Page 7

Bezirk Affoltern

Dienstag, 4. Dezember 2018

7

«Wir haben im Moment äusserst günstige Verhältnisse hier in Kappel» Budget 2019: Gemeindeversammlung Kappel senkt den Steuerfuss auf 80 Prozent Die Grundstücksteuern fliessen, die Steuereinnahmen pro Kopf sind hoch, die Ausgaben tief: Kappel befindet sich zurzeit in einer privilegierten Situation und senkt den Steuerfuss um 5 auf 80 Prozent. ................................................... von bernhard schneider Einziges formelles Traktandum der Kappeler Gemeindeversammlung vom vergangenen Freitagabend war das Budget 2019. Jakob Müller konnte an seiner ersten Gemeindeversammlung als Gemeindepräsident 43 Stimmberechtigte begrüssen. Nach einer Pause stand der Gemeinderat für Fragen zur Verfügung und orientierte über aktuelle Geschäfte.

«HRM2 hat alle Klarheiten beseitigt» Finanzvorstand Martin Hunkeler stellte das Budget vor, das erstmals gemäss dem neuen Harmonisierten Rechnungsmodell HRM2 erarbeitet worden ist. Wie schwierig der Budgetierungsprozess der Gemeinden in diesem Jahr erfolgt ist, erläuterte er anhand eines Schreibens der kantonalen Verwaltung, das erst kurz vor der Gemeindeversammlung eingetroffen ist, mit der Auflage, Artikel 119 des Gemeindegesetzes anders als vorgesehen umzusetzen. Dabei handelte es sich um Abgrenzungen bei den Ausgleichszah-

lungen. Die Folge: Kurzfristig mussten in den meisten Gemeinden Anpassungen im Bereich der Abgrenzungen am Budget vorgenommen werden, die zwar nichts an den Geldflüssen ändern, die aber reale Konsequenzen haben können, weil einzelne Gemeinden dadurch den maximal zulässigen Fehlbetrag auf dem Papier überschreiten und deshalb den Steuerfuss anpassen müssen. Im Kantonsrat bestehen derweil Bestrebungen, diese Rechnungslegungsanpassungen demnächst wieder rückgängig zu machen. Für Kappel allerdings hat diese buchhalterische Korrektur keine Folgen. Die Gemeinde ist in der Lage, eine Million Franken der finanzpolitischen Reserve zuzuweisen, wodurch sie einen Puffer schafft, der es ihr ermöglicht, beispielsweise unerwartete Einbrüche der Steuereinnahmen kurzfristig zu kompensieren. Kappel sei ein Spezialfall, erläuterte Martin Hunkeler, da sich gute Steuereinnahmen paaren mit einer sehr günstigen Kostenstruktur, namentlich tiefen Sozialausgaben. Dies werde aber nicht immer so bleiben. Bereits sei klar, dass künftig alle Gemeinden an den Kosten von Kinder- und Jugendheimen partizipieren, was zusammen mit weiteren Änderungen aufgrund übergeordneter Regulierungen bis zu sechs Steuerprozent kosten könne. Hinzu komme, dass bei einer Erhöhung der Hypothekarzinsen die Abzüge der Eigenheimbesitzer stiegen, was sich auf der Ein-

Verantwortung im Knonauer Amt

Filmvorführung «Das Kongo Tribunal» Trotz Streamingdiensten und Bibliotheksausleihe, mobilisierte den Verein «Knonaueramt solidarisch» letzten Donnerstag geschätzte 80 Leute in die Aula Ennetgraben zur Filmvorführung «Das Kongo Tribunal». ................................................... von christine häusermann Die beiden Vorstandsmitglieder Helena Heuberger und Franz Schüle führten in die Entstehung des Films ein und gaben einen geschichtlichen Überblick über die Demokratische Republik Kongo. Schüle wies auf den besonderen Reichtum an Bodenschätzen hin, den das Land hat und wie bisher jeder afrikanische Präsident seit der Unabhängigkeit von Belgien, entweder ermordet wurde oder sich und sein Umfeld bereicherte, ohne dass die Bevölkerung einen Nutzen vom Rohstoffabbau gehabt hätte.

Mutige Aussagen vor der Kamera Im Film vom Schweizer Theater- und Filmregisseur Milo Rau werden verschiedene Massaker in der Demokratischen Republik Kongo, von einem fiktiven Prozess des Internationalen Gerichtshofs aufgearbeitet. Das Gericht ist fiktiv, Zeugen, Politiker und Betroffene sind real. Der Film zeigt unter anderem auf, dass die Polizei der DR Kongo nicht die Bürger schützt, sondern selber Gewalt und Terror verbreitet. Der Film bleibt ein Film, auch die Zustände ändern sich nicht. Allerdings sorgt man sich um all die mutigen Menschen, die die Verbrechen im Film

öffentlich gemacht und angeklagt haben. Ob die keine Repressionen zu befürchten hatten? Nach dem Film, stand eine Einführung in die Konzernverantwortungsinitiative auf dem Programm. Diese will Schweizer Unternehmen in die Pflicht nehmen, bei ihrer Tätigkeit in anderen Ländern Umweltstandards und Menschenrechte einhalten zu müssen, auch wenn der dortige Staat keine Auflagen macht oder diese nicht vollzieht. Im Film wurde ein Beispiel gezeigt, wie im Gebiet des Rohstoffabbaus Wasser derart vergiftet wird, dass es Ziegen tötet, die davon trinken. Gegner der Initiative meinen, dass nicht die Firmen dafür verantwortlich sind, bessere Bedingungen einzuführen, sondern der betreffende Staat.

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient? Natürlich kann man die Konzernverantwortungsinitiative als eine Form von Neokolonialisierung betrachten, die jedem Land wieder unsere Regeln auferlegt. Die Demokratie als die einzig richtige Staatsform. Die Initiative will die Opfer des Rohstoffabbaus, der Interessenkonflikte und der korrupten Staatsführung schützen. Angesichts der im Film gezeigten schreienden Ungerechtigkeit am Beispiel der DR Kongo eine verständliche Absicht. Oder glauben die Gegner, dass jedes Volk die Regierung hat, die es verdient? Daran mag ja vielleicht in unseren Breitengraden etwas dran sein, aber in Ländern, in denen Menschen kaum Rechte haben und staatlicher Willkür ausgesetzt sind, ist dieses Zitat des Philosophen de Maistre bloss zynisch.

künftig haushälterisch mit den Finanzen umzugehen, zumal nicht anzunehmen sei, dass die Grundstückgewinnsteuern langfristig im gleichen Ausmass sprudelten wie in den letzten Jahren.

Offenes Ohr

Gemeindepräsident Jakob Müller (rechts) und Finanzvorstand Martin Hunkeler konnten gute finanzielle Aussichten präsentieren. (Bild bs) nahmenseite der Gemeinde auswirken werde. Dennoch: «Wir haben im Moment äusserst günstige Verhältnisse hier in Kappel», stellte der Finanzvorstand fest. Nach der vom Kanton verfügten Korrektur des Budgets stehen im kommenden Jahr Einnahmen von 6 495 000 Ausgaben von 6 331 500 gegenüber, was einem Überschuss von 163 500 Franken entspricht. «Wie ihr gehört habt, sind nun mit HRM2 alle Klarheiten beseitigt», fasste Gemeinde-

präsident Jakob Müller schmunzelnd zusammen, zeigte sich aber erfreut, dass die veränderten Abgrenzungen für die Gemeinde Kappel keine Konsequenzen haben. Im Einklang mit der RPK stimmten die Stimmberechtigten einhellig dem Budget zu. Zudem hiessen sie die Senkung des Steuerfusses um 5 auf 80 Prozent gut. Zusammen mit der Sekundarschule beläuft sich der Gesamtsteuerfuss somit auf 102 Prozent. Der Gemeindepräsident versprach, auch

Nach einer Pause gab der Gemeinderat einige Erklärungen zu aktuellen Geschäften ab, anschliessend konnte die Bevölkerung Anliegen an den Gemeinderat formulieren. Diese reichten von fehlenden Strassenlampen bis zu einem Mangel an Parkplätzen während des MuKi-Turnens. «Es liegt nicht an uns, Affoltern zu kritisieren», meinte Gesundheitsvorsteherin Caroline Hauser Häberling, doch die anderen 13 Gemeinden müssten nun überlegen, wie sie mit der Situation umgehen. «Das Ressort Gesundheit schlägt mir auf jeden Fall auf den Magen», bekannte sie. Martin Hunkeler, neben den Finanzen für den Tiefbau zuständig, orientierte, dass anlässlich der Sanierung der Oberdorfstrasse ein Trennsystem für Meteorund Abwasser eingeführt wird, was dazu führt, dass der neue Deckbelag erst im nächsten Frühjahr eingebaut werden kann. Gegenwärtig holt Kappel für das Inventar schutzwürdiger Objekte Offerten ein, das neu für die Zürcher Gemeinden vorgeschrieben ist, erläuterte Gemeindepräsident Jakob Müller, der gleichzeitig auch als Hochbauvorstand amtet.

«Mein halbes Herz bleibt hier» Kloster Kappel: Nach 30 Jahren Einsatz geht Dursun Eslik in Pension Das Kloster Kappel ist für Dursun Eslik zum zweiten Zuhause geworden. Während 30 Jahren hat er sich mit viel Herzblut im Garten, im Haus und für die Pflege der Umgebung eingesetzt. Jetzt geht er in Pension. In den 1980er-Jahren flüchtete Dursun Eslik aus der Türkei und gelangte via verschiedene Länder schliesslich in die Schweiz, wo er um Asyl bat. Seine erste Arbeitsstelle konnte er dann in Hausen in einer Gartenbaufirma antreten. 1988 wechselte er und begann, in Kappel im Kloster – damals noch «Haus der Stille und Besinnung» – im Garten zu arbeiten. Im Winter, wenn im Garten nicht viel zu tun war, liess er sich im Haus für Reinigung- oder Wartungsarbeiten einsetzen. Später kam seine Frau mit den zwei Kindern auch in die Schweiz. Die Familie wohnte viele Jahre auf dem Areal des Klosters, bis sie dann in die Nähe von Winterthur umzog. Aber Dursun blieb dem Arbeitgeber, dem Kloster Kappel, bis zur Pensionierung treu – 30 Jahre lang. Letzte Woche wurde er nun offiziell verabschiedet und in den Ruhestand entlassen. «Das Kloster Kappel ist mein zweites Zuhause geworden. Mein halbes Herz bleibt hier,» erklärt er im Gespräch mit dem «Anzeiger» etwas wehmütig. Er habe immer gerne hier gearbeitet, egal was. Die letzten Jahre sei er mehrheitlich für die Pflege der Umgebung zuständig gewesen und habe zudem auch Arbeiten im Haus erledigt. «Besonders schön waren auch die Kontakte und Gespräche mit den Gästen, von welchen ich viele gut kannte.»

Dursun Eslik (links) und Fredi Harte, Facility Manager im Kloster Kappel, vor dem Amtshaus. (Bild Marianne Voss) Bekanntes Gesicht im Haus Fredi Harte, Facility Manager im Kloster Kappel, hat seit drei Jahren mit Dursun Eslik zusammengearbeitet. Er betont, mit welcher Hingabe und Liebe sein Mitarbeiter sich für die Pflege der Umgebung eingesetzt habe. «Es war ihm extrem wichtig, dass alles schön und gepflegt aussieht.» Dursun habe dabei aber auch ein Herz für die Natur und die Tiere gehabt. «Er ist sehr naturverbunden und nahm Rücksicht, indem er zum Beispiel

beim Mähen gewisse Blumen stehen liess.» Mit seiner freundlichen und liebenswerten Art sei Eslik in diesen 30 Jahren auch für viele Gäste zu einem bekannten Gesicht im Haus und einem geschätzten Ansprechpartner bei Fragen geworden. «Und für mich war er ein sehr guter Kollege und Mitarbeiter, dem ich danken möchte für seine wertvollen Dienste. Wir, vom Kloster Kappel, gönnen ihm von Herzen eine schöne Pensionierung und wünschen ihm alles Gute.» (mvo)

095_2018  
095_2018