a product message image
{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade

Page 1

Weiss Medien AG I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I Telefax 058 200 5701 I www.weissmedien.ch I Auflage 25 470 I AZ 8910 Affoltern a. A.

aus dem bezirk affoltern I Nr. 60 I 173. Jahrgang I Dienstag, 6. August 2019

Wer hat es gesagt?

Nationalrätin zu Gast

Zitate raten mit Ruedi Noser, Jacqueline Badran, Daniel Sommer und Ansgar Gmür. > Seite 3

Jacqueline Badran referierte in Bonstetten über Gemeinbesitz und Selbstbestimmung. > Seite 7

Sicherer Schulweg in Hausen

Ein Ständerat unterwegs im Säuliamt

Einen alten Trampelpfad freigelegt und diesen mit viel Einsatz und Begeisterung zu einer Treppe aufgepeppt – das haben in Hausen Eva und Fritz Locher gemacht. Mit ihrem Engagement stiessen sie auf viel Goodwill, denn die Stufen dienen auch der Schulwegsicherheit. So spendete Gewerbevereinspräsident und Schulpfleger Claudio Rütimann spontan die Solar-Beleuchtung. ................................................... > Bericht auf Seite 9

-

Isolierende Zeitung Hinter alten Tapeten tauchten in Zwillikon «Anzeiger» aus den Jahren 1891 bis 1893 auf. > Seite 9

-

Übergang gefeiert Die Schuljahres-Schlussfeier im Albisbrunn steht im Zeichen von Einstieg und Abschluss. > Seite 11

Ruedi Noser sprach am ersten August in Affoltern und Ottenbach

Familiäres Open Air Trotz teilweise sintflutartigem Regen fanden am letzten Juli-Wochenende 150 Besucher ans familiäre Open Air «FeschtiWal» zum Kleinkaliberschützenhaus in Zwillikon. Und sie kamen auch voll auf ihre Kosten: Die Eröffnungsband «Sohnderbar» musste ihre Show wegen des heftigen Regens zwar unterbrechen, danach konnte das Programm aber wie geplant durchgezogen werden – mit toller Live-Musik und ausgelassener Stimmung. ................................................... > Bericht auf Seite 11

Zwölf Bands im Weisbrod-Areal Am 23. und 24. August steigt auf dem Parkplatz des Weisbrod-Areals in Hausen wieder das beliebte Rampe Open Air. Das Publikum darf sich am Freitag- und Samstagabend auf regionale, nationale und internationale Musiker aus den Genres Reggae, Pop, Indie, Funk und Techno freuen. Weiter locken Graffiti-Kunst, eine wilde Trommelgruppe und Artisten aufs Festgelände. ................................................... > Veranstaltungshinweis auf Seite 16

Fototermin in Affoltern. Ständerat Ruedi Noser (rechts) mit den Gastgebern Clemens Grötsch, Stadtpräsident von Affoltern, und Gaby Noser, Gemeindepräsidentin von Ottenbach. (Bilder Marianne Voss)

Ständerat Ruedi Noser trat am ersten August in zwei benachbarten Gemeinden im Bezirk Affoltern auf. Verschiedenes wiederholte sich – wie seine Rede, das Singen des Schweizerpsalms oder die Übergabe von regionalen Produkten. ................................................... von marianne voss Ständerat Ruedi Noser war alleine mit seinem eigenen Auto angereist und schon früh in Affoltern vor dem Kasino anzutreffen. «Ständeräte haben kein Anrecht auf einen Chauffeur und schreiben ihre Reden auch selber», klärte er auf, während er von Tisch zu Tisch ging und Hände schüttelte. Fast hätte man meinen können, er sei der Gastgeber. Doch dieser, der Stadtpräsident, war noch im Kasinosaal enga-

giert, wo wieder die Neuzugezogenen begrüsst wurden. Die Frage, warum er an diesem 1. August ausgerechnet in zwei Nachbargemeinden auftritt, lag natürlich nahe. Dazu informierte er, dass bereits im Januar 2018 die Anfrage von einem Dorf im Säuliamt eingegangen sei für den 1. August letztes Jahr. Doch dort sei er in den Ferien gewesen. Und humorvoll fügte er an: «Inzwischen ist dieses Dorf zur Stadt geworden, darum bin ich jetzt dieses Jahr gekommen.» In Ottenbach wusste man nichts davon, fragte den Ständerat an und erhielt ebenfalls eine Zusage. Somit konnte Ruedi Noser ohne lange Wegstrecken zwei Gemeinden besuchen und seine Rede – mit kleinen Änderungen – zweimal halten. An beiden Orten fühlte er sich sichtlich wohl, lobte die Musik und freute sich über das grosse Publikum, das seine Ansprache in beiden Gemeinden mit

grossem Applaus verdankte. Zweimal sang er kräftig die drei Strophen des Schweizerpsalms mit, und zweimal wurde er mit regionalen Produkten beschenkt. In Affoltern war es ein Ämtlerkorb, in Ottenbach zwei Taschen mit Birnen. Eine gefüllt mit Glühbirnen und der Aufschrift «De Nosi hät’s» und eine mit Produkten aus der Ottenbacher Schellerbirne mit der Aufschrift «Ottenbach bringt’s.» Die Stadt Affoltern verliess der Ständerat nach dem offiziellen Teil bald, denn in Ottenbach war er von seiner Namensvetterin, der Gemeindepräsidentin Gaby Noser, zu Fischknusperli eingeladen. Das zog eindeutig mehr als die städtischen Würste. In Ottenbach genoss er dann den wunderschönen Platz im Grünen an der Reuss und pflegte auch dort den Kontakt zur Bevölkerung. ................................................... > Bericht auf Seite 5

Endlich zertifiziert Obfelden ist jetzt eine «Energiestadt» Am vergangenen Mittwoch wurde Obfelden das Zertifikat als Energiestadt überreicht.

Gemeindepräsident Thomas Ammann (rechts) und Tiefbau- und Umweltvorsteher Marcel Schönbächler (Mitte) erhielten von Energiestadt-Botschafter Ulrich König das Zertifikat überreicht. (Bild Mohammed Shahin)

«Obfelden ist jetzt auch eine Stadt», frohlockte Energiestadt-Botschafter Ulrich König am frühen Abend des 31. Juli in der Badi Obfelden. Bereits Mitte Juni hatte der Trägerverein an seiner Kommissionssitzung die NeuZertifizierung von Obfelden beschlossen, nun folgte die offizielle Zeremonie. Mit dem «Energiestadtlabel» werden Gemeinden ausgezeichnet, die sich für die effiziente Nutzung von Energie, für Klimaschutz, erneuerbare Energien und umweltverträgliche Mobilität einsetzen. Erste Bemühungen

in Richtung Zertifizierung unternahm Obfelden vor rund sieben Jahren, im Jahr 2016 verabschiedete der Gemeinderat Obfelden ein Energieleitbild. In der Folge legte sich die Gemeinde beispielsweise ein elektrisches Dienstfahrzeug zu. oder installierte in den Alterswohnungen in Obfelden eine Wärmepumpe. Mit Obfelden erreicht nach Hedingen, Mettmenstetten, Knonau und Aeugst die fünfte Gemeinde im Bezirk das Label als «Energiestadt». Ob die Bezirkshauptstadt bald folgt, ist fraglich. Mitte Juni hat der Stadtrat Affoltern mitgeteilt, dass er sich mit dem Entschluss, ob Affoltern eine Energiestadt wird, bis zum Ende der Legislaturperiode Zeit lässt. (lhä)

-

«Etwas bewegt» Sommerserie Teil 6: Herr Hess hat nach dem Tod seiner Frau wieder Tritt gefasst. > Seite 12

Mit einem Remis gestartet Nach sechs Wochen Vorbereitung hat der FC Wettswil-Bonstetten auswärts gegen die Talente des FC St. Gallen den ersten Ernstkampf der neuen Erstliga-Saison bestritten. Früh in Rückstand geraten, übernahm die OswaldElf in der ersten Halbzeit das Spieldiktat durch gradliniges Kurzpassspiel und zeigte sich in den Zweikämpfen extrem bissig. Der verdiente, aber zu knapp ausgefallene Lohn: der Ausgleichstreffer in der 35. Minute. In der zweiten Halbzeit fanden die Ostschweizer besser ins Spiel. Die Ämtler verlagerten sich aufs Kontern. So erzielten sie in der Schlussviertelstunde den 2:1-Führungstreffer. Die jungen Gastgeber warfen nun alles nach vorne. Ein Freistoss brachte ihnen den Ausgleich. Die beiden Mannschaften trennten sich 2:2 unentschieden. ................................................... > Bericht auf Seite 22

Internationale Zusammenarbeit Mit der Schweizer Aerials-Nationalmannschaft trainieren im Jumpin in Mettmenstetten aktuell auch die Australier. Die beiden Teams spannen im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking zusammen. Ein erster Gradmesser wird das Freestyle Masters vom Sonntag, 18. August, sein. Abgesehen von China und Russland werden die stärksten SkiakrobatikNationen in Mettmenstetten erwartet. Die nächsten Standortbestimmungen folgen am 25. August in Québec, Kanada, wo auch die Chinesen und die USAmerikaner dazustossen, sowie eine Woche später auf der Indoor-Wasserschanze in Minsk, Weissrussland. (tst.) ................................................... > Bericht auf Seite 23 anzeigen


Mit dem Wind wirst du uns für immer um die Ohren tanzen – uns zum Spielen verleiten uns Geschichten erzählen und zum Lachen bringen – für immer wirst du bei uns bleiben.

Du warst bereit – wir sind es nicht – du wirst uns fehlen.

Schlafen dürfen, wenn man müde ist, Hinter sich lassen, wenn man getragen hat, Mit Vertrauen und Mut. Es ist gut! (© Monika Minder)

Edith Spillmann *12. Juni 1934 † 13. Juli 2019

Hans «Pipa» Metzger-Berger 21. Dezember 1939 – 30. Juli 2019

Er hat die Segel gesetzt, um seine letzte Reise anzutreten. Nicht auf vorgegebenen, eingefahrenen Spuren, nein, er hat seine eigene Richtung gesucht und auch gefunden. Sarmenstorf, im Juli 2019 In unseren Herzen lebst du weiter:

Kontrolle von Wasserschiebern und Hydranten auf privaten Grundstücken Die Firma Hinni AG wird im Auftrag der Wasserversorgung ab dem 5. August 2019 während 3 bis 4 Wochen auf dem ganzen Gemeindegebiet von Hausen am Albis die Wasserschieber und Hydranten auf die Gebrauchstauglichkeit kontrollieren.

Brigitte Metzger Christoph, Andrea und Tino, Michael und Tina Nadja, Sina und Dennis, Luna, Yara Jason Ruth und Robi Berger Geschwister und Verwandte Der Abschiedsgottesdienst findet am Donnerstag, 8. August 2019, um 14.15 Uhr, in der reformierten Kirche Mettmenstetten statt. Traueradresse: Brigitte Metzger, Bahndammweg 4d, 5614 Sarmenstorf

Die Grundeigentümer mit Hydranten und Wasserschiebern auf ihrem Grundstück werden gebeten, die Zugänglichkeit sicherzustellen, damit die Kontrolle reibungslos getätigt werden kann. Für Ihre wertvolle Zusammenarbeit zur Sicherstellung der Trink- und Löschwasserversorgung danken Ihnen die Tiefbaukommission und die Wasserversorgung. Bei Fragen steht die Wasserversorgung (Manuel Schneiter, Telefon 044 764 19 77) gerne zur Verfügung. Die Tiefbaukommission

Einbürgerung Mit Beschluss vom 23. Juli 2019 hat der Gemeinderat, unter Vorbehalt der Erteilung des Kantonsbürgerrechts und der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung, in das Bürgerrecht der Gemeinde Mettmenstetten aufgenommen: – Lars Holthusen, 1973, Staatsangehöriger von Deutschland 6. August 2019 Gemeinderat

Einbürgerungen Mit Beschluss vom 23. Juli 2019 hat der Gemeinderat, unter Vorbehalt der Erteilung des Kantonsbürgerrechts und der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung, in das Bürgerrecht der Gemeinde Mettmenstetten aufgenommen: – Janna Marieke Kunstreich, 1980, Staatsangehörige von Deutschland – Nieke Lene Kunstreich, 2010, Staatsangehörige von Deutschland – Mats Lasse Kunstreich, 2013, Staatsangehöriger von Deutschland 6. August 2019 Gemeinderat

Fahrzeuge Kaufe Autos Busse, Lieferwagen, Jeeps, Wohnmobile & LKW. Barzahlung. Telefon 079 777 97 79 (Mo–So)

Wir wollen nicht trauern, dass wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein, dass wir ihn gehabt haben.

Tieftraurig aber mit vielen schönen Erinnerungen nehmen wir Abschied von meinem lieben Ehemann, unserem fürsorglichen Vater und Grossvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager, Götti, Onkel und Freund

Heini Reutlinger 12. Februar 1938 – 29. Juli 2019

Wenn Dich die Kraft verlässt, ist es nicht Sterben, sondern Erlösung. Er durfte im Beisein seiner geliebten Familie einschlafen. Wir verlieren einen herzensguten Menschen. Wir danken Dir für alles, was Du für uns getan hast. Du wirst in unseren Herzen weiterleben. Wir vermissen Dich sehr. Monika Reutlinger-Fisch Christof Reutlinger und Sandie Mathis Karin Reutlinger und Marcel Bischof Marc und Simone Reutlinger mit Joel Wir verabschieden uns von Heini am Dienstag, 27. August 2019, 14.15 Uhr in der reformierten Kirche in Mettmenstetten. Die Urnenbeisetzung findet im engsten Familienkreis statt. Auf Wunsch von Heini tragen wir keine Trauerkleider. Anstelle von Blumen freuen wir uns über eine Spende an die Spitex Knonaueramt, Kontonummer IBAN CH78 0900 0000 8726 7156 1 oder TIXI Säuliamt Post-Konto 80-23029-6, Vermerk: Heini Reutlinger. Traueradresse: Monika Reutlinger, Sunnebergstrasse 2, 8932 Mettmenstetten

Wir bedanken uns für die vielen Zeichen der Anteilnahme. Es ist tröstlich in Zeiten der Trauer nicht alleine zu sein! Insbesondere danken wir: – Dr. Thomas Scholer – Ärzten und Pflegepersonal vom Bezirksspital Affoltern – Spitex Affoltern – Pfarrer Walter und Renate Hauser Hedingen, im August 2019

Die Trauerfamilien


Bezirk Affoltern

Vollsperrung an der Reussbrücke Die Strassenbauarbeiten an der Dorfstrasse in Obfelden zwischen Reussbrücke und Tambrigstrasse kommen planmässig voran. Für den abschliessenden Einbau des Deckbelags muss der Abschnitt vom 9. bis 12. August für den Verkehr gesperrt werden. Die Vollsperrung beginnt, wie im «Anzeiger» vom 31. Juli angekündigt, am Freitagabend, 9. August, 19 Uhr, und dauert bis Montag, 12. August, 5 Uhr. Die signalisierte Umleitung erfolgt in beiden Richtungen grossräumig über Ottenbach, Birri und Merenschwand. Bei nasser Witterung muss die Vollsperrung um eine Woche verschoben werden. Die Postauto-Linie 212 verkehrt zusätzlich Samstag und Sonntag im Halbstundentakt bis Obfelden Unterlunnern. Es gilt der gleiche Fahrplan wie unter der Woche. Die Linie 217 verkehrt nur bis nach Rickenbach AG. Es bestehen keine direkten Fahrmöglichkeiten für Fahrgäste von Muri nach Affoltern oder umgekehrt. Direktreisenden wird empfohlen, die Linie 245 über Oberlunkhofen oder den Zug via Wohlen oder Rotkreuz zu benutzen. Am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend profitieren die ÖV-Reisenden von zusätzlichen Abfahrten ab Muri, Bahnhof, bis Rickenbach um 22.22, 23.22 und 0.22 Uhr. Es gilt, die Fahrgastinformationen in den Bussen und an den Haltestellen zu beachten. (pd.)

wir gratulieren Zum 92. Geburtstag Am Donnerstag, 8. August, feiert in Stallikon Marguerite Büchler ihren 92. Geburtstag. Herzliche Gratulation! Wir wünschen der Jubilarin ein schönes Geburtstagsfest und alles Gute.

Herausgeberin: Weiss Medien AG, Obere Bahnhofstrasse 5, 8910 Affoltern a. A. Geschäftsführerin: Barbara Roth Chefredaktor: Thomas Stöckli redaktion@affolteranzeiger.ch Redaktion: Livia Häberling Stefan Schneiter Copyright: Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für eingesandtes Material Gesamtauflage: 25 470 Beratung und Verkauf Inserate: Elisabeth Zipsin/Christine von Burg Telefon 058 200 57 00, Fax 058 200 57 01 inserat@weissmedien.ch Spezial- und Sonderseiten: Kaspar Köchli Telefon 058 200 57 14, M 079 682 37 61 kaspar.koechli@chmedia.ch Tarife: www.affolteranzeiger.ch Annahmeschluss Inserate: Dienstagausgabe: Montag, 8.00 Uhr Freitagausgabe: Mittwoch, 16.00 Uhr Todesanzeigen: 11.00 Uhr am Tag vor Erscheinen Abonnementspreise: ¼ Jahr Fr. 79.– ½ Jahr Fr. 97.– 1 Jahr Fr. 170.– Aboservice: abo@affolteranzeiger.ch Telefon 058 200 57 00, Fax 058 200 57 01 Kontakt: Alle Mitarbeiter erreichen Sie unter vorname.name@chmedia.ch Druck: Mittelland Zeitungsdruck AG, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau Ein Produkt der Verleger: Peter Wanner, www.chmedia.ch Beteiligungen der AZ Medien AG auf www.chmedia.ch

Dienstag, 6. August 2019

3

Knaller überall Zum 1. August wurde viel geredet – doch wer hat was gesagt? Raten Sie mal ... «Alle machen Lärm, niemand arbeitet wirklich an Lösungen.» (2) «Ich halte äusserst gerne 1.-August-Reden. Fast so gerne wie 1.-Mai-Reden.» «Ich bin nicht bloss Akademiker. Ich habe einen anständigen Beruf erlernt.» (3)

(1)

«Der Bundesbrief, der ist lange her und die Bundesverfassung ist alt. Ich vermute, dass auch die Älteren unter euch 1291 nicht dabei waren. Obwohl alles schnell geht.» (5)

«Also, nächste Frage: Bedeutet Heimat für Sie Geborgenheit? Nicht vergessen: Bei Zustimmung bitte jetzt husten.» (7) «Ohne Formular fühlt sich «Man redet lieber über die, die lärmen und weniger manch ein Beamter wie ein über die Probleme, die sich wirklich stellen.» (4) Fisch ohne Wasser. Er schnappt nach Luft und wird zappelig.» (6) «Haben Sie sich schon mal überlegt, wie viel Ihres Haushaltsbudgets an die Gemeinschaft fliesst? Ich sage Ihnen: Wenn man so will, fast alles.» (8)

Auflösung: (1) & (8): Jacqueline Badran, Nationalrätin SP; (2) & (4): Ruedi Noser, Zürcher Ständerat FDP; (6) & (7): Daniel Sommer, Kantonsrat EVP; (3) & (5): Ansgar Gmür, Affoltemer und ehemaliger Direktor Hauseigentümerverband. (Grafik Livia Häberling / Archivbild Martin Platter)

Badi günstiger saniert – trotz Überraschungen Aus den Verhandlungen des Gemeinderats Obfelden Mit der Urnenabstimmung vom 28. Februar 2016 wurde für die Sanierung der Schwimmbecken mittels Edelstahlauskleidung und Badewassertechnik im Schwimmbad Obfelden ein Kredit von 2 100 000 Franken zuzüglich Teuerung ab Kreditbewilligung genehmigt. Die Sanierungsarbeiten wurden vom Ende der Badesaison 2016 bis im Mai 2017 durchgeführt. Folgende unvorhergesehene Arbeiten, welche nicht im Kredit enthalten waren, mussten ausgeführt werden: Hochwasserschutzmassnahmen; Badewassertechnik, Ersatz Anschwemmfilter; Mehrkosten Strömungskanal in Glas und Stehstufen im Schwimmbecken; Beläge Innenhof, Kiosk, Aussenduschen, Weg zu Kinderplanschbecken. Diese zusätzlichen Arbeiten verursachten einen Aufwand von Fr. 244 682.40. Die Bauabrechnung schliesst wie folgt ab (inkl. MwSt.): Vorbereitungsarbeiten Fr. 20 549.15; Gebäude Fr. 487 123.80; Becken / Technik Fr. 1 356 948.11; Umgebung Fr. 141 679.20; Baunebenkosten Fr. 11 045.63. Die Gesamtanlagekosten belaufen sich somit auf Fr. 2 017 345.89. Der mit der Urnenabstimmung vom 28. Februar 2016 genehmigte Kredit von 2 100 000 Franken musste somit, trotz der nicht im Kredit enthaltenen Kosten, um Fr. 82 654.11 nicht ausgeschöpft werden. Die Minderkosten sind darauf zurückzuführen, dass die Arbeiten, insbesondere Umgebungsarbeiten, Edelstahlauskleidung und Badewassertechnik günstiger vergeben werden konnten als budgetiert. Für die Sanierung wurde ein Gesuch um Ausrichtung eines Swisslos-Beitrages gestellt. Aufgrund dieses Gesuchs unterstützte die Sicherheitsdirektion Kanton Zürich die Sanierung der Schwimmbecken im Schwimmbad Obfelden mit einem Beitrag von 198 000 Franken aus dem kantonalen Sportfonds. Die Bauabrechnung schliesst nach Abzug des Beitrages mit einem Gesamtaufwand von Fr. 1 819 345.89 ab. Die Bauabrechnung wurde genehmigt und der Gemeindeversammlung

vom 5. Dezember wird beantragt, die Abrechnung ebenfalls zu genehmigen.

Liegenschaften Das Hallenbad der Schulanlage Schlossächer wurde 1976 erstellt und in Betrieb genommen. Das Bad wird an sieben Tagen die Woche ausgiebig genutzt. Die Gebäudehülle sowie die Lüftungsanlage wurden im Zuge der Gesamtsanierung der Anlage Schlossächer in den Jahren 2009 bis 2011 erneuert und der Hubboden des Schwimmbeckens im Jahre 2012 ersetzt. Ansonsten befindet sich das Hallenbad grösstenteils im Originalzustand. Die Leitungen und technischen Einrichtungen sind nach 43 Jahren Betrieb in einem schlechten Zustand und das Badewasser-Filtersystem entspricht nicht mehr den Vorschriften. Eine Gesamtsanierung des Hallenbades ist dringend nötig. Für die Bestandesaufnahme zur Ermittlung der Kosten für eine Gesamtsanierung des Hallenbades Schlossächer wurden ein Kredit von 17 000 Franken bewilligt und der Auftrag an die Firma Beck Schwimmbadbau AG, Winterthur, vergeben. Die Kücheneinrichtung und die Möblierung der Schulküche 1 in der Schulanlage Chilefeld stammen aus den 80er-Jahren. In den vergangenen Jahren wurden nur die Küchengeräte und der Bodenbelag ersetzt. Die Küchen und Abluftanlage müssen altershalber ersetzt werden. Für die Gesamterneuerung der Schulküche wurde ein Kredit von 155 000 Franken bewilligt.

Gemeindeverwaltung und -werke Der Lernende der Gemeindeverwaltung, Florian Oberholzer, hat die Ausbildung als Kaufmann EFZ und der Lernende der Gemeindewerke, Leo Bär, die Ausbildung als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ, Werkdienst mit sehr guter Durchschnittsnote abgeschlossen. Gemeinderat, Mitarbeiterin-

nen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Gemeindewerke gratulieren ihnen herzlich zum ausgezeichneten Lehrabschluss und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute. Die Gemeindeverwaltung Obfelden bietet auf den Sommer 2020 eine Lehrstelle als Kauffrau/Kaufmann an. Die schriftliche Bewerbung (inkl. Lebenslauf, Zeugniskopien und Multicheck) ist der Gemeindeschreiberin einzureichen. Der Revisionsbericht der Lucio Revisionen, Zürich, im Bereich KVG wurde abgenommen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung für die Arbeit der beste Dank ausgesprochen.

Kanalisationen Die Kontrolle des baulichen Zustandes der Kanalisation an Hölibachstrasse und Haltenstrasse ergab, dass in diesem Abschnitt Schäden vorhanden sind, welche dringend saniert werden müssen. Für die Kanalsanierung an Hölibachstrasse und Haltenstrasse wurden ein Kredit von 64 000 Franken anzeige

bewilligt und die Arbeiten an die Firma KRT, Sempach, vergeben.

Gemeindestrassen Die Randabschlüsse und die Beläge der Alten Landstrasse sind in einem schlechten Zustand. Der Strassenbelag weist diverse Risse und die Randabschlüsse verschiedene Abplatzungen auf. Im Zusammenhang mit der notwendigen Belagssanierung sollen auch die bestehende Trinkwasserleitung sowie Schieber und Hydranten ersetzt werden. Für die entsprechenden Ingenieurarbeiten wurden ein Kredit von 37 000 Franken bewilligt und die Arbeiten an das Ingenieurbüro Peter Ott, Mettmenstetten, vergeben.

Familienzentrum Bezirk Affoltern Zur Defizitfinanzierung der Angebote im Bereich Familienarbeit im Familienzentrum Bezirk Affoltern wurde für das Jahr 2020 ein Kredit von 7000 Franken (Fr. 1.25/Einwohner) bewilligt. Eveline Meier, Gemeindeschreiberin


Bauprojekte

Planauflage: Die Pläne liegen auf den betreffenden Gemeindekanzleien zur Einsicht auf. Dauer der Planauflage: 20 Tage vom Datum der Ausschreibung an. Erfolgt die Ausschreibung im Amtsblatt des Kantons Zürich später, gilt das Datum der letzten Ausschreibung. Rechtsbehelfe: Begehren um die Zustellung von baurechtlichen Entscheiden sind innert 20 Tagen seit der Ausschreibung bei der Baubehörde schriftlich einzureichen; elektronische Zuschriften (EMails) erfüllen die Anforderungen der Schriftlichkeit in der Regel nicht. Wer das Begehren nicht innert dieser Frist stellt, hat das Rekursrecht verwirkt. Die Rekursfrist läuft ab Zustellung des Entscheides (§§ 314–316 PBG). Für die Zustellung baurechtlicher Entscheide wird eine geringfügige Kanzleigebühr erhoben.

Stellenanzeiger

WIR DANKEN HERZLICH für die grosse Anteilnahme und die vielen Zeichen der Verbundenheit, die uns beim Abschied von

Josefine Rapold-Spinner entgegengebracht wurden. Wir danken allen, die Josy in Freundschaft begegnet sind und sie auf ihrem Lebensweg begleitet haben. Ein spezieller Dank gilt – all jenen, welche Josy in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Besuchen, Einladungen und Hilfeleistungen zur Seite gestanden sind und damit dazu beigetragen haben, dass sie bis zuletzt in ihrem geliebten Haus und Garten leben durfte. – dem IMC-Team vom Spital Affoltern für die liebevolle Pflege während des kurzen Spitalaufenthaltes – Herrn Pfarrer Fuchs für die einfühlsame Begleitung und Abdankung – Frau Angela Bozzola und Herrn Severin Stocker für die musikalische Umrahmung des Trauergottesdienstes Herzlich verdanken wir auch die zahlreichen Beileidskarten, die schönen Abschiedsblumen, die Geldspenden sowie die zahlreichen Spenden an den Verein Mensch und Tier im Glück, Bonstetten. Affoltern am Albis, Anfang August 2019

Die Trauerfamilie

Liegenschaften Vermietungen In Zwillikon zu vermieten Alles inklusive, Strom extra – Möbliertes Zimmer 750.– – 1-Zimmer-Wohnung 950.– – Zimmer als Ruheraum oder Absteige 450.– – Büro 14 m² 350.– – Büro möbliert 20 m² 540.– – Büro 40 m² 850.– – 2 Musikräume 30 m² zu 550.— – 1 Musikraum, 70 m² 650.– – 1 Musikraum, 15 m² 360.– – Autowerkstatt, 50 m² 750.– – Lagerraum 50 m² 750.– – Lagerraum 30 m² 460.– Mail an mth.v@live.com oder Telefon 079 406 37 90

Todesfälle Aeugst am Albis

Obfelden

Abdankung am Mittwoch, 21. August 2019, von

Am 29. Juli 2019 ist in Affoltern am Albis gestorben:

Sprich, Ursula Doris

Ribary-Brechbühl Hans-Ulrich

geboren am 28. Dezember 1960, wohnhaft gewesen in 8914 Aeugst am Albis, Buechbodenstrasse 22, verstorben am 28. Juli 2019. Abdankung 14.00 Uhr in der Kirche Aeugst am Albis (ohne Beisetzung). Der Friedhofvorsteher

Aeugst am Albis

Am 2. August 2019 ist in Thalwil ZH gestorben:

Der Friedhofvorsteher

Mettmenstetten Am Dienstag, 27. August 2019, 14.15 Uhr, findet in der reformierten Kirche die Abdankung für

079 135 51 51

Federer, Willi Johann geboren 2. Mai 1928, Bürger von Berneck SG, verwitwet, wohnhaft gewesen in Wettswil am Albis, mit Aufenthalt in Thalwil ZH.

Sunnebergstrasse 2, statt.

Die Erdbestattung findet am Freitag, 9. August 2019, 14.00 Uhr, auf dem Friedhof «Heissächer», Wettswil am Albis, statt. Anschliessend Abdankungsgottesdienst in der katholischen Kirche Bonstetten.

Der Friedhofvorsteher

Der Friedhofvorsteher

Heini Reutlinger

Mettmenstetten Am Donnerstag, 8. August 2019, 14.15 Uhr, findet in der reformierten KIrche die Beisetzung für

Der Friedhofvorsteher

(Finanzierung gesichert)

Die Friedhofvorsteherin

Keller, Alfred

Sarmenstorf, statt.

Von privat zu kaufen gesucht Eigentumswohnung

Die Urnenbeisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

Wettswil am Albis

Hans Metzger-Berger

Kaufgesuche

geb. 8. Februar 1935, von Arni AG und Islisberg AG, wohnhaft gewesen in Obfelden; Ehemann der Ribary-Brechbühl Ursula.

Beerdigungsanzeige von

geboren am 29. Juli 1945, wohnhaft gewesen in 8914 Aeugst am Albis, Lättenweg 9, verstorben am 22. Juli 2019.

Mitarbeiter/-in Hausdienst 10 Std. pro Woche (Festanstellung) Schliessdienst (von Mo bis Fr ca. 22.00 Uhr) und Reinigungsarbeiten und/oder Wochenendeinsätze (Stundenlohn) Reinigung/Betreuung von Aula/Turnhallen bei Anlässen Die Besoldung richtet sich nach der Personal- und Entschädigungsverordnung der Sekundarschule Affoltern am Albis/Aeugst am Albis. Die Ferien sind während der Schulferienzeit zu beziehen. Beherrschen Sie die deutsche Sprache, sind Sie zuverlässig, freundlich und durchsetzungsfähig? Arbeiten Sie selbstständig und sind Sie bereit Verantwortung zu tragen? Bringen Sie Erfahrung in der Bedienung von technischen Geräten mit? Wir freuen uns auf Ihre schriftliche Bewerbung an: Sekundarschule Affoltern am Albis/Aeugst am Albis Zwillikerstrasse 16, Postfach 615, 8910 Affoltern a. A. oder per Mail an schulverwaltung@osa.ch

Knonau Bauherrschaft: Hans Kehrli, Friedhofstrasse 8, 8934 Knonau Projektverfasser: Tanner Odermatt Architekten, Zürichstrasse 120, 8910 Affoltern am Albis Priojekt: Neubau Einfamilienhaus und Abbruch Scheune und Ersatzbeu Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage, Friedhofstrasse 8, 8934 Knonau Katasterinformation: Grundstück-Nr. 1365, Zone: Kernzone Dorf Ort der Planauflage: Gemeindeverwaltung, Stampfistrasse 1, 8934 Knonau.

Wir suchen per 1. Januar 2020 für unsere Schulanlage Ennetgraben in Affoltern am Albis

Tanzleiter/-in gesucht Wir suchen für unsere Kinder neue Tanzleiter/-innen in Muri AG fürs Schuljahr 2019/2020, Tanzrichtung Hip-Hop und Street Dance. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme (jugend@dtv-muri.ch).

Veranstaltungen


Bezirk Affoltern

Dienstag, 6. August 2019

5

Das Schweizer Erfolgsmodell – ein Modell des Kompromisses und des Ausgleichs Der erste August in Affoltern und Ottenbach mit Ständerat Ruedi Noser In Affoltern und Ottenbach wird der erste August tagsüber gefeiert. FDP-Ständerat Ruedi Noser trat vor dem Mittag in Affoltern und nach dem Mittag in Ottenbach auf. Er sprach zur Klimapolitik und zur Diskussion über die Stellung der Schweiz zur EU. ................................................... von marianne voss In Affoltern spielte ab elf Uhr die Harmonie mit fröhlichen, rassigen und mitreissenden Melodien auf. Stadtpräsident Clemens Grötsch begrüsste die Gäste zum 728. Geburtstag der Schweiz. Er informierte kurz über die wichtigsten bevorstehenden Entscheidungen im Stadtrat – zum Beispiel zur Sanierung des Schulhauses Butzen oder zum Neubau des Seewadels. Zudem wies er auch auf langfristige strategische Zukunftsfragen hin, zu welchen der Stadtrat ein Visionsbild 2050 entwickeln möchte. Und er stellte den Gastredner, Ständerat Ruedi Noser, FDP, vor. «Er ist ein Unternehmer und Politiker, dem Bildung und Umwelt genauso wichtig sind wie freiheitliche Themen der Unternehmensführung. Er setzt sich für regionale Produkte ebenso ein wie für Stromeffizienz.»

Erfolgsmodell Schweiz Der Ständerat sprach zum Thema «Globale und souveräne Schweiz» und betonte gleich zu Beginn, dass er eine ernsthafte Rede vorbereitet habe. «Ich bin dafür bekannt, dass ich die Dinge beim Namen nenne.» Er ging in seiner Rede auf die Klimapolitik und das Verhältnis der Schweiz zur EU ein. Seine Ausführungen waren analytisch und sachlich. Sie zeigten unaufgeregt die Realitäten auf und regten zum Nachdenken an. Ruedi Noser ging der Frage nach, ob die Zielsetzung des Pariser KlimaAbkommens sinnvoll ist oder nicht. «Wenn mehr als acht Milliarden Men-

Ständerat Ruedi Noser (rechts) geniesst das gemütliche Zusammensein in Ottenbach, hier mit Kantonsrat Ronald Alder (links) und alt Nationalrat Rolf Hegetschweiler. (Bild Marianne Voss) schen auf unserm Planeten leben wollen, brauchen wir eine Kreislaufwirtschaft basierend auf erneuerbaren Energien», so sein Fazit. Und er wies darauf hin, dass die Schweiz als Innovations- und Forschungsweltmeisterin prädestiniert sei, nachhaltige Produkte zu entwickeln. Zu den Rahmenbedingungen erklärte er, dass hier die Politik gefragt sei, denn «wenn die Politik die Rahmenbedingungen nicht verändert, wird man fossile Treibstoffe verwenden, bis es sie nicht mehr gibt.» Klare Worte sprach Noser auch zum Verhältnis der Schweiz zur EU. «Die EU ist unser Nachbar. Solang wir am gemeinsamen Markt teilnehmen

wollen, müssen wir uns an gemeinsame Regeln halten. So einfach ist das.» Schliesslich zeigte er auf, dass die Schweiz sich über 30 Generationen immer zu klaren Mehrheiten durchgerungen hat. «Wer Souveränität haben will, muss Einigkeit pflegen.» Die Schweiz habe immer Realitäten erkannt und pragmatisch darauf reagiert. «Das Schweizer Erfolgsmodell ist ein Modell des Kompromisses und des Ausgleichs. Am ersten August feiern wir den Geburtstag unseres Landes, das zusammengewachsen ist aufgrund von Pragmatismus, Ausgleich und Kompromiss. Es obliegt uns, diese Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben.»

Politik und Zucchetti In Ottenbach wird die Feier am ersten August jeweils durch den Kulturverein organisiert. Beim Pontonierhaus an der Reuss genossen die zahlreichen Gäste jeglichen Alters das gemütliche Zusammensein bei Speis und Trank. Auch für musikalische Unterhaltung war gesorgt durch den Musikverein Ottenbach und den Jodlerklub am Albis. Gemeindepräsidentin Gaby Noser führte in ihrer Begrüssung aus: «Bei der Suche nach einem geeigneten Redner war uns wichtig, dass es jemand ist, der aufzeigt, dass Klimaschutz und wirtschaftliches Wachs-

tum keine Gegensätze sind.» Andererseits habe man jemanden gesucht, der über das Parteibuch hinausdenke. «Mit Herrn Noser haben wir jemanden gefunden, der all das vereint.» Sie habe nachgelesen, dass Herr Noser gerne Zucchetti habe und sich mit dem Gemüse vergleiche. Weil: «Die Zucchetti drängt sich nicht in den Vordergrund, ist vielseitig anwendbar und passt zu den meisten anderen Zutaten.» Nach der Rede des Ständerates ging sie auch auf die Namensverwandtschaft ein. «Ruedi Noser und ich sind Bürger von Oberurnen, doch an einem Familienfest sind wir uns noch nie begegnet.»

«Die Welt im Kleinen verbessern» Ingrid Spiess sprach an der Bundesfeier in Stallikon Die Tische im und vor dem Werkgebäude waren bis auf den letzten Platz besetzt, als Ingrid Spiess, Stalliker Gemeinderätin und Schulpräsidentin, ihre Ansprache zum Thema Achtsamkeit hielt. Umrahmt wurde die Feier von der Musikgesellschaft Stallikon. ................................................... von bernhard schneider Eine junge Frau eilt einem älteren Mann nach, schwenkt eine 50er-Note und ruft: «Diese haben Sie verloren!» Er beachtet sie zuerst nicht, bis er stehen bleibt, sich umdreht, die Note annimmt und entschuldigend auf den Postomaten zeigt. Offenbar hat er die Note beim Bargeldbezug verloren – und Glück gehabt, dass die junge Frau aufmerksam und achtsam war. Mit diesem und weiteren Beispielen führte Ingrid Spiess ins Thema ein. Ihr Vorbild sei ihre Grossmutter gewesen. «Mis Grossmueti war eine sehr herzliche Frau.» Jeweils am frühen Samstagmorgen habe sie mit

ihrem Vater zu den Grosseltern gehen dürfen, um zu helfen: «Im Frühling und Herbst musste viel geholzt werden, weil es zum Kochen und Heizen der einzige Brennstoff war.» Während Vater und Grossvater die gefällten Tannen zersägten, war das Einsammeln und Stapeln der Äste die Aufgabe der Enkelin. «Vorbilder geben Orientierung und motivieren.» Voller Achtsamkeit schilderte Ingrid Spiess kleine Details bei ihren Grosseltern, die ihr Freude bereiteten, wie süsse Walderdbeeren, die sie zwischen den Ästen fand, das gemeinsame Kochen und Tischdecken mit der Grossmutter oder die kleine Luke über dem Kachelofen, die ins Kinderzimmer führte: «Mit Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung den Mitmenschen gegenüber, die sich in kleinen Details äussert, lässt sich die Welt im Kleinen verbessern.»

«Im Hause muss beginnen …» Während Ingrid Spiess sprach, versuchte ein kleines Mädchen, die Stufe zum Podest hochzusteigen. Die Redne-

rin liess sich davon keineswegs irritieren, obwohl sie es wahrzunehmen schien und fortfuhr: «Jetzt bin ich selbst Grossmami von drei Enkelinnen. Was gebe ich ihnen weiter? Ich habe ja so vieles von meinem Grossmueti gelernt. Bin ich für sie ein Vorbild? Wichtig ist mir, dass die Meitli gerne zu mir kommen.» Langsam löste sich das Rätsel um das kleine Mädchen, das nun von seiner Mutter in die Arme der Grossmutter am Rednerpult emporgehoben wurde. Während die beiden grösseren Mädchen bereits bei der Gartenarbeit mithelfen dürfen und sich über die Ernte freuen, war es der jüngsten Enkelin gegönnt, erstmals gleichsam Co-Referentin bei einer Ansprache zum 1. August zu sein. Die Welt im Kleinen verbessern: «Wie wärs, wenn wir Grüezi sagen, wenn wir einander begegnen, oder aufmerksam zuhören, wenn uns jemand etwas erzählt?» Ingrid Spiess schloss mit einem Gotthelf-Zitat: «Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland», und bedankte sich für die Aufmerksamkeit der Stallikerinnen und Stalliker.

Einen Teil der Ansprache von Ingrid Spiess darf ihre jüngste Enkelin vom Rednerpult aus verfolgen. Interessiert schaut sie ins Publikum. (Bild bs) Die Herren von Sellenbüren feiern Gemeindepräsident Werner Michel meinte augenzwinkernd, die professionell eingerichtete und betreute Tonanlage habe dafür gesorgt, dass die Rede auf allen Plätzen gut hörbar gewesen sei, was man in früheren Jahren und andernorts auch heute noch manchmal vermisse. Seine Frage, ob er für die Bundesfeier im kommenden Jahr erneut die Musikgesellschaft

Stallikon und das Duo Galaxis anfragen solle, wurde mit lautem Applaus bejaht. Schliesslich bat der Gemeindepräsident darum, bereits jetzt einen Termin im kommenden Jahr zu reservieren: Am 21. Juni 2020 wird die Gründung des Klosters Engelberg durch Konrad von Sellenbüren vor 900 Jahren gefeiert. Ohne ins Detail zu gehen, versprach er, dass an jenem Wochenende in Stallikon einiges los sei.


6

Bezirk Affoltern

Dienstag, 6. August 2019

Thunersee konkurriert mit Hedinger Weiher

Stimmig-fröhliche Bundesfeier in Hedingen Ein «Heimweh-Hediger», der im Berner Oberland in Hilterfingen am Thunersee wohnt, sprach am 1. August auf der Weiherwiese in Hedingen. Ein Lampion- und ein Fackelumzug, der Musikverein, sowie ein Höhenfeuer ergänzten das gemütliche Fest anlässlich des Geburtstages der Schweiz. ................................................... von martin mullis Gemeindepräsident Ruedi Fornaro hat am Donnerstagnachmittag zwischen den vollbesetzten Festbänken auf der Weiherwiese oberhalb Hedingen mit Händeschütteln ganz schön zu tun. Und dabei verliert er seine freundliche und ruhige Art keineswegs. Immerhin ist es für ihn auch bereits schon die 44. Bundesfeier, die er in Hedingen an diesem wunderschönen Ort oberhalb des Dorfes besucht. Bei seiner kurzen Begrüssungsrede erwähnt er, dass heuer nicht nur der 728. Geburtstag der Schweiz, sondern 2019 auch das Jahr des Milizsystems gefeiert werde. Er dankt dabei allen, welche in irgendeiner Form zugunsten der Allgemeinheit ein Amt oder eine andere Aufgabe übernehmen. Immer wieder höre man den Ausspruch «me sött», oder «me chönnt», so Ruedi Fornaro, doch niemand wisse so genau, wer denn der «me» sei. Leider sei dieser «me» auch fast ausgestorben. Gemeindepräsident Fornaro richtete in diesem Sinne einen Appell an die Festbesucher, sich

für Milizdienste zur Verfügung zu stellen und diese aber auch wertzuschätzen. Der Festredner Matthias Baumann wohnt mit seiner Familie in Hilterfingen am Thunersee im Berner Oberland und outet sich sozusagen als junger «Heimweh-Hediger». Er bezeichnet den Thunersee als das absolute Highlight der ganzen Schweiz, hält aber sofort dezidiert fest, dass ihn eine innere Stimme mahne, dass der Hedinger Weiher der schönste aller Orte der Schweiz sei.

Freiheit als wichtigster Grund für eine Bundesfeier

Dies nicht nur weil Hedingen sein Heimatort, sondern weil er hier aufgewachsen ist, wie auch bereits sechs Generationen der Familie Baumann vor ihm. Er nennt demnach seine 200 Jahre alte Familiengeschichte und die damit verbundene Liebe zu Hedingen als einen der Gründe, hier die Festansprache zu halten. Zusammen mit der schönen und alten Tradition sei auch die Geselligkeit fast eine Pflicht für den Besuch dieses Festes. Der wichtigste aller Motivationsgründe für eine Erst-August-Feier sei jedoch ohne Zweifel die Freiheit, und zwar eine gesellschaftliche und nicht die individuelle Freiheit. Zum Schluss seiner mit grosser Aufmerksamkeit beachteten Rede hielt Matthias Baumann fest, dass er den Hedingern, welche die Freiheit mit einem gesellschaftlichen Engagement nutzen, danken möchte. Mit den Worten: «Ihr engagiert und exponiert euch und damit tragt ihr sehr viel zur Erhaltung der Freiheit unserer Gesellschaft bei», schloss er seine Festansprache. Der Musikverein Hedingen umrahmte das Fest und nach Einbruch der Dunkelheit trugen der Fackelzug der Turner und der Lampionumzug der Auf dem Sprungbrett der Freiheit: Gemeindepräsident Rue- Kinder zur Stimdi Fornaro (l.) mit Festredner Matthias Baumann. (Bild mm) mung bei.

Sie setzten sich für den gelungenen Abend ein. Von links: Löwenwirt Michi von Arx, Carole und Eve von «Swissters» sowie Gemeindepräsident Stefan Gyseler. (Bilder Marianne Voss)

Gelebte Solidarität und Einigkeit Bundesfeier in Hausen ohne Gastredner und mit grosser Beteiligung Auf die Einladung eines Gastredners wurde in Hausen verzichtet, die Besucherzahl war aber fast rekordverdächtig. Die Gäste aus dem Dorf und der Umgebung genossen die Einladung zum Nachtessen und die musikalische Unterhaltung der «Swissters». ................................................... von marianne voss Die bereitgestellten Festbänke auf dem grossen Platz vor dem «Löwen» reichten am Abend vom 1. August bald nicht mehr für die Scharen von Besuchern. Zusätzliche Sitzgelegenheiten wurden aufgestellt, damit sich alle bequem niederlassen konnten. Alle Generationen waren vertreten, von Jung bis Alt. Viele alteingesessene Hausemer mischten sich unter Neuzugezogene oder Gäste von der Umgebung. Da und dort war auch ein Brocken Englisch zu vernehmen von Besuchern, welche diese «real swiss tradition» miterleben wollten. Das Wirtepaar vom «Löwen», Joelle Apter und Michi von Arx, hatte mit seinem Team alle Hände voll zu tun, um für die rund 250 Personen genügend Kartoffelsalat und Würste bereitzustellen. An diesem Abend waren nämlich alle zum Essen eingeladen, was natürlich überaus geschätzt wurde. Ob der Grund für den grossen Andrang das offerierte Essen oder die beiden jungen Ladies der Band «Swissters» war? Oder einfach das Bedürfnis, die Gemeinschaft zu pflegen? Vielleicht von allem etwas. Gemeinde-

Das traditionelle Feuer am Waldrand gehört zur 1.-August-Feier in Hausen. präsident Stefan Gyseler schrieb den Grund humorvoll den beiden Ladies auf dem Einladungsflyer zu. Er erklärte in seiner kurzen Begrüssung, dass auf die Einladung eines Gastredners bewusst verzichtet worden sei. «Meistens sprechen die Redner ja über Solidarität und Einigkeit. Wir leben die Solidarität und Einigkeit heute Abend beim gemeinsamen, gemütlichen Zusammensein.» Die Geselligkeit wurde an diesem Abend wirklich gepflegt. Die Besucherinnen und Besucher genossen Speis und Trank, die Gespräche miteinander und dann auch die musikalische Unterhaltung der «Swissters», der Schwestern Carole und Eve und ihrer Band. Die Musik war sehr abwechslungsreich. Zarte, lyrische Lie-

der wechselten sich ab mit modernen, rockigen Klängen oder schweizerischen Volksliedern. Auch das Alphorn fehlte an diesem Abend natürlich nicht und ebenso die Nationalhymne, bei der sich zeigte, wie gut und kräftig die Hausemerinnen und Hausemer singen können. Schliesslich machten sich die meisten mit Fackeln auf den Weg hinauf zum Waldrand oberhalb vom Friedhof, wo gemeinsam der grosse Holzstoss in Brand gesetzt wurde – eine Jahrzehnte alte Tradition in Hausen. Lichterloh brannte das Feuer und sprühte seine Funken in den Nachthimmel. Wer danach noch nicht genug hatte, ging zurück und liess den Abend in der «Löwenbar» ausklingen.

«Die Schweizer Konsenspolitik ist zu langsam» Die Festansprache bei der Bundesfeier auf dem Bolet in Aeugst hielt ein Student Die Feier zum Geburtstag der Schweiz im höchstgelegenen Ort des Säuliamtes besuchten rund 200 erwartungsvolle Besucher. Die Feier beim Schützenhaus auf dem Bolet wurde von der Harmonie Affoltern und von einem Alphornbläser umrahmt. Die Festansprache hielt ein junger Student der Betriebswirtschaft.

den Organisatoren, der Harmonie Affoltern, dem Alphornbläser, der Feuerwehr, den Helfern der Festwirtschaft und den Besuchern für ihr Erscheinen. Für den Festredner Sebastian Rosatzin waren die charmanten Worte der Gemeindepräsidentin natürlich ein idealer Einstieg. Seine Ausführungen zeigten sich nämlich eines zukünftigen Ständerates durchaus würdig. Er stellte gleich zu Beginn seiner Rede infrage, dass eine Übereinstimmung bei allem, was in der Politik beschlossen werden muss, nötig sei. «Wozu braucht es stets eine Pluralität der Meinungen?», fragte er seine Zuhörer.

................................................... von martin mullis Zu den sehr gut besetzten Festtischen auf der Festwiese in Aeugst schlenderte kurz vor Beginn der Festrede eine Gruppe cooler, junger Burschen, die sich dann erwartungsvoll hinsetzten. Grund dieser nicht unbedingt typischen Bundesfeierbesucher war vermutlich Sebastian Rosatzin, ein junger Student, welcher eine kritische und mit Forderungen gespickte Festansprache hielt. Zuerst gab jedoch Gemeindepräsidentin Nadia Hausheer bei ihrer kurzen Begrüssung ihrer Freude

Die Hauptprotagonisten der Bundesfeier in Aeugst: Gemeindepräsidentin Nadia Hausheer und der engagierte Referent Sebastian Rosatzin. (Bild Martin Mullis) über den Grossaufmarsch der Besucher Ausdruck. Ganz schön frech, wenn durchaus natürlich ironisch gemeint, hielt sie fest, dass es Aeugst «leider» nicht gelungen sei, einen Ständerat als Referent zu gewinnen,

sondern «nur» einen Studenten. Sie erntete Gelächter und auch auf dem Gesicht des konzentrierten Redners war ein deutliches Schmunzeln zu erkennen. Nadia Hausheer liess sich jedoch nicht aufhalten und dankte

Auf die Trägheit des politischen Systems verzichten Er forderte tiefgreifende Veränderungen und radikale Ansätze, um einen Systemwandel herbeizuführen. Gerade beim Thema Klimabewegung scheine die Schweizer Konsenspolitik zu versagen, nicht zuletzt, weil sie zu langsam reagiere. Die Zeiten, in denen die Wirtschaftlichkeit das einzige Kri-

terium ist, seien vorbei, hielt er explizit fest. Wenn er sich vor Augen halte, mit welcher Entschiedenheit die Schweiz zur Lösung der Klimaproblematik schreiten müsse, wünschte er sich manchmal, dass auf die Trägheit des politischen Systems der Schweiz verzichtet werden sollte. Weiter forderte der junge und engagierte Mann einen Umwelt-Trump mit einem Slogan «Nature first». Hier war dann in den Reihen der doch meist konservativen Zuhörer ein leises Gemurmel zu hören. Der 21-jährige Student der Betriebswirtschaft verlangte zum Schluss seiner engagierten Rede, dass alle politischen Mittel bei der Klimadiskussion eingesetzt werden. «Wir können es und wir müssen es tun», hielt er nachdrücklich fest. Ein älterer Mann, der an einem der Festbänke sitzend die zündende Rede verfolgt hatte, schmunzelte leicht und flüsterte in Richtung seiner Frau: «Hoffentlich zündet der Funke.» Das Höhenfeuer jedenfalls brannte schliesslich lichterloh und der Geburtstag der Schweiz wurde auch in Aeugst würdig gefeiert.


Bezirk Affoltern

Dienstag, 6. August 2019

7

Was die Schweiz im Kern zusammenhält SP-Nationalrätin Jacqueline Badran an der Bundesfeier in Bonstetten Es ist selten, dass eine linke Politikerin bis zur Schlacht am Morgarten zurückgeht, um zu erklären, was das Erfolgsmodell der Schweiz bis heute ausmacht. Genau dies tat Jacqueline Badran aber an ihrer Bundesfeierrede in Bonstetten.

Grossgrundbesitzer Kloster Einsiedeln und den Habsburger Adel. Ihr Sieg in der Schlacht sei ein historischer gewesen, habe doch mit ihm das Nutzungsprinzip des gemeinsamen Bodenbesitzes gegen das Prinzip des zehntenpflichtigen, feudalen Grossgrundbesitzes gesiegt. «Es war der Anfang des Siegeszugs vom Prinzip der Gemeinnützigkeit und des allgemeinen Nutzens über das Prinzip des Eigennutzes», hob Badran hervor. Daraus seien die ersten demokratischen Strukturen entstanden, denn wer gemeinsam Boden besitze, der müsse auch gemeinsam entscheiden, wie dieser zu nutzen sei.

................................................... von stefan schneiter Erst war es der Musikverein, der die Leute an der Bundesfeier in Bonstetten am 31. Juli mit schmissigen Klängen in Stimmung brachte. Bereits zum 20. Mal fand die Feier auf dem Bauernhof der Familie Weiss hoch über dem Dorf statt. Grösser könne der Gegensatz zu den Rednern der letzten zwei Jahre kaum sein, fand Gemeindepräsident Erwin Leuenberger, als er die diesjährige Referentin ankündigte. Nach den SVP-Politikern Claudio Zanetti und Roger Köppel war in diesem Jahr die Reihe an der Zürcher Nationalrätin Jacqueline Badran. «Unbestechlich, unabhängig, ungepierct und ungeschminkt» umschrieb Leuenberger sie, als «ehrlich und geradlinig, aber bisweilen auch etwas besserwisserisch». Nun, unabhängig und geradlinig sprach Badran, die bekannt ist für ihre klaren politischen Positionsbezüge im Nationalrat, dem sie seit 2011 angehört und die als Unternehmerin in einer von ihr gegründeten IT-Firma tätig ist. Die Geschichte zeige, so Badran, was die Schweiz in ihrem

Schulen, Spitäler, Strassen «die gehören uns»

Präsentübergabe nach der Ansprache: Bonstettens Gemeindepräsident Erwin Leuenberger mit SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. (Bild Stefan Schneiter) innersten Kern zusammenhalte. Das liesse sich bis zur Schlacht am Morgarten im Jahr 1315 zurückverfolgen. Die

Viel Volk am Volksfest

Bauern hatten sich damals im Marchenstreit zur «Genossame Schwyz» zusammengeschlossen, gegen den

Von Morgarten über historische Grössen wie Huldrych Zwingli, Gottfried Keller, Karl Marx und den Theologen Leonhard Ragaz, die sich intensiv mit Eigentumsverhältnissen auseinandergesetzt hätten, spannte Badran den Bogen zur Gegenwart. «Haben Sie sich schon mal überlegt, wieviel Ihres Haushaltbudgets an die Gemeinnützigkeit fliesst?» fragte Badran rhetorisch ihre Zuhörerschaft. Und hatte die Antwort parat: «Fast alles.» Angefangen bei den Schulen, wo die Ausbildung jedes Kindes, vom Staat und damit von uns allen gezahlt werde. Auch Spitäler, Wasserversorgung, Strassen – «die gehören uns». Für die SBB, Postdienstleistungen, die Kommunikation, den Strom treffe dies ebenfalls mehrheitlich zu. Wer seine

Bankgeschäfte über die ZKB tätige, tue dies bei einem Unternehmen, das seine Gewinne an die Gemeinde- und Kantonskassen abliefere. Coop und Migros gehörten auch ihren Kunden. Dort einzukaufen sei besser als bei Aldi. «Da liefern sie bei jedem Einkauf einen Fünfliber an die zweitreichste Familie von Deutschland ab. Das können Sie schon tun, aber ist es besser, man gibt es an sich selber», meinte Badran, um dann zu folgern: «Sie können also sozusagen ihr gesamtes Budget im Bereich des Gemeinnützigen abliefern. Unsere grossen Werke liefern uns den Gewinn ab.»

Gemeinbesitz verteidigen Jacqueline Badran wäre nicht Jacqueline Badran, hätte sie diese Gelegenheit nicht für einen Angriff auf die politische Rechte genutzt. SVP und FDP propagierten heute Privatisierungen, wo der Nutzen essenzieller Güter in die Hände einiger Weniger fliessen soll und stünden damit ein für eine Privilegien-Wirtschaft zum Vorteil einiger Weniger. Ihre Rede schloss sie dann mit einem Aufruf: «Es ist unser gemeinsames Volksvermögen, das die Schweiz ausmacht, wo der gemeinsame Nutzen und der Ertrag uns allen zugutekommt und nicht einem modernen Landvogt. Der gemeinsame Besitz unserer Grundgüter und die demokratische Selbstbestimmung darüber – das müssen wir verteidigen. Denn das ist das Erfolgsmodell Schweiz und der Ursprung unserer direkten Demokratie.»

Über die Bedeutung von Heimat

Lauschige 1.-August-Feier in Obfelden

Zum 1. August sprach in Knonau Gemeinderätin Marianne Domeisen

er Volksmund sagt, man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Dabei «fallen» ausgerechnet Volksfeste meistens überhaupt nicht spontan. In Obfelden zum Beispiel, da finden sie seit mehreren Jahren zuverlässig am letzten Tag im Juli statt – organisiert vom lokalen Feuerwehrverein, finanziell unterstützt durch Kultur Obfelden. Wer also am Mittwoch in der Badi mitfeierte, war den meisten anderen Säuliämtler Gemeinden an jenem Abend ein bisschen voraus. Und mitfeiern, das wollten einige: Die Festbänke und die Wiese füllten sich rasch. Zu sehen gab es – mal nicht nur an der Volgkasse, sondern an Festbänken plaudernd – die anderen Dorfbewohner. Ebenfalls zu sehen gab es einen Gemeindepräsidenten, der sich unter anderem als fleissiger Volksdiener erwies und das Geschirr abräumte. Und zu fortgeschrittener Stunde knallte und funkelte es am Himmel für einige Minuten. Zu riechen und zu schmecken gab es an diesem Abend Grilliertes, Frittiertes und ganz viel anderes. Und zu hören? Zu hören waren zum Auftakt die «Ohrestüber», später die Jukeboxband mit Nadine Arnet, und dazwischen EVP-Kantonsrat Daniel Sommer. Der Affoltemer, nach den Wahlen im Frühling zum «Panaschierkönig» erkoren, machte seinem Titel alle Ehre: In

Was bedeutet Heimat? Um diese zentrale Frage drehte sich die Ansprache von Gemeinderätin Marianne Domeisen an der 1.-August-Feier in Knonau. Für die Kleinsten unter den gut 100 Gästen folgte der Höhepunkt danach: der Lampionumzug.

D

Viel Volk, und damit viel Publikum für die «Ohrestüber» aus Obfelden.

EVP-Kantonsrat Daniel Sommer hielt die Festrede. (Bilder Mohammed Shahin) seiner Rede war für jede Gesinnung etwas dabei: Er beglückwünschte die Gemeinde zum neuen Zertifikat als «Energiestadt», adaptierte ein Zitat von John F. Kennedy («Ich bin ein Obfelder»), schwenkte mit diesen Worten über zu einer persönlichen Herzensangelegenheit, seiner Frau – ihrerseits gebürtige Obfelderin – und erzählte von fehlenden Formularen und überrumpelten Beamten, als er vor Jahren auf dem Zivilstandsamt ihren Namen annehmen wollte («Ohne Formular fühlt sich manch ein Beamter wie ein Fisch ohne Wasser. Er schnappt nach Luft und wird zappelig»). Später sprach er vom Spital Affoltern und davon, dass Solidarität so wichtig sei («Solidarität schafft Zusammenhalt und muss darum wie Fischkleister immer wieder neu angerührt werden»). Und schliesslich appellierte er an die Eigenverantwortung aller, ihr Verhalten – zum Beispiel in Umweltthemen – kritisch zu hinterfragen («Macht eine Zweitwohnung wirklich Sinn?»). Zum Schluss richtete er ausserdem ein paar Worte zum Begriff «Heimat» aus («Wenn wir Heimat als ein ‹gutes Gefühl› erleben, dann machen wir uns mitverantwortlich, dass die Schweiz eine wunderbare Heimat bleibt») und stellte fest: «Wenn jetzt jemand behauptet, der Glaube an die Kraft von Heimatgefühlen sei spiessig, dann bin ich gerne der grösste Spiesser aller Zeiten.» (lhä)

................................................... von thomas stöckli Die Festbänke vor der Stampfi füllten sich schnell. So mussten die Helfer um Werner Niederberger noch zusätzliche Sitzgelegenheiten bereitstellen und Gemeindepräsidentin Esther Breitenmoser half höchstpersönlich im Service aus. Vor über 100 Zuhörerinnen und Zuhörern teilte Festrednerin Marianne Domeisen, Vorsteherin Tiefbau und Liegenschaften im Gemeinderat Knonau, ihre Gedanken zum 1. August. Was macht das Gefühl von

Heimat aus, ist es ein Ort oder sind es doch mehr die Menschen im direkten Umfeld? Heimat sei dort, wo sich die Familie aufhalte, so eine erste These. Und doch sei das noch nicht alles, so Domeisen weiter: «Ich habe in Knonau meine Heimat gefunden.» Hauptgrund für dieses Zugehörigkeitsgefühl seien die Menschen, die sich aktiv für ein Dorfleben engagieren. Um das zu honorieren hatte sie einige Rosen mitgebracht, welche die Festbesucher jemandem übergeben durften, der ihnen ein Stück Heimatgefühl geschenkt habe. Im Nu waren die Blumen weg. Die musikalische Unterhaltung teilten sich am geselligen Abend die Alphorngruppe Echo vom Röhrliberg und die lokalen Räbberg Fäger – Schweizerpsalm und Ämtlermarsch inklusive. Mit dem Eindunkeln stieg dann die Nervosität unter den jüngeren Festgängern: Der Lampionumzug startete pünktlich um 21.15 Uhr.

Pause auf dem Lampionumzug. (Bilder Thomas Stöckli)

Festrednerin Marianne Domeisen. Zurück auf dem Stampfiplatz, loderten in den bereitgestellten Feuerschalen bereits die Flammen – zum Feuerwerk trugen dann verschiedene Festbesucher ihren Teil bei.


Bezirk Affoltern

«Stairway to Heaven»

Zwölf Stufen zum Glück in Hausen Eva und Fritz Locher sind in Hausen einer speziellen Ferienbeschäftigung nachgegangen. Sie haben eine Treppe gebaut, um den Schulweg kürzer und verkehrssicherer zu machen. Am Nationalfeiertag werden wunderbare Reden geschwungen. Nicht so das Metier von Eva und Fritz Locher, die Taten lieber mögen als grosse Worte. Beim Zurückschneiden der Bäume und Sträucher vor ihrem Haus am Wigartenweg haben sie einen alten Trampelpfad freigelegt und diesen mit viel Einsatz und Begeisterung zu einer Treppe aufgepeppt: Zwölf Tritte, sauber eingekiest und mit Betonplatten abgestützt. Der Präsident der Flurgenossenschaft, Kari Burkard, hatte unbürokratisch seine Einwilligung gegeben, denn die Stufen dienen auch der Schulwegsicherheit. Da auf der Albis-

strasse das Trottoir nicht beidseitig geführt werden kann, dient der Wigartenweg als sicherer Schulweg abseits der Hauptstrasse.

Ansteckender Enthusiasmus

Dienstag, 6. August 2019

9

«Anzeiger»-Druckbögen als Isolationsmaterial Renovation im Loo lockt zu einer Reise in die Vergangenheit

Der Enthusiasmus von Eva Locher, die in Hausen auch Kindergärtnerin ist, wirkte ansteckend. Ihr Mann Fritz ging ihr bei den schweren Arbeiten zur Hand. Cyrill Geisseler half beim Geländer. Gewerbevereinspräsident und Schulpfleger Claudio Rütimann zeigte sich von der Aktion so begeistert, dass er spontan die Solar-Beleuchtung spendete. Für jeden der zwölf Tritte haben sich eine Gotte bzw. ein Götti gefunden. Besondere Freude bereiten Eva Locher die Nachtkerzen, die sie entlang der Treppe eingepflanzt hat. Die gelben Blüten dieser Pflanzen gehen erst in der Dämmerung auf. Sie wird deshalb auch Abendblume genannt. (map.)

Hinter der alten Tapete tauchten als Isolationsmaterial Druckbögen des Anzeigers aus dem Bezirk Affoltern aus den Jahren 1891 bis 1893 auf. Unten rechts ist die ursprüngliche Bretterwand erkennbar. (Bild bs)

Kirchengesangbücher «zu billigsten Preisen» sind bei J. Weiss in «reichhaltiger Auswahl» vorrätig, «Kathreiner’s Kneipp-Malz-Kaffee» preist sich als wohlschmeckendster KaffeeZusatz an und für die Abfahrt vom 21. April 1893 werden Amerika-Reisende gesucht: Druckbögen des «Anzeigers», entdeckt als Isolationsmaterial. ................................................... von bernhard schneider

Eva und Fritz Locher (vorne) und Cyrill Geissler freuen sich über ihr gelungenes Werk am Wigartenweg in Hausen. (Bild Martin Platter)

zwischen-ruf

Ente plaudert Morgens beim ersten Sonnenstrahl im Schilf aufwachen und gleich losziehen mit den Kleinen hinaus auf den See Das liebe ich Alle andern schlafen noch Auf dem Schiffsteg kein Mensch Mein Mann ist weggegangen als die Kinder geschlüpft sind Für immer, hat er gesagt Doch uns geht’s gut Brav schwimmen sie hinter mir her

Ab und zu begleiten uns Taucherli Ganz ruhig ist es hier Fast Mal kreischen die Möven Mal quaken die Frösche Auf sanften Wellen schaukeln wie schön das ist Aber du – die Kleinen rufen: «Algen fressen! Algen fressen!» Jetzt muss ich tauchen Tschüss Ute Ruf

Die Reise in die Vergangenheit des Doppelwohnhauses im Loo beginnt 1816. Heinrich Nievergelt, der Betreiber der grossen Mühle im Loo an der damaligen Landstrasse von Affoltern nach Zwillikon, baute seinen beiden Söhnen, Jakob und Hans Heinrich, an der nahen Hofibachstrasse ein Doppelwohnhaus. In jenem Jahr litt ganz Europa unter einer Hungerkrise, nicht so ein reicher Müller mit Getreidevorräten, die er günstig erworben hatte und nun zu hohen Preisen verkaufen konnte. So profitierte er von günstigen Löhnen, um mit dem Bau eines stattlichen Hauses zu beginnen, das Denkmalpfleger Attilio d’Andrea als «hervorragenden Vertreter der Baugattung ‹Ämtlerhaus›» bezeichnet. Müller Nievergelt starb 1817, noch vor der Vollendung des neuen Hauses. Die Söhne entzweiten sich anlässlich der Erbteilung und nur der eine, Jakob, 1818 zog ins fertiggestellte Haus. Die Mühle verkauften die NievergeltBrüder. Sie brannte 1865 nieder, an ihrer Stelle wurde eine Seidenwinderei errichtet und bis 1928 betrieben.

Die beiden Hausteile Hofibachstrasse 3 erfuhren mehrere Handwechsel, worauf meist eine kleinere oder grössere Renovation folgte. 1906 erwarb der Schreiner Karl Bitzer den südlichen Hausteil. Sein jüngster Sohn, Ernst, geboren 1919, erinnert sich noch als Hundertjähriger an manches Detail, so beispielsweise, dass der 1934 ersetzte Kachelofen die Jahreszahl 1818 trug. Der Ofen wurde somit zwei Jahre nach der Aufnahme der Arbeiten eingebaut. Der Ottenbacher Architekt Ruedi Egli erwarb das Haus 2014, analysierte Schicht um Schicht, um den ursprünglichen Zustand möglichst authentisch wiederherzustellen und gleichzeitig sechs Mietwohnungen mit modernem Komfort zu bauen. Bei der Analyse zeigte sich, dass kaum ein Jahrzehnt ohne kleinere oder grössere Veränderungen am Haus verging.

Baugeschichte oder ursprünglicher Zustand? Besonders interessant ist die Renovation des nördlichen Hausteils von 1893, denn die ringhörigen Bretterwände wurden nun mit Druckbögen des Anzeigers aus dem Bezirk Affoltern isoliert und anschliessend mit einer Tapete verziert. Die Druckbögen stammen aus den Jahren 1891 bis 1893. Offensichtlich hat die Druckerei Weiss damals die überschüssigen Druckbögen aufbewahrt, um sie für Isolationszwecke abzugeben. Dies bedeutet, dass auch in anderen Häusern, deren Wände seit den 1890er-Jahren nicht mehr gründlich erneuert wurden, solche Druckbögen hinter den Tapeten zu erwarten sind. Im Register der Brandversicherung sind nur die Renovationsarbeiten

erwähnt, die zu einer Erhöhung des Versicherungswertes führten. 1893 wurde die Erstellung eines Anbaus mit Plumpsklo dokumentiert, nicht aber eine Innenrenovation. Dies bedeutet, dass die damalige Besitzerfamilie von Schuster Jakob Leuthard die Innenrenovation selbst bewerkstelligt und die Druckbögen vermutlich kostenlos erhalten hat. Denkmalpfleger Attilio d’Andrea wollte aber nicht die Baugeschichte dokumentieren, sondern gab als Ziel vor, dass der ursprüngliche Bau nach der Renovation wieder möglichst authentisch erkennbar ist. Die nun abgeschlossene Renovation entspricht dieser Zielvorgabe gemäss seinem Urteil vollumfänglich: Die mit reiner Ölfarbe bemalten Riegel, Fensterläden und Aussentüren prägen die Fassade, die nun wieder so aussieht wie vor 200 Jahren. Der reine Sumpfkalk, mit dem Innen- und Aussenwände verputzt und gestrichen wurden, ist ebenso authentisch wie das originale Holz, das gereinigt und mit Öl behandelt wurde. Die Innenwände sehen nun wieder original aus, allerdings ist die Struktur unter dem Holz modern, mit Brandschutz, Wärme- und Lärmdämmung, sanitären und elektrischen Einrichtungen. Denn für eine zeitgemässe Isolation reichen – leicht brennbare – Zeitungsbögen längst nicht mehr aus. Zurück in der Gegenwart: Für diejenigen, die ein Ämtlerhaus aus der «Zeit der technisch und gestalterisch höchstentwickelten Ausbildung dieser Konstruktionsform» nicht nur von aussen, sondern auch von innen besichtigen möchten, ist die renovierte Liegenschaft an der Hofibachstrasse 3 im Loo, Zwillikon, am Samstag, 10. August, von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Moorlandschaft und Storchenparadies Ämtler Wanderer im sonnigen Zürcher Oberland Die familienfreundliche Wanderung führte von Bubikon zur Moorlandschaft am Lützelsee und weiter bis ins hübsche Städtchen Grüningen. Beim Hasel-Bauernhof beobachtete die Gruppe mehrere Storchenpaare mit ihrem Nachwuchs. Mit der Bahn geht es über Zürich nach Bubikon, wo die abwechslungsreiche Wanderung in Richtung Ritterhaus beginnt. Nach einem ersten kurzen Aufstieg erreichte man die Anhöhe Chapf. Von hier gab es eine grossartige Sicht auf die Schwyzer, Glarner und St. Gal-

ler Alpen. Nun ging es über Wihalden nach Hüsliriet, wo früher Torf gestochen wurde. Dann wanderte man vorbei am nördlichen Dorfrand von Wolfhausen bis zum malerischen Lützelsee. Mit seinen naturnahen Gebieten liegt der Lützelsee in einer wunderbaren Moorlandschaft von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung. Dank der Wiederansiedlung im Jahre 1987 konnte man beim Hasel Bauernhof mehrere Storchenpaare mit ihrem Nachwuchs beobachten. Unter einem grossen Erlenbaum machte die Gruppe eine Mittagsause und verpflegte sich aus dem Rucksack.

Nun führte der Weg über Hueb und Spilhalden bis zum Botanischen Garten und weiter nach Itzikon. Dort ging es am Chrummbach entlang, vorbei am idyllischen Töbeliweiher, bis ins hübsche Städtchen Grüningen. wo es im gepflegten Innenhof vom mittelalterlichen Schloss unter einem grossen Lindenbaum eine Pause gab. Bei der Haltestelle «Im Haufland» stieg man in den Bus nach Wetzikon ein und fuhr dort mit der Bahn wieder nach Hause. Dölf Gabriel, Wanderleiter Weitere Infos: www.miteinanderwandern.ch.

Fröhliche Wandergruppe im sonnigen Zürcher Oberland. (Bild zvg.)


10

Bezirk Affoltern

Dienstag, 6. August 2019

«Den Sommer im Säuliamt geniessen»

Gigantischer Grashüpfer. (Bild Martin Romer)

Chillen mit den Katzen auf Balkonien. (Bild Monika Schmidli)

Storchenbesuch bei den Wettswiler Weihern. (Bild Elisabeth Gretler)

Fünf Jungs geniessen den Türlersee. (Bild Martina Risi-Brugger)

«Den Sommer im Säuliamt geniessen» – unter diesem Titel hat der «Anzeiger» seine Leser zum Fotowettbewerb eingeladen – mit tollen Resultaten, wie die Auswahl auf dieser Seite zeigt. Noch bis Montag, 12. August, kann man Bilder einsenden, in Originalgrösse und mit Betreff «Fotowettbewerb» an redaktion@affolteranzeiger.ch. Bitte Adresse sowie Telefonnummer angeben.

Frisch geschlüpfter Schwalbenschwanz. (Bild Doris Burri)

Abkühlung im Reitlager bei 35 Grad. (Bild Christine Risi)

Gemeine Heidelibelle am 1. August im Seleger Moor. (Bild Albert A. Stahel)

Reiche Ernte. (Bild Benjamin B. Fenner)

Gemütlicher Ausklang in der Badi Obfelden. (Sylvia Limacher)

Alter Entlebucher Sennenhund auf Ausfahrt. (Bild Ursula Gross)


Bezirk Affoltern

Dienstag, 6. August 2019

Trotz Regen tolle Stimmung

«Dä Feschti Wal»: Zweite Ausgabe des Open Airs in Zwillikon

forum

Spital Affoltern: Danke! Ja, danke darf ich sagen, für die vorzügliche medizinische Behandlung und grossartige pflegerische Betreuung während meines krankheitsbedingten Spitalaufenthaltes vom 8. bis 22. Juli 2019. Ich will hier nur ein paar Namen nennen, die mir besonders aufgefallen sind: Frau Dr. N. Lindenmann (Chefärztin Innere Medizin), Frau Dr. Grandi (im Notfall). Von der Pflege: Frau Vogel, Frau Pelanda (von und zu), Frau Ziegler, Frau Zürcher und Frau Haldemann. Auch die weiteren Ärzte und Pflegenden haben von mir ein grosses Lob verdient.

Die Besucher trotzten dem Gewitter und wurden reichlich dafür belohnt. (Bilder zvg.)

«Umfahrung der Demokratie», Kommentar vom 31. Juli.

«Lieberherr» liess die Herzen der anwesenden Rocker höherschlagen. Nachhaltigkeit legten, suchte man vergebens nach Einweggeschirr und dergleichen. Freiwillige kümmerten sich rund um die Uhr um den Abwasch, statt ToiTois standen ökologische Kompotois zur Verfügung und man konnte sein Flaschendepot an «Viva con Agua» spenden, eine Organisation, welche sich für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern einsetzt. Der Regen drückte zwar nicht auf die Stimmung unter den Besuchern, doch er hielt wohl einige davon ab,

überhaupt das gemütliche Sofa zu verlassen. Die Organisatoren rechneten mit mehr Leuten und so klafft nun ein erhebliches Loch in der FeschtiwalKasse. Ein grosser Applaus geht an dieser Stelle an die zahlreichen Freiwilligen, welche das kleine aber feine Musikfest ermöglicht haben. Trotz Defizit, Petrus’ schlechter Laune und Schwielen an den Händen, ist das vierköpfige OK guten Mutes, dass es auch im nächsten Jahr den Wal wieder rauslassen kann. (pd.)

Zwei Premieren

Albisbrunn feiert das Schul- und Ausbildungsjahr

Toni Schönbächler, Leiter Berufsbildung, mit Sonia Calò, Fachfrau Hauswirtschaft.

Im Rahmen der jährlichen Schuljahres-Schlussfeier werden im Albisbrunn, Hausen, die Lernenden geehrt, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Zudem wird den Jugendlichen gratuliert, die den Einstieg in eine Lehre wagen. Dieses Jahr konnte Toni Schönbächler, Leiter Berufsbildung im Albisbrunn, zwei besondere Ehrungen vornehmen. Yul hatte bereits vor zwei Jahren die Ausbildung zum Küchenangestellten EBA als Bester im Kanton abgeschlossen und konnte sich nun über das bestandene Qualifikationsverfahren als Koch EFZ freuen. Reto Fust, sein Lehrmeister, verabschiedete ihn mit sichtlichem Stolz. Sonja Calò hat als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft die Nachholbildung als Fachfrau Hauswirtschaft EFZ mit Bravour gemeistert. Sie ist ein Vorbild für alle Jugendlichen im Albisbrunn, hat sie doch neben ihrer Arbeit auch noch die «Jobs» als Mutter und die der Auszubildenden gemeistert. Sonja Calò hat gezeigt, was mit viel

Stolz: Küchenchef Reto Fust mit dem neu zertifizierten Koch EFZ Yul (r.). (Bilder zvg.)

Willen und Durchhaltevermögen möglich ist.

Wiederum sechs Berufsabschlüsse Insgesamt haben sechs Jugendliche ihre Lehren abgeschlossen. Neben Yul als Koch EFZ haben Kerthekan als Maler EFZ, Patrick als Gestalter Werbetechnik EFZ, Ardijan als Baupraktiker EBA, Alan als Metallbaupraktiker EBA und Yan als Schreinerpraktiker EBA ihre Ausbildungen erfolgreich beendet. In den vier Klassen der Sekundarschule haben einige Schüler ihre Schulzeit beendet. Während sich fünf Jugendliche entschieden haben, im Albisbrunn die Ausbildung zu machen, suchen die anderen ihren Erfolg ausserhalb der Institution.

Geehrt mit «Film-Oskar» Die Jugendlichen der Trainings- und Orientierungswerkstatt haben sich im vergangenen Jahr nicht nur intensiv auf die Berufswahl eingelassen und einen wegweisenden Entscheid für ihre berufliche Laufbahn getroffen, sie

Ich wurde auch schon in anderen Spitälern behandelt und gepflegt, aber was ich im Spital Affoltern erlebt habe, sprengt einfach die Grenzen. Es war wahrlich nur gut und schön. Ich bin so froh, dass die Säuliämtler im Mai so deutlich ja sagten zu unserem Spital. Dieses darf nie und nimmer geschlossen werden! Nochmals herzlichen Dank an alle Ärzte, Pflegenden und weiteren Angestellten des Spitals! Es lebe dieses weiter, weiter und … Martin Kehrli, Obfelden

Sachlich bleiben

Ein bisschen Wasser hat noch keinen Wal verscheucht: Trotz teilweise sintflutartigem Regen kamen die Besucher des kleinen Open Airs am letzten Juli-Wochenende in Zwillikon voll auf ihre Kosten. Rund 150 «Feschtiwal»-Gänger jeden Alters besuchten das familiäre Open Air im Kleinkaliberschützenhaus in Zwillikon. Die Eröffnungsband «Sohnderbar» wurde zeitweise von heftigem Regen begleitet und musste sogar ihre Show unterbrechen, da das Bühnendach den Wassermassen nicht standzuhalten drohte. Danach konnte aber das Programm wie geplant durchgezogen werden. «Central 8», «Hazer Baba», «Lieberherr» und «Extrafish» boten den Besuchern tolle Live-Musik und sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Das Küchenteam, welches die Regentrotzenden mit allerlei vom Grill und traditionellen Hörnli mit Ghacktem versorgte, hatte am Abend jede Menge zu tun. Verköstigt und wohlgetränkt tanzten die Musikbegeisterten bis tief in die Nacht hinein. Da die Organisatoren grossen Wert auf

11

haben auch einen «Werbefilm» für die T&O erstellt. Diese Leistung wurde nun mit den «Film-Oskars» ausgezeichnet. Die Albisbrunn-Betriebe dürfen sich gleichzeitig auf fünf neue, motivierte Lernende freuen. (pd.) anzeige

Lieber Martin, da ich, wie du, in Ottenbach wohne, bin ich von diesem Thema gleichermassen betroffen. Allerdings bin ich, nicht wie du, ein (kaltschnäuziger und arroganter) Gegner der Umfahrungsstrasse und als solcher werde ich von dir ziemlich heftig angegriffen. Du langst bei deiner Wortwahl ziemlich tief in die Kiste der Polemik: Riesige Angstkampagne ums Klima? Da sind wir doch inzwischen etwas weiter. Du wirfst einem grünen Kantonsrat vor, realitätsfern und frei von jeglichen Verkehrskenntnissen zu sein. Damit attestierst du dir selber grössere Realitätsnähe und gehst davon aus, selber bessere Kenntnisse der Verkehrssituation zu haben. Nummernschilderanalyse vor dem Rotlicht? Falls du hier die AGs meinst: die fahren (zusammen mit den ZHs) auch nach dem Bau der Umfahrung weiter durch das Dorf von und nach Jonen. Ein bekanntes Phänomen: alle sind Fachleute mit fundierteren Kenntnissen als jene mit einer anderen Meinung. Wenn daraus eine sach-

liche Auseinandersetzung folgt, ist das ja tiptop, mit Anschuldigungen, gar Beleidigungen habe ich dann schon etwas Mühe. Ich glaube nämlich durchaus, dass mehr Strassen mehr Verkehr generieren und bin damit unverschämt, anmassend und blödsinnig? Ausserdem: Wenn es ein ganz normaler Vorgang ist, dass ein x-Millionen teures Bauprojekt nach ein paar Jahren markant teurer wird: Wieso plant man das denn nicht von Anfang an ein? Wer genau ist hier realitätsfern? Zum Glück brauchst du dir nicht wirklich Sorgen zu machen; ich verstehe daher deine Aufregung nicht ganz, denn die Grünen sind ja nur kurzzeitig erstarkt und Arroganz hat sich langfristig auch nicht bewährt. Somit kommt nachher alles wieder in deinem Sinne gut. Von mir aus ist es übrigens ok, wenn die Demokratie bisweilen umfahren wird; führt doch eine Umfahrung üblicherweise wieder auf den ursprünglichen Pfad zurück, inklusive kurzzeitiger PerspektivenErweiterung. Solange sie nicht umgefahren wird ... Tom Keller, von Beruf Fahrender, Ottenbach

Frauen am Rednerpult Vier Gemeinden, nämlich Bonstetten, Knonau, Mettmenstetten und Stallikon liessen dieses Jahr eine Frau die Festrede zum 1. August halten – mehr als je zuvor. Die fünf Gemeinden Aeugst, Affoltern, Hedingen, Obfelden und Ottenbach liessen einen Mann zu Wort kommen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dies eine deutliche Steigerung des Frauenanteils an 1.-August-Reden im Bezirk und freut mich sehr. 2019 gilt als das Frauenjahr – schön, dass es sich auch hier zeigt. Ich habe einen Vorschlag an alle Gemeinden: Laden Sie doch bitte immer abwechselnd ein Jahr eine Festrednerin, ein Jahr später einen Festredner ein. Und noch ein zweiter Tipp: Achten Sie doch auch darauf, dass Sie Frauen und Männer aus unterschiedli-

chen Bereichen, mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen politischen Einstellungen etc. einladen. Unser Land ist bunt – dies soll sich auch am 1. August zeigen. Lilian Hurschler-Baumgartner, Affoltern a. A.

Ein Leserbrief muss mit Absender, Adresse und Telefonnummer versehen sein, soll in maximal 2000 Zeichen ein Thema aus der Region aufgreifen und darf keine persönlichen Angriffe enthalten. (Red.)


12

Serie

Dienstag, 6. August 2019

Trauernd, aber nicht traurig Sommerserie «etwas bewegt» (6): Herr Hess hat nach dem Tod seiner Frau wieder Tritt gefasst Am 28. August 2018 ist im «Anzeiger» ein Bericht über Bernhard Hess erschienen, der mit seiner Frau im «Seewadel» wohnte. Ein Text, der sich las wie ein Porträt, im Kern jedoch eine Liebesgeschichte war. Im vergangenen November musste Herr Hess von seiner Frau Vreni Abschied nehmen.

«Geschichten, die bewegt haben» Zeitungsartikel bilden meist eine Momentaufnahme ab, allenfalls eine Entwicklung in der Vergangenheit. In der Sommerserie 2019 will der «Anzeiger» den Fokus darauf richten, was daraus wurde. So greifen die Journalisten ein Thema auf, über das sie einst geschrieben haben, und zeigen, was sich seither bewegt hat – vielleicht auch im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung. (tst.)

................................................... von livia häberling Haus zum Seewadel, 9.30 Uhr, Zimmer 117. So wars vereinbart. Nun hat Herr Hess es sich anders überlegt. Es ist fünf vor halb, und er steht am Hauseingang, vor der elektrischen Schiebetür. Bei diesen heissen Temperaturen, sagt er, da müsse man viel trinken. Zumindest als Gast – er selbst trinkt Mineral, das er bereits im Zimmer hat. Wir zweigen in die Cafeteria ab. Bewohner, Mitarbeitende, Gäste – Blicke. Ein paar Minuten später, Zimmer 117, die Apfelschorle sprudelt im Glas, als Herr Hess sich erkundigt, ob er einzig über sich, oder auch von seiner Frau erzählen dürfe? Natürlich, was immer ihn bewegt. Und das ist – unverändert – seine Vreni, auch heute, acht Monate nach ihrem Tod.

Im «Anzeiger» vom 28. August 2018 erzählte der damals 84-jährige Bernhard Hess aus seinem Leben. (Bild Livia Häberling)

kind zum Vorzeigeobjekt», 19. Juli; «Nachhaltiger Journalismus», 23. Juli; «Sitten kennenlernen, Sprache sprechen, Fuss fassen», 26. Juli; «Vom Marionettentheater zum Erlebnisweg mit Diamanten», 31. Juli.

Die Demenz zersplittert das gemeinsame Leben Im August 2018 ist im «Anzeiger» ein Porträt über Bernhard Hess erschienen. Er, 84, klar im Kopf, rüstig und vital, wohnte damals seit wenigen Monaten im «Seewadel». Vreni, seine Ehefrau, 86, dement, wohnte ebenfalls dort. Sie war im Winter 2016 nach einer Streifung alleine in das Altersheim gezogen. Herr Hess war in der gemeinsamen Wohnung in Wettswil geblieben, bis er im Februar 2018 aus Sehnsucht nach seiner Frau ein eigenes Zimmer bezog. Nun wohnte er im dritten Stock, zwei Etagen über Vreni. Da hatte die Krankheit das gemeinsame Leben bereits entzweit. Sie konnte ohne fremde Hilfe das Bett nicht mehr verlassen, verlor ihre Erinnerung, sprach weniger, während er nach dem Erwachen betete und turnte, gern redete und kaum körperliche Beschwerden spürte. Nahe blieben sie sich trotzdem. Jeden Morgen um fünf nach acht holte Herr Hess seine Vreni ab, strich ihr ein Konfibrot, unterstützte sie beim Essen. Er beantwortete ihre Fragen, die stets dieselben blieben, einmal, zweimal, ein Dutzend mal. Nach dem Frühstück strampelte er im Fitnessraum, holte seine Frau um 11 Uhr 30 zum Mittagessen ab, und brachte sie für den Mittagschlaf in ihr Zimmer zurück. An guten Tagen, da schob Herr Hess Frau Hess manchmal im Rollstuhl durch Affoltern, legte irgendwo eine Pause ein, öffnete eine Piccolo-Sektflasche und füllte die Gläser. An schlechten Tagen,

Bereits erschienen: «Ein kurzer, aber berührender Brief aus Tschorny Bor», 16. Juli; «Vom Sorgen-

Bernhard Hess hat seinen Lebensmut wiedergefunden. (Bild Mohammed Shahin) da fragte Vreni ihren Mann, ob sie ewig im «Seewadel» bleiben müsse. Herr Hess sagt, er habe gewusst, dass Vreni sterben wollte. Dass es ihr letzter gemeinsamer Sommer würde, konnte auch er nicht wissen. Ihre Kräfte hätten im Herbst immer mehr nachgelassen: «Zuletzt ist sie fast vollständig verstummt.» Anfang November sass Herr Hess zum letzten Mal mit seiner Ehefrau unten im Restaurant. An jenem Tag habe sie plötzlich nicht mehr gekaut, habe ins Bett gewollt, wo sich ihr Zustand von Tag zu Tag verschlechtert habe. In der Nacht auf Samstag, 24. November, ist Vreni Hess gestorben, am 30. November wurde sie beerdigt – in Affoltern, damit Herr Hess seine Frau jederzeit besuchen kann.

Besuche gegen das Vergessen Wenn Herr Hess heute, acht Monate später, über die letzten Tage mit seiner Vreni spricht, holen ihn die Erinnerungen ein. Er sagt, zum Schluss sei ihr Tod eine Erlösung gewesen, doch seine Stimme bricht, wenn er von der

Hilflosigkeit erzählt, die er dort, neben ihrem Bett gefühlt habe. Wenn er gemerkt habe, dass sie durstig war, ihr aber die Flüssigkeit nur in einem getunkten Wattebausch reichen konnte, weil sie an grösseren Schlucken hätte ersticken können. Herr Hess sagt, Vreni fehle ihm jeden Tag. So vertraut wie sie, sei ihm kein anderer Mensch je gewesen. Und doch musste sein Leben im «Seewadel» weitergehen. Herr Hess ist vom dritten in den ersten Stock gezügelt, in Vrenis altes Zimmer mit Balkon. Noch immer sitzt er kurz nach acht Uhr im Speisesaal und frühstückt. Nur das anschliessende Strampeln lässt er inzwischen aus. Stattdessen spaziert er auf den Friedhof, auch, um die Erinnerung an sie hochzuhalten. «Zwanzig Minuten hin, zwanzig Minuten zurück, jeden Tag, sofern es die Hitze zulässt», sagt er. In einem Einkaufscenter hat er sich einen kühlenden Flaschenhalter gekauft. Und ab und zu, da versorge er darin eine Piccolo-Sektflasche, um auf dem Friedhof mit seiner Vreni anzustossen. Wie früher, nur eben anders.

Der «Casanova» geniesst und schweigt Er sei einer, der auf die Leute zugehe, sagt Herr Hess über sich. Das helfe gegen die Einsamkeit. Er plaudert am Frühstückstisch mit anderen Bewohnern, am Mittag im Restaurant, und gerne auch mit dem Personal. Im Frühjahr zum Beispiel, da wandte er sich an den Hausdienst. Sein Wunsch: ein eigener Kühlschrank. Für die Schokolade, das Mineral – und die Sektfläschchen. Inzwischen wurde sein Anliegen erfüllt – der Lernende hat aus den Tiefen des Kellers einen gebrauchten Kühlschrank gezaubert und ihm eine hölzerne Schutzhülle mit Dach konstruiert. Mit verstohlenem Grinsen präsentiert er die Sonderanfertigung auf seinem Balkon. Im vergangenen August, nach Erscheinen des Artikels, war Herr Hess im Haus zum Seewadel plötzlich d a s Gesprächsthema. Ganz geheuer war ihm die Aufmerksamkeit damals nicht. Inzwischen scheint das anders. Am 14. Juni erschien im «Anzeiger» ein Bericht über eine «Seewadel»-

Wanderung. Auf dem Foto: Herr Hess mit einer Bewohnerin. Zufall? Das bleibt sein Geheimnis. Herr Hess – flinker im Kopf als auf den Beinen – schweigt dazu ganz Gentleman-like. Am 6. Juli, zu seinem 85. Geburtstag, erschien im «Anzeiger» ein Gratulationstext über ihn, in dem es hiess, er sei charmant, rüstig und sehr beliebt. So beliebt, dass er zu berichten weiss, sie hätten fast den ganzen Tag gefeiert. So beliebt, dass ihm die Dame von Pro Senectute als Geschenk eine Konsumationskarte für die Cafeteria überreichte. So beliebt, dass das Personal auf die Karte nicht «Bernhard Hess», sondern «Herr Casanova» schrieb. Eine Rolle, in der er sich nicht unwohl zu fühlen scheint. Ein bisschen Jux, sagt Herr Hess, dürfe sein. Wenn jemand im Haus unbekannten Besuch habe, dann gehe das grosse Rätseln los ... Und unbekannt, sei ja auch die Journalistin. Ein Blick zur Apfelschorle, ein Gedanke an die Ehrenrunde in der Cafeteria. Ein Schelm, dieser Herr Hess.

Blanca Imboden muss warten Als seine Vreni noch lebte, vermisste sie ihn, sobald er nicht in ihrer Nähe war. Deshalb hat Herr Hess zuletzt kaum noch Ausflüge unternommen. Nun hat er sich im Frühling ein Halbtax-Abonnement gekauft. Auch die Zeitung liest Herr Hess noch immer gerne, und kürzlich hat er sich das neue Buch von Blanca Imboden bestellt. Zu Recherchezwecken hatte die Innerschweizer Autorin im November vier Tage im «Seewadel» verbracht. Auch Herr Hess hatte ihr damals über sein Leben im Altersheim Auskunft gegeben, und ist gespannt, ob er sich in Textpassagen wiedererkennt. Bis jetzt, erklärt er, sei er allerdings weder zum Reisen noch zum Lesen gekommen. Es sei einfach zu viel los.

Wir wollen Ihr Sommerbild! Gerade der Sommer bietet viele Motive für tolle, aussergewöhnliche Bilder – auch im Säuliamt. Über die Sommermonate publiziert der «Anzeiger» eine Auswahl davon. Die Bilder, welche die «Anzeiger»-Jury am meisten überzeugen, werden prämiert. Es locken Preise im Gesamtwert von über 100 Franken. Die Redaktion entscheidet über die Publikation, die Gewinner werden benachrichtigt. (Red.) Bilder an redaktion@affolteranzeiger.ch, Betreff: «Fotowettbewerb». Einsendefrist: 12. August.

Gesunde Erfrischung mit Sicht auf die Churfirsten. (Bild Eva Leumann)

Brücken verbinden – Ferien im Maggia-Tal. (Bild Matthias Gretler)


Gewerbe/Dienstleistungen

Am Polarkreis

Musiktheater

Ein besonderes Erlebnis: Peter R. Schneider aus Hausen hat Island bereist. > Seite 15

Das Ensemble ultraSchall geht in seiner Konzerttätigkeit über den Schall hinaus. > Seite 16

Dienstag, 6. August 2019

-

13

Teamleaderin An der Sportkletter-WM in Japan ruhen die Schweizer Hoffnungen auf Petra Klingler. > Seite 23

Jackpot knacken im Coopark Affoltern Es locken Preise im Wert von 200 000 Franken Der Coopark Affoltern lädt zum grossen Spiel- und Gewinn-Festival. Unter dem Motto «Jackpot» dreht sich vom 6. bis 17. August alles ums Gewinnen von tollen Preisen – darunter ein Auto und elf exklusive Traumreisen. Für zwei Wochen steht im Coopark neben shoppen neu auch buzzern, Tresor knacken, spielen und gewinnen auf dem täglichen Programm. Mit den Spielkarten mit dem QR-Code können alle interessierten Besucherinnen und Besucher täglich ihr Glück versuchen. Zudem warten beim Buzzer-Spiel täglich weitere attraktive Sofortgewinne und Einkaufsgutscheine auf die Jackpot-Spieler.

Kreuzfahrt oder Outdoor Van? Model, Wetter-Moderatorin und Influencerin Lynn Grütter begeistert auf Instagram ihre grosse Fan-Gemeinde laufend mit coolen Modelbildern und interessanten Insta-Stories. Am Mittwoch, 7. August, präsentiert die Moderatorin von 11.45 bis 13.15 Uhr im Coopark den Super-Jackpot. Während 90 Minuten können die Besucher am Tresor zusätzlich Coop-Geschenkkarten im Wert von 5 x 100 Franken und 10 x 50 Franken gewinnen.

und starken Outdoor Van freuen. Auch die Preise im Jackpot-Tresor lassen keine Wünsche offen: So gibt es zum Beispiel Geschenkkarten von Coop oder Schweizer Lunch-Checks im Wert von je 500 Franken zu gewinnen. Das Campofelice in Tenero offeriert Familienferien für 580 Franken, die Ferienregion Stoos eine Jahreskarte (Wert 700 Franken), Christ Uhren & Schmuck eine Damenuhr im Wert von 595 Franken und bei der Lynn Grütter präsentiert morgen Mittwoch, 7. August, Airline Germania den Super-Jackpot. (Bild zvg.) gibt es für erfolgAls Hauptpreise locken an der reiche Tresorknacker zwei Flüge im Kreuzfahrten-Spielstation elf achttägi- Wert von 700 Franken abzuräumen. Die Jackpot-Karten mit dem perge Traumreisen für zwei Personen. Auf die Gewinner warten unbeschwerte sönlichen Tresor-Code können gratis Kreuzfahrt-Ferien an Bord eines MSC- in den Coopark-Geschäften bezogen Schiffes. Der Gewinner oder die werden. Mit der Karte kann man wähGewinnerin des neuen Peugeot Rifter rend der gesamten Eventdauer einmal im Wert von 39 750 Franken kann sich täglich um einen der tollen Tresorauf einen eleganten, robusten, agilen Preise spielen. (pd.)

Eine halbe Stunde vor Beginn der Schwimmkurse. Alles ist bereit. (Bild zvg.)

«Schwümschuel Röteli» zu Gast im Freibad Stigeli Wie in den letzten Jahren bietet Nelly Röthlisberger mit ihrem Team der «Schwümschuel Röteli» in den Sommerferien im Freibad Stigeli in Affoltern KinderSchwimmkurse an. Die erste Woche ist bereits Vergangenheit. Von morgens um 9 Uhr bis mittags nahmen die kleinen Nachwuchsschwimmerinnen und -schwimmer das Bad in Beschlag. Am Montagmorgen war das Wetter noch kühl und regnerisch. Ab dem zweiten Tag war dann traumhaftes Sommerwetter. Gegen hundert begeisterte kleine Schwimmschülerinnen und -schüler durften in den verschiedenen Leistungsstufen ihre Fähigkeiten im Wasser verbessern. Neben der Freude am Wasser und dem Spass untereinander, besteht ein grosses Ziel darin, die Kursteilnehmenden auf die Gefahren des Wassers aufmerksam zu machen. Die erfahrenen und routinierten Schwimmerinnen und Schwimmer, die jeweils am Morgen im Stigeli ihre Bahnen ziehen und das kühle Nass ge-

niessen, konnten sich an dem zahlreichen Schwimm-Nachwuchs erfreuen. Seit mehr als zehn Jahren ist die «Schwümschuel Röteli» aus Ottenbach kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile wird Nelly Röthlisberger von über 20 Mitarbeitenden unterstützt. Einige davon sind Studierende an der pädagogischen Hochschule mit dem Ziel, Lehrer zu werden. Andere junge Leiterinnen werden aus dem Schwimmclub rekrutiert. Die Kinderschwimmkurse mit den Grundlagentests von swimsports.ch sind ein wichtiges Standbein. Daneben geniessen vor allem die Baby- und ElKi-Kurse mit Kindern ab zirka vier Monaten grosse Beliebtheit. Ende August starten die neuen Kurse in verschiedenen Hallenbädern und Therapiebädern. Zuerst wird in der letzten Schulferienwoche vom 12. bis 16. August eine weitere Kurswoche im «Stigeli» durchgeführt. Es hat noch einige Plätze frei. (pd.) Anmeldungen und weitere Infos unter www.schwuemschuel-roeteli.ch.

Frisches und Feines aus der Region

Am 17. August findet in Hausen ein neuer Lokalmarkt statt Am Schönegg-Platz in Hausen stehen am Samstag, 17. August, lokale Lebensmittel, Naturheilund Kosmetikprodukte sowie Kunst- und Handwerk im Angebot. Weitere Standbetreiber sind herzlich willkommen. Fahrzeugübergabe in Merenschwand: Siw, Che und Kim Chresta nehmen die beiden neuen Audi Q2 von Guido Bürgisser in Empfang. (Bild zvg.)

Fahrschule Chresta setzt auf Audi Q2 Seit über zehn Jahren vertraut die Fahrschule Chresta auf die Fahrzeuge der Garage G. Bürgisser in Merenschwand und fährt damit bestens. Nun erweiterte sie ihren Fahrzeugpark um zwei Modelle. Bei der Fahrzeugübergabe strahlte Guido Bürgisser, der Inhaber der Garage G. Bürgisser, mit Siw, Kim und Che Chresta um die Wette. Das verwundert nicht: Seit über zehn Jahren besteht zwischen der Säuliämtler Fahrschule und der Merenschwander Audi-Vertretung eine gute Zusammenarbeit. «Als Fahrschule sind wir darauf angewiesen, dass unsere Fahrzeuge so viel wie möglich im Einsatz sind. Umso mehr schätzen wir es, bei einem Defekt jederzeit auf den kompetenten und

schnellen Reparatur-Service der Garage G. Bürgisser zählen zu können», erklärt Che Chresta. Die Fahrschule Chresta ergänzt ihre Flotte um zwei weitere Audi Q2 Automatenfahrzeuge. Seit Februar diesen Jahres wird im Führerausweis keine Beschränkung mehr eingetragen, wenn man die Fahrprüfung mit einem Automaten ablegt. Entsprechend ist bei Fahrschülern die Nachfrage nach Autos mit Automat gestiegen. Die Garage G. Bürgisser hat beide Fahrzeuge umgebaut. Ausserdem sind sie mit allen sicherheitsrelevanten und zulässigen Assistenz-Systemen ausgerüstet. Damit können die Fahrschüler in Zukunft den vollen Audi-Komfort geniessen – und dieser kommt an, wie Che Chresta betont. (pd.)

Das Gute liegt so nah. Oft sogar näher, als man denkt. Davon sind Lydia Hartmann und Lisa Roth überzeugt. Die beiden Frauen verarbeiten selber lokale Produkte zu Spezialitäten und glauben, dass es im Säuliamt ganz viele innovative Menschen gibt, die Lebensmittel, Naturheil- und Kosmetikprodukte oder Kunst und Handwerk herstellen. All diesen Anbietern möchten die beiden Frauen am Samstag, 17. August, am Lokalmarkt in Hausen eine Verkaufsplattform bieten. Dies nicht zuletzt, weil sie von der Nachhaltigkeit des lokalen Verkaufs überzeugt sind: «Regionalität ist nicht nur ein Trend, sondern eine empfehlenswerte Lebenseinstellung», findet Lydia Hartmann. Anders als bei vielen Grossverteilern ist die Optik von Obst und Gemüse auf dem Lokalmarkt zweitrangig, was zählt, ist der natürliche Geschmack – und die Sorgfalt in der Verarbeitung: «Wir sind überzeugt, dass aus einer liebevollen Herstellung

Mit dem Lokalmarkt möchten die Organisatorinnen Lydia Hartmann (links) und Lisa Roth Produzenten von lokalen Produkten eine Plattform bieten. (Bild zvg.) ein energievolles Produkt entsteht», so die beiden Initiantinnen. Neben saisonalem Gemüse, Kräuter und eingemachten Spezialitäten wird es Käse und Joghurt von der Familie Blattmann aus Ebertswil und Rindfleisch von der Familie Roth von Tüfenbach geben. So können sich die Marktbesucherinnen und -besucher ganz bequem mit gesunden und hausgemachten Produkten eindecken. Der Markt bietet jedoch weit mehr als Kulinarik: Auch Kosmetik und Naturheilprodukte sind im Angebot. Unter den angemeldeten Künstlern und Handwerkern aus der Region sind auch Urs Gaisser aus Mettmenstetten mit selbst restaurierten Möbeln und andere Künstler mit Ton- Holzprodukten mit dabei. Weitere Interessierte sind herzlich eingeladen, ihre Werke

am Markt zu präsentieren und zu verkaufen. Auch für Anbieterinnen und Anbieter, für die sich ein eigener Verkaufsstand nicht lohnt, haben die beiden Damen eine Lösung: Sie können ihr Sortiment am Vortag anliefern und die Produkte am Lokalmarkt auf Provisionsbasis verkaufen lassen. Natürlich ist an diesem Samstag auch für die Verpflegung gesorgt: Das Restaurant Schönegg ist während des Marktbetriebs geöffnet und rundet mit einem Essens- und Getränkeangebot das stimmige Markterlebnis ab. (pd.) Lokalmarkt, Samstag 17. August, 9 bis 14 Uhr, Schönegg-Platz Hausen. Anmeldung und Infos unter Telefon 079 923 94 16. Standmiete: 45 Franken. Alternativer Verkauf der Produkte auf Provisionsbasis.


Vermischtes

Dienstag, 6. August 2019

15

Die sagenumwobene Insel am Polarkreis Ein besonderes Erlebnis: Peter R. Schneider aus Hausen hat Island bereist War es im Vorjahr die britische Kronkolonie Gibraltar im Süden Spaniens, bei 30 Grad Wärme, wollte der Fachjournalist Peter R. Schneider aus Hausen diesmal die sagenumwobene Insel am nördlichen Polarkreis mit dem berüchtigten Vulkan Eyjafjallajökull näher kennenlernen. ................................................... von peter r. schneider Wer kennt Island schon? Dieses jüngste Land der Erde mit seinen Gletschern, heissen Quellen (Geysire genannt), Holzhütten und Islandponys, mit seinen 130 Vulkanen – 30 davon sind aktiv – und seiner Hauptstadt Reykjavik. Island ist mit 103 125 km² mehr als doppelt so gross wie die Schweiz, hat aber mit nur 353 070 nicht einmal so viele Einwohner wie die Stadt Zürich. Ein Drittel davon lebt in der Hauptstadt Reykjavik. Aus dieser kleinen Bevölkerungszahl müssen neben der heimischen Beamtenschaft die Botschafter, Uno- und Nato-Delegierte, Fluglotsen etc. rekrutiert werden. Erstaunlich, dass das kleine Land eine Botschaft in Bern und Konsulate in Zürich und Genf unterhalten kann! Die Menschen sind freundlich, cool und gelten als trinkfreudiges Partyvolk. Sie sprechen isländisch und zum Grossteil sehr gut Englisch. Die isländische Sagenwelt mit ihren Elfen und Trollen scheint in der Bevölkerung fest verankert zu sein. Auf dieser Insel ist die vollwertige Ehe für Homopaare die Regel.

Vulkanausbruch im April 2010 und Tourismus Vielen noch in schlechter Erinnerung dürfte der Ausbruch des Eyjafjallajökull sein. Übersetzt heisst dieser Vulkan: Insel – Berg – Gletscher, also Eyja – fjalla – jökull, das kann sich nun jeder merken. Dieser gerade einmal 1666 m hohe Berg hat im Jahre 2010 den Flugverkehr in Europa und in den USA fast lahmgelegt. Schuld daran war die ausströmende Vulkanschlacke, ein Magmastaub und nicht eine Aschewolke, wie die Medien berichteten. Im Vulkan wird auch weder Holz noch Kohle verbrannt. Es war zu befürchten, dass diese Vulkanschlacke in den Triebwerken schmilzt und Leitungen verstopft. Der Eyjafjallajökull

Vulkankrater im Süden der Insel.

Der Wasserfall Godafoss in der Nähe von Akureyri im Norden. (Bilder Walter Willi) ist nach wie vor in «Betrieb», wie eben 30 weitere Vulkane, die irgendwann ausbrechen können. Die Briten, bei denen die Isländer seit der Finanzkrise 2008 grosse Schulden hatten, sagten launisch: «Iceland, we want cash, not ash!» Die Isländer antworteten lakonisch: «Erlasst uns die Schulden, und wir stellen die Vulkane ab!» Im Verhältnis zur Grösse des Landes war das wohl eine der grössten Finanzkrisen der Welt.

Touristen in Island Die neuen Islandbesucher dürfen sich in den Sommermonaten Juni bis August darauf einstellen, dass es kein eigentliches Einnachten gibt! Die Sonne nimmt um 12 Uhr nachts nur eine kleine Auszeit und ist um 3 Uhr früh wieder voll da. Richtig dunkel wird es in dieser Zeit nie. In der Winterzeit ist es gerade umgekehrt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf das Nachtleben in Reykjavik. Die Stadt lebt und pulsiert. Alkohol gibt es nur in staatlichen Läden. Und dann noch sehr teuer, wie fast alles im Lande. Böse Zungen sagen, Island sei eine «Schnapsnation». In der Tat, Schnaps wird seit je immer und überall getrunken. Bier hingegen war lange Zeit verboten. Aber seit dem 1. März 1989 wird der B-Day gefeiert. Das ist der Tag, an dem Bier legalisiert wurde.

Unerschöpfliche erneuerbare Energie, Industrie und Gewerbe War Island früher ganz auf die Fischerei ausgerichtet, so stellt heute der Ökotourismus mit Walbeobachtung ein weiteres starkes Standbein der Wirtschaft dar. Viele Besucher werden dann zu sogenannten Islandsvinur, auf Deutsch: Islandfans. Auch als Seminarort gewinnt Island immer mehr an Bedeutung. Zum 21. Mal findet Anfang Juni 2020 in Reykjavik der renommierte Retina International Weltkongress statt. Da enorme Mengen an Wasserkraft und Geothermie vorhanden sind, bilden die Aluminiumherstellung durch Elektrolyse und zahlreiche Gewerbebetriebe das Rückgrat der industriellen Wirtschaft. Es ist kaum vorstellbar, dass bislang nur rund 2 Prozent der Energiereserven genutzt werden. Die Hauptstadt Reykjavik wird nicht umsonst auch Welthauptstadt der erneuerbaren Energie genannt. Bei so vielen vorhandenen natürlichen Energieressourcen sollte es eigentlich nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis sich zum Beispiel die stark energieabhängige Datenverarbeitung noch stärker dort ansiedelt. Die Energie ist sauber und Platz für eine Niederlassung wäre genügend vorhanden. Warum EDV-Anlagen nach Indien oder in andere asiatische Staaten auslagern, wenn im nahegelegenen euro-

Geysir östlich von Reykjavik. päischen Island eigentlich alles vorhanden ist, was die stark energieabhängige EDV braucht? Für den Anbau von Kartoffeln, Kohl, Rüben und für die Schafzucht stehen nur 2,3 % der Landwirtschaft zur Verfügung. Verständlich, immerhin werden 11 % der Landoberfläche von Gletschern bedeckt. Den spärlichen Aufzeichnungen zufolge besiedelten etwa vor 1200 Jahren, also zur Zeit Karl des Grossen, norwegische Seeleute und Bauern die Insel. Fast in jedem Haushalt hängt oder steht ein Wandteller mit der Aufschrift: «Landnam 874». Als weiteres wichtiges Datum ist das Jahr 930 zu nennen. Es war der Beginn der Treffen der Bewohner, um über Gesetze abzustimmen. Die Isländer nennen es Allthing und der Staat hat damit eines der ältesten demokratischen Parlamente der Welt. Diese mystische Versammlungsebene, die die meisten Touristen besuchen, heisst Pingvellir und ist ganz in der Nähe der Hauptstadt gelegen. Island ist nicht Mitglied der EU, sondern der Efta, wie die Schweiz. Die unwirtlichen Klimaverhältnisse verursachten häufig Missernten, Viehseuchen und Pestepidemien und drohten fast die Bevölkerung auszulöschen. Aber, wie man sieht, haben es einige Menschen doch immer geschafft zu überleben und so wird Island heute von 353 070 Einwohnerinnen und Einwohnern bevölkert.

Heisse Quellen und privates Badevergnügen Die heissen Quellen sind ein Energiereservoir erster Güte. Es gibt nicht in jeder Gemeinde ein Pub oder Restaurant, aber dafür immer ein rund 38 bis 40 Grad warmes Schwimmbad. Die Aussentemperaturen im Sommer liegen zwischen 6 bis 14 Grad. Man trifft sich also im Schwimmbad und plaudert und tauscht Neuigkeiten aus. In privaten Häusern gibt es den «Heitur Pottur», auf Deutsch: Heisser Topf. Es ist ein rundes Becken aus Beton für acht bis zwölf Personen, die bei 40 Grad warmen Wasser gemütlich diskutieren. In den öffentlichen Schwimmbädern ist Alkohol strikt verboten; in den privaten Häusern nicht. Na dann Prost – oder Skal auf Isländisch. Der internationale Flughafen «Leif Eriksson» ist in Keflavik, ca. 40 km von der Hauptstadt entfernt. Von dort führen zahlreiche in das Lavafeld gefräste Strassen durch das Land. Ja, der Inselstaat scheint den Beweis zu erbringen, dass ein naturnahes Leben und ein angenehmer weltlicher Lebensstandard durchaus kompatibel sind. Auch wenn alles sehr teuer ist, insbesondere der Alkohol, oder gerade eben deshalb, lohnt sich ein Besuch Islands allemal. An die kühlen Sommertemperaturen gewöhnt man sich erstaunlicherweise sehr rasch.

Blick auf das Leben in der Vergangenheit Ausflugstipp in der Ferienzeit: der Ballenberg Der Ballenberg, ein Ortsname, welchen wir schon oft gehört und gelesen haben. Viele waren auch schon dort und haben sich vorgenommen: «Da müssen wir unbedingt wiedermal hin!» Und für alle, welche den Ballenberg noch nicht kennen: Jetzt in der Ferienzeit ist ein guter Zeitpunkt, um das anschauliche Freilichtmuseum der Schweiz zu besuchen. Erkunden, wie die Schweiz vor 50 und mehr Jahren gelebt hat. Besucht man mit der Familie, den Kindern, oder den Grosseltern den Ballenberg, wird keine Langeweile aufkommen. der Ballenberg bietet allen sehr vieles zum Sehen, zum Anfassen und Erleben. Bei den Grosseltern werden Erinnerungen aus der Vergangenheit wach. Die Kinder oder die Grosskinder dürfen ein eigenes Spielzeug schnitzen, buttern oder dreschen und vieles mehr. Erfahren, wie die Schweiz in der Vergangenheit, in der «guten alten Zeit» gelebt hat. In der Sägerei zuse-

Wie die Schweiz früher gelebt hat – das lässt sich im Ballenberg erkunden. (Bild Urs Sigg)

hen, wie die vom Wasserrad angetriebene Säge den grossen Baumstamm zerteilt. Ein Tag, welcher auch vor Augen hält, wie hart die Bauernarbeit in der Vergangenheit war. Ein Tagesauflug nicht nur für Familien, auch für die etwas ältere Generation. Rastplätze mit Tischen und Bänken sind zur Genüge vorhanden. So kann die mitgebrachte Verpflegung aus dem Rucksack bequem genossen werden. Dabei haben die Kinder genügend Freiraum, um sich auszutoben. Durst muss keiner leiden, den Schluck Wasser ab der Brunnenröhre – diese sind reichlich vorhanden – das geniessen nicht nur die Kinder. Die Sprachenvielfalt, welche auf dem Ballenberg zu hören ist, zeigt, dass das Freilichtmuseum der Schweiz weit über die Landesgrenze hinaus bekannt ist. Ein lehrreicher Reisetag, der bei Gross und Klein, Familien und Gruppen lange in Erinnerung bleiben wird. Urs Sigg


16

Veranstaltungen

Dienstag, 6. August 2019

Eine szenische Konzert-Collage «Meine Güte ...?!» – Ensemble ultraSchall am 25. August in Kappel

Auch dieses Jahr rocken zwölf Bands die liebevoll dekorierte Rampe. (Bild zvg.)

Zwei Sommernächte mit bester Stimmung Rampe Open Air auf dem Weisbrodareal Am 23. und 24. August wird der Parkplatz des WeisbrodAreals in Hausen wieder in ein einladendes Festgelände verwandelt. Während zwei Festival-Tagen begeistern zwölf regionale, nationale und internationale Musiker mit ihren aktuellen Alben und Songs. Ob Reggae (Riders Connection D, Ambaroots und Naima), Pop (Pedestrians, Bare Jams UK), Indie (Lui Hill D), Funk (Four Disturbed Civilians) oder Techno (Stereo Kulisse und Massa & Elay) – Fans verschiedenster Genres werden mit einem abwechslungsreichen Line-Up bedient. Das Rampe Open Air lädt Musikfreunde an einem spätsommerlichen Wochenende zum Feiern und Verweilen ein. Die einzigartige Atmosphäre lockt Sommervögel zu einem ausschweifenden Tanz nach Hausen. Der Eintritt auf das Festivalgelände und den Zeltplatz ist gratis. Die Besucherinnen und Besucher dürfen das

Rampe Open Air am Eingang mit dem Kauf des «ROA-Fan-Bändeli» unterstützen oder sich am Merchandise-Stand mit ROA-Fan-Artikeln ausrüsten. Zu kaufen gibt es Shirts, Hoodies, Caps, und vieles mehr. Auf dem Festivalgelände gibt es neben der Unterhaltung auf der Rampe noch weitere Highlights wie Graffiti-Kunst, eine wilde Trommelgruppe und Artisten. Zudem gibt es leckeres Essen (Falafel, Grill, Leckereien) und an der Bar erfrischende Getränke zu fairen Preisen. Am Samstagnachmittag können die Festivalgäste im idyllischen Türlersee baden gehen, das Panorama auf dem Hochwachtturm erkunden oder sich in den Blüten des Seleger Moors verlieren. (pd.) Rampe Open Air, Freitag, 23. August, 19 bis 3 Uhr und Samstag, 24. August, 17 bis 3 Uhr, WeisbrodAreal Hausen. Die Anreise wird mit dem Bus empfohlen, Besucherinnen und Besucher mit einem Auto werden gebeten, den Parkplatz «Chratz» beim Sportplatz zu benutzen. Weitere Infos unter www.rampeopenair.ch.

«David gäge Goliat»

Adonia-Musical macht Halt in Uitikon Die christlichen Junior-Chöre und die Family-Chöre sind vom 7. Juli bis 12. Oktober auf Konzerttour. Sie führen in der ganzen Schweiz das Musical «David gäge Goliat» auf. Das Musical «David gäge Goliat» wird am 10. August von einem 70-köpfigen Junior-Chor in Uitikon aufgeführt. Mit fetzigen, zeitgemässen Songs und eindrücklichen Theaterszenen werden Alt und Jung in die damalige Zeit mitgenommen. Der Hirtenjunge David gegen den schwer bewaffneten Riesen Goliath – ein ungleicher Kampf, der seit jeher Gross und Klein fasziniert. 20 Kinderchöre von Adonia erzählen diese spannende Geschichte aus der Bibel im mitreissenden Musical in den Sommerferien 2019. Die eingängigen Lieder sprechen zusammen mit den humorvoll inszenierten Theaterszenen sowohl Kinder wie auch Erwachsene an. Durch die aufgegriffenen

Themen wie Angst, Geschwister und Vertrauen auf Gott ist dieses Musical alltagsnah und macht Mut, sich seinem persönlichen «Goliath» zu stellen. Die witzigen, aber auch tiefgründigen Theaterszenen werden von 15 mitreissenden Songs untermalt. Die singbegeisterten Kinder beeindrucken zudem mit Gebärdensprache, Tanz und Choreografie und sorgen so für ein begeisterndes Musical-Erlebnis. Adonia ist mehr als ein Kinderchor. Über 1300 Teilnehmende zwischen 9 und 13 Jahren aus der ganzen Schweiz, in über 20 Chöre eingeteilt, touren dieses Jahr mit diesem Musical durch die Deutschschweiz. In nur fünf Tagen erarbeiten sie das ganze Konzertprogramm und geben danach zwei Konzerte. Adonia bietet damit vielen Kindern eine sinnvolle Freizeitgestaltung. (pd.) Musical am Samstag, 10. August, 14.30 Uhr, Üdiker-Huus, Zürcherstrasse 61, Uitikon. Eintritt frei, Kollekte.

Biblische Geschichte als Musical: «David gäge Goliat». (Bild zvg.)

Das Ensemble ultraSchall geht in seiner Konzerttätigkeit über den Schall hinaus und schafft damit ein vielschichtiges Musiktheater. Am 25. August um 17 Uhr stehen in der Klosterkirche Kappel zum Thema Genügsamkeit der Konsum und die Nachhaltigkeit im Fokus. Glanz und Gloria! Geiz ist geil! Geld, Gier und Gehabe! Oder einfach: Genug durch seine Güte? Der Mensch ist von Sehnsucht getrieben. Hinter unserem Materialismus, unserer Gesellschaft, die nach immer schneller, mehr und besser drängt und so das ungebremste Wachstum in Schwung hält, steckt wohl eine tiefe Sehnsucht nach innerer Erfüllung. Diese Sehnsucht treibt den Menschen an. Ohne die menschliche Sehnsucht nach Erfüllung nur als etwas Schlechtes hinzustellen, will das Ensemble ultraSchall neben der Sehnsucht auch dem alten Wort der «Genügsamkeit» nachspüren. Es geht ihnen um ein geheimnisvolles Glück, das ausserhalb des Habens zu finden ist. Der Beter von Psalm 73 sagt: «Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.» Aber wir wollen immer mehr und das möglichst sofort haben. Leistung und Ziele wollen wir erreichen – unserem Ego zuliebe. Wir wollen brillieren oder notfalls negativ auffallen, um nicht ungesehen zu bleiben. Oder dann suchen wir Glück, Seligkeit und innere Erfüllung in angenehmen Erlebnissen und Abenteuern, manchmal sogar in unseren «selbstlosen» Diensten. Und aller Anstrengung zum Trotz bleiben wir voller Sehnsucht. Das attraktive am alten Wort «Genügsamkeit» ist im Wort selber enthalten. Genug! Kann unsere Sehnsucht ausserhalb einer göttlichen Erfüllung gestillt werden? Könnten die alten Arien und von Bach musikalisch umgesetzten Psalmtexte nicht heute auch aktuell sein? Die Musiker und Tänzer wollen sich diese Fragen stel-

UltraSchall beleuchtet die Absurdität der schnellen und schnelllebigen Gesellschaft mit Feingefühl und Tiefsinn. (Bilder zvg.) len und dabei auch mit humoresken Elementen die Absurdität unserer «schnellen und schnelllebigen Gesellschaft» beleuchten. Sie werden ausgewählte Texte aus diversen Bachkantaten alltäglichen und extremen Lebenssituationen gegenübergestellt. Es geht um eine geheimnisvolle Erfüllung, die ausserhalb von Erfolg, Leistung oder Konsum zu finden ist. In einer seiner vielzitierten Tischreden sagt Luther: «So predigt Gott das Evangelium auch durch die Musik.» Für Luther gehört also die Musik zum Kern der Verkündigung. Dies hat eine Neuorientierung der Kirchenmusik zur Folge. Die Einführung der italienischen Kantatenform in der evangelischen Kirche rief

ein lebhaftes «Für und Wider» hervor: Musiker waren begeistert, Pietisten dagegen empört, weil sie es als zu opernhaft empfanden. Für das Konzert stehen drei Generationen der Familie der Choreografin auf der Bühne, darunter die in Baar aufgewachsene Madeleine Niggli. (pd.) «Meine Güte?!», szenische Konzert-Collage, am 25. August, 17.15 Uhr, Klosterkirche Kappel. Ausgewählte Arientexte aus J.S.Bach-Kantaten zum Thema Genügsamkeit sprechen von einer geschenkten Erfüllung und Güte, die jenseits unserer eigenen Leistung liegt. Im Kontrast zur barocken Musik werden Instant-Kompositionen und Improvisationen zum Thema Konsum oder Nachhaltigkeit gesetzt. www.ultra-schall.ch.

Naturbeobachtungen, Städtchen und Hochmoore

Am Nordufer vom Greifensee – Wanderung am 13. August Vor den Toren der Stadt Zürich liegt im Zürcher Oberland der malerische Greifensee. Er zeichnet sich aus durch seine naturnahen Ufer und Hochmoore. Die familienfreundliche Wanderung führt vom Bahnhof Uster bis zum Schiffsteg im Rohr. Mit der Bahn geht es über Zürich nach Uster, wo die leichte und abwechslungsreiche Wanderung beginnt. Zuerst führt der Weg durch die Stadt am Aabach entlang, bis zum naturnahen Seeuferweg in Niederuster. Von hier sind es rund 40 Minuten bis zum sehenswerten Städtchen Greifensee. Auf einem schmalen Pfad spaziert man unter schattigen Bäumen und vorbei an kostenlosen Badeplätzen mit Feuerstellen. Eine parkartige Baumlandschaft und zahlreiche Ruhebänke laden zum Verweilen ein. Nun geht es weiter durch das Naturschutzgebiet mit einer aussichtsreichen Beobachtungsplattform und durch den schattigen Wald, bis kurz vor das Städtchen Greifensee. Beim Restaurant «Zur Alten Kanzlei» führt der Weg

Ein Schiffsteg in Niederuster am schönen Greifensee. (Bild zvg.) links hinunter und vorbei am Schloss bis zur schönen Gartenanlage am See. Hier gibt es eine Mittagspause und die Gruppe kann sich aus dem Rucksack verpflegen. Rund um den Greifensee wachsen 400 verschiedene Pflanzen und über 120 Zugvögel-Arten wurden schon nachgewiesen. Nun führt der Uferweg an einer Badeanlage vorbei und weiter durch das geschützte Böschenried. Bei der Wegkreuzung im Ried geht es nach links und weiter durch das Schilf von Suelen. Dann quert man den Glattbach auf einer alten schmalen Eisenbahnbrücke, um durchs Naherholungsgebiet Rohrwies mit Bade-

plätzen und Feuerstellen, zum Schiffsteg im Rohr zu gelangen. Von hier gehts mit dem Kursschiff über Greifensee zurück nach Niederuster, wo es im Strandbad Restaurant eine Erfrischung gibt. Bei schönem Wetter kann man sich im See abkühlen. Dann geht es mit dem Bus und der Bahn wieder nach Hause. Dölf Gabriel, Wanderleiter Geführte Wanderung am 13. August. Anmelden bis 11. August per E-Mail an: miteinander.wandern@bluewin.ch oder per Telefon 044 761 99 36 und 079 288 22 72. Weitere Infos auf www.miteinanderwandern.ch.


22

Sport

Dienstag, 6. August 2019

FCWB startet mit Remis in die neue Saison Fussball 1. Liga Gruppe 3: FC St. Gallen II – FC Wettswil-Bonstetten 2:2 (1:1) Die Ämtler zeigten in der Ostschweiz einen guten Auftritt und mit etwas mehr Glück wäre sogar ein Sieg möglich gewesen. Mit dem 2:2 Unentschieden dürfte man aber bei der WB-Elf ebenfalls zufrieden sein.

Torjäger Lugo auf den aufgerückten Nicola Peter ab. Der Bruder von Mittelfeldpuncher Flavio schob überlegt zum 1:1-Ausgleich in die kurze Ecke. Die Druckphase der Ämtler nahm nicht ab. Man wollte unbedingt den Führungstreffer noch vor der Pause erzielen. Doch sahen die WB-Fans zwei Abschlüsse von Flavio Peter und Allemann knapp über das Tor streichen.

Nach sechs Wochen Vorbereitung konnte die Oswald-Elf ihren ersten Ernstkampf in der neuen Saison bestreiten. Im schmucken Stadion Bergholz in Wil wurden sie von St. Gallen U21 empfangen. Letzte Saison waren die jungen Ostschweizer extrem spielstark und erspielten ihre Punkte hauptsächlich zu Hause. Demnach war das Spiel ein grosser Prüfstein für den FCWB.

Druckvolle Gastgeber

Vorteile WB in der ersten Hälfte Die Ämtler standen kompakt, versuchten den Ball in ihrer Hälfte zu erobern und dann zu kontern. Allerdings war es die U21-Auswahl, die das Score nach sechs Minuten eröffnete. Nach einem Fehlpass im WB-Zentrum reagierte der Espen-Stürmer Babic am schnellsten und zog aus 30 Metern ab. Der stark flatternde Schuss überraschte Torwart Thaler und sank zum 1:0 ins Netz. Die Reaktion der Oswald-Elf liess nicht lange auf sich warten. Man übernahm das Spieldiktat durch gradliniges Kurzpassspiel und war in den Zweikämpfen extrem bissig. Nach anzeige

Bei seiner Premiere für die Rotschwarzen gelang Nicolas Peter gleich der erste WB-Treffer der Saison. (Bild Kaspar Köchli) zehn Minuten hatte Allemann die erste Ausgleichsmöglichkeit auf dem Fuss. Doch sein Abschluss wurde noch von einem Ostschweizer geblockt. Dies war der Start eines Offensivfeuer-

werks. Die jungen St. Galler wurden mit Defensivaufgaben beschäftigt. Allerdings verfehlten die Abschlüsse von Lugo und Miljkovic wiederum knapp das Tor. In der 35. Minute legte

WB spielte eine starke erste Halbzeit. Einzig den Vorwurf, dass man eigentlich führen sollte, mussten sie sich gefallen lassen. Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte wurden die Ostschweizer besser und spielstärker. Sie vermochten den Ball besser zu behaupten und zwangen WB zu Defensivarbeit, ohne zu einer guten Torchance zu kommen. Durch den offensiveren Spielstil von St. Gallen U21 eröffneten sich in deren Abwehrreihen grössere Lücken, welche die Oswald-Elf zu Kontern einluden. Während der Zürcher Defensivverbund jeden Angriff abzuwehren vermochte, konnten oft Nadelstiche durch Konter gesetzt werden. Nach einer Stunde schaffte es der freistehende Heini nicht, die Kugel ins Tor zu befördern. Auch die Abschlüsse von Torgarant Lugo fanden ihr Ziel nicht. In der Schlussviertelstunde war es dann der eingewechselte Marjanovic, der den verdienten Führungstreffer

erzielte. Einen Konter schloss der Stürmer spektakulär ab. Nach diesem Treffer warfen die jungen Ostschweizer alles nach vorne. Ihr gradliniges Spiel in die Spitze konnte in dieser Phase meist nur durch Fouls gebremst werden. Ein daraus resultierender Freistoss brachte den St. Gallern den Ausgleich. Eine satt gezogene Flanke wurde wiederum in die Mitte befördert, wo Dauti aus drei Metern nur noch einschieben musste.

Heisse Schlussphase Die Oswald-Elf gab sich mit dem Punkt nicht zufrieden und setzte nochmals voll auf Angriff. Nachdem die Gastgeber auch eine Eckball-Serie abwehrten, pfiff der gute Schiedsrichter das Spiel ab und die beiden Mannschaften trennten sich 2:2 unentschieden. In diesem Spiel wäre für die Zürcher mehr möglich gewesen. Doch der gute Auftritt und der eine Punkt machen Mut für die bevorstehenden Spiele. Nächsten Samstag wollen die Ämtler einen ähnlich engagierten Auftritt zeigen. Bei einer effizienteren Chancenverwertung sollte es mit dem ersten «Dreier» gegen den Nachwuchs aus Winterthur klappen. (LTh) Matchtelegramm: Sportpark Bergholz IGP, Wil, 150 Zuschauer. FCWB: Thaler; Brüniger, Studer, Todzi, Rüegger; N. Peter, Heini (85. Capone), F. Peter, Miljkovic, Allemann (64. Marjanovic); Lugo (90. Thalmann). 6. Babic 1:0, 35. N. Peter 1:1, 74. Marjanovic 1:2, 84. Dauti 2:2.


Sport

Dienstag, 6. August 2019

23

«Die Gegner sollen uns fürchten» Skiakrobatik: Zusammenarbeit soll die Schweiz und Australien weiterbringen Mit der Schweizer Nationalmannschaft trainieren im Jumpin in Mettmenstetten aktuell auch die Australier. Die beiden Teams spannen im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking zusammen. Eine erste Standortbestimmung ist das Freestyle Masters vom 18. August in Mettmenstetten. ................................................... von thomas stöckli Normalerweise tasten sich die besten Aerials-Athleten Australiens im Sommer in den USA und Kanada wieder an die Höchstschwierigkeiten heran, die sie im kommenden Winter zeigen wollen. Diesmal bringt sich das Team um die beiden Top-Springerinnen Danielle Scott und Laura Peel in Mettmenstetten in Weltcup-Form. Es ist der Beginn einer vertieften Zusammenarbeit im Hinblick auf den Olympia-Winter 2022. Die Teams ergänzen sich hervorragend: Hier der Schweizer Cheftrainer Michel Roth, einer der besten seiner Zunft, dort der Neo-Coach David Morris, bis vor zwei Jahren aktiver Athlet und WM- sowie Olympia-Medaillengewinner. Roth bringt als Mentor seine jahrelange Erfahrung ein, den Blick fürs Ganze, Morris dagegen technisches Wissen und frische Ideen von seiner Zusammenarbeit mit verschiedenen Trainern. «Ich war sehr interessiert, ihn im Team zu haben», so der Schweizer über den Australier. Weil das Budget keinen zweiten Coach zuliess, sei diese Form der Zusammenarbeit ideal.

Höhere Schwierigkeiten bei den Frauen Bei den Schweizern liegen die Medaillenhoffnungen primär bei den Männern, bei den Australiern ganz klar bei den Frauen. Deshalb sollten sich auch keine zu grossen Konkurrenzsituationen ergeben. Die jungen Schweizer, allen voran Noé Roth, Nicolas Gygax, Pirmin Werner und Carol Bouvard, können sich an den routinierten Profis aus Australien orientieren, die Australierinnen ihrerseits an den komplexeren Sprüngen der Schweizer Jungs. Konkret sind es die Dreifachsaltos, die «Triples», an die sich Danielle Scott und Laura Peel herantasten – im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022. «Diesen Winter will ich zwei unterschiedliche Dreifachsaltos schaffen», so die 29-jährige Laura Peel. Und als Vorbild will die Weltmeisterin von 2015 auch dazu beitragen, die Schweizer Mädchen an die hohen Schwierigkeiten heranzuführen. Dass Danielle Scott es toll findet, über die grosse Dreifach-Schanze zu fahren, verwundert kaum: Die 29-Jährige holt sich ihren Extra-Kick zuweilen beim Klippenspringen. Toll ist auch die Geschichte, wie sie als Teenager von Weltmeisterin Jacqui Cooper vom Turn-Aerials-Sport geködert wurde: «Das ist verrückt», habe sie sich gedacht, und im gleichen Atemzug: «Das möchte ich tun!» Nebenbei: die Sportart kannte sie damals noch gar nicht und auf Skiern hatte sie auch noch nie gestanden. Kommende Saison will Danielle Scott auf Schnee drei Dreifachsprünge mit bis zu zwei Schrauben zeigen. Dabei stehen weniger die Resultate im Vordergrund, als vielmehr das Gewinnen von

Die australischen Top-Athletinnen trainieren derzeit im Jumpin, Mettmenstetten: Danielle Scott (links) und Laura Peel, flankiert von Neo-Coach David Morris (ganz links) und dessen Mentor, dem Schweizer Nationaltrainer Michel Roth. (Bild Thomas Stöckli)

Sicherheit. Die besten Schweizer streben regelmässige Finalplätze im Weltcup an – und die junge Garde eine Medaille an der Junioren-WM.

Vorsprung auf Schnee Punkto Infrastruktur lohnt sich die internationale Zusammenarbeit ebenfalls. Im Sommer bekommen die Australier im Jumpin weitaus bessere Trainingszeiten, als sie dies in den USA gewohnt waren. Das Schanzentraining ist dabei nur die Krönung. Einen grossen Teil des Aufbaus verbringen die Athleten im Gym. «Es ist wichtig, stark zu sein und bereit, die

Schläge bei der Landung wegzustecken», erklärt Modellathletin Danielle Scott. Ergänzend wird auf dem Trampolin und auf der Slackline trainiert. Am «Bungee» bauen die Springer dann das Gefühl für die Rotation für ihre Wettkampfsprünge auf, bis sie bereit sind für die Umsetzung auf der Wasserschanze. In Australien sind dagegen bereits im Juli, August erste Schneetrainings möglich. Ein Vorsprung, den die Teams vor dem Olympiawinter nutzen wollen, um die internationale Konkurrenz zu distanzieren. «Wir wollen eine starke Kraft sein, damit uns die Gegner fürchten», betont David Morris.

Riesige Vorfreude auf die Kletter-WM Bonstetterin Petra Klingler ist in Topform – nicht nur in ihrer Paradedisziplin Bouldern Swiss Climbing schickt für die Sportkletter-WM vom 11. bis 21. August vier Athletinnen und einen Athleten nach Hachioji, Japan. Neben Edelmetall klettern die Spitzensportler auch um die ersten sieben Tickets für die Olympischen Spiele 2020, die ebenfalls in Tokio stattfinden werden. Petra Klingler, Sascha Lehmann, Anne-Sophie Koller, Andrea Kümin und Sofya Yokoyama reisen Anfang August für die diesjährige Weltmeisterschaft im Sportklettern nach Japan. In Hachioji, einer Stadt mit einer halben Million Einwohnern, am westlichen Rande Tokios gelegen, klettern die Athletinnen und Athleten während zehn Wettkampftagen um WMMedaillen im Bouldern, Lead, Speed und in der Kombination. Zudem ergattern sich die besten sieben Sportkletterer des Kombinationswettkampfes die ersten Startplätze für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Resultate lassen grosse Hoffnungen aufkommen Das Schweizer Damen-Quartett wird von Bonstetterin Petra Klingler angeführt. In ihrer Paradedisziplin Bouldern stand sie diese Saison zweimal in einem Finale. Bei ihren insgesamt vier Einsätzen kletterte sie stets in die Top 10. Im Leadklettern gelang ihr mit dem 16. Platz in Chamonix vor drei Wochen ihr bisher bestes Resultat im Weltcup. Und auch in der dritten Disziplin, dem Sprint des Sportkletterns, ist die

Ist für die WM gerüstet: Petra Klingler. (Bild zvg.) 27-Jährige in Topform. Mit 8.992s stellte sie an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften im Speedklettern

einen neuen Rekord auf. Resultate, die insbesondere im Hinblick auf die Kombination, die Erwartungen an die

Boulder-Weltmeisterin von 2016 verstärken. Die Vorfreude auf die Wettkämpfe in Japan ist bei Klingler riesig. «So kurz vor der WM geht es im Training nur noch um die Feinjustierung. Aber auch darum, Selbstvertrauen zu tanken und sich mental auf die Reise vorzubereiten», erklärt die Bonstetterin. Angesprochen auf die Erwartungen, die auf ihren Schultern lasten, meint sie: «Ich fokussiere mich auf den Wettkampf und versuche, mich nicht zu sehr unter Druck setzen zu lassen.» Sascha Lehmann ist derweil der Einzige, der die Selektion bei den Herren schaffte. Nach seinem Weltcupsieg in Villars belegt Lehmann hinter dem Deutschen Alexander Megos aktuell den 2. Zwischenrang im Weltcup-Klassement im Leadklettern. In Chongqing (CHN) verpasste er im Boulder-Weltcup nur um ein Haar das Podest und wurde Vierter. Dank dieser starken Leistungen zählt der Burgdorfer neben Petra Klingler zu den Schweizer Hoffnungsträgern. «Nach meinen vier Lead-Weltcup-Einsätzen versuche ich, in der verbleibenden Zeit das Vertrauen im Bouldern von Anfang Jahr wiederherzustellen. Körperlich bin ich fit und wenn es mir gelingt, mental und taktisch einen guten Wettkampf zu zeigen, traue ich mir ein tolles Resultat zu», so der Weltcupsieger von Villars. Doch nicht nur das mentale Gleichgewicht, Taktik und physische Aspekte werden bei diesem dichten Wettkampfprogramm über Sieg und Niederlage entscheiden. Eine zentrale Rolle wird auch die Haut an den Fingern der Athleten spielen, denn diese wird während der zehn Tage mitunter am meisten strapaziert werden. (pd.)

Das Freestyle Masters vom Sonntag, 18. August, wird ein erster Gradmesser sein, wo das Swiss-Aussie-Team steht. Abgesehen von China und Russland werden die stärksten Aerials-Nationen in Mettmenstetten vertreten sein. Die nächste Standortbestimmung folgt am 25. August in Québec, wo auch die Chinesen und die US-Amerikaner erwartet werden. Es folgen zwei Wochen auf der Indoor-Wasserschanze in Minsk – ebenfalls mit einem Wettkampf. Im Oktober beginnt dann das Schneetraining in Saas Fee, im November geht es nach Ruka, Finnland, ehe dann Ende Dezember der Weltcup in China wieder losgeht.

René Täuscher holt EM-Bronze Bei den diesjährigen Judo-Europameisterschaften in Gran Canaria konnte der Judotrainer René Täuscher vom Budoclub Wettswil im Einzelwettkampf den sehr guten 5. Platz erreichen. Mit dem deutschen Mixed Judoteam kam dann noch die erhoffte Bronzemedaille dazu. Weiterer Höhepunkt im Oktober werden die Judo Weltmeisterschaften in Marokko sein. Eine Medaille ist das grosse Ziel. (pd.)

Judotrainer René Täuscher. (Bild zvg.)

Caroline Häcki als Reserve nominiert Der Entscheid, wer an den DressurEuropameisterschaften in Rotterdam vom 19. bis 25. August die Schweizer Farben vertritt, ist gefallen. Es sind dies Carla Aeberhard (Sursee), Charlotte Lenherr (Pfyn) Estelle Wettstein (Wermatswil) und Birgit Wientzek Pläge (Balm). Die Obfelderin Caroline Häcki ist mit ihrem Pferd Rigoletto Royal als Reserve nominiert. (pd.)


Profile for AZ-Anzeiger

060_2019  

060_2019