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MAI 2019 | TREFFPUNKT GRENCHEN | 31

FÜNF FRAGEN AN: Hetzel Belgin, wohnhaft in Grenchen Zivilstand: verheiratet, keine Kinder Beruf: Administrative Leitung im Malergeschäft, Immobilienverwalterin WAS MÖGEN SIE AM MEISTEN AN GRENCHEN? Naherholungsangebot – Aare, Berge, Jura und die tollen Fachgeschäfte.

Und dass wir wöchentlich am Freitag einen Frischwarenmarkt haben. WAS WÜRDEN SIE IN GRENCHEN ÄNDERN, WENN SIE DIE MÖGLICHKEIT HÄTTEN? Ich würde nichts ändern, sondern fördern, dass all das Positive unserer Stadt besser nach aussen getragen wird.

WO SIND SIE IN IHRER FREIZEIT ANZUTREFFEN? In der Natur mit unserem Hund (Witi, Wald, Grenchenberg usw). WELCHER PERSON WÜRDEN SIE GERNE MAL DANKE SAGEN? All den Detailhändlern, welche täglich dafür besorgt sind, dass wir ein Einkaufsangebot haben.

Happy End trotz Parkinson Schon als Kind hat Heidi Grolimund unter starkem Muskelzittern gelitten. Doch erst im Alter von beinahe 50 Jahren erhielt die Basteltante der Kinderkirche Zytglöggli die Diagnose «juveniles Parkinson-Syndrom».

Markus Kocher

B

ereits als Kind war Heidi Grolimund klar, dass mit ihr etwas nicht stimmt. «Schon als 14-jähriges Mädchen hatte ich starkes Muskelzittern, wenn ich aufgeregt war», erzählt die heute 65-jährige Rentnerin, die mit ihrem Mann seit 45 Jahren ein kleines Häuschen am Rand von Grenchen bewohnt. Richtig schlimm sei es nach einem Verkehrsunfall im Alter von 17 Jahren geworden. Ein Motorradfahrer hatte die junge Frau übersehen, es kam zur Kollision und Heidi Grolimund erlitt mittelschwere Kopfverletzungen. Bald nach dem Zusammenstoss seien unerklärliche Symptome aufgetreten, die keinen direkten Zusammenhang mit dem Unfall gehabt hätten, erinnert sich Grolimund. «Oft begann ich regelrecht von innen heraus zu zittern.» Eine Unruhe, die auf Hände und Füsse übergriff. Unzählige Abklärungen und Arztbesuche folgten, doch selbst der Besuch bei einem Psychiater brachte kein Licht ins Dunkle. Szenenwechsel. Wir sitzen in der kleinen Küche von Heidi und Bruno Grolimund. Auf dem Tisch liegt das i-Phone der Rentnerin, das mit einem Klingelton Bescheid gibt, wann sie die nächste Medikamentenration einnehmen muss. Die Füsse und Hände von Heidi Grolimund sind unablässig in Bewegung. Auf die Idee, dass die Muskelkrämpfe, das Zittern und

«Mir gehts gut.» Heidi Grolimund schaut – trotz langjähriger ParkinsonErkrankung – zuversichtlich in die Zukunft. FOTO: MKO

die übermässig aktiven Muskeln mit Parkinson zu tun haben könnte, sei sie nach einem Film über die neurodegenerative Krankheit gekommen. «Doch Parkinson wurde aufgrund meines jugendlichen Alters von den Ärzten lange Zeit ausgeschlossen.» Die endgültige Diagnose habe sie erst im Alter

von beinahe 50 Jahren erhalten, sagt Grolimund. Was auf den ersten Blick vielleicht überraschend erscheint: Seit der definitiven Diagnose geht es Heidi Grolimund besser als zuvor. Denn: «Erstens erhielten meine Beschwerden so endlich einen Namen, und zweitens konnte man

die Medikamente spezifisch auf mich abstimmen», sagt sie. Auch für ihren Mann Bruno, die beiden Töchter und die drei Grosskinder sei die Diagnose kein Problem gewesen. «Sie haben mich ja nie anders gekannt.» Heidi Grolimund lacht und fährt fort: «Mir gehts gut.» Damit das auch in Zukunft so bleibt, pflegt die Basteltante der Kinderkirche «Zytglöggli ihre vielen sozialen Kontakte, ernährt sich gesund und ausgewogen («ein Glas Smoothie zum Zmorgen ist Pflicht») und bewegt sich so viel wie möglich. Unter anderem fährt sie jeden Tag mindestens 10 bis 20 Minuten Velo, turnt einmal pro Woche in der Gymnastikgruppe Lengnau/Grenchen, wo sie gleichzeitig Vizepräsidentin ist, und geht regelmässig in die Physiotherapie. Darüber hinaus leitet Grolimund mit zwei Kollegen eine Selbsthilfegruppe für ParkinsonPatienten und Angehörige, gibt Bastelkurse bei pro Audito, ist Mitglied in einem Stenoclub und hilft ihrer Tochter spontan in der Küche ihres Sommerrestaurants. Und wenn es ihr ganz schlecht gehe, die Muskeln total verkrampft seien und sie sich kaum bewegen könne, höre sie via Handy ein Hörspiel oder schaue im Fernsehen einen Rosamunde-Pilcher-Film. «Das lenkt ab und tut gut, da es bei der legendären Filmreihe mit Garantie immer ein Happy End gibt.»

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