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| 2. April 2015

Special

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Digital Transformation Award Diese Schweizer Firmen machen beim digitalen Wandel die grössten Fortschritte. Seite 40

Digitale Transformation Unternehmen auf den Zahn gefühlt Eine neue Studie zeigt, wie gut sich Schweizer Firmen mit der digitalen Transformation auseinandersetzen. Seite 39

So digitalisieren sich die SBB Die Bahn investiert 200 Millionen Franken pro Jahr in Projekte zur Digitalisierung. Das Resultat beeindruckt. Seite 41

Ausgezeichnete Internetprojekte Welche Schweizer Online-Auftritte beim Best of Swiss Web Award dieses Jahr die Nase vorn haben.

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Gebildet in die Transformation Auch Führungskräfte müssen sich dem digitalen Wandel stellen. Diese Lehrgänge helfen ihnen weiter. Seite 44

Peter Frommenwiler

Web-Pionier im Gespräch

Floppy-Disk (ab 1969): Die klassische Diskette gibt es in verschiedenen Formaten. Abgebildet ist eine 3,5-Zoll-Diskette.

Es gibt sie noch. Diejenigen, die glauben, dass sich schon nichts ändern wird. Vor kurzem wurden die neusten Zahlen zum Verkauf von eBooks im deutschsprachigen Raum bekannt. Der Anteil am Buchmarkt macht erst 4 Prozent aus. Das ist nicht viel. Doch die Zahl als Beleg zu nehmen, dass alles beim Alten bleibt, ist ein Trugschluss. In den USA beläuft sich der Anteil bereits bei rund 28 Prozent. Derzeit werden ganze Branchen in kür­ zester Zeit umgekrempelt. Dies zeigen be­ kannte Vorbilder wie der Taxidienst Uber oder der Versandhändler Zalando. Doch hält der digitale Wandel auch in Bereichen

strengungen reichen von der Interaktion auf Sozialen Medien mit Passagieren bis zur Steuerung des Zugverkehrs zur Ver­ meidung von ungeplanten Halten. So lässt sich viel Energie und damit hohe Kosten einsparen. Das zeigt, dass eben nicht nur das neuste Internet­Startup vom digitalen Wandel profitiert, sondern auch etablierte Unternehmen von neuen Technologien beeinflusst werden. Vor rund vier Monaten starteten die Universität St. Gallen, das Beratungsun­ ternehmen Crosswalk und die Initianten des Internetwettbewerbs Best of Swiss Web die Ausschreibung für den Swiss Digital Transformation Award. Die Idee dahinter war, die Schweizer Unternehmen

zu sensibilisieren, damit sie sich mit dem Thema Digitale Transformation auseinan­ dersetzen. Insgesamt haben sich rund 200 Firmen dem Reife­Check gestellt. Für sie ist mit der Preisverleihung im Zürcher Kongresshaus die Digitale Transformation nicht vorbei. Im Gegenteil – jetzt fängt die Arbeit erst an. Die Firmen können sich mit anderen Unternehmen vergleichen und so erken­ nen, wie weit sie im Digitalisierungspro­ zess sind und wo sie sich im Vergleich zur Branche noch verbessern können. Diese Möglichkeit sollten sie nutzen. Dann hät­ ten die Initianten ein Ziel erreicht: Einen Werkzeugkasten zur digitalen Transfor­ mation für Unternehmen anzubieten.

Foto-portFolio die digitale transformation basiert auf der Speicherung von informationen. die dafür notwendigen datenträger haben in ihrer geschichte einen erstaunlichen wandel erlebt. die Bildstrecke veranschaulicht diese evolution. Fotos: peter frommenwiler

Peter Frommenwiler

Digitalisierung neue technologien verändern das zusammenleben und damit auch die wirtschaft tiefgreifend. Schweizer firmen sollten sie vereinnahmen, sonst verpassen sie den anschluss. Einzug, wo man ihn nicht vermuten wür­ de. Die SBB zeigen dies eindrücklich. Die Bahn investiert jährlich rund 200 Mil­ lionen Franken, um sich für die Zukunft aufzustellen. Die Investitionen lohnen sich offenbar: Die SBB gewinnen den erst­ mals verliehenen Swiss Digital Transfor­ mation Award, weil sich die Firma vorbild­ lich dem digitalen Wandel stellt. Die Jury ist unter anderem beeindruckt, dass das Thema Digitalisierung an der Spitze des Konzerns angesiedelt ist. SBB­Firmenchef Andreas Meyer wirkt als Chief Digital Officer und damit als Chef der digitalen Strategien des Unterneh­ mens. Dabei geht es nicht nur um den Social­Media­Auftritt der SBB. Die An­

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verantwortlich für dieSen Special: JorgoS BrouzoS

Den Wandel annehmen JorgoS BrouzoS

Andreas Göldi hat mehrere Internetfirmen aufgebaut. Im Interview erklärt er, was er als Nächstes vorhat.

Impressum Der Special «Digitale transformation» ist eine redaktionelle eigenbeilage der «Handelszeitung» und Bestandteil der aktuellen Ausgabe. Herausgeber: redaktion und Verlag, «Handelszeitung», Axel Springer Schweiz, 8021 Zürich.


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Peter Frommenwiler

handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

Lochkarte (etwa 1890): Die Lochkarte wurde von Herman Hollerith entwickelt. Er gründete später IBM.

Am Puls der Digitalisierung Analyse Das an der Universität St. Gallen entwickelte Reifegradmodell unterstützt Unternehmen bei der Standortbestimmung und dem Management der Digitalisierung. AnDReA BAck, SABine BeRGhAUS UnD BRAMwell kAltenRieDeR

U

nternehmen aller Branchen stehen vor der Herausforderung, sich strategisch an die neue digitale Realität anzupassen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Für viele bedeutet dies nicht nur kontinuierliche Verbesserung und Innovation, sondern einen Umbruch, der aktiv und von der Unternehmensspitze aus anzustossen und zu gestalten ist. Es gilt Strategie, Geschäftsmodell und Kultur des Unternehmens zu überprüfen. Mit der Swiss Digital Transformation Initiative, die von Best of Swiss Web (BOSW), dem Strategieberatungsunternehmen Crosswalk und dem Lehrstuhl Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St Gallen (IWI-HSG) lanciert wurde, liegt ein Set von Instrumenten vor, die Unternehmen dabei unterstützen, die digitale Transformation anzutreiben. Bestandteile sind derzeit das «Digital Maturity Model», die Studie mit der Datenerhebung vom Frühjahr 2015 (siehe Fussnote Studie) und der im März 2015 erstmals verliehene Swiss Digital Transformation Award.

Von Wissenschaft und Praxis Unter digitaler Transformation ist die Kombination von Veränderungen in Strategie, Geschäftsmodell, Organisation und Prozessen sowie die Kultur in Unternehmen durch Einsatz von digitalen Technologien zu verstehen. Dies mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise zu steigern. Dieser Ansatz reflektiert die Überzeugung, dass die alleinige Effizienzsteigerung in funktionalen Bereichen wie Marketing, Produktion oder HR mittels Informationstechnologien nicht mehr ausreichend ist, um die Zukunftsfähigkeit von Organisationen zu sichern. Die ganzheitliche Betrachtung geht über digitale Teilstrategien wie Digital Marketing, Mo-

bile Business, Social Media Marketing, Social Enterprise oder Industrie 4.0 hinaus und verankert die Digitalisierung in der Unternehmensstrategie. Das Digital Maturity Model zur Bestimmung der digitalen Reife von Unternehmen und zur Datenerhebung für die Studie wurde in der Forschungsgruppe der Universität St. Gallen in wissenschaftlich anerkannter Vorgehensweise und in Kooperation mit Crosswalk entwickelt. Bei der Ausgestaltung wirkte eine elfköpfige Expertengruppe aus der Praxis mit. Dem Modell liegt das Business Engineering Framework zugrunde, das dem ganzheitlichen Transformationsmanagement dient. Dieses Strukturierungsmodell mit den Ebenen Geschäftsstrategie, -prozesse, Informations- und Kommunikationssysteme sowie Führung, Verhalten, Macht und Kultur integriert die Handlungsfelder des Wandels. Das trägt dazu bei, den Veränderungsprozess für die Mitarbeitenden nachvollziehbar zu machen. Zu den neun Dimensionen des Digital-Maturity-Models – Customer Experience, Produktinnovation, Strategie, Organisation, Prozessdigitalisierung, Zusammenarbeit, ICT-Entwicklung und -Betrieb, Kultur/Expertise sowie Transformationsmanagement (siehe obere Grafik) – sind Reifekriterien, sprich Fähigkeiten, definiert. Sie werden anhand von Best-Practice-Indikatoren bewertet. Die für die Studie rund 200 ausgefüllten Fragebogen kommen zu 83 Prozent aus der Schweiz, die weiteren aus Deutschland und Österreich. Bei 18 Unternehmen nahmen mehrere Personen diese Selbsteinschätzung vor, die für die Auswertung zu einem Datensatz konsolidiert wurde. Die Reifegradermittlung weist einige Besonderheiten auf. Kriterien, die alle Beteiligten bereits gut erfüllen – gemäss der Studie zum Beispiel Mobiles Arbeiten –, erhalten bei der Punkteermittlung für den Reifegrad ein geringeres Gewicht als Kriterien, die noch von wenigen Unternehmen erfüllt wer-

Stark bei der Produktinnovation erfüllungsgrad der Reifeindikatoren in den verschiedenen Dimensionen (in Prozent) Customer Experience 100 Transformations80 Produktinnovation management 60 40 20 0

Kultur und Expertise

Strategie

ICT-Entwicklung und -Betrieb Zusammenarbeit

Organisation Prozessdigitalisierung

Gesamt Gewinner BOSw Award Unternehmen <100 quelle: HSG/CroSSwalk

Viele Firmen im Mittelfeld Verteilung der Reifegrade 70 60 50 40 30 20 10 0

1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5

Anzahl der Unternehmen in diesem Reifegrad quelle: HSG/CroSSwalk

den. Denn sie sind schwieriger umzusetzen. Letzteres war bei Kriterien zum Transformationsmanagement, beispielsweise beim Performance Measurement, der Fall. Es gibt auch keinen vorgegebenen absolut besten Grad der digitalen Reife. Der gesamte Entwicklungsstand der Wirtschaft, der sich aus den Angaben der Beteiligten ergibt, hat einen Einfluss auf den individuellen Reifegrad. Wenn sich das Feld zum Beispiel in zwei Jahren weiterentwickelt, ergibt sich für ein Unternehmen, das stehen bleibt, ein geringerer Reifegrad. Die aktuelle Datenauswertung hat eine breite Verteilung ergeben und zeigt auf, dass für viele Unternehmen im Vergleich zu Mitbewerbern noch Verbesserungspotenzial besteht (siehe untere Grafik).

Ergebnisse, die überraschen Die Studie wird im April erscheinen. Erste Erkenntnisse liegen bereits vor. Je nach Hierarchiestufe kommt es zu unterschiedlichen Einschätzungen: Mitglieder der obersten Führungsstufe beurteilen die digitale Reife der Firma oft besser als die übrigen Mitarbeitenden. Dies könnte ein Anstoss zu intensiverer interner Verständigung sein, auch vor dem Hintergrund der in anderen Studien ausgewiesenen digitalen Know-how-Nachholbedürfnisse in Aufsichtsrats- und Geschäftsleitungsgremien. Wie man in der oberen Abbildung sieht, stehen kleinere und mittlere Unternehmen vergleichsweise gut da. Sie überragen das Feld der Grossunternehmen im Bereich Kultur und Expertise. In den Diskussionen der AwardJury, die zu einer Shortlist von sechs auszeichnungswürdigen Unternehmen geführt haben, zeigte sich, dass der Award-Gewinner SBB überdurchschnittliche Werte in vielen Dimensionen erreicht hat – aber nicht in allen. Die Punktewerte könnten sogar höher sein, denn im Vergleich zu Angaben anderer Unternehmen wurden eher vorsichtiger Selbsteinschätzungen

gemacht. Das zeigt, dass die MaturityStudie und der Digital Transformation Award zu näherem Hinsehen und vertiefter Analyse einladen und so die Transparenz für die Schweizer Wirtschaft und den gegenseitigen Austausch verstärken.

Ein vielseitig nutzbares Instrument Reifegradmodelle sind von breitem Nutzen. Schon die Beantwortung der Fragen hat vielen Umfrageteilnehmenden Wissen und Denkanstösse rund um die digitale Transformation vermittelt, zeigen zahlreiche Feedbacks. Das Management wird vom Digital Maturity Model bei der Standortbestimmung und der strategischen Steuerung der Digitalisierung des Unternehmens unterstützt, auch im Vergleich zu seinem Marktumfeld. Das mehrdimensionale, ganzheitliche Modell rückt dabei in den Blick, dass die digitale Transformation kein reines IT-Projekt ist, sondern in die Verantwortung von Verwaltungsrat und C-Level-Management gehört. Crosswalk wiederum nutzt das Modell in seinem Beratungsansatz: Mit einem interaktiven Tool, das in Management-Workshops und Umfragen zum Einsatz kommt, können mittels Clustering verschiedener Reifedimensionen und -kriterien mögliche Handlungsfelder und Potenziale unter anderem durch Benchmarking identifiziert und Entwicklungspfade diskutiert werden. Schliesslich dienen ReifegradModelle – mit historischen Umfragedaten hinterlegt – zur Beobachtung der Reifeentwicklung der Wirtschaft und von ausgewählten Marktsegmenten. Andrea Back, Professorin, School of Management, Universität St. Gallen; Sabine Berghaus, wissenschaftliche Projektleiterin, Universität St. Gallen; Bramwell kaltenrieder, Managing Partner, crosswalk AG, Zürich. Studie: «Digital transformation Report 2015» von Sabine Berghaus, Andrea Back und Bramwell kaltenrieder (in Vorbereitung, erscheint Anfang April 2015).


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Peter Frommenwiler

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Tonbandkassette: Die ersten Tonbandgeräte kamen in den 1960er-Jahren auf den Markt, in den 1970er-Jahren wurden sie auch zum Speichern von Daten verwendet.

SBB holen den ersten Platz

Swiss Digital Transformation Award diese schweizer Firmen drücken beim Wandel aufs Tempo. Claudio dionisio

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rstmals wird in der Schweiz der Unternehmenspreis Digi­ tal Transformation Award verliehen. Dieser Preis zeich­ net Unternehmen aus, die be­ sondere Fortschritte in der digitalen Reife gemacht und ihre Wettbewerbsfähigkeit signifikant verbessert haben. Die Verleihung des Swiss Digital Trans­ formation Award ist der Abschluss der von den drei Initianten Universität St. Gallen, Best of Swiss Web und Crosswalk lancier­ ten Swiss Digital Transformation Initiative (siehe Seite 39). Basis für die Ermittlung der Gewinner sind zum einen die Selbst­ deklaration der teilnehmenden Unter­

nehmen am Digital Maturity Check, dem von der Universität St. Gallen und einer Expertengruppe entwickelten Reifegrad­ modell; anderseits die mehrstufige, ver­ tiefte Analyse einer Fachjury. Die Jury be­ steht aus Bramwell Kaltenrieder von Crosswalk und Sabine Berghaus von der Universität St. Gallen. Zudem sind die Ex­ perten Florian Hamel von AXA Winter­ thur, Andreas Eggimann von der Post, Mi­ chele Savino von Swisscom und Dorian Selz von Squirro teil des Komitees.

der GewiNNer

war gleichzeitig die Qualifikationsvoraus­ setzung für den neuen Unternehmens­ preis. In einem mehrstufigen qualitativen Beurteilungsprozess der Fachjury haben es schliesslich sechs Unternehmen auf die Shortlist geschafft, woraus schliesslich die SBB als Sieger hervorgingen.

Grosses Teilnehmerfeld Zwischen letztem November und Ende Februar dieses Jahres haben insgesamt 196 Teilnehmer den umfangreichen Frage­ bogen ausgefüllt. Diese Selbstdeklaration

SBB die Jury war beeindruckt, wie die Bahn social Media in den Kundendienst integriert und dass mehr als die Hälfte der Tickets in selbstbedienung verkauft werden.

Bahn mit grössten Fortschritten Die Schweiz hat im öffentlichen Ver­ kehr eine weltweite Sonderstellung inne – dies zeigt sich auch im hohen Niveau der Digitalisierung. Für die Fachjury sind die SBB ein Unternehmen, das sich äusserst aktiv den Herausforderungen der digita­ len Transformation stellt. Belege dafür sind die Breite der signifikanten und er­ folgreichen Initiativen, sowohl in nach au­

Ex Libris der Medienhändler verfolgt die Verbindung von ladengeschäften und online-Kanälen konsequent. die Firma hat keine Kannibalisierungsängste.

PKZ Burger-Kehl die Filialen und der online-shop des Modehändlers wurden modernisiert. die Jury ist von der dynamik des Wandels beeindruckt.

Swiss Life die digitalisierung beim Versicherer ist bei der Geschäftsleitung angesiedelt und Teil einer strategischen Transformation. das überzeugt die Jury.

ssen gerichteten Aktivitäten wie E­Com­ merce und Echtzeit­Kundendialog mit der mustergültigen Integration der Sozialen Kanäle wie auch in der internen Digitali­ sierung, etwa bei der Betriebssteuerung, der agilen Zusammenarbeit und Förder­ programmen für digitale Innovationen. Dass zudem alle SBB­Mitarbeiter mit per­ sönlichen mobilen Endgeräten – und da­ mit mit dem digitalen Gen – ausgerüstet werden und der Firmenchef die strategi­ sche Gesamtverantwortung für die digita­ le Transformation trägt, zeugt davon, dass es dem Unternehmen ernst ist mit der Di­ gitalisierung auf allen Ebenen. Claudio dionisio, Co-Gründer und Geschäftsführer, Best of swiss Web GmbH, Zürich.

Auf der ShortliSt

Digicomp Academy das aus- und Weiterbildungsunternehmen hat Kernprozesse in der ausbildung vorbildlich digital transformiert. ANzeiGe

UBS die Grossbank will offline- und online-Geschäfte perfekt verbinden. sie zählt für die Jury bei der user Experience zu den führenden Banken.


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«Einen Graben schliessen» Peter Kummer Der IT-Chef der SBB erklärt, wie der digitale Wandel die Bahn verändert.

zeugt, der Swiss Pass wird für den Kunden grossen Nutzen bringen.

Wie gehen die Führungskräfte mit dem digitalen Wandel um? Sie müssen die Rolle der Vorreiter einnehmen, das tut das Management bei den SBB auch. Sitzungen finden je länger, je mehr virtuell mit entsprechenden ICT-Technologien statt. Die Konzernleitung ist seit drei Jahren papierlos. Dokumente für die Sitzungen werden via iPad verteilt.

Die SBB gewinnen den ersten Swiss Digital Transformation Award. Weshalb stellt sich das Unternehmen dem digitalen Wandel? Peter Kummer: Ohne Informatik würde heute kein Zug mehr fahren. Digitale Technologien sind deshalb bei den SBB in fast allen Bereichen kaum mehr wegzudenken. Beispielsweise bei der Bahnproduktion. Das Rail Control System berechnet pro Sekunde Tausende von Parametern im Schienennetz und erstellt so eine Prognose, wie sich der Zugverkehr entwickeln wird. Der Zugverkehrsleiter kann so den Zugverkehr besser steuern. Ein anderes Beispiel ist die SBB-App. Sie wurde bis heute rund 5 Millionen Mal heruntergeladen. Damit verändert sich auch das Verhalten der Kunden. Tickets werden immer mehr über das Smartphone gekauft. Was kommt noch? Wir sind zurzeit dabei, ein System einzuführen, das man etwas salopp als «Grüne Welle für den Lokomotivführer» beschreiben könnte. Bei den SBB kommt es pro Tag zu etwa 2000 Stopps an roten Signalen. Wenn der Zug jedes Mal halten und wieder beschleunigen muss, kostet das viel Energie. Dieses System namens «Adaptive Lenkung» berechnet für jeden Zug die optimale Geschwindigkeit, sodass er nicht mehr an roten Signalen halten muss. So können wir täglich 20 000 Franken Energiekosten sparen. Welche Ziele verfolgen die SBB beim digitalen Wandel? aNzeige

Peter Frommenwiler

InTervIeW: JorgoS BrouzoS

Festplatte (ab 1956): Die erste Festplatte fasste 5 Megabyte. Heute bieten die Festplatten Speicher im Terabyte-Bereich.

Digitale Technologien helfen, die Bahn besser und günstiger zu machen. Nebst den Optimierungen von internen Prozessen und im Kapazitätsmanagement wollen wir Dienstleistungen anbieten, die Kunden einen Mehrwert bieten. Ein Beispiel dafür ist die Navigations-App im Hauptbahnhof Zürich. Darf der Wandel auch etwas kosten? Der Nutzen steht im Vordergrund. Es wird wie bei jeder anderen Investition analysiert, welcher Nutzen resultiert und ob es sich lohnt dafür Geld auszugeben. Wie hoch ist das Volumen für den digitalen Wandel? Das sind rund 200 Millionen Franken Projektvolumen pro Jahr. Das sind nicht nur öffentlich sichtbare Projekte wie Social

Media oder Apps, sondern grundlegende Innovationen der Prozesse im Hintergrund. Sie investieren viel. Wo stossen sie auf Hindernisse? Es braucht immer auch einen Kulturwandel, dieser muss mit entsprechenden Programmen begleitet werden. Beim Big Data kommt zudem meistens sofort die Frage nach dem Umgang mit Kundendaten auf. Hier haben wir uns von Anfang an selbst strenge Regeln auferlegt. So werden SBBKundendaten nicht an Dritte weitergeben. Sie sprechen den Swiss Pass an, die neue Karte für den öffentlichen Verkehr. Sie wird am 1. August eingeführt. Braucht es da noch Überzeugungsarbeit? Das ist so, wir müssen die Karte den Kunden noch besser erklären. Ich bin über-

Welche Herausforderung bringt der Wandel für Ihre Arbeit als Informatikchef? Das Schwierigste ist, mit dem Trade-off von Agilität und Flexibilität versus Stabilität und Standardisierung umzugehen. Die IT muss in verschiedenen Modi funktionieren. Das heisst, wir müssen vielversprechende Innovationen rasch umsetzen können, aber die Sicherheit und Stabilität im Bahnsystem gewährleisten – eine Herausforderung für die IT-Organisation und mich als IT-Chef. Jeder SBB-Mitarbeiter soll bald ein mobiles Gerät haben. Weshalb? Es geht darum, einen digitalen Graben zu schliessen. Von unseren rund 33 000 Mitarbeitern haben etwa 6000 noch keinen Zugang zum internen IT-Netz. Das wollen wir ändern. Wir versprechen uns damit, die Kommunikation zu verbessern und die Effizienz zu steigern. Wir bauen beispielsweise Business-Apps, die lokal gezielte Verbesserungen ermöglichen. Der Einsatz des Reinigungspersonals wird zum Beispiel neu mit der Hilfe einer App gesteuert. Wie gehen die SBB mit Sozialen Medien um? Es ist für uns ein wichtiger Kanal. Wir haben alle Social-Media-Plattformen in den Kundendienst integriert. 2014 beantworteten wir rund 30 000 Anfragen via Facebook und Twitter.

Geht es für Sie dabei um mehr als nur darum, eine Art Frustableiter anzubieten? Social Media sind schon längst ein wichtiger Kanal. Wenn Kunden rasch und direkt auf ihr Bedürfnis eine Antwort erhalten, ist das ein Mehrwert für sie. Aber sicher ist es auch ein Kanal, um seinem Ärger Luft zu machen. Gibt es Vorbilder für die SBB beim digitalen Wandel? Wir wollen die physische Welt sinnvoll mit der digitalen Welt ergänzen. Viele andere Unternehmen machen das auch. Von guten Umsetzungen können wir etwas lernen, das machen wir oft und gerne.

Der Digitalisierer Name: Peter Kummer Funktion: Chief Information officer (CIo) und Konzernleitungsmitglied, SBB Alter: 48 Familie: verheiratet, vier Töchter Ausbildung: Betriebswirtschaft und Informatik, universität Bern Das Unternehmen Die SBB sind das grösste Transportunternehmen der Schweiz. Täglich werden mehr als 1 Million Passagiere befördert, die Firma zählt rund 33 000 Mitarbeitende. Der Betriebsertrag belief sich im 1. Halbjahr dieses geschäftsjahrs auf rund 4,2 Milliarden Franken.


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Peter Frommenwiler

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Diskette im 8-Zoll-Format: Sie fasste 256 Kilobyte.

Vorreiter im Netz

Best of Swiss Web Die Konkurrenz ist gross und die Auszeichnung begehrt. Das sind die besten Schweizer Internetprojekte des Jahres. ClAuDIo DIonISIo

B

ereits zum fünfzehnten Mal werden in diesem Jahr die besten Web-Projekte und die wichtigsten DigitalCracks der Schweiz ausgezeichnet. Der im Jahr 2000 ins Leben gerufene Award ist beliebt wie noch nie: Insgesamt 517 Projekte wurden für den

Wettbewerb eingereicht und in elf Kategorien von 108 Jurymitgliedern analysiert und bewertet. Neben den elf Kategorie-Siegern werden die begehrten Siegerpokale auch an den Master of Best of Swiss Web, an den Ehrenpreisträger und an den Gewinner des neuen Unternehmenspreises Swiss Digital Transformation vergeben (siehe Seite 40).

Ältester Internetpreis Europas Der vom Internet-Branchenverband Simsa und der Fachzeitschrift Netzwoche gegründete Internet-Award ist er älteste noch existierende Europas. Seit der ersten Ausgabe hat sich die Zielsetzung nicht geändert: Qualität soll in verschiedenen Bereichen definiert und beurteilt werden, der Digitalbranche der Schweiz als Gan-

zes und ihren Exponenten zu Reputation verholfen werden und nicht zuletzt soll Best of Swiss Web eine attraktive Netzwerk- und Austauschplattform bieten. Zudem trägt Best of Swiss Web dazu bei, neue technische Entwicklungen und Business-Trends frühzeitig zu erkennen – viele Innovationen und Digitalprojekte wurden erst durch diesen Wettbewerb richtig bekannt und machten danach oft auch international Furore, so etwa die Shop-Plattformen von Freitag und Blacksocks oder 2009 Gottago, eine der ersten native Apps überhaupt.

2015 ein sehr guter Jahrgang Bei der diesjährigen Austragung von Best of Swiss Web nahmen so viele WebProjekte am Wettbewerb teil wie noch nie

zuvor. Alle eingereichten Projekte wurden Experience oder die Integration innovativon den Fachjurys der elf Kategorien in ver Cloud-Backend-Technologien. Jeweils zehn Experten und Spezialisten einem mehrstufigen, pragmatischen und objektiven Prozess beurteilt und bewer- aus jeder Jury wählten in diesem Jahr 88 Projekte auf die Shortlist tet. Gemäss den Aussagen und kürten daraus im letzder Jurypräsidenten ist die Dieses Jahr ten Schritt die Gold-, SilQualität in diesem Jahr gingen 517 ber- und Bronzegewinner durchwegs sehr hoch. So jeder Kategorie. Alle siegbieten viele digitale TouchBewerbungen reichen Projekte wurden points gute Web-Frontend, für den Award vor wenigen Tagen an der Responsive Design ist für ein. grossen Award-Night im viele Endgeräte fast durchZürcher Kongresshaus vor gehend umgesetzt und gute Check-out-Prozesse in Shops sind rund 750 Gästen mit dem vom Künstlerduo Com&Com geschaffenen Pokal ausheutzutage ebenfalls Commodity. Somit sind es Innovationen, Feinheiten gezeichnet. und Wow-Effekte, die letztlich die allerbesten Projekte auszeichnen: Etwa kreati- Claudio Dionisio, Co-Gründer und Geschäftsführer, ve neue Geschäftsmodelle, attraktive User Best of Swiss Web GmbH, Zürich.

Die besten Schweizer Web-Projekte des Jahres Die Sieger der elf Kategorien und warum sie die Nase vorn hatten.

Kategorie Business Public Affairs Technology Creation usability Marketing/E-Commerce Digital Performance Campaigns Digital Branding Campaigns Innovation Mobile online Video

Spezialpreise

Master Ehrenpreis 2015

aNzeige

Gewinner online-Vermögensverwalter True Wealth Relaunch von www.zuerich.com für Zürich Tourismus E-Commerce Plattform www.kitag.com World of Swiss Microsite www.world-of-swiss.com Portal Mondovino von Coop www.mondovino.ch WWF Fundraising Portal support.wwf.ch Samsung Galaxy S5 live-Banner www.firsttimes5.ch Samsung Alpha Cover Shoot www.alpha-cover.ch Medienportal Watson www.watson.ch Relaunch von www.swiss.com Plattform www.voila-ma-suisse.ch von Mazda

Sieger wird nach Redaktionsschluss gekürt Die drei Gründer von digitec.ch: Marcel Dobler, oliver Herren, Florian Teuteberg

Auftraggeber True Wealth AG Zürich Tourismus Kitag Kino-Theater AG Swiss International Air lines Coop Genossenschaft WWF Schweiz Samsung Electronics Switzerland GmbH Samsung Electronics Switzerland GmbH Watson Swiss International Air lines ltd. Mazda (Suisse) SA

Auftragnehmer Gold Interactive, Ergon Informatik AG unic AG notch Interactive GmbH Hinderling Volkart AG unic AG Getunik AG Serranetga AG Serranetga AG Fixxpunkt AG Hinderling Volkart AG JWT/Fabrikant

Kriterium Wirtschaftlicher Erfolg und Effizienz von Web-Projekten Attraktivität von öffentlichen Sites aus den Bereichen E-Gov und nGo Technologische Qualität Kreativität – Qualität der Design-Ideen und umsetzung Qualität von Informations-Architekturen und Content Attraktivität von Firmen-Sites und E-Commerce Qualität von Digital Media/Crossmedia-Kampagnen Beurteilung der einzelnen Werbemittel Potenzial innovativer Ideen und lösungen, die das Web nachhaltig verändern werden umfassende Qualität mobiler lösungen Qualität von digitalen Videos und Video-Channels

Das gesamthaft beste Projekt Für ihre Rolle als Pioniere der Schweizer Digitalszene

quelle: Best of swiss weB


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Die neue Realität

Geschäftsmodelle Ein Unternehmen lässt lukrative Chancen aus, wenn es sich nicht dem digitalen Wandel stellt.

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arren Bennis, US-amerikanischer LeadershipExperte, prägte folgenden Satz: «Selbst erfolgreiche Unternehmen können sich in Zukunft zugrunde ruinieren, wenn sie weiterhin so vorgehen wie in der Vergangenheit.» Wer hätte sich bis vor kurzem vorstellen können, dass sich Kuoni von seiner traditionsreichsten Sparte, dem Reisegeschäft, trennt? Oder dass die NZZ-Mediengruppe ihre Druckerei schliesst? Die beiden Beispiele zeigen: Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant und im Bestreben, Schritt zu halten, wagen Unternehmen zusehends überraschende Schritte. Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht, wieso das regelmässige Überdenken des Geschäftsmodells überlebensnotwendig ist. Ehemals erfolgreiche Unternehmen wie Kodak, Agfa, Schlecker, AEG, Brockhaus oder Grundig sind – nach teils jahrzehntelangen Höhenflügen – von der Bildfläche verschwunden. Kodak beispielsweise hielt stur an der Cashcow analoge Fotografie fest, ironischerweise obwohl das Unternehmen die digitale Fotografie beherrschte. Der Rest ist bekannt. Doch welche Treiber sind es wirklich, die die neue Realität prägen und die viel zitierten Rahmenbedingungen in hohem Tempo verändern? Was bringt Branchenlieblinge zum Straucheln und bisher unbekannte Startups zu milliardenschweren Börsengängen? Es ist die Digitalisierung. Internet und Mobile haben unsere Kommunikation, unser Kaufverhalten, unsere Mediennutzung, ja unser Leben verändert!

Alle Branchen sind betroffen Die Dauer, bis mit neuen Technologien eine Million Nutzer in der Schweiz erreicht wird, verkürzt sich zusehends. Wir übernehmen neue Technologien und Medien immer schneller. Während das Radio dafür 25 Jahre brauchte, war das Fernsehen bereits nach 15 Jahren bei einer Million Konsumenten etabliert. Das Smartphone nach vier Jahren, Facebook schon nach zwei Jahren. Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr Kunden werden Digital Natives sein – Personen also, für die der Umgang mit digitalen Produkten und Dienstleistungen aNzeige

eine Selbstverständlichkeit ist. Und wer jetzt noch zweifelt, dem sei zudem gesagt: Die neue digitale Realität betrifft jede Branche. Sie ist kein Hype, der lediglich für Medien, Handel und Hightech-Industrie von Bedeutung ist. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 ist die Digitalisierung beispielsweise in den Fabriken angekommen. Nicht mehr der Mensch führt die Maschinen, sie führen sich selber, kommunizieren untereinander, mit den Kontrollzentren und der Buchhaltung. Und mit dem Internet der Dinge, das die totale Vernetzung aller Lebensbereiche mit sich bringt, steht schon der nächste Game Changer in den Startlöchern.

Nicht an die IT delegieren Was ist vor diesem Hintergrund zu tun? Die Fragen, die sich jeder Firmenchef stellen muss, sind: Was bedeutet die Digitalisierung für mein jetziges Geschäftsmodell? Was muss ich verändern? Wie sieht eine erfolgreiche Strategie für die digitale Realität aus? Und aufgepasst: Wer mit dem Gedanken spielt, das Thema als Projekt an die Informatikabteilung zu delegieren, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Digitales Know-how und vor allem ein Bewusstsein für das Thema müssen im gesamten Unternehmen verankert sein und alle Wertschöpfungsketten durchdringen. Die Herausforderungen sind gross – doch bevor Panik ausbricht, sollte sich die Geschäftsleitung zwei Tatsachen vor Augen führen. Erstens ist nicht für alle Unternehmen eine Revolution angezeigt. Jeder Betrieb muss nach einer sorgfältigen Prüfung entscheiden, welches Mass an Digitalisierung seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärkt. Denn nicht alles, was technologisch umsetzbar ist, macht auch wirtschaftlich Sinn. Und zweitens: Die Digitalisierung ist auch eine enorme Chance, neue Geschäftsfelder, Umsatzquellen und Zielgruppen zu erschliessen. Die Schlüsselfähigkeit, die es braucht, um die Chance der Digitalisierung wahrzunehmen, ist die Innovationskraft oder präziser ausgedrückt: Die Fähigkeit, mit innovativen Ideen ein Geschäftsmodell zu erneuern oder gar zu erfinden. Geschäftsmodell-Innovation ist im Prinzip nichts Neues: Auch die Einführung des Fotoko-

pierer-Leasings durch Xerox oder die Erfindung der Kreditkarte waren Innovationen, die zu einem neuen, lukrativen Geschäftsmodell führten. Dazu kommt, dass Innovationen oft nur Variationen von Angeboten sind, die bereits existieren. Gemäss Oliver Gassmann vom Lehrstuhl für Innovationsmanagement der Universität St. Gallen sind 90 Prozent aller neuen Geschäftsmodelle nicht wirklich neu, sondern basieren auf bestehenden Mustern, die erfolgreich in andere Märkte oder Industrien transferiert wurden. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der innovative Geschäftsmodelle eine Branche umkrempeln – und das Ausmass der Veränderungen. Wie erlangen die Verantwortlichen eines Unternehmens nun diese bedeutende Schlüsselfähigkeit? Wie funktioniert Geschäftsmodell-Innovation? Erstens: Mit einer Prise Paranoia: Die Eckpfeiler des heutigen Erfolgs sind regelmässig zu hinterfragen, selbst wenn noch gute Gewinne erzielt werden. Der unternehmerische Untergang sollte stets als realistisches Szenario in Betracht gezogen werden. Und

Jeder Betrieb muss selbst entscheiden, welches Mass an Digitalisierung seine Wettbewerbsfähigkeit stärkt. zweitens: Mit Impulsen von aussen. Denn sogar kreative und visionäre Manager schaffen es kaum, die Logik ihres angestammten Geschäfts zu durchbrechen. Mentale Barrieren blockieren die Entwicklung neuer – oder zumindest branchenneuer – Ideen. Bezeichnend dafür ist, dass die meisten Geschäftsmodell-Innovationen – man denke an Uber, Airbnb oder auch PayPal – von branchenfremden Köpfen kommen. Daher ist es empfehlenswert, externe Experten einzubeziehen, die einen neutralen und unvoreingenommenen Blick auf ein Unternehmen werfen können – und dazu beitragen, aus der Herausforderung Digitalisierung die Chance Digitalisierung zu machen. Fredy Geisser, Managing Partner, Crosswalk AG, Zürich.

Peter Frommenwiler

FrEdy GEissEr

Floppy Disk im Format 5,25 Zoll: die diskettten speichern zwischen 80 und 1200 Kilobyte.


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Hochschulen 2.0

«Anwendung steht im Vordergrund»

Ausbildung Um im rasanten Wandel der informations- und kommunikationstechnologie zu bestehen, befinden sich die Schweizer hochschulen selbst in einem ständigen transformationsprozess. llein die jüngsten Berufungen an den beiden eidgenössischen technischen Hochschulen, also der ETH und EPFL, im Bereich Informatik zeigen, wie sehr Schweizer Hochschulen den permanenten ICT-Wandel adressieren. Mit Christos Kozyrakis von der Stanford University in Kalifornien ist ein Spezialist für Rechnerarchitektur und Energieeffizienz von IT-Systemen berufen worden, der sich unter anderem in Sachen Cloud-Computing profiliert hat. Zudem ist von der Yale University Bryan Ford in die Schweiz gekommen, der sich als Systemspezialist auf dem Gebiet der Datensicherheit und des Schutzes der Privatsphäre im Netz einen Namen gemacht hat. Ausserdem wurde Jörg Stelling zum ordentlichen Professor für rechnergestützte Systembiologie ernannt, wo man Brücken zwischen der Bioinformatik und dem Bioengineering baut. Und mit Dimitrios Kyritsis hat die EPFL einen Professor berufen, dessen Fokus die IT für eine nachhaltige Produktionsweise ist. Dabei sind Cloud, Security, Bioinformatik oder die Verschmelzung von Business und IT nur Beispiele für den raschen Wandel im Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik, wie die zwei grossen Oberbegriffe lauten. Schwerpunkte legen die Hochschulen inzwischen auch bei Themen wie Big Data oder Social Media und adressieren alle Formen disruptiver Technologien. Das lässt sich unter ande-

rem an immer neuen Studiengängen ablesen. So hat erst kürzlich die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) den BachelorStudiengang in Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt «Digital Connected Society» gestartet, der das ganze Themenumfeld von Web-2.0-Anwendungen adressiert. Oder die Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) verbindet in der Studienrichtung «Application Design – Cloud Solutions» Informatik, Design und Psychologie zum sogenannten «Human Computer Interaction Design». Hinzugekommen sind aber auch universitäre Weiterbildungsangebote, die zum Beispiel an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) erlauben, in den Certificates of Advanced Studies (CAS) «Disruptive Technologies» als eigenes Fach zu studieren. Hier werden dann Big Data, Swarm-Intelligence oder Wearable Computer thematisiert.

Professoren müssen mithalten Schon die wenigen Hinweise zeigen vor allem, wie sehr in Forschung und Lehre die viel beschworene Transformation der ICT in den Schweizer Hochschulen angekommen ist. An der Universität St. Gallen hat man sich gar von der Bezeichnung des Studiengangs als Informatik verabschiedet. Der Masterstudiengang heisst Business Innovation und deckt alle Ausbildungsinhalte in Wirtschaftsinformatik, Technologie- und Innovationsmanagement, Entrepreneurship sowie Medien- und Kommunikationsmanagement ab, wie Professor Walter Brenner vom Institute of Information Management erklärt. Inhaltlich werden hier aktuelle Fragen etwa zu Social Media, Cloud oder Datenschutz in

Die Aufgeschlossenheit gegenüber den unterschiedlichen Lehrveranstaltungen integriert. «Durch die Praxisnähe vieler neuen Entwicklungen ist es denn auch, die Lehrender ist es gelungen, die Inhalte Andreas Meier, Professor am Department of entsprechend der Entwicklung des ICT- Informatics der Universität Fribourg, von Marktes und den Anforderungen der Praxis seinen Studenten erwartet. Meier streicht ebenfalls die kurze Halbwertszeit der Inforweiterzuentwickeln.» Allerdings gesteht Brenner auch, dass matik heraus, die eine ständige Anpassung die Professoren sehr gefordert seien, weil der Lehr- und Lerninhalte erfordere. So bedie Inhalte ständig auf dem Prüfstand treibe man zum Beispiel seit Jahren ein Labor für Big Data und thematistünden und weiterentwisiere die Nutzung von NoSQLckelt werden müssten: «Ich Studenten Datenbanken auf Bachelorselber habe seit der Einfühsollen die wie auf Masterebene. Dies rung des PC in den 1980erführe dazu, dass die StudieJahren keine so spannende, Bedeutung von renden das Potenzial neuer aber auch ausbildungsintenTechnologien Technologien «möglichst früh sive Zeit erlebt. In einigen erkennen. einschätzen» können, wie meiner Lehrveranstaltungen Meier sagt. Denn Fribourg muss ich bis zu 30 Prozent des Materials von einem Jahr zum nächs- wolle gerade solche Studierenden anziehen, ten austauschen», erklärt Brenner die Aus- «die am Technologiewandel und an den wirkungen der ICT-Transformation auf den damit verbundenen gesellschaftlichen VerHochschulbetrieb. änderungen interessiert sind» und deshalb Hinzu komme, so Brenner weiter, dass ein Studium in Informatik oder Wirtschaftssich auch bei den Lehrformaten in den informatik anstreben. In Fribourg könnten letzten Jahren viel getan habe. So koope- sie neben den künstlichen IT-Sprachen wie riere die Uni St. Gallen beispielsweise in Java ausserdem auch die Sprachen Deutsch, der praxisorientierten Lehrveranstaltung Französisch und Englisch pflegen und Design-Thinking mit der Stanford Univer- ein bi- oder trilinguales Diplom anstreben, sity in Palo Alto. Hier würden Studierende streicht Meier den Standortfaktor heraus. in Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen unter anderem Prototypen für Interesse am Technologiewandel Und natürlich wird auch in der Stadt an digitale Produkte oder Services bauen. Dazugekommen sind zudem neue Lehr- der Saane das fächerübergreifende Studium veranstaltungen in Entrepreneurship, um gepflegt. Sein Departement verstehe sich als den Gründergeist der Studierenden zu «interfakultäres Forschungszentrum», sagt fördern. «Es ist unglaublich, wie schnell Meier. Entsprechend würden die Bachelordie Digitalisierung fast in allen Bereichen und Master-Studiengänge von Studierenden unserer Uni angekommen ist, und ich der mathematisch-naturwissenschaftlichen staune, wie lernfähig unsere Institution wie der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten genutzt. Als derzeit neue ist», resümiert Brenner.

René Hüsler Direktor Departement informatik, hochschule luzern

Bei der Hochschule Luzern adressiert man den rasanten Wandel der Kommunikationstechnologien, indem man das Know-how bündelt. Für René Hüsler, Direktor des Departements Informatik, ist das einer der Gründe, warum ab 2016 Informatik und Wirtschaftsinformatik in Rotkreuz unter einem Dach zusammengeführt werden.

Compact Disc (CD): Die scheibenförmigen Speicherträger wurden 1982 auf den Markt gebracht.

Schwerpunkte verweist er auf Computer Science for the Humanities sowie Business Analytics and Big Data, die Einzug ins Studium gehalten haben. Doch schon bisher habe man je nach Ausrichtung die ganze Bandbreite von eBusiness und eCommerce über Web-Analyse und Monitoring bis hin zum Supply Chain Management angeboten. In der Informatik selbst würden in den vier Bereichen Distributed Systems, Advanced Software Engineering, Advanced Informa-

Ausgewählte studieNANgebote Fernfachhochschule Schweiz www.ffhs.ch — Bachelor of Science in informatik — Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

Berner Fachhochschule www.bfh.ch — Bachelor of Science in informatik — Bachelor of Science in Medizininformatik — Master of Science in engineering mit Vertiefung ict — Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge (certificate of Advanced Studies)

ETH Zürich, Departement Informatik www.inf.ethz.ch — Master in informatik — Bachelor in informatik — Promotion in informatik — lehrerausbildung in informatik — cAS-lehrgänge

Hochschule für Technik und Architektur Freiburg www.hta-fr.ch — Master of Science in engineering — Bachelor in informatik und telekommunikation — Diverse lehrgänge

Hochschule Luzern www.hslu.ch — Bachelor in informatik — Bachelor in Wirtschaftsinformatik — Master in Wirtschaftsinformatik — Master of Science in engineering mit Vertiefung ict

Hochschule für Wirtschaft Zürich www.fh-hwz.ch — Bachelor in Wirtschaftsinformatik

Universität Bern www.unibe.ch — Master in informatik — Bachelor in informatik — Bachelor in Wirtschaftsinformatik — lehrerausbildung in informatik

Universität Freiburg www.unifr.ch — Master of Science in informatik — Bachelor of Science in informatik — Master of Arts in Wirtschaftsinformatik — Bachelor of Arts in Wirtschaftsinformatik

Universität St. Gallen www.unisg.ch — Master of Arts in Business innovation — Promotion in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

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Peter Frommenwiler

A

Volker richert

| 45

Fachhochschule Nordwestschweiz www.fhnw.ch — Master in informatik — Bachelor in informatik — Bachelor in Wirtschaftsinformatik — Bachelor in Business information technology — Master of Science Business information Systems — cAS-lehrgänge

Fachhochschule St. Gallen – Hochschule für Angewandte Wissenschaften www.fhsg.ch — Master of Science in Business Administration mit Vertiefung Wirtschaftsinformatik — Master of Advanced Studies in Business Process engineering — Bachelor of Science in Business Administration mit Vertiefung Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur www.htwchur.ch — Bachelor in information Science — Bachelor in Multimedia Production — Bachelor in Systemtechnik — Master in Business Administr. mit Vertiefung information and Data Management — Master in engineering — cAS-lehrgänge

Hochschule für Technik Rapperswil www.hsr.ch — Master of Science in engineering mit Vertiefung ict — Bachelor in informatik — Bachelor in elektrotechnik — cAS-lehrgänge

Universität Zürich www.uzh.ch — Master of Science in informatik — Bachelor of Science in informatik — Promotion in informatik

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften www.zhaw.ch — Bachelor in informatik — Master in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

tion Processing und Logik die Grundlagen für den ICT-Wandel vermittelt. In Studienthemen wie Bio-inspired and Parallel Architectures, Sensor Networks and Security oder Automatic Speech Services spiegle sich die ganze Bandbreite der aktuellen ICT-Transformation.

Praxisbezug ist wichtig Die Interdisziplinarität betont man aber auch bei den anderen Schweizer

Hochschulen. René Hüsler, Direktor des Departements Informatik an der Hochschule Luzern (siehe Interview rechts), nennt sie als wichtigen Grund dafür, dass man auf einem neuen Campus in Rotkreuz die Studiengänge bündle. Man habe auch organisatorisch den «permanenten Wandel» in die Ausbildung aufzunehmen, ist er überzeugt. Hinzu komme, so Hüsler weiter, dass «die Anwendungsoder Praxisorientiertheit ein Schlüssel-

element der gesamten Hochschule Luzern» darstellt. Daher seien «jetzt und auch in Zukunft», wie er betont, Dozierende mit langjähriger Praxiserfahrung unerlässlich. Und genau dieser Praxisbezug gibt gerade den vielen Fachhochschulen im Lande ihren je eigenen Charakter. Gut ablesen lässt sich das beispielsweise an einer Besonderheit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Dort trumpft

man mit der Flexibilität des Studienangebots. Denn die Studiengänge werden an verschiedenen Standorten und sowohl im Vollzeit- als auch im immer beliebteren berufsbegleitenden Modus angeboten. Offensichtlich ist es gerade die Kombination von Praxisorientierung und der breiten Palette in Forschung und Lehre, welche es den Schweizer Hochschulen erlaubt, die ICT-Transformation so nah zu begleiten.

Schmiede der digitalen Elite

Weiterbildung Der Fachverband Simsa engagiert sich für lehrgänge ausserhalb der hochschulen. Volker richert

Beim Schweizer Branchenverband der Internet-Industrie wird der rasante Wandel der ICT spürbar. Neben dem Einsatz für gute Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Politik steht bei der Swiss Internet Industry Association (Simsa) das Engagement für die Ausbildung ganz oben auf der Agenda. Deren Vizepräsident, Claudio Dionisio, erklärt, wie die Bildungslandschaft ausserhalb der Hochschulen die ICT-Transformation prägt. Wie noch nie zuvor stehen laut Dionisio Unternehmen aller Branchen heute vor der Herausforderung, sich strategisch und operationell an die neue digitale Realität anzupassen. Das führe zu einem grossen Bedarf an Experten und Spezialisten an den Schnittstellen StrateANzeige

gie, Technologie, Business und Organisation. Hier positioniere sich die Simsa mit ihrem Engagement für die Digital-Ausbildung. Nicht nur am neuen Berufsbild zur Grundausbildung des Mediamatikers habe man mitgearbeitet, sondern auch die vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eingesetzte Organisation der Arbeitswelt für den eidgenössischen Diplom-Lehrgang Web Project Manager (WPM) verantwortet, so Dionisio weiter. Den technischen Wandel liest er unter anderem an den schnelleren Anpassungen der Lerninhalte ab und an den laufenden und sich ändernden Anforderungsprofilen. So sei es heutzutage eine mehr oder weniger normale Aufgabe, ein mit einem CRM (Customer Relationship Management) kombiniertes digitales

Werbe-Tool in einem Cloud-Umfeld einzuführen. Dies erfordere betriebswirtschaftliches Know-how, vertieftes technisches und prozessuales Detailwissen oder auch gute Kenntnisse der internationalen rechtlichen Anforderungen. Diese anspruchsvolle Kombination verschiedener Kompetenzen werde in der WPM-Ausbildung in sieben Modulen sehr praxisnah vermittelt, sagt Dionisio.

Aktuelle Entwicklungen aufnehmen Man käme nicht mehr darum herum, in den Lehrgängen stets die jüngsten Entwicklungen zu vermitteln und zu diskutieren. Dabei stünden neue und disruptive Technologie, innovative Business-Modelle und verändertes Kundenverhalten im Fokus. Diese Aspekte nehme man jeweils sehr früh auf, um sie auf ihre

Zukunftsfähigkeit, ihre praktische Tauglichkeit, aber auch auf ihre Risiken abklopfen zu können, wie Dionisio ausführt. Dabei setze man auf praxisnahe und zukunftstaugliche Vermittlung von webund mobiletechnischen Fähigkeiten, sagt Dionisio, und engagiere entsprechende Dozenten aus erfolgreichen Digitalagenturen und E-Business-Experten, die sich oft als Gründer und Pioniere einen Namen gemacht haben. Sie demonstrieren den Studierenden neben den fundamentalen Grundlagen in Workshops auch das How-to, wie Dionisio erklärt: «Nur Praktiker mit einer breiten Erfahrung können das glaubwürdig vermitteln.» Dies sei für die Kursteilnehmer zentral. Denn sie wollen zur digitalen Elite gehören und in diesem Bereich auch Karriere machen, wie man bei der Simsa weiss.

Wie hat sich Ihr Studiengang Informatik in den letzten Jahren gewandelt? René Hüsler: Unser Angebot umfasst momentan die beiden Bachelor-Studiengänge Informatik und Wirtschaftsinformatik, den Master-Studiengang in Wirtschaftsinformatik sowie den Master of Science in Engineering mit der Vertiefung in Information and Communication Technologies. Aber das Fachgebiet Informatik verändert sich konstant und dringt immer stärker in alle Disziplinen vor. Unsere Studierenden erhalten eine solide Grundausbildung in Informatik und können praktische Erfahrungen mit den neusten Technologien sammeln. Auf was legen Sie besonderen Wert? Die Interdisziplinarität spielt in der Informatik eine wichtige Rolle. Zudem steht speziell bei den Fachhochschulen die Anwendungsorientierung im Vordergrund. Diesen Aspekten tragen wir vom ersten Semester an Rechnung. Die Studierenden praktizieren fächerübergreifendes Arbeiten in konkreten Projekten. Welches Profil haben die meisten Ihrer Studenten? Die Mehrheit unserer Studierenden hat eine einschlägige Berufslehre mit Berufsmaturität, dies wird auch in Zukunft so bleiben. Die Anzahl der gymnasialen Maturandinnen mit Berufspraktikum wird jedoch ansteigen. Zur Bekämpfung des Fachkräftemangels muss deren Potenzial auch besser genutzt werden. Welche Auswirkungen hat der Anspruch des lebenslangen Lernens auf Ihre Studiengänge? Damit die Informatiker mit den Entwicklungen in ihrem Fachgebiet Schritt halten können, müssen sie tatsächlich ein Berufsleben lang lernen. Unser Weiterbildungsangebot hat zum Ziel, die Leute aus der Praxis fachlich und persönlich voranzubringen. interVieW: Volker richert


44 | Digitale Transformation

handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

Hochschulen 2.0

«Anwendung steht im Vordergrund»

Ausbildung Um im rasanten Wandel der informations- und kommunikationstechnologie zu bestehen, befinden sich die Schweizer hochschulen selbst in einem ständigen transformationsprozess. llein die jüngsten Berufungen an den beiden eidgenössischen technischen Hochschulen, also der ETH und EPFL, im Bereich Informatik zeigen, wie sehr Schweizer Hochschulen den permanenten ICT-Wandel adressieren. Mit Christos Kozyrakis von der Stanford University in Kalifornien ist ein Spezialist für Rechnerarchitektur und Energieeffizienz von IT-Systemen berufen worden, der sich unter anderem in Sachen Cloud-Computing profiliert hat. Zudem ist von der Yale University Bryan Ford in die Schweiz gekommen, der sich als Systemspezialist auf dem Gebiet der Datensicherheit und des Schutzes der Privatsphäre im Netz einen Namen gemacht hat. Ausserdem wurde Jörg Stelling zum ordentlichen Professor für rechnergestützte Systembiologie ernannt, wo man Brücken zwischen der Bioinformatik und dem Bioengineering baut. Und mit Dimitrios Kyritsis hat die EPFL einen Professor berufen, dessen Fokus die IT für eine nachhaltige Produktionsweise ist. Dabei sind Cloud, Security, Bioinformatik oder die Verschmelzung von Business und IT nur Beispiele für den raschen Wandel im Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik, wie die zwei grossen Oberbegriffe lauten. Schwerpunkte legen die Hochschulen inzwischen auch bei Themen wie Big Data oder Social Media und adressieren alle Formen disruptiver Technologien. Das lässt sich unter ande-

rem an immer neuen Studiengängen ablesen. So hat erst kürzlich die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) den BachelorStudiengang in Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt «Digital Connected Society» gestartet, der das ganze Themenumfeld von Web-2.0-Anwendungen adressiert. Oder die Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) verbindet in der Studienrichtung «Application Design – Cloud Solutions» Informatik, Design und Psychologie zum sogenannten «Human Computer Interaction Design». Hinzugekommen sind aber auch universitäre Weiterbildungsangebote, die zum Beispiel an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) erlauben, in den Certificates of Advanced Studies (CAS) «Disruptive Technologies» als eigenes Fach zu studieren. Hier werden dann Big Data, Swarm-Intelligence oder Wearable Computer thematisiert.

Professoren müssen mithalten Schon die wenigen Hinweise zeigen vor allem, wie sehr in Forschung und Lehre die viel beschworene Transformation der ICT in den Schweizer Hochschulen angekommen ist. An der Universität St. Gallen hat man sich gar von der Bezeichnung des Studiengangs als Informatik verabschiedet. Der Masterstudiengang heisst Business Innovation und deckt alle Ausbildungsinhalte in Wirtschaftsinformatik, Technologie- und Innovationsmanagement, Entrepreneurship sowie Medien- und Kommunikationsmanagement ab, wie Professor Walter Brenner vom Institute of Information Management erklärt. Inhaltlich werden hier aktuelle Fragen etwa zu Social Media, Cloud oder Datenschutz in

Die Aufgeschlossenheit gegenüber den unterschiedlichen Lehrveranstaltungen integriert. «Durch die Praxisnähe vieler neuen Entwicklungen ist es denn auch, die Lehrender ist es gelungen, die Inhalte Andreas Meier, Professor am Department of entsprechend der Entwicklung des ICT- Informatics der Universität Fribourg, von Marktes und den Anforderungen der Praxis seinen Studenten erwartet. Meier streicht ebenfalls die kurze Halbwertszeit der Inforweiterzuentwickeln.» Allerdings gesteht Brenner auch, dass matik heraus, die eine ständige Anpassung die Professoren sehr gefordert seien, weil der Lehr- und Lerninhalte erfordere. So bedie Inhalte ständig auf dem Prüfstand treibe man zum Beispiel seit Jahren ein Labor für Big Data und thematistünden und weiterentwisiere die Nutzung von NoSQLckelt werden müssten: «Ich Studenten Datenbanken auf Bachelorselber habe seit der Einfühsollen die wie auf Masterebene. Dies rung des PC in den 1980erführe dazu, dass die StudieJahren keine so spannende, Bedeutung von renden das Potenzial neuer aber auch ausbildungsintenTechnologien Technologien «möglichst früh sive Zeit erlebt. In einigen erkennen. einschätzen» können, wie meiner Lehrveranstaltungen Meier sagt. Denn Fribourg muss ich bis zu 30 Prozent des Materials von einem Jahr zum nächs- wolle gerade solche Studierenden anziehen, ten austauschen», erklärt Brenner die Aus- «die am Technologiewandel und an den wirkungen der ICT-Transformation auf den damit verbundenen gesellschaftlichen VerHochschulbetrieb. änderungen interessiert sind» und deshalb Hinzu komme, so Brenner weiter, dass ein Studium in Informatik oder Wirtschaftssich auch bei den Lehrformaten in den informatik anstreben. In Fribourg könnten letzten Jahren viel getan habe. So koope- sie neben den künstlichen IT-Sprachen wie riere die Uni St. Gallen beispielsweise in Java ausserdem auch die Sprachen Deutsch, der praxisorientierten Lehrveranstaltung Französisch und Englisch pflegen und Design-Thinking mit der Stanford Univer- ein bi- oder trilinguales Diplom anstreben, sity in Palo Alto. Hier würden Studierende streicht Meier den Standortfaktor heraus. in Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen unter anderem Prototypen für Interesse am Technologiewandel Und natürlich wird auch in der Stadt an digitale Produkte oder Services bauen. Dazugekommen sind zudem neue Lehr- der Saane das fächerübergreifende Studium veranstaltungen in Entrepreneurship, um gepflegt. Sein Departement verstehe sich als den Gründergeist der Studierenden zu «interfakultäres Forschungszentrum», sagt fördern. «Es ist unglaublich, wie schnell Meier. Entsprechend würden die Bachelordie Digitalisierung fast in allen Bereichen und Master-Studiengänge von Studierenden unserer Uni angekommen ist, und ich der mathematisch-naturwissenschaftlichen staune, wie lernfähig unsere Institution wie der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten genutzt. Als derzeit neue ist», resümiert Brenner.

René Hüsler Direktor Departement informatik, hochschule luzern

Bei der Hochschule Luzern adressiert man den rasanten Wandel der Kommunikationstechnologien, indem man das Know-how bündelt. Für René Hüsler, Direktor des Departements Informatik, ist das einer der Gründe, warum ab 2016 Informatik und Wirtschaftsinformatik in Rotkreuz unter einem Dach zusammengeführt werden.

Compact Disc (CD): Die scheibenförmigen Speicherträger wurden 1982 auf den Markt gebracht.

Schwerpunkte verweist er auf Computer Science for the Humanities sowie Business Analytics and Big Data, die Einzug ins Studium gehalten haben. Doch schon bisher habe man je nach Ausrichtung die ganze Bandbreite von eBusiness und eCommerce über Web-Analyse und Monitoring bis hin zum Supply Chain Management angeboten. In der Informatik selbst würden in den vier Bereichen Distributed Systems, Advanced Software Engineering, Advanced Informa-

Ausgewählte studieNANgebote Fernfachhochschule Schweiz www.ffhs.ch — Bachelor of Science in informatik — Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

Berner Fachhochschule www.bfh.ch — Bachelor of Science in informatik — Bachelor of Science in Medizininformatik — Master of Science in engineering mit Vertiefung ict — Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge (certificate of Advanced Studies)

ETH Zürich, Departement Informatik www.inf.ethz.ch — Master in informatik — Bachelor in informatik — Promotion in informatik — lehrerausbildung in informatik — cAS-lehrgänge

Hochschule für Technik und Architektur Freiburg www.hta-fr.ch — Master of Science in engineering — Bachelor in informatik und telekommunikation — Diverse lehrgänge

Hochschule Luzern www.hslu.ch — Bachelor in informatik — Bachelor in Wirtschaftsinformatik — Master in Wirtschaftsinformatik — Master of Science in engineering mit Vertiefung ict

Hochschule für Wirtschaft Zürich www.fh-hwz.ch — Bachelor in Wirtschaftsinformatik

Universität Bern www.unibe.ch — Master in informatik — Bachelor in informatik — Bachelor in Wirtschaftsinformatik — lehrerausbildung in informatik

Universität Freiburg www.unifr.ch — Master of Science in informatik — Bachelor of Science in informatik — Master of Arts in Wirtschaftsinformatik — Bachelor of Arts in Wirtschaftsinformatik

Universität St. Gallen www.unisg.ch — Master of Arts in Business innovation — Promotion in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

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Peter Frommenwiler

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Volker richert

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Fachhochschule Nordwestschweiz www.fhnw.ch — Master in informatik — Bachelor in informatik — Bachelor in Wirtschaftsinformatik — Bachelor in Business information technology — Master of Science Business information Systems — cAS-lehrgänge

Fachhochschule St. Gallen – Hochschule für Angewandte Wissenschaften www.fhsg.ch — Master of Science in Business Administration mit Vertiefung Wirtschaftsinformatik — Master of Advanced Studies in Business Process engineering — Bachelor of Science in Business Administration mit Vertiefung Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur www.htwchur.ch — Bachelor in information Science — Bachelor in Multimedia Production — Bachelor in Systemtechnik — Master in Business Administr. mit Vertiefung information and Data Management — Master in engineering — cAS-lehrgänge

Hochschule für Technik Rapperswil www.hsr.ch — Master of Science in engineering mit Vertiefung ict — Bachelor in informatik — Bachelor in elektrotechnik — cAS-lehrgänge

Universität Zürich www.uzh.ch — Master of Science in informatik — Bachelor of Science in informatik — Promotion in informatik

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften www.zhaw.ch — Bachelor in informatik — Master in Wirtschaftsinformatik — cAS-lehrgänge

tion Processing und Logik die Grundlagen für den ICT-Wandel vermittelt. In Studienthemen wie Bio-inspired and Parallel Architectures, Sensor Networks and Security oder Automatic Speech Services spiegle sich die ganze Bandbreite der aktuellen ICT-Transformation.

Praxisbezug ist wichtig Die Interdisziplinarität betont man aber auch bei den anderen Schweizer

Hochschulen. René Hüsler, Direktor des Departements Informatik an der Hochschule Luzern (siehe Interview rechts), nennt sie als wichtigen Grund dafür, dass man auf einem neuen Campus in Rotkreuz die Studiengänge bündle. Man habe auch organisatorisch den «permanenten Wandel» in die Ausbildung aufzunehmen, ist er überzeugt. Hinzu komme, so Hüsler weiter, dass «die Anwendungsoder Praxisorientiertheit ein Schlüssel-

element der gesamten Hochschule Luzern» darstellt. Daher seien «jetzt und auch in Zukunft», wie er betont, Dozierende mit langjähriger Praxiserfahrung unerlässlich. Und genau dieser Praxisbezug gibt gerade den vielen Fachhochschulen im Lande ihren je eigenen Charakter. Gut ablesen lässt sich das beispielsweise an einer Besonderheit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Dort trumpft

man mit der Flexibilität des Studienangebots. Denn die Studiengänge werden an verschiedenen Standorten und sowohl im Vollzeit- als auch im immer beliebteren berufsbegleitenden Modus angeboten. Offensichtlich ist es gerade die Kombination von Praxisorientierung und der breiten Palette in Forschung und Lehre, welche es den Schweizer Hochschulen erlaubt, die ICT-Transformation so nah zu begleiten.

Schmiede der digitalen Elite

Weiterbildung Der Fachverband Simsa engagiert sich für lehrgänge ausserhalb der hochschulen. Volker richert

Beim Schweizer Branchenverband der Internet-Industrie wird der rasante Wandel der ICT spürbar. Neben dem Einsatz für gute Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Politik steht bei der Swiss Internet Industry Association (Simsa) das Engagement für die Ausbildung ganz oben auf der Agenda. Deren Vizepräsident, Claudio Dionisio, erklärt, wie die Bildungslandschaft ausserhalb der Hochschulen die ICT-Transformation prägt. Wie noch nie zuvor stehen laut Dionisio Unternehmen aller Branchen heute vor der Herausforderung, sich strategisch und operationell an die neue digitale Realität anzupassen. Das führe zu einem grossen Bedarf an Experten und Spezialisten an den Schnittstellen StrateANzeige

gie, Technologie, Business und Organisation. Hier positioniere sich die Simsa mit ihrem Engagement für die Digital-Ausbildung. Nicht nur am neuen Berufsbild zur Grundausbildung des Mediamatikers habe man mitgearbeitet, sondern auch die vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eingesetzte Organisation der Arbeitswelt für den eidgenössischen Diplom-Lehrgang Web Project Manager (WPM) verantwortet, so Dionisio weiter. Den technischen Wandel liest er unter anderem an den schnelleren Anpassungen der Lerninhalte ab und an den laufenden und sich ändernden Anforderungsprofilen. So sei es heutzutage eine mehr oder weniger normale Aufgabe, ein mit einem CRM (Customer Relationship Management) kombiniertes digitales

Werbe-Tool in einem Cloud-Umfeld einzuführen. Dies erfordere betriebswirtschaftliches Know-how, vertieftes technisches und prozessuales Detailwissen oder auch gute Kenntnisse der internationalen rechtlichen Anforderungen. Diese anspruchsvolle Kombination verschiedener Kompetenzen werde in der WPM-Ausbildung in sieben Modulen sehr praxisnah vermittelt, sagt Dionisio.

Aktuelle Entwicklungen aufnehmen Man käme nicht mehr darum herum, in den Lehrgängen stets die jüngsten Entwicklungen zu vermitteln und zu diskutieren. Dabei stünden neue und disruptive Technologie, innovative Business-Modelle und verändertes Kundenverhalten im Fokus. Diese Aspekte nehme man jeweils sehr früh auf, um sie auf ihre

Zukunftsfähigkeit, ihre praktische Tauglichkeit, aber auch auf ihre Risiken abklopfen zu können, wie Dionisio ausführt. Dabei setze man auf praxisnahe und zukunftstaugliche Vermittlung von webund mobiletechnischen Fähigkeiten, sagt Dionisio, und engagiere entsprechende Dozenten aus erfolgreichen Digitalagenturen und E-Business-Experten, die sich oft als Gründer und Pioniere einen Namen gemacht haben. Sie demonstrieren den Studierenden neben den fundamentalen Grundlagen in Workshops auch das How-to, wie Dionisio erklärt: «Nur Praktiker mit einer breiten Erfahrung können das glaubwürdig vermitteln.» Dies sei für die Kursteilnehmer zentral. Denn sie wollen zur digitalen Elite gehören und in diesem Bereich auch Karriere machen, wie man bei der Simsa weiss.

Wie hat sich Ihr Studiengang Informatik in den letzten Jahren gewandelt? René Hüsler: Unser Angebot umfasst momentan die beiden Bachelor-Studiengänge Informatik und Wirtschaftsinformatik, den Master-Studiengang in Wirtschaftsinformatik sowie den Master of Science in Engineering mit der Vertiefung in Information and Communication Technologies. Aber das Fachgebiet Informatik verändert sich konstant und dringt immer stärker in alle Disziplinen vor. Unsere Studierenden erhalten eine solide Grundausbildung in Informatik und können praktische Erfahrungen mit den neusten Technologien sammeln. Auf was legen Sie besonderen Wert? Die Interdisziplinarität spielt in der Informatik eine wichtige Rolle. Zudem steht speziell bei den Fachhochschulen die Anwendungsorientierung im Vordergrund. Diesen Aspekten tragen wir vom ersten Semester an Rechnung. Die Studierenden praktizieren fächerübergreifendes Arbeiten in konkreten Projekten. Welches Profil haben die meisten Ihrer Studenten? Die Mehrheit unserer Studierenden hat eine einschlägige Berufslehre mit Berufsmaturität, dies wird auch in Zukunft so bleiben. Die Anzahl der gymnasialen Maturandinnen mit Berufspraktikum wird jedoch ansteigen. Zur Bekämpfung des Fachkräftemangels muss deren Potenzial auch besser genutzt werden. Welche Auswirkungen hat der Anspruch des lebenslangen Lernens auf Ihre Studiengänge? Damit die Informatiker mit den Entwicklungen in ihrem Fachgebiet Schritt halten können, müssen sie tatsächlich ein Berufsleben lang lernen. Unser Weiterbildungsangebot hat zum Ziel, die Leute aus der Praxis fachlich und persönlich voranzubringen. interVieW: Volker richert


Digitale Transformation | 47

Peter Frommenwiler

handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

Zip-Laufwerk: In den 1990er-Jahren waren die Speicher mit rund 100 Megabyte grossen Disks verbreitet.

«Scheitern ist ein Normalfall»

Andreas Göldi Der Internetpionier erklärt, weshalb er immer wieder neue Firmen gründen muss, warum das in den USA einfacher ist und wieso es die Apple Watch schwer haben wird. IntervIeW: JorgoS BroUzoS

Was reizt Sie am Gründen neuer Firmen? Andreas Göldi: Es ist unterhaltsam. Ich habe mich auch schon in Grosskonzernen versucht, das war nichts für mich. Es ist zu ruhig und zu politisch. Startups sind faszinierend. Ich bin gerne dabei, wenn neue Branchen entstehen. Meine erste Firma hat sich mit dem Web auseinandergesetzt, später waren es Social Media und Blogs. Heute geht es um Online-Videos. Das ist ein Markt, der erst gerade richtig entsteht. Die Video-Plattform YouTube ist etabliert. Wieso öffnet sich dort jetzt ein Fenster? Die Plattform ist nicht neu, aber die Nutzung für geschäftliche Zwecke ändert sich gerade – besonders fürs Marketing. Bis vor kurzem dachte jeder, YouTube sei nur für Katzenvideos da. Heute gibt es YouTubeStars mit einem Millionenpublikum. Das erkennen auch grosse Brands. Und welche Rolle übernimmt Ihre Firma? Wir betreuen beispielsweise ein Projekt für den Kosmetikkonzern L’Oréal. Die Firma arbeitet mit Schönheits-Bloggerinnen zusammen und sponsert diese. Spannenderweise dürfen die Video-Bloggerinnen auch Konkurrenzprodukte verwenden. Das ist nötig, um für das Publikum glaubwürdig zu sein. Auch auf Facebook wird Video zum Thema. Obwohl die Plattformen schon ein paar Jahre alt sind, ändert sich der Umgang mit ihnen radikal.

Konzern, der Blogwerk vor kurzem gekauft hat, Mühe hatte, diese Firma zu integrieren. Es ist nicht unüblich, dass sich traditionelle Firmen schwer damit tun, wenn sie sich Startups einverleiben. Damit tun sich viele schwer, wie auch mit dem digitalen Wandel. Was bedeutet der Begriff für Sie? Erst wurden die neuen Technologien verwendet, um Prozesse effizienter zu machen. Dann sorgten digitale Technologien dafür, dass sich Geschäftsprozesse fundamental ändern. Und es entstehen neue Geschäftsmodelle – nicht nur durch Startups, sondern auch bei etablierten Firmen. Die Entwicklung wird radikaler. Wo spüren Sie den Wandel? Unsere Firma hat rund 60 Angestellte. Im Firmenbesitz haben wir einen oder zwei Computer. Die Laptops gehören den Angestellten. Die Firma subventioniert sie. Alles andere ist gemietet oder virtuell. Cloud Computing und neue Arbeitsmethoden machen das möglich. Eine Firma mit 60 Mitarbeitenden hätte früher Millionen für die Infrastruktur ausgegeben, heute bezahlt sie eine kleine Gebühr.

Sie sind auch bekannt für Ihre Blogs. Ist die Zeit der Blogs vorbei? Vielleicht. Für mich ist die Blog-Phase vorbei. Die Szene ist vielfältiger geworden. Mit Twitter erreicht man heute ein bestimmtes Zielpublikum schneller. Auch auf Facebook und Google+ gibt es ein Publikum für kurze Texte. Das traditionelle Bloggen verliert an Bedeutung. Die Szene verändert sich jeden Tag. Es gibt auch neue populäre Plattformen wie Medium.

Name: Andreas göldi Funktion: technologiechef Pixability Alter: 44 Wohnort: Boston, USA Familie: verheiratet, zwei Kinder

Sie waren einer der Initianten der OnlinePlattform Blogwerk. Diese schliesst. Hat Sie das Ende von Blogwerk überrascht? Ja, das hat es. Die Blogs von Blogwerk waren Medienkanäle mit mehreren Autoren, die professionell von einem Chefredaktor betreut wurden. Diese Form von Journalismus hat eine Berechtigung. Geschlossen wurde der Agenturteil, der Firmen dabei hilft, Soziale Medien zu nutzen. Dort lag das Problem eher daran, dass der

Das Unternehmen göldi zählt zu den einflussreichsten Internetpionieren der Schweiz. er ist Mitbegründer der Web-Agentur namics und des Blog-verbunds Blogwerk. Seit mehreren Jahren lebt er in den USA und hat dort zwei Firmen mit aufgebaut. Pixability ist im Bereich Big Data und video tätig. In das Unternehmen haben venture-Capital-Firmen und ein grosser Druckkonzern investiert.

Der Innovator

Wie spürt man diese Radikalität? Am deutlichsten sieht man das bei Startups. Amazon ist schon etabliert, hat aber das Einkaufsverhalten revolutioniert. Der Taxi-Dienst Uber verändert das Transportwesen, Airbnb das Reiseverhalten und Spotify den Musikkonsum. Das zeigt, dass das Internet komplett andere Ansätze erlaubt. Die Firmen kommen mehrheitlich aus den USA. Kennen Sie Firmen aus der Schweiz mit demselben Potenzial? Ich bin nicht mehr so nahe an der Schweiz. Im deutschsprachigen Raum besteht eher die Tendenz, erfolgreiche Modelle aus den USA zu kopieren. Aber immerhin kommt Spotify aus Schweden. Aus der Schweiz kommen solche Firmen aber eher nicht. Weshalb? Der Heimmarkt in der Schweiz ist zu klein. Eine Firma hat in den USA mehr als 300 Millionen potenzielle Konsumenten. Auch wenn nur ein paar Prozent das Produkt gut finden, sind es schon ein paar Millionen. In der Schweiz wären es nur einige Zehntausend. Gibt es andere Unterschiede? Aus der Schweiz kommen oft fundamentale Technologien, also die Bausteine von bahnbrechenden Produkten. Web-Firmen basieren oft auf Technologien, die aus Europa kommen. Die Kommerzialisierung geschieht dann in den USA. Wie sieht es bei etablierten Unternehmen aus, die sich dem digitalen Wandel stellen? Es gibt zwei Wege dafür. Ein Unternehmen kann in der bestehenden Organisation versuchen, die Geschäftsprozesse umzukrempeln. Ein Beispiel ist der Telekomanbieter T-Mobile. Sein Marktanteil in den USA war klein. Die Firma hat auf digitale Kanäle gesetzt und wächst nun stark. Wie funktioniert der zweite Ansatz? Etablierte Firmen versuchen, ein Startup aufzubauen. Die Jungfirma läuft dann als Seitenwagen zum etablierten Geschäft. Das sieht man auch in der Schweiz. Es ist ein valider Weg. Der Werbevermarkter PubliGroupe hat das Portal local.ch auf die Beine gestellt. Beim Verkauf der Firma hat sich gezeigt, dass es das wertvollste Element des Konzerns war. Local.ch hat sich gut entwickelt, der Konzern hat nicht überlebt.

Müssen sich Firmen selber disruptieren? Es kann passieren, dass das bestehende Geschäftsmodell bedroht wird. Dafür braucht es eine gewisse Toleranz. Ein anderes Risiko ist, dass solche Einheiten zu schnell wieder eingefangen werden. Die Geschäftsleitung muss die neue Firma genügend lange an der langen Leine lassen - auch wenn es sich negativ auf die Zahlen des Konzerns auswirken könnte. Wie unterscheiden sich die Schweiz und die USA bei der Digitalisierung? In den USA geht es sehr schnell. Ein Beispiel ist etwa die Fernseh-Plattform Hulu, die von mehreren Stationen betrieben wird. Die Sender taten sich zusammen, weil sie so eine Chance haben. In Europa geht man das konservativer an.

«Nur einer von zehn Innovationsansätzen in einer Firma kann erfolgreich sein.» Das gilt auch für den Umgang mit Sozialen Medien. Wie relevant sind sie? Jedes Unternehmen sollte alle Kanäle abdecken. Die jüngere Generation will bei jeder Transaktion digital interagieren, und dies insbesondere über mobile Geräte. Der Austausch mit dem Anbieter muss über jeden Kanal möglich sein. Sind Soziale Medien nur im Kontakt mit Endkunden relevant oder auch im Geschäftskundenbereich wichtig? Im Geschäftskundenbereich sind sie noch wichtiger. Denn dort geht es nicht nur um Bequemlichkeit, sondern um Effizienz. Was bedeutet das für die Mitarbeitenden? Firmen verlangen von ihren Mitarbeitenden, dass sie sich mit dem Wandel beschäftigen und dass sie sich privat mit den Technologien auseinandersetzen. Welche Auswirkungen hat das? Mitarbeiter sollen eine stärkere Rolle im Innovationsprozess übernehmen. Sie sollen aktiv auf die eigene Arbeitswelt Einfluss nehmen. Welche Werkzeuge sind sinnvoll? Was können wir ausprobieren? Welche Rolle übernehmen dabei firmeninterne Innovationsplattformen? Die Plattformen bringen etwas, wenn sie ernst genommen werden. Das Problem ist

nicht, die Ideen zu finden, sondern sie umzusetzen. Die Plattformen müssen über die Fortschritte informieren und die Mitarbeiter daran teilhaben lassen. Das muss vom Management getrieben werden. Die Prozesse müssen scheitern dürfen. Dafür braucht es die richtige Mentalität. In der Schweiz tut man sich schwer mit dem Scheitern. Scheitern ist ein Normalfall. Nur eines von zehn Startups ist ein grosser Erfolg. Diesen Ansatz braucht es auch innerhalb einer Firma. Nur einer von zehn Innovationsansätzen kann erfolgreich sein. Wie leben Sie das bei Pixability? Unsere Firma entwickelt sich gut. Wir sind aber schon beim dritten oder vierten Geschäftsmodell. Das ist für unsere Investoren kein Problem. Sie verstehen, dass wir einen Markt finden müssen. In der Schweiz tut man sich schwerer, Investoren wollen Sicherheit. Die gibt es halt oft nicht. Welche Rolle spielen Endgeräte? Mobile Geräte werden wichtiger, vielleicht auch schneller und schöner – aber sie werden sich nicht mehr radikal ändern. Die interessanten Dinge passieren anderswo. Wo erwarten Sie Veränderungen? Wearables sind interessant. Ich bin aber skeptisch, ob die Apple Watch erfolgreich wird. Neue Ansätze sind spannender. Ich probiere Amazon Echo aus. Der Lautsprecher reagiert auf Sprachbefehle und fügt sich nahtlos ins Leben ein. Zudem nimmt Virtual Reality langsam Fahrt auf. Sie sehen für Ihre Firma noch kein Geschäftsmodell bei der Apple Watch? Technologien wie Wearables und Virtual Reality werden von Firmen wie Google, Apple, Facebook, Samsung und Amazon geprägt. Diese neuen Ökosysteme bleiben nicht lange offen und werden rasch vereinnahmt. Aber vielleicht ist es etwas für mein nächstes Startup. Wo wollen Sie denn mit Pixability hin? Wir haben unsere Grösse im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Das wollen wir dieses Jahr wiederholen. Wir nehmen derzeit Kapital auf, um noch stärker aufs Gas treten zu können. Wir haben schon viele europäische Kunden und nun wollen wir nach Asien expandieren. Und vielleicht kommt ja der Europa-Sitz in die Schweiz.


48 | Digitale Transformation

handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

Schweizer liegen vorne

Studie Hiesige Firmen sind weltweit an erster Stelle bei geplanten Investitionen in Digitalisierung. MarkuS THoMaS ScHweIzer unD cHrISTIan Soguel

Geschäftsmodelle unter Druck Die befragten Branchen umfassen Dienstleistung, Konsumgüter, Maschi­ nenbau und Anlagenbau, Handel, Trans­ port und Logistik, IT und Elektronik, Banken und Versicherungen, Gesund­ heit, Telekommunikation und Medien sowie die Automobilbranche. Die telefo­ nische Befragung wurde im Dezember 2014 und Januar 2015 durch das unab­ hängige Marktforschungsinstitut Valid aNzeigeN

Peter Frommenwiler

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er Schweizer Wirtschafts­ standort zeigt sich gut einge­ stellt auf die Digitalisierung. Hiesige Unternehmen, ab rund 10 Millionen Franken Umsatz, werden in diesem Jahr im Durch­ schnitt voraussichtlich insgesamt 47 Mil­ lionen Franken in die Digitalisierung ihres Geschäfts investieren – es könnte sogar noch mehr sein. Denn fast 40 Prozent der Unternehmen geben an, mehr investieren zu wollen; jedoch verhindern das vor allem – in abnehmender Reihenfolge – die fehlenden finanziellen Möglichkeiten, mangelndes Know­how und Personaleng­ pässe. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter 1025 Unternehmen in zwölf Ländern. Die zum ersten Mal erho­ bene Studie basiert auf der Befragung von Unternehmen der Länder Schweiz, USA, Deutschland, Grossbritannien, Frank­ reich, Italien, China, Spanien, Niederlande, Indien, Südkorea und Schweden.

USB-Stick: Der praktische kleine Speicher mit verschiedensten Datengrössen ist ein beliebtes Werbegeschenk.

Auch hier liegt die Schweiz mit 70 Pro­ Research in Bielefeld in Deutschland zent Zustimmung weit vorne, gleich an durchgeführt. Weltweit, auch in der Schweiz, musste zweiter Stelle hinter Indien, wo es 76 Pro­ mehr als jedes zweite Unternehmen in zent Zustimmung sind. Haupttreiber für den vergangenen fünf Jahren deutliche diese zukünftigen Veränderungen werden nach Einschätzung der welt­ Änderungen am eigenen weit Befragten mit deut­ Geschäftsmodell vorneh­ Für 41 Prozent lichem Abstand (39 Prozent) men. Die Schweiz wurde der Schweizer neue Technologien sein. dabei besonders gefordert: Neue Wettbewerber (21 Pro­ Sie liegt hinter Italien und Firmen spielt zent) und verändertes Kauf­ Indien an dritter Stelle der Digitalisierung verhalten der Kunden (19 Länder, in denen der mas­ eine grosseRolle. Prozent) werden als weniger sivste Wandel stattfand – bedeutend für die nächsten noch vor den USA, Gross­ britannien und Deutschland. Der Zwang fünf Jahre eingeschätzt. Die Studie zeigte für Unternehmen, sich zunehmend neu in diesem Zusammenhang, dass wachs­ zu erfinden, wird weiterhin gelten, und tumsstarke Unternehmen im Vergleich zu zwar in allen Ländern: Fast zwei Drittel weniger dynamischen überdurchschnitt­ der Befragten weltweit erwarten, dass lich häufig damit rechnen, ihr Geschäfts­ sich das Geschäftsmodell des Unterneh­ modell anpassen zu müssen. Bemerkenswert ist des Weiteren, dass mens in den kommenden fünf Jahren Schweizer Unternehmen vergangenheits­ verändern wird.

bezogen die Bedeutung neuer Techno­ logien für die Veränderung des Geschäfts­ modells sehr gering veranschlagen. Nur 21 Prozent in der Schweiz versus 29 Pro­ zent im weltweiten Durchschnitt benen­ nen die neuen Technologien als Treiber für Veränderungen des Geschäftsmodells in den letzten fünf Jahren.

Integraler Teil des Geschäftsmodells Diese Einschätzung der Vergangenheit durch Schweizer Unternehmen steht nur im scheinbaren Widerspruch zur weltweit führenden Investitionsbereitschaft in puncto zukünftiger Digitalisierung, denn sie zeigt deutlich einen Nachholbedarf auf. Positiv ist, dass die Unternehmen die Zeichen der Zeit verstanden haben, wie auch die hohe Zustimmung in der Schweiz, dass sich das Geschäftsmodell der Unternehmen in den kommenden fünf Jahren verändern wird, unterstreicht.

Die Digitalisierung der Wirtschaft steht nicht erst bevor – sie ist bereits in vollem Gange: Bereits bei fast jedem dritten Un­ ternehmen weltweit spielen digitale Tech­ nologien eine sehr grosse Rolle für das eigene Geschäftsmodell, bei weiteren 40 Prozent eine mittelgrosse. Dabei gehört die Schweiz im weltweiten Vergleich in Sachen Digitalisierung zur Spitze. Von den befragten Schweizer Unternehmen geben 41 Prozent an, digitale Techno­ logien spielten für sie bereits eine sehr grosse Rolle – vor Indien, China und Deutschland. Und auch in puncto Optimismus gegenüber der Digitalisierung liegen Schweizer Unternehmen ganz vorne: 79 Prozent der Befragten bewerten die Digi­ talisierung der Wirtschaft als Chance für das eigene Geschäft – nur 3 Prozent sehen sie in erster Linie als Bedrohung. Damit sind die Schweizer Unternehmen deut­ lich zuversichtlicher als ihre ausländi­ schen Wettbewerber: Weltweit betrach­ ten nur 64 Prozent die Digitalisierung als Chance, 4 Prozent als Bedrohung. Der gegenwärtige Optimismus ist grundsätzlich zu begrüssen. Es wäre nun­ mehr wichtig, dass sich das Thema Digi­ talisierung vom Hype weg und hin zu einer umsetzbaren Strategie entwickelt. Es werden viele Projekte angestossen, doch vielfach passiert das eher unabgestimmt beziehungsweise unkoordiniert. Helfen würden Leitlinien, die eine Richtung vor­ geben und konkrete Schritte priorisieren, damit Digitalisierung als wichtiger Be­ standteil des künftigen Wirtschaftswachs­ tums immer mitgedacht wird. Digita­ lisierung wird zunehmend integraler Bestandteil einer Unternehmensstrategie. Markus Thomas Schweizer, Managing Partner advisory, eY Deutschland, Schweiz und Österreich; christian Soguel, leiter asset Management, eY Schweiz, zürich.


Digitale Transformation | 49

Peter Frommenwiler

handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

Compact-Flash-Karte (ab 1994): Die Speicherkarten kamen unter anderem in der Fotografie zur Anwendung.

Ein Spagat

Management digitale transformation ist eine herausforderung für Führungskräfte. Peter Kreutter und Fritz Wüthrich

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er Twitter-Eintrag spricht eine deutliche Sprache: «Why 2015 is all about digital transformation» postete Anfang Februar 2015 das World Economic Forum im Nachgang zur diesjährigen Veranstaltung in Davos. Für viele Unternehmen und Manager kommt dieser Weckruf vielleicht fast schon zu spät. Branchen wie die Musikindustrie oder das Verlagswesen sind schon unter die digitalen Räder gekommen. Das Bank- und Versicherungswesen oder die klassische Fertigungsindustrie stehen kurz davor beziehungsweise spüren bereits deutlich die ersten Auswirkungen dieses weitreichenden Transformationsprozesses.

Die persönliche digitale Lernkurve Die Bewältigung des digitalen Wandels fordert Manager und Führungskräfte in doppelter Art und Weise. Er zwingt nicht nur das Unternehmen, sich und sein Geschäftsmodell zu verändern, sondern auch die Führungskräfte, die persönlichen Fähigkeiten und impliziten Glaubenssätze, wie man in der eigenen Branche erfolgreich ist, auf den Prüfstand zu stellen. Um ein Überleben in solchen Umfeldern sicherzustellen und das bestehende Chancenpotenzial konsequent zu nutzen, sollte aus Sicht der Autoren besonders auf drei Aspekte geachtet werden.

ZeNtrum für Strategie

Prominente an Bord

Forschung das Wipro center for Business resilience wurde 2013 an der Whu Otto Beisheim School of Management in Vallendar (d) gegründet. Als thinktank und offene Plattform fokussiert sich das Wipro center auf Forschungsfragen zur Sicherung des langfristigen unter­ nehmenserfolges und des einflusses neuer technologien auf die indus­ triestrukturen sowie unternehmens­ strategien. Schweizer im Beirat des centers sind unter anderem Anja Schulze von der universität zürich und ursula Soritsch­renier, informatik­ chefin von Sulzer, aktiv.

So trivial sich diese Empfehlung anhören mag, für Führungskräfte ist der systematische Aufbau einer persönlichen digitalen Lernkurve unerlässlich. Einmal eine dreitägige Rundreise durch das Silicon Valley zu machen oder ab und an einen Startup ins eigene Unternehmen einzula-

Ein Mentoring bei den eigenen Kindern über die neuen Technologien kann neue Einblicke bringen. den, kann nicht mehr als ein erster Schritt sein. Um die Vielschichtigkeit des Themas zu durchdringen und belastbares eigenes Know-how aufzubauen, ist mehr erforderlich: Die permanente und konsequente Auseinandersetzung mit diesen Themen. Die Möglichkeiten hierzu sind vielfältig und häufig überraschend einfach, wie das Beispiel einer Führungskraft eines mittelständischen Maschinenbauers zeigt. Er hatte 2013 seine 14-jährige Tochter überzeugt, für ihn über zwölf Monate als Reverse Mentor zu agieren und ihm zwei bis drei Stunden pro Woche die Welt von Twitter, Instagram, Youtube und Gaming nahezubringen. In ähnlicher Weise lässt sich zum Beispiel auch durch den regelmässigen Austausch mit Technologie-Partnern über deren Best Practices wichtiges persönliches Know-how aufbauen.

Eine offene Sichtweise Der Erfolg entsprechender Lernprozesse, um für sich ein neues mentales Modell aufzubauen, hängt wesentlich von der eigenen Offenheit und der persönlichen Neugier ab. Wie hilfreich in diesem Zusammenhang für die angesprochene Führungskraft das Coaching durch die Tochter war, zeigte sich 2014, als im Unternehmen über innovative Möglichkeiten der Grosskunden-Interaktion mit Kunden nachgedacht wurde: «Hätte ich selbst nicht bereits erfahren, was heute bei den Digital Natives Standard ist, wäre ich der von meinem Team vorgeschlagenen digitalen Plattform sicherlich extrem skeptisch gegenübergestanden. Ich hätte sicher die Lösung nicht so begeistert mitgetragen und forciert, wie ich es dann getan habe», so der Manager im Rückblick. Das Kundenfeedback und die Nutzungszahlen geben ihm recht. Wie wichtig zudem das Einnehmen einer langfristig-ganzheitlichen Perspektive ist, zeigt sich am Beispiel der Musik-

industrie. In der Diskussion wird oft die digitale Revolution auf den Übergang von Schallplatte über CD zu Tauschbörsen und digitalem Streaming reduziert. Was dabei übersehen wird, ist die Tatsache, dass digitale Einflüsse viel früher bereits sehr radikal den Prozess der eigentlichen Musikproduktion verändert haben. So setzten in den 1970er- und 1980er-Jahren Gruppen wie Yello oder Kraftwerk erstmals die neuen Technologien ein, die heute bei Musikern als Standard nicht mehr hinterfragt werden. Überträgt mal diese Beobachtung zum Beispiel auf die Finanzbranche, dürfte klar werden, welches Momentum die Digitalisierung hier bereits hat und wie radikal sich unter anderem das Retailgeschäft in den kommenden Jahren noch verändern wird.

Kundenstrukturen und Nutzung Die Kernfrage jeden unternehmerischen Handels ist: Warum ist welcher Kunde bereit, mir heute und morgen für meine Produkte und Services einen angemessenen Preis zu bezahlen? Im Kontext der Digitalisierung sind insbesondere die scheinbar bekannten Antworten auf das «Warum?» und das «Welcher?» fundamental zu hinterfragen. So besteht die grosse Gefahr, die Aufgeschlossenheit reifer Zielgruppen für digitale Lösungen systematisch zu unterschätzen. Man nehme nur das Argument eines Verlagshauses, dass dessen Leser im Schnitt über 60 Jahre alt sind und man daher an der Priorität klassischer Formate und Printprodukte festhalte. Die Frage hinsichtlich der Zukunft dieses Hauses dürfte schnell beantwortet sein. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass erfolgreiche digitale Transformation den Mut zu konsequenten Reformen an Haupt und Gliedern erfordert. Mit seinem scheinbar widersprüchlichen Begriff der Schöpferischen Zerstörung brachte der Ökonom Joseph Schumpeter diese Forderung bereits Anfang des letzten Jahrhunderts auf den Punkt. Sein Plädoyer, dass Unternehmen durch eigenes Handeln die Wettbewerbsumwelt zu ihrem Vorteil gestalten können, setzt einen radikalen Gegenpol zu einem defensiven, reaktiven Wettbewerbsverständnis. Es gilt heute mehr denn je, über Innovationen neue Märkte und Lösungsmodelle zu schaffen, anstatt nur den Status quo zu verwalten. Peter Kreutter, direktor, Stiftung Whu, Vallendar (d), und Fritz Wüthrich, country director, Wipro Schweiz, zürich.

aNZeige


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handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

Die Chancen der mobilen Welt

Arbeitsformen Der Einsatz von mobilen Endgeräten verkürzt Durchlaufzeiten, steigert die Effizienz und öffnet Firmen die Möglichkeit, an neuen Geschäftsformen teilzuhaben. Ralph M. Bush unD sanDRa höDl

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Optimale Nutzung 2. Die optimale Nutzung von mobilen Anwendungen und agilen Kanälen, um mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern in Kontakt zu treten, erfordert die konzeptionelle Neugestaltung der Geschäftsprozesse. Wichtig ist, die Verantwortlichkeiten und internen Abläufe klar zu definieren oder neu zu schaffen. Durch strukturiertes und systematisches Aufarbeiten der Aktivitäten, Einteilung nach Prozesstypen, unter anderem Auftragsarten oder Dienstleistungen, und das Abgrenzen des mobilen Prozesses von bestehenden kann eine effizientere Arbeitsweise gewährleistet werden. Strukturdiagramme, ereignisgesteuerte Prozessketten- oder Use-Case-Modellierungen unterstützen die systematische Einteilung der Ist-Abläufe. Wesentlich bei der Ausgestaltung ist, physische und redundante Prozesse zugunsten der effizienten Ausgestaltung des Soll-Prozesses zu eliminieren. Denn hinter diesen Arbeitsschritten stecken häufig administrative Routinearbeiten und Doppelerfassungen, die Ressourcen binden und den End-toEnd-Prozess verlangsamen. Durch die Automatisierung der Abläufe kann die Prozessqualität erhöht, können Mitar-

Peter Frommenwiler

er Einsatz von Internet und mobilen Endgeräten lässt die Kommunikationsmöglichkeiten der Unternehmen stetig wachsen. Die Anzahl der Teilnehmer an Geschäftsabläufen steigt sukzessive. Die veränderten Rahmenbedingungen wecken neue Chancen und finden grosse Beliebtheit, verlangen aber gleichzeitig eine Anpassung von Geschäftsmodell, Prozesslandschaft und Technologien. 1. Im unternehmerischen Kontext sollte die Aufnahme von mobilen Prozessen mit der Unternehmensstrategie übereinstimmen. Der Strategieabgleich kann nach Klärung der organisatorischen Verankerung und der Ziele, die mit mobilen Abläufen in Unternehmen erreicht werden sollen, erfolgen. Ziele sind zum Beispiel zeitnahes Einbinden von Vorgesetzten und Aussendienstmitarbeitern in die Freigabeprozesse, Verkürzung der Prozessdurchlaufzeiten und Digitalisieren von papierbasierten Abläufen. Die Erfahrung zeigt, dass die Ableitung der mobilen Business-Strategie von der übergeordneten Unternehmensstrategie und den Erfolgsfaktoren unverzichtbar ist.

Digital Versatile Disc (DVD): Ab 1995 fand die DVD als Speicher besonders für Videoformate Verwendung.

beiter entlastet und Kosteneinsparungen gewährleistet werden. 3. Nach der konzeptionellen Anpassung der Geschäftsprozesse an die neuen Gegebenheiten ist die Auswahl der geeigneten Hard- und Software zur Implementierung wesentlich. Aus Anwendersicht sollte das System einfach zu bedienen sein, das Layout dem Trend der Zeit entsprechen. Standardsoftware bietet heute viele Funktionalitäten und deckt einen Grossteil der Must-have-Benutzeranforderungen ab. Auch aus Komplexitäts- und betriebswirtschaftlicher Sicht sollten Konfigurationen und Customizing der Niceto-have-Anforderungen auf ein Minimum reduziert werden.

Sicherheit gewährleisten 4. Dem Bedürfnis an ein zufriedenstellendes IT-Sicherheits-Konzept ist im

Rahmen der Technologieauswahl Rechnung zu tragen. Minimalanforderungen sind die sichere Ablage von Unternehmensdaten, das Ausführen von Transaktionen im geschützten Umfeld sowie die Regelung und Durchsetzung organisatorischer Richtlinien und Guidelines. 5. Die richtige Abschätzung des Investitionsvolumens trägt zum Projekterfolg und zur nachhaltigen Verankerung im Unternehmen bei. Eine Total-Cost-of Ownership-(TCO-)Betrachtung enthält die Anschaffungs- (Lizenz, Beratungs-, Schulungs- und Programmierungsleistungen) und laufenden Kosten für Wartung, Instandhaltung und Infrastruktur. Diese sind bei der Berechnung der Investitionskosten zwingend mit einzukalkulieren. 6. Abschliessend beeinflussen angemessene Schulungs- und Change-Management-Aktivitäten die User-Akzeptanz und

die erfolgreiche Adoption des Geschäftsmodells. Dies erfolgt vor allem durch zielgerichtete und koordinierte Projektarbeit, welche an den richtigen Stellen im Unternehmen verankert ist und eine Dringlichkeit der Veränderung vermittelt.

Schneller werden Zusammenfassend bietet die Aufnahme von mobilen Prozessen im Unternehmen vermehrt Chancen, am bestehenden Markt mit agilen Prozessen und schneller Reaktionszeit zu überzeugen. Gleichzeitig sollten sich Unternehmen nicht vom Spannungsfeld zwischen einfacher Bedienung, internen Abläufen, Technologieauswahl und IT-Sicherheit abschrecken lassen. Ralph M. Bush, partner, und sandra hödl, Manager, beide helbling Business advisors, Zürich.

Tipps

Ratschläge für den digitalen Wandel 1. abgleich von unternehmens­ strategie und Mobile­Business­ Modell. 2. Geschäftsprozesse und Verant­ wortlichkeiten regeln. 3. Geeignete Technologie finden. 4. IT­sicherheits­Konzept berück­ sichtigen. 5. angemessenes Investitions­ volumen wählen. 6. Change­Management­aktivitäten im unternehmen verankern.

DEF als digitaler Mix aus WEF und SEF Tagung Die schweiz hat bereits ein weltweites sowie ein natio­ nales Wirtschaftsforum. Im Mai folgt das erste Digital Economic Forum im Glattpark bei Zürich. noRMan C. BanDI

Im Januar pilgert die globale Wirtschaftselite seit Jahrzehnten ans World Economic Forum (WEF) in Davos. Im Juni treffen sich hiesige Wirtschaftskräfte seit Jahren am Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken. Themen wie Digitalisierung oder digitale Transformation stehen dort immer mal wieder auf der Agenda. In den Fokus rückt sie jetzt das neu geschaffene Digital Economic Forum (DEF), das am 5. und 6. Mai 2015 zum ersten Mal im kürzlich eröffneten Luxushotel Kameha Grand Zurich im Glattpark stattfindet. Die Konsequenzen der universalen Digitalisierung sind für Wirtschaft und

Gesellschaft revolutionär und existenziell. Das Tempo von Innovationen und Konzepten ist so atemberaubend, dass Jungunternehmen in Windeseile Alteingesessenen Märkte streitig machen. Digitale Leader sind gefordert, die Orientierung zu behalten in einem Veränderungsprozess, der immer wieder neues Denken, neue Regeln, neue Partner und eigene Veränderungen erfordert. Kurz – das immense Potenzial aller digitalen Technologien.

Bekannte Organisatoren Mit dem DEF wollen die bekannten Unternehmer Oliver Stoldt (Premium Conferences) und Hans-Jürg «Schoscho» Rufener (Rufener Events) eine neue überregionale Plattform schaffen, die branchenunabhängig Trends, Standards und die Menschen dahinter zusammenbringt. Mit ihrem Forum möchten die beiden Paten «für ein wissensbegieriges Publikum grösste digitale Kompetenz nach Zürich holen und jährlich eine Standortbestimmung einer digitalisierten Welt

ermöglichen». Mit im fünfköpfigen Organisationsteam sind Christian Wenger (Wenger & Vieli), Vera Brannen (Usable Brands) und Marcel Altherr (Inventique). Die neue Tagung harmoniert zudem mit der angekündigen Initiative «Digital Zurich 2025» von Ringier-Konzernchef Marc Walder und weiteren prominenten Wirtschaftsvertretern. Sie will den Grossraum zu einem Innovation Cluster von europäischer Bedeutung machen – eine Art Brücke zwischen Silicon Valley und Singapur. In diese Strategie passt die Partnerschaft mit dem Center for Digital Business der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), einem Bildungs-, Forschungsund Beratungszentrum für digitale Transformation. «Bei steigender Komplexität der Thematik ist es wichtig, dass Entscheidungsträger sich inspirieren lassen, neue Wege zu wagen», sagt Manuel P. Nappo, Leiter des Center for Digital Business der HWZ. Für die Organisatoren Stoldt und Rufener hat der Academic Partner eine «hohe Bedeutung, weil das DEF auch

aktuellstes praktisches Know-how im Digitalbereich vermitteln möchte».

Interessante Referenten Das erste Digital Economic Forum beginnt am Dienstag, 5. Mai 2015, um 18.30 Uhr mit einem exklusiven NetworkingDinner im Dom des «Kameha Grand Zurich». Die Keynote-Speech des GalaAbends hält Marketing- und Sales-Experte Sven Henkel, bis Juni Assistenzprofessor und Projektleiter an der Forschungsstelle für Customer Insight der Universität St. Gallen (HSG), ab Juli Seniorprofessor und Direktor am Automotive Institute for Management der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Hessen. Er spricht am DEF zum Thema «Crossmediale Markenführung im digitalen Zeitalter: Schaffung und Etablierung einer nachhaltigen und multioptionalen Markenpositionierung». Am Mittwoch, 6. Mai 2015, jagt von 8.45 bis 17.15 Uhr ein Höhepunkt den nächsten. Keynote-Referate gibt es etwa von Thomas D. Meyer, Direktor von Accenture

Schweiz («Digital Index»), und Thomas Kaiser, Chef von Ringier Digital («Local Champions»), als nationale Grössen oder von Dietmar Dahmen, Creative Consultant aus Wien («Digitale Wölfe»), und Nick Bostrom, Philosophieprofessor an der Oxford University («Superintelligence»), als weltweite Grössen. Daneben stehen unter dem Titel Business Track diverse Workshops auf dem Programm, unter anderem mit Hanspeter Kipfer (Oracle Schweiz) und Patrick Warnking (Google Schweiz). Gefolgt von einem Podium, beispielsweise mit Markus Naef (Sunrise). Angesprochen werden Geschäftsführer und Innovationsleiter von Konzernen und KMU sowie Fachleute der Informationsund Kommunikationstechnologien (ICT). Die Synergy Night am Vorabend kostet 225 Franken pro Person. Die Tagungsgebühr allein beträgt 795 Franken pro Person. Für Corporate Groups ab drei Personen gibt es reduzierte Eintrittstickets. www.digitaleconomicforum.ch


Digitale Transformation | 51

Peter Frommenwiler

handelszeitung | Nr. 14 | 2. April 2015

USB-Stick mit 32 Gigabyte: Die Speichervolumen wachsen, der Stick ist flexibel einsetzbar. Daher ist er auch heute noch sehr beliebt.

Nutzen schlägt Technologie

Trends Geschäftsmodelle, die jahrelang funktionierten und Profit lieferten, stehen plötzlich auf wackeligen Beinen. AlexAndrA reich

W

ikipedia ersetzt den Brockhaus, Video on Demand verdrängt die Videothek, die Auflagen der Tageszeitungen sind im Sinkflug. In vielen Fällen schalten branchenfremde Firmen die Akteure aus, die sich dazwischen befinden: Bei Airbnb bucht der Reisende direkt beim privaten Anbieter – das Reisebüro, die Hotelkette und die Hotels verlieren ihre Kommission. Ebenso bei Uber, dem Taxidienst. Die Taxizentrale wird nicht mehr benötigt, der Passagier bucht die Fahrt direkt über die App beim Anbieter. Die Geschwindigkeit, mit der solche Disrupter auf den Markt kommen, ist immens. Whatsapp gewann in nur sechs Jahren über 700 Millionen Benutzer. Ein grosser Teil dieser Tech-Konzerne ist jünger als 20 Jahre und doch haben sie eine ungeheure Bedeutung erlangt. Google ist inzwischen das drittwertvollste Unternehmen der Welt. Was aber bedeutet dies für Firmen, die sich der Digitalisierung erst zögerlich nähern?

Nicht Hightech, sondern Nutzen Ein häufiges Missverständnis ist die Folgerung, dass Digitalisierung für TechaNzeige

nologie steht. Im Zentrum der Digitalisierung steht immer der Kundennutzen, der durch Technologie erst ermöglicht wird. Airbnb und Uber sind keine Übertechnologien, sondern sie stellen auf Basis bestehender Technologien direkt und effizient eine Beziehung zwischen Nutzer und Anbieter her. Denn aus der Technologie allein ergibt sich noch kein Businessmodell. Das Smartphone existierte lange vor dem iPhone, ebenso gab es bereits Jahre zuvor Apps. Doch erst mit dem iPhone gelang dem Smartphone der Durchbruch, weil es Teil eines grösseren Ökosystems mit iTunes und dem Appstore ist. Das iPhone ermöglichte den Konsumenten erstmals ohne Hindernisse und technische Kenntnisse, Apps, Musik und Videos auf ihre Geräte zu laden. Auch hier beruht der grosse Erfolg auf dem Kundennutzen. Die Evergreen-Beispiele Kodak und Nokia, die im Zuge der Digitalisierung immer genannt werden, sind nicht technologisch gescheitert: Sie erkannten die geänderten Kundenbedürfnisse nicht. Der Kunde erwartet heute mehr als nur ein Produkt. Er will Mehrwerte und ein durchgängiges Kundenerlebnis erfahren. Er erwartet Produkte, die ein Problem lösen. Dazu muss der Hersteller seine Kunden aber kennen und direkt erreichen.

Die Digitalisierung ermöglicht ihm genau dies, sie führt zu mehr direktem Kundenkontakt. Sie ermöglicht Unternehmen, ihre Angebote zu personalisieren, und fördert damit eine bessere Kundenbeziehung: Einzelstücke statt Massenproduktion, gezielte Botschaften statt Streuverluste. Auch die Nutzung von Cross-Channels unterstützt das Kundenerlebnis: Der Kunde bestellt mobil und holt sein Produkt im Laden ab. Wenn es ihm nicht gefällt, retourniert er es in einer anderen Filiale. Eine nächste Bestellung lässt er sich vielleicht nach Hause liefern.

Digitale Chancen für den Tourismus Der moderne Käufer will nicht nur von einer Art des Einkaufs profitieren, sondern alle verfügbaren Möglichkeiten nutzen. Solche Cross-Channel-Modelle lassen sich nur mithilfe digitalisierter Prozesse abbilden – mit konventionellen Prozessen wäre dies viel zu teuer. Einen zusätzlichen Digitalisierungsschub und damit grundlegende Umwälzungen werden in den nächsten Jahren Technologien wie das Internet of Things, Machine-to-MachineAnwendungen, Big Data und Cloud-Computing auslösen. Findigen Unternehmern eröffnen sie gänzlich neue Geschäftsfelder und Chancen, mithilfe dieser Technologien neue Services zu entwerfen, die am

Ende dem Kunden nutzen. Ein Beispiel für die erfolgreiche Nutzung der Digitalisierung finden wir in der Tourismusbranche. Feriendestinationen können sich mit besseren Kundenerlebnissen von anderen abheben. Denn Gäste erwarten heute kontextbezogene Informationen. Der körperlich aktive Gast interessiert sich für die aktuellen Wetterverhältnisse, der Gourmet für die besten Restaurants. Davos Klosters Tourismus hat eine voll digitalisierte Lösung eingeführt und die grösste Outdoor-Beacon-Installation der Schweiz realisiert. Beacons sind kleine batteriebetriebene Bluetooth-Sender, die wie farbige Steine aussehen. In Verbindung mit einer App erlauben sie vorbeiziehenden Smartphones und Geräten die Positionsbestimmung. Wenn sich Gäste mit der installierten App in der Nähe eines Beacon ihres Interesses befinden, erhalten sie eine passende Push-Nachricht. Sie können sich so situations- und ortsgerecht inspirieren lassen. Auch die lokalen Unternehmen profitieren, denn sie sprechen ihre Zielgruppe direkt, zeitnah und individuell an. Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt. Auch das macht die Digitalisierung aus: Man entwickelt eine Basis, baut drauf auf, testet, verbessert und findet immer wieder neue Anwendungen, um sich abzuheben.

Die App ist ein Beispiel für ein bedürfnisorientiertes Angebot, welches das Kundenerlebnis verbessert.

Der Kunde will mehr Tempo Digitalisierung bedeutet auch, dass der Kunde oftmals eine höhere Geschwindigkeit erwartet. Heute ist er gewohnt, alles sofort zu erhalten. Musik, Bücher, Videos – alles nur einen Klick entfernt. Es dauerte mehrere Jahrzehnte, um zwei Milliarden Fernseher zu verkaufen. Es dauerte jedoch weniger als ein Jahrzehnt, um die gleiche Anzahl Smartphones zu verkaufen. Die Digitalisierung kommt, so oder so. Die mit ihr einhergehenden Chancen sind riesig: Nie war Rechenleistung günstiger, nie war es technisch einfacher, eine grosse Anzahl potenzieller Kunden zu adressieren. Das grösste Hindernis, um diese Chancen zu realisieren, liegt in den alten Denkmustern sowie der hohen Geschwindigkeit, auf die Unternehmen oft nicht vorbereitet sind. Die Frage lautet nicht, ob und wann man ein Unternehmen digitalisiert. Die Frage lautet vielmehr, wie schnell man es tun kann und wie viele andere Unternehmen schneller waren. Alexandra reich, leiterin Mobility, Swisscom enterprise customers, Zürich.


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Roberto Fedele CIO, Valora Gruppe

Jean-Benoît Gauthier CIO, International Olympic Commitee (IOC)

Dr. Christopher Ganz Group Service R&D Manager, ABB Technology Ltd

Dr. Thomas Wettstein CEO, AXPO Informatik AG

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Willkommen zur themenführenden unabhängigen Business-2-Business Management-Plattform zu IT Sourcing & Business Cloud. Über 300 Entscheidungsträger von Anwender-Unternehmen diskutieren am 14. April 2015 im KKL Luzern zu folgenden Schwerpunkten:        

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Anmeldung: www.itsourcing-forum.ch (Eintrittspreis für Anwender CHF 890.–)

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