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Bezirk Affoltern

Freitag, 14. Juni 2019

Magie zum Jubiläum

buch-tipp

Unter dem Motto «Senevita verzaubert» feiert die Pflegeheimgruppe ihr dreissigjähriges Bestehen. Philipp Zemp gründete vor 30 Jahren die Senevita AG mit dem Anspruch, das schlechte Image vieler Alters- und Pflegeheime mit der damals gelebten Kultur «warm und satt» durch ein bedarfsgerechtes und hotelähnliches Angebot mit Wahlmöglichkeiten nachhaltig zu verbessern. Heute beschäftigt das Unternehmen über 4000 Mitarbeitende und 220 Lernende, die sich um ebenso viele Bewohnende und Spitexkunden an insgesamt 53 Standorten kümmern. Das Jubiläum wurde am Dienstag in der Senevita Obstgarten in Affoltern mit einer Zaubershow von Dominik Zemp, Sohn des Gründers der Senevita, gefeiert. «Meister Dominik», wie er sich gern selber nennt, bescherte den Bewohnerinnen und Bewohnern mit seiner Zaubershow einen magischen Nachmittag. Er liess einen Fünfliber in seinen Händen verschwinden, verknotete auf mysteriöse Weise mehrere Seile miteinander. Immer wieder holte er Menschen aus dem Publikum auf die Bühne und be-

................................................... von yvonne wüthrich, bibliothek mettmenstetten

30 Jahre Senevita mit Zaubershow von Dominik Zemp

Wie macht er das? Zauberer Dominik Zemp lässt Tische durch den Raum schweben. (Bild Stefan Schneiter) zog diese in seine Zaubereien mit ein. Einer Frau entlockte er eine Zwanzigernote, die später auf unerklärliche Weise in einer echten Zitrone wieder auftauchte. Unter den Händen eines der Gäste verwandelte sich ein Kaffeelöffel unversehens in einen grossen Schöpflöffel, und aus einem ertasteten Schwamm wurde plötzlich ein Da-

menschuh. Höhepunkt der Show war ein Tisch, der buchstäblich durch Zauberhand bewegt durch den Raum schwebte. Beim anschliessenden Zvieri mischte sich der Zauberkünstler unter die Bewohnerinnen und Bewohner und führte seine Zaubereien direkt unter ihren staunenden Augen durch. (sts)

Statt Ballone flogen Brieftauben

200 Personen am ökumenischen Pfingstfest in Mettmenstetten Was haben Babuschka-Puppen, Pfingstrosen, Gänse und Tauben mit Pfingsten zu tun? Am ersten Pfingstfest schickte Jesus seinen Jüngern und Anhängern eine Kraft, die durch ein starkes Brausen daherkam und zuerst erschreckte. Diese Kraft bewirkte, dass alle einander verstanden, obwohl sie ganz unterschiedliche Sprachen redeten. Pfingsten ist also auch ein Fest der Verständigung und damit des Friedens. Die bemalten Babuschka-Puppen kann man aufmachen und darin befindet sich eine genau gleiche Puppe und darin nochmals eine. Ein Symbol dafür, dass in allem die gleiche göttliche Kraft wirkt, wir alle sind Gottes Kinder, ob Katholiken, Protestanten, Moslems oder Buddhisten. Warum gibt es da noch Streit und Krieg? Die Erklärung dafür gab die Geschichte von den Hof-Gänsen, die jede Woche eine Parade abhielten, an der der Obergänserich in seiner Rede davon erzählte, wie ihre Vorfahren durch die ganze Welt geflogen seien. Applaus, aber keine Gans schickte sich an, selber zu fliegen. Sie waren zu fett und zu träge. Nicht so die 17 Brieftauben, die statt Luftballone gegen den Himmel stiegen und nach einigen Ehrenrunden Richtung Unterägeri verschwananzeige

«Grossmutters Haus» Die Geschichte «Grossmutters Haus» von Thomas Sautner wird aus der Sicht einer jungen Frau namens Malina erzählt. Diese wohnt in einer Stadt. Als ehemalige Studentin verdient sie ihr Geld zurzeit mit Kellnern und der Arbeit in einer Bücherei. Sie liest gerne und verliert sich dabei zwischen den Buchdeckeln. Dort findet sie sich in einer anderen Welt und kann dem Alltag entfliehen. Eines Tages erhält sie ein Paket von ihrer tot geglaubten Grossmutter. Ein Paket voller Geld mit der Nachricht: «Anbei ein paar Zetteln mit Nullen drauf. Es grüsst Dich Deine Grossmutter Kristyna.» Von Neugier gepackt macht sich Malina auf, die Grossmutter zu suchen. Diese lebt allein und zurückgezogen in einem abgelegenen wunderschönen Haus mit herrlich duftendem Garten mitten im Wald. Ein schöner und geheimnisvoller Ort. Doch die Kristyna-Oma ist alles andere als eine «normale» Grossmutter. Sie ist eine vor Lebenskraft strotzende ältere Frau, die es faustdick hinter den Ohren hat. Sie ist ein klein wenig ausgeflippt und schert sich nicht darum, was andere von ihr denken. Sie nennt sich «Herstellerin und Vertreiberin von Tabakspezialmischungen». Malina macht ein paar Tage Urlaub bei ihr und lernt währenddessen die sonderbarsten Besucher kennen. Bei vielen Gesprächen, bei denen die Tabakspezialmischungen ausprobiert werden, eröffnet Kristyna Malina eine ganz andere Welt. Die Grossmutter hilft ihr ganz unkonventionell, die Wirklichkeit mit anderen Augen zu sehen, offen zu sein für neue Perspektiven. Dem österreichischen Autor Thomas Sautner ist es gelungen, eine amüsante Geschichte zu erzählen, der es nicht an Tiefgang mangelt. Er lässt

uns eintauchen in die fabelhafte Welt der Kristyna-Oma. Poetische Gedanken wechseln sich ab mit einfachem, manchmal auch etwas deftigem Humor. Er schreibt Sätze, bei denen Yvonne Wüthrich. man nicht weiss, soll man sie lang(Bilder zvg.) sam lesen und sich diese auf der Zunge zergehen lassen oder schnell weiterlesen, wie im Rausch, um dann nochmals von vorne beginnen zu können. Denn nach dem Ende des Buches würde man gerne noch weitere Geschichten von diesen beiden einmaligen Frauen lesen.

«Grossmutters Haus» von Thomas Sautner, Picus Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-7117-2076-4.

zwischen-ruf Tauben fliegen lassen am ökumenischen Pfingstfest in Mettmenstetten. (Bild zvg.) den. Sie nahmen die Begeisterung und die Wünsche nach Verständigung und Frieden der Anwesenden mit und verteilten sie in der Atmosphäre. Die Pfingstrosen sind die einzigen Rosen, die keine Dornen haben. Nach einer Legende soll Ruth, eine Anhängerin von Jesus, in ihrem Rosengarten geweint haben, als sie von der Kreuzigung Jesu erfuhr. Als ihr ein Jünger dann aber vom Pfingstfest berichtete, verschwanden alle Dornen (Waffen) an ihren Rosen. Die Begeisterung war auch erlebbar bei den Liedern des

Gospelchors Affoltern unter der Leitung von Annette Bodendörfer. Die Kollekte war bestimmt zur Förderung des Verständnisses und des Friedens zwischen Palästinensern und Juden, in dem Land, in dem der Pfingstgeist zum ersten Mal wehte. Nach dem Gottesdienst gab es statt der üblichen Gerstensuppe erstmals Kartoffel-, Rüebli- und grünen Salat mit Würsten. Gelebte Verständigung, gemeinsamer Einsatz für ein gutes Projekt und ein gemütliches Beisammensein. Paul Leuthold

Angst vor Polizei-Post Es war ein Montagmorgen, und ich war in Eile. Mit dem Auto. Kam von Deutschland und wollte um halb zehn in Bonstetten sein. Wegen meiner Pilates-Lektion. Doch jetzt vor den Schaffhausener Tunnels ein Stau. Gaanz laangsaaam rückte ich vor und dann sah ich es – auf der Gegenseite zwei stehende Autos. Ein Streifenwagen kam gerade angefahren, Polizisten stiegen aus und redeten mit einem Fahrer. Ich zuckelte weiter. Das erste Tunnel kam. Ich fuhr durch, das zweite kam, doch was war das: Rote Ampel! Soll ich überhaupt weiter berichten? Ich fuhr rechts ran, da war aber wenig Platz, eigentlich nur für mich. Zwei Autos überholten mich, der eine Fahrer sah zu mir rüber und zuckte mit den Schultern. Ich hinterher. Und kombinierte: Die sperrten den Tunnel für anfahrende Hilfsfahrzeuge, evtl. Abschleppwagen. Krankenwagen war unwahrscheinlich. Es war nur ein Auffahrunfall. Jedenfalls dachte ich im Weiterfahren (vor mir Autos, hinter mir Autos): «Die Warnung war frisch. So schnell kann gar keine Hilfe im Tunnel sein. Also ist er frei.» Ausserdem war ja die Gegenfahrbahn, um die es ging, frei. Kein Auto kam uns entgegen, und das war ja das Wichtigste. Wir störten im Prinzip nicht, aber Herrschaft nochmal, diese roten Ampeln störten schon. Ob ich doch halten sollte?

Furchtbare Blitze O Gott, was war das plötzlich?! Es kamen Blitze, ausgelöst von der linken und rechten Tunnelwand. Furchtbare

Blitze, wie Feuer! Da aber konnte ich erst recht nicht halten. Mitten im Blitz drin??? Ich gab Gas. Die paar Autos vor mir und hinter mir ebenfalls. Nur raus! Endlich Tageslicht. Aufatmen. Im Radio hiess es später, dieser Tunnel sei für eine halbe Stunde gesperrt worden.

Was liegt im Briefkasten? Nun das tägliche Zittern bei der Öffnung des Briefkastens. Die Angst vor einem Brief von der Schaffhauser Polizei. Die Angst vor einem Riesen-Strafzettel. Oder einer Verwarnung. Oder einer Vorladung. Ich bereute ja schon im Tunnel mein Verhalten. Rot heisst Stop – ist doch logisch. Und dass die vor mir und hinter mir durchfuhren, hätte mich nicht beeinflussen dürfen. Falsches darf man niemals nachmachen. Oh – ich bereue es bis heute. Gestern dann der Brief. Auf dem Umschlag ein fett gedrucktes Schaffhauser POLIZEI. Sofort öffnen oder später? Zuerst was trinken. Sich bzw. mich sammeln. Nach dem Gedanken: «Ich hab einen Fehler gemacht und steh dafür ein» nahm ich den Brieföffner zur Hand. Hä? Was stand da? Signalisierte Geschwindigkeit 80 km/h, gemessene Geschwindigkeit 86 km/h; Geschwindigkeitsüberschreitung nach Abzug der Toleranz: 1 km/h. Ein anderes Datum und ausserorts. He, ich hab gar nichts Schlimmes gemacht, ausser dass ich 1 km/h zu schnell gefahren bin … Noch nie hab ich eine Busse lieber bezahlt als diese! Ute Ruf

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