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Bezirk Affoltern

Freitag, 8. April 2016

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Die kleinen Grossgrundbesitzer Auch im Säuliamt hat die Saison der Schreber- und Hobbygärtner begonnen Kleingärten haben eine lange Tradition und gelten besonders in der heutigen hektischen Zeit als wichtige Erholungsräume. Auch im Säuliamt findet man Schrebergärten, und in den Dörfern werden viele Kleingärten liebevoll gepflegt. Sobald die Temperaturen es zulassen, wird umgestochen, gedüngt und gepflanzt. ................................................... von martin mullis Die Geschichte um die Entstehung der Familiengärten ist umstritten. Klar ist, dass der Leipziger Arzt Moritz Schreber Namensgeber der Familienund Hobbygärten ist. Sicher ist auch, dass selbst heutzutage, wo die Erdbeeren aus Peru, die Bohnen aus Ägypten und die Tomaten aus Spanien stammen und das ganze Jahr über erhältlich sind, Gemüse- und Früchteanbau im eigenen Garten sehr beliebt sind. Vor allem auch junge Leute entdecken Gärtnern als Hobby, und für viele Familien mit Kindern ist ein «Pflanzplätz» mit einem Grill die pure Idylle. Das Hantieren mit der Stechgabel, dem Rechen und dem Gartenschlauch bedeutet Freude am Umgang mit der und in der Natur. Für nicht Wenige gilt die Gartenarbeit zugleich auch als Stressabbau. Walter Schaffner, Präsident des Verbandes Schweizer Familiengärten, weiss, dass die «Pünten» sich grosser Beliebtheit erfreuen. Es

gäbe schweizweit an vielen Orten lange Wartelisten, auch der Altersdurchschnitt der Hobby-Gärtner sei in den letzten Jahren deutlich gesunken, hält Schaffner fest. Galten früher Schrebergärten noch als ein wertvoller Beitrag zur Selbstversorgung, hat dies heute jedoch kaum mehr Bedeutung. Gewichtet wird einzig noch der Trend, eigenes ökologisches Gemüse zu ziehen und damit der Umwelt und der eigenen Gesundheit einen Gefallen zu tun.

Lange Wartelisten bis eine Gartenparzelle frei wird Im Säuliamt stellen einige Gemeinden Schrebergärten zur Verfügung. So bietet die Gemeinde Mettmenstetten auf zwei Arealen rund 3000 Quadratmeter Gartenfläche an. Auch in Wettswil wird auf 41 Garteneinheiten mit je rund 100 Quadratmetern Gemüse angepflanzt. Im Bezirkshauptort bietet der Verein Familiengärten auf 7400 Quadratmetern Fläche den Gartenliebhabern die Möglichkeit, ihr grünes Hobby zu pflegen. Präsident Daniel Hasler hält fest, dass eine lange Warteliste bestehe und es bis zu zwei Jahre dauern kann, bis Interessierte tatsächlich eine Parzelle zugeteilt bekämen. In Hedingen wiederum können Mitarbeiter und Pensionierte der Firma Schweizer Metallbau auf 32 Parzellen Gartenbau betreiben. Auch in Hedingen sind die Gärten überaus beliebt. Für Interessenten besteht eine Warteliste. Wer durch die Dörfer im Knonauer Amt spaziert, stellt fest, dass

nicht nur bei den Bauernhäusern, sondern auch bei vielen Einfamilienhäusern liebevoll gepflegte Gemüsegärten zu finden sind.

Gartenarbeit als willkommene Abwechslung Am sonnigen Dienstagmorgen sind denn auch in den «Pünten» einige der Hobbygärtner fleissig mit Rechen und Stechgabel beschäftigt. Ein würziger Duft von Basilikum, Schnittlauch und Thymian weist den Weg zu den meist bereits schon sauber gerechten Beeten beim Familiengar- Ein gepflegter Garten ist ihnen wichtig: Trudi und Willi Stooss aus Mettmenstetten. (Bild Martin Mullis) ten in Mettmenstetten. Giovandomenico Masdea, ist seinem fröhlichen italienisch-deut- Blumenrabatten und kleineren Obstseit zwölf Jahren Pächter zweier Par- schen Dialekt, dass er bereits als Kind bäumen hält sie die Arbeit im Garten zellen im Schrebergarten der Gemein- immer gerne im Garten gearbeitet ganz schön auf Trab. de. Der pensionierte Kranführer häm- habe. Angepflanzt haben die Stoossens mert an einem Dachlattengestell, welIn ihrem privaten und gut 500 bereits Salat, Kohlrabi und Kefen. Für ches vermutlich einmal als improvi- Quadratmeter grossen Garten ist auch den ehemaligen Mitarbeiter des Werksiertes Treibhaus dienen soll. Zwiebeln das Ehepaar Trudi und Willi Stooss dienstes sind Arbeiten im Freien ganz und Kartoffeln habe er bereits ge- mit Gartenarbeiten beschäftigt. Das und gar keine Last. Auch seine Frau pflanzt, meint der Rentner und er Rentnerpaar besitzt in Mettmenstet- nennt das Gärtnern eine erholsame zeigt stolz auf die Gartenbeete. Er ten ein Einfamilienhaus mit ziemlich und willkommene Abwechslung im lacht dabei freundlich und erklärt in viel Umschwung. Zusammen mit den Alltag.

«Mit vollem Bauch schläft es sich besser» Am 5. April stellte der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Aeugst sein Buch «Saftige Lügen» in der Buchhandlung Scheidegger in Affoltern am Albis vor. Folgende landläufig bekannten Ernäh- H. R. Fischer. rungsregeln, Modelle oder Aussagen stellt er mit seinem medizinischen Gesundheits- und Ernährungskonzept «Tremonte» auf den Kopf:

Lebensmittelpyramide «In den letzten 20 Jahren beruhten die meisten Ernährungsempfehlungen darauf. Danach sollen 60 bis 70 Prozent der benötigten Energie in Form anzeige

von Kohlenhydraten eingenommen werden. Der hohe Kohlenhydrat- bzw. Zuckeranteil ist aber einer der drei Hauptgründe für Übergewicht und seine Folgekrankheiten. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Zuckeranteil in der Nahrung wesentlich geringer. Fruchtzucker wird heute 30 Mal mehr konsumiert als vor 50 Jahren. Laut einem kürzlich erschienen Zeitungsbericht hat Nestlé beschlossen, den Zuckergehalt in ihren Lebensmitteln um 30 Prozent zu senken – bestimmt nicht ganz freiwillig.»

Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König, Abendessen wie ein Bettler «Die oft gehörte Empfehlung, 40 Prozent der Nahrungsenergie am Morgen einzunehmen, soll durch Ansteigen

des Blutzuckers zu einem vermeintlich raschen Start in den Tag führen. Nach ein bis zwei Stunden sinkt der Blutzuckerspiegel jedoch wieder ab die Folge sind Hunger und ein grosses Verlangen nach Kohlenhydraten. Die Hauptmahlzeit des Tages muss das Abendessen sein. Betrachtet man die Entwicklungsgeschichte des Menschen, spielte die Abendmahlzeit in alten Kulturen die wichtigste Rolle. Die inneren Organe des Menschen, die für eine gute Verdauung wichtig sind, arbeiten nachts. Mit vollem Bauch schläft es sich besser!»

Fünf Portionen Früchte und Gemüse am Tag «Diese Empfehlung steht heute zwar auf jedem Gemüse- und Früchtepack von Grossverteilern, doch läuft bei jenen, welche diese Regel befolgen,

ständig die Insulinproduktion. Da nur rund fünf Würfelzucker pro Stunde als direkte Energie benötigt werden, wird der restliche Zucker in Fett umgewandelt. Eine Banane zum Beispiel entspricht acht Würfelzuckern.»

Body-Mass-Index BMI «Bei Tremonte wird der BMI nicht berücksichtigt, da er ein untaugliches Mass für die Risikobeurteilung ist. Der BMI erfasst das gefährliche weisse Bauchfett nicht, und schon zwei Kilogramm davon machen krank. Bei einer grossen Person mit normalem BMI ist dies aber nicht sichtbar.»

türlicher Lieferant von Omega-3-Fettsäuren und Vitamin B12. Möglicherweise ist das Risiko für Darmkrebs bei der Zubereitungsart mit hohen Temperaturen wie grillieren leicht erhöht. Dagegen ist das Krebsrisiko beim metabolischen Syndrom für praktisch alle Krebsarten um 40 Prozent erhöht. Wer viel Fleisch isst, aber einen normalen Bauchumfang hat, hat ein wesentlich geringeres Gesamtkrebsrisiko. Zucker ist eine Hauptursache für die Entstehung von Krebs.» Claudia Merki Buch «Saftige Lügen», Dr. med. Hansruedi Fischer, Affoltern am Albis, 2016 Gebunden, 168 Seiten,

Häufiger Verzehr von rotem Fleisch ist krebserregend «Fleisch aus regionaler und artgerechter Haltung ist ein wichtiger und na-

Deutsch, mit Selbsttest und Selbstanalyse nach Tremonte. Erhältlich in der Buchhandlung Scheidegger, Affoltern am Albis, 35 Franken, ISBN 978-3-033-05463-9. www.tremonte.ch

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