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Sport

Freitag, 7. Juni 2019

«Das Spiel in Luzern, als wir Meister wurden, ist natürlich unvergesslich» Wer sie waren, was sie wurden: Sigi Grétarsson liess seine Aktivkarriere in Affoltern ausklingen Er war Schweizer Meister mit dem FC Luzern und mit GC, später trainierte er den FC Affoltern. Im Interview blickt Sigi Grétarsson zurück auf seine Karriere und bietet Einblick in sein heutiges Leben.

Rolf Oberhänsli: Sigi Grétarsson, Trotz ungünstiger klimatischer Voraussetzungen bringt die windreiche Insel Island erstaunlich viele talentierte Fussballer hervor und gewann im Achtelfinal der EM 2016 sensationell gegen England. Wie erklären Sie sich diese Erfolge? Wir Isländer sind es gewohnt zu kämpfen, sei es gegen den starken Wind und das unwirtliche Wetter oder einfach durch das harte Leben und ich denke, das prägt uns im Sport allgemein. Durch viele Hallenfussballfelder, die in den letzten zehn Jahren gebaut worden sind, hat sich das Umfeld natürlich um einiges verbessert und den Fussball noch populärer gemacht. ...............................................................

«Unseren «Huh»–Ruf gab es zu meiner Aktivzeit noch nicht.» ............................................................... Den Fernsehzuschauern aller Welt bleibt der martialisch anmutende «Huh»-Schlachtruf mit ausgestrecktem Arm im Gedächtnis. Gabs den schon zu Ihrer Aktivzeit? Unser «Huh»–Ruf ist relativ neu und das hat die Fantruppe Tólfan, der Zwölfte Mann, erfunden und ausgeführt. Diesen Ruf gab es noch nicht, als ich mit der Nationalmannschaft spielte. Nun aber zu Ihrer beispielhaften Karriere: Nach ersten Auslanderfahrungen in Deutschland und Griechenland kamen Sie 1985 zum FC Luzern. Warum dieser Club? Friedel Rausch war damals in Griechenland mein Trainer und als er nach Luzern wechselte, wollte er mich unbedingt dort als Spieler haben und ich bin ihm gefolgt. Für mich und meine Familie war das eine wirklich gute Zeit. Friedel Rausch, Ihr Trainer beim FC Luzern, sagte über Sie: «Er gab keinen Ball verloren, manchmal musste ich ihn sogar bremsen.» Ich war sehr ehrgeizig und wollte immer unbedingt gewinnen. Welches war Ihre Lieblingsposition? Stürmer, denn ich war schnell und habe gerne Tore geschossen. Unter dem legendären Ottmar Hitzfeld wurden Sie 1991, nun mit den Grasshoppers, zum zweiten Mal Schweizer Meister. Er sagte über Sie: «Ein typischer Nordländer, gute Einstellung, starker Wille, pflegeleicht.» Würden Sie diese Einstellung teilen?

Grétarsson (links) nach dem Meistertitel mit dem FC Luzern ...

... und beim FC Affoltern (hinten, Zweiter von rechts). (zvg.)

Wie schon erwähnt, wir Isländer sind eher willensstark und ich bin ja auch ehrgeizig und ausgezeichnet mit dem Ottmar ausgekommen.

te einfach nicht widerstehen. Zumal es mir die Möglichkeit bot, auch wieder in Island zu leben nach 13 Jahren Abwesenheit.

An welche Spieler beim FC Luzern und bei den Grasshoppers erinnern Sie sich besonders? Es waren viele gute Spieler dabei und auch starke Charaktere. Ich treffe die ehemaligen Mitspieler von Luzern gerne, wenn ich in der Schweiz bin und habe letztes Jahr, zum Beispiel Hebi Baumann und auch Urs Schönenberger, genannt Longo, getroffen.

Wie verlief Ihre berufliche Karriere nach dem Rücktritt als Fussballer? Ich bin Elektriker von Beruf und als ich mich entschied, mit Fussball aufzuhören, konnte ich in die Elektrofirma meines Vaters einsteigen und inzwischen habe ich die Firma übernommen.

Welche Trainer haben Sie geprägt? Unter vielen guten Trainern, die ich dank meiner Karriere hatte, haben Friedel Rausch und Ottmar Hitzfeld mir am stärksten imponiert und am meisten beigebracht. An welche Spiele mit dem FC Luzern und den Grasshoppers erinnern Sie sich? Das Spiel in Luzern, als wir Meister wurden, ist natürlich unvergesslich. Wir spielten gegen Servette und die Stimmung war unfassbar. Bei GC haben wir dann im Hardturm gegen Sion 3:2 gewonnen und sind Meister geworden. Wirklich tolle Momente! Können Sie sich daran erinnern, wie viel Sie damals als Profi-Fussballer verdienten? Nein, ich habe es vergessen! Welches waren die denkwürdigsten Spiele mit der isländischen Nationalmannschaft? Damals wurden nicht so viele Spiele ausgetragen wie heute und jedes Länderspiel war wirklich besonders und eine Ehre. Meine letzten zwei Jahre mit der Nationalmannschaft war ich deren Kapitän und das hat mich besonders stolz gemacht. Nun zu Ihrer Zeit beim FC Affoltern: Warum haben Sie von den Grasshoppers zu diesem beschaulichen Landverein gewechselt? Ich musste meine Profikarriere wegen wiederholter Verletzungen, vor allem am Knie, beenden. Es ergab sich dann, dass ich Kontakt zum FCA hatte und so erhielt ich die Chance, die erste Mannschaft zu trainieren. Zu dieser Zeit machte ich eine Trainerausbildung und wohnte auch in der Nähe. Das war wirklich eine schöne Zeit mit einer guten Truppe!

Wie wirkte sich die Finanzkrise auf Ihr Berufsleben aus? Am Anfang war es recht schwierig, Aufträge zu erhalten, da man nicht mehr weiter wusste. Zum Glück hat meine Firma feste Aufgaben, die sichere Arbeit bringen, aber es war wirklich eine harte Zeit für uns alle. Fussballer, die sich besonders stark und männlich fühlen, sagen manchmal: «Fussball ist kein Ponyhof!» Seit 2011 bieten Sie mit Ihrem Geschäftspartner Trips für Islandponys an. Stimmt diese Aussage für Sie? (Schmunzelt.) Nun, es gibt ja viele Redensarten. Fussball ist gleich schwer oder leicht für Männer wie Frauen. Spielten Sie nie mit dem Gedanken, sich um ein Amt im Fussball zu bemühen, um Ihre reiche Erfahrung einzubringen? Im Grunde nicht, ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere als Spieler und auch als Trainer. Ich bin aber auch sehr zufrieden mit meinem jetzigen Job. ...............................................................

«Als eine der zehn besten Nationen sollte sich die Schweiz besser verkaufen bei grossen Turnieren.» ............................................................... Sicher verfolgen Sie weiterhin das weltweite Fussballgeschehen. Wie schätzen Sie die gegenwärtige Leistungsstärke der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ein? Ja, natürlich verfolge ich den internationalen Fussball. Die Schweizer sind ohne Zweifel eine der zehn besten Nationen nach der Weltrangliste. Doch meiner Meinung nach sollten sie sich bei grossen Turnieren besser verkaufen.

gewisse Gelassenheit muss sein und gehört zu einem glücklichen Leben. Noch immer sprechen Sie fliessend Hochdeutsch und Ihre Frau redet sogar Mundart. Wie ist es Ihnen gelungen, diese Sprache weiterhin so gut zu beherrschen? Ich denke, wir haben es einfach gut gelernt. Damals gab es ja kein Übersetzungsprogramm im Internet. Es waren ja nicht viele in der Schweiz, die Isländisch sprachen, deshalb mussten wir uns anpassen. Wir haben immer noch gute Freunde in der Schweiz, die wir regelmässig sehen und mit denen wir sprechen, wahrscheinlich bleibt uns die Fremdsprache deswegen immer noch im Gedächtnis. Inzwischen wohnen Sie in einem Haus in der Agglomeration von Reykjavik mit Blick auf ein Naturschutzgebiet, auf einen blauen See, auf dunkle Bergzüge. Einst galten Sie als die «Rakete», heute durchziehen Sie eher gemächlich – hoch zu Ross – die Gegend. Gibt es Dinge oder Eigenschaften aus der Schweiz, welche Sie vermissen oder umgekehrt, was könnten die Schweizer von den Isländern übernehmen? Es gibt immer Dinge, die man vermissen kann. Die Schweizer haben zum Beispiel grossartige Landschaften mit Bergen, wo man im Winter Skifahren und Seen, in denen man im Sommer baden kann. Hier in Island haben wir weniger starke klimatische Saisonschwankungen. Unterschiede zeigen sich in den Essgewohnheiten. In der Schweiz haben wir das gute isländische Lammfleisch vermisst und den frischen Fisch und jetzt fehlen uns der Schweizer Käse und saisonale Speisen wie Wild oder Spargel. Aber wir sind sehr glücklich darüber, viele nette Leute kennengelernt zu haben und haben immer noch gute Freunde in der Schweiz.

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Interview: Rolf Oberhänsli

Karriere in Zahlen: Geburtsdatum:

2. Mai 1962

Grösse:

182 cm

Stationen als Spieler: 1980: Bredablik Kopavogur, 34 Spiele, 24 Tore 1980-1981: FC 08 Homburg, 17 (0)

Thomas Naef

1981-1983: Bredablik Kopavogur, 40 (21)

Generalagentur Affoltern am Albis Generalagent

1983-1984: Tennis Borussia Berlin, ?

Welches war die sportliche Bilanz? Wir erreichten Platz zwei in der 2. Liga. Das waren wirklich gute Jungs! Haben Sie heute noch Kontakt mit Spielern oder Funktionären des FCA? Nein, leider viel zu wenig. Vor ein paar Jahren traf ich Tony Meyer, den damaligen Präsidenten. Weshalb kehrten Sie anschliessend nach Island zurück? Ich erhielt ein Angebot, um einen Spitzenverein zu trainieren und konn-

Spielen Sie heute noch gelegentlich Fussball? Nein, mein Knie erlaubt es einfach nicht. Ich habe noch eine gewisse Zeit bei den Veteranen gespielt, aber seit einiger Zeit nicht mehr.

1984-1985: Iraklis Thessaloniki, 26 (10) 1985-1990: FC Luzern, 123 (46) 1990-1993: Grasshoppers, 65 (5) 1993-1995: FC Affoltern, ? 1996-1997: Valur Reykjavik, 11 (2) 1998-2000: Bredablik Kopavogur, 31 (4)

Eine isländische Redensart lautet: «Das wird sich von alleine lösen» und spielt auf eine gewisse Gelassenheit des Isländers an. Trifft das auch auf Ihren Charakter zu? Ja, die Redensart lautet eigentlich: «Es wird schon wieder». Dass Probleme sich von alleine lösen, ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ja, eine

Länderspiele für Island, 1980-1992: 46 (8)

Stationen als Trainer: 1993-1995: FC Affoltern a.A. 1996-1997: Valur Reykjavik 1998-2001: Bredablik Kopavogur

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Island, eine parlamentarische Republik, zwischen Grönland und Grossbritannien und weit nördlich vom einstigen Mutterland Dänemark gelegen, ist zwar flächenmässig beinahe dreimal grösser als die Schweiz, zählt aber nur etwa 350 000 Einwohner (Schweiz: ca. 8,42 Millionen). Umso erstaunlicher sind die sportlichen Erfolge dieses Inselstaates sowohl im Handball wie auch neuerdings im Fussball. Einer der ersten isländischen Fussballer, die auf dem europäischen Festland als Fussball-Legionäre ihr Geld verdienten, war Sigi Grétarsson. Nach zwei Schweizer Meistertiteln mit dem FC Luzern und den Grasshoppers liess er von 1993 bis 1995 seine Karriere beim FC Affoltern ausklingen, ehe er in seine Heimat zurückkehrte.

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