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REINIGUNG

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JJuni 2019

Make or buy, aber nach Maß Was Unternehmen bei der Werksreinigung beachten sollten Eigenregie, Komplett- oder Teilvergabe, Insourcing, Upgrading zu ganzheitlichem Unterhaltsservice für Bausubstanz und Maschinenpark - die Make-or-Buy-Option für Reinigungsdienste im Werksbereich erfährt aufgrund anhaltenden Kostendrucks, zunehmend komplexer Objektstrukturen und steigender Hygienestandards eine verstärkte Ausdifferenzierung. Umso wichtiger sind die Antworten auf die Fragen, welche Kriterien zur wirtschaftlichen und qualitätssicheren Lösung führen, aber auch, wie die Zusammenarbeit mit Reinigungsfirmen „wasserdicht“ wird. Im Vorfeld von Ausschreibungen lohnt sich grundsätzlich ein kritischer Blick auf den Nachweis der Kosten/Leistungs-Struktur des Reinigungsdienstes. Erst wenn feststeht, dass anfallende Arbeiten lückenlos erfasst und zutreffend bewertet sind, lassen sich vergabefähige Gewerke klar identifizieren, Submissionen stichhaltig beurteilen und Outsourcing-bedingte Sparpotenziale zuverlässig ermitteln. Unabhängig von kalkulierten Ersparniseffekten wird man indes solche Reinigungsleistungen sehr vorsichtig aus der Eigenregie lösen, die in ganzheitliche Arbeitsplätze eingebunden sind, zur Behebung akuter qualitäts-, funktions- und sicherheitsgefährdender Verschmutzungen dienen, extreme Fehlerrisiken beinhalten oder interne Leerzeiten auffangen.

Kompetenzprüfung Leistungssicherung Andererseits sollte man bei der Fremdvergabe nicht „zu kurz springen“: Da der Aufwand des Dienstleisters einen Fixblock aus Dispositions-, Wege-, Rüst- und Sachkosten enthält, bedeutet ein erweitertes Auftragspaket Kalkulationsspielraum nach unten. Mit steigendem Anspruchsniveau und wachsendem Umfang von

Fremdpersonal muss mit dem Reinigungsrevier und den betrieblichen Sauberkeitsstandards bestens vertraut sein.

Vergabekontingenten setzt der Outsourcingerfolg verstärkt die nachhaltige Leistungsfähigkeit des Vertragspartners voraus. Wo der Zuschlag aufgrund günstiger Konditionen erfolgt, drohen mittelfristig massive Kosten- und Qualitätsrisiken. Die entscheidende Frage: Verfügt der Bewerber über ein Höchstmaß an Fachkunde, Qualitätsbewusstsein, Innovationsbereitschaft und Kundenfreundlichkeit? Vor bösen Überraschungen schützt allein eine gründliche Kompetenzanalyse, die auf Schlüsselressourcen und -fähigkeiten des Anbieters abstellt. Im Fokus stehen Partnerorientierung (Problemverständnis, Empathie, persönliches Engagement, Verlässlichkeit), Kolonnenprofil (Ausbildungsstand und Erfahrung des Personals, Qualifikation und Führungsstil der Vorarbeiter),

Technologieportfolio (aufgabenspezifische Funktionalität des Equipments und der Arbeitsverfahren) sowie konzeptionelle Zusatzleistungen (Berichts- und Vorschlagswesen, Planungshilfen, kooperative Projektarbeit). Ergibt sich das Bild eines hochproduktiven, zukunftsorientierten und vertrauenswürdigen Unternehmens, kommt die dauerhaft angelegte Systempartnerschaft infrage - für beide Seiten eine vorteilhafte Lösung. Dank langfristiger Auftragsperspektive kann der Dienstleister seinen Service mit zunehmender Präzision auf den individuellen Bedarfsfall abstimmen sowie ohne Amortisationsrisiken kundenspezifische Mitarbeiterschulungen und Investitionen vornehmen, um auf lange Sicht eine hohe Performance zu bieten und gute Preise zu halten.

Fehlerrisiken ausschließen Beim Ausarbeiten der Auftragsmodalitäten sollte man zwei Gefahrenquellen sorgfältig im Auge behalten: Das komplexe Aufgabenpensum und der wechselhafte, unter Umständen stoßweise Arbeitsanfall belasten die Fremdreinigung moderner Betriebstätten mit erheblichen Fehlerrisiken. Darüber hinaus geht der direkte Zugriff auf das Rationalisierungs- und Innovationspotenzial des vergebenen Gewerks verloren. Zur Absicherung effizienter Zusammenarbeit empfehlen sich neben der Bereitstellung ausführlicher Organisationsrichtlinien und Arbeitsanweisungen vor allem kontinuierliche Leistungsbewertungen sowie gemeinsame Objektbegehungen, gegebenenfalls mit Einzelabnahme besonders erfolgsrelevanter Dienste. Der Dienstleister seinerseits hat durch regelmäßige Berichte für ständige Transparenz der Reinigungspraxis zu sorgen, damit beide Vertragsparteien die Wirtschaftlichkeit beurteilen und Missstände kooperativ beseitigen können.

Implementierte Prozessprofile sollten aus Kosten- und Qualitätsgründen vom Auftraggeber beobachtet werden. Bilder: Pfeuffer

durch Preissenkungen am Rationalisierungsgewinn teilhaben. Auffallend häufig kommt in der aktuellen Fachdiskussion das Thema Insourcing zur Sprache. Offenkundig wächst das Interesse, fremdvergebene Gewerke zumindest teilweise in die Eigenregie zurückzuführen. Vor Beginn detaillierter Planungen verdienen allerdings einige heikle Fragen ein scharfes Augenmerk: Wie gut ist man für die Übernahme der anvisierten Arbeitspakete gerüstet? Welche Ressourcen müssen beschafft werden? Mit welchen Kosten, Vorleistungen und Fristen ist dabei zu rechnen? Nicht selten werden die Vorteilspotenziale des Insourcing überschätzt und Implementierungsrisiken verkannt. Rückt der Übergang zur Eigenregie ins Interesse, wird man die bestehenden Kapazitäts- und Kompetenzdefizite und den damit einhergehenden Entwicklungsbedarf kritisch untersuchen sowie die Insourcing-bedingten Ertragseffekte eher vorsichtig kalkulieren. Fällt eine positive Entscheidung, wartet das anspruchsvolle Aufgabenbündel strategischer Ressourcenentwicklung: Personal-

anpassung (Neueinstellungen, Schulungen, Coaching), Ausrüstungsinvestitionen (Maschinen, Werkzeuge, Messmittel) und Organisationsaufbau (Kolonnen- und Führungsstrukur, Informationssystem etc.). Generell empfiehlt sich, für das Insourcingprojekt eine längere, in funktionelle Einzelschritte gegliederte Übergangsphase einzuplanen, die einer hohen Steuerungs- und Kontrollintensität unterliegt. Hierbei verdient eine weitverbreitete Erfahrung nachdrückliche Berücksichtigung: Als bedeutsamer Erfolgsfaktor gelungener Insourcingprojekte bestätigt sich die großzügige zeitliche Dotierung einer Managementstelle für einen energischen „Kümmerer“. Parallel zu sämtlichen Optimierungsmaßnahmen sollte man allerdings bewährte Partnerschaften „warmhalten“: Im Regelfall enthält das dynamische Reinigungskontingent hoch technisierter Betriebsstätten Einzelgewerke, die der Dienstleister aufgrund seiner Spezialisierung, Kostenstruktur und Flexibilität konkurrenzlos günstig ausführen kann. Wilhelm Pfeuffer, Fachautor

Bedeutung des Jahresgesprächs Eine herausragende Rolle fällt dem Jahresgespräch zu. Als Auftraggeber sollte man nicht vergessen, die Produktivitätsgewinne anzusprechen, die der Dienstleister aufgrund von technologischen Innovationen und Lerneffekten realisieren kann. Ziel: Preiserhöhungen vorbeugen oder

Beim sensiblen Gewerk Maschinenreinigung ist partnerschaftliches Qualitätsmanagement zwingend geboten.

B&I Die Industrie-Zeitung, Ausgabe 3, Juni 2019  

BETRIEBSTECHNIK & INSTANDHALTUNG Die branchenübergreifende Zeitung für Produktions- und Produktivitätsverantwortliche in der Industrie. Mit...

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