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Grenchen

Nr. 26 | Donnerstag, 28. Juni 2012

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Lehrer und Schiri mit viel Bodenhaftung GRENCHEN Vom Schiedsrichten kann man nicht leben. Deshalb arbeitet Serge Muhmenthaler seit rund 34 Jahren als Sekundarlehrer im Haldenschulhaus Grenchen. Dieser Job zieht sich wie einen roten Faden durch sein Leben und hält ihn bodenständig. MARTINA NIGGLI (TEXT, BILD)

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en «fil rouge» im Leben von Serge Muhmenthaler bildet das Unterrichten. Schon früh wusste er den Verlockungen, die ihm in einer Karriere als Fussball-Profi winkten, zu widerstehen. Das Lehrerseminar in Solothurn absolvierte er, während er beim FC Grenchen einen erfolgreichen Karrierestart hinlegte. Nach seiner Ausbildung wechselte er als Mittelstürmer zum BSC Young Boys – ohne die Lehrerkarriere an den Nagel zu hängen. «Ich habe immer unterrichtet. Ich wollte ein verlässliches zweites Standbein haben», sagt der 59-Jährige. Auch, als er beim FC Basel unter Vertrag kam und 1978 mit ihm Schweizermeister wurde. Nie spielte er mit dem Gedanken, voll auf die Karte Fussball zu setzen. Im Gegenteil, im selben Jahr (1978) nahm er eine Vollzeitstelle im Haldenschulhaus Grenchen an. Als hätte Muhmenthaler es geahnt: Nur ein Jahr später verletzte ihn ein gegnerischer Spieler, es folgten drei Bein-Operationen – und das Aus seiner Fussball-Karriere. Nun begann er seine Leidenschaft für die Schiedsrichterei auszuleben.

Viele Hochs und Tiefs Während 24 Jahren erlebte der zweifache Familienvater alle Hochs und Tiefs eines Schiedsrichters: glückliche Momente wie 1996 an der Europameisterschaft in England oder am Qualifikationsspiel Italien-Russland für die Weltmeisterschaft 1998.

Serge Muhmenthaler sagt von sich selber: «Ich bin ein berufener Lehrer. Der Arbeit mit Schülern verdanke ich meine Bodenständigkeit.» Die Kehrseite der Medaille sah etwas anders aus: Ehrverletzende Medienberichte, inkompetente Kommentatoren, Telefonbelästigung und Drohungen. 1997 beendete er die Schieds●

Persönlich

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richter-Karriere. Ganz aus dem Metier ausgestiegen ist Serge Muhmenthaler nicht sofort. «Ich war noch 15 Jahre lang für die UEFA (Union of European Football Associations) als Schiedsrichter-Inspizient und -Mentor tätig.» Er betreute unter anderem den Slowenen Damir Skomina, der aktuell an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im Einsatz steht. Beide

FIRMEN IM BLICKPUNKT: HR MARTI GENERALUNTERNEHMUNG AG

Neue Lebens(t)räume Die HR MARTI Generalunternehmung AG eröffnete vor ein paar Monaten die Überbauung «Hofergässli Bettlach». Gleiche Wohnungen werden nun in einem Mehrfamilienhaus an der Rötistrasse in Grenchen realisiert. Das sind Fakten, die Lust auf neue und eigene vier Wände machen: Sechs Eigentumswohnungen mit 4 ½-Zimmern und eine Attika-Wohnung. Die sechs Wohnungen haben eine Bruttogeschossfläche von 136 m2, die Attikawohnung 204 m2. Selbstredend und typisch für diese Bauprojekte ist der exklusive Ausbaustandard: Helle und grosszügige Räume, moderne Küchen, Parkettböden, Feinsteinzeugplatten, weitläufige Balkone mit Reduit und zugeteilte Grün-

flächen im EG. Ist in der ganzen Liegenschaft Rollstuhlgängigkeit gewährleistet. Die Überbauung wird umweltfreundlich und sparsam durch eine Erdsonde mit Erdwärme beheizt. Geplant wurde diese Überbauung auf einer Fläche von 1705 m2 wiederum durch das Architekturbüro K2P Architekten in Biel. Die Bauleitung liegt in den Händen der Firma Hänzi Bauleitungen GmbH in Lyss. Noch vor dem Spatenstich konnten bereits drei der sieben Eigentumswohnungen verkauft werden. «Für uns die Bestätigung, dass in Grenchen schönes Wohneigentum zu einem ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis nach wie vor gefragt ist», sagt Hans Marti, Geschäftsführer der HR Marti GU AG. Das ist bereits das dritte Bauprojekt innert 16 Monaten, das von der HR MARTI GU AG realisiert wird. jwe

Ämter legte er Ende 2011 nieder. Mit gutem Grund: «Ich konnte mich mit dem Sport nicht mehr identifizieren. Es gibt zu viele Profiteure und Missgunst. Der Sport hat an Bodenhaftigkeit verloren. Am meisten jedoch stört mich, dass die Qualität der Schiedsrichterarbeit trotz des Einsatzes von technischen Hilfsmitteln nicht besser geworden ist.» Vollen Lobes ist er für den Tessiner Carlo Bertolini, Schweizer Schiedsrichter-Chef: «Er macht einen hervorragenden Job und ist ein gutes Vorbild für den SchiedsrichterNachwuchs.»

Motivation: Schüler gesellschaftsfähig machen Egal, was sich auf dem Fussballplatz abspielte: Muhmenthalers Begeisterung für Schulunterricht

Seit er die Ämter für die UEFA niederlegte, hat Muhmenthaler Zeit für Hobbies. Er findet Erholung im Garten, liest viel, fährt Fahrrad, schwimmt, reist, fährt Ski und verbringt viel Zeit mit seiner Gattin, die ihm während all der Jahre als Schiedsrichter und Mentor den Rücken frei gehalten hat. «Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, Beruf, Familie und Spitzensport unter einen Hut zu bringen», so Serge Muhmenthaler. Und natürlich interessiert ihn, was aktuell an der Europameisterschaft passiert. «Der Fernseher läuft abends nebenher zu anderen Tätigkeiten.» Welches Nationalteam gewinnt? Er tippt auf Deutschland. Wir sind gespannt, ob er Recht behält.

So lässt sich’s campieren GRENCHEN Claudia Brack-Fleury ist eine aktive Geschäftsfrau mit einem Sinn für Marktnischen. Verschiedenstes hat sie bereits auf die Beine gestellt. Ihr jüngstes «Baby» – Fleurlis Fabrigg – ist gerade mal einen Monat alt. MARTINA NIGGLI (TEXT, BILD)

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s gibt kaum etwas,was Claudia Brack-Fleury (49) noch nicht ausprobiert hat. Die Kindergärtnerin und Redaktorin stellte unter anderem eine Naturschule, ein Figurentheater, eine Geschichtenwerkstatt sowie ein Lernund Nachhilfeforum auf die Beine. Geselligkeit und Kontakt mit Mitmenschen sind der gebürtigen Grenchnerin wichtig. Ein Todesfall in ihrer Familie forderte seinen Tribut. Drei Jahre lang zog sich Claudia Brack-Fleury zurück, sammelte neue Kraft und raffte sich auf. Wer sie kennt, weiss: Sie gibt nie auf. Und sie hat stets etwas Neues im Köcher.

Keine verstopften Keller mehr Mit ihrem Sinn für Marktnischen hat sie Anfang Juni ein neues Geschäft eröffnet. «Fleurlis Fabrigg» lautet sein Name und dieser ist Programm. Brack-Fleury hat eine Fabrik – mit Jahrgang 1889 – am Höhenweg erworben und richtet dort ihr neues ●

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TIPP

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Tag der Campingküche

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Datum: Sonntag, 1. Juli Zeit: 9 bis 17 Uhr Ort: Fleurlis Fabrigg, Höhenweg 7, Grenchen

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Am Spatenstich mit dabei (l.): Claudine Burkhard (HR Marti GU AG), Daniel Hänzi (Hänzi Bauleitungen GmbH), Mariangela Lavieri (HR Marti GU AG), Christof Käser (k2p Architekten GmbH), die zukünftigen Eigentümer Regula und Roger Jeanneret, Corinne Brotschi (vertritt ihre Eltern) und Susanne Starke.(Bild: mng)

blieb unverändert gross. Der Arbeit mit Schülern verdankt er seine – bis heute andauernde – Bodenständigkeit. Er bezeichnet es als seine Berufung, jeden Morgen im Schulzimmer zu stehen und verschiedenste Fächer zu lehren. Es motiviert ihn, aus jedem Schüler das Beste herauszuholen und ihn zu fördern. Trotz aller Liebe zum Beruf musste Muhmenthaler eine Feststellung machen: «Der Lehrerberuf ist nicht mehr, was er einmal war.» Veränderte Schulreformen, der Kulturen-Mix und die Lehrstellenproblematik stellen ihn und seine Berufskollegen vor grosse, neue Herausforderungen. Eine Herzensangelegenheit werde dieser Job jedoch bis zu seiner Pension in rund vier Jahren bleiben, versichert er.

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Claudia Brack-Fleury in ihrem Showroom, wo sich alles ums Thema Camping dreht. Stammbein, einen Verleihservice für die Campingküche, ein. Das Konzept ist simpel: Alles, was fürs Essen unterwegs benötigt wird, kann ausgeliehen oder gekauft werden. Die zweifache Mutter setzt dabei auf drei Bereiche: Verleih-Service für Campingmaterial, Picknick-Service (mit gesunden Lebensmitteln) und Koch-Service mit einer Campingküche auf vier Rädern. «Verstopfte Keller und ungesundes Essen gehören damit der Vergangenheit an», so Claudia Brack-Fleury. In ihrer Fabrik hat sie einen Showraum eingerichtet, wo alle Gegenstände für die Campingküche, das Lagerfeuer, die Zeltübernachtung, den Lunch und die Party präsentiert werden. Beim Betreten des Raumes kommt richtige Camping-Stimmung auf. Ist Camping überhaupt noch im Trend? «Ja», ist sie überzeugt, «Es gibt immer wieder

neue Fans dieses Ferienerlebnisses.» Wie tickt ein typischer Camper denn so? Er sei hilfsbereit, unkompliziert, wenig anspruchsvoll und ein Naturfreund. Genau wie sie selber.

Keine Schönwetter-Camperin Brack-Fleury ist seit rund 20 Jahren passionierte Camperin. Sie unterscheidet sich jedoch von den meisten, denn sie ist keine Schönwetter-Camperin. Sie habe auch schon bei Schnee und in extremen Wettersituationen im Zelt übernachtet. Während Schulferien war sie eine Zeit lang als Kinder-Animatorin auf Campingplätzen tätig. Genau dort will sie auch Werbung für ihre neuen Dienstleistungen machen. Ob sie sich bewähren, wird die Zeit zeigen. «Ich lasse mich überraschen und bin optimistisch», sagt sie.

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Grenchner Stadt-Anzeiger