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Weiss Medien AG I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I Telefax 058 200 5701 I www.weissmedien.ch I Auflage 25 470 I AZ 8910 Affoltern a. A.

aus dem bezirk affoltern I Nr. 057 I 172. Jahrgang I Dienstag, 24. Juli 2018

Mobilität zu Fuss

Mobilität auf Reisen

Fussverkehr Schweiz hat eine Broschüre für Fussgänger im Alter erarbeitet. > Seite 3

Ein Reisemobil selber ausbauen macht zwar viel Arbeit, aber auch gewaltig Spass. > Seite 6

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Systematische Suche In Aeugst werden auffällig viele archäologische Gegenstände gefunden. > Seite 7

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Sommerresidenz Mattia Violetti aus Mettmenstetten hat ein Mobil für seine Hühner gebaut. > Seite 8

Wasser Marsch über die Reussbrücke Ein Rettungszug der Genietruppe baute eine Wasserleitung über den Fluss Durchdiener eines Rettungszugs der Genietruppen bauten am vergangenen Donnerstag einen Wassertransport über die Reussbrücke in Obfelden. ................................................... von martin mullis Rund 30 Durchdiener, darunter drei Frauen, eines Rettungszuges des Katastrophenhilfe-Bereitschaftsbataillons der Genietruppen aus Bremgarten, bewältigten in Obfelden eine überaus interessante Übung. Die Aufgabe erklärte Oberleutnant Kevin Lehmann mit einigen einfachen Worten. Die Ausführung allerdings benötigte etwas mehr Know-how und vor allem einiges an technischem Gerät. Die Übungsannahme verlangte, Wasser von der Reuss in möglichst kurzer Zeit zu einem künstlich erstellten Bassin zu transportieren. So eine Situation wäre nötig, falls in zweckmässiger Nähe kein Wasserbezugsort existierte oder ein Helikopter der Armee an einer geeigneten Stelle Wasser aufnehmen müsste. Der Rettungszug erstellte auf der aargauischen Seite der Reuss ein 50 Kubikmeter fassendes Bassin. Hier wäre zum Beispiel ein überaus günstiger Ort für einen wasseraufnehmenden Helikopter der Armee.

Innert kurzer Zeit 4000 Liter Wasser transportiert Für den Bezug des Wassers aus dem Fluss eignete sich jedoch eine flache

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Grillfest Die Affoltemer CQ Bar bekommt eine Auffrischung – und lädt zuvor zum Openair-Konzert. > Seite 9

Zunehmende Entsolidarisierung im Knonauer Amt Seit Anfang Juli ist Ruedi Müller nicht mehr Gemeindepräsident von Aeugst. Im «Anzeiger»-Interview blickt er zurück auf sein achtjährige Amtszeit. «Ich hatte das Glück, dass mein Vorgänger sowie das Kollegium und die Mitarbeitenden an meiner Seite äusserst konstruktiv waren», sagt er. Kritischer sieht Müller die Entwicklung der Zusammenarbeit im Bezirk: Hier habe sich in den letzten vier Jahren eine zunehmende Entsolidarisierung bemerkbar gemacht: «Ich bin überzeugt, dass dies langfristig für alle negative Folgen haben wird.» In Erinnerung bleiben wird ihm entsprechend nicht nur die positive Zusammenarbeit im Kollegium und die aktive Mitwirkung der Bevölkerung, sondern auch das Auseinanderbrechen des einstigen Sozialzweckverbands und ein Spital, welches mit seinen komplexen Fragen LaienPolitiker eigentlich überfordert. ................................................... > Interview auf Seite 3 anzeigen

Kantonsübergreifender Leitungsbau: Übungsleiter Kevin Lehmann und Verkehrssoldat J. Schwander. (Bild Martin Mullis) Stelle am Fluss auf der zürcherischen Seite der Reuss bestens. Es galt, mit riesigen Schläuchen eine Leitung über die Brücke zum Bassin zu bauen. Ab Kommando zum Bau des Bassins und der Leitung verstrichen knapp zwei Stunden, bis das rund 4250 Liter fassende Becken gefüllt war. Während die in den Uniformen schwitzenden Durchdiener in der

Mittagssonne ihre Monsterleitung bauten, durften sie die auf Gummibooten vorbeitreibenden Badenden etwas neidisch beobachten. Trotzdem wurden die geübten Handgriffe zum Bau des Wasserbeckens und der Leitung rasch und kompetent ausgeführt – und als alles zum Gebrauch erstellt war, auch sofort wieder abgebaut.

Die Übung war deshalb beim Eintreffen des «Anzeigers» schon fast wieder beendet. Trotzdem liessen es sich Oberstleutnant Jonas Ueltschi und Oberleutnant Kevin Lehmann nicht nehmen, umfassend über die Arbeit der Armee zu informieren, welche in dieser speziellen Übungsannahme durchaus auch zivilen Zwecken dienen könnte.

Swiss Home Party – Wahnsinnspreise!

Vom 24. Juli bis zum 20. August 2018 Bei Conforama in Wallisellen und in Schlieren profitieren Sie auch von der Liquidation der Matratzen bis zu -70% Rabatt! Und für den Nationalfeiertag verpassen Sie nicht unser Angebot: Wir schenken Ihnen CHF 100.– Sofortrabatt für alle Einkäufe ab CHF 500.–*, vom 26. bis zum 30. Juli (*Bedingungen im Katalog, S. 1)

Wasserwelten Bis das Trinkwasser aus dem Hahn fliesst, legt es unter der Erde lange, teilweise unbekannte Wege zurück. Die Sommerserie «Eintauchen» hat Marianne Voss zum Anlass genommen, diesen Weg unter die Lupe zu nehmen. Von der Quellfassung über die Brunnenstube, die Pumpstation und das Reservoir eröffnen sich spannende Wasserwelten. ................................................... > Reportage auf Seite 6

«Tongasoa» Es geht ums Unterwegssein im neuen Buch von Katrin Züger. Die Autorin aus Aeugst entdeckt im Alltag aber auch auf Reisen ihre Umgebung – beobachtend, sinnierend und hinterfragend. Den Titel ihres Buches hat die Autorin aus Madagaskar mitgebracht: «Tongasoa» bedeutet auf Malagasy «Willkommen» – was für das ganze Buch passt. ................................................... > Bericht auf Seite 8

Kinder erleben die Welt der Bienen

Ein spannender Erlebnis-Nachmittag in Knonau In den Sommerferien veranstaltet die Imkerei am Wattbach in Knonau jeweils einen interessanten Besuch für Kinder. Sie lernen, wie die Bienen leben und wie der süsse Honig entsteht und geerntet wird. Seit einigen Jahren veranstalten die Imker Manuela und Matthias Gasser in ihrer Imkerei Besuche für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. In diesen lehrreichen Kursen lernen die Kinder viel über das faszinierende Leben der fleissigen Honigbienen und ihrer Königin. Die Kurse unter dem Titel «Erlebniswelt Biene» faszinieren die Kinder und schaffen vor allem auch Verständnis für den Schutz der Natur und Umwelt. Neben einem Theorieteil mit anschaulichen Bildern und einem unter Glas befindlichen kleinen Bienenvolk, dürfen die Mädchen und Knaben mit Schutzkleidung ausgestattet die Bienenstöcke auch aus nächster Nähe besuchen.

Wo ist die Königin?: Imkerin Manuela Gasser zeigt den Kindern ein Bienenvolk unter Glas. (Bild Martin Mullis) Am letzten Freitagnachmittag lernten ein Dutzend Mädchen und Knaben wie sich ein Bienenvolk organisiert und welche Aufgaben einer Bienenkönigin zukommen. Der Besuch in der Imkerei am Wattbach in Knonau

mit 40 Bienenvölkern mit total rund 50 000 Bienen fand bei den Kindern, welche aus dem ganzen Kanton angereist waren, grosses Interesse. (mm) ................................................... > Bericht auf Seite 7

Conforama.ch


Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung und des Betreibungsamts Bonstetten am 31. Juli und 1. August 2018 Dienstag, 31. Juli 2018, 7.00 bis 13.00 Uhr Mittwoch, 1. August 2018, geschlossen Bei einem Todesfall wenden Sie sich bitte an Bossardt Bestattungen, Tel. 044 710 99 70. Wir wünschen Ihnen eine schöne Bundesfeier. Ihre Gemeindeverwaltung Bonstetten

Todesfälle Affoltern am Albis Am 19. Juli 2018 ist in Affoltern am Albis ZH gestorben:

Rossana Emilia Maria Kern

Schiessvereine

FeldschützenGesellschaft Zwillikon

geboren am 5. September 1924, wohnhaft gewesen in Affoltern am Albis. Der Abschied hat im engsten Familienkreis stattgefunden.

Spaghetti-Schiessen

Bestattungsamt Affoltern am Albis

Freitag, 27. Juli 2018 von 18.00 bis 20.00 Uhr Schützenhaus Zwillikon

Am Dienstag, 17. Juli 2018, ist in Horgen ZH gestorben:

Stallikon

Seiler William

Fahrzeuge Kaufe Autos Busse, Lieferwagen, Jeeps, Wohnmobile & LKW. Barzahlung. Telefon 079 777 97 79 (Mo–So)

geboren am 24. Juni 1925, von Ermatingen TG, wohnhaft gewesen Hüttenrain 52, 8143 Stallikon. Die Abdankungsfeier findet am Dienstag, 21. August 2018, 14.30 Uhr in der reformierten Kirche Stallikon statt. Die Urnenbeisetzung erfolgt im engsten Familienkreis. Bestattungsamt Stallikon

Stellenanzeiger TO D E S A N Z E I G E Wir haben die schmerzliche Pflicht, die Bevölkerung vom Hinschied unseres geschätzten Mitbürgers

William Seiler 1925 – 2018

in Kenntnis zu setzen. Er verstarb am 17. Juli 2018 in Horgen. William Seiler diente unserer Gemeinde während vieler Jahre als Behördenmitglied in verschiedenen Chargen: als Präsident der Primarschulpflege sowie als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission. Er erfüllte seine Aufgaben als Behördenmitglied engagiert und gewissenhaft zum Wohl der Gemeinde. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren und ihn in guter Erinnerung behalten. Der Trauerfamilie sprechen wir unser Beileid aus.

Gemeinderat und Primarschulpflege Stallikon Die Abdankungsfeier findet am Dienstag, 21. August 2018, 14.30 Uhr in der reformierten Kirche Stallikon statt. Die Urnenbeisetzung erfolgt im engsten Familienkreis.


Bezirk Affoltern

Zu Fuss ins Alter – Sicher im Strassenverkehr Die Mobilität zu Fuss sichert die Selbstständigkeit bis ins höchste Alter. Um diese Autonomie möglichst lange zu erhalten und das Risiko eines Unfalls zu minimieren, hat Fussverkehr Schweiz eine Broschüre erarbeitet. Die Broschüre «Zu Fuss ins Alter – Sicher im Strassenverkehr» basiert auf einer älteren Version, welche grundlegend überarbeitet sowie ergänzt wurde und in neuem frischen Layout daherkommt. Sie bietet einfache Tipps und Tricks, wie Sie sich als Fussgängerin oder Fussgänger auch im Alter sicher fortbewegen. Neu liegt jeder Broschüre ein Paar reflektierende Aufkleber für Gehstock, Schirmknauf oder Rollator bei. Der Reflektor bietet die Möglichkeit, mit einem einfachen Mittel die Sichtbarkeit zu erhöhen. Der Vorteil des Aufklebers ist, dass damit Gegenstände sichtbarer werden, die Senioren immer dabei haben, wenn Sie unterwegs sind. Die Broschüre ist in Deutsch, Französisch und Italienisch erhältlich und kann gratis bei Fussverkehr Schweiz bezogen werden.

Trottoir nur für Fussgänger Bei Fussverkehr Schweiz melden sich immer mehr ältere Fussgänger, die sich daran stören, dass das Trottoir immer mehr von Velos und anderen Fahrzeugen genutzt wird. Der Bund plant weitere Ausnahmen. Fussverkehr Schweiz hat deswegen die Petition «Rettet das Trottoir» lanciert. Die Petition fordert, dass das Trottoir auch in Zukunft der sichere Ort für alle Fussgänger und Fussgängerinnen bleibt. (pd.) Die Broschüre und mehr Infos zum Thema unter fussverkehr.ch/alter.

Herausgeberin: Weiss Medien AG, Obere Bahnhofstrasse 5, 8910 Affoltern a. A. Geschäftsführerin: Barbara Roth Chefredaktor: Thomas Stöckli Redaktion: Livia Häberling redaktion@affolteranzeiger.ch Copyright: Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für eingesandtes Material Gesamtauflage: 25 470 Beratung und Verkauf Inserate: Elisabeth Zipsin/ Christine von Burg Telefon 058 200 57 00, Fax 058 200 57 01 inserat@weissmedien.ch Spezial- und Sonderseiten: Kaspar Köchli Telefon 058 200 57 14, M 079 682 37 61 kaspar.koechli@azmedien.ch Tarife: www.affolteranzeiger.ch Annahmeschluss Inserate: Dienstagausgabe: Montag, 8.00 Uhr Freitagausgabe: Mittwoch, 16.00 Uhr Todesanzeigen: 11.00 Uhr am Tag vor Erscheinen Abonnementspreise: ¼ Jahr Fr. 79.– ½ Jahr Fr. 97.– 1 Jahr Fr. 170.– Aboservice: abo@affolteranzeiger.ch Telefon 058 200 57 00, Fax 058 200 57 01 Kontakt: Alle Mitarbeiter erreichen Sie unter vorname.name@azmedien.ch Druck: Mittelland Zeitungsdruck AG, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau Ein Produkt der Verleger: Peter Wanner, www.azmedien.ch Beteiligungen der AZ Medien AG auf www.azmedien.ch

Dienstag, 24. Juli 2018

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Demokratie und Gesprächskultur werden in Aeugst gelebt Interview mit dem zurückgetretenen Gemeindepräsidenten Ruedi Müller Seit Anfang Juli ist Ruedi Müller (68) nicht mehr Gemeindepräsident von Aeugst. Der «Anzeiger» hat im Interview mit ihm seine achtjährige Amtszeit Revue passieren lassen und über die Zukunft ohne Gemeindepräsidenten-Amt gesprochen.

Welche Themen im Gemeinderat haben Sie persönlich mit Vorliebe bearbeitet? Wir waren während meiner Amtsdauer in einer komfortablen Situation und vermochten so einiges zu bewegen, weil auch die notwendigen Mittel vorhanden waren. Dabei haben wir darauf geachtet, stets vernünftig zu bleiben. Die Dorfstrasse 37 etwa wird die Steuerzahler nicht belasten, wobei uns das Umfeld sehr behilflich war.

«Anzeiger»: Ruedi Müller, mit wie vielen Aeugsterinnen und Aeugstern sind Sie per Du? Ruedi Müller: Mit sehr vielen, schliesslich wohnen wir ja auch schon seit 1981 in Aeugst.

Auf was hätten Sie verzichten können? Etwa, dass man manchmal in Nachbarschaftskonflikte hinein gezogen wurde oder auch, wenn Unwahrheiten gesagt und geschrieben wurden. Solche werden nicht wahrer, auch wenn sie dauernd wiederholt werden.

Gibt es auch solche, die nicht mehr mit Ihnen sprechen? Nur verschwindend wenige.

Was haben Sie Ihrer Nachfolgerin an guten Vorschlägen mit auf den Weg gegeben? Nichts. Das ist auch nicht nötig, denn Nadia Hausheer ist bestens qualifiziert für dieses Amt.

«Aeugst hat eine gepflegte Gesprächskultur» – würden Sie das unterschreiben? Ja, unbedingt. Hier geht man anständig miteinander um; ich habe dies über all die Jahre weitgehend so erlebt.

Was denken Sie: Wenn Sie sich in zehn Jahren an Ihre Zeit als Gemeindepräsident von Aeugst erinnern werden – was wird Ihnen als Erstes in den Sinn kommen? Die positive Zusammenarbeit im Kollegium und die Bevölkerung, die sich mit Freude motivieren liess, aktiv mitzumachen. Dann aber auch das Auseinanderbrechen des einstigen Sozialzweckverbandes und ein Spital, welches mit seinen komplexen Fragen Laien-Politiker eigentlich überfordert.

Vor drei Wochen ist Ihre Amtszeit als Gemeindepräsident zu Ende gegangen. Mit welchem Gefühl gehen Sie heute durch das Dorf? Ich muss sagen, mit gutem Gefühl. Ich habe ja vor vier Jahren schon informiert, dass ich die Verantwortung heuer abgeben werde. Ich habe zudem den Eindruck, der neue Gemeinderat funktioniert sehr gut. Wie sind Sie vor acht Jahren mit den damals neuen Aufgaben zurechtgekommen? Ich hatte das Glück, dass mein Vorgänger sowie das Kollegium und die Mitarbeitenden an meiner Seite äusserst konstruktiv waren. Die Arbeit für die Gemeinde ist zudem zu keiner Zeit allein eine präsidiale Angelegenheit, sondern absolut Teamarbeit. Zudem kannte ich durch meine vorangegangene Amtsarbeit in der Schulpflege und im Gemeinderat die Spielregeln schon. ...............................................................

«Das «Miteinander» war mir stets ein wichtiges Anliegen.» ............................................................... Braucht man für das Amt des Gemeindepräsidenten auch eine gehörige Portion Idealismus? Dieser ist zwingend nötig, gleichzeitig muss man aber auch einsehen, dass man nie alle verschiedenen Wünsche erfüllen kann. Für Sie war das Amt aber auch eine Herzensangelegenheit … Unbedingt. Es war sehr vielseitig und interessant, wobei man mit Fragen konfrontiert wird, mit denen man sich ansonsten nie auseinandersetzen würde. Es hat aber auch einige Zeit in Anspruch genommen. Was machen Sie mit der nun neu gewonnenen freien Zeit? Sicherlich nicht einfach herumliegen. Ich schiebe die Antwort auf diese Frage noch etwas vor mir her. Wichtig war mir, mich in den letzten Amtswochen voll auf den Übergang zu konzentrieren, um möglichst viel abhaken zu können. Zudem habe ich meine Arbeit in der eigenen Firma noch nicht ganz herunter gefahren. Auf was sind Sie besonders stolz, was in Ihrer Amtszeit erreicht werden konnte? Ich freue mich darüber, dass es uns stets gelungen ist, sämtliche Behörden zu besetzen, was die Bereitschaft der

Seit Anfang Juli sind Sie nicht mehr Gemeindepräsident von Aeugst. Was haben Sie als Alt-Gemeindepräsident als Erstes getan? Mit meiner Frau Regula ein paar Tage Ferien im Tessin.

Seit Anfang Juli ist Ruedi Müller Alt-Gemeindepräsident von Aeugst. Im Interview blickt er auf seine Amtszeit zurück, aber auch voraus. (Bild Urs E. Kneubühl) Aeugster Bevölkerung zum Engagement für die Gemeinde unterstreicht. Was sind die grossen Würfe? Das «Miteinander» war mir stets ein wichtiges Anliegen. Entsprechend haben wir versucht, mit vielen kleinen Massnahmen in der Bevölkerung das Engagement zu wecken und zu fördern. Das ist uns gelungen. Zum Beispiel haben sich bei unseren Zukunftskonferenzen über 100 Leute aktiv eingebracht und engagiert. Das ist schlicht grossartig! Und dank dem grossen Engagement meiner Kolleginnen und Kollegen konnten wir zudem einige Meilensteine in Richtung Nachhaltigkeit setzen. Stichwort Liegenschaft Dorfstrasse 37: Wie gross war die Erleichterung, als dieses Dauerprojekt endlich in die Umsetzung gehen konnte? Sehr gross. Dem Gemeinderat war es ein Anliegen, Anregungen aus den Zukunftskonferenzen, wie Kita, Familienwohnungen und einen Gemeinschaftsplatz, zu realisieren. Bei dieser Liegenschaft bot sich die Chance, diese drei unterschiedlichen Aspekte miteinander zu verknüpfen. Sind Sie stolz auf das Endresultat und wie denken Sie heute an die Unwegsamkeiten dieses Projekts zurück? Stolz ist das falsche Wort; ich bin froh, dass wir das Projekt realisieren konnten und mit allen Nachbarn wieder ein gutes Verhältnis haben. Gewiss war der Weg dahin sehr beschwerlich, weil aber das Gesamtgremium immer am selben Strick gezogen hat, konnte er bis zum positiven Schluss gegangen werden.

Würden Sie – im Nachhinein betrachtet – das Amt als Gemeindepräsident nochmals annehmen? Auf jeden Fall, und ich kann es allen, die vielseitig interessiert sind, nur empfehlen. Gibt es etwas, das Sie gerne noch als Gemeindepräsident erledigt hätten, für das die Zeit aber nicht mehr gereicht hat? Ja, die Revision des öffentlichen Gestaltungsplans, die aus verschiedenen Gründen etwas ins Stocken geraten ist. Diese hätte ich gerne noch abgeschlossen. ...............................................................

«Die Entsolidarisierung hat die Zusammenarbeit im Bezirk in den letzten vier Jahren schwieriger gemacht.» ............................................................... Vermissen Sie schon etwas, seit Sie nicht mehr im Amt sind? Nein, zurzeit fehlt da noch nichts. Ich werde aber sicherlich irgendwann die wirklich tolle Zusammenarbeit im Kollegium sowie mit den Mitarbeitenden und dem Souverän an der Gemeindeversammlung vermissen. Das gemeinsame Arbeiten an einem Thema ist spannend und macht Freude. Was fehlt Ihnen nicht? Eine Zusammenarbeit im Bezirk, die in den letzten vier Jahren wegen der starken Entsolidarisierung schwierig geworden ist. Ich bin überzeugt, dass dies langfristig für alle negative Folgen haben wird.

Was wünschen Sie sich für Aeugst? Dass man weiter darauf achtet, dass ein Dorf nicht nur gestalterisch geplant und entwickelt werden muss, sondern gleichermassen im Zusammenleben. Und gleichsam wünsche ich mir, dass die Aeugsterinnen und Aeugster sich für die Anliegen und Ansichten anderer interessieren und einander mit Respekt begegnen. Interview Urs E. Kneubühl

wir gratulieren Zur goldenen Hochzeit Am Donnerstag, 26. Juli, feiern gleich zwei Paare ihre goldene Hochzeit. 50 Jahre miteinander verheiratet sind Ruth Klementine und Peer Michael Heinz Drogi-Fischer in Affoltern und Hannelore und Richard Stahel-Bührer in Obfelden. Wir wünschen den Jubelpaaren alles Gute und ein schönes Fest.

Zum 91. Geburtstag Morgen, Mittwoch, 25. Juli, feiert Armando Blumati aus Stallikon seinen 91. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen ein schönes Fest.

Zum 85. Geburtstag Am Donnerstag, 26. Juli, feiert Edith Blum-Eggeler in Obfelden ihren 85. Geburtstag. Wir gratulieren zum hohen Wiegenfest und wünschen ihr noch viele schöne Begegnungen und gute Gesundheit.

Zum 80. Geburtstag Heute Dienstag, 24. Juli, wird Erika Rüegger-Huber in Affoltern 80 Jahre jung. Herzliche Gratulation, viel Freude und ein schönes Geburstagsfest.


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Bezirk Affoltern

Dienstag, 24. Juli 2018

Auf den Spuren von Quellnymphen, Gletschern und den Uerzliker Böcken Sommerserie «Eintauchen» (3) – Marianne Voss in Wasser-Unterwelten Unser Trinkwasser kommt von Quellen oder teilweise aus Grundwasserseen. Bis es aus dem Hahn fliesst, legt es unter der Erde lange, teilweise unbekannte Wege zurück. Beim Eintauchen in ein Reservoir, eine Pumpstation, eine Brunnenstube und eine Quellfassung eröffneten sich spannende Wasserwelten. ................................................... von marianne voss Eintauchen – bei diesem Begriff denke ich zuerst an Wasser. An einen Taucher oder an einen Sprung in den Türlersee. Beim Aufdrehen des Wasserhahnes, um die Hände zu waschen, war mir dann aber klar, wo ich eintauchen werde. Ich rief Viktor Häberling an, Wasserwart der Wasserversorgungsgenossenschaft Uerzlikon (demnächst wird sie mit Hauptikon fusionieren). Bevor wir uns dann ein paar Tage später zusammen auf den Weg machen, gibt er mir bei einem Kaffee einen Crashkurs zu unserem Trinkwasser in der Region. Also, um es gleich vorwegzunehmen, das Kaufen von stillem Mineralwasser hier bei uns in der Schweiz sei Unsinn. «Das ist nicht nur meine persönliche Meinung», fügt er an. «Ein Kantonschemiker hat mir gesagt, er würde nie stilles Wasser aus der Flasche trinken, da die Bakterienwerte dort meistens höher seien als im Hahnenwasser. Zudem könne unser Quell- oder Grundwasser auch vom Mineralgehalt mit vielen Flaschenwassern mithalten.» Das Wasser gehöre dem Staat, die Versorgung der Haushalte werde zum Teil durch Genossenschaften und zum Teil durch die Gemeinden organisiert, informiert der Wasserwart weiter. «Wir haben hier in der Region qualitativ sehr gutes Wasser, im Oberamt aus

«Eintauchen» Die Sommerserie hat Tradition beim «Anzeiger» Diesmal steht sie unter dem Motto «Eintauchen». Das Thema lässt vieles offen: Eintauchen kann man in eine fremde Szene, in einen Verein oder eine Religionsgruppe, in eine andere Rolle, Lebenshaltung oder eine neue Aktivität. Sie als Leser dürfen sich überraschen lassen – bis Mitte August in jedem «Anzeiger» aufs Neue. (tst.) Bereits erschienen: Mit Spass zum Wohlbefinden, 17. Juli; Leben hinter Schloss und Riegel, 20. Juli.

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Wasserwart Viktor Häberling im Uerzliker Reservoir. (Bild Marianne Voss)

Ist da jemand? Marianne Voss blickt in die Quellfassung am Waldrand. (Bild zvg.)

unzähligen Quellen am Albis und aus einigen Grundwasserströmen, wie dem bei Uerzlikon.» Auch während der trockenen Zeit im Juni sei für das Dorf Uerzlikon immer genügend Wasser vorhanden gewesen. Pro Woche brauche die Uerzliker Bevölkerung rund 600 Kubikmeter Wasser. Die Quellen seien in der heissen Zeit natürlich zurückgegangen, aber Grundwasser sei genügend vorhanden gewesen. «Und wenn wir wirklich zu wenig hätten, könnten wir noch von der Gruppenwasserversorgung Amt aus der Grundwasserfassung Maschwanden Wasser beziehen. Würde das auch nicht reichen, hätten wir eine Verbindung zum Zürichseewasser. Und wenn der See auch leer würde, ja dann wäre Ende.»

stehen sollte – vor allem der Wasserwart? Durchaus möglich. Der Ort hat jedenfalls etwas Faszinierendes, fast etwas Mystisches. Natürlich würde er eine gute Zusammenarbeit mit den Nymphen pflegen, meint er lachend. Doch sie sollten ihm gegen den Dreckteufel helfen.

Besuch bei den Quellnymphen Wir machen uns auf den Weg zu den wichtigsten Zentren für das Uerzliker Trinkwasser. «Was werden wir antreffen?», frage ich unternehmungslustig. «Nixen oder einen Uerzliker Neptun?».

Er habe die bis jetzt noch nicht angetroffen, aber man wisse ja nie, meint er schmunzelnd. Die erste Station ist das Reservoir. Es stammt aus dem Jahr 1896 und wird nach der Fusion in ein Quellwasserpumpwerk umfunktioniert. Das Wasser wird ab dann ins Hauptiker Reservoir oberhalb von Rifferswil gepumpt. Ich blicke hinunter auf den riesigen mit glasklarem Wasser gefüllten Raum. Keine Nixen, kein Neptun, auch keine Fische. «Nein, gar nichts darf da drinnen sein!», betont Viktor Häberling. Eine UV-Anlage kontrolliere das eingeleitete Quellwasser und verhindere bei einer Trübung oder Verunreinigung den Zufluss ins Reservoir. Zu Fuss machen wir uns auf zum lauschigen Waldrand, wo sich die Brunnenstube und zwei Quellfassungen befinden. Der Einstieg in die Brunnenstube ist etwas herausfordernd. Unten sind die Zuleitungen von den beiden Quellen zu sehen. Trotz Trockenheit fliesst noch Wasser. Ob hier unten wohl auch die Quellnymphen leben, mit denen man auf gutem Fuss

Im ehemaligen Wasserschloss Bei den beiden Quellfassungen erklärt er mir dann mehr zum Dreckteufel. «Mit dem habe ich bei der hinteren Fassung Probleme, wenn es wie jetzt lange trocken war und dann stark regnet.» In diesem Moment sickere das Wasser zu schnell durch die Erd- und Gesteinsschichten und nehme Schlamm mit. «Dann hockt eben der Teufel im Wasser und verdreckt es mir – und die UV-Anlage spediert es in den Bach.» Zum Schluss besuchen wir noch den Ort des ehemaligen Wasserschlosses der Uerzliker Böcke (Dienstleute der Eschenbacher von der Schnabelburg). Sie wohnten nämlich ziemlich

feucht im Sumpfgebiet auf dem grossen Grundwasserstrom bei Uerzlikon. Bis heute liefert er durch die vielen geologischen Schichten unermüdlich Wasser. Das Schloss gibt es nicht mehr, aber die Pumpstation der Wasserversorgung Steinhausen. Denn nicht nur Uerzlikon, sondern auch Steinhausen bezieht das Wasser von hier. Eine Wendeltreppe ermöglicht uns den Abstieg hinunter in die Tiefe. Von dort führt ein Rohr noch viel tiefer hinab bis zu den Wasserschichten. Wir brauchen eine Taschenlampe, um in die Tiefe zu leuchten, wo wirklich das Wasser unermüdlich fliesst. «Man weiss noch immer nicht, woher es eigentlich kommt. Vermutlich von sehr weit her», erläutert Viktor Häberling. «Die Eiszeiten und Gletscher haben da über Millionen von Jahren gearbeitet.» Das ist eindrücklich, stimmt aber auch nachdenklich. «Ja, so ganz auf Nummer sicher haben wir unser Wasser nicht. Wenn sich das Klima wesentlich verändert, könnte das auf so einen Grundwasserstrom durchaus einen Einfluss haben.»

ratgeber reisen

Ein Reisemobil selber ausbauen Ein Reisemobil selber auszubauen ist definitiv mit viel Arbeit verbunden, macht aber auch gewaltig Spass! Man kann selber bestimmen, was einem wichtig ist und auf was man verzichten kann. So entstehen viele individuelle Ausbauten, jeder mit Vor- und Nachteilen. Uns war es wichtig, für mehrere Tage ohne Kontakt zur «Zivilisation» unterwegs sein zu können, was zu folgender Ausstattung führte. Die elektrischen Campingkomponenten im Bus (Kühlbox, Wasserpumpe, Licht) werden mit einer Zweitbatterie betrieben, welche durch eine Solarzelle auf dem Dach und beim

Fahren auch durch die Lichtmaschine geladen wird. Ein 30-Liter-Frischwasser- und ein 25-Liter-Abwassertank reichen uns für rund 10 Tage. Wobei wir diese nur zum Kochen, Zähneputzen und Abwaschen nutzen. Trinkwasser kaufen wir meistens in Flaschen ein oder füllen diese wo immer möglich wieder auf. Auf dem mit Gas betriebenen Kochherd entstehen leckere, einfache Gerichte und mit einer «Solardusche» (eine Plastikröhre, welche am Dachträger angebracht ist und mit Wasser gefüllt wird) können wir uns hie und da grob abduschen. Das Notfall-WC (Klappstuhl mit Sack)

ist ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand! Eine gemütliche Sitzbank, ein Ausklappbett welches mit einer Breite von 105 cm für zwei Personen gerade breit genug ist und ein paar Kästchen für Kleider, Nahrungsmittel, Bücher und was man sonst so braucht, vervollständigen den Ausbau. Tönt nach wenig, aber ehrlich gesagt haben wir noch nie etwas wirklich vermisst! Im Gegenteil: Gewisse Dinge schleppen wir seit dem Anfang unserer Reise mit und haben sie noch nie gebraucht. Rahel und Lukas Baumgartner Blog und Infos unter www.zaemeumdwelt.ch.

Lukas und Rahel Baumgartner. (Archiv)


Bezirk Affoltern

Dienstag, 24. Juli 2018

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Keramikscherben aus Aeugst erzählen Geschichte Johannes Weiss gräbt seit Jahrzehnten archäologische Gegenstände aus In keiner anderen Ämtler Gemeinde sind so viele archäologischen Gegenstände gefunden worden wie in Aeugst. Dies liegt allerdings nicht daran, dass die Sonnenterrasse früher dichter besiedelt gewesen wäre als andere Teile des Knonauer Amts, sondern an einer systematischen Suche nach Fundgegenständen.

nachfolgenden Eisenzeit hat Johannes Weiss verschiedene Fundgegenstände entdeckt. Ein wichtiger Fund aus der Römerzeit ist ein Strässchen unterhalb der Kirche, das neben einfachen Gebäudespuren weiter nördlich darauf hinweist, dass in Aeugst zu römischer Zeit möglicherweise eine kleine Siedlung bestand. Bezeichnend ist, dass sich diese beiden Fundstellen innerhalb des heutigen Siedlungsgebiets bei Quellen befinden, von denen die eine noch heute eine ausgezeichnete Wasserqualität liefert.

................................................... von bernhard schneider Der archäologische Grabungstechniker Johannes Weiss lebt seit seiner Geburt in Aeugst. Wenn in Aeugst gebaut wird, geht er oft bei der Baugrube vorbei, um Keramikscherben und andere archäologischen Fundgegenstände zu suchen, zeichnet die Fundlage systematisch auf und sendet sie samt der genauen Beschreibung der Staatsarchäologie ein. Johannes Weiss verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen als Leiter von Ausgrabungen. Zuerst führte er Grabungen im Kanton Aargau durch, anschliessend im Kanton Zürich und schliesslich 25 Jahre lang im Kanton Zug. Dadurch verfügt er über umfassende Kenntnisse der ganzen Region, die – in archäologischen Dimensionen gedacht – erst seit sehr kurzer Zeit politisch so wie heute unterteilt ist.

Kühlere Witterung als im Reusstal Aeugst war kaum stärker besiedelt als das Reusstal, im Gegenteil. Würde dort so systematisch gesucht, wie Johannes Weiss dies hier sicherstellt, würde wohl noch mehr gefunden, denn der Zugang zu Wasser war immer ein entscheidender Grund für die Ansiedlung von Menschen. Ein anderes Kriterium ist die Temperatur: Aeugst ist windiger und kühler als das tiefer gelegene Reusstal und war daher in landwirtschaftlich geprägten Epochen weniger attraktiv.

Kulturen im Wandel

Johannes Weiss hat mit diesem Ofen getestet, wie das römische Tafelgeschirr Terra Sigillata gebrannt worden ist. Doch er kennt sich nicht nur in antiker Keramik aus: Dank dem archäologischen Grabungstechniker aus Aeugst sind die archäologischen Funde in seiner Heimatgemeinde viel dichter als anderswo. (Bild bs) An den Sondierungsgrabungen anlässlich des Baus der A4 war Johannes Weiss beteiligt. Derzeit werden im Bereich des Terrains des geplanten Autobahnzubringers im Raum Obfelden-Ottenbach Sondierungsgrabungen durchgeführt, doch sind Strassenbauten und Bauvorhaben in archäologischen Schutzzonen meist der einzige Grund, dass die Archäologie des Kantons Zürich im Rahmen ihres bescheidenen Budgets im Bezirk Affoltern gräbt. So bleibt es der persönlichen Initiative eines Fachmanns überlassen, in Aeugst dafür zu sorgen, dass diese Gemeinde zu den archäologisch am besten erforschten weitherum zählt.

Besiedlung seit 10 000 Jahren Johannes Weiss hat bisher neun Fundstellen in Aeugst beschrieben. Sein erster Fund hat ihn auf den berufli-

chen Weg zum archäologischen Grabungstechniker geführt, und er ist gleichzeitig der wohl bedeutendste: Als Primarschüler hat er einen Silex Feuerstein gefunden. Sein Lehrer, Ernst Forster, erklärte den Schülern einige Fundgegenstände, darunter auch Feuersteine, und forderte die Bauernkinder auf, bei der Arbeit auf dem Acker auf solche Gegenstände zu achten. Johannes fand einen schön bearbeiteten Silex, zeigte ihn dem Lehrer und ging dann damit ins Landesmuseum. Dort wurde der Stein erfasst und er durfte ihn als Lohn behalten. Wichtig an diesem Stein, der vermutlich aus der Mittelsteinzeit stammt, also 8000 bis 12 000 Jahre alt sein dürfte, ist seine Bearbeitung: Es handelt sich um einen so genannten Nukleus, ein Abfallprodukt, das bei der Herstellung von Klingen entstand. Dies bedeutet, dass in Aeugst ein Silex

bearbeitet wurde, der nicht hier gefunden werden konnte, sondern höchstens an den Lägern oder in einem weiter entfernteren Teil der Jura-Gebirge. Dies lässt einerseits auf eine zumindest zeitweise Besiedlung in der Mittelsteinzeit und auf Handel mit wertvollen Rohstoffen wie beispielsweise Silex schliessen.

Quellen ziehen Menschen an Später hat Johannes Weiss mehrmals Keramikreste aus der Bronzezeit gefunden. In dieser klimatisch eher günstigen Phase vor etwa 3000 bis 4000 Jahren entstand dank der Nutzung von Bronze mehr Wohlstand, die Bevölkerung wuchs, was zu einer Ausdehnung der Siedlungen führte. Es ist anzunehmen, dass Aeugst spätestens seit dieser Zeit kontinuierlich besiedelt worden ist, denn auch aus der

Der Übergang von der Eisen- zur Römerzeit war fliessend. Legionäre aus Gebieten südlich der Alpen wurden im Heerlager Vindonissa, heute Windisch, einquartiert. Hier hat Johannes Weiss acht Jahre lang gegraben. Die Legionäre brachten römische Produkte und Technologien hierher und vermischten sich mit der Bevölkerung. In Aeugst ist die keltische Bevölkerung, die sich in der Bronze- und Eisenzeit hier niedergelassen hat, wohl nach und nach von der römischen Kultur erfasst worden. Aus dem Mittelalter hat Johannes Weiss nur wenige Funde entdeckt. Die Alemannen, die nach dem Rückzug der Römischen Truppen im Jahr 401 ins Mittelland eingefallen sind, haben vermutlich zuerst das Reuss- und das Jonental erobert. Bei Unterlunnern wurden vergrabene römische Schätze entdeckt, die vor einfallenden Alemannen gesichert wurden. Da von denjenigen, die Kenntnis vom Versteck hatten, offenbar niemand überlebte, blieb der Goldschatz bis zu seiner Entdeckung 1741 im Boden vergraben. Das rauere Klima hat Aeugst möglicherweise vor Alemannenüberfällen verschont und eine weniger blutige, fliessende Verschmelzung der keltisch-römischen mit der alemannischen Bevölkerung ermöglicht.

Ein faszinierender Nachmittag im Reich der Honigbienen Ein Imkereibesuch für Kinder unter dem Titel «Erlebniswelt Biene» in Knonau Die Bienenbotschafter der Imkerei am Wattbach in Knonau führen auch diesen Sommer lehrreiche Nachmittagskurse für Kinder durch. Beim Besuch der Imkerei erleben die Kinder die Faszination der Bienenwelt. ................................................... von martin mullis Ein Dutzend Mädchen und Knaben im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren besuchten am letzten Freitagnachmittag die Imkerei am Wattbach in Knonau. Manuela und Matthias Gasser führen diese Bienen-Erlebniskurse für Erwachsene am Abend und für Kinder an Nachmittagen regelmässig in den Sommerferien durch. Erwartungsvoll sassen die Kinder rund um den Flipchart und warteten gespannt auf die ersten Erklärungen der Imkerin Manuela Gasser. Sie hat viel zu erzählen, ist sie doch die Herrin von 40 Bienenvölkern und rund 50 000 Bienen. Der neunjährige Robin aus Knonau nennt sich selbstbewusst Bienenexperte, hält er sich doch sehr oft bei den Gassers am Wattbach auf und hat sich schon öfters an den Kursen beteiligt. Lionel ist sieben Jahre alt und

Erlebnis ganz nahe bei den Bienenstöcken: Keine Marsmenschen, sondern vielleicht angehende Imker. (Bild Martin Mullis) freut sich auf die erlebnisreichen zwei Stunden. Er wurde erst einmal von einer Biene gestochen, liebt den Honig und erzählt, dass der süsse Brotaufstrich bei ihm zu Hause lediglich an den Sonntagen aufgetischt werde. Die sechsjährige Valentina besuchte letztes Jahr ebenfalls schon einmal den Kurs. Sie hat grossen Respekt vor den Bienen, versichert aber, dass sie noch nie gestochen worden sei. Imkerin Manuela erklärt nach der freundli-

chen Begrüssung am Flipchart anschaulich das Leben und die Aufgaben einer Arbeiterbiene. Gespannt und fasziniert hören die Kinder ihren Ausführungen zu. Selbstverständlich dürfen Fragen gestellt werden und deren gibt es einige. Können Bienen tatsächlich nur einmal stechen? Ist es nicht besonders fies, den Bienen ihre Nahrung – also den Honig – wegzunehmen? Was macht die Königin ausser regieren?

Die Bienenkönigin produziert 1500 Eier pro Tag Die Antworten der geduldig erklärenden Imkerin entlocken den kleinen Schülern einige «Oohs» und «Ahas». Ja, beim Stechen eines Menschen verlieren die Bienen ihren Stachel. Nein egoistisch sei es nicht, den Honig zu ernten. Der Imker nimmt nur einen Drittel des Honigs, ein weiterer Drittel ist für die tägliche Nahrung der Tiere

bestimmt und der Rest bleibt unantastbar im Brutraum. Und die Bienenkönigin regiert überhaupt nicht, ihre Tätigkeit beschränkt sich ausschliesslich aufs Eierlegen. Dies macht sie jedoch überaus intensiv, produziert sie doch rund 1500 Eier pro Tag. Spannend schildert Imkerin Manuela auch das Leben der Arbeitsbienen, welches aus genau bestimmten Abschnitten und Aufgaben besteht. Nach rund 40 Tagen stirbt die Arbeitsbiene. Der geschlossene aber gläserne Bienenstock mit einem kleinen Volk und einer Königin fasziniert die Kinder ganz besonders. Nach dem Theorieteil werden die jungen Kursteilnehmer eingekleidet. Sie erhalten eine Schutzbekleidung, eine Art Bluse mit einer Schutzhaube und Handschuhe. Nach genauen Anweisungen und der Ermahnung, sich nicht hektisch zu benehmen, begleiten sie den Imker Matthias Gasser zu den Bienenstöcken am Rande der Wiese. Wie kleine Marsmenschen scharen sie sich um ihren Lehrer und hören andächtig seinen Ausführungen zu. Natürlich gibt es am Schluss des Kurses auch noch kleine süsse Leckerbissen, verspricht doch der Flyer zum Kurs «Erlebniswelt Biene» neben Beobachten, Anfassen, Riechen auch Schmecken und Geniessen.


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Bezirk Affoltern

Dienstag, 24. Juli 2018

Von Wegen, Umwegen und Abwegen

forum

«Tongasoa» – Das neue Buch von Aeugsterin Katrin Züger

Im Hinblick auf die Abstimmung zur Initiative «Wildhüter statt Jäger» am 23. September orientieren die Jägerinnen und Jäger fleissig im gesamten Kanton, so auch in Affoltern am Albis mit einem ausgestopften Wildschwein und einer verkleideten Eule. An Strassenrändern, an Holzschöpfen, auf Wiesen, in Gärten und sogar an Postautohaltestellen sieht man Plakate mit «Jagd schützt, Jagd nützt». Doch dieser Spruch ist ein Trugschluss. Denn entgegen ihren Behauptungen schützen Jäger weder unsere Natur noch die darin wild lebenden Säugetiere und Vögel. Die Information durch die Jäger ist leider unvollständig und entspricht nicht der Realität. Die Jagd verursacht viel Tierleid und schafft Probleme, deren Lösung sie zu sein vorgibt. Durch den Jagddruck steigt die Fruchtbarkeit und führt zu einer Bestandeszunahme. Dies wiederum nutzen die Jäger als Rechtfertigung für die Tötung von Wildtieren. Die Jägerlobby ist stark und schürt in der Bevölkerung bei einer Annahme der Initiative Ängste wie Zunahme von Schäden an Kulturen und Wäldern, häufende Wildunfälle mit dem Verkehr, Ausbreitung von Krankheiten etc. Doch das Gegenteil ist der Fall, denn unsere Wildtiere sind nützlich und regulieren sich grösstenteils selbst. Das Ausrücken von Jägern bei Verkehrsunfällen mit Wild bei Tag und Nacht funktioniert leider auch nicht so einwandfrei wie von den Jägern behauptet und gemäss der aktuellen Revision des Jagdgesetzes werden sich auch die Jäger ihre Einsätze zahlen lassen. Ja, der Einsatz von Wildhütern kostet, aber die Kosten sind nicht so hoch wie von den Gegnern behauptet. Während die Pachtzinsen von den Jägern fleissig erwähnt werden, wird elegant verschwiegen, dass die Jagd jedes Jahr ein Defizit verursacht. Die Jäger haben ein 6stelliges Budget zur Bekämpfung der Initiative, aber kein Geld zur Sanierung der Jagdschiessanlagen. Für diese darf der Steuerzahler aufkommen.

«Tongasoa» hat die Aeugsterin Katrin Züger ihr neues Buch genannt – nicht nur weil eine der Geschichten darin so heisst: «Tongasoa» bedeutet auf Malagasy (Madagassisch) «Willkommen» – was für das ganze Buch passt. Unterwegs sein. Gehend, laufend, fahrend, fliegend, auf dem Arbeitsweg, auf Spaziergängen, Wanderungen, Reisen. In sechzehn Geschichten wird davon erzählt. Dabei lässt sich vieles erleben und beobachten, über manches nachdenken, sinnieren, räsonieren. Über Klänge zum Beispiel: Warum ist es so schwierig, die Geräusche eines Krans oder die Laute der Vögel zu beschreiben? Wolken, vielfältige Gebilde, physikalisch gesehen Ansammlungen feiner Wassertropfen oder Eisteilchen, darüber hinaus Wunderwerke der Ästhetik, der Einmaligkeit, der Vergänglichkeit. Gras, etwas für Kühe, sie fressen es, wir bekommen Milch dafür, weil wir nicht so gut im Verdauen von Gras sind, doch wenn man genau hinschaut, offenbart sich auch hier unerwartete Vielfalt: Süssgräser, Sauergräser, Riedgräser, Binsen, Simsen, Seggen, an die zwanzigtausend Arten, darunter Mais, Reis, Weizen, Hirse, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Zuckerrohr. Reisen. In den Yellowstone-Nationalpark zum Beispiel. Ein Kojote steht auf einer Anhöhe in lichtdurchfluteter

Die Realität sieht anders aus Die Jäger haben sich vorgestellt, Leserbrief vom 17. Juli.

Landschaft, blickt in die Ferne, als ob dort die Wahrheit zu finden wäre, welche Wahrheit auch immer. Äthiopien, Danakil-Senke, eine der heissesten Gegenden der Erde, geprägt von Wüste, Lava, Staub, Hitze – und Menschen, die stolz und erhaben der lebensfeindlichen Umgebung trotzen. Madagaskar, seltsame Wesen auf der ältesten Insel der Welt, Versuchslabor der Evolution: Giraffenhalskäfer, Chamäleons, Blattschwanzgeckos, Nektarvögel, Tenreks, Lemuren, darunter Kattas mit den lustigen Ringelschwänzen, steigen in der Dämmerung von den Bäumen herunter, sammeln sich, wandern in Einerkolonne zu ihren Schlafstellen in den Felsen, angeführt vom Leitweibchen, die anderen hinterher, zuletzt ein Männchen, das kontrolliert, ob alle da sind. Am Ende noch ein letztes Mal der Arbeitsweg, nicht wie sonst fahrend, sondern zu Fuss, vom Zentrum der Stadt nach Hause, gefolgt von der Erkundung des Bachs, den man bisher nur schemenhaft aus der fahrenden Perspektive des Postautos wahrgenommen hat. Katrin Züger wohnt in Aeugst am Albis. 2012 erschien die Erzählung «Meine Welt hat in einem Schächtelchen Platz», 2013 folgte «Strandsteine in der Atacama», 2015 «Flaches Land» und 2016 «Wolkig, zeitweise Sonne». (pd.)

Katrin Züger mit ihrem neuen Buch «Tongasoa». (Bild zvg.)

«Tongasoa», von Katrin Züger, Collection Montagnola 2018, 184 Seiten, ISBN 978-3-75285-858-7.

Eine Sommerresidenz für drei Damen

Mattia Violetti aus Mettmenstetten hat ein Hühnermobil gebaut Innerhalb des letzten Jahres hat der 11-jährige Mattia aus alten Brettern und Fundstücken ein Hühnermobil gebastelt. Eine Anleitung hatte er nicht. Nun durfte er in seinem fahrbaren Stall tierische Feriengäste empfangen.

Hof suchte er das Material zusammen: Holz und Gitter und Hammer und Nägel. Und, und, und. Dabei war er durchaus kreativ: Aus einem Büchergestell wurde die Hühnerleiter, die Räder nahm er vom Heuwagen. Nur ein paar Schrauben und die Dachlatten sind dazugekauft. Der Rest war in

irgendeiner Art und Weise bereits einmal im Einsatz. «Upcyling» nennt man das in der fancy Do-it-yourself-Szene, oder etwas bescheidener klingend: Wiederverwertung. Ab und zu, so Mattia, habe er mit seinem Vater diskutiert, wenn er eine Frage hatte. «Manchmal kamen wir

«Es ist eigentlich kein richtiges Hühnermobil», sagt Mattia ganz bescheiden. Eher sei es ein Stall auf Rädern. Das richtige Hühnermobil sei viel grösser und könne von den Rädern auf den Boden heruntergelassen werden, erklärt er. Dabei spielt das gar keine so grosse Rolle: So oder anders ist es erstaunlich, was der 11-jährige Mettmenstetter da zusammengebaut hat. Einen eigenen Stall auf zwei Rädern, mit Türe und einem eigenen Legebereich, einer Leiter für den komfortablen Gang zu den «Logenplätzen», also den Stängeli. Sogar an eine separate Klappe für die Reinigung hat er gedacht. Er habe schon immer gerne gewerkelt, erzählt seine Mutter, Regina Violetti. Die Familie bewohnt das Nebenhaus auf dem Hof Schürenweid. «Vor dem Hühnermobil hat er einen Heuwagen zusammengebaut, und vorher ein Gartenhaus.» Am liebsten war er jedoch mit Bauer Fredi Keller auf dem Hof und den Feldern unterwegs, erzählt seine Mutter. Dann allerdings kam dieser bei einer Skitour im letzten Jahr tragisch ums Leben. Seither war es auf dem Hof ruhig geworden.

«Upcycling» mit altem Hofmaterial Als Mattia dann im Internet das Foto eines Hühnermobils sah, da war ihm klar: So eines wollte er auch. Auf dem

«Am Anfang mochten sie es nicht, wenn ich sie in ihren Auslauf trug», erklärt Mattia. Inzwischen haben sich die Hühner an ihren temporären Besitzer gewöhnt und lassen sich von ihm bereitwillig halten. (Bild Livia Häberling)

nach draussen in den Garten, und plötzlich war er wieder einen Schritt weiter», erklärt Regina Violetti. So habe er das Gefährt auf dem Boden zusammengebaut, und eines Tages sei es plötzlich auf Rädern gestanden. Seit dem Frühling ist der Stall fertiggestellt. Rund neun Monate habe er gebraucht – «aber mit grossen Unterbrüchen», wie er mehrfach betont. Per 1. März dieses Jahres übernahmen Daniel Rüttimann und Nicole Cavegn die Schürenweid. Auch sie halten wieder Hühner. Deshalb ist nun auch Mattias Stall für einige Wochen bewohnt. Eingezogen sind drei Feriengäste, die temporär von der Hühnerherde separiert werden mussten. Und die Damen brauchen viel Aufmerksamkeit: «Am Morgen vor der Schule mache ich einen Kontrollbesuch, am Mittag bringe ich Futter und Wasser». Dann trägt er sie in das Nachmittagsrevier in den Garten. Und natürlich wollen die Tiere jeden Abend wieder zurück in ihren fuchssicheren Stall auf Rädern. Dazwischen fällt auch andere Arbeit an: Das Mobil muss gemistet werden. Anfang Woche ging der Ferienaufenthalt der drei Hühner zu Ende. Sie durften zurück zur Herde dislozieren. Trotz aller Freude: Ganz unglücklich scheint Mattia darüber nicht zu sein: «Die Hühner brauchen schon viel Betreuung», gibt er zu bedenken. Nun geht er mit seiner Familie zuerst einmal in die Sommerferien. Im neuen Schuljahr besucht er die sechste Klasse. Für die Berufswahl ist es damit zwar noch etwas früh, aber hat der leidenschaftliche Handwerker dennoch eine Ahnung, in welche Richtung es gehen soll? Nicht so wirklich. Und irgendwie doch: «in Richtung Landwirtschaft.» (lhä)

Nicole Holzherr, Aeugst a. A., Vizepräsidentin Tierpartei Schweiz (TPS) Weitere Infos unter www.pro-wildtier.ch.

Zuschriften sind willkommen Der «Anzeiger» nimmt Zuschriften an redaktion@affolteranzeiger.ch gerne an. Ein Leserbrief muss mit Namen, Adresse und Telefonnummer des Verfassers versehen sein, soll in maximal 2000 Zeichen ein Thema aus der Region aufgreifen und darf keine persönlichen Angriffe enthalten. Über die Publikation und allfällige Kürzungen entscheidet die Redaktion. (Red.) anzeige


Gewerbe/Dienstleistungen

Marco Rima kommt

Paralympic-Team

Der Kabarettist präsentiert am «Vierzgerfäscht» in Wettswil seine besten Nummern. > Seite 10

Der Bonstetter Patrick Meili engagiert er sich als Helfer beim Ski-Nachwuchs. > Seite 11

Vor dem Umbau wird nochmals gerockt Die CQ Bar lädt zum Grillfest mit Openair-Konzert

Dienstag, 24. Juli 2018

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Sieg verpasst Urs Huber und Simon Stiebjahn werden Zweite bei der Bike-Transalp. > Seite 11

Brombeeren – kleine Vitaminbomben

Jetzt ist Erntezeit der süssen Beeren Brombeeren sind besonders fein, wenn sie frisch geerntet werden – und diese Zeit ist jetzt. Schweizer Beerenproduzenten ernten täglich grosse Mengen Brombeeren von hervorragender Qualität. Dies dank der vielen Sonnenstunden in diesem Sommer. Die kalorienarmen Brombeeren werden meist roh gegessen – als Snack für zwischendurch, als Dessert oder im Müesli mit Milch oder Jogurt. Verarbeiten lassen sich die kleinen Früchte zu Konfitüren, Fruchtsäften oder Smoothies, lassen sich aber auch problemlos einfrieren. Voll ausgereift erfreuen uns die dunkelroten bis schwarzvioletten Brombeeren mit ihrer einzigartigen Süsse. Brombeeren sind kleine Vitaminbomben und galten in der Antike gar als Medizin. Sie sind reich an Provitamin A, enthalten viele B-Vitamine und Vitamin C. Die dunkle Farbe weist zudem auf einen hohen Gehalt an Pflanzenfarbstoffen hin. Im letzten Jahr ha-

Rocken und Rollen, Swingen und Bluesen – darauf verstehen sich «The Vincenzos». (Bild fotozug)

Der BBQ-Anlass vom 31. Juli in der CQ Bar beim Bahnhof Affoltern ist bereits zur Tradition geworden. Diesmal gibts zu den Grilladen live Blues und Rock’n’Roll mit «The Vincenzos». Für seine Rockabilly-Konzerte hat sich das CQ in Affoltern weit über die Grenzen des Säuliamts hinaus einen Namen gemacht. So reisen die Freunde der «handgemachten Musik» für die beliebten Anlässe auch schon mal aus Norditalien oder Süddeutschland an. Einmal im Jahr – traditionell am 31. Juli, wenn hier alle am nächsten Tag ausschlafen können – wird die Bühne vor die Bar gezügelt und das Konzert findet draussen statt, sofern dies das Wetter zulässt. Und dabei

kommen nicht nur die Genre-Puristen auf ihre Rechnung. Mit «The Vincenzos» konnte Gastgeber Sandro Quirici diesmal eine Band verpflichten, die es versteht zu rocken und zu rollen, zu swingen und zu bluesen – und damit ein breites Publikum anspricht. «Etwas, das über einen hinwegfegt wie ein grossartiger Morricone-Soundtrack in einem Italo-Western der dreckigen Extraklasse», beschreiben die fünf Brüder ihre Musik selber und laden ihr Publikum ein, sich im Stil der 50er-Jahre zu kleiden und zu frisieren.

Nach 20 Jahren bekomme die «Alte Dame» eine Auffrischung Um 17 Uhr geht es los mit dem Barbetrieb. Ab 18 Uhr gibt es Grilladen, die Renner sind Burger, Spare Ribs und

Pulled Pork. Erfahrungsgemäss dürfen die Gäste passend zur Musik auch mit dem einen oder anderen Oldtimer oder prächtigen Motorrad rechnen. Das Fest ist denn auch letzte Gelegenheit, die Bar in ihrem jetzigen Erscheinungsbild zu erleben. Danach wird für einige Tage umgebaut. «Am Konzept ändert sich nichts», versichert Quirici und spricht denn auch eher von einem «Facelift», einer «BotoxKur», statt eines Umbaus. An der Raumaufteilung um den markanten Tresen wird nicht gerüttelt, nach 20 Jahren bekomme die «Alte Dame», so Quirici, allerdings einen anderen Anstrich und neues Mobiliar. (tst.)

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ben Schweizer Obstbauern 390 Tonnen Brombeeren produziert. Für dieses Jahr wird eine Ernte von über 425 Tonnen prognostiziert. Das entspricht zirka zehn Tonnen Brombeeren pro Tag.

Brombeeren sind streng genommen gar keine Beeren Damit liegen die blauschwarzen Früchte hinter Erdbeere, Himbeere und Johannisbeere auf dem vierten Platz der Beeren-Hitparade. Hauptsächlich werden die süss-säuerlichen Brombeeren, in der Ostschweiz und im Mittelland angebaut. Bei Brombeeren handelt es sich streng genommen nicht um Beeren, sondern um sogenannte «Sammelfrüchte». Jedes kleine Kügelchen der Brombeere ist eine einzelne Frucht mit winzigem Kern, gemeinsam sitzen sie eng auf dem zapfenförmigen Fruchtboden. Der Name leitet sich vom altdeutschen Wort «Bramoberi» ab, was so viel wie Dornbeere bedeutet. Seit einigen Jahren existieren aber auch dornenfreie Brombeersträucher. (pd.)

Manchmal brauchts Kompromisse...

BBQ in der CQ-Bar am Dienstag, 31. Juli, ab 17 Uhr, Bahnhofplatz 5, Affoltern.

Den Fischen wird es zu heiss …

Ab 23 Grad wird es für Fische in Gewässern kritisch Was Badegäste freut, ist für die Fische ein Kampf ums Überleben: die viel zu warmen Bäche und Seen. Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV ist besorgt: in Mittelland-Kantonen mussten vielerorts bereits Abfischungen vorgenommen werden. Äschen und Forellen, aber auch andere Fische reagieren auf die derzeit für sie ungesund warmen Gewässer. Wassertemperaturen über 20 Grad bedeuten für die meisten Fischarten bereits Stress. Ab 23 Grad wird es kritisch. 25 Grad, vor allem über längere Zeitspannen bedeuten für Äschen und Forellen oft das Todesurteil.

Wünschenswert wäre eine längere Regenphase. Doch im Moment deutet meteorologisch wenig darauf hin. Im Gegenteil, ungute Erinnerungen an den Hitzesommer 2003 kommen hoch. Damals waren die Gewässer sehr warm: Im Rhein wurden bis zu 27 Grad gemessen, was zu einem Massensterben bei den Äschen geführt hat. Noch ist es nicht ganz so weit. «Aber wir sind in grosser Sorge», sagt Philipp Sicher, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbandes SFV.

Unnötigen Stress für Tiere vermeiden «Die Zeichen stehen schlecht.» Aus vielen Kantonen sind bereits Abfischun-

gen bekannt. Bei dieser Massnahme retten Fischereiaufseher oder Fischer die Fische aus trocknenden Gewässern und siedeln sie um. Auf das Wetter hat natürlich niemand Einfluss. Ganz machtlos ist die Zivilgesellschaft allerdings nicht. Folgende Dinge können beachtet werden: Badende sollten unbedingt Kaltwasserzonen meiden. In diese ziehen sich die Fische automatisch zurück. Fischer sollten warme Gewässer nicht bewaten und befischen, um unnötigen Stress für die Tiere zu vermeiden. Weiter sollten auf keinen Fall Wasserentnahmen aus Gewässern vorgenommen werden. Beispielsweise zur Bewässerung für die Landwirtschaft. (pd.)

Wer bei Substanzen mit potenziell toxischer Wirkung ein bisschen kompromissbereit war, dürfte in der «Spyre Bar & Lounge» am vergangenen Freitag beflügelte Stunden erlebt haben. (Bild Livia Häberling)


veranstaltungen

Ein Blick zurück in vergangene Zeiten

Marco Rima am 31. August in Wettswil

Marco Rima kommt mit seinen besten Nummern nach Wettswil. (Bild zvg.)

Kabarettist Marco Rima gräbt in seiner Schatzkiste aus 37 Jahren Bühnenerfahrung und präsentiert am «Vierzgerfäscht» in Wettswil die besten seiner «alten» Nummern, die nichts an Ausstrahlungskraft verloren haben – der Protagonist übrigens auch nicht! Was tun, wenn in einem Theater zwei Vorstellungen kurzfristig ausfallen? Richtig: Zum Telefon greifen und Marco Rima anrufen. Denn der Kabarettist springt ein, wenn es brennt. Und mehr noch! Der Zuger entscheidet sich spontan dazu, diese SOS-Aktion dafür zu nutzen, ein Programm zusammenzustellen, das die besten

Nummern aus seinem 37-jährigen Schaffen zeigt. Das Publikum ist begeistert und die Nachfrage nach weiteren Vorstellungen riesig. Deshalb geht Marco Rima mit seinen Nummern wie «Der Erlkönig», «Wilhelm Tell», «Pilleli und Zäpfeli», «Der kleine Idiot», «Sprungbrett», «Fudi vo Geschter» und vielen mehr auf eine kleine Schweizer Tournee! Am 31. August ist er zu Gast am «Vierzgerfäscht» in Wettswil. Tickets gibt es jeweils am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag in der Bibliothek Wettswil oder online zu kaufen. (pd.) Marco Rima am «Vierzgerfäscht» in Wettswil, Freitag, 31. August, um 20 Uhr. vierzgerfaescht.ch.

Romantische Arien und sommerliche Gesänge

Siddique Eggenberger in Hedingen Siddique Eggenberger bereichert den Regionalgottesdienst am kommenden Sonntag mit Tenor-Solo-Liedern, begleitet von der Hedinger Organistin Anette Bodenhöfer. Die sommerlichen Regionalgottesdienste in Hedingen haben jeweils eine besondere musikalische Note: Am kommenden Sonntag, 29. Juli, um 10 Uhr wird Siddique Eggenberger mit seiner Solo-Tenorstimme den Kirchenraum zum Klingen bringen. Er wird den Gottesdienst mit sommerlichen Liedern und Arien aus der Romantik bis in die heutige Zeit mitgestalten. Beispielsweise erklingt Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ein schwedischer Sommerpsalm oder «What A Wonderful World», begleitet von Anette Bodenhöfer an der Orgel und am Klavier. Pfarrerin Renate Hauser wird die Themen aus Natur und Schöpfung in den liturgischen Texten und in der Predigt aufnehmen, und natürlich wird auch das gemeinsame Singen nicht zu kurz kommen.

Siddique Eggenberger. (Bild zvg.) Siddique Eggenberger, geboren in Bangladesch, ist hier im Bezirk aufgewachsen und hat eine Solo-Karriere als Tenor gemacht. Er hat schon in vielen Opern, aber auch in Messen oder Oratorien im In- und Ausland solistisch mitgewirkt. Bei Chorprojekten mit Anette Bodenhöfer hat er auch schon Solopartien übernommen. (pd.) Sommergottesdienst mit Siddique Eggenberger, Sonntag, 29. Juli, 10 Uhr, Kirche Hedingen.

Falscher Veranstaltungsort «An meine Pforte klopft der Tod», vom 20. Juli. Im «Anzeiger» vom letzten Freitag wurde fälschlicherweise das Kloster Kappel als Veranstaltungsort des Gottesdienstes vom 29. Juli angegeben.

Tatsächlich ist der Gottesdienst vom kommenden Sonntag ein Gottesdienst der Kirchgemeinde Kappel, durchgeführt als Regionalgottesdienst für Hausen, Rifferswil und Kappel. Er findet in der reformierten Kirche Kappel statt. (Red.)


Sport

Dienstag, 24. Juli 2018

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Den Bike-Transalp-Sieg verpasst

Urs Huber/Simon Stiebjahn beim gemeinsamen Auftakt Zweite Eine Schwäche und ein platter Reifen kosteten das Bulls-Team mit dem Mettmenstetter Urs Huber und dem Deutschen Simon Stiebjahn den Gesamtsieg der Siebenetappenfahrt BikeTransalpes von Imst über 500 Kilometer nach Arco. Obwohl das Rennpaar insgesamt fünf Etappensiege holte, blieb am Schluss «nur» der zweite Platz. Historische Rennfahrzeuge auf der Offenen Rennbahn. (Archivbild Peter Mettler)

Zwei Oldtimer aus dem Säuliamt am Start «Indianapolis Zürich-Oerlikon» heute Dienstag Der Vergleich der 333 Meter langen Offenen Rennbahn in Oerlikon mit dem vier Kilometer langen Superspeedway in den USA hinkt natürlich total. Aber der Name «Indianapolis Zürich-Oerlikon» hat sich eingebürgert. Und er hat Magie: Zur 16. Präsentation historischer Rennfahrzeuge werden 5000 Besucher erwartet. Und erstklassiger Bahnradsport wird übrigens auch noch geboten … Mit drei Läufen auf dem Betonoval, mit den vier bis zu 45 Grad geneigten Kurven, ergänzen die 56 gemeldeten Oldtimer das normale Programm mit Steher- und anderen Radrennen. Die zwei-, drei- oder vierräderigen Schönheiten tragen freilich keine Rennen aus. Obschon sie technisch noch voll im Schuss sind. Der besondere Anlass ist dennoch nicht vergleichbar mit dem Besuch eines Oldtimer-Museums. Man kann die Fahrzeuge aus nächster Nähe nicht nur bestaunen und darf sich (nach Absprache mit den Besitzern) sogar darin fotografieren lassen, man wird sie auch hören. Und wie! Die ältesten sind knapp hundertjährig und äusserst kostbar. Für den Gegenwert des einen oder an-

deren könnte man problemlos ein Einfamilienhaus erstehen. Nicht nur die 1912 erbaute Offene Rennbahn (die weltweit erste Spannbetonkonstruktion gilt als architektonisches Meisterwerk) zählt zum Kulturerbe der Schweiz. Der ganze, so besondere «Indianapolis Zürich-Oerlikon»-Anlass wurde in diesem Jahr erstmals als Kulturerbe aufgeführt (siehe www.kulturerbe2018.ch).

Dominik Muheim und Luciano Arnold Die Oldtimer-Teilnehmerliste umfasst 56 Fahrzeuge. Darunter ist auch eine Kreidler 50 GP, Jahrgang 1973, mit 18 PS. Das Motorrad gehört Dominik Muheim aus Ebertswil. Es wurde von Vize-Cupmeister G. Singer im Jahre 1977 eingesetzt. Luciano Arnold aus Stallikon ist mit einem Brabham BT 36 F2 am Start. Dieser stammt aus dem Jahr 1971, hat bei 1598 cm³ Hubraum 250 PS und wurde einst von Silvio Moser im Renneinsatz gefahren. (pd./tst.) Indianapolis in Oerlikon, Dienstag 24. Juli (Verschiebedatum: Donnerstag 26. Juli), 18 bis 22 Uhr. Eintritt 20 Franken, Kasse ab 16.30 Uhr.

Das Kick-Off-Meeting ist erfolgt

Treffen des Swiss Paralympic Ski Teams Bei 29 Grad – und damit bei deutlich wärmeren Temperaturen, als es sich die Skirennfahrerinnen und -fahrer sonst gewohnt sind – führte das Swiss Paralympic Ski Team am 14. Juli in Cham ihr Kick-Off-Meeting durch. Der Bonstetter Patrick Meili gehörte dem Swiss Paralympic Ski Team von 2015 bis 2017 als Nachwuchs-Athlet und aktiver Rennfahrer an. In dieser Zeit bestritt Patrick Meili Ipcas- und Europacup-Rennen. Nach seinem Rücktritt als aktiver Athlet engagiert er sich nun als Helfer beim Nachwuchs im Stützpunkt Ostschweiz. In

seiner neuen Tätigkeit kann Patrick Meili dem Ski-Nachwuchs mit viel Erfahrung und Engagement zur Seite stehen. Das Swiss Paralympic Ski Team gehört dem Dachverband PluSport an. PluSport ist die Fachstelle für den Behindertensport in der Schweiz. Als Dachverband fördert PluSport Menschen mit Behinderung vom Breiten- bis hin zum Spitzensport. Für alle Zielgruppen, Altersklassen, Behinderungsformen, in unterschiedlichen Sportarten und stets mit dem Ziel der Integration und Inklusion. (pd.) Auf www.plusport.ch finden sich Informationen zu allen Aktivitäten und dem Schweizer Behindertenspitzensport.

Das Swiss Paralympic Ski Teams mit Patrick Meili (hintere Reihe, 6. v.l.). (Bild zvg.)

Urs Huber und Simon Stiebjahn haben gekämpft wie die Löwen. Mit jedem weiteren Etappensieg kamen sie den Bike-Transalp-Leadern Markus Kaufmann und Jochen Käss um ein paar Dutzend Sekunden näher. Nach der vorletzten Etappe hatten sie sich von ursprünglich mehr als drei Minuten Rückstand auf 66 Sekunden an die beiden Führenden herangearbeitet. Doch ein platter Reifen auf dem letzten Teilstück machte die ganze Arbeit wieder zunichte. Die deutsche Paarung Kaufmann/Käss konnte sich in Arco in der Nähe des Gardasees zum vierten Mal als Gesamtsieger der BikeTransalp feiern lassen. Urs Huber sah es dennoch positiv. Er sagte: «Obwohl wir bis fast zuletzt nahe dran waren und trotzdem nur Zweite wurden, sind wir sehr zufrieden mit dieser Woche. Wir konnten fünf Etappen gewinnen und bis zuletzt um den Gesamtsieg kämpfen. Über die gesamte Woche waren Kaufmann/Käss aber halt noch etwas stärker und konstanter. Deshalb sind sie die verdienten Sieger.» Die Transalp-Erfahrung sei noch aus einem anderen Grund wertvoll: «Sie hat bestätigt, dass Stiebi und ich bestens miteinander klarkommen», gab sich Huber versöhnlich. anzeige

Urs Huber zeigte sich zufrieden mit seinem neuen Rennpartner Simon Stiebjahn, links. Das Bulls-Duo errang fünf Etappensiege und wurde zweite der Bike-Transalp. (Bild marathon-photos.com) Spannung auf der Schlussetappe Vor allem die Schlussetappe von Roncone über 60 Kilometer nach Arco mit den beiden Haupthindernissen Passo di Giovo und Bocca di Trat lösten im Spitzenkampf nochmals Spannung aus. Taktisch klug hielten Kaufmann/Käss in den Steigungen das Tempo hoch, damit keine Fluchtversuche entstanden. Ausgerechnet zu Beginn der ersten langen Abfahrt vom Passo di Giovo erwischte Simon Stiebjahn dann aber einen «Platten». Die Reparatur kostete das Bulls-Duo mehr Zeit, als ihm lieb war. Kaufmann/Käss konnten nach

dem letzten Teilstück ihren zweiten Etappensieg verbuchen. Huber/Siebjahn erreichten das Ziel als Vierte mit 4:14 Minuten Rückstand. Damit wuchs die Zeitspanne zwischen den beiden Erstplatzierten Paaren wieder auf über fünf Minuten. Weitere 23 Minuten lag das drittplatzierte Team mit Uwe Hochenwarter und Gregory Brenes zurück – und das auf eine Siegerzeit von 22:41: 23 Stunden. Huber wird nun am 4. August zum Ischgl Ironbike starten, ehe acht Tage später im Wochentakt die Schweizer Bike-Marathon-Klassiker Eiger Bike, Grand Raid und Nationalpark-BikeMarathon folgen. (map.)


057_2018  
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