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54 | Digitale Transformation

handelszeitung | Nr. 15 | 14. April 2016

Digitalisierung als grosse Chance

So arbeiten die Besten

S

D

Gesamtkonzept Digital erfolgreiche Firmen beherrschen die gesamte Klaviatur der Digitalisierung.

Geisteshaltung In der Schweiz sollten wir die Digitalisierung leben, die neuen Möglichkeiten zelebrieren – und uns sputen. chon viel wurde über die digitale Transformation geschrieben. Führungskräfte von Unternehmen unterschiedlichster Branchen sehen die eigene Geschäftsgrundlage durch neue Geschäftsmodelle bedroht oder fürchten sich davor, dass das nächste Uber-Startup gleich hinter der nächsten Ecke lauert. Die Befürchtungen scheinen, zumindest auf den ersten Blick, nicht unbegründet zu sein. So gibt es nicht nur eine Grosszahl oft junger und dynamischer Unternehmungen, die sich mit disruptiven ­Geschäftsmodellen am Markt versuchen, sondern auch Trends und Technologien, die Ausgangslagen verändern.

Neue Chancen erkennen Unternehmen, die aktuelle Trends und das Marktumfeld genau beobachten, können neue Chancen erkennen. Beispielsweise wurden im Frühjahr an der CES in Las Vegas und am Mobile World Congress in Barcelona Virtual-Reality-Brillen (VR) vorgestellt. Das Thema VR scheint Gartners Hype-Cycle überlebt zu haben. Ob sich diese Technologie, stellvertretend für viele technische Entwicklungen, tatsächlich durchsetzt, müssen Unternehmen ­abschätzen können. Wichtig ist, ob sie neue Anwendungen in der eigenen Branche ermöglichen.

Vera Brannen

Dank der Digitalisierung bieten sich Möglichkeiten, die eigene Leistung noch besser an den Bedürfnissen der Kunden auszurichten, die Produkte noch effizienter zu fabrizieren und letzten Endes erfolgreicher zu wirtschaften.

Dass Schweizer Unternehmungen die Chancen der Digitalisierung erkannt ­haben, schrieben Deflorin, Hauser und Scherrer-Rathje 2015. Obwohl führende Unternehmen mit Leuchtturmprojekten glänzen, ist es wichtig, dass alle Firmen die eigenen Prozesse, Dienstleistungen und Schweizer Erfolge Geschäftsmodelle im Kontext digitaler Der Schweizer Wirtschaft zu unterstel- Möglichkeiten hinterfragen und anpaslen, sie passe sich nicht an, wäre Unrecht. sen. Denn wenn sie es nicht tun, tun es Viele hiesige Unternehmen investieren ­bestimmt ihre Konkurrenten. Zeit und Kapital, um sich digital zu Für diese vielbesagte digitale Trans­ ­transformieren. Beispielsweise investie- formation benötigen Unternehmen die ren die SBB über 200 Milliorichtige Bodencrew. Wäh­ nen Franken jährlich in die rend von einer drohenden Die Schweiz Digitalisierung und doku«Ar­beitslosenkatastrophe» hat für die mentieren die Fortschritte durch die Indus­trie 4.0 geDigitalisierung sogar ­öffentlich. schrieben wird, sind MitarWährend die oben bebeiter, die Trends erkennen eine gute schriebene VR-Technologie und abschätzen, GeschäftsAusgangslage. noch in den Kinderschuhen modelle hinterfragen und steckt, hat sich beim Mobile innovative Konzepte schreiPayment schon vieles getan. In der ben können, gefragter denn je. Accenture Schweiz sind Paymit und Twint vor den hat 2015 die grosse Nachfrage an spezigrossen internationalen Konkurrenten fisch ausgebildeten Mitarbeitern festge­bereits stark verbreitet. Hier zeigt sich der halten. Wille der Schweizer Unternehmen, sich dem internationalen Wettbewerb zu stel- Anforderungen im Arbeitsmarkt Die Schweiz ist dank ihrem hohen Billen. Die aktuellen Wettbewerber sprechen offen über das Zusammenlegen der Kräfte dungsniveau bevorteilt. Dank dem dualen und zeigen Bereitschaft, die eigenen Ge- Bildungssystem treten Digital Natives früh schäftsmodelle anzupassen. Ein hervor­ in den Arbeitsmarkt ein und wachsen ragendes Zeichen für einen innovations- ­praxisorientiert an aktuellen Herausfor­ getriebenen und international ausgerich- derungen. Aufgrund der Durchlässigkeit der Hochschullandschaft sowie neuer teten Umgang im digitalen Wettbewerb!

Fotolia

Armando Schär

Data Mining: Der Begriff ist etwas aus der Mode gekommen. Die Arbeit ist die gleiche: Aus den

Studienangebote werden in den nächsten Jahren ­hervorragend ausgebildete Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt entlassen. Der Zug der Digitalisierung nimmt Fahrt auf, und die Schweiz hat für die ­Digitalisierung eine gute Ausgangslage.

Die Wirtschaft ist sich der Herausforderungen und Chancen durch den digitalen Wandel bewusst und weiss sich an neue Trends anzupassen. Die Bildungslandschaft der Schweiz ist agil und orientiert sich an den Anforderungen der Wirtschaft.

Datenflüssen die interessanten Facts bergen.

Die Schweiz ist gewappnet und tut viel dafür, die grosse Chance der Digitalisierung nutzen zu können. Wir sollten uns sputen, die Herausforderungen angehen und agil handeln. So können sich auch Schweizer Unternehmen gegen scheinbar über-

mächtige ausländische Tech-Giganten ­behaupten und die internationale Wett­ bewerbsfähigkeit ausbauen.

Sind Struktur und Strategie förderlich? Der «IT-Governance-Check» ermöglicht wertvolle Einblicke in das Business-ITAlignment eines Unternehmens. Das Tool prüft, ob Innovation, IT und Geschäftsstrategie auf einer Linie liegen, und zeigt Verbesserungspotenzial auf.

Charakteristisch für movecloud.ch ist nicht nur die Vielfalt der Werkzeuge, ­sondern dass jedes Unternehmen seinen ­eigenen Bereich hat, wo es seine Services definieren kann, um mit den Hilfsmitteln zu arbeiten. Derzeit ebenfalls in Entwicklung steht ein «smart consultant», der die User bei der Nutzung unterstützt und personalisierte Empfehlungen gibt, was bei einem Cloud-Einsatz zu beachten ist.

Armando Schär, Studienleiter Digital Business Management, HTW Chur.

Ist mein Unternehmen fit für die Wolke?

Movecloud.ch Wie sich Unternehmen für die Herausforderung des Cloud Computing bereit machen können.

Stella Gatziu Grivas, Shanti Grand und Claudio Giovanoli

Damit Unternehmen den Cloud-Einsatz richtig anpacken, entwickelt die FHNW im Rahmen der Swiss Cloud Initiative den Assistenten movecloud.ch. In der Pilotphase anzeige

mit Start Mitte April 2016 können Unternehmen die ersten Self-Service-Werkzeuge kostenlos nutzen. Beim Launch der Plattform im Herbst 2016 wird sie für jedermann zugänglich und mit weiteren Tools wie dem Cloud-User-Maturity-Check oder dem Cloud-Brokerage-Tool angereichert sein. Movecloud.ch hat zum Ziel, vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen, welche wenig Erfahrung mit einem Cloud-Einsatz besitzen und wenig Unterstützung von ausserhalb erhalten, eine Lücke zu schliessen und einen vielseitigen Werkzeugkasten anzubieten. Die Nutzung

der Tools wird nach dem Launch im Herbst 2016 mit einer Mitgliedschaft auf movecloud.ch für alle Unternehmen ­möglich sein. In dieser ersten Phase steht den Pilot-Usern Folgendes zur Verfügung: Ist mein Unternehmen bereit? Mit dem Cloud-Readiness-Assessment definieren Unternehmen anhand eines umfangreichen Fragebogens ihre individuelle Situation und erfahren, ob sie bereit sind für die Cloud. Entscheidend sind die vor­ herrschende IT-Struktur, die Bedeutung der Cloud-Strategie und die Gewichtung der Datensicherheit. Das Tool wertet die

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­ ngaben aus und gibt eine detaillierte A Zusammenfassung der unternehmens­ spezifischen Cloud-Readiness. So wird ­ersichtlich, wo das Unternehmen heute steht und in welchen Bereichen Nachholbedarf besteht. Wie berechne ich den Business Case? Bei der Auswahl eines aus Kostensicht geeigneten Cloud-Service kann man schnell den Überblick verlieren: Welche Kosten entstehen bei den einzelnen Varianten? Welche Vorteile gilt es gegeneinander abzuwägen? Der «Service Vergleich» unterstützt Unternehmen, indem er gezielt

v­ ordefinierte Kriterien für bis zu drei Services einander gegenüberstellt. Ziel ist es, sowohl die zu erwartenden Kosten als auch den Mehrwert und die Risiken des neuen Service zu erfassen. Wozu Daten klassifizieren? Der «Datencheck» erläutert, welchen Wert Daten ­haben können, und unterstützt Unternehmen beim Definieren und Klassifizieren der eigenen Daten. Die Auswertung zeigt anschliessend auf, worauf das Unter­ nehmen bei der Einführung von CloudLösungen hinsichtlich Datensicherheit achten muss.

Logistik und Versicherungen Das Tool «Prozessoptimierung Logistik» ermöglicht es Unternehmen der Logistikbranche, herauszufinden, wie eigene Logistikprozesse durch den Einsatz moderner Technologien unterstützt und verbessert werden können.

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Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Shanti Grand und Claudio Giovanoli, wissenschaftliche Assistierende, Hochschule für Wirtschaft FHNW.

Anforderungen an die Skills der Mitar­ beiter müssen gemanagt werden. Satya Nadella, CEO bei Microsoft: «Any strategy gets eaten for lunch if you don’t have culture that backs it up. The main call here is: Let’s not get caught up in any past dogmas in terms of how work gets done.»

igitaler Wandel ist keine technologische Insellösung. Strategie, Prozesse und besonderes der Mensch als Kunde und Mitarbeiter sind Teil einer übergreifenden Vision. Denn ­jedes Produkt, jede Dienstleistung und Mitarbeiter beflügeln Die allermeisten Schweizer Unter­ ­jeder Prozess ist von der Digitalisierung betroffen. Digitaler Wandel betrifft das nehmen haben die Dringlichkeit des Han­gesamte Unternehmen und erfordert eine delns erkannt. Besorgniserregend sind hierarchie- und abteilungsübergreifende ­allerdings die Ergebnisse einer Umfrage Sichtweise und Umsetzung. Und g­ enau von Inside-it und der Managercommunity daran mangelt es. Wie mehrere ­Studien C-Level vom letzten Juli. Die grosse Mehrbelegen, sind wirkungsvolle Digita­ heit der Umfrageteilnehmer (Schweizer Grosskonzerne) gibt an, lisierungsstrategien in der dass sie Schwierigkeiten hat, Schweiz absolute Mangel­ Agile, Bereiche den einzuschlagenden Weg ware – rund zwei Drittel übergreifende der digitalen Transformation der hiesigen Unternehmen zu beschreiben, und nicht haben keine vorzuweisen. Methoden in ausreichendem Masse Digital Leaders hingegen verlangen flache über das erforderliche Skillerkennen die Chancen für Hierarchien. Set verfügt. Die Belegschaft ihr Unternehmen und folgen eines Unternehmens ist die einer klaren Priorisierung – auch wenn dies gegen Althergebrachtes Achillesferse der Digitalisierung. Zukünfläuft. Wie Ruedi Noser, FDP-Ständerat tig werden für die Zusammenarbeit mit und Unternehmer, es treffend formuliert: Mitarbeitern und Kollegen neben Exper«Eine Firma, die im Wettlauf der Digitali- tenwissen auch Orientierungswissen und sierung vorne liegen will, muss bereit sein, neue Methoden in verschiedenen Bereiihre heutigen Geschäftsmodelle zu kanni- chen, wie Business Model Innovation, balisieren. Wer das nicht ist, wird früher Lean Startup oder Design Thinking, er­ forderlich sein, um effizient in multidis­ oder später gefressen.» Die erfolgreiche Umsetzung von digi­ ziplinären Teams zu arbeiten. talen Strategien bedarf des orchestrierten Einsatzes der Mitarbeiter aller Hierarchie- Das HR muss die Modalitäten verstehen Den HR-Verantwortlichen kommt eine stufen. Unternehmenssilos mit bonus­ orientiertem oder bürokratischem Den- entscheidende Rolle auf dem Weg der ken sind kontraproduktiv. Beth Comstock, ­digitalen Transformation zu. Die zunehSVP und CMO bei GE, bringt es auf den mende Digitalisierung bedeutet VerändePunkt: «Unsere traditionellen Teams sind rung, und Veränderung braucht gezielte zu langsam. Wir prototypen nicht schnell Veränderungsinitiativen. Daher ist es für ­genug, wir innovieren nicht schnell genug. HR wichtiger denn je, die Arbeitsweisen Wir müssen den Wandel systematisieren. der digitalen Welt zu verstehen und Innovation kann überall und zu jeder Zeit über digitale Kompetenz zu verfügen.­ ­Verständnis dafür, wie im Unternehmen geschehen.» digitale Produkte und Services mit agilen Ohne Kultur ist die Strategie wertlos Methoden entwickelt werden, ermöglicht Wichtig ist, in kurzen, iterativen Zyklen fachkompetente Kommunikation und geFeedback zur Marktakzeptanz und Kun- zielte Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Mit denzufriedenheit zu erhalten. Dies er- diesem Wissen übernimmt HR eine aktive möglicht frühzeitige und kostensparende Rolle – sie sind Innovationspartner und Produktanpassungen. Die iterative und Unterstützer des Wandels zugleich. konzernweite Justierung von Strategie, Die grosse Bedeutung der WeiterbilProzess und IT auf Marktveränderungen dung unterstreicht auch FDP-Ständerat und Kundenfeedback ist Schlüssel zum und Unternehmer Ruedi Noser: «Digitale Erfolg. Kreativität im Sinne dieser gemein- Technologien werden zwar in allen Indussamen, fachübergreifenden Lösungsfin- triezweigen immer zentraler, aber nichts dung ist auch eine zentrale Frage der Un- ist so mächtig wie die menschliche Kapaternehmenskultur. Die sich verändernden zität, neue, innovative Geschäftsideen zu

IntensivSeminar

Academy für die digitale Welt Bootcamp Brainbirds führt am 20./21. Juni das Digital Economy Bootcamp durch. Das Intensiv­ seminar bietet einen Überblick, was für die berufliche Zukunft in der ­digitalen Welt wichtig ist. Inhalte Arbeiten in der digitalen Welt erfordert neue Kompetenzen und Methodenwissen. Unabhängig davon, ob Manager oder Teammitglied – es ist wichtig, digitale Trends und Entwicklungen zu verstehen und zu bewerten. In diesem Seminar wird das nötige Know-how für sicheres Navigieren in der digitalen Welt ­vermittelt: Von digitalen Megatrends über den Umgang mit Daten, ­Methoden zur Entwicklung von ­Geschäftsmodellen und digitalen Produkten bis hin zu Führungs­ aspekten im ­digitalen Umfeld. Anmeldung: https://brainbirds.ch (Einführungsrabatt von 20 Prozent mit dem Gutscheincode «HZ_BB»)

entwickeln und umzusetzen. Und darum ist Investition in graue Zellen, also in ­Forschung an Hochschulen und in Weiterbildung innerhalb der Firmen, der Anfang jeder Digitalisierung.» Fachliche Kompetenz der Mitarbeitenden ist ein Eckpfeiler des Erfolges. Der zweite ist die Unternehmenskultur. Agile und bereichsübergreifende Methoden verlangen flache Hierarchien und neue Formen von Leadership.

Vorbild Google Google hat dies bereits 2008 erkannt und acht zentrale Punkte für Leadership definiert. Die besten Manager stellen das Team und dessen Coaching in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit und übergeben dem Team viel Selbstverantwortung und Freiräume zur Selbstorganisation. Deren ­Projekte wurden effizienter und die Mit­ arbeiter treuer und glücklicher. Vera Brannen, Country Manager Schweiz, Brainbirds, Zürich.

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HZ Special «Digitale Transformation»  

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