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first das magazin für guten stil

04_2011 | CHF 6.−

by

One nigHt in zuricH seide, Kaschmir, Pelz:

fashion für glamouröse stunden

HermÈS

Luxus im Quadrat – wie ein Carré entsteht

Oldtimer

Im Porsche mit dem Chopard-Chef

Marilyn Monroe // joël Palix // HelMut newton // saM roseMan // tobias funke


editorial

FIRST FIRST Axel Springer Schweiz AG Förrlibuckstrasse 70 8021 Zürich Tel. +41 43 444 55 20 Fax +41 43 444 55 03 E-Mail: verlag@bilanz.ch FIRST ist eine gemeinsame Beilage von «Handelszeitung», «Bilanz» und «PME Magazine» und erscheint vier Mal jährlich. Ausgabe 4/2011, November Auflage: 130 000 Exemplare ISSN-Nr. 1663-9502

Pierre-André Schmitt, Chefredaktor

REDAKTION: Chefredaktor: Pierre-André Schmitt, pierre.andre.schmitt@axelspringer.ch Mitarbeiter dieser Ausgabe: Mirko Beetschen, Stéphane Houlmann, Iris Kuhn-Spogat, Monique Rijks, Olivier Toublan, Brigitte Ulmer Übersetzungen: Rahel Schöni Art Direction: Wernie Baumeler, Catharina Clajus Bildredaktion: Lucie Clement (Leitung) Produktion: Christian Wapp (Leitung), Barbara Schmutz, Susann Tamisier Korrektorat: Thomas Basler, Cornelia Lautenschütz, Andreas Ritter

VERLAG: Verlagsgeschäftsleitung: Jörg Tobuschat, Maike Juchler (stv. Leitung) Marketingleitung: Patrizia Serra Werbemarkt Deutschschweiz: Corinne Frei (Leitung, 043 444 58 69), corinne.frei@axelspringer.ch Anzeigenverkauf Westschweiz: Servais Micolot (Leitung), servais.micolot@axelspringer.ch Caroline Ventura (022 949 06 61), caroline.ventura@axelspringer.ch Reservationen/Druckmaterial: Jda Hess (043 444 55 18), Désirée Michel (043 444 55 14), Fax 043 444 55 15, anzeigenid@bilanz.ch Verkaufspreis: Fr. 6.– inkl. MwSt. Abonnentenservice: 043 444 58 93, abo-dienst@axelspringer.ch Herausgeberin: Axel Springer Schweiz AG Förrlibuckstrasse 70, Postfach, 8021 Zürich Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen im Sinne von Art. 322 StGB: Verlag Sport Wochenzeitung AG, Tourmedia AG.

2000 Stunden für Exzellenz.

Zeit, so sagen viel beschäftigte Menschen gerne, Zeit sei der letzte wahre Luxus auf Erden. Und auch wenn ein indischer Bettler das wohl anders sieht, falsch ist die Bemerkung sicher nicht. Der Satz gilt, dieses Mal ganz pragmatisch, auch für die Luxusgüterindustrie. Wer sich keine Zeit lässt, bringt keine exzellenten Produkte zustande. Gut Ding will eben Weile haben, und im wahren Luxus steckt immer sehr viel Zeit. Das gilt zum Beispiel für die Haute Parfumerie des Edelkosmetikers Sisley in Paris. Jahrelang erinnerte sich CEO Philippe d’Ornano an einen Parfumentwurf seines Vaters aus der Zeit, als er selber noch ein Junge war. Damals war die Zeit für einen Duft auf Basis der Wilden Pistazie noch nicht wirklich reif. Heute glaubt die Familie daran und bringt ihn nach jahrelangem Pröbeln in die Geschäfte. Ein Gespräch mit Philippe d’Ornano finden Sie ab Seite 58. Zeit ist auch bei Hermès die wichtigste Ingredienz für wertvolle Manufakturprodukte, wie unsere Reportage der Autorin Iris Kuhn-Spogat über die Produktion von Seidencarrés eindrücklich zeigt, ab Seite 18. Allein für das Zeichnen der Druckvorlagen braucht es 800 Arbeitsstunden – 2000 Stunden waren es für das Dessin des französischen Künstlers Antoine Tzapoff. Das Carré zeigt einen Apachen und wird demnächst in die Boutiquen kommen. Erst die verstrichene Zeit macht mitunter den wahren Luxus sichtbar. Das gilt zum Beispiel für den Porsche 356 von Chopard-Chef Karl-Friedrich Scheufele, ein Exemplar mit einer sehr selten verbauten Motorisierung. Die Fahrt mit so einem Vehikel ist atemberaubend und Luxus pur. Wie sich das anfühlt, lesen Sie ab Seite 36. Und Bilder, die erst viele Jahre nach ihrem Entstehen teure Sammlerstücke wurden, finden Sie ab Seite 60. Polaroidbilder waren einst eine eher ephemere, flüchtige Sache. Heute sind Polas von grossen Fotografen dank ihrer besonderen Aura manchmal mehr wert als technisch perfekte Hochglanzbilder. Erst die Zeit hat sie zu Preziosen gemacht. Herzlich Pierre-André Schmitt

DRUCK: Swissprinters St. Gallen AG, Fürstenlandstrasse 122, 9001 St. Gallen, www.swissprinters.ch

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inhalt

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46 12 // NEWS Dies & das Sachen und Sächelchen von nah und fern.

Porsche-Klassiker vor. Ein Autotest der ungewöhnlichen Art.

18 // ACCESSOIRES Hermès Von der Idee bis zum fertig bedruckten Seidencarré: Werkstattbesuch in den Hermès-Ateliers.

40 // PORTRÄT Sam Roseman Der Chef des Modelabels Shanghai Tang interpretiert chinesische Tradition neu.

26 // SCHMUCK Furrer-Jacot Die Eheringe-Manufaktur setzt im Kampf gegen die Konkurrenz auf raffinierte Bijoux.

42 // UHREN Piaget Olivier Toublan testet die Polo Tourbillon Relatif.

34 // STYLE Für sie Was er ihr zu Weihnachten schenken kann – unsere Tipps. 35 // STYLE Für ihn Was sie ihm unter den Christbaum legt – eine Auswahl. 36 // AUTO Karl-Friedrich Scheufele Der Chopard-Chef fuhr mit einem

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46 // MODE One Night in Zurich Kaschmir, Pelz und Seide: Die Mode für die Winter- und Festtagssaison lockt mit Materialien, die goldrichtig sind für eine glamouröse Partynacht. 58 // LUXUS Sisley Der kleine, feine Kosmetikbrand bietet den Grossen die Stirn. Der CEO sagt, wies funktioniert. 60 // FOTOGRAFIE Polaroids Im Zeitalter der Digitalfotografie erlebt das Polaroidbild eine Renaissance. 66 // REISEN Tel Aviv Quartiere werden renoviert, Clubs und Läden eröffnet: Die Stadt am Mittelmeer vibriert vor Energie. 74 // LIEBLINGSSTÜCK Tobias Funke Der «Aufsteiger des Jahres» und sein Messer. STANDARDS 3 // Editorial/Impressum 6 // Icon 8 // Contributors

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FOTOS: ANOUSH ABRAR & AIMÉE HOVING 1, FRANCO P. TETTAMANTI 1, PR 2

30 // INTERVIEW Joël Palix Der Chef von Thierry Mugler Parfums über die Wiederbelebung des Modelabels Mugler.

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STERNS BILDER EINES STARS 6_FIRST 04_2011

DIORS FILM Charlize Theron trifft auf Film­ legenden: Die J’adore­Werbung ist eine Hommage an Stars wie Marilyn Monroe oder Grace Kelly.


FOTOS: BERT STERN

In seinem neuen Werbefilm für J’adore von Dior lässt Filmemacher Jean-Jacques Annaud («Der Name der Rose», «Der Bär») Schauspielerin Charlize Theron in Versailles Ikonen der Filmgeschichte treffen: Grace Kelly, Marlene Dietrich und Marilyn Monroe. Den Film versteht das Maison Dior als Hommage an die Stars und an Monsieur Dior. Inspiriert ist er von Bildern, welche die Schauspiele-

rinnen in Kreationen von Christian Dior zeigen. Die Bilder des Fotografen Bert Stern zeigen Marilyn Monroe 1962, sechs Wochen vor ihrem Tod, in einer Suite im «Bel Air» in Los Angeles. In einer dreitägigen Fotosession lichtete der junge Stern die Monroe für die amerikanische «Vogue» ab. Die Bilder gibts in einem Buch zu bewundern. Bert Stern: «Marilyn Monroe. The Complete Last Sitting.

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contributors 1 // ANOUSH & AIMÉE

Anoush Abrar und Aimée Hoving arbeiten seit 2003 als Team. Mit verführerischen Bildwelten und provokativen Geschichten bringen sie frischen Wind in die Modefotografie und arbeiten für «Vogue» Frankreich, «Vogue Hommes International», «L’Officiel», «Slash Magazine», «New York Magazine», «Wallpaper» und andere. Die Modestory ab Seite 46 haben sie im Zürcher Mobimo Tower fotografiert.

COVER: Anoush Abrar & Aimée Hoving / Foto. Mariya für Most Wanted Models, München, Bujar für Time Model Agency / Models.

2 // BERT STERN

Bert Stern, Jahrgang 1929, begründete 1962 seinen internationalen Ruf, als er Marilyn Monroe im Hotel Bel-Air in Los Angeles fotografierte. Weil die Monroe damals ein Christian-Dior-Kleid trug, gibt es jetzt eine Hommage an die Schauspielerin vom prominenten Filmemacher Jean-Jacques Annaud. Die Monroe-Bilder von Bert Stern zeigen wir ab Seite 6.

Agent Provocateur: Bärengasse 10, Zürich, Tel. 043 497 32 73 www. agentprovocateur.com // Bally: Infos Tel. 091 612 91 11, www.bally. com // Burberry Prorsum: Gassmann, Poststrasse 5–7, Zürich, Tel. 044 211 08 37, www.burberry. com // Boss Selection: Hugo Boss Schweiz, Tel. 041 768 04 04, www. hugoboss.com // Coté West Living: Im Viadukt 4, Viaduktstrasse 79, Zürich, Tel. 043 960 33 55, www.cotewestliving.ch // Fogal: Bahnhofstrasse 38, Zürich, Tel. 044 211 45 15, www.fogal.com // Gucci: Poststrasse 3, Zürich, Tel. 044 211 46 20, www.gucci.com // Les Ambassadeurs: Bahnhofstrasse 64, Zürich, Tel. 044 227 17 17 www. lesambassadeurs.ch // Miu Miu: Storchengasse 16, Zürich, Tel. 044 212 83 18, www.miumiu.com // Michael Kors: Bloom's, Poststrasse 10, Zürich, Tel. 043 422 88 88 www.blooms-zurich.com // Navyboot: Bahnhofstrasse 69, Zürich, Tel. 044 211 87 57, www.navyboot.ch // Pomellato: Les Ambassadeurs, Bahnhofstrasse 64, Zürich, Tel. 044 227 17 17, www. lesambassadeurs.ch // Shiatzy Chen: Gassmann, Poststrasse 5–7, Zürich, Tel. 044 211 08 37, www. shiatzychen.com // Zimmerli: Zimmerli Textil, Feldstrasse 25, Aarburg, Tel. 062 787 40 00, www.zimmerli.com

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3 // MONIQUE RIJKS

4 // BERGDORF

5 // CATHARINA CLAJUS

Die Journalistin Monique Rijks schreibt seit zwanzig Jahren Reportagen und Kolumnen, unter anderem für «Bilanz», «Tages-Anzeiger», «NZZ am Sonntag» oder «GEO», macht Radio und stöbert mit Leidenschaft und Ausdauer all das auf, was das Leben schöner macht. Für FIRST stellt sie die News zusammen. Rijks ist in Neuenburg und St. Gallen aufgewachsen und lebt in Zürich.

«Allein wegen des weltbesten Hummus würden wir wieder nach Tel Aviv reisen», schwärmen Mirko Beetschen (l.) und Stéphane Houlmann. Die beiden Berner haben vor einigen Jahren die gemeinsame Firma Bergdorf gegründet, welche unter anderem Reportagen zu den Bereichen Architektur und Interior Design produziert. Die beiden reisen mit Fotografen auch immer wieder in spannende Metropolen wie Istanbul, New York oder Genua, um über die dortige Design- und Kulturszene zu berichten.

We proudly present: Catharina Clajus, seit Oktober stellvertretende Art-Direktorin für das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» sowie für FIRST, hat die vorliegende FIRST-Ausgabe visuell betreut und geprägt. Die 34-Jährige hat in Marburg Kunstgeschichte, Medienwissenschaften sowie Grafik und Malerei studiert und war zuletzt Art-Direktorin beim «Hamburger Abendblatt» und bei der «Weltwoche». Wir freuen uns, dass sie jetzt das FIRST-Team verstärkt.

FOTOS: VISUM 1, BERT STERN 1, PR 4

Bezugsquellen für die Mode ab Seite 46


news

PERFEKTE SCHÖNHEIT

Spätestens seit dem Film «Black Swan» wissen wir, dass Natalie Portman eine Perfektionistin ist. Deshalb liegt es auf der Hand, dass die schöne junge Frau mit den – ebenfalls – perfekten Gesichtszügen für die Linie Diorskin Forever wirbt. Die neuartige Pflege versteckt Unebenheiten und Rötungen der Haut und wirkt trotzdem natürlich. Gleichzeitig fördert sie die Zellerneuerung, damit der Teint jeden Tag ein bisschen perfekter wird – für schöne weisse Schwäne. Dior, Make-up Haute Perfection, 65 Franken

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FOTOS: PR

Im besten Alter Vintage ist zweifellos das geflügelte Wort des kommenden Modewinters. Es hat auch tatsächlich einen gewissen Charme – vor allem für all jene, die nicht gerne Kleider, Schuhe oder Taschen tragen, die laut «neureich» schreien. Diesem Trend huldigt nun auch die Schweizer Firma Mollerus: Die Kollektion Vintage besteht aus vier verschiedenen Handtaschenmodellen, die so aussehen, als hätte man sie schon ein halbes Leben lang, und die trotzdem so edel wirken, als seien sie im besten Stil gereift! Mollerus, Kollektion Vintage, ab 399 Franken


Muntermacher

AUFgefallen

Warum zu Chemie greifen, wenn die Natur die besten Rezepte zur Verfügung hat? Gegen müde Augen etwa hilft der Stechende Mäuse­ dorn. Der immergrüne einheimische Strauch sorgt zusammen mit Squalan­ öl und Essenzen von Nachtkerze und Lavendel dafür, dass sich in den Partien unter den Augen kein Wasser einlagern kann und die Haut trotz­ dem hydriert bleibt. Die Firma Kiehl’s lanciert ein Konzentrat mit genau diesen Ingredienzen, damit das, was Sie in langen Nächten machen, Ihr Geheimnis bleibt. Midnight Recovery Eye von Kiehl’s, ab 40 Franken im Fachgeschäft

Die App zum Abheben Wer einmal mit einem dieser hüb­ schen kleinen Helikopter gespielt hat, weiss: Es kann süchtig machen. Ob drinnen oder draussen, das Ding fliegt, kurbelt und landet, manchmal sanft, manchmal weni­ ger, dass es eine wahre Freude ist. Bis anhin steuerte man den Senk­ rechtstarter über eine mitgelieferte Fernbedienung, neu kann man ihn auch mit dem iPhone, dem iPod touch oder dem iPad lenken – der Sender wird einfach am Kopfhörer­

Glam-Appeal Die Schmuckuhr Mediterranean Eden von Bulgari verbindet traditionelle Uhrmacherei mit hochstehender Juwelierskunst. Zur mediterranen Farbenpracht trägt ein feines Gehäuse aus Weiss­ oder Roségold mit ziseliertem Deckel, Perlen und Diamanten bei. Das Modell ist in diskreten Farben oder als buntes Zeitwerk mit viel Ausstrah­ lungskraft erhältlich. Mediterranean Eden von Bulgari, Preis auf Anfrage

ausgang angeschlossen, gesteuert wird mittels Infrarotlicht. Einzige Voraussetzung: Vor dem Höhenflug muss man sich die dazugehörige App herunterladen. Übrigens: Wegen des erwähnten Suchtpoten­ zials empfiehlt es sich dem Familienfrieden zuliebe, mehr als nur ein Modell zu kaufen! iHelicopter, 49 Franken, bei www.ready2fly.ch

Der dritte Streich Claudia Güdel zieht ins Zentrum: Die Basler Mode­ macherin, die bekannt ist für ihre formschönen und pragmatischen Kleidungsstücke, die es sowohl für Männer wie auch für Frauen gibt, hat am 8. September ihr drittes Geschäft eröffnet. Neben ihrem Ateliershop an der Marktgräflerstrasse in Basel und dem Shop an der Zürcher Bäckerstrasse kann man die schöne Mode nun auch an der Schnabelgasse in Basel kaufen. Claudia Güdel, Schnabelgasse 4, 4051 Basel, www.claudiagudel.ch

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news

GLANZZEITEN

Egal ob Tweed, Spitzen, Leder oder Seide – diesen Herbst ist modemässig viel möglich. Mit dem «Modern Mercury Look» bietet Estée Lauder die perfekte Make-up-Linie zum angesagten Eklektizismus. Nebst ruhigen Grundtönen und auffallenden Farben für die Lippen gefallen vor allem die metallisch schimmernden Töne für Augenpartie und Nägel. Unser Favorit ist der Vernis in «Metallic Sage» − er verleiht den Fingernägeln, je nachdem wie viele Schichten man davon aufträgt, einen Hauch «Wald im Winter». Pure Color Nail Lacquer in Metallic Sage, ab 34 Franken

Mit Punkten punkten Um Spitzen und Punkte kommt diesen Winter niemand herum. Das Schweizer Traditionsunternehmen Calida zeigt in seiner Weihnachtskollektion eine frivole Variante davon – mit dem klingenden Namen Natascha. Slip, String und BH sind aus crèmefarbenem Satin und mit koketten schwarzen Tupfen veredelt. Calida, Lingerie Natascha, ab 39.90 Franken

Wie es ihm gefällt Männer, die sich bei den Crèmes ihrer Frauen bedienen, machen mehr als nur einen Fehler. Erstens gefährden sie mit derartigen Übergriffen ihre Ehe. Zweitens nützt es nicht mal etwas, denn die Männerhaut ist robuster, kräftiger, öliger und vor allem behaarter. Und drittens verpassen sie so die Linie Skin Supplies for Men von Clinique. Das Basispaket umfasst drei Produkte: eine Seife, eine Scruffing Lotion, mit der man die Haut zusätzlich reinigen kann, und eine pflegende Lotion. Zweimal täglich drei Minuten investieren, und ade Ehekrach! Dafür gibt es Küsse auf die sanfte Haut. Clinique Skin Supplies for Men, ab 30 Franken

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Auf Tuchfühlung Vor gut einem Jahr gründete Lila Olivia Veerapen ihr Label loV für verspielte Mode und märchenhafte Foulards. Die 100 mal 100 Zentimeter grossen Quadrate aus Baumwolljersey fallen vor allem wegen ihrer humorvollen Motive auf: ein Himmel voller Wolken oder eine Ansammlung von Schuhen in vielen Variationen. Das Tüpfelchen auf dem i erhalten die Tücher durch die vier neckischen Pompons, die an jedem Zipfel angebracht sind. Foulards loV, ab 89.90 Franken auf www.lovlov.ch oder bei Jelmoli erhältlich


news

bücher Das macht Schule

«Schweizer Spitzenköche für Afrika», AT Verlag, 39 Franken

SEE IN SICHT

Wer Genf besucht, sollte im FloorTwo Restaurant im Grand Hotel Kempinski einen Apéritif trinken: Das Etablissement strahlt seit ein paar Monaten in neuem Glanz. Die Räume wirken luftig und intim zugleich, die Stimmung ist gelassen, die Aussicht von der grosszügigen Terrasse auf den Genfersee grandios. Und die Küche – Brasseriegerichte mit zeitgeistigen Einflüssen aus aller Welt – wird in der Calvinstadt allerorts gerühmt. FloorTwo Restaurant, Grand Hotel Kempinski,Quai du Mont-Blanc 19, Genf, www.kempinski.com

Ins Netz gegangen Die Mode von Miu Miu ist oft verspielt, elegant, mit dem gewissen Etwas – und war bisher nicht ganz einfach zu finden. Jetzt gibt es die schönen Sachen online, auch in der Schweiz. www.miumiu.com Stadthonig Lokales ist im Aufwind. Ab sofort gibt es Honig aus Zürich. Der Imker Peter Schneider produziert ihn von Bienen, die überall dort geflogen sind, wo die Limmatstadt schön grün ist. www.zuerihonig.ch

Albanien im Wandel

Hans Peter Jost (Fotos), Christina Kleineidam und Fatos Lubonja (Texte): «Albania in Transition», Benteli Verlag, 42 Franken

Nachhaltiger Kaffee Das AAA-Programm von Nespresso bietet drei Vorteile: Es steigert die Qualität, verbessert die Anbauproduktivität und schont die Umwelt. Das neueste Produkt heisst Dhjana und vereint Kaffeebohnen aus aller Welt in einer kleinen Kapsel. www.nespresso.ch

Bergwelten

Bio-Lunch Hier trifft sich gesund und biologisch mit einer schönen Portion Eleganz. Das Resultat sind wunderbare kleine Sandwichs, immer frisch, immer anders und immer lecker. Sandwicherie Ritch & Jack, Rue du Grand-Pont 4, Lausanne Schmuckes Zubehör Komplementair nennt sich ein charmantes Geschäft im Zürcher Viadukt, das Schuhe, Taschen und Schals anbietet. Accessoires, die jedes Outfit aufpeppen. Komplementair, Viaduktstrasse 43, Zürich, www.komplementair.ch Up to date Modeströmungen wollen die beiden Besitzerinnen, Bibiana Stoecklin und Gabrielle Mazurczak, in ihrem schön gestalteten Geschäft im Zürcher Seefeld zeigen. Mit Labels wie Ikou Tschüss, By Malene Birger und Nina Ricci. Modestrom, Seefeldstrasse 110, Zürich

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Das Buch dokumentiert mit eindrücklichen Bildern und anschaulichen Texten die Veränderungen seit dem Zerfall des Kommunismus. Es zeigt verschwindende Welten und Menschen auf der Suche nach einer neuen Identität.

Peter Ebner: «Wohn Raum Alpen», Birkhäuser Verlag, 101 Franken

Wie baut man intelligente Häuser jenseits des Chaletklischees in den Alpen? Dieses Buch zeigt und beschreibt gelungene Projekte, die auf den gesamten Alpenraum verteilt sind, und beweist, dass es auch bestens ohne folkloristischen Ansatz geht.

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 AUSSERDEM

Für dieses schön gestaltete Buch haben sich 25 der besten Köche der Schweiz zusammengetan und so raffinierte wie leicht nachzukochende Gerichte kreiert. Der Erlös geht an die Stifung «Menschen für Menschen», die damit ein Schulprojekt in Äthiopien unterstützt.


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INDIAN SUMMER

Die neuen Hermès-Carrés verblüffen mit einem Farbenrausch, der an den nordamerikanischen Herbst erinnert. «Cosmogonie Apache» heisst eines der Sujets. Wie es entsteht, zeigt ein Besuch in den Hermès-Ateliers nahe Lyon.

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VON IRIS KUHNSPOGAT TEXT // FRANCO P. TETTAMANTI FOTOS

EIN BILD VON EINEM TUCH 2167 Stunden: So lange wird in den Hermès-Ateliers, in der «cuisine à couleurs» und in der Druckerei gearbeitet, bis das Sujet für das Carré mit dem Apachen fertig ist.

ie Einfahrt, das Haus, der Garten – unscheinbar. Weder Namensschild noch Logo weisen darauf hin, dass hier, in den Ateliers Gandit an der Rue Jean Jaurès 51 in Bourgoin-Jallieu, 50 Kilometer südöstlich von Lyon, an etwas höchst Luxuriösem gearbeitet wird: an den Seidencarrés von Hermès. 400 Franken kosten die neunzig auf neunzig Zentimeter grossen Tücher. Teuer. «Abwarten», sagt Kamel Hamadou, vor Ort zuständig für die Presse. Dann lacht er und öffnet schwungvoll die Eingangstür zum Atelier: «Bienvenue!» Im hellen, völlig kahlen Treppenhaus eilt der Mann die Stufen hinauf, erster Stock, zweiter Stock, und bleibt vor der einzigen Tür, die es gibt, stehen und hält sie auf: «Venez, venez!» Er steuert mit grossen Schritten voraus in die hinterste Ecke. Dann strahlt er: «Voilà, Nadine!» Nadine. Das ist eine kleine, zierliche Frau in T-Shirt und Jeans. Sie ist eine von zwanzig Zeichnerinnen und Zeichnern der Ateliers Gandit, aber nicht irgendeine, sondern die beste. «Elle a la main en or», sie habe eine goldene Hand, sagt Hamadou. Was die 49-Jährige macht, heisst «Gravure». Mit Gravieren im eigentlichen Sinn hat das heutzutage nichts mehr zu tun. Früher wurden die Sujets für die Carrés in Holz geritzt – daher Gravure –, heute wird die Vorlage mit schwarzer Tinte auf durchsichtige farblose Folien gepaust und danach in einem aufwendigen fototechnischen Prozess auf moderne Druckschablonen übertragen. Jede Saison bringt Hermès 20 neue Varianten des AccessoireKlassikers heraus. Welche das sind, wird in der Zentrale in Paris •

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«Eine Künstlerin bin ich nicht. Das ist reines Handwerk. Sonst nichts.»

DIE FRAU MIT DER GOLDENEN HAND Nadine, seit 33 Jahren Zeichnerin bei Hermès, die beste ihres Fachs, überträgt die Indianer-Vorlage auf transparente Folie.

LAGE UM LAGE 15 Folien hat Nadine allein für das Gesicht des Indianers gezeichnet. Liegen alle aufeinander, erscheint sein Antlitz schwarz.

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• bestimmt. Dann landet die jeweils anspruchsvollste auf dem Pult von Nadine. Ihr neuster grosser Wurf ist die «Cosmogonie Apache» aus der aktuellen Herbst-/Winterkollektion. Das Original hat der französische Maler Antoine Tzapoff gemalt. Er ist einer von rund 70 Künstlern, mit denen Hermès zusammenarbeitet, darunter auch ein ehemaliger Posthalter aus Texas, ein Aborigine, ein 70-jähriger polnischer Künstler und Sefedine, früher Kindersoldat im Sudan. Vom vormaligen Hermès-Lenker Jean-Louis Dumas auf einer seiner unzähligen Reisen entdeckt, lieferte Sefedine 2004 ein erstes Bild, aus dem ein Carré wurde, heute lebt und malt er in Uganda. Als Nadine das Original des stolz in die Ferne blickenden Indianers das erste Mal sah, erschrak sie. «Eine derart naturalistische Vorlage hatte ich noch nie zuvor bekommen.» Am Beginn ihrer Arbeit steht die Analyse. Sie sucht, zählt und benennt die Farben in der Originalvorlage. Beim Apachen entsteht so eine Liste mit 45 Farbnuancen – von Hellgelb über Indian Rose und Cognac bis Graphite. «Allein für das Gesicht des Indianers brauche ich 15 Nuancen», sagt Nadine und holt die 15 Folien, die sie dafür gezeichnet hat – mit Feder und China-Tinte. Es ist Feinarbeit im wahrsten Sinn des Wortes. Um ihre Arbeitsweise zu demonstrieren, legt Nadine nun Folie auf Folie. Erst die mit den schwarzen Haarsträhnen des Indianers, dann eine Folie für den Hauch Rosa auf dem rechten Wangenknochen und eine für das Cognacbraun in der Iris. Mit jeder Folie wird das Gesicht des Apachen dunkler, bei Folie 15 ist es schwarz. Nadine kommentiert: «Ich denke in Farben und bereite alles vor für Farben, aber am Ende ist bei mir alles schwarz» (siehe Bilder links unten).

Zeichnen als Passion. Eine Künstlerin sei sie nicht, sagt Nadine, «das ist reines Handwerk, sonst nichts». Niemand im ganzen Luxuskonzern beherrscht es so wie sie. Eines, maximal zwei Sujets schafft «la main en or» pro Jahr. Mit jedem Bild ist sie mindestens 800 Stunden beschäftigt. Für den Apachen hat sie volle 2000 Stunden gebraucht, ein ganzes Jahr. Ob er ihr je verleidet ist? «Oh, non, au contraire, ich bin mit ihm emotional sehr verbunden», sagt sie, «es fällt mir jedes Mal schwer, mit etwas Neuem anzufangen.» Was Nadine kann, kann sonst niemand. Es brauche zehn Jahre Übung, um von einem nicht allzu komplexen Carré eine perfekte Vorlage machen zu können, sagt sie. Sie selbst hat inzwischen 33 Jahre Erfahrung. Ihre Fertigkeiten wachsen mit jedem Sujet. Das wiederum animiert die Designer zu immer verrückteren Vorlagen. Keine Angst vor Überforderung? «Nein, ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Vorlage bekomme, mit der ich über mich selbst hinauswachsen kann», sagt sie. «Ich liebe, was ich tue.» Aus Nadines insgesamt 45 Folien für den Apachen werden in der kleinen Werkhalle hinter dem Atelier 45 Druckplatten hergestellt. Dazu wird jede Folie – wie das Carré 90 auf 90 Zentimeter gross – in einen Metallrahmen gelegt, mit einer fotosensiblen Folie •


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«Für ein Carré braucht es 300 Kokons, also 450 Kilometer Faden.»

VORBEREITEN FÜRS DRUCKEN Kamel Hamadou zeigt ein Krawattensieb für den Carré-Druck. Die schwarzen Flächen lassen keine Farbe durch.

IN DER FARBENKÜCHE Hier werden die 75000 Nuancen aus der Hermès-Palette gemischt. Dann folgt der Druck, Farbschicht um Farbschicht.

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• bedeckt, belichtet, bearbeitet, kontrolliert, in einen Lastwagen verfrachtet und in die Hermès-Seidendruckerei transportiert. Sie befindet sich südlich von Lyon, in Pierre-Bénite. Hierhin wird auch der Stoff geliefert, aus dem Carrés und Krawatten gemacht sind: im Umland von Lyon gewobener Seidentwill aus Fäden, die Hermès seit 25 Jahren in Brasilien einkauft. Seide aus Kokons von Raupen, die gehegt und gepflegt, gefüttert und nie gestresst werden, sagt Hamadou. Die Qualität des Rohmaterials sei «better than best». Die beste Seide der Welt wird attribuiert mit «6A»; Hermès-Seide offiziell sogar mit «6A+». Hamadou rechnet vor: Ein Kokon gibt 1500 Meter Seidenfaden. Für ein Carré braucht es 300 Kokons, also 450 Kilometer Faden. «Unglaublich, nicht?»

Magie der Farben. In den Ateliers AS in Pierre-Bénite wird die «6A+»-Seide bedruckt. Wie die Ateliers Gandit gehören die Ateliers AS zu 100 Prozent Hermès. Wie bei den Ateliers Gandit ist dies von aussen nicht erkennbar: Einfahrt, Parkplatz, Gebäude, Empfang – unscheinbar. Kein Logo, kein Name, nichts. «Bonjour», ruft es aus einem Büro, als Hamadou die Treppe in den ersten Stock vorauseilt, in eine weitere eindrückliche Abteilung: das Atelier der Coloristes, der Koloristinnen. Ihre Aufgabe ist es, die Farben für die Carrés zu finden. Die Vorgaben dazu liefert nicht Nadine. Sie definiert die Farben einzig und allein für sich, damit sie die Anzahl Folien bestimmen und herstellen kann. Die Farbvorgaben für den Indianer kommen aus Paris, vom «comité de couleur» um Bali Barret, seit 2003 Kreativchefin über alles Seidene. «Das sieht dann so aus», sagt eine der Koloristinnen und legt ein A4-Blatt auf den Korpus, der in der Mitte des Ateliers steht. Auf dem Papier sind mit Bostitch Stoff-, Papier-, Bänder- und Schnurschnipsel in allen möglichen Farben befestigt. «Das ist die Vorgabe», sagt Carole, eine der Koloristinnen, «unsere Aufgabe besteht nun darin, diese Farben in unserer Farbkartei zu finden.» Sie hat Bildende Kunst studiert und als Koloristin inzwischen 28 Jahre Erfahrung. Mit Hilfe der Schnipsel aus Paris sucht sie in Farbkarteien mit insgesamt 75 000 Nuancen die jeweiligen Entsprechungen. Sind die Farben gefunden, werden sie von Carole und ihren drei Kolleginnen kombiniert. «Pro Sujet erarbeiten wir mindestens ein Dutzend Vorschläge für Paris», sagt Carole und zeigt einige ihrer Varianten der «Cosmogonie Apache». Wo es schliesslich ums Drucken geht, wird es laut und stickig. In der «cuisine à couleurs», wo die 75 000 Farbnuancen aus der Hermès-Palette gemischt werden, tragen die Mitarbeiter Gummistiefel und einen Blaumann-Overall. Kamel Hamadou, in feinstem Tuch und mit edlen Schuhen, trippelt vorsichtig vorbei an den grossen blauen Farbfässern ins Innerste der Farbküche, die mit Gasherd, grossen alten Töpfen, verfärbten Holzkellen und einer ultragenauen Waage fürs Abmessen der Pigmente ausgerüstet ist. Mit •


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«Was einen Makel hat, wird aussortiert. Zweite Qualität gibt es bei uns nicht.» •

DIE RICHTIGE FARBNUANCE Carole, Koloristin in den Ateliers AS von Hermès, stellt auf Basis der Vorgaben aus Paris mit den Farbkarteien die entsprechenden Töne zusammen.

COSMOGONIE APACHE Voilà, Kamel Hamadou und Carole präsentieren eine von mindestens zwölf Varianten des Indianersujets.

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heissem Wasser, Kautschuk und anderen weissen Pulvern wer­ den hier die Farben miligrammgenau nach dem Rezept der Koloris­ tinnen abgemischt und in Plastikeimer abgefüllt. Dann wird ge­ druckt: ein, zwei, drei Carrés pro Sujet. Nicht mehr. «Haben wir die Kollektion so weit beieinander, laden wir die Geschäftsführer un­ serer Läden hierher ein zur Präsentation», erklärt Hamadou, «und dann kann jeder bestellen, was und wie viel er will.» Keine Vor­ schriften aus Paris? «Das würde keinen Sinn ergeben, die Ge­ schäftsführer wissen am besten, was sie verkaufen können.» Sind die Bestellungen gemacht, werden die Carrés gedruckt und gelie­ fert. Fertig, das wars dann. Nachbestellen ist unmöglich. «Mit ganz wenigen Ausnahmen», präzisiert Hamadou, «wie Brides de Gala.» Die Seidenchefin Bali Barret hat diesem Klassiker im Hermès­ Archiv mit ihrem Dip­Dye­Verfahren jüngst neues Leben einge­ haucht – und einen absoluten Verkaufsschlager gelandet. Minutiöse Kontrolle. Auch der Druckvorgang selbst ist eine Her­ mès­Spezialität. Im Druckatelier, einer endlos langen, niedrigen Halle, stehen drei 150 Meter lange Drucktische. Auf jedem sind 150 Meter Seidentwill aufgeklebt für 150 Carrés. Sie werden nun, Farbe um Farbe, bedruckt. Je nach Komplexität der Sujets vergehen zwi­ schen drei und vierundzwanzig Stunden, bis alles fertig ist. «Bei der ‹Cosmogonie Apache› mit ihren 45 Farben dauert es sogar noch et­ was länger», sagt Hamadou. Jede Farbe wird begleitet von einem Mitarbeiter, der alles minutiös kontrolliert – in Zeitlupe. Ist der Stoff bedruckt, wird die Farbe getrocknet, fixiert, die Stoff­ bahn gewaschen und getrocknet und schliesslich in Carrés zer­ schnitten. Dann wird abermals kontrolliert: Jedes Carré wird Zen­ timeter für Zentimeter nach Fehlern abgesucht. «Schon beim allerkleinsten Makel wird es aussortiert und vernichtet», sagt Ha­ madou, «zweite Qualität gibt es bei uns nicht.» Das Finish erhalten die Foulards ausserhalb verpasst: bei Näherinnen, die aufs Roulie­ ren à la Hermès spezialisiert sind. Sie rollen einen Zentimeter Rand ein – nach oben und nicht wie alle andern nach unten – und nähen ihn mit einem Seidenfaden von Hand an. Eine Heimarbeiterin mit 30 Jahren Erfahrung braucht für ein Carré von 90 auf 90 Zentime­ tern eine Dreiviertelstunde. Hermès produziert Carrés seit 1937, vieles läuft ab wie eh und je. Maschinen gibt es nur da, wo sie besser sind als der Mensch: Und das ist fast nirgends. In einem Carré steckt viel Handarbeit. Nadi­ ne: 2000 Stunden, Carole: 140 Stunden, Drucker: 26 Stunden, Rou­ lierer: 45 Minuten – die Zeit scheint hier stillzustehen. So vergehen vom Design bis zum fertigen Carré gemäss Hamadou mindestens 24 Monate. Im Laden kostet das Accessoire schliesslich um die 400 Franken. «Teuer?», fragt Hamadou am Ende des Tages und antwor­ tet gleich selbst: «Nein, wertvoll.» •


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DER HERR DER RINGE

Walter Häusermann, der neue Chef der Ehering-Manufaktur FurrerJacot, bietet der mächtigen Konkurrenz mit raffinierten Bijoux Paroli. VON PIERREANDRÉ SCHMITT TEXT // MARVIN ZILM FOTOS

IM ATELIER Vom extravaganten Schmuckstück bis zum schlichten Ehering – bei Furrer-Jacot setzt Walter Häusermann (Bild links) auf höchste Qualität.

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enn in Tokio, Bern, Washington oder sonst irgendwo auf diesem Planeten zwei Menschen vor dem Altar Ja zueinander sagen, dann steht die Chance ziemlich gut, dass sie ihr Ehe­ versprechen mit dem Austausch von Ringen aus der Ostschweiz besiegeln. Furrer­Jacot heisst das kleine Unternehmen an der Schaffhauser Goldschmiedestrasse 2, das sich rühmt, die älteste europäische Ehering­Manufaktur zu sein. Und das heute im Geschäft mit Eheringen klar zu den Branchen­ leadern gehört. Luxus ist seine Domäne. Begonnen hatte alles im Jahr 1858, als Jean­Jacques Arbenz das Unternehmen gründete. Eheringe waren von Beginn weg ein wichtiges Produkt des Ein­Mann­Unterneh­ mens, einige Stücke sind erhalten geblieben und im Besitz der Manufaktur. Mangels natürlicher Nachfolger übernahm 1943 Fritz Furrer den Betrieb, er heiratete im gleichen Jahr die Westschweize­ rin Lucienne Jacot , die im Unternehmen umgehend eine sehr wich­ tige Rolle spielte, wie der Firmenname beweist. Seit etwas mehr als einem Jahr ist Walter Häusermann der neue Herr der Ringe. Er hält nach einer Kapitalaufstockung die Aktien­ mehrheit, ist Delegierter und Präsident des Verwaltungsrates. Wa­ rum, so fragen wir ihn, ist er in dieses Geschäft eingestiegen? «Lu­ xusisteineDomäne,dieichkenneundverstehe»,sagtHäusermann, der früher unter anderem bei der Swatch Group und der Credit Suisse tätig war. «Ich suchte etwas, wo ich etwas bewegen kann. Und hier habe ich es gefunden.» Eheringe, so könnte man meinen, sind ein sicheres Geschäft – geheiratet wird schliesslich immer. Doch Walter Häusermann musste, kaum im Amt, realisieren, dass auch mal heftiger Gegen­ wind blasen kann. Japan ist einer der wichtigsten Märkte des Un­ ternehmens, ein Drittel des Umsatzes wird in diesem Land erwirt­ schaftet, und 15 Menschen stehen dort auf der Lohnliste der Manufaktur. Das Erdbeben sowie die Atomkatastrophe von Fuku­ shima gingen nicht spurlos an Furrer­Jacot vorbei. Häusermann reiste so schnell wie möglich nach Japan und kehrte tief beein­ druckt zurück. Es sei unglaublich, wie die Menschen vor Ort zusammengestanden seien, wie sie in einem riesigen Kraftakt in Tokio zum Beispiel 30 bis 50 Prozent Energie gespart hätten und wie rasch die Stimmung wieder zum Guten gekehrt habe. In der •


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IM BILD Die Skizze zeigts: Hier entstanden Eheringe, die man nicht alle Tage sieht (links). Solitäre, die Ihr Herz erfreuen (rechts).

• Schweiz sei das Konsumumfeld zurückhaltender, der hohe Franken ist spürbar. Immerhin: Gold und Platin könne das Unternehmen dank des starken Frankens so günstig wie noch nie einkaufen, was helfe. Aber die deutsche Konkurrenz schlafe nicht, ihr könne man auf die Dauer nur mit effizienterer Produktion und höchster Qualität begegnen. Und mit gutem Design.

Ausgezeichnete Kreation. Fürs Design ist bei der Manufaktur Lucas Ruppli zuständig. Ideen sucht er in der Natur, studiert Bilder von Fischen, Schildkröten oder Ährenmustern, inspiriert sich aber auch bei Comics, Filmen, Plastikspielsachen sowie in der Musik und setzt seine Erkenntnisse mitunter sehr erfolgreich um: Für die Kreation Fire and Flames, ein Armband in Rotgold, kombiniert mit Onyx und 1801 Diamanten, erhielt er den renommierten Diamond International Award. Diese Auszeichnung ist für Furrer-Jacot doppelt wichtig. Erstens weil sie ein gelungenes Beispiel dafür ist, dass die Manufaktur längst nicht nur Eheringe produziert. «Einen Ehering vekaufen

«Diesen Ring können die Chinesen nicht kopieren.» Sie in der Regel ein einziges Mal», sagt Walter Häusermann, Schmuck habe da mehr Potenzial. Ein ausgefuchstes Schmuckstück. Wichtig ist der Preis aber auch, weil die Schaffhauser gegen mächtige Konkurrenz ankämpfen müssen. Und da hat der Chef an gewissen Stücken in der Kollektion ganz besonders Freude: Der Kettenring des Hauses, der in den USA ein Renner ist und dort für 4000 Dollar über den Ladentisch geht, besteht aus 21 komplizierten Teilen – unabhängig davon, wie gross der Ring ist. Das mag a priori nicht wahnsinnig aufregend klingen, doch das Schmuckstück ist nicht ganz einfach zu produzieren. «Den Ring können die Chinesen nicht einfach kopieren», sagt Walter Häusermann: «Jedenfalls nicht billiger als wir.» • Und darauf sei er schon sehr stolz.

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interview

ICH WILL PUBLICITY Joël Palix, CEO und Präsident von Thierry Mugler Parfums, lanciert das Modelabel Mugler neu – mit Lady Gaga auf dem Laufsteg. Ein Erfolg, der weltweit von sich reden macht. VON IRIS KUHNSPOGAT INTERVIEW

AMBITIONIERT «Wir wollen Thierry Mugler als globale Luxusmarke aufbauen und positionieren»: Joël Palix.

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FOTO: PR

Herr Palix, 2003 wurde das Modelabel Thierry Mugler liquidiert. Nun feiern Sie mit Mugler Auferstehung. Wie kam es dazu? Erst kaufte die Besitzerfamilie von Clarins Anfang der neunziger Jahre die Lizenz für Thierry-Mugler-Düfte, ein paar Jahre später kaufte sie die Marke ganz, geriet in die glamouröse Modewelt – und lernte sie auf die harte Tour kennen: mit grossen finanziellen Verlusten. Deshalb haben sie dieses Geschäft aufgegeben. Dass wir wieder damit angefangen haben, hat damit zu tun, dass ich überzeugt bin, dass wir Erfolg haben und Werte für die ganze Gruppe schaffen können. Mutig oder übermütig? Wohlüberlegt. Ich habe die Besitzer nicht über Nacht überzeugen können, sondern fast sieben Jahre dafür gebraucht. Ihr schlagendes Argument? Schauen Sie die Entwicklung von anderen Marken wie Lanvin, Balenciaga oder Balmain an, alle hatten irgendwann eine ruhige oder gar leblose Phase. Eine Marke mit so viel Geschichte wie Thierry Mugler zu besitzen, sollte man ausnützen. Wir wollen •


MESURE ET DÉMESURE

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750/- Roségold Extraflaches Automatikwerk mit Microrotor aus Platin Alligatorlederband Hermès Made in Switzerland www.parmigiani.ch

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Gübelin - ZeiT Zone ZüricH


interview • Thierry Mugler als globale Luxusmarke aufbauen und positionieren und nicht länger nur eine Parfummarke sein. Warum? Wir sind unter den Top 15 der weltweiten Parfummarken, wollen aber unter die Top 10. Dort gibt es keinen einzigen Brand, der nicht auch noch ein Modelabel ist. Wie gehen Sie das Fashiongeschäft an? Schritt für Schritt, mit einem kleinen, jungen Team, welches das Geschäft beim Machen erlernt. Wir haben eben unsere zweite Kollektion präsentiert. Sie ist schon viel besser als die erste. Ich bin absolut überzeugt, dass wir es schaffen werden. Was entscheidet über Erfolg oder Misserfolg? Das Wichtigste ist, das richtige kreative Talent zu finden. Wir brauchten fast ein Jahr dafür. Im März dieses Jahres konnten wir die erste Fashion Show in Paris präsentieren. Mit Lady Gaga auf dem Catwalk. Ein geschickter Schachzug. Ich habe kein Werbebudget für die Mode, brauche aber unbedingt Aufmerksamkeit, um die Marke aufzubauen. Das Echo war gross. Ich bin sehr zufrieden. Sie haben Nicola Formichetti als Kreativchef gewählt. Der ehemalige Stylist von Lady Gaga wurde durch seine schrillen Kreationen für die Popsängerin bekannt. Warum ihn? Er ist eine Klasse für sich, kein typischer künstlerischer Designer. Ich wollte jemand Internationales und jemand, der die Links zwischenFashionundEntertainmentkennt. Sie hätten auch Thierry Mugler selber fragen können. Das stimmt. Aber wir wollten ein neues Team und jemand Junges. Thierry ist der künstlerische Direktor unseres Parfumgeschäfts und da stark involviert. Mit der Mode hat er nichts zu tun, abgesehen vom exzentrischen Stilerbe. Das führen wir weiter. Wie kommt der neue Mugler in der Modewelt an? Sehr gut. In China gab es ein regelrechtes Gerangel, alle wollten uns. Auch sonst gingen viele Türen auf wie die von Barneys, Galeries Lafayette – nur beste Adressen. Wie haben Sie das geschafft? Ich habe ein Team und einen Mann, der aus der Branche kommt, mit einem grossen, engen Beziehungsnetz zu den Retailern. Auf der anderen Seite hat uns die Dramatisierung der Fashion Show mit Lady Gaga sehr viel positive Publicity gebracht, was sich wiederum positiv auf die Retailer ausgewirkt hat.

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Der Chef der Düfte

Joël Palix ist CEO und Präsident von Thierry Mugler Parfums, der Duftdivision der französischen Clarins-Gruppe. Er machte den MBA am Insead. Seine Karriere startete er bei Yves Saint Laurent und Sanofi Beauté. Danach gründete er eine Internetfirma – «ein Misserfolg» – und war dann am Aufbau des Versandhandels 3 Suisses wesentlich beteiligt. Seit 2002 bei Thierry Mugler unter Vertrag, hat der Franzose die Düfte A*Man, Alien, Womanity und Aura by Swarovski lanciert und feiert derzeit das Comeback von Mugler in der Modewelt.

Worum geht es Ihnen: um Umsatz, um Gewinn, um Prestige? Wir brauchen eine Zukunft und müssen den Anschluss an die junge Generation wiederfinden. Das Echo auf unsere Show war gerade bei den Jüngeren sehr gross. Das ist sehr wichtig für die Marke.

«Wir müssen den Anschluss an die junge Generation wiederfinden.» Mit Düften verdienen Sie gutes Geld. Angel von Thierry Mugler, seit 1992 auf dem Markt, ist einer der bestverkauften Düfte weltweit und wurde lange vor Ihrer Zeit erfunden. Ein schwieriges Erbe? Ganz im Gegenteil, das ist ein tolles Erbe, denn die Art und Weise, wie Angel zustande kam, hat dafür gesorgt, dass wir das Parfumgeschäft ganz anders verstehen und betreiben als andere. Angel war der erste Duft, der in diesem Unternehmen kreiert wurde. Clarins war bis dahin ganz auf Skin Care fokussiert. Als die Lizenz von Thierry Mugler für einen Duft gekauft wurde, hatte niemand im Haus vertiefte Kenntnisse oder gar Erfahrungen in diesem Bereich. Das führte dazu, dass viele vorherrschende Prinzipien in diesem Ge-

schäft missachtet und Dinge gemacht wurden, die in der Parfumindustrie niemand sonst gemacht hätte. Zum Beispiel? Die Herstellungskosten waren viel zu hoch. So kam es, dass wir von Anfang an ein Refill der teuren Parfumflaschen anboten. Die Hälfte des Umsatzes mit Angel erzielen wir heute mit Nachfüllen. Was damals aus rein ökonomischer Notwendigkeit heraus entstand, ist heute mit dem ökologischen Bewusstsein ein positives Attribut geworden. Wir haben die Nachfüllidee auch auf die Düfte nach Angel übertragen, und es funktioniert bei Alien sowie Womanity und wird es auch bei Aura, das wir dieses Jahr zusammen mit Swarovski lanciert haben. Was haben Sie für ein Geschäftsmodell? Unsere Düfte riechen sehr neu. Kundinnen zu finden, braucht daher mehr Zeit, als wenn man einen Duft mit gängigen Noten lanciert. Beispiel Alien. Der Duft stiess bei den Frauen erst auf Skepsis. Die einen fanden ihn bizarr, andere wussten nicht, ob sie ihn tragen können oder nicht. Wir warteten drei Jahre, bis Alien rentierte. Das ist ein Privileg, das ich hier habe: Zeit. Bei grossen Parfumnamen werden neue Düfte rasch zum Verkaufsschlager, und dann geht es mit ihnen bald einmal nur noch bergab – mit einigen wenigen Ausnahmen. Bei uns verläuft das umgekehrt. Unsere Düfte etablieren sich langsam, dafür nachhaltig. Können Sie konkreter werden? Für die Entwicklung eines Duftes brauchen wir drei bis vier Jahre, doppelt so lange wie unsere Konkurrenz. Die Clarins-Gruppe ist in Privatbesitz, und ich geniesse das Vertrauen der Besitzer. Sie geben mir Zeit, schliesslich führe ich mit Angel und Alien inzwischen ein sehr nachhaltiges Geschäft. Bei Alien warteten wir drei Jahre, bis es rentierte. Auch Womanity bekommt seine Zeit. In Frankreich erzielen wir bereits gute Resultate, hier ist Thierry Mugler bekannt und hat eine starke Marktposition. Und die Frauen haben Freude an olfaktorischen Experimenten. Die Luxusgüterindustrie floriert dank den Emerging Markets. Wie sieht es bei Ihnen aus? Thierry Mugler hat es dort nicht leicht. Denn wer in Ländern wie China, Indien und Brasilien zu Geld kommt, will grosse Namen wie Chanel und Dior. Und was unterscheidet diese von uns? Sie sind keine reinen Parfumproduzenten, sondern umfassende Luxusbrands. Genau das streben wir nun • ebenfalls wieder an – voilà.


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VOLLTREFFER

GLAMOURÖS Viel Glanz verspricht der Inhalt des Täschchens, das der Designer Michael Kors für Estée Lauder kreiert hat: Die Make-upPalette ist farblich abgestimmt und in drei Grundtönen erhältlich. 68 Franken.

ANIMALISCH Der zierliche Gürtel des Zürcher Labels Flo passt zum aktuellen Felltrend und schreit trotzdem nicht «Ich bin ja so modern!». Die Metallschnalle setzt einen Kontrastpunkt. 195 Franken.

KLASSISCH Die Chopard Happy Sport kommt nie aus der Mode: klassisch, elegant und – trotz den zahlreichen glänzenden Diamanten, die das Perlmutt-Zifferblatt einfassen – nicht protzig. Preis auf Anfrage.

PRICKELND Der Clairette de Die ist ein entdeckenswerter Schaumwein aus der Weinbauregion Rhône. Produzent Jaillance stellt ihn aus Muscat-Trauben und biologisch her. Im Fachhandel, 13.90 Franken.

KÖNIGLICH Wer sich diese Gucci-Sonnenbrille auf die Nase setzt, schont nicht nur die Augen vor zu viel Sonnenstrahlen, sondern wirkt auch im tiefsten Stadtgrau wie eine Schneeprinzessin. Ab 290 Franken.

GERÄUMIG Die Tasche Azurit des Labels Kleinbasel in Camel, Tobacco oder Nero ist schön und praktisch. Im Innern kann man ein Notebook verstauen, ohne dass die Tasche wirkt wie ein kleiner Koffer. 589 Franken.

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Text: Monique Rijks; Fotos: PR

Das Geschenk zu finden, das ihre Augen leuchten lässt – diese Gabe ist wahrlich nicht jedem in die Wiege gelegt worden. Hier kommt Hilfe: Dank unseren Tipps wird aus einem GschenkliBanausen ein Weihnachtsbaumheld.


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LIEBHABEREI

Text: Pierre-André Schmitt; Fotos: PR

Pardon, aber seine favorisierten elektronischen Gadgets muss er sich selber kaufen. Wenn sie für ihn auf Weihnachtsshoppingtour geht, richtet sich ihr Augenmerk auf Sachen und Sächelchen mit einer Prise Luxus. Frauen sind so.

BRENNEND Das Briquet, das auch dann leuchtet, wenn es kein Feuer gibt. «Prestige» aus dem Haus Davidoff ist mit 182 Diamanten besetzt. Ein Geschenk für Männer, die das gewisse Etwas lieben. 16 000 Franken.

STANDHAFT Aus der Kollektion von Rapper Stress für die Schweizer Marke Navyboot: der Schuh, der gerade in den letzten Monaten des Jahres immer wunderbar passt. 298 Franken.

AUSSERIRDISCH Vor 50 Jahren war Yuri Gagarin der erste Mensch im Weltall. Ihm zu Ehren legt Caran d’Ache einen Füller in limitierter Auflage vor. Mit einem Zitat des Kosmonauten. 1250 bis 2250 Franken – je nach Version.

EDEL Audemars Piguet präsentiert die Jules Audemars als Tourbillon mit Grossdatum, eine Preziose ohne Protz. Das Gehäuse ist aus Rotgold, als Motor dient ein feines Handaufzugswerk. 222 500 Franken.

VIRIL «Le Male Terrible» von Jean Paul Gaultier riecht erst nach Lavendel, bekommt dann mit Vetiver, Vanille und Amber eine sinnliche Note und wird mit holzigem FougèreDuft männlich-frisch. 75 ml für 85 Franken.

MOBIL «Auto-Mobilität – Wie der Mensch das Laufen verlernte» ist ein über 500 Seiten starkes Nachschlagewerk über die Geschichte des Automobils. Verlag Monsenstein und Vannerdat, ca. 180 Franken.

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ALTE LIEBE ROSTET NICHT Dieser Motorensound! Dieses puristische Design! Auf Testfahrt mit Chopard-Chef Karl-Friedrich Scheufele und seinem Porsche-Klassiker wird klar: Der Lack ist noch lange nicht ab. VON PIER R EA NDR É SCHMIT T TE X T // A LBA N K A K ULYA FOTOS

D ELEGANZ MACHT FAHRT Autotest der ungewöhnlichen Art: Chopard-Chef KarlFriedrich Scheufele fährt mit seinem Porsche 356, einem Sportwagen mit Jahrgang 1963, vor dem «Palace» in Gstaad vor.

er Sicherheitsgurt ist abenteuerlich, jedenfalls im Vergleich mit heutigen Standards. Aber das ficht uns nicht an. Ich lege den Bügel um, der ein breites Band um den Bauch fixiert. Viel mehr ist da nicht, aber es reicht. Es ist überhaupt wenig dran an diesem Auto, vor allem nichts Überflüssiges, und deshalb ist es auch so leicht: 980 Kilogramm Leergewicht gemäss Fahrzeugausweis. Das macht den Sportwagen sehr agil und spurtfreudig. Karl-Friedrich Scheufele, Chef des Uhren- und Schmuckunternehmens Chopard, holt mich in Bulle FR am Bahnhof ab. Abgemacht war, dass er mit einem Klassiker aus seiner Sammlung vorfahren würde. Mit welchem, würde KFS, wie man ihn oft nennt, spontan entscheiden. Er hat sich für einen feuerroten Porsche 356 entschieden. Eine goldrichtige Wahl, denn das Auto hat einen Heckmotor. «Das ist ein Vorteil», sagt Scheufele angesichts der hohen Temperaturen an diesem Tag. «Hätte der Klassiker Frontmotor, würde der Wagen heftig aufgeheizt.» Ein exquisites Gefährt. KFS dreht den Zündschlüssel, der links vom Lenkrad steckt, wie dies bei Porsche üblich ist. Angeblich konnten Rennfahrer in Le Mans so gleichzeitig den Wagen starten und den Gang einlegen. Los gehts. Scheufele ist ein geübter Fahrer, das merkt man sofort, ein Mann mit Benzin im Blut. Die Strecke nach Gstaad •

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ANHALTENDE BEGEISTERUNG «Ich fahre das Auto liebend gern und entsprechend oft»: Karl-Friedrich Scheufele in seinem Porsche-Klassiker.

Es ist wenig dran an diesem Auto. Vor allem nichts Überflüssiges.

EIN FALL FÜR ZWEI Auf Testfahrt: Pierre-André Schmitt, Chefredaktor FIRST, und Karl-Friedrich Scheufele.

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• meistert er flott bis rasant, stets aber besonnen und sicher. «Am Porsche», sagt er, «gefällt mir die Einfachheit, das Spartanische.» Ein Porsche 356 ist ohnehin ein besonderes Auto, doch das Exemplar von KFS ist ein ganz exquisites Stück. Der 356 B 2000 GS Carrera wurde gerade 310-mal gebaut (gegenüber 30 963 Exemplaren des regulären 356 B), er hat die starke und seltene Motorisierungsvariante, also den 2-Liter-Motor mit 130 PS Leistung. Für die Connaisseurs sei noch angemerkt, dass zwei oben liegende Nockenwellen über eine Königswelle angetrieben werden. Ein optischer Leckerbissen sind überdies die zwei Doppel-Fallstrom-Solex-Vergaser unter dem zweigeteilten Luftgitter am Heck. Der Motor hat Doppelzündung sowie Trockensumpfschmierung – auch das eine technische Finesse. Flott beschleunigt KFS den Sportwagen nach Rossinière FR aus einer Rechtskurve heraus. Bald darauf überholt er einen langsameren Wagen. Der Beifahrer staunt angesichts des Sprints über die sportlichen Gene des nicht mehr ganz jungen Autos. In nur neun Sekunden ist es aus dem Stand auf einem Speed von 100 Kilometern pro Stunde, was auch heute noch sehr zügig ist. Damals, 1963, als das Auto gebaut wurde, war dies ein sensationeller Wert – er machte den Carrera zum spurtschnellsten Porsche aller Zeiten.

Ein Flair für runde Formen. Der Uhrenpatron fuhr nicht immer so sportlich. Sein erstes Auto war ein VW Käfer, den er heiss liebte. Die späteren Porsches waren logische automobile Weiterentwicklungen. Seinem Vater Karl gefiel die Affinität des Filius zu Käfer und Porsche nicht besonders. Ob er nicht lieber ein «gescheites Auto» kaufen wolle, fragte der Senior des Öfteren, «eines mit vier Türen». Doch der Vater scheint die autophile Ader von KFS mitgeprägt zu haben: Karl Scheufele besitzt ein paar besonders schöne Klassiker, man trifft ihn zum Beispiel immer wieder am Lenkrad eines Merecedes SL 300. Wie viele Klassiker in seiner Garage stehen, sagt KFS nicht – «selbst meine Frau weiss das nicht». Diese pflegt sich mit einem Bonmot zu revanchieren: «Solange die Freundinnen meines Mannes vier Räder haben, ist alles in Ordnung.» KFS fährt sportlich in eine S-Kurve, und die akustische Begleitung ist besser als ein Sinfoniekonzert: ein sonores Bollern, wie es nur Boxermotoren produzieren können. Es mache einfach Spass, mit so einem Wagen zu fahren, sagt Scheufele. Die neuen Autos seien zu perfekt, zu steril, sie verziehen einem einfach alles. Einen Klassiker wie diesen hier zu steuern, sei hingegen noch richtiges Autofahren. Bereits früh kam übrigens ein 356 Speedster in seine Garage. «Ein Wrack», kommentiert KFS heute. Der Wagen, ursprünglich für die USA gebaut, habe sich zu einem veritablen Oldtimer-Abenteuer entwickelt. Bei genauem Hinsehen habe die Karosserie wie ein Emmentaler ausgesehen– kein Wunder, dauerte die Renovation volle zwei Jahre. Die Fahrt in einem 550 Spyder an der legendären Mille Miglia im Norden Italiens gehört zu den schönsten Erinnerungen Karl-Friedrich Scheufeles. So müsse Porsche-Fahren sein, «so puristisch, mit so viel Schlag des Motors und so viel unverkennbarem Motorensound», schwärmt er. Und fragt rhetorisch: «Wer wollte sich nicht in ein solches Auto verlieben?» Der rote Porsche kommt dem Spyder «schon ziemlich nahe», wie KFS sagt, und so erkläre es sich, dass er rasch Feuer gefangen und sich zum Kauf entschlossen habe. Der Chef des Porsche-Museums begutachtete den Wagen und konnte den Kauf nur empfehlen. Scheufele hat es bis heute nicht bereut: «Ich fahre das Auto liebend gerne und entsprechend oft. Wobei die tolle Kombination aus Durchzug und 356erFeeling immer wieder begeistert.» Wir können dies nur bestätigen. •


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ASIATISCHE ATTITÜDE

Sam Roseman, Chef von Shanghai Tang, katapultiert 5000 Jahre chinesische Tradition ins 21. Jahrhundert. Ein Gespräch über die moderne Interpretation von chinesischem Luxus. VON ODILE HABEL INTERVIEW

MACHEN GUTE FIGUR Sam Roseman und Joyce Star Tan, Nickname J *, Schauspielerin und Model in einem Qipao-Kleid.

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Herr Roseman, wie definieren Sie den Stil von Shanghai Tang? Shanghai Tang ist zeitgenössische chinesische Eleganz, eine Mischung aus der chinesischen Kultur und ihren traditionellen Kleidern, den alten Techniken der Schneider Shanghais und modernen Elementen. Das Qipao ist ein ausgezeichnetes Beispiel. Shanghais Schneider revolutionierten die chinesische Garderobe und erfanden das traditionelle chinesische Kleid neu, indem sie das Qipao in ein kurzes, eng anliegendes Kleidungsstück verwandelten, das die weiblichen Formen betont. Diese traditionelle Handwerkskunst und die dabei verwendeten feinen Techniken wurden von Generation zu Generation überliefert. Auch heute wird diese Tradition weitergeführt, damit die kaiserliche Qipao-Schneiderkunst weiterlebt. Unsere acht Schneider von Shanghai Tang sind übrigens alles Nachfahren der Pioniere des modernen Qipao, die während der Kulturrevolution nach Hongkong auswanderten. Die Kunden von Imperial Tailoring schätzen unsere bequemen Kleider, die mit viel Liebe zum Detail verarbeitet werden.

Der Hongkonger Geschäftsmann David Tang Wing-cheung, Gründer von Shanghai Tang, sagte, dass das Label «die ins 21. Jahrhundert katapultierte Quintessenz von fünftausend Jahren chinesischer Kultur darstellt». Wie bringen Sie diese Kultur in Ihren Kreationen zum Ausdruck? Ich setze traditionelle chinesische Designelemente ein, etwa handgemachte Knöpfe in Blumenform, Satin-Aufsätze, die ebenfalls von Hand verarbeitet sind, Verschlüsse in Form von Seidenknoten oder zu Motiven geschliffene Halbedelsteine wie Onyx, Jade oder Tigerauge. Ferner Figuren wie Fische oder Drachen. Die Farben sind dominant und intensiv. In Europa sind eher NaturtönewieSchwarzoderBeigeangesagt.

«Hongkong ist besonders inspirierend.» Und in der Haute Couture für Männer? Der Schnitt ist sehr streng, europäisch, und die starken Farben fehlen. Der Kragen ist allerdings ein klassischer chinesischer Kragen, desgleichen die Knöpfe. Bevorzugen Sie Stoffe aus China? Nein, ich beziehe das Material dort, wo es am schönsten ist. Ich arbeite viel mit europäischen Herstellern. Aber in China findet man sehr schöne Seide und sehr schönen Kaschmir. Welches sind Ihre Inspirationsquellen? Ich finde sie ein bisschen überall. Vor allem aber in Asien und besonders in Hongkong, wo ich lebe. Ich lasse mich von Menschen, Filmen und meiner Umgebung inspirieren und mische dann alles mit dem chinesischen Stil. Ich liebe neue Designs und Materialien. •

FOTO: WWW.JOYCESTARTAN.COM

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as chinesische Luxuslabel Shanghai Tang, dasheutezumSchweizer Richemont-Konzern gehört, wagte 1994 seine ersten Gehversuche in Hongkong. Seine kaiserliche Couture-Abteilung, das Imperial Tailoring, legte die grossen chinesischen Klassiker wie das klassische, einst von Mao verbotene Qipao-Kleid in einem modernen Stil neu auf. Sam Roseman, der früher bei Armani war, steht seit vier Jahren an der Spitze des Massschneiders. Wir trafen ihn zu einem Gespräch in Genf.


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DIESE UHR BRAUCHT ZEIT

Olivier Toublan hat die Piaget Polo Tourbillon Relatif getestet, ein Meisterwerk mit fliegendem Tourbillon. Eine Handwerkskunst, die sich einem erst nach einer Weile erschliesst.

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Der Wow-Effekt. Doch lassen wir es nicht bei Äusserlichkeiten bewenden, denn sie helfen nicht, die aussergewöhnliche Mechanik dieses Objekts zu verstehen. Seine Trümpfe verbirgt es nämlich sorgsam: ein Uhrwerk von solch verrückter Technizität, dass es selbst dem ergebensten aller Anhänger der hohen Uhrmacherkunst kalt über den Rücken läuft. Ein Gefühl, das sich übrigens noch verstärkt, je profunder seine uhrenspezifischen Kennt- •

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FOTO: PR

ringen wir es gleich auf den Punkt: Diese Piaget Polo Tourbillon Relatif ist eine fantastische, aber auch etwas paradoxe Uhr. Ironischerweise zeigt sie nämlich nicht das, was sie zeigen sollte. Im Gegenteil, sie zeigt zuerst genau das, was sie im Grunde gar nicht zeigen möchte. Kompliziert? Nicht wirklich! Beginnen wir zunächst mit dem, was die Uhr zeigt: Sie zeigt ein Polo-Gehäuse, und zwar in zweifarbiger Schwarz-Gold-Ausführung, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Das Gehäuse bewahrt die charakteristische Eleganz der Marke. Es vereint die unverkennbaren klassischen Eigenschaften von Piaget mit einer raffinierten Verarbeitung, die mit Farben und effektvollen Oberflächen spielt. Doch das imposante Gehäuse fällt auf. Es bricht ein wenig mit den Werten der Polo, bei der sonst eine vernünftige und diskrete Grösse als oberstes Gebot gilt. Womit klar wird, dass diese Uhr zuerst eben genau das zeigt, was sie gar nicht zeigen wollte: schiere Grösse und Edelmetall in Hülle und Fülle. Wer sie sieht, weiss, dass ihr Besitzer zwar vielleicht Geschmack hat – auf jeden Fall aber auch viel Geld. Das ist, in Anbetracht der Grösse der Uhr und des aktuellen Goldpreises, keine Frage.


uhrentest

EXKLUSIVITÄT INKLUSIVE

• nisse sind. Der aufmerksame Uhrenliebhaber erkennt lediglich, dass auf dem Zifferblatt ein Tourbillon zu sehen ist – was bereits eine gewisse Wirkung zeitigt. Der Kenner wird wahrscheinlich die Stirn runzeln und sich über die ziemlich merkwürdige Stelle wundern, an der dieses Tour­ billon auf dem Zifferblatt angebracht ist. Es befindet sich nämlich nicht bei 6 Uhr oder in der Mitte wie die meisten Tourbillons. Nein, manchmal liegt es bei 11, dann bei 1 oder auch bei 4 Uhr. Merkwürdig. Wirklich merkwürdig. Da die meisten Kenner die Uhr jedoch nur einige Sekun­ den, bestenfalls einige Minuten lang betrachten werden, werden sie auf dieses Rätsel keine Antwort finden.

«Das fliegende Tourbillon-Uhrwerk Manufaktur 608P, dessen Käfig eine doppelte Drehbewegung vollführt, wurde bei Piaget von Carole Forestier entwickelt», erklärt Franck Touzeau, Marketingdirektor der Marke. «Die Entwicklung hat rund drei Jahre gedauert und beträchtliche finanzielle und zeitliche Ressourcen in Anspruch genommen.» Wie lässt sich dieses Tourbillon erklären, das vom Uhrwerk losgelöst zu sein scheint? Und wie lässt sich erklären, dass sich der Minutenzeiger, auf dem das Tourbillon sitzt, nicht unter dem Gewicht der Komplikation verbiegt? Die Antwort ist einfach: Trotz seiner Komplexität und den 42 Bauteilen wiegt der Tourbillon-Käfig lediglich 0,2 Gramm. Der Minutenzeiger bewegt sich auf einer fast unsichtbaren, ins Gehäuse eingravierten Schiene. Der eigentliche Geniestreich gelang den Uhrmachern von Piaget bei der Energieübertragung zwischen dem fliegenden Tourbillon und dem Basisuhrwerk. Man stelle sich einfach ein komplexes Räderwerk vor – mehr ist im Moment leider nicht zu erfahren. «Es ist einfach und kompliziert zugleich», sagt Carole Forestier mit einem breiten Lächeln. Bekannt ist hingegen, dass die Produktion angesichts der Komplexität des Uhrwerks auf ungefähr 20 Stück pro Jahr begrenzt ist. In Anbetracht des Preises ist die Uhr begüterten Liebhabern vorbehalten: 290 000 Franken für das getestete Modell, bis zu 505 000 Franken für seltenere Stücke. Piaget bietet den Zeitmesser in verschiedenen gravierten und emaillierten Versionen mit Insignien der grössten Städte dieser Welt an. «Der Preis dieser Kreationen rechtfertigt sich durch ihre Seltenheit», sagt Franck Touzeau. Die Wahrscheinlichkeit, einer anderen Person zu begegnen, welche die gleiche Uhr trägt, ist somit äusserst gering. Wir bieten unseren Kunden den einzig wahren Luxus: Exklusivität!»

Technische Meisterleistung. Hier ist sie, die Antwort: Wir haben es hier mit einem wahren Wunder der hohen Uhrmacherkunst zu tun, mit einer jener Erfindungen, bei denen es dem Kenner die Sprache verschlägt. Gemeinhin wird dieser Mechanismus als fliegendes Tourbillon be­ zeichnet, Piaget nennt ihn «Tourbillon Relatif». Ein fliegendes Tourbillon ist auf dem Minutenzeiger angebracht. Einerseits dreht es sich wie jedes andere Tourbillon alle 60 Sekunden um sich selbst. Anderseits – und hier wird es faszinierend – dreht es sich jede Stunde parallel um das Zifferblatt, weil es ja mit dem Minuten­ zeiger vereint ist. Mit anderen Worten: Das Tourbillon ändert jede Minute beinahe unmerklich seine Position auf dem Zifferblatt. Eine Freude, die nur der Besitzer der Uhr richtig geniessen kann, da nur er die Gelegenheit hat, regelmässig auf die Uhr zu schauen und den Weg des Tour­ billons rund ums Zifferblatt mitzuverfolgen. Für all jene, die sich ein wenig für die zugrunde lie­ gende Technik interessieren, sei erwähnt, dass dieser Weg, den das Tourbillon Minute für Minute zurücklegt, eine technische Meis­ terleistung ist (siehe Kasten links). Wir wollen hier jedoch nicht weiter über Technik reden, sondern vor allem über die vergnüglichen Seiten des Lebens. Und punkto Vergnügen ist diese Uhr ausserordentlich. Mit ihr kommen Sie gar nicht in Versu­ chung, bei Ihren Freunden anzu­ geben, weil die meisten gar nicht bemerken, dass Sie eine wahrhaft aussergewöhnliche Uhr tragen. Den Beweis dafür liefern jene Personen, denen wir während unseres Tests begeg­ net sind. Ein Nationalrat, der Chef eines gros­ sen Schweizer Unternehmens, der CEO eines Piaget­ Konkurrenten aus der Uhrenbranche. Die Liste ist lang. Die meisten haben diese Uhr gar nicht bemerkt. Doch ihrem Besitzer beschert sie ein unbeschreib­ liches Vergnügen. Es war ein Genuss für mich, diese Uhr während zweier Wochen zu testen. Es war absolut faszinierend, dieses Tourbillon minutenlang zu beobach­ ten, das Uhrwerk zu bestaunen im Wissen, dass ich an meinem Handgelenk eine aussergewöhnliche, ja beinahe einzigartige Uhr trug. Und im Wissen vor allem, dass ich der Einzige war, der dies wusste. •

«Gross angeben kann man mit ihr nicht.»

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ONE NIGHT IN ZURICH

SCHÖN, WENN DER TAG IN DEN ABEND ÜBERGEHT, MAN KURZ INNEHÄLT UND SICH AUF GLAMOURÖSE STUNDEN FREUT. AUF LUXUS MIT KASCHMIR, PELZ UND SEIDE.

VON ANOUSH ABRAR & AIMÉE HOVING FOTOS // ALEXANDRA KRUSE STYLING // LUCIE CLEMENT REDAKTION

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EVERY LITTLE THING SHE DOES IS MAGIC Vordere Doppelseite Seidenbluse, Jupe, Pumps, alles von Miu Miu. Brillantring von Les Ambassadeurs. Diese Doppelseite Sie: Spitzenkimono und Bra, beides von Agent Provocateur. Collier, Armband und Ring mit Brillanten, alles von Les Ambassadeurs. Er: Kaschmirmorgenrock mit seidenem Innenfutter von Zimmerli.

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Sie: Strickjacke mit Fuchsstola, PVC-Rock, Pumps, alles von Gucci. Strumpfhose von Fogal, Brillantring von Les Ambassadeurs. Er: Strickpullover und Hose in Joggingoptik, beides von Bally.

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EIN VORďšş SCHLAG

Doluptur? Oloribus velesci psaeper emporit lam nulliciamet ea Regencape sint Sie: Lederkleid von Louis Vuitton. audae. Nequam int rehenes tiu ti- von von Burberry Prorsum. Strumpfhose usdam, venm, venti ut laut et, aut Fogal. Booties von Navyboot. elis repudis elitis eos voluptium Er: Hemd und Mantel, beides von con Gucci. tiusdam, venm, venti ut laut et, aut elis repudis elitis eos voluptium con sdam, venm, venti ut laut et, aut elis repudis elitis eos voluptium con

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I LIKE THE WAY YOU TALK Sie: Schwarzes Stretch-Minikleid mit goldenen Verzierungen von Hervé Léger. Brillantohrstecker von Les Ambassadeurs. Roségoldenes Collier Victoria von Pomellato. Er: Smokinghemd von Boss Selection.

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EIN VORSCHLAG FĂœR DEN TEXT

Sie: Spitzenkimono, Bra, Panty, alles von Agent Provocateur. Brillantenarmband und Brillantring, beides von Les Ambassadeurs. Doluptur? Oloribus velescimit psaeper emporit lam nulliciamet ea sint audae. NeEr: Kaschmirmorgenrock seidenem Innenfutter von Zimmerli. quam int rehenes tiu tiusdam, venm, venti ut laut et, aut elis repudis elitis eos voluptium con tiusdam, venm, venti ut laut et, aut elis repudis elitis eos voluptium con sdam, venm, venti ut laut et, aut elis repudis elitis eos voluptium con

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Sie: Bodenlanges Abendkleid mit Nerzbesatz von Shiatzy Chen. Brillantring von Les Ambassadeurs. Er: Smoking von Boss Selection.

MODELS: MARIYA FÜR MOST WANTED MODELS MÜNCHEN, BUJAR FÜR TIME MODEL AGENCY; HAIR & MAKEUP: HELVÉ LEAL, STYLE COUNCIL, ZÜRICH; PHOTO ASSISTANT: LUKAS MÄDER; PRODUCER ASSISTANT: KASIA JACKOWSKA; PHOTOGRAPHER'S AGENT: BEATRICE MÄCHLER; MÖBEL UND WOHNACCESSOIRES VON ZINGGLAMPRECHT ZÜRICH UND COTÉ WEST LIVING ZÜRICH

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HAVE I TOLD YOU LATELY? Seidenblusenbody von Michael Kors. RosĂŠgoldenes Collier Victoria von Pomellato. Strumpfhose von Fogal.

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interview

ES BLEIBT IN DER FAMILIE Die kleine LuxusKosmetikmarke Sisley bietet grossen Beauty-Konzernen die Stirn. Wie schafft man das? Der Chef erklärt es.

PHILIPPE D’ORNANO, 46, ist CEO von Sisley. Die Marke ist heute in 90 Ländern aktiv.

Herr d’Ornano, Sie leiten ein Familien­ unternehmen. Was bedeutet das für Sie? Ein Familienunternehmen, das unabhängig und nicht an der Börse kotiert ist, gibt Ihnen die Freiheit, die Produkte zu entwickeln, die Sie wollen, und das Image aufzubauen, das Sie wünschen. Sie sind nur Ihrer Familie Rechenschaft schuldig, und das sind nur wenige Personen, die überdies Ihre Werte teilen. Sie können also eine Gesellschaft nach Ihrem Geschmack aufbauen – eine hervorragende Ausgangslage. Es kann trotzdem zu Auseinandersetzun­ gen kommen. Wie gehen Sie damit um? Der grosse kreative Mensch, der Sisley erfunden hat, war mein Vater. Er schuf zwei Kosmetik-Weltmarken. Die erste, Orlane, mit seinem Bruder und seinem Vater. Dann fing er nochmals bei null an. Er bezog eine kleine Zweizimmerwohnung an den Champs-Elysées, denn er wollte den Namen Champs-Elysées auf die Produkte schreiben können. Er steckte sein ganzes Geld ins Projekt Sisley, das war sehr riskant. Er hat uns ausgebildet, meine Mutter, dann mich. Ich war von Anfang an sehr beeinflusst von meinem Lehrmeister. Es gab und gibt deshalb nur wenig Meinungsverschiedenheiten. Wir ticken ähnlich. Beschreiben Sie uns die DNA von Sisley. Ganz einfach: Die DNA ist das Produkt. Wir sind eher Industrielle als Financiers.

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FOTOS: PR

VON PIERREANDRÉ SCHMITT INTERVIEW


«Wir sind eher Industrielle als Financiers.» ANGESAGT Die High-End-Parfums Eau d’Ikar für ihn und Eau du soir für sie sowie die Nachtpflege Supremÿa.

Und wir sind eher produktorientiert als marketinggetrieben. Wir sind vermutlich die einzige Kosmetikmarke auf der Welt, bei der die Inhaber jede Woche einen ganzen Tag mit den Forschern verbringen. Wir beobachten auch den Vertrieb sehr genau, wir wissen also, was unsere Konsumentinnen wünschen. Ich selbst bin 100 Tage im Jahr unterwegs und versuche, so viel wie möglich in die Geschäfte zu gehen und mit Verkäuferinnen und Kundinnen zu sprechen. Zweiter Punkt: Wir sind ein internationales Unternehmen. Man muss heute wirklich international aufgestellt sein, wenn man in den USA, Lateinamerika und den asiatischen Märkten Geschäfte machen möchte. Dritter Punkt: Wir haben eine Langzeitvision. Wir gehen Schritt für Schritt vor. Dazu braucht man Zeit, und die geben wir uns. Wie bietet man den grossen Konzernen die Stirn? Ach, wissen Sie, in unserem Geschäft ist Grösse nicht zwingend ein Erfolgsfaktor. Der entscheidende Erfolgsfaktor für uns ist die Kreativität. Und die ist nicht an Unternehmensgrösse gebunden. Aber bei den Distributoren hat der Grosskonzern mehr Gewicht als das kleine Familienunternehmen. Die Distributoren sind froh über unabhängige Marken, die sich gut verkaufen. Die Konzentration der Distribution macht mir so gesehen keine Sorgen. Dort befürchte ich mehr, dass aus monetären Überlegungen Beratung und Service vernachlässigt werden. Da werden zum Beispiel die Löhne des Personals gekürzt oder die Zahl der Verkäufer reduziert. Darin liegt die Gefahr. Aber die Beziehung mit grossen Handelspartnern ist für uns kein Problem. Der Handel will eine Marke, die läuft. Und er will nicht von zwei oder drei Lieferanten abhängig sein. Wenn Sie unsere Branche analysieren, werden Sie sehen, dass Sisley im Vergleich zu allen wichtigen Mitbewer-

bern in den letzten zehn Jahren das grösste Wachstum hatte. Was tun Sie denn besser als die anderen? Wir haben hervorragende Produkte. HighEnd-Produkte sind äusserst angesagt. Konsumentinnen sagen mir oft: «Sisley hat tolle Produkte. Sie sind sehr teuer. Aber auch sehr gut.» Wenn Sie ein solches Qualitätsimage haben, ist das höchst hilfreich. Sie werden angesichts der Flut von kosmetischen Neuheiten ohne herausragende Produkte keinen langfristigen Erfolg haben. Das Produkt muss effizient sein, also Wirkung zeigen, und die Wirkung muss sich rasch und ohne Nebenwirkung einstellen. Darauf kommt es an. Sie lancieren jetzt ein neues Parfum. Wie macht man das? Das ist ein Abenteuer. Wir verkaufen ja ausschliesslich High-End-Parfums. Das heisst, unser Kreativ-Klavier, wenn ich so sagen darf, ist viel breiter als bei manchen grossen Mitbewerbern. Wir können es uns leisten, die auserlesensten natürlichen Essenzen einzusetzen. Die Essenz der Wilden Pistazie zum Beispiel wurde meines Wissens bisher in Parfums noch nie eingesetzt. Aber das gilt auch für das Tomatenblatt in unserem Eau de Campagne. Tomatenblatt mag ja recht prosaisch klingen, aber die Extraktion ist sehr teuer. Bei uns ist es so, dass wir das Parfum als unsere künstlerische Kreation sehen, es ist unsere Wahl, unser Geschmack, wir alleine entscheiden. Und wir verzichten deshalb auch konsequent auf Marktforschung. Sie machen keine Tests? Früher pflegte ich zu sagen: «Doch, wir machen Tests. Mein Vater testet die Produkte an meiner Mutter.» Wir haben tatsächlich ein sehr persönliches Verhältnis zu diesem Thema. Wir machen das, was wir selber als gut und richtig empfinden. Zwar machen wir keine Marktforschung, aber dafür lassen wir uns sehr viel Zeit. Es ist wie bei Büchern. Einen herkömmlichen Bestseller

können Sie schnell und leicht lesen. Oft wird er Sie amüsieren, doch drei Wochen später können Sie sich schon nicht mehr richtig daran erinnern. Wenn Sie dagegen einen grossen Roman lesen, wird der Einstieg vielleicht harzig sein, aber das Buch wird Sie faszinieren, Sie werden es vielleicht zwei-, dreimal lesen, oft daran denken, und es wird Sie immer begleiten. Wir suchen sozusagen den grossen Roman in der Parfümerie. Unser Duft muss Sie nicht im ersten Augenblick bezirzen, aber je länger Sie ihn tragen, desto mehr soll er Sie faszinieren. Und Ihr grosser Roman orientiert sich an grossen Romanen? An welchen? An keinem. Wir gehen von eigenen Ideen aus, von neuen Zutaten, von Stimmungen. Hat man beim Start eine klare Idee? Nein. Der Anfang von Eau d’Ikar war ein Metallbidon, dessen Inhalt ich als junger Mann benutzte. Es war das Projekt für einen Duft, den wir nicht weiterverfolgten, weil vielleicht die Zeit damals noch nicht reif dafür war. Ich liebte den Duft, und ich habe ihn nie vergessen. Warum starten Sie ausgerechnet jetzt mit einer Sache, die Sie seinerzeit nicht weiterverfolgen wollten? Damals waren wir vielleicht noch nicht bereit für so eine Sache, wir hatten uns für ein anderes Projekt entschieden. Und es braucht eben auch Zeit, um herauszufinden, ob man den Duft wirklich auf Dauer gerne hat. Das interessiert uns. Wir wollen uns Zeit nehmen für unsere Produkte, wir wollen keinen mörderischen LancierungsRhythmus. Lancierungen sind ja oft nur ein Trick, um Umsatz zu erzeugen. Wenn Sie schnell Umsatz machen wollen, bringen Sie viele Produkte auf den Markt. Wir dagegen wollen nur lancieren, wenn wir überzeugt sind, dass ein Produkt ausgereift ist. Und genau das kann ein unabhängiges Familienunternehmen viel leichter tun als ein Grosskonzern. 

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DIE EROTIK DES AUGENBLICKS Helmut Newton, «Stern, St. Tropez», 1978, Polaroid (oben). POLAROIDBILD VOM INSTANTFOTOGRAFEN Oliviero Toscani, «Andy Warhol with camera», 1974, Polaroid (rechts).

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FOTOS: © HELMUT NEWTON ESTATE; © OLIVIERO TOSCANI

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FIX UND FERTIG Das analoge Polaroidbild erlebt eine Renaissance. Die zauberhafte Aura der Instantfotografie ist unübertroffen – trotz oder gerade wegen der digitalen Konkurrenz. VON BR IGIT TE ULMER TE X T

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VERBLICHENER CHARME Ulay, Untitled, 1969, Polaroid (links). SURREALE NOTE Bernhard Stoller, «Zirkus Monti», 2011, Polaroid (rechts).

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s war ein Spektakel der ganz eigenen Art, wenn in den siebziger Jahren an Familientreffen die Polaroidkamera zum Einsatz kam. Kurz nach dem Klick rutschte aus dem Kunststoffapparat mit dem eingebauten Labor langsam ein blindes Papier heraus, das sich innert 90 Sekunden, wie von Zauberhand gezeichnet, unter den staunenden Augen der Kinder zu einem Sujet verfestigte. Das war keine Zauberei, sondern das Ergebnis eines physikalischen und chemischen Prozesses, bei dem das Papierbild durch zwei Walzen geschoben wurde, während sich eine Entwicklungspaste zwischen Ober- und Unterseite der Fotos verteilte. Heute erleben die analogen Polaroidbilder, ähnlich wie die Vinylplatte, eine Renaissance. Geliebt gerade wegen der mangelnden Bildqualität, der Schummrigkeit und ihres Unikatcharakters, werden die unperfekten Bilder mit dem typischen weissen Rahmen

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von einem sonderbaren Fluidum umgeben. Künstler und Amateurfotografen bedienen sich wieder des analogen Instantbildes, das gerade angesichts der kühlen Perfektion der digitalen Fotografie seinen eigenen Reiz hat; Ausstellungen und Kataloge zelebrieren das Pola-Bild. Auch die Filme sind seit 2010 wieder zu haben. Dabei schien es 2008, als hätte das digitale Zeitalter die Instantfotografie überflüssig gemacht. Die letzte Polaroidfilmfabrik in Enschede schloss wegen Insolvenz. Denn: Was gibt es Schnelleres als ein Handyfoto? Dank der digitalen Fotografie ist das unmittelbare Bild – einst Unique Selling Proposition der Polaroidkamera – noch rasanter zu haben, dazu ohne Entwicklungsprozess. Doch der Wiener Polaroidfan und Biologe Florian Kaps belebte die Polaroidfotografie neu. Er rief kurz nach der Schliessung der letzten Polaroidfilmfabrik das Impossible Project ins Leben, heuerte ehemalige Polaroidingenieure an und mietete 2009 das Gebäude der Polaroidfilmfabrik. Im März letzten Jahres brachte er neue Film-

FOTOS: © FRANK UWE LAYSIEPEN/VBK, WIEN 2011; © BERNHARD STOLLER; © HELMUT NEWTON ESTATE

Das Polaroidbild ist ein sofort greifbares Unikat.


DAS MODEL UND DER STARFOTOGRAF Die Polaroidkamera war Helmut Newton für seine Modefotografien das, was dem Maler das Skizzenbuch. Helmut Newton, «Paris Match, Monte Carlo», 1985, Polaroid.

materialien für die traditionellen Kameras auf den Markt. Und die neuen Besitzer von Polaroid in den USA lancierten im selben Jahr eine Instantkamera, mit dem Werbe-Support von Lady Gaga. Der zweidimensionale Zwilling. Der Polaroidhype entspringt nicht reiner Nostalgie. Zwischen digitaler Fotografie und dem analogen Instantbild gibt es einen entscheidenden Unterschied. Ein geknipstes Foto ist heute nicht mehr zwingend ein Papierbild. Computer, Handys und Kameras sind Bilderfriedhöfe, auf denen digitale Daten vergessen gehen. Das Polaroidbild hingegen ist ein sofort greifbares Unikat, ein Original. Dank dem ambulanten chemischen Entwicklungsprozess ist es fast untrennbar mit dem verewigten Moment, dem fotografierten Sujet, verbunden – ein zweidimensionaler Zwilling. Dank Verfremdungseffekten wird es zum fotografischen Fetisch und für Fotokünstler zu einem Reservoir für neue Bildfindungen.

Schon der Polaroiderfinder Edwin H. Land, der das erste Modell 1948 in New York kreierte, zog von Beginn weg Fotokünstler für seine Entwicklungen als Berater zu. Deshalb existieren selbst von den Heroen der US-Fotografie berückende Polaroids: Ansel Adams, der amerikanische Meister der Landschaftsfotografie, verewigte mit der Polaroidkamera die Schönheit und das Licht des Yosemite Valley. Minor White tauchte die kalifornische Wüste um Benton ins fahle Polaroidlicht. Solche Kooperationen führten zu einem offiziellen Stipendienprogramm, dem Artist Support Program, einer beispiellosen Zusammenarbeit zwischen Industrie und Kunst – und zu einer derbemerkenswertestenUnternehmenssammlungen.Dankdiesem Förderprogramm hatte Polaroid einen nicht unerheblichen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung: Von den traditionellen SchwarzWeiss-Landschaften öffnete sich der Gestaltungsspielraum in den siebziger Jahren in die Weiten des künstlerischen Experiments. Künstler wie Lucas Samaras zerlöcherten, zerkratzten, färbten, •

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Wiederauflage der Polaroidfotografie

Die fehlende Perfektion macht den Reiz aus. DAS YVESSAINTLAURENTMODEL IN AKTION Helmut Newton, «Yves Saint Laurent», Paris 1991, Polaroid.

• bemalten und erhitzten die Polaroids. William Wegman, der mit seinen Bildern von verkleideten Weimaraner Hunden bekannt wurde, benutzte die 20×24-Zoll-Polaroidkamera (rund 50×60 Zentimeter) – ein 1977 entwickeltes Riesengerät von 1,50 Meter Höhe und 106 Kilogramm Gewicht. Andy Warhol porträtierte sich mit Polaroids selber, David Hockney und Luigi Ghirri arrangierten die Bilder mit dem weissen Rand zu Collagen, Paul de Nooijer inszenierte frivole Traumbilder.

Ein Katalog voller Bilder. Über 16 000 Fotografien von jungen und international renommierten Künstlern fügten sich in 50 Jahren zur weltberühmten Polaroid Collection. 2010 wurden Rosinen aus der Kollektion bei Sotheby’s versteigert, mit Bildern von Imogen Cunningham über David Hockney bis Andy Warhol. 2011 übernahm das Wiener Fotomuseum WestLicht die renommierte Sammlung, stellte die Perlen aus und versammelte sie in einem Katalog.

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Die Spontaneität des Instantfotos machte sich auch der Modeund Erotikfotograf Helmut Newton zunutze – seine Bilder werden zurzeit in Berlin präsentiert. Für die berühmt-berüchtigten kühlen Aktfotografien, für Modeshootings im Auftrag von «Vogue» und «Elle» sowie für Werbefotos für Yves Saint Laurent und Thierry Mugler nahm er seit den siebziger Jahren zunächst immer die Polaroidkamera zur Hand. Ohne Retouche entfalten die Bilder gerade wegen der fehlenden Perfektion ihren Reiz. Über 1000 Polaroids gehören zu Newtons Nachlass. Die Polaroidkamera war dem Fotografen das, was dem Maler das Skizzenbuch. Die Ausbreitung des Polaroidbildes ist von einem anachronistischen Reiz. Denn im World Wide Web schwillt derzeit ein digitaler Strom von Polaroidbildern an: Die Website «Polanoid» präsentiert die grösste Online-Polaroidsammlung, es sind Amateur-Momentbilder von berückender Magie. Analog produziert, • digital verbreitet.

FOTOS: © HELMUT NEWTON ESTATE; © EREDI DI LUIGI GHIRRI; © THE ANSEL ADAMS PUBLISHING RIGHTS TRUST

Mit der Rettung der Polaroidwerke in Enschede 2009 hat das Impossible Project des österreichischen Wissenschaftlers Florian Kaps nicht nur die Produktion des Polaroidfilms für die alten Kameras wiederaufgenommen. Dank Kaps’ Engagement werden auch die Künstlerkooperation und das sammlerische Engagement von Polaroid fortgeführt. Das Impossible Project arbeitet mit zeitgenössischen Fotokünstlern wie Stefanie Schneider, Nobuyoshi Araki und Schweizer Fotografen wie Bernhard Stoller zusammen, welche die neuen Filme verwenden. Ausstellung: «Helmut Newton Polaroids», Helmut Newton Stiftung, Berlin, bis 20. Mai 2012. www.helmut-newton.de Katalog: «From Polaroid to Impossible – Masterpieces of Instant Photography – The WestLicht Collection», Hatje Cantz, 2011, 192 Seiten, 56 Franken. www.the-impossible-project.com, www.polanoid.net


EXPERIMENTELL Luigi Ghirri, «Amsterdam», 1980, Polaroid (links). KLASSISCH Ansel Adams, «Window Bear Valley», California, 1973, Polaroid (rechts).

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city trip // tel aviv

WHITE CITY Tel Aviv war kurz nach seiner Gr체ndung 1909 zum Experimentierfeld des Neuen Bauens geworden. Immigrierte Architekten und heimkehrende Studenten passten die neuen Formen und Theorien den lokalen Gegebenheiten an und bauten eine einzigartige, der Moderne verpflichtete Stadt. Die sogenannte White City mit ihrem reichen Schatz an modernistischen Geb채uden ist seit 2003 Unesco-Weltkulturerbe.

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VIVA TEL AVIV!

Quartiere werden renoviert, Clubs und Läden eröffnet, das Nachtleben gefeiert. Israels zweitgrösste Stadt vibriert vor Energie. Das muss man gesehen haben. VON MIRKO BEETSCHEN & STÉPHANE HOULMANN, ZÜRICH TEXT ANTONIO MANISCALCO, MAILAND FOTOS BERGDORF AG, ZÜRICH PRODUKTION

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anche nennen den Hype in Tel Aviv einen «Tanz auf dem Vulkan». Seit rund 15 Jahren ist die Stadt von sehr viel Energie und Lebensfreude erfasst. Die Partys sind wild, die Körper gebräunt und durchtrainiert, die vielen Restaurants zum Bersten voll, und es wird enorm investiert. Dass das jüdische Israel von arabischen Staaten umgeben ist und die innenpolitischen Konflikte ungelöst sind, ist in Tel Aviv kaum zu spüren. Im Gegenteil, die Stadt am Mittelmeer hat in den letzten Jahren den Ruf einer weltoffenen, toleranten Metropole erlangt, und Reiseexperten und Trendscouts sehen in ihr die neue urbane Destination im mediterranen Raum. Dabei ist Tel Aviv gerade mal 102 Jahre alt. Bis 1921 gehörte es zu Jaffa, dann erst erklärten es die Briten zur eigenen Stadt. Längst ist die Hafenstadt Jaffa, die eine 5000-jährige Geschichte hat, von ihrer rasant gewachsenen Schwester verschluckt worden. 1909 hatten die Pioniere das Fundament für die erste von Juden gegründete Stadt der Welt in den Sanddünen nördlich von Jaffa gelegt. Einer der Gründerväter soll damals verkündet haben, dass Tel Aviv eines Tages für Israel das sein würde, was New York für die USA ist. Zu Beginn entwickelte sich die neue Siedlung gemächlich. Ihre Häuser wurden in einem eklektischen Stil aus lokalen, europäischen und orientalischen Elementen erbaut. Die noch bestehenden Gebäude aus den Gründerjahren Tel Avivs werden heute liebevoll restauriert und sorgen in den Zentrumsquartieren für eine histo- • FIRST 04_2011_67


city trip // tel aviv

Eines Tages, hiess es bei der Gr端ndung Tel Avivs, werde die Stadt f端r Israel das sein, was New York f端r die USA ist.

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1 Café-Kiosk: Der älteste Kiosk der Stadt steht noch heute an der Kernzelle von Tel Aviv, an der Kreuzung Rothschild Boulevard und Herzl Street, und dient seit ein paar Jahren als kleine Openair-Espressobar. 2 Florentin-Quartier: Nacht über dem Florentin-Quartier, das sich seit der gleichnamigen Fernsehserie bei jungen Israeli grösster Beliebtheit erfreut. Bekannt ist der hiesige Levinsky-Markt, ein traditioneller, multikultureller Gewürzmarkt.

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rische Atmosphäre. Berühmt geworden ist die Stadt jedoch durch ihre modernen Bauten. Einheimische Architekten, die ihre Aus­ bildung an europäischen Hochschulen wie dem Dessauer Bauhaus genossen, sowie neue Einwanderer fanden in dem geschichtlich unbelasteten Tel Aviv einen geeigneten Standort, um die Ideen der Moderne auszuprobieren. Neuer Wohnraum wurde wegen der Masseneinwanderung als Folge von Hitlers Machtübernahme sowie des Zweiten Weltkriegs nötig. So entstanden in zwei Jahrzehnten rund 5000 Häuser, die der Moderne verpflichtet sind – Tel Avivs be­ rühmte White City. Sie ist nach Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, erst die zweite moderne Kulturstätte, der das Label Unesco­Welt­ kulturerbe zugesprochen wurde. Treffpunkt der Bohémiens. Wie in anderen westlichen Grossstädten leerten sich Mitte des 20.Jahrhunderts auch in Tel Aviv die inner­ städtischen Quartiere, weil die Leute in die wachsende Agglomera­ tion zogen. Das Herz der Stadt mit ihrem Mix aus osmanischen und modernistischen Wohnbauten verlotterte. Erst in den achtziger Jahren begannen Künstler und Bohémiens die patinareichen Strassen rund um den Rothschild Boulevard wiederzubeleben. In den letzten 20 Jahren hat sich das alte Zentrum zu einer der belieb­ testen – und teuersten – Wohngegenden gemausert, wobei der charmante Quartiercharakter erhalten blieb. Fernsehstars und Musiker, alteingesessene Tel Aviver, orthodoxe Juden und gleich­ geschlechtliche Paare leben hier in Harmonie zusammen. Ihr ge­ meinsamer Garten ist der autofreie, baumbestandene Mittelstreifen • des Rothschild Boulevard.

3 Hotel Montefiore: Ein Wohnhaus aus der Gründerzeit von Tel Aviv beherbergt seit 2008 eines der ersten Boutiquehotels der Stadt. Bei der sorgfältigen Renovation wurde der Charakter des Hauses bewahrt, sodass die Geschichte spürbar geblieben ist. Das Hotel mitten in einem grünen, alten Quartier im Herzen der Stadt ist elegant, gemütlich und verströmt die Atmosphäre eines alten Kolonialhauses. Im Erdgeschoss spielt sich alles auf kleinstem Raum ab. Livrierte Kellner wuseln mit cappuccinobeladenen Silbertabletts von der Bar durch die offene, zentrale Lobby ins Restaurant, während schicke Tel Aviver und internationale Gäste in der kleinen Bibliothek und auf den zwei Terrassen zur Strasse hin das schöne Leben zelebrieren. 4 Uhrturm in Jaffa: Der Uhrturm von Jaffa ist Wahrzeichen und zentraler Treffpunkt. Er wurde 1906, drei Jahre vor Tel Avivs Gründung, anlässlich der 25-jährigen Herrschaft Sultan Abdul Hamids II. errichtet. Die Glasmosaikfenster sind aus dem Jahr 1965, sie wurden vom israelischen Künstler Arie Koren gefertigt. 5 Café Nina: Vor neun Jahren haben zwei Schwestern das Café Nina im Herzen des sympathischen Neve-Tzedek-Quartiers gegründet, vor sechs Jahren kam das Hotel hinzu. Es umfasst heute mehrere Studios und Luxussuiten, die mit allem nötigen Komfort ausgestattet sind. Frühstücken kann man ganztags, entweder auf dem Zimmer oder im Café, das ein beliebter Treffpunkt für Künstler, Schriftsteller und Journalisten ist.

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Tel Aviv ist l채ngst zum Fixpunkt der Kunstund Kulturszene avanciert.

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1 Restaurant Jos & Los: Immer noch ein Geheimtip in Tel Aviv, überzeugt das alternative Restaurant Jos & Los mit einer wunderbar raffinierten modernen Küche. Das Lokal wird von zwei Frauen geführt, hat einen üppig bepflanzten Garten mit romantischer Hinterhof­ atmosphäre und äusserst char­ manten Mitarbeitern. Die hebräische Karte übersetzt man Besuchern mit viel Geduld.

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Doch auch andere Teile der Stadt wurden in den letzten Jahren wiederentdeckt. Das alte Jaffa etwa, aus dem die ursprüng­ liche arabische Bewohnerschaft 1948 vertrieben wurde und das dann dem langsamen Zerfall geweiht war. Erst in den achtziger Jahren er­ kannte man die Stadt als historisches Erbe und ist seither daran, sie mit dem nötigen Respekt zu sanieren. Eine der charmantesten Gegenden liegt genau zwischen Jaffa und den Gründungsvierteln Tel Avivs: Neve Tzedek war das erste jüdische Quartier ausserhalb von Jaffas Stadtmauern und wurde bereits in den frühen 1880er Jahren gegründet. Heute ist die Gegend ein beliebtes Künstlerviertel mit zahllosen kleinen Galerien, Läden und Cafés. Wie überall in der Stadt verweben sich auch hier Gebautes und Natur zu einer reizvollen, bisweilen exotisch anmutenden urbanen Landschaft. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde 2010 das Areal des ehemaligen Bahnhofs von Jaffa zum attraktiven Shoppingquartier in frisch restaurierter historischer Umgebung gemacht. Legendäres Nachtleben. Ein weiteres Viertel, das in aller Munde ist, ist Gan Hahashmal, was so viel wie Elektrizitätsgarten bedeutet. Der Name stammt von Israels erstem Elektrizitätswerk, das hier in den zwanziger Jahren eröffnet wurde. Auch diese Gegend verkam, nachdem man das Werk 50 Jahre später geschlossen hatte, und er­ lebte ihre Renaissance erst im neuen Jahrtausend. Mittlerweile sprüht das Quartier wieder vor Leben – dank den zahlreichen Modeboutiquen, Restaurants und Nachtclubs, die sich hier nieder­ • gelassen haben.

2 Café Benedict: Während 24 Stunden kann man im Café Benedict – einer lokalen Institu­ tion – frühstücken. Vom klas­ sischen englischen Breakfast mit Speck und Bohnen über den namengebenden Toast Benedict bis zu mediterranen Versionen werden die Gerichte mit viel Liebe zubereitet, und sogar das Brot ist hausgemacht. Die Atmosphäre ist stilvoll­gemütlich, das Publikum international. 3 Dizengoff Center: Das Center, benannt nach dem ersten Bürgermeister Tel Avivs, Meir Dizengoff, gilt als erstes Ein­ kaufszentrum Israels. 1977 eröffnet, zieht es bis heute täglich Tausende von Besuchern an und bietet neben zahlreichen Geschäften und Restaurants auch Kinos und Ausstellungsräumlich­ keiten. Der Dizengoff Tower ist ein begehrter Wohnturm. Die meisterhafte, an eine Artischocke erinnernde Betonskulptur ist ein markantes Element in der wach­ senden Skyline von Tel Aviv. 4 Alter Hafen: Angler im alten Hafen von Tel Aviv, der in den letzten Jahren zur neuen See­ promenade mit schicken Holz­ decks, zahllosen Restaurants und Shops ausgebaut worden ist. 5 Boutique Shine: Alice Dahan sei nicht einfach eine Mode­ designerin, sondern eine Visionä­ rin, behaupten ihre Fans. Mit ihrem Kleiderlabel Miss Alice, zwei Modegeschäften namens Shine sowie einem der beliebtes­ ten Cafés Tel Avivs prägt die ehe­ malige Fotografin den Stil der israelischen Stadt mit. Ihr zwei­ ter Laden, in einer ehemaligen Autogarage, muss demnächst weiterziehen, denn der moderne Komplex im Herzen des ange­ sagten Gan­Hahashmal­Quar­ tiers soll abgerissen werden.

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city trip // tel aviv

Adressen Hotels → Montefiore, 36 Montefiore Street, Tel. +972 3 564 6100, www.hotelmontefiore.co.il → Nina Café Suites Hotel, 29 Shabazi Street, Tel. +972 3 508 4141, www.ninacafehotel.com

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1 Atelier Extra Vergine: In seinem Atelier mit Showroom im Zentrum des alten Jaffa interpretiert Ram Bar-Zeev traditionelle mediterrane Objekte neu. Etwa klassische orientalische Tee- und Kaffeeträger, die er mit modernen Mustern versieht. 2 Ha’Tachana: Einer von zahlreichen kleinen Modeläden auf dem umgenutzten und 2010 eröffneten Ha’Tachana-Areal, dem ehemaligen Bahnhof von Jaffa. 3 Azrieli Center: Im Center befinden sich neben Büros auch Hotels, Restaurants sowie eines der grössten Einkaufszentren Israels. Der Name ist der kanadischen Einwandererfamilie Azrieli gewidmet, sie brachte das Konzept der Shopping Mall nach Israel. 4 Restaurant Ali Karavan: Viele Tel Aviver sind sich einig, dass man das perfekte Hummus im «Ali Karavan» bekommt, dem kleinen, lauten Lokal in Jaffa, das nur morgens und mittags geöffnet hat.

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Auch der alte Tel Aviver Hafen wurde in den vergangenen Jahren neu entdeckt. 1936 als Tor zu Israel erbaut, wurde er 30 Jahre später bereits wieder stillgelegt. Die Renovation der alten Terminals und deren Neubelebung mit Restaurants, Clubs und Geschäften sowie der Bau einer hölzernen Promenade führten zu einer Verlängerung der beliebten Strandanlagen Tel Avivs gegen Norden hin. Neben all diesen architektonischen und kommerziellen Leckerbissen ist Tel Aviv aber auch für sein herausragendes kulturelles Leben bekannt. Ob mit Institutionen wie der Philharmonie, der Oper, dem Tel Aviv Museum of Art oder neuen Institutionen wie dem spektakulären Designmuseum in Holon – Tel Aviv ist längst zum internationalen Fixpunkt der Kunst- und Kulturszene avanciert. Ein weiteres Highlight sei hier ebenfalls erwähnt: das legendäre Tel Aviver Nachtleben. Ob am Strand, in den zahllosen Bars oder Clubs: In der israelischen Metropole wird – besonders in heissen Sommernächten – lange, ausgelassen und ausgesprochen friedlich gefeiert. Vor der Realität verschliessen die Bewohner Tel Avivs die Augen aber nicht. Sie sind sich der prekären Situation des Landes durchaus bewusst und sprechen offen darüber. Vielleicht helfen der anhaltende Boom Tel Avivs und insbesondere auch die wachsende Beliebtheit bei Touristen und Städtereisenden, den Friedensprozess im Nahen Osten voranzutreiben. Denn eine Perle wie Tel Aviv in einem Krieg zu verlieren, kann sich Israel • je länger, je weniger leisten.

Cafés/Bars/Restaurants → Ali Karavan, 1 Ha’Dolphin Street, Tel. +972 3 682 0387 → Benedict, 171 Ben Yehuda Street, Tel. +972 3 544 0345, www.benedict.co.il → Café Noir, 43 Ahad Ha’am Street, Tel. +972 3 566 3018, www.cafnoir.rest-e.co.il → Japanika, 12 Rothschild Boulevard, Tel. +972 3 546 6666 → Jos & Los, 51 Yehuda Halevi, Tel. +972 3 560 6385 → Manta Ray, Alma Beach, Tel. +972 3 517 4773, www.mantaray.co.il → Mersand, 70 Ben Yehuda Street, Tel. +972 3 523 4318 → Shine Café, 35 King Solomon Street, Tel. +972 3 527 6186 → Vicky Cristina, Ha’Tachana, Tel. +972 3 736 7272 Shops/Showrooms → Extra Vergine, 1 Hapninim Street, Tel. +972 3 682 2905, www.extravergine-design.com → Shine, 12 Kikar Masarik, Tel. +972 3 529 8607 Museen → Design Museum Holon, 8 Pinhas Eilon Street, Holon, Tel. +972 7 3215 1515, www.dmh.org.il → Tel Aviv Museum of Art, 27 Shaul Hamelech Boulevard, Tel. + 972 3 607 7020, www.tamuseum.com → Ha’Tachana, www.hatachana.co.il


lieblingsstück

Mein Lieblingsobjekt ist ein Messer der deutschen Edel­ schmiede Nesmuk; ich habe mich rich­ tiggehend verliebt in das scharfe Stück. Das Messer aus 480 Lagen Damas­ zener Stahl kommt aus der japanischen Tradition, Nesmuk hat eine sagenhafte Härte von 64 bis 65 Rockwell sowie eine unglaublich scharfe Klinge. Das Messer muss deshalb nur einmal im Jahr geschliffen werden, andere, eben­ falls sehr gute Messer schicken wir viermal jährlich zum Schleifen. Wir haben mit dem Nesmuk ein Menschen­ haar spalten können. Oder als wir eine Tomate aus 20 Zentimetern Höhe auf die Klinge fallen liessen, fiel sie sauber

TOBIAS FUNKE 29

führt das Restaurant Funkes Obstgarten in Freienbach SZ. Dieses Jahr ist er vom «Gault Millau» zum «Aufsteiger des Jahres» gekürt worden.

in zwei Hälften auseinander. Das Messer hält ein Leben lang, und es ist von A bis Z von Hand gefertigt. Das spürt man. Gut gefällt mir übrigens der

bis 5000 Jahre alten Mooreiche gefer­ tigt. Ich finde, das passt gut zu mir. Ich suche beim Kochen auch immer das Besondere.

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FOTO: ROBERT HUBER

Griff. Er ist aus dem Holz einer 3000


NAHRUNG FÜR ALPHATIERE. Wo sich Leader und künftige Leader informieren. Alle zwei Wochen am Kiosk oder im Abo. Tel. 043 444 55 22. www.bilanz.ch


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FIRST ist ein hedonistisches Lifestyle-Magazin für die Leser der führenden Wirtschaftspublikationen in der Schweiz. Es geht rund um die fe...

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