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Lenzburger Bezirks-Anzeiger, Donnerstag, 10. November 2011 ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Szene

«In Spanien gekämpft, in Russland gescheitert»

Krimi-Abend

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m Sonntag, dem 20. November, liest Erich Schmid aus seinem dokumentarischen Buch «In Spanien gekämpft, in Russland gescheitert». Die Veranstaltung beginnt im Restaurant Hirschen um 10 Uhr, der Eintritt ist frei. Werden üblicherweise im Café littéraire Texte mit Handlungen fiktiver Figuren gelesen, so geht es in Erich Schmids neuem Buch um das ergreifende authentische Leben von Hermann (Männy) Alt (1910–2000), eines Schweizers mit ausgesprochen sozialem Empfinden, der aktiv auf Unrecht reagiert hat. In den 20er-Jahren gross geworden, erlebt er nach seiner Schlosserlehre die Jugendarbeitslosigkeit und schliesst sich den Jung-Kommunisten im Baselbiet an. Mit 26 Jahren nimmt er auf Seiten der internationalen Brigaden am spanischen Befreiungskrieg gegen den von Hitler und Mussolini unterstützten faschistischen Putsch Francos teil. Sein weiteres Leben ist einerseits geprägt vom Einsatz für Gerechtigkeit, anderseits von Verfemung, die ihm und seiner Familie das Leben vergällen. 1956, kurz vor dem Ungarnaufstand, und damit erst recht im «falschen» Lager, emigriert er mit seiner Familie nach Russland ins vermeintliche Arbeiterparadies. Hier wurde er erst recht enttäuscht. Die undemokratischen Verhältnisse, das auch in der Nach-Stalinzeit duckmäuserische Verhalten der Bevölkerung mit der Angst im Nacken,

Powerfrau Mamalou auf der Bühne.

Dokumentarisch Erich Schmid liest im Foto: zvg Restaurant Hirschen. in die Verbannung geschickt zu werden, auch die miese Arbeitsmoral setzen ihm sehr zu. Aus propagandistischen Gründen wird ihm und seiner Familie ausgerechnet von den Strategen der schweizerischen PdA die Rückkehr in die Heimat sabotiert. Diese gelingt erst durch Flucht mit Hilfe der Schweizer Botschaft in Moskau. «In Spanien gekämpft, in Russland gescheitert» ist ein gut recherchierter, spannend geschriebener Tatsachenbericht. Es geht dabei einerseits um eine packende, berührende Biografie, anderseits gibt das Buch Einblick in die Schrecken des 20. Jahrhunderts mit Menschen, deren Schicksal nicht vergessen werden darf. (Eing.)

Foto: Christian Mattis (www.mattis.ch)

Komiktheater im Forum Seon D a steht sie und man lacht: Plisseerock, Mütze, Brille. Eine, die vom Leben gebeutelt wurde. Zu jung noch, um alt zu sein – zu alt schon, um jung zu sein. Kaum noch Frau, eher schon biedere Mama. Mamalou eben, eine graue Maus. Und der werden die Vorurteile schön verpackt hingeschoben. «Geschenke», wie sie Bekannte, Kollegen oder auch ein Publikum gerne machen. Keine Rosen. Nein, Putzzeug. Oder Stricknadeln. Ein Nachthemd, so bieder und freudlos – wie Mamalou scheinbar ist. Was diese jedoch aus den «Gaben» macht, das wird zu einem fulminanten Fest. Zu einem Geburtstag der Fantasie, der Verwandlungsfähigkeit, der akrobatischen Hochleistung. Nichts bleibt, was es ist. Ein Tisch ist nicht unbedingt ein Tisch, die Lampe wird Abendkleid und

Stricknadeln beginnen zu tanzen. Chuck Berrys «Roll over Beethoven» lässt ein drittes Bein wachsen, das Nachthemd wird Tangodiele, der Plisseerock zum leuchtenden Flügel einer Siegesgöttin. Mamalou lebt! Und sie lässt uns grau aussehen. Wir, die über sie gelacht haben, lächeln jetzt über uns: So wollen wir auch mal sein, so sind wir doch. Mit ersten Falten und ausgehenden Haaren. Nicht ganz im neuesten Trend. Doch es wäre gelacht, wenn das Leben nicht schön wäre. Und keine zeigt das wunderbarer als die graue Maus. Mamalou, die man richtig gern bekommt. Eine Powerfrau. In Plisseerock, Mütze, Brille. Freitag, 18. November 2011, 20.15 Uhr, im Forum Seon. Bar geöffnet ab 19.30 Uhr. Reservationen 062 775 22 75 oder 079 215 89 43. www.forumseon.ch

Gast Petra Ivanov liest aus ihrem neuen Kriminalroman «Tatverdacht». Foto: zvg

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m Dienstag, 15. November, liest die bekannte Schweizer Autorin Petra Ivanov im Läsi-Huus Fahrwangen aus ihrem neuen Kriminalroman «Tatverdacht». Es ist der erste Band einer neuen Krimireihe mit Strafverteidiger Pal Palushi und Ex-Polizistin Jasmin Meyer in den Hauptrollen. Der erste Fall führt das Duo nach Kosovo. Ein Swisscoy-Soldat soll eine lokale Angestellte vergewaltigt haben. Je länger die Nachforschungen im Swisscoy-Camp «Casablanca» andauern, desto komplizierter wird der Fall. Mit der Flint- und Cavalli-Reihe, mit ihren Regio-Krimis und den drei Jugendbüchern hat sich die Autorin eine grosse Fangemeinde geschaffen. Die Lesung beginnt am Dienstag, 15. November, um 19.30 Uhr und findet in der Bibliothek an der Alten Aescherstrasse 12 statt. Eintritt Fr. 10.– pro Person, inkl. Apéro. (Eing.)

«Sprechstunde» mit Libsig Der Wortakrobat Willy Astor in der Baronessa

Reto Anneler Quartett im Chäller Am Samstag, 12. November, um 20.15 Uhr spielt Reto Anneler mit seinem Quartett im Cholechäller in Niederlenz. Der in Lenzburg aufgewachsene und in Aarau wohnhafte Saxofonist studierte Jazz an der Musikhochschule Luzern und Amsterdam und tritt in verschiedenen Formationen als Sideman auf. Die Musik, die Anneler für sein Quartett geschrieben hat, zeigt seinen weiten musikalischen Horizont. Beeinflusst vom aktuellen Jazz, der klassi-

INSERAT

schen Musik und der Popmusik kreieren die Musiker einen einzigartigen Bandsound. Die Musik überzeugt, da nichts Neues erzwungen werden will, Eingängiges und bekannt Erscheinendes aber doch neuartig klingen. Im Cholechäller hören die Gäste Reto Anneler zusammen mit seinen Musikern: Stefan Aeby (Piano), Christian Weber (Bass) und Claudio Strüby (Schlagzeug). Weitere Informationen auf der Homepage www.anneler.ch.

Am Freitag, 18. November, um 20 Uhr findet in der Mehrzweckhalle Schafisheim die «Sprechstunde» mit Simon Libsig statt. Simon Libsig erforscht nicht nur die Seele von Finanzanalysten, Punkrockern und Umweltaktivisten, sondern auch die Befindlichkeit von Milchkühen oder auch Weinflaschen. Nichts ist so, wie es scheint. Er spielt mit Wort und Satz und Wortschatz – ein Abend mit Nebenwirkungen.

Kenner der Kabarett-Szene meinten, es sei ein Scherz: Willy Astor in Lenzburg? Ja, tatsächlich. Der bekannte Wortakrobat aus Bayern, der in Deutschland und Österreich vor ausverkauften Hallen spielt, kommt in die Provinz. Bekannt ist Astor vor allem durch seine wortspielerischen Kabarett-Nummern, bei denen er

Kasperli in Sarmenstorf

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Am Samstag, 19. November, 14 Uhr, ist in der Mehrzweckhalle Sarmenstorf wieder Kasperlizeit. Die Kasperlibühne Grafenstein mit Frau Steinmann und Frau Graf spielt die lustige Geschichte «D Häx mit em Papagei». Alle Kinder ab 4 Jahren sind herzlich eingeladen, dem Kasperli beim Lösen der Geschichte beizustehen.

Bänz Friedli liest Am Freitag, 11. November, liest Bänz Friedli in Othmarsingen. Er stellt sein neues Buch «Wenn die mich nicht hätten» vor. Das Programm kombiniert die kleinen Problemchen des Alltags mit den grossen Fragen der Gegenwart. Um 19 Uhr Barbetrieb, 20 bis 22 Uhr Lesung in der Mehrzweckhalle an der Schulstrasse. Eintritt frei, Kollekte. Eine Veranstaltung der Kulturkommission Othmarsingen.

gleich oder ähnlich klingende Wörter in an sich sachfremde Texte verpackt. Ebenso ist er ein virtuoser Spieler auf der Gitarre, mit der er bekannte Songs mit eigenen Texten verfremdet. Freitag, 11. November, um 21 Uhr in der Baronessa Lenzburg. Kein Vorverkauf. Abendkasse ab 20 Uhr.

«Bitte frei machen» in Hunzenschwil it seinem neuen Soloprogramm gastiert Clemens Bittlinger mit David Plüss (Keyboard), Helmut Kandert (Percussion) in der 3x3-Halle in Hunzenschwil. «Bitte frei machen!» – diesen Spruch kennt man vom Arzt, kurz vor der Röntgenaufnahme heisst es da: «Bitte frei machen!» Und so greifen die neuen Songs und Texte von Clemens Bittlinger diese «hochdoktorale Aufforderung» mit einem gewissen Augenzwinkern auf, um einen schärferen und tieferen Blick hinter die Kulissen unseres Alltags und unserer Gesellschaft zu werfen: Es geht um Freiheit und um die vielen Dinge, die unser Leben eng machen und uns «gefangen» halten. Dabei werden die geschliffenen Sprachbilder und die humorvollnachdenkliche Präsentation Bittlingers in einem reizvollen Wechsel mit seinen Kompositionen und dem meisterhaften Spiel seiner erstklassigen Musiker stehen. Seine Songs sind persönlich, ehrlich, seine Fragen provokativ und unbequem.

Neues Programm Clemens Bittlinger gastiert in Hunzenschwil. Foto: zvg Aufführung am Freitag, 18. November, um 20 Uhr in der 3x3-Halle am Stationsweg 6 in Hunzenschwil. Türöffnung um 19 Uhr, Cafeteriabetrieb. Kollekte.