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WOCHE NR. 21 DONNERSTAG, 24. MAI 2012

LIMMATTAL

«Die Arbeit ist abwechslungsreich, Unterwegs vom Freitagabend bis Samstagmorgen auf der Nachtpatrouille mit den stellvertretenden Polizeichefs der Regionalpolizei Spreitenbach (Patric Keller) und Wettingen (Michael Krassnig).

Obwohl sie der Polizistenjob schon in brenzlige Situationen gebracht hat, können sich die beiden Wachtmeister Michael Krassnig und Patric Keller keinen besseren Beruf vorstellen. MELANIE BÄR

Sogar eine Maschinenpistole befindet sich im Patrouillenfahrzeug der Regionalpolizei (Repol) Spreitenbach. «Wir mussten zum Glück noch nie Gebrauch davon machen, wir rüsten uns aber bei Einbruchalarmen damit aus», informiert Patric Keller, stellvertretender Polizeichef der Repol Spreitenbach. Zusammen mit dem stellvertretenden Polizeichef aus Wettingen, Michael Krassnig, war er in der Nacht von Freitag auf Samstag unterwegs auf Patrouille. Seit Anfang Jahr sind die beiden Repols von 18 bis 3 Uhr gemeinsam von Wettingen bis Bergdietikon auf Patrouille. «Es entlastet uns Polizisten, wir haben nicht mehr so häufig Nachtdienst und Pikett», so Krassnig. Ab dem Jahr 2013 wird die Zusammenarbeit noch intensiver: Die beiden Polizeikorps werden zur «regionalpolizei wettingen-limmattal» vereint. Keller und Krassnig freuen sich auf den Zusammenschluss. DER 37-JÄHRIGE Michael Krassnig

arbeitet seit zwölf Jahren bei der Wettinger Regionalpolizei. «Geprägt von meinem Onkel, der bei der Stadtpolizei Baden arbeitete, wollte ich schon als Bub Polizist werden.» Bereut hat er den Wechsel vom Handwerker – Krassnig war vorher Metallbauschlosser – zum Polizeiberuf nie. «Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, man weiss nie, was einen erwartet, und es ist schön, wenn man helfen kann.» Einst hatte er in Betracht gezogen, zur Kantonspolizei (Kapo) zu wechseln, wo das Aufgabengebiet vielfältiger ist und man mehr Kompetenzen hat. Durch den Zusammenschluss kann er sich aber auch bei der Repol spezialisieren und konnte mittlerweile Führungsfunktionen übernehmen.

Text und Bilder: Melanie Bär

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und es ist schön, zu helfen»

18.40 Uhr: Zu Fuss gehts zur Feuerstelle und zum Waldsofa im Wettinger Färlileh. Feuerstellen sind beliebte Treffpunkte und werden oft unaufgeräumt verlassen. Um diese Zeit grillieren aber lediglich vier Frauen mit zwei Kindern.

19.20 Uhr: Die Polizisten schauen sich am Bahnhof in Neuenhof um. Es ist ruhig. So war es auch in den Wettinger Gebieten Sulpberg, Mooshalde, Lägernhang, Rebberg und dem Neuenhofer Industriegebiet, die vorher angefahren wurden.

20.15 Uhr: Unfall auf der Hauptstrasse vor dem Shoppi: Eine Autolenkerin hat einen Töfffahrer übersehen und gerammt. Die beteiligten Personen sind unverletzt. Die Polizisten sichern und fotografieren die Unfallstelle, befragen die Beteiligten und führen Alkoholtests durch. Der Geschädigte will, dass der Unfall aufgenommen wird. Dafür ist die Kantonspolizei (Kapo) zuständig, die gerufen wird. Auch der Kantonspolizist rät dem Geschädigten von einer Anzeige ab und füllt mit ihm das Unfallprotokoll aus. Der Töff wird abgeschleppt.

21.50 Uhr: Die Patrouillenfahrt geht weiter Richtung Bergdietikon. Nach einer Einbruchserie will man dort Präsenz markieren. Zurück in Spreitenbach, fährt man in die Industrie. Immer wieder kommt es dort zu PW-Aufbrüchen. Weiterfahrt zur SBB Killwangen.

2.20 Uhr: Nachbarschaftsstreit in Wettingen. Die Polizei schlichtet und fordert die Schweizer und Iraker Familie auf, sich mit der Immobilienverwaltung in Verbindung zu setzen. 3 Uhr: Angefahrene, tote Katze, die nicht gechipt ist, wird in die Kadaversammelstelle gebracht.

4.33 Uhr: Ruhestörung in Killwangen. Die teilweise betrunkenen Partyteilnehmer machten auf dem Sitzplatz Lärm. Von der verantwortlichen Person wurden die Personalien aufgenommen, sie wurde mit 100 Franken gebüsst und zur Ruhe ermahnt.

18.00 Uhr: Ein Fahrzeugbrand bei der Unterführung in Wettingen ist gelöscht, zwei Mitarbeiter der Regionalpolizei Wettingen räumen die Umfahrungssignalisation weg, bevor sie Feierabend haben. Patric Keller und Michael Krassnig übernehmen den Dienst. Auf dem Polizeiposten im Wettinger Rathaus haben sie sich im Polizeijournal informiert, was tagsüber passiert ist. Danach fahren sie im Patrouillenwagen zur Unfallstelle und fragen die Kollegen, ob sie noch Hilfe beim Aufräumen brauchen.

Patric Keller (l.) und Michael Krassnig beleuchten mitten in der Nacht unter der Autobahnbrücke in Würenlos den leeren Schlafplatz. Foto: bär Patric Keller kennt die Arbeit der Kantonspolizei bereits. Nach einer Elektrikerlehre und einem Informatikstudium hat er sich bei der Kapo Zürich zum Polizisten ausbilden lassen. Nach sechs Jahren wechselte er zur Kapo Aargau und arbeitet seit vergangenem Herbst bei der Repol Spreitenbach. «Es gefällt mir, dass ich hier Führungsaufgaben ausüben kann und die Repol meist als Erste vor Ort ist», begründet er den Wechsel. Im Vergleich zum Kanton Zürich fällt ihm die Wertschätzung der Polizei gegenüber auf. «Ist man im Aargau uniformiert unterwegs, winken einem Bürger oder auch Buschauffeure freundlich zu. In Zürich habe ich so etwas nie erlebt.» SO IST ES AUCH in dieser Freitagnacht: Auf der Strasse fragen Kinder nach dem Namen der Polizisten, in Quartieren nicken ihnen die Bewohner freundlich zu und sogar bei einem Einsatz erkundigen sich jugendliche Ruhestörer nach dem Werdegang eines Polizisten. «Das ist normal, dieser en-

ge Kontakt zur Bevölkerung ist schön und wichtig», resümiert Krassnig. Präsenz in der Gemeinde sei denn auch einer der wichtigsten Gründe für die Patrouillenfahrten im Polizeiauto.

19.40 Uhr: Der alte Friedhof in Neuenhof ist eiin beliebter Treffpunkt von Jugendlichen. Heute liegen wieder ein paar leere Dosen herum,, vermutlich vom Vorabend. Bei der Kontrolle treffen die Polizisten einen Jugendlichen an, der auf einen Kollegen wartet. Mit dem Patrouillenwagen fahren die Ordnungshüter durchh Wohnquartiere in Neuenhof und Killwangen. Trotz sommerlicher Temperaturen ist auch beim «Meier-Bädli» in Killwangen ruhig. In Spreitenbach passieren sie die Asylunterkunft und d treffen einen Jugendarbeiter, dem sie AusOBWOHL die beiden Polizisten kunft über den Pikettdienst geben. Danach fah hren sie zum Waldhaus in Spreitenbach. noch nie Gebrauch von der mitgeführten Maschinenpistole machen mussten, haben die Familienväter dennoch schon einige brenzlige Situationen erlebt. Krassnig musste bei einem Streit ausrücken, bei dem sich ein Mann aus dem Fenster stürzte und sich danach trotz Bein- und Schädelbruch gegen die Polizei zur Wehr setzte. Beim Gerangel wurden auch die Polizisten verletzt und sie wussten nicht, ob sie sich dabei mit Krankheiten des Täters angesteckt hatten. «Die Warterei bis zum entlastenden Ergebnis war schwierig.» Einig sind sich die 22.20 Uhr: Die Kapo meldet eine Ru23.37 Uhr: Erneute RuhestörungsmelOrdnungshüter auch, was Angst hestörung in Würenlos. Die Polizisten dung, diesmal in Wettingen. Die 14 Jubetrifft: «Wenn wir ehrlich sind, nehmen vor Ort die Personalien der gendlichen sind einsichtig, stellen die hat das wohl jeder einmal. Seit ich erwachsenen Lärmverursacher auf Musik ab, räumen den Unrat zusameine eigene Familie habe, überle- und lassen sie die Musik abstellen. men und wollen wissen, was man tun ge ich mir zweimal, wie ich mich Weiterfahrt zum Emma-Kunz-Zentmuss, um Polizist zu werden. Auch ihre verhalte», so Krassnig. Personalien werden aufgenommen. rum und ins Tägerhard.

0.19 Uhr: Die Brücke unter der Autobahnraststätte Würenlos wird von Fahrenden oft als Übernachtungsplatz genutzt. An diesem Abend ist er leer. Nochmals werden alle Gemeinden abgefahren, bevor die Polizisten um 1.30 Uhr im Rathaus einen Kaffee trinken.

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LiWe_21_2012  

Limmatwelle

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