerten die Stubenberger die Burg 1931.

Schloss Obermureck

Neuer Besitzer wurde ihr Verwalter Anton Mally.30 Über Jahrzehnte wurden Teile des weitläufigen Burggebäudes als Gastwirtschaft mit Gästezimmern genutzt, einige Zeit lang auch als Ordination. Die Einrichtung der repräsentativen Burgräumlichkeiten war durch die Stubenberger bis 1931 teilweise verkauft worden, teilweise hatten sie sie nach Schloss Gutenberg bei Weiz transferiert. Dort sind auch heute noch einige Steinportale erhalten, die aus der Burg Obermureck stammen, Öfen aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, einige Möbel, kleinere Gegenstände und ein bemalter Holzplafond aus

30 Krajevni leksikon Dravske banovine. Ljubljana: Zveza za tujski promet za Slovenijo, 1937, S. 445.

der Spätrenaissance.31 Nach dem zweiten Weltkrieg, als die Burg von 1941 bis 1945 als Schule und Internat für deutschsprachige Jugendliche gedient hatte, verstaatlichte die neue jugoslawische Obrigkeit das Gebäude und den dazugehörigen Besitz. 1947 wurde in der Burg ein Pensionistenheim eingerichtet.32 1953 begann man mit der Renovierung des Burggebäudes. 1956 31 Vgl.: Peter Krenn: Die Oststeiermark. Ihre Kunstwerke, historischen Lebens- und Siedlungsformen. Salzburg: Verlag St. Peter, 1981 (Österreichische Kunstmonographie, XI), S. 149; Ivan Komelj: Grad kot spomeniškovarstveni problem v času med obema vojnama. Varstvo spomenikov, 25, 1983, S. 13–32. 32 Rajko Muršič: Trate vaše in naše mladosti. Zgodba o mladinskem in rock klubu. Ceršak: Subkulturni azil, 2000, II. knjiga, S. 390, 399, 408.

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wurde das Pensionistenheim zu einer psychiatrischen Anstalt umgewandelt. Diese Funktion als Einrichtung für psychisch Kranke hatte die Burg bis zum Jahr 2004 inne. 1960 wurden daher die Arkadengänge verglast und im Inneren neue Bäder und Toiletten eingerichtet.33 1970 wurde im Innenhof der hohe Schornstein der Zentralheizung errichtet. Trotz dieses baulichen Eingriffs blieb die historische Bausubstanz im Großen und Ganzen unversehrt und das slowenische Amt für Denkmalschutz erhob die Burg 1974 zusammen mit fünfzig anderen Burgen und Schlössern auf die Liste der bedeutendsten Kulturdenkmäler Sloweniens.34 1987 wurde die Fassade der Burg renoviert, 1995 das Dach. Nachdem die psychiatrische Anstalt 2004 die Burg verließ, begann eine neue Ära ihrer Geschichte und alles deutet darauf hin, dass sie abermals aufleben wird. Diesmal als lebhaftes Kulturzentrum, das aufs Neue die Bewohner beiderseits der Mur zusammenbringen wird.

33 Jože Curk: Cmurek. Konservatorska poročila. Varstvo spomenikov, 8, 1960/1961, S. 102. 34 Kulturni spomeniki v Sloveniji. Spomeniki prve kategorije. Ljubljana: Zavod za spomeniško varstvo SR Slovenije, 1974, S. 63 (Autor: dr. Ivan Komelj). Vgl.: Ivan Stopar: Gradovi na Slovenskem. Ljubljana: Cankarjeva založba, 1986, S. 32–34; Ivan Stopar: Grajske stavbe v vzhodni Sloveniji. Prva knjiga. Območje Maribora in Ptuja. Ljubljana: Partizanska knjiga – Znanstveni institut Filozofske fakultete, 1990 (Grajske stavbe 1), S. 31–37; Muršič, Trate, II, S. 407.

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Oben: Postkarte 1918 Unten: Schloss Obermureck heute

Zgoraj: razglednica 1918 Spodaj: grad Cmurek danes


Schloss Obermureck

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Archäologische Ausgrabung des Grabhügels 1 auf dem Bubenberg (Hoarachkogel) bei Spielfeld Arheološko izkopavanje gomile 1 na Novinah pri Šentilju

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privat

Grenzenloses archäologisches Erbe Projekt BorderArch-Steiermark � Matija Črešnar, Marko Mele und Karl Peitler

Die Grenze zwischen Slowenien und der Steiermark trennt eine einheitliche und durch die gemeinsame Geschichte verbundene Kulturlandschaft, die sich von den frühesten Epochen, die wir nur über archäologische Funde erfassen können, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts einheitlich entwickelt hat. Obwohl das Interesse von Archäologen und anderen Forschern an diesem Gebiet bereits vor der Unabhängigkeit Sloweniens groß war und sie die modernen Grenzen überwinden wollten, waren diese Bemühungen mit großen Einschränkungen verbunden, weil die Fundstellen an der Grenze wegen der damaligen politischen Situation nicht frei zugänglich waren. Der erste Schritt zur Erforschung des archäologischen Erbes dieser Region wurde von sechs Partnern aus Slowenien und der Steiermark durch das Projekt InterArch-Steiermark (Interaktives archäologisches Erbe der slowenischen und österreichischen Steiermark) gemacht, das 2011 im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung des Operationellen Programms Slowenien-Österreich 2007-2013 bewilligt wurde. Bei diesem Projekt digitalisierten wir mehr als 24.000 Seiten Archivalien aus dem Universalmuseum Joanneum, der Zentrale des österreichischen Bundesdenkmalamtes und des Kunsthistorischen Museums Wien, die wichtige Informationen über das archäologische Erbe Sloweniens beinhalten. Zudem haben wir alle archäologischen Funde, die sich historisch bedingt in den Depots des Universalmuseums Joanneum befinden und aus Fundstellen in Slowenien stammen, gesammelt, digitalisiert und auf der Website www.interarch-steiermark.eu veröffentlicht. Für die Verwaltung dieser großen Menge an Daten wurde ein spezielles digitales Werkzeug entwickelt, das aus mehreren miteinander verbundenen Datenbanken zusammengesetzt ist. Es ermöglicht auch die Erfassung aktueller archäologischer Untersuchungen, die im Programmgebiet durchgeführt werden. Das Projekt BorderArch-Steiermark (Register von archäologischen Fundstellen entlang der österreichisch-slowenischen Grenze) ist ein Follow-up-Projekt des langjährigen Projektes InterArch-Steiermark, das Ende 2014 erfolgreich abgeschlossen wurde. BorderArch-Steiermark wurde im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung für Projektideen des Operationellen Programms Slowenien-Österreich 2007–2013 bewilligt. Das Hauptziel des Projektes war es, ein digitales Register archäologischer Fundstellen, die an der slowenisch-steirischen Grenze liegen, zu erstellen. Das Projektteam erforschte diese Region archäologisch aus der Luft, am Boden und unter der Erde mittels Geophysik und Grabungen. Das Projekt wurde im Rahmen des Operationellen Programms Slowenien-Österreich 2007–2013 aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, des Landes Steiermark und des Regierungsamts der Republik Slowenien für Ent-

Doz. Dr. Matija Črešnar Nach Abschluss des Diplomstudiums im Jahr 2004 Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdiplomstudium) am Institut für Archäologie der Philosophischen Fakultät Ljubljana. Promotion im Jahr 2009 mit der Arbeit „Rogoza pri Mariboru in njeno mesto v bronasti in starejši železni dobi Podravja“ („Rogoza bei Maribor und seine Stelle in der Bronze- und Früheisenzeit der Podravje Region“). Črešnar wirkte als wissenschaftlicher Assistent an unterschiedlichen Forschungsprojekten des Instituts für Archäologie mit, u.a. an „Absolutna kronologija bronaste in železne dobe na Slovenskem“ („Absolute Chronologie der Kupfer- und Eisenzeit in Slowenien“) und „Tradicija in inovativnost v prazgodovini“ („Tradition und Innovation in der prähistorischen Zeit“), beide unter Leitung von Prof. Dr. Biba Teržan. Seit 2013 nimmt er an dem internationalen Projekt „Encounters and Transformations in Iron Age Europe“ unter der Leitung von Prof. Ian Armit (Universität Bradford) teil, und vertritt seit April 2014 bei „BorderArch Steiermark“ unter der Leitung von Dr. Marko Mele (Universalmuseum Joanneum Graz) in leitender Funktion das Institut für Archäologie der Philosophischen Fakultät Ljubljana. Seit Oktober 2014 unterrichtet er im Fachbereich „Archäologie der Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit“. Seit 2009 arbeitet er

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auch als Konservator beim Zentrum für präventive Archäologie des Instituts für den Schutz des Kulturerbes Sloweniens (CPA ZVKDS), u.a. als Projektleiter des Projektpartners CPA ZVKDS an den internationalen Projekten „Forte Cultura. Capitalizing of fortified Heritage for a Sustainable Development of Cities and Regions“ mit der polnischen Stadt Küstrin als Hauptpartner des Projektes, und an „InterArch Steiermark”. privat

Dr. Marko Mele Abschluss des Diplomstudiums der Archäologie an der Philosophischen Fakultät der Universität in Ljubljana im Jahr 2003 mit einer Arbeit zur eisenzeitlichen Siedlung in Hajndl/Nordostslowenien. Im Rahmen des Doktorstudiums DAAD-Forschungsstipendiat am Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin von Oktober 2004 bis September 2005 tätig. Promotion zum Dr. Sci. an der Universität Ljubljana im Jahr 2009 mit der Dissertation „Siedlungen Hajndl und Ormož in der Spätbronze- und Früheisenzeit“. 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Pokrajinski muzej Ptuj. Von 2007 bis 2009 Prüfer von EU-Projekten im Regierungsamt der Republik Slowenien für lokale Selbstverwaltung und regionale Politik. Seit 2010 Chefkurator der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung der Abteilung Archäologie & Münzkabinett am Universalmuseum Joanneum. Forschungsschwerpunkt: Bronze - und Früheisenzeit im Südostalpenraum.

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wicklung und europäische Kohäsionspolitik mitfinanziert. Das Budget des vom 1. April 2014 bis zum 31. März 2015 durchgeführten Projektes betrug knapp 300.000 EUR. Die Projektpartner waren das Universalmuseum Joanneum (Abteilung Archäologie & Münzkabinett), die Universität Ljubljana (Philosophische Fakultät, Abteilung für Archäologie) und das Denkmalamt Sloweniens (Zentrum für präventive Archäologie). Das Erforschen und Erfassen der archäologischen Fundstellen unmittelbar an der slowenisch-österreichischen

Grenze verlangte eine enge Zusammenarbeit zwischen den WissenschaftlerInnen beider Länder. Die Methoden der Feldarbeit der beiden Länder unterscheiden sich nicht wesentlich. Die kleinen Unterschiede beim Dokumentieren der archäologischen Überreste und bei der Erstellung der Forschungsberichte sind auf die unterschiedliche Praxis des Denkmalschutzes zurückzuführen. Die Auswertung der schriftlichen und digitalen Quellen beschränkte sich auf Materialien, in denen Informationen zu archäologischen Fundstellen in einem


Karte aus dem Umschlag der Projektpublikation „Archäologische Biographie einer Landschaft an der steirisch-slowenischen Grenze“. Karte aus Platnica projektne publikacije „Arheološka biografija krajine ob meji med avstrijsko Štajersko in Slovenijo“.

privat

Gebiet von bis zu 10 km nördlich und südlich der Grenze zu erwarten waren. Mit dem Einbeziehen aller veröffentlichten und unveröffentlichten Daten entstand zuerst eine historische Analyse dieses Gebietes, die einen Überblick über archäologische Forschungstätigkeiten in der Grenzregion seit dem 18. Jh. gibt. Hierzu wurden auch die Resultate der Archivrecherchen des Projekts InterArch-Steiermark verwendet. Gleichzeitig begannen wir auch mit der Analyse der Daten, die mit Airborne Laser Scanning bzw. mit dem LiDAR-System gewonnen wurden. Mit

Grenzenloses archäologisches Erbe

dieser Methode wird die Erdoberfläche sehr genau vermessen und es werden Einblicke in die natürlichen und anthropogenen Prozesse geboten, die die Landschaft verändern. Die Methode ist besonders wichtig für die Erfassung und Dokumentation von Geländedenkmalen in Gebieten mit Waldbestand. Die Durchführung von archäologischen Untersuchungen auf so einem umfangreichen Areal ist sehr aufwendig, weshalb das Gebiet in mehrere Abschnitte geteilt wurde. Zuerst untersuchten wir die Umgebung von Šentilj/Spielfeld, da wir auf den archäologischen Fundstel-

Mag. Karl Peitler Studium der Klassischen Philologie an der Karl-Franzens-Universität Graz, 1989 Sponsion zum Mag. phil., 1990–1994 Lehrbeauftragter an der Karl-Franzens-Universität Graz, seit 1995 Mitarbeiter des Universalmuseums Joanneum, seit 2009 Leiter der Abteilung Archäologie & Münzkabinett des Universalmuseums Joanneum. Forschungsschwerpunkte: Prägestätte Graz, Fundmünzen der Steiermark

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Untersuchung eines archäologischen Schnitts auf dem Platsch durch ein bilaterales Team. Bilateralna ekipa raziskuje arheološko sondo na Plačkem vrhu.

len Novine/Bubenberg (Hoarrachkogel) und Plački vrh/Platsch, die an der slowenisch-österreichischen Grenze liegen, auch umfangreichere Feldarbeiten planten. Zeitgleich mit der Überprüfung bereits bekannter Fundstellen und der Dokumentation neuer (potenzieller) Fundstellen trugen wir die Daten in die geschlossene Datenbank des Zentrums für präventive Archäologie des Denkmalamts Sloweniens ein, wodurch sie der Denkmalpflege direkt zur Verfügung gestellt wurden. Gleichzeitig erfolgte die Einspeisung in die digitale Datenbank, die im Rahmen des Projektes InterArch-Steiermark aufgebaut wurde und im Internet frei zugänglich ist. Zahlreiche Daten wurden auf diese Weise ohne Umwege direkt der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Auch die Feldarbeit erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Der erste Schritt, die Überprüfung im Gelände, war eng mit der Auswertung der schriftlichen und digitalen Quellen verknüpft. Aufgrund der Daten, die wir aus der Auswertung der schriftlichen Quellen und der LiDAR-Aufzeichnungen gewannen, überprüften wir ausgewählte Standorte, die ein großes archäologisches Potenzial zeigten und bisher noch nicht in das Register des Kulturerbes aufgenommen wurden bzw. von denen wir noch nicht viel wussten. Die ausgewählten potenziellen archäologischen Fundstellen wurden grundlegend beschrieben und

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mit einer Fotodokumentation erfasst. Die Dokumentationen zu den neu entdeckten Fundstellen wurden den Denkmalschutzbehörden in Slowenien und Österreich übergeben und damit auch formelle Maßnahmen zu ihrem Schutz vorgeschlagen. Bei ausgesuchten Fundorten folgten nicht-invasive geophysikalische Untersuchungen, die wegen der unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften äußerst gute Daten über die Zusammensetzung, Tiefe und den Zustand der Erdschichten und -strukturen unter der Oberfläche lieferten. Den zweiten Teil der Feldforschungen stellten die archäologisch wenig-invasiven und invasiven Eingriffe dar, wie z.B. das Bohren mit einem geologischen Kernbohrer, das Graben von Testschnitten in der Größe von 1 x1m und – wo dies notwendig war – das Ausgraben von etwas größeren Flächen, um archäologische Fragen zu klären. Nachdem die Grabungsarbeiten abgeschlossen worden waren, wurde das gefundene Material sortiert. Das keramische, metallische und aus Glas bestehende Material und die Funde aus Stein wurden gewaschen, restauriert und konserviert, beschrieben und teilweise inventarisiert. Sedimente aus den Gräbern und anderen wichtigeren intakten Strukturen wurden dann mit Nasssiebung mit zwei Sieben gesiebt. Das so durchsiebte Material wurde sortiert,

wobei unter anderem Schmuckperlen aus Knochen und viele organische Überreste wie Holzkohle, Getreidesamen usw. entdeckt wurden. Es wurden eine paläobotanische Analyse, Radiokarbondatierungen und eine Computertomografie des entdeckten Grabes vorgenommen. Zum Projektabschluss organisierten wir die Konferenz „Archäologie, Denkmalpflege und Tourismus an der Grenze / Arheologija, spomeniško varstvo in turizem ob meji“, die im Kultursaal der Marktgemeinde Wagna und im Pavelhaus in Laafeld bei Radkersburg am 13. und 14. März 2015 stattfand. Bei der Konferenz wurden einem breiten Publikum die Ergebnisse des Projekts Border­Arch-Steiermark und interessante bereits bestehende Präsentationen von archäologischem Erbe vorgestellt. Das Treffen wurde mit einer Exkursion nach Platsch und Bubenberg abgerundet. Mit der Konferenz wollten wir die Menschen aus der Grenzregion auf ihr bedeutendes archäologisches Erbe und seinen Nutzen für den Tourismus aufmerksam machen. Die Ergebnisse des Projekts erschienen in der Publikation „Archäologische Biographie einer Landschaft an der steirisch-slowenischen Grenze / Arheološka biografija krajine ob meji med avstrijsko Štajersko in Slovenijo“, die auch auf der Projektinternetseite www.interarch-steiermark.eu zugänglich ist.


Brezmejna arheološka dediščina

Projekt BorderArch-Steiermark � Matija Črešnar, Marko Mele in Karl Peitler � Marko Mele

Državna meja med Slovenijo in avstrijsko Štajersko ločuje enotno in zgodovinsko povezano kulturno krajino, ki se je od najzgodnejših zgodovinskih obdobij, ki jih lahko razumemo le s pomočjo arheoloških najdb, do začetka 20. stoletja enotno razvijala. Čeprav je bilo zanimanje arheologov in drugih raziskovalcev tega območja veliko že pred samostojnostjo Slovenije in so želeli preseči sodobne meje, vsa najdišča ob meji zaradi takratne politične situacije niso bila prosto dostopna za raziskovanje. Prvi korak k raziskovanju skupne arheološke dediščine te regije je naredilo šest partnerjev iz Slovenije in avstrijske Štajerske s projektom InterArch-Steiermark (Interaktivna arheološka dediščina slovenske in avstrijske Štajerske), ki je bil leta 2011 odobren v okviru drugega javnega razpisa Operativnega programa Slovenija-Avstrija 2007–13. V tem projektu smo digitalizirali več kot 24.000 strani arhivskih dokumentov iz arhivov Univerzalnega muzeja Joanneum, centrale Urada za varstvo kulturne dediščine Avstrije in Umetnostnozgodovinskega muzeja na Dunaju, ki razkrivajo pomembne informacije o arheološki dediščini Slovenije. Ob tem smo zbrali, digitalizirali in na internetni strani www.interarch-steiermark.eu objavili vse arheološke najdbe, ki se zgodovinsko pogojeno nahajajo v depojih Univerzalnega muzeja Joannuem in prihajajo iz najdišč v Sloveniji. Za upravljanje te velike količine podatkov je bilo razvito posebno digitalno orodje, sestavljeno iz več med seboj povezanih baz podatkov, ki omogoča zajemanje tudi aktualnih arheoloških raziskav v programskem območju. Projekt BorderArch-Steiermark (Register arheoloških najdišč ob avstrijsko-slovenski mejni črti) je t. i. follow-up projekt večletnega projekta InterArch-Steiermark, ki se je uspešno zaključil konec leta 2014. Ta projekt je bil odobren v okviru javnega poziva za predložitev projektnih idej Operativnega programa Slovenija-Avstrija 2007–13. Njegov poglavitni cilj je bil vzpostaviti digitalni register arheoloških najdišč, ki ležijo na meji med Slovenijo in Deželo Štajersko. Projektna ekipa je to regijo arheološko raziskovala iz zraka, s tal ter z geofizikalnimi raziskavami in izkopavanji tudi pod zemljo. Projekt je v okviru Operativnega programa Slovenija-Avstrija 2007–13 sofinanciran s sredstvi Evropskega fonda za regionalni razvoj, Dežele Štajerske in Službe Vlade RS za razvoj in evropsko kohezijsko politiko. Proračun projekta, ki smo ga izvedli od 1. aprila 2014 do 31. marca 2015, je znašal skoraj 300.000 EUR. Projektni partnerji so bili Univerzalni muzej Joanneum (Oddelek Arheologija & Numizmatični kabinet), Univerza v Ljubljani (Filozofska fakulteta, Oddelek za arheologijo) in Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije (Center za preventivno arheologijo).

Doz. Dr. Matija Črešnar Po končanem dodiplomskem študiju je leta 2004 na Oddelku za arheologijo Filozofske fakultete Univerze v Ljubljani (OzA FF UL) kot mladi raziskovalec začel podiplomski študij. Zaključil ga je leta 2009 z doktorsko disertacijo na temo Rogoza pri Mariboru in njeno mesto v bronasti in starejši železni dobi Podravja. Odtlej je bil na Oddelku za arheologijo zaposlen na različnih raziskovalnih projektih, Absolutna kronologija bronaste in železne dobe na Slovenskem ter Tradicija in inovativnost v prazgodovini, oba pod vodstvom akad. prof. dr. Bibe Teržan. Od leta 2013 sodeluje na mednarodnem projektu Encounters and Transformations in Iron Age Europe, pod vodstvom prof. Iana Armita (Univerza v Bradfordu), od aprila 2014 pa tudi na mednarodnem projektu BorderArch Steiermark, pod vodstvom dr. Marka Meleta (Univerzalni muzej Joanneum Graz), kjer je v obeh primerih vodja projekta pri projektnem partnerju (OzA FF UL). Od oktobra 2014 je na OzA FF UL zaposlen kot visokošolski učitelj za Arheologijo kovinskih obdobij. Od leta 2009 je sočasno kot konservator z doktoratom zaposlen na Centru za preventivno arheologijo Zavoda za varstvo kulturne dediščine Slovenije (CPA ZVKDS), kjer opravljala različne funkcije, med drugim pa je bil vodja projektov pri projektnem partnerju CPA ZVKDS na mednarodnih projektih Forte Cultura. Capitalizing of fortified Heritage for a Sustainable Development of Cities and Regions, z vodilnim partnerjem Poljskim mestom Kostrzyn nad Odra, in InterArch Steiermark.

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Dr. Marko Mele Diplomski študij arheologije na Filozofski fakulteti Univerze v Ljubljani je leta 2003 zaključil z nalogo, v kateri je raziskoval naselbino iz starejše železne dobe na Hajndlu v severovzhodni Sloveniji. V okviru doktorskega študija je med oktobrom 2004 in septembrom 2005 deloval kot mladi raziskovalec – štipendist DAAD na Oddelku za prazgodovinsko arheologijo Svobodne univerze v Berlinu. Na Univerzi v Ljubljani je leta 2009 z disertacijo Naselbini Hajndl in Ormož v pozni bronasti in zgodnji železni dobi promoviral v naziv doktorja znanosti. Leta 2005 je bil dejaven kot znanstveni sodelavec Pokrajinskega muzeja Ptuj. Med letoma 2007 in 2009 ocenjevalec projektov EU na Uradu vlade Republike Slovenije za lokalno samoupravo in regionalno politiko. Od 2010 glavni kurator prazgodovinske zbirke Oddelka arheologija in numizmatični kabinet Univerzalnega muzeja Joanneum. Težišče raziskovanja: bronasta in zgodnja železna doba v jugovzhodnem alpskem prostoru.

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Raziskovanje in registriranje arheoloških najdišč neposredno ob slovenskoavstrijski meji je zahtevalo tesno sodelovanje raziskovalk in raziskovalcev iz obeh držav. Metodologija terenskega dela se med državama bistveno ne razlikuje. Manjše razlike pri dokumentaciji arheoloških ostalin in izdelavi poročil pa izhajajo iz različnih praks spomeniškega varstva. Vrednotenje pisnih in digitalni virov smo usmerili na gradivo, v katerem smo pričakovali informacije o arheoloških najdiščih na območju do 10 km severno in južno od meje. Z zajemom tako objavljenih kot neobjavljenih podatkov smo najprej pripravili historično analizo tega prostora, ki daje pregled nad arheološkimi raziskavami v obmejni regiji od 18. stol. dalje. Pri tem smo s pridom uporabljali tudi rezultate analiz arhivskega gradiva iz predhodnega projekta InterArch-Steiermark. Sočasno smo začeli tudi s študijo podatkov, pridobljenih z laserskim skeniranjem prostora oz. z lidarjem. Gre za metodo, s katero zelo natančno izmerimo zemljino površje, s tem pa pridobimo vpogled v naravne in antropogene procese, ki so preoblikovali krajino. Metoda je izjemnega pomena predvsem na območjih, ki so porasla z gozdom, saj do-

pušča dokumentiranje arheoloških spomenikov tudi v takšnih okoliščinah. Izvedba arheoloških raziskav na tako obsežnem območju je precej zahtevna, zato smo ga razdelili na manjša območja. Najprej smo se tako lotili okolice Šentilja/Spielfelda, saj smo na arheoloških najdiščih Novine/Bubenberg (Hoarrachkogel) in Plački vrh/Platsch, ki ležijo prav na slovensko-avstrijski meji, načrtovali tudi obsežnejše terenske raziskave. Sočasno s preverjanjem že znanih arheoloških najdišč in evidentiranjem novih (potencialnih) arheoloških najdišč smo podatke vnašali na eni strani v zaprto bazo Centra za preventivno arheologijo ZVKDS, s čimer so bili podatki neposredno vključeni v varovaje kulturne dediščine, ter v digitalno bazo, zasnovano v sklopu projekta InterArch-Steiermark, ki je dostopna na spletu. Na ta način so bili številni podatki domala takoj dostopni tudi širši zainteresirani javnosti. Tudi terensko delo je bilo izvedeno v več raziskovalnih sklopih. Prvi, ki je bil najbolj neposredno povezan z vrednotenjem pisnih in digitalnih virov, je bilo terensko preverjanje rezultatov. Sledeč podatkom, pridobljenim s historično analizo in predvsem lidarskim snemanjem, smo preverjali izbrane lokacije, ki


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so izkazovale velik arheološki potencial, pa doslej še niso bile vključene v registre kulturne dediščine oz. o njih še ni bilo veliko znanega. Na izbranih potencialnih arheoloških najdiščih so bili narejeni osnovni opisi in fotografska dokumentacija, ki smo jo predali službam za varstvo kulturne dediščine v Sloveniji in Avstriji in s tem predlagali tudi formalne ukrepe za zaščito novoodkritih najdišč. Na izbranih najdiščih so sledile neinvazivne geofizikalne raziskave, ki zgolj na podlagi različnih fizikalnih lastnosti plasti in struktur pod zemljo dajejo izjemno dobre podatke o njihovi sestavi, globini in ohranjenosti. Drugi del terenskih raziskav so predstavljali arheološki šibko invazivni in invazivni postopki, kot so vrtanje z geološkim svedrom, kopanje testnih sond velikosti 1 × 1 m ter izkopavanja nekoliko večjih površin, kjer je bilo to potrebno za razjasnitev zastavljenih arheoloških vprašanj. Po zaključenem terenskem delu je bilo vso odkrito gradivo sortirano. Keramične, kovinske, steklene in kamnite najdbe so bile oprane, restavrirane in konzervirane, popisane in delno inventarizirane. Sedimenti iz grobov in drugih pomembnejših intaktnih struktur so bili nato presejani z metodo mokrega seja-

Brezmejna arheološka dediščina

nja. V presejanem materialu je bilo s sortiranjem mogoče odkriti koščene nakitne jagode in številne ostanke organskega izvora, kot so oglje, semena žit itn. Izvedeni so bili paleobotanična analiza, radiokarbonsko datiranje in računalniška tomografija odkritega groba.

Der erste Tag der Abschlusskonferenz fand im Kultursaal der Marktgemeinde Wagna statt. Exkursion auf dem Hoarachkogel. Der zweite Tag der Abschlusskonferenz im Pavelhaus.

Ob zaključku projekta smo pripravili konferenco Archäologie, Denkmalpflege und Tourismus an der Grenze/Arheologija, spomeniško varstvo in turizem ob meji, ki je potekala 13. in 14. marca 2015 v Kulturni dvorani občine Wagna in Pavlovi hiši v Potrni pri Radkersburgu. Na konferenci smo širšemu občinstvu podali informacije o rezultatih projekta BorderArch-Steiermark in predstavili zanimive že obstoječe predstavitve kulturne dediščine. Srečanje smo popestrili z obiskom arheoloških najdišč Plački vrh in Novine pri Šentilju. S konferenco smo želeli opozoriti prebivalce mejne regije na pomembno arheološko dediščino in spodbuditi njeno vključevanje v turistično ponudbo.

Prvi dan zaključne konference je potekal v Kulturni dvorani občine Wagna. Ekskurzija na Novine pri Šentilju. Drugi dan zaključne konference v Pavlovi hiši.

Vsi rezultati projekta so objavljeni v publikaciji Archäologische Biographie einer Landschaft an der steirisch-slowenischen Grenze/Arheološka biografija krajine ob meji med avstrijsko Štajersko in Slovenijo, ki je dostopna tudi na internetni strani projekta www.interarchsteiermark.eu.

Mag. Karl Peitler Študij klasične filologije na Univerzi Karla in Franca v Gradcu, leta 1989 pridobitev naziva mag. phil., v obdobju 1990– 1994 poučevanje na Univerzi Karla in Franca v Gradcu, od leta 1995 sodelavec Univerzalnega muzeja Joanneum, od leta 2009 vodja Oddelka arheologija in numizmatični kabinet Univerzalnega muzeja Joanneum. Težišče raziskovanja: kovnica Gradec, najdbe novcev na Avstrijskem Štajerskem

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Wanderung 2005 Pohod 2005


Die Ramsar-Wanderung

privat

Der verrückte Aufstand gegen die Wasserkraftwerke an der Mur � Bernard Wieser

Als im Jahr 2000 der Fischereiverein Tabrih an der Mur einen ersten Wandertag zum Ramsartag im Winter organisierte, um der Bevölkerung die Wichtigkeit des Gewässers zu vermitteln, wurde dieser Event auch von den örtlichen Naturschutzvereinen mitgetragen. Ramsar, das ist eine Stadt im Iran, in der am 2. Februar 1971 ein Internationales Abkommen zum Schutz von Feuchtgebieten (das Ramsar-Abkommen) unterzeichnet wurde. Seitdem sind zahlreiche Gebiete in die Ramsarliste aufgenommen worden. Wir begehen unsere Wanderung immer am Sonntag, der diesem 2. Februar am nächsten steht. Bis zum Jahr 2005 dauerte es, dass sich auch österreichische Aktivisten unter die Wanderer mischten. Damals fand die Wanderung im Auwald bei Lendava statt. Ich erinnere mich genau: Wir kamen mit einem Bus voller Leute aus Feldbach, Stainz/Straden, Halbenrain und Bad Radkersburg. Es hatte geschneit und war bitter kalt. Unter minus 15°C. Fast ein halber Meter Schnee lag im Auwald. Einige Lagerfeuer erinnerten so manche Aktivisten an die Hainburg-Zeit. Ein Jagdhaus wurde als Besprechungsraum der Organisatoren genutzt. Ich lernte David Reeder kennen, ein amerikanischer Aktivist, der einige Jahrzehnte schon für das Donau-Drau-Mur-System für den WWF aktiv war. Auch der bekannte slowenische Schriftsteller Vlado Žabot war unter den Leuten und Stanka Desnik, die mich eingeladen hatte. Velimir Turk, ein Geologe, der ursprünglich aus Kroatien stammt und zu dieser Zeit in Lendava arbeitete, ein kleiner Mann mit einem großen Herz für den Naturschutz. Natürlich auch Franc Žižek von Tabrih, der Hauptorganisator und einige Leute von DOPPS-BirdLife Slowenien, auch Stojan Habjanič von Moja Mura. Auch von österreichischer Seite waren die alten Weggefährten dabei. Michael und Marlis Breuss aus Mureck, Detlef Prelicz aus Halbenrain, Oskar Tiefenbach aus Feldbach oder Hans Gepp aus Graz um nur einige zu nennen. Ich war gleich Feuer und Flamme. Wir wanderten den Fluss hinunter und durch den Auwald wieder hinauf. Es waren über 20 Kilometer und wir befürchteten schon, uns verlaufen zu haben. Endlich kamen wir wieder zum Ausgangslager. Es gab ein warmes Bogratsch, eine Kartoffel-Wurst-Suppe und für die Vegetarier nur Kartoffel-Suppe. Wir wussten, dass wir mit dieser Wanderung ein Zeichen gesetzt hatten. Nicht nur während der warmen Sommerzeit würden wir für den Fluss da sein, sondern auch während der unwirtlichen, kalten Winterzeit. Und wir hatten Pläne. Wir wollten ein internationales Komitee gründen, um grenzüberschreitend zusammen zu arbeiten. Und so geschah es auch. Nur wenige Monate später trafen wir uns in Mureck wieder, um das Murschutzkomitee aus der Taufe zu heben. Dieter Dorner, der Gründer des österreichischen Ö3-Senders und Radiolegende sorgte für Publicity. An die 40

Bernard Wieser Geboren 1964 und aufgewachsen in Kärnten, Studium Biologie und Ökologie an der Karl-Franzens-Universität Graz, Fachmann im Bereich Europaförderung für Landwirtschaft und Naturschutz (als Mitarbeiter des Naturschutzbundes bis März 2015), landwirtschaftlicher Betriebsleiter seit 2003 und seit 2011 für biologischen Betrieb (bis zu 130 ha von 70 Verpächtern), Geschäftsführer des Naturschutzvereines Lebende Erde im Vulkanland seit 2003, Natura2000 Gebietsbetreuer (1999 – 2015), nationale und internationale Zusammenarbeit im gesamten europäischen Raum mit NGOs und Interessensverbänden. Herausgeber und Co-Autor des Naturführers Steirisches Vulkanland, Träger des Steirischen Volkskulturpreises, des Preises der UNESCO für Immaterielles Kulturerbe, Klimaschutzpreis, Ehrennadel Steirisches Vulkanland, internationale und nationale Auszeichnungen für Leistungen im Naturschutz. Bernd Wieser ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. In seiner Freizeit beschäftigt er sich als Chorsänger, spielt Billard und Schach und er geht gerne auf Reisen.

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10 Jahre Wanderungen an der Mur mit dem Verein Tabrih

10 let pohodov ob Muri z društvom Tabrih

Bernard Wieser Rodil se je leta 1964 na avstrijskem Koroškem, kjer je tudi odraščal. Študiral je biologijo in ekologijo na Univerzi Karla in Franca v Gradcu. Je strokovnjak na področju evropske podpore za poljedelstvo in okoljevarstvo; do marca 2015 bo sodelavec avstrijske zveze za varstvo narave. Leta 2003 je prevzel vodstvo kmetijskega podjetja, od leta 2011 biološkega podjetja, ki razpolaga z do 130 ha zemlje in ima 70 zakupnikov. Poleg tega je od leta 2003 tudi poslovodja društva za zaščito narave Živeča Zemlja v Vulkanski deželi, med 1999 in 2015 je območni vodja omrežja Natura 2000, sodeluje pa tudi z nevladnimi organizacijami in združenji po celi Evropi. Je soavtor in izdajatelj vodiča Štajerska Vulkanska dežela. Prejel je nagrado za kulturo, ki jo podeljujejo na avstrijskem Štajerskem, nagrado UNESCA za nematerialno dediščino, nagrado za varovanje podnebja, zlato šivanko avstrijsko štajerske Vulkanske dežele ter mnoga druga mednarodna in avstrijska priznanja na področju naravovarstva. Bernd Wieser je poročen in ima dva otroka. V prostem času rad poje v pevskem zboru, igra biljard in šah ter potuje.

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Vereinsvertreter und Gemeindeverantwortliche unterschrieben einen Text zum Schutz der frei fließenden Mur zwischen Spielfeld und Lenart. Diesen Text haben wir der steirischen Landesregierung vorgelegt und vom damaligen Landesrat für Naturschutz, Dr. Manfred Wegscheider eine schriftliche Zusage für unsere Forderung erhalten. Dass die Mur in Gefahr ist gestaut zu werden, verdanken wir leider dem Umstand, dass erneuerbare Energie als Lösung gegen den CO²-Ausstoß und gegen alle Vernunft überall genutzt werden sollte und auch in Zukunft sind wir vor diesen ökologisch sehr bedenklichen Projekten nicht gefeit. Immerhin haben

zumindest die österreichischen Behörden für die Grenzmur seit 2006 eine Revitalisierungsphase eingeleitet und sehr viel Geld investiert, so dass sich die Mur nicht weiter vertiefen und an Fließgeschwindigkeit verlieren soll. Seit 2006 haben wir nun einen gemeinsamen Ramsar-Wandertag. Jedes Jahr wechselt der Abschnitt und inzwischen war auch schon Kroatien zweimal Austragungsort. Im Jahr 2013 war die Wanderung in Laafeld angekommen. Obwohl wir kein optimales Wetter hatten, waren wieder Hunderte gekommen. Für die Organisation hatte sich das Pavelhaus, das Hoamathaus, die Gemeinde Radkersburg-Umgebung mit Bürger-


MEJNA MURA Z AVSTRIJO 1. februar 2009 3. februar 2008 2. april 2006 30. januar 2005 NOTRANJA MURA 31.januar 2010 2. februar 2007 1. februar 2004 2. februar 2003 2. februar 2002

Pohod ob svetovnem dnevu mokrišč Zmešan upor proti hidroelektrarnam na Muri

MEJNA MURA S HRVAŠKO 29. januar 2006

� Bernard Wieser � Katja Senekovič

Ko je pomursko društvo za ohranitev naravne in kulturne dediščine Tabrih1 pozimi leta 2000 prvič organiziralo pohod ob dnevu mokrišč, da bi prebivalstvo opozorilo na pomembnost vodá, so dogodek podprla tudi krajevna okoljevarstvena društva. Dan mokrišč (v nem. Ramsartag), ki ga obeležujemo 2. februarja, je dobil ime po iranskem mestu Ramsar, kjer so na ta dan leta 1971 podpisali mednarodni dogovor o varstvu mokrišč, t. i. Ramsarsko konvencijo. Od takrat so se na seznamu mednarodno pomembnih mokrišč znašla številna mokrišča iz različnih držav. Pohod imamo vedno na nedeljo, ki je po datumu najbližje 2. februarju.

meister Heinrich Schmidlechner und vor allem auch Andreas Breuss voll ins Zeug gelegt, so dass wir nur noch kommen mussten, um zu wandern. Sogar vom Ramsar-Büro in Genf war jemand zur Wanderung gekommen. Nach zwei Jahren in Kroatien und Slowenien soll nun nächstes Jahr wieder die Steiermark an der Reihe sein. Wir, der Verein Lebende Erde im Vulkanland, wollen ein grenzüberschreitendes Projekt mit dem Verein „Wahnsinn“ an der Grenze machen und haben Mureck zum Austragungsort erkoren. Wir laden jetzt schon dazu ein!

Prvi avstrijski naravovarstveniki so se pohoda udeležili šele leta 2005. Takrat je pohod potekal skozi poplavni gozd v Lendavi. Še vedno se dobro spomnim tistega dne: V Lendavo smo se pripeljali s polnim avtobusom ljudi iz Vrbna, Stainza/Stradna, Halbenraina in avstrijske Radgone. Snežilo je in bilo je zelo hladno, pod –15 °C. V gozdu je zapadlo skoraj pol metra snega. Nekateri taborni ognji so marsikaterega aktivista spomnili na Hainburg v Spodnji Avstriji, kjer so se leta 1984 aktivisti borili proti hidroelektrarni na Donavi. Organizatorji shoda so se zbrali v tamkajšnjem lovskem domu. Spoznal sem Davida Reederja, ameriškega naravovarstvenika, ki se je že 1 V originalu navedeno kot ribiško društvo, op. p.

nekaj let aktivno zavzemal za projekt Mura-Drava-Donava mednarodne naravovarstvene organizacije WWF. Tudi znan slovenski literat Vlado Žabot je bil med udeleženci, pa Stanka Desnik, ki me je povabila, hrvaški geolog Velimir Turk, ki je takrat delal v Lendavi, majhen človek z velikim srcem, predanim okoljevarstvu. Med udeleženci je bil seveda tudi Franc Žižek, predsednik društva Tabrih in glavni organizator pohoda, poleg njega pa še nekaj članov Društva za opazovanje in proučevanje ptic Slovenije (DOPPS-BirdLife) ter Stojan Habjanič iz Zveze društev Moja Mura. Avstrijo so zastopali Michael in Marlis Breuss iz Cmureka, Detlef Prelicz iz Halbenraina, Oskar Tiefenbach iz Vrbna in Hans Gepp iz Gradca, če naštejem le nekaj avstrijskih udeležencev. Bil sem čisto navdušen. Pohod je potekal navzdol ob reki, pot nazaj pa skozi poplavni gozd. Skupaj smo prehodili več kot 20 km in bali smo se že, da smo se izgubili. Končno smo prišli nazaj do izhodiščne točke. Tam smo dobili topel bograč, krompirjevo juho s klobaso, za vegetarijance pa so pripravili krompirjevo juho brez klobase. Vedeli smo, da smo s svojim pohodom postavili temelje in pokazali, da reki ne stojimo ob strani le poleti, temveč tudi v mrzlem zimskem času. In imeli smo načrte. Želeli smo ustanoviti mednarodni komite, da bi lahko sodelovali tudi preko meja. In tako je tudi bilo. Le nekaj mesecev zatem smo se znova srečali v Cmureku, kjer smo ustanovili komite za varstvo

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Mure. Dieter Dorner, ustanovitelj avstrijske radijske postaje Ö3 in radijska legenda je poskrbel za reklamo. Okrog 40 predstavnikov društev in občine je podpisalo dokument o varstvu prosto tekoče Mure med Špiljami in Lenartom. Ta dokument smo nato predložili avstrijski štajerski deželni vladi, takratni deželni svetnik za varstvo narave Dr. Manfred Wegscheider pa nam je pisno sporočil, da so nam odobrili finančno pomoč za naš projekt. Nevarnost zajezitev na Muri obstaja na žalost zato, ker danes prevladuje mnenje, da so obnovljivi viri energije rešitev za težave z izpušnimi plini, kot je CO2, in jih zato želijo uvesti vsepovsod. Tudi v prihodnosti nam grozijo enaki projekti, ki so z ekološkega vidika zelo vprašljivi. So pa avstrijske oblasti vsaj uvedle revitalizacijo Mure na meji, ki traja od leta 2006, in investirale veliko denarja v to, da se Mura ne bi še naprej poglabljala in se njen tok ne bi upočasnil. Od leta 2006 tako ob dnevu mokrišč skupaj organiziramo pohod ob Muri, vsako leto v drugem predelu in že dvakrat tudi na Hrvaškem. Leta 2013 smo pohod končali v Potrni. Čeprav vreme ni bilo idealno, se je pohoda udeležilo več sto ljudi. Dogodek so organizirali Pavlova hiša, gostišče Hoamathaus, občina Radgona z okolico z županom Heinrichom Schmidlechnerjem in predvsem Andreas Breuss, tako da je bilo vse pripravljeno in smo se drugi morali le še udeležiti pohoda. Prišel je celo predstavnik sekretariata za varstvo narave iz Ženeve. Po dveh letih pohodov na Hrvaškem in v Sloveniji naj bi bila naslednje leto ponovno na vrsti avstrijska Štajerska. Mi, društvo Živeča Zemlja (v nem. Lebende Erde) v Vulkanski deželi, nameravamo v sodelovanju z društvom Norost na meji (v nem. Wahnsinn an der Grenze) pripraviti čezmejni projekt, ki ga bomo predstavili v Cmureku. Že sedaj vas prisrčno vabimo, da se ga udeležite.

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Vor der Wanderung haben wir im Haus über die internationalen Wanderungen für die Mur gesprochen – Komitee Naša Mura (Unsere Mur) Pred pohodom smo se v hiši dogovorili o mednarodnih pohodih za Muro – komite Naša Mura

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Dieter Dorner

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Die erste internationale Wanderung am 29.1.2006 an der slowenisch-kroatischen Grenze –die Leute kamen aus Österreich, Kroatien, Ungarn und Slowenien To je slika s prvega mednarodnega pohoda 29. 1. 2006 na slovensko-hrvaški meji; ljudje so bili iz Avstrije, Hrvaške, Madžarske in Slovenije

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Gründung des Murschutzkomitees Ustanovitev komiteja za varstvo Mure

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Der slowenische Schriftsteller Vlado Žabot und der Mitarbeiter des WWF in Ungarn David Reeder (2006) Slovenski pisatelj Vlado Žabot in sodelavec WWF-a na Madžarskem David Reeder (2006)

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Vorexkursion des Murschutzkomitees im Jahr 2008 Predekskurzija komiteja za varstvo Mure leta 2008

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Wanderung 2003 Pohod 2003

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Wanderung 2004 Pohod 2004


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Frank Yankovic, KĂśnig der amerikanischen Polka Kralj ameriĹĄke polke Frank Yankovic


Privat

Slovenske sledi so v Ameriki vidne vsepovsod, najbolj pa s polko � Dejan Valentinčič

Najštevilčnejša slovenska etnična skupnost izven Slovenije živi v ZDA, kjer naj bi po različnih ocenah živelo kar okoli 300.000 ljudi slovenskega etničnega izvora. Slovenci (enako velja tudi za druge etnične skupine) so v ameriški družbi pustili najrazličnejše sledi: na političnem, znanstvenem, kulturnem področju in drugje. Trenutno je članica ameriškega senata tudi Amy Klobuchar, senatorka iz Minnesote, član kongresa pa Paul Gosar, kongresnik iz Arizone, oba sta slovenskih korenin in to tudi priznavata. Za senatorko Klobuchar je znano, da vsak četrtek v senatu streže potico. V preteklosti so po najpomembnejših političnih funkcijah posegli tudi drugi Slovenci. Kot najuglednejši velja Frank Lausche (1895–1990), župan Clevelanda, guverner Ohia in zvezni senator (po njegovih stopinjah je kasneje šel tudi George Voinovich). Lausche naj bi bil celo v igri za podpredsedniško funkcijo, ovira naj bi bila, da je bil preveč svobodomiseln in se pogosto ni strinjal s svojo (demokratsko) stranko, ampak se je odločal in glasoval po svoji vesti. Za to se ga je tudi prijel vzdevek »Maverick iz Ohia«. Po drugih virih pa naj bi bila Lauschetu podpredsedniška funkcija celo ponujena, a jo je zavrnil. O slovenskih sledeh na znanstvenem področju je prof. dr. Edi Gobec iz Clevelanda zbral obsežno bero impresivnih biografij v monografiji Slovenski ameriški izumitelji in inovatorji – Njihove sledi na Zemlji in v vesolju, ki jo je v letu 2015 izdal pri založbi Družina. V knjigi

je zbral 106 življenjskih zgodb rojakov, ki so se uveljavili na področjih razvoja avtomobilov, letal, vesoljskih raket, drugih vrst znanstvenega raziskovanja, podjetništva in menedžmenta ter, po besedah prof. Gobca, »kažejo bogastvo slovenskega doprinosa k človeškemu napredku«. Zelo zanimiva zapuščina, ki so jo Slovenci doprinesli k razvoju ameriške družbe, pa je na kulturnem področju. V prispevku predstavljamo fenomen t. i. cleveland style polke, glasbene zvrsti s slovenskimi koreninami, ki je postala del ameriške popularne kulture. Prav Cleveland velja z okoli 80.000 potomci slovenskih izseljencev za najbolj slovensko mesto v ZDA, do druge svetovne vojne pa naj bi bil tudi drugo največje slovensko mesto sploh, za Trstom, Ljubljana pa je bila šele na tretjem mestu. Tako so tudi sledi Slovencev v Clevelandu najbolj vidne, dobesedno na vsakem koraku. Pri naših rojakih v ZDA lahko opazimo, da se je s postopnim logičnim stapljanjem v ameriško družbo koncept razumevanja slovenstva začel spreminjati – tako danes ni več toliko govora o narodu in narodni pripadnosti, ampak se diskurz premika bolj v smeri ohranjanja tradicije, dediščine (»heritage«) itd. Ameriški talilni lonec je temeljil na relativno hitri izgubi maternega jezika, kar naj bi zagotavljalo dovoljšnjo asimilacijo v večinsko družbo. Tako so osrednji

Dejan Valentinčič (rojen 1987) je po izobrazbi magister prava. Zaposlen je kot asistent za ustavno pravo in človekove pravice na Fakulteti za uporabne družbene študije v Novi Gorici, kjer je tudi doktorski študent. V spomladanskem semestru 2015 je bil gostujoči raziskovalec na Clevelandski državni univerzi v ZDA. V preteklosti je bil tudi stažist v Evropskem parlamentu, novinar pri časopisu Nedelja v Celovcu in portalu Slomedia.it v Trstu. Je avtor znanstvene monografije Slovenci v Reziji. Dejan Valentinčič wurde 1987 geboren und ist Magister der Rechtswissenschaften. Er arbeitet als Assistent für Verfassungsrecht und Menschenrechte an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Nova Gorica, wo er auch sein Doktorat macht. Im Sommersemester 2015 war er Gastforscher an der staatlichen Universität Cleveland in den USA. Er war außerdem als Praktikant im Europäischen Parlament sowie als Journalist bei der Zeitschrift Nedelja in Klagenfurt und dem Online-Portal Slomedia.it in Triest tätig. Er ist Autor der wissenschaftlichen Monografie Slowenen im Resiatal.

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privat

polke na svetu – Polka Hall of Fame, ki je bil ustanovljen leta 1986. Tukaj so predstavljene neverjetne življenjske zgodbe »slovenskih godcev«, ki so dosegli tudi vseameriško slavo. Kralj ameriške polke Frank Yankovic (1915– 1998) je v svoji karieri prodal preko 30 milijonov plošč in tudi prejel najvišjo glasbeno nagrado gremi. Po njem je poimenovan tudi eden izmed trgov v Clevelandu. Njegova plošča Just because je bila prva plošča v Ameriki, ki je dosegla milijonsko naklado.

Polka-Museum in Cleveland Muzej polke v Clevelandu identifikacijski elementi Slovencev v Clevelandu in ostalih slovenskih središčih, ki so bili že rojeni na drugi strani luže, a so ponosni na izvor svojih prednikov, predvsem kulturne prvine, kot so hrana (tudi številni najstniki, ki so že četrta ali peta tam živeča generacija so mi zagotavljali, kako so klobase in potica njim najljubše jedi), navade, povezane predvsem s prazniki, narodne noše in folklora, ljudske pesmi ... Posebno mesto pa ima za ameriške Slovence brez dvoma polka. Prve slovenske plošče, prav s to zvrstjo glasbe, so bile posnete v New Yorku, in sicer že od leta 1917 dalje. Tudi slovenske televizijske (glasbene) oddaje so v ZDA poznali že deset let, preden smo v Sloveniji dobili televizijo. Za številne izseljence so bili to edini mogoči stiki s slovensko kulturo. A pri polki gre tudi za fenomen, ki je daleč presegel le slovensko skupnost in je že povsem vseameriška kulturna prvina. Od konca druge svetovne vojne do pojava rokenrola v drugi polovici petdesetih let prejšnjega stoletja je bila to celo najbolj popularna glasbena zvrst v državi. Bob Dylan je dejal, da je nanj usodno vplivala prav polka, ki jo je kot v Minnesoti odraščajoči otrok poslušal pri tamkajšnjih Slovencih »in mu je bila všeč, ker je glasna in vesela«.

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Za Severno Ameriko je značilno, da danes tukaj sobivata dve zvrsti polke: prva je poimenovana »cleveland style«, druga pa »alpine style«. Za prvo je značilno, da temelji na večinoma klavirski harmoniki in slovenskih ljudskih pesmih, katerih besedila so bila večinoma že prevedena v angleščino ali pa se jezika vsako kitico izmenjujeta. Izvajalci so med glasbila večinoma dodali tudi bendžo, bobne in saksofon, tako da gre res za bolj »hrupno zvrst«. Zanjo velja, da naj bi bila bolj priljubljena med »staronaseljenci«, torej potomci rojakov, ki so se naselili pred drugo svetovno vojno. Medtem ko gre pri drugi zvrsti polke za glasbo, kot jo poznamo pri Avseniku in Slaku, ki sta tudi sama večkrat obiskala ZDA in imela tam zelo uspešne nastope. Za ta tip sicer velja, da naj bi bil bolj priljubljen pri novejših naseljencih, ki so se naselili po drugi svetovni vojni. Trenutno naj bi poleg dveh v Clevelandu delujočih ansamblov »Avsenikovega tipa« (Veseli godci in Alpine sekstet) v celotni državi delovalo 200 ansamblov, ki izvajajo ameriško polko in tako tudi neslovenski publiki predstavljajo glasbo, ki je še vedno globoko povezana s slovensko ljudsko pesmijo. Slovenci v Clevelandu so posebej ponosni, da v mestu deluje edini muzej

Drugi najuspešnejši polka glasbenik Walter Ostanek, ki še vedno vsak dan šest ur igra v eni izmed restavracij na Niagarskih slapovih, dobitnik treh gremijev, znan tudi kot kralj kanadske polke, je spomladi 2015 praznoval svojo 80-letnico. Ker sem bil takrat ravno v Clevelandu, sem se udeležil velikega slavja, ki so ga ob tej priložnosti priredili v enem izmed slovenskih narodnih domov v Clevelandu. Na prireditvi je 18 ansamblov igralo cel dan ter privabilo nepregledno množico ljudi, starih in mladih, Slovencev in Neslovencev. Z Ostankom sta ta dan zaigrala tudi največji zvezdi ameriške polke po Yankovicu, Joey Miskulin in Richie Vadnal. Polka danes seveda ni več najpopularnejša glasbena zvrst v Ameriki, a njen vpliv je veliko širši, kot si predstavljamo v Sloveniji. Prej omenjene največje zvezde te zvrsti glasbe so imena, ki jih pozna tudi populacija, ki takšne glasbe ne posluša, niti ne živi blizu slovenskih izseljenskih skupnosti. Polka je prisotna tudi v filmih, risankah, številnih festivalih, izvajalci pa snemajo plošče z največjimi rok zvezdami. Čeprav so v Ameriki prisotne tudi druge podvrste polke (npr. poljska, češka ...), je prav slovenska najpriljubljenejša in njen doseg daleč presega le slovensko občinstvo. Razlika s Slovenijo je brez dvoma tudi ta, da v ZDA polka ne velja za manjvredno zvrst in o njej ni mogoče slišati posmehljivih komentarjev. Zelo zaslužen za takšno priljubljenost polke v ZDA je radijski voditelj v Clevelandu Tony Petkovsek. Zanj lahko reče-


mo, da je svoje življenje posvetil polki. Petdeset let je vodil dnevno dvourno radijsko polka oddajo, ki je bila izjemno poslušana in priljubljena. Zadnjih nekaj let, od svoje upokojitve, oddajo pripravlja le še enkrat tedensko. V zdaj triurni oddaji je tudi »slovenska ura«, kjer je poudarek na glasbi in novicah iz Slovenije. Poleg Petkovskove polka oddaje sicer trenutno v Clevelandu oddajata še dve tedenski radijski oddaji, kjer je slovenščina še bolj prisotna, saj ju ustvarjajo in poslušajo predvsem povojni naseljenci. Polka je bila pred leti tudi vzrok za zanimiv pojav, ki so ga poimenovali kar »obratne selitve«. V 70. letih prejšnjega stoletja so namreč med Clevelandom in Ljubljano potekali direktni čarterski poleti in vsako leto se je več tisoč ljudi odpravilo na »polka počitnice« v Slovenijo. Slovenski ansambli iz ZDA so tudi pogosto gostovali po Sloveniji, Ansambel bratov Vadnal kar devetkrat in je v domovini celo snemal plošče. Poleg tega so bila za navdušence organizirana tudi »polka križarjenja«, s katerimi so prekrižarili od Aljaske do Havajev in Karibov. Potovanje je povsem ustrezalo običajnim luksuznim križarjenjem, le zvrst glasbe je bila točno določena. Ples je bil pomemben del počitnic, ki so si ga udeleženci, ki jih nikoli ni primanjkovalo, posebej želeli in pričakovali. Slovenci v Clevelandu imajo zelo razvejano etnično infrastrukturo. Dve župniji, osem narodnih domov, tri regionalne klube (primorski, belokranjski in štajersko-prekmurski), dve farmi ... Polka je poleti prisotna na obeh farmah, pozimi pa večinoma v narodnih domovih. Plesi so stalnice, ki privabljajo tudi veliko neslovenskega občinstva. A to ni vse, v ZDA je polka prisotna celo v cerkvi. Duhovnik Frank Perkovich iz severne Minnesote je po zgledu gospel glasbe populariziral »polka maše«, pri katerih je besedila slovenskih ljudskih pesmi predrugačil v liturgična besedila, ohranil pa melodijo. Duhovnik Perkovich kot svoj moto rad navede »I love God and I love polka«.

Slowenen haben in den USA sichtbare Spuren hinterlassen, vor allem mit der Polka � Dejan Valentinčič � Katja Senekovič

Die größte slowenische ethnische Gemeinschaft außerhalb Sloweniens befindet sich in den USA, wo unterschiedlichen Angaben zufolge sogar um die 300.000 Menschen slowenischen Ursprungs leben sollen. Slowenen (das gleiche gilt auch für andere Ethnien) haben in Amerika unterschiedliche Spuren hinterlassen, sowohl in der Politik, Wissenschaft, Kultur als auch in anderen Bereichen. Zurzeit sitzen Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota im amerikanischen Senat und Paul Gosar aus Arizona im US-Kongress, beide haben slowenische Wurzeln, was sie auch gerne zugeben. Senatorin Klobuchar ist bekannt dafür, jeden Donnerstag eine Potitze in den Senat mitzubringen. In der Vergangenheit nahmen auch andere Slowenen wichtige politische Funktionen ein. Als der Prominenteste von ihnen gilt Frank Lausche (1895–1990), der Bürgermeister von Cleveland, Gouverneur von Ohio und US-Senator (in seine Fußstapfen trat später auch George Voinovich). Lausche soll sogar im Rennen um das Amt des Vizepräsidenten gewesen sein, doch angeblich sprach gegen ihn, dass er zu freigeistig und oft mit den Einstellungen seiner (demokratischen) Partei nicht einverstanden war. Er traf seine Entscheidungen selbst und stimmte so ab, wie er es für richtig hielt. Aus diesem Grund bekam er auch den Spitznamen Maverick aus Ohio. Anderen Quellen zufolge soll ihm die Vizepräsidenten-Funktion auch angeboten worden sein, er soll sie jedoch abgelehnt haben.

Über die Spuren, die Slowenen in der Wissenschaft hinterlassen haben, schrieb auch Professor Dr. Edi Gobec aus Cleveland. In seiner Monografie Slowenische amerikanische Erfinder und Innovatoren – Ihre Spuren auf der Erde und im All, die 2015 vom Verlag Družina veröffentlicht wurde, findet man eine Reihe von beeindruckenden Biografien slowenisch-amerikanischer Wissenschaftler. Das Werk besteht aus 106 Lebensgeschichten seiner Landsmänner, die sich im Bereich der Automobil-, Flugzeug-, Weltraumraketen-Entwicklung oder anderen wissenschaftlichen Forschungen sowie im Unternehmertun oder Management durchsetzten und nach Angaben von Professor Gobec „als Slowenen zum menschlichen Fortschritt beigetragen haben“. Besonders interessante Spuren hinterließen Slowenen im Bereich der Kultur, denn sie trugen auch zur Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft bei. In diesem Beitrag soll daher das Phänomen der sogenannten Cleveland-Style-Polka näher erleuchtet werden, einer Musikrichtung mit slowenischen Wurzeln, die heute Teil der amerikanischen Pop-Kultur ist. Mit 80.000 Nachfolgern slowenischer Auswanderer gilt gerade Cleveland als die am meisten slowenische Stadt der USA. Bis zum zweiten Weltkrieg soll Cleveland sogar die zweitgrößte slowenische Stadt überhaupt gewesen sein, gefolgt von Ljubljana, die damals erst 201


den dritten Platz besetzte; Triest stand an erster Stelle. So sind slowenische Spuren in Cleveland sozusagen überall sichtbar. Bei unseren Landsmännern in den USA können wir sehen, dass sich mit der schrittweisen logischen Verschmelzung mit der amerikanischen Gesellschaft auch das Konzept des Slowenischen langsam veränderte. So ist heute nicht mehr so viel von einer Nation oder der nationalen Zugehörigkeit die Rede, sondern man spricht immer mehr über die Erhaltung einer Tradition, des Erbes usw. Der amerikanische Schmelztiegel basierte auf einem relativ schnellen Verlust der Muttersprache, was eine ausreichende Assimilation in der Gesellschaft ermöglichen sollte. So identifizieren sich heute Slowenen, die bereits auf der anderen Seite des Atlantiks zur Welt kamen, jedoch auf ihre Wurzeln stolz sind, sowohl in Cleveland als auch anderswo, vor allem anhand kultureller Merkmale. Dazu gehören das Essen (auch viele Teenager, die bereits die vierte oder fünfte Generation ihrer slowenischen Vorfahren in den USA repräsentieren, meinten überzeugt, ihr Lieblingsessen wäre klobasa und potica), die slowenischen Bräuche, vor allem in Bezug auf die Feiertage, Volkstracht und Folklore, Volkslieder … Für amerikanische Slowenen nimmt zweifelsohne die Polka einen ganz besonderen Platz ein. Auf den ersten slowenischen Platten, die ab 1917 in New York aufgenommen wurden, findet man genau diese Art von Musik. Auch slowenische (Musik-)Fernsehsendungen kannte man in den USA bereits 10 Jahre bevor man in Slowenien überhaupt einen Fernseher hatte. Für zahlreiche Auswanderer war dies der einzige Kontakt zur slowenischen Kultur. Jedoch handelt es sich bei der Polka auch um ein Phänomen, das weit über die slowenische Gemeinschaft hinausreicht und nun Teil der amerikanischen Kultur ist. Vom Ende des zweiten Weltkriegs bis zum Auftauchen des Rock’n’rolls in der zweiten Hälfte der 50er Jahre des

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letzten Jahrhunderts war letztere sogar die beliebteste Musikrichtung in den USA. Bob Dylan sagte, dass gerade die Polka einen großen Einfluss auf ihn hatte, als er sie in seiner Kindheit in Minnesota ständig bei den dortigen Slowenen hörte und „sie ihm gefiel, weil sie laut und fröhlich ist“. In Nordamerika gibt es heute zwei Arten von Polka: Die erste heißt „cleveland style“ und die zweite „alpine style“. Die erste basiert vorwiegend auf Pianoakkordeon-Rhythmen und slowenischen Volksliedern, deren Texte großteils bereits ins Englische übersetzt wurden oder deren Strophen abwechselnd auf Slowenisch und Englisch gesungen werden. Dazu können noch Banjo, Schlagzeug und Saxofon gespielt werden, sodass es sich dabei wirklich um eine etwas lautere Musik handelt. Sie soll vor allem unter den älteren Ansiedlern beliebt sein, das heißt bei den direkten Nachfahren der Landsmänner, die vor dem zweiten Weltkrieg in die USA auswanderten. Bei der zweiten Art von Polka handelt es sich um die gleiche Musik, wie wir sie von den slowenischen Musikern Avsenik und Slak kennen (übrigens waren beide mehrmals in den USA und legten dort sehr erfolgreiche Auftritte ab). Für diese Art von Musik gilt, dass sie eher bei den neueren Auswanderern beliebt ist, also bei jenen, die nach dem zweiten Weltkrieg in die USA auswanderten. Zurzeit soll es in den USA zusätzlich zu den zwei Musikensembles in Cleveland à la Avsenik (Veseli godci und Alpine sekstet) noch 200 weitere Musikensembles geben, die amerikanische Polka spielen und auch dem nicht-slowenischen Publikum diese Musikrichtung näherbringen, die immer noch tief mit der slowenischen Volksmusik verbunden ist. Besonders stolz sind die Slowenen in Cleveland auf die Polka Hall of Fame, das einzige Polka-Museum, das im Jahre 1986 gegründet wurde. Hier werden unglaubliche Lebensgeschichten slowenischer Musikanten erzählt, die auch in den USA Ruhm erlangten. Der

König der amerikanischen Polka Frank Yankovic (1915–1998) verkaufte im Laufe seiner Musikkarriere über 30 Millionen Platten und bekam einen Grammy, die höchste Auszeichnung für Musiker. Nach ihm wurde auch ein Platz in Cleveland benannt. Seine Platte Just because war die erste Platte mit einer 1-Million-Auflage in den USA. Der zweiterfolgreichste Polka-Musiker Walter Ostanek, der immer noch sechs Stunden am Tag damit verbringt, in einem Restaurant in der Nähe der Niagarafälle aufzutreten, ist dreifacher Grammy-Gewinner und auch als König der kanadischen Polka bekannt. Im Frühling 2015 feierte er seinen 80. Geburtstag. Da ich gerade damals in Cleveland unterwegs war, nahm ich an der großen Feier teil, die zu diesem Anlass in einem der slowenischen Volkshäuser in Cleveland organisiert wurde. Auf der Feier traten 18 Musikensembles auf. Sie spielten den ganzen Tag und es kam eine unfassbar große Menschenmenge von Jung und Alt, Slowenen und Nicht-Slowenen. Zusammen mit Ostanek traten auch Joey Miskulin und Richie Vadnal auf, die gleich nach Yankovic die zwei größten Stars der amerikanischen Polka sind. Heutzutage ist die Polka natürlich nicht mehr die beliebteste Musikrichtung in den USA, jedoch übt sie weiterhin einen viel größeren Einfluss aus als wir es in Slowenien denken würden. Die vorher erwähnten größten Polka-Stars sind auch jenen Menschen bekannt, die diese Art von Musik gar nicht hören und nicht einmal in der Nähe von slowenischen Auswanderern leben. Die Polka ist auch in Filmen, Zeichentrickfilmen und auf zahlreichen Festivals präsent. Polka-Musiker nehmen ihre Platten mit den größten Rockstars auf. Obwohl in den USA auch andere Arten von Polka bekannt sind (z. B. die polnische, tschechische, usw.), ist gerade die slowenische am beliebtesten und das nicht nur beim slowenischen Publikum. Der Unterschied zu Slowenien liegt auch darin, dass die Polka in den USA


Einladung zu einer slowenischen Veranstaltung in Cleveland vor 100 Jahren Vabilo na slovenski dogodek v Clevelandu pred 100 leti

Tausende von Menschen „Polka-Urlaub“ in Slowenien. Slowenische Musikensembles aus den USA gastierten auch oft in Slowenien. Das Musikensemble der Brüder Vadnal trat neun Mal in Slowenien auf und nahm in seinem Heimatland sogar Platten auf. Zudem wurden für Begeisterte „Polka-Kreuzfahrten“ organisiert, die von Alaska bis Hawaii und den Karibischen Inseln reichten. Die Urlaubsreisen entsprachen gänzlich normalen Luxus-Kreuzfahrten, lediglich die Musikrichtung war genau vorbestimmt. Der Tanz war ein wichtiger Bestandteil des Urlaubs, auf den sich alle Teilnehmer – es gab immer zahlreiche Teilnehmer – besonders freuten und ihn kaum erwarten konnten.

als keine minderwertige Musikrichtung angesehen wird und sich niemand darüber lustig macht. Einen besonderen Verdienst an der Beliebtheit der Polka in den USA trägt der Radiomoderator aus Cleveland Tony Petkovsek. Man könnte sagen, dass er sein ganzes Leben der Polka gewidmet hat. 50 Jahre lang moderierte er eine zweistündige Tagessendung im Radio, die sehr beliebt war. In den letzten Jahren, seit er in Pension ist, wird die Radiosendung nur einmal wöchentlich ausgestrahlt. Es handelt sich nun um eine dreistündige Sendung, in der auch ein Teil der Sendung, die „slowenische

Stunde“ genannt, der slowenischen Musik und Nachrichten aus Slowenien gewidmet wird. Neben dieser Polka-Sendung von Petkovsek werden in Cleveland noch zwei weitere Radiosendungen wöchentlich ausgestrahlt, die noch stärker vom Slowenischen geprägt sind, da sie vor allem von den Auswanderern aus der Nachkriegszeit gestaltet und gehört werden. Die Polka galt vor Jahren als ein interessantes Phänomen und wurde als „umgekehrte Wanderung“ bezeichnet. In den 70er Jahren gab es nämlich direkte Charterflüge zwischen Cleveland und Ljubljana und jedes Jahr unternahmen

Slowenen haben in den USA sichtbare Spuren hinterlassen, vor allem mit der Polka

Die Slowenen in Cleveland haben eine sehr verzweigte ethnische Infrastruktur. Es gibt zwei Pfarren, acht Volkshäuser, drei regionale Vereine (Küstenland, Weißkrain, Steiermark-Übermurgebiet), zwei Farmen u.v.m. Die Polka ist im Sommer auf den beiden Farmen präsent, im Winter meistens in den slowenischen Volkshäusern. Volkstänze sind eine Konstante und es nehmen auch viele Nicht-Slowenen daran teil. Das ist jedoch noch nicht alles, denn in den USA findet man Polka auch in der Kirche. Pfarrer Frank Perkovich aus Nordminnesota organisiert „Polka-Messen“ nach dem Vorbild der Gospelmusik. Er veränderte slowenische Volkslieder in liturgische Texte, behielt jedoch deren Melodie. Passend dazu lautet das Motto Pfarrers Perkovich: “I love God and I love polka”.

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Das Jahr 2015 im und ums Pavelhaus in Bildern Leto 2015 v in okoli Pavlove hiše v slikah � Pavelhaus, Agnieszka Bedkowska, Branko Lenart, Ernest Ružič, � David Kranzelbinder


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Znak/Signal 2015/16  

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