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Bezirk Affoltern

Dienstag, 17. April 2012

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«Eine Variante ohne Umfahrung Ottenbach wäre eine Verschlechterung» Der Zürcher Baudirektor Markus Kägi im Interview zum Autobahnzubringerprojekt Ottenbach–Obfelden wird immer wieder behauptet, der Zubringer zerstöre in Ottenbach ein Moorgebiet von nationaler Bedeutung. Befürworter sagen, das Gegenteil sei richtig. Mit umfangreichen Massnahmen wird das Gebiet naturschutzmässig aufgewertet und von gegen 100 Parkplätzen befreit. Können Sie diese Aufwertungsmassnahmen bestätigen und betragsmässig beziffern? Betragsmässig kann ich das noch nicht beziffern. Die ökologischen Aufwertungsmassnahmen müssen die mit dem Projekt verursachten Beeinträchtigungen ersetzen. Die Aufwertungsmassnahmen werden mit der Detailprojektierung ausgearbeitet.

................................................... von werner schneiter Wird die Autobahn-Zubringervorlage vom Zürcher Volk an der Urne abgelehnt, sind in Ottenbach und Obfelden höchstens punktuelle Verbesserungen möglich. Die flankierenden Übergangsmassnahmen würden definitiv. Und auch der zugesicherte Bundesbeitrag von 25 Mio. Franken wäre in diesem Fall «mehr als fraglich». Im Interview mit dem «Anzeiger» macht der Zürcher Baudirektor Markus Kägi (SVP) klar, dass das jetzige Autobahnzubringerprojekt die beste aller bisher geprüften Varianten darstellt. «Eine Variante ohne Umfahrung Ottenbach wäre eine Verschlechterung», hält er fest und hofft, dass das Zürcher Volk – voraussichtlich am 23. September 2012 – das Zubringerprojekt mit einem Nein zum Referendum befürwortet. Anzeiger: Herr Regierungsrat Kägi, Regierungsrat und Kantonsrat unterstützen den Bau des A4-Zubringers und den Kredit des Kantons Zürich von rund 40 Mio. Franken. Sie betrachten diesen Betrag als integrierenden Bestandteil der Auffahrt Affoltern, der auch im Umweltverträglichkeitsbericht aufgeführt ist. Teilen Sie diese Auffassung? Markus Kägi, Baudirektor: Selbstverständlich. Die Umfahrung Obfelden-Ottenbach war schon immer als A4-Zubringer im Gesamtprojekt der Autobahn durchs Säuliamt enthalten. Wir betrachten ihn deshalb als Bestandteil der Auffahrt von Affoltern. Ausserdem ist die Umfahrung Obfelden–Ottenbach im Richtplan eingetragen. ...............................................................

Ohne Umfahrung Ottenbach müsste man auf den Ausbau der Muristrasse in Bickwil verzichten ............................................................... Die Gegner der Vorlage wollen die Umfahrung Ottenbach verhindern. Dadurch wird die ganze Vorlage, also auch Massnahmen in Obfelden, bekämpft. Bei einer Ablehnung durch das Zürcher Volk ist die gesamte Vorlage vom Tisch. Wird die Baudirektion von sich aus einen neuen Anlauf nehmen oder werden dann andere Umfahrungsprojekte realisiert? Das würde primär die Volkswirtschaftsdirektion betreffen. Sie ist ja für die strategische Verkehrsplanung zuständig. Wird die Vorlage verworfen, so wird das Amt für Verkehr sicher prüfen, wie die Verkehrsführung verbessert werden kann. Die heute installierten flankierenden Übergangsmassnahmen würden definitiv. Sicher ist, dass die heutigen Siedlungsgebiete den stark wachsenden Verkehr ertragen müssten. Ohne Umfahrung Ottenbach müsste man auf den Ausbau der Muristrasse in Bickwil-Obfelden verzichten. So könnten nur punktuelle Verbesserungen des Verkehrsflusses ins Auge gefasst werden, die möglichst siedlungsverträglich umzusetzen wären. Das gäbe dann eine neue Vorlage? Ja, und als Kantonsstrasse müsste diese Achse die notwendigen Kapazitäten aufweisen. Wann findet die Abstimmung zu diesem Kantonsratsreferendum statt – noch in diesem Jahr? Wird sich der Regierungsrat im Wahlkampf dazu äussern und bei seiner Empfehlung bleiben? Es ist geplant, dass die Vorlage am 23. September 2012 vors Zürcher Volk

Der Bund anerkennt die übergeordnete Planung des Zubringers zum Anschluss Affoltern und ist bereit, einen hohen einmaligen Beitrag von 25 Mio. Franken daran zu leisten. Es wurde immer betont, dass dieser Beitrag im Zusammenhang mit der Eröffnung der A4 durch das Knonauer Amt stehen müsse. Gehen Sie davon aus, dass bei einem Volks-Nein dieser Bundesbeitrag nicht mehr geleistet wird? .................................................................

Bei einem Nein verfällt der Bundesbeitrag höchstwahrscheinlich Baudirektor Markus Kägi: «Umfahrungen leisten einen Beitrag, die Dörfer zu entlasten. (Bild Werner Schneiter) kommt. Der Regierungsrat wird im Mai an einer Sitzung darüber befinden. Er wird sicher nicht von seiner Empfehlung abweichen, diesem Projekt zuzustimmen! Werden Sie sich als Baudirektor vor der Abstimmung öffentlich persönlich gegen die Ablehnung des Referendums stark machen? Der Regierungsrat gibt ja eine Abstimmungsempfehlung heraus. Wenn mich die Medien um eine Stellungnahme anfragen, werde ich mit natürlich für diese Vorlage aussprechen. Ich werde mich aber nicht in den Abstimmungskampf einmischen, das dürfen einzelne Regierungsräte ja gar nicht. Würden Sie die Ehrenbürgerschaft von Ottenbach und Obfelden annehmen, wenn die Autobahnzubringer-Vorlage vom Zürcher Stimmvolk unterstützt würde? (Lacht). Nein, denn an diesem Projekt haben sehr viele Leute mitgearbeitet. Es wäre falsch, wenn nun deswegen dem Baudirektor die Ehrenbürgerschaft zuteilwürde. Ich bin überzeugt, dass die Zürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger erkennen, dass diese Vorlage eine sinnvolle Investition in die Verkehrsinfrastruktur unseres Kantons ist.

Können Sie bestätigen, dass bei allen Planfestlegungen der letzten 20 Jahre immer davon ausgegangen wurde, dass der Bau des Zubringers möglich ist? Ich bin erst im Jahr 2007, nach meiner Wahl zum Regierungsrat, in dieses Projekt eingestiegen, dessen Ursprünge ja viel weiter zurückliegen. Fakt ist, dass das Flachmoor in Ottenbach nur am Rand tangiert wird. Sie wissen ja, dass die Umfahrung im Bereich der Fabrik Haas über eine alte Scheune und über den bestehenden Parkplatz des Fabrikareals führt. Ich habe die Situation in Ottenbach mehrmals begutachtet. Der Parkplatz wird ja aufgehoben. Die Gemeinde hat vis-à-vis der ehemaligen Fabrik eine Liegenschaft gekauft und damit Realersatz geschaffen. So ist es. In der öffentlichen Auseinandersetzung

................................................................. Es ist klar, dass solche Bundesmittel für die Nationalstrassen-Netzvollendung nicht unbeschränkt und unendlich zur Verfügung stehen. Ich glaube auch nicht, dass bei einem Nein zur Umfahrung eine neue Vorlage innert kurzer Zeit auf den Tisch käme. Deshalb ist es mehr als fraglich, dass der Bund in ferner Zukunft noch Mittel zur Verfügung stellen würde. In den betroffenen Gemeinden und bei der Planungsgruppe Knonaueramt geht man davon aus, dass die Variante der Gegner – keine Umfahrung Ottenbach und eine Verkehrsführung über Merenschwand – im Kantonsrat nicht mehrheitsfähig wäre. Ist die Baudirektion überzeugt, dass jede Abweichung vom genehmigten Projekt eine Verschlechterung bedeuten würde? Es ist klar: Eine Variante ohne Umfahrung Ottenbach bedeutet eine Verschlechterung. Die Gegner betreiben Schwarz-Peter-Spiel...

ja

eine

Art

Die Autofahrer aus dem Aargau werden den kürzesten Weg wählen. Und der führt über Birri–Ottenbach. Der Kanton Aargau hat ja auch deutlich gemacht, dass er nicht bereit ist, von der direktesten Linie Muri–Birri–Ottenbach– Affoltern abzuweichen. Der Kanton Zürich wird bei den Aargauern wohl kaum abweichende Forderungen durchsetzen können. Die Linienführung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau und allen betroffenen Gemeinden festgelegt worden. Der Kanton Aargau hat immer die Linienführung Muri– Birri–Ottenbach priorisiert. Es ist schon so: Der Kanton Zürich kann beim Kanton Aargau keine Forderungen bezüglich Strassenführung durchsetzen. Zwischen den beiden Kantonen besteht ein Konsens. Wagen Sie eine Prognose, wie die Abstimmung – voraussichtlich am 23. September 2012 – ausgehen wird. Umfahrungen wurden ja immer wieder abgelehnt, auch jene in Eglisau. Ja gut, aber Eglisau liegt schon über 30 Jahre zurück – das war eine andere Geschichte. Letztlich geht es darum, dass die Leute in ihren Dörfern vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Der Zubringer zur Autobahn ist ja sozusagen eine flankierende Massnahme, die von den betroffenen Dörfern erkämpft wurde. Ich hoffe, dass die Stimmberechtigten die guten Argumente im Kantonsrat richtig werten und dem Projekt zustimmen werden. Aber die anderen knapp 160 Gemeinden im Kanton, die ausserhalb des Knonauer Amtes liegen, müssen überzeugt werden. Versteht die Andelfinger Bevölkerung die Wünsche und Bedürfnisse im Säuliamt? Ich glaube schon, denn es gibt generell immer mehr Verkehr. In den letzten 20 Jahren hat die Anzahl Motorfahrzeuge im Kanton Zürich um 36 Prozent zugenommen. Das entspricht über 10 000 Fahrzeugen mehr pro Jahr! Dadurch sind die Dörfer stärker belastet. Aber die Leute wollen «Ruhe» und möglichst wenig Verkehr. Hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Umfahrungen können jedoch einen Beitrag leisten, die Dörfer zu entlasten. Nichts machen bedeutet Status quo – und noch mehr Verkehr durch die Gemeinden.

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Nun liegt die beste Variante auf dem Tisch ............................................................... Der Landerwerb für den Zubringer erfolgte bereits vor etwa 30 Jahren. Im Grundsatz war die Strasse nie umstritten; Ottenbach sprach sich vor Jahren in einer Konsultativabstimmung deutlich für die Umfahrung aus. In einem zehnjährigen aufwändigen Optimierungsprozess wurde aus neun Varianten die beste ausgewählt und weiter optimiert. Können Sie sich vorstellen, dass bei Ablehnung der Vorlage eine andere Variante dem Kantonsrat innert kurzer Zeit vorgelegt würde? Wir haben ja diverse Varianten geprüft – nach meiner Auffassung liegt nun die beste auf dem Tisch. Die Gegner der Vorlage monieren immer noch, das Flachmoor in Ottenbach werde vom Zubringer beeinträchtigt, obschon er eindeutig ausserhalb des Moors verläuft.

Legende:

Grenze Moorvegetation Moorgrenze gem ss nationalem Inventar Zonengrenze IA gem ss kantonaler SVO projektspezifische Tabuzone Moorschutz geplante Umfahrungsstrasse

Umfahrung Ottenbach, Teilbereich Bibelaas: Übersicht mit Grenzen der Schutzgebiete. Die Umfahrung tangiert das Flachmoor nicht. (Aus dem Dokument «Netzstrategie Knonauer Amt»)

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