Page 15

Forum

Freitag, 11. Mai 2012

15

Oase Bibelaas in einer sehr speziellen Reusslandschaft «Eindrücklich, wie Natur und Industriegeschichte zusammenhängen», «Anzeiger» vom 8. Mai. Einen spannenden und interessanten Morgen schenkten uns die Baudirektion des Kantons Zürich und die Gemeinde Ottenbach. Sehr lehrreich und eindrücklich waren die Erläuterungen der Fachleute zum Streichwehr, zum Museumskraftwerk und zum Naturschutzgebiet Bibelaas. Der «Anzeiger» hat darüber berichtet, aber leider hauptsächlich über das Wehr und das Kraftwerk und nicht über die Erläuterungen zum Naturschutzgebiet. Besonders die flammende Rede von Regierungspräsident Markus Kägi blieb mir wohltuend in Erinnerung. So sprach er davon, dass dieses ganze Gebiet um diese wunderbare Reusslandschaft einmalig sei im Kanton Zürich. Zum Kraftwerkmuseum berichtete er interessante geschichtliche Details zur Industriegeschichte von Ottenbach. Vor allem aber betonte er,

wie diese Gegend geprägt ist durch eine Harmonie von Industriegeschichte, Natur- und Kulturlandschaft, sowie Denkmal- und Heimatschutz, wie sie sonst im Kanton nirgends zu finden sei. Nur zieht er daraus, bezüglich Autobahnzubringer andere Schlussfolgerungen wie ich. Eine solche Gegend muss unbedingt intakt und unzerstört erhalten bleiben. Genauso wie ich voll Ehrfurcht und Dankbarkeit den Vorfahren gegenüber bin, dass sie so eine Oase geschaffen und erhalten haben, sollen die heutigen und künftigen Kinder solche Führungen in einer intakten Reusslandschaft aus allernächster Nähe miterleben dürfen. An den drei Posten (Streichwehr mit Einlaufbauwerk, Museumskraftwerk mit Turbine, Naturschutzgebiet Bibelaas) wurden wir über die Besonderheiten dieser einzigartigen Umgebung informiert. Zusammen mit 2 Mitarbeiterinnen von der Fachstelle Naturschutz, weihte uns Hanspeter

Tschanz in die vielen Geheimnisse des Rieds vor unserer Haustüre ein. Sie hatten zum Vergleich ca. je einen ½ m² gewöhnliche Wiese und Ried ausgestochen. Besonders sei, dass die Überschwemmung mit Sand und Kies im Jahre 2005 praktisch nicht mehr erkennbar ist. Offenbar sind die Pflanzen durch den Sand gewachsen und das Ried im Zustand von vorher angelangt. Das Moor hat sich von den Überflutungen und Sandablagerungen erholt. Stolz zeigte uns der Naturberater zwei Halme von kommenden Lilien, Blätter von speziellen Herbstzeitlosen, Gräser und viele andere Blumenarten, welche nur in Feuchtgebieten wachsen können. Wir konnten einen Laubfrosch und eine winzig kleine, in Riedwiesen anwesende Sumpfgrille sehen. Während wir noch über viele andere Tierarten in diesem Gebiet informiert wurden, kreiste über unseren Köpfen einer der hier heimischen Raubvögel, ein roter Milan. Die anwesenden Kinder lernten spielerisch und durften

Noch Fragen zum A4-Zubringer? Einige Fragen bleiben offen, Leserbrief von Christian Moser im «Anzeiger» vom 24. April. Nach dem ausführlichen Interview von Baudirektor Markus Kägi im «Anzeiger» nimmt Christian Moser von Pro Amt Ende April Bezug darauf und kritisiert, man habe nichts Neues erfahren und auf ungelöste Fragen sei man die Antwort schuldig geblieben. Eine erste solche Frage war, warum der Kanton Zürich eine Autobahnzufahrt finanziere, die nur für den Kanton Aargau von Nutzen sei. Diese Unterstellung ist zynisch. Hauptzweck und Sinn der Umfahrung ist ja wohl, die Dörfer Ottenbach und Obfelden und die Anwohner an den Hauptstrassen vom Durchgangsverkehr zu entlasten, die Schulwege sicherer zu machen und die Möglichkeit zu schaffen, anschliessend den Verkehr in den Dörfern mit gezielten baulichen Massnahmen zu reduzieren. So wie das nach Eröffnung der A4 erfolgreich in Birmensdorf und gegenwärtig in Hedingen, Affoltern und Mettmenstetten geschieht. Die durchaus gewollte Kanalisierung des Autoverkehrs aus dem Freiamt zum Anschluss Affoltern war immer mit dem Versprechen verbunden, dafür die Umfahrung von Ottenbach und Obfelden zu bauen und eben diese regionale Bedeutung führte zur nicht selbstverständlichen Zusage des Bundes, dafür 25 Millionen beizusteu-

anzeige

ern. Ohne Zubringer werden die Automobilisten aus dem Freiamt mangels anderer Möglichkeit weiterhin und immer zahlreicher durch unsere Dörfer fahren, der Bund wird die 25 Millionen anderweitig verbauen und für den Kanton Zürich ist das Thema für viele Jahre vom Tisch. Es steht also sehr viel auf dem Spiel. Eine weitere Frage war, warum man auf den Hauptstrassen in Ottenbach und Obfelden nicht schon heute Tempo 30 signalisieren könne, sondern erst nach dem Bau des Zubringers. Auch dazu gibt es klare Antworten und Beschlüsse des Regierungsrates, die Pro Amt wohl bekannt sein dürften. Sie lauten so: Hauptverkehrsstrassen nach kantonalem Richtplan dienen vor allem dem Durchgangsverkehr. Die Einrichtung von Tempo 30-Zonen auf diesen Strassen widerspricht deshalb grundsätzlich der Praxis des Kantons. Auch aus planerischer Sicht ist diese Massnahme nicht sinnvoll, weil damit keine Unterschiede bezüglich der Fahrzeit zwischen den verschiedenen Strassenhierarchien mehr bestehen und dadurch Umwegfahrten durch Quartierstrassen gefördert werden. Im Kanton Zürich gibt es nur in vier Dörfern Ausnahmen, darunter Aeugst. Der Grund: In diesen Fällen handelt es sich um kurze, schwach befahrene Strassenabschnitte, die in Tempo 30-Zonen eingebettet sind und durch einen engen Dorfkern führen. In Obfelden und Ottenbach sind diese

Voraussetzungen nach Aussagen der Kantonspolizei eindeutig nicht gegeben. Das Fazit ist klar: Die Einführung von Tempo 30-Zonen auf Hauptstrassen in Obfelden und Ottenbach ist erst möglich, wenn eine taugliche Umfahrungsroute – im Klartext der Zubringer – gebaut ist. Und eben nicht umgekehrt. In der dicht besiedelten Agglomeration von Zürich geht es beim Bau von Verkehrswegen nicht ohne Kompromisse nach dem Grundsatz: «So viel Strasse wie nötig – so viel Anwohner- und Landschaftsschutz wie möglich». Das vom Kantonsrat genehmigte Zubringer-Projekt trägt diesem Grundsatz Rechnung. Bei Bickwil wurde auf die Umfahrung zugunsten des Landschaftsschutzes verzichtet, in Ottenbach hingegen braucht es die Umfahrung, weil es nicht zumutbar ist, den Verkehr durchs Dorf zu führen. Dazu müssen ein paar hundert Meter neue Strasse erstellt werden, wohlverstanden nicht durch Naturschutzgebiet. Im Gegenzug ist vorgesehen, zwei Millionen dafür aufzuwenden, dass Parkplätze abgebaut und wieder in Moorgebiete und Weiher zurückverwandelt werden. Übers Ganze gesehen ein faires und ausgewogenes Projekt, das Anwohner und Schulkinder schützt und eine Verkehrsberuhigung in Obfelden und Ottenbach erst möglich macht. Schade, wenn die Chance nicht genutzt würde. Rolf Hegetschweiler, Ottenbach

verschiedene Tierbilder den entsprechenden Larven zuordnen. Aber die Krönung war, als Herr Tschanz uns plötzlich aufforderte ruhig zu sein und zu horchen; es sei eine absolute Seltenheit, dieses besondere Gezwitscher zu hören, weil diese Vögel nur wenige Tage hier verweilen und dann weiterfliegen würden. Es war eine Nachtigall, die mehrmals für uns sang ... Er war sichtlich gerührt, dass er uns dieses kleine Wunder just bei seinen Ausführungen präsentieren konnte. Herr Tschanz zeigte uns auch ausführlich, wie dieses Moor gepflegt werden muss, anhand von «Riedstroh», damit es nicht vergandet. Weiter führte er aus, dass dieses Gebiet hochsensibel sei und es deshalb normalerweise auch nicht betreten werden darf. Heute aber war die grosse Ausnahme. Obwohl ich diese Gegend täglich, teilweise auch mit dem Feldstecher beobachte, habe ich viel Neues und Spannendes dazugelernt und erfahren. Dieses ganze zusammenhän-

gende und in sich geschlossene Ökosystem, einesteils mit den besonderen Bauten und dem Streichwehr als historische Zeugen von heimischer Industriegeschichte, anderenteils mit einer Strasse zu zerschneiden kommt mir einem Verbrechen an dieser wunderbaren Naturlandschaft und unserer Geschichte gleich. Es würde unwiderruflich und für immer zerstört. Im uns ausgeteilten Prospekt «Die Reussebene, Landschaft von nationaler Bedeutung» und auf der Landeskarte, welche sie uns vor Ort zeigten, wird deutlich, dass dieses Gebiet Teil eines grünen Korridors auf einer Länge von Unterlunkhofen bis Maschwanden ist. Und dort, wo der Zubringer von der Fabrik Haas abzweigt, war die Karte gelb eingefärbt. Und gelb steht für Landschaftsschutz. Wollen wir diesen Teil einer äusserst vielfältigen Auen- und Riedlandschaft des Reusstals sowie eine einmalige Attraktion von Ottenbach für einen Autobahnzubringer opfern? Regula Ochsner, Ottenbach

Warum so falsche Aussagen? Flugblatt zur Gemeindeversammlung in Obfelden. Dieser Tage wurde an die Haushaltungen in Obfelden ein Flugblatt verteilt mit Inhalten gegen die Initiative für eine sinnvolle Gestaltung des Postareals. Unter dem Titel: «Wie wenig sind denn 400 Quadratmeter?», wird dann eine Behauptung in den Raum gestellt, welche berichtigt werden muss. Dorfmärt und Landimärt zusammen haben eine Verkaufsfläche von rund 2000 m² also müsste das kleine Viereck einen Fünftel des Flyers ausmachen. Mit einem Verhältnis von 1 zu 13,5 ist das Viereck aber fast drei Mal zu klein gezeichnet! Entweder die anonymen Verfasser haben falsch gerechnet, oder man will die Bevölkerung bewusst irreführen. Warum? Warum wird überhaupt der Landimärt als Vergleich hinzugezogen? Die Migros möchte einen «Ortsversorgungsladen für Güter des täglichen Bedarfs» bauen

und noch zwei bis drei kleine Läden dazu. Das würde etwa 1500 m² neue Verkaufsfläche nach Obfelden bringen. Diese Zahl könnte man auf dem Flugblatt vergleichen mit den 1700 m2, welche heute für Güter des täglichen Bedarfs in Obfelden bestehen, in den zwei Bäckereien, zwei Metzgereien, Dorfmärt und Coop. Also fast eine Verdoppelung. Brauchen wir das? Diese Frage müssen wir uns stellen und jede(r) für sich beantworten. Ich freue mich auf inhaltliche Diskussionen über die Gestaltung des Postareals. Das ist ja das Ziel der Initiative: Dass sich Gemeinderat und Bevölkerung von Obfelden überlegen, was da entstehen soll, bevor die Bagger auffahren und mehr als die Hälfte des Areals für ein kleines Einkaufscenter verbrauchen! Aber bitte eine Diskussion mit Argumenten und nicht mit falschen Aussagen. Hansjörg Schneebeli, Obfelden

Ein Bauer ist ein Bauer... ...weil er bauert. Wenn ein Bauer sein Land für einen Golfplatz verpachtet, so ist er kein Bauer mehr, weil er kein Land mehr hat, zum Bauern. Und der Bauer, der noch bauern möchte, hat kein Land mehr zum Pachten und

kann auch nicht mehr bauern. Deshalb, für die Bauern: Nein zum Golfplatz! Hans Läubli, Kantonsrat Grüne, Affoltern

037_2012  

-- - Die Mitgliederversammlung stand unter dem Motto «Die Tür- lerseeschutzverordnung 2015+» und wurde von zwei Spezialisten mit Kurzreferat...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you