Oberbaselbieter Zeitung vom 16. September 2021

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Baselland

ObZ

Neue Stationen für E-Bikes Baselland Tourismus ist inzwischen bekannt für die touristischen Karten zu verschiedenen interessanten Themen wie Wandern, Archäologie, Velotouren, Kultur etc. Die neuste Karte heisst «E-Bike-Land Nordwestschweiz und beschreibt zehn Thementouren. Alle Stre-

cken zusammen führen über 480 Kilometer und überwinden 9300 Höhenmeter. Die Touren sind für Velos mit Tretunterstützung bis 25 km/h konzipiert. Die Kulturtour führt entlang der Birs nach Grellingen. Die Rebentour ist eine Rundreise von 48 Kilometern und geht von Liestal über die Farnsburg nach Rheinfelden. Interessant ist auch die

An 20 Stationen können E-Bikes kostenlos aufgeladen werden.

F O T O: B . E GL IN

Der reiche Onkel

Hoftour, auf der man unterwegs an verschiedenen Orten regionale Produkte kaufen oder sich in Restaurants verpflegen kann. Bei 55 Kilometern und 1241 Höhenmetern ist ein E-Bike sehr nützlich. Bärg- und Tälitour, Römer- oder Aussichtstour sind nur ein paar weitere der vielen interessanten Touren. Stromtankstellen unterwegs Damit man wegen leeren Batterien nicht zu stark in die Pedale treten muss, richtete Baselland Tourismus in Zusammenarbeit mit Schwarzbubenland Tourismus und Trailnet Nordwestschweiz mit Unterstützung von verschiedenen Sponsoren Stromtankstellen ein. Sie befinden sich in der Nähe einer Sehenswürdigkeit, einer kulturellen Einrichtung oder bei einem Restaurant, damit die Ladezeit sinnvoll genutzt werden kann. In einem Metallkasten befinden sich verschiedene Kabel, mit denen die meisten E-Bikes geladen werden können. Im oberen Kantonsteil hat es Stationen in folgenden Orten: Arboldswil, Häfelfingen, Langenbruck, Liestal, Ormalingen, Rünenberg, Sissach und Waldenburg. www.baselland-tourismus.ch Weitere Bilder: www.tourpress.ch > Schweiz > Baselland

Wurzeln und Lebenswege

«Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun»

Irgendwann bist du hier in der Schweiz angekommen. Wie kam es dazu? Im Jahr 2005 bekam Kirgistan den neuen Präsidenten, Kurmanbek Bakijev. Allmählich wurden Bakijev und seine Familie korrupt. Damals war ich beim staatlichen Fernsehen von Kirgistan tätig. Ich machte meine Recherchen über die Lage im Lande und über den Präsidenten mit seiner Sippschaft. Die Sendung wurde ab sofort verboten. Es folgten Drohungen und

Kairat Birimkulov im Radio-Studio «Swoboda/Freedom» in Prag, 2011.

Karat Birimkulov mit seiner Familie in Kriens. Verfolgungen seitens der Mächtigen Kirgistans. Meine Befürchtungen um meine Familie und Kinder wurden zu gross. Mit der Hilfe der Schweizer Botschaft gelang es uns in die Schweiz zu fliehen. So kam ich im Jahr 2007 als politischer Flüchtling. Was hast du nach der Ankunft in der Schweiz gemacht? Ich kam in die Schweiz als ein politischer Flüchtling und es war für mich selbstverständlich, dass gerade ich als solcher den anderen Flüchtlingen eine Unterstützung bieten könnte. Ich habe mich in der Rolle des Mitarbeiters in einem Asylheim engagiert. Suchst du auch die Wege zu deiner alten Heimat? Eine Zeit lang dachte ich darüber, ob und wie ich meiner alten Heimat nützlich sein könnte. Ja, ich habe mich dafür entschieden, dass ich ein eigenes Filmproduktions-Unternehmen aufbaue. Mit Dokus oder auch Spielfilmen, worin ich die schmerzenden Themen der Kirgis/ -innen vor- und darstellen kann. Hast du schon etwas verwirklichen können? Mein erster Film «Schneesturm» hatte vor einem Monat seine Premiere im «Stadtkino» in Luzern. Aktuell bin ich bei der Verfilmung des Tschingis-Aitmatov-Werkes «Djamila». In meiner Version sollen alle Darsteller von Originalkirgis/-innen vertreten sein. Im Jahr 2012 habe ich mit ein paar von meinen Landsleuten einen Verein «Brücke nach Kirgistan» gegründet. Wir

Vermögen der Superreichen nimmt also stetig zu. Nicht, weil diese Menschen besonders fleissig sind, sondern dank der Gewinne aus ihren Aktien, Wertpapieren und Immobilien. Dieses angehäufte Kapital will die Juso-Initiative stärker besteuern und dafür tiefe und mittlere Einkommen steuerlich entlasten. Wäre er noch am Leben, würde unser Onkel mit Blick auf die 99 %-Initiative bestimmt noch eine Oktave höher jammern. Aber auswandern würde er nicht. Denn nirgends lagern Geld und Gold so sicher, wie in der Schweiz. Die Volksinitiative «Löhne entlasten, Kapital gerecht besteuern» beschert dem reichsten Prozent vielleicht ein paar graue Haare, den übrigen 99 Prozent der Schweizer Bevölkerung dafür ein bisschen mehr Gerechtigkeit. Gehören Sie zu dieser grossen Mehrheit, empfehle ich Ihnen ein Ja. ADRIAN ME YER, GELTERKINDEN

Intoleranz im Quadrat Die Juso (99 %-Initiative) sowie die unheilige Allianz der «Ehe für Alle», erwarten von der Gesellschaft Toleranz und Gerechtigkeit. Aber weit gefehlt, wenn es um die Durchsetzung Ihrer Ideen geht, dann macht man nicht mal vor dem Niederreissen der gegnerischen Plakate halt. So geschehen in Frenken-

Meine Baselbieter Firma, ein HandelsUnternehmen für hochwertige Papiere, Papierprodukte und Kunststoffboxen, befindet sich schon seit mehreren Generationen im Familienbesitz. Damit ich meinen Betrieb in Zukunft betreiben und in der Region Ausbildungs- und Arbeitsplätze anbieten kann, bin ich auf angemessene Rahmenbedingungen angewiesen. Genau deshalb wehre ich mich entschieden gegen die neuste Initiative, auch «99 %- Initiative» genannt, der Jungsozialisten. Immer wieder torpedieren die Linken Schweizer Unternehmerschaft mit wirtschaftsfeindlichen Initiativen. Mit ihren neusten Vorlagen treiben es die Juso aber auf die Spitze! Dieses Mal geht es um eine zusätzliche Besteuerung auf

Kairat Birimkulov, 52, wurde in Kirgistan geboren. Heute lebt in der Schweiz und ist in Kriens im Kanton Luzern zu Hause. Er ist Filmproduzent, TV-Journalist, Präsident des Vereins Kyrgyzbridge Global und Hobby-Fotograf.

Welche Lebensereignisse haben dich besonders geprägt? Ich habe in meiner Heimat eine sehr glückliche Kindheit verbracht und das Glück gehabt, in einer friedenvollen Umgebung aufzuwachsen. Meine Studentenzeit in Russland. Da bin ich in einer internationalen Gesellschaft gelandet. Genauso wie auch in meiner Heimat Kirgistan, wo über 100 Nationalitäten zusammenlebten. Eine bunte Kulturen-Koexistenz, die ich auch hier in der Schweiz habe. (lacht)

Wir hatten einen reichen Onkel. Eigentlich war er kein richtiger Onkel. Aber reich war er. Steinreich. Jedes Mal, wenn er mit unserem Vater ins Politisieren kam, jammerte er über die horrenden Steuern, die er jährlich zu entrichten habe. Er nannte eine für uns Kinder unglaublich hohe Summe und wiederholte diese in Mitleid erregendem Singsang. Wieviel ihm nach dem Abliefern der Steuern an Vermögen blieb, verschwieg er. Es wäre bestimmt ein Betrag mit mindestens sieben Nullen gewesen. Unser Onkel musste also nur eine winzige Portion seines riesigen Kuchens der Allgemeinheit überlassen. Der grosse Rest blieb auf seinem Teller. Um diese reichen Onkels, die das Geld für sich arbeiten lassen, geht es bei der 99%-Initiative. Um jenes Prozent, das 43 Prozent aller Vermögen besitzt. Vor 20 Jahren waren es erst 36 Prozent. Das

dorf und Füllinsdorf. Ich denke die beiden Gruppierungen müssen sich noch ein paar Jahre in Toleranz üben und den Sinn für Gerechtigkeit schärfen. Deshalb für beide Vorlagen, Initiative und Änderung des ZGB, ein klares Nein! ANDI TRÜSSEL, L ANDRAT SVP

Juso-Initiative trifft KMU

Neue ObZ-Rubrik: «Wurzeln und Lebenswege»

Kairat, welche Gedanken machst du dir über deine Wurzeln? Meine drei Töchter haben die Schweiz als ihre erste Heimat. Mein Wunsch wäre, dass sie in Kirgistan auch ihre zweite Heimat finden könnten. Dass sie ihre Urahnen, ihre Wurzeln nicht vergessen. Auch, eines Tages mein Heimatland Kirgistan als ein demokratisches Land zu sehen.

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Baselland Tourismus Im Baselbiet können E-Bikes kostenlos aufgeladen werden

BEAT EGLIN

Donnerstag, 16. September 2021

F O T O S: Z V G

widmen uns der Minderung der Armut in Kirgistan, dem Wohl der obdachlosen, vernachlässigten Kinder sowie auch der Kinder in Waisenhäusern. Seit 2013 unterstützen wir zwei Kinderheime in Kirgistan. Welche Wünsche hättest du an die Menschen der kirgisischen Diaspora und an die Schweizern/-innen weiterzugeben? Dass die Schweizer/-innen von den Kirgisen das Offen- und Gesellig-Sein lernen. Für Kirgisen ist sehr wichtig, von den Schweizern den Ordnungssinn anzueignen. Die beiden Kulturen haben sehr viele positiven Dinge, von welchen sie beidseitig profitieren könnten. INTERVIEW: KOISYN SCHNEIDER

Koisyn Schneider ist Erwachsenen-Ausbilderin, Sprachlehrerin, Trainerin interkulturelle Kompetenzen, Dolmetscherin und Radio Moderatorin, Autorin und wohnt in Büren.

In der nationalen Tracht, Festtage «Kirgisische Kultur» in Kriens, 2012.

Erträge und Wertsteigerungen von Vermögen. Ab einem unbestimmten Wert sollen Kapitaleinkommen nicht nur zu 100, nein sogar zu 150 Prozent besteuert werden! Familienbetriebe bekämen die Folge der Initiative insbesondere bei der Übergabe an die nächste Generation zu spüren. Die zusätzliche Abgabe würde in vielen Fällen zu höheren Verschuldung führen. Dadurch bleibt den künftigen Unternehmern weniger Spielraum für Investitionen. Die Initiative trifft damit ausgerechnet KMU und Familienunternehmen am meisten. Ohne mich – also stimme ich nein! WALTER J. BUCHERER, WINTERSINGEN, INHABER WALTER BUCHERER INTER PAPIER AGENTUR

«Ehe für alle» Ja, ich will – Am 26. September stimmt das Schweizer Volk über die «Ehe für alle» ab. Homosexuelle Paare sollen also, genau wie heterosexuelle Paare, die Ehe eingehen dürfen. Ein Blick in unsere heutige Gesellschaft zeigt, dass viele unterschiedliche Lebensformen existieren. Eine gesellschaftliche Norm ist dabei nur schwer auszumachen. Menschen sind Menschen und Liebe ist Liebe. Trotzdem sind gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz rechtlich nicht gleichgestellt, weil sie keine Ehe eingehen können. Sie können folglich nicht von den ehelichen Erbrechten, dem ehelichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung und der erleichterten Einbürgerung des Partners oder der Partnerin profitieren. Homosexuelle Paare haben ausserdem keinen Zugang zur ge-

meinsamen Adoption, und Frauenpaare können keine medizinisch unterstützte Samenspende in Anspruch nehmen. Dies, obwohl unsere Bundesverfassung in Art. 14 das Recht auf Ehe und Familie garantiert, und Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung jegliche Diskriminierung aufgrund der Lebensform verbietet. Diese ungleiche Behandlung, einzig begründet mit der sexuellen Orientierung eines Menschen, darf nicht länger toleriert werden. Jede Person soll ihr Leben so ausgestalten können, wie er oder sie das möchte. Sagen wir also am 26. September ja zu mehr Akzeptanz und Solidarität gegenüber der LGBTQIA+ Community und deshalb ja zur «Ehe für alle»! MICHÈLE EGGENSCHWILER, VORSTANDSMITGLIED JFBL, SISSACH

Selbstverständlich Eigentlich müsste man gar nicht darüber diskutieren, denn es steht ganz klar in unserer Bundesverfassung – Alle Menschen sind gleich. Leider stehen einigen Bevölkerungsgruppen in der Schweiz aber immer noch die gleichen Rechte zu, das muss korrigiert werden. Was erreichen Sie mit einem Ja zur Ehe für alle? • Alle Paare dürfen heiraten. So wie meine Frau und ich dies getan haben, dürfen auch unsere Tochter und ihre Freundin heiraten, wenn Sie dies wollen. • Die Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin können heute bereits von allen

«normalen» Paaren genutzt werden, mit einem Ja auch von allen übrigen Ehepaaren. • Alle Ehepaare sollen die selben Rechte, beispielsweise Adoption, Witwenrente oder erleichterte Einbürgerung für Ehepartner erhalten. Ich bin überzeugt, dass Sie meiner Tochter nicht im Weg stehen wollen, sondern mit Ihrem Ja zur Ehe für alle sicher stellen, dass auch sie eine ganz normale Familie gründen kann. So wie Sie. Vielen Dank. DOMENIC SCHNEIDER, VATER, EHEMANN UND PRÄSIDENT DER GLP REGION LIESTAL-PRAT TELN